Secrets of the Biblical Creation Story
GA 122
16 August 1910, Munich
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Secrets of the Biblical Creation Story, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Wir stehen vor einem wichtigen Vortragszyklus, und es darf wohl vorausgeschickt werden, daß dieser Vortragszyklus erst jetzt unternommen werden kann, da wir Jahre hindurch gearbeitet haben auf dem geisteswissenschaftlichen Felde. Und es darf weiter gesagt werden, daß die großen Ideen, denen wir uns in den nächsten Tagen werden hinzugeben haben, in einer gewissen Beziehung jene Stimmung brauchen, die uns werden konnte durch die beiden in den letzten Tagen erfolgten Aufführungen. Diese Aufführungen sollten ja unser Herz hineinführen in jene Stimmung, in jene Gefühlsverfassung, welche notwendig ist, damit das, was uns auf anthroposophischem Gebiete entgegentreten soll, durchdrungen werde von der richtigen Wärme und von der richtigen Innigkeit. Oftmals durfte es ja betont werden, wie die abstrakten Gedanken, die Ideen selbst, die uns auf unserem Felde entgegentreten, ihre volle Wirkungskraft erst dann in unserer Seele entfalten können, wenn sie eintauchen in diese warme Innigkeit des Erlebens. Sie erst läßt unsere Seele empfinden, daß wir uns durch unsere anthroposophischen Ideen Gebieten des Daseins nähern, nach denen wir nicht nur eine gewisse Erkenntnissehnsucht haben sollen, sondern denen auch unser Herz sich zuwendet, denen gegenüber wir die Stimmung haben können, die wir im vollsten Sinn des Wortes als eine heilige Stimmung bezeichnen. Und vielleicht war es mir selber die ganzen Jahre her nicht so ums Herz als gerade in diesem Augenblick, da wir vor einem Vortragszyklus stehen, von dem man vielleicht nicht mit Unrecht sagen darf, daß er sich vermißt, menschliche Gedanken ein wenig dem zu nähern, was wie Urworte seit Jahrtausenden durch Menschenherzen gezogen ist und Menschengeister beschäftigt hat, Menschenherzen und Menschengeister hinaufzulenken zu dem, was der Mensch als das Höchste, als das Gewaltigste, was es für ihn geben kann, empfinden soll: den eigenen Ursprung in seiner Größe.
[ 1 ] We are about to embark on an important series of lectures, and it should be noted that this series can only be undertaken now because we have been working in the field of the spiritual sciences for years. And it may further be said that the great ideas to which we will devote ourselves in the coming days require, in a certain sense, the mood that has been created for us by the two performances that took place in recent days. These performances were indeed intended to lead our hearts into that mood, into that emotional state, which is necessary so that what we are to encounter in the field of anthroposophy may be imbued with the right warmth and the right depth of feeling. It has often been emphasized how the abstract thoughts, the ideas themselves, that confront us in our field can only unfold their full power in our soul when they are immersed in this warm intimacy of experience. It is this alone that allows our soul to feel that, through our anthroposophical ideas, we are approaching realms of existence toward which we should not only have a certain thirst for knowledge, but to which our heart also turns, and toward which we can have a mood that we may, in the fullest sense of the word, describe as a sacred mood. And perhaps my own heart has not been so moved in all these years as it is at this very moment, as we stand before a lecture series of which one might not be wrong to say that it seeks to bring human thoughts a little closer to what, like primal words, has moved through human hearts and occupied human minds for millennia, to direct human hearts and minds upward toward what humanity is meant to perceive as the highest, as the most powerful thing that can exist for it: its own origin in its greatness.
[ 2 ] Bevor dieser Vortragszyklus beginnen soll, darf ich heute nach den beiden vorangegangenen Tagen vielleicht etwas Anthroposophisch-Familiäres berühren, eben weil wir die Vorbereitung zu diesen Zyklus an uns haben vorübergehen lassen können. Schon am Beginne des vorjährigen Zyklus durfte ich darauf hinweisen, wie symbolisch bedeutsam gerade diese unsere Münchener Veranstaltungen für unser anthroposophisches Leben sind. Und ich durfte darauf hinweisen, wie uns durch Jahre hindurch dasjenige getragen hat, was wir in echt anthroposophischem Sinn nennen könnten die Geduld des Wartens, bis uns zu irgendeiner Arbeit die Kräfte herangereift sind. Und noch einmal lassen Sie mich daran erinnern, daß die Vorstellung der «Kinder des Luzifer», die wir im vorigen Jahr haben zustande bringen dürfen und die wir so glücklich waren, in diesen Tagen zu wiederholen, sieben Jahre in Geduld von uns mußte erwartet werden. Die Arbeit der sieben Jahre auf dem anthroposophischen Felde mußte dieser Darstellung vorangehen. Im vorigen Jahre durfte ich daran erinnern, daß am Ausgangspunkte unserer deutschen Sektionsgründung in Berlin von mir ein Vortrag gehalten worden ist, anknüpfend an dieses Drama «Die Kinder des Luzifer», und daß es mir dazumal wie ein Ideal vor der Seele schwebte, dieses Drama einmal auf der Bühne zeigen zu dürfen. Nach siebenjähriger anthroposophischer Arbeit ist dies gelungen, und wir dürfen sagen: Diese Darstellung im vorigen Jahre bedeutete in gewisser Beziehung einen Markstein in unserem anthroposophischen Leben. Wir durften eine künstlerische Ausgestaltung anthroposophischen Fühlens und anthroposophischen Denkens vor das geistige Auge unserer lieben Freunde hinstellen. Und wir fühlen uns ja gerade in solchen Augenblicken so recht in unserem anthroposophischen Milieu, wenn wir empfinden das UnsÜbergreifen und Uns-Durchdringen anthroposophischen Lebens. Der Verfasser der «Kinder des Luzifer», den wir schon im vorigen Jahre das Glück hatten, hier zu sehen bei jener Aufführung und bei dem vorjährigen Zyklus, und dessen Gegenwart wir uns auch in diesem Jahre wiederum erfreuen, er hat für das geistige Leben der Gegenwart in seinem epochalen Werke «Die großen Eingeweihten» ein Ideengefüge geschaffen, dessen Wirkung für Seelen und Gemüter der Gegenwart erst die Zukunft in das richtige Licht wird stellen können.
[ 2 ] Before this lecture series begins, I would like to touch on a somewhat personal, anthroposophical note today, following the two previous days, precisely because we have been able to let the preparations for this series unfold within us. Already at the beginning of last year’s series, I was able to point out how symbolically significant these Munich events of ours are for our anthroposophical life. And I was able to point out how, over the years, we have been sustained by what we might call, in a truly anthroposophical sense, the patience of waiting until the forces for a particular work have matured within us. And once again, let me remind you that the performance of “The Children of Lucifer,” which we were able to bring to fruition last year and which we were so fortunate to repeat these past few days, required seven years of patient waiting on our part. Seven years of work in the anthroposophical field had to precede this production. Last year I was able to recall that, at the very beginning of the founding of our German Section in Berlin, I had given a lecture based on this drama, “The Children of Lucifer,” and that at that time the ideal of one day being able to present this drama on stage hovered before my soul. After seven years of anthroposophical work, this has been achieved, and we may say: This performance last year marked, in a certain sense, a milestone in our anthroposophical life. We were able to present an artistic expression of anthroposophical feeling and thought before the spiritual eyes of our dear friends. And it is precisely in such moments that we feel truly at home in our anthroposophical milieu, when we sense the permeation and interpenetration of anthroposophical life. The author of *The Children of Lucifer*, whom we had the good fortune to see here last year at that performance and during the previous year’s cycle, and whose presence we are delighted to have again this year, has created in his epoch-making work “The Great Initiates,” a framework of ideas whose impact on the souls and minds of the present will only be properly illuminated by the future.
[ 3 ] Sie würden sich gewiß vielfach wundern, wenn Sie die Schätzung, die man heute geistigen Kräften und geistigen Arbeiten der Vergangenheit in dieser oder jener Zeit angedeihen läßt, vergleichen würden mit derjenigen, welche in dem Bewußtsein der damaligen Zeitgenossen geherrscht hat. Man verwechselt so leicht die Art, wie man selber über Goethe, über Shakespeare, über Dante denkt, mit dem, was die Zeitgenossen fähig waren zu durchschauen und zu überblicken von den geistigen Kräften, die durch solche Persönlichkeiten dem fortschreitenden Menschengeist einverleibt worden sind. Und wir müssen uns insbesondere. als Anthroposophen zum Bewußtsein bringen, daß der Mensch in seiner eigenen Gegenwart am allerwenigsten ermessen kann, wie bedeutsam, wie kräftigend die geistigen Arbeiten der Zeitgenossen für die Seelen sind. Wenn man sich besinnt, wie eine Zukunft die Dinge ganz anders beurteilen wird, als es die Gegenwart vermag, dann darf es wohl gesagt werden, daß das Erscheinen der «Großen Eingeweihten» für den geistigen Inhalt und für die geistige Vertiefung unserer Zeit einstmals als etwas ungeheuer Bedeutungsvolles angesehen werden wird. Denn es strahlen heute schon aus vielen Seelen im weitesten Umkreise der Kultur unserer Gegenwart die Seelenechos, die dadurch möglich wurden, daß diese Ideen in die Herzen unserer Zeitgenossen Eingang gefunden haben. Und diese Echos sind wahrhaft bedeutsam für unsere Zeitgenossen, denn unzähligen bedeuten sie Sicherheit im Leben, Trost und Hoffnung in den schwierigsten Augenblicken dieses Lebens. Und nur dann, wenn wir uns in der richtigen Weise an solcher großen Geistestat der Gegenwart zu erfreuen verstehen, dann dürfen wir sagen, daß wir anthroposophisches Empfinden und anthroposophische Stimmung in einem etwas größeren Stile in unserer Brust tragen. Und aus jener Seelentiefe heraus, aus welcher die Ideen der «Großen Eingeweihten» leuchteten, sind auch geformt und geprägt die Gestalten der «Kinder des Luzifer», die uns eine große Zeit der Menschheit vor das Seelenauge führen, eine Zeit, in welcher Altgewordenes und Neuerblühendes im Weltenwerden zusammenstoßen. Und Anthroposophen sollten es verstehen, wie in diesem Drama zweierlei zusammenstrahlt: menschliches Leben, menschliche Arbeit und menschliches Wirken auf dem physischen Plan, wie es ausgeführt wird durch die Gestalten, die uns in den «Kindern des Luzifer» entgegentreten, und in dieses Arbeiten, in dieses Wirken hinein leuchtet dasjenige, was wir die Erleuchtung aus den höheren Welten nennen. Und indem wir ein Drama auf die Bühne stellten, in dem nicht nur gezeigt wird, wie Menschenstreben und Menschenkräfte im Herzen und im Kopfe wurzeln, sondern wie hereindringen die Inspirationen aus den heiligen Stätten, aus den Weihestätten der Tempel, wie die unsichtbaren Mächte die menschlichen Herzen durchglühen und durchgeisten — indem wir dieses Ineinander-sich-Verweben übersinnlicher Welten mit unserer Sinneswelt zeigten, haben wir einen Markstein hinstellen dürfen in unserer anthroposophischen Bewegung.
[ 3 ] You would certainly be surprised in many ways if you were to compare the esteem in which the intellectual powers and intellectual works of the past are held today with that which prevailed in the minds of their contemporaries. It is so easy to confuse the way we ourselves think about Goethe, Shakespeare, and Dante with what their contemporaries were able to perceive and grasp of the spiritual forces that were incorporated into the evolving human spirit through such personalities. And we must, especially as anthroposophists, bring to our consciousness that human beings, in their own present, are least able to gauge how significant, how invigorating the spiritual works of their contemporaries are for the soul. When one considers how the future will judge things quite differently than the present is able to, then it may well be said that the appearance of the “Great Initiates” will one day be regarded as something of immense significance for the spiritual content and for the spiritual deepening of our time. For already today, from many souls within the widest circle of our present-day culture, there radiate the echoes of the soul that have been made possible by these ideas finding their way into the hearts of our contemporaries. And these echoes are truly significant for our contemporaries, for to countless people they signify security in life, comfort, and hope in the most difficult moments of this life. And only when we know how to take delight in such a great spiritual achievement of the present in the right way may we say that we carry anthroposophical feeling and anthroposophical mood within our hearts on a somewhat larger scale. And from that depth of soul from which the ideas of the “Great Initiates” shone forth, the figures of the “Children of Lucifer” have also been formed and shaped, leading us before the eye of the soul to a great era of humanity, an era in which the old and the newly blossoming collide in the unfolding of the world. And anthroposophists should understand how two things shine together in this drama: human life, human work, and human activity on the physical plane, as carried out by the figures who confront us in “The Children of Lucifer”; and shining into this work, into this activity, is that which we call enlightenment from the higher worlds. And by staging a drama that not only shows how human striving and human powers are rooted in the heart and mind, but also how inspirations penetrate from the sacred sites, from the consecrated places of the temples, how the invisible powers ignite and spiritualize human hearts—by showing this interweaving of supersensible worlds with our sensory world, we have been able to set a milestone in our anthroposophical movement.
[ 4 ] Denn das darf ich auch in diesem Jahre beim Ausgangspunkte unseres Vortragszyklus wiederholen: Das Allerwichtigste, das Allerwesentlichste bei einer solchen Unternehmung, das sind die Herzen derer, die Verständnis haben, ein solches Werk aufzunehmen. Das ist der große Irrtum unserer Zeit, daß man glauben kann, ein Werk könne geschaffen werden und es müsse wirken. Es kommt nicht nur darauf an, daß die gewaltigen Werke Raffaels oder Michelangelos in der Welt sind; es kommt darauf an, daß in der Welt Herzen leben, Seelen existieren, welche den Zauber aus diesen Werken in sich beleben können. Raffael und Michelangelo haben nicht für sich allein geschaffen, sie haben geschaffen im Widerhall mit denen, die von jener Kultur erfüllt waren, die fähig waren entgegenzunehmen, was sie der Leinwand anvertrauten. Unsere Gegenwartskultur ist chaotisch, unsere Gegenwartskultur hat keine Einheitlichkeit der Empfindung. Lassen Sie die größten Werke auf eine solche Kultur wirken: sie werden die Herzen unberührt lassen. Das muß das Eigenartige unserer anthroposophischen Bewegung sein, daß wir als ein Kreis von Menschen uns versammeln, in denen gleichartige Empfindungen leben, die beseelt sind von gleichartigen Gedanken, in denen möglich wird eine gleichartige Begeisterung. Auf den Brettern spielt sich ein Drama im Bilde ab; in den Herzen der Zuschauer spielt sich ab ein Drama, dessen Kräfte der Zeit angehören. Das, was die Herzen im Zuschauerraum fühlten, was in jedem Herzen wurzelte, das ist ein Keim für das Leben der Zukunft. Fühlen wir das, meine lieben Freunde, und fühlen wir vor allen Dingen nicht allein eine Befriedigung darüber, das wäre vielleicht billig, fühlen wir die Verantwortung, die wir damit auf unsere Seele laden. Jene Verantwortung, die uns sagt: Seid vorbildlich für das, was geschehen muß, für das, was möglich werden muß, daß die Zeitkultur der Menschheit imprägniert wird von dem Bewußtsein, daß der Mensch hier auf dem physischen Plan der Mittler ist zwischen physischen Taten, physischem Werden und dem, was nur durch ihn einströmen kann aus den übersinnlichen Welten in diese Welten des physischen Planes herunter.
[ 4 ] For I must reiterate this once again at the outset of our lecture series this year: The most important thing, the very essence of such an undertaking, is the hearts of those who are capable of understanding and embracing such a work. The great fallacy of our time is the belief that a work can be created and that it must therefore have an effect. It is not merely a matter of the magnificent works of Raphael or Michelangelo existing in the world; it is a matter of there being hearts alive in the world, souls existing, capable of bringing the magic of these works to life within themselves. Raphael and Michelangelo did not create for themselves alone; they created in resonance with those who were imbued with that culture, who were capable of receiving what they entrusted to the canvas. Our present-day culture is chaotic; our present-day culture lacks unity of feeling. Let the greatest works act upon such a culture: they will leave hearts untouched. This must be the distinctive feature of our anthroposophical movement: that we gather as a circle of people in whom similar feelings live, who are inspired by similar thoughts, in whom a similar enthusiasm becomes possible. On the stage, a drama unfolds in the form of a picture; in the hearts of the audience, a drama unfolds whose forces belong to the times. What the hearts in the auditorium felt, what took root in every heart, is a seed for the life of the future. Let us feel this, my dear friends, and above all, let us not merely feel a sense of satisfaction—which might be too easy—but let us feel the responsibility we thereby take upon our souls. That responsibility which tells us: Be exemplary for what must happen, for what must become possible, so that the contemporary culture of humanity may be imbued with the awareness that here on the physical plane, the human being is the mediator between physical deeds, physical becoming, and that which can flow down into these worlds of the physical plane from the supersensible worlds only through him.
[ 5 ] So sind wir in gewissem Sinne erst eine geistige Familie dadurch, daß wir uns zuneigen dem gemeinsamen väterlichen Urprinzip, das in unseren Herzen lebt und das eben in diesem Augenblick von mir versucht worden ist zu charakterisieren. Und wenn wir in dieser Weise mit unserem Herzen, mit unserer ganzen Seelenstimmung auffassen, was wir erleben, wenn wir es auffassen, indem wir es als Zugehörige unserer anthroposophischen Familie fühlen, dann empfinden wir auch im rechten Sinn das Glück und sehen es mit innigster Befriedigung, daß wir den Autor der «Kinder des Luzifer» nunmehr bei den beiden Aufführungen und in den darauffolgenden Tagen unter uns haben durften.
[ 5 ] In a certain sense, we are a spiritual family precisely because we are drawn to the common, primal, fatherly principle that lives in our hearts—the very principle I have just attempted to describe. And when we perceive what we are experiencing in this way—with our hearts, with our entire spiritual disposition—when we perceive it by feeling that we belong to our anthroposophical family, then we also truly feel the joy and view it with the deepest satisfaction that we were able to have the author of *The Children of Lucifer* among us during the two performances and in the days that followed.
[ 6 ] Nehmen Sie das so auf, daß wir dadurch in der Tat fühlen können: Es leben die lebendigen anthroposophischen Kräfte der Gegenwart in dem Kreise, aus dem heraus dasjenige erfließen durfte, was wir in den letzten Tagen durch unsere Seele haben ziehen lassen.
[ 6 ] Take this to heart so that we may truly feel: The living anthroposophical forces of the present are alive in the circle from which that which we have allowed to flow through our souls in recent days was able to emerge.
[ 7 ] Meine lieben Freunde, mir ist es schon im vorigen Jahre eine liebe Pflicht gewesen, hinzuweisen gerade auf diejenige Arbeits stätte, auf welcher wir solch einen Markstein unserer anthroposophischen Tätigkeit entwickeln durften. Und es war mir eine liebe Pflicht — und ich betone dabei das Wort «liebe» und möchte ausdrücklich bemerken, daß Sie «Pflicht» nicht in trivialem Alltagssinn nehmen dürfen —, es war mir und es ist mir eine liebe Pflicht, auch in dieser Stunde darauf hinzuweisen, wie hier zum Zustandekommen dieser unserer anthroposophischen Veranstaltungen unsere Freunde nicht nur mit Eifer, sondern mit Hingebung aller ihrer Kräfte arbeiteten.
[ 7 ] My dear friends, it was already a cherished duty of mine last year to draw attention specifically to the very place where we were able to develop such a milestone in our anthroposophical work. And it was a cherished duty of mine—and I emphasize the word “cherished” here and would like to expressly note that you must not take “duty” in the trivial, everyday sense— it was and remains a cherished duty of mine to point out, even at this hour, how our friends worked not only with zeal but with the devotion of all their strength to bring about these anthroposophical events of ours.
[ 8 ] Wer solche Aufführungen sieht, denkt vielleicht nicht immer daran, daß es lange dauert, bis das, was zuletzt sich dem Auge in wenigen Stunden darbietet, wirklich auf der Bühne steht. Und die Art und Weise, wie unsere lieben Freunde hier an diesem Orte zusammenarbeiteten, um das Werk zustande zu bringen, sie darf in einer gewissen Beziehung immer wieder für die anthroposophische Arbeit, vielleicht auch für das menschliche Zusammenwirken, als Vorbild bezeichnet werden. Insbesondere deshalb, weil es einem richtigen anthroposophischen Empfinden widerstreben würde, bei dieser Arbeit in irgendeiner Weise zu kommandieren. Da ist ein Fortschritt nur dann möglich, wenn die einzelnen Freunde mit ihrem Herzen voll dabei sind, in ganz anderer Weise, als das auf einem ähnlichen künstlerischen Felde jemals der Fall sein könnte. Und dieses Voll-dabei-Sein, nicht nur in den wenigen Wochen, die uns zur Verfügung stehen, um die Aufführungen vorzubereiten, sondern dieses Voll-dabei-Sein, dieses freie herzliche Zusammenwirken, es dauerte Jahre hindurch. Und da wir ja bei dieser Gelegenheit aus den verschiedensten Gegenden uns versammelt haben und die Anthroposophen sich nicht nur dadurch kennenlernen sollen, daß sie sozusagen ein paar Worte miteinander wechseln, sondern daß sie voneinander wissen, was einem jeden in der Arbeit heilig ist, deshalb darf wohl gerade bei dieser Gelegenheit mit einigen Worten darauf hingewiesen werden, wie Jahre hindurch hier gearbeitet worden ist, um im entsprechenden Augenblick zusammenzugruppieren, was notwendig war, um eine anthroposophische Leistung auf die Füße zu stellen, wie wir sie in den letzten Tagen geben durften. Und wenn es auch nicht allein durch äußere Umstände geboten wäre, so würde mein Herz mich drängen, in dieser Stunde hinzuweisen auf die hingebungsvolle Arbeit unserer Freunde, die uns das ermöglicht hat, was wir erleben durften. Denn Sie dürfen es glauben: nur durch diese hingebungsvolle Arbeit ist es möglich geworden.
[ 8 ] Those who see such performances may not always realize that it takes a long time for what is ultimately presented to the eye in just a few hours to actually come to fruition on stage. And the way in which our dear friends here at this venue worked together to bring the production to life can, in a certain sense, be described time and again as a model for anthroposophical work—and perhaps also for human cooperation. This is especially true because a true anthroposophical sensibility would be averse to issuing commands in any way during this work. Progress is only possible here when the individual friends are fully engaged with their hearts, in a way quite different from what could ever be the case in a similar artistic field. And this full engagement—not only during the few weeks we have available to prepare the performances, but this full engagement, this free and heartfelt collaboration—has lasted for years. And since we have gathered here on this occasion from the most diverse regions, and since anthroposophists are not meant to get to know one another merely by exchanging a few words, so to speak, but rather by knowing from one another what is sacred to each in their work, it is fitting, on this occasion in particular, to say a few words about how work has been carried out here over the years to bring together, at the right moment, what was necessary to establish an anthroposophical achievement such as the one we have been able to present in recent days. And even if external circumstances did not alone demand it, my heart would urge me at this hour to point out the devoted work of our friends, which has made possible what we have been able to experience. For you may believe: it is only through this devoted work that it has become possible.
[ 9 ] Ich sagte, ich will den Vortragszyklus beginnen mit einer Art familiärer Besprechung dessen, was uns auf dem Herzen liegen kann. Da dürfen wir vor allen Dingen der jahrelangen hingebungsvollen Arbeit der beiden Damen gedenken, die hier zielbewußt und in innigem Einklang wirken mit dem, was man auf anthroposophischem Felde nur wollen kann. Seit vielen Jahren haben Fräulein Stinde und die Gräfin Kalckreuth ihre Gesamtkräfte der anthroposophischen Arbeit hier an diesem Orte gewidmet. Und daß nur durch dieses hingebungsvolle, zielbewußte Wirken im innigen Einklang mit den anthroposophischen Impulsen das möglich geworden ist, was wir zu unserer Befriedigung geben durften, das weiß vor allen Dingen ich am allerbesten. Und daher werden Sie es um so begreiflicher finden, daß ich bei dieser Gelegenheit aus dankerfülltem Herzen heraus diese Worte für die beiden Mitarbeiterinnen hier in München spreche. Dann kommen dazu die hingebungsvollen Arbeiten derer, die sozusagen unmittelbar ihre Kräfte exponieren in denjenigen Wochen, die unseren Arbeiten gewidmet sind.
[ 9 ] I said that I would like to begin this lecture series with a kind of informal discussion of what may be on our minds. Above all, we should take a moment to remember the many years of dedicated work by these two women, who have been working here with determination and in deep harmony with everything one could hope for in the field of anthroposophy. For many years, Miss Stinde and Countess Kalckreuth have devoted their entire energies to anthroposophical work here in this place. And I know better than anyone that it is only through this dedicated, purposeful work in deep harmony with the anthroposophical impulses that what we have been able to present to our satisfaction has become possible. And so you will find it all the more understandable that, on this occasion, I speak these words from a heart full of gratitude to these two colleagues here in Munich. Added to this is the devoted work of those who, so to speak, directly contribute their energies during the weeks dedicated to our work.
[ 10 ] Wir versuchten gestern in einem künstlerischen Bilde vor Ihre Augen hinzustellen den Weg zu den Höhen, auf denen der Mensch erfahren kann das, was durch die anthroposophische Entwickelung fließen soll, das, was sozusagen der Seelenforscher erleben muß. Es wird sich vielleicht in Anknüpfung an mancherlei, was in diesem Vortragszyklus zu sagen ist, Gelegenheit finden, auf dieses oder jenes hinzuweisen, was gestern vor Ihr Seelenauge geführt werden sollte. Es mußte das Leben dessen, der zu der geistigen Erkenntnis hinaufstrebt, gezeigt werden, es mußte gezeigt werden, wie er aus dem physischen Plan herauswächst, wie schon hier auf dem physischen Plan alles das, was um ihn herum geschieht und was vielleicht einem anderen Menschen als etwas recht Alltägliches erscheinen könnte, ihm bedeutsam wird. Herauswachsen muß die Seele des Geistsuchers aus Ereignissen des physischen Planes. Und dann mußte gezeigt werden, was diese Seele erleben muß in sich selber, wenn sich in sie ergießt alles, was an Menschenschicksal, an Menschenleid, an Menschenlust, an Menschenstreben und an Menschenillusionen um uns herum vorgeht; wie diese Seele zermalmt und zerschmettert werden kann, wie die Kraft der Weisheit sich hindurchringen kann durch diese Zerschmetterung, und wie dann erst, wenn der Mensch glaubt, in einer gewissen Beziehung fremd geworden zu sein der sinnlichen Welt, die großen Täuschungen an ihn herantreten.
[ 10 ] Yesterday we attempted to present before your eyes, through an artistic image, the path leading to the heights where human beings can experience what is to flow through anthroposophical development—that which, so to speak, the soul researcher must experience. Perhaps, in connection with various points to be made in this lecture series, there will be an opportunity to point out this or that aspect of what was meant to be brought before your inner eye yesterday. The life of the one who strives toward spiritual knowledge had to be shown; it had to be shown how he grows out of the physical plane, how even here on the physical plane everything that happens around him—and which might appear to another person as something quite ordinary—becomes significant to him. The soul of the spiritual seeker must grow beyond the events of the physical plane. And then it had to be shown what this soul must experience within itself when everything that takes place around us—human fate, human suffering, human desire, human striving, and human illusions—pours into it; how this soul can be crushed and shattered, how the power of wisdom can force its way through this shattering, and how only then, when the human being believes they have become, in a certain sense, estranged from the sensory world, do the great deceptions approach them.
[ 11 ] Ja, mit den Worten, die Welt sei Maja oder Illusion, oder: «Durch die Erkenntnis dringen wir zur Wahrheit», mit diesen Worten ist vieles und doch auch wieder recht wenig gesagt. Das, was damit gesagt wird, muß jeder auf individuelle Weise erleben. Daher konnte auch das, was im allgemeinen gilt, so recht, man möchte sagen, seelisch bluterfüllt nur gezeigt werden, indem man es im Durchleben einer einzelnen Gestalt zeigte. Nicht wie ein jeder zur Initiation hinauf sich nähert, sondern wie die ganz individuelle Gestalt des Johannes Thomasius aus ihren Bedingungen heraus der Pforte der Erkenntnis sich nähern kann, das sollte gezeigt werden. Und es wäre durchaus unrichtig, wenn jemand glauben wollte, daß er das Ereignis, das im Meditationszimmer gezeigt ist, den Aufstieg der Maria aus dem irdischen Leib heraus in das Devachan, als ein allgemeines Ereignis hinstellen dürfte. Das Ereignis ist absolut real, spirituell-real, aber es ist ein Ereignis, durch das gerade eine so geartete Persönlichkeit, wie der Johannes 'Thomasius sie darstellt, den Impuls erhalten sollte, hinaufzusteigen in die geistigen Welten.
[ 11 ] Yes, with the words that the world is māyā or illusion, or: “Through knowledge we penetrate to the truth”—with these words, much is said, and yet, in a sense, very little. What is meant by them must be experienced by each person in their own individual way. That is why even what is generally true could only be shown—one might say, in a way that is spiritually imbued with life—by demonstrating it through the lived experience of a single individual. It was not to be shown how everyone approaches initiation, but rather how the entirely individual figure of Johannes Thomasius, from his own circumstances, can approach the gate of knowledge—that is what was to be shown. And it would be entirely incorrect for anyone to believe that they could present the event depicted in the meditation room—the ascent of Mary from her earthly body into Devachan—as a universal event. The event is absolutely real, spiritually real, but it is an event through which precisely a personality of the kind represented by Johannes Thomasius was to receive the impulse to ascend into the spiritual worlds.
[ 12 ] Und ich möchte Ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf den Augenblick hinlenken, wo gezeigt wird, wie die Seele dann, wenn sie im Grunde genommen schon die Kraft gefunden hat, über die gewöhnliche Illusion hinwegzugehen, wie sie dann erst der Möglichkeit der großen Täuschungen gegenübersteht. Nehmen Sie an, daß Johannes Thomasius nicht in der Lage wäre, zu durchschauen — wenn er es auch gar nicht bewußt tut, sondern es nur mit einem inneren Auge durchfühlt —, daß in der Gestalt, die im Meditationszimmer zurückbleibt und dem Hierophanten den Fluch entgegenschleudert, nicht mehr dieselbe Individualität enthalten ist, der er zu folgen hat. Nehmen Sie an, es könnte der Hierophant oder auch Johannes Thomasius einen Augenblick darüber in Unruhe kommen. Dann wäre es für unabsehbare Zeiten unmöglich, den Erkenntnispfad für Johannes Thomasius in irgendeiner Weise weiterzuführen. Dann würde in diesem Augenblicke das Ganze aus sein, und nicht nur für Johannes Thomasius, sondern auch für den Hierophanten, der dann nicht imstande gewesen wäre, die starken Kräfte in Johannes Thomasius zu entfalten, welche ihn über diese Klippe hinwegführen können. Abtreten müßte der Hierophant von seinem Amte, und verloren wären ungeheure Zeiträume für Johannes Thomasius in seinem Aufstiege. Wenn Sie versuchen, die Szenen, die gerade diesem Momente vorangehen, und die Gefühle, die in der Seele des Johannes Thomasius gewirkt haben, sich vor Augen zu rücken, die besondere Art der Schmerzen, die besondere Art der Erlebnisse: dann werden Sie vielleicht zu dem Urteil gelangen, daß die Kraft der Weisheit, ohne daß er selbst es vielleicht weiß, so stark in ihm geworden ist, daß er diesen gewaltigen Ruck in seinem Leben überstehen kann. All diese Erlebnisse, die sich abspielen, ohne daß vor dem Seelenauge etwas sichtbar schwebt, die müssen vorausgehen, bevor in einer richtigen Weise das folgen darf, was uns objektiv vor die Seele, zunächst in bildhafter Art, die geistige Welt vor das geistige Auge stellt. Das geschieht dann in den nächsten Szenen. Der Schmerz ist es, der zunächst den Menschen ganz durchrüttelt; die Gewalt des Impulses ist es, die davon herrührt, daß er der Möglichkeit einer größten Täuschung widersteht. Das alles entwickelt sich zu einer Spannkraft in der Seele, welche unser Schauen, wenn wir so sagen dürfen, umkehrt und das, was vorher nur subjektiv war, mit der Gewalt des Objektiven vor unsere Seele hintreten läßt.
[ 12 ] And I would like to draw your attention in particular to the moment when it is shown how the soul, having essentially already found the strength to rise above ordinary illusion, is then confronted with the possibility of great deceptions. Suppose that Johannes Thomasius were unable to see through—even if he does so not consciously, but only senses it with an inner eye—that the figure remaining in the meditation room and hurling the curse at the Hierophant no longer contains the same individuality that he is meant to follow. Suppose the Hierophant or even Johannes Thomasius were to be troubled by this for a moment. Then it would be impossible for an indefinite time to continue the path of knowledge for Johannes Thomasius in any way. Then, at that very moment, the whole endeavor would be over—not only for Johannes Thomasius, but also for the Hierophant, who would then have been unable to unfold the powerful forces within Johannes Thomasius capable of guiding him past this precipice. The Hierophant would have to step down from his office, and immense periods of time would be lost for Johannes Thomasius in his ascent. If you try to picture the scenes immediately preceding this moment, and the feelings that have stirred in Johannes Thomasius’s soul—the particular nature of the pain, the particular nature of the experiences— then you may come to the conclusion that the power of wisdom, perhaps without his even realizing it, has become so strong within him that he can survive this tremendous upheaval in his life. All these experiences, which unfold without anything visible hovering before the soul’s eye, must precede what follows in the proper way—that which objectively presents the spiritual world to the soul, initially in pictorial form, before the spiritual eye. This then takes place in the following scenes. It is the pain that first shakes the human being to the core; it is the force of the impulse that arises from his resistance to the possibility of the greatest deception. All of this develops into a tension in the soul which, if we may say so, reverses our perception and allows what was previously only subjective to step before our soul with the force of the objective.
[ 13 ] Das, was Sie in den nächsten Szenen sehen, was mit spirituellrealistischer Art zu schildern versucht ist, stellt dar, was der nach und nach in die höheren Welten Hinaufwachsende fühlt als das äußere Spiegelbild dessen, was er zuerst in seiner Seele selber an Gefühlen durchlebt hat, und was wahr ist, ohne daß derjenige, der es erlebt, schon voll wissen kann, wieviel davon wahr ist. Da wird der Mensch zunächst hinaufgeführt, zu sehen, wie die Zeit, in der wir als Sinnesmenschen leben, in bezug auf ihre Ursachen und Wirkungen überall angrenzt an anderes. Da sieht man nicht bloß jenen kleinen Ausschnitt, den die Sinneswelt vorführt, sondern da lernt man begreifen, daß das, was uns in der Sinneswelt vor Augen tritt, nur der Ausdruck eines Geistigen ist. Daher sieht Johannes Thomasius mit seinem geistigen Auge den Mann, der ihm zuerst auf dem physischen Plan entgegengetreten ist, Capesius, nicht wie er jetzt ist, sondern wie er Jahrzehnte vorher war als junger Mann. Und er sieht den anderen, den Strader, nicht in der Gestalt, die er in der Gegenwart hat, sondern er sieht ihn prophetisch voraus, wie er werden muß, wenn er sich in derselben Art weiterentwickelt, wie er eben in jener Gegenwart ist. Erst dann verstehen wir den Augenblick, wenn wir diesen Augenblick über die Gegenwart hinauszudehnen verstehen in die Vergangenheit und in die Zukunft hinein. Dann aber tritt uns entgegen dasjenige, woran wie mit Geistesfäden alles Geschehen der Gegenwart hängt: dann tritt uns entgegen die geistige Welt, mit der der Mensch immer in Beziehung ist, wenn er es auch mit seinem äußeren physischen Verstand, mit seiner äußeren Sinnlichkeit nicht zu durchschauen vermag.
[ 13 ] What you will see in the following scenes—which are presented in a spiritually realistic manner—depicts what a person gradually ascending into the higher worlds perceives as the external reflection of the feelings they first experienced within their own soul, and which is true even though the person experiencing it cannot yet fully know how much of it is true. There, the human being is first led upward to see how the time in which we live as sensory beings, in terms of its causes and effects, is connected to everything else. There one sees not merely that small fragment presented by the sensory world, but there one learns to understand that what appears before our eyes in the sensory world is merely the expression of something spiritual. Thus Johannes Thomasius sees with his spiritual eye the man who first approached him on the physical plane, Capesius, not as he is now, but as he was decades earlier as a young man. And he sees the other man, Strader, not in the form he has in the present, but he sees him prophetically as he must become if he continues to develop in the same way as he is in that very present. Only then do we understand the moment, when we are able to extend this moment beyond the present into the past and into the future. But then we are confronted by that upon which, as if by spiritual threads, all events of the present depend: then we are confronted by the spiritual world with which human beings are always in relationship, even if they cannot fathom it with their outer physical intellect or their outer sensibility.
[ 14 ] Glauben Sie es mir, es ist nicht etwa ein Bild, nicht etwa ein Symbol, es ist realistisch geschildert, wenn in der Szene, wo der junge Capesius aus voller, für die Sinneswelt berechtigter Herzensempfindung heraus seine Ideale entwickelt — die aber gegenüber der geistigen Welt das eine haben, daß sie eben bloß in der äußeren, durch die Sinne wahrnehmbaren Welt wurzeln —, wenn da gezeigt wird, daß das, was er und was Strader sagen, die Elemente aufrüttelt, den Blitz und Donner entfesselt. Der Mensch ist kein isoliertes Wesen. Das, was der Mensch in seinem Worte ausspricht, in seinem Gedanken wirksarn hat, was in des Menschen Gefühlen lebt, das steht mit dem ganzen Kosmos im Zusammenhang, und jedes Wort, jedes Gefühl, jeder Gedanke setzt sich fort. Ohne daß es der Mensch weiß, ist sein Irrtum, sein falsches Gefühl zerstörerisch in den Elementarreichen unseres Daseins. Und was sich dem, der den Weg zur Erkenntnis geht, vor allen Dingen auf die Seele legt aus diesen ersten Erfahrungen in der geistigen Welt heraus, das ist das große Verantwortlichkeitsgefühl, das uns sagt: «Was du als Mensch tust, das ist nicht bloß auf dem isolierten Platze getan, auf dem sich deine Lippen bewegen, auf dem du denkst, auf dem dein Herz schlägt: das gehört der ganzen Welt an. Ist es fruchtbar, so ist es fruchtbar in der ganzen Welt; ist es ein zerstörender Irrtum, so ist es eine zerstörende Kraft in der ganzen Welt.»
[ 14 ] Believe me, it is not merely an image, not merely a symbol; it is a realistic depiction when, in the scene where the young Capesius develops his ideals out of a heartfelt emotion that is fully justified in the sensory world—ideals which, however, have one thing in common with the spiritual world: they are rooted solely in the external world perceptible through the senses— when it is shown that what he and Strader say stirs the elements, unleashing lightning and thunder. Human beings are not isolated beings. What a person expresses in words, what is active in their thoughts, what lives in their feelings—all of this is connected to the entire cosmos, and every word, every feeling, every thought carries on. Without the human being’s knowledge, his error, his false feeling, is destructive in the elemental realms of our existence. And what, above all else, settles upon the soul of the one who walks the path to knowledge from these first experiences in the spiritual world is that great sense of responsibility that tells us: “What you do as a human being is not merely done in the isolated place where your lips move, where you think, where your heart beats: it belongs to the whole world. If it is fruitful, it is fruitful throughout the whole world; if it is a destructive error, it is a destructive force throughout the whole world.”
[ 15 ] Alles das, was wir in dieser Weise durchleben können beim Aufstieg, das wirkt wiederum weiter in unserer Seele. Hat es in der richtigen Weise gewirkt, dann drängt es uns hinauf in höhere Regionen des geistigen Lebens, wie sie versucht worden sind zu schildern in dem devachanischen Gebiete, in das die Seele der Maria mit ihren Genossinnen dem Johannes Thomasius vorausgegangen ist. Nehmen Sie es nicht als abstrakten Gedanken, sondern als eine spirituelle Realität, wenn ich sage, daß diese drei Helferinnen, Philia, Astrid und Luna, die Kräfte sind, die wir in abstracto, wenn wir für den physischen Plan reden, als Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele bezeichnen. Aber geben Sie sich nicht jener Illusion hin, daß damit etwas getan ist, wenn man in einem künstlerisch gedachten Werk die einzelnen Gestalten mit abstrakten Begriffen zu symbolisieren versucht. So sind sie nicht gemeint. Sie sind als reale Gestalten, als wirksame Kräfte gedacht. Sie finden im Devachan nicht etwa Tafeln, auf denen steht Empfindungsseele, Verstandesseele, Bewußtseinsseele; Sie finden dort wirkliche Wesenheiten, so real für die Geisteswelt, wie nur immer ein Mensch in Fleisch und Blut auf dem physischen Plan sein kann. Der Mensch sollte sich bewußt sein, daß er den Dingen ihren Reichtum nimmt, wenn er alles mit symbolischen Abstraktionen zu belegen versucht. Johannes 'Thomasius hat in der Welt, die er bis dahin durchschritten hat, nur das durchlebt, was man nennen könnte: in Bildform breitete sich vor seinem Seelenauge aus die geistige Welt. Ob er nun selbst als subjektive Wesenheit der Veranlasser ist dieser Welt, ob sie eine in sich begründete Wahrheit hat, das konnte er bis dahin nicht entscheiden. Wieviel von dieser Welt Illusion, wieviel Wirklichkeit ist, das mußte er erst in jenem höheren Gebiete, in dem er der Seele der Maria begegnete, zur Entscheidung bringen.
[ 15 ] Everything we experience in this way during our ascent continues to have an effect on our soul. If it has had the right effect, it propels us upward into higher regions of spiritual life, as have been attempted to be described in the devachanic realm, into which the soul of Mary, together with her companions, preceded Johannes Thomasius. Do not take it as an abstract idea, but as a spiritual reality, when I say that these three helpers, Philia, Astrid, and Luna, are the forces that we, in the abstract—when speaking of the physical plane—designate as the soul of feeling, the soul of understanding, and the soul of consciousness. But do not succumb to the illusion that it is enough to attempt to symbolize the individual figures with abstract terms in an artistically conceived work. That is not how they are meant. They are conceived as real figures, as active forces. In Devachan you will not find, for example, signs bearing the words “Soul of Feeling,” “Soul of Intellect,” “Soul of Consciousness”; there you will find real beings, as real to the spiritual world as a human being of flesh and blood can ever be on the physical plane. One should be aware that one robs things of their richness when one attempts to explain everything with symbolic abstractions. In the world he had traversed up to that point, Johannes Thomasius had experienced only what one might call: the spiritual world spread out before his soul’s eye in pictorial form. Whether he himself, as a subjective being, is the instigator of this world, or whether it possesses a truth grounded in itself, he had not yet been able to determine. How much of this world is illusion and how much is reality—he had to reach a decision on this only in that higher realm where he encountered the soul of Maria.
[ 16 ] Denken Sie sich einmal, Sie würden in einer Nacht, wenn Sie eingeschlafen sind, plötzlich in eine ganz andere Welt versetzt und Sie könnten nichts, aber auch gar nichts in dieser anderen Welt finden, was Ihnen einen Anknüpfungspunkt böte an das, was Sie vorher schon erlebt haben. Da wären Sie überhaupt nicht derselbe Mensch, dasselbe Wesen. Sie müssen die Möglichkeit haben, irgend etwas hinüberzunehmen in die andere Welt und es dort wiederzuschauen, so daß Ihnen die Wahrheit verbürgt ist. Das kann man für die Geisteswelt nur dadurch, daß man sich schon in dieser Welt einen festen Stützpunkt erwirbt, der einem Wahrheits-Sicherheit gibt. In dramatischer Darstellung sollte das so gegeben werden, daß Johannes Thomasius auf dem physischen Plane nicht nur mit seinen Affekten, mit seinen Leidenschaften, sondern mit seinen Herzenstiefen verbunden ist der Wesenheit der Maria, so daß er ein Geistigstes in dieser Verbindung erlebt schon auf dem physischen Plan. Nur daher konnte das jener Schwerpunkt auch in der geistigen Welt sein, von dem aus sich alles übrige in der geistigen Welt bewahrheitet. Dadurch strömt Wahrheits-Sicherheit über alles übrige in der geistigen Welt aus, daß Johannes Thomasius einen Stützpunkt findet, den er schon in der physischen Welt anders als durch die bloßen 'Trugbilder der Sinnlichkeit oder des Verstandes kennengelernt hat. Dadurch verknüpfen sich ihm die beiden Welten, dadurch wird er reif, in realer Weise sein Gedächtnis auszudehnen über verflossene Lebensläufe und damit seelisch hinauszuwachsen über die Sinneswelt, wie sie uns umgibt.
[ 16 ] Just imagine that one night, while you were asleep, you were suddenly transported to a completely different world, and you could find nothing—absolutely nothing—in that other world that would offer you a point of connection to what you had experienced before. You would not be the same person, the same being at all. You must have the opportunity to carry something over into the other world and see it there again, so that the truth is guaranteed to you. This can be achieved for the spiritual world only by acquiring a firm foothold in this world that gives you certainty of truth. In a dramatic portrayal, this should be presented in such a way that Johannes Thomasius is connected on the physical plane not only through his emotions and passions, but through the depths of his heart to the essence of Maria, so that he already experiences the most spiritual aspect of this connection on the physical plane. Only in this way could that focal point also be the one in the spiritual world from which everything else in the spiritual world is verified. Through this, a certainty of truth radiates out over everything else in the spiritual world, because Johannes Thomasius finds a foothold that he has already come to know in the physical world in a way other than through the mere ‘illusions of the senses or the intellect.’ Through this, the two worlds are linked for him; through this, he matures, expanding his memory in a real way beyond past lives and thereby growing spiritually beyond the sensory world that surrounds us.
[ 17 ] Deshalb tritt an diesem Punkte etwas auf, was, wenn man so sagen darf, ein gewisses Mysterium der geistigen Welt umschließt. Theodora, die auf dem physischen Plan in die Zukunft sieht und das bedeutsame Ereignis, vor dem wir stehen, die neue Erscheinung der Christus-Gestalt, vorauszusehen in der Lage ist — auf dem geistigen Plane ist sie fähig, die Bedeutung des Vergangenen vor die Seele zu rufen. Alles muß, wenn es realistisch dargestellt wird, in der spirituellen Welt so dargestellt werden, wie es wirklich verläuft. Die Vergangenheit wird mit ihren Kräften in ihrer Bedeutung für die Wesen, die im Devachan leben, dadurch bedeutsam, daß die entgegengesetzten Kräfte dort entfaltet werden, die wir hier auf dem physischen Plan als prophetische Kräfte wahrnehmen. Es ist eine realistische Schilderung, daß die Theodora auf dem physischen Plan die Seherin in die Zukunft, auf dem geistigen Plan das Gewissen und die Gedächtnis-Erweckerin für das Vergangene ist und so jenen Moment herbeiführt, durch den Johannes Thomasius in seine eigene Vergangenheit zurückschaut, in der er schon verbunden war mit der Individualität der Maria. So ist er vorbereitet, dann in seinem weiteren Leben alles das durchzumachen, was ihn zu einem bewußten Erkennen der geistigen Welt führt. Und Sie sehen, wie auf der einen Seite die Seele zu etwas ganz anderem wird, wenn sie durchflossen, durchströmt ist mit den Erfahrungen der geistigen Welten, wie alle Dinge in einem neuen Licht erscheinen. Wie das, was uns sonst Qualen und Schmerzen verursacht, wenn wir es als anderes Selbst im eigenen Selbst erleben, uns Trost und Hoffnung gibt, wie das Ausgeflossensein in die Welt uns groß und bedeutsam macht; und wir sehen, wie der Mensch sozusagen hineinwächst in jene Teile des Weltenalls. Wir sehen aber auch, wie der Mensch durchaus nicht hochmütig werden darf, wie der Irrtum, die Irrtumsmöglichkeit durchaus noch nicht von seiner Seite gewichen ist und wie es möglich ist, daß Johannes Thomasius, der schon vieles, vieles erkannt hat von den geistigen Welten, dennoch in dem Augenblick geistig so empfinden konnte, als wenn der leibhafte Teufel zur Tür hereinkäme, während ihm sich nähert sein größter Wohltäter, Benedictus.
[ 17 ] That is why something occurs at this point that, if I may say so, encompasses a certain mystery of the spiritual world. Theodora, who on the physical plane looks into the future and is able to foresee the significant event before us—the new manifestation of the Christ figure—is capable, on the spiritual plane, of bringing the significance of the past before the soul. Everything, when presented realistically, must be depicted in the spiritual world exactly as it truly unfolds. The past, with its forces and their significance for the beings living in Devachan, becomes meaningful through the unfolding there of the opposing forces that we perceive here on the physical plane as prophetic forces. It is a realistic depiction that Theodora is, on the physical plane, the seer into the future, and on the spiritual plane, the conscience and the awakener of memories of the past, thus bringing about that moment through which Johannes Thomasius looks back into his own past, in which he was already connected to the individuality of Maria. Thus he is prepared to go through everything in his future life that leads him to a conscious recognition of the spiritual world. And you see how, on the one hand, the soul becomes something entirely different when it is permeated, filled with the experiences of the spiritual worlds, how all things appear in a new light. How that which otherwise causes us torment and pain, when we experience it as another self within our own self, gives us comfort and hope; how this outpouring into the world makes us great and significant; and we see how the human being, so to speak, grows into those parts of the universe. But we also see how human beings must by no means become arrogant, how error—the possibility of error—has by no means yet departed from their side, and how it is possible that Johannes Thomasius, who has already recognized much, much of the spiritual worlds, could nevertheless, at that moment, feel spiritually as if the devil himself were entering the door, while his greatest benefactor, Benedictus, was approaching him.
[ 18 ] Wie das möglich ist, so sind auf dem geistigen Plane unzählige Täuschungen der verschiedensten Art möglich. Das darf niemanden kleinmütig machen; das muß aber jeden so stimmen, daß er auf der einen Seite die Vorsicht gebrauchen muß gegenüber der geistigen Welt, daß er auf der anderen Seite mutvoll und kühn auch der Möglichkeit eines Irrtums entgegenschauen muß und keineswegs kleinmütig werden darf, wenn irgendwie sich etwas darbietet, was wie ein irrtümlicher Bericht aus einer geistigen Welt heraus sich zeigt. Durch alle diese Dinge muß der Mensch ganz real durchgehen, wenn er sich wirklich dem nähern will, was man nennen kann den Tempel der Erkenntnis, wenn er zum wirklichen Verständnis derjenigen vier großen Gewalten der Welt aufsteigen will, welche das Weltenschicksal in einer gewissen Beziehung lenken und leiten und die repräsentiert sind durch die vier Hierophanten des Tempels.
[ 18 ] Just as this is possible, so too are countless deceptions of every kind possible on the spiritual plane. This should not discourage anyone; rather, it must inspire everyone to exercise caution toward the spiritual world on the one hand, and on the other hand to face the possibility of error with courage and boldness, and under no circumstances to lose heart if something presents itself that appears to be a misleading report from the spiritual world. A person must pass through all these things in a very real sense if they truly wish to approach what might be called the Temple of Knowledge, if they wish to ascend to a true understanding of those four great powers of the world which, in a certain sense, direct and guide the destiny of the world and which are represented by the four Hierophants of the Temple.
[ 19 ] Wenn wir ein Gefühl davon erhalten, daß die Seele solches durchmachen muß, ehe sie fähig ist, zu schauen, wie aus der geistigen, aus der spirituellen Welt heraus die sinnliche fließt, und wenn wir uns so stimmen, daß wir die Urgründe der Welt nicht in banaler Weise mit alltäglichen Worten bezeichnen wollen, sondern daß wir den inneren Wert der Worte uns erst aneignen wollen, dann nur können wir eine Ahnung davon erhalten, wie die Urworte gemeint sind, mit denen uns im Beginn der Bibel die Schöpfung charakterisiert wird. Wir müssen fühlen, daß wir uns abgewöhnen müssen die gewöhnliche Bedeutung, die wir in unserer Seele tragen von den Worten «Himmel und Erde», «schaffen», «Licht und Finsternis» und all den anderen Worten. Wir müssen uns abgewöhnen die Empfindungen, die wir im Alltage gegenüber diesen Worten hegen, und wir müssen uns ein wenig entschließen, für diesen Vortragszyklus neue Empfindungsnuancen, neue Wortwerte in unsere Seele zu legen, damit wir nicht bloß das hören, was in den Ideen liegt, sondern damit wir es so hören können, wie es gemeint ist und wie es nur aufgefaßt werden kann, wenn wir dem, was aus dunklen Weltgebieten zu uns hereinspricht, mit einer eigens dazu gestimmten Seele begegnen.
[ 19 ] If we can sense that the soul must go through such experiences before it is able to perceive how the sensory world flows out of the spiritual world, and if we attune ourselves so that we do not wish to describe the primordial foundations of the world in a banal way with everyday words, but rather that we first wish to appropriate the inner value of the words, then only then can we gain a glimpse of how the primordial words are meant, with which creation is characterized for us at the beginning of the Bible. We must feel that we must wean ourselves from the ordinary meanings we carry in our souls for the words “heaven and earth,” “create,” “light and darkness,” and all the other words. We must wean ourselves from the feelings we harbor toward these words in everyday life, and we must resolve, at least to some extent, to imbue our souls with new nuances of feeling and new meanings of words for this lecture series, so that we do not merely hear what lies in the ideas, but so that we may hear it as it is meant and as it can only be understood when we meet what speaks to us from dark realms of the world with a soul attuned specifically to this purpose.
[ 20 ] In einer ganz kurzen Wortskizze versuchte ich Ihnen zu sagen, was wir Ihnen gestern gezeigt hatten. Daß wir das unter verhältnismäßig schwierigen Umständen zeigen konnten, das war wiederum nur möglich durch die treue, hingebungsvolle Arbeit vieler unserer anthroposophischen Freunde. Und lassen Sie mich es auch aussprechen, was mir das tiefste Herzensbedürfnis ist, daß ich selbst und wohl alle, die etwas davon wissen, nicht genug danken können allen, welche mit uns zusammen gearbeitet haben, um diesen Versuch, denn ein Versuch sollte es nur sein, einmal wagen zu dürfen. Er wurde wirklich nicht unter den leichtesten Verhältnissen gewagt; es mußten diejenigen, die mitarbeiteten, durch Wochen hindurch und insbesondere noch in der letzten Woche mit vollem Einsatz ihrer Kräfte arbeiten, hingebungsvoll arbeiten. Und wir dürfen es als eine schöne Errungenschaft unseres anthroposophischen Lebens bezeichnen, daß wir in unserer Mitte Künstler haben, welche uns jetzt schon durch zwei Jahre hindurch treu mit ihrer künstlerischen Kraft zur Seite stehen. Da lassen Sie mich vor allen Dingen unseres lieben Freundes Doser gedenken, der nicht nur im vorigen und in diesem Jahre sich der schwierigen Aufgabe unterzogen hat, den Phosphoros auf die Bühne zu bringen, sondern der es auch übernommen hat, in diesem Jahre diejenige Gestalt darzustellen, die mir ganz. besonders auf dem Herzen lag und die für das, was wir gestern zu zeigen versuchten, unendlich wichtig ist: die Gestalt des Capesius. Vielleicht werden Sie erst nach und nach spüren, warum gerade diese Capesiusgestalt eine ganz besonders wichtige ist. Und auch die andere Gestalt, die Gestalt des Strader, die unser lieber Seiling brachte, der uns nun schon zwei Jahre treu zur Seite steht, auch diese Gestalt ist insbesondere in diesem Zusammenhang von großer Wichtigkeit. Dabei darf ich nicht unerwähnt lassen, wie unser lieber Herr Seiling durch seine ganz eigenartige Stimmbegabung, ich kann sie nicht anders nennen, uns da zur Seite steht, wo es sich darum handelt, sinnbildlich hereinspielen zu lassen die geistige Welt in die physische. All das Liebe und herrlich Befriedigende, das Sie in den Geisterstimmen vernehmen konnten, verdanken wir ja dieser ganz außerordentlichen Begabung insbesondere nach dieser Richtung hin.
[ 20 ] In a very brief outline, I tried to explain to you what we showed you yesterday. The fact that we were able to present this under relatively difficult circumstances was, in turn, only possible thanks to the faithful, dedicated work of many of our anthroposophical friends. And let me also express what is my deepest heartfelt need: that I myself, and indeed all who know anything about it, cannot thank enough all those who worked with us to make it possible to dare this attempt—for it was meant to be nothing more than an attempt. It was truly not undertaken under the easiest of conditions; those who collaborated had to work with full commitment and dedication for weeks on end, and especially during the final week. And we may count it as a fine achievement of our anthroposophical life that we have artists in our midst who have now stood by us faithfully for two years with their artistic power. Let me first and foremost remember our dear friend Doser, who not only undertook the difficult task of bringing *Phosphoros* to the stage last year and this year, but who also took on the role this year of portraying the figure who was particularly close to my heart and who is infinitely important for what we tried to present yesterday: the figure of Capesius. Perhaps you will only gradually come to realize why this character of Capesius is a particularly important one. And the other character as well—the character of Strader, portrayed by our dear Seiling, who has now stood faithfully by our side for two years—this character, too, is of great importance, especially in this context. In this regard, I must not fail to mention how our dear Mr. Seiling, through his quite unique vocal gift—I can call it nothing else—stands by us when it comes to symbolically allowing the spiritual world to play into the physical. All that which is loving and wonderfully satisfying, which you were able to hear in the voices of the spirits, we owe to this quite extraordinary gift, particularly in this regard.
[ 21 ] Und es obliegt mir, vor allen Dingen zu danken denjenigen, die in den Hauptrollen ihre volle Kraft eingesetzt haben, trotzdem sie auf dem anthroposophischen Felde noch mancherlei anderes in dieser Zeit und überhaupt die ganzen Jahre hindurch zu tun hatten. Es darf gesagt werden, daß vielleicht nur auf anthroposophischem Felde die Kraft so erwachsen kann, die Fräulein von Sivers instand setzte, in zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei so große Rollen, wie die Kleonis und die Maria es sind, auf die Bretter zu bringen. Derlei ist nur möglich bei Einsetzung der vollen Kräfte, die ein Mensch einzusetzen hat. Und mit ganz besonders dankerfülltem Herzen möchte ich der Darstellerin des Johannes ’Thomasius selbst an diesem Orte gedenken, und es wird mir insbesondere eine tiefe Befriedigung gewähren, wenn diese Gestalt des Johannes Thomasius, in der ja sehr, sehr viel von dem, was wir anthroposophisches Leben nennen, liegt, wenn diese Gestalt ein wenig verknüpft bleibt mit der ersten Darstellerin dieses Johannes Thomasius. Daß das überhaupt möglich geworden ist unter den hier nicht weiter zu charakterisierenden schwierigen Umständen, das ist nur der ganz intensiven, hingebungsvollen Art zu verdanken, welche unser liebes Fräulein Waller für die anthroposophische Sache empfindet. Und wenn ich Ihnen erzählen würde, unter welchen Schwierigkeiten, wegen der Kürze der Zeit, Fräulein Waller sich in diese Rolle des Johannes Thomasius hineinleben mußte, Sie würden wahrscheinlich recht sehr erstaunen. Alle diese Dinge, die unter uns passieren, die in unserer anthroposophischen Arbeit sich vollziehen, sie gehen uns an, da wir in geistigem Sinn eine anthroposophische Familie sind. Daher sollen wir uns denen zu Dank verpflichtet fühlen, die sich für uns alle in einer so hingebungsvollen Weise solcher Aufgabe widmeten, einer Aufgabe, die in dieser Weise zu lösen vielleicht — ich bitte immer wieder zu berücksichtigen, daß der Außenstehende die schwierigen Verhältnisse gar nicht zu beurteilen vermag — einer anderen Persönlichkeit überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Und an diesen Worten mögen Sie die ganze Größe, die Hingebung, die die Darsteller in den letzten Tagen und Wochen entwickelt haben, erkennen und ermessen, wie berechtigt es ist, auch von einem tiefen Danke gerade in diesem Augenblick hier zu sprechen.
[ 21 ] And it is my duty, above all, to thank those who gave their all in the leading roles, even though they had many other responsibilities in the field of anthroposophy during this time and indeed throughout the years. It may be said that perhaps only in the anthroposophical field can the strength grow that enabled Miss von Sivers to bring two such great roles as Kleonis and Maria to the stage on two consecutive days. Such a feat is only possible through the full deployment of the powers a human being has at their disposal. And with a heart filled with particular gratitude, I would like to commemorate the actress who played Johannes Thomasius here myself, and it will give me deep satisfaction in particular if this figure of Johannes Thomasius—in whom so much of what we call anthroposophical life is embodied—if this figure remains somewhat connected to the first actress to portray this Johannes Thomasius. That this has become possible at all under the difficult circumstances—which I will not describe further here—is due solely to the very intense, devoted way in which our dear Miss Waller feels for the anthroposophical cause. And if I were to tell you about the difficulties Miss Waller had to overcome, due to the shortness of time, in getting into the role of Johannes Thomasius, you would probably be quite astonished. All these things that happen among us, that take place in our anthroposophical work, concern us, since we are, in a spiritual sense, an anthroposophical family. Therefore, we should feel indebted to those who have devoted themselves so selflessly to such a task on behalf of us all—a task that, in this way, might perhaps—I ask you again and again to bear in mind that an outsider is not at all able to judge the difficult circumstances—have been impossible for any other individual to accomplish. And in these words, may you recognize the full magnitude and devotion that the performers have displayed in recent days and weeks, and appreciate how justified it is to speak of a deep sense of gratitude right here and now.
[ 22 ] Ich würde lange, lange sprechen müssen, wenn ich all derer im einzelnen gedenken wollte, die zu dieser Arbeit des gestrigen Tages sich mit uns vereint haben. Lassen Sie einmal vor allen Dingen uns des Mannes gedenken, der da, wo es in unseren Reihen gilt, etwas im Sinne der Anthroposophie zu tun, immer mit dem, worauf es ankommt, mit dem vollsten Herzen und seinem ganzen Können auf dem Platze ist, lassen Sie uns unseres lieben Freundes Arenson gedenken, der uns sowohl im vorigen Jahre wie auch diesmal mit seinem schönen musikalischen Können unterstützt hat und der es möglich gemacht hat, daß wir sowohl «Die Kinder des Luzifer» wie auch das, was wir gestern versuchten, an den entsprechenden Stellen in würdiger Weise überleiten konnten in etwas, was nur aus der Tonwelt heraus zu empfinden ist. Und lassen Sie mich gedenken unserer lieben künstlerischen Freunde hier in München. Sie hatten reichlich Gelegenheit, in den beiden Tagen zu sehen, wie versucht worden ist, alles auch für das äußere Auge in Einklang zu bringen mit dem gesprochenen Worte und der gehörten Musik. Sie haben gesehen, wie bis auf den letzten Farbenfleck hin, bis auf die letzte Form hin versucht worden ist, alles zu einer Einheit zu gestalten. Wenn das in irgendeiner Weise möglich geworden ist, so danken wir es der verständnisvollen Art, mit welcher unsere künstlerischen Freunde hier, Herr Volkert, Herr Linde, unser lieber Herr Haß, herzlichst bei allem, um was es sich handelte, mitarbeiteten, um das, was getan werden sollte, in einer würdigen Art geschehen zu lassen.
[ 22 ] I would have to speak at great length if I were to mention in detail all those who joined us in yesterday’s work. Let us first and foremost remember the man who, whenever there is a need within our ranks to do something in the spirit of anthroposophy, is always there with his whole heart and all his skill, let us remember our dear friend Arenson, who supported us both last year and this time with his beautiful musical talent and who made it possible for us to transition both “The Children of Lucifer” and what we attempted yesterday, at the appropriate points, in a dignified manner into something that can only be felt through the world of sound. And let me remember our dear artistic friends here in Munich. You have had ample opportunity over the past two days to see how we have attempted to harmonize everything—even for the external eye—with the spoken word and the music heard. You have seen how, down to the last speck of color, down to the last form, we have tried to shape everything into a unity. If this has been achieved in any way, we owe it to the understanding manner in which our artistic friends here—Mr. Volkert, Mr. Linde, our dear Mr. Haß—cordially collaborated on everything involved, so that what needed to be done could be accomplished in a dignified manner.
[ 23 ] Und solche Dinge sind ja nur dann möglich, wie ich schon im Eingang sagte, wenn jeder aus freiem hingebungsvollem Herzen arbeitet. Auch in diesem Jahre darf in ganz besonderer ‘Weise gedacht werden der Arbeit, die kaum leicht überschaut werden kann, die aber durch Wochen einen ganzen Menschen, eine ganze Seele und ein ganzes Herz in Anspruch nahm, der Arbeit, all das, was an Kostümen erforderlich war, in der richtigen Weise zu erstellen. Und das hat ebenso wie im vorigen Jahre auch diesmal ganz allein auf unserem lieben Fräulein von Eckardtstein gelastet. Dem hat sie sich gewidmet, und nicht nur mit Hingebung, sondern, worauf es ankommt, auch mit intensivstem Verständnis für alles einzelne und für alles Große, das man dabei niemals aus dem Auge verlieren darf.
[ 23 ] And such things are only possible, as I mentioned at the beginning, when everyone works with a free and devoted heart. This year, too, we must give special thought to the work—which is hardly easy to grasp, yet which for weeks demanded the full attention of a person, a whole soul, and a whole heart—the work of creating all the necessary costumes in the proper manner. And just as in the previous year, this burden fell entirely on our dear Miss von Eckardtstein. She devoted herself to it, not only with dedication but, more importantly, with the deepest understanding of every detail and of the greater picture—which must never be lost sight of in the process.
[ 24 ] Das alles sind aber nur kleine Andeutungen dessen, was, wie gesagt, aus dem anthroposophischen Familiengefühl heraus heute einmal gesagt werden mußte, damit jeder einzelne von uns weiß, wie dieses Zusammenarbeiten und dieses Zusammenwirken gemeint ist. Und wenn Sie vorgestern und gestern einige Befriedigung für Ihre Seele und für Ihr Gemüt empfunden haben, dann lassen Sie die Empfindungen, die Ihre Seele durchdringen, ein wenig hinströmen zu denen, deren Namen jetzt genannt worden sind, und zu denjenigen, die Sie als Ihnen wohlbekannte Freunde auf der Bühne gesehen haben.
[ 24 ] But all of this is merely a small hint of what, as I said, had to be said today out of a sense of anthroposophical family spirit, so that each and every one of us knows what is meant by this cooperation and this working together. And if you felt some satisfaction for your soul and your spirit the day before yesterday and yesterday, then let the feelings that permeate your soul flow a little toward those whose names have just been mentioned, and toward those whom you saw on stage as friends well known to you.
[ 25 ] Wir wollten mit diesem, wenn ich so sagen darf, Markstein unseres anthroposophischen Wirkens gleichsam sagen, wie zu denken ist das Hineinfließen der anthroposophischen Ideen, des anthroposophischen Lebens in die Kultur. Und ist die heutige Menschheit auch noch nicht geneigt, in die übrige äußere Kultur aufzunehmen das, was aus dem spirituellen Leben fließen kann, so möchten wir wenigstens im künstlerischen Bilde zeigen, wie Leben werden kann, was uns an Gedanken, an innerem Leben in der Seele strömt und uns in der Seele durchdringt. Entzünden können sich solche Gefühle an dem Vorgefühle, daß die Menschheit dennoch aus ihrer Gegenwart einer Zukunft entgegengehen wird, in der sie wird fühlen können das Herabströmen spirituellen Lebens durch die geistigen und seelischen Adern des Menschen auf dem physischen Plan; daß diese Menschheit entgegengehen wird einer Zeit, in der sich der Mensch empfinden wird als Vermittler zwischen der geistigen Welt und der physischen Welt. Und daß dieses Vorgefühl erwachen könne, dazu waren die Veranstaltungen gemacht.
[ 25 ] With this, if I may say so, milestone of our anthroposophical work, we wanted to show, as it were, how the infusion of anthroposophical ideas and anthroposophical life into culture should be conceived. And even if humanity today is not yet inclined to incorporate into the rest of external culture that which can flow from spiritual life, we would at least like to show, through artistic imagery, how the thoughts and inner life that flow into our souls and permeate us can become living reality. Such feelings can be kindled by the premonition that humanity will nevertheless move from its present toward a future in which it will be able to feel the spiritual life flowing down through the spiritual and soul veins of human beings on the physical plane; that this humanity will move toward a time in which human beings will perceive themselves as mediators between the spiritual world and the physical world. And these events were organized so that this premonition might awaken.
[ 26 ] Und wenn wir ein solches Vorgefühl haben, dann werden wir auch die Möglichkeit finden, abgebrauchte Worte, die den Menschen heute mit Empfindungswerten vor die Seele treten, die es ihm unmöglich machen, ihren vollen Hinweis zu verstehen, wieder zurückzuversetzen in ihr ursprüngliches Licht, in ihren ursprünglichen Glanz. Aber niemand wird verstehen das Monumentale, das in den Worten liegt, die den Ausgangspunkt der Bibel bilden, wenn er den Worten jene Prägung gibt, die sie heute haben. Wir werden selbst in Gedanken hinaufsteigen müssen in die Höhen, zu denen wir Johannes Thomasius versuchten hinaufsteigen zu lassen, dorthin, wo spirituelles Leben pulst, wenn wir das physische Leben auf der Erde verstehen wollen. In gewisser Beziehung muß in diesen geistigen Welten in einer ganz anderen Sprache gesprochen werden. Wir Menschen aber müssen den Worten, die uns hier zur Verfügung stehen, wenigstens neue Werte, neue Empfindungsnuancen geben können, etwas anderes verspüren können, wenn sie bedeuten sollen das, wovon uns die ersten Sätze der Bibel sprechen, wenn wir verstehen wollen den geistigen Ursprung unserer physischen Welt.
[ 26 ] And when we have such a premonition, we will also find a way to restore worn-out words—words that today confront people with emotional connotations that make it impossible for them to grasp their full meaning—to their original light, to their original splendor. But no one will understand the monumentality inherent in the words that form the starting point of the Bible if they imbue those words with the connotations they have today. We ourselves will have to ascend in thought to the heights to which we tried to lead Johannes Thomasius, to where spiritual life pulsates, if we wish to understand physical life on Earth. In a certain sense, a completely different language must be spoken in these spiritual worlds. We humans, however, must at least be able to give the words available to us here new values, new nuances of feeling, and be able to sense something different if they are to signify what the first sentences of the Bible speak of, if we wish to understand the spiritual origin of our physical world.
