Secrets of the Biblical Creation Story
GA 122
17 August 1910, Munich
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Secrets of the Biblical Creation Story, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Wenn derjenige, welcher auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht und einiges von dem aufgenommen hat, was aus der Anthroposophie heraus über die Entwickelung unserer Welt gesagt werden kann, vorzudringen vermag zu jenen gewaltigen Worten, die am Ausgangspunkte unserer Bibel stehen, so sollte ihm etwas aufgehen können wie eine völlig neue geistige Welt. Es ist wohl kaum irgendeinem Dokumente der Menschheitsentwickelung gegenüber die Möglichkeit, sich von dem wahren Sinn zu entfernen, eine so große wie bei diesem Dokumente, das man gewöhnlich die Genesis, die Beschreibung des sogenannten Sechs- oder Siebentagewerks nennt.
[ 1 ] If someone grounded in spiritual science, having absorbed some of what anthroposophy has to say about the evolution of our world, is able to penetrate those powerful words that stand at the very beginning of our Bible, then a completely new spiritual world should dawn upon them. There is hardly any document in the history of human development where the possibility of straying from the true meaning is as great as in this document, which is commonly called Genesis, the account of the so-called six- or seven-day creation.
[ 2 ] Wenn der moderne Mensch in irgendeiner Sprache, die jetzt dem Menschen geläufig sein kann, Worte in seiner Seele wachruft, wie etwa, sagen wir in der deutschen Sprache, «Im Urbeginne schufen die Götter die Himmel und die Erde», so ist das, was in diesen Worten liegt, kaum ein schwacher Abglanz, kaum ein Schattenbild zu nennen von dem, was lebendig war in den Seelen derer, die im hebräischen Altertum die Eingangsworte der Bibel auf sich haben wirken lassen. Denn es kommt diesem Dokumente gegenüber wahrlich zum allergeringsten Teil darauf an, daß wir imstande sind, moderne Worte an die Stelle der alten zu setzen. Es kommt vielmehr darauf an, daß wir uns durch unsere anthroposophische Vorbereitung in den Stand setzen, wenigstens einiges von dem Stimmungsgehalt nachzufühlen, der bei einem alten hebräischen Schüler im Herzen und in der Seele lebte, wenn er die Worte in sich lebendig machte: B'reschit bara elohim et haschamajim w'et ha'arez.
[ 2 ] When modern man, in whatever language he may now be familiar with, evokes words in his soul—such as, say, in the German language, ‘In the beginning, God created the heavens and the earth,’ then what lies in these words can hardly be called a faint reflection, hardly a shadow, of what was alive in the souls of those who, in ancient Hebrew times, allowed the opening words of the Bible to take effect upon them. For, when it comes to this document, it truly matters very little whether we are able to substitute modern words for the ancient ones. What matters far more is that, through our anthroposophical preparation, we enable ourselves to sense at least something of the mood that lived in the heart and soul of an ancient Hebrew scholar when he brought these words to life within himself: B'reschit bara elohim et haschamajim w'et ha'arez.
[ 3 ] Eine ganze Welt lebte in den Augenblicken, da ihm solche Worte durch die Seele zuckten. Was für eine Welt? Womit können wir die Innenwelt, die in der Seele eines solchen Schülers lebte, vergleichen? Nur mit dem können wir sie vergleichen, was in der Seele des Menschen vorgehen kann, der jene Bilder geschildert erhält, die der Seher erlebt, wenn er in die geistigen Welten selber hineinschaut.
[ 3 ] A whole world came to life in those moments when such words flashed through his mind. What kind of world? To what can we compare the inner world that lived in the soul of such a student? We can compare it only to what may take place in the soul of a person who is shown the images that the seer experiences when he looks into the spiritual worlds himself.
[ 4 ] Was wird uns denn schließlich geschildert in dem, was wir die geisteswissenschaftliche Lehre nennen? Wir wissen, die Quellen dieser Lehre sind die Ergebnisse des Sehertums, sind die lebendigen Anschauungen, die der Seher empfängt, wenn er sich in seiner ganzen Auffassung freimacht von den Bedingungen der sinnlichen Wahrnehmung und des an den physischen Leib gebundenen Verstandes, wenn er mit geistigen Organen in die geistige Welt hineinschaut. Das, was er da schaut in der geistigen Welt, er kann es, wenn er es in die Sprachen der physischen Welt übersetzen will, nur in Bildern ausdrücken, aber in Bildern, welche, wenn die Fähigkeit des seherhaften Darstellers hinreicht, in entsprechender Weise eine Vorstellung davon hervorrufen können, was der Seher selbst erschaut in den geistigen Welten. Dann kommt allerdings etwas zustande, was nicht verwechselt werden darf mit irgendeiner Beschreibung von Dingen oder Ereignissen der physisch-sinnlichen Welt, es kommt etwas zustande, bei dem man sich fortdauernd bewußt sein muß, daß man es mit einer ganz anderen Welt zu tun hat, mit einer Welt, die der sinnlichen zwar zugrunde liegt, die aber im eigentlichen Sinne sich in keiner Art deckt mit den Vorstellungen, Eindrücken und Wahrnehmungen der gewöhnlichen Sinneswelt.
[ 4 ] What, after all, is described to us in what we call the spiritual science teachings? We know that the sources of this teaching are the results of clairvoyance, the living visions that the clairvoyant receives when he frees his entire perception from the conditions of sensory perception and the intellect bound to the physical body, when he looks into the spiritual world with spiritual organs. What he sees there in the spiritual world, if he wishes to translate it into the languages of the physical world, he can express only in images—but in images which, if the seer’s ability to depict is sufficient, can evoke a corresponding idea of what the seer himself beholds in the spiritual worlds. Then, however, something comes about that must not be confused with any description of things or events in the physical-sensory world; something comes into being in which one must be constantly aware that one is dealing with an entirely different world, a world that underlies the sensory world, but which, in the strictest sense, does not in any way correspond to the ideas, impressions, and perceptions of the ordinary sensory world.
[ 5 ] Will man sich den Ursprung dieser unserer Sinneswelt einschließlich des Menschen vor die Seele hinmalen, dann kann man mit seinem Vorstellen nicht innerhalb der Sinneswelt verbleiben. Alle Wissenschaften, welche zu den Ursprüngen gehen wollen und nichts mitbringen als Vorstellungen, die aus der Sinneswelt entnommen sind, können nicht zu den Ursprüngen des sinnlichen Daseins gelangen. Denn das sinnliche Dasein wurzelt in dem übersinnlichen Dasein, und wir können zwar geschichtlich oder meinetwillen geologisch eine lange Strecke weiter und immer weiter zurückgehen; wollen wir aber bis zu den Ursprüngen dringen, dann müssen wir uns bewußt sein, daß wir von einem bestimmten Punkte ab in urferner Vergangenheit das Feld des Sinnlichen verlassen und hinaufdringen müssen in Gebiete, die nur übersinnlich zu fassen sind. Dasjenige, was man die Genesis nennt, beginnt nicht mit der Darstellung irgendeines Sinnlichen, nicht mit der Darstellung von irgend etwas, was Augen sehen könnten in der äußeren physischen Welt. Und wir werden im Verlaufe der Vorträge uns hinlänglich davon überzeugen, wie irrtümlich es wäre, wenn man die Worte der ersten Partien der Genesis auf Dinge oder Ereignisse beziehen wollte, die ein äußerliches Auge sehen kann, die wir erleben können, wenn wir mit den äußeren Sinnesorganen unseren Umblick in der Welt halten. Solange man daher mit den Worten «Himmel und Erde» noch irgend etwas verbindet, was einen Rest enthält von sinnlich Sichtbarem, so lange ist man nicht da angekommen, wohin die ersten Partien der Genesis zielen. In der Gegenwart ist es kaum möglich, anders hineinzuleuchten in die Welt, auf die hiermit hingedeutet wird, als durch die Geisteswissenschaft. Aber durch diese Geisteswissenschaft gibt es in gewissem Sinne auch eine Möglichkeit, heranzutreten an das, was man nennen möchte das Mysterium der Urworte, mit denen die Bibel beginnt, und etwas nachzufühlen von dem, was in diesen Urworten liegt.
[ 5 ] If one wishes to picture in one’s mind the origin of our sensory world, including humanity, then one’s imagination cannot remain within the sensory world. All sciences that seek to go back to the origins and bring with them nothing but concepts derived from the sensory world cannot reach the origins of sensory existence. For sensory existence is rooted in supersensory existence, and while we can go back a long way—historically or, if you will, geologically—further and further; but if we wish to penetrate to the origins, then we must be aware that from a certain point in the distant past we must leave the realm of the sensory and ascend into realms that can only be grasped supersensorily. What is called Genesis does not begin with the depiction of anything sensory, nor with the depiction of anything that eyes could see in the external physical world. And in the course of these lectures we shall become sufficiently convinced of how mistaken it would be to apply the words of the first parts of Genesis to things or events that an external eye can see, that we can experience when we survey the world with our external sense organs. Therefore, as long as one still associates the words “heaven and earth” with anything that contains a remnant of the sensually visible, one has not yet arrived at the destination to which the first parts of Genesis point. In the present day, it is hardly possible to shed light on the world referred to here in any other way than through spiritual science. But through this spiritual science, there is also, in a certain sense, a possibility of approaching what one might call the mystery of the primordial words with which the Bible begins, and of sensing something of what lies within these primordial words.
[ 6 ] Worin besteht denn eigentlich das ganz Eigenartige dieser Urworte? Wenn ich mich zunächst abstrakt ausdrücken darf, so muß ich sagen, es besteht darin, daß sie in hebräischer Sprache geschrieben sind, in einer Sprache, die ganz anders auf die Seele wirkt, als irgendeine moderne Sprache wirken kann. Wenn diese Sprache, in der die ersten Partien der Bibel uns zunächst vorliegen, heute auch nicht mehr so wirkt, einstmals hat sie so gewirkt, daß, wenn ein Buchstabe durch die Seele lautete, ein Bild in ihr wachgerufen wurde. Vor der Seele dessen, der mit lebendigem Anteil die Worte auf sich wirken ließ, tauchten in einer gewissen Harmonie, ja in einer organischen Form Bilder auf, die sich vergleichen lassen mit dem, was der Seher heute noch sehen kann, wenn er von dem Sinnlichen zum Übersinnlichen vorschreitet. Man möchte sagen, die hebräische Sprache, oder besser gesagt die Sprache der ersten Partien der Bibel, war eine Art von Mittel, aus der Seele herauszurufen bildhafte Vorstellungen, welche nahe heranrückten an die Gesichte, die der Seher erhält, wenn er fähig wird, leibfrei zu schauen in die übersinnlichen Partien des Daseins.
[ 6 ] What, then, is so unique about these primal words? If I may speak in abstract terms at first, I must say that it lies in the fact that they are written in Hebrew, a language that affects the soul in a way no modern language can. Even if this language, in which the earliest parts of the Bible are initially presented to us, no longer has the same effect today, it once had such an effect that when a letter resonated through the soul, an image was evoked within it. Before the soul of the one who allowed the words to take effect upon him with living interest, images arose in a certain harmony, indeed in an organic form, which can be compared to what the seer can still see today when he advances from the sensible to the supersensible. One might say that the Hebrew language—or rather, the language of the first parts of the Bible—was a kind of medium for evoking pictorial images from the soul, images that came close to the visions the seer receives when he becomes capable of looking, free from the body, into the supersensible realms of existence.
[ 7 ] Deshalb wird, um diese gewaltigen Urworte der Menschheit einigermaßen lebendig vor die Seele hinzustellen, notwendig sein, daß man absieht von allem Schattenhaften, von allem Blassen, das irgendeine moderne Sprache in ihren Wirkungen auf die Seele hat, und daß man sich einen Begriff verschafft von dem gewaltig Lebensvollen, dem Aufrüttelnden und Schöpferischen, das irgendeine Lautfolge in dieser alten Sprache hatte. Und so ist es von unendlicher Wichtigkeit, daß wir im Verlaufe dieser Vorträge auch versuchen, ein wenig vor unsere Seele hinzustellen jene Bilder, die da auftauchten in dem althebräischen Schüler, wenn der betreffende Laut schöpferisch in seiner Seele wirkte und ein Bild vor diese Seele hinstellte. Sie sehen daraus, daß es einen ganz anderen Weg geben muß, in diese Urkunde einzudringen, als alle die Wege, die heute gewählt werden, um irgendwelche alte Urkunden zu verstehen.
[ 7 ] Therefore, in order to bring these mighty primordial words of humanity to life before the soul, it will be necessary to set aside all that is shadowy and pale in the effect that any modern language has on the soul, and to gain an understanding of the tremendous vitality, the stirring and creative power that any sequence of sounds possessed in this ancient language. And so it is of infinite importance that, in the course of these lectures, we also try to bring before our soul, even if only a little, those images that arose in the ancient Hebrew student when the sound in question worked creatively within his soul and set an image before that soul. You can see from this that there must be a completely different way to penetrate this document than all the methods chosen today to understand any ancient documents.
[ 8 ] Damit habe ich einiges von den Gesichtspunkten angegeben, welche uns leiten werden. Wir werden nur langsam und allmählich vordringen können zu dem, was uns eine lebendige Vorstellung dessen geben kann, was in dem althebräischen Weisen gelebt hat, wenn er jene gewaltigsten Worte auf sich wirken ließ, die wir als Worte wenigstens noch in der Welt haben. So wird es unsere nächste Aufgabe sein, so wenig wie möglich an Bekanntes anzuknüpfen und so viel wie möglich uns freizumachen von alledem, was wir bisher uns vorstellten, wenn wir von Himmel und Erde, von Göttern, von Erschaffen und Schaffen und von einem Urbeginne sprechen. Und je mehr wir uns freimachen können von dem, was wir bisher gefühlt haben bei solchen Worten, desto besser werden wir in den Geist eines Dokumentes eindringen, das aus ganz anderen Seelenbedingungen heraus sich entwickelt hat, als sie in der Gegenwart herrschen. Vor allen Dingen aber müssen wir uns darüber verständigen, wovon wir denn eigentlich geisteswissenschaftlich reden, wenn wir von den Einleitungsworten der Bibel sprechen.
[ 8 ] With this, I have outlined some of the perspectives that will guide us. We will be able to advance only slowly and gradually toward what can give us a vivid sense of what lived within the ancient Hebrew sage as he allowed those most powerful words to take effect upon him—words that, at least, still exist in the world today. Thus, our next task will be to draw as little as possible on what is familiar and to free ourselves as much as possible from everything we have hitherto imagined when we speak of heaven and earth, of gods, of creation and making, and of a primal beginning. And the more we can free ourselves from what we have hitherto felt upon hearing such words, the better we will be able to penetrate the spirit of a document that developed out of soul conditions entirely different from those prevailing in the present. Above all, however, we must agree upon what we are actually speaking of in spiritual scientific terms when we speak of the opening words of the Bible.
[ 9 ] Sie wissen ja, aus dem, was heute der seherischen Forschung möglich ist, können wir den Hergang, die Entwickelung unserer Erde und des Menschendaseins in gewissem Sinn beschreiben. Und es ist von mir versucht worden in meinem Buche «Die Geheimwissenschaft», aus den drei unserem Erdendasein vorausgehenden Stufen der Entwickelung, aus dem Saturn-, Sonnen- und Mondendasein, nach und nach das Erdendasein, die Erde, als den Schauplatz, als den planetarischen Schauplatz des Menschen zu beschreiben. Und Sie haben gewiß gegenwärtig, wenigstens in großen Zügen, was da beschrieben worden ist. Es fragt sich nun: Wohin sollen wir das stellen, was mit dem gewaltigen B’reschit an unsere Seele heranrückt? Wohin sollen wir das stellen in unserer geisteswissenschaftlichen Beschreibung? Wohin gehört es?
[ 9 ] As you know, based on what is currently possible through clairvoyant research, we can describe the course and development of our Earth and human existence in a certain sense. And in my book *The Secret Science*, I have attempted to describe, step by step, Earthly existence—the Earth as the stage, as the planetary stage of humanity—based on the three stages of development preceding our Earthly existence: the Saturn, Sun, and Moon stages. And you certainly have in mind, at least in broad strokes, what has been described there. The question now arises: Where should we place what approaches our soul with the mighty B’reschit? Where should we place this in our spiritual-scientific description? Where does it belong?
[ 10 ] Machen wir uns einmal klar in bezug auf einen gewissen Gesichtspunkt, wie wir uns das Saturn-, Sonnen- und Mondendasein vor Augen malen können. Wenn wir kurz den Blick zurückwenden auf den alten Saturn, dann steht er vor unserer Seele bildhaft als ein Weltenkörper, der noch nichts von dem hat, was wir gewohnt sind, das stoffliche Dasein um uns herum zu nennen. Er ist ein Weltenkörper, der von alledem, was wir in unserer Umgebung haben, eigentlich nur das Element der Wärme in sich hat. Wärme oder Feuer, in sich webendes Wärmeelement, noch nichts von Luft, nichts von Wasser, nichts von fester Erde ist zu finden auf dem alten Saturn, so daß da, wo er am dichtesten ist, er lebende, webende Wärme ist. Und wir wissen, daß dann das Dasein vordringt zum sogenannten Sonnendasein. Da haben wir dann zu der webenden, lebenden Wärme eine Art luft- oder gasförmiges Element hinzukommend, und wir stellen uns bildhaft den planetarischen Zustand der Sonne richtig vor, wenn wir uns ihn, soweit er als elementarischer Zustand in Betracht kommt, denken als ein Ineinanderweben und Ineinanderleben gasiger, luftförmiger Elemente und Wärmeelemente. Wir haben dann als dritten Zustand in der Entwickelung unseres Erdendaseins den sogenannten Mondenzustand zu betrachten. Bei diesem kommt zur Wärme und zur Luft dasjenige hinzu, was wir den wässerigen elementarischen Zustand nennen können. Noch nichts von dem, was wir in unserem heutigen irdischen Dasein das erdige, das feste Element nennen, ist während dieses alten Mondenzustandes vorhanden. Aber ein Eigentümliches tritt auf während dieses alten Mondendaseins: es teilt sich die frühere Einheit, in der unser planetarisches Dasein verlaufen ist. Wenn wir auf den alten Saturn blicken, so erscheint er uns als eine Einheit von in sich webender Wärme. Noch die alte Sonne erscheint uns als in sich webende Gas- und Wärmeelemente. Während des Mondendaseins tritt eine Spaltung eines Sonnenhaften und eines Mondhaften auf. Und erst dann, wenn wir zu der vierten Stufe unserer planetarischen Entwickelung kommen, sehen wir, wie zu den früheren elementarischen Zuständen, zu dem feurigen oder wärmehaften, zu dem luftförmigen, zu dem wässerigen Elemente das in sich feste, das erdhafte Element hinzutritt. Damit dieses feste Element in unserem planetarischen Dasein auftreten konnte, mußte sich die Spaltung, die schon während des Mondendaseins stattgefunden hatte, wiederholen. Das Sonnenhafte mußte noch einmal herausgehen aus unserem planetarischen Erdenhaften. So daß wir einen gewissen Zeitpunkt in der Entwickelung unseres Planeten haben, wo aus einem gemeinsamen planetarischen Zustande, in dem noch ineinander verwoben sind die Elemente des Feuers, der Luft und des Wassers, auseinandertreten das dichtere erdige Element und das feinere luftartige Sonnenelement. Und nur in diesem Erdhaften konnte sich das bilden, das sich verdichten, was wir heute als das Feste bezeichnen.
[ 10 ] Let us first clarify, from a certain perspective, how we can picture the existence of Saturn, the Sun, and the Moon. If we briefly turn our gaze back to ancient Saturn, it stands before our soul as a celestial body that possesses none of what we are accustomed to calling the material existence around us. It is a celestial body that, of all that we have in our surroundings, actually contains within itself only the element of warmth. Heat or fire, a self-weaving element of heat—nothing of air, nothing of water, nothing of solid earth is to be found on ancient Saturn, so that where it is densest, it is living, weaving heat. And we know that existence then advances to what is called the solar state. There we then have a kind of air- or gas-like element added to the weaving, living warmth, and we correctly picture the planetary state of the Sun when we conceive of it—insofar as it comes into consideration as an elemental state—as a weaving and living together of gaseous, air-like elements and elements of warmth. We must then consider the so-called lunar state as the third stage in the development of our Earthly existence. In this stage, what we might call the aqueous elemental state is added to the warmth and the air. Nothing of what we call the earthy, solid element in our present-day Earthly existence is present during this ancient lunar state. But something peculiar occurs during this ancient lunar existence: the earlier unity in which our planetary existence unfolded begins to split. When we look at the ancient Saturn, it appears to us as a unity of heat weaving within itself. Even the ancient Sun appears to us as gas and heat elements weaving within themselves. During the lunar existence, a division occurs between a solar and a lunar aspect. And only then, when we reach the fourth stage of our planetary development, do we see how the solid, earthy element joins the earlier elemental states—the fiery or warm, the airy, and the watery elements. In order for this solid element to emerge in our planetary existence, the separation that had already taken place during the lunar phase had to be repeated. The solar aspect had to emerge once more from our planetary earth-like state. Thus, we have a certain point in the development of our planet where, from a common planetary state in which the elements of fire, air, and water are still interwoven, the denser, earthy element and the finer, airy, solar element separate. And only within this earthiness could that which we today call the solid form itself and condense.
[ 11 ] Halten wir einmal diesen Moment fest, wo aus einem gemeinsamen planetarischen Verhältnis das Sonnenhafte heraustritt und fortan von außen seine Kräfte unserem Erdhaften zusendet. Halten wir daran fest, daß damals auch die Möglichkeit gegeben war, daß sich in dem Erdhaften das Feste, das, was wir heute im stofflichen Sinne das Feste nennen, vorbereitete, sich in dem Erdhaften gleichsam verdichtete. Halten wir diesen Moment fest, dann haben wir denjenigen Zeitpunkt, in dem die Genesis, die Bibel, einsetzt. Von diesem Zustand spricht sie. Wir dürfen mit dem ersten Worte der Genesis durchaus nicht verbinden jenes Abstrakte, Schattenhafte, was man heute im Auge hat, wenn man etwa das Wort «Im Anfang» oder «Im Urbeginne» ausspricht. Damit würde man gegenüber dem, was der alte hebräische Weise empfand, etwas unsäglich Armseliges zum Ausdruck bringen. Alles das, was man sich nur vorstellen kann in jener Zweiheit, welche entstand durch die Auseinandergliederung des Sonnenhaften und des Erdhaften, alles das, was sozusagen im Moment dieser Trennung vorhanden war, was sich eben in die Zweiheit gliederte, alles das muß vor unserer Seele auftauchen, wenn wir B’reschit, das «Im Anfang», «Im Urbeginn» in der richtigen Weise vor unsere Seele hinstellen wollen. Und nicht nur das allein darf in unserer Seele auftauchen, sondern wir müssen uns bewußt sein, daß in dieser ganzen Entwickelung, die wir die Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung nennen, geistige Wesenheiten die Lenker und Leiter und auch die Träger der ganzen Entwickelung waren, und daß dasjenige, was wir das Wärme-, das Luft-, das Wasserelement nennen, immer nur der äußere Ausdruck, das äußere Kleid ist für die geistigen Wesenheiten, die die Wirklichkeit der Entwickelung sind. Auch dann, wenn wir hinblicken auf jenen Zustand, der bei der Trennung des Sonnenhaften von dem Erdenhaften vorhanden war, und uns ihn in einem von Stoffesvorstellungen erfüllten Bilde denken, auch dann müssen wir uns bewußt sein, daß wir in alledem, was wir da unter dem Bilde des elementarischen Wassers, der Luft, des Feuers vor unsere Seele hinmalen, nur das Ausdrucksmittel für webende Geistigkeit haben, für webende Geistigkeit, die durch die vorangehenden drei Stufen, durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenstufe, gestiegen ist und an diesem Zeitpunkt, den ich eben charakterisiert habe, auf einer gewissen Entwickelungsstufe ihres Daseins angelangt ist.
[ 11 ] Let us pause for a moment to consider this instant when the solar aspect emerges from a shared planetary relationship and, from that point on, sends its forces from the outside to our earthly realm. Let us bear in mind that at that time there was also the possibility that within the earthly realm, the solid—what we today call the solid in a material sense—was preparing itself, condensing, as it were, within the earthly realm. Let us hold fast to this moment, and we have the point in time at which Genesis, the Bible, begins. It speaks of this state. We must by no means associate the first words of Genesis with that abstract, shadowy quality that people have in mind today when they utter the words “In the beginning” or “In the very beginning.” To do so would be to express something unspeakably meager in comparison to what the ancient Hebrew sage felt. Everything that one can only imagine in that duality which arose through the separation of the solar and the earthly, everything that was present, so to speak, at the moment of this separation, which was just dividing into duality—all of this must arise before our soul when we wish to place Bereshit, the “In the beginning,” “In the very beginning,” in the right way. And not only that must arise in our soul, but we must be aware that in this entire development, which we call the Saturn, Sun, and Moon development, spiritual beings were the guides and leaders and also the bearers of the entire development, and that what we call the elements of heat, air, and water are always only the outer expression, the outer garment, for the spiritual beings who are the reality of this evolution. Even when we look back at that state which existed at the separation of the solar from the earthly, and imagine it in an image filled with material concepts, even then we must be aware that in all that we paint before our soul under the image of elemental water, air, and fire, we have only the means of expression for weaving spirituality, for weaving spirituality that has ascended through the preceding three stages—the Saturn, Sun, and Moon stages—and has reached a certain stage of development in its existence at this point in time, which I have just described.
[ 12 ] Stellen wir einmal vor unsere Seele dieses Bild von in sich webendem wässerigem, luft- oder gasförmigem und feurigem Elemente wie eine gewaltige Weltenkugel, die sich auseinanderspaltet in ein sonnenhaftes und in ein erdenhaftes Element; stellen wir uns aber vor, daß alles das, was wir in diesem Elementarisch-Stofflichen in der Vorstellung haben, nur das Ausdrucksmittel für Geistiges ist. Stellen wir uns vor, daß aus diesem Stoffgehäuse, das gewoben ist aus einem wässerigen, luftförmigen und einem Wärmeelement, uns anblicken die Antlitze von geistigen Wesenheiten, die da drinnen weben, die in diesem durch Stoffesvorstellungen für unsere Seele repräsentierten Element sich manifestieren, sich offenbaren. Stellen wir uns vor, daß wir geistige Wesenheiten vor uns haben, die uns gleichsam ihr Antlitz zuwenden und die da arbeiten mit Hilfe von Wärme, Luft und Wasser, um Weltenkörper durch die Kraft ihres Geistig-Seelischen zu organisieren. Stellen wir uns einmal dieses Bild vor!
[ 12 ] Let us imagine in our soul this image of watery, airy or gaseous, and fiery elements intertwining within themselves, like a vast cosmic sphere that splits apart into a solar and an earthly element; but let us imagine that everything we conceive of in this elemental-material realm is merely the means of expression for the spiritual. Let us imagine that from this material shell, woven from watery, airy, and heat elements, the faces of spiritual beings gaze upon us—beings who weave within it, who manifest and reveal themselves in this element represented to our soul through material concepts. Let us imagine that we have spiritual beings before us who, as it were, turn their faces toward us and who are working there with the aid of warmth, air, and water to organize world bodies through the power of their spiritual-soul nature. Let us imagine this picture for a moment!
[ 13 ] Da haben wir das Bild einer elementarischen Hülle, einer Hülle, die wir uns etwa vorstellen können wie ein Schneckenhaus, wenn wir uns eine recht grobe sinnliche Vorstellung bilden wollen, einer Hülle aber, die nicht aus den festen Stoffen geformt ist wie das Schneckenhaus, sondern die aus feinsten wäßrigen, luft- oder gasförmigen und feurigen Elementen gewoben ist. Da drinnen denken wir uns ein Geistiges, das uns anblickt wie Antlitze, die gerade durch diese Hülle sich offenbaren und eine Kraft der Offenbarung selber sind, eine Kraft, die sozusagen aus dem übersinnlich Verborgenen in das Offenbare sich herausstachelt, wenn ich das Wort gebrauchen darf.
[ 13 ] Here we have the image of an elemental shell, a shell that we might imagine, for example, as a snail shell if we wish to form a rather rough sensory conception of it—but a shell that is not formed from solid matter like a snail shell, but is woven from the finest watery, airy, gaseous, and fiery elements. Within it, we imagine a spiritual being that gazes at us like faces that reveal themselves precisely through this shell and are themselves a power of revelation—a power that, so to speak, thrusts itself out of the supersensory hidden into the manifest, if I may use that word.
[ 14 ] Rufen Sie sich dieses Bild, das ich eben zu malen versuchte, vor die Seele, dieses lebendige Weben eines Geistigen in einem Stofflichen, und rufen Sie sich vor die Seele die innere seelische Kraft, welche das Weben im Stoffe, das Organisieren im Stoffe bewirkt, und sehen Sie einen Augenblick ab von allem übrigen: dann haben Sie vor sich das, was etwa in der Seele eines althebräischen Weisen lebte, wenn die Laute B’reschit diese Seele durchdrangen. Bet, der erste Buchstabe, rief hervor das stoffliche Weben des Gehäuses, Resch, der zweite Mitlaut, rief hervor das Antlitzhafte der geistigen Wesenheiten, die in diesem Gehäuse drinnen woben, und Schin, der dritte Laut, rief hervor die stachelige Kraft, die aus dem Inneren sich emporarbeitet, um sich zu offenbaren.
[ 14 ] Call to mind the image I have just tried to paint—this living interweaving of the spiritual within the material—and call to mind the inner spiritual power that brings about this interweaving and organizing within the material, and for a moment set aside everything else: then you will have before you what lived, so to speak, in the soul of an ancient Hebrew sage when the sounds of B’reschit penetrated that soul. Bet, the first letter, brought forth the material weaving of the vessel; Resh, the second consonant, brought forth the facial features of the spiritual beings weaving within this vessel; and Shin, the third sound, brought forth the prickly force that works its way upward from within to reveal itself.
[ 15 ] So ungefähr kommen wir zu dem Prinzip, das solch einer Beschreibung zugrunde liegt. Und wenn wir zu diesem Prinzip vordringen, dann können wir zugleich etwas empfinden von dem Geiste dieser Sprache, die, wie gesagt, etwas Schöpferisches in der Seele hatte, wovon der moderne Mensch bei seinen abstrakten Sprachen gar keine Ahnung mehr hat.
[ 15 ] This is roughly how we arrive at the principle underlying such a description. And when we get to the heart of this principle, we can at the same time sense something of the spirit of this language, which, as I said, possessed a creative quality in the soul—something of which modern people, with their abstract languages, have completely lost track.
[ 16 ] Stellen wir uns jetzt einmal so recht in den Moment hinein, der sozusagen vor der physischen Koagulierung, vor der physischen Verdichtung unseres Erdendaseins liegt, denn so war der Moment, den ich im Auge habe. Stellen wir uns diesen Moment recht lebendig vor, dann werden wir sagen müssen: Wollen wir das, was da geschieht, beschreiben, dann dürfen wir nichts verwenden von all den Vorstellungen, die wir anwenden, wenn wir heute die äußeren Sinnesvorgänge beschreiben wollen. — Daher ist es unendlich dilettantisch, wenn man das zweite der Worte, mit denen wir es zu tun haben in der Genesis, so auffaßt, daß man irgendeine äußere Tatsache, und sei sie noch so sehr anklingend an das, was wir heute unter «Schaffen» und «Schöpfen» verstehen, an das Wort heranbringt. Damit kommen wir nicht an das zweite Wort der Genesis heran. Wohin können wir uns nun wenden? Es ist mit diesem Worte etwas gemeint, was in der Tat hart an die Grenze herantritt, wo das Sinnliche unmittelbar schon in das Übersinnlich-Geistige hinein übergeht. Und der Mensch, der sich eine Vorstellung von dem machen will, was man so gewöhnlich mit «schuf» übersetzt: «Im Urbeginne schufen die Götter», der darf in keiner Weise dieses Wort an irgend etwas heranbringen, was mit Augen, mit gewöhnlichen sinnlichen Augen als eine schöpferische Betätigung, als eine hervorbringende Betätigung geschaut werden kann.
[ 16 ] Let us now truly immerse ourselves in that moment which lies, so to speak, before the physical coagulation, before the physical densification of our earthly existence, for that is the moment I have in mind. If we imagine this moment vividly, then we will have to say: If we want to describe what is happening there, we must not use any of the concepts we employ when we want to describe external sensory processes today. — Therefore, it is infinitely amateurish to interpret the second of the words we are dealing with in Genesis in such a way that one associates any external fact—no matter how much it may resonate with what we understand today by “making” and “creating”—with the word. This does not bring us close to the second word of Genesis. Where, then, can we turn? This word refers to something that indeed comes very close to the boundary where the sensory realm immediately transitions into the supersensory-spiritual. And the person who wishes to form a conception of what is usually translated as “created”—“In the beginning the gods created”—must in no way associate this word with anything that can be seen with the eyes, with ordinary sensory eyes, as a creative activity, as a productive activity.
[ 17 ] Schauen Sie, meine lieben Freunde, in Ihr Inneres. Versuchen Sie sich einmal in eine Lage zu versetzen, so daß Sie etwa, sagen wir, eine Weile geschlafen haben, dann aufwachen und, ohne daß Sie den Blick auf eine äußere Tatsache richten, in sich auferwecken durch die innere Seelentätigkeit gewisse Vorstellungen in Ihrer Seele. Vergegenwärtigen Sie sich diese innere Tätigkeit, dieses produktive Sinnen, das aus dem Seeleninneren einen Seeleninhalt hervorzaubert. Gebrauchen Sie meinetwillen das Wort «Ersinnen» für dieses Hervorzaubern eines Seeleninhaltes aus den Seelenuntergründen in das bewußte Blickfeld Ihrer Seele hinein, und denken Sie sich jetzt das, was der Mensch nur kann mit seinen Vorstellungen, als eine Tätigkeit, die nun wirklich kosmisch-schöpferisch ist. Denken Sie sich statt Ihres Sinnens, statt Ihres innerlichen denkerischen Erlebens ein kosmisches Denken, dann haben Sie das, was in diesem zweiten Worte der Genesis, bara, drinnen liegt. So geistig, als Sie es nur denken können, so nahe Sie es nur heranbringen können an das Gedankenmäßige, das Sie sich in Ihrem eigenen Sinnen vor Augen führen, so nahe Sie das nur heranbringen können!
[ 17 ] Look within yourselves, my dear friends. Try to imagine a situation in which, for example, you have been asleep for a while, then wake up and, without focusing your gaze on any external reality, awaken within yourself—through the inner activity of the soul—certain images in your soul. Bring to mind this inner activity, this creative thinking that conjures up a soul content from the depths of the soul. For my sake, use the word “conceiving” for this conjuring up of a soul content from the depths of the soul into the conscious field of vision of your soul, and now imagine what a human being can do with his ideas as an activity that is truly cosmic-creative. If you imagine, instead of your own thinking, instead of your inner mental experience, a cosmic thinking, then you have what lies within that second word of Genesis, “bara.” As spiritual as you can conceive it to be, as close as you can bring it to the mental realm that you bring before your eyes in your own thinking—as close as you can bring it!
[ 18 ] Und jetzt stellen Sie sich vor, daß Sie während dieses Sinnens in der Seele gleichsam zweierlei Vorstellungsgruppen vor Ihre Seele hinleiten. Nehmen wir einmal, um möglichst deutlich eine solche fernliegende Sache zu schildern, einen Menschen, der aufwacht und dem zweierlei einfällt, der also zweierlei ersinnt. Das eine, was er ersinnt, sei das Bild von irgendeiner Tätigkeit oder einem äußeren Ding oder Wesen; das tritt nicht durch äußere Anschauung, nicht durch Wahrnehmung, sondern durch Sinnen, durch schöpferische Tätigkeit der Seele in das Blickfeld des Bewußtseins. Das aber, was als zweiter Vorstellungskomplex auftreten soll bei einem so Aufwachenden, das sei eine Begierde, irgend etwas, was der Mensch wollen kann nach seiner ganzen Anlage und Seelenverfassung. So haben wir ein vorstellungsmäßiges und ein begierdenhaftes Element, das auftaucht vor unserer Seele durch inneres Sinnen. Nunmehr stellen Sie sich statt der Menschenseele, die also in sich sinnt, dasjenige vor, was in der Genesis die Elohim genannt wird. Denken Sie sich statt der Einheit der Menschenseele eine Mehrheit sinnender geistiger Wesenheiten, die aber in einer ähnlichen Weise aus ihrem Inneren hervorrufen durch Ersinnen zwei Komplexe, die ich vergleichen möchte mit dem, was ich Ihnen eben beschrieben habe, mit einem rein vorstellungsmäßigen und einem begierdenhaften Komplex. Wir denken uns also statt der sinnenden Menschenseele eine kosmische Organisation von Wesenheiten, die in sich in ähnlicher Weise wachrufen, nur daß ihr Sinnen ein kosmisches ist, zwei solche Komplexe, einen vorstellungsartigen, das heißt einen solchen, der irgend etwas offenbart, der also nach außen hin sich auslebt, der nach außen hin erscheint, und einen anderen Komplex, der begierdenhaft ist, der durch innerliche Regsamkeit lebt, ein innerlich sich Regendes, ein innerlich von Regsamkeit Durchsetztes. Wir denken uns also jene kosmischen Wesenheiten, die als die Elohim bezeichnet werden, wir denken sie uns so sinnend, und dieses Sinnen vergegenwärtigen wit uns bei dem Worte «sie schufen», bara. Und dann denken wir uns, daß durch dieses schöpferische Sinnen zwei solche Komplexe entstehen, ein Komplex, der mehr darauf hingeht, ein sich äußerlich Offenbarendes, ein nach außen sich Kundgebendes zu sein, und ein anderer Komplex, ein innerlich Regsames, ein innerlich Lebendiges; dann haben wir ungefähr jene zwei Vorstellungskomplexe, welche auftauchten in der Seele des althebräischen Weisen, wenn die Worte, für die heute «die Himmel und die Erde» stehen, seine Seele durchklangen, haschamajim und ha'arez. Suchen wir womöglich zu vergessen, was der moderne Mensch unter Himmel und Erde sich denkt, versuchen wir die beiden Vorstellungskomplexe vor die Seele zu führen, den Komplex des nach außen sich Kundgebenden, des sich Offenbarenden, den Komplex dessen, was da drängt, nach außen irgendwelche Wirkung hervorzurufen, und jenen anderen Komplex des innerlich Regsamen, dessen, was sich selbst im Inneren erleben will, was sich im Inneren lebendig regt, dann haben wir das haschamajim und das andere Wort, ha'arez.
[ 18 ] And now imagine that, while your soul is engaged in this contemplation, you bring two distinct groups of ideas before your soul, as it were. To illustrate such a distant concept as clearly as possible, let us take the example of a person who wakes up and thinks of two different things—that is, who conceives of two different things. Let one of the things he conceives be the image of some activity or an external object or being; this enters the field of consciousness not through external observation, not through perception, but through thinking, through the creative activity of the soul. But let the second complex of ideas that arises in such a person upon waking be a desire, something that the person can will in accordance with their entire disposition and state of mind. Thus we have an imaginative and a desiring element that arises before our soul through inner contemplation. Now imagine, instead of the human soul that thus contemplates within itself, that which is called the Elohim in Genesis. Imagine, instead of the unity of the human soul, a multitude of contemplating spiritual beings who, however, in a similar way evoke from within themselves through contemplation two complexes that I would like to compare to what I have just described to you: a purely imaginative complex and a complex of desire. So instead of the contemplating human soul, we imagine a cosmic organization of beings who evoke within themselves in a similar way—only that their contemplation is a cosmic one—two such complexes: one of an imaginative nature, that is, one that reveals something, which thus expresses itself outwardly, which appears outwardly, and another complex that is desirous, that lives through inner activity, an inner stirring, an inner permeation of activity. We thus imagine those cosmic beings designated as the Elohim; we imagine them as pondering in this way, and we visualize this pondering in the word “they created,” bara. And then we imagine that through this creative contemplation two such complexes arise: one complex that tends more toward being something that manifests itself outwardly, something that reveals itself to the outside world, and another complex, an inner activity, an inner life; then we have roughly those two conceptual complexes that arose in the soul of the ancient Hebrew sage when the words that today stand for “the heavens and the earth,” hashamayim and ha’aretz, resounded through his soul. If we try to forget what modern man thinks of as heaven and earth, let us attempt to bring these two conceptual complexes before our soul: the complex of that which manifests itself outwardly, that which reveals itself; the complex of that which urges to produce some effect outwardly; and that other complex of the inwardly active, of that which wishes to experience itself within, of that which stirs vividly within—then we have the hashamayim and the other word, ha’arez.
[ 19 ] Und die Elohim selber — wir werden sie im Verlaufe der Vorträge noch genauer kennenlernen und sie übersetzen in unsere geisteswissenschaftliche Sprache, jetzt aber wollen wir versuchen, einigermaßen an den Sinn der Urworte heranzudringen —, die Elohim selber, was sind sie für Wesenheiten? Wer sich eine Vorstellung machen will, was in der Seele des althebräischen Weisen lebte, wenn er dieses Wort gebrauchte, der muß sich klar sein, daß in jener Zeit ganz lebendig der Sinn dafür vorhanden war, daß unsere Erdenentwickelung eben einen bestimmten Sinn, ein bestimmtes Ziel hat. Welches ist dieser Sinn, welches ist dieses Ziel unserer Erdenentwickelung?
[ 19 ] And the Elohim themselves—we will come to know them more closely as the lectures progress and translate them into our spiritual-scientific language, but for now let us try to grasp, to some extent, the meaning of the original words—the Elohim themselves, what kind of beings are they? Anyone who wishes to form an idea of what lived in the soul of the ancient Hebrew sage when he used this word must realize that in those days there was a very vivid sense that our earthly evolution has a specific meaning, a specific goal. What is this meaning, what is this goal of our earthly evolution?
[ 20 ] Unsere Erdenentwickelung hat einen Sinn, ein Ziel nur dann, wenn innerhalb ihrer etwas auftritt, was vorher nicht da war. Eine ewige Wiederholung, eine Wiederkehr dessen, was schon da war, wäre ein sinnloses Dasein, und als ein solches sinnloses Dasein hätte vor allen Dingen der althebräische Weise die Erdengenesis empfunden, wenn er nicht hätte denken können, daß die Erde, nachdem sie sich herausentwickelt hat aus anderen Zuständen, etwas Neues, gegenüber allem Früheren Neues bringen müsse. Durch dieses Erdendasein wurde ein Neues möglich: daß nämlich der Mensch gerade so wurde, wie er innerhalb des Erdendaseins sich zeigt. So wie der Mensch innerhalb des Erdendaseins auftritt als das Wesen, das er heute schon ist, als das Wesen, zu dem er sich entwickeln wird in immer weiter und weitergehender Zukunft, so war dieser Mensch in allen früheren Entwickelungsstadien nicht vorhanden, so war er auch in den früheren Entwickelungsstadien nicht möglich. Und anders geartet als der Mensch — wir wollen jetzt nicht den Begriff des Niederen und des Höheren einführen — waren diejenigen geistigen Wesenheiten, welche die äußere Entwickelung führten und trugen, die wir als Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung bezeichnen. Jene Wesenheiten, die da woben in den elementarischen Daseinsstufen des Feurigen, Gasigen, Wäßrigen, die da woben ein Saturn-, ein Sonnen-, ein Mondendasein, die da woben an dem Beginn des Erdendaseins, wie lernen wir sie am besten in bezug auf ihre Wesenheit kennen? Wie kommen wir ihnen nahe?
[ 20 ] The evolution of our Earth has meaning and purpose only if something occurs within it that was not there before. An eternal repetition, a return of what was already there, would be a meaningless existence, and the ancient Hebrew sage, above all, would have perceived the genesis of the Earth as such a meaningless existence had he not been able to conceive that the Earth, having developed from other states, must bring forth something new—something new in relation to all that came before. Through this earthly existence, something new became possible: namely, that human beings became precisely as they appear within earthly existence. Just as human beings appear within earthly existence as the beings they already are today, as the beings into which they will develop in an ever-advancing future, so were these human beings not present in all earlier stages of development, nor were they possible in those earlier stages. And of a different nature than the human being—we do not wish to introduce the concept of the lower and the higher here—were those spiritual beings who guided and sustained the outer development, which we designate as the Saturn, Sun, and Moon developments. Those beings who wove in the elemental stages of existence—the fiery, gaseous, and aqueous—who wove a Saturn, a Sun, and a Moon existence, who wove at the beginning of Earth existence—how do we best come to know them in terms of their essence? How do we draw near to them?
[ 21 ] Wir müßten allerdings vieles, vieles beschreiben, wenn wir diesen Wesenheiten einigermaßen nahekommen wollten. Wir können sie aber nach einer Seite hin zunächst kennen lernen, und das wird genügen, um uns wenigstens einen Schritt näher zu bringen dem gewaltigen Sinn der biblischen Urworte. Wir wollen sie einmal betrachten, diese Wesenheiten, die dem Menschen in gewisser Beziehung am nächsten standen, als er selbst herausgebilder wurde aus dem, was sich heranentwickelt hatte aus dem alten Saturn-, Sonnen- und Mondendasein. Wir wollen sie einmal befragen, diese Wesenheiten, nach dem, was sie eigentlich wollten. Wir wollen sie nach ihrem Willen befragen, nach ihrer Absicht gleichsam. Dann werden wir wenigstens eine kleine Vorstellung von ihrer Wesenheit erhalten können. Was wollten sie, diese Wesenheiten? — Sie konnten vieles, sie hatten sich ein Können im Verlaufe der Entwickelung, die sie durchgemacht hatten, nach der einen oder anderen Richtung erworben. Der eine konnte dies, der andere jenes. Aber wir stellen uns ihr Wesen am besten vor, wenn wir uns sagen: In jenem Zeitpunkt, den wir eben ins Auge gefaßt haben, wirkte in einer Gruppe von solchen Wesenheiten ein gemeinsames Ziel, ein gemeinsames Motiv. — Es ist auf einer höheren Stufe etwa so, wie wenn eine Gruppe von Menschen heute zusammenkäme, von denen jeder eine bestimmte Geschicklichkeit hat. Ein jeder von ihnen kann etwas, und nun sagen sie sich gegenseitig: Du kannst dies, ich kann das, der dritte jenes. Wir wollen alle unsere Tätigkeiten jetzt zusammenfließen lassen, um ein gemeinsames Werk zu tun, wo eines jeden Tätigkeit angebracht werden kann. — Nehmen wir also eine solche Gruppe von Menschen an, von denen ein jeder etwas anderes kann, die aber ein gemeinsames Ziel haben. Das, was da entstehen soll, ist noch nicht da. Die Einheit, an der sie arbeiten, lebt zunächst überhaupt erst als Ziel, sie ist noch gar nicht vorhanden. Es ist eine Vielheit da, die Einheit lebt zunächst als ein Ideal. Nun denken Sie sich eine Gruppe von geistigen Wesenheiten, die sich entwickelt haben durch Saturn, Sonne und Mond, von denen eine jede etwas ganz Bestimmtes kann, und die in dem Moment, den ich charakterisiert habe, den Entschluß fassen: Wir wollen unsere Tätigkeiten gruppieren zu einem gemeinsamen Ziel, wir wollen uns eine einheitliche Richtung geben. — Und vor dem Blick eines jeden tauchte das Bild dieses Zieles auf. Und was war das Ziel? Der Mensch, der Erdenmensch.
[ 21 ] We would, however, have to describe many, many things if we wanted to come even somewhat close to these entities. But we can begin by getting to know them from one aspect, and that will suffice to bring us at least one step closer to the profound meaning of the original biblical words. Let us consider these beings, who were, in a certain sense, closest to humanity when it itself emerged from what had developed out of the ancient Saturn, Sun, and Moon existences. Let us ask these beings what they actually wanted. Let us ask them about their will, their intention, so to speak. Then we will at least be able to gain a small sense of their nature. What did they want, these beings? — They were capable of many things; in the course of the evolution they had undergone, they had acquired abilities in one direction or another. One could do this, another that. But we can best imagine their nature if we say to ourselves: At that point in time we have just considered, a common goal, a common motive, was at work within a group of such beings. — On a higher level, it is somewhat like a group of people coming together today, each of whom possesses a certain skill. Each of them can do something, and now they say to one another: You can do this, I can do that, the third can do the other. Let us now bring all our activities together to accomplish a common work, where each person’s activity can be put to use. — Let us therefore assume such a group of people, each of whom can do something different, but who have a common goal. What is to come into being there does not yet exist. The unity they are working toward initially exists only as a goal; it does not yet exist at all. There is a multiplicity present; unity initially lives as an ideal. Now imagine a group of spiritual beings who have developed through Saturn, the Sun, and the Moon, each of whom can do something very specific, and who, at the moment I have described, make the decision: We want to group our activities toward a common goal; we want to give ourselves a unified direction. — And before the eyes of each one, the image of this goal appeared. And what was the goal? The human being, the earthly human being.
[ 22 ] So lebte der Erdenmensch als Ziel in einer Gruppe von göttlichgeistigen Wesenheiten, die beschlossen hatten, ihre verschiedenen Künste zusammenwirken zu lassen, um das zu erreichen, was sie selber gar nicht hatten, was ihnen selber nicht eignete, was sie aber hervorbringen konnten durch gemeinschaftliche Arbeit. Wenn Sie das alles nehmen, was ich Ihnen beschrieben habe als elementarische Hülle, als darin wirkende, kosmisch sinnende, geistige Wesenheiten, als zwei Komplexe, einen begierdenhaften, innerlich regsamen und einen nach außen sich offenbarenden, wenn Sie das alles nehmen und dann jenen geistigen Wesenheiten, die gleichsam aus dem Elementarischen heraus mit ihrem Antlitz blicken, dieses gemeinsame Ziel zuschreiben, das ich soeben charakterisiert habe, dann haben Sie das, was da lebte in dem Herzen eines althebräischen Weisen bei dem Worte Elohim. Und jetzt haben wir in bildhafter Weise zusammengetragen, was in diesen allgewaltigen Urworten lebt.
[ 22 ] Thus did the earthly human live as the object of a group of divine-spiritual beings who had resolved to combine their various arts in order to achieve what they themselves did not possess, what was not inherent in them, but which they could bring forth through collaborative work. If you take all that I have described to you as an elemental shell, as spiritual beings acting within it and thinking in cosmic terms, as two complexes—one desirous and inwardly active, and one manifesting itself outwardly—if you take all that and then attribute to those spiritual beings, who gaze forth, as it were, from the elemental realm with their faces, and ascribe to them this common goal that I have just characterized, then you have what lived in the heart of an ancient Hebrew sage in the word Elohim. And now we have gathered together in a pictorial way what lives in these almighty primal words.
[ 23 ] Vergessen wir also zunächst einmal alles das, was ein moderner Mensch fühlen und denken kann, wenn er ausspricht die Worte «Im Urbeginne schufen die Götter die Himmel und die Erde». Versuchen wir unter Berücksichtigung alles dessen, was heute gesagt worden ist, vor unser Auge folgendes Bild hinzustellen: Da ist webendes elementarisches Element, darinnen webt Feuriges, Gasförmiges, Wässeriges. Innerhalb dieses Elementarischen, Wirksamen, Webenden leben geistige Wesenheiten, eine Gruppe von geistigen Wesenheiten, die sinnen. Im produktiven Sinnen sind sie begriffen, und durch ihr produktives Sinnen hindurch dringt das Ziel, zum Menschenbild hin die ganze Wirksamkeit zu lenken. Und als erstes tritt auf aus diesem Sinnen die Vorstellung eines sich nach außen Offenbarenden, sich Kundgebenden, und eines innerlich Regsamen, eines innerlich in sich Belebten: In dem elementarischen Gehäuse ersannen die Urgeister das nach außen hin Erscheinende, das nach innen Regsame.
[ 23 ] So let us first set aside everything a modern person might feel or think when uttering the words “In the beginning, God created the heavens and the earth.” Taking into account everything that has been said today, let us try to conjure up the following image in our minds: There is a weaving elemental substance, within which fire, gas, and water weave. Within this elemental, active, weaving substance live spiritual beings—a group of spiritual beings who think. They are engaged in productive thinking, and through their productive thinking the goal emerges of directing all activity toward the human form. And the first thing to emerge from this thinking is the idea of something that reveals itself outwardly, that manifests itself, and of something that is inwardly active, inwardly animated: within the elemental shell, the primordial spirits conceived what appears outwardly and what is active inwardly.
[ 24 ] Versuchen Sie einmal, in diesen Worten sich zu vergegenwärtigen, was in der ersten Zeile der Bibel gesagt wird, dann werden Sie die Grundlage haben für das, was wir in den weiteren Tagen uns vor die Seele zu führen haben als den wahren Sinn dieser allgewaltigen Urworte, durch die der Menschheit ein Größtes, nämlich ihr eigener Ursprung, geoffenbart ist.
[ 24 ] Try to use these words to reflect on what is said in the first line of the Bible, and you will have the foundation for what we must keep in mind in the days ahead as the true meaning of these all-powerful primordial words, through which the greatest thing of all—namely, humanity’s own origin—has been revealed to mankind.
