Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124
17 October 1910, Berlin
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Background to the Gospel of St. Mark, tr. Goddard, et.al.
Erster Vortrag
1. On the Investigation and Communication of Spiritual Truths
[ 1 ] Es geziemt sich wohl, heute, da wir unsere Tätigkeit des Berliner Zweiges wieder beginnen, ein klein wenig zurückzublicken auf das, was durch unsere Seelen gezogen ist seit dem Zeitpunkte, da wir im vorigen Jahre in der gleichen Art die Arbeit des Berliner Zweiges begonnen haben.
[ 1 ] Now that we are resuming activities in the Berlin Group it is well to think for a short time of the studies in which we have been engaged since last year.
[ 2 ] Sie erinnern sich gewiß daran, daß ungefähr vor einem Jahre, anläßlich der damaligen Generalversammlung unserer Deutschen Sektion, im Berliner Zweige von mir der Vortrag gehalten worden ist über die Sphäre der Bodhisattvas. Es sollte mit dem Vortrage über die Mission der Bodhisattvas in der Welt eingeleitet werden, was uns dann im Verlaufe unserer Zweigversammlungen den vorigen Winter hindurch hauptsächlich beschäftigt hat: eine Betrachtung des Christus-Problems, und zwar im wesentlichen in Anknüpfung an das Matthäus-Evangelium. Wir haben ja solche Betrachtungen über das Christus-Problem in der verschiedensten Weise gepflogen in Anknüpfung an andere Evangelien, so an das Johannes-Evangelium und an das Lukas-Evangelium. Und wir haben darauf hingewiesen, daß wir in einer zukünftigen Zeit zu einer weiteren Vertiefung dieses Christus-Problems auch herantreten werden an eine Betrachtung, die im wesentlichen anzuknüpfen haben wird an das Markus-Evangelium.
[ 2 ] You will remember that about a year ago, in connection with the General Meeting of the German Section, I gave a lecture to the Berlin Group with the title: The Sphere of the Bodhisattvas 1When the present lecture-course was given, Rudolf Steiner was the General Secretary of the German Section of the Theosophical Society. His association with that Society was terminated in 1912 by its President, Mrs. Annie Besant, largely on account of the difference in his teaching on Christianity and the nature of the Second Coming, and the official founding of the Anthroposophical Society took place in Berlin, in 1913. The lecture on the Bodhisattvas is printed as the first in the Course entitled: The Christ Impulse and the Development of the Ego-Consciousness. In that lecture on the mission of the Bodhisattvas in the world my purpose was to introduce the subject to which our main attention was to be directed in the Group meetings last winter. Our study was concerned with the Christ-problem, particularly in relation to the Gospel of St. Matthew and also in relation to the Gospels of St. John and St. Luke. And I indicated that at some later date we should be preparing for a still deeper study of the Christ-problem in connection with the Gospel of St. Mark.
[ 3 ] Wir haben diese Betrachtungen in bezug auf das Christus-Problem nicht so gepflogen, daß wir eine bloße Erklärung der Evangelien versuchten. Es ist oftmals, ich möchte fast sagen, in einer radikalen Weise hier ausgesprochen worden: Was Geisteswissenschaft über die Vorgänge in Palästina zu sagen hat, das müßte auch gesagt werden können, wenn es gar keine äußeren historischen Urkunden über diese Vorgänge in Palästina gäbe. Denn im tiefsten Grunde maßgebend für die Schilderung der Christus-Vorgänge ist für uns nicht das, was in irgendeinem Buche, in irgendeiner Urkunde steht, sondern was in der ewigen, inneren, geistigen Urkunde steht, in der durch das hellseherische Bewußtsein zu entziffernden Akasha-Chronik. Was wir uns darunter vorzustellen haben, ist oftmals hier erwähnt worden. Und dann stellen wir uns zu den Evangelien so, daß wir das, was wir erst erkundet haben aus den geistigen Forschungen selbst heraus, vergleichen mit dem, was uns - sagen wir also in bezug auf die Ereignisse in Palästina — gegeben ist in den Evangelien oder in den andern Urkunden des Neuen Testamentes. Allerdings haben wir dann gefunden, daß wir sozusagen diese Urkunden erst dadurch lesen lernen, daß wir ohne sie in jene Geheimnisse eindringen, welche sich auf die Ereignisse von Palästina beziehen, und daß gerade dadurch, daß wir erst unbefangen von diesen Urkunden die entsprechenden Ereignisse erforschen, unsere Hochschätzung, unsere Anbetung, könnten wir sagen, gegenüber diesen Urkunden in einem ganz besonderen Grade wächst.
[ 3 ] In these studies we were not attempting a mere exposition of the Gospels. I have often spoken of this in perhaps rather extreme terms, and made it clear that Spiritual Science would still have been able to describe the events in Palestine even if there had been no historical records of them. The real authority for what we have to say about the Christ Event is not to be found in any written document but in the eternal, spiritual record known as the Akasha Chronicle, decipherable only by clairvoyant consciousness. I have often explained what this really means. We compare what has first been learned from spiritual investigations with what is recorded in the Gospels or in other New Testament sources about the events in Palestine. And in the end we recognise that in order to read the Gospel records as they should be read, we must first—without reference to them—have investigated the mysteries connected with the happenings in Palestine, and that precisely because of this independent approach the value we attach to the Gospels and the reverence we feel for them, greatly increase.
[ 4 ] Aber wenn wir nicht bloß auf die nächsten, und zwar zeitweilig engsten Interessen unseres Zusammenseins sehen, sondern wenn wir darauf sehen, daß unsere ganze Zeitbildung, unsere Gegenwartskultur gewissermaßen ein neues Verständnis der Urkunden des Christentums verlangt, dann müssen wir uns klar darüber sein, daß wir durch die Geisteswissenschaft dazu berufen sind, nicht nur unsere eigenen Erkenntnisbedürfnisse gegenüber den Ereignissen von Palästina zu befriedigen, sondern daß wir berufen sind, aus der Geisteswissenschaft heraus in die Sprache der gegenwärtigen Kulturbedürfnisse zu übersetzen, was wir zu sagen haben über die Bedeutung des Christus-Ereignisses für die ganze Menschheitsentwickelung. Da genügt es aber nicht, wenn wir uns etwa beschränken würden auf das, was die bisherigen Jahrhunderte herbeigetragen haben zum Verständnisse des ChristusProblems und der Christus-Gestalt. Würde das für die Bildungsbedürfnisse der Gegenwart genügen, so gäbe es heute nicht so viele Menschen, welche ihr Wahrheitsbedürfnis nicht mehr in Einklang bringen können mit dem, was überliefert ist auf christlichem Gebiet, und die in der einen oder andern Beziehung sogar leugnen, was uns über die Ereignisse von Palästina berichtet und was jahrhundertelang geglaubt worden ist. Das alles kann uns darauf hinweisen, daß für die Zeitbildung notwendig geworden ist ein neues Verständnis, ein neues Erschließen gegenüber den christlichen Wahrheiten.
[ 4 ] But if we take into account not only the immediate interests of our present gathering but also the fact that contemporary culture needs a new understanding of the recorded sources of Christianity, we shall expect Spiritual Science not merely to satisfy our own intellectual difficulties about the events in Palestine but also to translate into the language of present-day culture what it says about the significance of the Christ Event for the whole evolution of humanity. It would not do to limit ourselves to the contributions made in previous centuries towards an understanding of the problem and the figure of Christ. If that were sufficient for the cultural needs of the modern age we should not find so many people unable to reconcile their sense of truth with accepted Christian tradition and who in one way or another actually repudiate the accounts of the events in Palestine as they have been handed down and believed in for centuries. All this makes it clear that modern culture needs a new understanding, a new enunciation, of the truths of Christianity.
[ 5 ] Nun gibt es neben vielem anderen, was uns der Erforschung der christlichen Wahrheiten näherbringen kann, vorzugsweise ein Mittel, das insbesondere fruchtbar werden kann auf unserem Forschungsfelde. Das besteht darin, daß wir den Blick erweitern, daß wir unsere Gefühls- und Empfindungswelt erweitern über die Horizonte hinüber, die in den verflossenen Jahrhunderten die Menschheit für die geistige Welt besessen hat. Wie wir unsere Horizonte erweitern können, das mag uns durch einen sehr einfachen und naheliegenden Hinweis vor die Seele treten.
[ 5 ] Among many other aids to the investigation of Christian truths one is particularly effective. It consists in extending our vision and our feeling and perception beyond the horizons within which, in recent centuries, man has had to seek an understanding of the spiritual world. Here is a simple indication of how these horizons can be widened.
[ 6 ] Wir kennen alle - um zu dem uns nächsten großen Geist unserer abendländischen Kulturentwickelung zurückzugreifen — in Goethe einen titanischen Geist. Und viele unserer Betrachtungen haben uns gezeigt, welche Tiefe der geistigen Anschauung in der Persönlichkeit Goethes verborgen lag. Diese Betrachtungen haben uns auch dazu geführt zu erkennen, wie wir uns selber zu geistigen Höhen hinaufranken können, indem wir eindringen in das Gefüge der Goetheschen Seele. Aber wir mögen Goethe noch so gut kennenlernen, uns noch so sehr in das vertiefen, was er uns geben kann - eines können wir bei ihm noch nicht finden, was wir heute haben müssen, wenn unser Blick in richtiger Weise erweitert und unser Horizont über die notwendigsten geistigen Bedürfnisse hinaus reichen soll. Wir finden bei Goethe nirgends einen Hinweis darauf, daß ihm aufgegangen ist, was wir heute lernen können, was uns heute fruchtbar werden kann, wenn wir jene Begriffe geistiger Entwickelung der Menschheit in uns aufnehmen, die aufzunehmen erst möglich geworden ist durch die Erschließung der geistigen Dokumente im 19. Jahrhundert: wenn wir die Errungenschaften des orientalischen Lebens aufnehmen. Da erhalten wir mancherlei Begriffe, durch die wir keineswegs entfernt werden vom Verständnis des Christus-Problems, sondern durch die wir, wenn wir sie richtig aufnehmen, geradezu hingeführt werden zu einer richtigen und vollkommenen Schätzung des Christus Jesus. Daher wurde auch von mir geglaubt, daß eine Betrachtung des ChristusProblems durch nichts anderes besser eingeleitet werden kann als durch eine Auseinandersetzung über die Mission der großen geistigen Individualitäten der Menschheit, die von Zeit zu Zeit in besonders fühlbarer Weise einzugreifen haben in die Entwickelung, und die wir mit einem von der orientalischen Philosophie hergenommenen Begriff als die Bodhisattvas bezeichnen. Solche Begriffe wie zum Beispiel den der Bodhisattvas hatte man jahrhundertelang eben nicht in der abendländischen Geistesentwickelung. Und erst wenn man sich an ihnen orientiert hat, steigt man in entsprechender Weise hinauf zur Erkenntnis dessen, was der Christus für die Menschheit gewesen ist, sein kann und fortwährend sein wird.
[ 6 ] Goethe—to take as an example this master-spirit of recent European culture—was, as we all know, a man of titanic genius. Many studies have helped us to understand what depths of spiritual insight lay in Goethe's personality and to see that we ourselves can attain a high level of spiritual understanding through contemplating the texture of his soul. But however good our knowledge of Goethe may be, however deeply we steep ourselves in what he has to offer, there is something we shall not find in him, although it is essential if our vision is to be broadened in the right way and our horizon widened for our most urgent spiritual needs. There is no indication that Goethe had any inkling of certain things we can learn about and benefit from to-day—I mean, the concepts of the spiritual evolution of humanity which first became accessible to us in the nineteenth century through interpretations of documentary records of the spiritual achievements of the East. We there find many concepts which, far from making an understanding of the Christ-problem more difficult, if rightly applied help us to realise the nature of Christ Jesus. I therefore believe that there could be no better introduction to the study of the Christ-problem than an exposition of the mission of the Bodhisattvas—as they are named in Oriental philosophy. They are the great spiritual Individualities whose task it is from time to time to influence evolution. In Western culture there had for centuries been no knowledge of concepts such as that of the Bodhisattvas: yet only by mastering such concepts can we acquire some measure of knowledge of what Christ has been for mankind, what He can be and will continue to be.
[ 7 ] So sehen wir, wie ein weiter Umkreis geistiger Entwickelung der Menschheit fruchtbar gemacht werden kann, um gerade das in würdiger Weise zu begreifen, was uns zu begreifen obliegt für jene Bildung und Kultur, für jenes Geistesleben, in dem wir mitten darinnen stehen. Und noch von einem andern Gesichtspunkt aus war es wichtig, daß wir immer, wo es nur möglich war, den geistigen Blick hinausschweifen ließen über die letzten Jahrhunderte, daß wir geltend machten den Unterschied zwischen einem Menschen von der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts und einem Menschen aus der Zeit des 18. oder 19. Jahrhunderts; und daß wir geltend machten, daß man von Buddha und Buddhismus zum Beispiel noch vor einem Jahrhundert in Europa recht wenig gewußt hat. Das letzte aber, was bei uns auf unserem Arbeitsgebiet, wenn auch nicht das Mittel unseres Strebens, so doch der eigentliche Impuls und auch der Zielpunkt unseres Strebens ist und worauf wir hinarbeiten, das ist doch zuletzt die Stimmung, das Gefühl, die Empfindung, die unsere Seele beschleicht, wenn sie berührt wird von den großen geistigen Wahrheiten. Denn nicht so sehr darauf kommt es an, was diese oder jene wissen wollen, sondern darauf, welche Wärme des Gefühls, welche Kraft der Empfindung, welcher Edelsinn des Wollens aus unserer Seele heraufsteigt, wenn die großen Wahrheiten der Menschheit an diese Seele schlagen. Und wichtiger in unsern Zweigen als das, was in den Worten inhaltlich gesagt werden kann, ist die Stimmung, die Gefühlswelle, die in einem unserer Zweige herrschen kann, wenn die Worte den Raum durchweben. Mancherlei Art sind diese Gefühle, diese Empfindungen. Und bei dem, was gerade jetzt hier vor unseren Seelen stehen soll, sollte die wichtigste, die bedeutsamste Empfindung die sein, welche sich allmählich notwendig in uns entwikkeln muß: Ehrfurcht vor der Erkenntnis der großen geistigen Wahrheiten, das Gefühl, daß diese großen geistigen Wahrheiten solcher Art sind, daß wir uns in scheuer Ehrerbietung ihnen nähern sollen, daß wir nicht glauben sollen, mit irgendeinem schnell zusammengezimmerten Begriff, mit ein paar rasch gewonnenen Vorstellungen eine große Tatsache umspannen zu können.
[ 7 ] So we find that study of an extensive phase of the spiritual development of mankind can be fruitful for the civilisation and culture of our own time. From another point of view as well it is important, when reviewing past centuries, to emphasise clearly the difference between men living at the turn of the nineteenth and twentieth centuries and men living in the eighteenth or nineteenth centuries, as well as the fact that until about a century ago very little was known in Europe about Buddha and Buddhism. Finally, we must remember that the impulse leading to the goal of our endeavours is the feeling we have when we confront great spiritual truths. For what really matters is not so much the knowledge that someone may wish to acquire, but rather the warmth of feeling, the power of perception, the nobility of will, with which his soul confronts the great truths of humanity. In our Groups the prevailing tone and atmosphere are more important than the actual words spoken. These feelings and perceptions vary greatly but the most important of all is reverence for the great truths and the feeling that we can approach them only with awe and veneration; we must realise that we cannot hope to grasp a great reality through a few concepts and ideas casually acquired and co-ordinated.
[ 8 ] Oftmals ist von mir der Vergleich gebraucht worden, daß wir einen Baum, der vor uns steht, uns noch nicht vergegenwärtigen können, wenn wir ein Bild von ihm malen von einem Gesichtspunkt aus, sondern daß wir herumgehen und den Baum von verschiedenen Seiten malen müssen. Erst durch das Zusammenfassen dieser verschiedenen Bilder erreichen wir einen Gesamteindruck von dem, was der Baum ist. Dieser Vergleich soll uns aber insbesondere vor die Seele malen, wie wir uns den großen geistigen Tatsachen gegenüber zu verhalten haben. Wir sollten uns klar sein, wie wir gar nicht vorwärts schreiten können in irgendeiner wirklichen oder vermeintlichen Erkenntnis der höchsten Dinge, wenn wir immer nur von einer Seite an die Dinge herangehen. Und obzwar durchaus Wahrheit enthalten ist oder sein kann in dem Anblick einer Sache, sollen wir uns doch niemals des demütigen Gefühles entschlagen, daß alle unsere Vorstellungen nur von einem Gesichtspunkt aus aufgenommene Ansichten sind und sein können. Wenn wir uns mit diesem Gefühl durchdringen, werden wir gern und willig von überallher die Vorstellungen, die Empfindungen und Gefühle herholen wollen, welche es uns möglich machen, die großen Tatsachen des Daseins von den verschiedensten Seiten her zu beleuchten. Unsere Zeit macht das notwendig. Immer mehr und mehr wird sich das Bedürfnis in unserer Zeit entwickeln, die Dinge von den verschiedensten Seiten aus anzusehen. Daher schließen wir uns heute nicht mehr ab gegenüber irgendeiner andern Anschauung oder Meinung, gegenüber einem andern Weg zu den höchsten Dingen hin, als es unser eigener oder der unserer eigenen Kultur ist. Sogar innerhalb dessen, was die abendländische Kulturentwickelung selber geboten hat, haben wir versucht, im Laufe der letzten Jahre dieses Prinzip, das uns zur echten Erkenntnisdemut führen kann, aufrechtzuerhalten. Wir haben uns niemals vermessen - und ich darf wohl sagen: tief stand es mir in die Seele geschrieben, daß eine solche Vermessenheit an diesem Orte niemals möglich sein sollte -, ein System, einen Überblick einfach über das zu geben, was die großen Ereignisse, die wir mit dem Christus-Problem zusammenfassen, sein sollen. Sondern immer ist gesagt worden: Wir nähern uns von irgendeinem Gesichtspunkt aus; und ein anderes Mal wurde gesagt: Wir nähern uns von einem andern Gesichtspunkt aus. — Und immer ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß wir das Problem deshalb doch nicht erschöpfen und daß wir ruhig und geduldig weiterarbeiten wollen.
[ 8 ] I have often said that we cannot accurately visualise a tree that is not actually in front of us if we have drawn a sketch of it from one side only, but that we must go round it and sketch it from many different sides. Only by assembling these different pictures can we obtain a complete impression of the tree. This analogy should make clear to us what our attitude should be to the great spiritual truths. We can make no progress at all in any real (or apparent) knowledge of higher things by approaching them from one side only. Whether or not there is truth in the particular view we may hold, we should always be humble enough to recognise that all our ideas are, and cannot help being, one-sided. If we intensify such a feeling of humility we shall welcome all ideas which throw light on any possible aspect of the great facts of existence. The age in which we are living makes this necessary, and the necessity will be increasingly borne in upon us. Consequently we no longer shut ourselves off from other views or from paths to the supreme truths which may differ from our own or from that of contemporary thought. During the course of the last few years, in considering the fruits of Western culture, we have tried always to maintain the principle of true humility in knowledge. I have never had the audacity to attempt to give one single survey of the events which comprise what we call the Christ-problem. On the contrary, I have always said that we were approaching the problem now from one point of view, now from another. And I have always emphasised that not even then has the problem been exhausted but that much further patient work is necessary.
[ 9 ] Der Sinn der Anknüpfung an die verschiedenen Evangelien war der, daß wir Anlaß nahmen, von vier verschiedenen Gesichtspunkten aus das Christus-Problem zu betrachten, und daß wir dann fanden, daß in der Tat die vier Evangelien uns Anknüpfungen an die vier verschiedenen Gesichtspunkte bieten, und daß wir in den Evangelien selber vorgezeichnet fanden den Grundsatz: Du sollst nicht auf einmal, nicht auf einer Umschau dem gewaltigen Problem dich nähern, sondern du sollst dich wenigstens von den vier verschiedenen geistigen Hiimmelsrichtungen aus ihm nähern. Und du sollst hoffen: wenn du von diesen vier geistigen Himmelsrichtungen aus, die mit den Namen der vier Evangelisten, Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, bezeichnet sind, an das Problem herankommst, dann wird es dir allmählich immer näher und näher treten. Und es wird dir so näher treten, daß du niemals von dir zu sagen brauchst, du seiest von der großen Wahrheit, ohne welche die menschliche Seele in ihrem tiefsten Innern nicht leben kann, ausgeschlossen, daß du aber auch niemals sagen wirst, irgendeine Gestalt der Wahrheit, welche du ergriffen hast, sei schon die ganze Wahrheit.
[ 9 ] The reason for studying the four Gospels separately is that we can then approach the Christ-problem from four different standpoints. We find that the four Gospels do, in fact, present four different aspects, and we are reminded that this stupendous problem must not be approached from one side only but at least from the four directions of the spiritual heavens indicated by the names of the four Evangelists: Matthew, Mark, Luke and John. If this is done we shall come increasingly to understand the problems and the great truths which are needed for the life of the human soul; and on the other hand, we shall never say that the one form of truth we may have grasped is the whole truth.
[ 10 ] So war sozusagen dasjenige, was wir im Verlaufe des letzten Winters pflegen konnten, darauf angelegt, nach und nach in uns die Stimmung der Erkenntnisbescheidenheit hervorzurufen. Und ohne diese Stimmung der Erkenntnisbescheidenheit kommen wir in der Tat im geistigen Leben nicht weiter. Daher wurde auch gelegentlich dieser Betrachtungen immer alles getan, um die Grundbedingungen des geistigen Erkenntnisfortschrittes immer wieder und wieder zu betonen. Und wer aufmerksam von Woche zu Woche die Vorträge hier verfolgt hat, der wird nicht behaupten können, daß nicht überall auf die Grundbedingungen des geistigen Erkenntnisfortschrittes hingewiesen worden sei.
[ 10 ] All our studies this last winter have been directed towards evoking a mood of humility in knowledge. Indeed without such humility no progress in the spiritual life is possible. Again and again I have laid stress upon the basic qualities essential for any progress in spiritual knowledge, and anyone who has followed the lectures given here week by week will confirm this.
[ 11 ] Geistiger Erkenntnisfortschritt — das ist ja einer der Impulse, die unserer ganzen geisteswissenschaftlichen Bewegung zugrundeliegen. Geistiger Erkenntnisfortschritt — was soll er unserer Seele? Er soll den tiefsten, den menschenwürdigsten Sehnsüchten und Bedürfnissen unserer Seele entgegenkommen, soll uns das geben, ohne das ein Mensch, der seine Menschenwürde voll empfindet, nicht leben kann. Und er soll es uns innerhalb unseres geisteswissenschaftlichen Feldes so geben, daß es den Erkenntnisbedürfnissen unserer Gegenwart entspricht. Was man mit den gewöhnlichen Sinnen nicht erforschen kann, dem der Mensch angehört nicht als Sinneswesen, sondern als geistiges Wesen, darüber soll uns jener Erkenntnisfortschritt Aufklärung bringen, der uns durch die Geisteswissenschaft geboten wird. Die großen Fragen über die Stellung des Menschen in der Sinneswelt, über das, was jenseits der Offenbarungen dieser Sinneswelt liegt, die Wahrheiten über das, was jenseits von Leben und Tod liegt — diesen Fragen entspricht doch ein tiefes, ja das menschlichste Bedürfnis der Seele. Wenn auch der Mensch durch allerlei Umstände die Fragen, welche sich auf solche Dinge beziehen, zurückdrängt, wenn er sich auch eine Weile dadurch zu beräuben vermag, daß er sich sagt: Das kann die Wissenschaft doch nicht erforschen, dazu fehlen dem Menschen die Fähigkeiten - auf die Dauer und für die wahre Gestalt der menschlichen Empfindungen schwindet doch nie das Bedürfnis nach Antworten auf diese Fragen. Woher das kommt, was wir sich heranbilden sehen im Verlaufe von Kindheit und Jugendentwickelung, wohin das geht, was wir in unserer Seele bergen, wenn die Leiblichkeit beginnt hinzuschwinden und abzusterben, kurz, wie der Mensch mit einer geistigen Welt zusammenhängt, das ist die große Frage, die einem menschlichsten Bedürfnis entspringt und ohne deren Beantwortung der Mensch nur dann sein kann, wenn er sich über seine menschlichsten Bedürfnisse betäubt.
[ 11 ] Progress in spiritual knowledge—this is of course one of the basic impulses of our Movement. What does it mean to the soul? It fulfils the soul's worthiest needs and longings and provides the support which everyone conscious of his true humanity requires. Moreover this support is completely in line with the intellectual needs of the present day. The progress in knowledge made possible by Spiritual Science should throw light on things which cannot be investigated by our ordinary senses but only by the faculties which belong to man as a spiritual being. The great questions about man's place in the physical world and what lies beyond the manifestations of the senses in this world, the truths concerning what lies beyond life and death—these questions meet a profound need, indeed the most human of all needs, of man's soul. Even if for various reasons we hold aloof from these questions and succeed for a time in deceiving ourselves by maintaining that science cannot investigate them, that the necessary faculties do not exist, nevertheless in the end the need and longing to find answers to them never disappear. The origin of what we see developing in the course of childhood and youth, the destination of what lies harboured in our soul as our bodily constitution begins to wilt and wither, in short, how man is connected with a spiritual world—these questions arise from a deep human need and man can dispense with the answers to them only when he deceives himself about his true nature.
[ 12 ] Aber weil diese Frage einem so tiefen Bedürfnis entspringt, weil die Seele nicht in Ruhe und Befriedigung leben kann, wenn sie nicht eine Antwort auf diese Fragen erhält, ist es nur natürlich, daß der Mensch sozusagen auf leichte Art, auf eine bequeme Art sich Antworten auf diese Fragen verschaffen möchte. Und wie vielerlei Wege werden heute, trotzdem diese Fragen, wie manche leugnen möchten, besonders brennend geworden sind auf allen Menschheitsgebieten, wie vielerlei Wege werden heute gewiesen! Man darf wohl ohne Übertreibung sagen, daß von all den Wegen, die dem Menschen heute dargeboten werden, wenn diese großen Rätselfragen an ihn herantreten, der geisteswissenschaftliche Weg der schwierigste ist. Ja, man darf auch noch etwas anderes sagen. Es werden viele unter Ihnen sein, welche die eine oder die andere Wissenschaft, von denen in der Welt viel geredet wird, für schwierig halten, sich vielleicht auch nicht hineinwagen, weil es sie zurückschreckt, was da alles zu überwinden ist, um in eine solche Wissenschaft einzudringen. Es mag auch sein, daß der Weg, den wir den geisteswissenschaftlichen genannt haben, leichter erscheint als der Weg in die Mathematik, in die Botanik oder in einen andern Zweig der Naturwissenschaft. Dennoch ist, absolut genommen, dieser Weg selbst schwieriger als der Weg in irgendeine andere Wissenschaft hinein. Das kann ohne Übertreibung ausgesprochen werden. Warum wird er Ihnen nur leichter? Nur aus dem Grunde, weil er mit einer ungeheuren Wucht die seelischen Interessen aufregt und dem entspricht, was einer jeden Seele am allernächsten liegt. Wenn er der schwierigste ist von all den Wegen, die heute dem Menschen hinauf in die geistige Welt dargeboten werden, so sollen wir dabei doch ein anderes nicht vergessen: daß uns dieser Weg zu dem Höchsten in unserem Seelenleben führen soll. Ist es denn nicht natürlich, daß der Weg zum Höchsten auch der schwierigste sein muß? Dennoch sollen wir uns nie abschrecken lassen durch die Schwierigkeit des Weges, niemals die Seele verschließen vor der Notwendigkeit der Schwierigkeit des geisteswissenschaftlichen Weges.
[ 12 ] But because these questions spring from so deep a need, because the soul cannot live in peace and contentment if it does not find the answers, it is only natural that people should look for an easy, comfortable way of finding them. Although many people would like to deny it, these questions have become particularly urgent in every domain of life, and what a variety of paths to the answers are offered to us! It can be said without exaggeration that the path of Spiritual Science is the hardest of them all. Many of you will admit that some of the sciences to-day are very difficult, and you will hesitate to tackle them because you are frightened by what you will have to master if you are really to understand them. The path of Spiritual Science may appear to be easier than, let us say, that of mathematics or botany or some other branch of natural science. Yet in the strictest sense the path of Spiritual Science is more difficult than that of any other science. This can be said without exaggeration. Why, then, does it seem easier to you? Only because it stirs the interests of the soul so forcefully and makes so compelling an appeal. It may be the most difficult of all the paths along which man is led into the spiritual world to-day, but we should not forget that it will lead to the highest within us. Is it not natural that the path to the highest should also be the hardest? Hence we should never be frightened by or blind to the inevitable difficulties of the path of Spiritual Science.
[ 13 ] Unter den mancherlei Notwendigkeiten des geisteswissenschaftlichen Weges wurde ja hier immer wieder die eine angeführt: daß der, welcher sich auf den geisteswissenschaftlichen Pfad begibt, zunächst in sorgfältiger Weise aufnehmen soll, was die Geistesforschung schon darzubieten vermag über die geistigen Geheimnisse, über die Tatsachen der geistigen Welt. Wir berühren damit ein ganz besonders notwendiges Kapitel unseres geisteswissenschaftlichen Lebens. Wie mancher möchte leichten Herzens sagen: Da redet man uns von einer unübersehbaren Geisteswissenschaft, von geistigen Tatsachen, die dieser oder jener Geistesforscher, dieser oder jener Erleuchtete, dieser oder jener Eingeweihte geschaut, erforscht hat. Wäre es nicht viel richtiger, wenn man uns einfach den Weg zeigte, wie man rasch selbst in die Regionen hinaufkommt, von denen aus man hineinblickt in die geistige Welt? Warum redet ihr immer wieder davon: So sieht es aus, so hat es dieser oder jener gesehen! Warum zeigt ihr nicht einen Weg, wie wir selber rasch hinaufsteigen?
[ 13 ] Among many features of this path, one has repeatedly been mentioned here. A person wishing to follow it must, to begin with, seriously imbibe what spiritual investigation has already been able to present about the mysteries and realities of the spiritual world. Here we touch upon a very important chapter of progress in Spiritual Science. People speak glibly about a spiritual science that cannot be corroborated, about spiritual facts alleged to have been witnessed and investigated by some initiate or seer, and they ask: Would it not be better simply to show us how we can quickly make our own way upwards into regions from which to glimpse the spiritual world? Why are we constantly told: This is what it looks like, this is how it appears to such and such a seer? Why are we not shown how to make the ascent quickly ourselves?
[ 14 ] Aus guten Gründen wird zuerst in einer breiten Weise das mitgeteilt, was aus der geistigen Welt an Tatsachen erforscht ist, bevor auf das eingegangen wird, was man nennen kann die Methoden der Seelenschulung, welche die Seele selbst hinaufführen können in die geistigen Regionen. Denn es wird etwas ganz Bestimmtes dadurch erreicht, daß wir zuerst im hingebungsvollen Studium dem obliegen, was die Geistesforscher aus den geistigen Welten geoffenbart haben. Wir haben betont, daß zwar die Tatsachen der geistigen Welt erforscht werden müssen, aufgefunden werden können nur durch das hellseherische Bewußtsein; aber wir haben ebenso oft betont: wenn die Tatsachen einmal gefunden sind, wenn irgendein geschultes Hellseherbewußitsein diese Tatsachen in der geistigen Welt beobachtet hat und sie dann mitteilt, dann muß die Mitteilung so sein, daß auch jeder, der keine hellseherische Entwickelung durchgemacht hat, mit dem gesunden Wahrheitssinn, der in jeder Seele liegt, mit der wirklich unbefangenen Logik die Tatsachen nachprüfen, die Wahrheiten erkennen kann. Es wird kein wahrhafter Geistesforscher, kein mit hellseherischem Bewußtsein im rechten Sinne des Wortes begabter Mensch irgendeine Tatsache der geistigen Welt anders mitteilen als so, daß der, welcher wirklich will, diese Tatsache auch ohne Hellsehen prüfen könnte. Aber er wird sie auch so mitteilen, daß sie den vollen Wert, die volle Bedeutung für eine Menschenseele haben kann.
[ 14 ] There are good reasons why facts which have been investigated about the spiritual world are communicated in general terms before details are given of the methods of training whereby the soul itself can be led into those higher spheres. We gain something very definite if we apply ourselves reverently to the study of what spiritual investigations have revealed from the spiritual world. I have often said that the facts of the spiritual world must be investigated and can be discovered only by clairvoyant consciousness; but I have as often said that once someone possessed of clairvoyant consciousness has observed these facts in the spiritual world and then communicates them, they must be communicated in such a way that even without clairvoyance, everyone will be able to test them by reference to the normal feeling for truth present in every soul, and by applying to them his own unprejudiced reasoning faculties. Anyone endowed with genuine clairvoyant consciousness will always communicate the facts about the spiritual world in such a way that everyone who wishes to test what he says will be able to do so without clairvoyance. But at the same time he will communicate them in a form whereby their true value and significance can be conveyed to a human soul.
[ 15 ] Welchen Wert haben die Mitteilungen geistiger Tatsachen, die Vorstellungen geistiger Tatsachen für eine Menschenseele? Sie haben den Wert, daß ein Mensch, der weiß: so sieht es aus in der geistigen Welt - sich im Leben, in seinen Gedanken, Gefühlen und Empfindungen danach richten kann, sich orientieren kann, wie der Mensch im Verhältnis steht zur geistigen Welt. In diesem Sinne wertvoll ist eine jede Mitteilung geistiger Tatsachen auch dann, wenn der Betreffende, der sie erhält, sie nicht selber durch ein hellseherisches Bewußtsein erforschen kann. Ja, selbst für den Hellseher erlangt einen Menschenwert diese Tatsache erst dann, wenn er sie heruntergebracht hat in eine solche Sphäre, daß er sie in eine allen Menschen zugängliche Form prägen kann. Mag ein Hellseher noch so viel erforschen und sehen im Spirituellen, das ist ganz wertlos für ihn und für irgendeinen andern Menschen, solange er das Gesehene nicht heruntergebracht hat in die Sphäre der gewöhnlichen Erkenntnis und es in solche Begriffe und Vorstellungen prägt, daß der natürliche Wahrheitssinn und die gesunde Logik die Sache begreifen können. Ja, der Hellseher selbst muß erst die Sache begreifen, wenn sie für ihn einen Wert haben soll. Erst da beginnt der Wert, wo die logische Prüfung beginnt.
[ 15 ] What, then, does this communication and presentation of spiritual facts mean to the soul? It means that anyone who has some idea of conditions in the spiritual world can direct and order his life, his thoughts, his feelings and his perceptions in accordance with his relationship to the spiritual world. In this sense every communication of spiritual facts is important, even if the recipient cannot himself investigate those facts with clairvoyant consciousness. Indeed for the investigator himself these facts acquire a human value only when he has clothed them in a form in which they can be accessible to everyone. However much a clairvoyant may be able to see and investigate in the spiritual world, it remains valueless both to himself and to others until he can bring the fruits of his vision into the range of ordinary cognition and express them in ideas and concepts which can be grasped by a natural sense of truth and by sound reasoning. In fact, if his findings are to be of any value to himself he must first have understood them fundamentally; their value begins only at the point where the possibility of reasoned proof begins.
[ 16 ] Wir könnten mit einem radikalen Ausdruck eine Art Kreuzprobe machen auf das, was jetzt gesagt worden ist. Unter manchem andern Wertvollen in bezug auf die geistigen Wahrheiten und die geistigen Mitteilungen wird Ihnen ohne Zweifel das wichtig erscheinen, was der Mensch mitnehmen kann durch die Pforte des Todes von dem, was er auf dem physischen Plan zwischen Geburt und Tod an solchen geistigen Wahrheiten aufgenommen hat. Oder gestalten wir die Frage so: Wieviel bleibt dem Menschen, der hier durch die Pflege spirituellen Lebens Mitteilungen empfangen hat über die geistige Welt, wieviel bleibt ihm von dem, was er so eingesehen hat, was er so sich zu eigen gemacht hat? Genau so viel bleibt ihm, als er verstanden hat, als er begriffen hat, als er in die Sprache des gewöhnlichen Menschheitsbewußtseins umgesetzt hat.
[ 16 ] There is a radical test which can be applied to what I have just said. Among many other valuable spiritual truths and communications you will certainly attach very great importance to those concerning what a man can take with him through the gate of death of the spiritual truths he has assimilated on the physical plane between birth and death. Or, to put it differently: How much remains to a man who, by cultivating the spiritual life, has mastered the substance of communications relating to the spiritual world? The answer is: Exactly as much remains to him as he has fundamentally grasped and understood and has been able to translate into the language of ordinary human consciousness.
[ 17 ] Stellen Sie sich einmal einen hellsichtigen Menschen vor, der vielleicht ganz besondere Entdeckungen in der geistigen Welt durch rein hellseherische Beobachtungen gemacht hat, der es aber versäumt hätte, diese Beobachtungen aus der geistigen Welt in eine Sprache zu kleiden, die für irgendein Zeitalter eine Sprache des gewöhnlichen menschlichen Wahrheitssinnes ist. Wissen Sie, was ihm oder was für ihn geschieht? Ausgelöscht sind alle diese Entdeckungen nach dem Tode. Just so viel bleibt nach dem Tode wertvoll und bedeutungsvoll, als umgesetzt, umformuliert ist in eine Sprache, die in irgendeinem Zeitalter einer Sprache des gesunden Wahrheitssinnes entspricht.
[ 17 ] Picture to yourselves a man who may have made quite exceptional discoveries in the spiritual world through clairvoyant observation but has never clothed them in the language of ordinary life. What happens to such a man? All his discoveries are extinguished after death; only so much remains of value and significance as has been translated into language which, in any given period, is the language of a healthy sense of truth.
[ 18 ] Gewiß ist es von größter Bedeutung, daß es hellseherische Menschen gibt, die Mitteilungen herausbringen können aus der geistigen Welt, die andere Menschen damit befruchten können. Das bringt Segen in unserer Zeit, weil unsere Zeit solche Weistümer braucht und sich nicht wird fortentwickeln können, wenn sie nicht solche Weistümer annimmt. Notwendig ist es, daß solche Mitteilungen an unsere Zeitkultur gemacht werden. Und wenn man das heute noch nicht einsieht, in einem halben oder einem ganzen Jahrhundert wird es doch allgemeine Menschheitsüberzeugung sein: Die Kultur kann nicht fortgehen ohne die Überzeugung vom Vorhandensein spiritueller Weistümer, und die Menschheit müßte kulturell zugrundegehen ohne die. Aufnahme spiritueller Weistümer. Es gibt etwas, was der Menschheit in der Zukunft notwendig ist, wenn sie sich fortentwickeln will, notwendiger als alle äußerlich sichtbaren Kulturmittel: das ist die Aufnahme spiritueller Weisheit. Und wenn alle Lüfte erobert würden für den Verkehr, der Menschheit müßte doch der Kulturtod in Aussicht gestellt werden, wenn sie keine geistigen Weistümer aufnehmen würde. So liegt die Sache ganz zweifellos. Es muß die Möglichkeit da sein, hineinzublicken in die geistige Welt.
[ 18 ] It is naturally of the greatest importance that clairvoyants should be able to bring tidings from the spiritual world and make them fruitful for their fellow-men. Our age needs such wisdom and cannot make progress without it. It is essential that such communications should be made available to contemporary culture. Even if this is not recognised to-day, in fifty or a hundred years it will be universally acknowledged that civilisation and culture can make no progress unless men become convinced of the existence of spiritual wisdom and realise that humanity must die unless spiritual wisdom is assimilated. And even if all space were conquered for the purposes of intercommunication, mankind would still have to face the prospect of the death of culture if spiritual wisdom were rejected. This is true beyond all shadow of doubt. Insight into the spiritual world is absolutely essential.
[ 19 ] Von anderem Wert aber als die Menschheitsfortschritte auf der Erde ist das, was die spirituellen Weistümer für die einzelnen Individualitäten nach dem Tode zu bedeuten haben. Da müssen wir, um uns eine rechte Vorstellung zu machen, einmal die Frage so stellen: Was hat denn der hellseherische Mensch von dem, was er hellsichtig erforscht hat und in eine Formel des gesunden Wahrheitssinnes, der gesunden menschlichen Logik gebracht hat, was hat er dadurch, daß er hineinsehen kann in die geistige Welt, nach dem Tode mehr an Früchten als derjenige, der durch sein Karma nicht die Möglichkeit hatte, schon in der entsprechenden Inkarnation selber hineinzusehen in die geistige Welt, und daher darauf angewiesen war, nur von andern zu hören über die Ergebnisse der Geistesforschung? Wie unterscheiden sich die geistigen Wahrheiten bei einem Eingeweihten und bei einem Menschen, der sie nur gehört hat und nicht hineinschauen kann in die geistige Welt? Ist der Eingeweihte besser daran als der, welcher diese Dinge nur empfangen konnte?
[ 19 ] In addition to the value of spiritual wisdom for single individuals after death there is its value for the progress of humanity on the Earth. To have the right idea here, distinction must be made between the clairvoyant who has been able to investigate the spiritual world and express his findings in terms of healthy human reason, and a man whose karma while he was incarnated made it impossible for him to see into the spiritual world, and who had consequently to rely upon hearing from others about the findings of spiritual research. What is the difference between the fruits enjoyed after death by two such individuals? How do the effects of spiritual truths differ in an Initiate and in one who knows them only by hearsay and cannot himself see into the spiritual world? Is the Initiate better off than a man who could only hear these truths from someone else?
[ 20 ] Für die allgemeine Menschheit hat das Hineinschauen in geistige Welten einen höheren Wert als das Nicht-Hineinschauen. Denn wer hineinschaut, tritt in Verkehr mit der geistigen Welt; er kann da nicht nur Menschen, sondern auch andere, geistige Wesen lehren und in ihrem Fortschritt fördern. So hat dieses hellsichtige Bewußtsein einen ganz besonderen Wert. Aber für das Individuelle hat nur das Wissen einen Wert, und in bezug auf den individuellen Wert unterscheidet sich der hellsichtigste Mensch nicht von dem, der nur die Mitteilungen empfangen hat und in einer entsprechenden Inkarnation nicht hineinschauen konnte in die geistige Welt. Fruchtbar nach dem Tode ist das, was wir als geistige Weisheit aufgenommen haben, gleichgültig, ob wir selbst sie geschaut haben oder nicht.
[ 20 ] For humanity in general, vision of spiritual worlds is, of course, worth more than absence of vision. A seer is in touch with those worlds and can teach and help forward the development not only of men but of spiritual beings as well. Clairvoyant consciousness, then, is of special value. For the individual, however, knowledge alone has value and in this respect the most gifted clairvoyant is not to be distinguished from one who has merely heard the communications without being able in the present incarnation to look into the spiritual world himself. Whatever spiritual wisdom we have assimilated will be fruitful after death, no matter whether or not we ourselves are seers.
[ 21 ] Damit haben wir eines der großen, so verehrungswürdigen ethisch-moralischen Gesetze der spirituellen Welt vor unsere Seele hingestellt. Allerdings ist vielleicht unsere heutige Zeitmoral nicht fein genug, um gerade dieses Ethos voll zu verstehen. Individuell, also im höheren Sinne den Egoismus befriedigend, erlangt keiner einen Vorsprung dadurch, daß ihm die Möglichkeit geboten ist durch sein Karma, hineinzuschauen in die geistige Welt. Alles, was wir für unser individuelles Leben erwerben wollen, müssen wir uns auf dem physischen Plan erwerben und auch in solche Formen bringen, die dem physischen Plan genügen. Und wenn ein Buddha oder ein Bodhisattva höher steht als andere menschliche Individualitäten in den Hierarchien der geistigen Welt, so ist es eben dadurch, daß sie durch soundsoviele Inkarnationen auf dem physischen Plan sich dieses Höhere angeeignet haben. Was ich meinte mit der höheren Ethik, der höheren Sittenlehre, die sich aus dem spirituellen Leben ergibt, das ist dies: Niemand sollte sich vorstellen, daß er durch eine hellseherische Entwickelung einen Vorsprung erlangt über seine Mitmenschen. Das ist gar nicht der Fall. Er erlangt keinen im egoistischen Sinne zu rechtfertigenden Fortschritt. Nur insofern erlangt er ihn, daß er den anderen mehr sein kann. Es ist das Unsittliche, dem Egoismus zu dienen, auf spirituellem Felde vollständig ausgeschlossen. Für sich kann der Mensch nichts erlangen durch eine spirituelle Erleuchtung. Was er erlangt, kann er nur erlangen als Diener der Welt im allgemeinen, und für sich nur, indem er es für andere mit erlangt.
[ 21 ] One of the great moral laws of the spiritual world is here presented to us. Admittedly, our modern conception of morality may not be subtle enough to understand its implications fully. No advantage is gained by individuals—except perhaps a merely selfish gratification—because their karma has made it possible for them to see into the spiritual world. Everything we acquire for our individual life must be acquired on the physical plane and must be moulded into forms appropriate to that plane. If a Buddha or a Bodhisattva stands at a higher level than other human individualities among the hierarchies of the spiritual world, it is because he has acquired these higher qualities through a number of incarnations on the physical plane. Here is an indication of what I mean by the higher morality, the higher ethics, resulting from the spiritual life. Let nobody imagine that he gains any advantage over his fellow-men through developing clairvoyance, for that is simply not so. He makes no progress which can be justified on any ground of self-interest. He achieves progress only in so far as he can be more useful to others. The immorality of egoism can find no place in the spiritual world. A man can gain nothing for himself by spiritual illumination. What he does gain he can gain only as a servant of the world in general, and he gains it for himself only by gaining it for others.
[ 22 ] So steht also ein Geistesforscher unter seinen Mitmenschen. Wollen sie hören, was er erforscht hat, und es aufnehmen, so erlangen sie dadurch einen gleichen Vorsprung mit ihm selber, kommen für ihr Individuelles genau so weit wie er. Das heißt, verwertbar ist das Spirituelle nur im allgemein menschlichen Geiste, nicht im egoistischen Geiste. Es gibt ein Gebiet, auf dem man nicht bloß deshalb moralisch ist, weil man es sich vornimmt, sondern weil einem das Unmoralischsein, das Egoistischsein nichts helfen würde. Dann aber ist es auch leicht, ein anderes einzusehen: daß es gefährlich ist, in die geistige Welt, in das spirituelle Gebiet unvorbereiter hineinzutreten. Niemals wird für das Leben nach dem Tode irgend etwas Egoistisches erreicht werden können durch das spirituelle Leben. Wohl aber kann der Mensch Egoistisches für dieses Leben, für das Leben auf dem physischen Plan wollen durch die spirituelle Entwickelung. Wenn man sozusagen für die geistige Welt auch nichts Egoistisches erringen kann, man kann für diese Welt irgend etwas erreichen wollen, was im Sinne des Egoismus liegt.
[ 22 ] This, then, is the position of the spiritual investigator among his fellow-men. If they are willing to listen to him and assimilate his findings, they make the same progress as he does. This means that spiritual achievement must be employed only to further the general well-being of man, and not for any selfish purposes. There are circumstances when a man is moral not merely of his own volition but because immorality or egoism would be of no advantage. It is also easy to realise that there are dangers in penetrating into the spiritual world without proper preparation. By leading a spiritual life we do not achieve anything which will fulfil a selfish purpose after death. On the other hand, a man may wish to gratify an egotistic purpose in his life on Earth through spiritual development. Even if nothing egotistic can benefit existence in the spiritual world, there may be a wish to fulfil some egotistical purpose on the Earth.
[ 23 ] Die meisten Menschen, die eine gewisse höhere Entwickelung anstreben, werden nun gewiß sagen: Das ist ja ganz selbstverständlich, daß ich mich bemühe, unegoistisch zu sein, ehe ich den Eintritt in die höhere Welt erhalten will. - Aber glauben Sie es: Es gibt wohl kein Gebiet menschlicher Täuschung, auf dem eine Täuschung so groß sein kann als da, wo man sagt: Ich strebe unegoistisch! - Sagen kann man das leicht. Ob man es auch tun kann, es selbst wirklich vollziehen kann, das ist eine ganz andere Frage. Es ist vor allen Dingen deshalb eine andere Frage, weil, wenn man beginnt, in der Seele Verrichtungen zu pflegen, die in die geistige Welt hineinführen können, man sich dann erst selbst in seiner wahren Gestalt entgegentritt. Der Mensch lebt in der äußeren Welt in bezug auf sehr vieles nicht in seiner wahren Gestalt. Er lebt eingewoben in ein Netz von Vorstellungen, von Willensimpulsen und moralischen Empfindungen, in Handlungsusancen, die von der Umwelt gegeben sind, und selten wirft der Mensch die Frage auf: Wie würde ich handeln, wie würde ich denken über eine Sache, wenn ich mich nicht durch das, was mir anerzogen ist, veranlaßt fühlte, so oder so zu denken oder zu handeln? - Wenn der Mensch diese Frage sich beantworten würde, dann würde er sehen, daß er gewöhnlich viel, viel schlechter ist, als er annimmt.
[ 23 ] Most people who follow the path leading to higher development are likely to say that they will obviously strive to discard egoism before trying to enter the spiritual world. But believe me, there is no province of life where deception is likely to be as great as it is among those who claim that their endeavours are free from egotistic interests. It is easy enough to say this, but whether it can be a fact is quite another matter. It is a different matter because when a man begins to practise exercises which can lead him into the spiritual world, he then, for the first time, confronts himself as he truly is. In ordinary life very few things are experienced in their true form. A man lives in a web of ideas, of impulses of will, of moral perceptions and conventional actions, all of which originate in his environment, and he seldom stops to ask himself how he should act or think in a given case if his upbringing had not been what it was. If he were to answer this question honestly, he would realise that his shortcomings are very much greater than he has assumed them to be.
[ 24 ] Nun haben Verrichtungen, die darauf angelegt sind, daß der Mensch in die geistige Welt hinaufzusteigen lernt, zur Folge, daß man hinauswächst über alles, in was man einverwoben ist durch Gewohnheiten, durch Erziehung, durch alles, was um uns herum ist. Recht bald wächst man darüber hinaus. Man wird geistig-seelisch, empfindungsgemäß, immer nackter. Die Hüllen, die wir uns selber angelegt haben und an die wir uns halten bei unsern gewöhnlichen Empfindungen und Handlungen, sie fallen. Daher jene ganz gewöhnliche Erscheinung, die auch schon oft besprochen worden ist: Der Mensch, bevor er anfängt mit einer geistigen Entwickelung, ist vielleicht ein leidlich anständiger, vielleicht auch ein vernünftiger Mensch, der keine großen Dummheiten im Leben macht. Nun fängt er an mit einer geistigen Entwickelung. Während er vorher ganz bescheiden war und sich vielleicht auch gesagt hat: Ich bin doch ein ganz bescheidener Mensch! -, fängt er jetzt an, unter dem Einfluß der geistigen Entwickelung ein ganz hochmütiges Wesen zu zeigen, fängt an, allerlei Torheiten und Dummheiten zu begehen. Er verliert, wenn er in eine geistige Entwickelung hineinkommt, sozusagen Halt und Richtung. Warum das so ist, kann am besten derjenige sehen, der in einer geistigen Welt zu Hause ist. Denn zweierlei Dinge sind notwendig, um sich zurechtzufinden gegenüber dem, was aus der geistigen Welt an die Menschenseele herantritt, um das Gleichgewicht zu behalten: Man muß in der Lage sein, nicht schwindlig zu werden gegenüber dem, was aus der geistigen Welt an uns herantritt. Im physischen Leben schützt uns unsere Organisation vor dem Schwindligwerden durch das, was wir in den Anthroposophie-Vorträgen den Gleichgewichtssinn, den statischen Sinn genannt haben. Wie es für den leiblichen Menschen etwas gibt, wodurch er sich aufrechterhält — denn wenn die Organisation nicht ordentlich funktioniert, wird der Mensch schwindlig und fällt um -, so gibt es auch im geistigen Leben etwas, durch das sich der Mensch über seine eigene Lage zur Welt orientieren kann. Das muß er können. Das geistige Umfallen besteht eben darin, daß das nicht mehr vorhanden ist, was uns vorher stützt, was anerzogene Empfindungen sind, was das Gewebe der äußeren Welt bewirkt, so daß wir dann auf uns selber angewiesen werden. Die Stützen fallen weg, und dann ist die Gefahr nahe, daß wir schwindlig werden. Wir können dann leicht hochmütig werden, wenn die äußeren Stützen für uns wegfallen. Der Hochmut sitzt natürlich in uns, nur kam er vorher nicht zum Vorschein.
[ 24 ] The result of practising exercises through which a man learns how to rise into the spiritual world is that he grows beyond the web woven around him through custom, education, environment. He quickly grows beyond all this. In soul and spirit he is stripped naked. The veils with which he has clothed himself and to which he clings in his ordinary feelings and actions, fall away. This accounts for a quite common phenomenon of which I have often spoken.—Before beginning to work at his spiritual development a man may have been a reasonable, possibly also a very intelligent and at the same time, humble person who went through life without committing any particular stupidities. Then, after beginning this development, he may become arrogant and do all sorts of senseless things. He seems to have lost his bearings in life. To those familiar with the spiritual world the reason for this is clear. If we are to maintain balance and a sense of direction in face of what comes to the soul from the spiritual world, two things are necessary. It must not make us giddy or light-headed. In physical life our own organism protects us through what we call in anthroposophical lectures, the 'sense of balance or equilibrium'. Just as in a man's physical body there is something which enables him to keep himself upright—for if the organism is not functioning properly he will get giddy and may fall down—so in the spiritual life there is something which helps him to orientate himself in his relation to the world, and this he must be able to do. Spiritual unsteadiness comes about because what used to support him, namely the external world and his own sense-perceptions, fall away and he has then to rely upon himself alone. The supports have gone and there is a danger of giddiness. When the supports fall away we may easily become arrogant, for arrogance is always latent in us although it may not previously have disclosed itself.
[ 25 ] Wodurch erlangt man nun das geistige Gleichgewicht, so daß man nicht schwindlig wird? Dadurch, daß man entsagungsvoll, fleißig und emsig das aufnimmt, was die Geistesforschung erforscht hat und was in logische, dem gewöhnlichen Wahrheitssinn entsprechende Formeln umgeprägt worden ist. Nicht aus einer Willkür heraus wird immer wieder und wieder hier betont, daß es notwendig ist, das, was wir Geisteswissenschaft nennen, wirklich zunächst zu studieren. Es wird nicht etwa deshalb betont, damit ich hier recht oft reden kann, sondern aus dem Grunde, weil es durch kein anderes Mittel möglich ist, die festen Stützpunkte für eine geistige Entwickelung zu bekommen. Das hingebungsvolle, emsige Aufnehmen der geisteswissenschaftlichen Resultate ist das Gegenmittel gegen den geistigen Schwindel, gegen die geistige Unsicherheit. Und mancher Mensch, der durch eine unrichtig getriebene Entwickelung in geistige Unsicherheit hineinkommt — wenn es ihm auch erscheint, als ob er recht fleißig gewesen sei —, der sollte wissen, daß er es versäumt hat, das aufzunehmen, was aus dem Born der Geisteswissenschaft zunächst fließen kann. Das ist es, was wir brauchen, dieses Studium der geisteswissenschaftlichen Tatsachen von allen Seiten. Und deshalb war es, daß wir auch während des letzten Winters in unserem Zweige, als wir uns letzten Endes begreiflich machen wollten die Bedeutung des Christus-Ereignisses für die Menschheit, doch immer wieder darauf zurückkamen, die Grundbedingungen des geistigen Fortschrittes zu betonen.
[ 25 ] How, then, can we attain the necessary spiritual balance or equilibrium? We must assimilate with diligence, perseverance and dedication the findings of spiritual research which have been expressed in terms harmonising with our normal sense of truth and sound reasoning. It is not out of caprice that I emphasise so repeatedly how necessary it is to study what we call Spiritual Science. I emphasise it not in order that I may have opportunity to speak here often but it is the only thing which can give the firm support we need for spiritual development. Earnest, diligent assimilation of the results of Spiritual Science is the antidote for spiritual `giddiness' and insecurity. And anyone who has experienced this insecurity through having followed a wrong path of spiritual development—although he may think he has been very diligent—should recognise that he has failed to take in what can flow from Spiritual Science. The study of spiritual-scientific facts from every possible aspect—that is what is necessary for us. And that was why, last winter—though our ultimate purpose was to bring home the significance of the Christ Event for humanity—emphasis was laid over and over again upon the fundamental conditions for spiritual progress.
[ 26 ] Ein orientiertes Seelenleben braucht der Mensch zum Fortschreiten, aber außerdem noch etwas anderes. Während durch das Studium der Geisteswissenschaft Sicherheit für die menschliche Seele erlangt wird, wird durch ein zweites das gebracht, was wir ebenfalls nötig haben. Das ist eine gewisse geistige Stärke, ein gewisser Mut des geistigen Lebens. Solchen Mut, wie wir zum geistigen Fortschritt brauchen, brauchen wir im gewöhnlichen Leben nicht, deshalb nicht, weil unser innerstes Wesen, unser geistig-seelisches Menschenwesen ja eingebettet ist im gewöhnlichen wachen Tagesleben vom Aufwachen bis zum Einschlafen in den physischen Leib und Ätherleib; und in der Nacht tun wir ja nichts und können nichts verderben. Wenn der Mensch auch schlafend handeln könnte, würde er als unentwickelter Mensch schlimme Dinge hervorbringen. Im physischen Leib und Ätherleib sind aber nicht bloß die Kräfte, die in uns wirksam sind, insofern wir bewußte oder auch nur denkende und fühlende Menschen sind, sondern auch jene Kräfte, an denen göttlich-geistige Wesenheiten gearbeitet haben durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch bis in unsere Erdenzeit hinein. Da sind immerfort die Kräfte aus höheren Regionen tätig. Auf die stützen wir uns. Und wenn wir aufwachen und in den physischen Leib und Ätherleib einziehen, überliefern wir uns zugleich den göttlich-geistigen Kräften, die in unserem physischen Leib und Ätherleib zu unserm Heil und Segen darinnen sitzen und uns vom Morgen bis zum Abend durch das Tagesleben führen. So ist es: In uns wirkt die ganze göttlich-geistige Welt, und wir können an ihr im Grunde genommen vieles schlechter machen, aber nicht viel verbessern.
[ 26 ] If a man is to make such progress there must be purpose and direction in his life of soul; but he needs something else as well. The soul can indeed acquire assurance through the study of Spiritual Science but it also needs a certain spiritual strength and courage. Courage of the kind necessary for spiritual progress is not essential in ordinary life because from the time of waking to that of going to sleep, our inmost being of soul-and-spirit is embedded in our physical and etheric bodies; and during the night we are inactive and can do no harm. If a man spiritually undeveloped were capable of acting during sleep as well as during waking life, he could do a great deal of harm. But in our physical and etheric bodies there are not only the forces which are active in us as conscious beings, or as thinking and feeling beings, but also those forces at which divine-spiritual Beings have worked through the evolutionary periods of Old Saturn, Old Sun, Old Moon and the Earth itself. Forces from higher spheres are continually active in us and support us. On waking from sleep we give ourselves up to the divine-spiritual Powers which, for our Well-being and blessing, are present in our physical and etheric bodies and lead us through life from morning till evening. Thus the whole spiritual world is active within us; we can do harm to it in many respects but very little to make amends for the damage we have done.
[ 27 ] Aber nun denken Sie, daß alle geistige Entwickelung davon abhängt, daß wir frei bekommen unsern inneren Menschen, unsern Astralleib und unser Ich, daß wir sozusagen sehen, hellsichtig wahrnehmen lernen in dem, was unbewußt vom Einschlafen bis zum Aufwachen lebt, und weil es unbewußt lebt, auch kein Unheil anrichten kann. Das muß bewußt in uns werden, was unbewußt ist in jenen Gliedern, in denen göttlich-geistige Kräfte darinnen sind. All die Stärke, die Kraft, die uns gegeben worden ist, indem wir beim Aufwachen gerade in die Hände genommen werden von dem, was in unserem physischen Leib und Ätherleib verankert ist, die fällt weg, wenn wir unabhängig werden vom physischen Leib und Ätherleib und anfangen, hellseherisch wahrzunehmen. Die ganze Kraft und Gewalt der Welt bleibt draußen. Wir haben uns herausgezogen aus denjenigen Kräften, die uns stark machen und ein Widerlager geben gegen die Welt, die von außen auf uns einwirkt. Wir haben uns aus den uns unterstützenden Kräften herausgezogen. Die Welt ist aber geblieben, wie sie ist, und der ganzen Gewalt, dem ganzen Anprall der Welt stehen wir deshalb doch gegenüber. Alle die Kraft, die uns sonst aus dem physischen Leib und Ätherleib kommt, müssen wir dann in uns selber haben, um den Anprall der Welt auszuhalten und Widerstand zu leisten. Alles das müssen wir in unserem Ich und Astralleib entwickeln. Das entwickeln wir durch diejenigen Regeln, die uns gegeben werden und die Sie finden in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Das ist alles darauf berechnet, unserem eigenen Innern jene Stärke zu geben, die uns vorher von höheren Wesen verliehen wurde und die wegfällt, wenn die äußeren Stützen wegfallen, jene Stärke, die uns widerstandsfähig machen kann gegenüber dem Anprall der Welt, auch wenn wir selbst die Unterstützungen beiseite geschoben haben, die uns unser physischer Leib und Ätherleib bieten.
[ 27 ] All spiritual development depends upon our inner being, that is to say, our astral body and Ego, becoming free; we have to learn to become clairvoyant in the part of ourselves that is unconscious during sleep, and because it is unconscious can do no harm. What is unconscious in the members of our constitution in which divine-spiritual forces are active, must become conscious. All the strength we have because on waking we are taken in hand by spiritual powers anchored in our physical and etheric bodies, falls away when we become independent of those bodies and clairvoyant perception begins. We withdraw from the forces which have been a buttress for us against the influences working from the external world; but that world remains as it was and we still confront the whole power of its impact. If we are to resist this impact we must develop in our Ego and astral body all the power we otherwise draw from the physical and etheric bodies. This can be achieved if we follow the indications given in my book, Knowledge of the Higher Worlds and its Attainment. The aim of all these indications is to impart to our inmost self the strength previously bestowed by higher Beings, the strength which falls away when we lose the external supports provided by our physical and etheric bodies.
[ 28 ] Menschen, die sich nicht so innerlich stark machen, um die Kräfte, die sie abstreifen mit dem physischen Leib und Ätherleib, zu ersetzen durch wirklich hingebungsvolle Exerzitien der Seele, vor allen Dingen durch die Läuterung der Eigenschaft, die wir in der äußeren Welt als Unmoral bezeichnen, diese Menschen können zwar bis zu einem gewissen Grade Fähigkeiten erwerben, in die geistige Welt hineinzusehen. Aber was geschieht? Sie werden das, was man hypersensitiv nennen kann, sie werden überempfindlich. Sie werden, wie wenn sie von allen Seiten geistig gestochen würden, sie können nicht standhalten dem, was heranprallt von allen Seiten. Das ist eine derjenigen bedeutsamen Tatsachen, die man kennen muß, wenn man einen geistigen Erkenntnisfortschritt anstrebt: sich innerlich stark zu machen, indem man die edelsten, besten Eigenschaften der Seele wirklich ausbildet.
[ 28 ] Individuals who have not made themselves inwardly strong enough to replace the powers they have discarded when they become independent of the physical and etheric bodies through serious training of the soul—above all through purifying the quality designated as immorality in the external world—these individuals may still be able to acquire faculties enabling them to see into the spiritual world. But what happens then? They become over-sensitive, hypersensitive. They feel as if from every side they are being spiritually buffeted and cannot stand up against the blows rained on them from all sides. One of the important facts to be realised by anyone who aspires to make progress in spiritual knowledge is that inner strength must be developed through the cultivation of the noblest and finest qualities of the soul.
[ 29 ] Welche Eigenschaften werden das sein nach dem, was wir eben gerade heute gesagt haben? - Wenn es sogar unmöglich ist, in der geistigen Welt im Zeichen des Egoismus zu leben, wenn uns da der Egoismus nichts hilft, so wird es nur natürlich sein, daß die Austreibung des Egoismus, alles dessen, was der willkürlichen Begehrung des Geistigen unterstellt ist, die Vorbereitung für das geistige Leben sein wird. Je würdiger und ernster man gerade diesen Grundsatz nimmt, desto besser ist es für einen geistigen Fortschritt. Man kann ihn nicht ernst und würdig genug nehmen. Wer mit diesen Dingen zu tun hat, kann es oft hören, daß irgend jemand ihm sagt: Dies habe ich nicht aus Egoismus getan! — Aber wenn dieses Wort über die Lippen will, dann sollte der Mensch Einhalt tun, sollte es nicht über die Lippen lassen, sondern er sollte sich sagen: Eigentlich bist du doch nicht so, daß du sagen kannst, du tust irgend etwas ohne eine Spur von Egoismus! — Das ist viel gescheiter, weil es viel wahrer ist. Und auf das Wahre namentlich in bezug auf die Selbsterkenntnis kommt es an. Auf keinem Gebiete rächt sich Unwahrheit so stark, wie auf dem Gebiet des spirituellen Lebens. Da sollte der Mensch die Forderung an sich stellen, lieber wahr zu sein, als sich in den Nebel hineinzureden: Du bist unegoistisch. — Lieber wahr sein und sich sagen: Gestehe ich meinen Egoismus, so habe ich wenigstens einen Impuls, ihn abzulegen.
[ 29 ] What are these qualities? Egoism will not help us in the spiritual world and indeed makes it impossible to exist there. Naturally, then, the best preparation for the spiritual life is to banish egoism and everything which stimulates selfish prospects of spiritual progress. The more earnestly we adopt this principle the better are our prospects for spiritual progress. Anyone who has to do with these things will often hear a man say that his action was not prompted by egoism. But when such a man is on the point of letting words like this pass his lips, he should check them and admit to himself that he is not really able to insist that there is no trace of egoism in his action. To admit it is much more intelligent, simply because it is more truthful. And it is truth that matters whenever self-knowledge is concerned. In no realm does untruthfulness bring such severe retribution as in the realm of spiritual life. A man should demand truth of himself instead of claiming to be without egoism. At least if we acknowledge our egoism we have a chance to get rid of it!
[ 30 ] Was mit diesem spirituellen Wahrheitsbegriff zusammenhängt, möchte ich am liebsten mit dem Folgenden sagen. Man kann recht leicht so urteilen: Da gibt es Leute, die behaupten, allerlei in den höheren Welten erfahren und gesehen zu haben; das wird dann verbreitet und tritt vor die Menschen hin. Wenn man einsieht, daß das nicht wahr ist, sollte man nicht alle Kräfte und Mittel einsetzen, um das zu bekämpfen? - Gewiß, es kann Gesichtspunkte geben, unter denen ein solcher Kampf notwendig ist. Für den aber, dem es als spiritueller Mensch um die Wahrheit zu tun ist, gibt es immer noch einen andern Gedanken, nämlich den, daß doch nur alles das, was Wahrheit ist, aus der spirituellen Welt heraus gedeiht und fruchtbar ist für die Welt, und daß dasjenige, was unwahr ist, ganz gewiß keine Fruchtbarkeit hat. Das heißt trivial ausgedrückt: Man mag noch so viel zusammenlügen in bezug auf spirituelle Dinge, diese Dinge haben recht kurze Beine. Von diesen Lügen sollte sich der, welcher sie aufbringt, sagen, daß er damit wirklich Fruchtbares nicht wirken kann. Fruchtbar auf spirituellem Gebiet ist allein die Wahrheit. Das beginnt bereits da, wo wir mit unserer eigenen spirituellen Entwickelung beginnen, wo wir anfangen sollten, uns wahr einzugestehen, wie wir eigentlich sind. Das ist etwas, was zugleich als Impuls in allen spirituellen, in allen okkulten Bewegungen leben muß: daß nur das Wahre ein Fruchtbares, ein Wirksames sein kann. Wahrheit ist durchaus etwas in der Welt, was sich durch seine Fruchtbarkeit, durch seinen Segen für die Menschheit selber rechtfertigt. Und die Lüge, die Unwahrheit ist etwas, was unfruchtbar und unwirksam ist. Das hat nur eine einzige Wirkung, die ich heute nicht weiter ausführen kann und darum nur andeuten will: Es fällt mit dem stärksten Anprall auf den Verbreiter der Unwahrheit selbst zurück. Das wird uns ein anderes Mal beschäftigen, was mit diesem bedeutungsvollen Satz gemeint ist.
[ 30 ] In regard to the concept of spiritual truth, let me say this. There are people who claim to have seen and experienced all kinds of things in the higher worlds—things which are then made public. If we know that these things are not true, should we not use every possible means to oppose them? Certainly, there may be points of view according to which such opposition is necessary. But those whose main concern is truth have a different thought, namely that only what is true can flourish and bear fruit in the world and what is untrue will quite certainly be unfruitful. Put more simply, this means that however much people may lie about spiritual matters, what they say will not get very far, and they should recognise that nothing fruitful can be achieved by lies. In the spiritual world, truth alone will bear fruit; and this holds good from the very beginning of our own spiritual development, when we must admit to ourselves what we really are. The conviction that truth alone can be fruitful and effective must be an impulse in all occult movements. Truth justifies itself by its fruitfulness and by the blessings it brings to mankind. Untruths and lies are always barren. They have only one result which I cannot go into in any further detail now; I can only say that they react most violently against those who actually spread them abroad. We shall consider on some other occasion what this significant statement implies.
[ 31 ] So wollte ich Ihnen heute eine Art Rückblick geben auf das, was wir im letzten Jahre in unsern Zweigversammlungen getrieben haben, und noch einmal anklingen lassen, was als Stimmung, als Gefühlsgehalt die Seele durchziehen und den Raum erfüllen konnte.
[ 31 ] I have tried to-day to give a kind of review of the activities in our Groups during the past year and to recapture the mood and tone which permeated our souls.
[ 32 ] Wenn wir nun auf die Arbeit, die außerhalb unseres Zweiges im letzten Jahr geleistet worden ist, nur in einer Beziehung blicken, so darf ich dabei vielleicht auf meinen Anteil selbst hinweisen, der sich zusammenschließt in dem von uns in München aufgeführten Rosenkreuzermysterium «Die Pforte der Einweihung». Mit diesem Mysterium hat etwas angestrebt werden sollen, worüber wir in den nächsten Zweigversammlungen sprechen werden. Jetzt soll nur so viel gesagt werden, daß es möglich war, gerade in dieser, man möchte sagen, mehr künstlerischen Form in einem individuellen Ausdruck das vorzuführen, was man sonst nur mehr im allgemeinen sagen kann. Wenn wir hier oder sonstwo sprechen von den Bedingungen des geistigen Lebens, so sprechen wir so, wie es für jede Seele richtig ist. Aber es ist notwendig, dabei immer im Auge zu behalten, daß jeder Mensch ein eigenes Wesen ist, ein individuelles Wesen, und daß individualisiert werden muß in bezug auf jede Seele. Deshalb war einmal das Bedürfnis vorhanden, sozusagen eine Seele an der Pforte der Einweihung zu zeigen. Betrachten Sie daher das Rosenkreuzermysterium nicht als eine Lehrschrift, sondern als künstlerische Darstellung der Vorbereitung zur Einweihung eines einzelnen Menschen. Es handelt sich nicht darum, wie dieser oder jener Mensch vorschreitet, sondern gerade der, welcher in dem Mysterium als Johannes Thomasius geschildert ist, also um die ganz individuelle Gestalt, welche die Vorbereitung zur Einweihung bei einem einzelnen Menschen annimmt.
[ 32 ] In speaking of the work carried on outside the Groups during the past year, I may perhaps mention my own participation which culminated in the production in Munich of the Rosicrucian Mystery Play, The Portal of Initiation. Later Group meetings will give us an opportunity of explaining what was then attempted. For the present I will merely say that in the Play it was possible to give a more artistic and individual form to what could otherwise be expressed in a more general way. When we speak here or anywhere else of the conditions of the spiritual life, we speak of them as they concern every soul. But it must always be borne in mind that each man is an individual whose soul must be studied individually. Consequently it was essential that one particular soul should be depicted at the threshold of Initiation. The Rosicrucian Mystery Play is accordingly to be regarded not as a manual of instruction but as an artistic representation of the preparation for Initiation of a particular individual, Johannes Thomasius.
[ 33 ] So hätten wir gleichsam zwei große Standpunkte dadurch gewonnen, daß wir uns der Wahrheit nähern: einmal indem wir die großen Gesichtspunkte des Fortschrittes schildern, und dann indem wir in den Mittelpunkt einer einzelnen Seele hineingestiegen sind. Immer wird uns das beseelen, daß wir uns der Wahrheit von vielen Seiten nähern und geduldig abwarten müssen, bis sich uns die verschiedenen Ansichten über die Wahrheit zu einer Gesamtempfindung zusammenschließen. Diese Erkenntnisbescheidenheit wollen wir uns ganz besonders angelegen sein lassen. Sprechen wir nie davon, daß der Mensch die Wahrheit nicht erleben kann. Er kann sie erleben! Nur kann er nicht auf einmal die ganze Erkenntnis der Wahrheit haben, sondern nur immer eine Seite. Dadurch wird der Mensch bescheiden. Wahre Bescheidenheit wird auch ein Gefühl sein müssen, das sich erzeugt in unsern Zweigen, das von dort hinausgetragen werden soll in die übrige Zeitkultur der Gegenwart, um draußen zu wirken. Denn unsere Zeit braucht nach ihrer ganzen Beschaffenheit viel von dieser Erkenntnisbescheidenheit.
[ 33 ] In our approach to truth we have thus reached two important standpoints. We have presented the general line of progress and have also penetrated to the heart of an individual soul. We are always conscious of the fact that truth must be approached from many sides and that we must wait patiently until its different aspects merge into a single picture. We shall adhere faithfully to this attitude of humility in knowledge. Let us not say that man can never experience truth. He assuredly can! But he cannot know the whole truth at once; he can know only one side. This makes for humility in knowledge and true humility is a feeling that must be cultivated in our Groups and carried into the general culture of the day, for the whole character of our age needs such an attitude.
[ 34 ] Im Sinne dieser Anregungen werden wir weiter arbeiten, das christliche Problem darzustellen, um auch daran zu erleben, wie man zu dieser Erkenntnisbescheidenheit gelangen und dadurch wieder im Erleben der Wahrheit immer weiter und weiter kommen kann.
[ 34 ] In this spirit we shall continue our task of presenting the Christ-problem, in order to learn from it how to achieve real humility in knowledge and thereby make further and further progress in the experience of truth.
