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Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124

24 October 1910, Berlin

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Wir haben das letzte Mal versucht, einen Rückblick zu geben nicht nur auf den Inhalt unserer Betrachtungen des vorigen Jahres, sondern auch auf den Sinn, auf den Geist dieser Betrachtungen. Wir haben dabei aufmerksam gemacht, daß dieser Geist, der uns beseelt hat bei der Betrachtung zum Beispiel des Christus-Problems von allen möglichen Seiten her, daß es dieser Geist überhaupt sein soll, welcher durch die ganze geisteswissenschaftliche Bewegung, durch alles geisteswissenschaftliche Streben gehen muß. Denn es hat sich uns ergeben, daß wir deshalb von so verschiedenen Seiten her einen einzigen Gegenstand anfassen, weil der Mensch in seinem Erkenntnisstreben von vornherein dasjenige bergen soll, was man die wahre Erkenntnisbescheidenheit nennt. Wir wollen uns einmal über diese Erkenntnisbescheidenheit ein wenig genauer aussprechen.

[ 1 ] Last time, we attempted to look back not only on the content of our reflections from the previous year, but also on the meaning and spirit of those reflections. In doing so, we pointed out that this spirit, which inspired us in our examination of, for example, the Christ problem from every possible angle, is precisely the spirit that must permeate the entire spiritual scientific movement and all spiritual scientific endeavors. For it has become clear to us that we approach a single subject from so many different angles precisely because human beings, in their quest for knowledge, must from the outset embody what is called true humility of knowledge. Let us speak a little more specifically about this humility of knowledge.

[ 2 ] Den Vergleich habe ich oft angeführt, daß wir irgendeinen Gegenstand abbilden können durch Malen, Photographieren von irgendeiner Seite her, daß wir dann aber von diesem Bilde, das von einer Seite aufgenommen ist, niemals behaupten dürfen, es ergebe die ganze Gestalt des Gegenstandes. Eine ungefähre Vorstellung kann man sich von einem Gegenstand machen, wenn man ihn von verschiedenen Seiten her abbildet, dann diese verschiedenen Bilder zusammenhält und sich dadurch ein Bild von dem Gegenstande zu machen versucht. Auch bei einem gewöhnlichen Anschauen muß man im Grunde genommen herumgehen um den Gegenstand, um sich eine allseitige Vorstellung von ihm zu bilden. Wenn jemand nun sagen wollte, daß es in der geistigen Welt doch möglich sein müßte, sozusagen mit einem einzigen Anblick, mit einer einzigen Ansicht einen Gegenstand zu umfassen, so würde er sich sehr irren. Und viele menschliche Irrtümer entspringen aus dem Nichtanerkennen des eben Gesagten. In den Berichten über das Ereignis von Palästina ist, man möchte sagen, schon vorgesorgt, daß dieser Standpunkt von den Tiefergehenden nicht angelegt werde. Denn von diesem Ereignis von Palästina sind vier Berichte gegeben, die Berichte der vier Evangelisten. Und für denjenigen, der nicht weiß, daß man im geistigen Leben einen Gegenstand, eine Wesenheit, ein Ereignis von verschiedenen Seiten betrachten muß, für den wird ja - leichtfertig, wie er dann mit der Wahrheit zu Werke gehen muß - sich aus dieser Tatsache nichts anderes ergeben, als daß scheinbare Widersprüche zwischen den einzelnen Evangelisten vorhanden sind. Aber wir haben wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß man sich die vier Evangelienberichte so vorzustellen hat, daß sie von vier verschiedenen Gesichtspunkten aus das große Christus-Ereignis darstellen, und daß sie zusammengehalten werden müssen wie die vier Bilder, die von vier verschiedenen Seiten von irgendeinem Gegenstand oder Wesen aufgenommen werden. Wenn man dann in einer genauen Weise vorgeht, wie wir es schon versucht haben mit Bezug auf das Matthäus-, Johannes- und Lukas-Evangelium und wie wir es später versuchen werden mit Bezug auf das Markus-Evangelium, dann ergibt es sich schon, daß die vier Darstellungen des Ereignisses in Palästina in der schönsten Weise zusammenstimmen. So ist schon in der Tatsache, daß vier Evangelien vorhanden sind, die große Lehre von der Vielseitigkeit menschlicher Ansichten von der Wahrheit gegeben.

[ 2 ] I have often cited the analogy that we can depict an object by painting or photographing it from a particular angle, but that we must never claim that this image, taken from a single angle, represents the object’s entire form. One can form a rough idea of an object by depicting it from different angles, then holding these different images together and thereby attempting to form a picture of the object. Even when simply looking at an object, one must essentially walk around it to form a comprehensive idea of it. If someone were to say that in the spiritual world it must surely be possible, so to speak, to grasp an object with a single glance, with a single view, they would be very much mistaken. And many human errors arise from a failure to recognize what has just been said. In the accounts of the events in Palestine, one might say, provision has already been made to ensure that this perspective is not adopted by those who delve deeper. For there are four accounts of these events in Palestine: the accounts of the four evangelists. And for those who do not know that in spiritual life one must view an object, a being, or an event from various angles, for them—given how carelessly they must then approach the truth—nothing else will result from this fact than the appearance of contradictions between the individual evangelists. But we have repeatedly pointed out that one must view the four Gospel accounts as presenting the great Christ event from four different perspectives, and that they must be held together like the four images taken from four different sides of some object or being. If one then proceeds in a precise manner, as we have already attempted with regard to the Gospels of Matthew, John, and Luke, and as we will later attempt with regard to the Gospel of Mark, it becomes evident that the four accounts of the event in Palestine harmonize in the most beautiful way. Thus, the very fact that there are four Gospels provides the great lesson of the diversity of human perspectives on the truth.

[ 3 ] Nun habe ich im vorigen Jahre schon darauf aufmerksam gemacht, daß es möglich ist, verschiedene Ansichten von der Wahrheit irgendeines Wesens zu suchen. Sie erinnern sich, daß ich im vorigen Jahr bei unserer Generalversammlung zu ergänzen versuchte, was man gewöhnlich die Theosophie nennt, durch eine andere Betrachtung, die damals die Betrachtung der Anthroposophie genannt worden ist, und ich habe gesagt, wie sich die Anthroposophie verhalten soll zu der Theosophie. Ich machte darauf aufmerksam, daß es eine gewöhnliche Wissenschaft gibt, die sich stützt auf die sinnlichen Ereignisse und auf die verstandesmäßige Zusammenfassung der sich durch die Sinnesbeobachtung ergebenden Tatsachen - und wenn sie sich mit dem Menschen beschäftigt, nennt man diese Wissenschaft Anthropologie. Die Anthropologie enthält alles, was man mit den Sinnen erforschen und mit den verstandesmäßigen Beobachtungen über den Menschen erfahren kann. Sie betrachtet also die menschliche sinnliche Organisation so, wie sie sich darbietet, wenn man sie mit den verschiedenen Instrumenten, mit den Werkzeugen der Naturwissenschaft untersucht. Sie betrachtet zum Beispiel die Überreste der Menschen der Vorzeit, die Kulturgeräte und Werkzeuge von solchen Menschen in den Schichten der Erde und sucht sich eine Vorstellung zu machen, wie sich das Menschengeschlecht im Laufe der Zeit entwickelt hat. Sie versucht ferner diejenigen Bildungsstufen zu studieren, die man bei den wilden oder unzivilisierten Völkern findet, denn sie geht von der Voraussetzung aus, daß sich bei solchen Völkerschaften die Kulturstufen erhalten haben, wie sie auch die zivilisierteren Völker in früheren Zeiten durchlaufen haben. So baut sich die Anthropologie daraus eine Vorstellung auf über das, was der Mensch durchgemacht hat, bis er zum gegenwärtigen Standpunkt gekommen ist.

[ 3 ] Last year I already pointed out that it is possible to seek different perspectives on the truth of any being. You will recall that last year, at our General Assembly, I attempted to supplement what is commonly called Theosophy with another perspective, which at that time was referred to as the perspective of Anthroposophy, and I explained how Anthroposophy should relate to Theosophy. I pointed out that there is a conventional science that is based on sensory phenomena and on the intellectual synthesis of the facts derived from sensory observation—and when it deals with human beings, this science is called anthropology. Anthropology encompasses everything that can be investigated through the senses and learned about human beings through intellectual observation. It thus examines the human sensory organization as it presents itself when investigated with the various instruments, the tools of the natural sciences. It examines, for example, the remains of prehistoric humans, the cultural artifacts and tools of such humans found in the earth’s strata, and seeks to form a conception of how the human race has developed over time. It also attempts to study the stages of development found among savage or uncivilized peoples, for it proceeds from the assumption that such peoples have preserved the stages of culture that more civilized peoples also went through in earlier times. In this way, anthropology constructs a picture of what humans have gone through to reach their present state.

[ 4 ] Vieles könnte noch angeführt werden, was beitragen würde zu einer Aufklärung über das Wesen der Anthropologie. Ich habe im vorigen Jahr die Anthropologie verglichen mit einem Menschen, der sich dadurch Kenntnisse erwirbt, daß er in der Ebene herumgeht, sich die Marktflecken, die Städte, Wälder und Felder besieht und alles beschreibt, was er so, in der Ebene herumgehend, gesehen hat. Nun kann man den Menschen auch betrachten von einem andern Gesichtspunkte aus. Das ist der der Theosophie. Denn alle Theosophie will uns zuletzt aufklären über das Wesen, über die Bestimmung des Menschen. Wenn Sie meine «Geheimwissenschaft» durchstudieren, werden Sie sehen, daß zuletzt alles gipfelt in der Aufklärung über das menschliche Dasein selber. Wenn Sie die Anthropologie vergleichen mit einem Menschen, der in der Ebene herumgeht und dort die einzelnen Tatsachen sammelt und notiert, um sie mit dem Verstande zu begreifen, so können wir die Theosophie vergleichen mit einem solchen Beobachter, der auf einen Berg bis zum Gipfel hinaufsteigt und sich von dort die Umgebung ansieht, die Marktflecken, Städte, Wälder und so weiter. Er wird das in der Ebene sich Ausbreitende wie verschwimmend und manches nur in einzelnen Punkten sehen. So ist es im Grunde genommen mit der geistigen Betrachtung des Menschen, mit der Theosophie. Der Standpunkt in geistiger Beziehung, der da eingenommen wird, ist ein hoher. Der macht es notwendig, daß tatsächlich mancherlei von diesem Standpunkt aus gewonnen wird, was sozusagen das gewöhnliche Menschentreiben, die unmittelbaren Eigenschaften und Eigenheiten des Menschen, die uns im Alltagsleben entgegentreten, wie verschwommen erscheinen läßt, so wie die Dörfer und Städte sich, vom Berggipfel aus gesehen, ausnehmen.

[ 4 ] Much more could be said that would help shed light on the nature of anthropology. Last year, I compared anthropology to a person who acquires knowledge by walking around the plains, observing the market towns, cities, forests, and fields, and describing everything he has seen while walking around the plains. Now one can also view this person from another perspective. That is the perspective of theosophy. For all theosophy ultimately seeks to enlighten us about the nature and purpose of the human being. If you study my *Secret Science*, you will see that everything ultimately culminates in an understanding of human existence itself. If you compare anthropology to a person walking around in the plain, gathering and noting down individual facts in order to comprehend them with the intellect, then we can compare theosophy to an observer who climbs a mountain to its summit and surveys the surroundings from there—the market towns, cities, forests, and so on. He will see what spreads out on the plain as blurred, and some things only as individual points. This is essentially how it is with the spiritual contemplation of humanity, with theosophy. The spiritual vantage point taken here is a lofty one. It necessitates that, from this vantage point, certain insights are indeed gained—insights that make the ordinary human bustle, the immediate qualities and peculiarities of human beings that we encounter in everyday life, appear blurred, just as the villages and towns appear when viewed from the mountaintop.

[ 5 ] Was ich jetzt eben gesagt habe, wird dem Anfänger in der Theosophie vielleicht nicht ganz einleuchtend sein. Denn was dieser Anfänger zunächst aufnimmt über das Wesen des Menschen, über die Gliederung in physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und so weiter, das wird er zu verstehen suchen, er wird sich gewisse Vorstellungen darüber bilden, aber er wird zunächst ferne sein von den großen Schwierigkeiten, die gerade dann vorliegen, wenn man in der Erfassung der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten weiterrückt. Man darf sagen: Je weiter man kommt, desto mehr erkennt man, wie unendlich schwierig es ist, einen Zusammenhang zu finden zwischen dem, was da oben auf dem geistigen Bergesgipfel der Theosophie gewonnen wird, und dem, was wirklich im alltäglichen Menschenleben als charakteristische menschliche Empfindungen, Gefühle und so weiter zutage tritt. Nun könnte man die Frage aufwerfen: Warum erscheinen denn vielen die spirituellen Wahrheiten einleuchtend, richtig, trotzdem sie gar nicht in Betracht ziehen, wie wenig sie in der Lage sind, dasjenige, was von dem geistigen Gipfel aus gesagt wird, an dem zu prüfen, was sie selber im alltäglichen Leben sehen? — Das kommt davon her, daß die menschliche Seele tatsächlich nicht auf Unwahrheit, sondern auf Wahrheit angelegt ist, so angelegt ist, daß sie es gleichsam instinktiv empfindet, wenn irgendeine Wahrheit ausgesprochen wird. Ein Gefühl ist vorhanden für die Wahrheit. Man soll nicht verkennen, daß dieses Gefühl für die Wahrheit, dieser unbefangene Wahrheitssinn der Seele einen unendlichen Wert hat. Insbesondere in unserem gegenwärtigen Zeitalter hat er einen unendlichen Wert, und zwar aus dem Grunde, weil, man möchte sagen, der geistige Gipfel, von dem aus auch nur die notwendigsten Wahrheiten von dem Menschen wirklich erschaut werden können, so unendlich hoch ist. Müßten die Menschen erst auf diesen Gipfel hinaufsteigen, so hätten sie einen weiten geistig-seelischen Weg zu machen, und es könnten alle die, welche diesen geistig-seelischen Weg nicht machen, nichts empfinden von dem Wert dieser Wahrheiten für das menschliche Leben. Nun ist aber jede Seele dafür veranlagt, wenn die geistigen Wahrheiten mitgeteilt werden, sie auch in ihrer Wahrheit zu empfinden und in ihrer Wahrheit aufzunehmen.

[ 5 ] What I have just said may not be entirely clear to the beginner in theosophy. For what this beginner initially takes in regarding the nature of the human being—the division into physical body, etheric body, astral body, and so on—he will seek to understand; he will form certain ideas about it, but he will initially be far removed from the great difficulties that arise precisely when one advances further in the grasping of spiritual scientific truths. One might say: The further one goes, the more one realizes how infinitely difficult it is to find a connection between what is gained up there on the spiritual mountaintop of theosophy and what actually comes to light in everyday human life as characteristic human sensations, feelings, and so on. Now one might raise the question: Why do spiritual truths seem plausible and correct to many, even though they do not consider how little they are able to test what is said from the spiritual summit against what they themselves see in everyday life? — This stems from the fact that the human soul is in fact not inclined toward untruth, but toward truth; it is so constituted that it senses, as it were instinctively, when any truth is spoken. There is a feeling for truth. One must not fail to recognize that this sense of truth, this unbiased sense of truth in the soul, has infinite value. It has infinite value especially in our present age, and this is because, one might say, the spiritual summit from which even the most essential truths can truly be perceived by human beings is so infinitely high. If people first had to climb to this summit, they would have a long spiritual and soul-level journey to make, and all those who do not undertake this spiritual and soul-level journey would be unable to perceive the value of these truths for human life. Yet every soul is predisposed, when spiritual truths are communicated, to perceive them in their truth and to receive them in their truth.

[ 6 ] Wie verhält sich nun eine solche Seele, die diese Wahrheiten aufnimmt, zu einer Seele, die sie selber findet? Man kann dafür einen ganz trivialen Vergleich wählen. Aber so trivial er ist, es ist doch mehr mit ihm gemeint, als es aussieht. Einen Stiefel kann jeder von uns anziehen, aber nicht jeder kann einen Stiefel machen; dazu muß man es als Schuhmacher gelernt haben. Was man aber vom Stiefel hat, was einem der Stiefel sein kann, das hängt nicht davon ab, daß man ihn auch machen kann, sondern daß man ihn in der rechten Weise gebrauchen kann. So verhält es sich tatsächlich mit den geistigen Wahrheiten, die uns durch die 'Theosophie gegeben werden. Wir sind zunächst, auch wenn wir sie nicht selber schauend erzeugen können, dazu berufen, sie für unser Leben zu gebrauchen. Und wenn wir sie durch unsere natürliche Wahrheitsempfindung aufnehmen zum Gebrauch, so dienen sie uns so, daß wir uns durch sie orientieren können im Leben; daß wir wissen können, daß wir nicht in dem Dasein zwischen Geburt und Tod eingeschlossen sind, daß wir einen geistigen Menschen in uns tragen, wiederholte Erdenleben durchmachen und so weiter. Diese Wahrheiten kann man, wie gesagt, gebrauchen. Man nimmt sie auf. Und wie die Stiefel uns vor der Kälte schützen, so schützen uns diese Wahrheiten vor der geistigen Kälte, vor der geistigen Verarmung. Denn das muß man sich vor Augen halten, daß wir geistig erkalten, geistig verarmen, wenn wir bloß darauf angewiesen sind, das zu denken, zu fühlen und zu empfinden, was die äußere Sinneswelt uns darbietet. So also müssen wir sagen: Zum Gebrauch sind die spirituellen Wahrheiten, die von einem hohen Gesichtspunkt aus hergeholt werden, für alle Menschen da. Finden können sie vielleicht nur wenige, diejenigen eben, die den geistigen Weg, der auch in der letzten Stunde beschrieben worden ist, durchmachen.

[ 6 ] How, then, does a soul that absorbs these truths relate to a soul that discovers them on its own? One can use a very simple comparison to illustrate this. But as simple as it is, there is more to it than meets the eye. Any of us can put on a boot, but not everyone can make a boot; to do that, one must have learned the craft as a shoemaker. But what one gains from the boot, what the boot can be to one, does not depend on whether one can make it, but on whether one can use it in the right way. This is indeed the case with the spiritual truths given to us through Theosophy. First and foremost, even if we cannot create them ourselves through direct perception, we are called upon to use them in our lives. And when we take them in for use through our natural sense of truth, they serve us in such a way that we can orient ourselves in life through them; that we can know that we are not confined to the existence between birth and death, that we carry a spiritual being within us, undergo repeated earthly lives, and so on. These truths, as I said, can be used. We take them in. And just as boots protect us from the cold, so do these truths protect us from spiritual coldness, from spiritual impoverishment. For we must bear in mind that we grow spiritually cold, spiritually impoverished, if we rely solely on thinking, feeling, and sensing what the external sensory world presents to us. So we must say: Spiritual truths, drawn from a higher perspective, are there for all people to use. Perhaps only a few can find them—namely, those who walk the spiritual path described in the previous chapter.

[ 7 ] Nun aber kann ein jeder Blick in die gewöhnliche Welt, die uns für die Sinne umgibt - die also auch, wenn es sich um den Menschen handelt, der Gegenstand der Anthropologie ist —, uns zeigen, wie diese Welt selber der Offenbarer wird für eine Welt, die hinter ihr liegt, die dann von dem geistigen Höhenstandpunkte der Theosophie aus erschaut wird. Die Sinneswelt also selber kann zum Öffenbarer einer andern Welt werden, wenn man dazu übergeht, diese Sinneswelt zu deuten, wenn man nicht bloß mit dem Verstande ihre Tatsachen hinnimmt, sondern beginnt, diese Tatsachen zu deuten; wenn man sozusagen über das Feld der Sinneswahrnehmung nicht gleich so weit hinausgeht wie die Theosophie selber, sondern gleichsam auf dem Abhang des Berges stehenbleibt, wo noch nicht die Einzelheiten ganz verschwimmen, wo aber auch schon ein Überblick möglich ist. Diesen Standpunkt in geistiger Beziehung haben wir im vorigen Jahr charakterisiert als den der Anthroposophie, und wir haben damit gezeigt, daß drei Ansichten über den Menschen möglich sind: die anthropologische, die anthroposophische und die theosophische.

[ 7 ] Now, however, every glance at the ordinary world that surrounds us through our senses—which, when it comes to human beings, is also the subject of anthropology—can show us how this world itself becomes the revealer of a world that lies beyond it, a world that is then perceived from the spiritual vantage point of theosophy. The sensory world itself, then, can become the revealer of another world when one proceeds to interpret this sensory world, when one does not merely accept its facts with the intellect but begins to interpret these facts; when, so to speak, one does not immediately go as far beyond the field of sensory perception as theosophy itself does, but rather remains, as it were, on the slope of the mountain, where the details have not yet completely blurred, but where an overview is already possible. Last year we characterized this standpoint in spiritual terms as that of anthroposophy, and we thereby showed that three views of the human being are possible: the anthropological, the anthroposophical, and the theosophical.

[ 8 ] Nun werden wir in diesem Jahr - im Anschluß an die Generalversammlung - in den Vorträgen über Psychosophie, die noch in ganz anderem Sinne wichtig sind als die Vorträge über Anthroposophie, zu zeigen haben, wie die menschliche Seele selber aus ihren unmittelbaren Eindrücken und Erlebnissen heraus so gedeutet werden kann, daß sie in ähnlicher Weise wie bei der Anthroposophie ins geistige Leben hineinspielt. Und eine in der Zukunft folgende Vortragsreihe über Pneumatosophie soll dann diese Vorträge so abschließen, daß die Betrachtungen über Anthroposophie und über Psychosophie wieder einmünden sollen in die Theosophie. Das alles wird getan, um ein Gefühl dafür hervorzurufen, wie mannigfaltig die Wahrheit ist. Denn das ist eine Erfahrung gerade des ernsten Wahrheitssuchers: Je weiter er schreitet, desto bescheidener wird er - und auch um so vorsichtiger, die auf höheren Standpunkten gewonnenen Wahrheiten gleich in die Sprache des gewöhnlichen Lebens herein zu übersetzen. Denn obwohl wir das letzte Mal gesagt haben, daß eigentlich diese Wahrheiten erst dann einen Wert haben, wenn sie übersetzt sind in die Sprache des gewöhnlichen Lebens, so muß man sich doch klar sein, daß dieses Rückübersetzen gerade zu den schwierigsten Aufgaben der geisteswissenschaftlichen Arbeit gehört. Was erschaut wird auf geistigen Höhen, so verständlich zu machen, daß der gesunde Wahrheitssinn und auch die gesunde Logik ja dazu sagen können und es einsehen können, das bietet große Schwierigkeiten.

[ 8 ] Now, this year—following the General Assembly—in the lectures on Psychosophy, which are important in a very different sense than the lectures on Anthroposophy, we will have to show how the human soul itself, based on its immediate impressions and experiences, can be interpreted in such a way that it plays a role in spiritual life in a manner similar to that of Anthroposophy. And a future series of lectures on Pneumatosophy will then conclude these lectures in such a way that the reflections on Anthroposophy and Psychosophy will once again flow into Theosophy. All of this is done to evoke a sense of how manifold the truth is. For this is an experience of the earnest seeker of truth: the further he advances, the more humble he becomes—and all the more cautious about immediately translating the truths gained from higher vantage points into the language of ordinary life. For although we said last time that these truths actually have value only when they are translated into the language of everyday life, one must nevertheless be clear that this retranslation is precisely one of the most difficult tasks of spiritual scientific work. Making what is perceived on spiritual heights understandable in such a way that a sound sense of truth and sound logic can affirm it and grasp it presents great difficulties.

[ 9 ] Immer und immer wieder muß es betont werden, daß es sich auch um die Erzeugung solcher Gefühle und Empfindungen gegenüber der Wahrheit handelt, wenn wir in unsern Zweigen Geisteswissenschaft treiben. Nicht bloß sollen wir mit dem Verstande auffassen, was gesagt wird an Mitteilungen aus der geistigen Welt heraus, sondern es kommt vielmehr darauf an, daß wir es miterleben in der Empfindung, im Gefühl und uns so Eigenschaften aneignen, die eben jeder wirklich spirituell Strebende haben sollte.

[ 9 ] It must be emphasized time and again that cultivating such feelings and sensations toward the truth is also part of our work in the various branches of spiritual science. We should not merely grasp with our intellect what is communicated from the spiritual world, but rather it is essential that we experience it through our senses and feelings, thereby acquiring the qualities that every truly spiritually seeking person should possess.

[ 10 ] Wenn wir die Welt, wie sie um uns herum sich ausbreitet, in Betracht ziehen, so können wir sagen: Überall, in allen ihren Punkten bietet sie uns einen äußeren Ausdruck, eine äußere Offenbarung einer inneren, geistigen Welt dar. Das ist ja für uns heute schon ein ganz abgebrauchter Satz. So wie die Menschenphysiognomie ein Ausdruck dessen ist, was in der menschlichen Seele vorgeht, so sind alle Erscheinungen der äußeren Sinneswelt gleichsam ein physiognomischer Ausdruck einer dahinter webenden und wesenden geistigen Welt, und wir verstehen die Sinneserlebnisse erst dann, wenn wir in ihnen einen physiognomischen Ausdruck sehen können für die geistige Welt. Wenn der Mensch nun noch nicht in der Lage ist, durch seinen eigenen Erkenntnisweg hinaufzugehen in diejenigen Höhen, auf denen geistig geschaut werden kann, so hat er zunächst allerdings nur die Sinneswelt vorliegend, und er könnte sich dann die Frage stellen: Gibt es nun nichts für mich, was mir durch die Betrachtung der Sinneswelt selber Beleg, Bewahrheitung dessen ist, was mir mitgeteilt wird aus dem geistigen Schauen heraus?

[ 10 ] When we consider the world as it unfolds around us, we can say: Everywhere, in every aspect, it offers us an outward expression, an outward manifestation of an inner, spiritual world. This is, of course, a phrase that has become quite hackneyed for us today. Just as human physiognomy is an expression of what is taking place in the human soul, so all phenomena of the external sensory world are, as it were, a physiognomic expression of a spiritual world weaving and existing behind them, and we only understand sensory experiences when we can see in them a physiognomic expression of the spiritual world. If a person is not yet able to ascend through their own path of knowledge to those heights where spiritual vision is possible, then they initially have only the sensory world before them, and they might then ask themselves: Is there nothing for me, through the observation of the sensory world itself, that serves as evidence or confirmation of what is communicated to me through spiritual vision?

[ 11 ] Dieses Aufsuchen von Belegen ist immer möglich, aber man wird nicht leichtfertig, sondern genau vorgehen müssen. Wenn Sie, um nur ein Beispiel anzuführen, die verschiedenen geisteswissenschaftlichen Vorträge verfolgen, die ich gehalten habe, und sich ansehen, was in meiner «Geheimwissenschaft» steht, so wird Ihnen zum Beispiel auffallen können, daß es einmal im Laufe der Erdenentwickelung eine Zeit gegeben hat, wo die Erde selber mit der Sonne vereinigt war, wo Erde und Sonne ein einziger Körper waren. Später erst hat sich die Erde von der Sonne getrennt. Wenn Sie alles zusammenhalten, was Sie aus der «Geheimwissenschaft» oder aus meinen Vorträgen kennen, so werden Sie sich sagen müssen, daß die Tierformen und die Pflanzenformen, die wir heute auf der Erde finden, die Weiterentwikkelung dessen sind, was sich auch damals schon gefunden hat, als die Erde mit der Sonne vereinigt war. Aber wie die heutigen Tierformen den heutigen Erdverhältnissen angepaßt sind, so mußten die damaligen Tierformen, als Sonne und Erde noch vereinigt waren, ebenso angepaßt sein jenem Körper, der Erde und Sonne zugleich war. Daraus folgt nun, daß diejenigen Tierformen, welche aus jener Zeit übriggeblieben sind, nicht nur übriggeblieben sind, sondern die Fortsetzung sind von Wesen, die schon damals vorhanden waren, die aber zum Beispiel noch keine Augen haben konnten; denn Augen haben nur einen Sinn, wenn Licht da ist, wie es von der Sonne auf die Erde von außen hereinstrahlt. Wir müßten also unter den verschiedenartigen Wesen des Tierreichs solche finden, die gleichsam die Augen ausgebildet haben, nachdem sich die Sonne schon abgetrennt hatte von der Erde; und außerdem müßten wir Tierformen finden, die Überreste sind aus der Zeit, da die Sonne noch mit der Erde vereinigt war — die also augenlose Tiere sein müßten. Diese letzte Tierart müßte zu den niederen Tieren gehören. Und die gibt es wirklich. In populären Büchern können Sie finden, wie der Besitz des Auges von einer gewissen Stufe an aufhört. Das bietet einen Beleg für das, was aus der geistigen Wissenschaft heraus gesagt ist.

[ 11 ] It is always possible to look for evidence, but one must proceed not carelessly, but with precision. If, to cite just one example, you follow the various lectures on spiritual science that I have given and look at what is written in my *Secret Science*, you will notice, for instance, that there was once a time in the course of Earth’s evolution when the Earth itself was united with the Sun, when Earth and Sun were a single body. It was only later that the Earth separated from the Sun. If you bring together everything you know from “The Secret Science” or from my lectures, you will have to conclude that the animal and plant forms we find on Earth today are the further development of what already existed back then, when the Earth was united with the Sun. But just as today’s animal forms are adapted to today’s earthly conditions, so too must the animal forms of that time, when the Sun and Earth were still united, have been adapted to that body which was both Earth and Sun. It follows, then, that those animal forms which have survived from that time have not merely survived, but are the continuation of beings that already existed back then, though they could not yet have had eyes, for example; for eyes only serve a purpose when light is present, such as that which shines from the Sun onto the Earth from outside. We would therefore have to find, among the diverse beings of the animal kingdom, those that have, as it were, developed eyes after the Sun had already separated from the Earth; and furthermore, we would have to find animal forms that are remnants from the time when the Sun was still united with the Earth—which would therefore have to be eyeless animals. This latter species of animal would have to belong to the lower animals. And they do indeed exist. In popular books, you can find that the possession of eyes ceases from a certain level onward. This provides evidence for what is stated from the perspective of spiritual science.

[ 12 ] Nun können wir uns also diese ausgebreitete Welt, die um uns herum ist und in der wir selber sind, als den physiognomischen Ausdruck des dahinter wesenden und webenden geistigen Lebens vorstellen. Wenn nun der Mensch dieser Sinneswelt nur gegenüberstünde und sie ihm in keinem Punkte offenbarte oder verriete, daß sie auf eine geistige Welt hinweist, dann würde der Mensch nie veranlaßt sein können, den Drang, die Sehnsucht in sich zu entwickeln nach einer geistigen Welt. Irgendwo muß uns in der Welt selber, die als Sinneswelt um uns ausgebreitet ist, die Sehnsucht erwachsen können nach einem Geistigen, irgendwo muß das Geistige gleichsam wie durch ein Tor oder ein Fenster hereinstrahlen aus den geistigen Reichen in die Welt, in der wir im Alltag stehen. Wo ist das der Fall? Wo leuchtet uns unmittelbar ein Geistiges entgegen? — Das ist da der Fall - und das haben Sie aus den verschiedenen, von mir und andern gehaltenen Vorträgen gehört -, wo wir in die Lage kommen, unser Ich selber zu erleben. In dem Augenblick, wo wir unser Ich erleben, erleben wir wirklich etwas, was in einem unmittelbaren Verhältnis zur geistigen Welt steht. Aber es ist dieses Erleben des Ich zugleich etwas unendlich Armes. Es ist sozusagen ein einziger Punkt mitten unter den Welterscheinungen. Der einzige Punkt, den wir mit dem kleinen Wörtchen Ich aussprechen, bezeichnet zwar ein ursprünglich echtes Geistiges, aber es ist dieses Geistige sozusagen in dem Ich-Punkt zusammengeschrumpft auf einen Punkt. Was aber kann uns dennoch dieses Geistige lehren, das da auf einen Punkt zusammengeschrumpft ist? Mehr können wir durch das Erlebnis unseres eigenen Ich über die geistige Welt ja nicht wissen als das, was sozusagen in dem Ich-Punkt selbst enthalten ist, wenn wir nicht zum Deuten vorschreiten. Aber in diesem Punkt liegt doch schon sehr Wichtiges, nämlich daß uns durch ihn gesagt wird, wie wir erkennen müssen, wenn wir die geistige Welt erkennen wollen.

[ 12 ] We can thus imagine this vast world that surrounds us and in which we ourselves exist as the physiognomic expression of the spiritual life that underlies and weaves through it. If human beings were merely to face this sensory world, and if it revealed or indicated to them in no way that it points toward a spiritual world, then human beings would never be led to develop within themselves the urge, the longing for a spiritual world. Somewhere within the world itself—which spreads out around us as the sensory world—the longing for the spiritual must be able to arise; somewhere the spiritual must shine in, as it were, through a gate or a window from the spiritual realms into the world in which we live our daily lives. Where is this the case? Where does the spiritual shine directly upon us? — That is the case—and you have heard this in the various lectures given by myself and others—where we are able to experience our own “I.” At the very moment we experience our “I,” we truly experience something that stands in an immediate relationship to the spiritual world. But this experience of the “I” is at the same time something infinitely meager. It is, so to speak, a single point amidst the phenomena of the world. The single point that we express with the little word “I” does indeed denote something originally genuine and spiritual, but this spiritual element has, so to speak, shrunk down to a single point within the “I”-point. But what, nevertheless, can this spiritual element—which has shrunk down to a single point—teach us? After all, through the experience of our own “I,” we cannot know more about the spiritual world than what is, so to speak, contained within the “I”-point itself, unless we proceed to interpret it. Yet this point already contains something very important, namely that it tells us how we must perceive if we wish to perceive the spiritual world.

[ 13 ] Was ist denn das Unterscheidende des Ich-Erlebnisses von allem andern Erleben? Daß wir im Ich-Erleben selber drinnen stehen. In allem andern Erleben stehen wir nicht selber drinnen, sondern das tritt von außen an uns heran. Es könnte vielleicht jemand sagen: Aber mein Denken, mein Wollen, mein Begehren, mein Empfinden, ist das nicht auch etwas, in dem ich selber drinnen lebe? — In bezug auf das Wollen kann sich der Mensch durch eine sehr leichte, sozusagen seelische Selbstbesinnung überzeugen, wie wenig er in diesem Wollen drinnen zu stehen braucht. Man bedenke nur einmal, daß das Wollen etwas ist, was sich so ausnimmt, als ob es uns treibt und als ob der Mensch oft gar nicht darinnen steht, sondern nur so wirkt, als wenn irgendein anderes oder irgendein Ereignis ihn stößt. Und so ist es auch mit dem Empfinden und mit dem größten Teile dessen, was im alltäglichen Leben gedacht wird. Man steht nicht darinnen. Wie wenig man zum Beispiel im gewöhnlichen Leben in seinen Gedanken darinnen steht, davon könnte man sich überzeugen, wenn man sorgfältig prüfen wollte, wie das gewöhnliche Denken abhängig ist von Erziehung und von dem, was man aufgenommen hat zu irgendeiner Zeit, was einem die Verhältnisse eben gebracht haben. Daher ist das menschliche Denken, Fühlen und Wollen als gewöhnlicher Inhalt nach Nationen und Zeiten so verschieden. Nur eines muß gleich sein. Wenn es überhaupt beim Menschen vorhanden ist, muß eines sich gleich finden bei allen Nationen, in allen Regionen und allen einzelnen Menschengemeinschaften: das ist das Erlebnis dieses einzelnen IchPunktes.

[ 13 ] What, then, distinguishes the experience of the self from all other experiences? That in the experience of the self, we are right in the midst of it. In all other experiences, we are not right in the midst of them; rather, they approach us from the outside. Someone might perhaps say: But my thinking, my willing, my desiring, my feeling—is that not also something in which I myself am immersed? —With regard to willing, a person can convince themselves through a very simple, so to speak, spiritual self-reflection of how little they need to be immersed in this willing. One need only consider that volition is something that appears as if it drives us, and as if the human being is often not at all within it, but merely acts as if some other force or some event were pushing him. And so it is also with feeling and with the greater part of what is thought in everyday life. One is not actually involved in it. How little one is involved in one’s thoughts in ordinary life, for example, one could convince oneself of if one were to carefully examine how ordinary thinking depends on upbringing and on what one has absorbed at any given time—what circumstances have simply brought one. That is why human thinking, feeling, and willing, as ordinary content, vary so much across nations and times. Only one thing must be the same. If it exists in human beings at all, one thing must be found to be the same in all nations, in all regions, and in all individual human communities: that is the experience of this individual I-point.

[ 14 ] Nun aber fragen wir uns einmal: Wie steht es denn mit dem Erleben dieses Ich-Punktes? — So einfach liegt die Sache doch nicht. Man könnte zum Beispiel leicht glauben, daß man das Ich selbst erlebt. Das ist aber gar nicht der Fall. Das Ich selbst erlebt man eigentlich nicht. Was erlebt man? Man erlebt im Grunde genommen eine Vorstellung des Ich, eine Wahrnehmung des Ich. Würde nämlich das Ich-Erlebnis genau gefaßt werden, so wäre es eigentlich enthalten in einem nach der Unendlichkeit Ausstrahlenden, nach der Allseitigkeit Ausstrahlenden. Wenn das Ich sich nicht selbst würde gegenüberstehen können wie einem Bild im Spiegel von sich selber — wenn dieses Bild auch nur ein punktuelles Erlebnis ist —, so könnte der Mensch das Ich nicht erleben, könnte sich das Ich keine Vorstellung von sich selber machen. Und diese Vorstellung erlebt der Mensch zunächst von dem Ich. Aber diese Vorstellung genügt auch für ihn. Denn gerade diese Vorstellung unterscheidet sich von allen andern Vorstellungen, hat wirklich einen großen Unterschied von allen andern Vorstellungen, nämlich den, daß sie ihrem Original gleich sein muß, nicht anders sein kann als ihr Original. Denn das Ich hat es, wenn es sich vorstellt, nur mit sich selbst zu tun, und die Vorstellung ist nur das Zurücklaufen des Ich-Erlebens in sich selber; es ist gleichsam eine Stauung, wie wenn wir es aufhalten würden, um in sich selber zurückzukehren, und es in dieser Rückkehrung sich selber als ein Spiegelbild gegenüberträte, das gleich ist dem Original. So ist das IchErlebnis.

[ 14 ] But let us ask ourselves: What about the experience of this “I”? — The matter is not quite that simple. One might easily believe, for example, that one experiences the “I” itself. But that is not the case at all. One does not actually experience the “I” itself. What does one experience? One experiences, in essence, an idea of the “I,” a perception of the “I.” For if the experience of the “I” were to be precisely grasped, it would actually be contained within something radiating toward infinity, radiating toward universality. If the self could not face itself as if in a mirror image of itself—even if this image is merely a fleeting experience—then a person could not experience the self, nor could the self form a concept of itself. And this conception is what human beings first experience of the self. But this conception is also sufficient for them. For it is precisely this conception that differs from all other conceptions; it truly has a great difference from all other conceptions, namely that it must be identical to its original, cannot be other than its original. For when the ego conceives of itself, it has to do only with itself, and the conception is merely the return of the ego-experience into itself; it is, as it were, a stagnation, as if we were to hold it back so that it might return into itself, and in this return it were to encounter itself as a mirror image that is identical to the original. Such is the ego-experience.

[ 15 ] Wir dürfen also sagen: Erkennen können wir das Ich-Erlebnis in der Ich-Vorstellung. Aber diese Ich-Vorstellung unterscheidet sich von allen andern Vorstellungen, von allen andern Erlebnissen, die wir haben können, wieder um ein Beträchtliches. Radikal unterscheidet sie sich von allen übrigen Vorstellungen. Zu allen andern Vorstellungen und allen übrigen Erlebnissen brauchen wir so etwas wie ein Organ. Bei einer äußeren Sinnesvorstellung kann es Ihnen von vornherein klar sein, daß wir ein Organ brauchen. Um die Vorstellung einer Farbe zu haben, brauchen wir ein Auge und so weiter. Das tritt klar zutage, daß wir bei einer gewöhnlichen Sinnesvorstellung ein Organ brauchen. Man könnte nun glauben, daß man kein Organ braucht zu dem, was intimer zu unserem eigenen Innern steht. Aber auch da können Sie sich auf einfache Weise davon überzeugen, daß wir Organe brauchen - und Genaueres darüber können Sie noch finden in meinen Vorträgen über Anthroposophie. Hier soll Ihnen nun die Möglichkeit geboten werden, auch noch in einer theosophischen Weise entgegenzunehmen, was dort mehr für die Allgemeinheit geltend gesagt ist.

[ 15 ] We may therefore say: We can recognize the experience of the “I” in the concept of the “I.” But this concept of the “I” differs significantly from all other concepts, from all other experiences we can have. It differs radically from all other concepts. For all other perceptions and all other experiences, we need something like an organ. In the case of an external sensory perception, it may be clear to you from the outset that we need an organ. To have a perception of a color, we need an eye, and so on. It is clearly evident that we need an organ for an ordinary sensory perception. One might now believe that no organ is needed for what is more intimately connected to our own inner being. But even there, you can easily convince yourself that we need organs—and you can find more detailed information on this in my lectures on anthroposophy. Here, you will now be offered the opportunity to receive, in a theosophical way, what was said there more generally for the public.

[ 16 ] Denken Sie, in irgendeiner Periode Ihres Lebens erfassen Sie einen Gedanken, eine Idee, einen Begriff. Sie verstehen etwas, was Ihnen als Begriff entgegentritt. Wodurch können Sie das nur verstehen? Nur durch diejenigen Begriffe, die Sie schon vorher aufgenommen haben. Das sehen Sie daraus, daß der eine Mensch einen neuen Begriff, der an ihn herantritt, in der einen Weise auffaßt, der andere in der andern Weise. Und das kommt daher, daß der eine mehr, der andere weniger in sich trägt an Summen von Begriffen, die er schon aufgenommen hat. Das alte Begriffsmaterial sitzt in uns und stellt sich dem Neuen gegenüber, wie sich das Auge dem Licht gegenüberstellt. Aus unsern eigenen alten Begriffen ist uns eine Art von Begriffsorgan gewoben, und was wir davon nicht in der jetzigen Verkörperung aus Begriffen zusammengewoben haben, das müssen wir suchen in früheren Verkörperungen. Da hat es sich zusammengewoben, und wir bringen entgegen den Begriffen, die neu an uns herantreten, ein Begriffsorgan. Für alle Erlebnisse, die von der Außenwelt kommen, auch wenn sie geistigster Natur sind, müssen wir ein Organ haben. Niemals stehen wir sozusagen geistig nackt den Dingen der Außenwelt, die an uns herantreten, gegenüber, sondern immer sind wir von dem abhängig, was wir geworden sind. Nur in einem einzigen Falle stehen wir unmittelbar der Außenwelt gegenüber, nämlich wenn wir unsere Ich-Wahrnehmung gewinnen. Diese Ich-Wahrnehmung muß daher auch — und das ist ein besonderer Beleg für das, was gesagt worden ist -— immer wieder und wieder gemacht werden, muß immer neu gemacht werden. Jeden Morgen, wenn wir aufstehen, machen wir unsere Ich-Wahrnehmung im Grunde genommen neu. Das Ich ist da, ist auch da, wenn wir schlafen. Aber die Ich-Wahrnehmung muß jeden Morgen wieder neu gemacht werden, kann hier immer wieder gemacht werden. Und wenn wir in der Nacht eine Reise nach dem Mars machen würden, wo sich unsere Umgebung recht sehr anders ausnehmen würde als auf der Erde - alles würde dort anders sein: just die Ich-Wahrnehmung wäre dieselbe. Denn die läßt sich unter allen Verhältnissen in der gleichen Weise machen, weil wir kein äußeres Organ, nicht einmal ein Begriffsorgan dazu brauchen. Was uns da entgegentritt, ist eine unmittelbare Vorstellung des Ich, zwar als Vorstellung, als Wahrnehmung, aber eben in seiner wahren Gestalt. Alles andere liegt uns gleichsam so vor wie ein durch einen Spiegel und durch die Form des Spiegels bedingtes Bild. Die Ich-Wahrnehmung liegt uns vor in ihrer ganzen treuen Gestalt.

[ 16 ] Imagine that, at some point in your life, you grasp a thought, an idea, a concept. You understand something that presents itself to you as a concept. How is it possible for you to understand it? Only through the concepts you have already absorbed. You can see this from the fact that one person grasps a new concept that comes to them in one way, while another grasps it in another way. And this is because one person carries within them a greater sum of concepts they have already absorbed, while another carries a lesser sum. The old conceptual material resides within us and confronts the new, just as the eye confronts light. From our own old concepts, a kind of conceptual organ has been woven within us, and whatever we have not woven together from concepts in our present incarnation, we must seek in earlier incarnations. There it has been woven together, and we bring a conceptual organ to meet the concepts that now approach us. For all experiences that come from the external world, even if they are of the most spiritual nature, we must have an organ. We never, so to speak, stand spiritually naked before the things of the external world that approach us, but we are always dependent on what we have become. Only in a single case do we stand directly before the external world, namely when we gain our sense of self. This sense of self must therefore also—and this is a special proof of what has been said—be made again and again, must always be made anew. Every morning, when we get up, we essentially make our sense of self anew. The self is there; it is also there when we sleep. But the sense of self must be made anew every morning; it can be made here again and again. And if we were to take a journey to Mars at night, where our surroundings would look quite different from those on Earth—everything would be different there—the very perception of the self would remain the same. For it can be formed in the same way under all circumstances, because we need no external organ, not even a conceptual organ, for it. What confronts us there is an immediate perception of the self, albeit as a perception, but precisely in its true form. Everything else appears to us, as it were, like an image conditioned by a mirror and by the shape of the mirror. The perception of the self appears to us in its entirety and true form.

[ 17 ] Wenn wir dies bedenken, können wir wirklich in einer gewissen Beziehung sagen: In dem Ich, wenn wir es vorstellen, stecken wir selber drinnen; das ist etwas, was gar nicht außer uns ist. Nun fragen wir uns einmal: Wie unterscheidet sich die einzige Ich-Vorstellung, die Ich-Wahrnehmung von allen übrigen Wahrnehmungen und allem andern, was das Ich sonst erlebt. Sie unterscheidet sich so, daß wir in der Ich-Wahrnehmung, in der Ich-Vorstellung diesen unmittelbaren Abdruck, diesen Siegelabdruck des Ich haben, und in allen andern Vorstellungen und Wahrnehmungen einen solchen unmittelbaren Abdruck der Dinge eben nicht haben. Aber Bilder, die sozusagen in gewisser Beziehung sich doch wieder vergleichen lassen mit der IchWahrnehmung, gewinnen wir aus allem, was um uns herum ist: Alles verwandeln wir durch unser Ich in ein inneres Erlebnis. Denn die Außenwelt muß unsere Vorstellung werden, wenn sie überhaupt für uns eine Bedeutung, einen Wert haben soll. Wir bilden uns also wirklich Bilder von der Außenwelt, die dann im Ich weiterleben, ganz gleichgültig, durch welches Organ wir ein Sinneserlebnis aufnehmen. Wir riechen irgendeinen Stoff; wenn wir vorbeigekommen sind an dem Stoff und nicht mehr eine unmittelbare Berührung mit ihm haben, dann tragen wir doch das Bild dessen in uns weiter, was wir gerochen haben. Ebenso tragen wir das Bild einer Farbe, die wir gesehen haben, weiter in uns. Die Bilder, die aus solchen Erlebnissen stammen, bleiben in unserem Ich. Die bewahrt sich das Ich sozusagen auf. Aber wenn wir diese Bilder mit ihren charakteristischen Merkmalen bezeichnen wollen, so müssen wir sagen: Das gehört zu ihnen, daß sie von außen an uns herangetreten sind. Alle Bilder, die wir mit unserem Ich vereinigen können, sind, solange wir als Menschen innerhalb der Sinneswelt stehen, das im Ich gebliebene Restliche aus Eindrücken der Sinneswelt selber. Nur eines kann uns die Sinneswelt nicht geben: die Ich-Wahrnehmung. Die steigt in uns selber auf. In der Ich-Wahrnehmung haben wir also ein Bild, wenn es auch noch so punktuell, zu einem Punkt zusammengeschrumpft ist, ein Bild, das in uns selber aufsteigt.

[ 17 ] When we consider this, we can truly say, in a certain sense: When we imagine the “I,” we are ourselves contained within it; it is something that is not at all outside of us. Now let us ask ourselves: How does the unique perception of the “I”—the “I”-perception—differ from all other perceptions and everything else that the “I” otherwise experiences? It differs in that in the perception of the self, in the conception of the self, we have this immediate imprint, this seal of the self, whereas in all other conceptions and perceptions we do not have such an immediate imprint of things. But images that, so to speak, can in a certain sense be compared to the perception of the self, we derive from everything around us: We transform everything through our ego into an inner experience. For the external world must become our concept if it is to have any meaning or value for us at all. We thus truly form images of the external world that then live on within the ego, regardless of which organ we use to perceive a sensory experience. We smell a certain substance; once we have passed by the substance and no longer have direct contact with it, we still carry within us the image of what we have smelled. Likewise, we carry within us the image of a color we have seen. The images that arise from such experiences remain in our ego. The ego preserves them, so to speak. But if we wish to describe these images with their characteristic features, we must say: It is part of them that they have approached us from the outside. All images that we can unite with our ego are, as long as we stand as human beings within the sensory world, the remnants of impressions from the sensory world itself that have remained in the ego. There is only one thing the sensory world cannot give us: ego-perception. That arises within us. In self-perception, then, we have an image—even if it is as punctual as a single point, shrunk down to a single point—an image that arises within us.

[ 18 ] Denken Sie sich nun zu diesem Bild andere dazu: Bilder, die nicht entstanden sind, indem sie durch äußere Sinne angeregt worden sind, sondern die ebenso frei aufsteigen im Ich wie die Ich-Vorstellung selber, die also nach der Art der Ich-Vorstellung selber gebildet werden: dann haben Sie die Art der Bilder, die auftreten in dem, was wir nennen die astralische Welt. Bild-Vorstellungen also, welche auftreten im Ich, ohne daß irgendein Eindruck von außen, von der Sinneswelt auf uns gemacht wird.

[ 18 ] Now imagine other images alongside this one: Images that did not arise through stimulation by the external senses, but that arise just as freely in the ego as the ego-concept itself, and are thus formed in the same way as the ego-concept itself: then you have the kind of images that appear in what we call the astral world. That is, images that arise in the ego without any impression being made upon us from the outside, from the sensory world.

[ 19 ] Was unterscheidet denn die Bilder, die wir aus der Sinneswelt haben, von unseren übrigen inneren Erlebnissen? Die Sinnesbilder können wir als Bilder von Erlebnissen erst mit uns herumtragen, wenn wir in Berührung getreten sind mit der Außenwelt; dann sind sie Innenerlebnisse geworden, aber angeregt durch die Außenwelt. Was gibt es für Erlebnisse des Ich, die nicht unmittelbar angeregt sind von der Außenwelt? Als solche haben wir unsere Gefühle, unsere Begierden, Triebe, Instinkte und so weiter. Die sind nicht angeregt von der Außenwelt. Wenn wir auch in dem Sinne nicht in unsern Gefühlen, Trieben und so weiter drinnen stehen, wie es vorhin auseinandergesetzt worden ist, so müssen wir doch sagen: Es drängt sich in den Gefühlen, Trieben, Begierden in unser Inneres ein Element herein. Wodurch unterscheiden sich die Triebe, Begierden und so weiter von den Sinnesbildern, die wir mit uns herumtragen nach den Sinneswahrnehmungen? Sie können herausfühlen, wodurch sie sich unterscheiden. Das Sinnesbild ist etwas, was ruhig in uns bleibt, was wir möglichst treu versuchen mit uns herumzutragen, wenn wir uns mit der Außenwelt auseinandergesetzt haben. Unsere Triebe, Begierden, Instinkte sind etwas, was in uns arbeitet, was also eine Kraft darstellt.

[ 19 ] What, then, distinguishes the images we have from the sensory world from our other inner experiences? We can only carry these sensory images around with us as images of experiences once we have come into contact with the external world; at that point, they have become inner experiences, but ones stimulated by the external world. What kinds of experiences of the self are not directly stimulated by the external world? As such, we have our feelings, our desires, drives, instincts, and so on. These are not stimulated by the external world. Even if we do not, in this sense, dwell within our feelings, drives, and so on, as was discussed earlier, we must still say: an element forces its way into our inner being through the feelings, drives, and desires. How do the drives, desires, and so on differ from the sensory images that we carry with us following sensory perceptions? You can sense how they differ. The sensory image is something that remains calm within us, something we try to carry with us as faithfully as possible once we have engaged with the external world. Our drives, desires, and instincts are something that works within us, and thus represent a force.

[ 20 ] Wenn nun die Außenwelt nicht beteiligt ist an dem Aufsteigen der astralischen Bilder, so müssen doch Kräfte an diesem Aufsteigen der astralischen Bilder beteiligt sein. Denn was nicht getrieben wird, ist nicht da, kann nicht entstehen. Beim Sinnesbild ist die treibende Kraft der Eindruck der Außenwelt. Beim astralischen Bild ist die treibende Kraft zunächst das, was den Begierden, Trieben, Gefühlen und so weiter zugrundeliegt. Nur ist im gewöhnlichen Menschenleben, wie es heute ist, der Mensch davor geschützt, daß die Begierden und Triebe eine solche Kraft entwickeln, daß durch sie Bilder entstehen, Bilder, welche ebenso erlebt werden wie das Bild des Ich selber. Das ist, man möchte sagen, das bedeutsame Kennzeichen der gegenwärtigen Menschenseele, daß die Triebe und Begierden nicht stark genug wirken, um zum Bildersein dasjenige anzuregen, was ihnen das Ich entgegenstellt. Wenn das Ich sich entgegenstellt den starken Kräften der Außenwelt, wird es angeregt zu Bildern. Lebt es in sich, so hat es beim normalen Menschen nur die eine einzige Gelegenheit, ein aufsteigendes Bild zu empfangen, wenn dieses Bild das Bild des Ich selber ist.

[ 20 ] If the external world does not play a role in the emergence of astral images, then other forces must be involved in this process. For what is not driven by a force does not exist and cannot come into being. In the case of sensory images, the driving force is the impression of the external world. In the case of the astral image, the driving force is initially that which underlies desires, drives, feelings, and so on. However, in ordinary human life as it is today, the human being is protected from desires and drives developing such a force that images arise through them—images that are experienced just as the image of the “I” itself is. This is, one might say, the significant characteristic of the present-day human soul: that the drives and desires do not act strongly enough to stimulate into image form that which the ego sets against them. When the ego opposes the powerful forces of the external world, it is stimulated to form images. If it lives within itself, the normal human being has only a single opportunity to receive a rising image, and that is when this image is the image of the ego itself.

[ 21 ] Also es wirken die Triebe, Begierden und so weiter nicht stark genug, um ebenso zu Bildern zu werden wie das einzige Ich-Erlebnis. Wirken sie stark genug, dann müssen sie aber auch eine Eigenschaft annehmen, welche alle äußeren Sinneserlebnisse an sich tragen. Diese Eigenschaft ist von außerordentlicher Wichtigkeit. Alle Sinneserlebnisse tun uns nicht den Gefallen, sich nach uns zu richten. Wenn irgend jemand zum Beispiel gerade in einem Zimmer wohnt, wo man irgendein unangenehmes Geräusch hört, so kann er es nicht durch seine Triebe und Begierden wegschaffen. Es kann nicht jemand, sagen wir, eine gelbe Blume, die er lieber rot hätte, rot machen durch den bloßen Trieb oder die bloße Begierde. Das ist das Charakteristische der Sinneswelt, daß sie ganz unabhängig von uns selber auftritt. Das tun unsere Triebe, Begierden und unsere Leidenschaften ganz gewiß nicht. Die richten sich ganz nach unserem persönlichen Leben. Was muß also für sie eintreten bei jener Steigerung, die sie erfahren sollen zum Bilddasein? Sie müssen so werden, wie die äußere Welt ist, die uns nicht einen Gefallen tut in bezug auf ihren Aufbau und die Ausgestaltung der Sinnesbilder, sondern die uns zwingt, das Sinnesbild, das wir uns machen, so zu gestalten, wie es durch den Eindruck der äußeren Welt ist. So unabhängig wie der Mensch ist bei der Herstellung seiner Sinnesbilder von der äußeren Welt, so unabhängig muß er von sich selber sein, von seinen eigenen persönlichen Sympathien und Antipathien, wenn sich die Bilder der astralischen Welt richtig gestalten sollen. Es muß sozusagen für ihn ganz ohne Ausschlag sein, was er wünscht, begehrt und so weiter. Das letzte Mal habe ich Ihnen gesagt, die Forderung, die hiermit gestellt ist, ließe sich so formulieren: Man muß unegoistisch sein. Man darf sie aber nicht leichter Hand hinnehmen. Es ist nicht so leicht, unegoistisch zu sein.

[ 21 ] Thus, the drives, desires, and so on do not exert a strong enough influence to become images in the same way as the sole experience of the self. If they do exert a strong enough influence, however, they must also take on a characteristic that all external sensory experiences inherently possess. This characteristic is of extraordinary importance. Sensory experiences do not do us the favor of conforming to our will. If, for example, someone is in a room where an unpleasant noise is heard, they cannot make it go away through their drives and desires. No one can, let’s say, turn a yellow flower—which they would prefer to be red—red through mere impulse or mere desire. This is the defining characteristic of the sensory world: it occurs entirely independently of us. Our impulses, desires, and passions certainly do not do this. They are entirely governed by our personal lives. What, then, must happen to them in that elevation they are to experience toward becoming images? They must become like the external world, which does us no favors regarding its structure and the formation of sensory images, but which compels us to shape the sensory image we create in accordance with the impression of the external world. Just as independent as the human being is from the external world in the formation of his sensory images, so must he be independent of himself, of his own personal sympathies and antipathies, if the images of the astral world are to take shape correctly. It must, so to speak, be entirely irrelevant to him what he wishes, desires, and so on. Last time I told you that the requirement thus imposed could be formulated as follows: One must be unselfish. But one must not take this lightly. It is not so easy to be unselfish.

[ 22 ] Nun muß man aber folgendes bedenken: Wie verschieden ist unser Interesse für das, was uns von außen entgegenscheint, gegenüber dem, was uns von innen entgegentritt? Ungeheuer viel größer ist das Interesse, das der Mensch seinem Innenleben entgegenbringt, als der Welt draußen. Zwar wissen Sie, daß sich für viele Menschen auch die Außenwelt, wenn sie sie ins Bild verwandelt haben, zuweilen nach ihren subjektiven Gefühlen richtet. Denn Sie wissen, daß die Leute oft das Blaue vom Himmel herunter erzählen, selbst wenn sie nicht lügen und das glauben, was sie da erzählen. Da spielen immer Sympathie und Antipathie mit, die täuschen hinweg über das, was wirklich von außen gegeben ist, und lassen es im nachherigen Bilde verändert erscheinen. Aber das sind die Ausnahmefälle, darf man sagen, denn der Mensch käme nicht weit, wenn er sich im alltäglichen Leben selbst etwas vortäuschen würde. Es würde überall etwas nicht stimmen mit dem äußeren Leben; aber es würde ihm nichts helfen, er muß ‚sich die Wahrheit gestehen gegenüber der Außenwelt, die Wirklichkeit korrigiert ihn. So ist es mit den gewöhnlichen Sinneserlebnissen, da ist die äußere Wirklichkeit eben ein guter Regulator. Der fällt aber in dieser Form weg, wenn wir anfangen innere Erlebnisse zu haben. Da kann der Mensch sozusagen die äußere Wirklichkeit nicht so leicht auf sich den korrigierenden Eindruck machen lassen. Da läßt er deshalb sein Interesse walten, läßt seine Sympathie und Antipathie geltend sein.

[ 22 ] But we must consider the following: How different is our interest in what appears to us from the outside compared to what confronts us from within? The interest that people take in their inner lives is immensely greater than that in the world outside. You know, of course, that for many people, even the external world—once they have transformed it into an image—is sometimes shaped by their subjective feelings. For you know that people often tell tall tales, even when they are not lying and actually believe what they are saying. Sympathy and antipathy always play a role here, obscuring what is actually given from the outside and causing it to appear altered in the resulting image. But these are the exceptions, one might say, for a person would not get very far if they were to deceive themselves in everyday life. Something would be amiss with external life everywhere; but it would do him no good—he must ‘admit the truth to himself regarding the outside world; reality corrects him.’ This is how it is with ordinary sensory experiences; there, external reality is simply a good regulator. But this function is lost in this form when we begin to have inner experiences. There, so to speak, a person cannot so easily allow external reality to exert its corrective influence. Therefore, they let their interests prevail, allowing their sympathies and antipathies to take hold.

[ 23 ] So müssen wir uns denn sagen: Das ist die Hauptsache, worauf es ankommt, wenn wir daran denken, ein wenig in die geistige Welt hineinzukommen: daß wir vor allen Dingen lernen, uns selber so gleichgültig gegenüberzustehen, wie wir der Außenwelt gegenüberstehen. In der alten Pythagoräerschule wurde diese Wahrheit in einer strengen Weise formuliert, und zwar gleich für einen wichtigen Fall menschlicher Erkenntnis: für die Unsterblichkeitsfrage. Sehen Sie sich einmal um, wie viele Menschen es gibt, die an der Unsterblichkeitsfrage interessiert sind! Es ist das Gewöhnliche im Leben, daß der Mensch sich sehnt nach Unsterblichkeit, nach einem Leben außerhalb von Geburt und Tod. Das ist aber eine persönliche Interessiertheit, eine persönliche Sehnsucht. Es wird Sie verhältnismäßig wenig interessieren, wenn Sie ein Wasserglas zerbrechen, aber wenn die Menschen ein persönliches Interesse hätten an dem Fortbestehen eines Wasserglases, auch wenn es zerbrochen würde, so wie sie Interesse haben an der Unsterblichkeit der Menschenseele, dann können Sie sicher sein, würden die meisten Menschen auch glauben an die Unsterblichkeit eines Wasserglases.

[ 23 ] We must therefore tell ourselves: This is the main thing that matters when we think about entering the spiritual world to some extent—that, above all, we learn to regard ourselves with the same indifference with which we regard the external world. In the ancient Pythagorean school, this truth was formulated in a rigorous manner, specifically in relation to a crucial aspect of human knowledge: the question of immortality. Just look around and see how many people are interested in the question of immortality! It is common in life for people to long for immortality, for a life beyond birth and death. But this is a personal interest, a personal longing. You would be relatively unconcerned if you broke a water glass, but if people had a personal interest in the continued existence of a water glass, even if it were broken, just as they have an interest in the immortality of the human soul, then you can be sure that most people would also believe in the immortality of a water glass.

[ 24 ] Deshalb formulierte man die angegebene Forderung in der Pythagoräerschule in der folgenden Weise: Reif, um die Wahrheit von der Unsterblichkeit zu erkennen, ist nur der, welcher es auch ertragen könnte, wenn das Gegenteil wahr wäre, der es auch ertragen könnte, wenn die Frage nach der Unsterblichkeit mit Nein beantwortet würde. Wenn man selber in der geistigen Welt etwas ausmachen will über die Unsterblichkeit, so sagten die Lehrer der alten Pythagoräerschulen, dann darf man sich nicht sehnen nach der Unsterblichkeit, denn solange man sich sehnt, ist das, was man sagt, nicht objektiv. Und alle maßgebenden Urteile über das Leben jenseits von Geburt und Tod können nur von denen kommen, die sich ruhig ins Grab legen könnten, wenn es auch keine Unsterblichkeit gäbe. Das wurde den Schülern der alten Pythagoräerschulen deshalb gesagt, weil ihnen klargemacht werden sollte, wie schwierig es ist, sich für irgendeine Wahrheit reif zu machen.

[ 24 ] For this reason, the Pythagorean school formulated the stated requirement as follows: Only those who could bear it if the opposite were true—who could bear it if the question of immortality were answered in the negative—are ready to recognize the truth of immortality. If one wishes to discern something about immortality in the spiritual world, the teachers of the ancient Pythagorean schools said, then one must not yearn for immortality, for as long as one yearns, what one says is not objective. And all authoritative judgments about life beyond birth and death can come only from those who could lie down in the grave in peace, even if there were no immortality. This was told to the students of the ancient Pythagorean schools because they were to be made to understand how difficult it is to prepare oneself for any truth.

[ 25 ] Für eine Wahrheit reif sein, um sie von sich selbst aus zu behaupten, dazu gehört eine ganz bestimmte Vorbereitung, die darinnen bestehen muß, ganz uninteressiert für die betreffende Wahrheit zu sein. Nun kann man gerade in bezug auf die Unsterblichkeit sagen: Das ist ganz und gar unmöglich, daß es viele Menschen gibt, die uninteressiert wären an der Unsterblichkeit; viele Menschen können es gar nicht sein! — Die nicht uninteressiert sind, das sind dann die, zu denen gesprochen wird über die Wiederverkörperung und das Ewige des Menschendaseins — trotzdem sie nicht uninteressiert sind. Die Wahrheit aufnehmen und sie gebrauchen, um etwas zu haben für ihr Leben, das können alle, auch jene, welche sie nicht selber zu behaupten haben. Das ist kein Grund, die Wahrheit nicht aufzunehmen, weil man sich nicht reif fühlt. Im Gegenteil, vollkommen genügend ist es für das, was man zum Leben braucht, wenn man die Wahrheit empfängt und das Leben in ihren Dienst stellt.

[ 25 ] To be ready for a truth, to be able to assert it of one’s own accord, requires a very specific kind of preparation, which must consist in being completely uninterested in the truth in question. Now, with regard to immortality in particular, one might say: It is utterly impossible that there are many people who are uninterested in immortality; there simply cannot be that many! — Those who are not uninterested are precisely the ones to whom one speaks of reincarnation and the eternal nature of human existence—even though they are not uninterested. To receive the truth and use it to gain something for one’s life—this is something everyone can do, even those who cannot claim it for themselves. It is no reason not to receive the truth simply because one does not feel ready. On the contrary, it is entirely sufficient for what one needs in life to receive the truth and place one’s life at its service.

[ 26 ] Was aber ist das notwendige Gegenbild des Aufnehmens von Wahrheiten? Man kann sie ruhig aufnehmen, auch wenn man nicht reif ist. Das notwendige Gegenbild aber dazu besteht darin: in demselben Maße, in dem man lechzt nach Wahrheit, um die Ruhe und Befriedigung, um die Sicherheit im Leben zu haben, in demselben Maße sich reif zu machen für die Wahrheit, und daß man zu gleicher Zeit sorgfältig ist in dem eigenen Feststellen höherer Wahrheiten, solcher Wahrheiten, die nur in der geistigen Welt ausgemacht werden können.

[ 26 ] But what is the necessary counterpart to accepting truths? One can readily accept them even if one is not yet ready. The necessary counterpart to this, however, is this: to the same extent that one yearns for truth in order to attain peace and satisfaction, and security in life, to that same extent one must prepare oneself to be ready for the truth, and at the same time be careful in one’s own discovery of higher truths—such truths that can only be discerned in the spiritual world.

[ 27 ] Daraus ergibt sich aber ein wichtiger Grundsatz für unser spirituelles Leben. Man nehme empfänglich alles hin, was man braucht, wende es im Leben an; aber man sei so mißtrauisch wie möglich gegenüber dem eigenen Feststellen von Wahrheiten, zunächst für die eigenen astralischen Erlebnisse. Das begründet, daß man sich vor allen Dingen vor einem hüte: diese astralischen Erlebnisse da irgendwie anzuwenden, wo man auf einem Punkt steht, an dem man gar nicht uninteressiert sein kann, nämlich wo man an dem Punkt steht, wo das eigene Leben in Betracht kommt. Nehmen wir einmal an, es sei jemand durch seine astralische Entwickelung dazu reif, irgend etwas auszumachen, was morgen sein Schicksal ist, was er morgen erlebt. Das ist ein persönliches Erlebnis. Da hüte er sich davor, in dem Buche seines persönlichen Lebens nachzuforschen; denn da kann er gar nicht uninteressiert sein. Es könnten zum Beispiel die Menschen leicht sagen: Warum eigentlich erforschen die Hellseher nicht den Zeitpunkt ihres eigenen Todes ganz genau? - Aus dem Grunde tun sie es nicht, weil sie daran nie ganz uninteressiert sein können und alles fernhalten müssen, was sich auf die eigene Person bezieht. Alles, was sich nicht auf die eigene Person bezieht, und nur das, von dem man sicher sein kann, daß es sich nicht auf die eigene Person bezieht, ist so in den geistigen Welten zu erforschen, daß in den Ergebnissen objektive Gültigkeit liegt. Es geht gar nicht, objektiv Gültiges auszusprechen, wo man persönlich interessiert ist. Wer sich daher darauf beschränken will, das objektiv Gültige hinzustellen, das, was gilt ohne sein eigenes Interesse, der kann gar nicht aus Forschungen, aus Eindrükken einer höheren Welt über irgend etwas sprechen, was ihn selbst betrifft. Er müßte, wenn es solche Dinge gibt, die ihn selbst betreffen, ganz sicher sein, daß er diese Dinge nicht durch seine Interessen herbeigeführt hat. Das aber zu erforschen, ob man irgend etwas, was einen selbst betrifft, durch die eigenen Interessen etwa herbeigeführt habe, das ist bei solchen Dingen außerordentlich schwer.

[ 27 ] This, however, gives rise to an important principle for our spiritual life. One should be receptive to everything one needs and apply it in life; but one should be as skeptical as possible regarding one’s own determination of truths, especially when it comes to one’s own astral experiences. This is why one must guard against one thing above all else: applying these astral experiences in any way where one stands at a point where one cannot remain uninvolved—namely, where one’s own life is at stake. Let us suppose that someone, through their astral development, has reached a point where they can discern something that will be their fate tomorrow, something they will experience tomorrow. This is a personal experience. Let them be careful not to delve into the book of their personal life; for there they cannot remain uninvolved. People might easily ask, for example: Why don’t clairvoyants investigate the exact time of their own death? — They do not do so for this very reason: because they can never remain entirely uninvolved in it and must keep everything that relates to their own person at a distance. Everything that does not pertain to one’s own person—and only that which one can be certain does not pertain to one’s own person—is to be investigated in the spiritual worlds in such a way that the results possess objective validity. It is simply impossible to express anything objectively valid where one has a personal interest. Whoever therefore wishes to limit themselves to presenting what is objectively valid—that which holds true without their own interest—cannot speak at all, based on research or impressions from a higher world, about anything that concerns them personally. If there are such things that concern them personally, they would have to be absolutely certain that they have not brought these things about through their own interests. But to investigate whether one has, for example, brought about anything that concerns oneself through one’s own interests—that is extraordinarily difficult in such matters.

[ 28 ] So sehen Sie, daß es für den Anfang alles Strebens in die geistige Welt hinein einen Grundsatz geben muß: Man versuche nichts für maßßgebend zu halten, was sich auf die eigene Persönlichkeit bezieht. Man schließe die eigene Persönlichkeit ganz aus. Und dann brauche ich nur noch hinzuzufügen, daß dieses Ausschließen der eigenen Persönlichkeit eben außerordentlich schwierig ist und daß man oft glaubt, diese eigene Persönlichkeit ausgeschlossen zu haben - und es durchaus noch nicht getan hat! Deshalb sind auch die meisten der astralischen Bilder, die für diesen oder jenen Menschen herbeigeführt sind, nichts weiter als eine Art von Widerspiegelung ihrer eigenen Wünsche und eigenen Leidenschaften. Solange man stark genug ist im Geistigen selber, um sich zu sagen: Du mußt mißtrauisch sein gegen deine eigenen geistigen Erlebnisse! - so lange schaden diese geistigen Erlebnisse absolut nichts. Von dem Augenblicke erst, wo man diese Stärke nicht besitzt, wo man seine Erlebnisse für maßgeblich erklärt für sein Leben, fängt man an, unorientiert zu sein. Das ist dann gerade so, wie wenn man in einem Zimmer glauben wollte dort hinauszukommen, wo keine Tür ist, und mit dem Kopf gegen die Wand rennen wollte. Daher muß man sich immer den Grundsatz vorhalten: Mit der Prüfung dessen, was man selbst übersinnlich erlebt, im höchsten Grade vorsichtig zu sein. Und es herrscht diese Vorsicht dann eigentlich vollauf, wenn man solchen eigenen Erlebnissen keinen anderen Wert beimißt als einen Erkenntniswert, als einen Aufklärungswert, wenn man sich nicht in seinem persönlichen Leben nach ihnen richtet, sondern sich von ihnen nur aufklären läßt. Wenn man schon mit diesem Gefühl herangeht: Du willst nur aufgeklärt sein! - dann ist es gut, denn dann steht man so, daß man in dem Augenblick, wo eine entgegengesetzte Vorstellung eintreten kann, sie auch korrigiert.

[ 28 ] So you see that there must be a fundamental principle for any endeavor to enter the spiritual world: one must not regard anything related to one’s own personality as authoritative. One must completely exclude one’s own personality. And then I need only add that this exclusion of one’s own personality is, in fact, extraordinarily difficult, and that one often believes one has excluded this own personality—and has by no means done so! That is why most of the astral images brought about for this or that person are nothing more than a kind of reflection of their own desires and passions. As long as one is strong enough in the spiritual realm to tell oneself: You must be suspicious of your own spiritual experiences!—as long as that is the case, these spiritual experiences do absolutely no harm. Only from the moment one lacks this strength, when one declares one’s experiences to be authoritative for one’s life, does one begin to lose one’s bearings. This is just like wanting to get out of a room where there is no door and running headfirst into the wall. Therefore, one must always keep the following principle in mind: to be extremely cautious when examining one’s own supersensory experiences. And this caution is truly in full force when one attributes no other value to such personal experiences than a value of knowledge, a value of enlightenment, when one does not base one’s personal life on them, but allows them only to enlighten one. If one approaches it with this attitude: “You only want to be enlightened!”—then that is good, for then one is in a position where, the moment a contrary idea arises, one can also correct it.

[ 29 ] Alles, was ich heute gesagt habe, wird ja nur einen Teil bilden von mancherlei Betrachtungen, die wir in diesem Winter anstellen werden. Aber ich wollte damit etwas sagen, was Sie vorbereiten kann, um in eine Betrachtung des menschlichen Seelenlebens einzutreten, die uns in der Woche nach der Generalversammlung beschäftigen wird: die Betrachtungen über Psychosophie.

[ 29 ] Everything I have said today will, of course, constitute only a part of the various reflections we will be undertaking this winter. But I wanted to say something that might prepare you to enter into a reflection on the life of the human soul, which will occupy us in the week following the General Assembly: the reflections on psychosophy.