Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124
7 November 1910, Berlin
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Background to the Gospel of St. Mark, tr. Goddard, et.al.
Dritter Vortrag
3. The Tasks of the Fifth Post-Atlantean Epoch
[ 1 ] Wir haben öfter in verschiedener Beziehung jene Entwickelung der Menschheit betrachtet, welche in dem sogenannten nachatlantischen Zeitraum, also eben in unserer Zeit, seit der atlantischen Katastrophe geschehen ist. Wir haben ja verschiedene Epochen, verschiedene Perioden dieser nachatlantischen Entwickelung angegeben. Wir haben hingewiesen auf die alte indische Zeit, auf die urpersische Zeit, auf die ägyptisch-chaldäische Zeit, auf die griechisch-lateinische Zeit und dann auf unsere eigene Epoche, die eben der fünfte Zeitabschnitt der nachatlantischen Entwickelung ist. Wir haben dann darauf aufmerksam gemacht, daß bis zum Hereinbrechen einer weiteren großen Katastrophe zwei weitere Zeiträume verfließen werden, so daß dann sieben solcher Zeitabschnitte der Erdenmenschheit zu zählen sein werden.
[ 1 ] We have often studied the period of evolution following the Atlantean catastrophe and the epochs of post-Atlantean civilisation: the Old Indian, Old Persian, Egypto-Chaldean, Graeco-Roman, and now the fifth, in which we ourselves are living. There will be two more epochs, making seven in all, before there is another great catastrophe. The accounts given have naturally been of different aspects of these culture-epochs, for an idea of the future can be formed only by knowing how we are related to each of them.
[ 2 ] Es ist begreiflich, daß wir in verschiedenen Hinsichten diese Epochen der Erdenmenschheit schilderten. Denn wir können, indem wir uns als Menschen der Gegenwart gewissermaßen über unsere eigenen Aufgaben orientieren wollen, nur dann eine Empfindung dafür haben, welcher Zukunft wir entgegengehen, wenn wir wissen, wie wir hineingestellt sind in diese verschiedenen Zeitalter.
[ 2 ] Not translated
[ 3 ] Nun wird ja in der verschiedensten Weise immer wieder betont, daß man unterscheiden kann zwischen dem einzelnen Menschen als einer kleinen Welt, einem Mikrokosmos, und zwischen der großen Welt, dem Makrokosmos. Und es wird mit Recht betont, daß der kleine Kosmos, der Mensch, nach jeder Richtung hin ein Abbild ist der großen Welt, des Makrokosmos. Obwohl dies eine Wahrheit ist, ist es doch zunächst eine recht abstrakte Wahrheit, und wie sie gewöhnlich vertreten wird, ist auch mit ihr nicht viel anzufangen. Sie wird erst dann bedeutsam, wenn wir im einzelnen darauf eingehen können, inwiefern dies oder jenes, was uns am Menschen entgegentritt, wirklich als eine kleine Welt aufzufassen ist und in Beziehung zu setzen ist mit einer anderen, großen Welt.
[ 3 ] I have often said that there is a correspondence between the individual human being as a ‘Microcosm’, a ‘little world’, and the ‘Macrocosm’, the ‘great world’. Man, the ‘little world’, is in every respect a replica, a copy, of the ‘great world’. This is literally true, but stated in this form it is a very abstract truth and does not lead us very far. It becomes significant only if we can go on and show in detail how the individual human being is to be conceived as a Microcosm compared with the Macrocosm.
[ 4 ] Nun gehört der Mensch der Gegenwart im Grunde genommen allen sieben Zeitaltern der nachatlantischen Epoche an, denn er war und wird in allen diesen Zeiträumen inkarniert. Wir sind durchgegangen durch die vergangenen Zeiten in unsern früheren Inkarnationen, und wir werden durchgehen in folgenden Inkarnationen durch die späteren Zeiträume. In jeder Inkarnation nehmen wir auf, was uns der betreffende Zeitraum geben kann. Und indem wir dies aufnehmen, tragen wir in einer gewissen Beziehung in uns selber die Ergebnisse, die Früchte der vorangegangenen Entwickelungen, so daß im Grunde genommen das Intimste, was wir in uns tragen, das sein wird, was wir uns durch die Zeiträume, die genannt worden sind, angeeignet haben. Denn man muß sagen: Was sich jeder einzelne Mensch in diesen Zeiträumen angeeignet hat, fällt schon mehr oder weniger in das gegenwärtige menschliche Bewußtsein herein, während in der Tat das, was wir während unserer Inkarnationen in der atlantischen Zeit im allgemeinen uns als Menschen angeeignet haben, doch ganz andere Bewußtseinszustände hatte, so daß es schon mehr oder weniger ins Unterbewußte hinuntergedrängt worden ist und nicht mehr so rumort wie das, was wir später, in der nachatlantischen Zeit, uns angeeignet haben. In gewisser Beziehung ist der Mensch in der atlantischen Zeit viel mehr davor geschützt gewesen, selber dies oder jenes zu verderben an seiner Entwickelung, weil das Bewußtsein noch nicht so erwacht war wie in der nachatlantischen Zeit. Was wir daher in uns tragen als Früchte der atlantischen Entwickelung, das ist viel korrekter, ist viel mehr der Weltordnung angemessen als das, was den Zeiten entstammt, wo wir selber schon etwas an uns in Unordnung bringen konnten. Gewiß, es haben auch schon in der atlantischen Zeit die ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten Einfluß gehabt. Aber auch diese wirkten damals in ganz anderer Art auf den Menschen. Der Mensch war damals nicht imstande, sich gegen sie zu wehren.
[ 4 ] The man of to-day belongs to all the seven post-Atlantean epochs for he has been, or will be, incarnated in each of them. In every incarnation we receive what that particular epoch can give us. Thus we bear within ourselves the fruits of past phases of evolution. Our intrinsic qualities and talents are those we have acquired during the several post-Atlantean epochs and they lie more or less within the range of human consciousness as it is to-day. On the other hand, during our Atlantean incarnations there were very different states of consciousness and what we then acquired has, generally speaking, been pressed down into the subconscious. It does not therefore reverberate within us as strongly as what was acquired in later incarnations during the post-Atlantean epoch. In the much earlier Atlantean epoch human consciousness was by no means as wideawake as it became later on and men were not then able to the same extent to injure their own development. Consequently the fruits of Atlantean evolution within us are more in harmony with the World-Order than has been the case since we have been able ourselves to create disorder in our own being. Ahrimanic and Luciferic influences were active during the Atlantean epoch too, but the effect of them upon man was altogether different. Nor was man then in a position to protect himself against them.
[ 5 ] Daß dieses immer mehr und mehr ins Bewußtsein hereintritt, ist das Wesentliche der nachatlantischen Kultur. In dieser Beziehung ist die Entwickelung der Menschheit von der atlantischen Katastrophe bis zur nächsten großen Katastrophe gewissermaßen auch ein Makrokosmisches. Wie ein großer Mensch entwickelt sich die ganze Menschheit durch die sieben nachatlantischen Zeiträume hindurch. Und das Wichtigste, was im menschlichen Bewußtsein entstehen soll durch diese sieben Kulturepochen hindurch, das durchlebt im Grunde genommen auch wieder ähnliche Perioden, wie der einzelne Mensch selbst sie durchlebt.
[ 5 ] The ever-increasing development of human consciousness is the essential feature of post-Atlantean civilisation. The evolution of mankind in the period between the catastrophe which overwhelmed Atlantis and the one that will bring the post-Atlantean epoch to an end may be thought of as a macrocosmic process; humanity as a whole evolves as one great being through the seven post-Atlantean epochs. And the most important phases in the evolution of consciousness during these seven epochs resemble what the individual himself undergoes in the seven ‘ages’ or periods of his own life.
[ 6 ] Wir haben die Lebensalter des Menschen dahin unterschieden - und in der «Geheimwissenschaft» ist wieder darauf hingewiesen -, daß wir die ersten sieben Lebensjahre von der Geburt bis zum Zahnwechsel als die erste Periode rechnen. Wir haben gesagt, daß in dieser Zeit der physische Leib des Menschen endgültig seine Formen erlangt und daß mit den zweiten Zähnen im wesentlichen diese Formen festgestellt sind. Dann wächst der Mensch zwar noch innerhalb dieser Formen, aber im wesentlichen haben die Formen ihre Richtungen. Es ist der Ausbau der Form, was sich in den ersten sieben Jahren vollzieht. Solche Rhythmen müssen wir richtig nach allen Seiten hin verstehen. Wir müssen daher auch gesetzmäßig unterscheiden die ersten Zähne, die der Mensch in den ersten Lebensjahren bekommt und die dann ausfallen und ersetzt werden durch die zweiten Zähne. Diese zweierlei Arten sind in bezug auf die Gesetzmäßigkeit des Leibes etwas ganz Verschiedenes: Die ersten Zähne sind vererbt, die stammen sozusagen als Früchte aus den früheren Organismen der Vorfahren, und erst die zweiten Zähne sind aus der eigenen physischen Gesetzmäßigkeit heraus. Das müssen wir festhalten. Nur wenn wir auf solche Einzelheiten eingehen, können wir uns klarwerden, daß hier wirklich ein Unterschied besteht. Die ersten Zähne bekommen wir, weil unsere Vorfahren sie uns vererben mit der Organisation; die zweiten Zähne erhalten wir, weil unser eigener physischer Organismus so beschaffen ist, daß wir sie durch ihn bekommen können. Das erstemal sind die Zähne direkt vererbt; das zweitemal ist der physische Organismus vererbt, und der erzeugt seinerseits die zweiten Zähne.
[ 6 ] In my book Occult Science, and elsewhere, these different life-periods have often been described. The first period covers the seven years from birth to the change of teeth. During this period the physical body of the human being acquires its basic forms and with the coming of the second teeth these forms are to all intents and purposes established. Naturally, the child continues to grow; but speaking generally, the lines of the bodily structures have already been established. What is accomplished in the first seven years is the construction of the bodily form. We must be prepared to find these rhythms manifesting in us in a wide variety of ways. For instance, there is a difference between the first teeth, which appear during the earliest years of life and then fall out, to be replaced by the second teeth. The two sets of teeth are the result of essentially different conditions. The first teeth are the inherited product of the organisms of the child's forefathers. The second teeth are the product of the child's own physical constitution. This must be kept firmly in mind. Only by being attentive to such details can the distinction be fully understood. Our first teeth, together with our whole organism, are passed on to us by our forefathers; our second teeth are the product of our own physical organism. In the first case the teeth are a direct inheritance: in the second it is the physical organism that is inherited and this in its turn produces the second teeth.
[ 7 ] Darnach haben wir einen zweiten Lebensabschnitt zu unterscheiden, der vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife geht, bis zum vierzehnten, fünfzehnten Jahr also. Er bedeutet die Ausbildung des Ätherleibes. Der dritte Zeitraum, der bis zum einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten Jahr geht, stellt dar die Ausbildung des Astralleibes. Dann folgt die Ausbildung des Ich, fortschreitend von der Ausbildung der Empfindungsseele zur Ausbildung der Verstandesseele und der Bewußtseinsseele. So unterscheiden wir die Lebensalter beim Menschen. Innerhalb dieser Lebensalter ist ja, wie Sie wohl wissen, regelmäßig eigentlich nur das, was sich auf die ersten Lebensabschnitte bezieht. Das muß so sein und ist auch für den gegenwärtigen Menschen so richtig.
[ 7 ] The second life-period is from the time of the change of teeth to puberty, at about the fourteenth or fifteenth year. The important process now is the development of the etheric body. The third period, to about the twenty-first year, covers the development of the astral body. Then follows the development of the Ego, with the progressive development of the Sentient Soul, the Intellectual or Mind-Soul and the Spiritual Soul (Consciousness-Soul).
[ 8 ] Eine solche Regelmäßigkeit in der Unterscheidung wie für die ersten drei Lebensabschnitte findet für die folgenden dann nicht statt; sie sind auch in ihrer Länge durchaus nicht so genau anzugeben. Und wenn wir uns nach dem Grunde fragen, müssen wir uns klar sein, daß überhaupt immer in der Weltentwickelung nach den drei ersten Abschnitten von sieben Abschnitten gewissermaßen eine Mitte liegt. Wir sind jetzt hineingestellt in den nachatlantischen Zeitraum, haben die Früchte der vier ersten Zeiträume, also gewissermaßen die Früchte der ersten drei Zeiträume und des vierten, schon in uns, leben gegenwärtig im fünften und leben dem sechsten entgegen.
[ 8 ] These are the different periods in man's life: but as you certainly know, the first period of seven years alone follows a completely regular pattern, and this is as it should be for man of the present age. The regularity apparent in the first three life-periods is not found in the later ones, nor can their length be defined with exactitude. If we ask why this is so, the answer is that in world-evolution which proceeds in rhythms of seven periods, the fourth plays a middle part. Thus in the post-Atlantean era we already have within us the fruits of the first four epochs; we are now living in the fifth and moving towards the sixth.
[ 9 ] Nun können wir sehr wohl in ganz berechtigter Weise eine Art Ähnlichkeit finden zwischen der Entwickelung der nachatlantischen Zeiträume und der Entwickelung des einzelnen Menschen, so daß wir auch da wieder das Makrokosmische von dem Mikrokosmischen recht gut unterscheiden können. Nehmen wir einmal das, was uns insbesondere die erste nachatlantische Epoche charakterisiert, die wir als die alt-indische bezeichnen, weil sich beim indischen Volke der Charakter der nachatlantischen Entwickelung ganz besonders ausprägte. In dieser ersten Epoche — das werden Sie belegt finden durch verschiedenes, was ich schon gesagt habe — gab es vor allen Dingen ein hohes, umfassendes, weitverzweigtes uraltes Wissen, eine uralte Weisheit. Was die sieben heiligen Rishis in Indien lehrten, war im Prinzip dasjenige, was die natürlichen Seher und auch ein großer Teil des Volkes wirklich damals in der geistigen Welt sahen. Dieses alte Wissen war in der indischen Zeit als eine Erbschaft von früher vorhanden. Während der atlantischen Zeiten war es hellseherisch erfahren worden. Jetzt war es mehr eine uralte, vererbte Weisheit geworden, die aufbewahrt war und von denjenigen, die sich durch die Initiation wieder zu den geistigen Welten hinaufrangen, von den Rishis verkündet wurde. Im wesentlichen war das, was in das menschliche Bewußtsein hereindrang, durchaus ein vererbtes Gut. Daher hatte es auch gar nicht irgendwie den Charakter unseres heutigen Wissens. Man macht sich eine ganz falsche Vorstellung, wenn man die wichtigsten Sachen, die in der ersten nachatlantischen Kulturperiode von den heiligen Rishis verkündet worden sind, in solchen Formen auszudrücken versucht, wie wir unser Wissen in der heutigen Wissenschaft ausdrükken. Das geht kaum. Denn die wissenschaftlichen Formen, die wir heute haben, sind erst in der nachatlantischen Kultur selber entstanden. Das Wissen der alten Rishis war ganz anderer Art. Es war ein solches, daß der, welcher es mitteilte, fortwährend fühlte, wie es in ihm arbeitete, in ihm gärte, wie es im Augenblick entstand. Und ein Charakteristikon müssen wir vor allen Dingen festhalten, wenn wir verstehen wollen, wie damals das Wissen war. Dieses Wissen war nämlich gar nicht auf Gedächtnis gebaut. Gedächtnis spielte dabei noch gar keine Rolle. Das bitte ich Sie ganz besonders ins Auge zu fassen. Heute spielt das Gedächtnis die größte Rolle in der Mitteilung von Wissen. Wenn ein Universitätsprofessor den Katheder oder ein öffentlicher Redner die Rednertribüne besteigt, so muß er dafür gesorgt haben, daß er das, was er sagen will, vorher gewußt hat und nachher aus dem Gedächtnis wiederholt. Es gibt zwar Leute, die heute sagen, sie tun es nicht, sie folgten ihrem Genius, aber mit dem ist es nicht weit her. Heute ist Mitteilung des Wissens wirklich zum allergrößten Teil auf Gedächtnis gebaut.
[ 9 ] There is undoubtedly a certain correspondence between the evolution of the post-Atlantean epochs and that of the individual human being. Here again there is evidence of correspondence between the macrocosmic and the microcosmic. Let us consider what was particularly characteristic of the first post-Atlantean epoch. We call it the Old Indian epoch because the character of post-Atlantean evolution in general was especially marked in the people of India. In this epoch there existed a sublime, all-embracing wisdom, with wide ramifications. In principle, the teachings given by the seven holy Rishis were identical with what was actually seen in the spiritual world by natural clairvoyants and also by very many of the people of that time. This ancient knowledge was present in the Old Indian epoch as a heritage from still earlier times. In the Atlantean epoch it had been experienced clairvoyantly, but it had now become more of an inherited, primal wisdom, preserved and made known by those who, like the Rishis, had risen through Initiation to the spiritual worlds. Basically, all the wisdom that penetrated into human consciousness was inherited and therefore essentially different from our modern knowledge. It would be quite wrong to attempt to express the sublime truths proclaimed by the holy Rishis in the first post-Atlantean epoch in terms such as those used in modern scholarship; moreover it would hardly be possible to do so, because the forms assumed by scholarship as it is to-day appeared only in the course of post-Atlantean culture. The knowledge possessed by the ancient Rishis was of a very different character. Anyone capable of proclaiming it felt it working and seething within him, rising up spontaneously. To understand what knowledge was in those days we must realise above all that it did not in any way rely upon memory. Please keep this very specially in mind. Memory is the most important factor when knowledge is being transmitted to-day. A professor or a public speaker must take care that he knows beforehand what he is going to say from the rostrum, and then draw it out of his memory. True, there are people who deny that they do any such thing, insisting that they simply follow their own genius. But they don't affect the argument. The communication of knowledge to-day depends almost entirely upon memory.
[ 10 ] Wie in der alt-indischen Zeit das Wissen mitgeteilt wurde, davon macht man sich eine richtige Vorstellung, wenn man sich sagt: Das Wissen entstand erst in dem Kopfe dessen, der es mitteilte, während er es mitteilte. Früher bereitete man das Wissen nicht auf dieselbe Weise vor, wie es heute vorbereitet wird. Der alte Rishi bereitete es nicht so vor, daß er in sein Gedächtnis aufnahm, was er zu sagen hatte. Er bereitete sich dadurch vor, daß er sich selber in eine heilige Stimmung versetzte, sich sozusagen in eine fromme Stimmung versetzte; daß er das, was er mitteilte, so auffaßte: Ich muß meine Seele erst fromm machen, mit heiligen Stimmungen durchziehen! Die Stimmung bereitete er vor, die Gefühle, aber nicht das, was er zu sagen hatte. Und dann war es wie ein Ablesen in dem Momente des Mitteilens aus einem Unsichtbaren heraus. Zuhörer, die etwa mitschreiben würden, wären undenkbar gewesen in der damaligen Zeit. Das war etwas absolut Ausgeschlossenes, denn man würde es so aufgefaßt haben, daß das, was man auf diese Weise mitbringt, nicht den allergeringsten Wert hat. Nur das hatte einen Wert im Sinne der damaligen Zeit, was man in seiner Seele mittrug, und was einen anregte, nachher in ähnlicher Weise die Sache zu reproduzieren, wie es der, welcher es vorgebracht hatte, selber reproduziert hatte. Es wäre eine Entheiligung des Mitgeteilten gewesen, wenn man etwas aufgeschrieben hätte. Warum? Weil man im Sinne der damaligen Zeit ganz mit Recht der Ansicht war: Was auf dem Papier steht, ist nicht dasselbe wie das Mitgeteilte, kann es gar nicht sein!
[ 10 ] Things were very different in the Old Indian epoch. It would be true to say that knowledge arose at the actual moment of speaking. In those early times knowledge was not prepared beforehand as it so often is to-day. The ancient Rishi did not prepare what he had to say and then memorise it. The preparation he made was to induce in himself a mood of piety, of reverence. It was his mood and his feelings that he prepared, not the content of what he was about to communicate. And then, while it was being communicated it was as if he were reading from an invisible script. It would have been unthinkable in those days for listeners to take down in writing what was being said; anything recorded in this way would have been considered quite worthless. Value was attached only to what a man preserved in his soul and might later reproduce for others. It would have been regarded as desecration to write anything down. The view rightly held at that time was that what is transcribed is not, and cannot be, the same as the oral communication.
[ 11 ] Diese Tradition hat sich lange Zeit hindurch erhalten, denn solche Dinge erhalten sich ja in den Gefühlen viel länger als in dem Verständnis. Und als im Mittelalter die Buchdruckerkunst noch zur Schreibkunst hinzukam, da wurde sie vom Volke zunächst als schwarze Zauberei empfunden, weil in den Volksgemütern noch alte Empfindungen rumorten; weil man ein Gefühl davon hatte, daß das, was von Seele zu Seele leben soll, nicht in einer so grotesk profanen Art aufbewahrt werden sollte, wie es geschieht, wenn man es mit Drukkerschwärze aufmalt auf weiße Blätter, so daß man es gewissermaßen erst in ein Totes verwandelt, um es dann, vielleicht in einer recht wenig erbaulichen Weise, wieder zu beleben. Also diese unmittelbare Strömung von Seele zu Seele müssen wir als ein Charakteristikon der damaligen Zeit auffassen. Das war ganz und gar eine Tendenz der ersten nachatlantischen Zeit, und die muß man in der rechten Weise auffassen, wenn man zum Beispiel verstehen will, wie die alten Rhapsoden in der griechischen und auch noch in der altgermanischen Zeit herumzogen und ihre langen, langen Dichtungen vortrugen. Hätten sie ihr Gedächtnis dazu gebraucht, so hätten sie es nicht immer wieder und wieder so vortragen können. Denn es war die Seeleneigenschaft, die Seelenkraft, die ihnen zugrundelag, eine viel lebendigere. Wenn heute jemand ein Gedicht vorträgt, hat er es vorher gelernt. Diese Leute aber erlebten, was sie vortrugen, und es war wirklich eine Art Nachschaffen in diesem Momente vorhanden. Das wurde auch dadurch unterstützt, daß in ganz anderem Umfange, als es heute der Fall ist, die mehr seelischen Elemente noch mit in den Vordergrund traten. Heute wird — mit einem gewissen Recht für unsere Zeit — alles Seelische unterdrückt. Wird heute etwas vorgetragen, so handelt es sich um den Sinn; es wird der Wortsinn herausgearbeitet. So war es noch nicht einmal, als der mittelalterliche Sänger das Nibelungenlied vorgetragen hat. Der hatte noch ein gewisses Gefühl für den inneren Rhythmus; er stampfte sogar mit dem Fuße, indem er den Takt der Hebungen und Senkungen, auf- und abgehend, markierte.
[ 11 ] This way of thinking persisted for a very long time. Such matters are retained in the feelings much longer than in the intellect and when, in the Middle Ages, the art of printing was added to that of writing, it was at first regarded as black magic. Old feelings were still astir in men and they felt that what is meant to pass directly from soul to soul should not be preserved in the grotesque form of letters and words printed on sheets of white paper. People were convinced that this transformed the knowledge to be communicated into something lifeless which might, moreover, subsequently be revived with anything but beneficial results. The direct streaming of knowledge from soul to soul was characteristic of the times we are considering. It was a prominent feature in the cultural life of the first post-Atlantean epoch and must be recognised if we are to understand, for instance, how it came about that Greek and even old Germanic rhapsodists could go from place to place reciting their very lengthy poems. This would never have been possible if they had been obliged to rely upon memory. It was a power and a quality of soul much more alive than memory that lay behind their recitations. Nowadays if we are to recite a poem we must have learnt it beforehand; but what those men were reciting was an actual experience in them, a kind of new creation. Moreover a direct expression of the life of soul was then more clearly in evidence than it is now, when—with some justification in view of prevailing conditions—it is apt to be suppressed. What is considered of main importance nowadays in recitation is the actual meaning of the words. It was not so, even in the Middle Ages, when a minstrel was reciting the Niebelungenlied, for instance. He still had a feeling for the inner rhythm and would stamp his feet to mark the rise and fall of the verse as he strode forward and back.
[ 12 ] Das sind aber nur Nachklänge dessen, was in der alten Zeit vorhanden war. Dennoch würden Sie sich eine falsche Vorstellung von den alten indischen Rishis und ihren Schülern machen, wenn Sie glauben wollten, sie hätten das alte atlantische Wissen nicht treu vermittelt. Die Schüler in unsern Hochschulen, wenn sie auch das ganze Kollegheft vollgeschrieben haben, geben das Gesagte nicht so treu wieder, wie das alte Wissen damals von den indischen Rishis wiedergegeben wurde.
[ 12 ] But this was only an aftermath of what had been customary in more ancient times. You would have an erroneous idea of the Rishis and their pupils if you were to think that they had not faithfully communicated the old Atlantean knowledge. Even if the pupils in our schools were to fill their exercise books from cover to cover, they would not have reproduced what had been said as faithfully as the Indian Rishis reproduced the ancient wisdom.
[ 13 ] Die nächsten Zeiträume sind dann dadurch charakteristisch, daß im wesentlichen das alte atlantische Wissen aufhörte zu wirken. Bis zum Untergang der uralt-indischen Kulturperiode war es wirklich so, daß das Wissen, welches die Menschheit wie eine Erbschaft erhalten hatte, immer weiter und weiter wuchs. Es war noch ein Wachsen des Wissens vorhanden. Das war aber im wesentlichen mit dem ersten nachatlantischen Zeitraum abgeschlossen, und man konnte nach der indischen Zeit kaum irgend etwas Neues herausbringen aus der menschlichen Natur, was nicht schon dagewesen wäre. Also eine Vermehrung des Wissens war nur in dem ersten Zeitraum möglich; dann hörte das auf. Und in dem urpersischen Zeitraum begann bei denen, die beeinflußt waren vom Zarathustrismus, mit Bezug auf die äußere Wissenschaft dasjenige, was sich nun vergleichen läßt mit dem zweiten menschlichen Lebensabschnitt und was man so auch am besten verstehen wird. Denn die alt-indische Kulturperiode läßt sich wirklich vergleichen mit dem ersten Lebensabschnitt des Menschen, mit der Zeit von der Geburt bis zum siebenten Jahre, wo sich alles an Formen herausbildet, während alles Spätere nur ein Wachstum innerhalb der festgestellten Formen ist. So war es-mit dem Geistigen in dem ersten nachatlantischen Zeitraum. Und was jetzt in der urpersischen Epoche folgte, das läßt sich nunmehr vergleichen mit einer Art von Lernen. Wie der Mensch in seinem zweiten Lebensabschnitt sein schulmäßiges Lernen betreibt, so läßt sich die urpersische Zeit auch mit einer Art von Lernen vergleichen. Nur müssen wir uns klarwerden, wer die Schüler und wer die Lehrer waren. Da möchte ich eines sagen.
[ 13 ] The characteristic feature of the epochs which followed was that the flow of Atlantean knowledge came to a standstill. Until the decline of the Old Indian culture-epoch, knowledge received by men in the form of an inheritance continually increased. In essentials, however, the increase ceased with the close of this epoch: thereafter, hardly anything new could be produced from existing knowledge. An increase of knowledge was therefore possible only in the first epoch; thereafter it ceased. In the Old Persian epoch, among men influenced by Zoroastrianism, something began in connection with knowledge of the external world which can be compared with the second period in human life and is, in fact, best understood through such a comparison. In a spiritual respect the Old Indian culture-epoch is comparable with the first period in human life, from birth to the seventh year. During this period the basic forms are developed; whatever comes later is merely expansion within these established forms. What followed in the Old Persian epoch can similarly be compared with a kind of school-learning, the kind of learning connected with the second life-period. Only we must be clear who were the pupils and who were the teachers. At this point there is something I want to interpolate.
[ 14 ] Ist es Ihnen denn nicht schon merkwürdig aufgefallen, wie ganz anders Zarathustra, der eigentliche Führer der zweiten nachatlantischen Kulturepoche, vor uns steht als die indischen Rishis? Während uns die Rishis erscheinen wie von uralt heiligem Altertum geweihte Persönlichkeiten, in die sich hineinergießt das alte atlantische Wissen, erscheint Zarathustra als die erste Persönlichkeit, die initiiert ist mit dem nachatlantischen Wissen. Es tritt also ein Neues ein. Zarathustra ist tatsächlich die erste nachatlantische Persönlichkeit als historische Persönlichkeit —, die in jene Form des MysterienWissens, das eigentlich nachatlantisch ist, eingeweiht war, in welcher das Wissen so präpariert wird, daß es im Grunde genommen erst verständlich wird für Vernunft und Verstand der nachatlantischen Menschheit. Es war allerdings in den Zarathustra-Schulen in der ersten Epoche so, daß man ein eminent übersinnliches Wissen erlangte. Aber es trat in diesen Zarathustra-Schulen zum ersten Male so auf, daß es anfing, in menschliche Begriffe sich zu formen. Während das alte Rishi-Wissen nicht wiedergegeben werden kann in den Formen unserer heutigen Wissenschaft, ist dies schon eher möglich bei dem Zarathustra-Wissen. Das ist zwar ein ganz übersinnliches Wissen, handelt auch von dem Wissen der übersinnlichen Welt, aber kleidet sich in Begriffe, die ähnlich sind den Begriffen und Ideen der nachatlantischen Zeit überhaupt. Und bei seinen Anhängern entsteht jetzt hauptsächlich das, was man nennen kann: es wird systematisch ausgebildet das Begriffs-System der Menschheit. Das heißt, es wird der uralt heilige Weisheitsschatz genommen, der sich bis zum Ende der indischen Epoche entwickelt und sich von Generation zu Generation fortgesetzt hat. Neues kommt nicht mehr hinzu, aber jetzt wird das Alte ausgearbeitet. Und die Aufgabe der Mysterien des zweiten nachatlantischen Kulturzeitraumes können wir uns vorstellen durch einen Vergleich, wie wenn heute zum Beispiel irgendein okkultes Buch erscheint. Es könnte natürlich jedes okkulte Buch, das wirklich auf den Forschungen in den höheren Welten beruht, ganz in logische Auseinandersetzungen gekleidet werden, könnte heruntergebracht werden auf den physischen Plan ganz in logische Auseinandersetzungen hinein. Das könnte geschehen. Dann hätte aber zum Beispiel meine «Geheimwissenschaft» ein Werk von fünfzig Bänden werden müssen und jeder Band so groß wie der eine Band selbst. Auf diese Weise würde man jedes Gebiet ganz genau auseinanderhalten und in logische Formen kleiden können. Das ist alles drinnen und kann gemacht werden. Aber man kann auch in einer andern Weise denken: daß man nämlich dem Leser gleichsam etwas übrigläßt und daß er versucht, darüber nachzudenken. Denn das muß schon heute versucht werden; sonst würde man überhaupt nicht im Betriebe des Okkultismus weiterkommen. Heute im fünften nachatlantischen Zeitraum hat der Mensch schon die Möglichkeit, mit den Vernunftbegriffen, die die Menschheit entwickelt hat, an ein solches okkultes Wissen heranzugehen und es zu verarbeiten. Aber während der Zarathustra-Epoche mußte man erst die Begriffe finden für diese Tatsachen. Da wurden sie nach und nach herausgearbeitet. Solche Wissenschaften, wie es sie heute gibt, gab es damals nicht. Es gab etwas wie einen Überrest aus der Zeit des alten RishiWissens, und es trat etwas ein, was kleidbar war in menschliche Begriffe. Aber die menschlichen Begriffe selbst mußten erst gefunden werden; darin wurde das Übersinnliche erst hineingegossen. Diese Nuance, Übersinnliches in menschliche Begriffe zu fassen, kam erst auf. Daher kann man sagen: Die Rishis sprachen durchaus noch in der Art, wie man überhaupt nur übersinnliches Wissen aussprechen kann. Sie sprachen in einer variablen Bildersprache, in einer imaginativen Sprache. Sie gossen gleichsam ihr Wissen von Seele zu Seele, indem sie vollsaftige Bilder sprachen, die immer wieder und wieder entstanden, wo sie ihr Wissen mitteilten. Von Ursache und Wirkung, von andern Begriffen, wie wir sie heute haben, von irgendeiner Logik war gar nicht die Rede. Das kam alles erst später auf. Und mit Bezug auf das übersinnliche Wissen begann man damit in der zweiten nachatlantischen Kulturepoche. Da fühlte man sozusagen erst den Widerstand des materiellen Daseins, da fühlte man die Notwendigkeit, das Übersinnliche so auszudrücken, daß es Formen annimmt, die der Mensch denkt auf dem physischen Plan. Das ist auch im wesentlichen die Aufgabe der urpersischen Kulturepoche gewesen.
[ 14 ] You must have been struck by the difference between the figure of Zarathustra, the Leader of the second post-Atlantean epoch, and the Indian Rishis. Whereas the Rishis seem to be consecrated individuals stemming from a primordial past, to be vessels into whom old Atlantean wisdom has poured, Zarathustra appears as the first historical personality to be initiated into a genuinely post-Atlantean Mystery-knowledge, that is to say, knowledge presented in such a way that it could be understood only by the intelligence of post-Atlantean humanity. Something new has therefore made its appearance. True, during the early period it was preeminently supersensible knowledge that was acquired in the Zoroastrian schools. Nevertheless it was there that knowledge began for the first time to take the form of concepts. The ancient knowledge possessed by the Rishis cannot be reproduced in the forms of modern scholarship but to some extent this is possible with the Zoroastrian knowledge. This is knowledge of an altogether supersensible character and concerned entirely with the supersensible world but it is clothed in concepts comparable with those current during the post-Atlantean epoch in general. Among the followers of Zarathustra a systematic development of concepts took place. To sum up: The treasure-store of ancient wisdom which had evolved until the end of the Old Indian epoch and continued from generation to generation, was accepted. Nothing new was added but the old was elaborated. A comparison, for example, with the production nowadays of a book on occultism will help us to picture the task of the Mysteries of the second post-Atlantean epoch. The contents of any book resulting from genuine investigations into the higher worlds could of course be presented as an entirely logical exposition in the physical world. This might be done. But in that case my book Occult Science, for example, would have to consist of fifty volumes at least, each of them as bulky as the present one. There is, however, another way of doing things, namely to leave something to the reader, to induce the reader to think things out for himself. That is what must be attempted nowadays, for otherwise no progress in occultism could be made. To-day, in the fifth post-Atlantean epoch, with the intellectual concepts developed by humanity, it is possible to approach and also to assimilate occult knowledge. But in Zarathustra's time the concepts in which to clothe occult facts had first to be discovered and gradually elaborated. There were then no branches of knowledge such as exist to-day. Something capable of being clothed in human concepts had survived from the time of the ancient Rishis, but the concepts as such had to be formulated before the supersensible facts could be clothed in them. It was then, for the first time, that man-made concepts were used to grasp supersensible realities. The Rishis had spoken in the only way in which, in their day, supersensible knowledge could be communicated. They poured their knowledge from soul to soul in an unceasing flow of pictures. They were unconcerned with cause and effect, with concepts and categories such as are familiar to us to-day. This was a much later development. In the field of supersensible knowledge a beginning was made in the second post-Atlantean epoch. It was then that man first became aware of the opposition offered by material existence and therewith the need to express supersensible facts in forms of thought employed on the physical plane. This was the basic task of the second post-Atlantean epoch.
[ 15 ] Dann kam der dritte nachatlantische Zeitraum, die ägyptischchaldäische Kultur. Jetzt hatte man übersinnliche Begriffe. Das ist nun für den heutigen Menschen schon wieder schwer. Man soll sich vorstellen: keine physische Wissenschaft noch, sondern Begriffe vom Übersinnlichen, die man auch auf übersinnliche Weise gewonnen hatte. Man wußte, was in den übersinnlichen Welten vorging, und man konnte es sagen in den Denkformen des physischen Planes. Jetzt im dritten Kulturzeitraum fing man an, das, was man aus der übersinnlichen Welt gewonnen hatte, anzuwenden auf den physischen Plan selber. Das läßt sich wieder mit dem dritten Lebensabschnitt des Menschen vergleichen. Während der Mensch im zweiten Lebensabschnitt lernt, ohne daran zu gehen, das Gelernte anzuwenden, ist es im dritten Lebensabschnitt so, daß die meisten Menschen es schon wieder auf den physischen Plan anwenden müssen. Schüler des himmlischen Wissens waren die Zarathustra-Schüler der zweiten Kulturepoche. Jetzt fingen die Menschen an, das, was sie gewonnen hatten, auf den physischen Plan anzuwenden. Sagen wir, um es uns zu vergegenwärtigen: Nun hatten die Menschen gelernt aus den Schauungen des Übersinnlichen, wie man alles Übersinnliche dadurch fassen kann, daß man es ausdrückt in einem Dreieck — das Dreieck als Bild für das Übersinnliche; daß man die übersinnliche Menschennatur, die in die Physis hineingegossen wird, als eine Dreiheit auffassen kann. Und so hatte man andere Begriffe noch gelernt, so daß man physische Dinge auf Übersinnliches anwandte. Geometrie zum Beispiel ist zuerst so gelernt worden, daß man sie als symbolische Begriffe hatte. Nun waren sie da, und man wandte sie an: die Ägypter in der Feldmeßkunde auf ihr Feldbauen, die Chaldäer auf den Gang der Gestirne, indem sie die Astrologie, die Astronomie begründeten. Was früher nur für etwas Übersinnliches gegolten hatte, das wandte man nun an auf das, was man physischsinnlich sah. Man fing an, was man herausgeboren hatte aus dem übersinnlichen Wissen, auf dem physischen Plan herauszuarbeiten, so daß im dritten Kulturzeitraum, wenn wir so sagen wollen, die Anwendung des übersinnlich gewonnenen Wissens auf die Sinneswelt begann. Das ist erst im dritten Zeitraum der Fall gewesen.
[ 15 ] By the third epoch, that of Egypto-Chaldean culture, concepts of supersensible realities were actually in existence. This again is difficult for the modern mind to grasp. There was no physical science but there were concepts of supersensible facts and happenings which had been acquired in a supersensible way, and these concepts could be expressed in forms of thought applicable to the physical plane. In the third post-Atlantean epoch men began to apply to the physical world itself what they had learnt from the supersensible world. This again can be compared with the third period in the life of a human being. In the second period he learns without proceeding to apply what he has learnt. In the third life-period most human beings have to apply their knowledge to the physical plane. The pupils of Zarathustra in the second culture-epoch were pupils of heavenly knowledge; now men began to apply to the physical plane what they had learnt. It may help us to picture this if we say that through their visions men learnt that the supersensible can be expressed by a triangle—a triangle taken as an image of the supersensible; that the supersensible nature of man, permeating the physical, can be conceived as threefold. Other concepts too were mastered, enabling physical things to be related to supersensible facts. Geometry, for instance, was first mastered in the form of symbolic concepts. In short, concepts were now available and were applied by the Egyptians to the art of land-surveying, also to agriculture, and by the Chaldeans in their study of the stars and in the founding of Astrology and Astronomy. What had previously been regarded as purely supersensible was now applied to things physically seen. In the third culture-epoch, then, men began for the first time to apply supersensible knowledge to the phenomena of the world of sense.
[ 16 ] Im vierten Zeitraum, dem griechisch-lateinischen, ist nun insbesondere wichtig, daß der Mensch darauf kommt, daß die Sache so :st. Vorher tat er es, aber er war gar nicht darauf gekommen, daß die Sache so ist. Die alten Rishis brauchten nicht darauf zu kommen, denn sie hatten unmittelbar das Wissen aus der geistigen Welt einfließend. In der Zarathustra-Zeit verarbeitete man nur das geistige Wissen und wußte ganz genau, wie sich das übersinnliche Wissen selber formt. In der ägyptisch-chaldäischen Periode umkleidete man die Begriffe aus dem Übersinnlichen mit dem, was man aus dem Physischen gewonnen hatte. Und im vierten Zeitraum sagte man: Hat man ein Recht, das, was aus der geistigen Welt gebildet worden ist, auf die physische Welt anzuwenden? Paßt das, was im Geistigen gewonnen ist, auch wirklich auf die physischen Dinge? -— Diese Frage konnte sich der Mensch erst im vierten Kulturzeitraum vorlegen, nachdem er eine Zeitlang in Unschuld das übersinnliche Wissen angewendet hatte auf die physischen Erfahrungen und physischen Beobachtungen. Da war er gegen sich selber einmal gewissenhaft und fragte sich: Was gibt es für ein Recht, anzuwenden übersinnliche Begriffe auf physisches Geschehen, auf physische Tatsachen?
[ 16 ] In the fourth epoch, the Graeco-Latin, it was especially important that men should come to see that what they were doing was to apply to the physical plane knowledge derived from supersensible sources. Hitherto they had acted without questioning whether this was actually the case. The ancient Rishis had no need for such questioning because the knowledge streamed into them directly from the spiritual world. In the epoch of Zarathustra men assimilated the supersensible knowledge and were fully aware how it originated. In the Egypto-Chaldean epoch men invested the concepts derived from the supersensible world with knowledge they had acquired in the physical world. And in the fourth epoch (the Graeco-Latin) they began to ask whether it is right to apply to the physical world what has come from the spiritual world. Is what has been spiritually acquired in fact applicable to physical things?—Men could not put this to themselves as a definite question until the fourth culture-epoch, after they had for some time been applying supersensible knowledge in all naivety to physical experiences and observations. Now they became conscientious in regard to their own doings and began to ask whether it is justifiable to apply supersensible concepts to physical facts.
[ 17 ] Nun ist eigentlich immer eine Persönlichkeit in einem Zeitraum vorhanden, die irgendeine wichtige Aufgabe dieses Zeitraumes ganz besonders ausführt und der es ganz besonders auffällt, daß so etwas da ist. An einer solchen Persönlichkeit, der es auffällt: Hat man ein Recht, übersinnliche Begriffe auf physische Tatsachen anzuwenden? — kann man dann so recht sehen, wie sich das, was ich jetzt angedeutet habe, entwickelt. So können Sie zum Beispiel sehen, wie Plato noch einen ganz lebendigen Bezug hat auf die alte Welt und noch in der alten Form die Begriffe anwendet auf die physische Welt. Sein Schüler Aristoteles ist dann der, welcher fragt: Darf man denn das auch? — Daher ist er der Begründer der Logik.
[ 17 ] Now when any epoch has an important task to perform, it always happens that some individual is particularly alive to its nature and responsible for fulfilling it. In this case, such an individual would have been struck by the thought as to whether one has the right to apply supersensible concepts to physical facts. Can anyone really predict how things will develop? It is obvious that Plato, for example, had a living connection with the ancient world and still applied concepts in their old form to the physical world. It was his pupil Aristotle who asked whether it is right to do this.—And so Aristotle became the founder of Logic.
[ 18 ] Die, welche sich gar nicht mit Geisteswissenschaft befassen, sollten sich einmal die Frage vorlegen: Warum ist denn Logik erst im vierten Zeitraum entstanden? Hat denn die Menschheit, wenn sie sich seit unbestimmten Zeiten entwickelte, gar keine Gründe gehabt, sich in einem bestimmten Zeitpunkt die Frage nach der Logik zu stellen? Man kann überall, wenn man die Dinge real betrachtet, wichtige Knotenpunkte in der Entwickelung gerade in einem bestimmten Zeitpunkt angeben. So ist ein wichtiger Zeitpunkt in der Entwickelung zum Beispiel zwischen Plato und Aristoteles. Man möchte also sagen: Wirklich, in dem geschilderten Zeitraum haben wir etwas vor uns, was noch in einer gewissen Weise in Beziehung steht zu dem alten Zusammenhang mit der geistigen Welt, wie er noch in der atlantischen Zeit vorhanden war. Das lebendige Wissen erstarb zwar mit dem indischen Zeitraum. Aber damit hatte man ein Neues heruntergebracht. Jetzt aber war man in einer gewissen Weise kritisch geworden: Wie darf man das Übersinnliche anwenden auf physisch-sinnliche Dinge? Das heißt, der Mensch war sich erst jetzt bewußt geworden, daß er selber etwas vollbringt, wenn er äußerlich die Welt beobachtet; daß er da etwas herunterträgt in die Welt. Das war ein wichtiger Zeitraum.
[ 18 ] People who reject Spiritual Science should just ask themselves why man had managed to get on without any system of Logic. Had they never before the fourth epoch felt any need for it?—To a clear-sighted view of evolution, important periods occur at definite points of time. One such period lies between Plato and Aristotle. Here we have before us a situation that is related in a certain way to the connection with the spiritual world existing in the Atlantean epoch. True, the living spiritual knowledge died out with the Old Indian culture-epoch, but something new had nevertheless been brought down to the physical plane. Now, in this later age, man had begun to develop a critical faculty, and to ask how ideas about supersensible reality may be applied to physical things. This is a sign that man only now became conscious that he himself achieves something when he is observing the external world, that he is actually bringing something down into the sense-world. This was a significant state of things.
[ 19 ] Von den Begriffen und Ideen kann man noch spüren, daß sie ein Übersinnliches sind, wenn man in dem Charakter der Begriffe und Ideen anfängt, eine Garantie zu sehen für die übersinnliche Welt. Aber die wenigsten spüren es. Es ist ein recht Dünnes, Fadenscheiniges für die meisten Menschen, was in den Begriffen und Ideen liegt. Und obwohl darin etwas lebt, wodurch ein voller Beweis für die Unsterblichkeit des Menschen erbracht werden kann, würde er doch nicht zur Überzeugung gebracht werden können, weil Begriffe und Ideen gegenüber der derben Realität, die der Mensch verlangt, wirklich ein recht dünnes Spinnengewebe sind. Es ist das Dünnste, was der Mensch nach und nach herausgesponnen hat aus der geistigen Welt, nachdem er heruntergeschritten ist in die physische Welt. Das Dünnste, der letzte Faden aus der übersinnlichen Welt, sind noch Begriffe und Ideen. Und in dieser Zeit, als der Mensch zu dem letzten, für ihn gar nicht mehr glaubhaften Gewebe heruntergeschritten ist, wo er sich ganz herausgesponnen hat aus der geistigen Welt, da haben wir nun zu verzeichnen den gewaltigsten Einschlag aus der übersinnlichen Welt: den Christus-Impuls. So geht herein in unsere nachatlantische Zeit die stärkste spirituelle Realität und tritt in einem Zeitraum auf, wo der Mensch selber in sich die geringste spirituelle Begabung hat, weil er nur noch die spirituelle Begabung hat für Begriffe und Ideen.
[ 19 ] We can still feel that concepts and ideas are in essence supersensible when we regard their very character as being a guarantee for the existence of the supersensible world. But only few feel this. What concepts and ideas contain is for most people extremely tenuous. And although there is something in them which can provide complete proof of man's immortality, it would be impossible to convince him, because compared with the solid, material reality for which he longs, concepts and ideas are as unsubstantial as a cobweb. They are, in fact, the last and slenderest thread spun by man out of the spiritual world since his descent into the physical world. And at the very time when he had left the spiritual world altogether and remained linked to it by this last, slender thread only—a thread in which he no longer had any faith—there came the mightiest incision from the supersensible world: the Christ Impulse. The greatest of all spiritual realities appeared in our post-Atlantean epoch at a time when man was least able to recognise the supersensible, because the only spiritual quality remaining to him was his feeling for concepts and ideas.
[ 20 ] Für den Betrachter der Menschheitsentwickelung im großen gibt es eine recht interessante Zusammenstellung, die, abgesehen davon, daß sie, ich möchte sagen, gewittersturmähnlich auf die Seele wirken kann, auch wirklich wissenschaftlich außerordentlich interessant sein kann: wenn Sie nämlich die unendliche Spiritualität jenes Wesens, das in die Menschheit einschlägt mit dem Christus-Prinzip, dem zur Seite stellen, daß sich der Mensch kurz vorher gefragt hat, wie sein letztes spirituelles Spinnengewebe zusammenhängt mit der Spiritualität - das heißt, wenn Sie die aristotelische Logik daneben stellen, dieses Gewebe der allerabstraktesten Begriffe und Ideen, zu denen der Mensch zuletzt heruntergeschritten ist. Man kann sich keinen größeren Abstand denken als zwischen der Spiritualität, die sich heruntersenkte auf den physischen Plan in der Wesenheit des Christus, und dem, was sich der Mensch selber gerettet hat an Spiritualität. Daher werden Sie es begreiflich finden, daß es zunächst in den ersten Jahrhunderten des Christentums gar nicht möglich war, mit diesem Spinnengewebe von Begriffen, wie es in dem Aristotelismus vorhanden war, die Spiritualität des Christus zu begreifen. Und nach und nach entstand dann die Bemühung, die Tatsachen des Welt- und Menschheitsgeschehens so zu begreifen, daß die aristotelische Logik anwendbar wurde auf die Weltenvorgänge. Das war dann die Aufgabe der mittelalterlichen Philosophie.
[ 20 ] For anyone studying the evolution of humanity as a whole it would be interesting in a strictly scientific sense—apart from the tornado-like effect it may have on the soul—to set side by side the infinite spirituality of the Christ Being who entered into humanity and the fact that shortly before His coming man had been wondering how far the last thread of spirituality within him was connected with the supersensible world—in other words, to contrast the Christ Principle with Aristotelian Logic, that web of wholly abstract concepts and ideas. No greater disparity can be imagined than that between the spirituality which came down to the physical plane in the Being of Christ and the spirituality which man had preserved for himself. You will therefore understand that with the web of concepts available in Aristotelianism it was simply not possible in the first centuries of Christendom to comprehend the spiritual nature of Christ. And then, gradually, efforts were made to grasp the facts of world-history and the evolution of humanity in such a way that Aristotelian Logic could be applied. This was the task facing medieval philosophy.
[ 21 ] Wichtig aber ist es nun, daß der vierte nachatlantische Kulturzeitraum sich vergleichen läßt in den menschlichen Lebensabschnitten mit der menschlichen Ich-Entwickelung; daß das Ich der ganzen Menschheit selber hereinschlägt in die Menschheitsentwickelung und daß der Mensch als solcher eigentlich am weitesten weggerückt ist von der spirituellen Welt. Das ist auch der Grund, warum der Mensch zunächst gar nicht anders fähig war, den Christus aufzunehmen, als durch den Glauben. Daher mußte das Christentum zunächst eine Glaubenssache sein und fängt erst nach und nach an, zu einer Wissenssache zu werden. Es wird eine Wissenssache werden. Aber wir haben erst jetzt angefangen, die Evangelien mit dem Wissen zu durchdringen. Das Christentum war eine Glaubenssache durch Jahrhunderte und Jahrtausende, mußte es sein, weil der Mensch am weitesten heruntergekommen war von den spirituellen Welten.
[ 21 ] It is significant that the fourth post-Atlantean epoch may be compared with the period of Ego-development in man's life. It was in this epoch that the ‘I’ of humanity itself streamed into evolution, at the time when man was further removed from the spiritual world than he had ever been and was therefore at first quite incapable of accepting Christ except through faith. Christianity was bound at first to be a matter of faith and is only now beginning, very gradually, to be a matter of knowledge. We have only just begun to bring the light of spiritual knowledge to bear upon the Gospels. For hundreds upon hundreds of years Christianity could only be a matter of faith, because man had reached the lowest point of his descent from the spiritual worlds.
[ 22 ] Wenn es nun auch im vierten nachatlantischen Zeitraum so war, so ist es doch notwendig, daß nach diesem weitesten Herunterkommen der Mensch jetzt wieder beginnt hinaufzusteigen. Der vierte Zeitraum hat den Menschen in einer gewissen Beziehung am weitesten heruntergebracht, hat ihm aber dafür gegeben den größten spirituellen Einschlag - den er natürlich nicht verstehen konnte, sondern der erst in den nachfolgenden Perioden wird verstanden werden können. Aber wir erkennen jetzt daran unsere Aufgabe: unsere Begriffe wieder von innen heraus mit Spiritualität zu durchdringen.
[ 22 ] This was the situation in the fourth post-Atlantean epoch. But after the lowest point the re-ascent must begin. Although in a certain respect this epoch brought man to the lowest point of descent, it also gave him the strongest spiritual impulse upwards. Naturally, this was beyond his comprehension then and will be understood only in the epochs still to come. We can, however, recognise the task before us: it is to permeate our concepts and ideas with spirituality.
[ 23 ] Die Weltentwickelung ist nicht ganz einfach. Wenn nämlich eine Kugel ins Rollen gekommen ist nach einer gewissen Richtung hin, so hat sie die Trägheit weiterzurollen. Und soll sie nach einer andern Richtung weiterrollen, so muß ein anderer Impuls kommen, der sie in die andere Richtung stößt. So hatte die vorchristliche Kultur die Tendenz, das Heruntersausen in die physische Welt beizubehalten und hineinzutragen in unsere Zeit. Und die aufstrebende Tendenz ist einmal erst im Anfange, und außerdem braucht sie fortwährend Antriebe nach aufwärts. Besonders zum Beispiel im menschlichen Nachdenken können wir sehen, wie sich die Trägheit im Heruntersausen fortsetzt. Und ein großer Teil dessen, was man heute Philosophie nennt, ist nichts weiter als ein Fortrollen der Kugel nach unten. Aristoteles hatte wirklich noch eine Ahnung davon, daß tatsächlich mit dem Spinnengewebe der menschlichen Begriffe eine spirituelle Realität ergriffen wird. Ein paar Jahrhunderte nach ihm aber waren schon die Menschen überhaupt nicht mehr imstande zu wissen, wie das, was im menschlichen Kopfe beobachtet wird, zusammenhängt mit der Wirklichkeit. Und das Allerdürrste, das Trockenste in der Entwickelung des Alten ist der Kantianismus und alles, was damit zusammenhängt. Denn der Kantianismus stellt die Hauptfrage so, daß er sich überhaupt jeden Zusammenhang abschneidet zwischen dem, was der Mensch entwickelt als Begriff, zwischen der Vorstellung als Innenleben und dem, was die wirklichen Begriffe sind. Das ist alles Absterbendes, Altes, und ist daher gar nicht dafür veranlagt, das Belebende für die Zukunft zu geben. Jetzt werden Sie sich nicht mehr wundern, daß der Schluß meiner psychosophischen Vorträge einen theosophischen Hintergrund hatte. Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß wir bei allem, was wir treiben, insbesondere für das Seelen-Wissen, die Aufgabe haben, das Wissen, welches vordem von den Göttern den Menschen geschenkt worden ist und heruntergetragen wurde so, daß wir uns davon haben anregen lassen —, daß dieses Wissen wieder hinzuopfern ist vor den Altären der Götter. Nur müssen wir uns solche Begriffe wieder aneignen, die aus der Spiritualität heraus kommen.
[ 23 ] World-evolution is not a simple, straightforward process. When a ball begins to roll in a certain direction, inertia will keep it rolling unless its course is changed by some other impact. Similarly, pre-Christian culture tended to preserve and maintain the downward plunge into the physical world until our own time. The upward urge is only just beginning and periodically needs a new impetus. The downward tendency is particularly evident in the way men think, even in a great deal of what is called Philosophy to-day. Aristotle still recognised that spiritual reality is within the grasp of human concepts. But a few centuries after him men were no longer able to understand how the activity of the human mind can make contact with reality. The most arid, most barren element in the development of the old mode of thinking is represented by Kantianism and everything related to it. For Kant's philosophy severs all connection between the concepts a man evolves, between ideas as inner experiences, and what concepts and ideas are in reality. Kantianism is in the process of withering away and has no living impulse to give to the future. It will now no longer surprise you that the conclusion of my lectures on Psychosophy had a theosophical background. I have made it clear that in all our activities, and especially in connection with knowledge of the soul, our task is to take the knowledge bestowed by the gods on men in earlier days and brought down as a stimulus to our thought, and offer it up again at the altars of the gods. But the ideas and concepts we make our own must have their origin in spirituality.
[ 24 ] Es ist nicht unbescheiden gesprochen, sondern aus der GesetzmäRigkeit der Zeit heraus, wenn ich sage: Es ist notwendig, gerade die Seelenlehre so zu betreiben, auch als Wissenschaft, daß sie herauskommt aus dem todesstarren Zustand, in den sie gekommen ist. Gewiß, es hat viele Psychologen gegeben und gibt es auch noch heute, aber sie arbeiten alle mit den von der Spiritualität nicht belebten Begriffen. Daher ist es ein charakteristisches Zeichen, daß ein Mensch wie Franz Brentano 1874 nur den ersten Band seiner «Psychologie» hat erscheinen lassen, dessen Inhalt, wenn auch manches darin schief ist, im allgemeinen richtig angelegt ist. Er hatte dann auch den zweiten Band bereits angekündigt, der noch in demselben Jahr herauskommen sollte; aber er ist damit nicht fertig geworden, er ist stecken geblieben. Schematisieren konnte er noch. Will man aber weiterkommen, so braucht man dazu den spirituellen Einschlag.
[ 24 ] Psychology as a science must be cultivated in such a way that it can emerge from the decadence into which it has fallen. This is not said out of arrogance but because it is what the times demand. There have been and there still are many psychologists: but they all work with concepts totally devoid of spirituality. It is significant that in 1874 a man like Franz Brentano published only the first volume of his Psychology, which in spite of certain distortions, is generally sound. He had announced the second volume for publication in the same year; but he came to a standstill and could not finish it. He was able to give an outline of what the content was to have been but to get beyond that a spiritual impulse would have been needed.
[ 25 ] Solche Psychologien, wie sie heute da sind zum Beispiel von Wundt und Lipps, sind eigentlich keine Psychologien, weil sie nur mit vorgefaßten Begriffen arbeiten; sie sind von Anfang an nicht darauf angelegt, daß aus ihnen etwas werden sollte. Die Psychologie Franz Brentanos dagegen war dazu angelegt, daß aus ihr etwas hätte werden können, aber sie mußte steckenbleiben. Und das ist das Schicksal aller absterbenden Wissenschaft. Bei den Naturwissenschaften wird es nicht so schnell gehen. Da kann man mit strohernen Begriffen arbeiten, weil man die Tatsachen sammelt und sie sprechen lassen kann. Bei der Seelenwissenschaft ist das aber viel weniger zu erreichen. Man verliert sogleich das ganze Substrat, wenn man mit den gewöhnlichen strohernen Begriffen arbeiten will. Den Herzmuskel verliert man nicht sogleich, wenn man ihn auch analysiert wie ein mineralisches Produkt, ohne sein wahres Wesen zu kennen. In gleicher Weise aber kann man nicht die Seele analysieren.
[ 25 ] Modern psychologies, for example those written by Wundt and Lipps, do not really deserve the name because they work only with ideas previously evolved and it was obvious from the outset that nothing would come of them. Brentano's Psychology might have led to something but he came to a standstill—which is the fate of all dying sciences. It will not happen so quickly in the case of the natural sciences, where cut-and-dried concepts can be applied because facts are being collected and may be allowed to speak for themselves. With Psychology—the science of the soul—this is much less practicable, for the whole foundation disappears if any attempt is made to work with the ordinary, rigid concepts. You don't immediately lose touch with a heart-muscle even if you analyse it as if it were a mineral product and have no knowledge of its real nature. But you cannot analyse the soul in the same way.
[ 26 ] So ersterben gleichsam die Wissenschaften von oben herunter. Und nach und nach werden die Menschen darauf kommen, daß sie zwar imstande sind, die Naturgesetze zu verwerten, daß das aber ganz unabhängig ist von der Wissenschaft. Konstruktionen von Maschinen und Werkzeugen, Telephonen und so weiter, das ist etwas ganz anderes, als die Wissenschaften richtig verstehen oder gar weiterführen. Es braucht jemand keinen Einblick zu haben in Elektrizität, und er kann doch elektrische Apparate konstruieren. Wirkliche Wissenschaft aber stirbt immer mehr und mehr ab. Und so stehen wir jetzt an dem Punkt, wo die äußere Wissenschaft tatsächlich durch die Geisteswissenschaft belebt werden muß. Gerade unser fünfter Kulturabschnitt hat auf der einen Seite die träg herabrollende Wissenschaft. Wenn die Kugel nicht weiter kann, bleibt sie eben stecken - wie bei Brentano. Daneben muß aber das Aufwärtssteigen der Menschheit immer mehr und mehr belebt werden. Und das wird es auch. Das kann nur dadurch geschehen, daß solche Bestrebungen fortgesetzt werden, die darin bestehen, das auch äußerlich gewonnene Wissen mit dem zu befruchten, was die spirituelle, die okkulte Forschung bietet.
[ 26 ] The sciences are as it were dying from above downwards. And it will gradually dawn on men that while they are certainly able to turn the laws of nature to account, this is something quite independent of science itself. To construct machines and instruments, telephones and the like, is a very different matter from a basic understanding of the sciences, let alone the ability to further their progress. A man may have no fundamental understanding of electricity and yet be able to construct electrical apparatus. Science in the real sense is, however, gradually declining and we have now reached a point where in its present form it must be given new life through spiritual science. In our fifth culture-epoch science is rolling downwards by its own momentum: when the ball can roll no further it will come to a standstill, as Brentano did. At this time, therefore, it is imperative that the ascent of humanity should be given a stronger and stronger stimulus. This will indeed take place, but only if efforts continue to be made to fertilise knowledge acquired from outside with what spiritual investigation has to offer.
[ 27 ] Es wird ja unser Zeitraum, als der fünfte nachatlantische, immer mehr einen solchen Charakter annehmen, daß, wie ich schon einmal betont habe, der alte ägyptisch-chaldäische Zeitraum wie eine Art Wiederholung innerhalb unseres eigenen Zeitraumes erscheinen wird. Da möchte ich Sie auf eines aufmerksam machen. In dieser Wiederholung sind wir auch heute noch nicht besonders weit, sondern recht sehr erst im Anfange. Wie wenig weit wir darin sind, das konnte Ihnen auch hervortreten, wenn Sie denkend betrachtet haben, was sich immerhin zugetragen hat auf verschiedenen Gebieten während unserer Generalversammlung. Da haben Sie zum Beispiel den Vortrag von Herrn Seiler über Astrologie gehört und konnten sich dabei die Empfindung doch immerhin bilden, wie Sie als Geisteswissenschafter in der Lage sind, mit den astrologischen Begriffen gewisse Vorstellungen zu verbinden, während dies aber unmöglich ist mit den Begriffen der heutigen physischen Astronomie, ohne daß alles, was die Astrologie sagt, für Unsinn angesehen werden muß. Das ist nicht eine Folge der astronomischen Wissenschaft als solcher. Die astronomische Wissenschaft ist ja diejenige, welche am ehesten Gelegenheit hat, wieder zurückgeführt zu werden in die Spiritualität. Das ist bei ihr am ehesten möglich. Aber die Gesinnung der Menschen ist sehr weit entfernt, wieder zum Spirituellen zurückzukehren. Es gäbe leicht natürlich eine Methode, um aus dem, was die Astronomie heute bietet, wieder zurückzukehren zu dem, was die Grundwahrheiten der heute so mißachteten Astrologie sind. Es wird aber noch eine Weile dauern, bis eine Brücke dazwischen geschlagen werden wird. Indessen werden ja allerlei Theorien ersonnen werden, die zum Beispiel die Planetenbewegungen und so weiter rein materialistisch erklären wollen. Schwieriger liegen die Dinge schon auf dem chemischen Gebiet und bei dem, was sich auf das Leben bezieht. Da wird die Brücke noch schwerer geschlagen werden können.
[ 27 ] As I have said before, a kind of repetition of the old Egypto-Chaldean epoch will become apparent during our own fifth epoch. This repetition is at present only just beginning. Indications of this might have become clear to you during this General Meeting. Think, for instance, of Herr Seiler's lecture on Astrology. You will have felt that as students of Spiritual Science you are able to apply to astrological concepts ideas which would be quite impossible for a conventional astronomer, who will inevitably treat anything connected with Astrology as nonsense. This has nothing to do with the intrinsic character of Astronomy. As a matter of fact, Astronomy is the science par excellence which lends itself readily to being led back again to spirituality; from what Astronomy has at present to offer it would be easy to pass to the basic truths of Astrology which is so often derided. What stands in the way is that the general attitude of mind is so far removed from any return to spirituality. It will take time to build the bridge between Astronomy and Astrology and meanwhile all sorts of theories will be devised in an attempt to give a purely materialistic explanation of the planetary movements, and so on. In the case of the chemical and biological sciences the bridge will be even more difficult to build.
[ 28 ] Am leichtesten wird es sein können auf dem Gebiete des Seelenwissens. Dazu wird nur nötig sein, daß das eingesehen wird, was den Schluß meiner «Psychosophie» bildete: daß der Strom des Seelenlebens nicht nur von der Vergangenheit in die Zukunft, sondern auch von der Zukunft in die Vergangenheit fließt, daß wir zwei Zeitströmungen haben: das Ätherische, das in die Zukunft geht, während dasjenige, was wir als Astralisches dagegen haben, von der Zukunft in die Vergangenheit zurückfließt. Auf dem Erdenrund wird vielleicht heute niemand da sein, der so etwas finden wird, wenn er nicht einen spirituellen Impuls hat. Erst wenn man einsehen wird, daß uns aus der Zukunft fortwährend etwas entgegenkommt, wird man aufsteigen zu einem wirklichen Begreifen des Seelenlebens. Anders ist es gar nicht möglich. Dieser eine Begriff wird notwendig sein. Dazu wird man sich allerdings jene Denkweise abgewöhnen müssen, die überhaupt nur mit der Vergangenheit allein rechnet, wenn sie irgendwo von Ursache und Wirkung spricht. Das werden wir nicht tun dürfen, bloß mit der Vergangenheit rechnen, sondern wir müssen von der Zukunft als von etwas Realem sprechen, das uns ebenso real entgegenkommt, wie wir nachschleppen die Vergangenheit.
[ 28 ] The building of a bridge can be easiest of all in the domain of Psychology—the science of the soul. The first requisite will be to understand the conclusion of my lectures on ‘Psychosophy’ where I showed that the stream of soul-life flows not only from the past into the future but also from the future into the past. There are two streams of time: the etheric stream, flowing into the future, and the astral stream, moving from the future back into the past. It is unlikely that anyone in the world today will discover anything of this character without a spiritual impulse, but there can be no real grasp of the life of soul until we recognise that something is perpetually coming towards us from the future. This concept is essential. We shall have to rid ourselves of the mode of thought which looks only to the past when cause and effect are being considered. We shall have to learn to speak of the future as something real, something moving towards us, just as we trail the past behind us. It will be a long time before such concepts are accepted; but until they are there will be no real Psychology.
[ 29 ] Es wird ja lange dauern, bis man diese Begriffe haben wird. Aber bis dahin wird es auch keine Psychologie geben. Das 19. Jahrhundert hat einen recht netten Begriff aufgebracht: Psychologie ohne Seele. Man ist ganz stolz auf diesen Begriff und will damit etwa folgendes sagen: Man studiere nur einfach die menschlichen seelischen Äußerungen, aber rede nicht von irgendeiner Seele, welche dem zugrunde liegt - Seelenlehre ohne Seele! Methodisch ginge das noch. Was aber dabei herausgekommen ist, das ist, wenn man einen derben Vergleich gebrauchen will, nichts anderes als eine Mahlzeit ohne Eßwaren; das ist die Psychologie. Nun sind zwar die Menschen wenig zufrieden, wenn man ihnen eine Mahlzeit gibt mit leeren Tellern, aber die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts ist wunderbar zufrieden, wenn man ihr eine Psychologie auftischt, in der verhandelt wird ohne Seele. Das hat verhältnismäßig schon sehr früh begonnen. Und da wird erst überall hineinkommen müssen spirituelles Leben.
[ 29 ] The nineteenth century produced a really bright idea: Psychology without Soul! People were very proud of it. Roughly, what it meant was that psychological study should be confined to the external manifestations of the human soul and should take no account of the soul itself from which they originated. A science of the soul without soul! As a method this might be possible; but the outcome, to use a rough analogy, is a meal without food. That is modern Psychology. People are anything but satisfied if you give them a meal with nothing on their plates, but nineteenth century science was wonderfully content with a Psychology without soul. Such a trend began at a comparatively early stage and spiritual life must flow as a strong impulse into this whole domain.
[ 30 ] So haben wir zu verzeichnen bei uns die Anfänge von ganz neuem Leben. Gleichsam versiegt ist das Alte, und neues Leben muß sich entwickeln. Das müssen wir fühlen. Wir müssen fühlen, daß eine uralte Weisheit uns gegeben war aus der alten atlantischen Zeit, daß diese nach und nach versiegt ist, und daß wir vor die Aufgabe gestellt werden, in unseren jetzigen Inkarnationen damit zu beginnen, immer mehr und mehr eine neue Weisheit zu sammeln, die für die Menschheit der späteren Zeiten vorhanden sein wird. Daß dies möglich ist, dazu ist der Christus-Impuls da. Der wird lebendige Wirksamkeit immerfort entwickeln. Und man wird aus dem Christus-Impuls vielleicht am meisten dann herausarbeiten, wenn alle Tradition und was sich äußerlich historisch daran geknüpft hat, erstorben sein wird, wenn man zu dem wirklichen, echten, historischen Christus selber gekommen sein wird.
[ 30 ] The old life has come to an end and a new life must begin. We must feel that there was given to us from the ancient Atlantean epoch a primeval wisdom which has gradually withered away and that in our present incarnation we are faced with the task of gathering a new wisdom for the men of a later time. To make this possible was the purpose of the Christ Impulse, and the activity and power of that Impulse will continually increase. It may be that the Christ Impulse will work most strongly when all tradition—in history too—has died away and men find their way to Christ Himself as the true reality.
[ 31 ] So können wir sehen, daß sich wirklich die nachatlantische Zeitentwickelung auch vergleichen läßt mit einem einzelnen Menschenleben; daß es auch eine Art Makrokosmos ist, der dem Mikrokosmos Mensch gegenübersteht. Aber in einer sehr eigenen Lage ist der einzelne Mensch. Was bleibt ihm schließlich für die zweite Lebenshälfte, als das, was er sich selber in der ersten Hälfte angeeignet hat, zu verarbeiten? Und wenn es aufgezehrt ist, folgt der Tod. Sieger sein über den Tod kann nur der Geist, der in einer neuen Inkarnation das fortentwickelt, was allmählich, wenn wir die Hälfte unseres Lebens überschritten haben, anfängt abzusterben. Wir haben eine aufsteigende Entwickelung bis zu unserem fünfunddreißigsten Lebensjahr, dann beginnt eine absteigende Entwickelung. Der Geist aber steigt erst recht auf. Und was er dann in der zweiten Hälfte nicht mehr in die Leiblichkeit hineinentwickeln kann, das kann er in einer nachfolgenden Inkarnation zur Blüte bringen. So sehen wir nach und nach den Körper absterben und den Geist nach und nach zur Blüte kommen.
[ 31 ] You can see, then, that the course of post-Atlantean evolution and the life of an individual human being are comparable as Macrocosm with Microcosm. But the individual is in a strange situation. What is there left to him in the second part of his life but to absorb and assimilate what he acquired for himself in the first half? And when that is all used up, death follows. The spirit alone can be victorious over death and carry forward into a new incarnation what begins to decay after the half-way point of life has been passed. Development is on the ascent until the thirty-fifth year. After that there is decline. But it is precisely then that the spirit takes a hand. What it cannot incorporate into the bodily nature of man during the second half of life it brings to blossom in a later incarnation. As the body withers the spirit gradually comes to fruition.
[ 32 ] Der Makrokosmos der Menschheit zeigt uns ein ganz ähnliches Bild. Bis zur vierten nachatlantischen Kulturperiode haben wir eine jugendlich aufwärts strebende Kulturentwickelung, von da ab ein richtiges Absterben. Tod überall in bezug auf die Entwickelung des menschlichen Bewußtseins, zu gleicher Zeit aber das Einschlagen eines neuen geistigen Lebens. Das wird sich wieder inkarnieren als geistiges Leben der Menschheit in dem auf den jetzigen Kulturzeitraum folgenden Zeitabschnitt. Da muß der Mensch ganz bewußt an dem arbeiten, was sich wieder inkarnieren soll. Das andere ist dabei abzusterben, richtig abzusterben. Und wir sehen prophetisch hinein in die Zukunft: Es entstanden und es entstehen viele Wissenschaften, zum Segen natürlich für die nachatlantische Kulturzeit, aber sie gehören zum Absterbenden. Dasjenige unmittelbare Leben, das hineingegossen wird in das menschliche Leben unter dem unmittelbaren Einfluß des Christus-Impulses, das wird in Zukunft so aufleben, wie das atlantiische Wissen in den heiligen Rishis aufgelebt war.
[ 32 ] The macrocosm of humanity as a whole reveals a similar picture. Until the fourth post-Atlantean epoch there is a youthful, thriving development of culture. From then onwards there is a decline—symptoms of death everywhere in the evolution of human consciousness, but at the same time the inflow of new spiritual life which will incarnate again as the spiritual life of humanity in the culture-epoch following our own. But man must work with full consciousness on what is subsequently to incarnate again. The rest will die away. We can look prophetically into the future and see the birth of many sciences seeming to benefit post-Atlantean civilisation although they belong to what is dying. But the life that is poured into humanity under the direct influence of the Christ Impulse will come to manifestation in the future just as the Atlantean knowledge came again to manifestation in the holy Rishis.
[ 33 ] Vom Kopernikanismus kennt man heute in der äußeren Wissenschaft nur den Teil, der zum Absterbenden gehört. Der Teil, der weiterleben soll, was vom Kopernikanismus fruchtbar werden soll nicht nur das, wodurch er durch die vier Jahrhunderte schon gewirkt hat, sondern was weiterleben soll -, das muß sich die Menschheit erst erobern. Denn des Kopernikus Lehre ist nicht so wahr, wie sie heute gegeben wird. Erst die geistige Forschung wird das ergeben. So ist es mit dem, was die Menschheit heute für das Wahrste hält, schon in der Astronomie. Und so wird es sein mit allem übrigen, was heute unter den Menschen als Wissen gilt. Und wahr ist es, was Sie als Wissenschaft heute finden, nutzbringend kann es sein, darin liegt die Nützlichkeit. Insofern die heutige Wissenschaft Technik wird, ist sie gerechtfertigt. Insofern sie etwas geben will für das menschliche Wissen, ist sie totes Produkt. Nützlich ist sie für das unmittelbare Handwerk der Menschheit. Dazu ist sie gut, und dazu braucht sie keinen spirituellen Inhalt. Insofern sie etwas ausmachen will über die Geheimnisse des Weltalls, gehört sie zur absterbenden Kultur. Und um die Kenntnis über die Geheimnisse des Weltalls zu bereichern, müßte sie alles, was heute als äußere Wissenschaft geboten wird, beleben mit dem, was von der spirituellen Wissenschaft kommt.
[ 33 ] Ordinary science knows of the Copernican system only that part which is in process of dying. The part that will live on and bear fruit—and that is not the part that has been influential for four centuries—must now be mastered by men through their own efforts. Copernicanism as presented to-day is not strictly true. Spiritual investigation alone can reveal its real truth. The same holds good for Astronomy, and for everything else that is regarded as knowledge to-day. Science can of course be of practical use and as technology completely justified. But in so far as it pretends to contribute to human knowledge in its real form, it is a dead product. It is useful for the immediate handiwork of men and for that no spiritual content is necessary. But as far as it purports to have anything vital to say about the mysteries of the Universe it belongs to the culture that is dying. If knowledge of the mysteries of the Universe is to be enriched, the orthodox science of to-day must be imbued with life through the findings of Spiritual Science.
[ 34 ] Das sollte eine Vorbereitung sein für die Betrachtungen über das Markus-Evangelium, mit denen wir nun beginnen werden. Vorher aber brauchte ich einen Hinweis auf die Notwendigkeit des größten spirituellen Einschlages in der Zeit, als die Menschheit eigentlich von der Spiritualität nur noch den letzten, den dünnsten Faden hatte.
[ 34 ] The foregoing lectures were intended as an introduction to the study of St. Mark's Gospel which we shall now begin. I had first to show how essential this greatest of all spiritual impulses was for human evolution just at the time when only the last, most tenuous threads of spirituality remained to mankind.
