Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124
6 December 1910, Berlin
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Excursions into the Subject of the Gospel of Mark, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Aus meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» konnten Sie alle entnehmen, daß die Evangelien, wenn man sie richtig verstehen will, in einer ganz gewissen Weise aufgefaßt werden müssen. Indem ich nun die Betrachtungen über die Evangelien in diesem Winter hier fortsetze, bemerke ich ausdrücklich, daß es ja nicht möglich ist, daß für die jüngeren Mitglieder sozusagen immer wieder vom Anfange angefangen wird, und daß daher gewiß manches in den Ausführungen, die da kommen werden, für jüngere Mitglieder schwer verständlich sein wird. Es ist bereits gelegentlich der Generalversammlung gesagt worden, wie notwendig es ist, daß die jüngeren Mitglieder an den Kursen teilnehmen, die eingerichtet worden sind, damit das Frühere immer nachgeholt werden kann, denn sonst könnten wir nicht weiterschreiten. Aber ich möchte dabei eines ganz besonders bemerken: Es scheint eben nicht durchführbar zu sein, daß die jüngeren Mitglieder wirklich energisch daran arbeiten, die Anfangspartien des geisteswissenschaftlichen Lebens nachzuholen. Deshalb wird es immer wieder und wieder vorkommen - ich will jetzt hypothetisch davon reden -, daß die jüngeren Mitglieder dieses oder jenes, was gewissermaßen den höheren Gebieten der Geisteswissenschaft angehört und gewisse Voraussetzungen macht, unverständlich finden werden und sich deshalb ein ganz sonderbares Urteil über Geisteswissenschaft bilden werden. Das liegt dann an den entsprechenden Mitgliedern, und nicht an dem, was gemeint ist.
[ 1 ] As you all know from my book *Christianity as a Mystical Fact*, if one wishes to understand the Gospels correctly, they must be interpreted in a very specific way. As I now continue my reflections on the Gospels here this winter, I would like to expressly note that it is not possible to, so to speak, start from the beginning again and again for the younger members, and that therefore some aspects of the explanations to follow will certainly be difficult for younger members to understand. It has already been mentioned on the occasion of the General Assembly how necessary it is for the younger members to participate in the courses that have been established so that what was covered earlier can always be made up, for otherwise we could not proceed further. But I would like to note one thing in particular: It simply does not seem feasible for the younger members to really work energetically to catch up on the introductory parts of spiritual scientific life. Therefore, it will happen again and again—I will speak hypothetically here—that the younger members will find this or that, which belongs, so to speak, to the higher realms of spiritual science and requires certain prerequisites, incomprehensible, and will therefore form a very peculiar opinion of spiritual science. This is then due to the members in question, and not to what is intended.
[ 2 ] In meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» ist gezeigt worden, daß wir die Evangelien im wesentlichen aufzufassen haben als Einweihungsbücher. Das heißt, daß diese Evangelien im Grunde genommen nichts anderes sind als in gewisser Art umgeschriebene, alte Einweihungsritualien. Was wird in solchen alten Einweihungs- oder Initiationsvorschriften gestanden haben? In ihnen war vorzugsweise enthalten, wie der Kandidat für die Schulung zu den höheren Welten stufenweise seinen Weg hinaufgeführt werden sollte, wie er nach und nach gewisse innere Erlebnisse, gewisse Erlebnisse seiner Seele durchzumachen hatte, wie er die in seiner Seele schlummernden Kräfte zur Erweckung zu bringen hatte; wie sich eine höhere Stufe an eine niedere angliederte, bis zu jener Stufe der Initiation hinauf, auf welcher hereinbricht in die Seele des zu Initiierenden die geistige Welt, auf welcher an ihn herankommen die Geheimnisse der geistigen Welt. Dann kann er also hineinschauen in diese geistige Welt, kann zum Beispiel schauen die verschiedenen Wesenheiten der einzelnen Hierarchien, wie wir sie im Laufe der Zeit aufgezählt und auch in mancherlei Zusammenhängen charakterisiert haben. Was also der Einzuweihende zu tun hat, war der Inhalt solcher Einweihungsbücher.
[ 2 ] In my book *Christianity as a Mystical Fact*, it has been shown that we must essentially regard the Gospels as books of initiation. This means that these Gospels are, in essence, nothing other than ancient initiation rituals rewritten in a certain way. What would have been contained in such ancient initiation or initiation manuals? They primarily described how the candidate for training in the higher worlds was to be guided step by step on his path upward, how he was to undergo certain inner experiences, certain experiences of his soul, and how he was to awaken the powers slumbering within his soul; how a higher stage was linked to a lower one, all the way up to that stage of initiation where the spiritual world breaks into the soul of the initiate, where the mysteries of the spiritual world come to him. Then he can look into this spiritual world; he can, for example, see the various beings of the individual hierarchies, as we have enumerated them over time and also characterized them in various contexts. What the initiate must do, then, was the content of such initiation books.
[ 3 ] Wenn wir nun die vorchristlichen Zeiten verfolgen, so finden wir, daß zahlreiche Menschen in den verschiedenen Mysterienstätten eingeweiht wurden - nicht immer in der ganz gleichen, aber im wesentlichen in derselben Art - und hinaufgeführt wurden die Stufen bis zu jenem Punkt, wo sie hineinschauen konnten in die geistige Welt, wo sie die Wesenheiten der einzelnen Hierarchien geisthaft - im Gegensatz zu leibhaft - vor sich haben konnten. Das war so in den vorchristlichen Zeiten. Was bedeutet das Christentum gegenüber diesen Eingeweihten der alten Mysterien? Was bedeutet ihnen gegenüber der Christus-Impuls? Er bedeutet, daß eine Wesenheit, die äußerlich für die Wahrnehmung des physischen Planes bekannt war als Jesus von Nazareth, nicht auf dem gewöhnlichen Wege der alten Mysterien, nicht so wie es in den vorchristlichen Zeiten immer üblich war, die Geheimnisse der geistigen Welt offenbarte, sondern in einer andern Art. Eine Persönlichkeit, die im Sinne der alten Einweihungsritualien initiiert worden war, konnte, wenn das große Ereignis, das ich eben charakterisiert habe, an ihrer Seele vorbeigegangen war, hinaustreten zu den andern Menschen und sprechen von den Geheimnissen der geistigen Reiche. Nun war aber mit dem Christus-Ereignis etwas da, wodurch die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth von den Geheimnissen der geistigen Reiche sprechen konnte, ohne auf dem von altersher üblichen Wege dazu geführt worden zu sein. Denn diese Persönlichkeit des Jesus von Nazareth wurde dazu geführt dadurch, daß sie bei der sogenannten Jordan-Taufe in sich empfing den Christus-Geist. Von dem Augenblick an, da diese Persönlichkeit bei der Jordan-Taufe, also in einem historischen Ereignis, sozusagen weltgeschichtlich eingeweiht wurde, von diesem Moment an sprach der Christus-Geist — aber in einer viel höheren Weise - von den Geheimnissen der geistigen Reiche zur Umwelt. Es war also mit dem Christus etwas da auf dem physischen Plan, offen für alle Welt, was vorher nur in den Tiefen der Mysterien bis zu einem gewissen Grade eben für die Einzuweihenden erreichbar war, so daß sie dann hinausgehen konnten, um von den Geheimnissen der geistigen Reiche zu ihren Mitmenschen zu reden. Wenn wir uns die Sache bildlich vorstellen wollten, könnten wir sagen: Wir blicken hinein in die alten Mysterientempel und sehen, wie von dem Hierophanten die Persönlichkeiten eingeweiht wurden, so daß sie hineinschauen konnten in die geistigen Reiche und dann hinausgehen und lehren konnten von der geistigen Welt. Das alles entwickelte sich immer in dem tiefsten Geheimnis der Mysterientempel. Und in der Außenwelt, außerhalb der Mysterien, war so etwas wie ein Hinaufgelangen zu der Möglichkeit, von den geistigen Reichen zu sprechen, nicht dagewesen. Jetzt war das, was oft und oft in den Tiefen der Mysterien geschehen war, gleichsam herausgetragen nach Palästina, stellte sich dar als weltgeschichtliches Ereignis, als die Entwickelung des Jesus von Nazareth, stellte sich dar als weltgeschichtliche Initiation in dem Mysterium von Golgatha. Also das Mysterium wie hinausgetragen in die Weltgeschichte, hingestellt als historische Tatsache vor aller Welt - so haben wir den Zusammenhang des Mysteriums von Golgatha mit den Mysterien der alten heiligen Tempel aufzufassen.
[ 3 ] If we now look back at pre-Christian times, we find that numerous people were initiated in the various mystery sites—not always in exactly the same way, but essentially in the same way—and were led up the steps to the point where they could look into the spiritual world, where they could perceive the beings of the individual hierarchies spiritually—as opposed to physically—before them. That was the case in pre-Christian times. What does Christianity mean in relation to these initiates of the ancient mysteries? What does the Christ impulse mean to them? It means that a being who was known externally on the physical plane as Jesus of Nazareth did not reveal the mysteries of the spiritual world through the ordinary path of the ancient mysteries, not as was always customary in pre-Christian times, but in a different way. A personality who had been initiated in the sense of the ancient initiation rituals could, once the great event I have just described had passed through their soul, step out among other people and speak of the mysteries of the spiritual realms. But with the Christ event, something came into being through which the personality of Jesus of Nazareth could speak of the mysteries of the spiritual realms without having been led to it in the manner customary since ancient times. For this personality of Jesus of Nazareth was led to this by the fact that, at the so-called Jordan baptism, he received the Christ Spirit within himself. From the moment this personality was, so to speak, initiated into world history through the baptism in the Jordan—that is, in a historical event—from that moment on, the Christ Spirit spoke—but in a far higher way—of the mysteries of the spiritual realms to the world around him. So with the Christ, there was something on the physical plane, open to the whole world, which previously had been accessible only to a certain degree in the depths of the mysteries to those who were to be initiated, so that they could then go out and speak to their fellow human beings about the mysteries of the spiritual realms. If we were to visualize the matter, we could say: We look into the ancient mystery temples and see how the Hierophant initiated the individuals, so that they could look into the spiritual realms and then go out and teach about the spiritual world. All of this always unfolded in the deepest secrecy of the mystery temples. And in the outer world, outside the mysteries, there had been no such thing as an ascent to the possibility of speaking of the spiritual realms. Now what had happened time and again in the depths of the Mysteries was, as it were, carried out into Palestine, presenting itself as a world-historical event, as the development of Jesus of Nazareth, presenting itself as a world-historical initiation in the Mystery of Golgotha. Thus, the Mystery as it were carried out into world history, presented as a historical fact before the whole world—this is how we must understand the connection between the Mystery of Golgotha and the Mysteries of the ancient sacred temples.
[ 4 ] Nun waren diese Einweihungsvorschriften, wenn sie auch im wesentlichen dieselben Stufen überall enthielten, doch bei den verschiedenen Völkern an den verschiedenen Orten der Erde durch dieses oder jenes im einzelnen verschieden, angepaßt den menschlichen Individualitäten nach Zeit und Raum. Versetzen wir uns einmal mit dem, was wir jetzt eben gesagt haben, in die Seele einer derjenigen Persönlichkeiten, die, wie man sie gewöhnlich nennt, als Evangelisten beteiligt sind an der Niederschrift unserer Evangelien. Solche Persönlichkeiten kannten durch ihre eigene okkulte Schulung in einer gewissen Weise die Einweihungsvorschriften dieser oder jener Völker, dieser oder jener Mysterien. Sie wußten, was man durchzumachen hatte, um hinaufzugelangen zu der Möglichkeit, die Geheimnisse der geistigen Reiche und der geistigen Hierarchien zu verkünden. Und jetzt hatten sie wahrgenommen durch die Ereignisse von Palästina und durch das Mysterium von Golgatha, daß dasjenige, was man sonst nur sehen konnte, wenn man ein Eingeweihter der Mysterientempel war, sich draußen auf dem großen Plan der Weltgeschichte abgespielt hatte für alle Menschen und sich nun immer mehr und mehr einbürgern sollte in die Herzen und Gemüter aller Menschen.
[ 4 ] Now, although these initiation rites essentially followed the same stages everywhere, they differed in detail among the various peoples in different parts of the world, adapted to human individualities according to time and place. Let us now, with what we have just said, place ourselves in the soul of one of those personalities who, as they are commonly called, participated as evangelists in the writing of our Gospels. Through their own occult training, such personalities were in a certain sense familiar with the initiation rites of this or that people, of this or that mystery. They knew what one had to go through to attain the ability to proclaim the mysteries of the spiritual realms and the spiritual hierarchies. And now, through the events in Palestine and the Mystery of Golgotha, they had perceived that what one could otherwise see only as an initiate of the Mystery temples had unfolded out in the great scheme of world history for all people and was now to become ever more deeply rooted in the hearts and minds of all people.
[ 5 ] Die Evangelisten waren nicht Biographen in unserem Sinne, wo man das in die Biographien schreibt, was die Welt eigentlich nichts angeht und was kein Mensch von irgendeiner wirkenden Persönlichkeit zu wissen braucht. Sie waren keine Biographen, die jede Privatangelegenheit aufstöberten, sondern sie waren in dem Sinne Beschreiber des Christus-Lebens, daß sie sagten: Da hat sich mit dem Jesus von Nazareth, in dem der Christus gewesen ist, etwas zugetragen, was wir immer wieder und wieder gesehen haben in den Mysterien, dort aber nicht als historisches Ereignis zusammengezogen auf einzelne Jahre. Hier dagegen ist es historisches Ereignis geworden, aber es ist eine Wiederholung der Tempelritualien. Wir könnten also das Jesus-Leben beschreiben, wenn wir angeben die Stufen, die sonst bei den Einweihungen durchgemacht wurden.
[ 5 ] The evangelists were not biographers in our sense of the word, where biographies include details that are none of the world’s business and that no one needs to know about any influential figure. They were not biographers who dug up every private matter, but rather they were, in a sense, chroniclers of the life of Christ in that they said: Something happened with Jesus of Nazareth, in whom Christ was present, which we have seen time and again in the Mysteries, though there it was not condensed into individual years as a historical event. Here, on the other hand, it has become a historical event, but it is a repetition of the temple rituals. We could therefore describe the life of Jesus by outlining the stages that were otherwise undergone during the initiations.
[ 6 ] Deshalb nehmen sich die Evangelien aus wie sozusagen in Weltgeschichte umgesetzte Einweihungsvorschriften. Wir finden die Einweihungsvorschriften der alten Mysterien wieder in den Evangelien, aber so, daß in einer gewissen Weise der Grund angegeben wird, warum das, was sich früher in den Tiefen der Tempel zugetragen hat, herausgetreten ist auf den großen Plan der Weltgeschichte. Das finden wir in einer gewissen Weise motiviert. Und man darf sagen, derjenige Evangelist, der gleich mit dieser Begründung beginnt, der gleich von Anfang an sagt, warum er eigentlich in die Lage gekommen ist, von einem welthistorischen Ereignis zu schreiben, das eine ins Große umgesetzte Einweihungsvorschrift erfüllt, das ist der Schreiber des Markus-Evangeliums. Er spricht von Anfang an aus, wie die Menschheit sich entwickelt hat, damit dieses große Ereignis eintreten konnte, daß die Einweihung aus den Tempeltiefen hinausgetragen werden konnte auf den Plan der Weltgeschichte. Er macht von vornherein darauf aufmerksam, daß es zusammenhängt mit einem über alle Maßen wichtigen Ereignis der ganzen Menschheitsentwickelung, das insbesondere die hebräischen Propheten den Menschen vorausgesagt haben. Denn was eingetreten ist in Palästina als Mysterium von Golgatha, das haben die wahren Eingeweihten - und zu denen gehören in einem gewissen Sinne die hebräischen Propheten - vorausgesehen und vorausgesagt.
[ 6 ] That is why the Gospels appear, so to speak, as initiation rites transposed into world history. We find the initiation rites of the ancient mysteries again in the Gospels, but in such a way that, in a certain sense, the reason is given as to why what formerly took place in the depths of the temples has emerged onto the grand stage of world history. We find this explained in a certain way. And one might say that the evangelist who begins right away with this explanation—who states from the very beginning why he has actually come to write about a world-historical event that fulfills an initiation precept transposed on a grand scale—is the author of the Gospel of Mark. From the very beginning, he describes how humanity has developed so that this great event could take place, so that the initiation could be carried out of the depths of the temple onto the stage of world history. He points out from the outset that it is connected to an event of immense importance in the entire development of humanity, one that the Hebrew prophets in particular foretold to the people. For what took place in Palestine as the Mystery of Golgotha was foreseen and foretold by the true initiates—and to this group the Hebrew prophets belong, in a certain sense.
[ 7 ] Wenn wir uns versetzen in die Seele eines solchen Menschen wie der Prophet Jesajas, von dem gerade das Markus-Evangelium ausgeht, dann haben wir in seinen Worten etwa das Folgende gegeben. Er sagt: Es wird eine Zeit kommen, in der es in den menschlichen Seelen anders ausschauen wird als jetzt; aber diese Zeit bereitet sich jetzt schon vor. — Dies meinte Jesajas zu seiner eigenen Zeit. Was also wollte der Prophet Jesajas sagen? Sie wissen ja, daß das Markus-Evangelium gleich beginnt mit der Anführung der gewaltigen Worte dieses Propheten. Sie kennen diese Worte, wie sie gebräuchlich sind, und wie sie im Markus-Evangelium etwa in der folgenden Weise angeführt werden. Ich will eine übliche Übersetzung dieser Worte nehmen, wie sie in der Carl Weizsäckerschen Übersetzung stehen.
[ 7 ] If we put ourselves in the mind of a man like the prophet Isaiah, from whom the Gospel of Mark begins, we find the following in his words. He says: A time will come when the state of human souls will be different from what it is now; but that time is already being prepared. — This is what Isaiah meant in his own time. So what did the prophet Isaiah want to say? You know, of course, that the Gospel of Mark begins immediately with the quotation of this prophet’s powerful words. You are familiar with these words as they are commonly used, and as they are quoted in the Gospel of Mark in roughly the following manner. I will use a common translation of these words, as they appear in Carl Weizsäcker’s translation.
[ 8 ] «Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der soll dir den Weg bereiten. Hört, wie es ruft in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn, macht eben seine Pfade.»
[ 8 ] “Behold, I send my messenger ahead of you, who will prepare your way. Listen! A voice cries out in the wilderness: ‘Prepare the way of the Lord; make his paths straight.’”
[ 9 ] So stehen sie in einer als außerordentlich gut für die deutsche Evangelienliteratur geltenden Übersetzung.
[ 9 ] This is how they appear in a translation considered to be exceptionally good within the field of German Gospel literature.
[ 10 ] Diese Worte des Jesajas sind in der Tat diejenigen, durch die der Prophet hinweist auf das große Ereignis der Weltgeschichte in Palästina, auf das Mysterium von Golgatha. Sie wissen, wieviel Mühe wir gehabt haben bei der Betrachtung der andern Evangelien, um die maßgebenden Stellen in einer einigermaßen verständigen Weise in unser Deutsch hereinzubringen. Es handelt sich ja bei diesen Dingen nicht darum, daß man eine lexikale Übersetzung gibt, sondern daß man die betreffenden Wendungen so herüberbringt, daß der tiefe, bedeutungsvolle Sinn, der gemeint ist, uns aus den deutschen Worten ebenso entgegentönen kann, nicht nur für unsere theoretische Auffassung, sondern auch für unser ganzes Fühlen, wie er entgegentönte denen, die die ganze Eigenart der damaligen Sprechweise kannten. Denn die damalige Sprechweise war total anders als die heutige. Vor allem muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß jene Sprechweise nicht so abstrakt, so nüchtern und philiströs war wie unser heutiger Sprachgebrauch; sondern die Sprechweise und die ganze Art und Weise des Ausdrucks war so, daß man immer einen reicheren Sinn, eine reichere Bedeutung, eine gewisse Inhaltsfülle heraushörte neben dem unmittelbaren Wortsinn, und doch aber wieder in eindeutiger Weise wußte, was diese Inhaltsfülle war. Wesentlich ist zu erfassen, daß man viel mehr eine Welt hörte aus den Worten, als heute die Menschen gewöhnt sind bei dem zu hören, was man sagt. Nun ist es gerade eine Eigentümlichkeit der alten hebräischen Sprache, ungeheuer reich in dieser Beziehung zu sein, hinter den Worten geradezu ganze Welten zu verbergen, während man ein Bild brauchte, das ganz und gar bloß von der Sinneswelt genommen war. Solche Ausdrücke wie «bereitet den Weg» oder «macht eben die Pfade», das sind Bilder, die von der Sinneswelt genommen sind - wie man einen Weg bereitet mit Schaufeln und Spaten. Wenn man so etwas aussprach, war es eine Eigentümlichkeit dieser gegenüber allen anderen besonders großartigen Sprache, daß hinter diesen Ausdrücken, die äußerlich auf etwas angewendet wurden, eben ganze geistige Welten steckten — aber in eindeutiger Weise, so daß man nicht in beliebiger Art auslegen kann, wie es zum Beispiel unsere modernen Gelehrten mit den Dichtern tun, indem sie alles mögliche hineinlesen. Man konnte nicht in beliebiger Weise alles mögliche in die Dinge hineingeheimnissen. Das beruhte zum Teil darauf, daß in der althebräischen Sprache die Möglichkeit vorhanden war, durch das persönliche Gebrauchen der ja in der Schrift nicht ausgedrückten Vokalisierung im Laute ganze Weltengeheimnisse zu geben. Es war ein Gefühl vorhanden für solche Weltengeheimnisse.
[ 10 ] These words of Isaiah are, in fact, those through which the prophet points to the great event in world history that took place in Palestine: the mystery of Golgotha. You know how much effort we had to put into the other Gospels to render the key passages into German in a reasonably intelligible way. After all, the point with these matters is not to provide a lexical translation, but to render the relevant phrases in such a way that the deep, meaningful sense intended can resonate with us just as strongly through the German words, not only for our theoretical understanding, but also for our entire sensibility, just as it resonated with those who knew the full character of the speech of that time. For the speech of that time was entirely different from today’s. Above all, it must be pointed out that that speech was not as abstract, as sober, and as philistine as our current usage; but rather the manner of speech and the entire mode of expression were such that one always discerned a richer sense, a richer meaning, a certain fullness of content alongside the immediate literal meaning, and yet still knew in an unambiguous way what this fullness of content was. It is essential to grasp that one heard a much richer world in the words than people today are accustomed to hearing in what is said. Now, it is precisely a peculiarity of the ancient Hebrew language to be immensely rich in this regard, to conceal entire worlds behind the words, while using an image taken entirely from the sensory world. Expressions such as “prepare the way” or “make the paths straight”—these are images taken from the sensory world—just as one prepares a path with shovels and spades. When one spoke of such things, it was a peculiarity of this language—which was particularly magnificent compared to all others—that behind these expressions, which were outwardly applied to something, lay entire spiritual worlds—but in an unambiguous way, so that one cannot interpret them in any arbitrary manner, as our modern scholars do with the poets, for example, by reading all sorts of things into them. One could not arbitrarily imbue things with all manner of mysteries. This was due in part to the fact that in the ancient Hebrew language, it was possible to convey the secrets of entire worlds through the personal use of vocalization—which, though not expressed in writing, was present in the sound. There was a sense of such cosmic mysteries.
[ 11 ] Im Griechischen - in dieser Sprache haben wir ja zunächst den Text der Evangelien - ist dies schon nicht mehr in so starkem Maße der Fall. Dennoch wäre es noch immer möglich, auch ohne Okkultismus aus dem Griechischen viel bessere Übersetzungen aus den betreffenden Dingen herauszuholen, als es von denen geschehen ist, welche die Evangelien übersetzt haben. Denn im Grunde genommen hat immer nur einer den andern abgeschrieben, ohne daß man auch nur philologisch darangegangen wäre zu prüfen, wie es sich mit der Sache verhält, wenn man den griechischen Text vor sich hat. Ich werde Ihnen an einzelnen Beispielen später zeigen, der Vollständigkeit wegen, wie man Fehler gemacht hat und so weiter. Heute will ich aber unsere Betrachtungen damit nicht aufhalten, sondern ich will versuchen, nicht philologisch, sondern mit Zuhilfenahme dessen, was man aus der geistigen Forschung wissen kann, einiges Wesentliche aus dem Beginn des Markus-Evangeliums Ihnen vor Augen zu führen. So möchte ich zunächst einmal die so maßgebende Stelle anführen, durch die aus der Prophetie des Jesajas gezeigt werden soll, was kommen soll mit dem Ereignis von Palästina, damit Sie herausfühlen können, was damit gemeint ist.
[ 11 ] In Greek—the language in which the Gospels were originally written—this is no longer the case to such a great extent. Nevertheless, even without resorting to occultism, it would still be possible to produce much better translations of the relevant passages from the Greek than those produced by the translators of the Gospels. For, essentially, one translator simply copied from another, without anyone even attempting a philological examination of the matter when the Greek text was at hand. For the sake of completeness, I will show you later, using specific examples, how mistakes were made and so on. But today I do not wish to delay our reflections with that; rather, I will attempt—not philologically, but with the aid of what can be known from spiritual research—to present to you some essential points from the beginning of the Gospel of Mark. So I would like to begin by citing the key passage from Isaiah’s prophecy that is intended to reveal what is to come with the events in Palestine, so that you may sense what is meant by it.
[ 12 ] Der griechische Text heißt ja:
[ 12 ] The Greek text reads:
Ἰδοὺ, ἀποστέλλω τὸν ἄγγελόν μου πρὸ προσώπου σου, ὃς κατασκευάσει τὴν ὁδόν σου.
Φωνὴ βοῶντος ἐν τῇ ἐρήμῳ, Ἑτοιμάσατε τὴν ὁδὸν Κυρίου, εὐθείας ποιεῖτε τὰς τρίβους αὐτοῦ.(Idou egō apostellō ton angelon mou pro prosōpou sou, hos kataskeuasei tēn hodon sou emprosthen sou,
Phōnē boōntos en tē erēmō: Hetoimasate tēn hodon Kyriou, eutheiās poieite tās tribous autou.)
Behold, I am sending my messenger ahead of you, who will prepare your way.
A voice of one crying out in the wilderness: ‘Prepare the way of the Lord; make his paths straight.’(Idou egō apostellō ton angelon mou pro prosōpou sou, hos kataskeuasei tēn hodon sou emprosthen sou,
Phōnē boōntos en tē erēmō: Hetoimasate tēn hodon Kyriou, eutheiās poieite tās tribous autou.)
[ 13 ] Es kommt nun vor allen Dingen darauf an, daß wir uns klar sind, daß das Wort Angelos, Bote oder Engel, in diesen alten Zeiten nur in dem Sinne gebraucht worden ist, wie wir es im Sinne unserer Hierarchien-Darstellung brauchen, also als Bezeichnung für solche Wesenheiten, die in der Hierarchie, wenn man von oben nach unten geht, dem Menschen unmittelbar vorangehen. Man muß es fühlen, wenn hier steht τὸν ἄγγελόν, daß da eine Wesenheit gerade aus dieser Stufe der Hierarchien gemeint ist. Fühlt man das nicht, so kann man die ganze Stelle überhaupt nicht verstehen. Deshalb kann auch nur die Geisteswissenschaft die Grundlage bilden zum Verständnis einer solchen Sache. Wenn wir sie aber richtig verstehen, können wir uns dadurch eine Grundlage schaffen für das, was der Okkultismus über das Christus-Ereignis zu sagen hat. Denn was ist das Wesentliche des Christus-Impulses? Wir haben es so gesagt: Es ist durch den Christus-Impuls das volle Bewußtsein erst dafür in die Menschenseele gekommen, daß in der menschlichen Seele ein Ich Platz greifen soll, ein selbstbewußtes Ich, und daß aus diesem selbstbewußten Ich heraus nach und nach im Verlaufe der folgenden Erdenentwickelung alle die Geheimnisse kommen müssen, die früher durch eine Art natürlichen Hellsehens aus dem astralischen Leib heraus gekommen sind.
[ 13 ] It is now of the utmost importance that we understand clearly that the word Angelos, messenger or angel, was used in those ancient times only in the sense in which we use it in our description of the hierarchies—that is, as a designation for those beings who, in the hierarchy, when proceeding from top to bottom, immediately precede human beings. One must sense, when it says here τὸν ἄγγελόν, that a being from precisely this level of the hierarchies is meant. If one does not sense this, one cannot understand the entire passage at all. That is why only spiritual science can form the basis for understanding such a matter. But if we understand it correctly, we can thereby create a foundation for what occultism has to say about the Christ event. For what is the essence of the Christ impulse? We have put it this way: It is through the Christ impulse that full consciousness first entered the human soul regarding the fact that an “I” is to take hold in the human soul—a self-conscious “I”—and that from this self-conscious “I,” in the course of subsequent earthly development, all the mysteries must gradually emerge that previously came forth from the astral body through a kind of natural clairvoyance.
[ 14 ] Es ist vorangegangen der Zeit, in der wir leben, diese andere Zeit, in der die Menschen noch bis zu einem gewissen Grade in der nachatlantischen Kultur ein natürliches Hellsehen gehabt haben, durch das sie hineinblicken konnten in die geistige Welt. Da strömten in gewissen abnormen Zuständen der Seele die Geheimnisse der geistigen Welt herunter; da sahen die Menschen hinauf in die Hierarchien. Natürlich am meisten und am längsten sahen sie zu derjenigen Hierarchie, die dem Menschen am allernächsten steht, zu der Hierarchie der Engel. Als unmittelbar über dem Menschen stehende Wesenheiten sahen sie die Engel. Von sich selbst nahm der Mensch in diesen Zeiten alten Hellsehens noch nicht wahr, daß er in sich selber etwas hatte, was ihn hinaufführen sollte in die geistige Welt. Er mußte es ansehen als eine ihm von äußeren Mächten erwiesene Gnade, als ein Hereinschicken der geistigen Mächte in die Seele. Daher konnten die Propheten in der folgenden Art hinweisen auf die Zukunft: Es wird die Zeit kommen, da wird der Mensch sein Ich fühlen; da wird er wissen, daß es das selbstbewußte Ich ist, woraus die Geheimnisse der geistigen Welten heraussprießen sollen. Alles muß in der Zeit kommen. Aber die Zeit wird kommen, wo der Mensch sagen kann: Wenn ich mein Ich in mir habe, so dringe ich aus der Kraft des Ich heraus hinauf in die Geheimnisse der geistigen Welt.
[ 14 ] The time in which we live was preceded by another era, when people still possessed, to a certain degree, a natural clairvoyance within post-Atlantean culture that allowed them to look into the spiritual world. In certain abnormal states of the soul, the mysteries of the spiritual world would pour down; people would look up into the hierarchies. Naturally, they looked most often and for the longest time at the hierarchy closest to humanity, the hierarchy of the angels. They saw the angels as beings standing immediately above humanity. In those times of ancient clairvoyance, human beings did not yet perceive within themselves that they possessed something that was to lead them up into the spiritual world. They had to regard it as a grace bestowed upon them by external powers, as a sending in of the spiritual powers into the soul. Therefore, the prophets were able to point to the future in the following manner: The time will come when human beings will feel their I; then they will know that it is the self-conscious I from which the mysteries of the spiritual worlds are to spring forth. Everything must come in its own time. But the time will come when human beings can say: When I have my I within me, I shall ascend from the power of the I into the mysteries of the spiritual world.
[ 15 ] Das mußte aber vorbereitet werden. So mußte also sozusagen die unterste Stufe der Hierarchien, der Mensch, vorbereitet werden, indem dem Menschen dasjenige geschickt wird, was er noch nicht ist, damit er sich vorbereiten kann zu dem, was er werden soll. Der Bote, der Engel mußte dem Menschen verkünden, daß er ein Ich werden soll im vollen Sinne des Wortes. Und während nun die früheren Engel die Aufgabe hatten, die geistige Welt zu zeigen, mußte jetzt ein besonderer Engel die besondere Aufgabe erhalten, etwas weiter zu gehen mit den Öffenbarungen an die Menschen, mußte ihnen sagen, daß sie in ihr Ich hineindringen sollen, während die früheren Engel so offenbart hatten, wie es nicht für ein Ich bestimmt war.
[ 15 ] But this had to be prepared. Thus, the lowest level of the hierarchies—humanity—had to be prepared, so to speak, by sending humanity that which it is not yet, so that it might prepare itself for what it is to become. The messenger, the angel, had to proclaim to humankind that they were to become an “I” in the full sense of the word. And while the earlier angels had the task of revealing the spiritual world, a special angel now had to be given the specific task of going a step further with the revelations to human beings; he had to tell them that they should penetrate into their own I, whereas the earlier angels had revealed things in a way that was not intended for an I.
[ 16 ] So macht Jesajas darauf aufmerksam: Es wird die Zeit des IchGeheimnisses kommen, und aus der allgemeinen Schar der Engel wird einer abgeordnet werden, der euch dann zeigen wird, daß dieses IchGeheimnis kommen wird. — So nur können wir verstehen, was es heißt, daß der Engel, der Bote vorangeschickt werden soll. Vor wem also wird denn dieser Bote vorangeschickt? Er wird vorangeschickt vor dem Menschen, der zu seinem selbstbewußten Ich kommen soll, und er soll kommen als eine Wesenheit aus der Hierarchie der Angeloi, die im allgemeinen noch nicht so zum Menschen gesprochen hatte, daß vorausgesetzt wurde, der Mensch sei ein selbstbewußstes Ich. Dieser Bote also, von dem der Prophet Jesajas spricht, soll kommen und die Menschheit aufmerksam machen, daß sie sich vorbereiten soll, in ihrem Innern, in ihrer Seele einen Platz zu schaffen für das Ich, für die volle Geltendmachung des Ich. Es soll also mit dieser Stelle im wesentlichen hingedeutet werden auf den großen Umschwung in der Entwickelung der menschlichen Seele, daß die Menschen, nachdem sie früher sozusagen immer aus sich selber heraus mußten, um in die geistige Welt hineinzukommen, von jetzt ab in ihrem Ich verbleiben können und aus dem Ich selber herausholen können die Geheimnisse der geistigen Welt.
[ 16 ] Thus Isaiah points out: The time of the Mystery of the I will come, and from the general host of angels one will be sent forth who will then show you that this Mystery of the I is to come. — Only in this way can we understand what it means that the angel, the messenger, is to be sent ahead. Before whom, then, is this messenger to be sent ahead? He is sent ahead of the human being who is to come to his self-conscious “I,” and he is to come as a being from the hierarchy of the Angeloi who, in general, had not yet spoken to humanity in such a way as to presuppose that the human being is a self-conscious “I.” This messenger, then, of whom the prophet Isaiah speaks, is to come and alert humanity that it must prepare itself to make room within, in its soul, for the I, for the full assertion of the I. This passage thus essentially points to the great turning point in the development of the human soul: that whereas people previously had to, so to speak, always draw from within themselves to enter the spiritual world, from now on they can remain within their I and draw the mysteries of the spiritual world from the I itself.
[ 17 ] Vergleichen wir einmal eine alte Seele mit einer Seele aus der Zeit des herannahenden Christus-Impulses. Stellen wir uns vor Augen einen Menschen der vorchristlichen Zeit, besonders früherer Jahrhunderte. Wenn er hinaufgelangen wollte in die höheren Welten, so konnte er das nicht mit der Aufrechterhaltung des Selbstbewußtseins, soweit es schon entwickelt war. Er mußte es geradezu entäußern, mußte kommen in einen Selbst-entäußerten Zustand, mußte aufgehen in die Welt der Hierarchien, in die Welt der Geistigkeit selber. Sein Bewußtsein wurde herabgestimmt. Das war ein altes Gefühl der früheren, vorchristlichen Zeit.
[ 17 ] Let us compare an old soul with a soul from the time of the approaching Christ impulse. Let us picture a person from pre-Christian times, particularly from earlier centuries. If he wanted to ascend to the higher worlds, he could not do so while maintaining his self-consciousness, insofar as it had already developed. He had to virtually renounce it, had to enter a state of self-renunciation, had to merge into the world of the hierarchies, into the world of spirituality itself. His consciousness was attuned downward. That was an ancient feeling from earlier, pre-Christian times.
[ 18 ] In welcher Lage war nun ein Mensch, der schon nicht mehr so recht in der Zeit lebte, wo es das Richtige war, daß man mit Selbstentäußerung sich in die geistige Welt hineinfinden konnte, sondern der in der Zeit lebte, wo man sich in die Stufe versetzt finden konnte, das Ich zu entwickeln? Vorhanden war das Ich ja schon in der atlantischen Zeit; aber daß daraus die volle Sicherheit für die größten Geheimnisse quellen konnte, das wurde erst durch den Christus-Impuls gebracht. Gerade aus diesem Grunde fühlte ein Mensch der alten Einweihung etwa so, daß er sagte: Wenn ich in die geistige Welt kommen will, wenn ich mir die Offenbarungen aus der geistigen Welt erwerben soll, so muß ich eine gewisse Stelle in mir unterdrücken, und ich muß andere Stellen in meiner Seele besonders lebendig machen.
[ 18 ] What, then, was the situation of a person who no longer really lived in an age when it was appropriate to find one’s way into the spiritual world through self-denial, but who lived in an age when one could find oneself at the stage of developing the ego? The ‘I’ was, of course, already present in the Atlantean era; but the fact that it could become a source of complete certainty regarding the greatest mysteries was only brought about by the Christ impulse. Precisely for this reason, a person of the old initiation felt something like this: “If I want to enter the spiritual world, if I am to acquire the revelations from the spiritual world, then I must suppress a certain part of myself, and I must make other parts of my soul particularly alive.”
[ 19 ] Was mußte er unterdrücken? Und was mußte er besonders lebendig machen? Was allmählich zum Ich heranwachsen sollte, das mußte er unterdrücken, das mußte sozusagen dunkler und dumpfer werden in seiner Seele. Darauf durfte er gar keine Rücksicht nehmen, das mußte etwas Ödes, etwas Leeres in ihm werden. Dagegen der astralische Leib, also der Leib, der Hellsichtigkeit in einem gewissen Grade geben konnte, mußte ganz besonders entflammt werden. Dann rückten in den astralischen Leib die alten hellseherischen Beobachtungen herein.
[ 19 ] What did he have to suppress? And what did he have to bring to life in a special way? Whatever was to gradually grow into the “I,” he had to suppress; it had to become, so to speak, darker and duller in his soul. He was not to give this any consideration at all; it had to become something barren, something empty within him. In contrast, the astral body—that is, the body capable of providing a certain degree of clairvoyance—had to be particularly inflamed. Then the old clairvoyant observations moved into the astral body.
[ 20 ] Ich sagte, das Ich war schon in einem gewissen Grade da. Aber man konnte es nicht brauchen, wenn man die Geheimnisse der geistigen Welt erforschen wollte. Das Ich mußte unterdrückt und der astralische Leib entflammt werden. Aber das Entflammen der Impulse im Astralleib ist immer unmöglicher geworden. In den alten Zeiten gehörte es zu den elementarsten Eigenschaften des Menschen, daß er sein Ich unterdrücken und den Astralleib in Tätigkeit versetzen konnte, so daß die Geheimnisse der geistigen Welt in ihn hineinströmten. Darin bestand aber gerade die Fortentwickelung, daß der Astralleib immer unfähiger wurde, in sich herein zu bekommen die Geheimnisse der geistigen Welt. Der Mensch mußte sich etwa sagen: Mein Astralleib wird immer unfähiger, um das zu erreichen, was früher die Menschen in der alten Hellsichtigkeit erreicht haben; aber was in mir ist, mein Ich, das will auch noch nicht recht heraus, das kann sich noch nicht aufraffen, aus sich etwas zu erreichen.
[ 20 ] I said that the ego was already present to a certain degree. But it was of no use if one wished to explore the mysteries of the spiritual world. The ego had to be suppressed and the astral body aroused. But arousing the impulses in the astral body has become increasingly impossible. In ancient times, one of the most fundamental characteristics of human beings was that they could suppress their ego and set the astral body in motion, so that the mysteries of the spiritual world could flow into them. But the very nature of further development lay in the fact that the astral body became increasingly incapable of receiving the mysteries of the spiritual world. Human beings had to say to themselves, so to speak: My astral body is becoming increasingly incapable of achieving what people in the old days of clairvoyance were able to achieve; but what is within me, my ego, does not yet want to come out properly either; it cannot yet bring itself to achieve anything on its own.
[ 21 ] Und die allerbesten Hellseher empfanden am allermeisten etwas Wüstes, etwas Ödes in der Seele. Das war das Ich, dem noch kein Impuls gegeben war. Und daneben empfanden sie die Unmöglichkeit, sich durch das Ich in die geistige Welt hinaufzuversetzen. Daraus können Sie die Stimmung entnehmen, in der jemand war zur Zeit des herannahenden Christus-Impulses, der einen Einblick tun wollte in die geistige Welt. Ein solcher mußte sich sagen: In meinem Astralleib kann ich nicht mehr das entwickeln, was früher möglich war; mein Ich kann aber noch keinen Impuls aufnehmen; das ist noch etwas Wüstes in meiner Seele, das kann nicht in die geistige Welt hinauf.
[ 21 ] And even the very best clairvoyants felt, above all else, something barren, something desolate in their souls. That was the “I,” to which no impulse had yet been given. And alongside this, they felt the impossibility of ascending into the spiritual world through the “I.” From this you can sense the state of mind in which someone found themselves at the time of the approaching Christ impulse, someone who wished to gain insight into the spiritual world. Such a person had to say to themselves: In my astral body, I can no longer develop what was once possible; yet my ego cannot yet receive an impulse; there is still something barren in my soul that cannot ascend into the spiritual world.
[ 22 ] Da wurden dann angewendet gewisse Methoden, gewisse Trainierungen zur Zeit des herannahenden Christus-Impulses, die darin bestanden, daß man Bekanntschaft machen lernte mit dem, was noch nicht vom Geist erfüllt sein konnte. Wer in die höheren Welten hinauf wollte, der wurde darauf verwiesen, daß man ihm sagte: Werde dir klar: mit deinem Astralleib kannst du nicht hinauf; du mußt vor allen Dingen eintreten in die Stelle deines Inneren, wo du dich als Mensch so fühlst, als ob du gar keinen Zusammenhang hättest mit der Außenwelt.
[ 22 ] At that time, as the Christ impulse drew near, certain methods and exercises were employed that consisted of learning to become acquainted with that which could not yet be filled with the Spirit. Anyone who wished to ascend to the higher worlds was told: Realize this: you cannot ascend with your astral body; above all, you must enter that place within yourself where, as a human being, you feel as though you have no connection whatsoever with the outside world.
[ 23 ] So war die Stimmung in der Zeit des herannahenden ChristusImpulses für den, der die Einweihung suchte. Und jeder, der die Einweihung suchte, mußte sich klarmachen: In bezug auf meinen Astralleib muß ich darauf verzichten, in die geistige Welt hinaufzukommen, denn die Zeit ist vorüber, um durch den Astralleib hineinzukommen in die geistige Welt. Das Ich ist dazu noch unvorbereitet. Aber an dem, was eben heraus will und eindringen will in die geistige Welt, wo es den Impuls aufnehmen will, an dem kann ich erkennen — mehr als erkennen kann ich nicht -, daß etwas da ist, was mit aller Kraft und Macht hinstrebt zu dem geistigen Impuls!
[ 23 ] Such was the atmosphere during the time of the approaching Christ impulse for those who sought initiation. And everyone seeking initiation had to realize: With regard to my astral body, I must refrain from ascending into the spiritual world, for the time has passed when one could enter the spiritual world through the astral body. The ego is not yet prepared for this. But in what is striving to emerge and penetrate the spiritual world, where it seeks to receive the impulse—in this I can recognize—more than I can recognize—that there is something striving with all its strength and power toward the spiritual impulse!
[ 24 ] Diese Seelenerfahrung eines jeden, der in jener Zeit den Weg zum Geisteslicht suchte, nannte man den Weg in die Einsamkeit der Seele oder auch den Weg in die Einsamkeit. Was mußte der Bote also tun, der vorbereiten sollte auf das Christus-Ereignis? Er mußte den Leuten, die etwas wissen wollten von dem herannahenden Impuls, sagen, wie der Weg ist in die Einsamkeit. Er mußte die Einsamkeit gründlich kennen. Er mußte ein Prediger sein für die Einsamkeit der Seele.
[ 24 ] This spiritual experience of everyone who sought the path to spiritual light during that time was called the path into the solitude of the soul, or simply the path into solitude. What, then, was the messenger—who was to prepare for the Christ event—to do? He had to tell the people who wanted to know something about the approaching impulse what the path into solitude was like. He had to know solitude thoroughly. He had to be a preacher of the solitude of the soul.
[ 25 ] Immer mehr und mehr werden Sie kennenlernen gerade an der Hand des Markus-Evangeliums, daß in gewissen Fällen die großen geistigen Wesenheiten, durch welche die wichtigen Angelegenheiten der Menschheitsentwickelung geschehen sollen, sich ihre Werkzeuge aussuchen in fleischlichen Wesenheiten, wenn diese dazu geeignet sind, und eine Inkarnation nehmen, um in der Seele zu wohnen, die im Fleische verkörpert ist. Jener Bote, von dem Jesajas gesprochen hat, der nicht in ganz gewöhnlichem Sinne als ein Mensch aufgefaßt werden darf, nahm Besitz von der Seele des wiederinkarnierten Elias, lebte darin und war der Bote, der die Menschen aufmerksam machen sollte auf den herannahenden Christus-Impuls. Und aus der Seele Johannes des Täufers sprach der Bote dann, auf den Jesajas hingewiesen hatte.
[ 25 ] More and more, you will come to understand, particularly through the Gospel of Mark, that in certain cases the great spiritual beings through whom the important events of human development are to take place choose their instruments from among physical beings, if these are suitable, and take on an incarnation in order to dwell in the soul embodied in the flesh. That messenger of whom Isaiah spoke—who must not be understood as a human being in the ordinary sense—took possession of the soul of the reincarnated Elijah, lived within it, and was the messenger who was to alert people to the approaching Christ impulse. And it was from the soul of John the Baptist that the messenger spoke, the one to whom Isaiah had referred.
[ 26 ] Wo also ertönt die Stimme des Boten? In dem, was ich Ihnen jetzt eben charakterisiert habe als die Einsamkeit der Seele. Da können wir dann lesen, daß im Markus-Evangelium steht: Höret das Rufen in der Seeleneinsamkeit. ὲν τῇ ὲpήμω (tē erēmō) dürfen wir nicht einfach übersetzen, als ob es bloß äußerlich gemeint sei, mit dem Bilde der Wüste; sondern da ist ein Bild hingestellt, durch das wir die ganze geistige Welt wahrnehmen sollen. ὲν τῇ ὲpήμω heißt eigentlich: in der Einsamkeit.
[ 26 ] So where does the voice of the messenger resound? In what I have just described to you as the solitude of the soul. There we can then read what is written in the Gospel of Mark: Hear the call in the solitude of the soul. ὲν τῇ ὲpήμω (tē erēmō) we must not simply translate as if it were meant merely in an external sense, with the image of the desert; rather, an image is presented through which we are to perceive the entire spiritual world. ὲν τῇ ὲpήμω actually means: in solitude.
[ 27 ] Nun müssen wir, um den Ausspruch weiter zu verstehen, uns ein wenig befassen mit der eigentlichen Bedeutung, wie sie selbst noch spurenweise im Griechischen vorhanden ist, wie sie aber festgestellt werden kann, wenn man mit dem Griechischen die Urtradition zusammenhält, mit der Bedeutung dessen, was man fühlte bei dem Worte Kyrios oder Herr; was hier gewöhnlich übersetzt ist mit: «Bereitet den Weg des Herrn.» Ein solches Wort hatte nicht jene abstrakte, philiströse Bedeutung in dem alten Sprachschatz, in der alten Ausdrucksweise, wie es heute hat. In der Zeit des Materialismus sind die Menschen besonders in bezug auf die Sprache Philister geworden und haben nicht mehr in der Sprache das, was man nennen kann Körper seelischer Wesenheiten, daß man eine ganze Welt fühlt bei den Worten, wie in alten Zeiten. Man kann heute derartiges höchstens wieder aufs neue versuchen. So habe ich es versucht in der «Pforte der Einweihung» darzustellen, wie es möglich sein wird, Welten fühlen zu können.
[ 27 ] Now, in order to understand this saying further, we must consider its actual meaning—as it still exists in traces within the Greek language, but as it can be determined by comparing the Greek with the original tradition—and the meaning of what was felt by the word Kyrios or Lord; which is usually translated here as: “Prepare the way of the Lord.” Such a word did not have that abstract, philistine meaning in the ancient vocabulary, in the ancient mode of expression, as it does today. In this age of materialism, people have become philistines, especially with regard to language, and no longer possess in language what one might call the body of spiritual beings—that is, the ability to sense a whole world in words, as in ancient times. Today, one can at most try to revive such a sense anew. Thus, in *The Gate of Initiation*, I have attempted to depict how it will be possible to perceive worlds.
[ 28 ] Was fühlte man bei dem Worte Kyrios, wenn man es aussprach in solchem Zusammenhange wie in dem angedeuteten? Man fühlte, daß damit nur das Bild gemeint sei für das, was im Menschen vorgeht, was für den Menschen im innerlichen Seelenleben sich ergibt. Man fühlte das Auftauchen des aus den Untergründen der Seele heraufkommenden und immer mehr und mehr an die Oberfläche drängenden Ich als das Erscheinen eines Herrn und Herrschers, als den Richtunggebenden unter den Seelenkräften — so wie wir heute sagen: Der Mensch hat Denken, Fühlen und Wollen; diese verschiedenen Seelenkräfte sind sozusagen die Diener der Seele. Aber einen Herrn gibt es in der Seele, einen Kyrios: das Ich. Das drückt sich dadurch aus, daß wir nicht nur sagen: Es denkt in uns. — In alten Zeiten konnte man nicht sagen: Ich denke -, sondern da sagte man: Es denkt. - Und in bezug auf Fühlen und Wollen sagte man ebenso: Es fühlt, und es will da drinnen.
[ 28 ] What did one feel when uttering the word Kyrios in a context such as the one described? One sensed that it was meant merely as a metaphor for what takes place within the human being, for what arises in the inner life of the soul. One sensed the emergence of the “I,” rising from the depths of the soul and pushing ever more strongly to the surface, as the appearance of a Lord and Ruler, as the guiding force among the soul’s powers—just as we say today: Human beings have thinking, feeling, and willing; these various soul powers are, so to speak, the servants of the soul. But there is a Lord in the soul, a Kyrios: the ego. This is expressed by the fact that we do not merely say: It thinks within us. — In ancient times, one could not say: I think — but rather one said: It thinks. — And with regard to feeling and willing, one likewise said: It feels, and it wills within.
[ 29 ] In der Zeit nun, als der Herr der Seelenkräfte, das Ich, sich geltend machte, da wurde dieser große Umschwung in der Menschheitsentwickelung so gefühlt, daß man jetzt sagte: Ich denke, ich fühle, ich will. -— So waren in früheren Zeiten die Seelen gleichsam in einer gewissen Weise in einem unterbewußten Zustand, gefangen, untergetaucht in die dienenden Kräfte. Jetzt nahte der Herr der Seelenkräfte, das Ich. Es ist mit dieser Stelle zunächst gar nicht irgendeine Persönlichkeit oder Wesenheit gemeint, sondern nur das Auftauchen des Ich als des Herrn in dem ganzen Gefüge der Seele: Der Herr innerhalb der Seele kommt!
[ 29 ] At the time when the Lord of the soul forces, the “I,” asserted itself, this great turning point in human development was felt so strongly that people began to say: “I think, I feel, I will.” — In earlier times, the souls were, as it were, in a certain sense in a subconscious state, trapped, submerged in the serving forces. Now the Lord of the soul forces, the I, was approaching. This passage does not initially refer to any particular personality or being, but only to the emergence of the I as the Lord within the entire structure of the soul: The Lord within the soul is coming!
[ 30 ] Das wurde auch in denjenigen Tempeln verkündet, die vorbereiten sollten auf das, was da vorgehen konnte mit der Menschheit. Mit heiliger Scheu und heiliger Ehrfurcht wurde es verkündet: Bisher waren die Seelen so, daß sie nur dienende Kräfte in sich hatten: Denken, Fühlen und Wollen. Jetzt aber naht der Herr, der Kyrios innerhalb der menschlichen Seele. Dies Große geht vor, freilich nach und nach erst entwickelt es sich — bis ans Ende der Erdenzeit, wo es dann immer mächtiger und mächtiger werden wird. Aber es kommt. Und der Christus bringt zuerst den Impuls. Es ist die große Stunde im Werdegang der Weltenuhr, wo der Christus lebt. Da steht die Weltenuhr in dem Zeichen, wo das Ich immer mächtiger aufgehen wird als der Herr der Seelenkräfte. Und es wird am Ziel angelangt sein dann, wenn die Erde herunterfallen wird im Kosmos und der Mensch zu höheren Stufen hinaufsteigt.
[ 30 ] This was also proclaimed in those temples that were meant to prepare people for what was to come to humanity. It was proclaimed with holy awe and reverence: Until now, souls had only serving powers within them: thinking, feeling, and willing. But now the Lord, the Kyrios, is approaching within the human soul. This great event is taking place, though it will develop gradually—until the end of the Earth’s time, when it will become ever more powerful. But it is coming. And Christ brings the impulse first. It is the great hour in the course of the world clock where Christ lives. There the world clock stands in the sign where the I will rise ever more powerfully as the Lord of the soul forces. And the goal will be reached when the Earth falls down into the cosmos and humanity ascends to higher levels.
[ 31 ] Nur wenn man so fühlt, wie man damals fühlen mußte, kann man eine Vorstellung davon bekommen, was Jesajas sagen wollte und was Johannes der Täufer wieder aufnahm. Hingewiesen sollte werden auf das große Ereignis der Menschenseele, auf die Fortentwickelung der Menschenseele. Dann müssen wir aber auch das Wort eddeiag (eutheias) nicht übersetzen mit «eben», wie es gewöhnlich abstrakt übersetzt wird, sondern mit «offen», nicht nur gerade, sondern offen, so daß sie gangbar werden, die Wege. Also der Kyrios kommt daher, nimmt seine Richtung auf die menschliche Seele. Aber der Mensch muß etwas dazu tun, damit der Herr die menschliche Seele wirklich ergreifen kann. Es muß der Weg frei gemacht werden, muß offen gemacht werden. Kurz, wollen wir die betreffende Stelle so übersetzen, daß irgend etwas damit anzufangen sein soll, so müßte eigentlich übersetzt werden, wenn wir uns ein wenig an das Traditionelle halten:
[ 31 ] Only by feeling as one must have felt back then can one begin to grasp what Isaiah meant to say and what John the Baptist took up again. Attention should be drawn to the great event in the human soul, to the further development of the human soul. Then, however, we must not translate the word eddeiag (eutheias) as “straight,” as it is usually translated in an abstract sense, but rather as “open”—not merely straight, but open—so that the paths become passable. Thus, the Kyrios comes, setting his course toward the human soul. But the human being must do something to enable the Lord to truly take hold of the human soul. The path must be cleared, must be opened up. In short, if we want to translate the passage in question in a way that makes sense, it should actually be translated, if we stick a little to the traditional approach:
[ 32 ] «Bemerke» - «Siehe» ist schon nicht mehr das Richtige -, «ich sende vor dem Ich in dir meinen Engel; der soll die Richtung vorbereiten.
[ 32 ] “Note”—“See” is no longer the right word—“I am sending my angel before the ‘I’ within you; he is to prepare the way.
[ 33 ] Höret das Rufen» — «Seele» steht nicht da, das wußte aber ein jeder - «in der Seelen-Einsamkeit» - jenes Rufen, das verlangt nach dem Herrn der Seele -: «Bereitet die Richtung des Seelen-Herrschers; arbeitet, daß offen ist ihm der Weg» — oder die Bahn.
[ 33 ] “Hear the call” — ‘Soul’ isn't written there, but everyone knew it — “in the solitude of the soul” — that call which yearns for the Lord of the soul —: “Prepare the way for the Ruler of the soul; work so that the path may be open to him”—or the way.
[ 34 ] In diesem Wortgefüge haben Sie ungefähr, was eine Vorstellung von dem gibt, was man fühlen kann in den Worten des Jesajas. Diese Worte und was in diesem Wortgefüge liegt, das hatte wiederaufgenommen der Engel, der Angelos in der Seele Johannes' des Täufers. Warum konnte er das? - Da müssen wir ein wenig eingehen auf die Art und Weise, wie Johannes der Täufer selber eingeweiht war, wie die Initiation in der Seele Johannes’ des Täufers wirkte.
[ 34 ] In this context, you have a rough idea of what one might feel in the words of Isaiah. These words and what lies within this context were taken up again by the angel, the Angelos, in the soul of John the Baptist. Why was he able to do that? — To answer this, we must delve a little into the manner in which John the Baptist himself was initiated, and how that initiation worked within the soul of John the Baptist.
[ 35 ] Aus früheren Darstellungen wissen Sie, daß der Mensch entweder eingeweiht werden kann durch Hinuntersteigen in das Innere der eigenen Seele, oder daß er erweckt werden kann für ein Heraustreten der Seele, für ein Freiwerden vom Leib und für ein Ergießen der Seelenkräfte in den Makrokosmos. Diese zwei Wege sind bei den verschiedenen Völkern in der verschiedensten Weise eingehalten worden. Wenn der Mensch seine Seele ergießen wollte in den Makrokosmos, so waren die dabei durchzumachenden zwölf Stufen sozusagen markiert durch die zwölf Zeichen des Tierkreises, indem seine Seelenkraft ausfloß nach bestimmten Stellen, nach bestimmten Richtungen des Makrokosmos. Nun war im allgemeinen schon außerordentlich viel erreicht, namentlich zu einem bestimmten Zweck der weltgeschichtlichen Entwickelung war etwas Bedeutsames erreicht, wenn irgendeine Seele so weit entwickelt war, daß sie alle die Kräfte des Makrokosmos in sich empfangen konnte, die von solchen Weltgeheimnissen herrührten, welche im Sinne eines einzigen Sternbildes waren. Das war nämlich überhaupt bei den alten Einweihungsriten so, daß der eine zum Beispiel eingeweiht wurde in die Geheimnisse des Makrokosmos, so daß sein Seelen-Ausfließen in das Makrokosmische sich hinbewegte in der Richtung des Steinbocks, bei andern in der Richtung des Krebses, der Waage, der Jungfrau und so weiter. Ich habe wiederholt betont, daß es zwölf verschiedene Möglichkeiten gibt, in das Makrokosmische auszufließen, die symbolisch angedeutet werden mit den zwölf Zeichen des Tierkreises. Sollte nun jemand die Inittation erreichen durch Austließen der Seele in den Makrokosmos, und sollte er nicht gleich die höchste, die Sonnen-Initiation erreichen, sondern gewissermaßen eine Partial-, eine Teil-Initiation, so wurde sein Seelenblick, sein Seelenlicht hingelenkt auf die Geheimnisse, die zu finden waren im Zusammenhange mit einem gewissen Sternbilde. Dazu mußte aber sein Blick unabhängig werden von dem Materiellen, das heißt, es wurde dafür gesorgt — entweder bei den Mysterienriten oder, wie beim Täufer Johannes, durch eine Gnade von oben -, daß des Betreffenden Blick hingeleitet wurde auf ein Sternbild - so aber, daß er zwischen sich und dem betreffenden Sternbild die Erde hatte. Das heißt, in der Nacht mußte sein Blick gelenkt werden durch die Erde hindurch nach dem Sternbild hin. Wenn man ein Sternbild sieht mit den physischen Augen, so sieht man das physische Sternbild. Wenn man aber hindurchsehen kann durch das Materielle der Erde, wobei also das physische Sternbild bedeckt ist mit dem Materiellen der Erde, so sieht man nicht das Physische, sondern das Geistige, das heißt die Geheimnisse, welche das Sternbild ausdrückt.
[ 35 ] From earlier descriptions, you know that a person can either be initiated by descending into the depths of their own soul, or that they can be awakened to the soul’s emergence, to liberation from the body, and to the outpouring of the soul’s powers into the macrocosm. These two paths have been followed in a wide variety of ways by different peoples. When a person wished to pour out their soul into the macrocosm, the twelve stages to be traversed in the process were, so to speak, marked by the twelve signs of the zodiac, as their soul power flowed out to specific points, to specific directions within the macrocosm. Now, in general, an extraordinary amount had already been achieved; specifically, something significant had been accomplished for a particular purpose in the development of world history when any soul was so far developed that it could receive within itself all the forces of the macrocosm that originated from such world mysteries as were embodied in a single constellation. For in the ancient initiation rites, it was generally the case that one person, for example, was initiated into the mysteries of the macrocosm in such a way that the outflow of his soul into the macrocosmic moved in the direction of Capricorn, while for others it moved in the direction of Cancer, Libra, Virgo, and so on. I have repeatedly emphasized that there are twelve different ways to flow out into the macrocosm, symbolically indicated by the twelve signs of the zodiac. Now, should someone attain initiation through the outflow of the soul into the macrocosm, and should they not immediately attain the highest, the solar initiation, but rather, so to speak, a partial initiation, then their soul’s gaze, their soul’s light, was directed toward the mysteries to be found in connection with a certain constellation. For this, however, his gaze had to become independent of the material world; that is, it was ensured—either through the mystery rites or, as in the case of John the Baptist, through a grace from above—that the person’s gaze was directed toward a constellation—but in such a way that the Earth lay between him and the constellation in question. That is to say, at night his gaze had to be directed through the Earth toward the constellation. When one sees a constellation with the physical eyes, one sees the physical constellation. But when one can see through the materiality of the Earth—so that the physical constellation is covered by the materiality of the Earth—one sees not the physical, but the spiritual, that is, the mysteries expressed by the constellation.
[ 36 ] Johannes’ des Täufers Blick wurde so geschult, daß er in der Nacht schauen konnte durch die materielle Erde hindurch auf das Sternbild des Wassermanns. Er hatte also jene Initiation gehabt, als der Angelos von seiner Seele Besitz nahm, die man die Wassermann-Initiation nennt. So konnte der Täufer Johannes — mit allem, was er selber wußte, was er selber fühlte - dem Angelos alle Fähigkeiten zur Verfügung stellen, damit durch den Angelos ausgesprochen werden konnte alles, was die Wassermann-Initiation war, und was es gab als Hinweis darauf, daß die Herrschaft des Ich, des xVoiog, des Herrn in der Seele kommen werde. Das gab die Wassermann-Initiation.
[ 36 ] John the Baptist’s vision had been trained to the point where he could see through the material earth at night and perceive the constellation of Aquarius. He had thus undergone that initiation—known as the Aquarius Initiation—during which the Angelos took possession of his soul. Thus John the Baptist—with all that he himself knew, all that he himself felt—was able to place all his abilities at the disposal of the Angelos, so that through the Angelos could be expressed everything that constituted the Aquarius Initiation, and everything that served as an indication that the reign of the I, the xVoiog, the Lord, would come into the soul. That was what the Aquarius Initiation provided.
[ 37 ] Gleichzeitig aber wies der Täufer Johannes darauf hin, daß auch die Zeit gekommen war, wo diese Wassermann-Initiation sozusagen an einem Übergang steht, wo sie durch eine andere ersetzt werden muß, damit man völlig verstehe die herannahende Herrschaft des Ich. Deshalb sagte er zu seinen intimen Schülern: Ich bin der, der imstande ist, seinem Engel alle die Kräfte zur Verfügung zu stellen, die aus der Wassermann-Initiation kommen. Nach mir aber muß Einer kommen, der die nachherigen Kräfte seinem Engel zur Verfügung stellen kann.
[ 37 ] At the same time, however, John the Baptist pointed out that the time had also come when this Aquarian Initiation was, so to speak, at a crossroads, where it must be replaced by another so that the approaching reign of the I might be fully understood. That is why he said to his inner circle of disciples: I am the one who is able to make available to his angel all the powers that come from the Aquarian initiation. But after me, one must come who can make the subsequent powers available to his angel.
[ 38 ] Wenn Sie das Fortschreiten der Sonnenrichtung bei Tag nehmen vom Sternbild des Widders durch den Stier, die Zwillinge und so weiter bis zur Jungfrau hin, so müssen Sie das Vorschreiten in der Nacht von der Richtung der Waage, des Wassermannes zum Sternbild der Fische hin nehmen; das ist die Richtung zur geistigen Sonne. Johannes hatte die Wassermann-Initiation empfangen, und er wies darauf hin, daß der, welcher da kommen wird, die Initiation der Fische haben werde, das heißt diejenige Initiation also, die folgen muß auf die Johannes-Initiation, und die als eine höhere angesehen wurde. Deshalb sagte Johannes der Täufer zu seinen intimen Schülern: Ich kann meinem Engel durch die Wassermann-Initiation nur die Kräfte zur Verfügung stellen, daß er verkünden kann, daß der Herr, der xVo10g, kommt; es wird aber einer kommen, der die Kräfte hat, welche durch die Initiation mit dem Sternbild der Fische symbolisiert sind. Und der wird aufnehmen den Christus!
[ 38 ] If you follow the sun’s path during the day from the constellation of Aries through Taurus, Gemini, and so on to Virgo, you must follow its path at night from the direction of Libra and Aquarius toward the constellation of Pisces; that is the direction toward the spiritual sun. John had received the Aquarius initiation, and he pointed out that the one who is to come will have the Pisces initiation—that is, the initiation that must follow the John initiation and was regarded as a higher one. That is why John the Baptist said to his inner circle of disciples: Through the Aquarius Initiation, I can only provide my angel with the powers to proclaim that the Lord, the xVo10g, is coming; but one will come who possesses the powers symbolized by the Initiation of the constellation of Pisces. And he will receive the Christ!
[ 39 ] Damit wies Johannes der Täufer hin auf den Jesus von Nazareth. Und darum haben die alten Traditionen dem Christus Jesus das Symbol der Fische gegeben. Und weil alles, was äußerlich geschieht, Symbol für innere Vorgänge ist, obwohl es auch äußerlich geschieht, darum werden als Gehilfen dem Fisch-Initiierten Fischer zugeteilt. Das alles sind zugleich äußerliche, historische Ereignisse und zugleich für die geistigen Geheimnisse tief symbolische Handlungen.
[ 39 ] In this way, John the Baptist pointed to Jesus of Nazareth. And that is why ancient traditions have given the symbol of the fish to Christ Jesus. And because everything that happens externally is a symbol of inner processes, even though it also occurs externally, fishermen are assigned as assistants to the fish-initiated. All of these are at once external, historical events and, at the same time, deeply symbolic acts for the spiritual mysteries.
[ 40 ] Und eine höhere Weihe wird über die Menschheit kommen! sagte Johannes. Er konnte nur die Weihe geben, die aus dem Wassermann, dem Wassermenschen, kommt. Und Johannes bezeichnete sich als Wassermensch. Das ist ganz klar. Nur werden wir immer mehr und mehr sehen müssen, wie mit den Bildern, die für die menschlichen Geheimnisse gebraucht werden, ebenso astronomische, kosmische Geheimnisse zusammenhängen. Ich habe euch mit Wasser getauft, sagte Johannes. Die Wassertaufe war allerdings das, was in der Gewalt derjenigen war, die vom Himmel herunter die Initiation des Wassermanns erhalten hatten. Indem aber die geistige Sonne in der entgegengesetzten Weise fortschreitet wie die physische - denn während die physische Sonne fortschreitet vom Sternbild der Jungfrau zum Sternbild der Waage, schreitet die geistige Sonne vor, im Sinne des Fortschreitens von Johannes dem Täufer zu Jesus von Nazareth, von dem Wassermann zu den Fischen -, indem jemand auftritt in der Welt mit der Initiation der Fische und imstande ist, diejenigen geistigen Kräfte, denjenigen geistigen Impuls aufzunehmen, für den Werkzeug sein muß diese Initiation der Fische; da ist es möglich, daß nicht nur getauft wird, wie Johannes taufte, sondern daß im höheren Sinne getauft wird, wie es von Johannes bezeichnet wird als die Taufe mit dem Heiligen Geist.
[ 40 ] “And a higher consecration will come upon humanity!” said John. He could only bestow the consecration that comes from Aquarius, the Water Man. And John described himself as a Water Man. That is quite clear. But we will have to see more and more how the images used for human mysteries are also connected to astronomical and cosmic mysteries. “I have baptized you with water,” said John. Water baptism, however, was that which was within the power of those who had received the initiation of Aquarius from heaven. But as the spiritual sun moves in the opposite direction to the physical sun—for while the physical sun moves from the constellation of Virgo to the constellation of Libra, the spiritual Sun advances in the sense of the progression from John the Baptist to Jesus of Nazareth, from Aquarius to Pisces—when someone appears in the world with the initiation of Pisces and is capable of receiving those spiritual powers, that spiritual impulse for which this initiation of Pisces must serve as an instrument; then it is possible not only to baptize as John baptized, but to baptize in a higher sense, as John describes it as the baptism with the Holy Spirit.
[ 41 ] Ich habe Ihnen in dem heutigen Vortrag in einer gewissen Beziehung ein Zweifaches vorgeführt. Einmal, daß mit den Worten, die hier im Markus-Evangelium in Betracht kommen, Vorgänge der Menschheitsentwickelung gemeint sind, auch historische Vorgänge, indem wohl gesprochen wird von einer höheren Macht, die nicht einmal Mensch ist, sondern ein Angelos, die aber spricht durch den Leib des Johannes des Täufers. Auf der andern Seite habe ich gezeigt, daß mit den Darstellungen, die gegeben werden, Vorgänge am Himmel gemeint sind, nämlich das Vorrücken der geistigen Sonne vom Sternbilde des Wassermanns zum Sternbild der Fische. Das Markus-Evangelium enthält in der Tat in jeder Zeile etwas, was man nur dann lesen kann, wenn man bei dem Verfolgen der Worte immer im Auge hat zugleich einen menschlichen Sinn und einen kosmischen, astronomischen Sinn, und wenn wir uns klar sind, daß im Menschen etwas lebt, was in seiner wahren Bedeutung nur am Himmel zu finden ist.
[ 41 ] In today’s lecture, I have, in a certain sense, presented two things to you. First, that the words considered here in the Gospel of Mark refer to processes of human development, including historical processes, in that they speak of a higher power that is not even human, but an angel, yet speaks through the body of John the Baptist. On the other hand, I have shown that the descriptions given refer to events in the heavens, namely the advance of the spiritual sun from the constellation of Aquarius to the constellation of Pisces. The Gospel of Mark indeed contains in every line something that can only be read if, while following the words, one always keeps in mind both a human meaning and a cosmic, astronomical meaning, and if we are clear that something lives within the human being that, in its true meaning, can only be found in the heavens.
[ 42 ] Da muß man allerdings den Zusammenhang der makrokosmischen Geheimnisse mit den Geheimnissen der Menschennatur etwas genauer begreifen. Ich kann heute am Schluß nur andeuten, was dahinter steckt. Ich habe heute in dieser Richtung überhaupt nur Ahnungen geben wollen. Denn wir werden in Untiefen hineintauchen müssen beim Markus-Evangelium, über die Sie sehr lange zu denken haben werden, wenn Sie sie zu mehr als nur Ahnungen erheben wollen. Aber wie das Markus-Evangelium zu lesen ist, das möchte ich durch folgendes klarmachen.
[ 42 ] However, one must understand the connection between the macrocosmic mysteries and the mysteries of human nature a little more precisely. Today, at the end, I can only hint at what lies behind this. Today I have wanted to offer only a few intuitions in this direction. For we will have to delve into the depths of the Gospel of Mark, which you will have to think about for a very long time if you wish to elevate them to more than mere intuitions. But I would like to clarify how the Gospel of Mark is to be read through the following.
[ 43 ] Sie alle kennen den Regenbogen. Der Regenbogen steht zum Beispiel für das Kind als eine Realität am Firmament. Das Kind wird zunächst glauben, wenn man es ihm nicht erklärt hat, daß es den Regenbogen mit den Händen greifen kann, daß es ihn anfassen kann. Später lernt dann der Mensch, daß im Grunde genommen dieser Regenbogen gar nicht von sich abhängt, sondern nur entsteht, wenn eine gewisse Konstellation des Regens mit dem Sonnenschein vorhanden ist; und wenn Regen und Sonnenschein in andere Verhältnisse zueinander kommen, dann verschwindet er auch wieder. Er ist also keine Realität, er ist nur ein Scheinbild; die Wirklichkeit sind Regen und Sonnenschein in bezug auf den Regenbogen.
[ 43 ] You are all familiar with the rainbow. To a child, for example, the rainbow appears as a tangible reality in the sky. Unless someone has explained it to the child, the child will initially believe that it can grasp the rainbow with its hands, that it can touch it. Later, people learn that, fundamentally, this rainbow does not depend on itself at all, but only comes into being when a certain combination of rain and sunshine is present; and when the rain and sunshine change their relationship to one another, it disappears again. It is therefore not a reality; it is only an illusion; the reality is the rain and sunshine in relation to the rainbow.
[ 44 ] Wenn der Mensch auf dem Wege der okkulten Entwickelung ein wenig vorwärts rückt, dann gibt es etwas, was er ganz von selbst vergleicht mit dem Regenbogen, indem er sagt: Es ist eigentlich im Grunde genommen gar nichts Wahres, sondern nur ein Schein, der zusammengehalten wird durch äußere Dinge. - Wissen Sie, was dieser Schein ist? Der Mensch selber! Der Mensch ist nur ein Scheinbild. Und nimmt man ihn mit den physischen Sinnen als Realität, so gibt man sich einer Illusion hin; dann gibt man sich der Maya hin, dem großen Nichtsein. Denn Maya, zusammengesetzt aus mahat aya mahat = groß, ya = Sein, a = nicht, Verneinung, also aya = das Nichtsein — ; mahat aya heißt «das große Nichtsein».
[ 44 ] When a person makes a little progress on the path of occult development, there is something they instinctively compare to a rainbow, saying: “It is actually, when you get right down to it, nothing real at all, but merely an illusion held together by external factors.” - Do you know what this illusion is? Humanity itself! Human beings are merely an illusion. And if one accepts them as reality through the physical senses, one succumbs to an illusion; one then surrenders to Maya, the great non-being. For Maya, composed of mahat aya—mahat = great, ya = being, a = not, negation—thus aya = non-being; mahat aya means “the great non-being.”
[ 45 ] Auf dem Wege der okkulten Entwickelung kommt der Mensch dazu, daß er sich mit etwas vergleicht wie dem Regenbogen. Der Mensch ist nur ein Scheingebilde. Und Scheingebilde ist alles, was an die physischen Sinne herantritt. Auch die Sonne als physischer Weltenkörper ist ein Scheinbild. Was die physische Wissenschaft als Gasball im Weltenraume beschreibt, das ist für die praktischen Zwekke ganz gut. Aber wer es als Wirklichkeit nimmt, der gibt sich der Maya, der Täuschung, dem großen Nichtsein hin. Was wahr ist, das ist, daß dort ein Sammelplatz für geistige Hierarchien ist, deren Taten sich ausdrücken in der Wärme und dem Licht, und die uns in Wärme und Licht zufließen von der Sonne. Was wir als Wärme und Licht wahrnehmen, das ist Schein. Aber so ist alles Schein. Da glaubt der Mensch, er habe ein Herz in der Brust. Aber das Herz ist ein Scheingebilde, nicht mehr. Das ist so ähnlich, wie wenn wir im Herbstnebel abends auf die Straßen gehen und sehen gewisse Ringe um die Laternen herum; aber diese Ringe sind auch nichts Wirkliches, sondern bewirkt durch ganz bestimmte Kräfte. So ist auch das menschliche Herz bewirkt durch ganz gewisse Kräfte. Das können Sie sich etwa in folgender Weise vorstellen. Nehmen Sie an, der Kreis stelle dar das Himmelsgewölbe; dann strömen von der einen Seite in uns herein eine Art von Kräften, und von der andern Seite kommen andere Kräfte herein: diese Kräfte schneiden sich. In Wahrheit ist im Menschen da nichts vorhanden, wo er sein Herz glaubt, als Kräfte, die vom Himmel hereinströmen und sich schneiden. Denken Sie sich alles übrige hinaus, und nur Kräfte, die so zusammenkommen, wie es beim Regenbogen ist: und das Resultat ist das menschliche Herz. So ist es mit den übrigen Organen auch: es sind Schnittkräfte, die entstehen durch das Sichschneiden der betreffenden Weltenkräfte.
[ 45 ] On the path of occult development, a person comes to see themselves as something akin to a rainbow. Human beings are merely illusory constructs. And everything that presents itself to the physical senses is an illusory construct. Even the sun, as a physical celestial body, is an illusion. What physical science describes as a ball of gas in outer space is quite sufficient for practical purposes. But whoever takes it as reality surrenders to Maya, to illusion, to the great nothingness. What is true is that there is a gathering place for spiritual hierarchies whose actions are expressed in warmth and light, and which flow to us in warmth and light from the sun. What we perceive as warmth and light is an illusion. But everything is an illusion. People believe they have a heart in their chest. But the heart is an illusion, nothing more. It is similar to when we walk out onto the streets in the evening fog of autumn and see certain rings around the streetlights; but these rings are not real either, but are caused by very specific forces. So too is the human heart brought about by very specific forces. You can imagine this in the following way. Suppose the circle represents the vault of heaven; then a certain kind of forces stream into us from one side, and other forces come in from the other side: these forces intersect. In truth, there is nothing present within a person where they believe their heart to be, other than forces that stream in from the heavens and intersect. Imagine everything else away, and only forces that come together as they do in a rainbow: and the result is the human heart. So it is with the other organs as well: they are intersecting forces that arise from the intersection of the relevant world forces.


[ 46 ] Wenn Sie von einer Stelle bis zu einer andern gehen, und Sie sagen: In mir sind die Impulse, daß ich von hier bis dorthin gehe -, dann sagen Sie etwas, was in dieser Weise der Maya angehört. Warum? Weil vom Makrokosmos Kräfte kommen, die sich hier unten schneiden und durch den Schnitt hervorrufen ein Scheingebilde in bezug auf die Richtung und die Kräfte des Gehens. Was hier unten aufeinandergefolgt ist, das ist nur ein Schnitt der kosmischen Kräfte. Und wenn wir das Wahre wissen wollen, so müssen wir fragen: Was geschieht im Makrokosmos? Was bewirken die kosmischen Kräfte, die oberen und die unteren? - Sie bewirken das in uns, was so aussieht, als ob wir ein Herz haben, eine Leber und so weiter, oder das, was so ausschaut, daß wir sagen: Ich gehe von dort nach dort. Wollen wir es in Wahrheit beschreiben, so müssen wir die kosmischen Kräfte beschreiben.
[ 46 ] When you walk from one place to another and say, “I have the impulse to walk from here to there,” you are expressing something that, in this sense, belongs to Maya. Why? Because forces come from the macrocosm that intersect down here and, through this intersection, give rise to an illusion regarding the direction and the forces of walking. What follows one another down here is merely an intersection of cosmic forces. And if we want to know the truth, we must ask: What is happening in the macrocosm? What do the cosmic forces—the upper and the lower—bring about?—They bring about in us what looks as though we have a heart, a liver, and so on, or what looks as though we say: I am walking from there to there. If we want to describe it in truth, we must describe the cosmic forces.
[ 47 ] Wollen wir beschreiben, was Johannes der Täufer tat, indem er die Leute taufte, so müssen wir beschreiben, was der Makrokosmos ihm befahl, das heißt die Kräfte, die symbolisiert sind durch die Kräfte des Wassermannes. Die wurden einmal beschlossen in der großen Weltenloge und hineingesandt in die Kräfte des Johannes. So müssen wir in der Weltensprache lesen, was an einem bestimmten Ort geschah. So las der Schreiber des Markus-Evangeliums für das, was in Palästina geschah, die betreffenden Vorgänge am Himmel. Er beschreibt astronomische Vorgänge und sagt: Faßt die Dinge so auf: wenn hier eine Wand ist, worauf ein Schattenspiel sichtbar ist, so müßt ihr, wenn ihr den wahren Grund dafür kennenlernen wollt, hinschauen auf das, was eigentlich gespiegelt wird in den Schatten. Ich beschreibe, was am Jordan geschehen ist, was jedoch nur das Werkzeug für etwas anderes war; denn in Wahrheit beschreibe ich, was durch die astronomischen Kräfte aus dem Makrokosmos hereinwirkt auf die Erde!
[ 47 ] If we are to describe what John the Baptist did when he baptized people, we must describe what the macrocosm commanded him to do—that is, the forces symbolized by the forces of Aquarius. These were once decreed in the Great World Lodge and sent into the forces of John. Thus, we must read in the language of the worlds what happened at a specific place. Thus, the writer of the Gospel of Mark read the relevant celestial events to understand what happened in Palestine. He describes astronomical events and says: Understand things this way: if there is a wall here on which a play of shadows is visible, then if you wish to know the true reason for it, you must look at what is actually reflected in the shadows. I am describing what happened at the Jordan, which was, however, merely the instrument for something else; for in truth I am describing what is working its way down to Earth from the macrocosm through the astronomical forces!
[ 48 ] Kosmische Kräfte beschreibt der Schreiber des Markus-Evangeliums. Überall sind es Himmelserscheinungen. Und was er beschreibt, das ist der Ausdruck, die Projektion, das Schattenbild, welches die ganzen Vorgänge im Makrokosmos herunterwerfen auf das kleine Erdengebiet Palästina. Das müssen wir uns klarmachen, wenn wir nur ein wenig eindringen wollen in die ganze Größe und Bedeutung dieser Urkunde des Markus-Evangeliums. Aber wir mußten uns zuerst eine Ahnung verschaffen von dem, was da eigentlich vorliegt. Wir mußten einmal verstehen, daß im Beginn des Markus-Evangeliums gesagt wird: Der Prophet Jesajas hat vorhergesagt, daß der Herr der Seelenkräfte für den Menschen kommen wird, und daß der Bote leben wird in Johannes dem Täufer, der die Menschen vorbereiten wird auf das Herannahen dieses Herrschers der Seelenkräfte. - Dieser Bote mußte Platz nehmen in einem Leib, der einer Menschenseele angehörte, die mit den Kräften des Wassermanns inituert war. So konnte er in die Wege leiten, was zu tun war auf der Erde durch eine Persönlichkeit wie Jesus von Nazareth, die sich dazu vorbereitet hatte, daß sie die Fische-Initiation empfangen und dadurch den Christus aufnehmen konnte.
[ 48 ] The author of the Gospel of Mark describes cosmic forces. Everywhere there are celestial phenomena. And what he describes is the expression, the projection, the shadow image that the entire processes in the macrocosm cast down upon the small earthly region of Palestine. We must realize this if we wish to penetrate even a little into the full magnitude and significance of this document, the Gospel of Mark. But first we had to gain some sense of what is actually before us. We had to understand that at the beginning of the Gospel of Mark it is said: The prophet Isaiah foretold that the Lord of the soul forces would come for humanity, and that the messenger would live in John the Baptist, who would prepare people for the coming of this Ruler of the soul forces. - This messenger had to take his place in a body belonging to a human soul that had been initiated with the forces of Aquarius. In this way, he could set in motion what was to be done on Earth through a personality like Jesus of Nazareth, who had prepared himself to receive the Pisces initiation and thereby be able to receive the Christ.
[ 49 ] Was auf der Erde geschieht, sind die Spiegelungen kosmischer Vorgänge, die sich zu den kosmischen Verhältnissen verhalten wie der Regenbogen zu Regen und Sonnenschein, so daß wir Regen und Sonnenschein studieren müssen, wenn wir den Regenbogen beschreiben wollen. Und wenn wir wissen wollen, was in dem Herzen Johannes’ des Täufers, oder des Jesus von Nazareth war, der die Wohnstätte des Christus wurde, so müssen wir kosmische Vorgänge studieren. Denn die ganze Welt sprach sich für die Menschen aus in dem Ereignis der Vorgänge in Palästina und auf Golgatha. Und wer das Markus-Evangelium anders liest, als daß es ihm nur die Buchstaben gibt für große Weltenvorgänge, der steht auf keinem andern Standpunkt als der, welcher sagt: hier ist eine Gruppe solcher Striche, dort ist eine Gruppe anderer Striche — der aber nicht darauf hinweist, worauf das Wort Herr hinweist, der nur auf die schwarzen Striche hinweist. In dieser Weise wird allerdings einfach in unserer Zeit das Markus-Evangelium beschrieben. Denn was im Markus-Evangelium erzählt wird, das ist nur das Alleräußerste der Buchstaben. Man muß aufrücken, um das zu verstehen, worauf die Vorgänge in Palästina hinweisen sollten wie in einem Schattenspiel.
[ 49 ] What happens on Earth are reflections of cosmic processes that relate to cosmic conditions in the same way that a rainbow relates to rain and sunshine; thus, we must study rain and sunshine if we wish to describe the rainbow. And if we wish to know what was in the heart of John the Baptist, or of Jesus of Nazareth, who became the dwelling place of Christ, then we must study cosmic processes. For the whole world spoke on behalf of humanity in the events that took place in Palestine and on Golgotha. And whoever reads the Gospel of Mark in any way other than as merely the letters representing great world events stands on no other standpoint than that of one who says: here is a group of such strokes, there is a group of other strokes—but who does not point to what the word “Lord” points to, who points only to the black strokes. This is, however, simply how the Gospel of Mark is described in our time. For what is recounted in the Gospel of Mark is only the very outermost layer of the letters. One must step back to understand what the events in Palestine were meant to point to, as in a shadow play.
[ 50 ] Versuchen Sie dahinter zu kommen, was es heißt: Irdische Vorgänge sind ein Schattenbild makrokosmischer Vorgänge -, und Sie werden den ersten Schritt getan haben, um eine der größten Urkunden der Welt, das Markus-Evangelium, nach und nach verstehen zu können.
[ 50 ] Try to grasp what it means that earthly events are a shadow of macrocosmic events—and you will have taken the first step toward gradually understanding one of the world’s greatest texts, the Gospel of Mark.
