Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124
6 December 1910, Berlin
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Excursus on the Gospel According to St. Mark, tr. Unknown
Vierter Vortrag
Excurse Two
[ 1 ] Aus meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» konnten Sie alle entnehmen, daß die Evangelien, wenn man sie richtig verstehen will, in einer ganz gewissen Weise aufgefaßt werden müssen. Indem ich nun die Betrachtungen über die Evangelien in diesem Winter hier fortsetze, bemerke ich ausdrücklich, daß es ja nicht möglich ist, daß für die jüngeren Mitglieder sozusagen immer wieder vom Anfange angefangen wird, und daß daher gewiß manches in den Ausführungen, die da kommen werden, für jüngere Mitglieder schwer verständlich sein wird. Es ist bereits gelegentlich der Generalversammlung gesagt worden, wie notwendig es ist, daß die jüngeren Mitglieder an den Kursen teilnehmen, die eingerichtet worden sind, damit das Frühere immer nachgeholt werden kann, denn sonst könnten wir nicht weiterschreiten. Aber ich möchte dabei eines ganz besonders bemerken: Es scheint eben nicht durchführbar zu sein, daß die jüngeren Mitglieder wirklich energisch daran arbeiten, die Anfangspartien des geisteswissenschaftlichen Lebens nachzuholen. Deshalb wird es immer wieder und wieder vorkommen - ich will jetzt hypothetisch davon reden -, daß die jüngeren Mitglieder dieses oder jenes, was gewissermaßen den höheren Gebieten der Geisteswissenschaft angehört und gewisse Voraussetzungen macht, unverständlich finden werden und sich deshalb ein ganz sonderbares Urteil über Geisteswissenschaft bilden werden. Das liegt dann an den entsprechenden Mitgliedern, und nicht an dem, was gemeint ist.
[ 1 ] From my book, “Christianity as Mystical Fact,” it can be gathered that the Gospels, when rightly understood, must be accepted in a very special way. As I intend to speak on the Gospels during this winter I would like to say that it is not possible for me always to begin again from the beginning for the sake of the younger members, so that there will certainly be much in these lectures that will be difficult of comprehension for younger members. It has frequently been remarked on the occasion of the annual meeting how necessary it is that our younger members should take part in the courses of lectures, that these should be arranged so that early teachings are constantly repeated. May I say here something rather strange—it does not seem practical that the younger members should work so very energetically at going over the beginnings of theosophical life. In that case it might happen that the higher realms of spiritual science were incomprehensible to them, and they might for this reason form strange opinions as to what spiritual science is. This is, however, a matter for the individual member.
[ 2 ] In meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» ist gezeigt worden, daß wir die Evangelien im wesentlichen aufzufassen haben als Einweihungsbücher. Das heißt, daß diese Evangelien im Grunde genommen nichts anderes sind als in gewisser Art umgeschriebene, alte Einweihungsritualien. Was wird in solchen alten Einweihungs- oder Initiationsvorschriften gestanden haben? In ihnen war vorzugsweise enthalten, wie der Kandidat für die Schulung zu den höheren Welten stufenweise seinen Weg hinaufgeführt werden sollte, wie er nach und nach gewisse innere Erlebnisse, gewisse Erlebnisse seiner Seele durchzumachen hatte, wie er die in seiner Seele schlummernden Kräfte zur Erweckung zu bringen hatte; wie sich eine höhere Stufe an eine niedere angliederte, bis zu jener Stufe der Initiation hinauf, auf welcher hereinbricht in die Seele des zu Initiierenden die geistige Welt, auf welcher an ihn herankommen die Geheimnisse der geistigen Welt. Dann kann er also hineinschauen in diese geistige Welt, kann zum Beispiel schauen die verschiedenen Wesenheiten der einzelnen Hierarchien, wie wir sie im Laufe der Zeit aufgezählt und auch in mancherlei Zusammenhängen charakterisiert haben. Was also der Einzuweihende zu tun hat, war der Inhalt solcher Einweihungsbücher.
[ 2 ] I showed in the book mentioned above that we have to accept the Gospels as “books of initiation.” This means that they are nothing less than accounts of the ancient ritual of initiation, paraphrased in a certain way. What is stated in these ancient writings? They mainly contain accounts of how the candidate in his training was led step by step along the path to higher worlds. How he gradually went through certain soul-experiences and was finally brought to the point where certain forces slumbering in his soul were awakened. We read how higher stages gradually evolved out of lower ones, up to that stage when the spiritual world dawned within the soul of the would-be initiate and the secrets of the spiritual world were revealed to him. He could then look into the spiritual world. He could behold, for example, the Beings of the different hierarchies as we have described them in other connections on many occasions. Thus the content of such “books of initiation” was what anyone seeking initiation had to carry out.
[ 3 ] Wenn wir nun die vorchristlichen Zeiten verfolgen, so finden wir, daß zahlreiche Menschen in den verschiedenen Mysterienstätten eingeweiht wurden - nicht immer in der ganz gleichen, aber im wesentlichen in derselben Art - und hinaufgeführt wurden die Stufen bis zu jenem Punkt, wo sie hineinschauen konnten in die geistige Welt, wo sie die Wesenheiten der einzelnen Hierarchien geisthaft - im Gegensatz zu leibhaft - vor sich haben konnten. Das war so in den vorchristlichen Zeiten. Was bedeutet das Christentum gegenüber diesen Eingeweihten der alten Mysterien? Was bedeutet ihnen gegenüber der Christus-Impuls? Er bedeutet, daß eine Wesenheit, die äußerlich für die Wahrnehmung des physischen Planes bekannt war als Jesus von Nazareth, nicht auf dem gewöhnlichen Wege der alten Mysterien, nicht so wie es in den vorchristlichen Zeiten immer üblich war, die Geheimnisse der geistigen Welt offenbarte, sondern in einer andern Art. Eine Persönlichkeit, die im Sinne der alten Einweihungsritualien initiiert worden war, konnte, wenn das große Ereignis, das ich eben charakterisiert habe, an ihrer Seele vorbeigegangen war, hinaustreten zu den andern Menschen und sprechen von den Geheimnissen der geistigen Reiche. Nun war aber mit dem Christus-Ereignis etwas da, wodurch die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth von den Geheimnissen der geistigen Reiche sprechen konnte, ohne auf dem von altersher üblichen Wege dazu geführt worden zu sein. Denn diese Persönlichkeit des Jesus von Nazareth wurde dazu geführt dadurch, daß sie bei der sogenannten Jordan-Taufe in sich empfing den Christus-Geist. Von dem Augenblick an, da diese Persönlichkeit bei der Jordan-Taufe, also in einem historischen Ereignis, sozusagen weltgeschichtlich eingeweiht wurde, von diesem Moment an sprach der Christus-Geist — aber in einer viel höheren Weise - von den Geheimnissen der geistigen Reiche zur Umwelt. Es war also mit dem Christus etwas da auf dem physischen Plan, offen für alle Welt, was vorher nur in den Tiefen der Mysterien bis zu einem gewissen Grade eben für die Einzuweihenden erreichbar war, so daß sie dann hinausgehen konnten, um von den Geheimnissen der geistigen Reiche zu ihren Mitmenschen zu reden. Wenn wir uns die Sache bildlich vorstellen wollten, könnten wir sagen: Wir blicken hinein in die alten Mysterientempel und sehen, wie von dem Hierophanten die Persönlichkeiten eingeweiht wurden, so daß sie hineinschauen konnten in die geistigen Reiche und dann hinausgehen und lehren konnten von der geistigen Welt. Das alles entwickelte sich immer in dem tiefsten Geheimnis der Mysterientempel. Und in der Außenwelt, außerhalb der Mysterien, war so etwas wie ein Hinaufgelangen zu der Möglichkeit, von den geistigen Reichen zu sprechen, nicht dagewesen. Jetzt war das, was oft und oft in den Tiefen der Mysterien geschehen war, gleichsam herausgetragen nach Palästina, stellte sich dar als weltgeschichtliches Ereignis, als die Entwickelung des Jesus von Nazareth, stellte sich dar als weltgeschichtliche Initiation in dem Mysterium von Golgatha. Also das Mysterium wie hinausgetragen in die Weltgeschichte, hingestellt als historische Tatsache vor aller Welt - so haben wir den Zusammenhang des Mysteriums von Golgatha mit den Mysterien der alten heiligen Tempel aufzufassen.
[ 3 ] In studying pre-Christian ages we find that many persons passed through initiation in different centres of the Mysteries; that this was not always exactly the same in form, though similar in character, that the stages were introduced one by one up to the point where the person seeking initiation could see into the spiritual world, where the Beings of the Hierarchies appeared before him spiritually—that is in a different way to a physical appearance. This was how it was in pre-Christian times. What meaning for Christianity had these initiations into the ancient Mysteries? What was their significance towards the Christ-Impulse? Their significance was that a Being, outwardly visible on the physical plane and known as “Jesus of Nazareth,” disclosed the secrets of the spiritual world in a way that was not customary, in a way not in accordance with the methods of pre-Christian times. An individual initiated in accordance with ancient ritual (when the events just described had taken place in his soul) could come before men and speak of the secrets of the spiritual kingdoms. But in the case of Christ Jesus something was present by which this personality, Jesus of Nazareth, could speak of these hidden matters without having been led to them in the ancient customary manner. Jesus of Nazareth had been led to them through what is called the baptism in Jordan. The Spirit of Christ then entered into him. From this moment—that is from the moment of an historic event when the person of Christ Jesus was initiated in so open a way—the Spirit of Christ spoke to the people around Him of the Mysteries of the spiritual realms, but in a higher way than had been done before. Something had there-fore been accomplished on the physical plane, open for all the world to see, which formerly had been attainable—and to a certain extent only by initiates in the depths of the Mysteries, so that they might then go forth and speak of these mysteries to their fellow men. To put the matter pictorially we might say:—We look back to the ancient temple of the Mysteries, we see the Heirophant performing the rites of initiation, so that the person initiated can look into the spiritual world, and can then go forth and teach others of this world. This had always been carried out gradually and in the secret depths of the Temple. Any talk of such things in the world outside the Mysteries, any talk concerning the spiritual world, was an utter impossibility. But now, what had often and often taken place in the depths of the Mysteries, had been transferred to the outer world, it took place in Palestine. There it was enacted as an historic fact, as the development of Jesus of Nazareth; it was enacted historically in the Mystery of Golgotha. And we have to accept this Mystery, set forth as it was historically before all the world, as forming the link between the Mystery of Golgotha and those ancient Temple-Mysteries of the past.
[ 4 ] Nun waren diese Einweihungsvorschriften, wenn sie auch im wesentlichen dieselben Stufen überall enthielten, doch bei den verschiedenen Völkern an den verschiedenen Orten der Erde durch dieses oder jenes im einzelnen verschieden, angepaßt den menschlichen Individualitäten nach Zeit und Raum. Versetzen wir uns einmal mit dem, was wir jetzt eben gesagt haben, in die Seele einer derjenigen Persönlichkeiten, die, wie man sie gewöhnlich nennt, als Evangelisten beteiligt sind an der Niederschrift unserer Evangelien. Solche Persönlichkeiten kannten durch ihre eigene okkulte Schulung in einer gewissen Weise die Einweihungsvorschriften dieser oder jener Völker, dieser oder jener Mysterien. Sie wußten, was man durchzumachen hatte, um hinaufzugelangen zu der Möglichkeit, die Geheimnisse der geistigen Reiche und der geistigen Hierarchien zu verkünden. Und jetzt hatten sie wahrgenommen durch die Ereignisse von Palästina und durch das Mysterium von Golgatha, daß dasjenige, was man sonst nur sehen konnte, wenn man ein Eingeweihter der Mysterientempel war, sich draußen auf dem großen Plan der Weltgeschichte abgespielt hatte für alle Menschen und sich nun immer mehr und mehr einbürgern sollte in die Herzen und Gemüter aller Menschen.
[ 4 ] Writings descriptive of initiation, though dealing in essence with the same stages of development differed in certain particulars in different parts of the earth, and were suited to the differences in human individuals according to space and time. Knowing this let us endeavour to enter into the soul of one of those, generally called Evangelists, who concerned themselves with the writing of our Gospels. These men, through their own occult schooling, had some knowledge of the initiation literature of the various peoples and Mysteries. They knew what men had to pass through before it was possible for them to speak of the secrets of spiritual realms and spiritual Hierarchies. And now through the events that had occurred in Palestine, and through the Mystery of Golgotha, they were aware that what formerly had only been seen by initiates in the temple of the Mysteries, had been enacted openly on the plane of history before all the world, and that it would henceforth enter ever more and more deeply into the minds and souls of men.
[ 5 ] Die Evangelisten waren nicht Biographen in unserem Sinne, wo man das in die Biographien schreibt, was die Welt eigentlich nichts angeht und was kein Mensch von irgendeiner wirkenden Persönlichkeit zu wissen braucht. Sie waren keine Biographen, die jede Privatangelegenheit aufstöberten, sondern sie waren in dem Sinne Beschreiber des Christus-Lebens, daß sie sagten: Da hat sich mit dem Jesus von Nazareth, in dem der Christus gewesen ist, etwas zugetragen, was wir immer wieder und wieder gesehen haben in den Mysterien, dort aber nicht als historisches Ereignis zusammengezogen auf einzelne Jahre. Hier dagegen ist es historisches Ereignis geworden, aber es ist eine Wiederholung der Tempelritualien. Wir könnten also das Jesus-Leben beschreiben, wenn wir angeben die Stufen, die sonst bei den Einweihungen durchgemacht wurden.
[ 5 ] The Evangelists were not biographers in the ordinary sense of the word when things are written which really do not concern the world, and which no one requires to know about any actively creative personality. They were not biographers like those who ferret out each private concern of the person they write of, but they were biographers in so far as they described the life of Christ by saying:—“Something happened at a certain time to Jesus of Nazareth, into whom the Christ entered, which we have seen happen again and again in the Mysteries; but there it was not compressed as a historic event into a few short years; here, on the contrary, it has become an event of history, yet is at the same time a repetition of Temple-ritual; we can therefore describe this life by describing the different stages formerly passed through during initiation.”
[ 6 ] Deshalb nehmen sich die Evangelien aus wie sozusagen in Weltgeschichte umgesetzte Einweihungsvorschriften. Wir finden die Einweihungsvorschriften der alten Mysterien wieder in den Evangelien, aber so, daß in einer gewissen Weise der Grund angegeben wird, warum das, was sich früher in den Tiefen der Tempel zugetragen hat, herausgetreten ist auf den großen Plan der Weltgeschichte. Das finden wir in einer gewissen Weise motiviert. Und man darf sagen, derjenige Evangelist, der gleich mit dieser Begründung beginnt, der gleich von Anfang an sagt, warum er eigentlich in die Lage gekommen ist, von einem welthistorischen Ereignis zu schreiben, das eine ins Große umgesetzte Einweihungsvorschrift erfüllt, das ist der Schreiber des Markus-Evangeliums. Er spricht von Anfang an aus, wie die Menschheit sich entwickelt hat, damit dieses große Ereignis eintreten konnte, daß die Einweihung aus den Tempeltiefen hinausgetragen werden konnte auf den Plan der Weltgeschichte. Er macht von vornherein darauf aufmerksam, daß es zusammenhängt mit einem über alle Maßen wichtigen Ereignis der ganzen Menschheitsentwickelung, das insbesondere die hebräischen Propheten den Menschen vorausgesagt haben. Denn was eingetreten ist in Palästina als Mysterium von Golgatha, das haben die wahren Eingeweihten - und zu denen gehören in einem gewissen Sinne die hebräischen Propheten - vorausgesehen und vorausgesagt.
[ 6 ] Thus were have to regard the Gospels as books of instructions concerning initiation. In them are found again the ancient directions for initiation, but so that we are shown in a certain way the reason why that which formerly occurred in the depths of the Mysteries now emerges on to the great plane of history. The Evangelist who begins his Gospel by stating the reason for this, who tells from the beginning why he is in a position to write of an historic event which, transformed into something greater, fulfils the instructions given for initiation, is the writer of the Gospel according to Mark. He tells from the first how man has evolved so that this great fact of the removal of initiation from the secret depth of the temples and the setting of it openly on the plane of history, might come to pass. He tells us from the beginning that this is connected with an event of immeasurably great importance to human evolution; an event foretold by the Hebrew Prophets. For what occurred in Palestine as the Mystery of Golgotha had been seen and spoken of prophetically by Hebrew Initiates and Prophets.
[ 7 ] Wenn wir uns versetzen in die Seele eines solchen Menschen wie der Prophet Jesajas, von dem gerade das Markus-Evangelium ausgeht, dann haben wir in seinen Worten etwa das Folgende gegeben. Er sagt: Es wird eine Zeit kommen, in der es in den menschlichen Seelen anders ausschauen wird als jetzt; aber diese Zeit bereitet sich jetzt schon vor. — Dies meinte Jesajas zu seiner eigenen Zeit. Was also wollte der Prophet Jesajas sagen? Sie wissen ja, daß das Markus-Evangelium gleich beginnt mit der Anführung der gewaltigen Worte dieses Propheten. Sie kennen diese Worte, wie sie gebräuchlich sind, und wie sie im Markus-Evangelium etwa in der folgenden Weise angeführt werden. Ich will eine übliche Übersetzung dieser Worte nehmen, wie sie in der Carl Weizsäckerschen Übersetzung stehen.
[ 7 ] If we try to enter into the soul of such a man as the Prophet Isaiah, with whose words the Gospel according to Mark begins, we find that he declares somewhat as follows:—A time will come when the souls of men will perceive differently than they do now; this time is now being prepared for. (Isaiah refers here to his own day.) What is it he wishes to tell us? You know that the Gospel according to Mark begins with the introduction of a mighty saying of this Prophet. You know the words well, and how they are employed. I make use here of the ordinary translation of C. Weizsäcker:—
[ 8 ] «Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der soll dir den Weg bereiten. Hört, wie es ruft in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn, macht eben seine Pfade.»
[ 8 ] Behold I send my messenger before thee, he shall prepare thy way. Hark to the cry in the wilderness: Make ready the way of the Lord. Make his path straight.
[ 9 ] So stehen sie in einer als außerordentlich gut für die deutsche Evangelienliteratur geltenden Übersetzung.
[ 9 ] Thus, it is fairly well translated in our Gospel literature. The Prophet refers in these words to the greatest event in history—to the Mystery of Golgotha.
[ 10 ] Diese Worte des Jesajas sind in der Tat diejenigen, durch die der Prophet hinweist auf das große Ereignis der Weltgeschichte in Palästina, auf das Mysterium von Golgatha. Sie wissen, wieviel Mühe wir gehabt haben bei der Betrachtung der andern Evangelien, um die maßgebenden Stellen in einer einigermaßen verständigen Weise in unser Deutsch hereinzubringen. Es handelt sich ja bei diesen Dingen nicht darum, daß man eine lexikale Übersetzung gibt, sondern daß man die betreffenden Wendungen so herüberbringt, daß der tiefe, bedeutungsvolle Sinn, der gemeint ist, uns aus den deutschen Worten ebenso entgegentönen kann, nicht nur für unsere theoretische Auffassung, sondern auch für unser ganzes Fühlen, wie er entgegentönte denen, die die ganze Eigenart der damaligen Sprechweise kannten. Denn die damalige Sprechweise war total anders als die heutige. Vor allem muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß jene Sprechweise nicht so abstrakt, so nüchtern und philiströs war wie unser heutiger Sprachgebrauch; sondern die Sprechweise und die ganze Art und Weise des Ausdrucks war so, daß man immer einen reicheren Sinn, eine reichere Bedeutung, eine gewisse Inhaltsfülle heraushörte neben dem unmittelbaren Wortsinn, und doch aber wieder in eindeutiger Weise wußte, was diese Inhaltsfülle war. Wesentlich ist zu erfassen, daß man viel mehr eine Welt hörte aus den Worten, als heute die Menschen gewöhnt sind bei dem zu hören, was man sagt. Nun ist es gerade eine Eigentümlichkeit der alten hebräischen Sprache, ungeheuer reich in dieser Beziehung zu sein, hinter den Worten geradezu ganze Welten zu verbergen, während man ein Bild brauchte, das ganz und gar bloß von der Sinneswelt genommen war. Solche Ausdrücke wie «bereitet den Weg» oder «macht eben die Pfade», das sind Bilder, die von der Sinneswelt genommen sind - wie man einen Weg bereitet mit Schaufeln und Spaten. Wenn man so etwas aussprach, war es eine Eigentümlichkeit dieser gegenüber allen anderen besonders großartigen Sprache, daß hinter diesen Ausdrücken, die äußerlich auf etwas angewendet wurden, eben ganze geistige Welten steckten — aber in eindeutiger Weise, so daß man nicht in beliebiger Art auslegen kann, wie es zum Beispiel unsere modernen Gelehrten mit den Dichtern tun, indem sie alles mögliche hineinlesen. Man konnte nicht in beliebiger Weise alles mögliche in die Dinge hineingeheimnissen. Das beruhte zum Teil darauf, daß in der althebräischen Sprache die Möglichkeit vorhanden war, durch das persönliche Gebrauchen der ja in der Schrift nicht ausgedrückten Vokalisierung im Laute ganze Weltengeheimnisse zu geben. Es war ein Gefühl vorhanden für solche Weltengeheimnisse.
[ 10 ] You, know that in our studies of the other Gospels great trouble has been taken to translate important passages in a comprehensible way. What matters most in this, is not the giving of a correct verbal translation according to the dictionary, but in choosing words that reproduce the deep significance of the original and convey this to us in our own language; not only in presenting them theoretically to our understanding, but so that the whole feeling that accompanied the peculiar quality of the language of that day is also passed on to us. For speech at that time was totally different from the present manner of speech. I would like to impress this fact on you, that speech was then not so abstract, so trivial as it is to-day. The whole manner of expressing anything was such that an ever deeper meaning, a richer significance and feeling-content was imparted to the listener along with the actual words, yet he knew most unmistakably what this feeling-content was. A whole WORLD was then heard in the spoken word compared with what is ordinarily heard to-day. This is a special quality of the Hebrew tongue, it is exceedingly rich in this power of concealing a very great deal behind the words, because the images employed were taken altogether from the sense-world. Expressions such as “prepare the way” or “make straight the path” are pictures drawn from the sense-world. It is as if the path were prepared with spades and shovels. But when such words were used, the peculiarity of this language compared with others was that behind the expressions employed to denote outward things, a whole spiritual world stood—it stood there so clearly and incontestably that no one could interpret it to their own liking, as is so often done with poetry, where all kinds of things are sometimes read into it. The reason for this was that in the ancient Hebrew language, in the personal use of the language, which cannot be shown in the script, it was possible for whole hidden worlds to be given in the tone. A feeling for such secret things existed.
[ 11 ] Im Griechischen - in dieser Sprache haben wir ja zunächst den Text der Evangelien - ist dies schon nicht mehr in so starkem Maße der Fall. Dennoch wäre es noch immer möglich, auch ohne Okkultismus aus dem Griechischen viel bessere Übersetzungen aus den betreffenden Dingen herauszuholen, als es von denen geschehen ist, welche die Evangelien übersetzt haben. Denn im Grunde genommen hat immer nur einer den andern abgeschrieben, ohne daß man auch nur philologisch darangegangen wäre zu prüfen, wie es sich mit der Sache verhält, wenn man den griechischen Text vor sich hat. Ich werde Ihnen an einzelnen Beispielen später zeigen, der Vollständigkeit wegen, wie man Fehler gemacht hat und so weiter. Heute will ich aber unsere Betrachtungen damit nicht aufhalten, sondern ich will versuchen, nicht philologisch, sondern mit Zuhilfenahme dessen, was man aus der geistigen Forschung wissen kann, einiges Wesentliche aus dem Beginn des Markus-Evangeliums Ihnen vor Augen zu führen. So möchte ich zunächst einmal die so maßgebende Stelle anführen, durch die aus der Prophetie des Jesajas gezeigt werden soll, was kommen soll mit dem Ereignis von Palästina, damit Sie herausfühlen können, was damit gemeint ist.
[ 11 ] In Greek, the language of the Gospel text, this is not nearly so much the case. All the same it was still possible, without occult knowledge, to obtain far better translations from the Greek than from the language used by the Evangelists. As a matter of fact, one translator has merely copied another in this without going into the matter philologically or proving how the original compared with the Greek text. I will give you later a single example of how great were the errors that arose through this. To-day I will not interrupt the course of our studies, but will try, not philologically, but with the help of what can be learnt through spiritual investigations, to put before you some important things concerning the beginning of the Gospel of Mark. I will start with this important passage from the prophecies of Isaiah, wherein he tries to show what is to come to pass through the Event of Palestine, so that you may discover through your feeling what it means.
[ 12 ] Der griechische Text heißt ja:
[ 12 ] The Greek text is as follows:
Ἰδοὺ, ἀποστέλλω τὸν ἄγγελόν μου πρὸ προσώπου σου, ὃς κατασκευάσει τὴν ὁδόν σου.
Φωνὴ βοῶντος ἐν τῇ ἐρήμῳ, Ἑτοιμάσατε τὴν ὁδὸν Κυρίου, εὐθείας ποιεῖτε τὰς τρίβους αὐτοῦ.(Idou egō apostellō ton angelon mou pro prosōpou sou, hos kataskeuasei tēn hodon sou emprosthen sou,
Phōnē boōntos en tē erēmō: Hetoimasate tēn hodon Kyriou, eutheiās poieite tās tribous autou.)
(1) Ἰδοὺ, ἀποστέλλω τὸν ἄγγελόν μου πρὸ προσώπου σου, ὃς κατασκευάσει τὴν ὁδόν σου.
(2) Φωνὴ βοῶντος ἐν τῇ ἐρήμῳ, Ἑτοιμάσατε τὴν ὁδὸν Κυρίου, εὐθείας ποιεῖτε τὰς τρίβους αὐτοῦ.(Idou egō apostellō ton angelon mou pro prosōpou sou, hos kataskeuasei tēn hodon sou emprosthen sou,
Phōnē boōntos en tē erēmō: Hetoimasate tēn hodon Kyriou, eutheiās poieite tās tribous autou.)
[ 13 ] Es kommt nun vor allen Dingen darauf an, daß wir uns klar sind, daß das Wort Angelos, Bote oder Engel, in diesen alten Zeiten nur in dem Sinne gebraucht worden ist, wie wir es im Sinne unserer Hierarchien-Darstellung brauchen, also als Bezeichnung für solche Wesenheiten, die in der Hierarchie, wenn man von oben nach unten geht, dem Menschen unmittelbar vorangehen. Man muß es fühlen, wenn hier steht τὸν ἄγγελόν, daß da eine Wesenheit gerade aus dieser Stufe der Hierarchien gemeint ist. Fühlt man das nicht, so kann man die ganze Stelle überhaupt nicht verstehen. Deshalb kann auch nur die Geisteswissenschaft die Grundlage bilden zum Verständnis einer solchen Sache. Wenn wir sie aber richtig verstehen, können wir uns dadurch eine Grundlage schaffen für das, was der Okkultismus über das Christus-Ereignis zu sagen hat. Denn was ist das Wesentliche des Christus-Impulses? Wir haben es so gesagt: Es ist durch den Christus-Impuls das volle Bewußtsein erst dafür in die Menschenseele gekommen, daß in der menschlichen Seele ein Ich Platz greifen soll, ein selbstbewußtes Ich, und daß aus diesem selbstbewußten Ich heraus nach und nach im Verlaufe der folgenden Erdenentwickelung alle die Geheimnisse kommen müssen, die früher durch eine Art natürlichen Hellsehens aus dem astralischen Leib heraus gekommen sind.
[ 13 ] We must in the first place clearly understand that the word messenger or angel was only used in olden times in the sense employed by us when describing the Hierarchies, that is when we describe those Beings who stand immediately above man in the ranks of the hierarchies. We must feel when we read the words “his angel” that a Being belonging to this realm is meant. If this is not felt then the meaning of the whole passage is lost. Spiritual science alone can provide a foundation for such an understanding, and also for all it has to tell us about the Christ-Event. What is the fact of greatest importance in the Christ-Impulse? The fact that through it full consciousness first entered the human soul so that a place might be prepared there for a self-conscious ego. So that there might gradually arise within this self-consciousness ego in the further course of earthly evolution, all the secret things (Geheimnisse) which formerly arose by a kind of natural clairvoyance within the astral body.
[ 14 ] Es ist vorangegangen der Zeit, in der wir leben, diese andere Zeit, in der die Menschen noch bis zu einem gewissen Grade in der nachatlantischen Kultur ein natürliches Hellsehen gehabt haben, durch das sie hineinblicken konnten in die geistige Welt. Da strömten in gewissen abnormen Zuständen der Seele die Geheimnisse der geistigen Welt herunter; da sahen die Menschen hinauf in die Hierarchien. Natürlich am meisten und am längsten sahen sie zu derjenigen Hierarchie, die dem Menschen am allernächsten steht, zu der Hierarchie der Engel. Als unmittelbar über dem Menschen stehende Wesenheiten sahen sie die Engel. Von sich selbst nahm der Mensch in diesen Zeiten alten Hellsehens noch nicht wahr, daß er in sich selber etwas hatte, was ihn hinaufführen sollte in die geistige Welt. Er mußte es ansehen als eine ihm von äußeren Mächten erwiesene Gnade, als ein Hereinschicken der geistigen Mächte in die Seele. Daher konnten die Propheten in der folgenden Art hinweisen auf die Zukunft: Es wird die Zeit kommen, da wird der Mensch sein Ich fühlen; da wird er wissen, daß es das selbstbewußte Ich ist, woraus die Geheimnisse der geistigen Welten heraussprießen sollen. Alles muß in der Zeit kommen. Aber die Zeit wird kommen, wo der Mensch sagen kann: Wenn ich mein Ich in mir habe, so dringe ich aus der Kraft des Ich heraus hinauf in die Geheimnisse der geistigen Welt.
[ 14 ] The present epoch was preceded by one in which men still carried over with them into post-Atlantean culture a natural clairvoyance which enabled them to look into the spiritual world. In certain abnormal conditions of soul the secrets of the spiritual world still poured down into men, and they were able to look up to the Hierarchies. They naturally saw more often, and for a longer period, the Hierarchy which stands nearest to man—The Hierarchy of Angels. They saw them as the Beings standing immediately above man. In the time of this ancient clairvoyance men were not aware that they possessed something within them that was to lead them to the spiritual world. They looked on it as a grace accorded to them from without, as something granted to their souls by spiritual powers. Therefore the Prophets looking to the future could speak as follows:—“A time is coming when man will be aware of his ego; he will then know that it is through the self-conscious ego that the secrets of the spiritual world will come to him.” All this was to come. A time was to come in which man would say: “When I have my ego in me, I shall be able through the power it brings, to penetrate to the secrets of the spiritual world.” This had, however, first to be prepared for.
[ 15 ] Das mußte aber vorbereitet werden. So mußte also sozusagen die unterste Stufe der Hierarchien, der Mensch, vorbereitet werden, indem dem Menschen dasjenige geschickt wird, was er noch nicht ist, damit er sich vorbereiten kann zu dem, was er werden soll. Der Bote, der Engel mußte dem Menschen verkünden, daß er ein Ich werden soll im vollen Sinne des Wortes. Und während nun die früheren Engel die Aufgabe hatten, die geistige Welt zu zeigen, mußte jetzt ein besonderer Engel die besondere Aufgabe erhalten, etwas weiter zu gehen mit den Öffenbarungen an die Menschen, mußte ihnen sagen, daß sie in ihr Ich hineindringen sollen, während die früheren Engel so offenbart hatten, wie es nicht für ein Ich bestimmt war.
[ 15 ] Thus man, who is as it were, the lowest of the Hierarchies, had to he prepared for what he was to become by being equipped with something which as yet he did not possess. The messenger or Angel, announced that man would become an ego-being in the fullest sense of the word. While the mission of former Angels had been to reveal to man the spiritual world, a special Angel was now to receive a special mission. This Angel was to carry revelation a stage further, and make known to man that he was to enter consciously into his ego, while the revelations of former Angels had not been suited to a self-conscious ego.
[ 16 ] So macht Jesajas darauf aufmerksam: Es wird die Zeit des IchGeheimnisses kommen, und aus der allgemeinen Schar der Engel wird einer abgeordnet werden, der euch dann zeigen wird, daß dieses IchGeheimnis kommen wird. — So nur können wir verstehen, was es heißt, daß der Engel, der Bote vorangeschickt werden soll. Vor wem also wird denn dieser Bote vorangeschickt? Er wird vorangeschickt vor dem Menschen, der zu seinem selbstbewußten Ich kommen soll, und er soll kommen als eine Wesenheit aus der Hierarchie der Angeloi, die im allgemeinen noch nicht so zum Menschen gesprochen hatte, daß vorausgesetzt wurde, der Mensch sei ein selbstbewußstes Ich. Dieser Bote also, von dem der Prophet Jesajas spricht, soll kommen und die Menschheit aufmerksam machen, daß sie sich vorbereiten soll, in ihrem Innern, in ihrer Seele einen Platz zu schaffen für das Ich, für die volle Geltendmachung des Ich. Es soll also mit dieser Stelle im wesentlichen hingedeutet werden auf den großen Umschwung in der Entwickelung der menschlichen Seele, daß die Menschen, nachdem sie früher sozusagen immer aus sich selber heraus mußten, um in die geistige Welt hineinzukommen, von jetzt ab in ihrem Ich verbleiben können und aus dem Ich selber herausholen können die Geheimnisse der geistigen Welt.
[ 16 ] So Isaiah announces:—“The age of the Mystery of the Ego is to come, and from among the host of Angels one will be specially chosen to declare to you this Mystery!” Only in this way can we understand what is meant when it says that the Messenger or Angel was sent before. Before whom was the Messenger sent? He was sent beforehand to those who were to attain their self-conscious ego, and was to come as a Being from the Hierarchy of Angels. No angel had as yet announced generally to men that it was foretold they were to receive a self-conscious ego. So this messenger of whom the Prophet Isaiah spoke came to tell them to prepare themselves inwardly, to create within their souls a place for the ego, to prepare for the full validity of the ego. What is most important in this passage is the reference to the great change in the evolution of the human soul; whereas formerly men had to go out of themselves in order to enter the spiritual world, from this time onwards they could continue within their ego, and could, through it, discover the secrets of that world.
[ 17 ] Vergleichen wir einmal eine alte Seele mit einer Seele aus der Zeit des herannahenden Christus-Impulses. Stellen wir uns vor Augen einen Menschen der vorchristlichen Zeit, besonders früherer Jahrhunderte. Wenn er hinaufgelangen wollte in die höheren Welten, so konnte er das nicht mit der Aufrechterhaltung des Selbstbewußtseins, soweit es schon entwickelt war. Er mußte es geradezu entäußern, mußte kommen in einen Selbst-entäußerten Zustand, mußte aufgehen in die Welt der Hierarchien, in die Welt der Geistigkeit selber. Sein Bewußtsein wurde herabgestimmt. Das war ein altes Gefühl der früheren, vorchristlichen Zeit.
[ 17 ] Let us now compare a soul of olden times with one from the time when the Christ-Impulse was drawing near; picture a man of the earlier pre-Christian centuries. If wishing to enter the spiritual world he could not to do so and maintain his self-consciousness however highly he was developed. To do this he had to divest himself of his self-consciousness, had to pass into an unconscious condition; he had to rise into the world of the Hierarchies—the world of the spirit. His consciousness was lowered. This was an old feeling belonging to pre-Christian times.
[ 18 ] In welcher Lage war nun ein Mensch, der schon nicht mehr so recht in der Zeit lebte, wo es das Richtige war, daß man mit Selbstentäußerung sich in die geistige Welt hineinfinden konnte, sondern der in der Zeit lebte, wo man sich in die Stufe versetzt finden konnte, das Ich zu entwickeln? Vorhanden war das Ich ja schon in der atlantischen Zeit; aber daß daraus die volle Sicherheit für die größten Geheimnisse quellen konnte, das wurde erst durch den Christus-Impuls gebracht. Gerade aus diesem Grunde fühlte ein Mensch der alten Einweihung etwa so, daß er sagte: Wenn ich in die geistige Welt kommen will, wenn ich mir die Offenbarungen aus der geistigen Welt erwerben soll, so muß ich eine gewisse Stelle in mir unterdrücken, und ich muß andere Stellen in meiner Seele besonders lebendig machen.
[ 18 ] What then was the position of a man who did not altogether belong to the age when it was natural for him, on the withdrawal of self-consciousness, to find himself in the spiritual world; and what was the position of the man who did not live at a time when humanity was at the stage when his ego could be developed? The ego existed already in Atlantean times, but complete certainty that the greatest mystery of the spiritual world could well up within it came first to man through the Impulse of Christ. This was the feeling that caused men in the days of the old initiation to say:—“When I desire to enter the spiritual world and learn what these worlds can reveal to me, I have to suppress a certain part of me and stimulate and bring life to another part of my soul.”
[ 19 ] Was mußte er unterdrücken? Und was mußte er besonders lebendig machen? Was allmählich zum Ich heranwachsen sollte, das mußte er unterdrücken, das mußte sozusagen dunkler und dumpfer werden in seiner Seele. Darauf durfte er gar keine Rücksicht nehmen, das mußte etwas Ödes, etwas Leeres in ihm werden. Dagegen der astralische Leib, also der Leib, der Hellsichtigkeit in einem gewissen Grade geben konnte, mußte ganz besonders entflammt werden. Dann rückten in den astralischen Leib die alten hellseherischen Beobachtungen herein.
[ 19 ] What had to be suppressed? And what had to be made especially alive? That part of his soul which was gradually to develop into the “I” had to be suppressed; this is what had to become darker, heavier. It could retain no memory. It had to become void and empty. On the other hand the astral body, the body which can give a certain degree of clairvoyance, had to be specially stimulated. When this happened ancient clairvoyant powers of perception entered the astral body.
[ 20 ] Ich sagte, das Ich war schon in einem gewissen Grade da. Aber man konnte es nicht brauchen, wenn man die Geheimnisse der geistigen Welt erforschen wollte. Das Ich mußte unterdrückt und der astralische Leib entflammt werden. Aber das Entflammen der Impulse im Astralleib ist immer unmöglicher geworden. In den alten Zeiten gehörte es zu den elementarsten Eigenschaften des Menschen, daß er sein Ich unterdrücken und den Astralleib in Tätigkeit versetzen konnte, so daß die Geheimnisse der geistigen Welt in ihn hineinströmten. Darin bestand aber gerade die Fortentwickelung, daß der Astralleib immer unfähiger wurde, in sich herein zu bekommen die Geheimnisse der geistigen Welt. Der Mensch mußte sich etwa sagen: Mein Astralleib wird immer unfähiger, um das zu erreichen, was früher die Menschen in der alten Hellsichtigkeit erreicht haben; aber was in mir ist, mein Ich, das will auch noch nicht recht heraus, das kann sich noch nicht aufraffen, aus sich etwas zu erreichen.
[ 20 ] I have said that the ego was already present to a certain extent, but man could not make use of it when he desired to investigate the secrets of the spiritual world. The ego had in this case to be suppressed and the astral body stimulated. This stimulation of the astral body had become ever more and more impossible. In ancient times suppression of the ego and stimulation of the astral body so that the secrets of the spiritual world could pour into it, was something that belonged to the elemental attributes of man. Advance in evolution consisted in the increasing incapacity of the astral body to receive the secrets of the spiritual world. At this stage men acknowledged:—“My astral body will become ever less able to attain what once was mine through the old form of clairvoyance, my ego also will cease to pass out of me in the way it was wont to do, and as yet it is unable to rise to anything of itself.”
[ 21 ] Und die allerbesten Hellseher empfanden am allermeisten etwas Wüstes, etwas Ödes in der Seele. Das war das Ich, dem noch kein Impuls gegeben war. Und daneben empfanden sie die Unmöglichkeit, sich durch das Ich in die geistige Welt hinaufzuversetzen. Daraus können Sie die Stimmung entnehmen, in der jemand war zur Zeit des herannahenden Christus-Impulses, der einen Einblick tun wollte in die geistige Welt. Ein solcher mußte sich sagen: In meinem Astralleib kann ich nicht mehr das entwickeln, was früher möglich war; mein Ich kann aber noch keinen Impuls aufnehmen; das ist noch etwas Wüstes in meiner Seele, das kann nicht in die geistige Welt hinauf.
[ 21 ] The most gifted clairvoyant was at most aware of something empty, something void, within his soul. Such was the ego to which as yet no Impulse had been imparted. At the same time men were aware it was not possible for them to enter the spiritual world through the ego. From this you can gather what was the soul-attitude of those who desired to look into the spiritual realms at the time when the Christ-Impulse was approaching. They might have said:—“I can no longer develop in my astral body what formerly it was possible to develop; and no impulse has yet come to my ego; my soul is chaotic, I feel unable to rise to the spiritual world.”
[ 22 ] Da wurden dann angewendet gewisse Methoden, gewisse Trainierungen zur Zeit des herannahenden Christus-Impulses, die darin bestanden, daß man Bekanntschaft machen lernte mit dem, was noch nicht vom Geist erfüllt sein konnte. Wer in die höheren Welten hinauf wollte, der wurde darauf verwiesen, daß man ihm sagte: Werde dir klar: mit deinem Astralleib kannst du nicht hinauf; du mußt vor allen Dingen eintreten in die Stelle deines Inneren, wo du dich als Mensch so fühlst, als ob du gar keinen Zusammenhang hättest mit der Außenwelt.
[ 22 ] Then as the time for the coming of the Christ-Impulse drew near certain methods were employed, men underwent a certain training, with the result that they made the acquaintance of those who were not as yet filled with the spirit. When seeking entrance into higher worlds they were told:—“Realise that thou canst not rise to these worlds through thy astral body; thou must first of all enter that inward place where thou feelest thyself as man, where thou art no longer conscious of the smallest connection with the outer world.”
[ 23 ] So war die Stimmung in der Zeit des herannahenden ChristusImpulses für den, der die Einweihung suchte. Und jeder, der die Einweihung suchte, mußte sich klarmachen: In bezug auf meinen Astralleib muß ich darauf verzichten, in die geistige Welt hinaufzukommen, denn die Zeit ist vorüber, um durch den Astralleib hineinzukommen in die geistige Welt. Das Ich ist dazu noch unvorbereitet. Aber an dem, was eben heraus will und eindringen will in die geistige Welt, wo es den Impuls aufnehmen will, an dem kann ich erkennen — mehr als erkennen kann ich nicht -, daß etwas da ist, was mit aller Kraft und Macht hinstrebt zu dem geistigen Impuls!
[ 23 ] This was how men felt as the time for the coming of the Christ-Impulse drew near. Everyone who sought for initiation realised that his astral body was no longer fitted to be the means for his entrance into the spiritual world; that the time for this was past; and that the ego was not as yet ready for it. But those who desired to receive the Impulse, who longed to leave the body and penetrate to spiritual worlds, divined (more than divine they could not) that there was some-thing in them that strove with all its might towards that Spiritual Impulse.
[ 24 ] Diese Seelenerfahrung eines jeden, der in jener Zeit den Weg zum Geisteslicht suchte, nannte man den Weg in die Einsamkeit der Seele oder auch den Weg in die Einsamkeit. Was mußte der Bote also tun, der vorbereiten sollte auf das Christus-Ereignis? Er mußte den Leuten, die etwas wissen wollten von dem herannahenden Impuls, sagen, wie der Weg ist in die Einsamkeit. Er mußte die Einsamkeit gründlich kennen. Er mußte ein Prediger sein für die Einsamkeit der Seele.
[ 24 ] This soul-experience which all passed through who sought at that time the path to spiritual illumination was called “the path of loneliness.” What, then, had the messenger to do who prepared the way for the Christ-Event? He had to tell those who desired to know of the approaching Impulse, about “the path of loneliness.” He had to know loneliness fundamentally. He had to be the preacher of this loneliness of soul.
[ 25 ] Immer mehr und mehr werden Sie kennenlernen gerade an der Hand des Markus-Evangeliums, daß in gewissen Fällen die großen geistigen Wesenheiten, durch welche die wichtigen Angelegenheiten der Menschheitsentwickelung geschehen sollen, sich ihre Werkzeuge aussuchen in fleischlichen Wesenheiten, wenn diese dazu geeignet sind, und eine Inkarnation nehmen, um in der Seele zu wohnen, die im Fleische verkörpert ist. Jener Bote, von dem Jesajas gesprochen hat, der nicht in ganz gewöhnlichem Sinne als ein Mensch aufgefaßt werden darf, nahm Besitz von der Seele des wiederinkarnierten Elias, lebte darin und war der Bote, der die Menschen aufmerksam machen sollte auf den herannahenden Christus-Impuls. Und aus der Seele Johannes des Täufers sprach der Bote dann, auf den Jesajas hingewiesen hatte.
[ 25 ] You will come to know, as you study the Gospel of Mark further, that in certain cases great Spiritual Beings through whom some important advance in human evolution was to be carried out found the instruments they required in living men, and that they entered into them so as to live within a soul in bodily incarnation. The “messenger” spoken of by Isaiah, who must not be accepted as a man quite in the ordinary sense, took possession of the soul of the re-incarnated Elias, lived in him and announced the approach of the Christ-Impulse. It was this messenger who spoke from the soul of John the Baptist.
[ 26 ] Wo also ertönt die Stimme des Boten? In dem, was ich Ihnen jetzt eben charakterisiert habe als die Einsamkeit der Seele. Da können wir dann lesen, daß im Markus-Evangelium steht: Höret das Rufen in der Seeleneinsamkeit. ὲν τῇ ὲpήμω (tē erēmō) dürfen wir nicht einfach übersetzen, als ob es bloß äußerlich gemeint sei, mit dem Bilde der Wüste; sondern da ist ein Bild hingestellt, durch das wir die ganze geistige Welt wahrnehmen sollen. ὲν τῇ ὲpήμω heißt eigentlich: in der Einsamkeit.
[ 26 ] Whence came this voice? It sprang from what I have just described as a great loneliness of soul. We read of this in the Gospel according to Mark, it says:—“Listen to the cry of soul-loneliness.” The Greek word ὲν τῇ ὲpήμω should not be translated in a symbolic sense by “wilderness,” thus giving them an external meaning. In these words an image is presented to us by which the whole spiritual world may be grasped. Their real meaning is “in loneliness.”
[ 27 ] Nun müssen wir, um den Ausspruch weiter zu verstehen, uns ein wenig befassen mit der eigentlichen Bedeutung, wie sie selbst noch spurenweise im Griechischen vorhanden ist, wie sie aber festgestellt werden kann, wenn man mit dem Griechischen die Urtradition zusammenhält, mit der Bedeutung dessen, was man fühlte bei dem Worte Kyrios oder Herr; was hier gewöhnlich übersetzt ist mit: «Bereitet den Weg des Herrn.» Ein solches Wort hatte nicht jene abstrakte, philiströse Bedeutung in dem alten Sprachschatz, in der alten Ausdrucksweise, wie es heute hat. In der Zeit des Materialismus sind die Menschen besonders in bezug auf die Sprache Philister geworden und haben nicht mehr in der Sprache das, was man nennen kann Körper seelischer Wesenheiten, daß man eine ganze Welt fühlt bei den Worten, wie in alten Zeiten. Man kann heute derartiges höchstens wieder aufs neue versuchen. So habe ich es versucht in der «Pforte der Einweihung» darzustellen, wie es möglich sein wird, Welten fühlen zu können.
[ 27 ] To understand this expression better, we must occupy ourselves a little with the true meaning of what is felt by the word “κνφιος” or Lord, as it is usually translated in the lines “prepare the way of the Lord.” The true meaning is something we can still divine in the Greek, and is confirmed when we associate it with ancient tradition. In ancient usage this word had not the trivial meaning it has to-day. In this materialistic age man has become a great Philistine in respect of language. Words are no longer “the bodies of soul-beings,” so that it is possible to sense a whole world in them.
[ 28 ] Was fühlte man bei dem Worte Kyrios, wenn man es aussprach in solchem Zusammenhange wie in dem angedeuteten? Man fühlte, daß damit nur das Bild gemeint sei für das, was im Menschen vorgeht, was für den Menschen im innerlichen Seelenleben sich ergibt. Man fühlte das Auftauchen des aus den Untergründen der Seele heraufkommenden und immer mehr und mehr an die Oberfläche drängenden Ich als das Erscheinen eines Herrn und Herrschers, als den Richtunggebenden unter den Seelenkräften — so wie wir heute sagen: Der Mensch hat Denken, Fühlen und Wollen; diese verschiedenen Seelenkräfte sind sozusagen die Diener der Seele. Aber einen Herrn gibt es in der Seele, einen Kyrios: das Ich. Das drückt sich dadurch aus, daß wir nicht nur sagen: Es denkt in uns. — In alten Zeiten konnte man nicht sagen: Ich denke -, sondern da sagte man: Es denkt. - Und in bezug auf Fühlen und Wollen sagte man ebenso: Es fühlt, und es will da drinnen.
[ 28 ] What was felt in the Greek word “κνφιος” or Lord when spoken in the connection I have indicated? Men felt that it was an image of what went on within them, of what they sensed was happening in their soul-life. The uprising of the “I am” from the depths of the soul was felt as the coming of the “Lord” and “Ruler,” he who regulated and ordered the soul-forces and is used in the sense employed to-day when we say the various soul-forces possessed by man—thinking, feeling and willing, are the servants of his soul. But within the soul there is a master, the ego. This is shown by the fact that whereas in old times men said “it thinks,” and in respect of feeling and willing “it feels,” “it wills within me”.
[ 29 ] In der Zeit nun, als der Herr der Seelenkräfte, das Ich, sich geltend machte, da wurde dieser große Umschwung in der Menschheitsentwickelung so gefühlt, daß man jetzt sagte: Ich denke, ich fühle, ich will. -— So waren in früheren Zeiten die Seelen gleichsam in einer gewissen Weise in einem unterbewußten Zustand, gefangen, untergetaucht in die dienenden Kräfte. Jetzt nahte der Herr der Seelenkräfte, das Ich. Es ist mit dieser Stelle zunächst gar nicht irgendeine Persönlichkeit oder Wesenheit gemeint, sondern nur das Auftauchen des Ich als des Herrn in dem ganzen Gefüge der Seele: Der Herr innerhalb der Seele kommt!
[ 29 ] Men now say when the ego, the Lord of the soul-forces is in command and the mighty change in human evolution is felt, “I think,” “I feel,” “I will.” In earlier days the soul was to a certain extent unconscious, it was imprisoned and submerged within the forces that served it. But now the ego, the Lord of the soul-forces was to be born! The cry went forth:—“He who is Lord of the soul is coming!” No person or Being is meant by these words, but only the emergence of the ego as “Lord” of the soul.
[ 30 ] Das wurde auch in denjenigen Tempeln verkündet, die vorbereiten sollten auf das, was da vorgehen konnte mit der Menschheit. Mit heiliger Scheu und heiliger Ehrfurcht wurde es verkündet: Bisher waren die Seelen so, daß sie nur dienende Kräfte in sich hatten: Denken, Fühlen und Wollen. Jetzt aber naht der Herr, der Kyrios innerhalb der menschlichen Seele. Dies Große geht vor, freilich nach und nach erst entwickelt es sich — bis ans Ende der Erdenzeit, wo es dann immer mächtiger und mächtiger werden wird. Aber es kommt. Und der Christus bringt zuerst den Impuls. Es ist die große Stunde im Werdegang der Weltenuhr, wo der Christus lebt. Da steht die Weltenuhr in dem Zeichen, wo das Ich immer mächtiger aufgehen wird als der Herr der Seelenkräfte. Und es wird am Ziel angelangt sein dann, wenn die Erde herunterfallen wird im Kosmos und der Mensch zu höheren Stufen hinaufsteigt.
[ 30 ] This was taught in the Temples where preparation was made for what was to come to pass in human nature. With holy reverence and deep humility it was made known:—For a time the condition of souls was such that they had in them only the serving powers of thinking, feeling and willing; but now the “Ruler” was to be born. This mighty fact is now proceeding; its development will go slowly on until the end of the earth-age, when it will have gained ever more and more power. Yes, this will come to pass! And it is the Christ who gives the first impulse to this development. This is the “Great Hour,” the turning point of the world's time-piece, the hour when Christ lived on earth. The hands of the world clock now point to the moment of the coming of the ego. As Lord of the forces of the souls it now begins to evolve ever greater power and will have reached its goal when the earth perishes and man passes on to still higher stages of development.
[ 31 ] Nur wenn man so fühlt, wie man damals fühlen mußte, kann man eine Vorstellung davon bekommen, was Jesajas sagen wollte und was Johannes der Täufer wieder aufnahm. Hingewiesen sollte werden auf das große Ereignis der Menschenseele, auf die Fortentwickelung der Menschenseele. Dann müssen wir aber auch das Wort eddeiag (eutheias) nicht übersetzen mit «eben», wie es gewöhnlich abstrakt übersetzt wird, sondern mit «offen», nicht nur gerade, sondern offen, so daß sie gangbar werden, die Wege. Also der Kyrios kommt daher, nimmt seine Richtung auf die menschliche Seele. Aber der Mensch muß etwas dazu tun, damit der Herr die menschliche Seele wirklich ergreifen kann. Es muß der Weg frei gemacht werden, muß offen gemacht werden. Kurz, wollen wir die betreffende Stelle so übersetzen, daß irgend etwas damit anzufangen sein soll, so müßte eigentlich übersetzt werden, wenn wir uns ein wenig an das Traditionelle halten:
[ 31 ] It is only when we try to feel, as people must have felt in those early days, that it is possible for us to form some idea of what Isaiah desired to say, and John the Baptist to repeat. Isaiah referred to the great event that was to take place within the souls of men, and to the course of the further development of these souls. But then we must not translate the word “λνφιοσ,” as “straight” as is usually done, nor as “level,” but as “open,” so that the road could be used. It is then the “Lord” comes, he takes his way towards the human soul. But man must do something so that he can really take possession of the soul. The way must be made free, open. In short, if we translate this passage so that it means something, and if at the same time we hold to tradition, it must be done some-what as follows:
[ 32 ] «Bemerke» - «Siehe» ist schon nicht mehr das Richtige -, «ich sende vor dem Ich in dir meinen Engel; der soll die Richtung vorbereiten.
[ 32 ] Take heed,1“Behold” is no longer correct. I send my Angel before the ego in thee, he shall prepare the direction (Richtung).
[ 33 ] Höret das Rufen» — «Seele» steht nicht da, das wußte aber ein jeder - «in der Seelen-Einsamkeit» - jenes Rufen, das verlangt nach dem Herrn der Seele -: «Bereitet die Richtung des Seelen-Herrschers; arbeitet, daß offen ist ihm der Weg» — oder die Bahn.
[ 33 ] Hark to the cry in the (souls) loneliness, (the cry of longing for the Lord of the soul): prepare the direction for the (soul's) ruler; work that the way be open for him.
[ 34 ] In diesem Wortgefüge haben Sie ungefähr, was eine Vorstellung von dem gibt, was man fühlen kann in den Worten des Jesajas. Diese Worte und was in diesem Wortgefüge liegt, das hatte wiederaufgenommen der Engel, der Angelos in der Seele Johannes' des Täufers. Warum konnte er das? - Da müssen wir ein wenig eingehen auf die Art und Weise, wie Johannes der Täufer selber eingeweiht war, wie die Initiation in der Seele Johannes’ des Täufers wirkte.
[ 34 ] In this form of words you have approximately an idea of what can be felt in the words of Isaiah. These words or their content, was carried over by the Angel into the soul of the Baptist. Why could the Angel do this? To answer this question we must consider for a little the nature and method of the initiation of John the Baptist, and how this initiation affected his soul.
[ 35 ] Aus früheren Darstellungen wissen Sie, daß der Mensch entweder eingeweiht werden kann durch Hinuntersteigen in das Innere der eigenen Seele, oder daß er erweckt werden kann für ein Heraustreten der Seele, für ein Freiwerden vom Leib und für ein Ergießen der Seelenkräfte in den Makrokosmos. Diese zwei Wege sind bei den verschiedenen Völkern in der verschiedensten Weise eingehalten worden. Wenn der Mensch seine Seele ergießen wollte in den Makrokosmos, so waren die dabei durchzumachenden zwölf Stufen sozusagen markiert durch die zwölf Zeichen des Tierkreises, indem seine Seelenkraft ausfloß nach bestimmten Stellen, nach bestimmten Richtungen des Makrokosmos. Nun war im allgemeinen schon außerordentlich viel erreicht, namentlich zu einem bestimmten Zweck der weltgeschichtlichen Entwickelung war etwas Bedeutsames erreicht, wenn irgendeine Seele so weit entwickelt war, daß sie alle die Kräfte des Makrokosmos in sich empfangen konnte, die von solchen Weltgeheimnissen herrührten, welche im Sinne eines einzigen Sternbildes waren. Das war nämlich überhaupt bei den alten Einweihungsriten so, daß der eine zum Beispiel eingeweiht wurde in die Geheimnisse des Makrokosmos, so daß sein Seelen-Ausfließen in das Makrokosmische sich hinbewegte in der Richtung des Steinbocks, bei andern in der Richtung des Krebses, der Waage, der Jungfrau und so weiter. Ich habe wiederholt betont, daß es zwölf verschiedene Möglichkeiten gibt, in das Makrokosmische auszufließen, die symbolisch angedeutet werden mit den zwölf Zeichen des Tierkreises. Sollte nun jemand die Inittation erreichen durch Austließen der Seele in den Makrokosmos, und sollte er nicht gleich die höchste, die Sonnen-Initiation erreichen, sondern gewissermaßen eine Partial-, eine Teil-Initiation, so wurde sein Seelenblick, sein Seelenlicht hingelenkt auf die Geheimnisse, die zu finden waren im Zusammenhange mit einem gewissen Sternbilde. Dazu mußte aber sein Blick unabhängig werden von dem Materiellen, das heißt, es wurde dafür gesorgt — entweder bei den Mysterienriten oder, wie beim Täufer Johannes, durch eine Gnade von oben -, daß des Betreffenden Blick hingeleitet wurde auf ein Sternbild - so aber, daß er zwischen sich und dem betreffenden Sternbild die Erde hatte. Das heißt, in der Nacht mußte sein Blick gelenkt werden durch die Erde hindurch nach dem Sternbild hin. Wenn man ein Sternbild sieht mit den physischen Augen, so sieht man das physische Sternbild. Wenn man aber hindurchsehen kann durch das Materielle der Erde, wobei also das physische Sternbild bedeckt ist mit dem Materiellen der Erde, so sieht man nicht das Physische, sondern das Geistige, das heißt die Geheimnisse, welche das Sternbild ausdrückt.
[ 35 ] From former lectures you know that a man can either be initiated by descending into his own soul or by going forth from his soul, by liberation from the body and uniting his soul-forces with the cosmos. These two paths were followed by different peoples in the most varied manner. When a man desired to pour out his soul into the macrocosm, the twelve stages through which he had to pass to attain to this were “marked” by the twelve signs of the Zodiac; for his soul had to expand in certain clearly defined directions of the Macrocosm. Now a very great deal was already attained—something important that is for the historical evolution of the world—when any soul had evolved so far as to be able to receive into it all the macrocosmic forces springing from those hidden things which are the meaning of each of the constellations. As a rule the ancient rites of initiations were conducted so that the soul-expansion of one Initiate was directed to the macrocosmic secret, say of Capricorn, another to those of Cancer, of the Balance, and so on. I have explained on other occasions that there are twelve different possible ways of expansion into the Macrocosm, and that these are indicated symbolically by the twelve signs of the Zodiac. Anyone attaining initiation through expansion of his soul into the macrocosm, and who does not attain at once to the highest—the Sun initiation—but only to a partial initiation, would have his soul-vision directed to the mysteries connected with some special constellation. To attain this he would have to turn his gaze away from everything of a material nature. This means, care would have to be taken that his gaze was directed, either through the rites of the Mysteries, or through John the Baptist by “Grace from above,” in such a way that he would have the earth between him and the special constellation. In other words, his glance had to be directed at night to the constellation through the earth. When a constellation is seen with physical eyes it is the physical constellation that is seen. But when a man's gaze can penetrate the substance of the earth, which is between him and the physical constellation, he does not see the physical but the spiritual part of the earth; that is he sees the mysteries (Geheimnesse) which the constellation expresses.
[ 36 ] Johannes’ des Täufers Blick wurde so geschult, daß er in der Nacht schauen konnte durch die materielle Erde hindurch auf das Sternbild des Wassermanns. Er hatte also jene Initiation gehabt, als der Angelos von seiner Seele Besitz nahm, die man die Wassermann-Initiation nennt. So konnte der Täufer Johannes — mit allem, was er selber wußte, was er selber fühlte - dem Angelos alle Fähigkeiten zur Verfügung stellen, damit durch den Angelos ausgesprochen werden konnte alles, was die Wassermann-Initiation war, und was es gab als Hinweis darauf, daß die Herrschaft des Ich, des xVoiog, des Herrn in der Seele kommen werde. Das gab die Wassermann-Initiation.
[ 36 ] The training that John the Baptist had passed through had made it possible for him to gaze at night through the material earth upon the constellation Aquarius, the Waterman. He had received therefore (after the Angel had entered into his soul) the initiation of Aquarius. Thus, through all he knew and had felt, John the Baptist was able to put himself in touch with the faculties of the Angel, so that through this Being he could make the content of the “Waterman-initiation” known; and the information he gave respecting this was: that the lordship of the ego, the “Lord,” would enter men's souls. This is what the initiation of the Waterman gave.
[ 37 ] Gleichzeitig aber wies der Täufer Johannes darauf hin, daß auch die Zeit gekommen war, wo diese Wassermann-Initiation sozusagen an einem Übergang steht, wo sie durch eine andere ersetzt werden muß, damit man völlig verstehe die herannahende Herrschaft des Ich. Deshalb sagte er zu seinen intimen Schülern: Ich bin der, der imstande ist, seinem Engel alle die Kräfte zur Verfügung zu stellen, die aus der Wassermann-Initiation kommen. Nach mir aber muß Einer kommen, der die nachherigen Kräfte seinem Engel zur Verfügung stellen kann.
[ 37 ] But simultaneously the Baptist declared that the time had now come when a change was to take place in this initiation, it was to be replaced by another, one by which men would be able to understand the approaching lordship of the ego. Therefore he said to his disciples:—“I am he who, through the initiation of the Waterman has all the powers of his Angel at his disposal. But after me ONE will come who has at his command all the subsequent powers of his Angel!”
[ 38 ] Wenn Sie das Fortschreiten der Sonnenrichtung bei Tag nehmen vom Sternbild des Widders durch den Stier, die Zwillinge und so weiter bis zur Jungfrau hin, so müssen Sie das Vorschreiten in der Nacht von der Richtung der Waage, des Wassermannes zum Sternbild der Fische hin nehmen; das ist die Richtung zur geistigen Sonne. Johannes hatte die Wassermann-Initiation empfangen, und er wies darauf hin, daß der, welcher da kommen wird, die Initiation der Fische haben werde, das heißt diejenige Initiation also, die folgen muß auf die Johannes-Initiation, und die als eine höhere angesehen wurde. Deshalb sagte Johannes der Täufer zu seinen intimen Schülern: Ich kann meinem Engel durch die Wassermann-Initiation nur die Kräfte zur Verfügung stellen, daß er verkünden kann, daß der Herr, der xVo10g, kommt; es wird aber einer kommen, der die Kräfte hat, welche durch die Initiation mit dem Sternbild der Fische symbolisiert sind. Und der wird aufnehmen den Christus!
[ 38 ] If you advance by day toward the sun from the constellation of Ares, through that of the Bull, the Twins and so on to Virgo, you must advance at night from the direction of the Waterman (Aquarius) to the constellation of the Fishes, that is, you must advance in the direction of the Spiritual Sun. John had received the Waterman-initiation, and he pointed out that he who was to come after him would be an Initiate of Picis, the initiation which follows on the initiation passed through by John, and was therefore of a higher order. The Baptist told his intimate disciples:—“Through the initiation of Aquarius I have only those powers at my disposal by which I can announce through my Angel that the Lord—the ruler—is coming, but after me One will come who has powers symbolised by the initiation of the sign of the Fishes. Into him the Christ will enter!”
[ 39 ] Damit wies Johannes der Täufer hin auf den Jesus von Nazareth. Und darum haben die alten Traditionen dem Christus Jesus das Symbol der Fische gegeben. Und weil alles, was äußerlich geschieht, Symbol für innere Vorgänge ist, obwohl es auch äußerlich geschieht, darum werden als Gehilfen dem Fisch-Initiierten Fischer zugeteilt. Das alles sind zugleich äußerliche, historische Ereignisse und zugleich für die geistigen Geheimnisse tief symbolische Handlungen.
[ 39 ] In these words John the Baptist refers to Jesus of Nazareth. Ancient tradition has on this account assigned to Christ Jesus the symbol of the Fish; and as everything that occurs outwardly is symbolic of in-ward events—though these may occur outwardly—the helpers appointed to Him were fishermen. This is an external historic fact, at the same time as regards spiritual secrets it is profoundly symbolic.
[ 40 ] Und eine höhere Weihe wird über die Menschheit kommen! sagte Johannes. Er konnte nur die Weihe geben, die aus dem Wassermann, dem Wassermenschen, kommt. Und Johannes bezeichnete sich als Wassermensch. Das ist ganz klar. Nur werden wir immer mehr und mehr sehen müssen, wie mit den Bildern, die für die menschlichen Geheimnisse gebraucht werden, ebenso astronomische, kosmische Geheimnisse zusammenhängen. Ich habe euch mit Wasser getauft, sagte Johannes. Die Wassertaufe war allerdings das, was in der Gewalt derjenigen war, die vom Himmel herunter die Initiation des Wassermanns erhalten hatten. Indem aber die geistige Sonne in der entgegengesetzten Weise fortschreitet wie die physische - denn während die physische Sonne fortschreitet vom Sternbild der Jungfrau zum Sternbild der Waage, schreitet die geistige Sonne vor, im Sinne des Fortschreitens von Johannes dem Täufer zu Jesus von Nazareth, von dem Wassermann zu den Fischen -, indem jemand auftritt in der Welt mit der Initiation der Fische und imstande ist, diejenigen geistigen Kräfte, denjenigen geistigen Impuls aufzunehmen, für den Werkzeug sein muß diese Initiation der Fische; da ist es möglich, daß nicht nur getauft wird, wie Johannes taufte, sondern daß im höheren Sinne getauft wird, wie es von Johannes bezeichnet wird als die Taufe mit dem Heiligen Geist.
[ 40 ] John declared “a higher initiation is to come to humanity,” and he described himself as a “Waterman.” This is absolutely clear. But we must learn to see ever more clearly how the images employed to express the hidden things of men are at the same time connected with astronomical and cosmic mysteries. “I have baptised you with water,” said John. Water baptism was specially the baptism within the power of those who had received from heaven the initiation of the “Waterman.” But in that the Spiritual Sun progresses in the opposite direction to the physical sun, which advances from the sign of the Virgin to that of the Balance; the Spiritual Sun (as in the advance from John the Baptist to Jesus of Nazareth) progresses from the Waterman to the Fishes. And were anyone to appear in the world having experienced the initiation of the Fishes and able therefore to receive into him those spiritual forces, those spiritual impulses, which are the instruments of the Fish-initiation, then it would be possible for him to baptise not only as John did with water, but to baptise in the higher sense described by John as the Baptism of the Holy Spirit.
[ 41 ] Ich habe Ihnen in dem heutigen Vortrag in einer gewissen Beziehung ein Zweifaches vorgeführt. Einmal, daß mit den Worten, die hier im Markus-Evangelium in Betracht kommen, Vorgänge der Menschheitsentwickelung gemeint sind, auch historische Vorgänge, indem wohl gesprochen wird von einer höheren Macht, die nicht einmal Mensch ist, sondern ein Angelos, die aber spricht durch den Leib des Johannes des Täufers. Auf der andern Seite habe ich gezeigt, daß mit den Darstellungen, die gegeben werden, Vorgänge am Himmel gemeint sind, nämlich das Vorrücken der geistigen Sonne vom Sternbilde des Wassermanns zum Sternbild der Fische. Das Markus-Evangelium enthält in der Tat in jeder Zeile etwas, was man nur dann lesen kann, wenn man bei dem Verfolgen der Worte immer im Auge hat zugleich einen menschlichen Sinn und einen kosmischen, astronomischen Sinn, und wenn wir uns klar sind, daß im Menschen etwas lebt, was in seiner wahren Bedeutung nur am Himmel zu finden ist.
[ 41 ] In this lecture I have put before you in a certain way a two-fold conception:—Firstly, I have shown that in the Gospel according to Mark facts of human evolution, historical events, are dealt with in which mention is made of a higher Power, of an “Angelic,” not a human power; and that this Power spoke through John the Baptist. On the other hand I have shown that in the accounts given here reference is made to heavenly events; namely, to the progress of the Spiritual Sun from the sign of the Waterman to that of the Fishes. Indeed the Gospel according to Mark contains in every verse something which can only be read aright, when, in the sequence of the words, we keep before us both their human and their cosmic, astronomical meaning.
[ 42 ] Da muß man allerdings den Zusammenhang der makrokosmischen Geheimnisse mit den Geheimnissen der Menschennatur etwas genauer begreifen. Ich kann heute am Schluß nur andeuten, was dahinter steckt. Ich habe heute in dieser Richtung überhaupt nur Ahnungen geben wollen. Denn wir werden in Untiefen hineintauchen müssen beim Markus-Evangelium, über die Sie sehr lange zu denken haben werden, wenn Sie sie zu mehr als nur Ahnungen erheben wollen. Aber wie das Markus-Evangelium zu lesen ist, das möchte ich durch folgendes klarmachen.
[ 42 ] And when we realise that something lives in man, the true significance of which is only to be found in heaven. Only when this is done can the connection between the mysteries of the cosmos and the mysteries of human nature be more clearly understood. To-day, at the close of my lecture, I can but hint at what lies behind such things. I merely wished to-day to give you some premonitions of what lies in this direction. For we shall have to dive to very great depths in studying the Gospel of Mark, and you will have to ponder long and deeply if you are to attain to something more than “premonitions.” In what follows I will try to make clear to you the way this Gospel has to be read.
[ 43 ] Sie alle kennen den Regenbogen. Der Regenbogen steht zum Beispiel für das Kind als eine Realität am Firmament. Das Kind wird zunächst glauben, wenn man es ihm nicht erklärt hat, daß es den Regenbogen mit den Händen greifen kann, daß es ihn anfassen kann. Später lernt dann der Mensch, daß im Grunde genommen dieser Regenbogen gar nicht von sich abhängt, sondern nur entsteht, wenn eine gewisse Konstellation des Regens mit dem Sonnenschein vorhanden ist; und wenn Regen und Sonnenschein in andere Verhältnisse zueinander kommen, dann verschwindet er auch wieder. Er ist also keine Realität, er ist nur ein Scheinbild; die Wirklichkeit sind Regen und Sonnenschein in bezug auf den Regenbogen.
[ 43 ] You all know the rainbow. To a child it appears as something real in the firmament. Until explained to him, he believes he can grasp it with his hands. Later, man learns that the rainbow does not depend on itself, but that it only appears when rain and sunshine stand related to each other in a certain way; when this relationship is changed it disappears. Thus it is not a reality; it is but an illusion. The realities as regards the rainbow are rain and sunshine.
[ 44 ] Wenn der Mensch auf dem Wege der okkulten Entwickelung ein wenig vorwärts rückt, dann gibt es etwas, was er ganz von selbst vergleicht mit dem Regenbogen, indem er sagt: Es ist eigentlich im Grunde genommen gar nichts Wahres, sondern nur ein Schein, der zusammengehalten wird durch äußere Dinge. - Wissen Sie, was dieser Schein ist? Der Mensch selber! Der Mensch ist nur ein Scheinbild. Und nimmt man ihn mit den physischen Sinnen als Realität, so gibt man sich einer Illusion hin; dann gibt man sich der Maya hin, dem großen Nichtsein. Denn Maya, zusammengesetzt aus mahat aya mahat = groß, ya = Sein, a = nicht, Verneinung, also aya = das Nichtsein — ; mahat aya heißt «das große Nichtsein».
[ 44 ] If anyone has made a little progress on the path of occult development something is revealed to him which quite of himself he compares with the rainbow. Of this he says:—It is actually not true, it is but an appearance held together by things outside it. Do you know what this “appearance” is? It is man himself! Man is only an appearance, a semblance, and if with his physical senses he regards himself as reality, he has given himself over to illusion—to Maya the great “Non est.” For the word “Maya” is compounded of “Mahat aya.” (Mahat=great, ya = Being, and a= not); signifying the great non-being.
[ 45 ] Auf dem Wege der okkulten Entwickelung kommt der Mensch dazu, daß er sich mit etwas vergleicht wie dem Regenbogen. Der Mensch ist nur ein Scheingebilde. Und Scheingebilde ist alles, was an die physischen Sinne herantritt. Auch die Sonne als physischer Weltenkörper ist ein Scheinbild. Was die physische Wissenschaft als Gasball im Weltenraume beschreibt, das ist für die praktischen Zwekke ganz gut. Aber wer es als Wirklichkeit nimmt, der gibt sich der Maya, der Täuschung, dem großen Nichtsein hin. Was wahr ist, das ist, daß dort ein Sammelplatz für geistige Hierarchien ist, deren Taten sich ausdrücken in der Wärme und dem Licht, und die uns in Wärme und Licht zufließen von der Sonne. Was wir als Wärme und Licht wahrnehmen, das ist Schein. Aber so ist alles Schein. Da glaubt der Mensch, er habe ein Herz in der Brust. Aber das Herz ist ein Scheingebilde, nicht mehr. Das ist so ähnlich, wie wenn wir im Herbstnebel abends auf die Straßen gehen und sehen gewisse Ringe um die Laternen herum; aber diese Ringe sind auch nichts Wirkliches, sondern bewirkt durch ganz bestimmte Kräfte. So ist auch das menschliche Herz bewirkt durch ganz gewisse Kräfte. Das können Sie sich etwa in folgender Weise vorstellen. Nehmen Sie an, der Kreis stelle dar das Himmelsgewölbe; dann strömen von der einen Seite in uns herein eine Art von Kräften, und von der andern Seite kommen andere Kräfte herein: diese Kräfte schneiden sich. In Wahrheit ist im Menschen da nichts vorhanden, wo er sein Herz glaubt, als Kräfte, die vom Himmel hereinströmen und sich schneiden. Denken Sie sich alles übrige hinaus, und nur Kräfte, die so zusammenkommen, wie es beim Regenbogen ist: und das Resultat ist das menschliche Herz. So ist es mit den übrigen Organen auch: es sind Schnittkräfte, die entstehen durch das Sichschneiden der betreffenden Weltenkräfte.
[ 45 ] On the path of occult development man reaches a point where he compares himself with something resembling a rainbow; he realises he is but a semblance, a delusion, and that everything that is perceived by the senses is delusion also. The sun as physical globe is a delusion. What physical science describes as a ball of gas in space is quite correct for practical purposes, but anyone who regards this as reality is giving himself over to delusion—to Maya. The truth regarding the sun is that it is a meeting-place of the spiritual Hierarchies, whose deeds are expressed in warmth and light, and who approach us in the warmth and light of the sun. The warmth and light we perceive is illusion. All appearance is illusion. A man thinks he has a heart in his breast, but this heart is a delusion, nothing more. It is like the rings we see round street lamps on a misty autumn evening. These rings are not reality, but are produced by clearly defined forces. So is the human heart. You can perceive this in the following way. Suppose that this circle I have drawn represents the vault of the heavens one kind of force streams into us from one side, other forces from other sides, these forces split up here in the centre where I have drawn a small circle. Nothing of the forces that stream into man from heaven and split up there (sich schneiden) really exist where he thinks they do, in his heart. Think everything else away except the forces that meet in you, as light meets in the rainbow—what remains is the human heart. It is the same with our other organs: they are fragments of forces (Schnittkräfte) caused by the breaking up of world forces.


[ 46 ] Wenn Sie von einer Stelle bis zu einer andern gehen, und Sie sagen: In mir sind die Impulse, daß ich von hier bis dorthin gehe -, dann sagen Sie etwas, was in dieser Weise der Maya angehört. Warum? Weil vom Makrokosmos Kräfte kommen, die sich hier unten schneiden und durch den Schnitt hervorrufen ein Scheingebilde in bezug auf die Richtung und die Kräfte des Gehens. Was hier unten aufeinandergefolgt ist, das ist nur ein Schnitt der kosmischen Kräfte. Und wenn wir das Wahre wissen wollen, so müssen wir fragen: Was geschieht im Makrokosmos? Was bewirken die kosmischen Kräfte, die oberen und die unteren? - Sie bewirken das in uns, was so aussieht, als ob wir ein Herz haben, eine Leber und so weiter, oder das, was so ausschaut, daß wir sagen: Ich gehe von dort nach dort. Wollen wir es in Wahrheit beschreiben, so müssen wir die kosmischen Kräfte beschreiben.
[ 46 ] When you move from one place to another you say “There is an impulse in me to move from here to there.” In saying this you say something that appertains to Maya. Why? Because forces come from the Macrocosm, which are split up down here (sich schneiden), and these broken-up fragments give rise to: illusion concerning the power and direction in walking. The results met with down here are but fragments of cosmic forces. If we desire to know the truth we must ask:—What takes place in the Macrocosm? What do cosmic forces bring about, both the upper and the lower? They bring that about in us that makes it appear as if we had a heart, a liver, etc., or that has such an appearance that we say: I walk from here to there. If the truth regarding this were to be described, we would have to describe cosmic forces.
[ 47 ] Wollen wir beschreiben, was Johannes der Täufer tat, indem er die Leute taufte, so müssen wir beschreiben, was der Makrokosmos ihm befahl, das heißt die Kräfte, die symbolisiert sind durch die Kräfte des Wassermannes. Die wurden einmal beschlossen in der großen Weltenloge und hineingesandt in die Kräfte des Johannes. So müssen wir in der Weltensprache lesen, was an einem bestimmten Ort geschah. So las der Schreiber des Markus-Evangeliums für das, was in Palästina geschah, die betreffenden Vorgänge am Himmel. Er beschreibt astronomische Vorgänge und sagt: Faßt die Dinge so auf: wenn hier eine Wand ist, worauf ein Schattenspiel sichtbar ist, so müßt ihr, wenn ihr den wahren Grund dafür kennenlernen wollt, hinschauen auf das, was eigentlich gespiegelt wird in den Schatten. Ich beschreibe, was am Jordan geschehen ist, was jedoch nur das Werkzeug für etwas anderes war; denn in Wahrheit beschreibe ich, was durch die astronomischen Kräfte aus dem Makrokosmos hereinwirkt auf die Erde!
[ 47 ] If we wish to describe what John the Baptist did when he baptised, we must describe what the Macrocosm, that is the forces represented by the sign of the Waterman, charged him to do. This was determined at one time within the great cosmic lodge, and the forces necessary for it were sent down into John. It is thus, in the language of the Cosmos, we must read what took place at a certain point of time. It was thus the writer of the Gospel according to Mark read the heavenly events corresponding with the earthly events that occurred in Palestine. He describes astronomical occurrences when he says:—“Understand what I have to say to you in this way: suppose there is here a wall on which visible shadows play. If you wish to know the real cause of these shadows you must consider the things of which they are the reflections. I describe what took place at Jordan, all the same they are but the instruments of something else; in reality I am describing what was brought about on earth through the astronomical forces of the Macrocosm!”
[ 48 ] Kosmische Kräfte beschreibt der Schreiber des Markus-Evangeliums. Überall sind es Himmelserscheinungen. Und was er beschreibt, das ist der Ausdruck, die Projektion, das Schattenbild, welches die ganzen Vorgänge im Makrokosmos herunterwerfen auf das kleine Erdengebiet Palästina. Das müssen wir uns klarmachen, wenn wir nur ein wenig eindringen wollen in die ganze Größe und Bedeutung dieser Urkunde des Markus-Evangeliums. Aber wir mußten uns zuerst eine Ahnung verschaffen von dem, was da eigentlich vorliegt. Wir mußten einmal verstehen, daß im Beginn des Markus-Evangeliums gesagt wird: Der Prophet Jesajas hat vorhergesagt, daß der Herr der Seelenkräfte für den Menschen kommen wird, und daß der Bote leben wird in Johannes dem Täufer, der die Menschen vorbereiten wird auf das Herannahen dieses Herrschers der Seelenkräfte. - Dieser Bote mußte Platz nehmen in einem Leib, der einer Menschenseele angehörte, die mit den Kräften des Wassermanns inituert war. So konnte er in die Wege leiten, was zu tun war auf der Erde durch eine Persönlichkeit wie Jesus von Nazareth, die sich dazu vorbereitet hatte, daß sie die Fische-Initiation empfangen und dadurch den Christus aufnehmen konnte.
[ 48 ] The writer of the Gospel of Mark describes cosmic forces. He describes the shadow-pictures or projections thrown by mighty macrocosmic events on to the screen provided by the small district of Palestine. We must realise this clearly if we are to enter into the full greatness and importance of the document we call the Gospel of Mark; but we must first try to form something of the nature of a divination of what it is that is here presented to us. We must endeavour to understand what it is we are told in the beginning of the Gospel. The Prophet Isaiah had foretold that the Lord of the soul-forces of mankind would come, that in John the Baptist the “messenger” would dwell, who would prepare man for the reception of this ruler of his soul-forces. This messenger had first to take as his dwelling place the body of one who had passed through the initiation of the Waterman, who was able therefore to lead men on the path that is connected on earth with such an individuality as Jesus of Nazareth; one who because he had received the Fish-initiation had prepared himself for the reception of the Christ.
[ 49 ] Was auf der Erde geschieht, sind die Spiegelungen kosmischer Vorgänge, die sich zu den kosmischen Verhältnissen verhalten wie der Regenbogen zu Regen und Sonnenschein, so daß wir Regen und Sonnenschein studieren müssen, wenn wir den Regenbogen beschreiben wollen. Und wenn wir wissen wollen, was in dem Herzen Johannes’ des Täufers, oder des Jesus von Nazareth war, der die Wohnstätte des Christus wurde, so müssen wir kosmische Vorgänge studieren. Denn die ganze Welt sprach sich für die Menschen aus in dem Ereignis der Vorgänge in Palästina und auf Golgatha. Und wer das Markus-Evangelium anders liest, als daß es ihm nur die Buchstaben gibt für große Weltenvorgänge, der steht auf keinem andern Standpunkt als der, welcher sagt: hier ist eine Gruppe solcher Striche, dort ist eine Gruppe anderer Striche — der aber nicht darauf hinweist, worauf das Wort Herr hinweist, der nur auf die schwarzen Striche hinweist. In dieser Weise wird allerdings einfach in unserer Zeit das Markus-Evangelium beschrieben. Denn was im Markus-Evangelium erzählt wird, das ist nur das Alleräußerste der Buchstaben. Man muß aufrücken, um das zu verstehen, worauf die Vorgänge in Palästina hinweisen sollten wie in einem Schattenspiel.
[ 49 ] All the events that take place on earth are the reflections of cosmic events, and are connected with cosmic conditions in the same way as the rainbow is connected with rain and sunshine, and as, if we wish to describe the rainbow, we must study rain and sunshine. If we wish to know what was in the heart of John the Baptist or of Jesus of Nazareth, in whom the Christ dwelt, we must study cosmic conditions. So far as man is concerned, the whole world is explained by what took place in Palestine and on Golgotha. He who does not read the Gospel of Mark otherwise than merely as a document, which provides him with groups of letters descriptive of great world events, is on a level with one who says:—“Here I have one group of lines and strokes, there another;” he has no conception of what is referred to in the word “Lord,” but thinks only of the black letters. It is mostly in this way that the Gospel of Mark is read in our day. For what is told in it is but the outer lettering of what it really contains. To understand this Gospel we must rise to the level of those things to which, as in a shadowy reproduction, the events in Palestine refer.
[ 50 ] Versuchen Sie dahinter zu kommen, was es heißt: Irdische Vorgänge sind ein Schattenbild makrokosmischer Vorgänge -, und Sie werden den ersten Schritt getan haben, um eine der größten Urkunden der Welt, das Markus-Evangelium, nach und nach verstehen zu können.
[ 50 ] Try to get at the meaning of the words:—“Earthly events are the shadows of macrocosmic events.” When you have done this you will have taken the first step in the understanding of one of the greatest documents in the world—the Gospel according to St. Mark.
