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The Rudolf Steiner Archive

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Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124

19 December 1910, Berlin

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Fünfter Vortrag

5. The Two Main Streams of Post-Atlantean Civilisation

[ 1 ] Es ist das letzte Mal hier damit begonnen worden, einige Hinweise auf die Natur und den Charakter des Markus-Evangeliums zu geben. Daraus ging schon hervor, daß es sich bei der Betrachtung des Markus-Evangeliums fast noch mehr als in Anlehnung an die andern Evangelien darum handeln kann, etwas zu geben über die großen Gesetze sowohl der Menschheitsentwickelung wie auch der kosmischen Entwickelung im allgemeinen. Man muß wohl sagen: Anknüpfend an das, was aus den Tiefen der christlichen Mysterien in diesem Evangelium angedeutet ist, gibt es dazu Veranlassung, vielleicht am tiefsten einzudringen in manche Geheimnisse und Gesetze des kosmischen und des Menschheitswerdens.

[ 1 ] The last lecture began by speaking of the distinctive character of St. Mark's Gospel. It became clear that here, almost more than in the other Gospels, we can find in indications drawn from the deepest Christian mysteries, an opportunity to penetrate into many profound secrets and laws of the evolution of Man and of the Cosmos.

[ 2 ] Nun dachte ich allerdings ursprünglich, daß es möglich sein würde, im Verlaufe dieses Winters schon hier bedeutsame und intime Hinweise zu geben auf Dinge, die wir innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Entwickelung bisher nicht gehört haben, oder vielleicht besser gesagt, auf Dinge, die auf geistigen Ebenen liegen, die wir bisher noch nicht berührt haben. Es wird aber dennoch notwendig sein, daß von diesem ursprünglichen Plan für diesen Winter abgesehen werde, aus dem einfachen Grunde, weil gerade dieser Berliner Zweig in den letzten Wochen in einer so überraschenden Weise gewachsen ist, daß es nicht möglich sein würde, alles, was ursprünglich hat gesagt werden sollen, jetzt in dieser Zeit zum Verständnis zu bringen. Es ist schon notwendig, daß man nicht nur zum Beispiel in bezug auf Mathematik oder irgendeine andere Wissenschaft eine Vorbildung für eine bestimmte Stufe voraussetzt, sondern das muß in einem noch höheren Grade der Fall sein, wenn zu gewissen Höhen der geisteswissenschaftlichen Betrachtung emporgeschritten wird. Daher wird später einmal darüber nachgedacht werden, wie die Partien des Markus-Evangeliums, die in einem so weiten Kreise noch nicht zu besprechen sind, zu Gehör gebracht werden können.

[ 2 ] I had originally thought that during the winter it would be possible to make important and intimate references to matters of which we have not yet heard in our Movement, or perhaps better said, to matters at spiritual levels we have not yet reached. But we shall have to abandon this original plan for the simple reason that the Berlin Group has grown in numbers so astonishingly in recent weeks that it would now not be possible to make everything properly intelligible. We take it for granted that in mathematics and science some grounding is necessary if we want to reach a certain grade; and the same holds good to an even greater extent in the case of Spiritual Science. Later on, therefore, we shall have to consider how to present the parts of St. Mark's Gospel which are not suitable subjects for so large a Group.

[ 3 ] Vor allen Dingen ist es aber notwendig, wenn wir eine solche Schrift wie das Markus-Evangelium verstehen wollen, daß wir uns einmal genau vor Augen führen, durch welche wichtigen Faktoren die Entwickelung der Menschheit vor sich gegangen ist. Das wird ja, ich möchte sagen, als eine abstrakte, sehr allgemeine Wahrheit immer betont: daß es zu allen Zeiten gewisse Führer der Menschheit gegeben hat, die, weil sie in einer gewissen Beziehung standen zu den Mysterien, zu den geistigen, übersinnlichen Welten, dadurch in der Lage waren, Impulse in die Menschheitsentwickelung hineinzuversetzen, welche zum Fortschritt und zur Fortbewegung dieser Menschheitsentwickelung beitragen konnten. Nun gibt es zwei hauptsächlichste, wesentlichste Arten, wie der Mensch in Beziehung kommen kann zu den übersinnlichen, geistigen Welten. Die eine Art ist diejenige, welche wir insbesondere deutlich studieren können, wenn wir mit ein paar Zügen — wie es in der nächsten Zeit sogar öffentlich, exoterisch im öffentlichen Vortrag geschehen soll — auf das Bild des großen Menschheitsführers Zarathustra hinweisen; und die andere Art, wie solche Menschheitsführer mit den geistigen Welten in Beziehung treten können, kann uns vor das Seelenauge treten, wenn wir uns die Eigenart des großen Buddha vor die Seele rufen. Allerdings sind diese beiden Menschheitsführer, Buddha und Zarathustra, in bezug auf die ganze Art und Weise ihres Wirkens sehr voneinander verschieden. Wir müssen uns darüber klar sein, daß sich in dem, was Buddha und der Buddhismus jene Versenkung nennen, die eintrat unter dem Bodhibaum - was also ein symbolischer Ausdruck für eine gewisse mystische Vertiefung des Buddha ist —, ein Weg bietet, den das Menschen-Ich unternimmt in die eigene Wesenheit, in die eigene tiefere Natur hinein. Dieser Weg, den in einer so außerordentlichen Weise Buddha eingeschlagen hat, ist ein Hinunterstieg des menschlichen Ich in die Tiefen, in die Abgründe der eigenen menschlichen Wesenheit.

[ 3 ] In any attempt to understand a text such as that of the Gospel of St. Mark we must keep clearly in mind the factors which have influenced the evolution of humanity. I have always emphasised as a very general, abstract truth, that in all ages there have been certain leading figures among men who, because they were connected in some way with the Mysteries and with the spiritual, supersensible worlds, were in a position to implant into evolution certain impulses for its further progress. Now there are two main and fundamental ways in which a man can establish relationship with the supersensible worlds. One of these ways can be illustrated by the case of Zarathustra, the great Leader of mankind of whom I shall shortly be speaking in a lecture for the public. The other way in which such Leaders of men establish relationship with the spiritual worlds can be envisaged if we think of the characteristic features of the path followed by the great Buddha. These two outstanding figures differ widely in the whole manner of their work and activity. What Buddha and Buddhism call contemplation or meditation ‘under the Bodhi tree’—a symbolic expression for a certain mystical deepening of Buddha's consciousness—is a path by which the human Ego can penetrate into its own, inmost being. This path, opened up in so glorious a way by the Buddha, is a descent of the ‘I’ into the depths, into the abyss, of its own nature.

[ 4 ] Sie werden eine genauere Vorstellung davon bekommen, was damit gemeint ist, wenn Sie sich klarmachen, daß wir die Entwickelung des Menschen verfolgt haben durch vier Stadien hindurch, von denen drei bereits abgeschlossen sind; innerhalb des vierten stehen wir jetzt. Wir haben die Menschheitsentwickelung verfolgt durch die Saturn-, Sonnen- und Mondentwickelung hindurch und stehen jetzt innerhalb der Erdenentwickelung. Wir wissen, daß diese drei Stadien der Menschheitsentwickelung der Ausbildung des physischen Leibes, des Ätherleibes und des Astralleibes des Menschen entsprechen und daß wir jetzt innerhalb der Erdenentwickelung stehen, die da bedeutet die Ausbildung des menschlichen Ich, soweit eben dieses Ich als ein Glied der menschlichen Wesenheit ausgebildet werden soll. Von den verschiedensten Gesichtspunkten aus haben wir diesen Menschen als ein Ich charakterisiert, das von drei Hüllen umschlossen ist: von der astralischen Hülle, entsprechend der Mondentwickelung, von der ätherischen Hülle, entsprechend der Sonnenentwickelung, und von der physischen Hülle, entsprechend der Saturnentwickelung. Etwas schematisch können wir uns diesen Menschen in folgender Weise zeichnen:

[ 4 ] You will get a clearer idea of what this means if you remember that we have followed the evolution of man through four stages. Three of these stages have been concluded and we are living now in the fourth. The first three evolutionary periods were those of Old Saturn, Old Sun and Old Moon, the fourth being that of the Earth proper. In the first three periods man's physical, etheric and astral bodies were brought into existence and in the present stage of Earth-evolution his ‘I’, or Ego, is developing as an integral member of his constitution. We have described the human being from various points of view as an ‘I’ enveloped in three sheaths—the astral sheath, the etheric sheath and the physical sheath, deriving respectively from the three previous evolutionary periods of Old Moon, Old Sun and Old Saturn.

Human LayersHuman Layers

[ 5 ] Wie der Mensch nun heute in seiner normalen Entwickelung dasteht und sein Bewußtsein entwickelt hat, weiß er im Grunde genommen nichts, hat er kein Bewußtsein von seinem Astralleib, von seinem Ätherleib und von seinem physischen Leib. Sie werden natürlich jetzt sagen, von seinem physischen Leibe hätte der Mensch doch ein Bewußtsein. Das ist nämlich nicht der Fall. Denn was man gewöhnlich als den physischen Leib des Menschen ansieht, ist nur eine Maya, eine Illusion. Was da dem Menschen entgegentritt, und was er für den physischen Leib hält, ist im Grunde genommen schon das Ineinanderwirken der vier Glieder der menschlichen Wesenheit, physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, und das Resultat, das ganze Ergebnis dieses Zusammenwirkens ist das, was sozusagen für die Augen sichtbar, für die Hände greifbar dem Menschen entgegentritt. Wenn Sie den physischen Leib wirklich sehen wollten, so müßten Sie — ähnlich wie man aus einer chemischen Zusammensetzung, die aus vier Stoffen besteht, drei beseitigt und einen zurückbehält - aus dem menschlichen Wesen beseitigen können Ich, Astralleib und Ätherleib; dann würden Sie zurückbehalten den physischen Leib. Das ist aber unter den heutigen Bedingungen des Erdendaseins nicht möglich. Sie werden vielleicht meinen, das geschieht ja jedesmal, wenn ein Mensch stirbt. Das ist aber nicht richtig. Denn was beim Tode eines Menschen zurückbleibt, ist nicht der physische Leib des Menschen, sondern das ist der Leichnam. Mit den Gesetzen, die dann im physischen Leibe tätig sind, wenn der Tod eingetreten ist, könnte der physische Leib nicht leben. Das sind nicht seine ureigenen Gesetze, sondern das sind Gesetze, die der äußeren Welt angehören. Wenn Sie also diese Gedanken verfolgen, werden Sie sich sagen müssen, daß das, was man gewöhnlich den physischen Leib des Menschen nennt, eine Maya ist, ein Truggebilde, und was wir in der Geisteswissenschaft bezeichnen als den physischen Leib, das ist jene Gesetzmäßigkeit, jener Gesetze-Organismus, der innerhalb unserer mineralischen Welt den physischen Leib des Menschen so schafft, wie das Kristallisationsgesetz des Quarzes oder das des Smaragdes den Quarz oder Smaragd schafft. Diese in der mineralisch-physischen Welt wirksame Menschenorganisation, das ist eigentlich der physische Leib des Menschen. Und nichts anderes ist auch in der Geisteswissenschaft gemeint überall da, wo von dem physischen Leib des Menschen gesprochen wird. Denn was der Mensch heute von der Welt kennt, das ist nichts anderes als das Ergebnis seiner sinnlichen Wahrnehmung, dessen, was die Sinne wahrnehmen. So aber, wie die menschlichen Sinne wahrnehmen, kann nur wahrgenommen werden in einem Organismus, in welchem ein Ich sitzt. Die heutige oberflächliche Betrachtungsweise setzt natürlich voraus, daß zum Beispiel auch ein Tier ebenso die äußere Welt wahrnimmt, wie der Mensch sie durch seine Sinne wahrnimmt. Das ist eine ganz konfuse Anschauung, und die Menschen würden sich sehr wundern, wenn sie, was ja auch einmal wird geschehen müssen, eingeführt würden in die Art und Weise, wie sich das Weltbild eines Pferdes, eines Hundes oder eines anderen Tieres ausnimmt. Die Umgebung des Hundes oder die Umgebung des Pferdes gleichsam hingezeichnet, hingemalt, würde sich ganz anders ausnehmen als das, was das Weltbild des Menschen ist. Denn damit die Sinne so die Welt wahrnehmen, wie der Mensch sie wahrnimmt, dazu gehört, daß das Ich sich ausgießt über die Welt und die Sinnesorgane, Augen, Ohren und so weiter, erfüllt. Also nur ein Organismus, in dem ein Ich wohnt, hat ein solches Weltbild, wie der Mensch es hat, und der äußere Organismus des Menschen steht da drinnen, gehört nur diesem Weltbilde an. Daher müssen Sie sagen: Was man gewohnt ist, den physischen Leib des Menschen zu nennen, ist nur ein Ergebnis unserer sinnlichen Betrachtung und nicht die Realität.

[ 5 ] At his normal stage of development to-day man has no consciousness of his astral, etheric or physical bodies. You will naturally insist that he is certainly conscious of his physical body. But that is not so. For what is normally regarded as man's physical body is an illusion, a maya. What is taken to be the physical body is the product of the interworking of the four members of man's constitution: physical, etheric and astral bodies, and the ‘I’. As the product of this interworking the physical body is visible to the eyes and can be touched by the hands. If you want to see the physical body as it really is, you must isolate it, as in a chemical analysis, by separating off and disregarding the ‘I’ and the astral and etheric bodies. But present conditions of earthly existence make this impossible. Although you may think that it happens whenever a man dies, this is not correct. What a man leaves behind at death is not his physical body, but a corpse. The physical body could not exist under the laws which come into operation after death has taken place for these laws do not properly belong to it; they belong to the external world. If you follow these thoughts through to their conclusion you will have to agree that what is usually called man's physical body is the complex of laws by which the physical body is created within our mineral world, just as their own laws of crystallisation create, let us say, quartz or emerald. The physical body of man functions as an organism in the mineral-physical world and this is the sense in which it is always spoken of in Spiritual Science. What we know of the world to-day is nothing but the result of what the senses perceive, and such perception is only possible in an organism in which there is an Ego, an ‘I’. The superficial methods of observation now in vogue presume that an animal, for example, perceives the external world exactly as man perceives it through his senses. But this is a misguided view and people would be much astonished if—as will inevitably happen one day—they were shown how a horse, or a dog, or some other animal, pictures the world. If a picture were painted of the environment as perceived by a dog or a horse it would be very different from a man's picture of the world. We could not perceive the world as we do if the ‘I’ did not pour itself over the surrounding world, filling the sense-organs—the eyes, the ears, and so on. Only an organism in which an ‘I’ is present can perceive the world as man perceives it, and the outer human organism is itself an integral part of this picture. We must therefore conclude that what is usually called the physical body of man is only a result of our sense-observation, not the reality.

[ 6 ] Wenn wir von dem physischen Menschen sprechen, von allem, was der Mensch als Physisches um sich herum hat, so ist es das Ich, das mit Hilfe der Sinne und des Verstandes, der an das Gehirn gebunden ist, die Welt anschaut. Daher kennt der Mensch nur das, worüber sein Ich ausgebreitet ist, was seinem Ich angehört. Sobald irgendwie das Ich nicht dabei sein kann bei etwas, was von dem Weltbilde gegeben ist, dann hört überhaupt das Weltbild auf, eine Wahrnehmung zu sein, das heißt, der Mensch schläft dann ein. Dann ist aber kein Weltbild um ihn herum; er wird dann bewußtlos. Wo Sie hinschauen, an jedem Punkt ist mit dem, was Sie wahrnehmen, Ihr Ich verbunden, das heißt, es ist über Ihre Wahrnehmung ausgegossen, so daß Sie eigentlich nur den Inhalt Ihres Ich kennen. Der Mensch kennt als normaler Mensch den Inhalt seines Ich, und was seine eigene Natur und Wesenheit ist, wo hinein er an jedem Morgen beim Aufwachen steigt, Astralleib, Ätherleib, physischer Leib, das kennt er als heutiger Mensch nicht, denn in dem Augenblicke, wo er als heutiger Mensch aufwacht, sieht er nicht seinen Astralleib. Der heutige Mensch würde sogar entsetzt sein, wenn er seinen Astralleib wahrnehmen würde, das heißt die Summe aller Triebe, Begierden und Leidenschaften, die sich durch die wiederholten Erdenleben angehäuft haben. Der Mensch sieht auch nicht seinen Ätherleib. Das könnte er gar nicht ertragen. Wenn er eintaucht in seine eigene Natur, in physischen Leib, Ätherleib und Astralleib, ist er sogleich in bezug auf seine Wahrnehmung abgelenkt auf die Außenwelt. Da sieht er das, was ihm gute Götter ausbreiten über die Fläche seines Schauens, damit er gar nicht in die Lage kommt, weil er es nicht ertragen könnte, in sein eigenes Inneres hinunterzusteigen.

[ 6 ] When we speak of physical man and of the physical world around him it is the ‘I’ that is viewing the world, with the help of the senses and the brain-bound mind. Hence man knows only that over which his ‘I’ extends, that which belongs to his ‘I’. As soon as the ‘I’ cannot be present there is no longer any perception of the world-picture—in other words, man falls asleep. There is no picture of the world around him and he loses consciousness. Wherever you look, your ‘I’ is bound up at every point with what you are perceiving; it is poured over the perception so that in reality you can know only the content of your ‘I’. A normal man of modern times is aware of the content of his ‘I’ but he is not aware of his astral, etheric and physical bodies into which he penetrates every morning, for when he wakes he has no perception of his astral body. He would indeed be horrified if he had, for his astral body displays the sum-total of all the urges, desires and passions accumulated in the course of successive lives on Earth. Nor does he perceive his etheric body—there again he could not endure the sight. When he penetrates into his own intrinsic nature—into his physical, etheric and astral bodies—his attention is at once deflected to the external world; and there he sees what beneficent Divine Beings spread over the surface of his vision in order to safeguard him from descending into the core of his inner nature—an experience which he could not endure.

[ 7 ] Wir sagen daher mit Recht, wenn wir in der Geisteswissenschaft von diesem Vorgange sprechen: In dem Augenblick, wo der Mensch des Morgens aufwacht, tritt er eigentlich ein in das Tor der eigenen Wesenheit. Aber an diesem Tore steht ein Wächter; dieser Wächter ist der kleine Hüter der Schwelle. Er läßt den Menschen nicht eintreten in die eigene Wesenheit, sondern lenkt ihn sogleich auf die äußere Welt ab. Jeden Morgen trifft der Mensch diesen kleinen Hüter der Schwelle. Wer bewußt beim Aufwachen eintritt in seine Hüllennatur, lernt diesen kleinen Hüter der Schwelle kennen. Und im Grunde genommen handelt es sich für das mystische Leben nur darum, ob dieser kleine Hüter der Schwelle uns als Menschen die Wohltat erweist, uns für unsere eigene innere Wesenheit zu betäuben, so daß wir nicht da hinuntersteigen können, und unser Ich auf unsere Umgebung hinzulenken, oder ob er uns durchläßt durch das Tor und uns in unsere eigene Wesenheit eintreten läßt.

[ 7 ] Therefore when we speak of this in terms of Spiritual Science, we rightly say that the moment a man wakes in the morning he passes through the portal of his own being. But at this portal stands a Watcher, the Lesser Guardian of the Threshold, who does not allow him to penetrate into his own being but diverts him immediately to the external world. Every morning a man meets this Lesser Guardian. Knowledge of him comes to anyone who, on waking, consciously passes into his astral, etheric and physical sheaths. And in the mystical life it is only a question of whether this Lesser Guardian benevolently dims our consciousness of our own inner being so that we cannot descend into it, diverting our ’I’ to the environment, or whether he allows us to enter through the portal into our own nature and being. The mystical life consists essentially in passing the Lesser Guardian of the Threshold and entering into our inmost self.

[ 8 ] So also ist das mystische Leben das Eintreten durch das eben bezeichnete Tor an dem kleinen Hüter der Schwelle vorbei in die eigene menschliche Wesenheit. Und was für den großen Buddha symbolisch bezeichnet wird als das Sitzen unter dem Bodhibaum, ist nichts anderes als das Hinuntersteigen in die eigene innere Wesenheit durch das Tor, das uns sonst diese eigene Wesenheit verschließt. Was Buddha erleben mußte, um hinunterzusteigen in diese eigene innere Wesenheit, das ist dargestellt innerhalb des Buddhismus. Diese Dinge sind nicht etwa bloße Legenden, sondern Wiedergaben von tiefen, innerlich erlebten Wahrheiten, von seelischen Wirklichkeiten.

[ 8 ] In the case of the great Buddha, what is described symbolically as ‘sitting under the Bodhi tree’ is nothing else than this descent into the inner core of being through the portal that is otherwise closed. Buddhism describes what the Buddha had to experience in order to complete this descent. The narratives are not mere legends but presentations of deeply felt truths, profound realities experienced by the soul.

[ 9 ] Was Buddha erlebt hat beim Hinuntersteigen in die eigene Wesenheit, das wird im Buddhismus dargestellt als die sogenannte Versuchung des Buddha. Der Buddha beschreibt es ja im Sinne dieser Versuchungsgeschichte, wie selbst solche Wesenheiten, die er lieb hat, sich ihm nahen in dem Momente, wo er mystisch in das eigene Innere hineinsteigen will. Er beschreibt, daß sie sich ihm zu nähern scheinen, ihn auffordern, dies oder jenes zu tun, zum Beispiel falsche Übungen vorzunehmen, um in einer falschen Weise in die eigene innere Wesenheit einzutreten. Da wird uns sogar vorgeführt die Gestalt der Mutter des Buddha - in seinem geistigen Schauen sieht er sie —, die ihn auffordert, eine falsche Askese zu beginnen. Das ist natürlich nicht die wirkliche Mutter des Buddha. Aber darin besteht gerade die Versuchung, daß ihm für sein sich erst entwikkelndes Schauen nicht die wirkliche Mutter, sondern eine Maske, eine Maya, eine Illusion entgegentritt. Er aber widersteht. Dann treten ihm eine Anzahl dämonischer Gestalten entgegen, die er schildert als Gier, wie sie entspricht dem Hunger- und Durstgefühl, oder als Leidenschaften, Triebe, Stolz, Hochmut, Eitelkeit, Geiz. Sie alle treten an ihn heran — wie? Nun, soweit sie noch in seiner eigenen Hüllennatur, in seiner astralischen Wesenheit sind, soweit er sie in seinen starken Momenten, in dem Sitzen unter dem Bodhibaum schon besiegt hat. Und in einer wunderbaren Weise wird uns in dieser Versuchung des Buddha dargestellt, wie alle die Gewalten und Mächte unseres Astralleibes, die da sind, weil wir uns durch die absteigende Entwickelung der Menschheit im Verlaufe der aufeinanderfolgenden Inkarnationen immer schlechter und schlechter gemacht haben, sich geltend machen. Trotzdem er schon so hoch gestiegen ist, kann er sie noch schauen und muß nun durch das letzte Steigen in die Höhe das Letzte besiegen, was als versuchende Dämonen für seinen Astralleib vorhanden ist.

[ 9 ] The experiences encountered by the Buddha in descending into his inmost nature are described as his ‘temptations’. In his account of these temptations Buddha speaks of beings—even those he loves—who draw near to him the moment he attempts the mystical descent; they urge him to some particular activity, for instance, to practise exercises which would lead him astray. We are told that the figure of the mother of Buddha appears to his spiritual vision and urges him to practise a false kind of asceticism. It was not, of course, his real mother; indeed his temptation consisted precisely in the fact that at the first stage of his developing vision, what appeared to him was an illusion, a mask. Buddha resisted this temptation and then a host of demonic figures appeared, who are described as the cravings one experiences in hunger and thirst or as passions, urges, pride, arrogance, vanity, ambition. All these forms confront him—but how? They still lurked in his astral body, in his astral sheath, but in his stronger moments, as he sat in meditation ‘under the Bodhi tree’, he had already overcome them. This temptation of the Buddha shows us in a wonderful way how all the forces and powers of our astral body produce their effect because through the downward trend of evolution in our successive incarnations, we have steadily deteriorated. In spite of the sublime height to which he had risen, the Buddha still saw the demons which tempt the astral body and at the final stage of attainment he had perforce to conquer them.

[ 10 ] Was wird dann eine menschliche Persönlichkeit finden, wenn sie durch die Region des Astralleibes, durch die Versuchung, hinuntersteigt in den physischen Leib und Ätherleib, das heißt, wenn sie jetzt wirklich kennenlernt diese beiden Glieder der menschlichen Wesenheit? Wenn wir das erkennen wollen, müssen wir auf eines aufmerksam machen, was der Mensch durch das Hinuntersteigen in die eigene Wesenheit erleben kann. Wir müssen darauf aufmerksam machen, daß der Mensch im Verlaufe seiner Verkörperungen innerhalb der Erdenentwickelung zwar in der Lage war, seinen Astralleib in starker Weise zu verderben, aber weniger in der Lage war, das wirklich zu verderben, was in ihm als Ätherleib und physischer Leib ist. Den Astralleib verdirbt man durch alles, was man nennen kann die Egoismen in der Menschennatur, Neid, Haß, Selbstsucht im allgemeinen, Hochmut, Stolz und so weiter. Durch alle diese Dinge verdirbt man den Astralleib, auch durch alle niederen Triebe und so weiter. Den Ätherleib verdirbt man im Grunde genommen als Mensch nur — denn viel mehr Macht hat man als heutiger normaler Mensch nicht — durch die Lüge, und höchstens unbewußt durch den Irrtum. Aber auch dann kann immer nur ein Teil des Ätherleibes verdorben werden. Ein gewisser Teil des Ätherleibes ist so stark, daß der Mensch, wenn er sich auch noch so sehr bemühen würde, etwas daran zu verderben, es nicht könnte, denn der Ätherleib würde widerstehen. So weit kann der Mensch nicht hinuntersteigen in seine eigene Natur mit seinen eigenen individuellen Kräften, daß er den Ätherleib oder physischen Leib verderben könnte. Nur im Verlaufe der Inkarnationen können die Fehler, die der Mensch direkt entzündet, weiter wirken auf den physischen Leib und Ätherleib; und sie erscheinen dann als Krankheiten, als Schädigungen und als Krankheitsdispositionen, auch im physischen Leibe. Aber der Mensch kann nicht direkt, nicht unmittelbar von seiner Individualität aus auf seinen physischen Leib wirken. Wenn er sich in den Finger schneidet, so ist das nicht von der Seele aus auf den physischen Leib gewirkt; wenn der physische Leib infiziert wird, auch nicht. Im Verlaufe seiner Inkarnationen ist der Mensch nur fähig geworden, auf den Astralleib und auf einen Teil des Ätherleibes zu wirken; aber auf den physischen Leib kann er nur mittelbar, niemals direkt einwirken.

[ 10 ] When a man descends through the region of the astral body, through temptations, into the physical and etheric bodies—when, that is to say, he really gets to know these two members of human nature, what does he find? Our attention must here be called to experiences connected with the descent. In the course of his incarnations on the Earth, man has been able to do severe damage to his astral body, but less damage has been caused to his etheric and physical bodies. The astral body is injured by all lower urges, by every form of egoism in human nature—envy, hatred, selfishness, arrogance, pride, and so on. A normal man of to-day cannot do much more in the way of injury to the etheric body than through lying or at most through unconscious error. But even so, only a part of the etheric body can sustain injury. A certain part of the etheric body is so strong that however hard a man might try to injure it, he would be unable to do so; it would always resist. Through his individual powers a man cannot descend deeply enough into his own nature to be able to injure the etheric or the physical body. It is only in the course of repeated incarnations that the faults for which he is directly responsible have an effect upon these bodies and then they appear as illnesses, defects and dispositions to illness in the physical body. But a man cannot work directly from his individuality upon his physical body. A cut finger or a bodily infection is not the result of any activity of the soul. In the course of his incarnations man has become capable of working upon the astral body and part of the etheric body; but upon his physical body he can work indirectly only, never directly.

[ 11 ] Daher können wir sagen: Wenn wir hinunterkommen in die Region des Ätherleibes, auf die wir noch einen direkten Einfluß haben, so zeigt sich in dieser Region alles dasjenige, was schon dem Menschen der aufeinanderfolgenden Erdenleben, der Inkarnationen angehört; so daß in dem Augenblick, wo der Mensch eintaucht in seine eigene Wesenheit, er auch eintaucht in die vorherigen, weiter zurückliegenden Inkarnationen. Der Mensch findet also den Weg zu den früheren Verkörperungen durch Untertauchen in die eigene Wesenheit. Und wenn nun dieses Untertauchen ein so intensives, so gewaltiges und umfassendes ist, wie es bei dem großen Buddha der Fall war, so geht auch dieses Einblicken in die Inkarnationen immer weiter und weiter.

[ 11 ] Hence we can say that when a man descends into the region of the etheric body upon which he still has some direct influence, everything that is part of him from his successive incarnations becomes manifest. By sinking into the depths of his own being, a man finds the way to his incarnations in the near or more distant past. And when the descent is as intense and complete as it was in the case of the great Buddha, this vision of the incarnations extends farther and farther.

[ 12 ] Nun ist der Mensch ursprünglich überhaupt eine geistige Wesenheit, und alles, was seine Hüllen sind, hat sich später um seine geistige Wesenheit herum gegliedert. Der Mensch ist aus dem Geiste entsprungen, und alles Äußere ist wie eine Verdichtung aus dem Geiste heraus. Daher kommt der Mensch durch dieses Untertauchen in seine eigene Wesenheit in den Geist der Welt hinein. Dieses Hinuntersteigen in sich, dieses Durchbrechen der Hülle des physischen Leibes ist ein Weg in das geistige Gefüge der Welt, um zu sehen, wie sich immer wieder und wieder im Verlaufe der Inkarnationen dieser physische Leib auferbaut hat. Und wenn der Mensch weit genug zurückgeht, bis in die Zeiten, wo der Mensch im alten primitiven Hellsehen ein Glied der geistigen Welt war, dann schaut er eben in die geistige Welt hinein.

[ 12 ] Man was originally a wholly spiritual being. In course of time sheaths gathered around this spiritual being. Man was born out of the spirit, of which everything external is a condensation. Hence through penetrating into his own being he finds the way to the spirit of the universe. This descent into the sheaths enfolding the physical body is a path leading to the spiritual texture of the universe, enabling man to see how the physical has been built up in the course of his incarnations. And when he can go far enough back into the past, to the times when with his primitive clairvoyance he was in a certain respect one with the spiritual world, he then had direct vision of that world.

[ 13 ] In dem, was von Buddha überliefert ist - und das ist wieder keine bloße Legende -, haben Sie die Stufen, die Buddha erreichte beim Durchgehen durch die eigene Wesenheit, wovon er selber sagt: Als ich soweit war, daß ich die Erleuchtung hatte — das heißt, wo er sich fühlen konnte als ein Glied der geistigen Welt -, da war ich so weit, daß ich die geistige Welt wie eine sich ausbreitende Wolke liegen sah, aber ich konnte noch nichts darinnen unterscheiden, denn ich fühlte mich noch nicht vollkommen. Dann kam ich einen Schritt weiter. Da sah ich nicht mehr bloß die geistige Welt wie eine sich ausbreitende Wolke liegen, sondern ich konnte auch einzelne Gebilde unterscheiden, aber ich konnte noch nicht sehen, was sie waren, denn ich war noch nicht vollkommen. Wieder stieg ich einen Schritt höher und fand nun nicht bloß sich unterscheidende Wesenheiten, sondern ich konnte wissen, was es für Wesenheiten waren.

[ 13 ] In tradition—which again is not merely legendary—we learn of the stages reached by the Buddha as he penetrated through his own being. Of these stages he himself says: When I had attained the stage of Illumination—that is to say, when he could feel part of the spiritual world—I beheld that world outspread before me like a cloud; but as yet I could distinguish nothing in it, for I was not yet perfect. I advanced a step further and then not only could I see the spiritual world outspread like a cloud but I could distinguish particular forms. But still I could not see what the forms actually were, for I was not yet perfect. Again I ascended a step and now not only could I distinguish the spiritual Beings but I could also recognise what order of Beings they were.—This process continued until the Buddha beheld his own archetype which had passed down from incarnation to incarnation, and could see its true relationship with the spiritual world.

[ 14 ] Und das geht nun so weit, bis er selbst sein Urbild sah, das heruntergestiegen ist von Inkarnation zu Inkarnation, und es im richtigen Verhältnis zur geistigen Welt sehen konnte. Das ist der eine Weg, der mystische Weg, das Durchgehen durch die eigene Wesenheit bis zu dem Punkte, wo jene Grenze durchbrochen wird, jenseits welcher dann die geistige Welt erreicht werden kann. Auf diesem Wege erlangt der eine Teil der Menschheitsführer dasjenige, was solche Individualitäten haben müssen, damit sie Impulse geben können für die Fortentwickelung der Menschheit.

[ 14 ] This is the one way, the mystical way; it is the descent through a man's own nature and being to the point where the bounds beyond which lies the spiritual world are broken through. It is by following this path that certain leading Individualities acquire the powers they need in order to give an impetus to the evolution of humanity.

[ 15 ] Auf ganz anderem Wege erlangen solche Persönlichkeiten wie zum Beispiel der ursprüngliche Zarathustra die Möglichkeit, Menschheitsführer zu werden. Wenn Sie noch einmal auf das zurückblicken, was ich von Buddha gesagt habe, so werden Sie sich klar sein, daß er in seinen früheren Inkarnationen, wo er bis zum Bodhisattva gekommen war, schon von Stufe zu Stufe hinaufgestiegen sein mußte. Durch die Erleuchtung — das Sitzen unter dem Bodhibaum -, die so dargestellt werden muß, wie ich sie jetzt dargestellt habe, kommt eine Persönlichkeit, welche durch die in ihrer Individualität liegenden Verdienste nach und nach hoch hinaufgestiegen ist, zum Hineinschauen in die geistigen Welten. Wenn die Menschheit immer nur auf solche Führer angewiesen gewesen wäre, so wäre es nicht möglich gewesen, die Menschheit so vorwärtszubringen, wie sie vorwärtsgekommen ist. Es gab eben noch andere Führer. Von dieser anderen Art war Zarathustra. Ich spreche jetzt nicht von der Individualität des Zarathustra, sondern von der Persönlichkeit des ursprünglichen Zarathustra, dem Verkünder des Ahura Mazdao. Wenn wir eine solche Persönlichkeit an dem Platze, wo sie uns in der Welt entgegentritt, studieren, so ist zunächst in ihr keine Individualität, welche durch eigene Verdienste besonders hoch gestiegen wäre, sondern eine solche Persönlichkeit wird ausersehen, Träger zu sein, Hülle zu sein für eine geistige Wesenheit, für eine geistige Individualität, die sich nicht selber in der Welt fleischlich inkarnieren kann, die nur in eine menschliche Hülle hineinleuchten und innerhalb derselben wirken kann.

[ 15 ] Very different is the path by which men such as the original Zarathustra came to be leaders of mankind. If you will recall what I have said about the Buddha, you will realise that having become a Bodhisattva in his earlier incarnations he must already have risen through many stages. Through the illumination known as ‘sitting under the Bodhi tree’—an expression which must be understood in the sense I have indicated—a man can develop vision of the spiritual worlds and rise to great heights through the faculties of his own Individuality. But if humanity had always been obliged to depend upon leaders of this kind only, the progress that has actually been made would not have been possible. There were leaders of a different type altogether, of whom Zarathustra was one. I am not speaking now of the Individuality of Zarathustra but of the ‘personality’ of the original Zarathustra, the herald of Ahura Mazdao. If we study such a personality at the point where he stands in world-history, we realise that this is not a human being who has risen through his own intrinsic merits. On the contrary, he is a personality who has been chosen to be the bearer, the sheath, of a spiritual Being who cannot himself incarnate in the flesh, who can only send his illumination into and work within a human sheath.

[ 16 ] Ich habe in meinem Rosenkreuzermysterium «Die Pforte der Einweihung» darauf aufmerksam gemacht, wie eine menschliche Wesenheit durchgeistet wird in einem bestimmten Zeitpunkt, wenn es notwendig ist für die Weltentwickelung, von einer höheren Wesenheit. Das ist nicht bloß als ein poetisches Bild gemeint, sondern als poetische Repräsentation einer okkulten Wirklichkeit.

[ 16 ] In my Rosicrucian Mystery Play, The Portal of Initiation, I have indicated how at a certain point of time, when it is necessary for world-evolution, a human being is inspired by a higher spiritual Being. This is not poetic imagery but a poetical presentation of an occult reality.

[ 17 ] Die Persönlichkeit des ursprünglichen Zarathustra war also keine solche, die durch sich selbst so hoch gestiegen wäre wie Buddha, sondern sie war dazu ausersehen, daß eine höhere Individualität in ihr gleichsam Platz nähme, sie durchgeistigte, sie durchweste. Solche Persönlichkeiten waren hauptsächlich bei allen denjenigen Kulturen in den alten Zeiten, das heißt bei allen vorchristlichen Kulturen, zu finden, die sich entwickelt hatten durch Europa, durch das nordwestliche und mittelwestliche Asien hindurch, nicht aber bei jenen Kulturen der vorchristlichen Zeiten, die sich durch Afrika, Arabien, auch durch die vorderasiatischen Länder hindurch nach Asien hineinerstreckten. Während in den letztgenannten Ländern jene Art der Einweihung vorherrschend war, die ich eben beschrieben habe in der höchsten Entfaltung bei dem großen Buddha, war die andere Art der Einweihung, die ich jetzt bei Zarathustra an einem besonderen Beispiel darstellen will, besonders bei den nördlichen Völkern heimisch. Auch in unsern Gegenden war noch vor drei bis vier Jahrtausenden nur die Möglichkeit vorhanden, eine solche Initiation zu geben, wie ich sie jetzt schildern will.

[ 17 ] The personality of the original Zarathustra was not one which through its own merits had reached as lofty a stage of development as that attained by Buddha; the personality of Zarathustra was chosen to be the abode of a higher Being and was filled with living spirituality. Such personalities were chiefly to be found in the early, pre-Christian civilisations which had arisen throughout Europe, in North-Western and Mid-Western Asia but not in the other civilisations which spread through Africa, Arabia and Asia Minor, into Asia. In these latter territories the predominant mode of Initiation was the one I have just described as having been achieved in its highest form by the great Buddha. Taking Zarathustra as a particular example among the peoples of the Northern stream, I shall now speak of the mode of Initiation which was to be found, too, in our own part of the world. Three or four thousand years ago this was the only kind of Initiation that it was possible to attain.

[ 18 ] Etwa in folgender Weise war die Zarathustra-Persönlichkeit dazu ausersehen, Träger zu sein einer höheren Wesenheit, die sich nicht selbst inkarnieren sollte. Es war gleichsam bestimmt von den geistigen Welten: In dieses Kind soll hineinversenkt werden eine göttlichgeistige Wesenheit, die in diesem Menschen wirken kann, sich seines Gehirns, seiner Werkzeuge und seines Willens bedienen kann, wenn dieses Kind herangewachsen ist. Dazu muß allerdings von vornherein etwas ganz anderes mit dem Menschen geschehen, als sonst in der menschlichen individuellen Entwickelung geschieht. Nun spielen sich ja allerdings die Vorgänge, welche jetzt ein wenig beschrieben werden sollen, nicht so sehr physisch-sinnlich ab, als vielmehr in dem ganzen Leben eines solchen heranwachsenden Menschen, obwohl natürlich ein anderer, der mit groben Sinnen ein solches Kind verfolgen würde, es nicht beobachten könnte. Wer es aber beobachten kann, der sieht, daß da von vornherein zwischen den Seelenkräften eines solchen Kindes und der äußeren Welt Konflikte spielen, daß dieses Kind ein Wollen, eine Impulsivität hat, die gleichsam im Widerspruch steht mit dem, was sich ringsherum abspielt. Das ist ja der göttlichen, der geisterfüllten Persönlichkeiten Schicksal, daß sie als Fremdlinge heranwachsen, daß ihre Umgebung keinen Sinn und keine Empfindung hat, um sie recht zu verstehen. Gewöhnlich sind nur ganz wenige, vielleicht ist sogar nur eine Persönlichkeit vorhanden, die eine Ahnung davon haben kann, was mit einem solchen Menschen heranwächst. Leicht dagegen entwickeln sich Konflikte mit der Umwelt, und es tritt dann nicht erst in späteren Jahren das auf, was ich Ihnen jetzt mit der Versuchungsgeschichte des Buddha geschildert habe, was entsteht, wenn der Mensch in die eigene Wesenheit hinuntersteigt.

[ 18 ] The personality of Zarathustra was chosen in somewhat the following way to be the bearer of a higher Being who was not himself actually to incarnate. It was decreed by the higher worlds that into this child there was to descend a divine-spiritual Being who when the child matured could work in him, make use of his brain, his faculties and his will.—To this end the circumstances of the life of such a human being must be quite different from those otherwise prevailing in the development of an ordinary individual. The happening I shall now briefly describe must be thought of as belonging to the whole life of such a human being, not confined to the physical realm of sense. Although the symptoms will not be perceptible to the ordinary senses, it will be clear to anyone with finer powers of observation that from the very beginning there is evidence of conflict between the soul-forces of such a child and the external world; that in this child there is a will and an inner driving power at variance with what goes on in the environment. But such is the destiny of a personality thus filled with a divine-spiritual Being. He grows up as a stranger, for those around him have no insight or feelings which would help them to understand him. Generally there are only very few—perhaps only one—with any inkling of what is developing in such a child. On the other hand, conflicts with the world around will easily arise and in such a case what I described to you in the story of the temptations accompanying Buddha's descent into his own being, will take place at an earlier age of life.

[ 19 ] Wie der Mensch im normalen Leben ist, wird ihm in seine Hüllennatur, die ihm von Eltern und Volk gegeben wird, seine Individualität hineingeboren. Diese Individualität stimmt nicht immer ganz zu den äußeren Hüllen, und deshalb fühlen sich die Menschen immer mehr oder weniger unbefriedigt mit der Art und Weise, wie sie das Schicksal bedacht hat. Aber ein so herber, ein so gewaltiger Konflikt, wie er zum Beispiel bei Zarathustra vorhanden war, ist nicht möglich, wenn ein Mensch mit seiner Individualität so heranwächst, wie es dem gewöhnlichen Menschenleben entspricht. Betrachtet man nun hellseherisch ein solches Kind, wie es Zarathustra war, so stellt sich heraus, daß es in sich Empfindungen, Fähigkeiten, Gedanken- und Willenskräfte hat, die sich ganz und gar anders ausnehmen als das, was sich ringsherum in der Menschheit an Empfindungen, Willensimpulsen, Vorstellungen und so weiter entwickelt. Vor allen Dingen stellt sich heraus - und zwar stellt es sich immer heraus, es wird nur nicht beachtet, weil man heute nicht psychische, geistige Tatsachen betrachtet —, daß die Umgebung von der wahren Natur eines solchen Kindes nichts weiß, dagegen ganz instinktiv Haß gegen einen solchen Menschen empfindet, nicht mag, was da heranwächst. Das ist der schärfste Konflikt, der dem hellsichtigen Auge entgegentritt: daß ein solches Kind, das eigentlich zu einem Heilande der Menschheit geboren ist, ringsherum Stürme von Haß entfesselt. Das muß sein. Denn dadurch, daß es so anders ist, kommen die großen Impulse in die Menschheit hinein. Solche Dinge werden uns dann erzählt für entsprechende Persönlichkeiten, wie sie uns bei Zarathustra erzählt werden.

[ 19 ] In the normal way the individuality of a human being is born into the sheaths provided by his parents and his people. These sheaths do not always entirely conform with the individuality and on this account such men feel a certain dissatisfaction with destiny. A conflict of such force and intensity as was associated, for example, with Zarathustra, could not be endured by an individuality developing in the normal way. When a child such as Zarathustra is observed clairvoyantly he will be found to have feelings, faculties and forces of thought which will be quite different from those developing in the people around him. Above all it will be evident—it is in fact always evident but it passes unheeded because little attention is paid nowadays to the life of soul-and-spirit—that those around such a child know nothing about his real nature; on the contrary, they feel an instinctive hatred of him; they can make nothing of what is developing within him. There is no sharper conflict visible to clairvoyance than that between a child born to be a saviour of mankind and the storms of hatred that are unleashed around him. This is inevitable, for it is just because such a child is different that the great impulses can be given to humanity. Similar stories are also told about personalities other than Zarathustra.

[ 20 ] Da wird erzählt, daß Zarathustra eines kann, was sonst erst nach Wochen beim Menschen auftritt: daß er so sehen kann auf die Harmonie der Welt, daß er sein «Zarathustra-Lächeln» entwickelt. Dieses Lächeln des eben geborenen Zarathustra wird uns geschildert als das erste, was ihn uns zeigt als etwas ganz anderes als die übrigen Menschen rings um ihn herum. Das zweite ist, daß sich ein Feind, eine Art König Herodes in dem Gebiete fand, wo Zarathustra geboren war. Duransarun hieß er; und eigenhändig - nachdem er ausgekundschaftet hatte die Geburt des Zarathustra, die ihm von den Magiern, den Chaldäern, verraten worden war - versuchte er, das Kind zu ermorden. Nun erzählt die Legende: In dem Augenblick, da er das Schwert erhob und das Kind töten wollte, erlahmte ihm die Hand, und er mußte davon ablassen. — Das alles sind nur Bilder, die das geistige Bewußtsein hätte sehen können, Bilder von geistigen Realitäten. Weiter wird erzählt, wie dieser Feind des Zarathustra-Kindes, weil er es nicht auf diese Weise töten konnte, es hinaustragen ließ durch einen Diener zu den wilden Tieren in die Wüste, damit diese es umbrächten. Aber als man es dann sucht, hat kein wildes Tier es angerührt, sondern man findet das Kind ruhig schlafend. Als auch dieser Versuch mißglückt ist, läßt der Feind das Zarathustra-Kind so aussetzen, daß eine ganze Herde von Kühen und Ochsen darüberlaufen muß, die es zertrampeln sollen. Aber das erste Tier, so erzählt die Legende, nahm das Kind zwischen die Beine, trug es fort, so daß die ganze übrige Herde vorüberlaufen mußte, und setzte es dann nieder. So geschah ihm nichts. Dasselbe wiederholte sich mit einer Herde von Pferden. Und als letztes versuchte der Feind, daß man einer Schar von wilden Tieren, nachdem man ihnen alle Jungen weggerissen hatte, statt deren das Zarathustra-Kind hinlegte. Aber es stellte sich heraus, als man von seiten der Eltern nachschaute, daß auch diese Tiere dem Kinde nichts getan hatten, sondern daß sogar, wie es in der Legende heißt, das Zarathustra-Kind von den «himmlischen Kühen» durch lange Zeiten genährt worden ist.

[ 20 ] The story goes that as soon as he was born, Zarathustra could smile—something that is usually not possible for several weeks. We are told that Zarathustra's smile came from his consciousness of the harmony of the world. The smile was said to be the first sign of the difference between this child and all the others around him. There is a second story, to the effect that an enemy, as it were another Herod, named Duransarun, lived in the region where Zarathustra was born and that when the birth of the child was divulged to him by Chaldean Magi, he tried to kill the infant with his own hands. The legend tells that as he raised the sword his arm was paralysed and he was obliged to give up the attempt.—These are pictures of spiritual realities which could have been revealed only to supersensible consciousness. We are further told how this enemy of the infant Zarathustra then caused him to be carried by a servant out into the desert to become the prey of wild beasts. But when a search was made it was found that no wild beast had touched the child and that he was sleeping peacefully. This attempt having also failed, the child's enemy caused him to be laid where a herd of cows and oxen would pass and trample him to death. Instead, so the legend tells, the first beast took the child between its legs, carried him off and set him down when the whole herd had passed by. The same thing was repeated with a herd of horses. And the enemy's final attempt was to expose the child to wild animals robbed of their young. But when the parents sought news of the child they found that again the animals had done him no harm: indeed according to the legend he had been suckled by the ‘heavenly cows’.

[ 21 ] Wir brauchen zunächst in einer solchen Summe von Angaben nichts anderes zu sehen, als daß durch die Anwesenheit des geistigen Wesens, der geistigen Individualität, die in eine solche Seele hineinfährt, ganz besondere Kräfte wachgerufen werden, um ein solches Kind mit seiner Umgebung in eine Disharmonie zu bringen, die notwendig ist, damit der Menschheitsentwickelung Impulse nach aufwärts gegeben werden können. Denn immer sind Disharmonien notwendig, wenn wirklich zur Vollkommenheit geschritten werden soll. Dann aber soll darauf hingewiesen werden, wie diese Kräfte nun auch so sind, daß sie trotzdem einer solchen Wesenheit, einem solchen Kinde nützen, um es hinaufzuführen zu den Zusammenhängen mit der geistigen Welt, in die es kommen soll. Wodurch erlebt aber das Kind selber alle diese Konflikte?

[ 21 ] These indications are to be understood as showing that through the presence of the spiritual Being, of the Individuality who passes into such a soul, very special forces are called into play. Such a child is brought into disharmony with his environment. This is necessary in order that evolution may be given an upward impetus. Disharmonies are always inevitable if there is to be real progress towards perfection. It must also be realised that these forces help to bring such a child into his destined relationship with the spiritual world. But how does the child himself experience all these conflicts?

[ 22 ] Stellen Sie sich vor, daß dieses Hineingehen der Seele in die eigene Wesenheit ein Moment des Aufwachens wäre. Wenn die Seele in sich erleben kann den physischen Leib und Ätherleib, dann macht sie die Entwickelung durch, die ich bei Buddha charakterisiert habe. Denken Sie sich nun das Einschlafen bewußt. So wie es heute ist, verliert der Mensch beim Einschlafen das Bewußtsein - es hört auf, und die Nichtsheit ist um den Menschen herum als Weltbild. Denken Sie aber, der Mensch behielte beim Einschlafen sein Bewußtsein. Dann würde er umgeben sein von einer geistigen Welt, in die sich der Mensch eben im Schlafe ergießt. Da sind aber wieder gewisse Hindernisse. Es steht auch abends, wenn wir einschlafen, vor einem Tore, das wir passieren müssen, ein Hüter der Schwelle. Das ist der große Hüter der Schwelle, der uns nicht hineinläßt in die geistige Welt, solange wir unreif sind; uns aus dem Grunde nicht hineinläßt, weil wir, wenn wir noch nicht unser Inneres stark und fest gemacht haben, gewissen Gefahren ausgesetzt sind, wenn wir unser Ich ergießen wollten über die geistige Welt, in die wir mit dem Einschlafen hineinkommen.

[ 22 ] Try to think of this penetration of a man's soul into his own being, as an awakening. When the soul can experience the physical body and etheric body it achieves the development we saw in the Buddha. But now imagine going to sleep in full consciousness. As things are to-day, a man loses consciousness when he goes to sleep and the Void engulfs him. But if he were to retain consciousness he would be surrounded by a spiritual world into which his being pours. But here again there are obstacles. When we go to sleep, before the portal through which we must pass there also stands a Guardian. This is the Greater /Guardian of the Threshold, who denies us entrance into the spiritual world as long as we are not ready for it. The reason for this is that if without being inwardly strong enough we attempt to pour our Ego over the spiritual world into which we pass on going to sleep, we face certain dangers.

[ 23 ] Diese Gefahren bestehen darin, daß wir, statt in dieser geistigen Welt das Objektive zu sehen, was da drinnen ist, nur das sehen würden, was wir selber mit unsern Phantastereien, mit unsern Gedanken, Empfindungen und Gefühlen hineintragen. Und wir tragen gerade dasjenige hinein, was das Schlechteste an uns ist, was nicht der Wahrheit entspricht. Daher wird ein unreifes Eintreten in diese geistige Welt bedeuten, daß der Mensch nicht eine Wirklichkeit sieht, sondern Phantasiegebilde, phantastische Gebilde, Gebilde, die man eigentlich in der Geisteswissenschaft technisch dadurch bezeichnet, daß sie kein menschliches Sehen sind. Wenn der Mensch das Objektive sehen würde in der geistigen Welt, so würde er um eine Stufe höher steigen, er würde Menschliches sehen. Es ist immer das Zeichen eines phantastischen Sehens, wenn der Mensch beim Aufsteigen in die geistige Welt Tiergestalten sieht. Denn diese Tiergestalten bedeuten seine eigenen Phantastereien, weil er zu wenig in sich selber gefestigt ist. Was in der Nacht unbewußt ist, muß eine Kraft in sich aufnehmen, damit die äußere geistige Welt objektiv wird. Sonst wird sie subjektiv, und wir tragen unsere eigenen Phantastereien in die geistige Welt hinein. Wir tragen sie ja sonst auch hinein, aber der Hüter der Schwelle behütet uns davor, sie zu sehen. Denn das ist ja ein rein innerlicher Vorgang, das Hinaufsteigen in die geistige Welt und dieses Umgebensein von Tiergestalten, die auf uns Attacken ausüben, weil sie uns in Irrtum treiben wollen. Wir brauchen uns nur mit immer größerer Stärke zu umgeben, dann können wir in die geistige Welt eintreten.

[ 23 ] The dangers are these.—Instead of perceiving objective reality in the spiritual world we should perceive only the effect of the fantasies which we ourselves take into that world; we take into it the worst that is in us—everything that is not in keeping with truth. Hence any premature entry into the spiritual world would mean that instead of reality, a man would see grotesque, fantastic images and forms, said by Spiritual Science to be a sight that does not belong to his humanity. Whereas if he had objective vision of the spiritual world he would reach a higher stage and would see what is human. It is always a sign that what are seen are fantasies if on rising into the spiritual world, animal forms appear. These animal forms are indications of our own irresponsible play of fancy; they appear because inwardly we have not a firm enough foundation. Faculties in us which at night are unconscious must be strengthened if we are to have a really objective vision of the outer spiritual world. Otherwise we see it subjectively and we take our fantasies into it. They do, of course, accompany us, but the Guardian of the Threshold protects us from sight of them. To be surrounded by animal forms which attack us and try to force us into error as we ascend into the spiritual world is all a purely inner process. To enter the spiritual world safely we need only develop greater and greater strength.

[ 24 ] Wenn ein solches Kind wie das Zarathustra-Kind von einer höheren Wesenheit ausgefüllt ist, so ist natürlich das Körperchen unreif und muß erst reif gemacht werden. Da ist das, was die menschliche Organisation ist, die Verstandes- und Sinnesorganisation, gleichsam aufgeplustert. Ein solches Kind ist in einer Welt, welche ganz gut wirklich mit dem «bei wilden Tieren sein» dargestellt werden kann. Wir haben schon öfter dargestellt, wie bei derartigen Schilderungen Historisches und Bildliches nur zwei verschiedene Seiten derselben Sache sind. Da spielen sich die Geschehnisse so ab, daß dasjenige, was die spirituellen Mächte sind, wenn es äußerlich als Feindliches sich geltend macht wie beim Zarathustra-Kinde, sich zum Beispiel in der Person des Königs Duransarun zeigt. Das Ganze ist aber auch in seinem Urbilde in der geistigen Welt vorhanden, so daß die äußeren Handlungen dem entsprechen, was innerhalb der geistigen Welt geschieht. In der heutigen Denkweise ist der Mensch nicht fähig, einen solchen Gedanken leicht zu fassen. Wenn man sagt, daß die Ereignisse um Zarathustra eine Bedeutung haben in der geistigen Welt, so denkt der Mensch: Dann sind sie nicht wirklich. Wenn man aber beweist, daß sie historisch sind, dann ist der heutige Mensch wieder geneigt, jede Persönlichkeit nur als so weit entwickelt anzusehen wie sich selber. Das ist ja das Bestreben der heutigen liberalen Theologen, sich zum Beispiel die Gestalt des Jesus von Nazareth ähnlich oder nicht viel über das hinausgehend vorzustellen, was sie selbst sich denken können als ihr eigenes Ideal. Es stört heute sehr die materialistische Seelenruhe der Menschen, wenn sie sich große Individualitäten vorstellen sollen. Es darf nicht etwas in der Welt existieren, was gar zu sehr erhaben ist über den jeweiligen Professor oder Theologen, der sich zu einem solchen Ideal erheben will. Wir haben es aber bei den großen Ereignissen mit etwas zu tun, was zugleich historisch und symbolisch-spirituell ist, so daß das eine das andere nicht ausschließt. Wer nicht begreift, daß das Äußere noch etwas anderes bedeutet, der wird überhaupt nicht zum Begreifen des Wirklichen und Wesentlichen kommen.

[ 24 ] When an infant such as the Zarathustra-child is filled by a higher Being the little body is naturally immature and has to develop to maturity. The organic system of intellect and sensory activity is also disturbed. Such a child is in a world in which he may truly be said to be ‘among wild beasts’. I have often emphasised that in descriptions of this kind the historical and pictorial elements represent two aspects of the same thing. The happenings take place in such a way that when the spiritual forces work from outside in the form of hostility, as in the case of the Zarathustra-child, they are personified in the figure of King Duransarun. Everything also exists in archetype in the spiritual world and the external events correspond to what is taking place in that world. It is not easy for the modern mind to grasp such a thought. If we say that the events occurring around Zarathustra have significance in the spiritual world, people think that they cannot be real. If we show that the events are authentic history, we then incline to regard the personality concerned as being no more highly developed than anyone else. Thus the liberal theologians of to-day tend, for instance, to regard the figure of Jesus of Nazareth as on a par with, or not greatly excelling, what they may picture as their own ideal. It disturbs the lazy materialism of men's souls if they have to picture a really great Individuality. There must not be anything in the world superior to the professor or theologian seeking to attain his own ideal! In dealing with great events, however, we are concerned with something that is both historical and symbolic; the one aspect does not exclude the other. Those who do not understand that external events have a significance other than their surface appearance will never grasp their essential reality.

[ 25 ] Diese Seele des Zarathustra-Kindes wurde also wirklich in früher Jugend in große Gefahren geführt; aber zu gleicher Zeit standen ihr helfend zur Seite, wie es in der Legende heißt, die himmlischen Kühe; die stärkten sie.

[ 25 ] The soul of the infant Zarathustra was actually exposed to great dangers; but at the same time, as the legend relates, the ‘heavenly cows’ stood at his side to succour him and give him strength.

[ 26 ] Bei allen großen Weltanschauungsstiftern in dem ganzen Gebiet vom Kaspischen Meer durch unsere Gegenden hindurch bis zum Westen Europas können Sie diese Erscheinung finden, daß solche Persönlichkeiten, ohne daß sie durch ihre eigene Entwickelung emporgestiegen wären, durchdrungen werden von einer geistigen Wesenheit, um zu Menschheitsführern zu werden. Das keltische Volk hatte solche Sagen in ziemlich großer Anzahl. Von einem keltischen Religionsstifter Habich wird geschildert, wie er auch ausgesetzt und von himmlischen Kühen gesäugt wurde, wie feindliche Angriffe sich geltend machten, wie die Tiere zurückweichen vor ihm, kurz, diese Schilderungen der Gefahren für den keltischen Führer Habich sind so, daß man sagen könnte: Es sind von den sieben Zarathustra-Wundern einige ausgewählt - gleichsam weil uns Zarathustra als die größte Persönlichkeit in dieser Art zu gelten hat. Einige Züge aus den Zarathustra-Wundern finden Sie immerdar, durch Griechenland hindurch bis in die keltischen Gegenden. Sie brauchen nur an Romulus und Remus zu denken, um ein ganz bekanntes Beispiel zu haben.

[ 26 ] Similar stories can be found over the whole area from the Caspian Sea, through our own region, and into Western Europe, in connection with all great founders of world-conceptions. Such personalities, without having risen to lofty heights through their own development, are indwelt by a spiritual Being in order to become leaders of men. There were a number of such traditions among the Celts. It is related of Habich, an important figure in Celtic religion, that he too was exposed to dangers and suckled by heavenly cows; that he was attacked by hostile animals who had to give way before him. The descriptions of the perils confronting Habich, the Celtic leader, read just as if extracts had been made from the seven ‘miracles’ of Zarathustra—for Zarathustra is to be regarded as the greatest personality among leaders of this kind. Certain features of his miracles are to be found all through Greece and on into the Celtic regions of the West. As a well-known example you have only to think of the story of Romulus and Remus.

[ 27 ] Das ist der andere Weg, wodurch Menschheitsführer entstehen. Damit haben wir in einem tieferen Sinne charakterisiert, was wir schon oft betrachtet haben: die zwei großen Kulturströme der nachatlantischen Zeit. Nach der großen atlantischen Katastrophe entwikkelte sich die eine Kulturströmung durch Afrika, Arabien und das südliche Asien, die andere mehr nördlich davon durch Europa und das nördliche Asien nach Zentral-Asien hin. Dort stießen beide Strömungen zusammen. Und alles, was daraus entstanden ist, ist unsere nachatlantische Kultur. Die nördliche Strömung hatte Führer, wie ich sie Jetzt an Zarathustra geschildert habe, die südliche dagegen solche, wie sie in höchster Repräsentation in dem großen Buddha erschienen.

[ 27 ] This is the second way in which leaders of mankind arise. Certain deeper features of the two great streams of culture in the post-Atlantean epoch have now been characterised. After the great Atlantean catastrophe, one of these streams of civilisation spread and developed through Africa, Arabia and Southern Asia; the other spread in a more Northerly course through Europe, to Northern and thence to Central Asia. There the two streams united; and the outcome is our post-Atlantean culture. The Northern stream had leaders such as I have described in the figure of Zarathustra; in the Southern stream, on the other hand, there were leaders of the type revealed in its loftiest form by the great Buddha.

[ 28 ] Wenn Sie sich nun an das erinnern, was wir mit Bezug auf das Christus-Ereignis schon kennen, so werden Sie sich sagen: Wie steht diese Johannes-Taufe am Jordan jetzt vor uns?

[ 28 ] If you now recall what you already know about the Christ-event, you will want to understand what really happened at the Baptism by John in the Jordan.

[ 29 ] Der Christus senkt sich hernieder, eine geistig-göttliche Wesenheit, wie sie sich bei all den nördlichen Führern und Weltanschauungsstiftern, am größten bei Zarathustra, in eine menschliche Wesenheit gesenkt haben. Es ist derselbe Vorgang, nur ins Größte übertragen: Der Christus senkt sich in eine menschliche Wesenheit, aber nicht in ihrer Kindheit, sondern im dreißigsten Lebensjahre, und diese Persönlichkeit des Jesus von Nazareth wird dazu ganz besonders vorbereitet. Beide Geheimnisse der Menschheitsführerschaft in Synthese, in Vereinigung, in Harmonie miteinander sollen uns dargestellt werden. Und während die beiden Evangelisten Matthäus und Lukas vorzugsweise darstellen, wie sich die menschliche Persönlichkeit gebildet hat, in die sich der Christus hineinsenkt, stellt uns das MarkusEvangelium dar, welcher Art und Natur die Christus-Wesenheit selbst war. Das überfließende Element in dieser großen Individualität wird uns insbesondere durch das Markus-Evangelium dargestellt. Daher schildern in einer so wunderbar klaren Weise das Matthäus- und das Lukas-Evangelium eine andere Versuchungsgeschichte als das Markus-Evangelium, weil Markus darstellt den Christus, der eingezogen ist in den Jesus von Nazareth. Da muß diejenige Versuchungsgeschichte auftreten, die sonst schon im kindlichen Alter auftritt: das Zusammensein mit Tieren und das Helfen der geistigen Kräfte. Daher sehen Sie es an wie eine Wiederholung der Zarathustra-Wunder, wenn uns im Markus-Evangelium imposant einfach erzählt wird: «Und der Geist trieb ihn in die Einsamkeit; ... und er war bei den Tieren, und die Engel» — das heißt, die geistigen Wesenheiten — «dienten ihm». Während das Matthäus-Evangelium ganz anders schildert, etwas, was sich wie eine Wiederholung der Buddha-Versuchung ausnimmt, das heißt dessen, was geschieht beim Hinuntersteigen in die eigene Wesenheit, wo alle die Versuchungen und Verführungen herantreten an die betreffende menschliche Seele.

[ 29 ] As in the case of all the leading figures and founders of religious thought in the Northern stream—of whom Zarathustra had been the greatest—a diving-spiritual Being, the Christ, descended into a human being. The process was the same but carried out at the highest level. Christ descended into a human being in his thirtieth year, not in his childhood, and the personality of Jesus of Nazareth was specially prepared for this event. In the Gospels the secrets of both types of leadership are shown us in synthesis, in harmony with each other. Whereas the accounts of the Evangelists St. Matthew and St. Luke are mainly concerned to show how the human personality into whom the Christ entered had been evolved, the Gospel of St. Mark describes the nature of the Christ Himself, the element in this sublime Individuality which could not be confined within the human vehicle. That is why the Gospels of St. Matthew and St. Luke describe with wonderful clarity a story of temptation different from that related by St. Mark. He is describing the Christ who had entered into Jesus of Nazareth. The Gospel of St. Mark relates the story of temptation which occurs in other cases already in childhood—the encounter with wild animals and the help given by spiritual powers. Thus it can be regarded as a kind of repetition of the Zarathustra-miracle when St. Mark's Gospel narrates in simple and impressive words: ‘And immediately the spirit driveth him into the solitude (wilderness) ... and he was with the wild beasts; and the Angels’—that is, spiritual Beings—‘ministered unto him.’ St. Matthew's Gospel describes a quite different process, one which seems like a repetition of the temptations of Buddha, that is to say the tests and allurements confronting the soul of a man who is penetrating into his own inner being.

[ 30 ] So also können wir sagen: Matthäus und Lukas schildern den Weg, den der Christus machte, indem er hinunterstieg in die Hüllen, die er durch den Jesus von Nazareth überliefert erhalten hatte; und das Markus-Evangelium schildert, was der Christus erleben mußte als eine Art Versuchungsgeschichte, indem er zusammenstieß mit der Umgebung, wie alle die Religionsstifter zusammengestoßen sind, die von einer geistigen Wesenheit von oben inspiriert oder intuitiert worden sind. Beides macht der Christus Jesus durch, während die früheren Menschheitsführer nur immer eines durchgemacht haben. Er vereinigt die beiden Arten des Weges in die geistige Welt. Das ist gerade das Wesentliche, daß das, was früher sich abspielte in zwei großen Strömen, in die dann verschiedene kleine einmündeten, zusammenfließt in einen einzigen Strom.

[ 33 ] The Gospels of St. Matthew and St. Luke describe the path taken by the Christ when descending into the sheaths He received from Jesus of Nazareth. St. Mark's Gospel describes the kind of temptation which the Christ was obliged to undergo when He confronted the environment—as happens with all great founders of religion who had been inspired from above by a spiritual Being. Christ Jesus experienced both these kinds of temptation, whereas earlier leaders of humanity had experienced only one. Christ united in Himself the two ways of entering the spiritual world.—That is the all-important point. What had formerly taken place in two separate streams into which smaller streams then flowed, was now united in one.

[ 31 ] Erst von diesem Gesichtspunkt aus können wir die scheinbaren oder wirklichen Widersprüche zwischen den Evangelien verstehen. Der Schreiber des Markus-Evangeliums war eingeweiht in solche Mysterien, die ihn gerade befähigten, das zu schildern, was die Markus-Versuchung ist: das Hinausgehen zu den Tieren und die Hilfe von geistigen Wesenheiten. Lukas war eingeweiht in die andere Seite. Jeder der Schreiber der Evangelien schilderte das, was ihm nahelag und bekannt war. Es sind also verschiedene Seiten des Ereignisses von Palästina oder des Mysteriums von Golgatha, die uns in den Evangelien dargestellt werden.

[ 31 ] It is only from this point of view that we can understand the apparent or real contradictions in the Gospels. The writer of St. Mark's Gospel had been initiated into Mysteries which enabled him to describe the temptation presented in his Gospel, namely the encounter with wild beasts and the help of spiritual Beings. St. Luke was initiated into the other aspect. Each of the Evangelists writes of what he knew and understood. Hence their Gospels present different aspects of the events in Palestine and of the Mystery of Golgotha.

[ 32 ] Damit wollte ich Ihnen von einem Gesichtspunkt aus, den wir hier noch nicht besprechen konnten, noch einmal vor Augen führen, wie man verstehen muß den Entwickelungsgang der Menschheit und das Eingreifen solcher Individualitäten, die also über die Entwickelung vom Bodhisattva zum Buddha hinaufgehen; und wie man verstehen muß die Entwickelung derjenigen, bei denen nicht recht in Betracht kommt, was sie als Menschen sind, sondern das, was von oben herunter kommt. Nur in der Christus-Figur vereinigen sich die beiden Arten. Wenn man das weiß, kann die Christus-Gestalt erst recht verstanden werden.

[ 32 ] In all this I have been wanting to indicate from a point of view we have not hitherto adopted, how we have to understand the course of the evolution of humanity and the intervention of particular Individualities: whether those who rise from the rank of Bodhisattva to that of Buddha, or those whose significance lies not so much in themselves as in what has come down into them from above. It is in the figure of Christ alone that these two types unite; and it is only when we know this that we can rightly understand the Christ.

[ 33 ] Dadurch werden Sie auch begreifen, daß manche Unebenheiten in den mythischen Persönlichkeiten auftreten müssen. Wenn geschildert wird, daß gewisse geistige Wesenheiten dies oder jenes - in bezug auf Recht oder Unrecht und dergleichen - getan haben, wie zum Beispiel Siegfried, dann hört man wohl: Aber er war doch ein Eingeweihter, wurde gesagt? — Aber bei einer solchen Persönlichkeit, durch die eine geistige Wesenheit wirkt, kommt die individuelle Evolution - zum Beispiel des Siegfried - nicht in Betracht. Siegfried kann Fehler haben. Es handelt sich aber darum, der Entwickelung der Menschheit etwas zu geben. Dazu muß die geeignetste Persönlichkeit ausgesucht werden. Man kann nicht alles über denselben Kamm scheren, man kann nicht bei einem Siegfried in derselben Weise urteilen wie bei einer südlichen Führerpersönlichkeit; denn die ganze Natur und Art ist eine andere als bei denjenigen, die hinuntersteigen in die eigene Wesenheit.

[ 33 ] It will now be clear why incongruities are apparent in mythical personalities. When we are told that one of them behaved in a matter of right or wrong as, for instance, Siegfried behaved, someone will certainly protest that after all, he was said to have been an Initiate! But in the case of a personality such as Siegfried, through whom a spiritual Being was working, the individual development is not a factor that comes into consideration. Siegfried may well have had faults. What really mattered was that an impetus should be given to the evolution of humanity, and for this purpose it was a question of choosing the most suitable personality. The same standard cannot be adopted universally and Siegfried cannot be judged as you would judge a leader arising from the Southern stream of culture, for a figure such as Siegfried differs radically in character and type from men who penetrate into their own inner self.

[ 34 ] Man kann also sagen: Es durchdringt die nördlichen Gestalten eine geistige Wesenheit und drängt sie heraus aus der eigenen Wesenheit, macht, daß sie aufsteigen können in den Makrokosmos. Während bei den südlichen Kulturen der Mensch hinuntersteigt in den Mikrokosmos, gießt er sich hinaus bei der nördlichen Kulturströmung in den Makrokosmos und kommt daher dazu, daß er erkennt die ganzen geistigen Hierarchien, wie zum Beispiel Zarathustra die geistige Natur der Sonne erkannt hat.

[ 34 ] It can therefore be said that the leading figures belonging to the Northern stream are permeated by a spiritual Being who drives them out of themselves, enabling them to rise into the Macrocosm. Whereas in the Southern cultures a man sinks into the Microcosm, in the Northern stream his being pours into the Macrocosm and in this way he comes to know all the spiritual Hierarchies, as Zarathustra came to know the spiritual essence of the Sun.

[ 35 ] Wir können also das Gesagte darin zusammenfassen: Der mystische Weg, der Buddha-Weg, führt durch das eigene Innere so weit, daß man mit Durchbruch des eigenen Innern in die geistige Welt kommt. Der Zarathustra-Weg entreißt den Menschen dem Mikrokosmos und ergießt ihn über den Makrokosmos, so daß dessen Geheimnisse durchsichtig werden. Für die großen Geister, welche die Geheimnisse der großen Welt enthüllen sollen, hat die Welt noch wenig Verständnis. Daher ist wirklich sehr wenig Verständnis verbreitet zum Beispiel über die Zarathustra-Wesenheit. Wir werden sehen, wie sehr sich das, was wir über Zarathustra zu sagen haben, von dem unterscheidet, was man gewöhnlich heute darüber sagt.

[ 35 ] We may therefore sum up all that has been said, as follows.—The mystical path, the path of the Buddha, leads to such depths in a man's inmost being that in breaking through to them he comes into the spiritual world. The path of Zarathustra draws a man out of the Microcosm and his being is diffused over the Macrocosm so that its secrets become transparent to him. The world has as yet little understanding of the great spirits whose missions are to unveil the secrets of the Macrocosm. There is very little understanding, for example, of the essential nature and being of Zarathustra. And we shall find how greatly what we have to say of him differs from what is usually said at the present time.

[ 36 ] Das ist wieder ein Exkurs von denen, die Sie nach und nach bekanntmachen sollen mit dem Wesen des Markus-Evangeliums.

[ 36 ] This again is a digression intended to convey to you the intrinsic character of St. Mark's Gospel.