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Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124

16 January 1911, Berlin

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Wenn Sie im Markus-Evangelium von denjenigen Stellen an, die wir das letzte Mal bei Besprechung dieses Evangeliums zu erklären versuchten, weiter lesen, so kommen Sie an eine bedeutungsvolle Stelle, die allerdings ähnlich ist den Ausführungen der andern Evangelien, deren volle Bedeutung aber doch am besten am Markus-Evangelium betrachtet werden kann. Diese Stelle bezieht sich darauf, daß der Christus Jesus, nachdem er die Jordantaufe, die Erlebnisse in der Wüste durchgemacht hatte, dann, wie man sagt, in die Synagoge ging und lehrte.

[ 1 ] If you continue reading the Gospel of Mark from the passages we attempted to explain the last time we discussed this Gospel, you will come to a significant passage that, while similar to the accounts in the other Gospels, can best be understood in its full meaning in the Gospel of Mark. This passage refers to the fact that Jesus Christ, after undergoing his baptism in the Jordan and his experiences in the wilderness, then, as it is said, went into the synagogue and taught.

[ 2 ] Gewöhnlich wird diese Stelle ja so übersetzt: «Und sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte gewaltiglich und nicht wie die Schriftgelehrten.» Was ist dieser Satz für einen heutigen modernen Menschen — und wenn er noch so bibelgläubig ist — mehr als ein, man möchte sagen, ziemlich abstraktes Wort: «denn er lehrte gewaltiglich und nicht wie die Schriftgelehrten»? Wenn wir nur den griechischen Text nehmen, finden wir für dasjenige Wort, welches in der modernen Sprache einfach übersetzt wird mit «denn er lehrte gewaltiglich» das Wort:

[ 2 ] This passage is usually translated as follows: “And they were astonished at his teaching, for he taught with authority and not like the scribes.” What does this sentence mean to a modern person today—no matter how devoutly they believe in the Bible—other than, one might say, a rather abstract phrase: “for he taught with authority, and not like the scribes”? If we look only at the Greek text, we find that the word which in modern language is simply translated as “for he taught with authority” is:

ὴν γαρ διδἁσχῳv αὐτοὐς ώς ἐξουαίχν ἕχων, χαὶ οὐχ ώç οί γραμματῑç
(ēn gar didamaskōn autous hōs exusiān echōn, kai ouch hōs hoi grammateis)
«und nicht wie die Schriftgelehrten».

ὴν γαρ διδἁσχῳv αὐτοὐς ώς ἐξουαίχν ἕχων, χαὶ οὐχ ώç οί γραμματῑç
(ēn gar didamaskōn autous hōs exusiān echōn, kai ouch hōs hoi grammateis)
“and not like the scribes.”

[ 3 ] Wenn wir nun in den Sinn dieser bedeutungsvollen Stelle eindringen wollen, wird uns das wieder ein Stück hineinführen in das, was wir nennen können die Geheimnisse von der Sendung des Christus Jesus. Denn ich habe bereits darauf aufmerksam gemacht, daß die Evangelien, geradeso wie die andern Schriften, die wirklich dem inspirierten Gebiet entstammen, nicht so einfach zu verstehen sind, sondern daß man im Grunde genommen zu ihrem Verständnis alles zusammenhalten muß, was wir im Laufe vieler Jahre jetzt zusammengetragen haben an Vorstellungen, an Ideen über die geistigen Welten. Und nur solche Vorstellungen können uns einführen in das, was gemeint ist, wenn im Evangelium gesagt wird: denn er lehrte die, welche da in den Synagogen saßen, wie ein «Exusiai», wie eine Gewalt, wie eine Offenbarung, und nicht wie diejenigen, die hier mit dem Ausdruck γραμματῑç (grammateis) bezeichnet werden.

[ 3 ] If we now wish to penetrate the meaning of this significant passage, it will lead us once again into what we might call the mysteries of the mission of Christ Jesus. For I have already pointed out that the Gospels, just like the other writings that truly originate from the inspired realm, are not so easy to understand; rather, in order to grasp them, we must essentially bring together everything we have gathered over many years in terms of concepts and ideas about the spiritual worlds. And only such concepts can introduce us to what is meant when the Gospel says: “For he taught those who sat in the synagogues as an ‘Exusiai,’ as a power, as a revelation, and not as those who are here designated by the term γραμματῑç (grammateis).

[ 4 ] Wenn wir eine solche Stelle verstehen wollen, müssen wir uns an alles erinnern, was wir über die höheren, übersinnlichen Welten im Laufe der Zeiten in uns aufgenommen haben. Da haben wir in uns aufgenommen, daß der Mensch, wie er innerhalb unserer Welt lebt, sozusagen das unterste Glied einer hierarchischen Ordnung ist, daß wir also den Menschen an die unterste Stufenleiter einer hierarchischen Ordnung zu setzen haben. Dann schließt sich an den Menschen die übersinnliche Welt. In dieser finden wir zunächst, was wir nach der christlichen Esoterik die Angeloi oder Engel nennen, die ersten über dem Menschen stehenden übersinnlichen Wesenheiten, die auf sein Leben Einfluß haben; danach kommen die Archangeloi oder Erzengel, dann die Archai oder Geister der Persönlichkeit; darauf folgen die Exusiai, Dynamis und Kyriotetes, und dann haben wir die Throne, Cherubim und Seraphim. Auf diese Weise haben wir eine hierarchische Ordnung von neun übereinanderstehenden Wesensformen über den Menschen hinauf zu verzeichnen. Und nun wollen wir uns einmal klarmachen, wie in unser Leben diese verschiedenen geistigen, übersinnlichen Wesenheiten eingreifen.

[ 4 ] If we want to understand a passage like this, we must recall everything we have absorbed over the course of time regarding the higher, supersensible worlds. We have taken in that the human being, as he lives within our world, is, so to speak, the lowest link in a hierarchical order; that is to say, we must place the human being on the lowest rung of a hierarchical ladder. Then, following the human being, comes the supersensible world. In this we first find what we call, according to Christian esotericism, the Angeloi or angels, the first supersensible beings standing above human beings who influence their lives; next come the Archangeloi or archangels, then the Archai or spirits of personality; these are followed by the Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes, and then we have the Thrones, Cherubim, and Seraphim. In this way, we can identify a hierarchical order of nine successive forms of being above humanity. And now let us consider how these various spiritual, supersensible beings intervene in our lives.

[ 5 ] Die Angeloi sind diejenigen Wesenheiten, die zunächst als die Boten der übersinnlichen Welt dem einzelnen Menschen, wie er auf unserer Erde lebt, am allernächsten stehen. Sie sind die Wesenheiten, die immerhin einen Einfluß haben auf das, was wir das Schicksal eines einzelnen individuellen Menschen auf unserem physischen Plan nennen können. Sobald wir dagegen zu den Archangeloi kommen, sprechen wir von geistigen Wesenheiten, die sozusagen schon einen weiteren Kreis von Tätigkeiten umspannen. Da sprechen wir von Wesenheiten, die wir auch bezeichnen können als Volksgeister, die also die Angelegenheiten ganzer Völkerverbände ordnen und lenken. Wenn der heutige moderne Mensch von einem Volksgeist spricht, so meint er — darauf habe ich schon oft aufmerksam gemacht — soundsoviele Tausende von Menschen, welche er rein der Zahl nach als auf einem Territorium lebend anführt. Wenn wir aber geisteswissenschaftlich von einem Volksgeist reden, so meinen wir die Volks-Individualität, und wir sind uns klar, daß wir nicht die Zahl so oder so vieler Menschen im Auge haben, sondern eine wirkliche Individualität, wie wir bei einem einzelnen Menschen von einer Individualität reden. Und wenn wir von der geistigen Leitung einer ganzen Volks-Individualität sprechen, so bezeichnen wir als die geistigen Leiter einer solchen Volks-Individualität die Erzengel, die Archangeloi. Sprechen wir also von diesen höheren Wesenheiten, so sprechen wir als von wirklichen, übersinnlichen Geschöpfen, die ihre Wirkungskreise haben. Bei den Archai oder den Geistern der Persönlichkeit, auch den Urbeginnen, sprechen wir von denjenigen geistigen Wesenheiten, die wieder verschieden sind von den bloßen Volksgeistern. Sprechen wir zum Beispiel von dem französischen, dem englischen, dem deutschen Volksgeist und so weiter, so sprechen wir sozusagen von etwas, was auf verschiedene Erdgebiete verteilt ist. Aber es gibt etwas, was allen Menschen, wenigstens allen westlichen Völkern heute gemeinschaftlich ist und worinnen sich diese Völker verstehen. Das können wir im Gegensatz zu den einzelnen Volksgeistern als den Zeitgeist bezeichnen, und wir müssen sprechen von einem andern Zeitgeist für das Zeitalter der Reformation und von einem andern in unserer Zeit. Über den einzelnen Volksgeistern stehen also diejenigen geistigen Wesenheiten, die wir als Zeitgeister bezeichnen, und im wesentlichen sind diese Leiter der aufeinanderfolgenden Epochen die Archai. Sie sind zu gleicher Zeit Zeitgeister.

[ 5 ] The angels are those beings who, as messengers of the supersensible world, are closest to the individual human being as he lives on our Earth. They are the beings who, after all, have an influence on what we might call the destiny of an individual human being on our physical plane. When we turn to the Archangels, however, we are speaking of spiritual beings who, so to speak, already encompass a broader sphere of activity. Here we speak of beings whom we can also describe as national spirits, who thus organize and guide the affairs of entire national communities. When modern people today speak of a national spirit, they mean—as I have often pointed out—so many thousands of people whom they list, purely in terms of numbers, as living within a given territory. But when we speak of a national spirit from a spiritual-scientific perspective, we mean the national individuality, and we are clear that we are not focusing on the number of so many people, but on a real individuality, just as we speak of an individuality in the case of a single human being. And when we speak of the spiritual guidance of an entire national individuality, we designate the Archangels, the Archangeloi, as the spiritual guides of such a national individuality. So when we speak of these higher beings, we speak of them as real, supersensory creatures who have their spheres of activity. In the case of the Archai or the spirits of personality, also the primordial beginnings, we speak of those spiritual beings who are again distinct from the mere national spirits. When we speak, for example, of the French, English, German national spirit, and so on, we are speaking, so to speak, of something that is distributed across different regions of the earth. But there is something that is common to all people, at least to all Western peoples today, and in which these peoples recognize themselves. In contrast to the individual national spirits, we can call this the Zeitgeist, and we must speak of a different Zeitgeist for the age of the Reformation and of another in our own time. Above the individual national spirits, therefore, stand those spiritual entities we call Zeitgeists, and essentially these leaders of successive epochs are the Archai. They are, at the same time, Zeitgeists.

[ 6 ] Kommen wir noch höher hinauf zu den Exusiai, so haben wir es im wesentlichen zu tun mit ganz anders gearteten übersinnlichen Mächten. Um uns eine Vorstellung davon zu machen, wie sich die Wesenheiten höherer Hierarchien zunächst von den drei eben charakterisierten, Angeloi, Archangeloi, Archai, unterscheiden, wollen wir daran denken, daß der Angehörige irgendeines Volkes doch im wesentlichen heute in bezug auf die äußere physische Konstitution, sagen wir in bezug auf das, was er ißt und trinkt, dem Angehörigen irgendeines anderen Volkes doch sehr ähnlich ist. Wir können nicht sagen, daß das, was über das Seelisch-Geistige hinausgeht, die Völker voneinander unterscheidet. Aber auch die aufeinanderfolgenden Zeitepochen sind noch so, daß wir sagen können: Die lenkenden geistigen Wesenheiten beziehen sich nur auf das, was das Geistig-Seelische ist. Der Mensch ist aber nicht nur abhängig von dem Geistig-Seelischen. Was Geistig-Seelisches ist, hat im wesentlichen Einfluß auf den menschlichen Astralleib. Aber es gibt im Menschen auch dichtere Wesensglieder. Dieselben unterscheiden sich in bezug auf das, was Archai, Archangeloi und Angeloi zu tun haben, nicht sehr wesentlich voneinander. Aber auf diese dichteren menschlichen Wesensglieder haben schöpferischen Einfluß, in bezug auf sie sind schöpferisch tätig diejenigen Wesenheiten, die mit den Exusiai nach aufwärts anfangen. Sprache, Zeitideen verdanken wir den Zeitgeistern, den Volksgeistern, den Archai, den Archangeloi. Aber in bezug auf die menschliche Wesenheit hat auch Einfluß, was in Licht und Luft lebt, in dem Klima einer bestimmten Gegend. Eine andere Menschheit gedeiht unter dem Äquator, eine andere in den Gegenden, die mehr dem Nordpol zu gelegen sind. Wir wollen allerdings dem Ausspruch, den ein deutscher Philosophie-Professor in einem sehr verbreiteten Buch getan hat, nicht gerade beistimmen: Die wesentlichsten Kulturen mußten sich in der gemäßigten Zone entwickeln; denn alle diejenigen Wesenheiten, welche die wesentlichsten Kulturen hervorgebracht haben, würden am Nordpol erfrieren und am Südpol verbrennen! — Aber wir können doch sagen: In den verschiedenen Klimaten sehen wir, wie verschieden die Ernährung und so weiter auf den Menschen wirkt. Es ist keineswegs gleichgültig für den Volkscharakter, wie die äußeren Verhältnisse sind, ob der Mensch zum Beispiel in Gebirgstälern oder in der weiten Ebene lebt. Da sehen wir, wie die Naturkräfte hereinwirken in die ganze menschliche Konstitution. Und da wir durch die Geisteswissenschaft wissen, daß wir in den Naturkräften nichts anderes zu sehen haben als das Auswirken derjenigen Wesenheiten, die geistiger, übersinnlicher Art sind, so müssen wir sagen: In den Naturmächten wirken geistige, übersinnliche Mächte, die gerade durch die Naturkräfte auf den Menschen hereinwirken. Deshalb können wir uns zwischen Archai und Exusiai eine Trennung in der Art denken, daß wir sagen: Angeloi, Archangeloi und Archai wirken auf den Menschen so, daß sie zu ihrem Wirken noch nicht die Naturkräfte benutzen, sondern sie benutzen nur das, was geistig-seelisch auf den Menschen einwirkt, also Sprache, Zeitideen und so weiter. Ihre Wirksamkeit ergreift nicht die niederen Glieder seiner Organisation, weder den Ätherleib noch den physischen Leib. Dagegen haben wir von den Exusiai nach aufwärts diejenigen Wesenheiten, die auf den Menschen wirken, die aber auch in den Naturkräften draußen wirken, die die Leiter und Lenker sind von Luft und Licht, von den verschiedenen Arten, wie die Ernährungsstoffe verarbeitet werden in den Reichen der Natur. Sie sind es, die diesen Reichen der Natur vorstehen. Was wir haben in Blitz und Donner, in Regen und Sonnenschein, wie in der einen Gegend diese oder jene Sorte von Ernährungsstoffen wächst, kurz die ganze Verteilung und Ordnung der irdischen Verhältnisse, schreiben wir geistigen Wesenheiten zu, die wir unter den Wesenheiten der höheren Hierarchien suchen. Blicken wir also zu den Exusiai auf, so sehen wir ihre Ergebnisse nicht bloß in jenen unsichtbaren Auswirkungen, die zum Beispiel die Offenbarungen des Zeitgeistes sind, sondern wir sehen in den Exusiai dasjenige, was als Licht auf uns wirkt, was aber als Licht auch auf die Pflanzen wirkt.

[ 6 ] If we ascend even higher to the Exusiai, we are essentially dealing with supernatural powers of a completely different nature. To get an idea of how the beings of higher hierarchies differ, at first glance, from the three just characterized—the Angeloi, Archangeloi, and Archai—let us remember that a member of any given people is, in essence, very similar today to a member of any other people in terms of external physical constitution, that is, in terms of what they eat and drink. We cannot say that what goes beyond the soul-spiritual distinguishes peoples from one another. But even the successive epochs of time are such that we can say: The guiding spiritual beings relate only to what is soul-spiritual. But human beings are not dependent solely on the spiritual-soul aspect. What is spiritual-soul has a substantial influence on the human astral body. But there are also denser aspects of the human being. These do not differ very significantly from one another in terms of what the Archai, Archangeloi, and Angeloi have to do. But the beings that begin with the Exusiai and move upward exert a creative influence on these denser aspects of the human being; it is these beings that are creatively active in relation to them. We owe language and concepts of time to the spirits of time, the national spirits, the Archai, and the Archangeloi. But what lives in light and air, in the climate of a particular region, also exerts an influence on the human being. A different kind of humanity flourishes below the equator, and another in regions closer to the North Pole. We do not, however, wish to agree entirely with the statement made by a German philosophy professor in a widely read book: The most significant cultures had to develop in the temperate zone; for all those beings who have produced the most significant cultures would freeze to death at the North Pole and burn up at the South Pole! — But we can certainly say: In the various climates, we see how differently diet and so on affect human beings. It is by no means irrelevant to the national character what the external conditions are, whether people live, for example, in mountain valleys or on the wide plains. There we see how the forces of nature influence the entire human constitution. And since we know through spiritual science that we have nothing else to see in the forces of nature than the effects of those beings that are of a spiritual, supersensible nature, we must say: Spiritual, supersensible powers are at work in the forces of nature, which act upon human beings precisely through these natural forces. Therefore, we can conceive of a distinction between the Archai and the Exusiai in such a way that we say: the Angeloi, Archangeloi, and Archai act upon human beings in such a way that they do not yet use the forces of nature for their activity, but use only that which acts upon human beings in a spiritual-soul aspect—namely, language, concepts of time, and so on. Their activity does not affect the lower members of his organization, neither the etheric body nor the physical body. In contrast, moving upward from the Exusiai, we have those beings who act upon human beings but who also act in the natural forces outside, who are the leaders and guides of air and light, of the various ways in which nutrients are processed in the realms of nature. It is they who preside over these realms of nature. What we find in lightning and thunder, in rain and sunshine, how this or that kind of nutrient grows in a particular region—in short, the entire distribution and order of earthly conditions—we attribute to spiritual beings whom we seek among the beings of the higher hierarchies. So when we look up to the Exusiai, we see their results not merely in those invisible effects that are, for example, the manifestations of the spirit of the age, but we see in the Exusiai that which acts upon us as light, and which also acts upon the plants as light.

[ 7 ] Betrachten wir nun das, was den Menschen als Kultur gegeben wird, als dasjenige, was sie zu lernen haben, um weiterzukommen. Da wird einem jeden Menschen in seiner Epoche das gegeben, was diese Epoche selbst erzeugt, aber auch alles, was die früheren Epochen miterzeugt haben in einer gewissen Weise. Nur das kann geschichtlich, historisch aufbewahrt werden, kann Gegenstand des geschichtlichen Lehrens und Lernens werden, was von den untersten Hierarchien herrührt, die bis zum Zeitgeist hinaufgehen. Was dagegen herausströmt aus den Reichen der Natur selber, das kann nicht aufbewahrt werden in Überlieferungen und Traditionen. Diejenigen jedoch, welche in die übersinnlichen Welten eindringen können, sie dringen durch ihr übersinnliches Erkenntnisvermögen auch hinter den Zeitgeist zu noch höheren Offenbarungen. Solche Offenbarungen nehmen sich dann als etwas aus, was jenseits des Zeitgeistes ist, was mehr Gewicht hat als das, was vom Zeitgeist stammt, was in einer ganz eigentümlichen Art auf die Menschen wirkt. Jeder gesunde Mensch sollte wirklich einmal ernstlich Einkehr halten und sich fragen: Was wirkt auf meine Seele mehr: was ich lernen kann aus den Überlieferungen der einzelnen Völker und Zeitgeister, aus der historischen Überlieferung seit den geschichtlichen Zeiten — oder ein herrlicher Sonnenaufgang, das heißt, die Manifestation der Natur selber, der übersinnlichen Welten? -— Denn der Mensch kann sich bewußt werden, daß ein Sonnenaufgang mit all seiner Größe und Gewalt in der Seele unendlich viel mehr auslösen kann als alle Wissenschaft, als alle Gelehrsamkeit und Kunst zu allen Zeiten. Was überhaupt die Natur offenbart, das kann insbesondere der empfinden, der etwa einmal eine Reise gemacht hat durch die Galerien Italiens, der alles gesehen hat, was erhalten ist von Michelangelo, von Leonardo da Vinci, Raffael und so weiter, und mit aller Gewalt hat auf sich wirken lassen, und der dann irgendeinen der Schweizer Berge besteigt und sich ein Naturschauspiel ansieht. Da fragt man sich: Wer ist ein größerer Maler: Raffael, Leonardo da Vinci — oder diejenigen Mächte, welche den Sonnenaufgang malen, den man vom Rigi aus beobachten kann? — Und man wird sich sagen müssen: So sehr wir auch bewundern, was jemals Menschen geleistet haben das, was sich uns darstellt als die geistig-göttliche Offenbarung der geistigen Mächte, das erscheint uns dennoch als das Größere.

[ 7 ] Let us now consider what is given to human beings as culture—that is, what they must learn in order to progress. Every human being in their own era is given what that era itself produces, but also, in a certain sense, everything that earlier eras have helped to produce. Only that which originates from the lowest hierarchies, extending up to the spirit of the age, can be preserved historically and become the subject of historical teaching and learning. What, on the other hand, flows forth from the realms of nature itself cannot be preserved in traditions and customs. Those, however, who can penetrate the supersensible worlds, through their supersensible faculty of knowledge also penetrate beyond the spirit of the age to even higher revelations. Such revelations then present themselves as something that lies beyond the spirit of the age, that carries more weight than what originates from the spirit of the age, that affects people in a very peculiar way. Every healthy person should truly take a moment for serious reflection and ask themselves: What has a greater effect on my soul—what I can learn from the traditions of individual peoples and the spirit of the times, from the historical tradition dating back to ancient times—or a magnificent sunrise, that is, the manifestation of nature itself, of the supersensible worlds? — For a person can become aware that a sunrise, with all its grandeur and power, can stir infinitely more in the soul than all science, all scholarship, and all art of all times. What nature reveals in general can be felt especially by someone who has, for example, once taken a journey through the galleries of Italy, who has seen everything that has been preserved by Michelangelo, Leonardo da Vinci, Raphael, and so on, and has let it all take its full effect upon them, and who then climbs one of the Swiss mountains and beholds a spectacle of nature. Then one asks oneself: Who is the greater painter: Raphael, Leonardo da Vinci—or those forces that paint the sunrise one can observe from the Rigi?—And one will have to say to oneself: As much as we admire what human beings have ever accomplished, that which appears to us as the spiritual-divine revelation of the spiritual forces still seems to us to be the greater.

[ 8 ] Wenn uns nun aber diejenigen geistigen Führer der Menschheit erscheinen, die wir die Eingeweihten nennen und die nicht aus den Überlieferungen heraus sprechen, sondern auf ursprüngliche Art, dann ist ihre Offenbarung etwas wie die Offenbarung der Natur selbst. Aber was wie ein Sonnenaufgang wirken kann, das kann nimmermehr so wirken, wenn es andere bloß nachsagen. Was wir in der Überlieferung von Moses, von Zarathustra erhalten haben - wenn es Überlieferung ist, wenn es so mitgeteilt ist, wie es die äußere Kultur, die Zeitgeister und Volksgeister aufbewahrt haben, und nun mitgeteilt wird, dann wirkt die Natur dagegen als das Größere. Denn so groß wie die Natur hat es bei den Moses- und Zarathustra-Offenbarungen nur gewirkt, als diese unmittelbar aus dem Erleben der übersinnlichen Welten selber hervorquollen. Das ist das Gewaltige der ursprünglichen Menschheitsoffenbarungen, daß sie herandringen wie das, was die Natur selber zu offenbaren hat. Das aber beginnt erst, wenn wir als unterste Hierarchie in den Naturgewalten ahnen die Exusiai.

[ 8 ] But when those spiritual leaders of humanity appear to us whom we call the Initiates—and who do not speak from tradition but in an original way—then their revelation is something like the revelation of nature itself. But what can have the effect of a sunrise can never have that effect if others merely parrot it. What we have received in the tradition of Moses, of Zarathustra—if it is tradition, if it is communicated as it has been preserved by external culture, the spirits of the age, and the national spirits, and is now communicated—then nature, in contrast, acts as the greater force. For in the revelations of Moses and Zarathustra, it only had an effect as great as nature’s when these sprang directly from the experience of the supersensible worlds themselves. This is the power of the original revelations to humanity: that they press upon us like what nature itself has to reveal. But this begins only when we sense the Exusiai as the lowest hierarchy within the forces of nature.

[ 9 ] Was erlebten nun die, welche in den Synagogen zusammensaßen, als der Christus Jesus unter sie trat? Sie hatten bisher erlebt, daß gelehrt hatten die «Grammatiker», die, welche kannten, was die Zeitgeister, die Volksgeister und so weiter mitgeteilt hatten. Das war man gewohnt. Jetzt kam einer, der nicht lehrte wie diese, sondern so, daß seine Worte eine Offenbarung waren des Reiches der übersinnlichen Mächte in der Natur selber, oder von Donner oder Blitz. Wenn wir also wissen, wie die Hierarchien nach oben wachsen, dann verstehen wir ein solches Wort des Evangeliums und nehmen es in seiner ganzen Tiefe. Das müssen wir fühlen gegenüber einem solchen Wort des Markus-Evangeliums.

[ 9 ] What, then, did those gathered in the synagogues experience when Christ Jesus came among them? Up to that point, they had been taught by the “grammarians”—those who knew what the spirits of the age, the spirits of the people, and so on had communicated. That was what they were accustomed to. Now came one who did not teach like them, but in such a way that his words were a revelation of the realm of the supersensible powers in nature itself, or of thunder or lightning. So if we know how the hierarchies ascend upward, then we understand such a word of the Gospel and grasp it in all its depth. We must feel this way toward such a word from the Gospel of Mark.

[ 10 ] Allerdings bei denjenigen Werken der Menschen, die so bleiben wie Raffaels, Leonardo da Vincis Werke und so weiter, kann der, welcher ein Gefühl für das Übersinnliche hat, das dahinter steht, auch noch im spätest gebliebenen Werke fühlen, was ursprünglich geoffenbart worden war. Daher können in der Tat die großen Kunstwerke, die großen Geisteswerke wie ein Nachklang der ersten Werke wirken. Und wenn es uns gelingt, das zu sehen, was zum Beispiel Raffael in seine Werke hineinzulegen verstand, wenn es uns gelingt, Zarathustras Werk wieder zu beleben, dann können wir so etwas von dem hören, was in den Exusiai zu uns dringt.

[ 10 ] However, in the case of human works that remain as they were—such as those of Raphael, Leonardo da Vinci, and so on—those with a sense of the supernatural that lies behind them can still perceive, even in the latest of these works, what was originally revealed. Thus, the great works of art and the great works of the spirit can indeed appear as an echo of the first works. And if we succeed in seeing what Raphael, for example, knew how to imbue his works with, if we succeed in reviving Zarathustra’s work, then we can hear something of what reaches us from the Exusiai.

[ 11 ] Aber durch das, was in den Synagogen die Schriftgelehrten mitteilten, das heißt die, welche das aufgenommen hatten, was von Volksgeistern und Zeitgeistern stammte, konnte man nichts hören, was irgendwie anklingen mochte an die Offenbarungen der Natur selber. Daher dürfen wir sagen: Es soll uns in einem solchen Satze angedeutet werden, daß die Menschen in jenen Tagen anfingen zu fühlen und zu empfinden, daß etwas völlig Neues zu ihnen sprach; daß durch diesen Menschen, der da zu ihnen kam, sich etwas offenbarte, was wie eine Naturmacht selber war, wie eine der übersinnlichen Mächte, die hinter den Naturerscheinungen stehen. Die Menschen fingen allmählich an zu ahnen, was eigentlich in den Jesus von Nazareth eingezogen war, was durch die Johannes-Taufe symbolisiert wird. Im Grunde genommen waren sie nicht einmal besonders weit, die da in den Synagogen sagen konnten: Er redet so, daß man empfindet, wie wenn die Exusiai sprechen würden, nicht bloß die Archai, die Zeitgeister, oder die Volksgeister.

[ 11 ] But in what the scribes—that is, those who had absorbed the ideas of the popular and contemporary spirits—taught in the synagogues, one could hear nothing that even remotely echoed the revelations of nature itself. Therefore, we may say: It is implied to us in such a statement that people in those days began to feel and sense that something entirely new was speaking to them; that through this man who came to them, something was revealed that was like a force of nature itself, like one of the supersensible forces that lie behind natural phenomena. People gradually began to sense what had actually entered into Jesus of Nazareth, what is symbolized by the baptism of John. In essence, those who could say in the synagogues, “He speaks in such a way that one feels as if the Exusiai were speaking, not merely the Archai, the spirits of the times, or the spirits of the people,” were not even particularly far along.

[ 12 ] Erst wenn es gelingt, dasjenige, was heute so ganz in Abstraktionen ausgeflossen ist, so ganz dünn geworden ist in den modernen Evangelien-Übersetzungen, wieder vollsaftig und inhaltsvoll zu machen durch das, was wir in der Geisteswissenschaft in uns aufgenommen haben, erst dann werden wir verstehen, wieviel dazu gehört, um wirklich zu durchdringen, was in den Evangelien steht. Es werden Generationen dazu gehören, um nur annähernd alle Tiefen auszuforschen, die unser heutiges Zeitalter schon ahnen kann. Manches wird erst in der Zukunft aus den Evangelien erforscht werden können.

[ 12 ] Only when we succeed in restoring the richness and substance to that which has today become so diluted in abstractions and so thin in modern translations of the Gospels—through what we have absorbed in spiritual science—only then will we understand how much is required to truly penetrate what is written in the Gospels. It will take generations to even begin to explore all the depths that our present age can already sense. Much of what lies within the Gospels will only be able to be explored in the future.

[ 13 ] Was insbesondere der Schreiber des Markus-Evangeliums darstellen wollte, war im Grunde genommen eine weitere Ausführung dessen, was derjenige lehren durfte, welcher als einer der Allerersten durch unmittelbares übersinnliches Erkennen selber die Natur und Wesenheit des Christus begriffen hat -— nämlich was Paulus lehren konnte. Nun hat man zu verstehen, was eigentlich Paulus alles lernte, was er alles in sich aufnahm durch die Offenbarung von Damaskus. Wenn dieses Ereignis uns auch in der Bibel als eine ganz plötzliche Erleuchtung geschildert wird, so weiß doch der, welcher eine solche Tatsache der Erleuchtung in ihrer wahren Wirklichkeit kennt, wie sie sich jederzeit vollziehen kann für den, der in die Gebiete der geistigen Welt hinaufsteigen will, und wie ein solcher durch alles, was er erlebt, ein ganz anderer Mensch wird. Bei Paulus wird es in der Tat hinlänglich geschildert, wie er ein ganz anderer Mensch durch die Offenbarung von Damaskus geworden ist.

[ 13 ] What the writer of the Gospel of Mark sought to portray, in particular, was essentially a further elaboration of what the one who—as one of the very first—had himself grasped the nature and essence of Christ through direct supersensible perception was permitted to teach—namely, what Paul was able to teach. Now one must understand what Paul actually learned, what he absorbed within himself through the revelation at Damascus. Although this event is described in the Bible as a sudden enlightenment, those who know the true reality of such an enlightenment understand how it can occur at any time for those who wish to ascend into the realms of the spiritual world, and how such a person becomes a completely different human being through everything they experience. In the case of Paul, it is indeed amply described how he became a completely different person through the Damascus Road experience.

[ 14 ] Nun wissen Sie auch schon aus einer sehr wenig tiefgehenden Darstellung der Evangelien und der Paulus-Briefe, daß Paulus in dem Christus-Ereignis, in dem Ereignis von Golgatha den Mittelpunkt unserer ganzen Menschheitsentwickelung sieht, daß er dieses Ereignis unmittelbar anknüpft an jenes Ereignis, das in der Bibel ausgedrückt wird als erstes Menschwerden mit Adam, so daß Paulus etwa sagen will: Was wir als den geistigen Menschen zu bezeichnen haben, als den eigentlichen, wirklichen Menschen, von dem in Maya auch nur eine Maya vorhanden ist, der ist zur Illusion und zu alledem, was er im Fleische in den aufeinanderfolgenden Inkarnationen werden mußte, einmal, wie wir sagen, in der alten lemurischen Zeit herabgestiegen, wurde also ein Mensch, wie er sich darstellte durch die lemurische und atlantische Zeit und die nachatlantische Zeit bis zum Christus-Ereignis. Dann kam das Ereignis von Golgatha.

[ 14 ] Even from a very superficial reading of the Gospels and the Epistles of Paul, you already know that Paul sees the Christ event—the event of Golgotha—as the focal point of our entire human development, that he directly links this event to the event described in the Bible as the first becoming human with Adam, so that Paul is essentially saying: What we must call the spiritual human being, the true, real human being, of whom there is only a Maya in Maya, descended once—as we say—in the ancient Lemurian era to become an illusion and all that he had to become in the flesh through successive incarnations, thus becoming a human being as he manifested himself through the Lemurian and Atlantean periods and the post-Atlantean period up to the Christ event. Then came the event of Golgotha.

[ 15 ] So stand die Sache für Paulus nach seiner Vision bei Damaskus fest. In dem Ereignis von Golgatha war etwas gegeben, was zunächst ganz gleichbedeutend ist mit dem Heruntersteigen des Menschen in das Fleisch. Denn es war damit der Impuls gegeben, nach und nach diejenigen Formen des irdischen Daseins zu überwinden, die der Mensch dazumal durch Adam angetreten hatte. Daher nennt Paulus den Menschen, der in dem Christus erschienen ist, den neuen Adam, den jeder Mensch durch die Verbindung mit dem Christus anziehen kann.

[ 15 ] This was the state of affairs for Paul following his vision near Damascus. In the event at Golgotha, something occurred that is, at first glance, entirely synonymous with humanity’s descent into the flesh. For with it came the impulse to gradually overcome those forms of earthly existence that humanity had entered into at that time through Adam. That is why Paul calls the human being who appeared in Christ the new Adam, whom every person can take on through union with Christ.

[ 16 ] So haben wir wirklich zu sehen den allmählichen Abstieg des Menschen in die Materie hinein — ob man es nun als Adam bezeichnet oder sonstwie —- von dem lemurischen Menschen bis zum vorchristlichen Menschen, und dann wieder die Kraft und den Impuls aufwärts, so daß der Mensch mit allen Erdenerfahrungen, mit allem, was ihm auf der Erde werden kann, zu dem ursprünglichen geistigen Zustand zurückkommen kann, in welchem er sich befand, bevor er heruntergestiegen war. Man darf nun, wenn man den eigentlichen Sinn der Entwickelung nicht mißverstehen will, nicht etwa fragen: Hätte man denn dem Menschen nicht den Herunterstieg ersparen können? Warum mußte sich der Mensch inkarnieren und durch die verschiedenen Inkarnationen durchgehen, um dann wieder heraufzusteigen und dasselbe zu haben, was er vorher gehabt hat? - Das könnte nur einem völligen Mißverstehen des eigentlichen Geistes der Entwickelung entspringen. Denn der Mensch nimmt alles an Früchten und Erfahrungen mit aus der Erdenentwickelung und ist bereichert mit dem Inhalt der Inkarnationen. Das ist ein Inhalt, den er vorher nicht gehabt hat.

[ 16 ] Thus we must truly see the gradual descent of humankind into matter—whether one calls it Adam or something else —- from the Lemurian human to the pre-Christian human, and then again the upward force and impulse, so that humanity, with all earthly experiences, with everything that can become of them on Earth, can return to the original spiritual state in which they found themselves before they descended. Now, if one does not wish to misunderstand the true meaning of evolution, one must not ask: Could humanity not have been spared the descent? Why did humanity have to incarnate and pass through the various incarnations, only to ascend again and have the same as before? - That could only stem from a complete misunderstanding of the true spirit of evolution. For humanity takes with it all the fruits and experiences of earthly evolution and is enriched by the content of the incarnations. This is a content that it did not possess before.

[ 17 ] Denken Sie sich hypothetisch den Menschen heruntersteigend durch die erste Inkarnation: da lernt er; er lernt durch die zweite Inkarnation, und so fort durch alle Inkarnationen. Die verlaufen so, daß sie zuerst heruntersteigend, absteigend sind: der Mensch verstrickt sich immer mehr und mehr in die physische Welt. Dann beginnt er wieder aufzusteigen und kann so weit aufsteigen, als er den Christus-Impuls aufnimmt. Er wird einst wieder hinaufkommen in die geistige Welt, hat dann aber mitgenommen, was er auf der Erde gewinnen konnte.

[ 17 ] Imagine, hypothetically, a human being descending through the first incarnation: there he learns; he learns through the second incarnation, and so on through all incarnations. These unfold in such a way that they are initially descending: the human being becomes increasingly entangled in the physical world. Then he begins to ascend again and can rise as far as he is able to receive the Christ impulse. He will one day return to the spiritual world, but will have taken with him whatever he was able to gain on Earth.

[ 18 ] So sieht Paulus in dem Christus wirklich den Mittelpunkt der ganzen Erdenentwickelung des Menschen, was dem Menschen den Impuls gibt, hinaufzusteigen in die übersinnliche Welt, bereichert mit allen Erdenerfahrungen.

[ 18 ] Thus, Paul truly sees in Christ the focal point of all human development on Earth, which gives humanity the impulse to ascend into the supersensible world, enriched by all earthly experiences.

[ 19 ] Wie sieht nun Paulus von diesem Gesichtspunkte aus das Golgatha-Opfer an, die eigentliche Kreuzigung? - Es ist etwas schwierig, diese Tatsache des Golgatha-Opfers, diese wesentlichste Tatsache der Menschheitsentwickelung genau vor moderne Begriffe zu bringen im Sinne des Paulus. Denn dieser Sinn ist auch der des Schreibers des Markus-Evangeliums. Da müssen wir uns einmal mit dem Gedanken bekanntmachen, daß in dem Menschen, wie er auch heute vor uns steht, ein Mikrokosmos, eine kleine Welt vorhanden ist, und wir müssen schon einmal alles studieren, was da in Betracht kommt.

[ 19 ] How, then, does Paul view the sacrifice on Golgotha—the actual crucifixion—from this perspective? It is somewhat difficult to accurately convey this fact of the Golgotha sacrifice, this most essential fact of human development, in terms of modern concepts in the sense of Paul. For this understanding is also that of the writer of the Gospel of Mark. We must first familiarize ourselves with the idea that within the human being, as he stands before us today, there exists a microcosm, a small world, and we must first study everything that comes into consideration.

[ 20 ] Wie der Mensch heute vor uns steht, wie er sich entwickelt zwischen Geburt und Tod in der einen Inkarnation, zeigt er uns zwei sehr voneinander verschiedene Entwickelungsglieder. Man unterscheidet sie nur gewöhnlich nicht, aber sie sind sehr, sehr voneinander zu unterscheiden. Ich habe - weil tatsächlich mehr, als man gewöhnlich denkt, unser ganzes geisteswissenschaftliches Streben systematisch aufgebaut ist — bereits verschiedentlich auf diese zwei voneinander grundverschiedenen Glieder des Menschen aufmerksam gemacht. Das eine kann man sehen in der Zeit der menschlichen Entwickelung, die zwischen der Geburt und dem Zeitpunkte liegt, bis zu dem sich der heutige moderne Mensch zurückerinnert in dem einzelnen individuellen Leben. Wenn Sie Ihre Erinnerungen zurückverfolgen, kommen Sie bis zu einem gewissen Punkt; weiter erinnern Sie sich nicht. Obwohl Sie auch vorher da waren und sich vielleicht von Ihren Eltern oder Geschwistern haben erzählen lassen, was Sie vorher getrieben haben, und daher auch manches davon wissen, so erinnern Sie sich doch nicht über einen gewissen Punkt zurück. Es reißt die normale Erinnerung mit einem gewissen Zeitpunkt ab. Der liegt im günstigsten Falle so um das dritte Lebensjahr herum. Vorher ist nun der Mensch ungemein regsam und eindrucksfähig. Was lernt man nicht alles in dieser Zeit, im ersten, zweiten, dritten Lebensjahr! Aber wie die Dinge Eindruck gemacht haben, dessen erinnert sich der heutige moderne Mensch ganz und gar nicht. — Dann beginnt die Zeit, durch welche sich der Faden der Ich-Erinnerung einfach glatt hindurchzieht.

[ 20 ] The way human beings appear to us today, the way they develop between birth and death in a single incarnation, reveals two stages of development that are very different from one another. People usually do not distinguish between them, but they are very, very distinct from one another. I have—because our entire spiritual scientific endeavor is, in fact, more systematically structured than is usually thought—already drawn attention on various occasions to these two fundamentally different stages of human development. One can be observed in the period of human development that lies between birth and the point in time up to which modern human beings can recall in their individual lives. If you trace your memories back, you reach a certain point; beyond that, you do not remember. Although you were there before that and may have heard from your parents or siblings what you were doing before, and therefore know some of it, you still do not remember beyond a certain point. Normal memory breaks off at a certain point. In the best case, this is around the age of three. Before that, the human being is incredibly active and impressionable. What doesn’t one learn during this time, in the first, second, and third years of life! But modern humans today have absolutely no recollection of how these things made an impression on them. — Then begins the period through which the thread of ego-memory simply runs smoothly.

[ 21 ] Diese zwei Entwickelungsglieder sollte man sehr wohl beachten, denn sie sind außerordentlich wichtig, wenn man den gesamten Menschen ins Auge fassen will. Man muß nun genau und ohne die Vorurteile der heutigen Wissenschaft die menschliche Entwickelung verfolgen. Die Tatsachen der Wissenschaft belegen und beweisen ja, was ich zu sagen habe; aber die Vorurteile der Wissenschaft darf man dabei nicht zu Rate ziehen, sonst könnte man Wege einschlagen, die von der Wahrheit sehr weit abirren. Wenn man also genau die Entwickelung des Menschen verfolgt, wird man sich sagen können: Wie der Mensch als Gesellschaftswesen, als eine soziale Individualität lebt, so kann er nur leben nach dem Zustande, der durch das bedingt ist, was er aufnimmt in jenen Faden der Erinnerung, der etwa vom dritten Jahre ab - im günstigsten Falle - fließt. Darinnen liegt alles, wovon man sich sagen kann: Es ist die Direktion des menschlichen bewußten Lebens; alle die Dinge, welche wir bewußterweise aufnehmen als Gesetze, nach denen wir uns richten als nachahmenswerten Impulsen und so weiter, alles das liegt darin. Was davor liegt, nehmen wir in einer gewissen Weise unbewußt auf für das Ich-Bewußtsein. Das reiht sich nicht ein dem Faden dessen, was wirklich unserem vollen ichbewußten Leben angehört. Es liegen also gewisse Jahre vor unserem ich-bewußten Leben, in denen die Umwelt in ganz anderer Weise auf uns wirkt als eben später.

[ 21 ] These two stages of development should certainly be taken into account, for they are of extraordinary importance if one wishes to consider the human being as a whole. One must now trace human development precisely and without the prejudices of modern science. The facts of science do indeed support and prove what I have to say; but one must not take the prejudices of science into account, otherwise one might take paths that stray very far from the truth. If one therefore traces human development precisely, one will be able to say: Just as human beings live as social beings, as social individuals, so they can only live according to the condition determined by what they take in through that thread of memory that flows—in the best case—from about the age of three onward. In this lies everything of which one can say: It is the direction of human conscious life; all the things we consciously take in as laws by which we govern ourselves, as impulses worth emulating, and so on—all of that lies within it. What lies before that, we take in, in a certain sense, unconsciously for the ego-consciousness. This does not fit into the thread of what truly belongs to our full ego-conscious life. There are thus certain years preceding our ego-conscious life in which the environment affects us in a completely different way than it does later on.

[ 22 ] Der Unterschied ist ein ganz radikaler. Wenn wir das Kind vor dieser Zeit betrachten könnten, würde sich sofort zeigen, daß es vor dem Zeitpunkt, bis zu dem sich später der Mensch zurückerinnert, sich viel mehr in dem allgemeinen makrokosmischen geistigen Leben drinnen fühlt. Es sondert sich noch nicht heraus, isoliert sich noch nicht, rechnet sich vielmehr zu der ganzen Umgebung zugehörig, spricht sich sogar so an, wie die andern es ansprechen. Denn es sagt nicht «ich will», sondern «Karlchen will», und später erst lernt es sich als ein Ich ansprechen - woran neuere Kinderpsychologen herummäkeln, was aber nicht gegen die Wahrheit spricht, sondern nur gegen die Einsicht der betreffenden Psychologen. Das Kind fühlt sich in den ersten Jahren noch in der Umgebung, fühlt sich als ein Glied der ganzen Umgebung. Sich herauszuisolieren aus der Umgebung als selbständiges Wesen, damit beginnt der Mensch erst in dem Zeitpunkt, bis zu dem er sich dann später zurückerinnerrt.

[ 22 ] The difference is a very radical one. If we could observe the child before this stage, it would immediately become clear that, prior to the point in time that the person later recalls, the child feels much more at home within the general macrocosmic spiritual life. It does not yet set itself apart, does not yet isolate itself, but rather considers itself part of the entire environment, even addressing itself in the same way others address it. For it does not say “I want,” but “Little Karl wants,” and only later does it learn to refer to itself as an “I”—a point that modern child psychologists quibble over, but which does not contradict the truth, only the insight of the psychologists in question. In the first few years, the child still feels part of its surroundings, feels itself to be a member of the whole environment. It is only at the point that the person later recalls that they begin to isolate themselves from their surroundings as an independent being.

[ 23 ] So werden wir also sagen können: Was der Mensch als Gesetze aufnehmen kann und was den Inhalt seines Bewußtseins bilden kann, das gehört dem zweiten Gliede seiner Entwickelung an von diesem charakterisierten Zeitpunkt ab. Dem ersten Entwickelungsgliede gehört ein ganz anderes Verhältnis zur Umwelt an, so daß man viel mehr darinnensteht und zusammenhängt mit der Umwelt - eine unmittelbare Korrespondenz mit ihr hat. Was eigentlich gesagt werden soll, das können Sie nur gut durchdenken, wenn Sie sich hypothetisch einmal vorstellen, daß dem Menschen jenes Bewußtsein, das im ersten Kindesalter diesen unmittelbaren Zusammenhang mit der Umwelt gibt, erhalten bliebe für die späteren Jahre. Da würde das menschliche Leben ganz anders verlaufen. Dann würde sich der Mensch nicht so isoliert fühlen, sondern er würde in späteren Jahren sich als ein Glied des gesamten Makrokosmos fühlen, er würde sich darinnen fühlen in der großen Welt. Das geht ihm verloren. Er hat keinen Zusammenhang später mit der großen Welt, glaubt sich isoliert dastehend. Wenn er ein Mensch des gewöhnlichen Lebens ist, kommt ihm diese Isolation nur abstrakt zum Bewußtsein. Da kommt sie ihm namentlich zum Bewußtsein, wenn er immer mehr die Egoismen ausbildet, wenn er immer mehr sich sozusagen in seiner Haut abschließen will. Wenig Geschulte glauben - was eigentlich ein vollständiger Unsinn ist -, daß man als Mensch nur in der Haut lebt. Denn in dem Augenblick, wo man ausgeatmet hat, ist doch die ganze eingeatmete Luft draußen, so daß wir also schon durch Ein- und Ausatmen fortwährend mit der ganzen Umwelt in Korrespondenz stehen. Es ist eine absolute Maya, wie sich der Mensch sich selbst als ein Wesen vorstellt. Aber sein Bewußtsein ist schon so geartet, daß er in dieser Maya leben muß. Er kann gar nicht anders. Denn Karma zu erleben, dazu sind die Menschen wirklich weder sehr geneigt noch auch ganz besonders reif in unserer Zeit. Wenn heute zum Beispiel jemandem die Fenster eingeschlagen werden, so empfindet er das, weil er sich als ein isoliertes Wesen fühlt, als einen ihm persönlich zugefügten Schaden und ärgert sich. Wenn er aber an Karma glauben würde, dann würde er sich zugehörig fühlen zu dem ganzen Makrokosmos und würde wissen, daß es ja richtig ist, daß wir eigentlich diejenigen sind, welche die Fenster eingeschlagen haben. Denn wir sind in Wahrheit dem ganzen Kosmos einverwoben. Es ist ein völliges Unding zu glauben, daß wir in unserer Haut eingeschlossen sind. Aber dieses Gefühl des Verbundenseins mit dem Makrokosmos hat nur noch das Kind in den ersten Jahren. Der Mensch verliert es von dem Zeitpunkt ab, bis zu dem er sich später zurückerinnerrt.

[ 23 ] We can therefore say: Whatever a human being is capable of assimilating as laws and whatever can constitute the content of their consciousness belongs to the second stage of their development, beginning at this defining point in time. The first stage of development involves a completely different relationship to the environment, such that one is much more immersed in and connected to the environment—one has a direct correspondence with it. You can only fully grasp what is actually being said if you hypothetically imagine that the consciousness which, in early childhood, provides this direct connection to the environment, were to be retained into later years. Human life would then unfold quite differently. Then the human being would not feel so isolated, but in later years would feel himself to be a member of the entire macrocosm; he would feel himself at home in the great world. This is lost to him. He has no connection later with the great world; he believes himself to be standing there in isolation. If he is a person of ordinary life, this isolation comes to his consciousness only in an abstract way. It comes to their conscious awareness specifically when they increasingly develop selfishness, when they increasingly want to shut themselves off, so to speak, within their own skin. Few educated people believe—which is actually complete nonsense—that as human beings we live only within our own skin. For the moment we exhale, all the air we have inhaled is already outside us, so that through inhaling and exhaling we are constantly in correspondence with the entire environment. It is an absolute Maya, the way human beings imagine themselves as beings. But their consciousness is already such that they must live in this Maya. They cannot do otherwise. For experiencing karma—people are truly neither very inclined toward it nor particularly ready for it in our time. If, for example, someone’s windows are smashed today, they perceive it—because they feel themselves to be an isolated being—as a personal injury inflicted upon them and become angry. But if they believed in karma, they would feel a sense of belonging to the entire macrocosm and would know that it is indeed true that we are actually the ones who smashed the windows. For in truth, we are interwoven with the entire cosmos. It is a complete absurdity to believe that we are confined within our own skin. But this sense of connectedness with the macrocosm is something only a child possesses in the early years. A person loses it from the moment onward, until they later recall it.

[ 24 ] Das war nicht immer so. In älteren Zeiten, die gar noch nicht so weit hinter uns zurückliegen, hatte der Mensch in der Tat bis zu einem gewissen Grade jenes Bewußtsein der ersten Kinderjahre hereinragen in seine spätere Zeit. Das war in den Zeiten des alten Hellsehens. Damit aber ist verbunden gewesen eine ganz andere Art des Denkens, sogar des Aussprechens der Tatsachen. Das ist eine Angelegenheit der Menschheitsentwickelung, die sich wohl der Geisteswissenschafter einmal ganz klarmachen müßte.

[ 24 ] This was not always the case. In earlier times, which are not so far behind us, human beings did indeed retain, to a certain extent, that consciousness of early childhood into their later years. That was in the days of ancient clairvoyance. But this was connected with a completely different way of thinking, and even of expressing facts. This is a matter of human development that spiritual scientists would do well to make quite clear to themselves.

[ 25 ] Wenn heute ein Mensch in der Welt geboren wird, also unter uns auftritt, was ist er dann? — Für den heutigen Menschen ist er im wesentlichen der Sohn seines Vaters, der Sohn seiner Mutter zunächst. Und wenn er im bürgerlichen Leben nicht den Geburtsschein oder Taufschein hat, auf denen Vater und Mutter stehen, wonach man den Menschen identifizieren kann, so weiß man überhaupt nichts über den betreffenden Menschen und streitet ihm unter Umständen seine Existenz ab. Es ist also ein Mensch für das heutige Bewußtsein der Menschheit der physische Sohn seines Vaters, der physische Sohn seiner Mutter.

[ 25 ] When a person is born into the world today—that is, when they come into our midst—what are they? — For people today, they are essentially the son of their father, the son of their mother, first and foremost. And if, in civil life, they do not have a birth certificate or baptismal certificate listing their father and mother—by which one can identify a person—then one knows absolutely nothing about that person and may even deny their existence. Thus, for the modern consciousness of humanity, a person is the physical son of his father, the physical son of his mother.

[ 26 ] So dachten die Menschen eines noch gar nicht weit zurückliegenden Zeitalters nicht. Aber weil die Wissenschafter und Forscher der Gegenwart nicht wissen, daß die Menschen früher anders dachten und in ihren Worten und Bezeichnungen ganz anderes darinnen hatten, kommen sie auch zu ganz anderen Auslegungen der alten Mitteilungen. Da wird uns zum Beispiel berichtet von einem griechischen Sänger, Orpheus. Ich erwähne ihn deshalb, weil er in einer gewissen Weise dem Zeitalter angehört, das dem christlichen unmittelbar voranging. Orpheus war der, welcher die griechischen Mysterien eingerichtet hat. Der griechische Zeitraum ist der vierte innerhalb unserer nachatlantischen Kultur, so daß gleichsam durch die Kultur des Orpheus vorbereitet wurde, was der Menschheit später durch das Christus-Ereignis gegeben worden ist. Für Griechenland ist also Orpheus dieser große Vorbereiter. Was würde nun ein moderner Mensch sagen, wenn ihm solch ein Mensch entgegentreten würde, wie Orpheus es war? Er würde sagen: Es ist der Sohn dieses Vaters und der Sohn jener Mutter -, ja die moderne Wissenschaft wird vielleicht sogar nach den vererbten Merkmalen forschen. Es gibt heute schon ein dickes Buch, das die sämtlichen vererbten Merkmale aus den Goetheschen Familien zeigt und so Goethe summieren möchte aus den vererbten Merkmalen. So hat man zur Zeit des Orpheus nicht gedacht, hat nicht als das Wesentliche den äußeren fleischlichen Menschen und dessen Eigenschaften angesehen, sondern man hat als das Wesentliche in Orpheus dasjenige angesehen, wodurch er der Inaugurator, der eigentliche Führer der vorchristlichen griechischen Kultur hat werden können, und man war sich klar, daß das, was als physisches Gehirn, als Nervensystem in ihm lebte, nicht das Wesentliche ist. Als wesentlich betrachtete man vielmehr, daß er in sich trug ein Element - in dem, was er erlebte —, das unmittelbar aus den übersinnlichen Welten herstammte und das sich dann durch ihn auf dem Schauplatz, der durch seine Persönlichkeit gegeben war, traf mit einem sinnlich-physischen Element. Der Grieche sah in der Persönlichkeit des Orpheus nicht das Fleischliche, das abstammt von Vater und Mutter, vielleicht auch von Großvater und Großmutter; das war ihm ziemlich unwesentlich, das war ihm nur der äußere Ausdruck, die Schale. Das Wesentliche war ihm, was abstammte von einem Übersinnlichen und zusammentraf mit einem Sinnlichen auf dem physischen Plan. Daher sagte sich der Grieche: Wenn ich den Orpheus vor mir habe, kommt das kaum in Betracht, daß er von einem Vater und einer Mutter abstammt; aber das kommt in Betracht, daß sein Seelenhaftes, wodurch er etwas geworden ist, abstammt von einem Übersinnlichen, das nie mit dem physischen Plan etwas zu tun gehabt hat, und daß auf dieses Übersinnliche in seiner Persönlichkeit durch das, was die Menschen schon damals waren, ein Sinnlich-Physisches einwirken und sich mit diesem Übersinnlichen verbinden konnte. Und weil die Griechen in Orpheus als Wesentliches ein rein übersinnliches Element sahen, deshalb sagten sie von ihm: er stammt ab von einer Muse. Er war der Sohn einer Muse, Kalliope; er war nicht etwa bloß der Sohn einer fleischlichen Mutter, sondern eines übersinnlichen Elementes, das nie einen Zusammenhang hatte mit dem Sinnlichen.

[ 26 ] People in a not-too-distant past did not think that way. But because today’s scientists and researchers do not know that people used to think differently and meant something entirely different by their words and terms, they arrive at entirely different interpretations of the ancient accounts. For example, we are told of a Greek singer, Orpheus. I mention him because, in a certain sense, he belongs to the era immediately preceding the Christian era. Orpheus was the one who established the Greek mysteries. The Greek period is the fourth within our post-Atlantean culture, so that, as it were, the culture of Orpheus prepared the way for what was later given to humanity through the Christ event. For Greece, then, Orpheus is this great forerunner. What would a modern person say, however, if he were to encounter a person such as Orpheus? They would say: He is the son of this father and the son of that mother—indeed, modern science might even investigate his inherited traits. There is already a thick book today that lists all the inherited traits from Goethe’s family and thus attempts to summarize Goethe based on these inherited traits. People did not think this way in Orpheus’s time; they did not regard the outer, physical human being and his characteristics as the essential, but rather they regarded as the essential in Orpheus that which enabled him to become the inaugurator, the true leader of pre-Christian Greek culture, and it was clear that what lived within him as a physical brain and nervous system was not the essential. Rather, what was regarded as essential was that he carried within himself an element—in what he experienced—that originated directly from the supersensible worlds and that then, through him, met with a sensory-physical element on the stage provided by his personality. The Greek did not see in the personality of Orpheus the physical aspect derived from father and mother, perhaps also from grandfather and grandmother; that was quite unimportant to him, it was merely the outer expression, the shell. What was essential to him was what originated from the supersensible and met with the sensible on the physical plane. Therefore, the Greek said to himself: When I have Orpheus before me, it hardly matters that he is descended from a father and a mother; but what does matter is that the soul-element through which he has become what he is descends from a supersensible realm that has never had anything to do with the physical plane, and that a sensuous-physical element could act upon this supersensible aspect of his personality—through what human beings were even back then—and unite with it. And because the Greeks saw in Orpheus, as his essential nature, a purely supersensible element, they said of him: he is descended from a Muse. He was the son of a Muse, Calliope; he was not merely the son of a physical mother, but of a supersensible element that never had any connection with the physical.

[ 27 ] Wäre er nun bloß der Sohn der Muse Kalliope gewesen, so hätte er nur zum Vorschein bringen können, was Kundgebung der übersinnlichen Welt war. Aber er war vermöge seines Zeitalters auch berufen, das zum Ausdruck zu bringen, was dem physischen Zeitalter dienen sollte. Daher war er nicht nur Sprachrohr für die Muse, für Kalliope, wie in früheren Zeiten die Rishis nur die Sprachrohre für die übersinnlichen Mächte waren, sondern er lebte das Übersinnliche so aus, daß Einfluß auf sein Ausleben die physische Welt hatte. Daher stammt er ab von seinem Vater Öagros, der ein thrakischer Flußgott war. Was Orpheus verkündete, war so auf der andern Seite verbunden und angepaßt dem Klima Griechenlands, dem, was da gab die äußere Natur Griechenlands, dem thrakischen Flußgott Öagros.

[ 27 ] Had he been merely the son of the muse Calliope, he would have been able to bring to light only that which was a manifestation of the supernatural world. But by virtue of his era, he was also called upon to express that which was to serve the physical age. Therefore, he was not merely a mouthpiece for the Muse, for Calliope, just as in earlier times the Rishis were merely mouthpieces for the supersensible powers; rather, he lived out the supersensible in such a way that his living it out had an influence on the physical world. Hence he is descended from his father Öagros, who was a Thracian river god. What Orpheus proclaimed was thus connected on the other side and adapted to the climate of Greece, to what external nature in Greece provided, to the Thracian river god Oeagros.

[ 28 ] Das zeigt uns also, wie das Wesentliche in Orpheus in dem gesehen wurde, was in seiner Seele lebte. Danach bezeichnete man früher die Menschen. Man bezeichnete sie nicht so, wie später, wo man sagte: Der ist der Sohn dieses oder jenes, oder: Er stammt aus dieser oder jener Stadt ab -; sondern man bezeichnete die Menschen nach ihrer geistigen Wertigkeit. An Orpheus ist es nun außerordentlich interessant zu sehen, wie intim das ganze Schicksal eines solchen Menschen empfunden wurde, der so auf der einen Seite von einer Muse abstammte, auf der andern Seite von einem thrakischen Flußgott. Ein solcher Mensch hatte nicht wie die alten Propheten bloß das Übersinnliche, sondern schon das Sinnliche aufgenommen. Er war schon ausgesetzt all den Einflüssen, welche die physisch-sinnliche Welt auf uns ausübt.

[ 28 ] This shows us, then, how what was essential in Orpheus was seen in what lived within his soul. That is how people used to be described. They were not described as they were later, when people said: “He is the son of this or that person,” or “He is descended from this or that city”—but rather, people were described according to their spiritual worth. In the case of Orpheus, it is now extraordinarily interesting to see how intimately the entire fate of such a person was perceived—one who, on the one hand, was descended from a muse, and on the other, from a Thracian river god. Such a person had not, like the ancient prophets, merely absorbed the supernatural, but had already absorbed the sensory. He was already exposed to all the influences that the physical-sensory world exerts upon us.

[ 29 ] Nun wissen wir, daß der Mensch aus verschiedenen Wesensgliedern besteht: aus dem untersten, dem physischen Leib, dann dem Ätherleib - von dem wir gesagt haben, daß er das andere Geschlecht in sich birgt -— und dann dem Astralleib und dem Ich. Ein solcher Mensch wie Orpheus sieht auf der einen Seite noch, weil er von einer Muse abstammt - Sie wissen jetzt, was das bedeutet -, in die geistige Welt hinein. Aber auf der andern Seite werden seine Fähigkeiten, in der geistigen Welt zu leben, untergraben, gerade durch das Leben auf dem physischen Plan, durch die Abstammung von dem Vater, von dem thrakischen Flußgott. Dadurch wird sein rein geistiges Leben untergraben. Bei allen früheren Führern der Menschheit in der zweiten und dritten nachatlantischen Kulturperiode, bei denen bloß vorhanden war ein Sprechen der übersinnlichen Welten durch sie, war es so, daß sie gewissermaßen ihren eigenen Ätherleib als etwas vom physischen Leib Getrenntes wahrnehmen konnten. Wenn in den Kulturen des alten Hellsehens, auch bei den Kelten noch, der Mensch etwas wahrnehmen sollte, was er seinen Mitmenschen zu offenbaren hatte, dann wurde ihm das dadurch geoffenbart, daß sein Ätherleib selber aus ihm heraustrat. Dieser Ätherleib war dann Träger derjenigen Kräfte, die sich zu ihm niedersenkten. Wenn nun die Verkünder Männer waren und also ihre Ätherleiber weiblich waren, so nahmen sie dasjenige, was ihnen etwas aus den geistigen Welten vermittelte, in weiblicher Gestalt wahr.

[ 29 ] We now know that human beings consist of various constitutional elements: the lowest, the physical body; then the etheric body—which, as we have said, contains the opposite sex within itself—; and then the astral body and the I. A person like Orpheus, on the one hand, still sees into the spiritual world because he is descended from a muse—you now know what that means. But on the other hand, his ability to live in the spiritual world is undermined precisely by his life on the physical plane, by his descent from his father, the Thracian river god. This undermines his purely spiritual life. With all the earlier leaders of humanity in the second and third post-Atlantean cultural periods, in whom there was merely a speaking of the supersensible worlds through them, it was the case that they could, so to speak, perceive their own etheric body as something separate from the physical body. In the cultures of ancient clairvoyance, even among the Celts, when a person was to perceive something they were to reveal to their fellow human beings, it was revealed to them through their etheric body stepping out of them. This etheric body then served as the vehicle for the forces that descended upon them. Now, if the messengers were men and their etheric bodies were therefore feminine, they perceived that which conveyed something to them from the spiritual worlds in a feminine form.

[ 30 ] Nun sollte dargestellt werden, daß Orpheus da, wo er rein mit den geistigen Mächten in Beziehung stand, weil er schon der Sohn des thrakischen Flußgottes war, der Möglichkeit ausgesetzt war, nicht halten zu können, was sich ihm durch seinen eigenen Ätherleib offenbarte. Und je mehr er sich einlebte in die physische Welt und zum Ausdruck brachte, was er war als Sohn des Landes, desto mehr kam ihm sein hellseherisches Vermögen abhanden. Das wird darin dargestellt, daß ihm entrissen wird durch den Biß einer Natter — das heißt durch das, was als Menschliches aus ihm kommt Eurydike, seine Offenbarerin, seine Seelenbraut, und entführt wird in die Unterwelt. Er sollte sie nur wiedererhalten durch eine Initiation, die er dann durchzumachen hatte. Überall, wo von einem Gang in die Unterwelt gesprochen wird, ist eine Initiation gemeint. So sollte er sich durch eine Initiation die Gattin wiedererringen. Aber er war schon zu stark verwoben mit der physischen Welt. Zwar erlangte er in der Tat die Fähigkeit, herunterzudringen in die Unterwelt, aber als er wieder heraufkam, als er wieder der Tagessonne ansichtig wurde, da entschwand ihm Eurydike. Warum? Weil er, als er die Tagessonne erblickte, etwas tat, was er nicht tun durfte: sich umschauen, zurückschauen. Das heißt, er übertrat ein Gebot, das ihm vom Gott der Unterwelt streng auferlegt worden war. Was ist das für ein Gebot? Daß der physische Mensch, wie er heute auf dem physischen Plane lebt, nicht zurückblicken darf hinter jenen charakterisierten Zeitpunkt, wo die makrokosmischen Kindheitserlebnisse liegen, und die, wenn sie hereindringen würden in das spätere Bewußtsein, das alte Hellsehen geben würden. Du darfst nicht, sagt der Gott der Unterwelt, Verlangen danach tragen, wirklich die Geheimnisse der Kindheit zu durchschauen, dich daran zu erinnern, wo die Schwelle aufgerichtet ist. - Da er das tut, verliert er die Fähigkeit des Hellsehens.

[ 30 ] It should now be shown that Orpheus, insofar as he was in direct contact with the spiritual powers—because he was already the son of the Thracian river god—was exposed to the possibility of being unable to hold onto what was revealed to him through his own etheric body. And the more he immersed himself in the physical world and expressed what he was as a son of the land, the more his clairvoyant powers slipped away from him. This is depicted in the fact that Eurydice—his revealer, his soul-bride—is snatched from him by the bite of a viper—that is, by what comes from him as human—and carried off into the underworld. He was to regain her only through an initiation that he then had to undergo. Wherever a descent into the underworld is spoken of, an initiation is meant. Thus he was to win back his wife through an initiation. But he was already too deeply entangled with the physical world. He did indeed gain the ability to descend into the underworld, but when he came back up, when he saw the sun of the day again, Eurydice slipped away from him. Why? Because when he saw the sun, he did something he was not allowed to do: look around, look back. That is to say, he violated a commandment that had been strictly imposed on him by the god of the underworld. What is this commandment? That the physical human being, as he lives today on the physical plane, must not look back beyond that specific point in time where the macrocosmic childhood experiences lie, and which, if they were to penetrate into later consciousness, would restore the old clairvoyance. “You must not,” says the god of the underworld, “harbor a desire to truly penetrate the mysteries of childhood, to remember where the threshold stands.”—Because he does so, he loses the ability to see into the future.

[ 31 ] So wird etwas außerordentlich Feines und Intimes an Orpheus durch diesen Verlust der Eurydike dargestellt. Dann ist nur eine Folge davon, daß der Mensch ein Opfer der physischen Welt wird. Er ist mit einer Wesenheit, die noch im Übersinnlichen wesenhaft wurzelte, hineingelangt in das, was er werden mußte auf dem physischen Plan. Dadurch dringen alle Kräfte des physischen Planes auf ihn ein, und er verliert Eurydike, seine eigene unschuldige Seele, die dem modernen Menschen verlustig gehen muß; sie verliert er. Und diejenigen Kräfte, in die er dann versetzt wird, zerfleischen ihn. Das ist dann eine Art Opfer des Orpheus.

[ 31 ] Thus, something extraordinarily delicate and intimate about Orpheus is portrayed through this loss of Eurydice. This is simply a consequence of the human being becoming a victim of the physical world. He has entered, with a being that was still essentially rooted in the supersensible, into what he had to become on the physical plane. As a result, all the forces of the physical plane assail him, and he loses Eurydice, his own innocent soul, which modern man must lose; he loses her. And the forces into which he is then cast tear him apart. This is then a kind of sacrifice of Orpheus.

[ 32 ] Was ist es also, was Orpheus zuerst erlebt, weil er herauflebt von dem dritten in den vierten nachatlantischen Kulturzeitraum? Er erlebt dasjenige zuerst, was die erste Bewußtseinsstufe der Kindheit abstreift, den Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Der ist nicht da, tritt nicht ins bewußte Leben hinüber. Und so wie der Mensch seiner eigentlichen Wesenheit nach ist, wird er aufgezehrt, getötet von dem Leben des physischen Planes, das eigentlich erst mit dem genannten Zeitraum beginnt. — Fassen Sie jetzt diesen Menschen ins Auge, der sozusagen der Mensch des physischen Planes ist, der sich im heutigen normalen Bewußtsein zurückerinnert bis zu einem bestimmten Zeitpunkt; vor diesem liegen drei Jahre der Kindheit. Dieser Mensch mit dem Faden der Erinnerung ist so verstrickt mit dem physischen Plan, daß es Orpheus seiner eigentlichen Wesenheit nach nicht in ihm aushalten kann, sondern zerrissen wird. Das ist der eigentliche Menschengeist der heutigen Zeit, derjenige Menschengeist, der uns zeigt, wie der Mensch am tiefsten mit der Materie verstrickt sein kann. Das ist der Geist, der im Sinne des paulinischen Christentums der Menschensohn genannt wird. Das müssen Sie sich einmal als einen Begriff aneignen: der Menschensohn, der sich im Menschen findet von dem Zeitpunkt ab, bis zu dem sich der Mensch heute zurückerinnert, mit alledem, was sich der Mensch von der Kultur aneignen kann. Fassen Sie diesen Menschen ins Auge, und denken Sie sich nun alles, was der Mensch sein könnte durch den Zusammenhang mit dem Makrokosmos, wenn hinzukäme, was in den ersten Kindheitsjahren hereindringt vom Makrokosmos. In den ersten Kindheitsjahren kann es nichts anderes sein als eine Grundlage, weil das entwickelte menschliche Ich noch nicht da ist. Wenn es aber in das entwickelte menschliche Ich hereinfiele, dann würde geschehen, was zuerst geschehen ist in dem Augenblick, als dem Jesus von Nazareth der Geist von oben herunterkam durch die Jordan-Taufe: Die drei unschuldigen Kindheits-Entwickelungsstadien mischten sich mit dem übrigen Menschentum zusammen. Das ist das Nächste. Und was war die Folge davon? Die Folge war, daß dieses unschuldige Kindheitsleben, als es sich entwickeln wollte auf der physischen Erde, sich nur drei Jahre entwickeln konnte - wie es sich überall nur drei Jahre entwickelt — und dann auf Golgatha sein Ende fand, das heißt, sich nicht vermischen konnte mit dem, was der Mensch wird in dem Zeitpunkt, bis zu dem er sich dann normalerweise zurückerinnert.

[ 32 ] So what is it that Orpheus first experiences as he transitions from the third to the fourth post-Atlantean cultural epoch? He first experiences what the first stage of childhood consciousness sheds: the connection with the macrocosm. It is not there; it does not carry over into conscious life. And just as the human being is in his true nature, he is consumed, killed by the life of the physical plane, which actually begins only with the aforementioned epoch. — Now picture this human being, who is, so to speak, the human being of the physical plane, who in today’s normal consciousness recalls back to a certain point in time; before this lie three years of childhood. This human being, with the thread of memory, is so entangled with the physical plane that Orpheus, in his true essence, cannot endure it within him, but is torn apart. This is the true human spirit of the present age, the human spirit that shows us how deeply a human being can be entangled with matter. This is the spirit that, in the sense of Pauline Christianity, is called the Son of Man. You must once and for all make this a concept of your own: the Son of Man, who is found within the human being from the point in time back to which the human being can recall today, with all that the human being can acquire from culture. Take this human being into your mind, and now imagine everything that a human being could be through the connection with the macrocosm, if what enters from the macrocosm in the first years of childhood were to be added. In the first years of childhood, it can be nothing other than a foundation, because the developed human ego is not yet there. But if it were to flow into the developed human ego, then what happened at the very moment when the Spirit descended from above upon Jesus of Nazareth through the baptism in the Jordan would occur: the three innocent stages of childhood development would blend together with the rest of humanity. That is the next step. And what was the consequence of this? The consequence was that this innocent childhood life, when it sought to develop on the physical earth, could develop for only three years—as it develops everywhere for only three years—and then met its end on Golgotha, that is, it could not blend with what the human being becomes by the point in time up to which he can then normally recall.

[ 33 ] Wenn Sie dies durchdenken: was es bedeuten würde, wenn sich herein mischte in einen Menschen all der Zusammenhang mit dem Makrokosmos, der dumpf und dämmerhaft in den ersten Kindheitsjahren aufkommt, der aber, weil das Kind noch nicht das Ich-Bewußtsein hat, noch nicht wirklich leuchten kann; und wenn Sie weiter denken, wie, wenn er aufdämmerte im späteren Bewußtsein, etwas sich bilden würde, etwas hereinfiele in uns, was nicht aus dem Menschen in uns stammt, sondern aus der ganzen Weltentiefe, aus der wir herausgeboren werden - dann haben Sie die Interpretation der Worte, die da gesprochen worden sind in bezug auf das, was dargestellt ist in dem Herunterkommen der Taube: «Dies ist mein vielgeliebter Sohn; heute habe ich ihn gezeuget!» Das heißt, es ist hier der Christus in dem Jesus von Nazareth inkarniert worden, «gezeuget» worden, der Christus, der in der Tat geboren wurde in den Jesus von Nazareth in dem Augenblick der Johannes-Taufe und der auf der Höhe jenes Bewußtseins stand, das sonst die Menschen nur in den ersten Kindheitsjahren haben, aber mit allem kosmischen Zusammengehörigkeitsgefühl, welches das Kind haben müßte, wenn es wissen würde, was es fühlt in den ersten drei Jahren. Dann würden allerdings auch jene Worte eine ganz andere Bedeutung bekommen: «Ich und der Vater» - der kosmische Vater — «sind eins.»

[ 33 ] If you think this through: what it would mean if all that connection with the macrocosm—which emerges dimly and hazily in the early years of childhood but cannot yet truly shine because the child does not yet have a sense of self—were to blend into a human being; and if you think further about how, when it dawns in later consciousness, something would form, something would fall into us that does not originate from the human within us, but from the entire depth of the world from which we are born—then you have the interpretation of the words that were spoken in relation to what is represented in the descent of the dove: “This is my beloved Son; today I have begotten him!” That is to say, it is Christ who has been incarnated here in Jesus of Nazareth, “begotten”—the Christ who was in fact born into Jesus of Nazareth at the moment of John’s baptism and who stood at the height of that consciousness which people otherwise possess only in the first years of childhood, but with all the cosmic sense of belonging that a child would have if it knew what it feels in the first three years. Then, of course, those words would also take on a completely different meaning: “I and the Father”—the cosmic Father—“are one.”

[ 34 ] Wenn Sie dies auf Ihre Seele wirken lassen, dann werden Sie ein wenig von dem nachfühlen, was sozusagen als ein erstes Grundelement in der Offenbarung von Damaskus für Paulus eingetreten ist, und was in dem schönen Worte zum Ausdruck kommt: «Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, könnt ihr nicht in die Reiche der Himmel kommen!» Dieses Wort hat eine vielfache Bedeutung, aber auch diese. Paulus sagte: «Nicht ich, sondern der Christus in mir!» das heißt die Wesenheit, die ein solches makrokosmisches Bewußtsein hat, wie es das Kind haben würde, wenn es das Bewußtsein der ersten drei Jahre durchdringen könnte mit dem Bewußtsein der späteren Zeit. Beim heutigen normalen Menschen sind diese beiden Arten getrennt, müssen getrennt sein; denn sie würden sich sonst nicht vertragen können. Sie haben sich auch nicht im Christus Jesus vertragen. Denn nach jenen drei Jahren mußte notwendigerweise der Tod eintreten, und zwar unter den Verhältnissen, wie sie sich in Palästina abgespielt haben. Nicht zufällig haben sie sich so dargestellt, sondern durch das Ineinanderleben dieser zwei Faktoren: des Gottessohnes, der der Mensch ist von dem Zeitpunkt der Geburt bis zur Entwickelung des Ich-Bewußtseins, und des Menschensohnes, der der Mensch ist nach dem Zeitpunkt der Erringung des Ich-Bewußtseins. Durch das Zusammenleben des Menschensohnes und des Gottessohnes wurden hervorgerufen die Ereignisse, die dann zu den Ereignissen von Palästina geführt haben.

[ 34 ] If you let this sink into your soul, you will begin to sense a little of what, so to speak, was the first fundamental element of the Damascus Road experience for Paul, and which is expressed in these beautiful words: “Unless you become like little children, you cannot enter the kingdom of heaven!” This saying has many meanings, but also this one. Paul said: “Not I, but Christ in me!” That is, the being who possesses such a macrocosmic consciousness as a child would have if it could permeate the consciousness of the first three years with the consciousness of later years. In today’s ordinary human being, these two aspects are separate; they must be separate, for otherwise they could not coexist. Nor did they coexist in Christ Jesus. For after those three years, death was inevitable—and under the circumstances that unfolded in Palestine. They did not unfold in this way by chance, but through the interplay of these two factors: the Son of God, who is the human being from the moment of birth until the development of ego-consciousness, and the Son of Man, who is the human being after the moment of attaining ego-consciousness. The coexistence of the Son of Man and the Son of God gave rise to the events that subsequently led to the events in Palestine.