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Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124

28 February 1911, Berlin

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Siebenter Vortrag

Seventh Lecture

[ 1 ] Wenn wir unserem Ziele gemäß im Verlaufe dieses Winters fortfahren werden, Betrachtungen anzustellen, die anknüpfen können an das Markus-Evangelium, so muß dieses Ziel durchaus in weiterem Sinne ins Auge gefaßt werden, und es wird sich vielleicht erst nach einiger Zeit zeigen, warum die eine oder die andere Betrachtung, die gepflogen werden muß, gerade in diesen Zusammenhang hineingehört. Wir werden daher heute einige Dinge zu besprechen haben, welche scheinbar recht weit ab stehen von unserem gewöhnlichen Thema, die uns aber doch sehr helfen werden bei unsern weiteren Betrachtungen.

[ 1 ] If, in accordance with our goal, we are to continue throughout this winter with reflections that can tie in with the Gospel of Mark, then this goal must certainly be viewed in a broader sense, and it may only become clear after some time why one reflection or another that must be undertaken belongs precisely in this context. We will therefore have to discuss a few things today that seem quite far removed from our usual topic, but which will nevertheless be of great help to us in our further reflections.

[ 2 ] Da möchte ich Sie zunächst darauf aufmerksam machen, daß die Außenstehenden immer wieder eines nicht einsehen werden, solange sie sich nicht einigermaßen intimer mit dem ganzen Wesenskern der geisteswissenschaftlichen Richtung bekanntgemacht haben, nämlich: welche Bedeutung und welchen Wert für diejenigen Menschen, die hellseherisches Vermögen noch nicht haben, eine Forschung hat, die im wesentlichen ihre Quellen, also ihre Ursprünge in dem hat, was wir hellseherische Forschung nennen müssen. Man kann ja einwenden: Wie kann ein Glaube, ein Fürwahrhalten, eine Überzeugung von den spirituellen Wahrheiten bei denjenigen sich bilden, die noch nicht hineinsehen können in die geistigen Welten? - Da muß nun immer wieder auch auf das andere aufmerksam gemacht werden, daß wir zwar, solange das hellseherische Auge nicht geöffnet ist, nicht hineinsehen können in die geistigen Welten, daß aber aus diesen geistigen Welten fortwährend die Folgen, die Offenbarungen dessen herauskommen, was eben in ihnen drinnen ist. Wenn also von der hellseherischen Forschung gesagt wird, der Mensch bestünde aus seinen vier Wesensgliedern — physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich -, dann könnte der der hellseherischen Forschung Fernerstehende ja sagen: Ich sehe nur den physischen Leib; wie kann ich mich, bevor mir durch mein Karma die Möglichkeit gegeben wird, zum Beispiel den Astralleib oder den Ätherleib zu sehen, davon überzeugen, daß es wahr ist, was über diese höheren Glieder der Menschennatur gesagt wird? - Nun, leugnen kann man, wenn man durchaus will, den Astralleib und den Ätherleib. Aber die Folgen jener Vorgänge, die sich im Astralleib und Ätherleib abspielen, kann der Mensch nicht aus dem Leben hinausdekretieren; die zeigen sich im menschlichen Leben. Und ich möchte Ihnen heute, damit Sie nach und nach das Gefüge der menschlichen Wesenheit so einsehen, wie es vielen Ausdrücken in den Evangelien zugrundeliegt, zeigen, wie sich in der Tat die Folgen der Vorgänge zum Beispiel im Astralleib oder im Ätherleib sehr wohl im ganz gewöhnlichen Leben auf dem physischen Plan zeigen.

[ 2 ] First, I would like to point out that outsiders will never understand one thing unless they have become reasonably familiar with the very essence of the spiritual science movement, namely: the significance and value, for those who do not yet possess clairvoyant abilities, of research that essentially has its sources—that is, its origins—in what we must call clairvoyant research. One might object: How can a belief, a conviction, or a faith in spiritual truths develop in those who cannot yet see into the spiritual worlds? - Here we must repeatedly draw attention to the other point: that while we cannot see into the spiritual worlds as long as the clairvoyant eye is not opened, the consequences and revelations of what is within those spiritual worlds continually emerge from them. So when clairvoyant research states that the human being consists of four constituent parts—the physical body, the etheric body, the astral body, and the I—then someone unfamiliar with clairvoyant research might say: I see only the physical body; how can I, before my karma grants me the ability to see, for example, the astral body or the etheric body, convince myself that what is said about these higher members of human nature is true? — Well, one can deny the astral body and the etheric body if one so desires. But the consequences of those processes that take place in the astral and etheric bodies cannot be dismissed from life; they manifest themselves in human life. And today, so that you may gradually come to understand the structure of the human being as it underlies many expressions in the Gospels, I would like to show you how the consequences of the processes taking place, for example, in the astral body or the etheric body, do indeed manifest themselves in quite ordinary life on the physical plane.

[ 3 ] Fassen wir dazu zunächst einmal den Unterschied ins Auge zwischen einem Menschen, welcher in gewissem Sinne voller Idealismus ist, der sich hohe Ideale setzt, und einem Menschen, der im allgemeinen abgeneigt ist, sich hohe Ideale zu setzen, der sozusagen nur unter den äußeren Antrieben des Lebens handelt, sagen wir, ißt, wenn er Hunger hat, schläft, wenn er schläfrig ist, dieses oder jenes tut, wenn ihn diese oder jene Leidenschaften oder Instinkte dazu treiben. Dann gibt es natürlich allerlei Zwischenstufen zwischen diesen zwei Menschenarten, zwischen den zuletzt charakterisierten und denjenigen, die also hohe Idealisten sind und immer mit ihren Absichten und Gedanken und der Größe ihrer Ideale über das hinausgehen, was sie im gewöhnlichen Leben erreichen können. Solche Idealisten sind überhaupt in einer eigentümlichen Lage gegenüber dem Leben. Sie müssen sich ja immer von der Richtigkeit des Wortes überzeugen, daß es in dem Leben des physischen Planes niemals möglich ist, etwas zu tun, was unserem höchsten Ideale auf einem entsprechenden Gebiete wirklich gleichkommt. Das ist das Geständnis, das sich die Idealisten immer wieder machen müssen: Hinter meinen Idealen muß ich doch mit meinen Handlungen zurückbleiben. So könnten wir, wenn wir genau sprechen wollen, sagen: Der Idealist hat immer etwas in seinen Idealen, worüber er denkt, woran er seine Empfindungen knüpft, was größer, weiter ist als seine Handlungen. Das kennzeichnet den Idealisten im geisteswissenschaftlichen Sinne, daß seine Gedanken größer, umfassender sind als seine Handlungen. Fassen Sie das genau ins Auge: ein Idealist ist also der, bei dem die Absichten, die Gedanken größer sind als die möglichen Werke auf dem physischen Plan.

[ 3 ] Let us first consider the difference between a person who, in a certain sense, is full of idealism and sets high ideals for himself, and a person who is generally averse to setting high ideals for himself, who acts, so to speak, only under the external impulses of life—that is to say, eats when hungry, sleeps when sleepy, and does this or that when driven by this or that passion or instinct. Then, of course, there are all sorts of intermediate stages between these two types of people—between those just described and those who are, so to speak, high idealists and who, with their intentions, thoughts, and the grandeur of their ideals, always go beyond what they can achieve in ordinary life. Such idealists are, in general, in a peculiar position with regard to life. They must, after all, constantly convince themselves of the truth of the statement that it is never possible in the life of the physical plane to do anything that truly matches our highest ideal in a given field. This is the confession that idealists must make to themselves time and again: in my actions, I must inevitably fall short of my ideals. So, to speak precisely, we could say: The idealist always has something in his ideals—something he thinks about, to which he attaches his feelings—that is greater and broader than his actions. This is what characterizes the idealist in the spiritual-scientific sense: that his thoughts are greater and more comprehensive than his actions. Consider this carefully: an idealist is thus someone whose intentions and thoughts are greater than the possible works on the physical plane.

[ 4 ] Von dem, welcher in der andern Richtung, die charakterisiert worden ist, lebt, kann man das Entgegengesetzte sagen: daß er nicht so weit denkt, wie er handelt. Wer nur aus Instinkten, Leidenschaften, Trieben, Begierden und so weiter handelt, der hat nicht einen Gedanken, der alles umfaßt, was er in einem gegebenen Augenblick tut, sondern er begeht eine Handlung, ein Werk auf dem physischen Plan, das Dinge, Geschehnisse umfaßt, über die er nicht denkt. Seine Absichten, seine Gedanken sind also weniger weit, sind kleiner als seine Handlungen, seine Werke auf dem physischen Plan.

[ 4 ] Of the person who lives in the opposite way—the one described above—one can say the opposite: that he does not think as far ahead as he acts. Whoever acts solely out of instincts, passions, drives, desires, and so on does not have a single thought that encompasses everything he does at a given moment, but rather commits an act, a deed on the physical plane, that encompasses things and events about which he does not think. His intentions, his thoughts, are thus less far-reaching, are smaller than his actions, his works on the physical plane.

[ 5 ] Nun sagt Ihnen der Hellseher über diese zweierlei Menschen etwa folgendes. Wenn wir eine Handlung, ein Werk im Leben tun, welches größer, umfassender ist als unsere Gedanken, dann wirft dieses Werk in unsern Astralleib hinein immer ein Spiegelbild. Aber überhaupt alles, was wir im Leben tun, wirft ein Spiegelbild in unsern Astralleib. Wir können gar nichts im Leben tun, ohne daß, wenn wir über die Handlung hinausgekommen sind, in unserem Astralleib ein Bild der Handlung ist. Dieses Bild teilt sich später auch dem Ätherleib mit, und so wie es sich dem Ätherleib mitteilt, bleibt es für die AkashaChronik wahrnehmbar, so daß ein Hellseher sehen kann die Spiegelbilder dessen, was ein Mensch im Laufe seines Lebens für Handlungen begangen hat. So bleiben auch von denjenigen Handlungen, deren Gedanken größer sind als die Ausführung, das heißt, die wir aus Idealismus begehen, Spiegelbilder im Astralleib zurück, die sich wieder auf den Ätherleib fortsetzen. Das ist nun aber der große Unterschied zwischen den Spiegelbildern von Handlungen, die aus Instinkten, Trieben, Leidenschaften und so weiter herrühren, und den Spiegelbildern von Handlungen, die wir aus Idealismus begehen: alle Spiegelbilder erster Art haben etwas für unser ganzes Leben in gewisser Beziehung Zerstörendes. Sie sind diejenigen Bilder und Einschlüsse unseres Astralleibes, die nach und nach so auf unser ganzes menschliches Wesen zurückwirken, daß sie dieses menschliche Wesen eigentlich, man möchte sagen, langsam aufzehren. Und diese Spiegelbilder hängen im wesentlichen auch zusammen mit der langsamen Art, wie sich der Mensch in seinem Leben bis zum Tode - also in seinem Wesen auf dem physischen Plan - aufzehrt; während die Spiegelbilder, die aus dem entspringen, was aus unsern Gedanken hinüber geht über unsere Handlungen, etwas Belebendes haben. Sie sind für den Ätherleib in ganz besonderem Maße anregend, denn sie sind diejenigen, welche fortwährend neue belebende Kräfte in unser ganzes Menschenwesen hineinbringen.

[ 5 ] Now the clairvoyant tells you something like this about these two kinds of people. When we perform an action or accomplish a work in life that is greater and more comprehensive than our thoughts, that work always casts a reflection into our astral body. But in fact, everything we do in life casts a reflection into our astral body. We cannot do anything in life without an image of the action remaining in our astral body once we have moved beyond the action itself. This image is later communicated to the etheric body as well, and just as it is communicated to the etheric body, it remains perceptible to the Akashic Records, so that a clairvoyant can see the mirror images of the actions a person has performed in the course of their life. Thus, even of those actions whose thoughts are greater than their execution—that is, those we perform out of idealism—reflections remain in the astral body, which in turn carry over into the etheric body. But this is the great difference between the reflections of actions arising from instincts, drives, passions, and so on, and the reflections of actions we perform out of idealism: all mirror images of the first kind have something in them that is, in a certain sense, destructive to our entire life. They are those images and inclusions in our astral body that gradually react upon our entire human being in such a way that they actually, one might say, slowly consume this human being. And these mirror images are essentially also connected with the slow way in which the human being consumes himself in his life until death—that is, in his being on the physical plane—while the mirror images that arise from what passes over from our thoughts into our actions have something invigorating about them. They are particularly stimulating for the etheric body, for they are the ones that continually bring new life-giving forces into our entire human being.

[ 6 ] So haben wir also nach den Aussagen des Hellsehers in der Tat verwüstende, zerstörende Kräfte in unserem Menschenwesen auf dem physischen Plan, und wir haben auch fortdauernd belebende Kräfte in uns. Nun kann man in der Regel die Wirkungen dieser Kräfte im Leben sehr wohl beobachten. Da gehen zum Beispiel Menschen im Leben herum, die sind mürrisch, hypochondrisch, von düsterem Temperament, werden mit ihrem eigenen Seelenleben nicht fertig, und es wirkt dieses eigene Seelenleben wieder zurück auf ihren physischen Organismus. Sie sind ängstliche Naturen geworden, und man kann beobachten, wie die Angst, wenn sie ewig andauert im Leben, den Organismus in seiner Gesundheit bis ins Physische untergräbt. Kurz, es gehen Menschen herum, die in einem späteren Lebensalter melancholisch, von düsterem Temperament sind, auch wohl mit sich selber schwer fertig werden und in der verschiedensten Weise unausgeglichene Naturen sind. Würden wir nun den Ursachen eines solchen Benehmens nachforschen, so würden wir finden, daß solche Menschen wenig Gelegenheit gehabt haben, in früheren Perioden ihres physischen Daseins das durchzumachen, was man nennen kann: ein idealistisches Übergreifen der Gedanken über die Handlungen des Menschen, ein Größersein der Gedanken, als die Handlungen sind.

[ 6 ] So, according to the clairvoyant’s statements, we do indeed have devastating, destructive forces within our human nature on the physical plane, and we also have constantly life-giving forces within us. Now, as a rule, one can very well observe the effects of these forces in life. For example, there are people walking around in life who are grumpy, hypochondriacal, of a gloomy temperament, unable to cope with their own inner life, and this inner life in turn affects their physical organism. They have become anxious by nature, and one can observe how anxiety, when it persists indefinitely in life, undermines the organism’s health right down to the physical level. In short, there are people who, in later life, are melancholic, of a gloomy temperament, often struggle to cope with themselves, and are unbalanced in various ways. If we were now to investigate the causes of such behavior, we would find that such people have had little opportunity, in earlier periods of their physical existence, to experience what might be called: an idealistic transcendence of thoughts over human actions, a greatness of thought that surpasses action.

[ 7 ] Solche Dinge beobachtet man im gewöhnlichen Leben nicht, aber die Wirkungen stellen sich sehr wohl ein. Die Wirkungen sind da, und gar mancher fühlt sehr stark diese Wirkungen, fühlt sie als seine ganze Lebensstimmung, als seine ganze Seelenstimmung und auch in seiner körperlichen Verfassung. So also könnte man leugnen den Astralleib; seine Folgen kann man nicht leugnen, denn die Folgen erlebt man. Und wenn sich im Leben zeigt, was eben jetzt geschildert worden ist, dann sollten die Menschen einsehen, daß es doch nicht so ganz töricht ist, wenn von solchen Dingen gesprochen wird wie über die Beweisführung, daß die Beobachtung übersinnlicher Geschehnisse zwar nur dem Hellseher möglich ist, daß aber die Offenbarung der hellseherisch beobachteten Tatsachen im Leben immer gezeigt werden kann.

[ 7 ] One does not observe such things in everyday life, but the effects are certainly present. The effects are there, and many people feel these effects very strongly, perceiving them as their entire mood in life, as their entire state of mind, and also in their physical condition. So one might deny the existence of the astral body; but one cannot deny its consequences, for one experiences those consequences. And when what has just been described manifests itself in life, then people should realize that it is not entirely foolish to speak of such things—such as the argument that while the observation of supersensory events is possible only to the clairvoyant, the revelation of the facts observed clairvoyantly can always be demonstrated in life.

[ 8 ] Dagegen sehen wir die Handlungen, die kleiner sind als ihre entsprechenden Gedanken, solche Eindrücke zurücklassen, welche sich im späteren Leben zeigen als Lebensmut, als Lebenssicherheit, als Ausgeglichenheit im Leben. Das setzt sich dann bis ins Innere des physischen Organismus fort, und die Zusammenhänge merkt man erst, wenn man das Leben eine lange Zeit hindurch betrachtet, wenn man nicht nur kurze Abschnitte des Lebens ins Auge faßt. Das ist ja der Fehler vieler wissenschaftlicher Betrachtungen, daß man immer gleich nach dem, was im Laufe der nächsten fünf Jahre geschieht, die Wirkung von diesem oder jenem bestimmt, während sich die Wirkungen vieler Dinge oft erst nach Jahrzehnten zeigen.

[ 8 ] In contrast, we see that actions which are smaller than their corresponding thoughts leave behind impressions that manifest later in life as a zest for life, a sense of security, and a sense of balance. This then extends into the inner workings of the physical organism, and one only notices the connections when one looks at life over a long period of time, rather than focusing on just short segments of life. This is, after all, the flaw in many scientific analyses: that one always determines the effect of this or that based on what happens over the next five years, whereas the effects of many things often only become apparent after decades.

[ 9 ] Nun bedenken Sie, daß man aber im eigentlichen Sinne sagen muß, daß es nicht nur Menschen gibt, die bloß idealistischer Natur sind, die in ihren Gedanken über das einzelne Erlebte hinausgehen, und solche, die nur mit ihren Gedanken immer zurückbleiben hinter ihren Erlebnissen. Denn wir haben zum Beispiel eine große Anzahl von Erlebnissen, die sich nur mit größter Schwierigkeit in Gedanken fassen lassen. So ist Essen und Trinken etwas, was alltäglich aus Trieb, aus Instinkt begangen wird, und es dauert wirklich recht lange, bis der, welcher eine geistige Entwickelung durchmacht, sozusagen auch diese Dinge einbezieht in das geistige Leben. Gerade die alltäglichen Dinge lassen sich am schwersten in das geistige Leben einbeziehen, denn wir haben Essen und Trinken erst dann einbezogen, wenn wir verfolgen können, warum wir, um dem ganzen Laufe der Welt zu dienen, in rhythmischem Gange die physischen Stoffe zu uns nehmen müssen und welche Beziehung die physischen Stoffe zum geistigen Leben haben; wie der Stoffwechsel nicht bloß etwas Physisches ist, sondern durch seinen Rhythmus auch etwas Geistiges hat.

[ 9 ] Now consider that, strictly speaking, one must say that there are not only people who are purely idealistic in nature—whose thoughts go beyond their individual experiences—and those whose thoughts always lag behind their experiences. For we have, for example, a great number of experiences that can be grasped in thought only with the greatest difficulty. Thus, eating and drinking are things that are done daily out of impulse, out of instinct, and it really takes quite a long time before the person undergoing spiritual development incorporates these things, so to speak, into their spiritual life. It is precisely the everyday things that are most difficult to incorporate into spiritual life, for we have only incorporated eating and drinking when we can trace why, in order to serve the entire course of the world, we must take physical substances into ourselves in a rhythmic process, and what relationship the physical substances have to spiritual life; how metabolism is not merely something physical, but through its rhythm also possesses a spiritual aspect.

[ 10 ] Allerdings gibt es einen Weg, um nach und nach diese nicht durch eine äußere stoffliche Notwendigkeit bloß geforderten Dinge zu spiritualisieren. Denn es gibt eben die Möglichkeit, diese Dinge so anzusehen, daß wir uns sagen: Wir essen diese oder jene Frucht, und wir können uns durch unsere spirituellen Erkenntnisse immerhin eine Vorstellung bilden, wie, sagen wir, ein Apfel oder irgendeine andere Frucht zum Ganzen des Universums steht. - Das dauert aber lange. Dann gewöhnen wir uns an, das Essen nicht eine bloß stoffliche Tatsache sein zu lassen, sondern wir gewöhnen uns zu beachten, welchen Anteil zum Beispiel der Geist hat an dem Reifen einer Frucht in den Sonnenstrahlen. Daher vergeistigen wir auch die stofflichsten, alltäglichen Prozesse und gewinnen die Möglichkeit, selbst da mit unsern Gedanken einzudringen; ich kann das hier nur andeuten, wie auch da Gedanken und Ideen hineingebracht werden können. Das ist aber ein weiter Weg, und die wenigsten Menschen können in unserem Zeitalter dazu kommen, über das Essen vollgültig zu denken.

[ 10 ] However, there is a way to gradually spiritualize these things that are not merely dictated by some external material necessity. For there is indeed the possibility of viewing these things in such a way that we say to ourselves: We eat this or that fruit, and through our spiritual insights we can at least form an idea of how, say, an apple or any other fruit relates to the whole of the universe. — But that takes a long time. Then we accustom ourselves not to let eating be merely a material fact, but we accustom ourselves to observe, for example, what part the spirit plays in the ripening of a fruit in the sun’s rays. Thus we spiritualize even the most material, everyday processes and gain the ability to penetrate them with our thoughts; I can only hint at this here, as well as how thoughts and ideas can be introduced into them. But this is a long road, and very few people in our age are able to think fully and validly about eating.

[ 11 ] Wir müssen also sagen, es gibt nicht nur Menschen, die instinktive, und solche, die idealistische Handlungen begehen, sondern bei jedem Menschen teilt sich das Leben so, daß er einen Teil seiner Handlungen in der Weise begeht, daß die Gedanken nicht nachkönnen den Handlungen, und andere, wo die Gedanken und Ideale größeren Umfang haben als die Handlungen. Daher haben wir in uns eine Art von Kräften, die unser Leben abwärts führen; die arbeiten daran, daß unser physischer Organismus nach und nach durch innere Gründe sozusagen dem Tode entgegenreift. Und andere Kräfte haben wir in uns, die unserem Astralleib und Ätherleib belebende Kräfte zuführen, Kräfte, die immerdar wie ein neues Licht in unserem Astralleib und Ätherleib aufleuchten. Diese letzteren sind es, welche wirklich als belebende Kräfte in unserem Ätherleib bleiben. Wenn wir dann nach dem Tode mit unserem geistigen Wesensteil unsere Hüllen verlassen, so haben wir - in den ersten Tagen nach dem Tode - noch den Ätherleib an uns und haben dadurch jenen Rückblick über unser ganzes Leben. Und das beste, was uns nun bleibt wie ein inneres Bildendes, das sind die eben angedeuteten belebenden Kräfte, die dorther stammen, daß unsere Ideen hinübergegangen sind über das Maß unserer Handlungen. Das ist etwas, was so nachwirkt über den Tod hinaus, daß es weitere belebende Kräfte birgt, sogar für die nächstfolgende Inkarnation.

[ 11 ] We must therefore say that there are not only people who act instinctively and those who act idealistically, but that in every person, life is divided in such a way that some of their actions are performed in a manner where thoughts cannot keep up with the actions, and others where thoughts and ideals have a greater scope than the actions. Therefore, we have within us a kind of force that leads our life downward; these forces work to ensure that our physical organism gradually matures, so to speak, toward death for inner reasons. And we have other forces within us that supply our astral and etheric bodies with life-giving forces—forces that continually shine forth like a new light in our astral and etheric bodies. It is these latter forces that truly remain as life-giving forces in our etheric body. When we then leave our physical bodies after death with our spiritual aspect, we still have—in the first days after death—the etheric body with us and thereby have that retrospective view of our entire life. And the best thing that now remains with us as an inner image are the very vitalizing forces just mentioned, which originate from the fact that our ideas have transcended the scope of our actions. This is something that continues to have an effect beyond death, containing further vitalizing forces, even for the next incarnation.

[ 12 ] Daher dürfen wir sagen: Was wir uns so selbst als belebende Kräfte einimpfen, das bleibt im Ätherleibe, ist eine bleibende Jugendkraft. Und wenn wir auch nicht dadurch unser Leben verlängern, so müssen wir doch davon sagen, daß wir unser Leben so gestalten können, daß es länger jugendfrisch bleibt, indem wir viele Handlungen so tun, daß unsere Gedanken das Maß des Handelns übergreifen.

[ 12 ] Therefore, we may say: Whatever we instill in ourselves as vitalizing forces remains in the etheric body and constitutes a lasting force of youth. And even if we do not thereby prolong our lives, we must still say that we can shape our lives so that they remain youthful and fresh for longer by performing many actions in such a way that our thoughts transcend the scope of the action.

[ 13 ] Fragt sich der Mensch, wodurch er solche Ideale gewinnen kann, welche am besten hinübergreifen über unsere Handlungen, so können wir sagen: Das ist möglich, wenn wir uns einlassen auf die Geisteswissenschaft, die uns in die übersinnlichen Welten hineinführt. - Wenn wir zum Beispiel über die Entwickelung des Menschen in unserem Erdensystem aus der geistigen Wissenschaft heraus hören, dann rütteln solche Mitteilungen Kräfte in unsern höhern Wesensgliedern auf, und wir bekommen dadurch gerade in der heutigen Zeit den konkretesten, sichersten Idealismus. Handelt es sich um die Frage: Wozu dient besonders die Geisteswissenschaft neben allem andern? - so können wir sagen: Sie gießt jugendfrische, befruchtende Kräfte in unsern Astralleib und Ätherleib.

[ 13 ] If a person asks how they can attain ideals that most effectively influence our actions, we can say: This is possible if we engage with spiritual science, which leads us into the supersensible worlds. - When, for example, we hear about the development of humanity in our solar system from the perspective of spiritual science, such teachings stir forces within our higher aspects of being, and through this we gain, especially in today’s world, the most concrete and certain form of idealism. If the question is: What purpose does spiritual science serve in particular, apart from everything else?—then we can say: It pours youthful, life-giving forces into our astral and etheric bodies.

[ 14 ] Die Menschen stehen in einer so sehr verschiedenen Weise zu dem, was wir als Geisteswissenschaft bezeichnen, nicht weil sie nicht Hellseher sind als Menschen der Gegenwart, sondern weil sie auch im äußeren Leben nicht beobachten wollen. Sonst würden sie schon sehen, in welch verschiedener Weise sich sogar im Organismus dasjenige äußert, was wir den geistig-seelischen Menschen zunächst nennen. Da könnten die Menschen hören, die draußen in der Welt stehen und sich durchaus als Ungläubige zur Geisteswissenschaft verhalten: Die Geisteswissenschaft sagt, daß der physische Leib des Menschen ausgefüllt ist von irgendwelchen höheren Gliedern. Nehmen wir diese einmal zusammen und nennen sie den seelisch-geistigen Menschen. An diesen seelisch-geistigen Menschen wollen aber die Materialisten der Gegenwart nicht glauben; sie glauben nur an den physischen Menschen und werden dadurch insbesondere in bezug auf den physischen Menschen Materialisten. Unter Materialisten versteht man oftmals nur die theoretischen Materialisten, die nur an die Materie glauben. Aber ich habe es oft und oft betont: Diese theoretischen Materialisten sind nicht die schlimmsten. Denn ein solcher Materialist kann auch der sein, der bloß aus dem Verstande seine Begriffe schöpft, und das sind ohnehin die kurzsichtigsten Begriffe. Daher kann der Materialismus, der bloß auf dem Verstande beruht, nicht so schädlich sein. Wo er aber durch anderes gestärkt wird, kann er recht schlimm werden für das Gesamtleben des Menschen - und besonders, wenn der Mensch mit seinem innersten geistigen Wesenskern an seiner Materie, an seinem Stoffe hängt.

[ 14 ] People have such varied attitudes toward what we call spiritual science, not because they are not clairvoyant as people of the present, but because they do not wish to observe even in their outer lives. Otherwise, they would already see the various ways in which even the human organism expresses what we initially call the spiritual-soul human being. Then people who stand outside in the world and are thoroughly skeptical of spiritual science might hear: Spiritual science says that the human physical body is filled with certain higher members. Let us take these together and call them the soul-spiritual human being. But the materialists of today do not want to believe in this soul-spiritual human being; they believe only in the physical human being and thereby become materialists, particularly with regard to the physical human being. By “materialists,” people often mean only the theoretical materialists who believe only in matter. But I have emphasized this time and again: these theoretical materialists are not the worst. For such a materialist can also be one who derives his concepts solely from the intellect, and these are, in any case, the most short-sighted concepts. Therefore, materialism based solely on the intellect cannot be so harmful. But where it is reinforced by other factors, it can become quite harmful to the whole of a person’s life—and especially when a person clings to their matter, to their physical substance, with their innermost spiritual core.

[ 15 ] Und wie hängt gerade in unserem Zeitalter die Menschheit von dem Stoffe ab! Daß es theoretische Materialisten gibt, ist in bezug auf die Gedanken verführerisch und in bezug auf das, was unsere Seelen eigentlich bilden soll, fatal; aber unser äußeres Leben wird besonders dadurch beeinflußt, daß es für die Lebenspraxis so viele Materialisten gibt. Was ist ein Materialist für die Lebenspraxis? Das ist ein Mensch, der von seiner physischen Materie so abhängig ist, daß er den Winter nur einige Monate hindurch in seinem Kontor zubringen kann und den Sommer, wenn er überhaupt das Leben zubringen will, an der Riviera sein muß. Da ist er ganz abhängig von dem stofflichen Wirken, von den stofflichen Kombinationen. Das sind Materialisten für die Lebenspraxis. Materialist wird man dadurch, daß man vom Stofflichen ganz abhängig ist, daß man gezwungen ist, mit seiner Seele nachzulaufen den Bedürfnissen, die das Leben uns zudiktiert. Das ist noch ein ganz anderer Materialist als der, welcher bloß in Gedanken und Ideen einen Materialismus lebt. Ein theoretischer Idealismus kann vielleicht noch zu der Überzeugung führen, daß der theoretische Materialismus falsch ist. Aber den praktischen Materialisten kurieren, unsere Abhängigkeit vom Stofflichen des physischen Leibes kurieren, das kann nur die wirkliche Versenkung in die Geisteswissenschaft.

[ 15 ] And how dependent humanity is on matter, especially in our age! The existence of theoretical materialists is seductive in terms of ideas and fatal in terms of what is actually supposed to shape our souls; but our external life is particularly influenced by the fact that there are so many materialists in practical life. What is a materialist in practical life? It is a person who is so dependent on physical matter that he can only spend the winter in his office for a few months and must be on the Riviera in the summer, if he wants to live at all. There he is entirely dependent on material activity, on material combinations. These are materialists in practical life. One becomes a materialist by being entirely dependent on the material, by being compelled to let one’s soul chase after the needs that life dictates to us. This is a very different kind of materialist from the one who lives materialism merely in thoughts and ideas. Theoretical idealism may perhaps still lead to the conviction that theoretical materialism is false. But to cure the practical materialist, to cure our dependence on the material aspects of the physical body—this can only be achieved through true immersion in spiritual science.

[ 16 ] Nun könnten die Menschen, wenn sie nur denken wollten — das heißt Gedanken, die nicht nur aus dem Verstande kommen, sondern aus dem Verwandtsein mit der Wirklichkeit -, aus ganz alltäglichen Tatsachen entnehmen, daß ein großer Unterschied besteht, sagen wir, zwischen den einzelnen Gliedern der menschlichen Wesenheit. Ich will Ihnen zunächst einen Unterschied angeben, der zum Beispiel zwischen den Händen und irgendeinem andern Teil, etwa den Schultern des Menschen besteht. Wenn wir den physischen Menschen bloß äußerlich fleischlich untersuchen, so bekommen wir physische Unterschiede, zum Beispiel über den Nervenverlauf und dergleichen. Aber wir müssen doch bedenken, daß wir auf diesen Nervenverlauf einen gewissen Einfluß haben können. Wäre einzig und allein der Nervenverlauf maßgebend für die Seele, so würden wir von den stofflichen Wirkungen abhängig sein, denn Nervenverlauf ist stoffliche Wirkung. Das sind wir nun aber gar nicht, denn wir haben einen Einfluß auf den Nervenverlauf - und in der verschiedensten Art, und zwar deshalb, weil die Art und Weise, wie unser Astralleib und Ätherleib wirken, also der geistig-seelische Teil des Menschen, die allerverschiedenste ist. Wir dürfen nicht einfach sagen: Dein physischer Leib ist ausgefüllt von Astralleib und Ätherleib -, sondern es ist verschieden, je nachdem wir den Teil nehmen, der die Hände ausfüllt, oder den, welchen wir in die Schultern oder dergleichen versetzen. Diese verschiedenen geistigen Teile wirken verschieden; man könnte sich davon leicht überzeugen. Nur muß man sich dann klar sein, daß das, was im Leben geschieht, der Notwendigkeit entspricht, und daß nicht gedankenlos verfolgt werden darf, was im Leben geschieht. Wenn irgendein Luftzug nicht richtig ist, kann der Physiker nachdenken mit seinen Gesetzen, warum sich der Luftzug nach der betreffenden Gegend gerichtet hat. Aber warum denken die Menschen nicht darüber nach, was für eine ungeheure Bedeutung es im Leben hat - es wird sonderbar erscheinen, daß so etwas vorgebracht werden kann, aber gerade an alltäglichen Erscheinungen bewahrheiten sich die Mitteilungen des Hellsehers -, daß sich der Mensch im Leben wirklich öfter die Hände wäscht als irgendeinen andern Teil seines Körpers? Das ist jedenfalls eine Tatsache. Und es ist auch eine Tatsache, daß es Menschen gibt, die sich oft und gern die Hände waschen, und auch wieder solche, die dies weniger gern tun. Eine solche Tatsache, die scheinbar recht trivial ist, hängt wirklich mit den höchsten Erkenntnissen zusammen. Wenn der Hellseher die Hände des Menschen ansieht, sind sie tatsächlich wunderbar verschieden von allen andern Gliedern, selbst vom Gesicht. Aus den Fingern gehen hervor und leuchten weit hinein in den umliegenden Raum strahlende Gebilde des Ätherleibes, die sich bald glimmend, schwach, bald stechend in den Raum hineinerstrecken. Je nachdem der Mensch froh oder betrübt ist, strahlen seine Finger verschieden aus, und anders strahlt der Handrücken aus und anders die innere Handfläche. Und für den, der geistig zu beobachten versteht, ist die Hand, allerdings mit ihrem Ätherteil und ihrem astralischen Teil, ein ganz wunderbares Gebilde. Alles aber in unserer Umgebung, wenn es auch Stoff ist, ist die Offenbarung des Geistes. Stoffliches ist so zum Geistigen zu denken wie Eis zum Wasser; es ist aus dem Geistigen herausgebildet. Wenn Sie wollen, sagen Sie, es ist verdichteter Geist. Treten wir also zu irgendeinem Stoffe in eine Beziehung, so treten wir zu dem Geistigen in dem Stoffe in eine Beziehung. Alle unsere Berührung mit dem Stoffe ist in Wahrheit, soweit es Stoffliches ist, Maya. In Wahrheit ist es der Geist, mit dem wir in irgendeine Beziehung kommen.

[ 16 ] Now, if people were only willing to think—that is, to think thoughts that arise not merely from the intellect but from a connection with reality—they could deduce from entirely everyday facts that there is a great difference, let us say, between the individual members of the human being. I will first point out a difference that exists, for example, between the hands and some other part of the human body, such as the shoulders. If we examine the physical human being merely externally, in a material sense, we find physical differences, for example, regarding the course of the nerves and the like. But we must bear in mind that we can exert a certain influence on this nerve pathway. If the nerve pathway alone were decisive for the soul, we would be dependent on material effects, for the nerve pathway is a material effect. But that is not the case at all, for we do have an influence on the course of the nerves—and in the most varied ways—precisely because the manner in which our astral body and etheric body act, that is, the spiritual-soul part of the human being, is the most diverse. We must not simply say: Your physical body is filled with the astral body and the etheric body—but it varies depending on whether we take the part that fills the hands, or the one we place in the shoulders or the like. These different spiritual parts act differently; one could easily convince oneself of this. One must simply be clear that what happens in life corresponds to necessity, and that one must not thoughtlessly pursue what happens in life. If a certain air current is not right, the physicist can reflect, using his laws, on why the air current has directed itself toward the region in question. But why do people not reflect on what immense significance it has in life—it may seem strange that such a thing can be brought up, but it is precisely in everyday phenomena that the clairvoyant’s insights are confirmed—that in life a person really does wash their hands more often than any other part of their body? That is, in any case, a fact. And it is also a fact that there are people who wash their hands often and gladly, and others who are less inclined to do so. Such a fact, which seems quite trivial, is in reality connected with the highest insights. When the clairvoyant looks at a person’s hands, they are indeed wonderfully different from all other limbs, even from the face. Radiant formations of the etheric body emanate from the fingers and shine far into the surrounding space, extending into the space at times glowing faintly, at times piercingly. Depending on whether a person is happy or sad, their fingers radiate differently, and the back of the hand radiates differently from the inner palm. And for those who know how to observe spiritually, the hand—with its etheric and astral components—is a truly wondrous formation. Yet everything in our surroundings, even if it is matter, is a manifestation of the spirit. Matter is to the spiritual as ice is to water; it is formed out of the spiritual. If you will, you may say it is condensed spirit. So when we enter into a relationship with any material substance, we are entering into a relationship with the spiritual within that substance. All our contact with matter is, in truth, insofar as it is material, Maya. In truth, it is the spirit with which we enter into some kind of relationship.

[ 17 ] Die Art und Weise nun, wie wir mit dem Geiste im Wasser in Beziehung kommen, wenn wir unsere Hände waschen, ist so, daß man sagen muß, wenn man feinsinnig das Leben zu beobachten versteht, daß es einen großen Einfluß hat auf die Gesamtstimmung des Menschen, wie oft er sich die Hände wäscht. Es gibt Naturen, die eine gewisse Vorliebe dafür haben, sich die Hände zu waschen; die können gar nicht anders, wenn irgendein Schmutz an den Händen sein könnte, als ihn wegzuwaschen. Das sind diejenigen Naturen, die in einer ganz bestimmten Weise eine gewisse Beziehung haben -— oder bekommen — namentlich zu ihrer Umgebung. Die beschränkt sich dann nicht bloß auf das Stoffliche, sondern es ist, wie wenn feine Kräfte im Stoffe anfingen auf den Menschen zu wirken, wenn er so die geschilderte Beziehung zwischen seinen Händen und dem Element des Wassers herstellt. Solche Menschen werden uns schon im Leben zeigen, daß sie in einer gewissen Weise — und zwar im gesunden Sinne - sensiblere, sensitive Naturen werden, feiner beobachten zum Beispiel, wenn ein Mensch mit brutalem Sinn oder mit gutem Gemüt in ihrer Nähe steht, während Menschen, welche Schmutz an ihren Händen dulden, tatsächlich auch im Leben gröbere Naturen sind und in der Tat zeigen, daß sie zwischen sich und den intimeren Beziehungen in ihrer Umgebung etwas wie Wände aufrichten. Es ist das so, und Sie können es selbst, wenn Sie wollen, ethnographisch beobachten. Gehen Sie durch die Länder und versuchen Sie die Menschen zu beobachten. Es gibt die Möglichkeit zu sagen, es werden da oder dort mehr die Hände gewaschen. Untersuchen Sie, wie die Beziehungen zwischen den Menschen sind, wie ganz anders Freund zum Freunde, Bekannter zum Bekannten steht in Gegenden, wo die Hände mehr gewaschen werden, als in Gegenden, wo die Menschen eine Mauer aufrichten dadurch, daß sie weniger oft die Hände waschen.

[ 17 ] The way in which we connect with the spirit in water when we wash our hands is such that, if one knows how to observe life with sensitivity, one must say that how often a person washes their hands has a great influence on their overall mood. There are people who have a certain fondness for washing their hands; if there is any dirt on their hands, they simply cannot help but wash it off. These are the people who, in a very specific way, have—or develop—a certain relationship, namely with their surroundings. This is not limited merely to the material realm, but it is as if subtle forces within the material world begin to act upon the person when they establish the described relationship between their hands and the element of water. Such people will already show us in life that they become, in a certain way—and in a healthy sense—more sensitive, perceptive individuals, observing more keenly, for example, whether a person with a brutal disposition or a good-natured one is standing near them, whereas people who tolerate dirt on their hands are in fact coarser in nature and indeed show that they erect something like walls between themselves and the more intimate relationships in their surroundings. This is the case, and you can observe it ethnographically yourself if you wish. Travel through the countries and try to observe the people. It is possible to say that hands are washed more frequently in some places than others. Examine how relationships between people are; how very different the relationship between friend and friend, or acquaintance and acquaintance, is in areas where hands are washed more often than in areas where people erect a wall by washing their hands less frequently.

[ 18 ] Diese Dinge gelten wie ein Naturgesetz. Andere Verhältnisse können das wieder kaschieren. Wenn wir einen Stein durch die Luft werfen, so bildet die Wurflinie eine Parabel. Wird der Stein aber von einem Windstoß erfaßt, dann ist die Parabel nicht da. Das zeigt also, daß man die Methodik kennen muß, um gewisse Verhältnisse richtig zu beobachten. - Aber woher kommt das? Das kommt davon her, daß sich dem hellseherischen Bewußtsein zeigt, wie das Geistig-Seelische fein die Hände durchdringt. Das ist sogar in solchem Maße der Fall, daß insbesondere eine Beziehung des Wassers zu den Händen hergestellt wird. Für das menschliche Antlitz ist das schon weniger der Fall, und am wenigsten für die andern Teile der menschlichen Körperoberfläche. Das ist nun aber nicht so zu verstehen, daß es etwa eine Opposition gegen alles Baden und Waschen darstellen sollte, sondern es soll mehr ein Licht werfen auf die entsprechenden Verhältnisse.

[ 18 ] These things hold true like a law of nature. Other circumstances can obscure this. When we throw a stone through the air, the trajectory forms a parabola. But if the stone is caught by a gust of wind, the parabola is no longer there. This shows, then, that one must know the methodology in order to observe certain conditions correctly. — But where does this come from? It comes from the fact that the clairvoyant consciousness perceives how the spiritual-soul aspect subtly permeates the hands. This is even the case to such an extent that a particular relationship between water and the hands is established. This is less the case for the human face, and least of all for the other parts of the human body’s surface. This should not, however, be understood as representing any opposition to bathing and washing, but rather as shedding light on the relevant conditions.

[ 19 ] Es ist dies ein Beweis dafür, daß sozusagen das Geistig-Seelische des Menschen zu seinen verschiedenen Gliedern in einem ganz verschiedenen Verhältnisse steht, daß es sich sozusagen in den verschiedenen Gliedern in verschiedener Weise ausprägt. Sie werden kaum erleben, daß irgend jemand an seinem Astralleibe dadurch Schaden leidet, daß er sich zu oft die Hände wäscht. Das muß man nur in seiner ganzen Tragweite ins Auge fassen. Das rührt davon her, daß es richtig ist, daß die Beziehung, die hervorgerufen wird zwischen dem Menschen und der Umgebung, namentlich zwischen dem Astralleib des Menschen und der Umgebung, in einer gesunden Weise beeinflußt wird durch das Verhältnis der Hände zum Wasser. Deshalb wird auch auf diesem Felde eine Übertreibung nicht leicht möglich sein. Wenn man nun aber materialistisch denkt und in seinen Gedanken ganz an der Materie klebt, so wird man sagen: Was den Händen gut ist, das ist dem ganzen übrigen Körper billig - und macht dann nicht den Unterschied, der in dieser Feinheit besteht. Und die Folge ist das, was sattsam zutage tritt: daß für gewisse Dinge der menschliche Leib in gleicher Art behandelt wird. So wird zum Beispiel als eine ganz besondere Kurmethode empfohlen, schon den Kindern immer wieder und wieder sogenannte kalte Abreibungen und kalte Abwaschungen in größtem Maße zu machen. Glücklicherweise sehen auch heute die Mediziner schon ein - durch die Folgen auf das Nervensystem -, daß diese Methoden ins Unsinnige getrieben worden sind. Denn — weil das besondere Verhältnis des Astralleibes zu den Händen besteht — was für die Hände gar nicht genug sein kann, das kann bald zu einem schädlichen Experiment ausarten, wo der Körper zum Astralleib in einem andern Verhältnis steht. Wo daher eine gesunde Empfindsamkeit zu der Umgebung hervorgerufen wird durch das Händewaschen, da wird durch die übertriebene Kur von kalten Waschungen und so weiter eine ungesunde Überempfindlichkeit und dergleichen hervorgerufen, die oft besonders, wenn eine solche Kur im Kindesalter betrieben wird für das ganze Leben bleibt. Deshalb kommt es überall darauf an, die Grenzen zu kennen, und die werden nur erkannt werden, wenn die Menschen sich zu der Annahme herbeilassen, daß in dem physischen Leibe eingegliedert sind die höheren Wesensglieder. Dann wird auch anerkannt werden, daß physisch mehr innerlich gelegene Teile — was wir also als Werkzeuge in unserem physischen Leibe haben - in ganz verschiedener Weise versorgt werden von der geistig-seelischen Wesenheit. So wird man anerkennen müssen, daß alles, was zum Charakter der Drüsen gehört, in einem besonderen Maße Werkzeug des Ätherleibes ist, daß aber alles, was zum Nervensystem gehört, zum Beispiel das Gehirn, in einer intimen Beziehung zum Astralleibe steht.

[ 19 ] This is proof that the spiritual-soul aspect of the human being, so to speak, stands in a very different relationship to the various parts of the body, and that it manifests itself, so to speak, in different ways in the various parts. You will hardly ever see anyone’s astral body being harmed by washing their hands too often. One must simply consider this in all its implications. This stems from the fact that it is true that the relationship established between the human being and the environment—namely between the human astral body and the environment—is healthily influenced by the relationship of the hands to water. Therefore, even in this area, excess is not easily possible. But if one thinks materialistically and clings entirely to matter in one’s thoughts, one will say: What is good for the hands is good for the rest of the body—and thus fails to recognize the distinction that lies in this subtlety. And the result is what has become abundantly clear: that for certain things, the human body is treated in the same way. For example, a very specific therapeutic method is recommended that involves subjecting even children, time and again, to so-called cold rubdowns and cold washings to a great extent. Fortunately, even today medical professionals are beginning to realize—due to the effects on the nervous system—that these methods have been taken to absurd extremes. For—because of the special relationship between the astral body and the hands—what may be beneficial for the hands can quickly degenerate into a harmful experiment where the body stands in a different relationship to the astral body. Where, therefore, washing the hands evokes a healthy sensitivity to the surroundings, an excessive regimen of cold washes and the like induces an unhealthy hypersensitivity and similar conditions, which often—especially when such a regimen is practiced in childhood—remain for the rest of one’s life. That is why it is essential everywhere to know the limits, and these will only be recognized when people are willing to accept that the higher members of the being are integrated into the physical body. Then it will also be recognized that the parts of the physical body situated more inwardly—what we thus have as instruments in our physical body—are supplied in very different ways by the spiritual-soul being. Thus, one will have to acknowledge that everything pertaining to the glands is, to a special degree, an instrument of the etheric body, whereas everything pertaining to the nervous system—for example, the brain—stands in an intimate relationship to the astral body.

[ 20 ] Die Menschen werden nie verstehen können, warum gewisse Erscheinungen nun einmal vorhanden sind, wenn sie solche Dinge nicht ins Auge fassen. Erstens irren ja die Materialisten darin, daß sie bei allem nur das Werkzeug ins Auge fassen. Denn alles, was wir erleben, erleben wir im Seelischen, und daß wir ein Bewußtsein davon haben, das hängt davon ab, daß wir im physischen Leibe die Dinge reflektiert erhalten müssen, so daß für das, was da im Seelischen vor sich geht, unser physischer Leib überall nur ein Werkzeug ist. Darüber ist sich der Geisteswissenschafter gewiß klar. Aber in verschiedener Art ist dieser physische Leib ein Werkzeug. Das tritt oft ganz merkwürdig zutage. Ich brauche nur auf eines hinzuweisen: auf die ganz eigenartige Bedeutung unserer Schilddrüse. Sie wissen, die Schilddrüse wurde als ein bedeutungsloses Organ angesehen und bei Erkrankungen entfernt, und in solchen Fällen verfielen die betreffenden Menschen in Idiotie. Wenn aber nur ein Teil der Schilddrüse bleibt, ist diese Gefahr im wesentlichen beseitigt. Das zeigt, daß das Sekret der Schilddrüse notwendig ist, um gewisse Dinge im Seelenleben zu entfalten. Nun besteht das sehr Eigentümliche: Wenn man das Sekret der Schilddrüse des Schafes solchen Menschen eingibt, welche die Schilddrüse verloren haben, dann stellt sich heraus, daß die Idiotie wieder gebessert wird; und wenn man es ihnen wieder entzieht, werden sie wieder idiotisch.

[ 20 ] People will never be able to understand why certain phenomena exist if they do not take such things into account. First of all, materialists are mistaken in that they focus solely on the instrument in everything. For everything we experience, we experience in the soul, and the fact that we are conscious of it depends on our physical body reflecting these things back to us, so that our physical body is merely an instrument for whatever is taking place in the soul. The spiritual scientist is certainly clear about this. But this physical body is an instrument in various ways. This often comes to light in quite remarkable ways. I need only point to one thing: the very peculiar significance of our thyroid gland. You know, the thyroid gland was regarded as an insignificant organ and removed in cases of disease, and in such cases the people concerned fell into idiocy. But if even a part of the thyroid gland remains, this danger is essentially eliminated. This shows that the secretion of the thyroid gland is necessary for the unfolding of certain aspects of the soul life. Now here is something very peculiar: if one administers the secretion of a sheep’s thyroid gland to people who have lost their thyroid gland, it turns out that the idiocy is reversed; and if one withdraws it again, they become idiotic once more.

[ 21 ] Daraus könnte der Materialist für sich sehr vieles finden. Aber der Geisteswissenschafter wird eine solche Sache im richtigen Sinne zu beurteilen verstehen. Wir sehen ja die eigentümliche Tatsache, daß wir es tatsächlich mit einem Organ zu tun haben, dessen Produkt wir direkt unserem Organismus zuführen können, und dann wirkt es. Das ist nur bei allen denjenigen Organen der Fall, die zu unserem Ätherleibe eine intime Beziehung haben, so daß wir sagen können: So etwas wie bei der Schilddrüse ist nur möglich, wo eine bestimmte Beziehung zum Ätherleibe vorhanden ist. Wo eine ähnliche Beziehung zum Astralleibe besteht, ist das gleiche nicht möglich. Ich habe mehr oder weniger schwach begabte Menschen kennengelernt, die Schafsgehirne gegessen haben und nicht gescheit geworden sind. Das zeigt, daß da wieder ein großer Unterschied vorhanden ist zwischen den einzelnen Organen. Dieser Unterschied ist ein so beträchtlicher nur aus dem Grunde, weil die eine Gruppe von Organen zum Ätherleibe, die andere zum Astralleibe eine innere Beziehung hat. Daraus ergibt sich für die geistige Betrachtung noch etwas ganz Besonderes.

[ 21 ] A materialist might find much to his liking in this. But the scholar of the humanities will know how to judge such a matter in the proper sense. We do indeed see the peculiar fact that we are actually dealing with an organ whose product we can introduce directly into our organism, and then it takes effect. This is only the case with all those organs that have an intimate relationship with our etheric body, so that we can say: Something like what happens with the thyroid gland is only possible where a certain relationship to the etheric body exists. Where a similar relationship to the astral body exists, the same is not possible. I have met people of more or less limited intelligence who have eaten sheep brains and have not become any wiser. This shows that there is again a great difference between the individual organs. This difference is so considerable simply because one group of organs has an inner relationship to the etheric body, while the other has an inner relationship to the astral body. From this, something quite special emerges for spiritual contemplation.

[ 22 ] Es scheint doch sehr merkwürdig zu sein, daß der Mensch sozusagen dumm wird, wenn ihm seine Schilddrüse fehlt, und daß er wieder gescheit wird, wenn man ihm Schilddrüsensekret eingibt. Das scheint sonderbar zu sein, weil es doch nicht einzusehen ist, daß sein Gehirn dadurch beeinträchtigt wird. Hier haben Sie aber wieder einen der Punkte, wo die äußere Menschenbeobachtung notwendigerweise hingeführt werden sollte zur geisteswissenschaftlichen Betrachtungsweise. Denn die Geisteswissenschaft zeigt, daß der Mensch gar nicht dumm wird, wenn ihm die Schilddrüse entfernt wird. Aber, werden Sie sagen, die Tatsachen zeigen es doch, daß der Mensch dumm wird! — In Wirklichkeit jedoch werden die Menschen nicht aus dem Grunde idiotisch, weil sie nicht denken können, sondern weil ihnen die Möglichkeit fehlt, ein Werkzeug zu haben in bezug auf Aufmerksamkeit für die Umgebung. Sie werden nicht Idioten, weil ihnen etwa Verstand fehlte, sondern weil sie stumpf werden für ihre Umgebung. Und Stumpfwerden ist etwas anderes als Den-Verstand-Verlieren. Den Verstand braucht man nicht verloren zu haben, wenn man ihn nicht entfaltet, weil man keine Aufmerksamkeit entwickelt. Wenn Sie über ein Ding nicht nachdenken, können Sie sich nicht darüber äußern; Sie müssen erst nachdenken, wenn Sie sich zu einem Dinge stellen wollen. Die Anteilnahme, das lebendige Interesse an den Dingen wird untergraben, wenn die Schilddrüse entfernt wird. Die Menschen werden teilnahmslos gemacht, und zwar so stark, daß sie ihren Verstand nicht anwenden.

[ 22 ] It does seem very strange that a person becomes, so to speak, stupid when his thyroid gland is missing, and that he becomes intelligent again when thyroid secretion is administered to him. This seems strange because it is hard to see how his brain could be impaired by this. Here, however, you have another point where external observation of human beings should necessarily lead to a spiritual-scientific perspective. For spiritual science shows that a person does not become stupid at all when their thyroid gland is removed. But, you will say, the facts show that a person does become stupid! — In reality, however, people do not become idiotic because they cannot think, but because they lack the ability to use a tool for paying attention to their surroundings. They do not become idiots because they lack intelligence, but because they become dull to their surroundings. And becoming numb is different from losing one’s mind. You don’t need to have lost your mind if you don’t use it, because you haven’t developed the ability to pay attention. If you don’t think about something, you can’t express an opinion about it; you have to think first if you want to take a stance on something. Empathy, that lively interest in things, is undermined when the thyroid gland is removed. People are rendered apathetic, to such an extent that they do not use their intellect.

[ 23 ] Da haben Sie den feinen Unterschied zwischen der Anwendung eines Werkzeuges für den Verstand, wie es Gehirnpartien sind, und einem Werkzeuge, das es mit einer Drüse zu tun hat, wie es die Schilddrüse ist. So können wir hineinleuchten in die Art, wie unser physischer Leib Werkzeug ist, und wir werden dadurch auch, wenn wir aufmerksam sind, unterscheiden können zwischen den verschiedenen Partien des menschlichen Wesens.

[ 23 ] Here you have the subtle distinction between the use of a tool for the mind, such as parts of the brain, and a tool related to a gland, such as the thyroid gland. In this way, we can shed light on how our physical body functions as a tool, and if we are attentive, we will also be able to distinguish between the various parts of the human being.

[ 24 ] Auch in bezug auf das Ich können wir sagen, daß es sich in der verschiedensten Art in seinem Verhältnisse zur Umwelt zeigt. Da kommen für das Ich Dinge in Betracht, die ich auch von anderen Gesichtspunkten aus schon darstellte: daß der Mensch mit seinem Ich gleichsam mehr in sich selber hineingeht, daß er versucht, sich selbst gewahr zu werden - oder aber er gibt sich mehr an die Außenwelt hin, versucht mehr, seinen Zusammenhang mit der Außenwelt zu gewinnen. Wir werden in einem gewissen Sinne unseres Ich bewußt, wenn wir unsern Blick in uns hineinversenken, wenn wir Veranlassung haben, darüber nachzudenken, was uns das Leben gibt, was es uns vorenthält und so weiter. Da werden wir unser Ich gewahr. Oder wir werden es gewahr, wenn wir mit der Außenwelt in Beziehung kommen, zum Beispiel wenn wir uns an einem Stein stoßen. Oder wenn wir eine Rechnung nicht lösen können, werden wir unseres Ich gewahr als eines gegenüber den Verhältnissen der Außenwelt ohnmächtigen und so weiter. Kurz, an uns selbst und auch an der Außenwelt können wir unseres Ich gewahr werden. Ganz besonders wird der Mensch seines Ich gewahr, wenn jene magische Beziehung zu den Menschen oder der Umgebung eintritt, die wir als Mitgefühl oder Mitleid bezeichnen. Da zeigt sich so recht, daß eine magische Wirkung von Seele zu Seele geht, von Geist zu Geist. Denn wir fühlen irgend etwas, was draußen in der Welt geschieht, was dort gefühlt, gedacht wird, in uns selber noch einmal, erleben etwas Geistig-Seelisches, was draußen geschieht, in uns selber mit. Da vertiefen wir uns in der Tat in unser Inneres. Denn Mitleid, Mitfühlen ist ein inneres Seelenerlebnis. Und wenn unser Ich diesen Erlebnissen nicht ganz gewachsen ist und nötig hat, sich in sich zu verstärken, so kommt das zum Ausdruck in der Trauer bloß seelisch, in der Träne selbst physisch. Denn die Trauer ist das Seelenerlebnis, durch welches das Ich sich stärker fühlt gegenüber einem äußeren Erlebnis, als es sich fühlen würde bei Teilnahmslosigkeit. Trauer ist immer eine innere Erhöhung der Tätigkeit des Ich. Trauer erhöht den Inhalt, die Intensität des Ich, und die Träne ist nur der Ausdruck dafür, daß das Ich in der Tat in diesem Augenblicke Anstrengung macht, mehr in sich zu erleben als bei Teilnahmslosigkeit.

[ 24 ] We can also say that the ego manifests itself in a wide variety of ways in its relationship to the environment. Here, certain aspects of the ego come into play that I have already described from other perspectives: that the human being, through his ego, so to speak, turns more inward, that he attempts to become aware of himself—or, conversely, he opens himself more to the external world, striving to establish a connection with it. In a certain sense, we become aware of our ego when we turn our gaze inward, when we have cause to reflect on what life gives us, what it withholds from us, and so on. That is when we become aware of our ego. Or we become aware of it when we come into contact with the external world, for example, when we bump into a stone. Or when we cannot solve a problem, we become aware of our ego as one that is powerless in the face of the conditions of the outside world, and so on. In short, we can become aware of our ego through ourselves and also through the outside world. Human beings become particularly aware of their ego when that magical connection to other people or the environment arises, which we call compassion or sympathy. There it becomes truly evident that a magical effect passes from soul to soul, from spirit to spirit. For we feel something that is happening out there in the world—what is felt and thought there—once again within ourselves; we experience something spiritual and soulful that is happening outside, within ourselves as well. There we truly immerse ourselves in our inner being. For compassion, empathy, is an inner soul experience. And if our ego is not quite up to these experiences and needs to strengthen itself, this is expressed in grief purely in the soul, and in the tear itself physically. For grief is the soul experience through which the ego feels stronger in the face of an external experience than it would feel in the face of indifference. Grief is always an inner intensification of the ego’s activity. Grief intensifies the content and intensity of the ego, and the tear is merely the expression of the fact that the ego is indeed making an effort at that very moment to experience more within itself than it would in a state of indifference.

[ 25 ] Daher müssen wir die mit den Weltgeheimnissen tief zusammenhängende dichterische Phantasie auch schon des jungen Goethe bewundern, der des Faust Schwäche in bezug auf sein Ich zuerst soweit kommen läßt, daß Faust sein Ich zunächst physisch auslöschen will, bis zum Selbstmord getrieben wird. Dann klingen die Osterglocken herein, und bei ihren Tönen fängt das Ich an, sich stärker zu fühlen, und das gerade besonders dadurch, daß das Zeichen in Fausts Seele aufsteigt, welches sonst das Zeichen der Trauer ist: «Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!» Das heißt, das was zur Erde gehört, hat sich verstärkt, indem die Tränen in die Augen schießen. Da sehen wir das innere Wachsen der Intensität des Ich in der Träne zum Ausdruck kommen.

[ 25 ] We must therefore admire the poetic imagination of the young Goethe, which is deeply connected to the mysteries of the world; he allows Faust’s weakness regarding his ego to develop to the point where Faust initially seeks to physically annihilate his ego, driven even to the brink of suicide. Then the Easter bells ring out, and at their sound the ego begins to feel stronger, and this precisely because the sign rises in Faust’s soul that is otherwise the sign of mourning: “The tear wells up, the earth has me again!” That is to say, that which belongs to the earth has been strengthened as the tears spring to his eyes. Here we see the inner growth of the ego’s intensity expressed in the tear.

[ 26 ] In dem, was wir als Heiterkeit oder als Lachen kennen, haben wir wieder etwas, was mit der Stärke oder Schwäche unseres Ich in bezug auf sein Verhältnis zur Außenwelt zusammenhängt. Heiterkeit oder Lachen bedeuten, daß unser Ich sich in bezug auf Erkennen und Begreifen der Dinge und Geschehnisse stärker fühlt. Im Lachen zieht sich unser Ich so zusammen, macht seine Intensität so stark, daß es sich leicht hinergießt über die Umgebung. Das kommt in der Heiterkeit, in der Art, wie wir uns belustigen, zum Ausdruck. Damit hängt zusammen, daß Traurigsein im Grunde genommen etwas ist, was der Mensch so erleben soll - oder wenigstens der gesunde Mensch will es so erleben -, daß der Anlaß zu dieser Traurigkeit Wirklichkeit ist. Was in der Wirklichkeit auf uns so wirkt, daß wir mit unserem Anteil uns versucht fühlen müssen, unser Ich zu erhöhen in seiner inneren Tätigkeit, das kann uns eben zur Trauer stimmen. Wenn aber Trauer sich anlehnen soll an etwas, was nicht wirklich ist, sondern was zum Beispiel bloße Darstellung im künstlerischen Sinne von etwas sein will, was nur traurig machen soll, dann fühlt eben der Mensch, der gesund denkt, daß er noch etwas anderes nötig hat, um in solchem Falle einer Ganzheit gegenüberzustehen. Er fühlt, daß zu dem, was ihn traurig stimmt, hinzukommen muß gewissermaßen die Ahnung davon, daß gesiegt werden kann über das, was zur Trauer stimmt, durch das, was das Elend besiegt. Das soll heute nur angedeutet werden, um bei anderer Gelegenheit weiter ausgebildet zu werden. Die gesunde Seele fühlt in sich den Drang, sich zu erheben, sich auszufüllen dem bloßen Elend gegenüber. In bezug auf die bloße Nachahmung des Elendes gehört schon eine nicht ganz gesunde Natur dazu, wenn nicht in dieser Nachahmung eine Aussicht ist, daß ein Sieg über das Elend möglich ist. Daher verlangen wir vom Drama, daß ein Ausblick auf den Sieg der ins Elend verfallenen Persönlichkeit da ist. Das kann nicht eine Ästhetik beliebig dekretieren oder so anordnen, daß nur die trivialen Elemente des Lebens dargestellt werden; sondern hier wird sich zeigen, daß der Mensch, der sich seiner gesunden Natur ganz hingibt, in der Tat sozusagen nicht fertig wird mit seinem Ich, wenn er nur dem nachgeahmten Elend gegenübersteht. Da bedarf es der ganzen Wucht der Wirklichkeit, daß unser Ich sich aufrafft zum Mitleid.

[ 26 ] In what we know as cheerfulness or laughter, we again find something connected to the strength or weakness of our ego in relation to the outside world. Cheerfulness or laughter signify that our ego feels stronger in terms of recognizing and understanding things and events. In laughter, our ego contracts, intensifying itself to such an extent that it easily spills over into the surroundings. This is expressed in cheerfulness, in the way we amuse ourselves. Related to this is the fact that sadness is, fundamentally, something that a person is meant to experience—or at least a healthy person wants to experience it this way—in such a way that the cause of this sadness is reality. Whatever in reality affects us in such a way that we feel compelled, through our own participation, to elevate our ego in its inner activity—that is precisely what can put us in a sorrowful mood. But if sadness is to be based on something that is not real, but rather, for example, a mere artistic representation of something intended solely to make one sad, then a person who thinks clearly feels that they need something else in order to face such a situation as a whole. They feel that what makes them sad must be accompanied, so to speak, by the inkling that what causes sorrow can be overcome by that which conquers misery. This is merely to be hinted at today, to be further developed on another occasion. The healthy soul feels within itself the urge to rise up, to fill itself in the face of mere misery. As for the mere imitation of misery, a not entirely healthy nature is already required if there is no prospect in this imitation that a victory over misery is possible. Therefore, we demand of drama that there be a prospect of victory for the personality that has fallen into misery. This cannot be arbitrarily decreed by an aesthetic or arranged in such a way that only the trivial elements of life are depicted; rather, it will become apparent here that the person who fully surrenders to his healthy nature is, in fact, so to speak, unable to cope with his ego when confronted solely with imitated misery. It takes the full force of reality for our ego to rouse itself to compassion.

[ 27 ] Fühlen Sie es einmal in Ihrer Seele, ob es nicht ganz anders ist in bezug auf das Komische, das in unserer Umgebung wirkt? Es ist in gewisser Beziehung ein Unmensch, der über wirkliche Torheit lachen kann. Über Torheit, die uns in der Realität entgegentritt, können wir nicht lachen. Dagegen ist es ungeheuer gesund, über die Torheit, die dargestellt wird, zu lachen. Und es war ein gesundes Volksheilmittel, als man in Burlesken und komödienhaften Darstellungen den Leuten vorführte, wie die Torheit des menschlichen Handelns sich selbst ad absurdum führt. Wenn unser Ich veranlaßt wird, sich im Lachen zu erheben über das, was man in dem Zusammenhange als Torheit erkennt, dann stärkt es sich gerade an dem Anblick der uns künstlerisch vorgeführten Torheit, und es gibt kein gesunderes Lachen als das, welches hervorgerufen wird durch die künstlerisch dargestellte Torheit, während es unmenschlich ist, über das, was einem Mitmenschen passiert, oder über einen wirklichen Toren zu lachen. Daher gehört verschiedene Gesetzmäßigkeit dazu, wenn diese Dinge als Darstellung richtig wirken sollen.

[ 27 ] Try to feel it in your soul: isn’t it quite different when it comes to the humor that surrounds us? In a certain sense, it takes a monster to laugh at real folly. We cannot laugh at the folly we encounter in reality. On the other hand, it is tremendously healthy to laugh at the folly that is portrayed. And it was a healthy folk remedy when, in burlesques and comedic performances, people were shown how the folly of human action reduces itself to absurdity. When our ego is prompted to rise above, in laughter, what is recognized as folly in that context, it is precisely strengthened by the sight of the folly presented to us artistically, and there is no healthier laughter than that which is evoked by artistically depicted folly, whereas it is inhuman to laugh at what happens to a fellow human being or at a real fool. Therefore, a different set of principles applies if these things are to have the right effect as a representation.

[ 28 ] Wenn wir im Mitleid unser Ich stärker machen sollen, dann müssen wir sagen, das können wir insbesondere dann, wenn uns die mitleiderregende Tatsache in der Wirklichkeit entgegentritt. Dagegen fordern wir von der abgebildeten Wirklichkeit des Elends als gesunde Menschen, daß wir in ihr die Möglichkeit des Sieges über das Elend fühlen. Und beim sterbenden Helden der Tragödie, wo wir zwar den Tod in der Kunst vor Augen haben, fühlen wir, daß in diesem Tode der Sieg des Geistes über die Leiblichkeit symbolisiert wird. Umgekehrt ist die Sache, wenn wir das Ich in ein Verhältnis bringen zur Außenwelt. Da fühlen wir, daß wir gegenüber der Wirklichkeit eigentlich nicht in der rechten Weise zur Heiterkeit oder zum Lachen kommen können, sondern daß wir zum Lachen vorzugsweise durch das kommen, was sich von der Wirklichkeit mehr oder weniger entfernt, was mit der Wirklichkeit mehr oder weniger nichts zu tun hat. Wenn einem Menschen ein Malheur passiert, durch das er nicht besonders geschädigt wird und das mit der Wirklichkeit des Lebens weniger in Zusammenhang steht, dann können wir schon über sein Malheur lachen. Je mehr aber das, was wir erleben, mit der Wirklichkeit in Beziehung steht, desto weniger können wir, wenn sich unser Verständnis darüber erhebt, lachen.

[ 28 ] If we are to strengthen our sense of self through compassion, then we must acknowledge that we can do so most effectively when we are confronted with the reality of the situation that evokes our compassion. In contrast, as healthy individuals, we demand that the depicted reality of misery allow us to sense within it the possibility of triumph over that misery. And in the case of the dying hero of tragedy, where we do indeed have death before our eyes in art, we feel that this death symbolizes the victory of the spirit over the physical. The situation is reversed when we relate the self to the external world. There we feel that, in the face of reality, we cannot actually arrive at cheerfulness or laughter in the proper way, but that we come to laugh primarily through what is more or less removed from reality, what has more or less nothing to do with reality. If a misfortune befalls a person that does not particularly harm them and that has little connection to the reality of life, then we can indeed laugh at their misfortune. But the more what we experience is related to reality, the less we can laugh once our understanding rises above it.

[ 29 ] Daraus sehen wir, daß unser Ich einen verschiedenen Bezug zur Wirklichkeit hat. Diese Verschiedenheit der Tatsachen zeigt uns aber, daß überall ein Zusammenhang auch mit dem Größten vorhanden ist. Wir haben in mancherlei Vorträgen kennengelernt, wie es in der alten Einweihung zwei verschiedene Wege gab, um zum Geistigen zu gelangen: der eine Weg die Versenkung in das eigene Innere, in den Mikrokosmos, der andere das Hinausleben in den Makrokosmos, in die große Welt. Alles nun, was im großen sich auslebt, zeigt sich auch schon in den kleinsten Dingen. Die Art und Weise, wie der Mensch in das eigene Innere hinuntersteigt im alltäglichen Leben, zeigt sich uns in der Trauer; und die Art und Weise, wie der Mensch sich ausleben kann in der Außenwelt, zeigt sich in der Tüchtigkeit, mit der er den Zusammenhang solcher Vorgänge begreifen kann, die ihm im Leben unzusammenhängend entgegentreten. Darin zeigt sich dann das Überlegene des Ich. Und wir haben gehört, daß das Ich, das sich nicht verliert, nur geleitet werden kann durch die Initiation, die in die Außenwelt führt. Sonst verliert es sich und kann, statt in die Außenwelt, nur in ein ihm so erscheinendes Nichts hineinführen.

[ 29 ] From this we see that our ego has a distinct relationship to reality. This diversity of facts, however, shows us that there is a connection everywhere, even with the greatest. We have learned in various lectures that in the ancient initiation there were two different paths to the spiritual: one path was immersion into one’s own inner self, into the microcosm; the other was living out into the macrocosm, into the greater world. Now, everything that unfolds in the greater world is already evident in the smallest things. The way in which a person descends into their own inner self in everyday life is revealed to us in grief; and the way in which a person can express themselves in the outer world is revealed in the ability with which they can grasp the connection between such events that appear to them as disconnected in life. In this, the superiority of the ego is revealed. And we have heard that the ego, which does not lose itself, can only be guided through the initiation that leads into the external world. Otherwise, it loses itself and, instead of leading into the external world, can only lead into what appears to it as nothingness.

[ 30 ] Es hängt das Kleinste mit dem Größten zusammen. Deshalb dürfen wir in der Geisteswissenschaft, wo wir uns so oft in die höchsten Sphären erheben, uns schon einmal in die Sphären begeben, die zum Alltäglichsten gehören. Das nächste Mal wollen wir das heute Charakterisierte benützen, wenn wir uns wieder mit höheren Sphären beschäftigen.

[ 30 ] The smallest things are connected to the greatest. That is why, in spiritual science—where we so often rise to the highest spheres—we must occasionally venture into the spheres that belong to the most everyday of matters. Next time, let us make use of what we have characterized today when we once again engage with higher spheres.