Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124
13 March 1911, Berlin
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Excursions into the Subject of the Gospel of Mark, tr. SOL
Neunter Vortrag
Ninth Lecture
[ 1 ] Wir stehen heute davor, die Betrachtungen, die wir im Laufe dieses Winters in einer ziemlich losen und ungeordneten Anlehnung an das Markus-Evangelium angestellt haben, wenigstens mit einem vorläufigen Abschluß zu bedenken. Es ist ja die Anknüpfung an das, was wir im Laufe des Winters an diesen Abenden vor unsere Seele treten lassen konnten, durch die Worte gegeben, welche in dem vorigen Vortrage hier gesprochen worden sind, die gewissermaßen darauf hinwiesen, wie wir in unserer Zeit in einer Übergangsepoche stehen. Schon der, welcher das geistige Leben heute, man möchte sagen, etwas äußerlich betrachtet, wird bemerken können, daß in vieler Beziehung eine Neuordnung von Begriffen und Ideen sich langsam und allmählich vollzieht, wenn auch die Menschen, welche in dieser Neuordnung mitten drinnen stehen, es selber eigentlich fast gar nicht recht wissen. Wir werden nun gut tun, wenn wir uns für die nächsten Wochen eine Art Gedankenmaterial mitnehmen, einiges von dem, woran wir uns dann orientieren können, wenn wir es weiter in uns verarbeiten. Deshalb sollen am heutigen Abend einige solcher Anregungen gegeben werden, die dann auf Grundlage des schon vorher gegebenen geisteswissenschaftlichen Materiales weiter verarbeitet werden können.
[ 1 ] Today we are about to bring the reflections we have made over the course of this winter—in a rather loose and unstructured way based on the Gospel of Mark—to at least a provisional conclusion. This connection to what we have been able to bring before our souls on these evenings throughout the winter is provided by the words spoken here in the previous lecture, which, in a sense, pointed out how we stand in our time within a transitional epoch. Even those who view spiritual life today—one might say—somewhat from the outside will be able to notice that, in many respects, a reordering of concepts and ideas is taking place slowly and gradually, even if the people who are right in the midst of this reordering hardly realize it themselves. We would do well now to take with us for the coming weeks a kind of material for reflection—some of what we can then use as a guide as we continue to process it within ourselves. That is why some such suggestions will be offered this evening, which can then be further processed on the basis of the spiritual scientific material already presented.
[ 2 ] Da ist es nützlich, wenn von einer Übergangsepoche gesprochen wird, an die große Übergangsepoche zu erinnern, die wir in der Entwickelung der Menschheit erlebt haben und von der wir immer wieder und wieder gesprochen haben, zu erinnern an den einschneidenden Punkt der palästinensischen Ereignisse. Was dieser Punkt zu bedeuten hat, wissen wir aus mancherlei von dem, was schon gesagt worden ist. Wenn wir uns nun eine Vorstellung davon bilden wollen, wie diese wichtigste Idee -— nennen wir es so -, die Christus-Idee, herausgewachsen ist aus den Gedanken und Empfindungen der unmittelbar vorhergehenden Zeit, so tun wir gut, uns daran zu erinnern, daß von demselben Wert, wie der Christus-Gedanke für diejenigen, die zu Bekennern des Christus wurden, vorher bei dem althebräischen Volke die Jahve- oder Jehova-Idee war. Wir wissen auch aus andern Vorträgen, daß Jahve oder Jehova sich für den, der tiefer in das Wesen des Christentums eindringt, eigentlich wesenhaft gar nicht unterscheidet von dem Christus selber. Wir müssen uns vielmehr klarmachen, daß ein inniger Zusammenhang der Jahve-Idee und der Christus-Idee besteht. Es ist schwierig, den ganzen großen Zusammenhang der Christus-Idee und der Jahve-Idee, der ja bis zu einem gewissen Grade in den verflossenen Jahren in den verschiedensten Vorträgen und Vortragszyklen entwickelt worden ist, hier mit ein paar Worten auseinanderzulegen. Aber in einem Bilde läßt sich schon darstellen, wie man sich das Verhältnis zwischen der Christus-Idee und der Jahve-Idee zu denken hat. Wir brauchen nur an ein Bild zu erinnern, auf das auch schon öfter aufmerksam gemacht worden ist, das Bild des Sonnenlichtes, wie es uns entweder direkt von der Sonne erscheint oder, in mondhellen Nächten besonders, vom Vollmonde zurückgestrahlt wird. Es ist ja Sonnenlicht, was uns vom Vollmond als Licht entgegenstrahlt, aber es ist reflektiertes Sonnenlicht, das doch wieder etwas anderes ist als das direkt empfangene Sonnenlicht. Würden wir uns, um einen Vergleich zu haben, den Christus symbolisieren durch das direkte Sonnenlicht, so müßten wir dann Jahve oder Jehova als Sonnenlicht symbolisieren, das vom Monde zurückgeworfen wird, und wir würden damit genau den Sinn, der gemeint ist in der Menschheitsentwickelung, treffen. Deshalb empfinden auch alle, die etwas von den Dingen wissen, diesen Übergang einer vorübergehenden Christus-Spiegelung in Jahve oder Jehova zum Christus selber so, wie der Mensch empfinden würde das Mondenlicht und das Sonnenlicht: ein indirektes Offenbaren ist Jahve oder Jehova, ein direktes Offenbaren derselben Wesenheit ist der Christus. Wir müssen uns nur, wenn wir an Entwickelung denken, dasjenige, was uns im Raume nebeneinander erscheint, hintereinander denken in der Zeit. Und die, welche über diese Dinge vom okkulten Gesichtspunkt aus sprechen, sagen: Wenn wir die Christus-Religion eine SonnenReligion nennen —- und wenn wir uns an das über Zarathustra Gesagte erinnern, dürfen wir diesen Ausdruck gebrauchen -, dann können wir die Jahve-Religion, die vorübergehende Widerspiegelung der Christus-Religion, eine Mond-Religion nennen. So haben wir also in der dem Christentum vorangehenden Zeit die Sonnen-Religion vorbereitet durch eine Mond-Religion. Nun wird das, was jetzt gesagt sein soll, nur derjenige richtig würdigen, der weiß, daß Symbole nicht willkürlich gewählt werden, sondern tief in ihrer Bedeutung begründet sind. Wenn daher irgendeine Weltreligion oder Weltanschauung mit einem Symbol auftritt, so bedeutet dies Symbol für die, welche es wissend gebrauchen, etwas, was wesenhaft mit der betreffenden Weltanschauung zusammenhängt. Nun haben zwar die heutigen Menschen schon vielfach das Symbol des Mondenlichtes für die alte Jahve-Religion verloren, haben auch in gewisser Weise verloren die Bezeichnung der Christus-Religion durch das Sonnensymbol. Aber wo Weltanschauungen auftreten, die völlig durchdrungen sind von der Bedeutung ihrer Wesenheit mit ihren Symbolen, da müssen wir uns auch einen bewußten Zusammenhang mit den Symbolen denken.
[ 2 ] When speaking of a transitional era, it is useful to recall the great transitional era we have experienced in the development of humanity—one we have spoken of time and again—and to recall the turning point of the events in Palestine. We know what this turning point signifies from much of what has already been said. If we now wish to form a conception of how this most important idea— —let us call it that—the Christ idea—grew out of the thoughts and feelings of the immediately preceding era, we would do well to remember that the idea of Yahweh or Jehovah was of the same value to the ancient Hebrew people as the Christ idea was to those who became followers of Christ. We also know from other lectures that, for those who penetrate more deeply into the essence of Christianity, Yahweh or Jehovah is, in essence, no different from Christ himself. Rather, we must realize that there is an intimate connection between the idea of Yahweh and the idea of Christ. It is difficult to explain here in a few words the entire vast connection between the idea of Christ and the idea of Yahweh, which has, to a certain extent, been developed in various lectures and lecture series over the past years. But one image can already illustrate how we are to conceive of the relationship between the idea of Christ and the idea of Yahweh. We need only recall an image that has already been pointed out on several occasions: the image of sunlight as it appears to us either directly from the sun or, especially on moonlit nights, as it is reflected back by the full moon. It is indeed sunlight that shines toward us from the full moon, but it is reflected sunlight, which is nevertheless something different from the sunlight received directly. If, to draw a comparison, we were to symbolize Christ by direct sunlight, then we would have to symbolize Yahweh or Jehovah as sunlight reflected back by the moon, and in doing so we would precisely capture the meaning intended in the development of humanity. That is why everyone who knows anything about these matters perceives this transition from a temporary reflection of Christ in Yahweh or Jehovah to Christ himself in the same way that a person would perceive moonlight and sunlight: Yahweh or Jehovah is an indirect manifestation, while Christ is a direct manifestation of the same being. When we think of evolution, we must simply conceive of what appears to us side by side in space as occurring one after the other in time. And those who speak of these things from an occult point of view say: If we call the Christ religion a sun religion—and if we recall what was said about Zarathustra, we may use this term—then we can call the Yahweh religion, the temporary reflection of the Christ religion, a moon religion. Thus, in the time preceding Christianity, we prepared the Sun religion through a Moon religion. Now, what is about to be said will be properly appreciated only by those who know that symbols are not chosen arbitrarily, but are deeply grounded in their meaning. Therefore, when any world religion or worldview presents itself with a symbol, that symbol signifies, for those who use it with knowledge, something that is essentially connected to the worldview in question. Now, although people today have largely lost the symbol of moonlight for the ancient Yahweh religion, and have also, in a certain sense, lost the designation of the Christ religion through the sun symbol, wherever worldviews appear that are completely imbued with the meaning of their essence through their symbols, we must also conceive of a conscious connection with those symbols.
[ 3 ] Nun erinnern Sie sich, wie ich den Gesamtverlauf der Menschheitsentwickelung charakterisiert habe. Da haben wir zunächst eine absteigende Entwickelung von der Zeit an, wo die Menschen sozusagen herausgestoßen waren aus der geistigen Welt und immer tiefer und tiefer in die Materie herabstiegen. Das ist ein absteigender Weg. Und wir können uns, wenn wir uns im allgemeinen den Weg der Menschheitsentwickelung vorstellen, denken, daß der tiefste Punkt, zu dem die Menschheit herabgestiegen ist, der ist, wo der ChristusImpuls geschah, um nach und nach wieder den absteigenden Weg in einen aufsteigenden zu verwandeln. So haben wir die Menschheitsentwickelung in einem absteigenden und in einem aufsteigenden Weg, und da, wo der tiefste Punkt war, den Christus-Impuls, der dort angefangen hat zu wirken, und der fortwirken wird, bis die Erde am Ende ihrer Mission angelangt sein wird.
[ 3 ] Now, recall how I characterized the overall course of human development. First, we have a downward development beginning at the time when human beings were, so to speak, cast out of the spiritual world and descended deeper and deeper into the material world. This is a downward path. And when we imagine the general course of human development, we can think that the lowest point to which humanity descended is the one where the Christ impulse took effect, gradually transforming the descending path into an ascending one. Thus, we have the development of humanity on a descending and an ascending path, and at the lowest point, the Christ impulse began to work there and will continue to work until the Earth has reached the end of its mission.
[ 4 ] Nun geschieht aber die Entwickelung in einer komplizierten Weise, nämlich so, daß gewisse Entwickelungsvorgänge Fortsetzungen der früher gegebenen Impulse sind. Ein solcher Entwickelungsvor gang ist der, der durch den Christus-Impuls gegeben ist. Der Christus-Impuls ist einmal aufgegangen im Beginne unserer Zeitrechnung und wird sich gleichsam in gerader Linie, immer mächtiger und mächtiger werdend, bis zum Ziele der Menschheitsentwickelung in die Menschenseelen einleben und von dort aus das gesamte Erdenleben ergreifen. Das ist ein Impuls, der einmal gegeben wird und den wir zu verfolgen haben so, daß wir gleichsam eine fortschreitende Linie ziehen und uns sagen können: Alles, was später eintritt, zeigt uns die Entwickelung und den Einfluß dieses Impulses auf einer höheren, auf einer vollkommeneren Stufe. Solcher Impulse gibt es mehrere in der Welt. Aber es gibt auch Impulse und Entwickelungsfaktoren, die anders wirken und die sich nicht in gerader Linie verfolgen lassen. Auch solche andern Impulse haben wir schon genannt. Wir haben in der nachatlantischen Entwickelung unterschieden den uralt-indischen Kulturzeitraum, diesem folgend den urpersischen, den ägyptisch-chaldäischen, dann den griechisch-lateinischen, darauf den unsrigen und, den unsrigen ablösend, zwei weitere Kulturepochen, so daß in diesen sieben Zeiträumen der griechisch-lateinische, in welchen das Christus-Ereignis hereinfällt, mitten drinnen steht.
[ 4 ] However, evolution proceeds in a complex manner, namely in such a way that certain evolutionary processes are continuations of impulses given earlier. One such evolutionary process is that brought about by the Christ impulse. The Christ impulse arose once at the beginning of our era and will, as it were, in a straight line—becoming ever more powerful—take root in human souls until the goal of human development is reached, and from there take hold of the entire life of the Earth. This is an impulse that is given once and that we must follow in such a way that we can, as it were, draw a progressive line and say to ourselves: Everything that occurs later reveals to us the development and influence of this impulse on a higher, more perfect level. There are several such impulses in the world. But there are also impulses and factors of development that operate differently and cannot be traced in a straight line. We have already mentioned such other impulses as well. In post-Atlantean development, we have distinguished the ancient Indian cultural epoch, followed by the ancient Persian, the Egyptian-Chaldean, then the Greco-Latin, followed by our own, and, succeeding ours, two further cultural epochs, so that within these seven periods, the Greco-Latin one—in which the Christ event occurs—stands right in the middle.
[ 5 ] Nun ist es so, daß zum Beispiel in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum, in dem wir jetzt leben, gewisse Vorgänge sich in einer andern Art wiederholen, die im dritten, im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum da waren; so daß wir den Christus-Impuls in der Mitte drinnen stehend haben und der dritte Zeitraum im fünften in einer gewissen Beziehung enthalten ist. Ebenso wird im sechsten Zeitraum der zweite, der urpersische drinnen stecken, und im siebenten der erste, der uralt-indische. Da haben wir es mit übergreifenden Entwickelungsfaktoren zu tun, die sich so in der Entwickelung zeigen werden, daß wir das biblische Wort auf sie anwenden können: Die ersten werden die letzten sein. - Der urindische Zeitraum wird in einer andern Art, aber doch so, daß er erkennbar sein wird, im siebenten wieder aufleben.
[ 5 ] Now, the fact is that, for example, in our fifth post-Atlantean epoch, in which we now live, certain processes are repeating themselves in a different form than they did in the third, the Egyptian-Chaldean epoch; so that we have the Christ impulse standing at the center, and the third epoch is contained within the fifth in a certain sense. Likewise, the second, the primordial Persian epoch, will be contained within the sixth, and the first, the ancient Indian epoch, within the seventh. Here we are dealing with overarching developmental factors that will manifest in evolution in such a way that we can apply the biblical saying to them: The first shall be last. — The ancient Indian epoch will revive in the seventh in a different form, yet in a way that will be recognizable.
[ 6 ] Da haben wir eine andere Art, wie das Frühere in das Spätere eingreift. Wir haben diese andere Art aber dadurch gegeben, daß in der Entwickelung der Menschheit auch wieder noch kleinere Epochen sich bilden. In einer gewissen Weise ragt also das, was in der vorchristlichen Epoche während der althebräischen Kultur da war, auch wieder, den Christus-Impuls gleichsam überschneidend, in die nachchristliche Zeit hinein, so daß dasjenige, was sich in der Jahveoder Jehova-Weltanschauung vorbereitet hat, in einer gewissen Weise nachher wieder aufgetreten ist und, trotzdem die andern Faktoren bestehen, dennoch in die späteren Faktoren hineinspielt.
[ 6 ] Here we have another way in which the earlier period influences the later one. However, this other way arises from the fact that, within the development of humanity, even smaller epochs are formed. In a certain sense, therefore, what existed in the pre-Christian epoch during the ancient Hebrew culture extends once more into the post-Christian era, overlapping the Christ impulse, as it were, so that what was prepared in the Yahweh or Jehovah worldview has, in a certain sense, reappeared later and, despite the existence of other factors, it nevertheless plays a role in the later factors.
[ 7 ] Wenn wir das, was wir heute wegen der Kürze der Zeit nicht entsprechend ausführen können, durch ein Symbolum bezeichnen wollen, so können wir sagen: Empfinden wir die Jahve-Religion durch das Symbolum des Mondes im Gegensatz zur Sonne, so können wir erwarten, daß eine ähnliche Anschauung, übergreifend den ChristusImpuls, wie eine Art von Mond-Religion wieder hereinragt in die spätere Zeit. Das ist in der Tat der Fall. Und wer solche Dinge nicht äußerlich nimmt, wird nicht darüber lachen — denn es ist nicht zu lachen darüber, sondern es ist tatsächlich mit der Symbolik der betreffenden Religion und Weltanschauung zusammenhängend -, daß das Wiederauftauchen der alten Jahve-Mond-Religion zu sehen ist in der Religion des Halbmondes, die in der Zeit nach dem ChristusEreignis wieder auftritt und die Impulse, die vorangingen, hineinwirft in die nachchristliche Zeit. So haben wir die Wiederholung eines früheren Zeitraumes in einem späteren in übergreifender Folge in dem letzten Drittel der griechisch-lateinischen Zeit, die wir ja okkult bis ins 12., bis 13. Jahrhundert hinein rechnen. Das heißt, wir haben nachdem ein Zeitraum von sechs Jahrhunderten ausgesondert ist — vom 6. Jahrhundert angefangen, in die nächste Zeit hereinragend und alle Entwickelungsfaktoren mächtig beeinflussend, in der Religion, welche die Araber von Afrika bis nach Spanien hinübergetragen haben, diejenige Religion, die unter Nichtberücksichtigung des eigentlichen Christus-Impulses eine Art von Wiederaufrichtung der JahveMond-Religion in einer andern Form darstellt. Es ist nun nicht möglich, alle Eigentümlichkeiten dessen auseinanderzusetzen, was da hinübergetragen worden ist. Aber bedeutsam ist es schon, wenn wir uns nur in die Seele schreiben, daß in dieser Weltanschauung des Mahomet zunächst unberücksichtigt geblieben ist der Christus-Impuls, daß diese Mahomet-Religion wirklich eine Art Wiederaufleben war dessen, was man im Einheitsgotte des Mosaismus finden konnte. Nur war dieser Einheitsgott hineingetragen in etwas, was sozusagen von der andern Seite her genommen war, zum Beispiel von der ägyptischchaldäischen Weltanschauung, die eine genaue Kunde gebracht hat von dem Zusammenhange der Vorgänge am Sternenhimmel mit den Weltgeschehnissen. Daher sehen wir, daß alle diejenigen Gedanken und Begriffe, die wir sowohl bei den Ägyptern wie auch bei den Chaldäern, Babyloniern und Assyrern finden, wieder auftreten in der Mahomet-Religion, aber jetzt bei ihr merkwürdig durchleuchtet und durchwellt von dem, was wir nennen können die Einheitsgottheit des Jahve oder Jehova. Es ist wie ein Zusammenschluß, wenn man wissenschaftlich sprechen wollte, wie eine Synthese alles dessen, was die ägyptisch-chaldäischen Priesterweisen gelehrt haben, was in Chaldäa gelehrt worden ist, mit dem, was die althebräische Jahve-Religion lehrte, was uns da im Arabertum entgegentritt.
[ 7 ] If we wish to describe, through a symbol, what we cannot adequately elaborate on today due to time constraints, we can say: If we perceive the Yahweh religion through the symbol of the moon in contrast to the sun, we can expect that a similar view, encompassing the Christ impulse, will re-emerge in later times as a kind of moon religion. This is indeed the case. And anyone who does not take such things superficially will not laugh at them — for it is not a matter for laughter, but is in fact connected with the symbolism of the religion and worldview in question — that the reappearance of the ancient Yahweh-Moon religion can be seen in the religion of the crescent moon, which reemerges in the period following the Christ event and carries the preceding impulses into the post-Christian era. Thus we have the repetition of an earlier period in a later one in an overarching sequence in the last third of the Greco-Latin era, which we indeed count, in occult terms, into the 12th and 13th centuries. That is to say, after a period of six centuries has been set aside — beginning in the 6th century, extending into the next era, and powerfully influencing all factors of development—in the religion that the Arabs carried from Africa to Spain, that religion which, disregarding the actual Christ impulse, represents a kind of re-establishment of the Yahweh-Moon religion in another form. It is not possible now to analyze all the peculiarities of what was carried over there. But it is significant, if we only take to heart, that in this worldview of Mohammed the Christ impulse was initially disregarded, that this Mohammedan religion was truly a kind of revival of what could be found in the monotheism of Mosaic religion. Only this God of Unity was carried into something that was, so to speak, taken from the other side, for example from the Egyptian-Chaldean worldview, which provided precise knowledge of the connection between the events in the starry sky and world events. Hence we see that all those ideas and concepts which we find among the Egyptians as well as among the Chaldeans, Babylonians, and Assyrians reappear in the religion of Muhammad, but now, in it, strangely illuminated and permeated by what we might call the monotheistic deity of Yahweh or Jehovah. It is like a union—to speak scientifically—like a synthesis of everything that the Egyptian-Chaldean priest-sages taught, of what was taught in Chaldea, with what the ancient Hebrew religion of Yahweh taught, which we encounter there in the Arab world.
[ 8 ] Es geschieht nun aber bei einem solchen Zusammenfluß nicht bloß ein Zusammendrängen, sondern es wird auch immer etwas ausgesondert und abgetrennt. Es mußte nun ausgesondert sein alles, was auf hellseherische Beobachtung zurückgeführt war. Ein Kombinieren, ein bloßes intellektuelles Forschen war es, was blieb, so daß die Begriffe der ägyptischen Heilkunde, der chaldäischen Astronomie, die hervorgegangen waren sowohl bei den Ägyptern wie bei den Chaldäern aus altem Hellsehen, uns in intellektualisierter und individualisierter Form entgegentreten im Arabertum des Mahomet. Es wird uns da gleichsam auf dem Umwege durch die Araber etwas Durchgesiebtes in Europa hereingebracht — durchgesiebt, indem alle alten Begriffe, die bei den Ägyptern und Chaldäern geherrscht haben, ihrer hellseherischen Bildergehalte entkleidet und in abstrakte Formen gegossen, uns in der bewundernswürdigen Wissenschaft der Araber, die von Afrika über Spanien in Europa hereindrangen, wieder auftauchten. Hat das Christentum einen Impuls gebracht, der im wesentlichen für die menschliche Seele da war, so war der größte Impuls für den menschlichen Kopf, für den menschlichen Intellekt auf dem Umwege durch die Araber gekommen. Und die, welche nicht genau bekannt sind mit dem Gang der Menschheitsentwickelung, wissen gar nicht, was diese Weltanschauung, die erneut unter dem Symbol des Mondes auftrat, der gesamten Menschheit doch geliefert hat. Kepler und Kopernikus wären nicht möglich gewesen ohne die Impulse, welche durch das Arabertum nach Europa gebracht sind. Denn die ganze Art und Weise des Denkens und Kombinierens von Weltanschauungen mit Hinwegrechnung des alten Hellsehens sehen wir wieder auftreten in der Zeit, als die dritte Kulturperiode ihre Auferstehung feiert in unserem fünften Zeitraum in unserer heutigen Astronomie, in unserer heutigen Wissenschaft überhaupt.
[ 8 ] However, in such a convergence, it is not merely a matter of things coming together; rather, something is always set apart and separated. Everything that had been attributed to clairvoyant observation now had to be set apart. What remained was a process of synthesis, a purely intellectual inquiry, so that the concepts of Egyptian medicine and Chaldean astronomy—which had emerged among both the Egyptians and the Chaldeans from ancient clairvoyance—present themselves to us in an intellectualized and individualized form in the Arab world of Muhammad. It is brought to us in Europe, as it were, by a roundabout route through the Arabs, in a filtered form — refined in that all the ancient concepts that prevailed among the Egyptians and Chaldeans were stripped of their clairvoyant imagery and cast into abstract forms, reappearing to us in the admirable science of the Arabs, who made their way into Europe from Africa via Spain. If Christianity provided an impulse that was essentially for the human soul, then the greatest impulse for the human mind, for the human intellect, came indirectly through the Arabs. And those who are not well acquainted with the course of human development have no idea what this worldview, which reappeared under the symbol of the moon, has actually given to all of humanity. Kepler and Copernicus would not have been possible without the impulses brought to Europe through Arab culture. For the entire manner of thinking and combining worldviews while setting aside the old clairvoyance, we see reappearing in the time when the third cultural period celebrates its resurrection in our fifth epoch—in our present-day astronomy, in our present-day science in general.
[ 9 ] So haben wir auf der einen Seite den Gang der Menschheitsentwikkelung so verlaufend, daß der Christus-Impuls in die europäischen Völker direkt hereindringt durch Griechenland und Italien, und wir haben einen andern Zug südlich davon, der einen Umweg macht, indem er an Griechenland und Italien vorübergeht und sich verbindet mit dem, was auf dem Umwege durch den arabischen Impuls zu uns gekommen ist.
[ 9 ] Thus, on the one hand, we have the course of human development proceeding in such a way that the Christ impulse penetrates directly into the European peoples through Greece and Italy, and we have another current to the south of this, which takes a detour by passing by Greece and Italy and connecting with what has come to us via the Arab impulse.


[ 10 ] Nur aus dem Zusammenfluß der Christus-Religion und der Mahomet-Religion konnte in der Zeit, in welcher wir einen wichtigen Einschnitt zu verzeichnen haben, das entstehen, was eigentlich unsere neuzeitliche Kultur ist. Aus Gründen, die heute nicht auseinandergesetzt werden sollen, müssen wir uns ungefähr sechs bis sechseinhalb Jahrhunderte lange Epochen denken gerade für solche Impulse, wie sie jetzt angeführt worden sind; so daß in der Tat sechs Jahrhunderte nach dem Christus-Ereignis der erneuerte Mondkultus, der arabische Mondkultus aufgeht, sich verbreitet und eindringt nach Europa und bis ins 13. Jahrhundert hinein die Christus-Kultur befruchtet, die ihre direkten Impulse auf andern Wegen erhalten hatte. Da gab es einen fortwährenden Austausch. Wer genau auch nur den äußerlichen Gang der Ereignisse kennt, wer weiß, wie selbst in den Mönchklöstern des westlichen Europas — mochten sie auch das Arabertum bekämpfen - die arabischen Gedanken hineinflossen in die Wissenschaft und sich darin verbreiteten, der weiß auch, daß bis zu dem Zeitpunkt in der Mitte des 13. Jahrhunderts, der wieder etwas Besonderes bedeutet, ein Zusammenströmen der zwei Impulse vorhanden war, des arabischen Impulses und des direkten ChristusImpulses.
[ 10 ] It was only through the convergence of the Christian and Islamic religions during the period marked by a significant turning point that what we now recognize as our modern culture could emerge. For reasons that need not be discussed here, we must conceive of epochs lasting roughly six to six and a half centuries specifically for impulses such as those just mentioned; so that, in fact, six centuries after the Christ event, the renewed moon cult—the Arab moon cult—arises, spreads, and penetrates into Europe, fertilizing Christ culture well into the 13th century, a culture that had received its direct impulses through other channels. There was a continuous exchange. Anyone who is even vaguely familiar with the outward course of events, anyone who knows how, even in the monasteries of Western Europe—though they may have fought against Arab culture —Arabic ideas flowed into science and spread within it, knows also that up to that point in the mid-13th century, which again signifies something special, there was a convergence of the two impulses: the Arabic impulse and the direct Christ impulse.
[ 11 ] Daraus werden Sie entnehmen können, daß in der Tat der direkte Christus-Impuls andere Wege macht als die Impulse, die gleichsam als Seitenströmungen hinfließen, um sich mit ihm zu verbinden. Sechs Jahrhunderte nach dem Christus-Impuls geht im Orient durch Ereignisse, die nicht leicht zu schildern sind, obwohl sie jedem Okkultisten gut bekannt sind — eine neue Kulturwelle an, die sich dann durch Afrika über Spanien in das europäische Geistesleben hineinlebt und sich mit dem Christus-Impuls, der auf andern Wegen kommen mußte, vereinigt. Wir können also sagen, daß das Sonnensymbol mit dem Mondsymbol zusammengeschmolzen ist vom 6., 7. Jahrhundert bis ins 12., 13. Jahrhundert hinein, also wieder in einer Zeitepoche, die etwa sechs Jahrhunderte gedauert hat.
[ 11 ] From this you will be able to see that the direct Christ impulse indeed takes a different path from the impulses that flow toward it, as it were, as side currents, in order to unite with it. Six centuries after the Christ impulse, a new cultural wave arises in the East through events that are not easy to describe, although they are well known to every occultist—a wave that then flows through Africa and Spain into European spiritual life and unites with the Christ impulse, which had to come by other paths. We can therefore say that the sun symbol fused with the moon symbol from the 6th and 7th centuries into the 12th and 13th centuries—that is, again during an epoch that lasted about six centuries.
[ 12 ] Nun gab es, nachdem diese unmittelbare Befruchtung gewissermaßen ihr Ziel erreicht hatte, etwas Neues, das sich allmählich eben seit dem 12., 13. Jahrhundert vorbereitet hat. Es ist interessant, daß selbst heute die äußere Wissenschaft anerkennt, daß damals etwas Unerklärliches durch die Seelen der europäischen Menschheit ging. Die äußere Wissenschaft sagt: etwas Unerklärliches. Der Okkultismus aber sagt, daß in dieser Zeit, gleichsam nachströmend dem direkten Christus-Impuls, in die Seelen sich ergießt auf geistige Weise dasjenige, was der vierte Zeitraum der nachatlantischen Kultur selbst geboten hat; die griechische Zeit bildet eine nachströmende Welle. Das ist das, was wir die Zeit der Renaissancekultur nennen, die nun durch die nächsten Jahrhunderte alles, was schon da war, befruchtet. So sehen wir wieder ein solches Übergreifen nach einer sechshundertjährigen Epoche des Einfließens des Arabertums, sehen, wie dem Arabertum Zeit gelassen wurde, nachdem es eingeflossen war, nach und nach sich einzuleben. Das geschieht dadurch, daß die griechische Zeit, die in den sieben nachatlantischen Kulturepochen neutral mitten drinnen steht, nachläuft in der Renaissancekultur. Und es bedeutet wieder einen Zeitraum von sechs Jahrhunderten, das heißt bis in unsere Zeit herein, daß sozusagen diese griechische Welle sich auslebt. Darin lebt unsere Zeit auch heute noch. Wir leben gewissermaßen heute in einem Übergang, insofern, als wir wieder vor dem Beginn auch einer sechshundertjährigen Kulturwelle stehen, daß sich wieder etwas Neues hereindrängt, daß der Christus-Impuls sich mit etwas Neuem befruchten muß. Nachdem der wiedererneuerte Mondkultus im Halbmondtum Zeit hatte, sich auszuleben durch die Renaissancezeit, ist jetzt die Zeit gekommen, in welcher der Christus-Impuls, der sich eben als der direkte fortpflanzt, aufnehmen soll und muß eine Nebenströmung. Nach dieser Nebenströmung hat unsere Zeit einen ganz besonderen Zug. Nur müssen wir ganz genau dieses Zufließen einer Nebenströmung zu unserer Kultur verstehen. Alle diese Dinge entsprechen durchaus dem richtigen Gange einer okkulten Schematik - okkulten Systematik, könnten wir auch sagen.
[ 12 ] Now, after this direct inspiration had, so to speak, achieved its goal, something new began to take shape, gradually developing from the 12th and 13th centuries onward. It is interesting that even today, conventional science acknowledges that something inexplicable was at work in the souls of the European people at that time. Conventional scholarship says: something inexplicable. Occultism, however, says that during this time, as it were flowing in the wake of the direct Christ impulse, that which the fourth period of post-Atlantean culture itself offered poured into the souls in a spiritual manner; the Greek period forms a subsequent wave. This is what we call the era of Renaissance culture, which now, over the next few centuries, fertilizes everything that was already there. Thus we see once again such a transition following a six-hundred-year epoch of the influx of Arab culture, seeing how Arab culture was given time, after it had flowed in, to gradually settle in. This occurs because the Greek era, which stands neutrally in the middle of the seven post-Atlantean cultural epochs, follows on into Renaissance culture. And it signifies another period of six centuries—that is, extending into our own time—during which this Greek wave, so to speak, runs its course. Our time still lives within this today. We are living, so to speak, in a transition today, insofar as we are once again standing at the beginning of a six-hundred-year cultural wave, in which something new is pushing its way in, and the Christ impulse must be fertilized by something new. Now that the renewed moon cult, in its crescent phase, had time to run its course through the Renaissance, the time has come in which the Christ impulse—which propagates itself directly—must take up a side current. Our time has a very special character due to this secondary current. We must, however, understand precisely how this secondary current flows into our culture. All these things correspond entirely to the proper course of an occult schema—an occult system, we might also say.
[ 13 ] Wenn wir im alten Stil - nicht in dem neuen - aufeinanderfolgend uns denken Mond, Merkur, Venus, Sonne, so würden wir, nachdem der wiedererneuerte Mond-Einfluß da war und die Mondwelle sich sozusagen während der Renaissancezeit ausgelebt hat, jetzt zu erwarten haben einen Einfluß, den wir in ganz richtigem Stil mit dem Symbol des Merkurius bezeichnen müßten. Wir könnten also theoretisch sagen, wir stünden, wenn die Symbolik zutrifft, vor der Perspektive, daß eine Art Merkur-Einfluß in unsere Kultur einströmte, eine Welle, die als Merkur-Einfluß symbolisiert werden kann, wie das Arabertum als Mond-Einfluß charakterisiert werden könnte.
[ 13 ] If we were to think of the Moon, Mercury, Venus, and the Sun in succession in the old style—not the new one—then, after the renewed influence of the Moon had been present and the lunar wave had, so to speak, run its course during the Renaissance, we would now expect an influence that we would have to designate, in a perfectly correct manner, with the symbol of Mercury. We could therefore theoretically say that, if the symbolism holds true, we are facing the prospect of a kind of Mercury influence flowing into our culture—a wave that can be symbolized as a Mercury influence, just as the Arab period could be characterized as a lunar influence.
[ 14 ] Wenn wir Verständnis haben für die Zeitentwickelung, so dürfen wir als den letzten großen Geist, der die Fülle der Wissenschaft, die Fülle des Christentums und die Fülle der Renaissancekultur in seiner Seele vereinigte, Goethe bezeichnen, und wir könnten dann erwarten, daß Goethe uns in seiner Seele darstellen würde den schönen Zusammenschluß der Renaissancekultur, der Wissenschaft, das heißt des Intellektualismus, wie er durch das Arabertum befruchtet worden ist, und des Christentums. Wenn wir nun Goethe so betrachten, wie wir es seit Jahren gewohnt sind, dann kann man leicht erkennen, daß wirklich in Goethes Seele diese Elemente zusammengeflossen sind. Wir dürften aber auch nach den jetzt gemachten Zeitangaben von sechs zu sechs Jahrhunderten erwarten, daß von dem Merkur-Einfluß in Goethes Seele noch nichts vorhanden war und daß das etwas sein muß, was hinter Goethe als etwas Neues aufzutreten hatte. Da ist es interessant — Sie wissen das ja -, daß selbst der Schüler Goethes, Schopenhauer, bereits diesen MerkurEinfluß zeigt. Sie kennen aus meinen Ausführungen, wie in Schopenhauers Philosophie morgenländische Weisheit eingedrungen ist, besonders in Form des Buddhismus. Da nun als das Symbol des Buddhismus der Merkur angesehen wird, so haben Sie entsprechend nach Goethes Zeit den Buddha-Einfluß - indem hier Buddha gleich Merkur und Merkur gleich Buddha ist — ebenso charakterisiert, wie Sie in dem Arabertum den Mondeinfluß charakterisiert haben; so daß wir nunmehr auch bezeichnen können, welches diese Nebenströmung ist, die hereinfließt in den geraden Weg des ChristusImpulses als eine neue Strömung am Beginne einer neuen sechshundertjährigen Epoche: Wir haben als den Nebenstrom anzusehen — wie eine Wiedererneuerung, in neuer Form — den Buddhismus, nur mit den Einschränkungen, die in meinem öffentlichen Vortrage über Buddha dargelegt worden sind.
[ 14 ] If we have an understanding of the course of history, we may describe Goethe as the last great spirit who united within his soul the richness of science, the richness of Christianity, and the richness of Renaissance culture, and we could then expect that Goethe would portray in his soul the beautiful synthesis of Renaissance culture, science—that is, intellectualism, as it was fertilized by Arab culture—and Christianity. If we now view Goethe as we have been accustomed to doing for years, it is easy to see that these elements truly converged in Goethe’s soul. However, based on the time periods of six centuries each that have just been mentioned, we might also expect that the influence of Mercury was not yet present in Goethe’s soul and that this must be something that was to emerge as something new after Goethe. It is interesting—as you know—that even Goethe’s student, Schopenhauer, already exhibits this influence of Mercury. You know from my remarks how Eastern wisdom has penetrated Schopenhauer’s philosophy, particularly in the form of Buddhism. Since Mercury is regarded as the symbol of Buddhism, you have accordingly characterized the Buddha influence—in that here Buddha is equal to Mercury and Mercury is equal to Buddha—in relation to Goethe’s time in the same way that you characterized the lunar influence in Arab culture; so that we can now also designate what this side current is, which flows into the straight path of the Christ impulse as a new current at the beginning of a new six-hundred-year epoch: We must regard Buddhism as the side current—as a renewal in a new form—with the qualifications set forth in my public lecture on Buddha.
[ 15 ] Nun fragen wir uns einmal: Welches ist die direkte Strömung der Kultur in die Zukunft hinein? Das ist die Christus-Strömung. Sie fließt in gerader Linie fort. Und welche Nebenströmungen haben wir zu verzeichnen? Zunächst haben wir die Araber-Strömung, die in die Hauptströmung hereinfließt und dann eine Ruhepause hat und eine Abklärung findet in der Renaissancekultur. Nun haben wir jetzt ein erneuertes Hereinfließen der Buddha-Strömung. Wer diese Tatsachen im rechten Lichte zu sehen vermag, der wird sich nun sagen: Wir haben also aufzunehmen diejenigen Elemente aus der Buddha-Strömung, die bisher nicht innerhalb unserer abendländischen Kultur enthalten waren. Da sehen wir auch schon, wie gewisse Elemente der BuddhaStrömung auch durch die abendländische Geistesentwickelung einströmen, wie zum Beispiel die Ideen von Reinkarnation und Karma. Diese fließen ein. Wohl aber müssen wir uns etwas anderes nun streng in die Seele schreiben: Alle diese Nebenströmungen werden uns niemals Aufschluß geben können über das Zentrale unserer Weltanschauung, unserer Geisteswissenschaft. Den Buddhismus oder irgendeinen vorchristlichen Orientalismus, die in unsere Zeit hereinragen als sich wiedererneuernde Weltanschauungen, etwa zu fragen über das Wesen des Christus, das wäre heute ebenso gescheit, als wenn die christlichen Europäer die Araber, die nach Spanien gekommen waren, über das Wesen des Christus gefragt hätten. Das wußten damals die Menschen in Europa, daß die Christus-Idee ihnen nicht von den Arabern kommen kann, daß die ihnen nichts zu sagen hatten über den Christus. Und wenn sie ihnen etwas sagten, dann waren es solche Ideen, die nicht der wirklichen Christus-Idee entsprachen. Und die verschiedenen Propheten, die als falsche Messiasse aufgetreten sind, die sind im Grunde genommen, ohne Verständnis für den Christus-Impuls zu haben, aus dem Arabertum heraus aufgetaucht, bis auf Sabbatai Zewi. Es muß uns also klar sein, daß diese Nebenströmung des Arabertums zu befruchten hatte durch ganz andere Elemente - und keineswegs durch einen Aufschluß über das Zentralgeheimnis des Christus.
[ 15 ] Now let us ask ourselves: What is the direct current of culture flowing into the future? It is the Christ current. It flows onward in a straight line. And what side currents can we observe? First, we have the Arab current, which flows into the main current and then takes a pause, finding clarification in Renaissance culture. Now we are witnessing a renewed influx of the Buddha current. Anyone who is able to see these facts in the right light will now say to themselves: We must therefore take up those elements from the Buddha current that have not yet been contained within our Western culture. There we can already see how certain elements of the Buddha current are also flowing in through Western spiritual development, such as the ideas of reincarnation and karma. These are flowing in. However, we must now firmly impress upon ourselves something else: All these side currents will never be able to shed light on the core of our worldview, our spiritual science. To ask Buddhism or any pre-Christian Orientalism—which extend into our time as renewing worldviews—about the nature of Christ, for example, would be just as sensible today as if Christian Europeans had asked the Arabs who had come to Spain about the nature of Christ. People in Europe knew back then that the idea of Christ could not come to them from the Arabs, that the Arabs had nothing to say to them about Christ. And if they did say something to them, it was ideas that did not correspond to the true idea of Christ. And the various prophets who appeared as false messiahs—with no understanding of the Christ impulse—emerged from the Arab world, with the exception of Sabbatai Zevi. It must therefore be clear to us that this offshoot of the Arab world was to be enriched by entirely different elements—and by no means through an insight into the central mystery of the Christ.
[ 16 ] In genau derselben Weise müssen wir uns stellen zu jener Strömung, die uns heute als Nebenwelle zufließen muß, als eine alte erneuerte Welle, die Verständnis bringen wird für Reinkarnation und Karma, aber unmöglich ein Verständnis für den Christus-Impuls bringen kann. Denn das wäre ebenso absurd, als wenn die Araber den Europäern die richtige Christus-Idee hätten beibringen wollen. Die Araber aber vermochten viele Ideen von falschen Messiassen den Europäern beizubringen, eben bis auf Sabbatai Zewi. Solche Dinge werden sich wieder erneuern. Denn die Entwickelung der Menschheit kann nur vorwärtsgehen, wenn die Menschen die Stärke haben, diese Dinge zu durchschauen. Und wir müssen die Verhältnisse immer klarer und eindringlicher bewußt durchschauen.
[ 16 ] In exactly the same way, we must approach that current which must flow toward us today as a secondary wave—an ancient wave renewed—that will bring understanding of reincarnation and karma, but which cannot possibly bring an understanding of the Christ impulse. For that would be just as absurd as if the Arabs had wanted to teach Europeans the true idea of Christ. The Arabs, however, were able to impart many ideas of false messiahs to the Europeans, right up to Sabbatai Zevi. Such things will arise again. For the development of humanity can only move forward if people have the strength to see through these things. And we must see through the circumstances with ever greater clarity and urgency.
[ 17 ] Daher wird sich die Tatsache ergeben, daß diejenige Geisteswissenschaft mit der Zentralidee des Christus, die durch das europäische Rosenkreuzertum begründet worden ist, sich durchsetzen wird gegen alle äußeren Widerstände, und gegen alle Versuchungen von außen in die Gemüter der Menschen einziehen wird. Wie die Zentralidee des Christus hineinziehen muß in die Gemüter der Menschen, wie der Christus in die Gesamtevolution nicht nur der Menschheit, sondern der ganzen Welt hineinverwoben ist, das können Sie aus meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» entnehmen. Daraus ergibt sich, welches der gerade sich fortentwickelnde Weg ist. Auf diese gerade sich fortentwickelnde Geisteswissenschaft zu hören, werden alle diejenigen die Möglichkeit haben, die ein solches Wort verstehen wie das Wort des Markus-Evangeliums, das am Schlusse der letzten Stunde angeführt worden ist: «Es werden sich erheben falsche Christusse und falsche Propheten ... Wenn nun jemand zu der Zeit wird zu euch sagen: Siehe, hier ist Christus! siehe, da ist er! so glaubet ihnen nicht!» — Neben diese Strömung aber stellt sich eine andere weiter außen hin, welche glauben wird, über die Natur des Christus besser noch unterrichtet zu sein als die rosenkreuzerische abendländische Geisteswissenschaft. Da werden dann allerlei Ideen und Lehren in die Welt hineingebracht werden von Anschauungen, die ganz natürlich auf dem Boden der Nebenströmung des orientalisierenden Buddhismus erwachsen werden. Aber es wäre das Zeugnis ärgster Schwäche für europäische Seelen, wenn diese europäischen Seelen nicht imstande wären, den Gedanken zu fassen: in der direkten Verfolgung der Christus-Idee habe auch die Merkuroder Buddha-Strömung ebensowenig Licht zu bringen, wie das Arabertum Licht gebracht hat in der direkten Verfolgung der Christus-Idee. Das wird hier nicht aus irgendeinem Glauben, aus irgendwelchen Dogmen oder Phantasmen herausgeholt, sondern aus dem objektiven Gang der Weltentwickelung. Mit Zahlen oder Kulturströmungen, die Sie verfolgen können, wenn Sie wollen, wird Ihnen belegt, daß die Dinge so sein müssen, wie es die okkulte Wissenschaft lehrt.
[ 17 ] Consequently, it will become evident that the spiritual science based on the central idea of Christ—which was founded by the European Rosicrucians—will prevail against all external resistance and will find its way into the hearts and minds of people, despite all external temptations. You can learn from my *Outline of Esoteric Science* how the central idea of Christ must enter into the minds of people, and how Christ is woven into the overall evolution not only of humanity but of the entire world. From this, it becomes clear which path is currently evolving. All those who are able to understand a passage such as the one from the Gospel of Mark cited at the end of the last lecture will have the opportunity to heed this spiritual science that is currently evolving: “False Christs and false prophets will arise … If anyone says to you at that time, ‘Look, here is the Christ!’ or ‘There he is!’ do not believe them!” — Alongside this current, however, another will emerge further afield, which will believe itself to be even better informed about the nature of Christ than the Rosicrucian Western spiritual science. All manner of ideas and teachings will then be brought into the world from views that will grow quite naturally on the soil of the side current of Orientalizing Buddhism. But it would be a sign of the gravest weakness on the part of European souls if these European souls were unable to grasp the thought that, in the direct pursuit of the Christ idea, the Mercury or Buddha current has just as little light to shed as Arabism has shed in the direct pursuit of the Christ idea. This is not derived here from any belief, from any dogmas or fantasies, but from the objective course of world development. With figures or cultural currents that you can trace if you wish, it will be demonstrated to you that things must be as occult science teaches.
[ 18 ] Nun wird aber verknüpft sein mit dem, was da eintritt, die Notwendigkeit, zu unterscheiden zwischen einem orthodoxen altorientalischen Buddhismus, der sozusagen den stehengebliebenen Buddhismus hereinverpflanzen will nach Europa und aus dem stehengebliebenen Buddhismus heraus eine «Christus-Idee» erkennen will, und einem wirklich fortentwickelten Buddhismus. Das heißt, es wird Leute geben, die von Buddha so sprechen werden: Seht hin auf Buddha, wie er ungefähr fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung gelebt hat! Das sind seine Lehren! - Was diese Leute sagen werden, das ist zu vergleichen mit dem, was die Geisteswissenschaft im rosenkreuzerischen Sinne sagen muß: Es liegt an euch, nicht an Buddha, daß ihr heute so sprecht, als ob Buddha auf dem Standpunkt stehengeblieben wäre, wo er war fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung! Glaubt ihr, Buddha sei nicht fortgeschritten? Wenn ihr so sprecht, redet ihr von einer Lehre, die für die damalige Zeit richtig war. Redet immerhin von einer Lehre des Buddha, wie er sie gegeben hat, richtig berechnet für die Zeit fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung! Wir aber schauen hinauf zu dem Buddha, der fortgeschritten ist, und der aus geistigen Höhen seinen fortdauernden Einfluß auf die Menschheitskultur ausübt. Wir schauen hin auf jenen Buddha, den wir bei der Betrachtung des Lukas-Evangeliums darstellen konnten, der seinen Einfluß gewonnen hat auf den Jesus aus der nathanischen Linie des Hauses David; schauen auf den Buddha, wie er sich im Reiche des Geistes weiterentwickelt hat, und der uns heute die maßgebenden Wahrheiten zu sagen hat, auf die es ankommt.
[ 18 ] However, what is now taking place will be linked to the necessity of distinguishing between an orthodox, ancient Eastern Buddhism—which, so to speak, seeks to transplant a static form of Buddhism into Europe and to recognize a “Christ idea” within that static Buddhism—and a Buddhism that has truly evolved. That is to say, there will be people who will speak of Buddha in this way: Look at Buddha, who lived about five to six centuries before our era! These are his teachings! — What these people will say is comparable to what spiritual science in the Rosicrucian sense must say: It is up to you, not Buddha, that you speak today as if Buddha had remained at the stage he was at five to six centuries before our era! Do you believe that Buddha has not progressed? When you speak this way, you are speaking of a teaching that was correct for that time. You are, after all, speaking of a teaching of the Buddha as he gave it, correctly calculated for the time five to six centuries before our era! But we look up to the Buddha who has advanced, and who from spiritual heights exerts his enduring influence on human culture. We look to that Buddha whom we were able to portray in our examination of the Gospel of Luke, who exerted his influence on Jesus of the Nathanic line of the House of David; we look to the Buddha as he has continued to develop in the realm of the spirit, and who today has the authoritative truths to impart to us that matter most.
[ 19 ] Es ist dem Christentum als dogmatischem Christentum im Abendlande etwas ganz Kurioses passiert, das man dadurch charakterisieren könnte, daß man sagt: Es ist durch eine sonderbare Verkettung der Umstände geschehen, daß eine buddhaähnliche Gestalt unter die christlichen Heiligen geraten ist. Sie werden sich erinnern, daß ich einmal von einer Legende gesprochen habe, die in der Zeit des Mittelalters über ganz Europa hin erzählt worden ist: die Legende von Barlaam und Josaphat. Sie erzählt uns ungefähr: Es war einmal ein indischer König, der hatte einen Sohn. Diesen Sohn erzog er zunächst so, daß er weit weg lebte von allem menschlichen Elend, von allem äußeren Erdenleben. Er erzog ihn im Königspalaste, wo er nur dasjenige sah, was zum Glück und Segen der Menschheit führt. Josaphat hieß er; der Name ist mehrfach verändert worden und hat die verschiedensten Formen angenommen: Josaphat, Judasaph, Budasaph. Josaphat lebte bis zu einem bestimmten Alter im königlichen Palast, ohne die Welt kennenzulernen. Dann geschah es eines Tages, daß er hinausgeführt wurde aus dem Palaste seines Vaters, und nun lernte er das Leben kennen. Da sah er zunächst einen aussätzigen Menschen, dann einen Blinden und dann einen Greis. Dann wird weiter erzählt, daß er einen christlichen Einsiediler findet mit Namen Barlaam; der brachte es dahin, daß Josaphat das Christentum begriff und zum Christentum übertrat.
[ 19 ] Something quite curious has happened to Christianity—specifically, dogmatic Christianity in the West—which could be described as follows: through a strange turn of events, a Buddha-like figure has found its way among the Christian saints. You will recall that I once spoke of a legend that was told throughout Europe during the Middle Ages: the legend of Barlaam and Josaphat. It tells us roughly this: Once upon a time there was an Indian king who had a son. He initially raised this son so that he lived far away from all human misery, from all external earthly life. He raised him in the royal palace, where he saw only that which leads to the happiness and blessing of humanity. His name was Josaphat; the name has been altered several times and has taken on various forms: Josaphat, Judasaph, Budasaph. Josaphat lived in the royal palace until a certain age without getting to know the world. Then one day it happened that he was led out of his father’s palace, and now he came to know life. There he first saw a leper, then a blind man, and then an old man. The story continues that he found a Christian hermit named Barlaam; it was through him that Josaphat came to understand Christianity and converted to it.
[ 20 ] Sie werden nicht verkennen, daß in dem Zug, daß einem indischen Könige ein Sohn geboren wird, der fernab von der Welt lebt, dann hinausgeführt wird, einen Aussätzigen, einen Blinden und einen Greis erblickt, Anklänge an die Buddha-Legende selber gegeben sind. Und Sie können auf der andern Seite leicht erkennen, daß im Mittelalter diese Legende fortgeführt wurde, daß ihr aber etwas eingefügt wurde, was dem Buddha nicht zur Last gelegt werden darf: daß er sich zum Christentum bekehren ließ. Das könnte nicht von Buddha gesagt werden.
[ 20 ] You will not fail to recognize that the story of an Indian king whose son is born to live far from the world, is then led out, and sees a leper, a blind man, and an old man, contains echoes of the Buddha legend itself. And on the other hand, you can easily see that this legend was continued in the Middle Ages, but that something was added to it that cannot be attributed to the Buddha: that he converted to Christianity. That could not be said of the Buddha.
[ 21 ] Diese Legende hat ein gewisses Bewußtsein bei den Christen hervorgerufen, bei einzelnen Christen wenigstens, besonders aber bei denen, welche die Verzeichnisse von Heiligen gemacht haben. Man hatte gewußt, daß der Name Josaphat, Jodasaph zusammenhängt mit dem, was wir einen Bodhisattva nennen: Jodasaph, Budasaph geht in gerader Linie in Bodhisattva über. Wir sehen also hier eine merkwürdige, recht tiefe Verbindung einer christlichen Legende mit der Buddha-Gestalt. Wir wissen ja, daß uns die orientalische Legende den Buddha darstellt als übergehend in das Nirwana, und daß er die Krone des Bodhisattva übergeben hatte an seinen Nachfolger, den Maitreya-Buddha, der jetzt ein Bodhisattva ist und später der Buddha der Zukunft sein wird. Als Josaphat scheint uns der Buddha in der Legende wieder. Und die Verbindung des Buddhismus mit dem Christentum wird uns in wunderbarer Weise dadurch charakterisiert, daß einer gesagt hat: Der Josaphat ist ein Heiliger; denn Buddha selber war so heilig, daß er sich im Sinne der Legende vom indischen Königssohn zum Christentum bekehrt hat, so daß man ihn unter die Heiligen einreihen kann - obwohl er wieder von anderer Seite verfolgt worden ist.
[ 21 ] This legend has stirred a certain awareness among Christians, at least among some Christians, but especially among those who have compiled lists of saints. It was known that the name Josaphat, Jodasaph, is connected to what we call a Bodhisattva: Jodasaph, Budasaph, leads directly to Bodhisattva. We thus see here a remarkable, quite profound connection between a Christian legend and the figure of the Buddha. We know, of course, that the Eastern legend depicts the Buddha as passing into Nirvana, and that he had handed over the crown of the Bodhisattva to his successor, the Maitreya Buddha, who is now a Bodhisattva and will later be the Buddha of the future. In the legend, the Buddha appears to us again as Josaphat. And the connection between Buddhism and Christianity is wonderfully characterized by the fact that someone has said: Josaphat is a saint; for Buddha himself was so holy that, in the spirit of the legend, he converted from the Indian prince to Christianity, so that he can be counted among the saints—even though he was persecuted from another quarter.
[ 22 ] Daraus sehen Sie, daß man wußte, wo die spätere Gestalt des Buddhismus beziehungsweise des Buddha zu suchen ist. In den verborgenen Welten ist mittlerweile der Buddhismus mit dem Christentum zusammengeflossen. Und Barlaam, diese merkwürdige Gestalt, hat den Bodhisattva mit dem Christentum bekanntgemacht, so daß wir also den Buddhismus, wenn wir ihn jetzt auch im Sinne dieser Legende als eine fortlebende Weltenströmung verfolgen, nur in der Gestalt wiederaufleben lassen können, in der er jetzt verändert vorhanden ist. Wir müssen von Buddha so reden, wie er heute für uns vorhanden ist, wenn wir hellseherisch seine Eingebungen verstehen. Ebenso wie das Arabertum nicht ein Judentum war, wie der JehovaMond nicht im Arabertum in alter Form und Gestalt wieder aufgetaucht ist, so wird auch der Buddhismus, insofern er in der abendländischen Kultur fruchtbar werden kann, nicht in der alten Gestalt auftauchen, sondern er wird auftauchen in veränderter Gestalt, weil das Spätere nicht bloß als Abklatsch des Früheren wieder auftritt.
[ 22 ] From this you can see that people knew where to look for what would later become Buddhism, or rather the Buddha. In the hidden worlds, Buddhism has now merged with Christianity. And Barlaam, this remarkable figure, introduced the Bodhisattva to Christianity, so that even if we now trace Buddhism—in the sense of this legend—as a living world current, we can only revive it in the form in which it now exists, transformed. We must speak of the Buddha as he exists for us today, if we are to clairvoyantly understand his inspirations. Just as Arabism was not Judaism, just as the Jehovah-Moon did not reappear in Arabism in its old form and shape, so too will Buddhism, insofar as it can bear fruit in Western culture, not reappear in its old form, but will emerge in a transformed form, because what comes later does not merely reappear as a mere imitation of what came before.
[ 23 ] Das sind kurze, abgerissene Sätze, die Anregungen sein sollen für die Entwickelungsgedanken der Menschheit, die Sie ausbauen können. Und ich kann Ihnen die Versicherung geben, wenn Sie alles nehmen an geschichtlichen Erkenntnissen, was Sie nur auffinden können, und die geisteswissenschaftliche Entwickelung Europas wirklich verfolgen, so können Sie sehen, daß wir jetzt an dem Punkt eines Zusammenfließens des Christentums mit dem Buddhismus stehen. Ebenso wie in der charakterisierten Zeit ein Zusammenfließen der Jahve-Religion mit dem Christentum geschah, so stehen wir heute an einem Zusammenfluß des Buddhismus mit dem Christentum. Prüfen Sie das, indem Sie alles nehmen, was Ihnen die Historiker Europas geben können! Prüfen Sie es aber nicht so, wie die Historiker Europas es gewohnt sind, sondern so, daß alle Faktoren dabei in Betracht gezogen werden; dann werden Sie sehen, daß sich alles bewahrheitet, was ich gesagt habe. Nur müßten wir dabei wochenlang davon reden, was uns zuströmen kann aus dem, was uns als rosenkreuzerische Geistesrichtung innerhalb Europas gegeben wird. Aber nicht nur in der Geschichte können Sie die Belege dafür finden, sondern, wenn Sie die Sache richtig anstellen, auch in der Naturwissenschaft der Gegenwart und den verwandten Gebieten. Sie müssen nur in richtiger Weise suchen, dann können Sie finden, daß in der Tat überall die neuen Begriffe sich gleichsam krampfhaft hereindrängen in die Gegenwart und alte Begriffe unbrauchbar werden und verschwinden. Es arbeiten in einer gewissen Beziehung unsere Forscher, unsere Denker mit unbrauchbar gewordenen Begriffen, weil sie im weitesten Maße noch nicht imstande sind, in der richtigen Weise die Nebenströmung aufzunehmen und zu verarbeiten, die sich vorzugsweise charakterisiert in den Ideen von Reinkarnation und Karma und in dem, was die Geisteswissenschaft sonst zu geben vermag. Mit unbrauchbar gewordenen Begriffen arbeiten unsere Forscher. Sie können die Literatur der Gegenwart auf den Gebieten der verschiedensten Wissenschaften durchgehen, da werden Sie sehen, daß es manchmal für den Kenner dieser Sachen geradezu jammervoll ist, wie Tatsachen auf Tatsachen hervorsprießen im wissenschaftlichen Leben und wie die Begriffe überall nicht ausreichen, um diese Tatsachen zu verstehen. So haben wir einen Begriff — diese Dinge können heute hier nur angedeutet werden -, der heute noch eine große Rolle spielt im weitesten Umfange unserer Wissenschaft: der Begriff der Vererbung. So wie dieser Begriff der Vererbung heute noch in den verschiedenen Wissenschaften figuriert und sogar in das populäre Leben eintritt, so ist er einfach nicht zu brauchen. Die Tatsachen werden die Menschen lehren, daß sie zu ihrem Verständnis andere Begriffe erfordern als zum Beispiel den ganz unbrauchbaren Begriff von Vererbung, den man heute im weitesten Umfange der Wissenschaften hat. In bezug auf Vererbung beim Menschen und auch bei verwandten Wesen wird es sich zeigen, daß gewisse Tatsachen, die heute durchaus schon bekannt sind, erst verstanden werden können, wenn ganz andere Begriffe vorhanden sind. Spricht man heute beim Menschen von Vererbung in aufeinanderfolgenden Generationen, so hat man den Glauben, als ob man alles, was an Fähigkeiten beim Menschen auftritt, verfolgen könnte in der Vererbungslinie bei den unmittelbaren Vorfahren. Aber erst der Begriff von Reinkarnation und Karma wird es möglich machen, daß klare Begriffe darüber an Stelle der jetzigen verworrenen treten können. So wird es sich zeigen, daß ein großer Teil dessen, was heute in der Menschennatur ist - ich kann das hier nur andeuten -, überhaupt nichts zu tun hat mit dem, was man den gegenseitigen Einfluß der Geschlechter nennt; während eine verworrene Wissenschaft heute noch lehrt, daß alles, was am Menschen ist, seinen Anfang nimmt von der Empfängnis durch das Zusammentreten des Männlichen und des Weiblichen. Denn es ist gar nicht wahr, daß alles, was im Menschen auftritt, irgend etwas zu tun hat mit dem, was sozusagen unmittelbar physisch zusammentritt in der Verbindung der Geschlechter. Sie werden über diese Sache genauer nachdenken müssen; ich will es ja nur als eine Anregung geben.
[ 23 ] These are short, fragmentary sentences intended to serve as inspiration for humanity’s evolving ideas, which you can expand upon. And I can assure you that if you take all the historical insights you can find and truly follow the spiritual-scientific development of Europe, you will see that we are now at a point where Christianity and Buddhism are converging. Just as a convergence of the religion of Yahweh with Christianity took place in the period described, so today we stand at a convergence of Buddhism with Christianity. Examine this by taking everything that the historians of Europe can offer you! But do not examine it as European historians are accustomed to doing, but rather in such a way that all factors are taken into account; then you will see that everything I have said is true. We would, however, have to spend weeks discussing what can flow to us from what is given to us as the Rosicrucian spiritual tradition within Europe. But you can find evidence of this not only in history, but—if you approach the matter correctly—also in contemporary natural science and related fields. You need only search in the right way, and then you will find that, in fact, everywhere the new concepts are, as it were, forcing their way into the present, while old concepts become obsolete and disappear. In a certain sense, our researchers and thinkers are working with concepts that have become obsolete, because they are still largely unable to properly absorb and process the current of thought that is characterized primarily by the ideas of reincarnation and karma and by what spiritual science has to offer in other respects. Our researchers work with concepts that have become obsolete. You can go through the current literature in the fields of the most diverse sciences, and you will see that for the connoisseur of these matters it is sometimes downright pitiful how facts spring up one after another in scientific life and how the concepts everywhere fall short of understanding these facts. Thus we have a concept—these matters can only be hinted at here today—that still plays a major role across the broadest scope of our science: the concept of heredity. Just as this concept of heredity still figures in the various sciences today and even enters popular life, it is simply unusable. The facts will teach people that they require different concepts for their understanding than, for example, the utterly useless concept of heredity that is currently prevalent across the broadest scope of the sciences. With regard to heredity in humans and also in related beings, it will become apparent that certain facts, which are already quite well known today, can only be understood once entirely different concepts are available. When people today speak of heredity in successive generations, they hold the belief that all human abilities can be traced back through the hereditary line to immediate ancestors. But only the concepts of reincarnation and karma will make it possible for clear concepts to replace the current confusion. Thus it will become evident that a large part of what is in human nature today—I can only hint at this here—has absolutely nothing to do with what is called the mutual influence of the sexes; whereas a confused science still teaches today that everything in the human being has its origin in conception through the union of the male and the female. For it is not at all true that everything that occurs in human beings has anything to do with what, so to speak, comes together immediately in a physical sense in the union of the sexes. You will have to think more deeply about this matter; I merely wish to offer it as a suggestion.
[ 24 ] Wenn Sie den physischen Leib des Menschen betrachten, so wissen Sie, daß derselbe eine alte Geschichte hat: Er hat eine Saturnepoche durchgemacht, eine Sonnenepoche, eine Mondepoche und macht jetzt die Erdepoche durch. Erst während der Mondepoche tritt der Einfluß des Astralleibes auf. Der war vorher nicht da. Dieser Astralleib veränderte natürlich auch den physischen Leib des Menschen. Deshalb erscheint uns der physische Leib heute nicht nur so, wie er durch die Kräfte aus der Saturn- und Sonnenzeit geworden ist, sondern wie er geworden ist unter diesen Kräften und unter den Kräften des Astralleibes und des Ich. Vererbbar durch das Zusammenwirken der Geschlechter ist nur das am physischen Leibe, was mit dem Einfluß des Astralleibes auf den physischen Leib zusammenhängt; während alles, was Gesetze sind, die auf die Saturn- und Sonnenzeit zurückgeführt werden müssen, überhaupt nichts zu tun hat mit dem Zusammenwirken der Geschlechter. Unmittelbar wird ein Teil der Menschennatur empfangen - nicht von dem andern Geschlecht, sondern unmittelbar aus dem Makrokosmos herein. Das heißt, was wir in uns tragen, das stammt gar nicht etwa umfänglich von dem Zusammenwirken der Geschlechter her. Nur das stammt davon her, was von unserem Astralleib an uns abhängt, während wir einen großen Teil der Menschennatur so in uns tragen, daß er empfangen wird — von der Mutter zum Beispiel — unmittelbar aus dem Makrokosmos herein, gar nicht auf dem Umwege durch das andere Geschlecht. Deshalb müssen wir in der menschlichen Natur unterscheiden einen solchen Teil, der auf das Zusammenwirken der Geschlechter zurückgeht, und einen solchen, der unmittelbar von der Mutter empfangen wird vom Makrokosmos herein. Denken Sie einmal, daß ja über diese Dinge erst Klarheit herrschen kann, wenn man einmal reinlich wird scheiden können zwischen den einzelnen Gliedern der Menschennatur, während heute alles durcheinandergeworfen wird. Denn im physischen Leib hat man nicht etwas Abgeschlossenes, sondern das Hereinwirken der Kräfte vom Ätherleib, Astralleib und Ich, und man muß nun wieder unterscheiden solche Kräfte, die direkt dem Einfluß des Makrokosmos zu verdanken sind, und solche, die dem Zusammenwirken der Geschlechter zuzuschreiben sind.
[ 24 ] If you consider the human physical body, you know that it has a long history: it has gone through a Saturn epoch, a Sun epoch, a Moon epoch, and is now going through the Earth epoch. It is only during the Lunar epoch that the influence of the astral body appears. It was not there before. This astral body naturally also transformed the human physical body. That is why the physical body appears to us today not only as it has become through the forces of the Saturn and Sun epochs, but as it has become under these forces and under the forces of the astral body and the ego. The only aspect of the physical body that is inheritable through the interaction of the sexes is that which is connected to the influence of the astral body on the physical body; whereas everything that consists of laws which must be traced back to the Saturn and Sun epochs has absolutely nothing to do with the interaction of the sexes. A part of human nature is received directly—not from the opposite sex, but directly from the macrocosm. This means that what we carry within us does not at all originate extensively from the interaction of the sexes. Only that part comes from it which depends on us through our astral body, while we carry a large part of human nature within us in such a way that it is received—from the mother, for example—directly from the macrocosm, not at all via the detour through the opposite sex. Therefore, we must distinguish within human nature between that part which stems from the interaction of the sexes and that part which is received directly from the mother from the macrocosm. Consider that clarity regarding these matters can only prevail once we are able to make a clear distinction between the individual aspects of human nature, whereas today everything is thrown into confusion. For in the physical body, we do not have something self-contained, but rather the inworking of the forces from the etheric body, the astral body, and the I; and we must now again distinguish between those forces that are directly due to the influence of the macrocosm and those that are attributable to the interaction of the sexes.
[ 25 ] Aber auch durch die väterliche Natur wird etwas aufgenommen, was nichts zu tun hat mit dem Zusammenwirken der Geschlechter. Während gewisse Werkzeuge und Gesetze, die gar nicht auf geschlechtlicher Vererbung beruhen, aufgenommen werden und direkt eingepflanzt werden auf dem Umwege durch den mütterlichen Organismus aus dem Makrokosmos herein, werden auch auf dem Umwege durch den väterlichen Organismus Gesetze aus dem Makrokosmos eingepflanzt, die einen geistigen Weg nehmen. Bei dem, was auf dem Umwege durch den mütterlichen Organismus aufgenommen wird, kann man sich noch sagen: Der mütterliche Organismus ist ein Angriffsmoment. Aber was in bezug auf den Organismus der Mutter gar nicht dem Zusammenwirken der Geschlechter entstammt, das wirkt zusammen mit etwas, was wieder nicht dem Zusammenwirken der Geschlechter, sondern dem Väterlichen entstammt. Es findet also ein Weltenvorgang, ein makrokosmischer Vorgang statt, der sich in den Leibesgliedern und -formen zum Ausdruck bringt. Daher geht man völlig fehl, wenn man heute die Entwickelung des Menschenkeimes einfach so darstellt, daß alles auf Vererbung zurückgeführt wird, während Dinge direkt aus dem Makrokosmos herein aufgenommen werden.
[ 25 ] But something is also absorbed through the paternal nature that has nothing to do with the interaction of the sexes. While certain tools and laws that are not based on sexual inheritance at all are absorbed and directly implanted from the macrocosm via the maternal organism, laws from the macrocosm that take a spiritual path are also implanted via the paternal organism. In the case of what is absorbed via the maternal organism, one can still say: The maternal organism is a point of entry. But what, with regard to the mother’s organism, does not at all stem from the interaction of the sexes, this interacts with something that again does not stem from the interaction of the sexes, but from the paternal. A cosmic process, a macrocosmic process, is thus taking place, which finds expression in the physical members and forms of the body. Therefore, one is completely mistaken if one today depicts the development of the human embryo in such a way that everything is attributed to heredity, while elements are taken in directly from the macrocosm.
[ 26 ] Da haben Sie etwas, wo gegenwärtig die Tatsachen weit hinausgehen über das, was die Wissenschaft an Begriffen hat; denn deren Begriffe rühren noch von älteren Epochen her. Nun können Sie fragen: Zeigt sich denn das irgendwie? — Populäre Bücher sprechen wenig davon, aber auf dem Felde des okkulten Betriebes tritt es klar hervor. Ich möchte Sie da auf etwas aufmerksam machen. Ich kann es zwar nur andeuten, möchte aber anführen, daß es einen sehr merkwürdigen Gegensatz gibt zwischen zwei Naturforschern und Denkern der Gegenwart, der aber auch weitere Kreise gezogen hat und andere ergriffen hat. Und wie die Charaktere der beiden Naturforscher sind, das redet bezeichnend für die ganze Sachlage. Da haben Sie Haeckel, der, weil er seine bewunderungswürdigen Tatsachen mit den urältesten Begriffen verarbeitet, alles auf Vererbung zurückführt und die ganze Keimesgeschichte als auf Vererbung beruhend darstellt. Und ihm steht gegenüber der Forscher, der sich eigentlich nun mehr an die Tatsachen hält und dem daher mit einem gewissen Recht vorgeworfen werden kann, daß er zu wenig denkt, His, der Zoologe und Naturforscher. His war genötigt durch die eigentümliche Art, wie er die Tatsachen verfolgt hat, gegen die Vererbungsidee bei Haeckel aufzutreten und darauf aufmerksam zu machen, daß gewisse Organe und Organformen im Menschen nur zu erklären sind, wenn man davon absieht, daß sie ihren Ursprung dem Zusammenwirken der Geschlechter verdanken; worüber dann Haeckel spottete: Also schreibt Herr His die Entstehung des Menschenleibes einer gewissen jungfräulichen Einwirkung zu, die nicht auf einem Zusammenwirken der Geschlechter beruht! - Das ist aber auch ganz richtig. Denn die wissenschaftlichen Tatsachen drängen heute dazu, daß das, was auf das Zusammenwirken der Geschlechter zurückgeführt werden kann, abzutrennen ist von dem, was direkt vom Makrokosmos hereinkommt — was natürlich für weite Kreise heute eine ganz absurde Idee ist. Daraus sehen Sie, daß heute schon auf dem Boden der Wissenschaft hingedrängt wird zu neuen Begriffen. Wir stehen mitten drinnen in einer Entwickelung, die da sagt: Wollt ihr die Tatsachen, die euch gegeben werden, richtig begreifen, so müßt ihr eine Reihe ganz neuer Begriffe aufnehmen; denn ihr reicht nicht mehr aus mit dem, was ihr als Begriffe aus alten Zeiten überkommen habt.
[ 26 ] Here you have something where the facts currently go far beyond what science has in terms of concepts; for its concepts still stem from earlier eras. Now you may ask: Is this evident in any way? — Popular books say little about it, but in the realm of occult practice it stands out clearly. I would like to draw your attention to something here. I can only hint at it, but I would like to point out that there is a very remarkable contrast between two contemporary natural scientists and thinkers, a contrast that has also had wider repercussions and affected others. And the characters of these two natural scientists speak volumes about the entire situation. There is Haeckel, who, because he processes his admirable facts using the most ancient concepts, attributes everything to heredity and presents the entire history of development as based on heredity. And standing opposite him is the researcher who actually adheres more closely to the facts and who can therefore, with some justification, be accused of thinking too little: His, the zoologist and natural scientist. His was compelled, by the peculiar way in which he pursued the facts, to oppose Haeckel’s idea of heredity and to point out that certain organs and organ forms in humans can only be explained if one disregards the fact that they owe their origin to the interaction of the sexes; to which Haeckel then retorted: So Mr. His attributes the formation of the human body to a certain virginal influence that does not rest on the interaction of the sexes! — But that is also quite correct. For scientific facts today compel us to distinguish between what can be attributed to the interaction of the sexes and what comes directly from the macrocosm—which, of course, is a completely absurd idea to many people today. From this you can see that even on the basis of science, there is already a push toward new concepts. We are in the midst of a development that says: If you wish to correctly understand the facts presented to you, you must adopt a series of entirely new concepts; for what you have inherited as concepts from ancient times is no longer sufficient.
[ 27 ] Daraus sehen wir, wie mit unserer Kultur zusammenfließen muß eine Nebenströmung. Das ist die Merkurströmung, die sich dadurch kundgibt, daß der, welcher heute eine okkulte Entwickelung durchmacht, wie sie in den verschiedenen Vorträgen geschildert worden ist, hineinwächst in die geistige Welt und dadurch gewisse neue Tatsachen erlebt. Die fließen ihm zu, strömen in seine Seele hinein. Wir können ja in einer gewissen Weise dieses Sichhineinleben des Menschen in eine andere Welt bezeichnen oder vergleichen mit dem Fisch, der aus dem Wasser in die Luft versetzt wird, der sich aber zuerst dafür vorbereitet hätte, indem er seine Schwimmblase in Lungen verwandelt hätte. Wir können damit vergleichen das Übergehen eines Menschen von der sinnlichen Anschauung in die geistige Anschauung, indem die Seele sich fähig gemacht hat, gewisse Kräfte in einem andern Element zu gebrauchen. Da zeigt sich dann Verschiedenstes. Heute ist die Luft gerade durchsetzt von denjenigen Gedanken, die es uns nötig machen, die neuen, auf dem physischen Plan auftretenden Tatsachen der Wissenschaft so recht zu begreifen. Man lebt sich hinein als übersinnlicher Forscher in das, was von allen Seiten als Tatsachen herandrängt. Das war noch nicht so, bevor die Nebenströmung aufgetreten ist, von der ich heute sprach. Wir sehen also: Wo wir auch die Sachen anfassen, wir leben in einer außerordentlich wichtigen Epoche, in einer Zeit, in welcher es gar nicht möglich sein wird, weiterzuleben, wenn nicht eben solche Umwälzungen eintreten im menschlichen Denken und Empfinden, wie sie als notwendig erklärt worden sind.
[ 27 ] From this we see how a secondary current must flow together with our culture. This is the Mercury current, which manifests itself in the fact that those who today undergo an occult development, as described in the various lectures, grow into the spiritual world and thereby experience certain new realities. These flow toward them, pouring into their soul. We can, in a certain sense, describe or compare this immersion of the human being into another world to a fish that is taken out of the water and into the air, but which would first have prepared itself for this by transforming its swim bladder into lungs. We can compare this to a human being’s transition from sensory perception to spiritual perception, in that the soul has made itself capable of using certain powers in a different element. Then the most diverse things become apparent. Today, the air is permeated precisely by those thoughts that make it necessary for us to truly comprehend the new facts of science emerging on the physical plane. As a supersensible researcher, one immerses oneself in what is pressing in from all sides as facts. This was not the case before the side current arose, of which I spoke today. We see, then: No matter where we turn, we are living in an extraordinarily important epoch, in a time in which it will not be possible to continue living unless precisely such upheavals occur in human thinking and feeling as have been declared necessary.
[ 28 ] Ich sagte, wie der Fisch, der gewohnt ist, im Wasser zu leben, sich in ein neues Element hineinleben müßte, so müßte der Mensch sich hineinleben in ein neues Element. Aber der Mensch muß sich auch in seinem Denken hineinleben in die Tatsachen, die einmal der physische Plan hervorbringt. Die Menschen, die sich gegen das neue Denken stemmen wollten, wären in einer solchen Lage wie ein Fisch, der einfach aus dem Wasser herausgenommen wird. Man kann nämlich nicht im Wasser bleiben! Und Sie werden dann sehen, in welchem Luftmangel solche Menschen später leben werden in bezug auf geistige Begriffe. Oh, sie werden schnappen nach Luft! Und die Menschen, die in dem heutigen Monismus weiterleben wollen, gleichen solchen Fischen, die den Aufenthalt im Wasser mit dem Aufenthalt in der Luft vertauschen wollten, die aber ihre Kiemen behalten möchten. Einzig und allein die Menschenseelen, die ihre Fähigkeiten verwandeln, die gewachsen sind einer neuen Auffassung der Tatsachen mit den Gedanken, die werden begreifen, was die Zukunft bringen wird.
[ 28 ] I said that just as a fish, which is accustomed to living in water, would have to adapt to a new environment, so too must human beings adapt to a new environment. But human beings must also adapt, in their thinking, to the realities that the physical plane will eventually bring forth. People who want to resist this new way of thinking would be in a situation like that of a fish that is simply taken out of the water. For one cannot remain in the water! And you will then see the intellectual starvation such people will later experience in relation to spiritual concepts. Oh, they will gasp for air! And those who wish to continue living within today’s monism are like fish that want to exchange their life in water for a life in air, yet wish to retain their gills. Only those human souls who transform their faculties—which have grown to accommodate a new understanding of reality through thought—will comprehend what the future holds.
[ 29 ] So fühlen wir uns mit vollem Verständnisse stehend an einem Zusammenfluß zweier Weltanschauungsströmungen. Die eine soll uns bringen eine vertiefte Auffassung des Christus-Problems, des Mysteriums von Golgatha, und die andere soll bringen neue Begriffe und Ideen über die Wirklichkeit. Beide sind in die Notwendigkeit versetzt, zusammenzuströmen in unserer Zeit. Es wird nicht abgehen ohne die schlimmsten Hindernisse. Denn solche Zeiten, in welchen sich Weltanschauungsströmungen begegnen, treffen viele Hemmungen und Hindernisse. Und es wird in einer gewissen Beziehung die der Geisteswissenschaft anhängende Menschheit mitten hineingestellt sein auf den Platz, wo ganz notwendig sich ergeben wird das Verständnis für solche Dinge. Mancher von denjenigen, die sozusagen unsere Mitglieder sind, könnte vielleicht sagen mit Bezug auf eine Auseinandersetzung, wie sie heute gepflogen worden ist: Was du da sagst, ist schwer verständlich, und wir müssen uns erst lange hineinarbeiten. Warum gibst du uns nicht bequemere Kost, die uns von der Spiritualität der Welt überzeugen könnte, die uns bequemer munden könnte? Warum stellst du solche Anforderungen an das Verständnis der Welt? - Mancher könnte so sprechen und sagen: Wie viel schöner wäre es, wenn wir daran glauben dürften, was uns ein aus dem Altertum unmittelbar übertragener Buddhismus sagen kann: daß wir nicht das Christus-Ereignis so zu denken hätten wie den einen Punkt, an dem die Waage hängt, und daß es neben diesem keinen zweiten solchen geben kann, sondern daß eine Wesenheit wie der Christus sich, wie andere Menschen auch, immer wieder und wieder inkarniert. Warum sagst du nicht: Es wird da oder dort einer im Fleische kommen! - statt so etwas zu sagen, daß sich die Menschen fähig machen müssen, die Wiedererneuerung des Ereignisses vor Damaskus zu erleben? Denn wenn uns gesagt wird: Es wird einer im Fleische kommen -, dann können wir sagen: Da, seht hin, da ist er! wir können ihn mit physischen Augen sehen! — Das ist viel leichter verständlich.
[ 29 ] Thus, with full understanding, we feel as though we are standing at the confluence of two currents of thought. One is meant to bring us a deeper understanding of the Christ problem, the mystery of Golgotha, and the other is meant to bring new concepts and ideas about reality. Both are compelled to converge in our time. This will not happen without the gravest obstacles. For in such times, when currents of worldview encounter one another, they face many hindrances and obstacles. And in a certain sense, humanity devoted to spiritual science will be placed right in the midst of the situation where an understanding of such things will inevitably arise. Some of those who are, so to speak, our members might perhaps say, with reference to a discussion such as the one held today: What you are saying there is difficult to understand, and we must first work our way into it for a long time. Why don’t you give us more palatable fare that could convince us of the spirituality of the world, that might be more to our taste? Why do you make such demands on the world’s understanding? - Some might speak this way and say: How much more beautiful it would be if we were allowed to believe what a Buddhism directly transmitted from antiquity can tell us: that we need not think of the Christ event as the single point on which the scales hang, and that there can be no second such point besides this one, but rather that a being like the Christ, like other human beings as well, incarnates again and again. Why don’t you say: “One will come in the flesh here or there!”—instead of saying something like that people must make themselves capable of experiencing the renewal of the event before Damascus? For when we are told: “One will come in the flesh”—then we can say: “There, look, there he is!” We can see him with our physical eyes!—That is much easier to understand.
[ 30 ] Daß so etwas gesagt wird, dafür werden schon andere sorgen. Daß die Wahrheit gesagt werde, das ist die Aufgabe der abendländischen Geisteswissenschaft. Die Wahrheit unter voller Verantwortung aller Vorbedingungen, welche in der Entwickelung liegen, die bis zu unserem heutigen Tag geführt hat. Und wer Bequemlichkeit in der spirituellen Welt will, der mag auf andern Wegen die Spiritualität suchen. Wer aber die Wahrheit finden will, die Wahrheit, wie sie unsere Zeit braucht, nämlich so, daß wir für diese Wahrheit alle Intellektualität benützen, die wir zum alten Hellsehen hinzugewonnen haben bis zu dem Tage, wo das neue Hellsehen wieder anbricht, und wer diese Intellektualität verstehen will, wie sie heute verstanden werden muß, von dem bin ich mir klar, daß er den Weg gehen wird, der mit den Worten, die heute und schon öfter hier gesprochen worden sind, vorgezeichnet ist. Denn nicht darum handelt es sich, daß wir erst sagen, wie wir die Wahrheit haben wollen, sondern daß wir aus dem ganzen Gange der Menschheitsentwickelung in einer bestimmten Epoche wissen, wie diese Wahrheit notwendigerweise in einem bestimmten Zeitpunkt gesagt werden muß. Oh, es wird mancherlei anderes gesagt werden! Sie aber sollen nicht unvorbereitet sein auf mancherlei anderes, was gesagt werden könnte. Deshalb wird nicht verfehlt werden innerhalb der rosenkreuzerischen Geistesentwickelung, immer wieder und wieder auf das hinzuweisen, was auf der vollen Höhe des geistigen Erkennens unserer Zeit stehen kann. Und Sie haben ein Mittel, um das, was an diesem Orte oder sonstwo gesagt werden wird, nicht in einem blinden Glauben aufzunehmen; denn an einen solchen blinden Glauben wird hier, in dieser Geistesströmung, nie appelliert. Sie haben dieses Mittel in dem Gebrauch Ihrer Vernunft, Ihrer Intellektualität, Ihres eigenen Verstandes, und Sie können die Worte hören, die immer wiederholt werden: Nehmen Sie das ganze Leben, die ganze Wissenschaft, alles, was Sie erfahren können, zusammen, und prüfen Sie, was innerhalb der rosenkreuzerischen Geistesströmung gegeben wird! Versäumen Sie nicht, alles zu prüfen, und Sie werden sehen, daß es der Prüfung standhält! Die, welche in der rosenkreuzerischen Geistesrichtung leben werden, die werden wissen, daß es der Prüfung standhält. Aber versäumen Sie nicht, die Prüfung anzulegen! Denn gerade auf dem Boden, wo sich die Gegensätze am meisten berühren, wenn vielleicht das glatte Gegenteil irgendwo auftritt, auf dem Boden der wirklichen Spiritualität darf überhaupt kein Glaube maßgebend sein. Unfruchtbar und totgeboren wird alles sein, was auf einem blinden Glauben beruht. Leicht wäre es, auf einen blinden Glauben zu bauen. Darauf verzichtet der, welcher in den Reihen des abendländischen Geisteslebens steht. Dafür aber baut er auf das, was geprüft werden kann an der Vernunft, an dem Verstand, an der menschlichen Intellektualität. Denn diejenigen, welche da verbunden sind mit den Quellen unserer rosenkreuzerischen Geistesrichtung, die sagen, indem sie aus dieser Geistesrichtung heraus sprechen: So liegen die Dinge nach gewissenhafter Prüfung, und auf dem Boden der Wahrheit soll das Gebäude der Geisteswissenschaft aufgerichtet werden. Der Boden eines leichten Glaubens ist nicht unser Boden. Auf dem Boden sorgfältig geprüfter, wenn vielleicht auch schwieriger Wahrheit wird aufgerichtet sein das Gebäude der Geisteswissenschaft, und die Propheten eines blinden, eines bequemen Glaubens werden das Gebäude der Geisteswissenschaft nicht erschüttern.
[ 30 ] Others will ensure that such things are said. It is the task of Western spiritual science to ensure that the truth is spoken. The truth must be spoken with full responsibility for all the preconditions inherent in the development that has led up to the present day. And whoever seeks comfort in the spiritual world may seek spirituality by other means. But whoever wishes to find the truth—the truth that our time requires, namely, by employing all the intellectual faculties we have gained in addition to the old clairvoyance until the day when the new clairvoyance dawns again— and whoever wishes to understand this intellectual capacity as it must be understood today—I am certain that such a person will follow the path outlined by the words spoken here today and on many previous occasions. For the point is not that we first say how we want the truth to be, but that we know, from the entire course of human development in a particular epoch, how this truth must necessarily be spoken at a specific moment. Oh, many other things will be said! But you should not be unprepared for the many other things that might be said. That is why, within the Rosicrucian spiritual development, we will not fail to point out, again and again, what can stand at the very height of spiritual knowledge in our time. And you have a means of not accepting what is said here or elsewhere on blind faith; for such blind faith is never called for here, in this spiritual current. You have this means in the use of your reason, your intellect, your own understanding, and you can hear the words that are repeated time and again: Take all of life, all of science, everything you can experience, and examine what is given within the Rosicrucian spiritual current! Do not fail to examine everything, and you will see that it stands up to scrutiny! Those who will live in the Rosicrucian spiritual tradition will know that it stands up to scrutiny. But do not fail to apply the test! For precisely on the ground where opposites touch most closely, where perhaps the exact opposite appears somewhere, on the ground of true spirituality, no faith whatsoever may be decisive. Everything based on blind faith will be fruitless and stillborn. It would be easy to build upon blind faith. Those who stand in the ranks of Western spiritual life renounce this. Instead, they build upon what can be tested by reason, by the mind, by human intellectuality. For those who are connected to the sources of our Rosicrucian spiritual tradition—speaking from within this tradition—say: This is how things stand after conscientious examination, and the edifice of spiritual science is to be erected upon the foundation of truth. The ground of facile faith is not our ground. Upon the foundation of carefully examined, though perhaps more difficult, truth the edifice of spiritual science will be erected, and the prophets of a blind, complacent faith will not shake the edifice of spiritual science.
