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Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124

13 March 1911, Berlin

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Neunter Vortrag

9. The Moon-Religion of Jahve and its Reflection in Arabism

[ 1 ] Wir stehen heute davor, die Betrachtungen, die wir im Laufe dieses Winters in einer ziemlich losen und ungeordneten Anlehnung an das Markus-Evangelium angestellt haben, wenigstens mit einem vorläufigen Abschluß zu bedenken. Es ist ja die Anknüpfung an das, was wir im Laufe des Winters an diesen Abenden vor unsere Seele treten lassen konnten, durch die Worte gegeben, welche in dem vorigen Vortrage hier gesprochen worden sind, die gewissermaßen darauf hinwiesen, wie wir in unserer Zeit in einer Übergangsepoche stehen. Schon der, welcher das geistige Leben heute, man möchte sagen, etwas äußerlich betrachtet, wird bemerken können, daß in vieler Beziehung eine Neuordnung von Begriffen und Ideen sich langsam und allmählich vollzieht, wenn auch die Menschen, welche in dieser Neuordnung mitten drinnen stehen, es selber eigentlich fast gar nicht recht wissen. Wir werden nun gut tun, wenn wir uns für die nächsten Wochen eine Art Gedankenmaterial mitnehmen, einiges von dem, woran wir uns dann orientieren können, wenn wir es weiter in uns verarbeiten. Deshalb sollen am heutigen Abend einige solcher Anregungen gegeben werden, die dann auf Grundlage des schon vorher gegebenen geisteswissenschaftlichen Materiales weiter verarbeitet werden können.

[ 1 ] Today we shall be bringing to a close for the time being this winter's rather disconnected studies of St. Mark's Gospel. The passages quoted in the last lecture, to the effect that we are living in a period of transition are the key to the ideas with which we have been particularly concerned. On even a superficial consideration of spiritual life we must admit that thoughts and ideas of a new kind are emerging, although individuals living in the very midst of this new order hardly realise it themselves. It will be a good thing if we can take away material for thought which will help us to carry our ideas further, so this evening I want to give certain suggestions which will enable you to elaborate the spiritual-scientific knowledge already communicated to you.

[ 2 ] Da ist es nützlich, wenn von einer Übergangsepoche gesprochen wird, an die große Übergangsepoche zu erinnern, die wir in der Entwickelung der Menschheit erlebt haben und von der wir immer wieder und wieder gesprochen haben, zu erinnern an den einschneidenden Punkt der palästinensischen Ereignisse. Was dieser Punkt zu bedeuten hat, wissen wir aus mancherlei von dem, was schon gesagt worden ist. Wenn wir uns nun eine Vorstellung davon bilden wollen, wie diese wichtigste Idee -— nennen wir es so -, die Christus-Idee, herausgewachsen ist aus den Gedanken und Empfindungen der unmittelbar vorhergehenden Zeit, so tun wir gut, uns daran zu erinnern, daß von demselben Wert, wie der Christus-Gedanke für diejenigen, die zu Bekennern des Christus wurden, vorher bei dem althebräischen Volke die Jahve- oder Jehova-Idee war. Wir wissen auch aus andern Vorträgen, daß Jahve oder Jehova sich für den, der tiefer in das Wesen des Christentums eindringt, eigentlich wesenhaft gar nicht unterscheidet von dem Christus selber. Wir müssen uns vielmehr klarmachen, daß ein inniger Zusammenhang der Jahve-Idee und der Christus-Idee besteht. Es ist schwierig, den ganzen großen Zusammenhang der Christus-Idee und der Jahve-Idee, der ja bis zu einem gewissen Grade in den verflossenen Jahren in den verschiedensten Vorträgen und Vortragszyklen entwickelt worden ist, hier mit ein paar Worten auseinanderzulegen. Aber in einem Bilde läßt sich schon darstellen, wie man sich das Verhältnis zwischen der Christus-Idee und der Jahve-Idee zu denken hat. Wir brauchen nur an ein Bild zu erinnern, auf das auch schon öfter aufmerksam gemacht worden ist, das Bild des Sonnenlichtes, wie es uns entweder direkt von der Sonne erscheint oder, in mondhellen Nächten besonders, vom Vollmonde zurückgestrahlt wird. Es ist ja Sonnenlicht, was uns vom Vollmond als Licht entgegenstrahlt, aber es ist reflektiertes Sonnenlicht, das doch wieder etwas anderes ist als das direkt empfangene Sonnenlicht. Würden wir uns, um einen Vergleich zu haben, den Christus symbolisieren durch das direkte Sonnenlicht, so müßten wir dann Jahve oder Jehova als Sonnenlicht symbolisieren, das vom Monde zurückgeworfen wird, und wir würden damit genau den Sinn, der gemeint ist in der Menschheitsentwickelung, treffen. Deshalb empfinden auch alle, die etwas von den Dingen wissen, diesen Übergang einer vorübergehenden Christus-Spiegelung in Jahve oder Jehova zum Christus selber so, wie der Mensch empfinden würde das Mondenlicht und das Sonnenlicht: ein indirektes Offenbaren ist Jahve oder Jehova, ein direktes Offenbaren derselben Wesenheit ist der Christus. Wir müssen uns nur, wenn wir an Entwickelung denken, dasjenige, was uns im Raume nebeneinander erscheint, hintereinander denken in der Zeit. Und die, welche über diese Dinge vom okkulten Gesichtspunkt aus sprechen, sagen: Wenn wir die Christus-Religion eine SonnenReligion nennen —- und wenn wir uns an das über Zarathustra Gesagte erinnern, dürfen wir diesen Ausdruck gebrauchen -, dann können wir die Jahve-Religion, die vorübergehende Widerspiegelung der Christus-Religion, eine Mond-Religion nennen. So haben wir also in der dem Christentum vorangehenden Zeit die Sonnen-Religion vorbereitet durch eine Mond-Religion. Nun wird das, was jetzt gesagt sein soll, nur derjenige richtig würdigen, der weiß, daß Symbole nicht willkürlich gewählt werden, sondern tief in ihrer Bedeutung begründet sind. Wenn daher irgendeine Weltreligion oder Weltanschauung mit einem Symbol auftritt, so bedeutet dies Symbol für die, welche es wissend gebrauchen, etwas, was wesenhaft mit der betreffenden Weltanschauung zusammenhängt. Nun haben zwar die heutigen Menschen schon vielfach das Symbol des Mondenlichtes für die alte Jahve-Religion verloren, haben auch in gewisser Weise verloren die Bezeichnung der Christus-Religion durch das Sonnensymbol. Aber wo Weltanschauungen auftreten, die völlig durchdrungen sind von der Bedeutung ihrer Wesenheit mit ihren Symbolen, da müssen wir uns auch einen bewußten Zusammenhang mit den Symbolen denken.

[ 2 ] When we refer to a period of transition it is well to remind ourselves of the greater epochs of transition in the evolution of humanity and particularly of the crucial point reached in the events in Palestine. From much that has been said we know the significance of that time. When we try to form some conception of how the supremely important idea, the Christ-idea, arose out of thoughts and feelings of the immediately preceding period, we must remember that the Jahve- or Jehovah-idea meant as much to the ancient Hebrews as the Christ-idea meant to those who became His followers. From other lectures we also know that for those who penetrate deeply into the essence of Christianity, the Being Jahve or Jehovah is not to be distinguished from Christ Himself. We must clearly understand that there is an intimate relationship between the Jahve-idea and the Christ-idea. It is difficult to summarise in a few words the vast aspects of the relationship. The subject has been elaborated in many lectures and lecture-courses in recent years, but I can illustrate it by a picture. I need only remind you again of the picture of the sunlight which can come to us either direct from the Sun or by reflection at night from the Moon, especially at Full Moon. After all, it is sunlight that comes from the Full Moon, even if it is reflected sunlight and this does indeed differ from sunlight directly received. If we think of Christ as symbolised by the direct sunlight, we may liken Jahve to sunlight reflected by the Moon and that would represent the exact sense in which the two ideas should be understood. Those who are to some extent conversant with this subject regard the transition from a temporary reflection of Christ in Jahve into Christ Himself just as they think of the difference between sunlight and moonlight: Jahve is an indirect and Christ a direct revelation of the same Being. Thinking in terms of evolution, however, we must picture what is side by side in space as successive in time. Those who speak of these things from the point of view of occultism will say: If we call the religion of Christ a Sun-religion—and there are good grounds for this expression if we recall what was said about Zarathustra—we may call the Jahve-religion a Moon-religion—the transitory reflection of the Christ-religion. Thus in the period preceding the birth of Christianity the Sun-religion was prepared for by a Moon-religion. You will only be able to understand what I am now going to say if you realise that symbols are not chosen arbitrarily but have deep foundations. When a world-conception or world-religion is associated with a symbol, those who use the symbol with adequate knowledge are aware that it is intimately and essentially connected with what it represents. People to-day have in many ways lost sight of the symbol of moonlight for the old Jahve-religion and to some extent also of the symbol of the Sun for Christianity.

[ 3 ] Nun erinnern Sie sich, wie ich den Gesamtverlauf der Menschheitsentwickelung charakterisiert habe. Da haben wir zunächst eine absteigende Entwickelung von der Zeit an, wo die Menschen sozusagen herausgestoßen waren aus der geistigen Welt und immer tiefer und tiefer in die Materie herabstiegen. Das ist ein absteigender Weg. Und wir können uns, wenn wir uns im allgemeinen den Weg der Menschheitsentwickelung vorstellen, denken, daß der tiefste Punkt, zu dem die Menschheit herabgestiegen ist, der ist, wo der ChristusImpuls geschah, um nach und nach wieder den absteigenden Weg in einen aufsteigenden zu verwandeln. So haben wir die Menschheitsentwickelung in einem absteigenden und in einem aufsteigenden Weg, und da, wo der tiefste Punkt war, den Christus-Impuls, der dort angefangen hat zu wirken, und der fortwirken wird, bis die Erde am Ende ihrer Mission angelangt sein wird.

[ 3 ] You will remember how I have described the course of the evolution of humanity. First it is a descent, beginning when man was driven out of the spiritual world and sank more and more deeply into matter. And if we picture the general path of evolution, we can think of the lowest point as having been reached at the time of the Christ Impulse, after which the descent was transformed gradually into an ascent. The Christ Impulse began to have its effect at the lowest point and will continue to work until the Earth has achieved its mission.

[ 4 ] Nun geschieht aber die Entwickelung in einer komplizierten Weise, nämlich so, daß gewisse Entwickelungsvorgänge Fortsetzungen der früher gegebenen Impulse sind. Ein solcher Entwickelungsvor gang ist der, der durch den Christus-Impuls gegeben ist. Der Christus-Impuls ist einmal aufgegangen im Beginne unserer Zeitrechnung und wird sich gleichsam in gerader Linie, immer mächtiger und mächtiger werdend, bis zum Ziele der Menschheitsentwickelung in die Menschenseelen einleben und von dort aus das gesamte Erdenleben ergreifen. Das ist ein Impuls, der einmal gegeben wird und den wir zu verfolgen haben so, daß wir gleichsam eine fortschreitende Linie ziehen und uns sagen können: Alles, was später eintritt, zeigt uns die Entwickelung und den Einfluß dieses Impulses auf einer höheren, auf einer vollkommeneren Stufe. Solcher Impulse gibt es mehrere in der Welt. Aber es gibt auch Impulse und Entwickelungsfaktoren, die anders wirken und die sich nicht in gerader Linie verfolgen lassen. Auch solche andern Impulse haben wir schon genannt. Wir haben in der nachatlantischen Entwickelung unterschieden den uralt-indischen Kulturzeitraum, diesem folgend den urpersischen, den ägyptisch-chaldäischen, dann den griechisch-lateinischen, darauf den unsrigen und, den unsrigen ablösend, zwei weitere Kulturepochen, so daß in diesen sieben Zeiträumen der griechisch-lateinische, in welchen das Christus-Ereignis hereinfällt, mitten drinnen steht.

[ 4 ] Now evolution is a very complicated process and certain aspects of it are continuations of impulses given in earlier times. The Christ Impulse given at the beginning of our era will go straight forward, becoming more and more powerful in the souls of men until the goal of human evolution is reached—when from the souls of men it will influence the whole of life on the Earth. All later history will be evidence of the development and influence of this Impulse at a higher and more perfect stage. Many such impulses work in the world in the same way. But there are also other impulses and factors in evolution which cannot be said to advance in a straight line. Some of them have already been mentioned. In post-Atlantean evolution we have distinguished seven epochs: the Old Indian, then in sequence, the Old Persian, the Egypto-Chaldean, the Graeco-Latin—during which the Christ event took place—and our own fifth epoch which will be followed by two others.

[ 5 ] Nun ist es so, daß zum Beispiel in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum, in dem wir jetzt leben, gewisse Vorgänge sich in einer andern Art wiederholen, die im dritten, im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum da waren; so daß wir den Christus-Impuls in der Mitte drinnen stehend haben und der dritte Zeitraum im fünften in einer gewissen Beziehung enthalten ist. Ebenso wird im sechsten Zeitraum der zweite, der urpersische drinnen stecken, und im siebenten der erste, der uralt-indische. Da haben wir es mit übergreifenden Entwickelungsfaktoren zu tun, die sich so in der Entwickelung zeigen werden, daß wir das biblische Wort auf sie anwenden können: Die ersten werden die letzten sein. - Der urindische Zeitraum wird in einer andern Art, aber doch so, daß er erkennbar sein wird, im siebenten wieder aufleben.

[ 5 ] In the fifth epoch, certain happenings characteristic of the Egypto-Chaldean epoch are repeated in a different form. The Christ Impulse was given in the middle epoch (the fourth) and the third epoch is in a certain sense repeated in the fifth. There is a similar relationship between the sixth and second epochs and between the seventh and first. Here we are concerned with overlapping factors of evolution which will reveal themselves in such a way that we can apply to them the Biblical saying: The first shall be last. The Old Indian epoch will reappear in the seventh in a different but nevertheless recognisable form.

[ 6 ] Da haben wir eine andere Art, wie das Frühere in das Spätere eingreift. Wir haben diese andere Art aber dadurch gegeben, daß in der Entwickelung der Menschheit auch wieder noch kleinere Epochen sich bilden. In einer gewissen Weise ragt also das, was in der vorchristlichen Epoche während der althebräischen Kultur da war, auch wieder, den Christus-Impuls gleichsam überschneidend, in die nachchristliche Zeit hinein, so daß dasjenige, was sich in der Jahveoder Jehova-Weltanschauung vorbereitet hat, in einer gewissen Weise nachher wieder aufgetreten ist und, trotzdem die andern Faktoren bestehen, dennoch in die späteren Faktoren hineinspielt.

[ 6 ] There is, however, still another way in which an earlier epoch may have an effect in a later one. Shorter periods may also occur in the course of evolution. Thus conditions present in pre-Christian times during the period of ancient Hebrew culture reappeared later in post-Christian times: something that was prepared within the Jahve-or Jehovah-religion, overlapping the Christ Impulse as it were, appeared again and played into the other factors which had by then developed.

[ 7 ] Wenn wir das, was wir heute wegen der Kürze der Zeit nicht entsprechend ausführen können, durch ein Symbolum bezeichnen wollen, so können wir sagen: Empfinden wir die Jahve-Religion durch das Symbolum des Mondes im Gegensatz zur Sonne, so können wir erwarten, daß eine ähnliche Anschauung, übergreifend den ChristusImpuls, wie eine Art von Mond-Religion wieder hereinragt in die spätere Zeit. Das ist in der Tat der Fall. Und wer solche Dinge nicht äußerlich nimmt, wird nicht darüber lachen — denn es ist nicht zu lachen darüber, sondern es ist tatsächlich mit der Symbolik der betreffenden Religion und Weltanschauung zusammenhängend -, daß das Wiederauftauchen der alten Jahve-Mond-Religion zu sehen ist in der Religion des Halbmondes, die in der Zeit nach dem ChristusEreignis wieder auftritt und die Impulse, die vorangingen, hineinwirft in die nachchristliche Zeit. So haben wir die Wiederholung eines früheren Zeitraumes in einem späteren in übergreifender Folge in dem letzten Drittel der griechisch-lateinischen Zeit, die wir ja okkult bis ins 12., bis 13. Jahrhundert hinein rechnen. Das heißt, wir haben nachdem ein Zeitraum von sechs Jahrhunderten ausgesondert ist — vom 6. Jahrhundert angefangen, in die nächste Zeit hereinragend und alle Entwickelungsfaktoren mächtig beeinflussend, in der Religion, welche die Araber von Afrika bis nach Spanien hinübergetragen haben, diejenige Religion, die unter Nichtberücksichtigung des eigentlichen Christus-Impulses eine Art von Wiederaufrichtung der JahveMond-Religion in einer andern Form darstellt. Es ist nun nicht möglich, alle Eigentümlichkeiten dessen auseinanderzusetzen, was da hinübergetragen worden ist. Aber bedeutsam ist es schon, wenn wir uns nur in die Seele schreiben, daß in dieser Weltanschauung des Mahomet zunächst unberücksichtigt geblieben ist der Christus-Impuls, daß diese Mahomet-Religion wirklich eine Art Wiederaufleben war dessen, was man im Einheitsgotte des Mosaismus finden konnte. Nur war dieser Einheitsgott hineingetragen in etwas, was sozusagen von der andern Seite her genommen war, zum Beispiel von der ägyptischchaldäischen Weltanschauung, die eine genaue Kunde gebracht hat von dem Zusammenhange der Vorgänge am Sternenhimmel mit den Weltgeschehnissen. Daher sehen wir, daß alle diejenigen Gedanken und Begriffe, die wir sowohl bei den Ägyptern wie auch bei den Chaldäern, Babyloniern und Assyrern finden, wieder auftreten in der Mahomet-Religion, aber jetzt bei ihr merkwürdig durchleuchtet und durchwellt von dem, was wir nennen können die Einheitsgottheit des Jahve oder Jehova. Es ist wie ein Zusammenschluß, wenn man wissenschaftlich sprechen wollte, wie eine Synthese alles dessen, was die ägyptisch-chaldäischen Priesterweisen gelehrt haben, was in Chaldäa gelehrt worden ist, mit dem, was die althebräische Jahve-Religion lehrte, was uns da im Arabertum entgegentritt.

[ 7 ] If, then, we try to describe by means of a symbol what pressure of time prevents our discussing adequately to-day, we may say: Taking the Moon, contrasted with the Sun, as the symbol representing the Jahve-religion; we may expect that a similar form of belief, by-passing as it were the Christ Impulse, would emerge later on as a kind of Moon-religion. And this is what actually happened. The old Jahve-religion emerged again after the Christ Event, in the religion of the Crescent, carrying earlier impulses into post-Christian times. If you do not take things superficially, the use of the Moon and Crescent as symbols for these two faiths will not be something to smile at, for it is an actual fact that a religion or creed and its symbol are intimately connected. So in a later time we have the repetition of an earlier phase which has skipped the intervening years. This takes place in the last third of the Graeco-Latin epoch which in the occult sense we reckon as lasting up to the twelfth and into the thirteenth century. Leaving out a period of six hundred years, this means that beginning in the sixth century A.D. and exercising a very vigorous influence upon all aspects of development, we have the religion brought by the Arabians from Africa over into Spain: this represents a re-emergence, in a different form, of the Jahve-Moon-religion. The intervening Christ Impulse has been ignored. It is not possible to enumerate all the characteristics brought over with the religion of Mohammed; but it is important to realise that the Christ Impulse is disregarded in the religion of Islam which was actually a kind of revival of Mosaic monotheism. This idea of the One God, however, included a good deal derived from other sources, for instance from Egypto-Chaldean religion, which had yielded very exact knowledge of the connection of happenings in the starry heavens with earthly events. Thus the thoughts and ideas current among the Egyptians, Chaldeans, Babylonians and Assyrians appear again in the religion of Mohammed but pervaded by the One God, Jahve. Speaking scientifically, what we have in Arabism is a kind of gathering-together, a synthesis, of the wisdom-teachings of the priests of Egypt and Chaldea and the Jahve-religion of the ancient Hebrews.

[ 8 ] Es geschieht nun aber bei einem solchen Zusammenfluß nicht bloß ein Zusammendrängen, sondern es wird auch immer etwas ausgesondert und abgetrennt. Es mußte nun ausgesondert sein alles, was auf hellseherische Beobachtung zurückgeführt war. Ein Kombinieren, ein bloßes intellektuelles Forschen war es, was blieb, so daß die Begriffe der ägyptischen Heilkunde, der chaldäischen Astronomie, die hervorgegangen waren sowohl bei den Ägyptern wie bei den Chaldäern aus altem Hellsehen, uns in intellektualisierter und individualisierter Form entgegentreten im Arabertum des Mahomet. Es wird uns da gleichsam auf dem Umwege durch die Araber etwas Durchgesiebtes in Europa hereingebracht — durchgesiebt, indem alle alten Begriffe, die bei den Ägyptern und Chaldäern geherrscht haben, ihrer hellseherischen Bildergehalte entkleidet und in abstrakte Formen gegossen, uns in der bewundernswürdigen Wissenschaft der Araber, die von Afrika über Spanien in Europa hereindrangen, wieder auftauchten. Hat das Christentum einen Impuls gebracht, der im wesentlichen für die menschliche Seele da war, so war der größte Impuls für den menschlichen Kopf, für den menschlichen Intellekt auf dem Umwege durch die Araber gekommen. Und die, welche nicht genau bekannt sind mit dem Gang der Menschheitsentwickelung, wissen gar nicht, was diese Weltanschauung, die erneut unter dem Symbol des Mondes auftrat, der gesamten Menschheit doch geliefert hat. Kepler und Kopernikus wären nicht möglich gewesen ohne die Impulse, welche durch das Arabertum nach Europa gebracht sind. Denn die ganze Art und Weise des Denkens und Kombinierens von Weltanschauungen mit Hinwegrechnung des alten Hellsehens sehen wir wieder auftreten in der Zeit, als die dritte Kulturperiode ihre Auferstehung feiert in unserem fünften Zeitraum in unserer heutigen Astronomie, in unserer heutigen Wissenschaft überhaupt.

[ 8 ] In such a process there is not only compression but also rejection and elimination. In this case everything connected with clairvoyant perception had to be discarded and men were to depend entirely upon reason and intellectual thinking. Hence the concepts belonging to the Egyptian art of healing and to Chaldean astronomy—which in both these peoples were the outcome of clairvoyance—are to be found in the Arabism of Mohammed in an intellectualised and individualised form. Something that had passed as it were through a filter was thus brought into Europe by the Arabians. Old concepts that had been current among the Egyptians and Chaldeans were denuded of their visionary, pictorial content and re-cast into abstract forms. They reappear in the wonderful scientific knowledge possessed by the Arabians who made their way into Europe via Africa and Spain. Whereas Christianity brought an impulse connected essentially with man's life of soul, the greatest impulse given to the human intellect was brought by the Arabians. Without thorough knowledge of the course taken by the evolution of humanity it is impossible to form any idea of how much the world-conception which arose in a new form under the symbol of the Moon, has given to mankind. There could have been no Kepler, no Galileo, without the impulses brought by Arabism into Europe. For the old mode of thinking appears again, but now denuded of its ancient clairvoyance, when the third culture-epoch celebrated its resurrection in our own fifth epoch, in our modern astronomy, in our modern science.

[ 9 ] So haben wir auf der einen Seite den Gang der Menschheitsentwikkelung so verlaufend, daß der Christus-Impuls in die europäischen Völker direkt hereindringt durch Griechenland und Italien, und wir haben einen andern Zug südlich davon, der einen Umweg macht, indem er an Griechenland und Italien vorübergeht und sich verbindet mit dem, was auf dem Umwege durch den arabischen Impuls zu uns gekommen ist.

[ 9 ] Thus the course of evolution is such that on the one hand the Christ Impulse penetrates into the European peoples directly, through Greece and Italy, and on the other hand a more southerly stream by-passes Greece and Italy and unites with the influences brought indirectly by the Arabians.

AltName

[ 10 ] Nur aus dem Zusammenfluß der Christus-Religion und der Mahomet-Religion konnte in der Zeit, in welcher wir einen wichtigen Einschnitt zu verzeichnen haben, das entstehen, was eigentlich unsere neuzeitliche Kultur ist. Aus Gründen, die heute nicht auseinandergesetzt werden sollen, müssen wir uns ungefähr sechs bis sechseinhalb Jahrhunderte lange Epochen denken gerade für solche Impulse, wie sie jetzt angeführt worden sind; so daß in der Tat sechs Jahrhunderte nach dem Christus-Ereignis der erneuerte Mondkultus, der arabische Mondkultus aufgeht, sich verbreitet und eindringt nach Europa und bis ins 13. Jahrhundert hinein die Christus-Kultur befruchtet, die ihre direkten Impulse auf andern Wegen erhalten hatte. Da gab es einen fortwährenden Austausch. Wer genau auch nur den äußerlichen Gang der Ereignisse kennt, wer weiß, wie selbst in den Mönchklöstern des westlichen Europas — mochten sie auch das Arabertum bekämpfen - die arabischen Gedanken hineinflossen in die Wissenschaft und sich darin verbreiteten, der weiß auch, daß bis zu dem Zeitpunkt in der Mitte des 13. Jahrhunderts, der wieder etwas Besonderes bedeutet, ein Zusammenströmen der zwei Impulse vorhanden war, des arabischen Impulses und des direkten ChristusImpulses.

[ 10 ] Only through the union of Christianity and Mohammedanism during the important period with which we are dealing, was it possible for our modern culture to come into being. For reasons which I cannot go into to-day we have to reckon with periods of six to six-and-a-half centuries for such impulses as I have been describing. Thus actually six centuries after the Christ Event the renewed Moon-cult of the Arabians appears, expanding and spreading into Europe, and until the thirteenth century enriching the Christian culture which had received its direct impulses by other paths. There was an unbroken interchange of thought. If you are conversant merely with the outer course of events, if you know how in the monasteries of Western Europe—in spite of apparent opposition to Arabism—the Arabian concepts made their way into science, you will also be aware that until the middle of the thirteenth century—again a particularly significant point of time—the Arabian impulse and the direct Christ Impulse were interwoven.

[ 11 ] Daraus werden Sie entnehmen können, daß in der Tat der direkte Christus-Impuls andere Wege macht als die Impulse, die gleichsam als Seitenströmungen hinfließen, um sich mit ihm zu verbinden. Sechs Jahrhunderte nach dem Christus-Impuls geht im Orient durch Ereignisse, die nicht leicht zu schildern sind, obwohl sie jedem Okkultisten gut bekannt sind — eine neue Kulturwelle an, die sich dann durch Afrika über Spanien in das europäische Geistesleben hineinlebt und sich mit dem Christus-Impuls, der auf andern Wegen kommen mußte, vereinigt. Wir können also sagen, daß das Sonnensymbol mit dem Mondsymbol zusammengeschmolzen ist vom 6., 7. Jahrhundert bis ins 12., 13. Jahrhundert hinein, also wieder in einer Zeitepoche, die etwa sechs Jahrhunderte gedauert hat.

[ 11 ] From this you will gather that the direct Christ Impulse actually moved along paths different from those taken by the impulses which streamed in like tributaries to unite with it. Six centuries after the Christ Event, as a result of happenings that are not easy to characterise although they are well known to every occultist, a new wave of culture arose in the East, made its way via Africa and Spain into the spiritual life of Europe and united with the Christ Impulse which had taken different paths. We can therefore say that the Sun-and-Moon-symbols merged into each other from the sixth/seventh century up to the twelfth/thirteenth century—again a period of some six hundred years.

[ 12 ] Nun gab es, nachdem diese unmittelbare Befruchtung gewissermaßen ihr Ziel erreicht hatte, etwas Neues, das sich allmählich eben seit dem 12., 13. Jahrhundert vorbereitet hat. Es ist interessant, daß selbst heute die äußere Wissenschaft anerkennt, daß damals etwas Unerklärliches durch die Seelen der europäischen Menschheit ging. Die äußere Wissenschaft sagt: etwas Unerklärliches. Der Okkultismus aber sagt, daß in dieser Zeit, gleichsam nachströmend dem direkten Christus-Impuls, in die Seelen sich ergießt auf geistige Weise dasjenige, was der vierte Zeitraum der nachatlantischen Kultur selbst geboten hat; die griechische Zeit bildet eine nachströmende Welle. Das ist das, was wir die Zeit der Renaissancekultur nennen, die nun durch die nächsten Jahrhunderte alles, was schon da war, befruchtet. So sehen wir wieder ein solches Übergreifen nach einer sechshundertjährigen Epoche des Einfließens des Arabertums, sehen, wie dem Arabertum Zeit gelassen wurde, nachdem es eingeflossen war, nach und nach sich einzuleben. Das geschieht dadurch, daß die griechische Zeit, die in den sieben nachatlantischen Kulturepochen neutral mitten drinnen steht, nachläuft in der Renaissancekultur. Und es bedeutet wieder einen Zeitraum von sechs Jahrhunderten, das heißt bis in unsere Zeit herein, daß sozusagen diese griechische Welle sich auslebt. Darin lebt unsere Zeit auch heute noch. Wir leben gewissermaßen heute in einem Übergang, insofern, als wir wieder vor dem Beginn auch einer sechshundertjährigen Kulturwelle stehen, daß sich wieder etwas Neues hereindrängt, daß der Christus-Impuls sich mit etwas Neuem befruchten muß. Nachdem der wiedererneuerte Mondkultus im Halbmondtum Zeit hatte, sich auszuleben durch die Renaissancezeit, ist jetzt die Zeit gekommen, in welcher der Christus-Impuls, der sich eben als der direkte fortpflanzt, aufnehmen soll und muß eine Nebenströmung. Nach dieser Nebenströmung hat unsere Zeit einen ganz besonderen Zug. Nur müssen wir ganz genau dieses Zufließen einer Nebenströmung zu unserer Kultur verstehen. Alle diese Dinge entsprechen durchaus dem richtigen Gange einer okkulten Schematik - okkulten Systematik, könnten wir auch sagen.

[ 12 ] After this process of cross-fertilisation had in a certain respect achieved its goal, something new arose which had been in preparation since about the twelfth or thirteenth century. It is interesting that to-day even orthodox science recognises that something inexplicable passed through the souls of Europeans at that time. Science considers it inexplicable but occultism knows that in this period, as though it were following the Christ Impulse, something yielded by the fourth post-Atlantean epoch poured, spiritually, into the souls of men: the fruits of Greek culture constituted a following wave. We call this period the Renaissance—it was the culture which during the next centuries enriched everything already in existence. Here again there was an overlapping after a period of six hundred years since the influx of Arabism. At this point in evolution the age of Greece—which was a kind of centre among the seven post-Atlantean epochs—underwent a certain renewal in the Renaissance. Then again there is a period of six hundred years, during which the Greek wave reaches its culmination; this brings us to the period in which we ourselves are living. We are living to-day at the beginning of a period of transition before the onset of the next six-hundred-year wave of culture, when something entirely new is pressing in upon us, when the Christ Impulse is to be enriched by something new. After the Moon-culture underwent its revival in the religion symbolised by the Crescent and had reached its conclusion during the period of the Renaissance, the time has now come when the Christ Impulse must receive into itself another tributary stream. With this tributary stream our own age has a particular affinity. But we must clearly understand what the influx of this new stream means to our own culture. All these happenings are entirely in accordance with an occult plan—we could also say, an occult purpose.

[ 13 ] Wenn wir im alten Stil - nicht in dem neuen - aufeinanderfolgend uns denken Mond, Merkur, Venus, Sonne, so würden wir, nachdem der wiedererneuerte Mond-Einfluß da war und die Mondwelle sich sozusagen während der Renaissancezeit ausgelebt hat, jetzt zu erwarten haben einen Einfluß, den wir in ganz richtigem Stil mit dem Symbol des Merkurius bezeichnen müßten. Wir könnten also theoretisch sagen, wir stünden, wenn die Symbolik zutrifft, vor der Perspektive, daß eine Art Merkur-Einfluß in unsere Kultur einströmte, eine Welle, die als Merkur-Einfluß symbolisiert werden kann, wie das Arabertum als Mond-Einfluß charakterisiert werden könnte.

[ 13 ] If we think of Moon, Mercury, Venus, Sun, in the old not the new sequence, we should expect, after the renewal of the Moon-influence had reached its culmination during the Renaissance, the influx of another stream, to which we could legitimately assign the symbol of Mercury. If our symbolism is correct, just as we called the wave of Arabism a Moon-culture, so we might say theoretically that we now face the prospect of an influx of a form of Mercury-culture.

[ 14 ] Wenn wir Verständnis haben für die Zeitentwickelung, so dürfen wir als den letzten großen Geist, der die Fülle der Wissenschaft, die Fülle des Christentums und die Fülle der Renaissancekultur in seiner Seele vereinigte, Goethe bezeichnen, und wir könnten dann erwarten, daß Goethe uns in seiner Seele darstellen würde den schönen Zusammenschluß der Renaissancekultur, der Wissenschaft, das heißt des Intellektualismus, wie er durch das Arabertum befruchtet worden ist, und des Christentums. Wenn wir nun Goethe so betrachten, wie wir es seit Jahren gewohnt sind, dann kann man leicht erkennen, daß wirklich in Goethes Seele diese Elemente zusammengeflossen sind. Wir dürften aber auch nach den jetzt gemachten Zeitangaben von sechs zu sechs Jahrhunderten erwarten, daß von dem Merkur-Einfluß in Goethes Seele noch nichts vorhanden war und daß das etwas sein muß, was hinter Goethe als etwas Neues aufzutreten hatte. Da ist es interessant — Sie wissen das ja -, daß selbst der Schüler Goethes, Schopenhauer, bereits diesen MerkurEinfluß zeigt. Sie kennen aus meinen Ausführungen, wie in Schopenhauers Philosophie morgenländische Weisheit eingedrungen ist, besonders in Form des Buddhismus. Da nun als das Symbol des Buddhismus der Merkur angesehen wird, so haben Sie entsprechend nach Goethes Zeit den Buddha-Einfluß - indem hier Buddha gleich Merkur und Merkur gleich Buddha ist — ebenso charakterisiert, wie Sie in dem Arabertum den Mondeinfluß charakterisiert haben; so daß wir nunmehr auch bezeichnen können, welches diese Nebenströmung ist, die hereinfließt in den geraden Weg des ChristusImpulses als eine neue Strömung am Beginne einer neuen sechshundertjährigen Epoche: Wir haben als den Nebenstrom anzusehen — wie eine Wiedererneuerung, in neuer Form — den Buddhismus, nur mit den Einschränkungen, die in meinem öffentlichen Vortrage über Buddha dargelegt worden sind.

[ 14 ] If we understand the way in which culture and civilisation have developed we may justifiably name Goethe as the last great individual to combine in his soul the full fruits of science, (that is to say, intellectualism enriched by Arabism) of Christianity and of Renaissance culture. We should therefore expect him to represent a glorious union of the three domains and having studied Goethe as we have been doing for years we can easily recognise that these elements do indeed flow together in his soul. But after what has been said about the cycles of six hundred years we should not expect to find in Goethe any trace of the Mercury-influence; we should expect it to appear as something new only after his time. And here it is interesting to note that Goethe's pupil, Schopenhauer, already reveals signs of this new influence. I have said that Schopenhauer's philosophy contains elements of Eastern wisdom, particularly in the form of Buddhism. Mercury has always been regarded as the symbol of Buddhism. So after the age of Goethe there was a revival of the Buddha-influence—Buddha standing for Mercury and Mercury for Buddha—in the same way as the Moon-influence reappeared in Arabism. This side-stream, which flowed into the direct Christ Impulse at the beginning of a new six-hundred-year period can therefore be described—within the limits indicated in my public lecture on the subject—as a revival of Buddhism.

[ 15 ] Nun fragen wir uns einmal: Welches ist die direkte Strömung der Kultur in die Zukunft hinein? Das ist die Christus-Strömung. Sie fließt in gerader Linie fort. Und welche Nebenströmungen haben wir zu verzeichnen? Zunächst haben wir die Araber-Strömung, die in die Hauptströmung hereinfließt und dann eine Ruhepause hat und eine Abklärung findet in der Renaissancekultur. Nun haben wir jetzt ein erneuertes Hereinfließen der Buddha-Strömung. Wer diese Tatsachen im rechten Lichte zu sehen vermag, der wird sich nun sagen: Wir haben also aufzunehmen diejenigen Elemente aus der Buddha-Strömung, die bisher nicht innerhalb unserer abendländischen Kultur enthalten waren. Da sehen wir auch schon, wie gewisse Elemente der BuddhaStrömung auch durch die abendländische Geistesentwickelung einströmen, wie zum Beispiel die Ideen von Reinkarnation und Karma. Diese fließen ein. Wohl aber müssen wir uns etwas anderes nun streng in die Seele schreiben: Alle diese Nebenströmungen werden uns niemals Aufschluß geben können über das Zentrale unserer Weltanschauung, unserer Geisteswissenschaft. Den Buddhismus oder irgendeinen vorchristlichen Orientalismus, die in unsere Zeit hereinragen als sich wiedererneuernde Weltanschauungen, etwa zu fragen über das Wesen des Christus, das wäre heute ebenso gescheit, als wenn die christlichen Europäer die Araber, die nach Spanien gekommen waren, über das Wesen des Christus gefragt hätten. Das wußten damals die Menschen in Europa, daß die Christus-Idee ihnen nicht von den Arabern kommen kann, daß die ihnen nichts zu sagen hatten über den Christus. Und wenn sie ihnen etwas sagten, dann waren es solche Ideen, die nicht der wirklichen Christus-Idee entsprachen. Und die verschiedenen Propheten, die als falsche Messiasse aufgetreten sind, die sind im Grunde genommen, ohne Verständnis für den Christus-Impuls zu haben, aus dem Arabertum heraus aufgetaucht, bis auf Sabbatai Zewi. Es muß uns also klar sein, daß diese Nebenströmung des Arabertums zu befruchten hatte durch ganz andere Elemente - und keineswegs durch einen Aufschluß über das Zentralgeheimnis des Christus.

[ 15 ] We can now ask: Which is the stream of culture that flows straight forward into the future? It is the Christ-stream. And what side-streams are there? Firstly there is the Arabian stream which flows into the main current, then has a pause and finally passes into the culture of the Renaissance. At the present time a renewed influx of the Buddha-stream is taking place. If we are able to see these things in the right light it will become evident that we have to absorb those elements of the Buddha-stream which were not hitherto present in Western culture. And we can see how certain elements of the Buddha-stream are actually making their way into the spiritual development of the West, for instance, the teaching of Reincarnation and Karma. But there is something else that we must impress firmly upon our minds and it is this: none of these side-streams will ever be able to throw light on the central fact of our world-conception, of our Spiritual Science. To expect from Buddhism or any other pre-Christian oriental religion undergoing revival in our time any illumination on the nature of Christ would be no more intelligent than for European Christians to have expected this of the Arabians who had spread into Spain. The people of Europe at that time knew very well that the Christ-idea was foreign to the Arabians, that the Arabians could say nothing essential about the Christ. And when they did say anything the ideas put forward were incompatible with the true Christ-idea. The various prophets down to Sabbatai Zewi [Sabbatai Zewi (1626-76), proclaimed himself publicly in the year 1666 as the Messiah but subsequently became an adherent of Islam.] who appeared as false Messiahs without any understanding whatever of the Christ Impulse, all sprang from Arabism. Obviously, therefore, the contribution of this Arabian side-stream consisted of quite different elements; it could shed no light on the central mystery of the Christ.

[ 16 ] In genau derselben Weise müssen wir uns stellen zu jener Strömung, die uns heute als Nebenwelle zufließen muß, als eine alte erneuerte Welle, die Verständnis bringen wird für Reinkarnation und Karma, aber unmöglich ein Verständnis für den Christus-Impuls bringen kann. Denn das wäre ebenso absurd, als wenn die Araber den Europäern die richtige Christus-Idee hätten beibringen wollen. Die Araber aber vermochten viele Ideen von falschen Messiassen den Europäern beizubringen, eben bis auf Sabbatai Zewi. Solche Dinge werden sich wieder erneuern. Denn die Entwickelung der Menschheit kann nur vorwärtsgehen, wenn die Menschen die Stärke haben, diese Dinge zu durchschauen. Und wir müssen die Verhältnisse immer klarer und eindringlicher bewußt durchschauen.

[ 16 ] Our attitude to the stream that is approaching to-day as a side-current must be the same. It is a revival of an older stream and will promote understanding of Reincarnation and Karma but cannot possibly bring any elucidation of the Christ Impulse. That would be as absurd as if the Arabians, although they were able to bring to Europeans many ideas through false Messiahs up to the time of Sabbatai Zewi, had set about giving Europe a true idea of Christ. Such occurrences will be repeated, for the evolution of mankind can go forward only if men are strong enough to see through these things with greater and greater clarity.

[ 17 ] Daher wird sich die Tatsache ergeben, daß diejenige Geisteswissenschaft mit der Zentralidee des Christus, die durch das europäische Rosenkreuzertum begründet worden ist, sich durchsetzen wird gegen alle äußeren Widerstände, und gegen alle Versuchungen von außen in die Gemüter der Menschen einziehen wird. Wie die Zentralidee des Christus hineinziehen muß in die Gemüter der Menschen, wie der Christus in die Gesamtevolution nicht nur der Menschheit, sondern der ganzen Welt hineinverwoben ist, das können Sie aus meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» entnehmen. Daraus ergibt sich, welches der gerade sich fortentwickelnde Weg ist. Auf diese gerade sich fortentwickelnde Geisteswissenschaft zu hören, werden alle diejenigen die Möglichkeit haben, die ein solches Wort verstehen wie das Wort des Markus-Evangeliums, das am Schlusse der letzten Stunde angeführt worden ist: «Es werden sich erheben falsche Christusse und falsche Propheten ... Wenn nun jemand zu der Zeit wird zu euch sagen: Siehe, hier ist Christus! siehe, da ist er! so glaubet ihnen nicht!» — Neben diese Strömung aber stellt sich eine andere weiter außen hin, welche glauben wird, über die Natur des Christus besser noch unterrichtet zu sein als die rosenkreuzerische abendländische Geisteswissenschaft. Da werden dann allerlei Ideen und Lehren in die Welt hineingebracht werden von Anschauungen, die ganz natürlich auf dem Boden der Nebenströmung des orientalisierenden Buddhismus erwachsen werden. Aber es wäre das Zeugnis ärgster Schwäche für europäische Seelen, wenn diese europäischen Seelen nicht imstande wären, den Gedanken zu fassen: in der direkten Verfolgung der Christus-Idee habe auch die Merkuroder Buddha-Strömung ebensowenig Licht zu bringen, wie das Arabertum Licht gebracht hat in der direkten Verfolgung der Christus-Idee. Das wird hier nicht aus irgendeinem Glauben, aus irgendwelchen Dogmen oder Phantasmen herausgeholt, sondern aus dem objektiven Gang der Weltentwickelung. Mit Zahlen oder Kulturströmungen, die Sie verfolgen können, wenn Sie wollen, wird Ihnen belegt, daß die Dinge so sein müssen, wie es die okkulte Wissenschaft lehrt.

[ 17 ] What we shall find is that the Spiritual Science founded by European Rosicrucianism, with Christ as its central idea, will establish itself despite external obstacles and penetrate into the hearts of men in defiance of all temptations from outside. From my book, Occult Science, you can gather how the central Christ-idea must penetrate into human souls, how the Christ is interwoven with the evolution not only of humanity but of the whole world, and you will be able to recognise along which path progress will be made. The possibility of following this onward march of Spiritual Science will be within reach of everyone who understands the words from the Gospel of St. Mark quoted at the end of the last lecture: ‘False Christs and false prophets will appear ... when men say to you: ‘Lo, here is the Christ, lo, there!—believe them not!’—But beside this stream there is another, claiming to be better informed than Western Rosicrucian Spiritual Science about the nature of Christ. This other stream will introduce all kinds of ideas and dogmas which will develop quite naturally out of the side-stream of oriental Buddhism. But Western souls would be showing the worst kind of feebleness if they failed to understand that the Buddha- or Mercury-stream has as little light to throw on the direct development of the Christ-idea as Arabism had in its time. What I am saying now is not the outcome of any special belief, dogma or fantasy; it emerges from the objective course of world-evolution. If you wanted to follow this up I could prove by figures or by the trends of culture that things will inevitably be as occult science teaches.

[ 18 ] Nun wird aber verknüpft sein mit dem, was da eintritt, die Notwendigkeit, zu unterscheiden zwischen einem orthodoxen altorientalischen Buddhismus, der sozusagen den stehengebliebenen Buddhismus hereinverpflanzen will nach Europa und aus dem stehengebliebenen Buddhismus heraus eine «Christus-Idee» erkennen will, und einem wirklich fortentwickelten Buddhismus. Das heißt, es wird Leute geben, die von Buddha so sprechen werden: Seht hin auf Buddha, wie er ungefähr fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung gelebt hat! Das sind seine Lehren! - Was diese Leute sagen werden, das ist zu vergleichen mit dem, was die Geisteswissenschaft im rosenkreuzerischen Sinne sagen muß: Es liegt an euch, nicht an Buddha, daß ihr heute so sprecht, als ob Buddha auf dem Standpunkt stehengeblieben wäre, wo er war fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung! Glaubt ihr, Buddha sei nicht fortgeschritten? Wenn ihr so sprecht, redet ihr von einer Lehre, die für die damalige Zeit richtig war. Redet immerhin von einer Lehre des Buddha, wie er sie gegeben hat, richtig berechnet für die Zeit fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung! Wir aber schauen hinauf zu dem Buddha, der fortgeschritten ist, und der aus geistigen Höhen seinen fortdauernden Einfluß auf die Menschheitskultur ausübt. Wir schauen hin auf jenen Buddha, den wir bei der Betrachtung des Lukas-Evangeliums darstellen konnten, der seinen Einfluß gewonnen hat auf den Jesus aus der nathanischen Linie des Hauses David; schauen auf den Buddha, wie er sich im Reiche des Geistes weiterentwickelt hat, und der uns heute die maßgebenden Wahrheiten zu sagen hat, auf die es ankommt.

[ 18 ] But in connection with all this a distinction must be made. On the one hand there is orthodox oriental Buddhism in its original form. The attempt might be made to transplant this as a fixed and unalterable system into Europe and to produce out of it an idea, a conception, of Christ. On the other hand there is Buddhism that has progressed to further stages of development. There will be people who will tell you to think of the Buddha just as he was some five or six hundred years before our era and of the doctrines he then promulgated. But compare this with what Rosicrucian Spiritual Science has to say. It will say: The fault lies with you, not with the Buddha, that you talk as if Buddha had come to a standstill at the point he had attained all those centuries ago. Do you imagine that Buddha has not progressed? When you speak as you do, you are speaking of teaching that was right for his epoch. But we look to the Buddha who has moved onwards and from spiritual realms exercises an enduring influence upon human culture. We contemplate the Buddha as described in our studies of St. Luke's Gospel, whose influence streamed down upon the Jesus of the Nathan line of the House of David; we contemplate the Buddha at the further stage of his development in the realm of the spirit, who proclaims from there the truths of basic importance for our time.

[ 19 ] Es ist dem Christentum als dogmatischem Christentum im Abendlande etwas ganz Kurioses passiert, das man dadurch charakterisieren könnte, daß man sagt: Es ist durch eine sonderbare Verkettung der Umstände geschehen, daß eine buddhaähnliche Gestalt unter die christlichen Heiligen geraten ist. Sie werden sich erinnern, daß ich einmal von einer Legende gesprochen habe, die in der Zeit des Mittelalters über ganz Europa hin erzählt worden ist: die Legende von Barlaam und Josaphat. Sie erzählt uns ungefähr: Es war einmal ein indischer König, der hatte einen Sohn. Diesen Sohn erzog er zunächst so, daß er weit weg lebte von allem menschlichen Elend, von allem äußeren Erdenleben. Er erzog ihn im Königspalaste, wo er nur dasjenige sah, was zum Glück und Segen der Menschheit führt. Josaphat hieß er; der Name ist mehrfach verändert worden und hat die verschiedensten Formen angenommen: Josaphat, Judasaph, Budasaph. Josaphat lebte bis zu einem bestimmten Alter im königlichen Palast, ohne die Welt kennenzulernen. Dann geschah es eines Tages, daß er hinausgeführt wurde aus dem Palaste seines Vaters, und nun lernte er das Leben kennen. Da sah er zunächst einen aussätzigen Menschen, dann einen Blinden und dann einen Greis. Dann wird weiter erzählt, daß er einen christlichen Einsiediler findet mit Namen Barlaam; der brachte es dahin, daß Josaphat das Christentum begriff und zum Christentum übertrat.

[ 19 ] Something strange has happened in dogmatic Christianity in the West. By a curious concatenation of circumstances a Buddha-like figure has appeared among the Christian Saints. You will remember that I once spoke of a legend current all over Europe in the Middle Ages, namely, the legend of Barlaam and Josaphat. Its content was more or less as follows.—There was once an Indian King who had a son. In his early years, far removed from all human misery and life in the outer world, the son was brought up in the royal palace, where he saw only conditions making for human happiness and well-being. Josaphat was his name, though it has been frequently changed and has assumed several different forms—Josaphat, Judasaph, Budasaph. Until a certain age Josaphat lived in his father's palace, knowing nothing about the world outside. Then one day he was led out of the palace and came to know something of the world. First of all he saw a leper, then a blind man, then an old man. Thereafter he met a Christian hermit by the name of Barlaam, who converted him to Christianity.

[ 20 ] Sie werden nicht verkennen, daß in dem Zug, daß einem indischen Könige ein Sohn geboren wird, der fernab von der Welt lebt, dann hinausgeführt wird, einen Aussätzigen, einen Blinden und einen Greis erblickt, Anklänge an die Buddha-Legende selber gegeben sind. Und Sie können auf der andern Seite leicht erkennen, daß im Mittelalter diese Legende fortgeführt wurde, daß ihr aber etwas eingefügt wurde, was dem Buddha nicht zur Last gelegt werden darf: daß er sich zum Christentum bekehren ließ. Das könnte nicht von Buddha gesagt werden.

[ 20 ] You will not fail to recognise in this legend clear echoes of the legend of Buddha. He too was an Indian king's son who lived isolated from the world, was later led out of the palace and saw a leper, a blind man and an old man. But you will notice that in the Middle Ages something was added that cannot be attributed to Buddha, namely that Josaphat allowed himself to be converted to Christianity. This could not have been said of Buddha. The legend evoked a certain response among individual Christians, particularly among those who were responsible for drawing up the calendar of the Saints.

[ 21 ] Diese Legende hat ein gewisses Bewußtsein bei den Christen hervorgerufen, bei einzelnen Christen wenigstens, besonders aber bei denen, welche die Verzeichnisse von Heiligen gemacht haben. Man hatte gewußt, daß der Name Josaphat, Jodasaph zusammenhängt mit dem, was wir einen Bodhisattva nennen: Jodasaph, Budasaph geht in gerader Linie in Bodhisattva über. Wir sehen also hier eine merkwürdige, recht tiefe Verbindung einer christlichen Legende mit der Buddha-Gestalt. Wir wissen ja, daß uns die orientalische Legende den Buddha darstellt als übergehend in das Nirwana, und daß er die Krone des Bodhisattva übergeben hatte an seinen Nachfolger, den Maitreya-Buddha, der jetzt ein Bodhisattva ist und später der Buddha der Zukunft sein wird. Als Josaphat scheint uns der Buddha in der Legende wieder. Und die Verbindung des Buddhismus mit dem Christentum wird uns in wunderbarer Weise dadurch charakterisiert, daß einer gesagt hat: Der Josaphat ist ein Heiliger; denn Buddha selber war so heilig, daß er sich im Sinne der Legende vom indischen Königssohn zum Christentum bekehrt hat, so daß man ihn unter die Heiligen einreihen kann - obwohl er wieder von anderer Seite verfolgt worden ist.

[ 21 ] It was known that the name Josaphat, Judasaph, Budasaph, is directly connected with Bodhisattva. So here we have evidence of a remarkable connection of a Christian legend with the figure of Buddha. We know that according to the Eastern legend Buddha passed into Nirvana, having handed on the Bodhisattva's crown to his successor, who is now a Bodhisattva and will subsequently become the Maitreya Buddha of the future. Buddha is presented to us in the legend in the figure of Josaphat; and the union of Buddhism with Christianity is wonderfully indicated by the fact that Josaphat is included among the Saints. Buddha was held to be so holy that in the legend he was converted to Christianity and from being the son of an Indian king could rightly be included among the Saints—although from another side this has been disputed.

[ 22 ] Daraus sehen Sie, daß man wußte, wo die spätere Gestalt des Buddhismus beziehungsweise des Buddha zu suchen ist. In den verborgenen Welten ist mittlerweile der Buddhismus mit dem Christentum zusammengeflossen. Und Barlaam, diese merkwürdige Gestalt, hat den Bodhisattva mit dem Christentum bekanntgemacht, so daß wir also den Buddhismus, wenn wir ihn jetzt auch im Sinne dieser Legende als eine fortlebende Weltenströmung verfolgen, nur in der Gestalt wiederaufleben lassen können, in der er jetzt verändert vorhanden ist. Wir müssen von Buddha so reden, wie er heute für uns vorhanden ist, wenn wir hellseherisch seine Eingebungen verstehen. Ebenso wie das Arabertum nicht ein Judentum war, wie der JehovaMond nicht im Arabertum in alter Form und Gestalt wieder aufgetaucht ist, so wird auch der Buddhismus, insofern er in der abendländischen Kultur fruchtbar werden kann, nicht in der alten Gestalt auftauchen, sondern er wird auftauchen in veränderter Gestalt, weil das Spätere nicht bloß als Abklatsch des Früheren wieder auftritt.

[ 22 ] From this you will see that it was known where the later form of Buddhism, or rather of the Buddha, was to be sought. In hidden worlds the union has meanwhile taken place between Buddhism and Christianity. Barlaam is the mysterious figure who brings Christianity to the knowledge of the Bodhisattva. Consequently if we trace the course of Buddhism as an enduring stream in the sense indicated in the legend, we can accept it only in the changed form in which it now appears. If through clairvoyant insight we understand the inspirations of the Buddha, we must speak of him as he actually exists to-day. Just as Arabism was not Judaism and the Jahve-Moon-religion did not reappear in Arabism in its original form, neither will Buddhism—to the extent to which it can enrich Western culture—appear in its old form. It will appear in an altered form, because what comes later never appears as a mere replica of the earlier.

[ 23 ] Das sind kurze, abgerissene Sätze, die Anregungen sein sollen für die Entwickelungsgedanken der Menschheit, die Sie ausbauen können. Und ich kann Ihnen die Versicherung geben, wenn Sie alles nehmen an geschichtlichen Erkenntnissen, was Sie nur auffinden können, und die geisteswissenschaftliche Entwickelung Europas wirklich verfolgen, so können Sie sehen, daß wir jetzt an dem Punkt eines Zusammenfließens des Christentums mit dem Buddhismus stehen. Ebenso wie in der charakterisierten Zeit ein Zusammenfließen der Jahve-Religion mit dem Christentum geschah, so stehen wir heute an einem Zusammenfluß des Buddhismus mit dem Christentum. Prüfen Sie das, indem Sie alles nehmen, was Ihnen die Historiker Europas geben können! Prüfen Sie es aber nicht so, wie die Historiker Europas es gewohnt sind, sondern so, daß alle Faktoren dabei in Betracht gezogen werden; dann werden Sie sehen, daß sich alles bewahrheitet, was ich gesagt habe. Nur müßten wir dabei wochenlang davon reden, was uns zuströmen kann aus dem, was uns als rosenkreuzerische Geistesrichtung innerhalb Europas gegeben wird. Aber nicht nur in der Geschichte können Sie die Belege dafür finden, sondern, wenn Sie die Sache richtig anstellen, auch in der Naturwissenschaft der Gegenwart und den verwandten Gebieten. Sie müssen nur in richtiger Weise suchen, dann können Sie finden, daß in der Tat überall die neuen Begriffe sich gleichsam krampfhaft hereindrängen in die Gegenwart und alte Begriffe unbrauchbar werden und verschwinden. Es arbeiten in einer gewissen Beziehung unsere Forscher, unsere Denker mit unbrauchbar gewordenen Begriffen, weil sie im weitesten Maße noch nicht imstande sind, in der richtigen Weise die Nebenströmung aufzunehmen und zu verarbeiten, die sich vorzugsweise charakterisiert in den Ideen von Reinkarnation und Karma und in dem, was die Geisteswissenschaft sonst zu geben vermag. Mit unbrauchbar gewordenen Begriffen arbeiten unsere Forscher. Sie können die Literatur der Gegenwart auf den Gebieten der verschiedensten Wissenschaften durchgehen, da werden Sie sehen, daß es manchmal für den Kenner dieser Sachen geradezu jammervoll ist, wie Tatsachen auf Tatsachen hervorsprießen im wissenschaftlichen Leben und wie die Begriffe überall nicht ausreichen, um diese Tatsachen zu verstehen. So haben wir einen Begriff — diese Dinge können heute hier nur angedeutet werden -, der heute noch eine große Rolle spielt im weitesten Umfange unserer Wissenschaft: der Begriff der Vererbung. So wie dieser Begriff der Vererbung heute noch in den verschiedenen Wissenschaften figuriert und sogar in das populäre Leben eintritt, so ist er einfach nicht zu brauchen. Die Tatsachen werden die Menschen lehren, daß sie zu ihrem Verständnis andere Begriffe erfordern als zum Beispiel den ganz unbrauchbaren Begriff von Vererbung, den man heute im weitesten Umfange der Wissenschaften hat. In bezug auf Vererbung beim Menschen und auch bei verwandten Wesen wird es sich zeigen, daß gewisse Tatsachen, die heute durchaus schon bekannt sind, erst verstanden werden können, wenn ganz andere Begriffe vorhanden sind. Spricht man heute beim Menschen von Vererbung in aufeinanderfolgenden Generationen, so hat man den Glauben, als ob man alles, was an Fähigkeiten beim Menschen auftritt, verfolgen könnte in der Vererbungslinie bei den unmittelbaren Vorfahren. Aber erst der Begriff von Reinkarnation und Karma wird es möglich machen, daß klare Begriffe darüber an Stelle der jetzigen verworrenen treten können. So wird es sich zeigen, daß ein großer Teil dessen, was heute in der Menschennatur ist - ich kann das hier nur andeuten -, überhaupt nichts zu tun hat mit dem, was man den gegenseitigen Einfluß der Geschlechter nennt; während eine verworrene Wissenschaft heute noch lehrt, daß alles, was am Menschen ist, seinen Anfang nimmt von der Empfängnis durch das Zusammentreten des Männlichen und des Weiblichen. Denn es ist gar nicht wahr, daß alles, was im Menschen auftritt, irgend etwas zu tun hat mit dem, was sozusagen unmittelbar physisch zusammentritt in der Verbindung der Geschlechter. Sie werden über diese Sache genauer nachdenken müssen; ich will es ja nur als eine Anregung geben.

[ 23 ] These are brief, disconnected remarks intended to stimulate thought about the evolution of humanity, and you can elaborate them for yourselves. If you will take everything you can discover in the way of historical knowledge and follow the development of Europe from the spiritual-scientific point of view you will see clearly that we have now reached the point where a fusion of Christianity and Buddhism will take place, just as in the case of the Jahve-religion and Christianity. Test this by whatever European historians can tell you: but test it by taking all the facts into consideration. You will then find confirmation of everything I have said, although it would be necessary to talk for weeks if we were to speak of all that the Rosicrucian Movement in Europe can contribute. Nor is it only in history that you can find proof of these things. If you set about it rightly you will find proof in modern natural science and allied fields. If you seek in the right way you will find that everywhere the new ideas are thrusting their way into the present; old ideas are becoming useless and are disappearing. In a certain respect our thinkers and investigators are working with outworn concepts because the great majority of them are incapable of assimilating ideas and concepts contributed by the new cultural side-stream, particularly on the subject of Reincarnation and Karma, as well as all the other contributions which Spiritual Science can make. Our scientists are working with concepts that have become useless. If you look through the literature of any field of science you will realise how heart-breaking it often is for scholars that current concepts are quite unable to elucidate the innumerable facts that are constantly coming to light. There is one concept—I can only touch on these things to-day—which still plays an important part in the whole range of science: it is the concept of heredity. The concept of heredity as it figures in the different sciences and in common usage is simply useless. Facts themselves will force people to recognise the need for concepts other than the useless one of heredity as currently accepted in many fields of science. It will become evident that certain facts already known to-day in regard to the heredity of man and related creatures, can be understood only when quite different concepts are available. When speaking to-day of heredity in successive generations we seem to believe that all a man's faculties can be traced back in a direct line through his immediate ancestors. But it is the concept of Reincarnation and Karma alone that will make it possible for clarity to replace the present confusion in this field of thought. Again I cannot go into detail, but it will become evident that a great deal in human nature as we know it to-day is entirely unconnected with the influence of the sexes; nevertheless a confused science still teaches that everything in the human being originates at the time of conception, through the union of male and female. But it is simply not true that everything in the human being is in some way connected with what takes place in direct physical manifestation in the union of the sexes. You will have to think this out more closely for yourselves; I only want what I have said to be a suggestion.

[ 24 ] Wenn Sie den physischen Leib des Menschen betrachten, so wissen Sie, daß derselbe eine alte Geschichte hat: Er hat eine Saturnepoche durchgemacht, eine Sonnenepoche, eine Mondepoche und macht jetzt die Erdepoche durch. Erst während der Mondepoche tritt der Einfluß des Astralleibes auf. Der war vorher nicht da. Dieser Astralleib veränderte natürlich auch den physischen Leib des Menschen. Deshalb erscheint uns der physische Leib heute nicht nur so, wie er durch die Kräfte aus der Saturn- und Sonnenzeit geworden ist, sondern wie er geworden ist unter diesen Kräften und unter den Kräften des Astralleibes und des Ich. Vererbbar durch das Zusammenwirken der Geschlechter ist nur das am physischen Leibe, was mit dem Einfluß des Astralleibes auf den physischen Leib zusammenhängt; während alles, was Gesetze sind, die auf die Saturn- und Sonnenzeit zurückgeführt werden müssen, überhaupt nichts zu tun hat mit dem Zusammenwirken der Geschlechter. Unmittelbar wird ein Teil der Menschennatur empfangen - nicht von dem andern Geschlecht, sondern unmittelbar aus dem Makrokosmos herein. Das heißt, was wir in uns tragen, das stammt gar nicht etwa umfänglich von dem Zusammenwirken der Geschlechter her. Nur das stammt davon her, was von unserem Astralleib an uns abhängt, während wir einen großen Teil der Menschennatur so in uns tragen, daß er empfangen wird — von der Mutter zum Beispiel — unmittelbar aus dem Makrokosmos herein, gar nicht auf dem Umwege durch das andere Geschlecht. Deshalb müssen wir in der menschlichen Natur unterscheiden einen solchen Teil, der auf das Zusammenwirken der Geschlechter zurückgeht, und einen solchen, der unmittelbar von der Mutter empfangen wird vom Makrokosmos herein. Denken Sie einmal, daß ja über diese Dinge erst Klarheit herrschen kann, wenn man einmal reinlich wird scheiden können zwischen den einzelnen Gliedern der Menschennatur, während heute alles durcheinandergeworfen wird. Denn im physischen Leib hat man nicht etwas Abgeschlossenes, sondern das Hereinwirken der Kräfte vom Ätherleib, Astralleib und Ich, und man muß nun wieder unterscheiden solche Kräfte, die direkt dem Einfluß des Makrokosmos zu verdanken sind, und solche, die dem Zusammenwirken der Geschlechter zuzuschreiben sind.

[ 24 ] Man's physical body, as you know, has a long history. It has passed through a Saturn period, a Sun period, a Moon period, and is now passing through the Earth period. The influence of the astral body began only during the Moon period but naturally produced a change in the physical body. Hence the physical body does not appear to us to-day in the form imparted to it by the forces of the Saturn epoch and the Sun epoch, but in the form resulting from those forces combined with the forces of the astral body and the ‘I’. It is only those components of the physical body which are connected with the influence of the astral body on the physical body which can be inherited as the result of the union of the sexes whereas whatever in the physical body is subject to laws going back to the Saturn and Sun periods has nothing to do with the sexes. One part of man's nature is received directly from the Macrocosm and not from the union of the sexes. This means that what we bear within us does not all spring from the union of the sexes; only that which depends upon the astral body springs from that union. A large part therefore of our human nature is received—for example by way of the mother—directly from the Macrocosm and not by the roundabout way of union with the other sex. We must therefore distinguish in man's nature one part that originates from the union of the sexes and another part that is received by way of the mother directly from the Macrocosm. There can be no clarity in these matters until a definite and precise distinction is made between the individual members of man's nature, whereas to-day everything is mingled together in confusion. The physical body is not a self-contained, isolated entity; it is formed through the combined workings of the etheric body, the astral body and the `I’; and again we must distinguish between the forces that are due to the direct influence of the Macrocosm and others that are to be ascribed to the union of the sexes.

[ 25 ] Aber auch durch die väterliche Natur wird etwas aufgenommen, was nichts zu tun hat mit dem Zusammenwirken der Geschlechter. Während gewisse Werkzeuge und Gesetze, die gar nicht auf geschlechtlicher Vererbung beruhen, aufgenommen werden und direkt eingepflanzt werden auf dem Umwege durch den mütterlichen Organismus aus dem Makrokosmos herein, werden auch auf dem Umwege durch den väterlichen Organismus Gesetze aus dem Makrokosmos eingepflanzt, die einen geistigen Weg nehmen. Bei dem, was auf dem Umwege durch den mütterlichen Organismus aufgenommen wird, kann man sich noch sagen: Der mütterliche Organismus ist ein Angriffsmoment. Aber was in bezug auf den Organismus der Mutter gar nicht dem Zusammenwirken der Geschlechter entstammt, das wirkt zusammen mit etwas, was wieder nicht dem Zusammenwirken der Geschlechter, sondern dem Väterlichen entstammt. Es findet also ein Weltenvorgang, ein makrokosmischer Vorgang statt, der sich in den Leibesgliedern und -formen zum Ausdruck bringt. Daher geht man völlig fehl, wenn man heute die Entwickelung des Menschenkeimes einfach so darstellt, daß alles auf Vererbung zurückgeführt wird, während Dinge direkt aus dem Makrokosmos herein aufgenommen werden.

[ 25 ] But from the paternal organism too, something is received that again has nothing whatever to do with the union of the sexes. Certain laws and organs in no way based upon heredity are implanted direct from the Macrocosm through the maternal organism; others come from the Macrocosm by spiritual channels through the paternal organism. Of what is received by way of the maternal organism we may say that this organism is the focus through which it is transmitted; but this combines with something that again is not derived from sexual union but from the father. A macrocosmic process thus takes place and comes to expression in the bodily members and forms. Consequently when speaking of the development of the human embryo it is completely misleading to base everything upon heredity, when in actual fact certain elements are received direct from the Macrocosm.

[ 26 ] Da haben Sie etwas, wo gegenwärtig die Tatsachen weit hinausgehen über das, was die Wissenschaft an Begriffen hat; denn deren Begriffe rühren noch von älteren Epochen her. Nun können Sie fragen: Zeigt sich denn das irgendwie? — Populäre Bücher sprechen wenig davon, aber auf dem Felde des okkulten Betriebes tritt es klar hervor. Ich möchte Sie da auf etwas aufmerksam machen. Ich kann es zwar nur andeuten, möchte aber anführen, daß es einen sehr merkwürdigen Gegensatz gibt zwischen zwei Naturforschern und Denkern der Gegenwart, der aber auch weitere Kreise gezogen hat und andere ergriffen hat. Und wie die Charaktere der beiden Naturforscher sind, das redet bezeichnend für die ganze Sachlage. Da haben Sie Haeckel, der, weil er seine bewunderungswürdigen Tatsachen mit den urältesten Begriffen verarbeitet, alles auf Vererbung zurückführt und die ganze Keimesgeschichte als auf Vererbung beruhend darstellt. Und ihm steht gegenüber der Forscher, der sich eigentlich nun mehr an die Tatsachen hält und dem daher mit einem gewissen Recht vorgeworfen werden kann, daß er zu wenig denkt, His, der Zoologe und Naturforscher. His war genötigt durch die eigentümliche Art, wie er die Tatsachen verfolgt hat, gegen die Vererbungsidee bei Haeckel aufzutreten und darauf aufmerksam zu machen, daß gewisse Organe und Organformen im Menschen nur zu erklären sind, wenn man davon absieht, daß sie ihren Ursprung dem Zusammenwirken der Geschlechter verdanken; worüber dann Haeckel spottete: Also schreibt Herr His die Entstehung des Menschenleibes einer gewissen jungfräulichen Einwirkung zu, die nicht auf einem Zusammenwirken der Geschlechter beruht! - Das ist aber auch ganz richtig. Denn die wissenschaftlichen Tatsachen drängen heute dazu, daß das, was auf das Zusammenwirken der Geschlechter zurückgeführt werden kann, abzutrennen ist von dem, was direkt vom Makrokosmos hereinkommt — was natürlich für weite Kreise heute eine ganz absurde Idee ist. Daraus sehen Sie, daß heute schon auf dem Boden der Wissenschaft hingedrängt wird zu neuen Begriffen. Wir stehen mitten drinnen in einer Entwickelung, die da sagt: Wollt ihr die Tatsachen, die euch gegeben werden, richtig begreifen, so müßt ihr eine Reihe ganz neuer Begriffe aufnehmen; denn ihr reicht nicht mehr aus mit dem, was ihr als Begriffe aus alten Zeiten überkommen habt.

[ 26 ] Here, then, we have a case in our own times where the facts themselves far outstrip the concepts at the disposal of science, for these concepts originated in an earlier epoch. You may ask: Is there any evidence to confirm this? Popular literature has little to say, but occultism is absolutely clear about it. And here I should like to draw your attention to something, of which, however, I can give no more than a hint.—A remarkable contrast between two naturalists of the modern age has attracted widespread attention and has influenced other thinkers to a very considerable extent. The characters of the two naturalists are very relevant here. On the one side there is Haeckel. Because Haeckel applies ancient concepts to his really wonderful collection of facts and data, he traces everything to heredity and bases the whole development of the embryo upon it. On the other side there is His, [Wilhelm His (1831–1904).] the zoologist and scientist, who keeps very closely to the facts as such and because of this might possibly be accused, with a certain justification, of doing too little thinking. Because of the particular way in which he investigated his facts he was bound to oppose the concept of heredity as propounded by Haeckel and he pointed out that certain organs and organic structures in the human being can be explained only if the view that they originate from the union of the sexes, is discarded. To this Haeckel mockingly retorted that His was attributing the origin of the human being to a virginal influence independent of any sexual union! But as a matter of fact this is quite correct. Scientific facts more or less compel us to-day to admit that what can be attributed to the union of the sexes must be distinguished from what comes direct from the Macrocosm—which wide circles of people nowadays naturally regard as absurd. So you can see that even in the field of natural science we are being driven towards new concepts. The present phase of evolution makes it evident that to have a genuine grasp of the facts presented by science we must acquire many new concepts and that those inherited from past ages no longer suffice.

[ 27 ] Daraus sehen wir, wie mit unserer Kultur zusammenfließen muß eine Nebenströmung. Das ist die Merkurströmung, die sich dadurch kundgibt, daß der, welcher heute eine okkulte Entwickelung durchmacht, wie sie in den verschiedenen Vorträgen geschildert worden ist, hineinwächst in die geistige Welt und dadurch gewisse neue Tatsachen erlebt. Die fließen ihm zu, strömen in seine Seele hinein. Wir können ja in einer gewissen Weise dieses Sichhineinleben des Menschen in eine andere Welt bezeichnen oder vergleichen mit dem Fisch, der aus dem Wasser in die Luft versetzt wird, der sich aber zuerst dafür vorbereitet hätte, indem er seine Schwimmblase in Lungen verwandelt hätte. Wir können damit vergleichen das Übergehen eines Menschen von der sinnlichen Anschauung in die geistige Anschauung, indem die Seele sich fähig gemacht hat, gewisse Kräfte in einem andern Element zu gebrauchen. Da zeigt sich dann Verschiedenstes. Heute ist die Luft gerade durchsetzt von denjenigen Gedanken, die es uns nötig machen, die neuen, auf dem physischen Plan auftretenden Tatsachen der Wissenschaft so recht zu begreifen. Man lebt sich hinein als übersinnlicher Forscher in das, was von allen Seiten als Tatsachen herandrängt. Das war noch nicht so, bevor die Nebenströmung aufgetreten ist, von der ich heute sprach. Wir sehen also: Wo wir auch die Sachen anfassen, wir leben in einer außerordentlich wichtigen Epoche, in einer Zeit, in welcher es gar nicht möglich sein wird, weiterzuleben, wenn nicht eben solche Umwälzungen eintreten im menschlichen Denken und Empfinden, wie sie als notwendig erklärt worden sind.

[ 27 ] From what I have said you will realise that a tributary stream must flow into our present culture. This is the Mercury-stream, the existence of which proclaims itself in the fact that those undergoing occult development as described in many of our lectures, grow into the spiritual world and in so doing experience new facts and realities. This penetration into another world may be compared with the way in which a fish is transferred from water into the air but must first have prepared itself by turning its gills into lungs. Similarly, a man whose faculty of sense-perception is developing into spiritual perception will have made his soul capable of using certain forces in a different element. The very atmosphere nowadays is saturated with thoughts which make it necessary for us to have a genuine grasp of the new facts of science becoming evident on the physical plane. The spiritual investigator can penetrate into the real nature of the facts that press in upon him from all sides. This is due to the appearance of the new stream of which I have been speaking. Thus wherever we look, we find that we are living in an extraordinarily important epoch, in times when it will be impossible for life to progress unless revolutionary changes take place in men's thinking and perception.

[ 28 ] Ich sagte, wie der Fisch, der gewohnt ist, im Wasser zu leben, sich in ein neues Element hineinleben müßte, so müßte der Mensch sich hineinleben in ein neues Element. Aber der Mensch muß sich auch in seinem Denken hineinleben in die Tatsachen, die einmal der physische Plan hervorbringt. Die Menschen, die sich gegen das neue Denken stemmen wollten, wären in einer solchen Lage wie ein Fisch, der einfach aus dem Wasser herausgenommen wird. Man kann nämlich nicht im Wasser bleiben! Und Sie werden dann sehen, in welchem Luftmangel solche Menschen später leben werden in bezug auf geistige Begriffe. Oh, sie werden schnappen nach Luft! Und die Menschen, die in dem heutigen Monismus weiterleben wollen, gleichen solchen Fischen, die den Aufenthalt im Wasser mit dem Aufenthalt in der Luft vertauschen wollten, die aber ihre Kiemen behalten möchten. Einzig und allein die Menschenseelen, die ihre Fähigkeiten verwandeln, die gewachsen sind einer neuen Auffassung der Tatsachen mit den Gedanken, die werden begreifen, was die Zukunft bringen wird.

[ 28 ] I said that man must learn to live in a new element in the same way that a fish, accustomed to living in water, would have to find its way into the new element of air. But men must be able, in their thinking too, to penetrate to the real nature of the facts produced on the physical plane. If they stand out against this new thinking they will be in the same position as fish taken out of the water; later on they will literally be gasping for spiritual concepts. Those who want to retain the monism of to-day are like fish who might prefer to exchange their watery for an airy habitation, but at the same time want to keep their gills. Only those human souls who so transform their faculties that a new conception of present facts is within their reach will grasp what the future has in store.

[ 29 ] So fühlen wir uns mit vollem Verständnisse stehend an einem Zusammenfluß zweier Weltanschauungsströmungen. Die eine soll uns bringen eine vertiefte Auffassung des Christus-Problems, des Mysteriums von Golgatha, und die andere soll bringen neue Begriffe und Ideen über die Wirklichkeit. Beide sind in die Notwendigkeit versetzt, zusammenzuströmen in unserer Zeit. Es wird nicht abgehen ohne die schlimmsten Hindernisse. Denn solche Zeiten, in welchen sich Weltanschauungsströmungen begegnen, treffen viele Hemmungen und Hindernisse. Und es wird in einer gewissen Beziehung die der Geisteswissenschaft anhängende Menschheit mitten hineingestellt sein auf den Platz, wo ganz notwendig sich ergeben wird das Verständnis für solche Dinge. Mancher von denjenigen, die sozusagen unsere Mitglieder sind, könnte vielleicht sagen mit Bezug auf eine Auseinandersetzung, wie sie heute gepflogen worden ist: Was du da sagst, ist schwer verständlich, und wir müssen uns erst lange hineinarbeiten. Warum gibst du uns nicht bequemere Kost, die uns von der Spiritualität der Welt überzeugen könnte, die uns bequemer munden könnte? Warum stellst du solche Anforderungen an das Verständnis der Welt? - Mancher könnte so sprechen und sagen: Wie viel schöner wäre es, wenn wir daran glauben dürften, was uns ein aus dem Altertum unmittelbar übertragener Buddhismus sagen kann: daß wir nicht das Christus-Ereignis so zu denken hätten wie den einen Punkt, an dem die Waage hängt, und daß es neben diesem keinen zweiten solchen geben kann, sondern daß eine Wesenheit wie der Christus sich, wie andere Menschen auch, immer wieder und wieder inkarniert. Warum sagst du nicht: Es wird da oder dort einer im Fleische kommen! - statt so etwas zu sagen, daß sich die Menschen fähig machen müssen, die Wiedererneuerung des Ereignisses vor Damaskus zu erleben? Denn wenn uns gesagt wird: Es wird einer im Fleische kommen -, dann können wir sagen: Da, seht hin, da ist er! wir können ihn mit physischen Augen sehen! — Das ist viel leichter verständlich.

[ 29 ] So we find ourselves living, but now with full understanding, at a point where two streams converge. The first stream should give us a deeper understanding of the Christ-problem and the Mystery of Golgotha; the other should inaugurate new ideas and concepts of reality. The two streams must converge in our time. But this will not happen without great hindrances being encountered; for in periods when two such streams of thought and outlook converge, all kinds of obstructions arise. And in a certain sense it is the adherents of Spiritual Science who will find it particularly necessary to understand these facts. Some of our members might counter the exposition I have been giving here, by saying: What you have told us is very difficult to understand and we shall have to work at it for a long time. Why do you not give us something more readily digested, which convinces us of the spirituality of the world and makes a greater appeal? Why do you expect so much of our understanding of the world? How much pleasanter it would be if we could believe what a Buddhism transmitted exactly as it was at the beginning, can tell us: that we need not think of the Christ Event as the single point on which the scales of world-evolution hinge and that there can be no repetition of it. It would be so much easier to think that a Being such as the Christ incarnates again and again like other men. Why do you not say that here or there this Being will come again in the flesh—instead of saying that men must make themselves capable of experiencing a renewal of what happened to St. Paul at the gate of Damascus? For if you told us that there will be an incarnation of the Christ Being in the flesh, we could say: ‘Behold, he is here! We can see him with physical eyes!’—That would be so very much easier to understand.

[ 30 ] Daß so etwas gesagt wird, dafür werden schon andere sorgen. Daß die Wahrheit gesagt werde, das ist die Aufgabe der abendländischen Geisteswissenschaft. Die Wahrheit unter voller Verantwortung aller Vorbedingungen, welche in der Entwickelung liegen, die bis zu unserem heutigen Tag geführt hat. Und wer Bequemlichkeit in der spirituellen Welt will, der mag auf andern Wegen die Spiritualität suchen. Wer aber die Wahrheit finden will, die Wahrheit, wie sie unsere Zeit braucht, nämlich so, daß wir für diese Wahrheit alle Intellektualität benützen, die wir zum alten Hellsehen hinzugewonnen haben bis zu dem Tage, wo das neue Hellsehen wieder anbricht, und wer diese Intellektualität verstehen will, wie sie heute verstanden werden muß, von dem bin ich mir klar, daß er den Weg gehen wird, der mit den Worten, die heute und schon öfter hier gesprochen worden sind, vorgezeichnet ist. Denn nicht darum handelt es sich, daß wir erst sagen, wie wir die Wahrheit haben wollen, sondern daß wir aus dem ganzen Gange der Menschheitsentwickelung in einer bestimmten Epoche wissen, wie diese Wahrheit notwendigerweise in einem bestimmten Zeitpunkt gesagt werden muß. Oh, es wird mancherlei anderes gesagt werden! Sie aber sollen nicht unvorbereitet sein auf mancherlei anderes, was gesagt werden könnte. Deshalb wird nicht verfehlt werden innerhalb der rosenkreuzerischen Geistesentwickelung, immer wieder und wieder auf das hinzuweisen, was auf der vollen Höhe des geistigen Erkennens unserer Zeit stehen kann. Und Sie haben ein Mittel, um das, was an diesem Orte oder sonstwo gesagt werden wird, nicht in einem blinden Glauben aufzunehmen; denn an einen solchen blinden Glauben wird hier, in dieser Geistesströmung, nie appelliert. Sie haben dieses Mittel in dem Gebrauch Ihrer Vernunft, Ihrer Intellektualität, Ihres eigenen Verstandes, und Sie können die Worte hören, die immer wiederholt werden: Nehmen Sie das ganze Leben, die ganze Wissenschaft, alles, was Sie erfahren können, zusammen, und prüfen Sie, was innerhalb der rosenkreuzerischen Geistesströmung gegeben wird! Versäumen Sie nicht, alles zu prüfen, und Sie werden sehen, daß es der Prüfung standhält! Die, welche in der rosenkreuzerischen Geistesrichtung leben werden, die werden wissen, daß es der Prüfung standhält. Aber versäumen Sie nicht, die Prüfung anzulegen! Denn gerade auf dem Boden, wo sich die Gegensätze am meisten berühren, wenn vielleicht das glatte Gegenteil irgendwo auftritt, auf dem Boden der wirklichen Spiritualität darf überhaupt kein Glaube maßgebend sein. Unfruchtbar und totgeboren wird alles sein, was auf einem blinden Glauben beruht. Leicht wäre es, auf einen blinden Glauben zu bauen. Darauf verzichtet der, welcher in den Reihen des abendländischen Geisteslebens steht. Dafür aber baut er auf das, was geprüft werden kann an der Vernunft, an dem Verstand, an der menschlichen Intellektualität. Denn diejenigen, welche da verbunden sind mit den Quellen unserer rosenkreuzerischen Geistesrichtung, die sagen, indem sie aus dieser Geistesrichtung heraus sprechen: So liegen die Dinge nach gewissenhafter Prüfung, und auf dem Boden der Wahrheit soll das Gebäude der Geisteswissenschaft aufgerichtet werden. Der Boden eines leichten Glaubens ist nicht unser Boden. Auf dem Boden sorgfältig geprüfter, wenn vielleicht auch schwieriger Wahrheit wird aufgerichtet sein das Gebäude der Geisteswissenschaft, und die Propheten eines blinden, eines bequemen Glaubens werden das Gebäude der Geisteswissenschaft nicht erschüttern.

[ 30 ] Plenty of people will see to it that this kind of thing is said. But it is the mission of Western Spiritual Science to make known the truth—the truth which takes full account of all the factors responsible for the progress of evolution to this day. Those who look for comfort and ease in the spiritual world will have to seek for spirituality along other paths. The truth needed for our times is that to which we must apply all the intellectual capacity acquired since the fading of the old clairvoyance; this must carry us on until the dawn of the new clairvoyance. And I am sure that those who understand the nature of this intellectual capacity in the form necessary for to-day will follow the path indicated in the words I have spoken here now, and so often before. It is not a matter of saying in what form we wish to have the truth but of knowing from the whole course of human evolution in a given epoch, how, at a particular point of time, the truth must be proclaimed. You may be sure that plenty of other things will be said, and you must not be unprepared for them. Consequently in Rosicrucian Spiritual Science we shall not fail to draw attention again and again to the highest spiritual knowledge attainable in our time. You need never accept blindly on trust anything said here or elsewhere, for in our Movement we never appeal to blind credulity. In your own intelligence and the use of your own reason you have adequate means of testing what you hear. And remember, as you have been told so often, that you must bring the whole of life, the whole of science and the whole of your experience, to bear upon what you hear in Rosicrucian Spiritual Science. Do not fail to put everything to the test. It is precisely where you come across incongruities or perhaps where the truth seems to be the very opposite of what is stated, that on the ground of true spirituality blind faith cannot be allowed. Everything based on blind faith is bound to be sterile and stillborn. It would be easy enough to build on credulity: but those who belong to the stream of Western spiritual life refuse to do this. They build instead upon what can be tested by human reason, understanding and intellect. Those in touch with the source of our Rosicrucian Spiritual Science know that whatever is said has been carefully tested. The edifice of Spiritual Science is built upon the ground of truth, not upon that of easy faith; it is upon the foundation of a thoroughly tested, though perhaps difficult truth, that we establish our Spiritual Science; and prophets of a blind and comfortable faith will not shake that foundation.