Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124
10 June 1911, Berlin
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Excursions into the Subject of the Gospel of Mark, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] Es ist in unserer Zeit zweifellos zu bemerken, daß jener Geist geisteswissenschaftlicher Weltanschauung, von welchem in diesem Zweige und überhaupt innerhalb unserer deutschen Sektion seit Jahren nun schon gesprochen werden konnte, sich immer mehr und mehr in der Welt einzuleben beginnt, Verständnis zu finden beginnt in den Herzen und in den Gemütern unserer Zeitgenossen. Es ist natürlich nicht möglich — was vielleicht zuweilen ganz wünschenswert wäre zur gegenseitigen Verständigung -, ab und zu von der Einführung unserer geisteswissenschaftlichen Empfindungen und Gefühle und Erkenntnisse in die gegenwärtige Welt zu sprechen. Gewiß wollte mancher von Ihnen gern wissen, wie das, was er selbst in seine Seele als seine geistige Nahrung aufnimmt, in unserer Gegenwart auf andere Herzen, andere Persönlichkeiten wirkt. Es kann ja nur bei gewissen Gelegenheiten von dieser äußeren Verbreitung unserer geisteswissenschaftlichen Anschauung gesprochen werden. Aber es kann Sie vielleicht doch mit einer gewissen Befriedigung erfüllen, wenn ich einleitungsweise sage, daß wir immer wieder und wieder sehen können, wie in den verschiedenen Landesgebieten, unter den verschiedenen Himmelsstrichen der Geist, von dem wir alle beseelt sind, seinen Einzug hält, dort mehr, dort weniger. Als ich vor einiger Zeit an einem südlicheren Punkte Österreichs, in Triest, für unsere Ideen Verständnis zu erwecken suchte, da war zu sehen, wie die Anschauungen, die wir hegen, anfangen, auch dort schon Fuß zu fassen. Und wenn wir von diesem südlicheren Punkte heraufgehen nach Kopenhagen, wo in den letzten Tagen in einer Anzahl von Vorträgen an die Herzen das herangebracht werden konnte, was wir als Geist anerkennen, so konnten wir auch dort bei unsern nördlichen Freunden sehen, wie immer mehr und mehr der Geist einzieht, der von uns gepflegt wird unter der Signatur des Rosenkreuzes. Wenn man einzelne von solchen äußeren Tatsachen zusammennimmt, dann zeigt es sich, daß Bedürfnis und Sehnsucht vorhanden ist nach dem, was wir Geisteswissenschaft nennen in unserer Gegenwart.
[ 1 ] It is undoubtedly evident in our time that the spirit of the spiritual-scientific worldview—which has been discussed in this branch and within our German Section in general for years now—is beginning to take root more and more in the world and to find understanding in the hearts and minds of our contemporaries. Of course, it is not possible—though this might at times be quite desirable for mutual understanding—to speak from time to time about the introduction of our spiritual scientific perceptions, feelings, and insights into the present world. Certainly, many of you would like to know how what you yourselves take into your souls as spiritual nourishment affects other hearts and other personalities in our time. After all, we can only speak of this outward dissemination of our spiritual-scientific perspective on certain occasions. But it may perhaps fill you with a certain satisfaction when I say by way of introduction that we can see time and again how, in the various regions of the world, under the various skies, the spirit that animates us all is making its way there, to a greater or lesser extent. When, some time ago, I sought to awaken an understanding of our ideas in a more southern part of Austria, in Trieste, it was evident how the views we hold are beginning to take root there as well. And if we travel northward from this southern point to Copenhagen, where in recent days a series of lectures has brought to people’s hearts what we recognize as the Spirit, we could also see there among our northern friends how the Spirit we cultivate under the sign of the Rosicrucians is taking hold more and more. When one takes individual such external facts together, it becomes evident that there is a need and a longing for what we call spiritual science in our present time.
[ 2 ] Es ist ja nun wahrhaftig der innerste Nerv jener Gesinnung, die unsere geistige Richtung durchdringt, nicht in einem äußeren Sinne irgendwelche Agitation oder Propaganda zu treiben, sondern lediglich hinzuhorchen auf das, was von den großen umfassenden Weistümern der Welt die Herzen und die Seelen der Gegenwartsmenschen brauchen - brauchen, um die Möglichkeit und Sicherheit des Lebens in unserer Zeit zu haben. Da können wir eben, mit dem Gedanken einer allgemeineren Betrachtung anknüpfend, uns darauf besinnen, daß es für uns in unserer Zeit gewissermaßen eine Art von Verpflichtung ist, diese spirituelle Gesinnung zur Nahrung unserer Seele zu machen. Das hängt ja zusammen mit der ganzen Art und Weise, wie wir hereingewachsen sind in unsere Zeit. Wir haben gewiß schon alle genügend aufgenommen von dem großen Gesetz des Karma, um zu wissen, daß es nicht eine Zufälligkeit ist, nicht eine Nebensächlichkeit, wenn diese oder jene Individualität gerade in dieser ganz bestimmten Zeit sich gedrängt fühlt, herunterzusteigen in die physische Welt, um einen physischen Leib anzunehmen. Und alle diejenigen Seelen, die hier sitzen, haben die Sehnsucht empfunden, einen physischen Leib anzunehmen um die Wende des 19., 20. Jahrhunderts, weil das, was innerhalb der physischen Umgebung während dieser Zeit gepflegt und getan werden kann, erlebt werden will von diesen Seelen - von Ihren Seelen.
[ 2 ] It is truly the very essence of that mindset that permeates our spiritual orientation—not to engage in any kind of agitation or propaganda in an external sense, but merely to listen to what the hearts and souls of people today need from the great, all-encompassing wisdom of the world—need in order to have the possibility and security of life in our time. Here, taking up the thread of a more general perspective, we can reflect that for us in our time it is, in a sense, a kind of obligation to make this spiritual attitude the nourishment of our soul. This is, of course, connected with the very way in which we have grown into our time. We have certainly all absorbed enough of the great law of karma to know that it is no coincidence, no trivial matter, when this or that individual feels compelled, at this very specific time, to descend into the physical world to take on a physical body. And all those souls sitting here felt the longing to take on a physical body at the turn of the 19th and 20th centuries, because what can be cultivated and accomplished within the physical environment during this time is what these souls—your souls—wish to experience.
[ 3 ] Betrachten wir einmal unsere Zeit, wie sie sich darstellt geistig für die Seelen, die eben - wie die unsrigen - in unsere Zeit hineingeboren worden sind. Es ist wirklich recht anders um die Wende des 19., 20. Jahrhunderts, in der geistigen Umwelt wie auch draußen in der exoterischen Welt, als es selbst noch vor fünfzig, sechzig Jahren war. Der Mensch, der heute heranwächst — und Sie waren ja alle in dieser Lage -, er versucht da oder dort von dem zu hören, was der Geist, die geistige Führung, die geistige Leitung der Welt ist, was die Außenwelt durchdringt in den Schöpfungen der verschiedenen Naturreiche und was in unsere Seele einzieht. Und wir dürfen sagen, seit einem halben Jahrhundert findet eine nach dem Geistigen sehnsüchtige Seele überall da, wo sie wirklich echte, geistige, spirituelle Nahrung zu empfangen sucht, außerordentlich wenig. Ja, im tiefsten Innern der Seele ist diese Sehnsucht vorhanden, die höchstens übertäubt werden kann, wenn sie nicht laut zu sprechen scheint; da ist diese Sehnsucht, und da will ein jeglicher, wo er auch steht im Leben, was er auch tun soll, geistige, wirkliche spirituelle Nahrung empfangen. Ob man sich heute auf dem Gebiete irgendeiner Wissenschaft umtut — man lernt ja nur die äußeren materiellen Tatsachen kennen, die zwar in kluger, großartiger, scharfsinniger Weise zu den großen Kulturfortschritten der Gegenwart verwertet werden, denen aber nicht abgelauscht wird, was man durch den Geist offenbaren will. Ob man als Künstler in der Welt tätig ist oder in einem praktischeren Lebenszweige steht: man findet überall wenig von dem, was man braucht, damit es in Geist, in Kopf und Hände gehen kann, damit wir nicht nur Kraft und Impulse zur Arbeit haben, sondern auch Sicherheit und Trost und Kraft im Leben. Und die Menschen am Anfange des 19. Jahrhunderts ahnten in einer gewissen Weise schon, daß in einer nahen Zukunft wenig davon vorhanden sein würde. Mancher Mensch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da noch Reste eines alten geistigen Lebens, wenn auch in einer andern Form, vorhanden waren, sagte sich: Es ist so etwas in der Luft wie ein vollständiges Verschwinden der alten Geistesschätze, die durch Tradition aus alten Zeiten heruntergekommen sind. Aber gerade die berechtigten Kulturfortschritte des 19. Jahrhunderts werden völlig auslöschen, was an geistigen Überlieferungen aus alten Zeiten zu uns gekommen ist.
[ 3 ] Let us consider our time as it appears spiritually to souls who—like our own—have just been born into our era. Things are truly quite different at the turn of the 19th and 20th centuries, both in the spiritual realm and out in the exoteric world, than they were even fifty or sixty years ago. The person growing up today—and you were all in this situation—tries here and there to hear about what the Spirit is, the spiritual guidance, the spiritual direction of the world, what permeates the outer world through the creations of the various kingdoms of nature, and what enters into our soul. And we may say that for half a century now, a soul yearning for the spiritual has found extraordinarily little wherever it seeks to receive genuine, spiritual nourishment. Yes, deep within the soul this longing exists, which can at most be drowned out when it does not seem to speak aloud; there is this longing, and there everyone, wherever they stand in life, whatever they are to do, wants to receive spiritual, true spiritual nourishment. Whether one engages today in the field of any science—one learns only the external, material facts, which are indeed utilized in a clever, magnificent, and astute way for the great cultural advances of the present, but from which one does not discern what the spirit seeks to reveal. Whether one is active in the world as an artist or in a more practical branch of life: everywhere one finds little of what is needed so that it may flow into the spirit, into the mind and hands, so that we may have not only strength and impulse for work, but also security, comfort, and strength in life. And people at the beginning of the 19th century already sensed in a certain way that little of this would be available in the near future. Many people in the first half of the 19th century, when remnants of an old spiritual life still existed, albeit in a different form, said to themselves: There is something in the air like a complete disappearance of the old spiritual treasures that have come down to us through tradition from ancient times. But it is precisely the justified cultural advances of the 19th century that will completely erase the spiritual traditions that have come down to us from ancient times.
[ 4 ] Manche solche Stimme hören wir. Und ich möchte zum Zeugnis dafür, wie solche Stimmen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ertönten, einiges jetzt hier anführen. Es soll die Stimme eines Mannes hier unter uns gehört werden, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viel in der alten Art von Theosophie, kann man sagen, wußte, der auch wußte, daß nun die alte Art vollends unter dem Gang der Ereignisse des 19. Jahrhunderts verschwinden müsse, der aber zugleich fest davon überzeugt war, daß es eine Zukunft geben müsse, wo die alte Theosophie wieder kommen müsse. Die Worte, die ich jetzt vorlesen will, sind im Jahre 1847 niedergeschrieben, also als die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Ende ging. Und der sie niedergeschrieben hat, war einer derjenigen Denker, die es heute nicht mehr gibt, die eben die letzten Nachklänge jener alten Überlieferungen noch fühlten, die allerdings vor noch längerer Zeit abhanden gekommen sind:
[ 4 ] We hear some such voices. And I would like to cite a few examples here to illustrate how such voices were heard in the first half of the 19th century. We shall hear the voice of a man here among us who, in the first half of the 19th century, knew much about the old form of theosophy, so to speak; who also knew that this old form would now have to disappear completely under the course of events of the 19th century; but who was at the same time firmly convinced that there must be a future in which the old theosophy would have to return. The words I am now going to read aloud were written down in 1847, that is, as the first half of the 19th century was drawing to a close. And the one who wrote them down was one of those thinkers who no longer exist today, who still felt the last echoes of those ancient traditions, which, admittedly, had been lost even longer ago:
[ 5 ] «Was die Theosophie eigentlich will, das ist bei den älteren Theosophen oft schwer zu erkennen, ... nicht minder deutlich aber auch, daß es die Theosophie auf ihrem bisherigen Wege zu keiner wissenschaftlichen Existenz und mithin auch zu keiner ins Größere gehenden Wirkung bringen kann. Sehr voreilig würde man daraus schließen, daß sie überhaupt ein wissenschaftlich unberechtigtes und nur ephemeres Phänomen sei. Dagegen zeugt schon die Geschichte laut genug. Sie erzählt uns, wie diese rätselhafte Erscheinung nie durchdringen konnte, und dessen ungeachtet immer wieder von neuem hervorbrach, ja, durch die Kette einer nie aussterbenden Tradition in ihren verschiedenartigsten Formen zusammengehalten wird. ... Es gibt vollends zu allen Zeiten wenige, in denen dieses lebendige spekulative Bedürfnis mit lebendigem religiösen Bedürfnis zusammen ist. Nur für diese letzteren aber ist die Theosophie. ... Und was die Hauptsache ist, wenn sie nur erst einmal eigentliche Wissenschaft geworden ist, und also auch deutlich bestimmte Resultate abgesetzt hat, so werden diese schon nach und nach in die allgemeine Überzeugung übergehen oder populär werden, und sich so auch als gemeingültige Wahrheiten für diejenigen vererben, die sich in die Wege nicht finden können, auf denen sie entdeckt wurden und allein entdeckt werden konnten.
[ 5 ] “What Theosophy actually aims for is often difficult to discern among the older Theosophists, ... but it is no less clear that, on its current path, Theosophy cannot achieve scientific legitimacy and, consequently, cannot have a broader impact. It would be very hasty to conclude from this that it is, in fact, a scientifically unfounded and merely ephemeral phenomenon. History, however, speaks loudly enough against this. It tells us how this enigmatic phenomenon has never been able to take root, and yet has repeatedly emerged anew, indeed, is held together by the chain of an unbroken tradition in its most diverse forms. ... There are, in fact, few times in history when this lively speculative need is combined with a lively religious need. But theosophy is intended only for the latter. ... And what is most important is that, once it has become a true science and has thus produced clearly defined results, these will gradually become part of general belief or gain popularity, and will thus be passed down as universally accepted truths to those who cannot find their way to the paths on which they were discovered and could only be discovered.
[ 6 ] Doch dies ruht im Schoße der Zukunft, der wir nicht vorgreifen wollen; für jetzt mögen wir uns der schönen Darstellung des lieben Oetingers dankbar erfreuen, die gewiß in einem weiten Kreise auf Teilnahme rechnen darf.»
[ 6 ] But this lies in the future, which we do not wish to anticipate; for now, let us gratefully enjoy dear Oetinger’s beautiful account, which is sure to find a wide audience.»
[ 7 ] So sehen wir, wie der theosophische Geist empfunden wurde im Jahre 1847 von einem Manne wie Rothe in Heidelberg, der sich in seinem Vorwort beruft auf einen Theosophen, Oetinger, von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
[ 7 ] Thus we see how the theosophical spirit was perceived in 1847 by a man like Rothe in Heidelberg, who, in his preface, refers to a theosophist, Oetinger, from the second half of the 18th century.
[ 8 ] Was ist denn der theosophische Geist eigentlich für ein Geist? Das ist ein Geist, ohne den in der Welt niemals überhaupt die wahren Kulturtaten hätten geschehen können. Und wenn wir an das Größte denken: es ist der Geist, ohne den es nie einen Homer, einen Pindar, Raffael, Michelangelo, ohne den es keine religiöse Vertiefung der Menschen gäbe, aber auch kein geistiges Leben und auch keine äußere Kultur. Denn alles, was der Mensch schaffen will, muß er aus dem. Geiste heraus schaffen. Und wenn er ohne den Geist glaubt schaffen zu können, so weiß er nicht, daß das ganze geistige Streben in Verfall kommt für gewisse Zeiten und daß etwas, was in geringerem Maße aus dem Geiste heraus stammt, auch um so mehr eher dem Tode geweiht ist als dasjenige, was aus dem Geiste heraus geschaffen ist. Was ewigen Wert hat, das stammt aus dem Geiste, und kein Schaffen bleibt, das nicht aus dem Geiste stammt. Aber auch das kleinste Schaffen, selbst wenn es für den Alltag geschieht, hat einen Ewigkeitswert und verbindet uns mit einem Geistigen, denn es steht alles, was der Mensch tut, unter der Führung des geistigen Lebens. Wir in unserem theosophischen Leben, wie wir es pflegen, wissen, daß diesem Leben die Strömung zugrundeliegt, die wir die Rosenkreuzerströmung nennen, und wir haben es öfter betont, daß die Meister der Rosenkreuzerweisheit seit dem 11., 12., 13. Jahrhundert vorbereitet haben, was seit dem Ende des 19. Jahrhunderts begonnen hat zu geschehen und was im 20. weiter geschehen wird. Was Rothe in Heidelberg zum Beispiel als eine Zukunft bezeichnet, was er ersehnt und erhofft, das soll ja für uns schon Gegenwart sein. Und es wird für uns immer mehr und mehr Gegenwart. Aber das haben seit langen Zeiten diejenigen vorbereitet, welche diese geistige Strömung zuerst auf eine dem Menschen unwahrnehmbare Weise in die Seelen haben einfließen lassen. In spezifischem Sinne ist dasjenige, was wir den Rosenkreuzerweg nennen seit dem 12., 13., 14. Jahrhundert, in unserer theosophischen Bewegung in bewußterer Gestalt vorhanden - was seit dem 11.., 12., 13., 14. Jahrhundert einströmte in die Herzen, in die Wissenschaft, was den Geist der Menschen Europas geprägt hat.
[ 8 ] What, then, is the theosophical spirit? It is a spirit without which the world’s true cultural achievements could never have come to pass. And if we think of the greatest things: it is the spirit without which there would never have been a Homer, a Pindar, Raphael, Michelangelo; without which there would be no religious deepening of humanity, but also no spiritual life and no external culture. For everything that human beings wish to create, they must create out of the spirit. And if he believes he can create without the spirit, he does not know that the entire spiritual striving falls into decay for certain periods, and that something which originates to a lesser degree from the spirit is all the more doomed to death than that which is created from the spirit. What has eternal value originates from the spirit, and no creation remains that does not originate from the spirit. But even the smallest act, even if it is done for everyday life, has eternal value and connects us with the spiritual, for everything that a human being does is under the guidance of spiritual life. We, in our theosophical life as we practice it, know that this life is based on the current we call the Rosicrucian current, and we have often emphasized that the Masters of Rosicrucian wisdom have, since the 11th, 12th, 13th centuries, have prepared what began to unfold at the end of the 19th century and what will continue to unfold in the 20th. What Rothe in Heidelberg, for example, describes as a future—what he longs for and hopes for—is, after all, already the present for us. And it is becoming more and more the present for us. But this has long been prepared by those who first allowed this spiritual current to flow into souls in a way imperceptible to human beings. In a specific sense, what we call the Rosicrucian path—which has been present in our theosophical movement in a more conscious form since the 12th, 13th, and 14th centuries—is what flowed into the hearts and into science from the 11th, 12th, 13th, and 14th centuries, shaping the spirit of the people of Europe.
[ 9 ] Kann man sich denn aus den Vorgängen, die sich in unserer Kultur abgespielt haben, eine Vorstellung davon machen, wie dieser Geist eigentlich gewirkt hat? Ich sagte, seit dem 11., 12., 13., 14. Jahrhundert hat er als eigentlicher Rosenkreuzergeist gewirkt; aber er war immer da, hat nur die letzte Rosenkreuzerform angenommen seit dem genannten Zeitraum. Dieser Geist, der jetzt als Rosenkreuzergeist wirkt, geht zurück bis in alte Menschheitszeiten. Er hat schon in der alten atlantischen Zeit seine Mysterien gehabt. Und was in der neueren Zeit seine Wirksamkeit entfaltet, das strömte, immer bewußter und bewußter werdend, in älteren Zeiten, in Zeiten, die gar nicht lange hinter den unsrigen liegen, unbewußt in die Herzen und Seelen der Menschen herein.
[ 9 ] Can we gain an understanding of how this spirit actually operated by looking at the events that have unfolded in our culture? I said that since the 11th, 12th, 13th, and 14th centuries, it has been active as the true Rosicrucian spirit; but it has always been there, having only taken on its final Rosicrucian form since that period. This spirit, which now acts as the Rosicrucian spirit, dates back to ancient times of humanity. It already had its mysteries in the ancient Atlantean era. And what is now unfolding its activity in more recent times flowed, becoming ever more conscious, unconsciously into the hearts and souls of people in earlier times, in times not so long past our own.
[ 10 ] Machen wir uns eine Vorstellung, wie dieser Geist unbewußt in die Menschheit hereinströmte. Sie sitzen hier zusammen. Wir pflegen miteinander das, was uns zeigt: In dieser oder jener Weise entwickelt sich die Menschenseele, um nach und nach hinaufzukommen in die Regionen, wo sie verstehen kann das geistige Leben, wo sie vielleicht auch schauen kann das geistige Leben. Viele von Ihnen haben sich schon seit Jahren bemüht, die Begriffe und Ideen, die uns das geistige Leben abbilden, in die Seele hereinfließen zu lassen, um aus diesen Begriffen und Ideen ihre geistige Nahrung zu haben. Sie kennen die Art und Weise, wie wir uns verständigen über die Rätsel der Welt. Oftmals ist es von mir gesagt worden, wie die verschiedenen Stufen der Entwickelung der Seele vor sich gehen, wie die Seele sich hinauflebt in die höheren Welten. Es ist gesagt worden, wie der Mensch einen höheren Teil seines Selbst von einem niederen Teil zu unterscheiden hat, es ist geschildert worden, wie der Mensch herübergekommen ist von anderen planetarischen Zuständen, wie er durchgemacht hat eine Saturn-, eine Sonnen- und eine Mondentwickelung, in der sich sein physischer Leib, sein Ätherleib und sein Astralleib ausbildete, und wie er dann seine Erdenentwickelung angetreten hat. Es ist gesagt worden, wie etwas in uns wohnt, das hier seine Schulung haben soll, um zu einem Höheren aufzusteigen. Auch das ist gesagt worden, daß gewisse Wesenheiten auf dem Monde als luziferische Wesenheiten zurückgeblieben sind, die sich dann später als Verführer heranmachten an den menschlichen Astralleib, um dem Menschen das zu geben, was sie ihm geben konnten. Dann haben wir oftmals davon gesprochen, wie der Mensch zu überwinden hat in seinem niederen Selbst dieses oder jenes, wie er zu besiegen hat dieses oder jenes, um hinaufzukommen in die Sphären, denen sein höheres Selbst angehört, wie er, um hinaufzukommen in die höheren Regionen des geistigen Lebens, das Goethe-Wort zu erfüllen hat:
[ 10 ] Let us try to imagine how this spirit flowed unconsciously into humanity. You are sitting here together. We are cultivating together that which shows us: In one way or another, the human soul develops in order to gradually ascend into the regions where it can understand spiritual life, where it may even be able to perceive spiritual life. Many of you have been striving for years to allow the concepts and ideas that depict spiritual life to flow into your souls, so that you may draw your spiritual nourishment from these concepts and ideas. You are familiar with the way in which we communicate about the mysteries of the world. I have often spoken of how the various stages of the soul’s development unfold, how the soul ascends into the higher worlds. It has been explained how human beings must distinguish a higher part of their being from a lower part, it has been described how the human being has come over from other planetary states, how he has undergone a Saturn, a Sun, and a Moon evolution, in which his physical body, his etheric body, and his astral body were formed, and how he then began his earthly evolution. It has been said that there is something within us that is meant to undergo training here in order to ascend to a higher realm. It has also been said that certain beings remained on the Moon as Luciferic beings, who later set about tempting the human astral body in order to give humanity what they could give it. Then we have often spoken of how human beings must overcome this or that within their lower self, how they must conquer this or that in order to ascend to the spheres to which their higher self belongs, and how, in order to ascend to the higher regions of spiritual life, they must fulfill Goethe’s words: “/p”
[ 11 ] Und so lang du das nicht hast,
Dieses Stirb und Werde,
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde!
[ 11 ] And as long as you do not have that,
This dying and becoming,
You are but a gloomy guest
On this dark earth!
[ 12 ] Wir haben weiter gesagt, daß die menschliche Entwickelung, die heute möglich ist, und die uns Kraft und Sicherheit und wirklichen Lebensinhalt geben kann, dadurch zu erreichen ist, daß wir uns aneignen zum Beispiel die Kenntnis von der Mehrgliedrigkeit der Menschennatur, daß wir verstehen lernen, daß dieser Mensch nicht chaotisch zusammengefügt ist, sondern aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich besteht. Wir haben das damit Gemeinte nicht als bloße Worte empfunden, sondern durch die Charakterisierung der verschiedenen Temperamente, durch die Betrachtung der Erziehung des Menschen, wie sie verläuft als Entwickelung des physischen Leibes bis zum siebenten Jahr, des Ätherleibes bis zum vierzehnten Jahr, des Astralleibes bis zum einundzwanzigsten Jahr, da haben wir diese Dinge zu bestimmten Vorstellungen gebracht. Und aus Betrachtungen über die Mission der Wahrheit, der Andacht, des Zornes und so weiter haben wir ersehen, wie es nicht abstrakte Begriffe bleiben, was wir als physischen Leib, Ätherleib, Astralleib, Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele kennengelernt haben, sondern wie sie die Anschauungen vom Leben beleben, wie sie uns durchsichtig, klar und inhaltvoll unsere Umgebung machen.
[ 12 ] We have further stated that the human development that is possible today—and which can give us strength, security, and a true purpose in life—can be achieved by, for example, acquiring knowledge of the multi-fold nature of the human being, by learning to understand that this human being is not a chaotic assemblage, but consists of a physical body, an etheric body, an astral body, and an I. We did not perceive what was meant by this as mere words, but through the characterization of the various temperaments, through the consideration of human upbringing—how it proceeds as the development of the physical body up to the seventh year, of the etheric body up to the fourteenth year, and of the astral body up to the twenty-first year—we have brought these things to concrete concepts. And from reflections on the mission of truth, devotion, anger, and so on, we have seen how what we have come to know as the physical body, etheric body, astral body, the soul of feeling, the soul of understanding or the emotional soul, and the soul of consciousness—are not merely abstract concepts, but how they enliven our view of life, how they make our surroundings transparent, clear, and rich in content.
[ 13 ] So verständigen wir uns über die Rätsel der Welt. Wir können uns heute darüber verständigen. Und wenn es auch draußen noch viele Menschen gibt, die, bewußt oder unbewußt, im Materialismus verharren, so ist doch eine gewisse Anzahl von Seelen vorhanden, welche es als eine Notwendigkeit des Lebens empfinden, auf solche Darstellungen, wie sie gegeben werden können, hinzuhorchen. Viele von Ihnen würden nicht seit Jahren hier sitzen, mitleben und mitempfinden, was wir hier treiben, wenn es nicht eine Notwendigkeit des Lebens für sie wäre. Warum gibt es heute Seelen, die dies so verstehen, die in den Begriffen und Anschauungen, die wir hier entwickeln, den menschlichen Lebensweg verfolgen können? Das ist aus folgendem Grunde der Fall. Wie Sie heute mit solchen Sehnsuchten hereingeboren wurden in eine Welt, wie ich sie gerade vorhin zu schildern versuchte, so wurden unsere Vorfahren in Europa, das heißt eine große Anzahl von den heute hier anwesenden Seelen, durch die verflossenen Jahrhunderte hereingeboren in eine andere Umgebung, in eine andere Welt, als es die des 19. Jahrhunderts ist. Blicken wir zurück auf das 6., 7. oder auch auf das 12., 13. Jahrhundert, wo viele von den hier sitzenden Seelen damals inkarniert waren, und schauen wir auf das, was solche Seelen damals erlebten.
[ 13 ] This is how we come to an understanding of the world’s mysteries. We can communicate about this today. And even though there are still many people out there who, consciously or unconsciously, remain stuck in materialism, there is nevertheless a certain number of souls who feel it is a necessity of life to listen to such presentations as they can be given. Many of you would not have been sitting here for years, participating and empathizing with what we do here, if it were not a necessity of life for you. Why are there souls today who understand this, who can trace the human path of life in the concepts and views we develop here? This is the case for the following reason. Just as you were born today with such longings into a world such as I just tried to describe, so our ancestors in Europe—that is, a large number of the souls present here today—were born through the centuries past into a different environment, into a different world than that of the 19th century. Let us look back to the 6th, 7th, or even the 12th and 13th centuries, when many of the souls sitting here were incarnated at that time, and let us consider what such souls experienced back then.
[ 14 ] In jenen Zeiten gab es allerdings keine Theosophische Gesellschaft, wo man so über alles redete, wie wir es heute tun; sondern damals hörte die Seele etwas ganz anderes von ihrer Umgebung. Versuchen wir uns zu vergegenwärtigen, was damals die Seelen hörten — von denen hörten, die nicht herumreisten, um geisteswissenschaftliche Vorträge zu halten, sondern die als Rhapsoden vortrugen oder in einer andern Weise von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt zogen, um vom Geiste zu künden. Was sprachen solche Leute damals für Worte? Wir wollen es einmal in einem einzelnen Falle vor uns hintreten lassen. Damals sagte man noch nicht: Es gibt eine Theosophie, eine Lehre vom niederen und höheren Ich; der Mensch hat einen physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und so weiter; sondern da zogen Rhapsoden herum, das heißt solche Menschen, die berufen waren, vom Geiste zu künden, und erzählten etwa folgendes - und ich will einiges von dem, was damals durch Mittel- und Osteuropa besonders vorgetragen wurde, jetzt einmal wiederholen:
[ 14 ] In those days, however, there was no Theosophical Society where people talked about everything the way we do today; rather, back then the soul heard something quite different from its surroundings. Let us try to imagine what souls heard back then—from those who did not travel around giving lectures on spiritual science, but who recited as rhapsodes or traveled in some other way from village to village, from town to town, to proclaim the Spirit. What words did such people speak back then? Let us consider a single example. Back then, people did not yet say: There is a theosophy, a doctrine of the lower and higher self; that human beings have a physical body, an etheric body, an astral body, and so on; rather, rhapsodes traveled about—that is, people who were called to proclaim the spirit—and told stories such as the following—and I would now like to repeat some of what was particularly recited throughout Central and Eastern Europe at that time:
[ 15 ] Es war einmal ein Königssohn. Der ritt hinaus und kam an einen Graben und hörte dort, wie es aus dem Graben herauf wimmerte. Er folgte dem Lauf des Grabens, um zu sehen, was da wimmerte, und fand darin eine alte Frau. Da ließ er sein Pferd stehen, stieg herunter in den Graben und half der alten Frau herauf, denn sie war hinuntergefallen in den Graben. Als er nun sah, daß sie nicht gehen konnte, weil sie sich das Bein verletzt hatte, fragte er sie, wie sie zu diesem Unfall gekommen wäre. Da erzählte ihm die Frau: Ich bin eine alte Frau und muß früh nach Mitternacht fort in die Stadt, um Eier zu verkaufen; da bin ich in den Graben gefallen. Da sagte der Königssohn zu ihr: Sieh, du kannst jetzt nicht in deine Wohnung gehen, da will ich dich auf mein Pferd setzen und in deine Wohnung bringen. Und das tat er. Da sagte ihm die Frau: Du bist, trotzdem du von hoher Geburt bist, doch ein lieber und guter Mensch, und du sollst, weil du mir geholfen hast, von mir eine Belohnung erhalten. Und er ahnte jetzt, daß sie mehr als eine alte Frau war, denn sie sagte: Weil du solche Güte an mir bewiesen hast, sollst du den Lohn bekommen, der deiner guten Seele gebührt. Willst du die Tochter der Blumenkönigin heiraten? - Ja! sagte er. Und sie sprach weiter: Dazu brauchst du, was ich dir leicht geben kann. Und da gab sie ihm ein Glöckchen mit den Worten: Wenn du es einmal läuten wirst, kommt der Adlerkönig mit seinen Scharen und hilft dir in einer Lage, in welche du schon kommen wirst; wenn du es zweimal läutest, kommt der Fuchskönig mit seinen Scharen und hilft dir in einer Lage, in welche du schon kommen wirst; und wenn du es dreimal läutest, kommt der Fischkönig mit seinen Scharen und hilft dir in einer Lage, in die du schon kommen wirst. - Der Königssohn nahm das Glöckchen und ging nach Hause und sagte dort, daß er die Tochter der Blumenkönigin aufsuchen wolle, und ritt davon. Er ritt lange und lange, und niemand konnte ihm sagen, wo die Blumenkönigin mit ihrer Tochter wohnte. Da war dann sein Pferd schon unbrauchbar geworden und ging vollends zugrunde, so daß er die Wanderung zu Fuß fortsetzen mußte. Da kam er zu einem Greis, den er fragte, wo die Wohnung der Blumenkönigin sei. Ich kann es dir nicht sagen, gab ihm dieser zur Antwort, aber gehe nur fort, weiter und immer weiter, und du wirst meinen Vater finden, der wird es dir vielleicht sagen können. Der Königssohn ging also weiter, viele, viele Jahre, und fand einen uralten Greis. Den fragte er: Kannst du mir sagen, wo die Wohnung der Blumenkönjgin ist? Der aber antwortete ihm: Ich kann es dir nicht sagen. Aber gehe nur weiter, immer weiter, durch lange Jahre noch; da wirst du meinen Vater finden, und der wird dir ganz gewiß sagen können, wo die Wohnung der Blumenkönigiin ist. Der Königssohn ging also weiter und fand endlich einen uralten Greis, den er fragte, ob er ihm sagen könne, wo die Blumenkönigin mit ihrer Tochter wohne. Da sagte ihm der Greis: Die Blumenkönigin wohnt fern in einem Berge, den du hier von weitem siehst. Sie wird aber bewacht von einem wilden Drachen. Du kannst zunächst nicht heran, denn der Drache schläft nie in dieser Zeit; er hat nur eine gewisse Zeit, wo er schläft, und jetzt ist gerade Wachenszeit. Aber du mußt ein Stück weitergehen, zu dem andern Berg; da lebt die Drachenmutter, durch die wirst du dein Ziel erreichen. - Mutig ging er also weiter, kam zum ersten Berg, kam zum zweiten Berg und fand dort die Drachenmutter, das Urbild der Häßlichkeit. Er aber wußte, daß es von ihr abhing, ob er die Tochter der Blumenkönigin finden könnte. Da sah er in ihrer Umgebung sieben andere Drachen, die alle gierig darnach waren, die Blumenkönigin und ihre Tochter zu bewachen, die in alter Gefangenschaft waren und durch den Königssohn erlöst werden sollten. Da sagte er zu der Drachenmutter: O ich erkenne, daß ich dein Knecht werden muß, wenn ich die Blumenkönigin finden will! - Ja, sagte sie, du mußt mein Knecht werden, aber du mußt einen Dienst tun, der nicht leicht ist. Hier ist ein Pferd, das mußt du auf die Weide führen, den ersten Tag, den zweiten Tag und den dritten Tag. Wenn du es gesund nach Hause bringst, dann kannst du vielleicht nach drei Tagen erreichen, was du willst. Bringst du es aber nicht gesund nach Hause, so fressen dich die Drachen auf - wir alle fressen dich auf! — Der Königssohn ging darauf ein, und am nächsten Morgen wurde ihm das Pferd übergeben. Er wollte es auf die Weide führen, aber bald war es verschwunden. Er suchte es, aber er konnte es nicht finden und wurde darüber ganz unglücklich. Da erinnerte er sich an das Glöckchen, das ihm die alte Frau gegeben hatte, zog es heraus und läutete es einmal. Da versammelten sich
[ 15 ] Once upon a time, there was a prince. He rode out into the countryside and came upon a ditch, where he heard a whimpering sound coming from inside. He followed the ditch to see what was making the sound and found an old woman inside. So he left his horse there, climbed down into the ditch, and helped the old woman up, for she had fallen into the ditch. When he saw that she could not walk because she had injured her leg, he asked her how she had come to have this accident. Then the woman told him: “I am an old woman and must go into town early in the morning to sell eggs; and that is when I fell into the ditch.” Then the prince said to her, “Look, you cannot go home now, so I will put you on my horse and take you home.” And that is what he did. Then the woman said to him, “Although you are of noble birth, you are still a kind and good person, and because you have helped me, you shall receive a reward from me.” And he now sensed that she was more than just an old woman, for she said: “Because you have shown me such kindness, you shall receive the reward that your good soul deserves. Do you wish to marry the daughter of the Flower Queen?” “Yes!” he said. And she continued: “For that, you need something I can easily give you.” And then she gave him a little bell, saying: “If you ring it once, the Eagle King will come with his hosts and help you in a situation you will surely face; if you ring it twice, the Fox King will come with his hosts and help you in a situation you will surely face; and if you ring it three times, the Fish King will come with his hosts and help you in a situation you will surely face.” - The prince took the little bell and went home, where he announced that he wanted to seek out the Flower Queen’s daughter, and rode off. He rode on and on, and no one could tell him where the Flower Queen lived with her daughter. By then his horse had become useless and had completely perished, so that he had to continue the journey on foot. Then he came upon an old man, whom he asked where the Flower Queen lived. “I cannot tell you,” the old man replied, “but just keep going, further and further, and you will find my father; perhaps he will be able to tell you.” So the prince walked on for many, many years and found a very old man. He asked him, “Can you tell me where the Flower Queen lives?” But the old man replied, “I cannot tell you. But just keep going, further and further, for many years yet; there you will find my father, and he will certainly be able to tell you where the Flower Queen lives.” So the prince went on and finally found a very old man, whom he asked if he could tell him where the Flower Queen lived with her daughter. Then the old man said to him: “The Flower Queen lives far away on a mountain that you can see from here in the distance. But she is guarded by a wild dragon. You cannot approach her for now, because the dragon never sleeps at this time; he only sleeps for a certain time, and now is his waking hour. But you must go a little further, to the other mountain; there lives the dragon mother, through whom you will reach your goal.” So he bravely went on, came to the first mountain, came to the second mountain, and found there the dragon mother, the very image of ugliness. But he knew that it depended on her whether he could find the Flower Queen’s daughter. Then he saw seven other dragons around her, all eager to guard the Flower Queen and her daughter, who were held captive and were to be rescued by the prince. Then he said to the dragon mother: “Oh, I realize that I must become your servant if I want to find the Flower Queen!” “Yes,” she said, “you must become my servant, but you must perform a task that is not easy. Here is a horse; you must lead it to the pasture on the first day, the second day, and the third day. If you bring it home safe and sound, then perhaps after three days you can achieve what you want. But if you do not bring it home safe and sound, the dragons will devour you—we will all devour you! — The prince agreed, and the next morning the horse was handed over to him. He wanted to lead it to the pasture, but soon it had disappeared. He searched for it, but he couldn’t find it and became very unhappy about it. Then he remembered the little bell the old woman had given him, took it out, and rang it once. Then they gathered
[ 16 ] viele Adler, geführt vom Adlerkönig, die suchten das Pferd, und er konnte es so der Drachenmutter wiederbringen. Die sagte zu ihm: Weil du das Pferd zurückgebracht hast, gebe ich dir einen kupfernen Mantel, damit kannst du an dem Ball teilnehmen, der heute Nacht in dem Kreise der Blumenkönigin und ihrer Tochter stattfindet. Am zweiten Tage sollte er dann das Pferd wieder auf die Weide führen. Es wurde ihm wieder übergeben, bald aber war es wieder verschwunden, und er konnte es nirgends finden. Da zog er sein Glöckchen heraus und läutete es zweimal. Alsbald erschien der Fuchskönig, gefolgt von vielen seiner Heeresfolge, die suchten das Pferd, und er konnte es wieder der Drachenmutter überbringen. Da sagte sie ihm: Heute bekommst du einen silbernen Mantel, damit kannst du wieder zu dem Ball gehen, der heute Nacht im Kreise der Blumenkönigin und ihrer Tochter stattfindet. - Auf dem Balle aber sagte ihm die Blumenkönigin: Verlange am dritten Tage ein Füllen von diesem Pferde! Mit diesem Füllen kannst du mich erlösen, und wir werden vereinigt sein. - Am dritten Tage wurde ihm dann wieder das Pferd übergeben, um es auf die Weide zu führen. Bald war es wieder verschwunden, denn es war sehr wild. Er zog daher das Glöckchen heraus, läutete es dreimal, und es kam der Fischkönig mit seiner Heeresfolge, die suchten ihm das Pferd, und er brachte es so zum dritten Mal nach Hause. Glücklich hatte er seine Aufgabe vollendet. Da gab ihm die Drachenmutter als Lohn einen goldenen Mantel, als seine dritte Hülle, damit konnte er am dritten Tage an dem Ball bei der Blumenkönigin teilnehmen. Und außerdem konnte er als sein ihm gebührendes Geschenk das Füllen jenes Pferdes bekommen, das er gehütet hatte. Mit dem konnte er dann die Blumenkönigin und ihre Tochter hinführen zu ihrer eigenen Burg. Und um die Burg herum, da alle die andern die Tochter rauben wollten, ließ sie eine dichte Mauer von Gesträuchwerk wachsen, so daß die Burg nicht eingenommen werden konnte. Und da sagte dann die Blumenkönigin zu dem Königssohn: Du hast dir meine Tochter erworben; du sollst sie fernerhin haben, aber nur unter einer Bedingung: du darfst sie nur ein halbes Jahr haben, das andere halbe Jahr muß sie zurück unter die Oberfläche der Erde, damit sie mit mir vereint sein kann, denn nur so ist es möglich, daß du mit ihr vereinigt sein kannst. — So also bekam er die Tochter der Blumenkönigin und lebte mit ihr immer ein halbes Jahr, während sie die andere Hälfte des Jahres bei ihrer Mutter war.
[ 16 ] Many eagles, led by the Eagle King, searched for the horse, and he was thus able to return it to the Dragon Mother. She said to him: “Because you have brought the horse back, I will give you a copper cloak, so that you may attend the ball taking place tonight in the circle of the Flower Queen and her daughter.” On the second day, he was to lead the horse back to the pasture. It was handed over to him again, but soon it had disappeared once more, and he could not find it anywhere. So he took out his little bell and rang it twice. Immediately the Fox King appeared, followed by many of his army, who searched for the horse, and he was able to bring it back to the Dragon Mother. Then she said to him: “Today you shall receive a silver cloak; with it you may go again to the ball taking place tonight in the company of the Flower Queen and her daughter.” - But at the ball, the Flower Queen said to him: “On the third day, demand a foal from this horse! With this foal you may redeem me, and we shall be united.” - On the third day, the horse was handed over to him again so he could lead it to the pasture. Soon it had disappeared again, for it was very wild. So he pulled out the little bell, rang it three times, and the Fish King came with his retinue; they searched for the horse for him, and he thus brought it home for the third time. He had happily completed his task. Then the dragon mother gave him a golden cloak as a reward, as his third garment, so that he could attend the ball at the Flower Queen’s on the third day. And in addition, as the gift he deserved, he received the foal of the horse he had tended. With it, he was then able to lead the Flower Queen and her daughter to their own castle. And around the castle, since everyone else wanted to kidnap the daughter, she had a thick wall of brush grow, so that the castle could not be taken. And then the Flower Queen said to the prince: “You have earned my daughter; you shall have her from now on, but only on one condition: you may have her for only half a year; the other half of the year she must return beneath the surface of the earth so that she may be united with me, for only in this way is it possible for you to be united with her.” — And so he received the Flower Queen’s daughter and lived with her for half a year, while she spent the other half of the year with her mother.
[ 17 ] In viele, viele Seelen zogen diese und andere Geschichten damals ein. Die Seelen horchten hin und nahmen es auf - nahmen es aber nicht auf, um es etwa nach der Weise von sonderbaren Theosophen der Neuzeit allegorisch auszulegen, denn als symbolische und allegorische Auslegungen sind diese Dinge nichts wert. Nein, die Menschen nahmen es auf, weil sie ihre Lust und ihr Vergnügen daran hatten, weil sie das warme Leben bei solchen Erzählungen durch ihre Seele ziehen fühlten. Und nichts weiter wollten sie, wenn dies durch ihre Seele zog, wenn ihnen erzählt wurde von dem Königssohn, von seinen Taten mit dem Glöckchen und seiner Erwerbung der Tochter der Blumenkönigin. Und viele Seelen leben jetzt, die damals so etwas gehört und in Lust und Freude aufgenommen haben. Und wenn so etwas aufgenommen wird zum Entzücken und zur Befriedigung der Seele, so lebt es weiter in der Seele. Dann nehmen solche Seelen Gedankenformen in Gefühlen und Empfindungen auf, und dann sind sie etwas anderes geworden, als sie vorher waren. Das bringt Früchte, das gibt Kräfte den Seelen, und diese Kräfte verwandeln sich, werden zu etwas anderem. Was sind sie denn geworden? Zu dem sind sie geworden, was jetzt in den Seelen ist als Sehnsucht nach einer höheren Auslegung derselben Geheimnisse, als Sehnsucht nach der Geisteswissenschaft. Damals haben die Rhapsoden nicht erzählt: Es gibt einen Menschen, der strebt zum höheren Selbst hinauf und muß dazu überwinden, was ihn herunterdrücken will als sein niederes Selbst. Sondern sie haben erzählt: Einen Königssohn gab es; der zog aus und fand einen Graben, aus dem es herauf wimmerte, und tat das, was eine gute Tat war. Heute sagen wir: Der Mensch muß etwas tun, was eine gute Tat, eine Tat der Liebe, des Opfers ist. Damals erzählte man ein solches Tun im Bilde. Heute sagen wir: Der Mensch muß in sich jene Stimmung des Geistes bekommen, durch die er eine Ahnung erhält von der geistigen Welt, einen Zusammenhang mit ihr und durch die er fähig wird, seine Kräfte so zu entwickeln, daß er mit der geistigen Welt in eine Beziehung kommen kann. Damals sagte man das im Bilde: Die alte Frau gab dem Königssohn ein Glöckchen, das läutete er. Heute wird gesagt: Der Mensch hat in sich aufgenommen die übrigen Naturreiche; was da ausgebreitet vorhanden ist, das hat der Mensch in sich harmonisch vereinigt. Er muß aber verstehen, wie das in ihm lebt, was draußen ausgebreitet ist, und kann seine niedere Natur nur dadurch überwinden, daß er das, was in den Naturreichen wirkt, in das rechte Verhältnis zu sich bringt, so daß es ihm zu Hilfe kommen kann.
[ 17 ] These and other stories found their way into many, many souls back then. The souls listened and took them in—but they did not take them in to interpret them allegorically, as some strange modern-day theosophists might do, for as symbolic and allegorical interpretations, these things are worthless. No, people absorbed them because they took pleasure and delight in them, because they felt the warm life of such tales flowing through their souls. And they wanted nothing more when this flowed through their souls, when they were told of the king’s son, of his deeds with the little bell, and of his winning the hand of the Flower Queen’s daughter. And many souls are alive today who heard such things back then and received them with delight and joy. And when such things are received for the delight and satisfaction of the soul, they live on in the soul. Then such souls take in thought-forms through feelings and sensations, and then they have become something other than what they were before. This bears fruit; it gives strength to the souls, and these strengths transform, becoming something else. What have they become, then? They have become what is now in the souls as a longing for a higher interpretation of those same mysteries, as a longing for spiritual science. Back then, the rhapsodes did not say: There is a human being who strives upward toward the higher self and must, to do so, overcome what seeks to pull him down—his lower self. Instead, they told of a king’s son who set out and found a ditch from which a whimper rose, and did what was a good deed. Today we say: A person must do something that is a good deed, an act of love, of sacrifice. Back then, such an act was told in a symbolic form. Today we say: Human beings must attain within themselves that spiritual mood through which they gain a sense of the spiritual world, a connection with it, and through which they become capable of developing their powers in such a way that they can enter into a relationship with the spiritual world. Back then, this was expressed in a metaphor: The old woman gave the prince a little bell, which he rang. Today it is said: The human being has taken the other kingdoms of nature into himself; what is spread out there, the human being has harmoniously united within himself. But he must understand how that which is spread out outside lives within him, and can overcome his lower nature only by bringing what acts in the kingdoms of nature into the right relationship with himself, so that it can come to his aid.
[ 18 ] Wie oft haben wir gesprochen von der Entwickelung des Menschen durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hinauf, wie er zurückgelassen hat die andern Reiche und das, was das Beste ist, aus ihnen herausgezogen hat, um hinaufzusteigen zu einer Höhe. Wozu hat er sich da entwickelt? Zu dem, wofür schon Plato ein Bild gebraucht, um hinzudeuten auf das, was in des Menschen Seele lebt: das Bild des Pferdes, mit dem er dahinreitet von Inkarnation zu Inkarnation. Damals stellte man das Bild hin von dem Glöckchen, das geläutet wurde, damit die Naturreiche in ihren Repräsentanten, dem Adlerkönig, dem Fuchskönig und dem Fischkönig, kamen, um das, was Beherrscher der drei Naturreiche werden soll, in das rechte Verhältnis zu bringen.
[ 18 ] How often have we spoken of humanity’s evolution through the Saturn, Sun, and Moon epochs, of how it left the other kingdoms behind and drew out the best from them in order to ascend to a higher plane. What did he evolve into? Into that for which Plato already used an image to point to what lives in the human soul: the image of the horse on which he rides from incarnation to incarnation. At that time, the image was presented of the little bell that was rung so that the kingdoms of nature, in their representatives—the eagle king, the fox king, and the fish king—might come to bring into proper proportion that which is to become the ruler of the three kingdoms of nature.
[ 19 ] Die Seele des Menschen ist wild, und nur dadurch, daß Liebe und Weisheit sie ergreifen und glätten, kommt der Mensch in das rechte Verhältnis. Damals trat es in bildhafter Weise vor die Menschen hin. Gelenkt wurde die Seele dahin, daß sie das, was wir heute anders erzählen, verstehen kann. Damals wurde erzählt: Wenn er das Glöckchen einmal läutete, kam der Adlerkönig, wenn er es zweimal läutete, kam der Fuchskönig, und wenn er es dreimal läutete, kam der Fischkönig; die brachten das Pferd zurück. Das heißt, die Stürme der Menschenseele, die wild dahinstürmt, müssen erkannt werden, und wenn wir sie erkennen, kann auch die Seele von dem Niederen befreit und in Ordnung gebracht werden.
[ 19 ] The human soul is wild, and it is only when love and wisdom take hold of it and calm it that a person finds the right balance. Back then, this was presented to people in a figurative way. The soul was guided so that it could understand what we tell differently today. Back then, the story went: If he rang the little bell once, the Eagle King came; if he rang it twice, the Fox King came; and if he rang it three times, the Fish King came; they brought the horse back. This means that the storms of the human soul, which rage wildly, must be recognized, and when we recognize them, the soul can also be freed from the lower and brought into order.
[ 20 ] Wir sagen: Der Mensch muß kennenlernen, wie seine eigenen Leidenschaften, Zorn und so weiter, in seiner eigenen Entwickelung zusammenhängen mit seiner Entwickelung von sieben zu sieben Jahren, das heißt, wie wir in dem menschlichen Leben kennenlernen müssen die dreifache Hüllennatur des Menschen. Damals stellte man das grandiose Bild hin: Jedesmal wenn der Königssohn mit dem Glöckchen geläutet hatte, das heißt, wenn er eines der Reiche in seine Macht gezwungen hatte, so bekam er eine Hülle. - Wir sagen heute: Wir studieren die Natur des physischen Leibes. Damals brauchte man das Bild: Die Drachenmutter gab ihm einen Mantel aus Kupfer. Wir sagen: Wir lernen kennen die Natur unseres Ätherleibes. Damals: Die Drachenmutter gab ihm das zweitemal einen silbernen Mantel. Wir sagen weiter: Wir lernen unsern Astralleib kennen mit allen auf- und abwogenden Leidenschaften und so weiter. Damals sagte man im Bilde: Die Drachenmutter gab ihm am dritten Tage einen goldenen Mantel. — Was wir heute in unsern Begriffen über die dreifache Hüllennatur des Menschen lernen, das wurde damals angeregt durch das Bild vom kupfernen, silbernen und goldenen Mantel. Und für die Seelen, die damals die Gedankenformen von dem kupfernen, dem silbernen und dem goldenen Mantel aufgenommen haben, sagen wir heute dasjenige, was ihnen Verständnis erwecken kann für den dichten physischen Leib, der sich zu den andern Hüllen des Menschen verhält wie das Erz des Kupfers zu Silber und Gold. - Wir sagen heute: Es sind auf dem Monde zurückgeblieben luziferische Wesenheiten, siebenerlei Arten, die machen sich an den Astralleib des Menschen heran. Damals sagte der Rhapsode: Als der Königssohn zu dem Berge kam, wo er die Vereinigung mit der Tochter der Blumenkönigin finden sollte, traf er sieben Drachen, die wollten ihn auffressen, wenn er sein Tagewerk nicht richtig erfüllte. Wir wissen: Wenn unsere Entwickelung nicht in der richtigen Weise geschieht, so wird durch die Kräfte der luziferischen Wesenheiten, die siebenfacher Art sind, unsere Entwikkelung eben verdorben. — Wir sagen heute: Indem wir eine geistige Entwickelung durchmachen, finden wir unser höheres Selbst. Damals stellte man das Bild hin: Der Königssohn vereinigte sich mit der Blumenkönigin. — Und wir sagen: Die menschliche Seele muß in einen gewissen Rhythmus hineinkommen.
[ 20 ] We say: Human beings must come to understand how their own passions, anger, and so on are connected, in their own development, to their development in seven-year cycles; that is to say, we must come to understand the threefold nature of the human being in the course of human life. Back then, the magnificent image was presented: Every time the prince rang the bell—that is, when he had brought one of the kingdoms under his power—he received a sheath. —We say today: We study the nature of the physical body. Back then, the image was needed: The dragon mother gave him a copper cloak. We say: We are getting to know the nature of our etheric body. Back then: The dragon mother gave him a silver cloak the second time. We go on to say: We are getting to know our astral body with all its ebbing and flowing passions and so on. Back then, the image was: The dragon mother gave him a golden cloak on the third day. — What we learn today in our concepts about the threefold nature of the human being’s sheaths was inspired back then by the image of the copper, silver, and golden cloaks. And for the souls who back then absorbed the thought-forms of the copper, silver, and golden cloaks, we say today what can awaken in them an understanding of the dense physical body, which relates to the other sheaths of the human being as copper ore relates to silver and gold. - We say today: There are Luciferic beings of seven kinds who have remained behind on the Moon and who approach the human astral body. Back then, the rhapsode said: When the king’s son came to the mountain where he was to find union with the daughter of the Flower Queen, he encountered seven dragons who wanted to devour him if he did not properly fulfill his daily task. We know: If our development does not proceed in the right way, our development is corrupted by the forces of the Luciferic entities, which are of sevenfold nature. — We say today: As we undergo spiritual development, we find our higher self. Back then, the image was presented: The prince united with the Flower Queen. — And we say: The human soul must enter into a certain rhythm.
[ 21 ] Vor einigen Wochen habe ich gesagt: Die menschliche Seele muß, wenn in ihr irgendeine Idee aufgestiegen ist, diese in der Zeit ausreifen lassen, und sie wird dabei einen gewissen Rhythmus beobachten können, denn nach sieben Tagen ist die Idee in die Tiefe der Seele eingedrungen, nach vierzehn Tagen kann die reifer gewordene Idee die äußere Astralsubstanz ergreifen und sich vom Weltengeiste taufen lassen; nach einundzwanzig Tagen ist sie wieder reifer geworden, und erst nach viermal sieben Tagen ist sie so weit, daß wir sie als unser Persönliches der Welt übergeben können. Das ist ein innerer Rhythmus der Seele. Und nur der kann in günstigem Sinne schaffen, der nicht gierig das, was ihm einfällt, in die Welt hineinpreßt, sondern der da weiß, daß sich die Regelmäßigkeit der äußeren Welt in seiner eigenen Seele wiederholt, daß wir so leben müssen, daß wir in uns mikrokosmisch den Makrokosmos wiederholen. - Der Rhapsode sagte: Der Mensch muß seine Seelenkräfte in Einklang versetzen, muß die Tochter der Blumenkönigin suchen und mit ihr eine Ehe eingehen, wo er den einen Teil des Jahres mit der Tochter lebt und sie den andern Teil des Jahres der Mutter überläßt, die in den Tiefen wirkt. Das heißt, der Mensch setzt sich in einen Rhythmus, und der Rhythmus seines Lebens verläuft wie der Rhythmus des Makrokosmos.
[ 21 ] A few weeks ago I said: When an idea has arisen within the human soul, it must allow it to mature over time, and in doing so it will be able to observe a certain rhythm, for after seven days the idea has penetrated into the depths of the soul; after fourteen days, the now-matured idea can take hold of the outer astral substance and be baptized by the World Spirit; after twenty-one days it has matured further, and only after four times seven days is it ready for us to present it to the world as our own. This is an inner rhythm of the soul. And only he can create in a favorable sense who does not greedily force what comes to mind into the world, but who knows that the regularity of the outer world is repeated in his own soul, that we must live in such a way that we repeat the macrocosm microcosmically within ourselves. — The Rhapsode said: Man must bring his soul forces into harmony; he must seek the daughter of the Queen of Flowers and enter into a marriage with her, in which he lives with the daughter for one part of the year and leaves her to her mother for the other part of the year, who works in the depths. That is to say, man places himself within a rhythm, and the rhythm of his life unfolds like the rhythm of the macrocosm.
[ 22 ] Diese Bilder - und wir könnten Hunderte solcher Bilder anführen — regten durch ihre Gedankenformen die Seelenkräfte an, so daß heute die entsprechenden Seelen reif geworden sind, die andere Form, die wir in der Geisteswissenschaft pflegen, zu hören. Aber es mußte so kommen, daß, man möchte sagen, durch die Entbehrung die Sehnsucht erst recht groß wurde; erst mußte gleichsam alles, was in der Seele an geistiger Sehnsucht lebte, in der physischen Welt verschwinden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist so vieles verschwunden. Mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam dann die materialistische Kultur, und öde wurde es in bezug auf das geistige Leben. Um so größer aber wurde die Sehnsucht und um so bedeutungsvoller das Ideal der spirituellen Bewegung. Nur wenige Menschen gab es, die wie in einem stillen Martyrium in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch empfanden, wie die Ideen, die einmal erschaut worden sind, die dann erzählt wurden, fortlebten, aber im Untergange waren.
[ 22 ] These images—and we could cite hundreds of such images—stimulated the soul’s powers through their forms of thought, so that today the corresponding souls have matured to the point where they are ready to hear the other form of expression that we cultivate in spiritual science. But it had to come to pass that, one might say, through deprivation the longing became all the greater; first, everything that lived in the soul as spiritual longing had to disappear, as it were, from the physical world. So much disappeared in the first half of the 19th century. With the second half of the 19th century came materialistic culture, and spiritual life became barren. But the longing grew all the greater, and the ideal of the spiritual movement all the more significant. There were only a few people who, as if in a silent martyrdom during the first half of the 19th century, still sensed how the ideas that had once been glimpsed and then recounted lived on, yet were in the process of perishing.
[ 23 ] Da war im Jahre 1803 ein Mensch geboren worden. In seiner Seele war noch so recht etwas von dem Nachklang der alten Weistümer der Vorzeit lebendig. Es lebte etwas in ihm, was ganz verwandt war mit unserer theosophischen Idee. Seine Seele war voll von dem, was wir heute nennen die geisteswissenschaftliche Lösung der Weltenrätsel: es ist Julius Mosen. Seine Seele konnte nur dadurch bestehen, daß sein Leib während des größten Teiles seines Lebens an das Bett gefesselt war. Es paßte die Seele nicht mehr zusammen mit dem Leibe, denn durch die Art und Weise, wie er diese Dinge gefaßt hatte und sie doch wieder nicht spirituell durchdringen konnte, hatte er seinen Ätherleib aus dem physischen Leib herausgezogen, der dadurch gelähmt war. Die Seele aber erhob sich in die geistigen Höhen. Im Jahre 1831 schrieb er ein merkwürdiges Werk, «Ritter Wahn». Er war gewahr geworden, daß in Italien eine wunderbare Sage lebte, eine alte italienische Volkssage vom Ritter Wahn, und indem er diese Sage betrachtete, sagte er sich: Darin lebt Geist vom Weltengeist; diese Volkssage ist so entstanden, diese Bilder sind dadurch geformt worden, daß diejenigen, welche sie geformt haben, durchdrungen waren von dem lebendigen Spirituellen der Weltenführung. -— Und was brachte er damit zustande? 1831 schrieb er ein Werk, wunderbar und hinreißend groß. Es ist natürlich vergessen worden - wie alle Dinge, die so dem geistig Großen entstammen.
[ 23 ] A man was born in the year 1803. In his soul, something of the echo of the ancient wisdom of bygone times was still very much alive. Something lived within him that was closely related to our theosophical idea. His soul was filled with what we today call the spiritual-scientific solution to the world’s mysteries: it is Julius Mosen. His soul could only endure because his body was confined to bed for most of his life. The soul no longer fit with the body, for through the way he had grasped these things and yet could not penetrate them spiritually, he had drawn his etheric body out of the physical body, which was thereby paralyzed. But the soul rose to the spiritual heights. In 1831 he wrote a remarkable work, “Ritter Wahn.” He had become aware that a wonderful legend lived on in Italy, an old Italian folk legend about Ritter Wahn, and as he contemplated this legend, he said to himself: In it lives the spirit of the world spirit; this folk legend came into being, these images were formed, because those who shaped them were permeated by the living spiritual essence of the world’s guidance. — And what did he accomplish with this? In 1831 he wrote a work, marvelous and captivatingly grand. It has, of course, been forgotten—like all things that spring from such spiritual greatness.
[ 24 ] Ritter Wahn geht aus, den Tod zu überwinden. Auf seinem Wege findet er drei Greise. Es ist Julius Mosen nun gelungen, in merkwürdiger Weise den Namen des einen Greises, il mondo, zu übersetzen mit Ird; denn er wußte, daß etwas Eigentümliches darin liegt, um es in die deutsche Sprache herüberzubringen. Ird, Zeit und Raum sind die drei Greise, die Ritter Wahn findet, als er auszieht, um den Tod zu überwinden. Aber er kann diese drei Greise nicht brauchen, denn sie sind dem Tode unterworfen. Ird ist alles das, was unterworfen ist den Gesetzen des physischen Leibes und somit dem Tode. Zeit, der Ätherleib, unterliegt der Vergänglichkeit. Und der dritte, der niedere Astralleib, der uns die Anschauung des Raumes gibt, ist auch dem Tode unterworfen. Unsere Individualität geht von Inkarnation zu Inkarnation; worinnen wir aber als in unserer dreifachen Hülle stekken, das lebt nach der italienischen Volkssage in Ird, Zeit und Raum.
[ 24 ] Knight Wahn sets out to conquer Death. On his way, he encounters three old men. Julius Mosen has now succeeded, in a remarkable way, in translating the name of one of the old men, *il mondo*, as *Ird*; for he knew that there was something peculiar about it that needed to be conveyed in the German language. Ird, Time, and Space are the three old men Knight Wahn encounters as he sets out to overcome death. But he has no use for these three old men, for they are subject to death. Ird is everything that is subject to the laws of the physical body and thus to death. Time, the etheric body, is subject to transience. And the third, the lower astral body, which gives us the perception of space, is also subject to death. Our individuality passes from incarnation to incarnation; but that in which we are clothed—our threefold body—lives, according to the Italian folk tale, in Earth, Time, and Space.
[ 25 ] Was ist Ritter Wahn? Wir haben oft von dem gesprochen, was als Maya in uns einzieht. Wir sind es selbst, wir Menschen, die von Inkarnation zu Inkarnation schreiten und hinausschauen in die Welt und die große Täuschung empfangen. Wir sind ein jeder der Ritter Wahn und gehen ein jeder aus, indem wir ein Leben im Geiste führen, den Tod zu besiegen. Da treffen wir auf die drei Greise, unsere Hüllen. Alt sind sie! Der physische Leib besteht seit der Saturnzeit, der Ätherleib seit der Sonnenzeit, der Astralleib seit der Mondenzeit, und was als Ich im Menschen lebt, hat sich während der Erdenzeit eingefügt. Julius Mosen stellt es nun so dar, daß Ritter Wahn mit der Seele, durch die er den Tod besiegen will, zunächst dahinzustürmen sucht als Reiter - nach dem platonischen Bilde, das in ganz Mitteleuropa und weit darüber hinaus gelebt hat. So stürmt Ritter Wahn heran und will den Himmel erobern mit dem materialistischen Denken wie die Menschen, die sich an den Sinnenschein hängen, weil sie befangen bleiben in Täuschung und Maya. Wenn sie aber dann auch eintreten in die geistige Welt mit dem Tode, dann geschieht, was Julius Mosen so schön dargestellt hat: Sie haben ihr Leben nicht ausgelebt, sie sehnen sich wieder herunter auf die Erde zur Weiterentwickelung der Seele. Und Ritter Wahn kommt wieder herunter. Und als er die schöne Morgane erblickt, die Seele, die angeregt werden soll durch alles Irdische und — wie die Tochter der Blumenkönigin darstellen soll die Vereinigung mit alledem, was uns nur durch die Erdenschule gegeben werden kann, da, als er so verbunden ist mit der schönen Morgane, als er wieder mit der Erde verbunden ist, da verfällt er auch dem Tode — das heißt, er geht durch den Tod hindurch, um diese eigene Seele, die als Morgane auftritt, immer weiter emporzubringen während einer jeden Inkarnation.
[ 25 ] What is Knight Delusion? We have often spoken of what enters us as Maya. It is we ourselves, we humans, who move from incarnation to incarnation, looking out into the world and receiving the great illusion. Each of us is Ritter Wahn, and each of us sets out by living a life in the spirit of conquering death. There we encounter the three old men, our sheaths. They are ancient! The physical body has existed since the Saturnic Age, the etheric body since the Solar Age, the astral body since the Lunar Age, and what lives as the “I” within the human being has become integrated during the Earth Age. Julius Mosen now depicts it in such a way that Knight Delusion, with the soul through which he seeks to conquer death, first attempts to charge forth as a horseman—according to the Platonic image that has lived on throughout Central Europe and far beyond. Thus Knight Wahn charges forward and seeks to conquer heaven with materialistic thinking, like those who cling to the illusion of meaning because they remain ensnared in delusion and Maya. But when they then enter the spiritual world through death, what Julius Mosen so beautifully depicted occurs: they have not lived out their lives; they long to return to Earth for the further development of the soul. And Knight Wahn comes back down. And when he beholds the beautiful Morgane, the soul meant to be inspired by all that is earthly and—like the daughter of the Flower Queen—to represent the union with all that can be given to us only through the school of the earth, there, as he is so connected with the beautiful Morgane, as he is once again connected with the earth, there he too succumbs to death—that is to say, he passes through death in order to raise this very soul of his, which appears as Morgane, ever higher during each incarnation.
[ 26 ] Aus diesen Bildern, die den Stempel von Jahrtausenden an sich tragen, fließen die Ideen herein, die sich ausleben in Künstlern wie bei Julius Mosen, bei dem sie sich herausrangen aus einer Seele, die zu groß war, um während der heranrückenden materialistischen Zeit in einem Leibe gesund zu leben, so daß er das stille Martyrium auf sich nehmen mußte für die Größe seiner glühenden Seele. Das war 1831. Das lebte in einem Menschen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das soll wieder auferstehen, aber jetzt so, daß es der Menschen Stärke, der Menschen Kräfte befeuert. Und es wird wieder auferstehen! Und das gibt uns das Bewußtsein von der Bedeutung dessen, was wir als theosophischen Geist erkennen und was als Rosenkreuzergeist in die Menschen einziehen soll.
[ 26 ] From these images, which bear the stamp of millennia, flow the ideas that find expression in artists such as Julius Mosen, in whom they struggled forth from a soul too great to live healthily in a body during the approaching materialistic age, so that he had to take upon himself the silent martyrdom for the greatness of his ardent soul. That was in 1831. That lived within a person of the first half of the 19th century. That is to rise again, but now in such a way that it kindles human strength and human powers. And it will rise again! And this gives us the awareness of the significance of what we recognize as the theosophical spirit and what is to enter into people as the Rosicrucian spirit.
[ 27 ] Jetzt ahnen wir, daß immer vorhanden war, was wir selbst pflegen. Wir verfallen den Täuschungen des Ritters Wahn, wenn wir annehmen wollten, daß irgend etwas in der Welt gedeihen kann, ohne daß dieser Geist durch die Adern der Menschen wirkt. Woher kamen denn die Rhapsoden des 7., 8. oder des 12. Jahrhunderts, die hinauszogen in die Welt, um die Gedankenformen zu erregen, damit die Seelen jetzt etwas anderes fassen können? Wo war das Zentrum dieser Rhapsoden? Wo hatten sie gelernt, solche Bilder vor die Menschen hinzustellen? - In denselben Tempeln hatten sie es gelernt, die wir als die Schulen der Rosenkreuzer anzusehen haben. Sie waren Schüler der Rosenkreuzer, und ihnen sagten die Lehrer: Heute könnt ihr noch nicht hinausziehen und in Ideen zu den Menschen sprechen, wie dies später der Fall sein wird; heute müßt ihr von dem Königssohn, von der Blumenkönigin und von dem dreifachen Mantel erzählen, damit die Gedankenformen sich bilden, die in den Seelen leben sollen. Und wenn die Seelen wiederkommen werden, dann werden sie verstehen, was sie dann brauchen zum weiteren Fortschritt. - Immerzu senden die geistigen Zentren ihre Abgesandten in die Welt, damit in einem jeden Zeitalter das, was in den Tiefen des Geistes ruht, an die Menschenseelen herangebracht werden kann.
[ 27 ] Now we sense that what we ourselves nurture has always been present. We fall prey to the delusions of the Knight’s Folly if we were to assume that anything in the world can flourish without this spirit working through the veins of human beings. Where, then, did the rhapsodes of the 7th, 8th, or 12th centuries come from, who went out into the world to stir up thought-forms so that souls might now grasp something different? Where was the center of these rhapsodes? Where had they learned to present such images to people?—They had learned it in the very temples that we must regard as the schools of the Rosicrucians. They were disciples of the Rosicrucians, and their teachers told them: Today you cannot yet go out and speak to people in ideas, as will be the case later; today you must tell of the king’s son, the flower queen, and the threefold cloak, so that the thought-forms may take shape that are to live in the souls. And when the souls return, they will understand what they then need for further progress. — The spiritual centers continually send their emissaries into the world so that, in every age, what rests in the depths of the spirit may be brought to the human souls.
[ 28 ] Es ist eine triviale Anschauung, wenn heute die Menschen glauben, aus ihren Phantasien heraus Märchen formen zu können. Die alten Märchen, die Ausdruck sind der alten geistigen Geheimnisse der Welt, sind so entstanden, daß die, welche sie für die Welt geformt haben, hinhorchten und lauschten bei denen, die ihnen die geistigen Geheimnisse erzählen konnten, so daß die Zusammenfügung, die Komposition gemäß den geistigen Geheimnissen ist. Deshalb können wir sagen: Es lebt in ihnen der Geist der ganzen Menschheit, des Mikrokosmos und des Makrokosmos.
[ 28 ] It is a trivial notion to believe today that people can create fairy tales out of their own imaginations. The ancient fairy tales, which are an expression of the world’s ancient spiritual mysteries, came into being in such a way that those who shaped them for the world listened intently to those who could tell them these spiritual mysteries, so that the arrangement and composition are in accordance with those spiritual mysteries. That is why we can say: The spirit of all humanity, of the microcosm and the macrocosm, lives within them.
[ 29 ] Von denselben Tempeln heraus wurden die Rhapsoden geschickt, um inhaltsvolle Märchen zu erzählen, und aus denselben Tempeln stammen die Erkenntnislehren der heutigen Zeit, die eintreten in die Seelen und Herzen der Menschen, um die Kultur möglich zu machen, welche die Menschheit braucht. So schreitet der Geist, welcher der Menschheit zugrundeliegt, von Epoche zu Epoche. Diejenigen Wesenheiten, welche in der vorchristlichen Zeit die Individualitäten, die in den heiligen Tempeln saßen, unterwiesen und das lehrten, was sie sich selbst aus früheren planetarischen Zuständen mitgebracht hatten, unterstellten sich der Führung des Christus, dieser einzigartigen Individualität, um in dessen Sinne weiterzuwirken. Der große Lehrer, der Menschenführer ist der Christus geworden. Und wenn ich Ihnen heute noch erzählen könnte, daß die Märchen, die seit Jahrhunderten leben, auf dieselbe Weise entstanden sind, und daß sie innerhalb der ganzen westlichen Kultur Gedankenformen angeregt haben, die dasselbe ausdrücken, nur im Bilde, wie das, was wir heute vom Christus zur Welt sprechen, dann würden Sie sehen, wie in der Zeit nach dem Mysterium von Golgatha die geistige Führung der Menschheit an ihren zentralen Stätten sich in der Tat unterstellt hat der Führung des Christus. $o steht alles in der geistigen Führung im Zusammenhange mit dem Christus. Werden wir uns dieses Zusammenhanges bewußt, dann blicken wir auf zu dem Lichte, das wir haben müssen, das wir insbesondere ausnützen müssen in bezug auf das, wonach sich die Seelen gesehnt haben, als sie sich im 19. Jahrhundert inkarnierten.
[ 29 ] From these very temples, the rhapsodes were sent out to recount meaningful tales, and from these very temples come the teachings of our time, which enter the souls and hearts of people to make possible the culture that humanity needs. Thus does the Spirit that underlies humanity advance from epoch to epoch. Those beings who, in pre-Christian times, instructed the individuals seated in the sacred temples and taught what they themselves had brought with them from earlier planetary states, placed themselves under the guidance of Christ, this unique individual, in order to continue working in his spirit. Christ has become the great Teacher, the guide of humanity. And if I could tell you today that the fairy tales that have lived on for centuries arose in the same way, and that they have inspired thought-forms throughout the whole of Western culture that express the same thing, only in image, as what we speak of today regarding Christ to the world, then you would see how, in the time following the Mystery of Golgotha, the spiritual guidance of humanity at its central sites has indeed placed itself under the guidance of Christ. Thus everything in spiritual guidance is connected with Christ. If we become aware of this connection, then we look up to the light that we must have, that we must make use of in particular with regard to what the souls longed for when they incarnated in the 19th century.
[ 30 ] Lassen wir solche Gestalten auf uns wirken, die uns bekannt-machen mit den Sehnsuchten früherer Zeiten, dann fühlen wir mit ganzer Verantwortung auf unseren Seelen ruhen: Die andern haben gewartet, damit wir das vollbringen können, wonach sie sich gesehnt haben! Was diese Geister wie zum Beispiel Julius Mosen, der einen «Ritter Wahn» und einen «Ahasver» geschaffen hat wie ein letzter Prophet des Abendlandes, ersehnten, weil in ihnen lebendig wurde, was die Abgesandten der heiligen Tempel erzählt hatten in Bildern, in Hunderten und Hunderten von Bildern, um die Seelen für die spätere Zeit vorzubereiten - was diese Geister ersehnten, das zeigt sich in den Worten, die Rothe. in Heidelberg im Jahre 1847 hinschrieb: «Wenn sie nur erst einmal eigentliche Wissenschaft geworden ist, und also auch deutlich bestimmte Resultate abgesetzt hat, so werden diese schon nach und nach in die allgemeine Überzeugung übergehen oder populär werden, und sich so auch als gemeingültige Wahrheiten für diejenigen vererben, die sich in die Wege nicht finden können, auf denen sie entdeckt wurden und allein entdeckt werden konnten!» Damals mußte ein Mann, der die Sehnsucht hatte, nicht nur für sich, sondern auch für seine Zeitgenossen, sich in die resignierten Worte finden: «Doch dies ruht im Schoße der Zukunft, der wir nicht vorgreifen wollen!» 1847 hatten in einer äußerlich vernehmbaren Weise diejenigen, welche die Geheimnisse der Rosenkreuzertempel kennen, nicht gesprochen. Was aber im Schoße der Zukunft ruht, das kann lebendig werden, wenn sich genügend viele Seelen finden, die da wissen, daß Erkenntnis Pflicht ist, weil wir unsere Seele nicht unentwickelt an den Weltengeist zurückgeben dürfen; denn sonst haben wir dem Weltengeiste selber etwas entzogen, was er uns an Kräften einverleibt hat. Wenn sich solche Seelen finden, die wissen, was sie dem Weltengeiste schuldig sind, indem sie nach Erkenntnis der Weltenrätsel streben, dann werden sich die Hoffnungen erfüllen, welche die besten Leute der alten Zeiten hegten. Ja, sie sahen auf uns, als auf die Nachgeborenen, hin und sagten: Wenn sie nur erst einmal Wissenschaft geworden sein wird, dann müßte sie populär werden, dann müßte sie die Herzen ergreifen! - Diese Herzen müssen nur erst einmal da sein, müssen erscheinen! Von denen hängt es ab, die mit richtigem Verständnis in unserer nach dem Spirituellen strebenden Vereinigung sind, um zu wissen: Ich muß sie haben, diese geistige Beleuchtung der Daseinsrätsel! Von jeder einzelnen Seele, die in unserer Vereinigung ist, hängt es ab, ob solche charakterisierten Sehnsuchten nur ein eitler Traum derer waren, die auf unser Bestes gehofft haben, oder ob es wertvolle Träume waren, die wir ihnen erfüllen.
[ 30 ] When we allow ourselves to be moved by such figures, who introduce us to the longings of bygone eras, we feel the full weight of responsibility resting upon our souls: the others have waited so that we might accomplish what they longed for! What these spirits—such as Julius Mosen, who created a “Knight Wahn” and an “Ahasver”—like a final prophet of the West—longed for, because what the emissaries of the holy temples had recounted in images, in hundreds and hundreds of images, to prepare souls for the time to come, came alive within them—what these spirits longed for is revealed in the words that Rothe wrote in Heidelberg in 1847: “Once it has become true science, and thus has produced clearly defined results, these will gradually become part of general conviction or gain popularity, and will thus be passed down as universally accepted truths to those who cannot find their way along the paths on which they were discovered and could only be discovered!” At that time, a man who yearned not only for himself but also for his contemporaries had to find solace in these resigned words: “Yet this lies in the bosom of the future, which we do not wish to anticipate!” In 1847, those who know the secrets of the Rosicrucian temples had not spoken in a way that was outwardly audible. But what lies in the bosom of the future can come to life if enough souls are found who know that knowledge is a duty, because we must not return our soul to the world spirit in an undeveloped state; for otherwise we have deprived the world spirit itself of something that it has incorporated into us as powers. If such souls are found who know what they owe to the world spirit by striving for knowledge of the world’s mysteries, then the hopes cherished by the best people of old will be fulfilled. Yes, they looked to us, as to those who would come after them, and said: Once it has become science, then it must become popular, then it must capture the hearts!—These hearts must only first be there, must appear! It depends on those who, with true understanding, are in our association striving for the spiritual, to know: I must have it, this spiritual illumination of the mysteries of existence! It depends on every single soul in our association whether such characteristic longings were merely a vain dream of those who hoped for the best in us, or whether they were valuable dreams that we will fulfill for them.
[ 31 ] Wenn wir in unserer Zeit die wissenschaftliche Öde sehen, die Öde in der Kunst, im gesellschaftlichen Leben und überall, dann müssen wir uns sagen: Wir brauchen nicht aufzugehen in dieser Öde; wir können heraus aus ihr. Denn wieder ist eine Zeit angebrochen, in welcher die heiligen Tempel sprechen - und jetzt nicht bloß in Bildern und Märchen, sondern in solchen Wahrheiten, die zwar von vielen heute noch als Theorien genommen werden, die aber immer mehr und mehr lebendige Lebenssäfte, Blut der Seelen werden können und werden müssen. Es kann jeder einzelne sich entschließen, mit dem Besten, was er in seiner Seele hat, dieses Lebensblut aufzunehmen.
[ 31 ] When we see the scientific wasteland of our time, the wasteland in art, in social life, and everywhere, we must tell ourselves: We do not have to be swallowed up by this wasteland; we can escape from it. For once again a time has dawned in which the sacred temples speak—and now not merely in images and fairy tales, but in truths that, though still regarded by many today as mere theories, can and must increasingly become the living sap of life, the blood of the soul. Every individual can resolve to absorb this lifeblood with the best that is within his soul.
[ 32 ] So ist ein Gedanke, der wie ein Ergebnis hervorgeht aus dem, was wir uns aus der Betrachtung der Zeiten haben bilden können. Und so soll der Gedanke sein, den wir jetzt in unsere Seele senken, der die Zusammenprägung ist von dem eigentlichen Sinn und Geist der Leitung und Führung der ganzen Menschheit. Wenn wir diesen Gedanken in unserer Seele wirksam sein lassen, haben wir reichliche Seelenanregung wieder für Monate, können durch Monate hindurch diesen Gedanken wieder verarbeiten. Denn wir werden sehen, daß viel in ihm ist, daß er zu einem Bau erwachsen kann - nicht etwa deswegen, weil er mit diesen oder jenen Worten ausgesprochen ist. Meine Worte mögen noch so unvollkommen sein: nicht wie der Gedanke ausgesprochen, sondern was er in Realität ist, darauf kommt es an. Und was er in Realität ist, kann in jeder einzelnen Seele leben. Denn alle Summe der Wahrheit ist in jeder einzelnen Seele als Keim vorhanden und kann erblühen, wenn sich die Seele diesem Keim hingibt.
[ 32 ] This is a thought that emerges as a conclusion from what we have been able to form through our contemplation of the ages. And this is how the thought we now take to heart should be—a synthesis of the true meaning and spirit of the guidance and leadership of all humanity. If we allow this thought to take effect in our souls, we will have ample spiritual inspiration again for months to come; we will be able to process this thought anew throughout the months. For we will see that there is much in it, that it can grow into a structure—not because it is expressed in these or those words. However imperfect my words may be: what matters is not how the thought is expressed, but what it is in reality. And what it is in reality can live in every single soul. For the whole of truth is present in every single soul as a seed and can blossom when the soul surrenders to this seed.
