Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Welche Bedeutung hat
die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen:
physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und sein Selbst?
GA 145

23 März 1913, The Hague

4. Frühlingsanfang, Ostermond und Ostersonntag

[ 1 ] Es mag unentschieden bleiben, wie viele Herzen am heutigen Tage im westlichen Europa noch soviel Zusammenhang des Geistig-Seelischen mit dem Göttlich-Natürlichen fühlen, daß ihnen am heutigen Tag, an diesem Zukunftshoffnungsfest, in diesem Jahr der Gedanke durch die Seele zieht, wie wir in einem Jahre leben, in dem dieses Hoffnungsfrühlingsfest so früh als möglich hereingerückt sein darf in die Zeit, da heraussprossen aus dem Schoße unserer Mutter Erde die frischen Triebe des Jahres, wo einzieht in das Menschenleben dasjenige, was wir Frühling nennen. Drei Tage, die sonst weit voneinander abliegen, sind in solchen Jahren, wie dieses eines ist, hintereinander zusammengedrängt. Der Ostersonntag, es ist ja derjenige Sonntag, der auf den Vollmond folgt, welcher wiederum folgt auf den Frühlingsbeginn am 21. März. Drei Tage, die verhältnismäßig weit auseinanderliegen können, die folgen sich in diesem Jahre: Frühlingsanfang vorgestern, Frühlingsvollmond gestern, der Östersonntag heute. In solchen Jahren ist für denjenigen, der in das geistige Erkennen der Welt einrückt, eine ganz besondere Schrift hineingeschrieben in das Weltenall, und gerade an diesem Tage eines solchen Jahres geziemt es sich ganz besonders der Seele, welche sich bestrebt, mitfühlen zu lernen die geistigen Geheimnisse des Weltenalls und des Zeitenwerdens, auch mitfühlen zu lernen, was hineingeschrieben sein soll in unsere menschliche Erdenentwickelung mit diesem Frühlingsfest.

[ 2 ] Derjenige Mensch, welcher den Zusammenhang von Sonne und Mond kennt, so kennt, wie man ihn kennenlernen kann, wenn man das Zusammenwirken von Sonne und Mond für die Erde in der geheimwissenschaftlichen Schrift erschaut, der kennt auch das tiefe Geheimnis, das da waltet zwischen dem Erdengeist Christus und zwischen dem Geist, den wir ausdrücken mit dem Worte Jahve, Jehova. Und wer den Zusammenhang kennt zwischen der Sonne und dem Monde, der hört mit einem Verständnis erweckenden Klang die Paradieseslegende von dem Fall der Menschen und ihrer Verführung durch Luzifer, von den in Strafgerechtigkeit erschallenden Worten Gottes. Derjenige, der versucht, manches, was zwischen den Zeilen meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» enthalten ist, zu verstehen, kann ahnen den Zusammenhang zwischen dem Sonne-Mondgeheimnis und dem Geheimnis, das gewöhnlich als die Versuchung Luzifers und das Einwirken JahveJehovas gekennzeichnet wird.

[ 3 ] Heute aber wollen wir mehr den Blick richten darauf, daß Sonne und Mond, wie sie sich folgen in ihrer Wirkung auf die Erde, von diesem Karfreitag zu diesem Karsamstag, wie Sonne und Mond in ihrer Schrift im Kosmos dem Okkultisten erscheinen wie ein Fragezeichen, das hineingeschrieben ist tief geheimnisvoll ins geistige Weltenall, und die Antwort gibt uns in diesem Jahre, so schnell als möglich, die unmittelbare Folge des Ostersonntags auf den Sonnabend des Frühlingsvollmondes: Ostersonntag, der Tag der Erinnerung und der Tag der Hoffnung, der Tag, der uns symbolisch ausdrückt das Mysterium von Golgatha. Manche Geheimnisse verbergen sich hinter dem, was uns in der äußeren physisch-sinnlichen Natur umgibt, und die Enthüllung solcher Geheimnisse, sie bringt uns ja immer in einer gewissen Weise in die Nähe des strengen Hüters der Schwelle. Auch das Ostergeheimnis ist ein solches, das durchaus in einer gewissen Weise, um verstanden zu werden, erst das Reifwerden der Menschenseele fordert, obwohl im instinktiven Gefühl ein jeder das innere Andachtsopfer immer verrichten kann, das unsere Seele erfüllen mag, wenn an den Frühlingsanfang angereiht wird der Tag der Erdenzuversicht, der Tag der Erlösung und Auferstehung, der Ostersonntag. Wenn der Frühling beginnt, wenn die Sonne in ein solches Verhältnis zur Erde rückt, daß durch ihre Kraft aus dem Schoße der Erdenmutter hervorsprießen können die Pflanzenkeime, dann beginnt die Menschenseele innerlich wie in Paradieseshelle aufzujauchzen, weil sie weiß, es gehen Kräfte durch den Kosmos, welche in zyklischer Folge mit jedem neuen Jahre aus dem Erdenschoße hervorzaubern, was zum äußeren Leben und auch zum Leben der Seele notwendig ist, damit der Mensch in der Erdenentwickelung seinen Lauf vom Beginne bis zum Ende dieser Erdenentwikkelung gehen könne. Und wenn die Eindrücke des Winters, der da zudeckt den Boden der Erdenmutter mit seiner Eisdecke, wenn das alles wachruft den Gedanken an alles dasjenige, was einstmals die Erde zum Verfall bringen wird im Weltenall, was einstmals die Erde überführen wird in den Welterstarrungszustand, der sie unfähig machen wird, fernerhin Wohnplatz des Menschen zu sein, wenn der Winter diese Gedanken wachruft, dann ruft jeder neue Frühling in die Menschenseele den anderen Gedanken herein: Ja, du Erde, dir ist mitgegeben seit deinem Urbeginn immer neue Jugendkraft, immer sich erneuerndes Leben. Dir ist gegeben, die Seele wiederum herauszurufen zu innerlichem Jauchzen, aber auch zu innerlicher Andacht. Und wenn sich auch noch die kalte Eisdecke hingebreitet hat über das Erdenreich, so verbinden sich in der Menschenseele doch die hoffnungsvollen Vorstellungen mit der ahnenden Empfindung, wie die Erde noch lange werde durch ihre Frühlings- und Sommerkräfte den Menschen tragen können, damit er die Möglichkeit finde, all die Fähigkeiten, all die inneren Kräfte aus sich heraus zu entwickeln, die in seinen Anlagen begründet sind. Das ist das innere, ehrfürchtige Aufjauchzen der Seele in der Frühlingsjahreswende. Es kommt davon, daß die Seele sich voller Hoffnung fühlt, daß die Erde bestehen, kann und daß die Erde die Möglichkeit geben kann, Menschenkräfte voll zu entwickeln.

[ 4 ] Aber es kommt wohl auch an die Menschenseele die Frage heran: Werden alle Sonnenkräfte in der Lage sein, alle Winterkräfte zu überwinden oder wenigstens ihnen die Waage zu halten? Werden die Winterkräfte nicht vielleicht so stark auf der Erde wirken können, daß die Erde früher in Erstarrung übergehen muß, bevor die Menschenseele ihre volle Erdenmission erfüllt hat? Wird der Sommer dem Winter die Waage halten? Wird der Frühling immer seine notwendige Kraft haben? — ein Gedanke, der vielleicht den Menschenseelen, die nur die äußere Natur beobachten, nicht so leicht kommt, der aber immer mehr und mehr kommen muß denjenigen Seelen, die sich in den wahren Geistesinhalt des Weltenalls vertiefen können. Diese Seelen, sie suchen zu entziffern die große, gewaltige Schrift, mit der die Weltengeheimnisse in den Kosmos hineingeschrieben sind. Dann wird gegenüber der eben erwähnten Schrift von dem Kampf des Winters mit dem Sommer eine andere Schrift der Seele vernehmlich, jene Schrift, welche sich hereinschreibt in unser Weltenall, wenn wir verfolgen den Mond in seinem geheimnisvollen Gang, wie er unsichtbar-sichtbar seinen Kreislauf vollendet. Oh, dieses Mondenlicht, wie ein rätselhafter Buchstabe der Weltenschrift stellt es sich herein in das urewige Schöpfungswort des Erdenlebens. Dieses Mondenlicht, wenn es der Okkultist zu ergründen sucht, dann erinnert es ihn zunächst an die strafende Stimme Jahves im Paradies nach der Versuchung Luzifers, dann erinnert es ihn freilich auch wiederum an die Wunderbare, geheimnisvolle Tatsache, wie der Buddha in einer Silbermondnacht seinen Geist ausgehaucht hat in das kosmische Weltenall. Was sagt uns das Mondenlicht, das da ist in der Finsternis der Nacht wie der Traum im Schlaf des Menschen? — Der Okkultist erfährt, daß von den Kräften der wirkenden Sonne, von den immer wieder und wiederum die Erdenevolution erneuernden Kräften der Sonne, stets so viel hinweggenommen wird, als Licht der Sonne zurückgestrahlt wird vom vollen Mond. Die Menschenseele mag sich hineinträumen in die mondbeglänzten Zaubernächte, der Okkultist weiß, daß so viel genommen wird von der Kraft des Sonnenlichtes und der Sonnenwärme, als zurückstrahlt der volle Mond von diesem Sonnenlicht zur Erde.

[ 5 ] So ist der Vollmond das stetige Symbolum dessen, was der Sonne genommen wird. Und wenn die Sonne in jedem neuen Frühling mit ihren Kräften neuerdings heraufdringt in das irdische Leben, so weiß der Okkultist, daß, wenn das auch für die äußere Beobachtung wenig wahrnehmbar ist, mit jedem neuen Frühling die Sonne schwächere Kräfte hat, als sie im alten, vorhergehenden Frühling hatte, und daß ihr ebensoviel von ihren Kräften genommen ist, als Vollmondlicht über die Erde hingeschienen hat. So ist der Vollmond, der da erscheint nach dem Frühlingsbeginne, so geheimnisvoll, so seelenbeschwingend er auch den Menschen erscheint, zugleich ein ernster, strenger Mahner an die irdisch-kosmische Tatsache, daß Kräfte der Sonne mit jedem neuen Frühling hingeschwunden sind, und daß der Mensch nimmermehr das in seiner Erdenmission erreichen könnte, was er erreichen würde, wenn der Sonne diese Kräfte nicht genommen würden. Diese Tatsache zu empfinden, stellt ein gewaltiges Fragezeichen in den Kosmos, dieses Fragezeichen empfindend, verhielten sich in ihrem Herzen die alten Okkultisten.

[ 6 ] So sagten sich die alten Okkultisten: Wir blicken hinauf zur Sonne, deren Geheimnisse Zarathustra einstmals den Menschen verkündet hatte. Wir blicken hinauf zu dem Monde, dessen Geheimnis in der Jahve-Religion seinen bedeutendsten Ausdruck gefunden hat. Wenn wir die beiden Himmelszeichen schauen, dann wissen wir: Zusammenwirken von Sonne und Mond bedeutet Erdenniedergang. — Dann schauten diese alten Okkultisten hin auf einen Punkt der Erdenentwickelung selbst, auf jenen Punkt, wo aufging aus der Erde selber in der Fülle der Zeit der Geist der Sonne in dem Leibe des Jesus von Nazareth. Damals, als Christus starb am Kreuz von Golgatha und der Geist des Christus sich mit der Erde verband, da war das kosmische Ereignis im Erdenleben geschehen, daß eine Gegenkraft geschaffen wurde gegen alles das, was der Mond an Kräften der Sonne wegnimmt, während diese Sonne aus dem Kosmos her auf die Erde wirkt. Indem der Christus-Geist in einer Menschenseele seinen Wohnsitz aufgeschlagen hat und von da aus über das ganze Erdensein im Laufe der zukünftigen Erdenentwickelung verbreitet wird, ist Ersatz geschaffen für das, was die Mondenkräfte fortwährend entziehen den von der Sonne in die Erde eindringenden Sonnenkräften. Daher versteht diese Menschenseele ihre Beziehung zum Kosmos, wenn sie moralisch-spirituell zu den Tagen, die aus dem Kosmos hereindiktiert sind, aus sich heraus hinzusetzt den dritten Tag, den Tag des Todes und der Auferstehung von Golgatha. Und wenn sie so nahe aneinanderrücken, die fortschreitenden kosmischen Sonnenkräfte, die in ihrer unendlichen Güte der Erde immer neues Leben geben wollen, und der strenge Mondengeist, der ob der Wesenheit des Luzifer und seiner Kräfte wegnehmen muß der Sonne, insoferne sie nur die natürliche Sonne ist, ihre Kräfte, so kann hinzufügen zu den beiden als dritten Tag, moralisch-spirituell, wie die Antwort auf die große kosmische Frage, die Menschenseele diesen Ostertag. Wunderbar stehen sie nebeneinander in solchen Jahren, wie dieses Jahr eines ist.

[ 7 ] Karfreitag! — er darf uns in diesem Jahre besonders mahnen in kosmisch-okkulter Schrift daran, daß der Sonne immerzu mit jedem neuen Frühling Kräfte genommen sind, und daß die Erde früher ersterben könnte, als bis die Menschenseele all ihre Kräfte entwickelt hat. Vollmondtag am Karsamstag, ein wunderbares Geheimnis! Oben im Kosmos das wunderbare Zeichen, das Sinnbild des gestrengen Jahve, der seine Donnerstimme wallen läßt durch das Paradies, in dem die menschliche Sünde die Folge der Versuchung ausstrahlt; unten auf der Erde das Symbolum der neu erstandenen Erdenkraft, der im Grabe ruhende Christus! Es geht tief in die Seele, die okkultistisch empfinden kann, wenn sich gerade über dem Ostergrabe, dem Sinnbild des Hineindringens des Christus-Impulses in den Erdenleib, breitet das silberne, ernste und strenge Vollmondlicht. Darauf folgend das Sinnbild der wiedererstandenen Sonne, der aus der Menschenseele wiiedererstandenen Sonne, der Ostersonntag! Fühlen wir diese Dreiheit in unserer Seele, fühlen wir die kosmische Sonne, gefolgt von dem kosmischen Mond, gefolgt von der moralisch-geistigen Sonne, fühlen wir in dieser Dreiheit in unserer Seele das Symbolum, wie überwindet der Geist die Materie, wie überwindet das Leben den Tod, fühlen wir etwas davon, was uns erfüllen kann, wenn wir im rechten Sinne des Wortes Okkultisten unserer Zeit sind, wie jene Kraft, die wir als den ChristusImpuls bezeichnen, immer stärker und stärker dem Erdenmenschen aufgehen wird, damit die Menschen in dem immer mehr und mehr sich offenbarenden Christus-Impuls fühlen lernen, was in ihnen selbst enthalten sein muß, damit sie als Menschen finden den Weg hinaus aus der ersterbenden Erde zu höheren Entwickelungsstufen der unsterblichen, in Ewigkeiten hinauslebenden Menschenseele!