From Akashic Research
The Fifth Gospel
GA 148
16 November 1913, Hamburg
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From Akashic Research: The Fifth Gospel, tr. SOL
Das Fünfte Evangelium
The Fifth Gospel
[ 1 ] Es obliegt mir jetzt, zu sprechen von Dingen, die sich im Verlaufe unseres anthroposophischen Lebens ergeben haben, von den geisteswissenschaftlichen Forschungen, die aus der Akasha-Chronik gewonnen sind und sich beziehen auf das Jesus-Leben. In Kristiania habe ich schon einiges zusammengestellt über das Christus Jesus-Leben. Auch in anderen Städten habe ich verschiedenes mitgeteilt, und zu Ihnen will ich auch einiges sprechen, und zwar aus bestimmten Gesichtspunkten. Im allgemeinen betone ich, daß es nicht leicht wird, darüber zu sprechen, denn direkte Ergebnisse werden in der Gegenwart noch recht übel vermerkt, wenn auch allgemein zugegeben wird, daß es einen Geist gibt, von dem man abstrakt spricht. Wenn man aber konkrete Mitteilungen aus dem Gebiete der geistigen Entwickelung der Welt gibt, findet man nicht nur gutmütige Kritiker, sondern wildgewordene, so wie es war bei der Mitteilung über die zwei Jesusknaben, die für den objektiv Denkenden sehr einleuchtend ist. Deshalb bitte ich, die heutigen Mitteilungen pietätvoll zu behandeln, weil sie, wenn außerhalb unserer Zusammenhänge dargestellt, mißverstanden werden und üble Gegnerschaft erfahren könnten.
[ 1 ] It is now my duty to speak of matters that have arisen in the course of our anthroposophical life, of the spiritual scientific research derived from the Akashic Records and relating to the life of Jesus. In Kristiania, I have already compiled some material on the life of Christ Jesus. I have also shared various insights in other cities, and I would like to speak to you as well, specifically from certain perspectives. In general, I emphasize that it is not easy to speak about this, for direct findings are still viewed quite negatively in the present day, even though it is generally acknowledged that there is a Spirit of whom one speaks in abstract terms. But when one gives concrete messages from the realm of the world’s spiritual development, one encounters not only good-natured critics, but those who have become enraged, as was the case with the message about the two Jesus boys, which is very convincing to the objectively minded. Therefore, I ask that today’s messages be treated with reverence, because if presented outside of our context, they could be misunderstood and meet with fierce opposition.
[ 2 ] Aber es gibt auch Gesichtspunkte, nach denen man sich verpflichtet fühlt, diese Dinge mitzuteilen. Der eine Gesichtspunkt ist der, daß wahrhaftig in unserer Zeit notwendig ist eine Erneuerung des Christus Jesus-Verständnisses, ein erneuertes Hineinblicken in das, was eigentlich in Palästina geschehen ist, was als Mysterium auf Golgatha sich vollzog. Aber noch einen anderen Gesichtspunkt gibt es. Dieser ist der, daß gerade okkulte Einsicht verwoben sei mit der ganzen Gesinnung, die aus der Geisteswissenschaft fließt, und die uns die Erkenntnis bringt, wie unendlich gesundende und kräftigende Nahrung für die Menschenseelen es ist, wenn sie öfter denken können an das, was sie als zu den größten Ereignissen zugehörig betrachten können. Es kann diesen Seelen eine Hilfe sein, sich zu erinnern an das Mysterium von Golgatha, an die konkreten Dinge, an das, was man im einzelnen heute noch erforschen kann. Und man kann heute mit okkultem Blicke die Dinge noch erforschen. So möchte ich den seelischen Wert der Erinnerung an solche Ereignisse betonen und möchte auf einiges eingehen, was sich aus der Akasha-Chronik ergibt als eine Art Evangelium, als Fünftes Evangelium. Die vier anderen sind auch nicht gleichzeitig geschrieben; sie sind geschrieben aus Inspiration durch die Akasha-Chronik. Wir leben heute in einem Zeitalter, wo sich das Christus Jesus-Wort erfüllt: «Ich bin bei euch alle Tage.» In besonderen Zeiten steht er uns ganz besonders nahe, spricht Neues aus, was sich vollzogen hat zur Zeit des Mysteriums von Golgatha.
[ 2 ] But there are also reasons why one feels compelled to share these things. One such perspective is that what is truly necessary in our time is a renewal of our understanding of Christ Jesus, a renewed insight into what actually took place in Palestine, into what unfolded as a mystery on Golgotha. But there is yet another perspective. This is that occult insight is interwoven with the entire mindset that flows from spiritual science, and which brings us the realization of how infinitely healing and strengthening nourishment it is for human souls when they can think more often of what they regard as belonging to the greatest events. It can be a help to these souls to remember the Mystery of Golgotha, the concrete details, and what can still be investigated in detail today. And one can still investigate these things today with an occult eye. Thus, I would like to emphasize the spiritual value of remembering such events and would like to address some of what emerges from the Akashic Records as a kind of Gospel, as the Fifth Gospel. The other four were not written simultaneously either; they were written through inspiration from the Akashic Records. We live today in an age in which the words of Christ Jesus are fulfilled: “I am with you always.” In special times, he is especially close to us, speaking of new things that took place at the time of the Mystery of Golgotha.
[ 3 ] Heute will ich von dem sprechen, was man das Pfingstereignis nennt. Es war für mich selber der Ausgangspunkt des Fünften Evangeliums. Den Blick wendete ich zuerst in die Seelen der Apostel und Jünger, die nicht nur nach der Tradition, sondern wirklich versammelt waren zu dem Zeitpunkte des Pfingstfestes. Da sah man, daß etwas in ihren Seelen war, was sie empfanden wie ein merkwürdiges Zusichkommen. Denn sie wußten etwas, was mit ihnen vorgegangen war. Sie sagten sich: Wir haben etwas erlebt auf eine merkwürdige Weise. — Denn sie sahen zurück auf Erlebnisse, die sie wie in einem höheren Traume, in einem anderen Bewußtseinszustand durchgemacht hatten. In höherem Sinne war es so, wie es in niedrigem Sinne ist für den einzelnen Menschen, wenn er träumend etwas erlebt hat und sich daran erinnert und sich sagt: Ich habe diesen Traum durchgemacht und jetzt hinterher wird er mir vor dem Wachbewußtsein klar. - So war es auch auf dem Pfingstfeste, daß sie sich sagten: Es war ja, als wenn das gewöhnliche Bewußtsein eingeschläfert gewesen wäre. — Es tauchten die Ereignisse wie in der Erinnerung auf, von denen sie wußten, sie hatten sie erlebt, aber sie hatten sie nicht mit dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein erlebt. Das wußten sie jetzt. So erinnerten sie sich jetzt: Wir sind einstmals herumgewandelt mit dem, der uns so teuer, so lieb und wertvoll war. Dann, zu einem bestimmten Zeitpunkte war es, wie wenn er uns entrückt worden wäre. Es kam ihnen vor, als ob die Erinnerung abriß an das Herumgehen mit Jesus auf dem physischen Plane, und wie wenn sie das Folgende wie traumwandelnd erlebt hätten.
[ 3 ] Today I want to speak about what is known as the event of Pentecost. For me, it was the starting point of the Fifth Gospel. I first turned my gaze to the souls of the apostles and disciples, who were gathered not merely according to tradition, but in reality at the time of the Feast of Pentecost. There one could see that there was something in their souls that they perceived as a strange coming together. For they knew something that had happened to them. They said to one another: We have experienced something in a strange way. — For they looked back on experiences they had undergone as if in a higher dream, in a different state of consciousness. In a higher sense, it was as it is in a lower sense for the individual human being when he has experienced something in a dream and remembers it and says to himself: I have gone through this dream, and now afterward it becomes clear to me in waking consciousness. - So it was also at the Feast of Pentecost that they said to themselves: It was as if ordinary consciousness had been lulled to sleep. — The events surfaced as in a memory, events they knew they had experienced, but they had not experienced them with ordinary waking consciousness. They knew that now. So they now recalled: We once walked about with the one who was so dear, so beloved, and so precious to us. Then, at a certain point in time, it was as if he had been taken from us. It seemed to them as if the memory of walking with Jesus on the physical plane had broken off, and as if they had experienced what followed as if in a dreamlike state.
[ 4 ] Sie erlebten zurückgehend das, was man in der evangelischen Lehre als die Himmelfahrt beschreibt, und weiter zurückgehend erlebten sie, wie sie zusammen waren mit Christus Jesus in einer bestimmten Weise. Sie wußten jetzt: Wir waren zusammen, wir waren damals aber wie traumwandelnd; jetzt erst können wir voll wissen, wie wir mit ihm zusammen waren. — Sie erlebten die Zeit, die sie nach der Auferstehung mit ihm wie traumwandelnd durchgemacht hatten. Das erlebten sie jetzt in der Erinnerung. Dann ging es zurück und sie erlebten selber das, was die Auferstehung und der Tod am Kreuz war. Da darf ich sagen: Es gibt einen ungeheuren, tiefgehenden Eindruck, wenn man so zuerst sieht, wie am Pfingstfeste die Seelen der Apostel zurückschauend hinblicken auf das Ereignis von Golgatha. Und ich gestehe, daß ich zuerst den Eindruck hatte, nicht direkt hinblickend auf das Mysterium von Golgatha, sondern schauend in den Seelen der Apostel, wie sie es gesehen hatten, vom Pfingstfeste hin schauend: sie hatten es ja tatsächlich nicht mit dem physischen Auge durchgemacht, nicht im physischen Bewußtsein miterlebt, sondern sie kamen erst hinterher darauf, daß das Mysterium von Golgatha da war, denn ihr physisches Bewußtseinserlebnis hörte auf schon eine Zeitlang, bevor der Christus Jesus all das, was als Geißelung, Dornenkrönung und Kreuzigung beschrieben wird, durchzumachen hatte. Wenn der Ausdruck nicht mißverstanden wird, weil er im Verhältnis trivial ist, so möchte ich ihn doch gebrauchen: verschlafen, verträumt hatten die Jünger das, was geschehen war.
[ 4 ] They relived what is described in Protestant doctrine as the Ascension, and going even further back, they experienced how they had been with Christ Jesus in a certain way. They now knew: We were together, but at that time it was as if we were sleepwalking; only now can we fully understand how we were with him. — They relived the time they had spent with him after the Resurrection, as if in a dream. They now experienced this in their memories. Then they went back and experienced for themselves what the Resurrection and the death on the cross were. Here I may say: There is an immense, profound impression when one first sees how, on the Feast of Pentecost, the souls of the Apostles look back upon the event of Golgotha. And I confess that at first I had the impression not of looking directly at the Mystery of Golgotha, but of looking into the souls of the Apostles as they had seen it, looking from the Feast of Pentecost: for they had not actually experienced it with their physical eyes, nor witnessed it in their physical consciousness, but only later realized that the Mystery of Golgotha had taken place, since their physical conscious experience had ceased some time before Christ Jesus had to undergo all that is described as the scourging, the crowning with thorns, and the crucifixion. If the expression is not misunderstood, because it is relatively trivial, I would still like to use it: the disciples had slept through, had dreamt away, what had happened.
[ 5 ] Es war ergreifend, zu sehen, wie zum Beispiel Petrus das vollbringt, was als Verleugnung geschildert wird. Er verleugnet Christus, aber nicht aus einem moralischen Defekt heraus, sondern wie traumwandelnd ist er. Vor seinem gewöhnlichen Bewußtsein steht tatsächlich der Zusammenhang mit Christus nicht da. Er wird gefragt: Gehörst du zu Christus Jesus? — Er weiß es in diesem Momente nicht, denn sein ätherischer Leib hatte eine solche Verwandlung durchgemacht, daß er den Zusammenhang in diesem Moment nicht kennt. Er macht die ganze Zeit durch und wandelt mit dem Auferstandenen herum. Das, was der Auferstandene in seiner Seele bewirkt, dringt tief in seine Seele ein, aber bewußt wird es erst am Pfingstfeste in der Rückschau. Jetzt tönen einem die bedeutungsvollen Worte, die Christus Jesus spricht, anders in der Seele, die Worte, die er zu Petrus und Jakobus spricht, wie er sie mitnimmt auf den Berg: «Wachet und betet!» Und tatsächlich verfielen sie in eine Art von anderem Bewußtseinszustand, in eine Art von Traum-Trance.
[ 5 ] It was moving to see, for example, how Peter accomplishes what is described as a denial. He denies Christ, but not out of any moral failing; rather, he acts as if in a trance. In his ordinary consciousness, the connection with Christ is indeed not present. He is asked: “Do you belong to Christ Jesus?”—He does not know it at that moment, for his etheric body had undergone such a transformation that he is unaware of the connection at that moment. He goes through the whole experience and walks around with the Risen One. What the Risen One brings about in his soul penetrates deeply into his soul, but it only becomes conscious on Pentecost in retrospect. Now the meaningful words spoken by Christ Jesus resound differently in the soul—the words he speaks to Peter and James as he takes them up the mountain: “Watch and pray!” And indeed, they fell into a kind of altered state of consciousness, a kind of dream-trance.
[ 6 ] Wenn sie unter sich beisammen waren und berieten, war auch Christus Jesus, ohne daß sie es wußten, im ätherischen Leibe unter ihnen, und er redete mit ihnen und sie mit ihm, aber bei ihnen geschah das alles wie im Traumwandel. Zum bewußten Ereignis wurde es erst am Pfingstfeste in der Rückschau. Zuerst wanderten sie mit, dann entschwindet das Bewußtsein und nachher wachen sie wieder auf. Sie dachten: Zuerst ging er zum Kreuzestod und starb am Kreuze, dann vollzog sich das, was die Auferstehung ist, und er kam wieder in seinem Geistleibe, verhandelte mit uns und ließ in unsere Seelen träufeln die Geheimnisse der Welt. Jetzt wird uns das alles Vorstellung, was wir in dem anderen Bewußtseinszustand erlebt haben.
[ 6 ] When they were gathered together and discussing matters, Christ Jesus was also among them in his etheric body, though they were unaware of it; and he spoke with them, and they with him, but to them it all seemed as if they were walking in a dream. It only became a conscious event in retrospect on the day of Pentecost. First they walked with him, then their consciousness faded, and afterward they awoke again. They thought: First he went to his death on the cross and died there; then the Resurrection took place, and he returned in his spiritual body, conversed with us, and let the mysteries of the world trickle into our souls. Now all that we experienced in that other state of consciousness becomes a vision to us.
[ 7 ] Vor allem sind zwei Eindrücke tief bedeutsam. Da sind die Stunden vor dem Tode. Selbstverständlich liegt es nahe, allerlei naturwissenschaftliche Einwände zu machen; aber wenn Sie sich vorstellen, daß, indem man auf die Akasha-Chronik den Blick hinrichtet, die Ereignisse objektive Wirklichkeit sind, so darf man sie erzählen. Zunächst stellt sich eines dar. Vor dem Tode schaut man ein stundenlanges Sich-Ausbreiten einer Verfinsterung über die Erde, die für den hellseherischen Blick den Eindruck einer Sonnenfinsternis macht; es kann aber auch eine Wolkenverfinsterung gewesen sein. Dann kann man . wahrnehmen, wie beim Sterben am Kreuze der Christus-Impuls, durch diese Finsternis hindurchgehend, sich mit der Erdenaura verbindet. Die Verbindung des kosmischen Christus-Impulses mit der Erdenaura schaut man bei dieser Verfinsterung vor seinem Tode. Dann hat man jenen großen, gewaltigen Eindruck, wie diese Wesenheit, die im Leibe des Jesus gelebt hat, jetzt sich ausgießt über die geistig-seelische Erdenaura, so daß die Seelen der Menschen nun fortan wie in sie eingezogen sind. So im Geiste zu schauen das Kreuz auf Golgatha, und den Christus durch die verfinsterte Erde sich ausgießen sehen über das Erdenleben, ist ein ungeheuer überwältigender Eindruck; denn man sieht im Bilde das wirklich sich vollziehen, was für die Entwickelung der Erdenmenschheit sich vollziehen mußte.
[ 7 ] Two impressions, in particular, are deeply significant. There are the hours before death. Of course, it is tempting to raise all sorts of scientific objections; but if you imagine that, by turning one’s gaze to the Akashic Records, these events are objective reality, then they may be recounted. First, one thing presents itself. Before death, one sees an eclipse spreading over the earth for hours, which to the clairvoyant eye gives the impression of a solar eclipse; but it may also have been a cloud eclipse. Then one can perceive how, at the moment of death on the cross, the Christ impulse, passing through this darkness, unites with the Earth’s aura. One beholds the connection of the cosmic Christ impulse with the Earth’s aura during this eclipse before his death. Then one has that great, powerful impression of how this being, who lived in the body of Jesus, now pours out over the spiritual-soul aura of the Earth, so that the souls of human beings are henceforth drawn into it. To gaze in this way upon the cross at Golgotha in the spirit, and to see Christ pouring himself out through the eclipsed Earth over earthly life, is an immensely overwhelming impression; for one sees in the image what truly had to take place for the development of humanity on Earth actually unfolding.
[ 8 ] Und nun die Grablegung: Da kann man natürlich verfolgen - ich habe das schon im Karlsruher Zyklus erwähnt -, wie sich ein Naturereignis als äußerer Ausdruck des geistigen Ereignisses darstellt. Als Christus im Grabe lag, kam ein gewaltiges Erdbeben mit einem Wirbelwinde über die Erde. Da war es ganz besonders bedeutsam, daß sich herausstellte auch durch Betrachtung der Akasha-Chronik, was wir heute das Fünfte Evangelium nennen: daß nach dem Wirbelwind die Tücher im Grabe lagen, wie es im Johannes-Evangelium treu geschildert ist. Was ich jetzt geschildert habe, das haben die Apostel, rückwärtsschauend, in ihren eigenen Begegnungen mit Christus nach der Auferstehung, als Mysterium von Golgatha erlebt. Am Pfingstfeste haben sie das, was sie wie traumwandelnd durchgemacht hatten, zuerst erlebt für ihr Bewußtsein.
[ 8 ] And now the burial: Here, of course, one can observe—as I have already mentioned in the Karlsruhe cycle—how a natural phenomenon manifests itself as an outward expression of the spiritual event. When Christ lay in the tomb, a mighty earthquake accompanied by a whirlwind swept across the earth. It was particularly significant—as revealed also through the Akashic Records, in what we now call the Fifth Gospel—that after the whirlwind, the cloths lay in the tomb, just as is faithfully described in the Gospel of John. What I have just described is what the Apostles, looking back, experienced as the Mystery of Golgotha in their own encounters with Christ after the Resurrection. On the Feast of Pentecost, they first experienced in their consciousness what they had gone through as if in a dream.
[ 9 ] Christus Jesus war, als er das Mysterium von Golgatha vollbracht hat, wirklich allein, denn seine Jünger waren nicht nur weggeflohen; es war ihnen auch das Bewußtsein entflohen. Sie waren in einer Art Traumzustand und erlebten die Ereignisse so, daß sie erst am Pfingstfeste im vollen Bewußtsein eine Rückschau hatten. Auf eine eigentümliche Weise erlebten sie diese Zusammenkunft mit Christus nach der Auferstehung, so daß sie folgendes in Bildern sahen: Da und dort waren wir mit ihm, er hat gesprochen; das wird uns jetzt erst klar. — Nun erlebten sie aber etwas Merkwürdiges. Sie sahen die Bilder ihrer Erlebnisse mit Christus so wieder, wie es ihrem Zusammensein nach der Auferstehung entsprach. Aber so war es ihnen, wie wenn sich immer in Abwechslung ein anderes zeigte: Immer zeigte sich ein Bild, das ihnen eine Erinnerung gab an ein physisches Zusammensein, das sie wie in Traum-Trance erlebt hatten. Aber immer zwei Ereignisse stellten sich ihnen dar: ein Zusammensein nach der Auferstehung und ein Zusammensein, bevor sie in Trance verfallen waren, da sie noch im physischen Leibe mit Christus zusammen waren, für das physische Bewußtsein erkennbar. Wie zwei übereinandergelagerte Bilder erschienen ihnen die Ereignisse. Das eine zeigte eine Erinnerung an ein physisches Ereignis, das andere ein Wiedererwachen dessen, was sie in einem anderen Bewußtseinszustande mit Christus durchgemacht hatten. Durch dieses Übereinanderfallen zweier Bilder wurde ihnen klar, was eigentlich in der Zeit sich vollzogen hatte. Was für die Erdenentwickelung sich vollzogen hatte, das stand am Pfingstfeste für sie deutlich da. Wenn man schildern will, was sie durchmachten, so wird man vor zwei grandiose und tiefe Ereignisse gestellt. Was sich zugetragen hatte, das stand vor ihrer Empfindung, ausgelöst durch das Pfingstereignis. Daß aber dasjenige, was früher im Kosmos war, jetzt auf Erden ist, das stellte sich ihnen dar. Es wird uns das alles erst klar, wenn man es in der Akasha-Chronik vor Augen hat.
[ 9 ] When Christ Jesus accomplished the Mystery of Golgotha, He was truly alone, for His disciples had not only fled; their consciousness had also fled from them. They were in a kind of dream state and experienced the events in such a way that they did not look back on them with full consciousness until the Feast of Pentecost. In a peculiar way, they experienced this gathering with Christ after the Resurrection, so that they saw the following in images: Here and there we were with him, he spoke; that is only becoming clear to us now. — But now they experienced something strange. They saw the images of their experiences with Christ again, just as they had been during their time together after the Resurrection. But it was as if something different were always appearing in succession: an image would appear that gave them a memory of a physical encounter they had experienced as if in a dream-like trance. But two events always presented themselves to them: a time together after the Resurrection and a time together before they had fallen into a trance, when they were still with Christ in their physical bodies, recognizable to physical consciousness. The events appeared to them like two images superimposed upon one another. One showed a memory of a physical event, the other a reawakening of what they had experienced with Christ in a different state of consciousness. Through this superimposition of two images, it became clear to them what had actually taken place over time. What had taken place in the development of the Earth stood clearly before them on the Feast of Pentecost. If one wishes to describe what they experienced, one is confronted with two magnificent and profound events. What had taken place stood before their perception, triggered by the Pentecost event. But the fact that what had previously been in the cosmos is now on Earth became apparent to them. All of this only becomes clear to us when we have the Akashic Records before our eyes.
[ 10 ] Gehen wir aus von den Erlebnissen, die der Mensch hat. Der Mensch erlebt zunächst, bevor er zu einer neuen irdischen Inkarnation herabsteigt, geistige Tatsachen. Er macht dann den Keimzustand und die Geburt durch, geht durch den materiellen Leib in das physische Erdenleben über und kehrt endlich in die geistige Welt zurück. So ist seine Seelenentwickelung. Für jedes Wesen sind diese Stufen andere. Wir wollen versuchen, sie auf das Christus-Wesen zu übertragen.
[ 10 ] Let us begin with the experiences that human beings have. Before descending into a new earthly incarnation, a human being first experiences spiritual realities. He then passes through the embryonic stage and birth, transitions through the material body into physical earthly life, and finally returns to the spiritual world. Such is the development of his soul. These stages differ for every being. Let us attempt to apply them to the Christ Being.
[ 11 ] Christus macht in anderer Weise seine Zustände durch. Von der Taufe bis zum Mysterium von Golgatha ist eine Art Keimzustand da. Das Sterben am Kreuz ist die Geburt, das Leben mit den Aposteln nach der Auferstehung ist ein Wandern auf der Erde. Der Übergang in die Erdenaura hinein ist das, was für die Menschenseele der Übergang in die geistige Welt ist. Genau das Umgekehrte tritt für Christus auf. Das Umgekehrte sucht er sich für sein Schicksal. Die Menschenseele geht von der Erde in die geistige Welt, der Christus geht aus der Geisteswelt in die Erdensphäre hinein, vereinigt sich mit der Erde, um in die Erdenaura überzugehen durch das große Opfer. Das ist der Übergang des Christus zum Devachan. Und jetzt in der Erdenaura lebt der Christus sein selbsterwähltes Devachan. Der Mensch steigt von der Erde in den Himmel; der Christus steigt umgekehrt vom Himmel zu der Erde nieder, um mit den Menschen zu leben. Das ist sein Devachan.
[ 11 ] Christ experiences his states in a different way. From baptism to the Mystery of Golgotha, there is a kind of embryonic state. Dying on the cross is the birth; life with the apostles after the Resurrection is a journey on Earth. The transition into the Earth’s aura is what the transition into the spiritual world is for the human soul. Exactly the opposite occurs for Christ. He chooses the opposite for his destiny. The human soul goes from the earth into the spiritual world; Christ goes from the spiritual world into the earthly sphere, unites with the earth, in order to pass into the earth’s aura through the great sacrifice. This is Christ’s transition to Devachan. And now, within the earth’s aura, Christ lives out his self-chosen Devachan. Man ascends from the earth to heaven; Christ, conversely, descends from heaven to the earth to live with humanity. This is his Devachan.
[ 12 ] Daß der Gott also in sein irdisches Dasein eingezogen ist, das trat im Bilde der Himmelfahrt, eigentlich der Erdenfahrt, den Aposteln und Jüngern beim Pfingstfeste vor den Geist als eines der letzten Ereignisse. Damit war ihren Empfindungen klar, was geschehen war, was für ein Los der Erdenentwickelung gefallen war. Es fühlten sich beim Pfingstfeste die Apostel verwandelt und mit einem neuen Bewußtsein erfüllt: das war das Herabkommen des Geistes, das innere Aufleuchten einer geisterfüllten Erkenntnis.
[ 12 ] The fact that God had thus entered into His earthly existence was revealed to the apostles and disciples at the Feast of Pentecost through the image of the Ascension—which was, in reality, a descent to Earth—as one of the final events. This made it clear to them what had happened, what fate had befallen the development of the Earth. At the Feast of Pentecost, the apostles felt transformed and filled with a new consciousness: this was the descent of the Spirit, the inner illumination of a spirit-filled realization.
[ 13 ] Man kann selbstverständlich den Menschen erscheinen wie ein Schwärmer oder Träumer, wenn man diese Ereignisse erzählt, aber es ist ja auf der anderen Seite begreiflich, daß nichts Gewöhnliches ausdrücken können die großen Ereignisse, die im Erdenleben geschehen sind. Dann erblickten die Jünger rückwärtsschauend, jetzt erst verstehend, das dreijährige Leben des Christus Jesus von der Johannestaufe bis zum Mysterium von Golgatha. Über dieses Leben möchte ich einige Andeutungen machen.
[ 13 ] Of course, one may come across as a dreamer or a fantasist when recounting these events, but on the other hand, it is understandable that the great events that have taken place in earthly life cannot be expressed in ordinary terms. Then, looking back and only now understanding, the disciples beheld the three-year life of Christ Jesus, from the baptism by John to the Mystery of Golgotha. I would like to make a few remarks about this life.
[ 14 ] Ausgehen möchte ich von einer Schilderung der Ereignisse, wie sie sich dem die Akasha-Chronik Beobachtenden darstellen. Vor der Johannestaufe im Jordan, da fällt der Geistesblick auf ein Ereignis ganz besonderer Art in das Leben des Jesus hinein, in welches der Christus sich noch nicht ergossen hatte. Da hatte Jesus in seinem dreißigsten Jahre ein Gespräch mit seiner Stief- oder Ziehmutter. Von seinem zwölften Jahre an war er nicht bei seiner leiblichen Mutter, aber es hatte sich ein immer tieferes Band des Jesus zu der Stiefmutter herausgebildet. Die Erlebnisse des Jesus von seinem zwölften bis achtzehnten, bis vierundzwanzigsten, bis dreißigsten Jahre habe ich auch schon erzählt. Es waren tiefgehende Ereignisse. Hier möchte ich anknüpfen an ein Ereignis, welches stattfand vor der Johannestaufe. Es ist ein Gespräch mit der Ziehmutter. Es war ein Gespräch, in welchem Jesus von Nazareth der Mutter gegenüber alles durch seine Seele ziehen ließ, was er vom zwölften Jahre an erlebt hatte. Da konnte er jetzt, so daß seine Worte durchdrungen waren von tiefen, gewaltigen Empfindungen, erzählen, was er, eigentlich im Grunde genommen mehr oder weniger einsam, in seiner Seele erlebt hatte. Er erzählte es anschaulich und eindringlich. Er sprach davon, wie in diesen Jahren, von seinem zwölften bis zum achtzehnten, wie eine Erleuchtung in seine Seele die hohen Gotteslehren eingezogen seien, die einstmals den hebräischen Propheten geoffenbart worden waren. Denn das war es, was in der Zeit von seinem zwölften bis achtzehnten Jahre wie eine Inspiration über Jesus gekommen war. Angefangen hatte es, als er sich im Tempel unter den Schriftgelehrten befunden hatte. Es war eine Inspiration, wie sie in den großen alten Urzeiten den Propheten einstmals geoffenbart wurde. Es hatte sich ereignet, daß er Schmerzen leiden mußte unter dem Eindruck dieser inneren Erkenntnisse. Tief hatte es sich in seiner Seele abgelagert: die alten Wahrheiten wurden dem hebräischen Volke gegeben zu einer Zeit, da ihre Leiber so geartet waren, daß sie es verstehen konnten. Nun aber waren ihre Leiber nicht mehr wie zur Zeit der alten Propheten geeignet, das aufzunehmen.
[ 14 ] I would like to begin with a description of the events as they appear to those who observe the Akashic Records. Before the baptism of John in the Jordan, the spiritual gaze falls upon an event of a very special nature in the life of Jesus, into which the Christ had not yet poured Himself. There, in his thirtieth year, Jesus had a conversation with his stepmother or foster mother. From the age of twelve onward, he had not been with his biological mother, but an ever-deepening bond had developed between Jesus and his stepmother. I have already recounted Jesus’s experiences from his twelfth to his eighteenth, to his twenty-fourth, to his thirtieth year. These were profound events. Here I would like to pick up on an event that took place before the baptism by John. It is a conversation with his foster mother. It was a conversation in which Jesus of Nazareth let everything he had experienced from the age of twelve flow through his soul as he spoke to his mother. Now he was able to recount—so that his words were imbued with deep, powerful emotions—what he had experienced in his soul, which, in essence, had been more or less solitary. He recounted it vividly and poignantly. He spoke of how, during those years—from his twelfth to his eighteenth—the lofty teachings of God, which had once been revealed to the Hebrew prophets, had entered his soul like an illumination. For that was what had come over Jesus like an inspiration during the time from his twelfth to his eighteenth year. It had begun when he had been in the temple among the scribes. It was an inspiration such as had once been revealed to the prophets in the great ancient times. It had happened that he had to suffer pain under the impression of these inner insights. It had settled deep within his soul: the ancient truths were given to the Hebrew people at a time when their bodies were such that they could understand them. But now their bodies were no longer suited to receiving them, as they had been in the time of the ancient prophets.
[ 15 ] Ein Wort muß ausgesprochen werden, welches das ungeheuer schmerzliche Erlebnis im Leben Jesu charakterisiert; abstrakt trokken muß man es sagen, obgleich es ein ungeheuer einschneidendes Wort ist. Es gab in der hebräischen Zeit eine Sprache, die aus dem geistig-göttlichen Reiche herunter kam. Jetzt stieg, aus der Seele aufleuchtend, die alte Sprache wieder auf, aber es war niemand da, der sie verstand. Tauben Ohren würde man predigen, wenn man von den größten Lehren sprach. Das war das größte Leid für Jesus; das schilderte er seiner Stiefmutter.
[ 15 ] A word must be spoken that characterizes the immensely painful experience in the life of Jesus; it must be said in abstract terms, even though it is an immensely profound word. In the Hebrew era, there was a language that descended from the spiritual-divine realm. Now, shining forth from the soul, the ancient language rose again, but there was no one there who understood it. One would be preaching to deaf ears when speaking of the greatest teachings. That was the greatest suffering for Jesus; he described this to his stepmother.
[ 16 ] Dann schilderte er ein zweites Ereignis, das er erlebt hatte auf den Wanderzügen während seines achtzehnten bis vierundzwanzigsten Jahres in den Gegenden Palästinas, wo Heiden wohnten. Er zog herum und arbeitete im Schreinerhandwerk. Des Abends setzte er sich zu den Leuten. Es war ein Zusammensein, wie es die Leute mit keinem anderen erlebten. Durch den großen Schmerz hatte sich bei ihm etwas ausgebildet, das sich zuletzt verwandelte in die Zauberkraft der Liebe, die jedes Wort durchströmte. Diese Zauberkraft der Worte wirkte im Gespräch mit den Leuten. Was als Großes so wirkte, war, daß zwischen seinen Worten etwas wie eine geheimnisvolle Kraft sich ausgoß. Sie wirkte so bedeutsam, daß lange Zeit, nachdem er schon fort war, die Leute des Abends wieder zusammensaßen und es ihnen war, als ob er noch da sei, mehr da sei als bloß im Physischen. Die Leute saßen zusammen und hatten den Eindruck, hatten die gemeinsame Vision, als ob er wiedererschiene. So blieb er an zahlreichen Orten wie lebendig unter den Leuten, er war geistig da.
[ 16 ] He then described a second event he had experienced during his travels between the ages of eighteen and twenty-four in the regions of Palestine where pagans lived. He wandered about and worked as a carpenter. In the evenings, he would sit with the people. It was a gathering unlike any other the people had ever experienced. Through his great suffering, something had developed within him that ultimately transformed into the magical power of love, which flowed through every word. This magical power of his words worked its magic in his conversations with the people. What made such a profound impact was that something like a mysterious power poured forth from between his words. It had such a profound effect that long after he had already left, the people gathered again that evening and it felt to them as if he were still there, more than just physically present. The people sat together and had the impression, shared the vision, as if he were reappearing. Thus he remained, as it were, alive among the people in numerous places; he was spiritually present.
[ 17 ] Einmal war er an einem Orte angekommen, wo ein alter heidnischer Kultaltar stand. Verfallen war der Opferaltar. Die Priester waren weggegangen, denn eine schlimme Krankheit hatte sich der Menschen dort bemächtigt. Als Jesus dahin kam, liefen die Menschen zusammen. Jesus kündigte sich durch den von ihm hervorgerufenen Eindruck schon an als etwas Besonderes. Die heidnischen Menschen waren herbeigeeilt, versammelten sich um den Altar und erwarteten, daß nun ein Priester wieder Opfer darbringen würde. - Das erzählte Jesus seiner Stiefmutter. Er sah klar, was aus dem heidnischen Opferdienst geworden war. Er sah, indem er die Menschen überblickte, was aus den heidnischen Göttern allmählich geworden war: böse, dämonenartige Wesenheiten, die sah er damals. Dann fiel er hin und erlebte jetzt in einem anderen Bewußtseinszustand, was bei den heidnischen Opfern vorging. Nicht mehr waren, wie in früheren Zeiten, die alten Götter da, sondern dämonische Wesenheiten traten in Erscheinung, die an den Leuten zehrten und sie krank machten.
[ 17 ] Once he arrived at a place where an old pagan altar stood. The sacrificial altar had fallen into disrepair. The priests had left, for a terrible disease had taken hold of the people there. When Jesus arrived, the people gathered around. Jesus had already announced himself as someone special through the impression he made. The pagan people had hurried over, gathered around the altar, and expected that a priest would now offer sacrifices again. - Jesus told this to his stepmother. He saw clearly what had become of the pagan sacrificial rites. As he looked out over the people, he saw what the pagan gods had gradually become: evil, demon-like beings—that is what he saw at that time. Then he fell down and, in a different state of consciousness, experienced what was happening during the pagan sacrifices. The old gods were no longer there, as in earlier times, but demonic entities appeared, feeding on the people and making them sick.
[ 18 ] Das hatte er erlebt in einem anderen Bewußtseinszustand, nachdem er hingefallen war. Jetzt erzählte er das alles, erzählte auch, wie die Menschen geflohen waren, wie er aber auch die Dämonen abziehen sah. Theoretisch kann man feststellen, daß das alte Heidentum verfallen war und nicht mehr die großen Weistümer der einstigen Zeit enthielt. Jesus aber erlebte dieses in unmittelbarer Anschauung. Jetzt konnte er der Mutter sagen: Käme auch die Himmelsstimme wieder herunter zu den Hebräern, wie sie einstmals zu den Propheten gekommen war, kein Mensch wäre da, sie zu verstehen; aber auch die heidnischen Götter kommen nicht mehr. An ihre Stelle sind Dämonen getreten. Auch die heidnischen Offenbarungen finden heute keinen Menschen, der sie aufnehmen könnte. — Das war der zweite große Schmerz.
[ 18 ] He had experienced this in an altered state of consciousness after he had fallen. Now he recounted all of this, including how the people had fled, and how he had also seen the demons retreat. Theoretically, one can observe that ancient paganism had fallen into decay and no longer contained the great wisdom of former times. Jesus, however, experienced this firsthand. Now he could say to his mother: Even if the voice from heaven were to come down again to the Hebrews, as it had once come to the prophets, there would be no one there to understand it; but the pagan gods, too, no longer come. Demons have taken their place. Nor do the pagan revelations find anyone today who could receive them. — That was the second great sorrow.
[ 19 ] In bewegten Worten schilderte er der Mutter den dritten großen Schmerz, den er erlebt hatte, als er zugelassen worden war zu der Essäergemeinde. Diese wollte durch Vervollkommnung der einzelnen Menschenseelen sich zum Schauen hinaufarbeiten und so aus den göttlichen Welten heraus das erfahren, was sonst wahrzunehmen unmöglich war für den Juden und Heiden. Aber nur einzelne Menschen konnten dieses erfahren, und das war zu erringen durch jene Lebensweise, welche unter den Essäern Platz gegriffen hatte. Doch hatte sich Jesus eine Zeitlang mit der okkulten Gemeinschaft der Essäer vereint. Als er sie verließ, sah er Luzifer und Ahriman vom Essäertor in die übrige Welt hinausfliehen. Auch hatte er in der Umfriedung der Essäer ein visionäres Gespräch mit Buddha gehabt. Und jetzt wußte er: eine Möglichkeit gibt es, hinaufzusteigen dahin, wo man sich vereinigt mit dem Göttlich-Geistigen, aber nur einzelne können es erreichen. Wollten es alle erringen, müßten alle verzichten. Auf Kosten der großen Menge können es nur einige erringen, indem sie sich frei machen von Luzifer und Ahriman; aber dann gehen Luzifer und Ahriman zu der anderen Menschheit. Weder nach der Juden- noch nach der Heidennoch Essäerweise war es möglich, der allgemeinen Menschheit den wesenhaften Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt zu eröffnen.
[ 19 ] In moving words, he described to his mother the third great sorrow he had experienced when he was admitted to the Essene community. Through the perfection of individual human souls, they sought to work their way up to the realm of vision and thus experience from the divine worlds what was otherwise impossible for Jews and Gentiles to perceive. But only a few individuals could experience this, and it was to be attained through the way of life that had taken root among the Essenes. Yet Jesus had united himself for a time with the occult community of the Essenes. When he left them, he saw Lucifer and Ahriman fleeing from the Essene gate out into the rest of the world. He had also had a visionary conversation with Buddha within the Essene enclosure. And now he knew: there is a way to ascend to where one unites with the Divine-Spiritual, but only a few can attain it. If all were to attain it, all would have to renounce it. At the expense of the great multitude, only a few can attain it by freeing themselves from Lucifer and Ahriman; but then Lucifer and Ahriman go to the other humanity. Neither in the Jewish, nor in the pagan, nor in the Essene way was it possible to open up the essential connection with the divine-spiritual world to humanity at large.
[ 20 ] Während dieses Gespräch stattfand, war mit all dem Schmerze vereint die ganze Seele des Jesus. Die ganze Kraft seines Ichs lag in diesen Worten. Es ging etwas von ihm hinweg und zur Adoptivmutter hinüber, so stark war er verbunden mit dem, was er erzählte. Es ging mit dem Wort sein Wesen zur Mutter hinüber, so daß er wie außerhalb seines Ichs war, aus seinem Ich herausgetreten war. Die Mutter wurde dadurch etwas ganz anderes. Während aus ihm etwas hinausgegangen war, hatte die Mutter ein neues Ich erhalten, das sich in sie hineingesenkt hatte, sie war eine neue Persönlichkeit geworden.
[ 20 ] As this conversation took place, Jesus’ entire soul was united with all that pain. The full power of his self lay in these words. Something of him passed away and moved toward his adoptive mother; so strongly was he connected to what he was telling her. With the word, his very being passed over to the mother, so that he was as if outside his self, having stepped out of his self. The mother thereby became something entirely different. While something had gone out from him, the mother had received a new self that had sunk into her; she had become a new personality.
[ 21 ] Forscht man nun nach und sucht herauszubekommen, worin der Vorgang bestand, so stellt sich ein Merkwürdiges heraus: die leibliche Mutter dieses Jesus, die seit seinem zwölften Jahre in der geistigen Welt weilte, war nun mit ihrer Seele heruntergestiegen und durchgeistigte und erfüllte ganz die Seele der Adoptivmutter so, daß diese eine andere wurde. Ihm aber war, als ob sein Ich ihn verlassen hätte: das Zarathustra-Ich war in die geistige Welt hinübergegangen. Unter dem Drange, etwas zu tun, ging Jesus, durch die innere Notwendigkeit getrieben, nun nach dem Jordan zu Johannes dem Täufer, dem Essäer. Und Johannes vollzog die "Taufe im Jordan. Das ZarathustraIch war hinausgegangen und das Christus-Wesen senkte sich hernieder: Er war durchdrungen worden mit der Christus-Wesenheit. Die Adoptivmutter war durchdrungen worden von der Seele jener Mutter, die in der geistigen Welt geweilt hatte. Er aber wandelte nun herum auf Erden, in den Leibern des Jesus, er, der Christus. Diese Verbindung war nicht gleich vollständig da, beides geschah nach und nach.
[ 21 ] If one now investigates and seeks to discover what the process consisted of, a curious fact emerges: the biological mother of this Jesus, who had been in the spiritual world since his twelfth year, had now descended with her soul and so permeated and filled the soul of the adoptive mother that the latter became a different person. But to him it seemed as though his I had left him: the Zarathustra I had passed over into the spiritual world. Driven by an urge to do something, Jesus, impelled by an inner necessity, now went to the Jordan to John the Baptist, the Essene. And John performed the “baptism in the Jordan.” The Zarathustra-I had gone out, and the Christ-being descended: He had been permeated by the Christ-being. The adoptive mother had been permeated by the soul of that mother who had dwelt in the spiritual world. But he now walked upon the earth, in the body of Jesus, he, the Christ. This connection was not immediately complete; both processes took place gradually.
[ 22 ] Ich werde die einzelnen Ereignisse erzählen, aus denen gezeigt werden kann, wie der Christus anfangs nur lose verbunden war mit dem Jesusleibe und allmählich immer fester mit ihm verbunden wurde. Hat man kennengelernt die Leiden und Schmerzen des Jesus von dem zwölften bis zum dreißigsten Jahre, so lernt man erst jetzt die ungeheure Steigerung dieser Schmerzen des Jesus kennen, jetzt, da sich in den folgenden drei Jahren immer mehr mit dem Menschen der Gott verband. Diese fortdauernde, immer intensiver werdende Verbindung des Gottes mit dem Menschen war eine ebenso intensive Steigerung der Schmerzen. Das Unsagbare, das hat geschehen müssen, um der Menschheit den Aufstieg zu den geistigen Ursprungsmächten möglich zu machen, das zeigt sich an den Leiden des Gottes während der drei Jahre, die er auf Erden weilte.
[ 22 ] I will recount the individual events that demonstrate how Christ was initially only loosely connected to the body of Jesus and gradually became more and more firmly united with it. Once one has become acquainted with the sufferings and pains of Jesus from the age of twelve to thirty, one only now comes to know the immense intensification of these pains of Jesus, now that, in the following three years, God became ever more closely united with the human being. This ongoing, ever-intensifying union of God with the human being was an equally intense intensification of the pains. The unspeakable—that which had to happen to make humanity’s ascent to the spiritual powers of origin possible—is revealed in the sufferings of God during the three years He spent on Earth.
[ 23 ] Es ist nicht vorauszusehen, daß man in der Gegenwart viel Verständnis für diese Begebenheiten haben wird. Es gibt ein Buch, das wegen seiner Paradoxie gelesen werden müßte: «Vom Tode», von Maurice Maeterlinck. In diesem Buche wird gesagt, der Geist könne nicht leiden, nur der Körper kann leiden. In der Tat kann der physische Leib ebensowenig leiden wie ein Stein. Physische Schmerzen sind seelische Schmerzen. Leiden kann nur das, was seelisch ist, was einen Astralleib hat. Deshalb kann ein Gott viel mehr leiden als ein Mensch. Der Christus hat bis zum Tode Leiden erfahren, die intensivsten bei der Verbindung des Christus mit der Jesuswesenheit. Den Tod hat er überwunden, indem er in die Erdenaura überging.
[ 23 ] It is unlikely that people today will have much understanding of these events. There is a book that should be read precisely because of its paradoxical nature: On Death by Maurice Maeterlinck. In this book, it is stated that the spirit cannot suffer; only the body can suffer. In fact, the physical body can suffer just as little as a stone. Physical pain is spiritual pain. Only that which is spiritual, which has an astral body, can suffer. That is why a god can suffer much more than a human being. Christ experienced suffering right up to his death, the most intense of which occurred during the union of Christ with the Jesus entity. He overcame death by passing into the Earth’s aura.
[ 24 ] Ich habe früher in mehr abstrakter Weise geschildert, wie das Christus-Ereignis im Mittelpunkt der Erdenentwickelung steht. Dieses wichtigste Ereignis verliert nichts, wenn man es in seiner konkreten Tatsächlichkeit betrachtet. Alles tritt lebensvoll hervor, wenn alle Tatsachen geschildert werden, nur muß es richtig geschaut werden. Wenn einmal das Fünfte Evangelium da sein wird — die Menschheit wird es brauchen, vielleicht erst nach langer Zeit —, da wird man in veränderter Weise dieses wichtigste Ereignis betrachten. Das Fünfte Evangelium wird ein Trost- und Gesundheitsbronnen, ein Kraftbuch sein. Am Schlusse des vierten Evangeliums stehen Worte, die darauf hinweisen, daß noch weiteres kommen wird: Es würde die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären. -— Das ist ein wahres Wort. Da kann man auf andere Weise Mut bekommen, dann, wenn sich neue Tatsachen über Palästina ergeben, denn auch die vier Evangelien sind eigentlich auf dieselbe Weise entstanden wie das fünfte, nur daß dieses fünfte zweitausend Jahre später erscheint.
[ 24 ] I have previously described, in a more abstract way, how the Christ event stands at the center of Earth’s evolution. This most important event loses nothing when viewed in its concrete reality. Everything comes alive when all the facts are described; it simply must be viewed correctly. Once the Fifth Gospel is here—humanity will need it, perhaps only after a long time—people will view this most important event in a new light. The Fifth Gospel will be a source of comfort and healing, a book of strength. At the end of the Fourth Gospel are words that indicate that more is yet to come: The world could not contain the books that would have to be written. — That is a true word. One can gain courage in a different way when new facts about Palestine come to light, for the four Gospels, too, actually came into being in the same way as the fifth, only that this fifth will appear two thousand years later.
[ 25 ] Wenn einmal das Fünfte Evangelium da sein wird, dann wird es sich in bezug auf die Entstehungsweise von den anderen nicht unterscheiden. Es werden aber Menschen da sein, die es nicht anerkennen werden, weil die Menschenseele egoistisch ist. Nehmen wir an, Shakespeares Werk «Hamlet» wäre unbekannt und es träte heute «Hamlet» auf: heute würden die Menschen über ihn schimpfen. So wird sich das Fünfte Evangelium durchzukämpfen haben. Die Menschen brauchen etwas, was jene, die verstehen wollen, wirklich verstehen werden. Man wird nur anerkennen müssen, daß, wie früher, die Offenbarungen allein aus dem Geiste kommen können. Die Mittel und Wege dazu sind aber andere. In dieser Beziehung hat unsere Zeit besondere Aufgaben.
[ 25 ] Once the Fifth Gospel comes into being, it will not differ from the others in terms of how it came into existence. However, there will be people who will not accept it, because the human soul is selfish. Let us suppose that Shakespeare’s play “Hamlet” were unknown and “Hamlet” were to appear today: people today would rail against him. Thus the Fifth Gospel will have to fight its way through. People need something that those who wish to understand will truly understand. One will simply have to acknowledge that, as in the past, revelations can come solely from the Spirit. The means and methods for this, however, are different. In this regard, our time has special tasks.
[ 26 ] In welche Zeit fiel das herein, was ich geschildert habe? Es konnte in keine andere Zeit hereinfallen, als in diejenige, in die es gefallen ist: in die vierte nachatlantische Periode. Wäre es zum Beispiel in die dritte oder in die zweite gefallen, dann wären zahlreiche Menschen dagewesen, die unterrichtet waren in der Urweisheit der Inder, für die die Weisheit ganz selbstverständlich da gelegen hätte. Man hätte Christus weniger verstanden in der persischen, noch weniger in der ägyptischen Zeit. Aber ganz vorbei war das Verständnis in der vierten Periode. Daher konnte die Lehre in die Gemüter eindringen nur als Glaubenstatsache. Es war die schlechteste Zeit für das Verständnis, von welchem die Menschen am meisten entfernt waren. Aber die Wirkungen des Christus hängen nicht ab von dem, was die Menschen verstehen können. Denn Christus ist nicht ein Weltenlehrer gewesen, sondern derjenige, der als geistige Wesenheit etwas verrichtet hat, der in die Erdenaura eingeflossen ist, um unter den Menschen zu leben. Sinnbildlich kann einem das vor die Seele treten, als die Frauen an das Grab kamen und ihnen von dem Geistwesen gesagt wurde: Der, den ihr suchet, ist nicht da!
[ 26 ] In which era did what I have described take place? It could not have occurred in any other era than the one in which it did: the fourth post-Atlantean period. Had it occurred, for example, in the third or second period, there would have been numerous people who were instructed in the ancient wisdom of the Indians, for whom that wisdom would have been entirely self-evident. Christ would have been less understood in the Persian era, and even less so in the Egyptian era. But understanding was entirely absent in the fourth period. Therefore, the teaching could penetrate people’s minds only as a matter of faith. It was the worst time for understanding, from which people were most distant. But the effects of Christ do not depend on what people can understand. For Christ was not a world teacher, but the one who, as a spiritual being, accomplished something, who flowed into the Earth’s aura to live among humanity. This can come before one’s soul symbolically when the women came to the tomb and were told by the spirit being: “The one you seek is not here!”
[ 27 ] Dieses wiederholte sich, als eine große Schar von Europäern in den Kreuzzügen hinüberzog nach dem Heiligen Grabe. Da zogen die Menschen in die physischen Stätten von Golgatha hinüber. Ihnen wurde auch gesagt: Der, den ihr suchet, ist nicht mehr hier! — denn er war ja nach Europa gezogen. Während es die Pilger aus dem Herzen heraus nach Asien trieb, begann Europa verstandesmäßig wach zu werden, aber das Christus-Verständnis kam ins Schwinden. Erst im 12. Jahrhundert trat das Verlangen nach Gottesbeweisen auf. Was bezeugt uns das für die neuere Zeit? Haben Sie je nötig, zu beweisen, wer der Dieb ist, wenn Sie diesen Dieb in Ihrem Garten erwischt haben? Sie brauchen Beweise nur dann, wenn Sie ihn nicht kennen. Gottesbeweise suchte man, als man das Verständnis verloren hatte; denn was man weiß, braucht man sich nicht zu beweisen.
[ 27 ] This happened again when a large crowd of Europeans crossed over to the Holy Sepulcher during the Crusades. There, people journeyed to the physical sites of Golgotha. They, too, were told: “The one you seek is no longer here!”—for he had, after all, gone to Europe. While the pilgrims were driven from the heart to Asia, Europe began to awaken intellectually, but the understanding of Christ began to fade. It was not until the 12th century that the desire for proof of God arose. What does this tell us about more recent times? Do you ever need to prove who the thief is if you have caught him in your garden? You need proof only if you do not know him. People sought proofs of God when they had lost their understanding; for what one knows, one does not need to prove to oneself.
[ 28 ] Christus war da, durchzog die Seelen. Alles, was geschichtlich geschehen ist, ist unter dem Einfluß des Christus geschehen, weil die Seelen im Christus-Impulse lebten. Jetzt muß die Menschheit eintreten in ein bewußtes Ergreifen der Zeitereignisse. Darum muß die Menschheit den Christus noch besser kennenlernen. Damit verbunden ist die Erkenntnis des Menschen Jesus von Nazareth. Das wird immer mehr notwendig werden. Es ist nicht leicht, hierüber zu sprechen, aber es ist in gewisser Beziehung etwas, was sich in der Gegenwart als höhere Pflicht darstellt: gerade über den Menschen Jesus von Nazareth zu einigen Seelen zu sprechen, darüber zu sprechen, was wir das Fünfte Evangelium nennen können.
[ 28 ] Christ was there, permeating souls. Everything that has happened historically has taken place under the influence of Christ, because souls lived within the Christ impulse. Now humanity must begin to consciously grasp the events of the times. That is why humanity must come to know Christ even better. Connected to this is the knowledge of the man Jesus of Nazareth. This will become increasingly necessary. It is not easy to speak about this, but in a certain sense it is something that presents itself in the present as a higher duty: to speak to certain souls specifically about the man Jesus of Nazareth, to speak about what we might call the Fifth Gospel.
