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From Akashic Research
The Fifth Gospel
GA 148

22 November 1913, Stuttgart

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From Akashic Research: The Fifth Gospel, tr. SOL
  1. Aus der Akasha-Forschung: Das Fünfte Evangelium, 6th ed.

Das Fünfte Evangelium I

The Fifth Gospel I

[ 1 ] Wir haben öfter von der großen, einschneidenden Bedeutung des Christus-Impulses für die Menschheitsentwickelung der Erde gesprochen, und wir haben versucht, das ganze Wesen dieses Christus-Impulses, das wir gewöhnlich zusammenfassen in den Worten «das Mysterium von Golgatha», von den verschiedensten Seiten her zu charakterisieren. Nun war es in der letzten Zeit meine Aufgabe, einiges wesentlich Konkreteres über dieses Mysterium von Golgatha und das, was damit zusammenhängt, zu erforschen, und es haben gerade diese Forschungen sich mir so dargestellt, daß sie es mir zur Pflicht machen, im Kreise unserer Freunde gerade jetzt in dieser unserer Zeit von den Ergebnissen dieser Forschungen auch zu sprechen. Es ist mir gelungen, aus dem, was man die Akasha-Chronik nennt und wovon wir ja öfter gesprochen haben, einiges Wichtige herauszugewinnen in bezug auf das Christus Jesus-Leben.

[ 1 ] We have often spoken of the great, decisive significance of the Christ impulse for the development of humanity on Earth, and we have attempted to characterize the entire nature of this Christ impulse—which we usually summarize in the words “the Mystery of Golgotha”—from a wide variety of perspectives. Recently, it has been my task to investigate some much more concrete aspects of this Mystery of Golgotha and what is connected with it, and it is precisely these investigations that have presented themselves to me in such a way that they make it my duty to speak to our circle of friends about the results of these investigations, especially now, in our time. I have succeeded in gleaning some important insights regarding the life of Christ Jesus from what is called the Akashic Records, of which we have spoken often.

[ 2 ] Welche Umschwünge der Menschheitsentwickelung in unserer Zeit sich vorbereiten, darüber haben wir gerade hier bei unseren letzten Zusammenkünften mancherlei gesprochen, und es hängt wohl zusammen gerade mit diesen Umschwüngen, daß es notwendig ist, im gegenwärtigen Zeitpunkt an einzelne Menschenseelen, die sich zusammengefunden haben in der anthroposophischen Bewegung, wie wir sie auffassen, an einzelne Menschenseelen gewissermaßen neue Daten über das Christus Jesus-Leben heranzubringen. Nur bitte ich Sie, das, was ich gerade in dieser Beziehung zu sagen habe, besonders diskret zu behandeln und es eine reine Angelegenheit innerhalb unserer Zweige sein zu lassen. Denn schon das Wenige, was bisher hat veröftentlicht werden müssen über das Christus Jesus-Leben und was nicht bekannt war aus den Evangelien oder der Überlieferung, schon das hat - ich will nicht einmal von den sonderbaren Kritikern sprechen, die unserer Strömung übel wollen, sondern sogar bei denen, die in einer gewissen Weise wenigstens einmal dieser Strömung Wohlwollen entgegengebracht haben -, das hat eine gewisse Wildheit, eine wilde Leidenschaftlichkeit hervorgerufen, wie zum Beispiel die Geschichte der beiden Jesusknaben. Nichts scheint nämlich unserer Zeit so antipathisch, innerlich antipathisch zu sein, als das Aufmerksammachen auf wirkliche Ergebnisse der Geistesforschung, auf konkrete einzelne Ergebnisse der Geistesforschung. Man nimmt es noch hin, wenn vom Geistigen im allgemeinen gesprochen wird, wenn auch einzelne merkwürdige abstrakte Theorien über das Geistesleben vorgebracht werden. Aber man will es nicht mehr hinnehmen, wenn Einzelheiten aus dem geistigen Leben so vorgebracht werden, wie man Einzelheiten aus dem Leben des physischen Planes vorbringt. Mancherlei, was in Verknüpfung gesagt werden muß mit dem, was ich vorzubringen habe, wird noch gesagt werden. Jetzt möchte ich zunächst von einem Punkte ab mit der Erzählung selber beginnen, und ich bitte Sie, diese Erzählung hinzunehmen wie eine Art Fünftes Evangelium, das in unsere Zeit so hereinfällt, wie die vier anderen Evangelien in ihre Zeit hineingefallen sind. Nur das sei in wenigen Worten als Einleitung vorausgeschickt. Die weitere Motivierung wollen wir dann morgen besprechen.

[ 2 ] We have discussed at length here during our recent meetings the upheavals in human development that are currently taking shape, and it is precisely in connection with these upheavals that it is necessary, at this present moment, to bring new insights into the life of Christ Jesus to individual human souls who have come together in the anthroposophical movement, as we understand it. I only ask you to treat what I have to say in this regard with particular discretion and to keep it strictly within our branches. For even the little that has had to be published so far about the life of Christ Jesus—and which was not known from the Gospels or tradition—even that has —I do not even wish to speak of the peculiar critics who wish our movement ill, but even among those who, in a certain way, have at least once shown goodwill toward this movement—has aroused a certain wildness, a wild passion, such as, for example, the story of the two Jesus boys. For nothing seems to be as unwelcome to our time—deeply unwelcome—as drawing attention to the actual results of spiritual research, to concrete, individual results of spiritual research. People still accept it when the spiritual is spoken of in general terms, even if individual strange abstract theories about spiritual life are put forward. But people no longer want to accept it when details from spiritual life are presented in the same way that details from life on the physical plane are presented. Many things that must be said in connection with what I have to present will still be said. For now, I would like to begin with the story itself, and I ask you to accept this story as a kind of Fifth Gospel, which has come into our time just as the other four Gospels came into their time. Let me just say that much in a few words by way of introduction. We will discuss the further motivation tomorrow.

[ 3 ] Ich möchte beginnen mit dem Zeitpunkt, der im Lukas-Evangelium angegeben ist als das Auftreten des zwölfjährigen Jesus in Jerusalem unter den Schriftgelehrten, wo er diesen Schriftgelehrten auffällt durch die großen, gewaltigen Antworten, die er ihnen zu geben in der Lage war. So finden ihn, wie das Lukas-Evangelium dies erzählt, seine Angehörigen, die ihn verloren hatten. Wir wissen, daß dieses Auftreten darauf beruht, daß dazumal eine große, nur mit Hilfe der Geisteswissenschaft zu verstehende Veränderung in dem Jesus-Leben vor sich gegangen ist. Wir wissen — das sei nur kurz wiederholt —, daß ungefähr im Beginne unserer Zeitrechnung zwei Jesusknaben geboren worden sind, daß der eine abstammt aus der sogenannten salomonischen Linie des Hauses David, daß in diesem Jesusknaben inkarniert war der Geist oder das Ich, können wir sagen, des Zarathustra. Wir wissen, daß dieser Jesusknabe heranwuchs mit einer großen Begabung, die begreiflich erscheinen muß, wenn man eben die Tatsache kennt, daß dieser Jesusknabe in sich trug das Ich des Zarathustra. Wir wissen, daß ungefähr gleichzeitig der andere Jesusknabe geboren wurde aus der nathanischen Linie des Hauses David, daß dieser allerdings mit wesentlich anderen Charakterzügen den physischen Plan betreten hatte als der Jesusknabe aus der salomonischen Linie. Während dieser aus der salomonischen Linie besondere Begabung zeigte für alles, was aus seiner Umgebung herein so wirkte, daß es seinen Ursprung zeigte aus der Menschheitskultur, bis zu dem Punkte, wohin diese Menschheitskultur dazumal gekommen war, war eigentlich der andere Jesusknabe in bezug auf alles das, wozu es die Menschheit in ihrer Entwickelung gebracht hatte, unbegabt. Er konnte nicht recht sich hineinfinden in das, was man ihn lehren wollte von all dem, was die Menschen im Laufe der geschichtlichen Entwickelung sich erobert hatten. Dafür zeigte dieser Jesusknabe eine wunderbare Tiefe und Fülle des Herzens, des Gemütes, eine solche Fülle im Empfinden, daß sich ein Vergleich mit irgendeinem anderen Kinde bei demjenigen gewiß nicht finden wird, der den Blick hinlenkt Akasha-Chronik-mäßig auf die Stelle unserer Menschheitsentwickelung, wo dieses Kind zu finden und zu beobachten ist.

[ 3 ] I would like to begin with the event described in the Gospel of Luke as the appearance of the twelve-year-old Jesus in Jerusalem among the scribes, where he caught their attention with the profound, powerful answers he was able to give them. Thus, as the Gospel of Luke recounts, his relatives, who had lost him, find him there. We know that this event is based on the fact that at that time a great change took place in the life of Jesus, one that can only be understood with the help of spiritual science. We know—to repeat this briefly—that around the beginning of our era two Jesus-children were born, that one descended from the so-called Solomonic line of the House of David, and that in this Jesus-child was incarnated the spirit, or the I, we might say, of Zarathustra. We know that this Jesus child grew up with a great gift, which must seem understandable once one knows the fact that this Jesus child bore within himself the I of Zarathustra. We know that around the same time the other Jesus child was born from the Nathanic line of the House of David, that this one, however, had entered the physical plane with character traits that were essentially different from those of the Jesus child from the Solomonic line. While the one from the Solomonic line showed a special aptitude for everything in his environment that revealed its origin in human culture—up to the point where that human culture had reached at that time—the other Jesus child was, in fact, unskilled in regard to everything that humanity had achieved in its development. He could not quite find his way into what people sought to teach him of all that humanity had attained in the course of historical development. Instead, this Jesus child displayed a wondrous depth and richness of heart and mind, such a richness of feeling that no comparison with any other child can be found in the Akashic Records when one turns one’s gaze to that point in human development where this child is to be found and observed.

[ 4 ] Dann wuchsen die beiden Knaben heran und eben in jenem Zeitpunkt, in dem sie beide ungefähr zwölf Jahre alt waren, da ging das Ich des Zarathustra aus dem einen Jesusknaben in den anderen hinüber, und jener Jesusknabe aus der nathanischen Linie war es dann, mit dem Ich des Zarathustra jetzt in sich, der die großen, gewaltigen Antworten vor den Schriftgelehrten in Jerusalem gab. Da hatten sich vereinigt also jene eigentümliche Natur — man kann nicht anders sagen — des nathanischen Jesusknaben und das Ich des Zarathustra. Wir wissen dann auch — das ist ja von mir dargestellt worden bei früheren Anlässen -, daß die leibliche Mutter des nathanischen Jesusknaben bald dahinstarb, ebenso der Vater des anderen, und daß nun aus der Mutter des anderen Jesusknaben — der salomonische Jesusknabe siechte auch bald dahin, weil er eigentlich ichlos war, wie verdorrt —, daß nun aus der Mutter des salomonischen Jesusknaben und dem Vater des nathanischen Jesusknaben eine Familie wurde. Die Stiefgeschwister, die abstammten von der Mutter und dem Vater der salomonischen Linie, die kamen auch herüber und lebten nun in Nazareth, und innerhalb dieser Familie, also mit seiner Stief- oder Ziehmutter, wuchs nun der Jesusknabe mit dem Zarathustra-Ich in sich heran, ohne daß er selbstverständlich in diesem Alter wußte, daß er das Ich des Zarathustra in sich hatte. Er hatte die Fähigkeiten, die das Ich des Zarathustra haben mußte, in sich; aber et wußte nicht etwa zu sagen: Ich habe das Ich des Zarathustra in mir.

[ 4 ] Then the two boys grew up, and just at the moment when they were both about twelve years old, the I of Zarathustra passed from one Jesus boy into the other, and it was that Jesus boy from the line of Nathan—now with the I of Zarathustra within him—who gave the great, powerful answers before the scribes in Jerusalem. Thus, the peculiar nature—one cannot put it any other way—of the Nathanic Jesus-boy and the I of Zarathustra had united. We also know—as I have described on earlier occasions—that the physical mother of the Nathanic Jesus-boy soon passed away, as did the father of the other, and that now, from the mother of the other Jesus-boy —the Solomonic Jesus child also soon wasted away, because he was actually ego-less, as if withered—that the mother of the Solomonic Jesus child and the father of the Nathanic Jesus child now formed a family. The step-siblings, who were descended from the mother and father of the Solomonic line, also came over and now lived in Nazareth, and within this family—that is, with his stepmother or foster mother—the Jesus-child with the Zarathustra-I within him grew up, without, of course, knowing at that age that he had the I of Zarathustra within him. He possessed within himself the abilities that the I of Zarathustra had to possess; but he did not know how to say: I have the I of Zarathustra within me.

[ 5 ] Dasjenige, was nun hervortrat, was sich schon angekündigt hatte in den großen Antworten, die er den Schriftgelehrten gegeben hatte, was aber immer mehr und mehr hervortrat, das war — so muß ich schildern das Leben dieses Jesusknaben, das Leben etwa vom zwölften bis achtzehnten Lebensjahre -, daß sich in seinem Inneren etwas wie eine innere Inspiration geltend machte, ein unmittelbares Wissen, das aufstieg in ihm, ein Wissen von ganz eigentümlicher Art, ein Wissen, das unmittelbar wie naturgemäß bei ihm so war, daß er in seiner eigenen Seele etwas vernahm, wie die alten Propheten in der Urzeit des Judentums ihre göttlich-geistigen Offenbarungen empfangen hatten aus göttlich-geistigen Höhen, aus geistigen Welten. Man war gewohnt worden, in der Erinnerung jene Mitteilung, die einstmals den alten Propheten aus der geistigen Welt gekommen war, zu bezeichnen als die große Bath-Kol, als die Stimme aus der geistigen Welt, die große Bath-Kol. Wie wenn die große Bath-Kol wiederum in ihm, aber jetzt in ihm allein auferstanden wäre, so kam es dem zwölf-, dreizehn-, vierzehn-, achtzehnjährigen Jesusknaben vor, eine seltene, wunderbare Reife der inneren Inspiration, ein Aufleben jener inneren Erlebnisse, die nur die alten Propheten gehabt hatten.

[ 5 ] What now came to the fore—what had already been foreshadowed in the great answers he had given to the scribes, but which became increasingly evident—was this: I must describe the life of this boy Jesus, his life from about the age of twelve to eighteen—that something like an inner inspiration took hold within him, a direct knowledge that arose within him, a knowledge of a very peculiar kind, a knowledge that was so immediate and natural to him that he perceived something in his own soul, just as the ancient prophets in the early days of Judaism had received their divine-spiritual revelations from divine-spiritual heights, from spiritual worlds. People had become accustomed to referring in memory to that communication, which had once come to the ancient prophets from the spiritual world, as the great Bath-Kol, as the voice from the spiritual world, the great Bath-Kol. As if the great Bath-Kol had risen again within him, but now within him alone, so it seemed to the twelve-, thirteen-, fourteen-, and eighteen-year-old Jesus boy: a rare, wondrous maturity of inner inspiration, a revival of those inner experiences that only the ancient prophets had had.

[ 6 ] Was einem dabei besonders auffällt, wenn man den Blick AkashaChronik-mäßig auf diese Stelle der Menschheitsentwickelung hinrichtet, das ist das, daß innerhalb der ganzen Familie und innerhalb der ganzen Umgebung in Nazareth dieser Knabe in verhältnismäßiger Jugend mit dieser seiner inneren Offenbarung, die über alles hinausging, was dazumal andere wissen konnten, allein und einsam war. Auch die Stief- oder Ziehmutter verstand ihn in jener Zeit sehr schlecht, die anderen erst recht nicht. Und es kommt weniger darauf an bei der Beurteilung dieses Jesusknaben, sich allerlei Theorien zu bilden, sondern darauf, eine Mitempfindung zu haben, was es heißt, ein reifer Knabe zu sein zwischen dem zwölften und achtzehnten Lebensjahre, etwas völlig Fremdes in sich aufsteigen zu fühlen von Offenbarungen, die in der damaligen Zeit unmöglich waren für irgend jemand anderen, und ganz allein zu stehen mit diesen Offenbarungen, zu niemandem sprechen zu können, ja, was mehr war: das Gefühl haben zu müssen, daß einen niemand verstehen würde, wenn man zu ihm sprechen würde. Solche Dinge als Mann zu ertragen, ist schwierig; solche Dinge zwischen dem zwölften und achtzehnten Jahre zu erleben, ist etwas Ungeheueres. Zu diesem Ungeheueren kam ein anderes.

[ 6 ] What is particularly striking when one looks at this stage of human development through the lens of the Akashic Records is that, within his entire family and within the entire community in Nazareth, this boy, at a relatively young age, was alone and isolated with his inner revelation, which surpassed anything others could have known at that time. Even his stepmother or foster mother understood him very poorly at that time, and the others even less so. And what matters less in assessing this boy Jesus is forming all sorts of theories, but rather having empathy for what it means to be a mature boy between the ages of twelve and eighteen, to feel something completely foreign rising within him from revelations that were impossible for anyone else at that time, and to stand entirely alone with these revelations, unable to speak to anyone—indeed, what was more: to have to feel that no one would understand him if he were to speak to them. To endure such things as a man is difficult; to experience such things between the ages of twelve and eighteen is something monstrous. To this monstrosity was added another.

[ 7 ] Er hatte einen offenen Blick, dieser Jesusknabe, für das, was ein Mensch in seiner Zeit fähig war aufzunehmen. Er sah schon dazumal mit offenen Augen der Seele, was die Menschen durch ihre Natur in sich aufnehmen und in sich verarbeiten konnten geistig-seelisch, und was sie gehabt hatten im Laufe der Jahrhunderte aus dem, was den Juden geoffenbart worden war von den alten Propheten. Tief schmerzlich, mit allertiefstem Leid empfand er: Ja, so war es in Urzeiten, so hat die große Bath-Kol zu den Propheten gesprochen; das war eine ursprüngliche Lehre, von der spärliche Reste geblieben sind unter den Pharisäern und anderen Schriftgelehrten. Würde jetzt die große BathKol zu irgendeinem Menschen sprechen wollen: kein Mensch wäre da, die Stimme aus der geistigen Welt zu verstehen. Anders ist es in der Menschheit geworden als zur Zeit der alten Propheten. Wenn auch jene großen, jene gloriosen Offenbarungen der Urzeit heute ertönen würden: die Ohren fehlten, sie zu verstehen. Das trat immer wieder und wiederum vor die Seele dieses Jesusknaben und mit diesem Leid war er allein.

[ 7 ] This young Jesus had an open mind to what people of his time were capable of absorbing. Even back then, with the open eyes of his soul, he saw what people, by their very nature, were able to take in and process spiritually and soulfully, and what they had received over the centuries from what had been revealed to the Jews by the ancient prophets. With deep sorrow, with the deepest of grief, he felt: Yes, that is how it was in ancient times; that is how the great Bath-Kol spoke to the prophets; that was an original teaching, of which scant remnants remain among the Pharisees and other scribes. If the great Bath-Kol were to speak to any human being now, there would be no one there to understand the voice from the spiritual world. Things have become different among humanity than they were in the time of the ancient prophets. Even if those great, those glorious revelations of primeval times were to resound today: the ears to understand them would be lacking. This came before the soul of this boy Jesus again and again, and with this suffering he was alone.

[ 8 ] Es ist unvergleichlich, das Gemüt hinzuwenden zu dem, was sich an Leiden, die so charakterisiert werden müssen, wie ich es eben getan habe, in diesem Jesusknaben abspielte. Und man darf durchaus sagen: Mögen wir oftmals noch so Bedeutsames mehr theoretisch über das Mysterium von Golgatha geäußert haben, es wird wahrhaftig die Größe der kosmischen oder historischen Gesichtspunkte gar nicht in den Schatten gestellt, wenn man die einzelnen konkreten Tatsachen immer mehr und mehr ins Auge faßt, wie sie sich darbieten eben nur in ihrer Tatsächlichkeit. Denn durch nichts als durch die Beobachtung dieser Tatsachen kann man so sehr ins Auge fassen, wie der Gang der Menschheitsentwickelung war, wie eine Urweisheit vorhanden war auch im jüdischen Volk und wie die Unmöglichkeit, diese Urweisheit zu verstehen, da war in der Zeit, als sie nur wie, man möchte sagen, probeweise in einer einzelnen Seele zwischen deren zwölftem und achtzehntem Lebensjahre neuerdings aufleuchtete, aber nur dieser Seele zur Qual, weil sie niemand hätte verständlich werden können, wie sich diese Bath-Kol geäußert hatte, wie für diese Seele diese Offenbarung nur zur unendlichen Qual da war. Ganz mit sich allein war der Knabe mit diesen Erlebnissen, die sozusagen das Leid der geschichtlichen Menschheitsentwickelung in einer solchen Konzentration darstellten.

[ 8 ] There is nothing quite like turning one’s mind to the sufferings—which must be characterized as I have just done—that took place within this boy Jesus. And one may certainly say: However much we may have expressed significant things about the Mystery of Golgotha in a more theoretical sense, the grandeur of the cosmic or historical perspectives is truly not overshadowed at all when one increasingly takes the individual concrete facts into view as they present themselves solely in their actuality. For it is through nothing other than the observation of these facts that one can truly grasp the course of human development, how a primal wisdom was present even among the Jewish people, and how the impossibility of understanding this primal wisdom existed at the time when it, as it were, one might say, tentatively, in a single soul between the ages of twelve and eighteen, yet only to that soul’s torment, because no one could have understood how this Bath-Kol had spoken, how for that soul this revelation was nothing but endless torment. The boy was entirely alone with these experiences, which, so to speak, represented the suffering of humanity’s historical development in such a concentrated form.

[ 9 ] Nun entwickelte sich in dem Knaben etwas, was man, ich möchte sagen, in seinen Rudimenten da und dort im Leben schon beobachten kann, was man sich nur unendlich vergrößert denken muß in bezug auf das Jesus-Leben. Schmerz, Leid, die aus ähnlichen Quellen heraus erlebt werden wie diejenigen, die jetzt geschildert worden sind, verwandeln sich in der Seele, verwandeln sich so, daß der, der solche Schmerzen, solches Leid erfahren kann bei sich, diese Schmerzen und dieses Leid wie selbstverständlich verwandelt in Wohlwollen, in Liebe, aber nicht bloß in Gefühle des Wohlwollens und Gefühle der Liebe, sondern in die Kraft, in eine ungeheure Kraft der Liebe, in die Möglichkeit, diese Liebe geistig-seelisch darzuleben. Und so entwickelte sich schon, indem der Jesus heranwuchs, in ihm etwas ganz Eigentümliches.

[ 9 ] Now something began to develop in the boy that, I would say, can already be observed in its rudimentary form here and there in life, but which one must imagine magnified infinitely in relation to the life of Jesus. Pain and suffering, experienced from sources similar to those just described, are transformed in the soul—transformed in such a way that the one who can experience such pain and suffering within himself naturally transforms this pain and suffering into goodwill, into love, but not merely into feelings of goodwill and feelings of love, but into the power, into an immense power of love, into the ability to live out this love spiritually and soulfully. And so, as Jesus grew up, something quite unique developed within him.

[ 10 ] Trotzdem seine Geschwister, seine nächste Umgebung ihn anfeindeten, weil sie ihn nicht verstehen konnten und ihn als einen betrachteten, der nicht recht bei sich ist, so war doch das nicht abzuleugnen denn es zeigte sich dazumal für das äußere physische Auge, es zeigt sich jetzt für den Akasha-Chronik-mäBßigen Blick -, daß, wo dieser junge Knabe hinkam, mit irgend jemand sprach, wenn man ihn auch nicht verstehen konnte, man aber wenigstens einging auf das, was er sagte, daß da etwas wie ein tatsächliches Überfließen eines gewissen Etwas von des Jesus Seele in die andere Seele vorhanden war. Wie das Hinübergehen eines Fluidums des Wohlwollens, der Liebe war es, was ausströmte. Das war das verwandelte Leid, der verwandelte Schmerz. Wie ein wohltuender Liebeshauch kam es heran an diejenigen, die mit dem Jesus in Berührung kamen, schon in der damaligen Zeit, so daß man empfand, man habe etwas Besonderes vor sich, indem man ihm in irgendeiner Weise gegenüberstand. Wie eine Art Schreinerhandwerk oder Zimmermannshandwerk war es, das er verrichtete im Hause des Vaters, in dem Jesus emsig arbeitete. Aber in den Stunden, in denen er zu sich kam, da spielte sich ab, was ich eben charakterisiert habe. Das waren — die innerlichen Erlebnisse sind dabei das Wesentliche — die inneren Erlebnisse des Jesus von Nazareth, sagen wir zwischen dem zwölften und sechzehnten oder achtzehnten Lebensjahre.

[ 10 ] Even though his siblings and those closest to him treated him with hostility—because they could not understand him and regarded him as someone who was not quite right in the head—this could not be denied, for it was evident at the time to the outer physical eye, and it is evident now to the eye attuned to the Akashic Records—that wherever this young boy went, whenever he spoke to anyone, even if they could not understand him, they at least responded to what he said; there was something like an actual overflowing of a certain quality from the soul of Jesus into the other soul. It was like the passing over of a fluid of benevolence and love that radiated out. That was the transformed suffering, the transformed pain. Like a soothing breath of love, it came upon those who came into contact with Jesus, even back then, so that one sensed one was in the presence of something special when facing him in any way. It was like a kind of carpentry or joinery that he performed in his father’s house, where Jesus worked diligently. But in the hours when he came to himself, what I have just described took place. These were—the inner experiences are the essential part here—the inner experiences of Jesus of Nazareth, let us say between the ages of twelve and sixteen or eighteen.

[ 11 ] Dann fing für ihn an eine Art von Wanderzeit zwischen dem achtzehnten und vierundzwanzigsten Lebensjahre. Da wanderte er viel herum, arbeitete da und dort in dem Handwerk, das er auch zuhause trieb, kam in jüdische, kam aber auch in heidnische Gegenden. Schon dazumal zeigte sich in eigenartiger Weise etwas sehr Sonderbares als Wirkung seiner Erlebnisse in den früheren Jahren im Verkehr mit den Menschen, mit denen er zusammenkam. Und das ist wichtig, daß man dieses auch berücksichtigt, denn nur durch die Berücksichtigung gerade dieses Zuges dringt man tiefer ein in das, was dazumal eigentlich geschah in der Menschheitsentwickelung.

[ 11 ] Then, between the ages of eighteen and twenty-four, a sort of wandering period began for him. He traveled around a great deal, working here and there in the trade he had also practiced at home, visiting both Jewish and non-Jewish regions. Even back then, something very peculiar manifested itself in a unique way as a result of his experiences in earlier years in his interactions with the people he encountered. And it is important to take this into account, for only by considering this particular trait can one penetrate more deeply into what actually happened at that time in the development of humanity.

[ 12 ] Er kam da arbeitend, ich möchte sagen, von Stätte zu Stätte da- und dorthin in die Familien. Nach Feierabend, wie wir heute sagen würden, saß er mit den Familien zusammen, und da verspürte man überall jenen Zug des Wohlwollens, der Liebe, von dessen Entwickelung ich gesprochen habe. Das empfand man allüberall, aber man empfand es sozusagen durch die Tat; denn überall, wo er war, hatte man dazumal in den Jahren, wo er herumreiste zwischen dem achtzehnten und vierundzwanzigsten Jahre das Gefühl: Da sitzt wirklich ein besonderes Wesen. — Man drückte das nicht immer aus, aber man hatte das Gefühl: Da sitzt ein besonderes Wesen unter uns. - Und das äußerte sich dadurch, daß, wenn er wiederum fortgezogen war von dem Orte, so wurde nicht etwa bloß wochenlang nur davon gesprochen, was zwischen ihm und den anderen geredet worden war, sondern häufig stellte es sich so heraus: Wenn die Leute, während er fort war, dann abendlich zusammensaßen, hatten sie das Gefühl, er komme herein. Es war eine gemeinsame Vision. Sie hatten das Gefühl: Er ist wiederum unter uns. — Und das geschah an vielen, vielen Orten, daß er weggegangen war und doch im Grunde genommen noch da war, geistig den Leuten erschien, unter den Leuten geistig lebte, so daß sie wußten: Wir sitzen mit ihm zusammen.

[ 12 ] He went about his work, I might say, moving from place to place, visiting families here and there. After work, as we would say today, he would sit with the families, and everywhere one could sense that spirit of goodwill and love whose development I have spoken of. You could feel it everywhere, but you felt it, so to speak, through his actions; for wherever he was, back in those years when he was traveling around between the ages of eighteen and twenty-four, people had the feeling: There really is a special being sitting there. — People didn’t always express it, but they had the feeling: There is a special being sitting among us. - And this manifested itself in the fact that, when he had moved on from a place, people didn’t just talk for weeks about what had been said between him and the others; rather, it often turned out that when people sat together in the evenings while he was away, they had the feeling he was walking in. It was a shared vision. They had the feeling: He is among us again. — And this happened in many, many places: that he had gone away and yet, in essence, was still there, appearing to people in spirit, living among them in spirit, so that they knew: We are sitting together with him.

[ 13 ] Wie gesagt, es war eine Vision in bezug auf das Subjektive; in bezug auf das Objektive war es die ungeheure Wirkung der Liebe, die er in der geschilderten Weise geäußert hatte, und die sich so äußerte, daß der Ort seiner Erscheinung in gewisser Weise nicht mehr an den äußeren physischen Raum gebunden war, an die äußeren physischen Raumverhältnisse des menschlichen physischen Leibes gebunden war. Es wirkt ungeheuer stark zum Verständnis der Jesus-Gestalt, dieses immer wieder und wiederum zu sehen, wie er unauslöschlich bei denjenigen ist, bei denen er einmal eingekehrt war, wie er gewissermaßen geistig bei ihnen blieb und wiederum zu ihnen zurückkehrte. Unter denen er einmal war, die verloren ihn nicht wiederum aus ihren Herzen heraus.

[ 13 ] As I said, it was a vision in the subjective sense; with regard to the objective, it was the immense power of love that he had expressed in the manner described, and which manifested itself in such a way that the place of his appearance was, in a certain sense, no longer bound to external physical space, to the external physical spatial conditions of the human physical body. It is immensely helpful for understanding the figure of Jesus to see this again and again: how he remains indelibly with those among whom he once dwelt, how he remained with them spiritually, as it were, and returned to them again. Those among whom he once was did not lose him from their hearts again.

[ 14 ] Nun kam er bei dieser Wanderung auch in heidnische Gegenden, sagte ich, und in einer heidnischen Gegend machte er nun eine ganz besondere Erfahrung. Diese Erfahrung macht beim Akasha-Chronikmäßigen Hinblick auf diese Stelle der Menschheitsentwickelung einen ganz besonders tiefen Eindruck. Er kam in eine heidnische Gegend. Ich bemerke an dieser Stelle ausdrücklich: Wenn Sie mich fragen, wo das war, wo er da hinkam, so muß ich Ihnen heute noch sagen: Das weiß ich nicht. Vielleicht werden spätere Erforschungen ergeben, wo das war, aber den geographischen Ort aufzufinden ist mir noch nicht gelungen. Aber die Tatsache ist absolut klar. Es kann Gründe geben, warum man nicht auf den geographischen Ort kommen kann, warum aber die Tatsache selbst absolut klar sein kann. Ich möchte Ihnen nämlich, gerade indem ich diese Dinge erzähle, in keinem Augenblick vorenthalten auch das Eingeständnis dessen, was in dieser Sache noch nicht erforscht ist, damit Sie sehen, daß es mir wirklich bei dieser Sache darum zu tun ist, in exakter Weise nur das mitzuteilen, wofür ich durchaus einzustehen in der Lage bin.

[ 14 ] Now, I said, during this journey he also came to pagan regions, and in a pagan region he had a very special experience. From the perspective of the Akashic Records regarding this stage of human development, this experience makes a particularly deep impression. He came to a pagan region. I would like to note explicitly at this point: If you ask me where that was, where he ended up, I must tell you even today: I do not know. Perhaps future research will reveal where that was, but I have not yet succeeded in locating the geographical site. But the fact is absolutely clear. There may be reasons why one cannot pinpoint the geographical location, yet the fact itself can be absolutely clear. For I wish, precisely by telling you these things, not to withhold from you for a single moment the admission of what in this matter has not yet been investigated, so that you may see that my true concern in this matter is to communicate in an exact manner only that for which I am fully able to vouch.

[ 15 ] Er kam also an einen heidnischen Ort. Da war eine verfallene Kultstätte. Die Priester dieses Ortes hatten längst den Ort verlassen; aber das Volk ringsumher war im tiefen Elend, von Krankheiten heimgesucht. Gerade weil eine böse Krankheit dort wütete, haben die heidnischen Priester aus diesen und anderen Gründen die Kultstätte verlassen. Das Volk fühlte sich nicht nur krank, elend, mühselig und beladen, sondern auch verlassen von den Priestern, die die heidnischen Opfer vollbracht hatten, und litt furchtbare Qualen. Nun kam er her in diese Gegend. Es war das gegen sein vierundzwanzigstes Lebensjahr. Es war damals schon in hohem Grade in ihm das der Fall, daß er durch sein bloßes Erscheinen einen ganz besonderen, einen gewaltigen Eindruck machte, auch wenn er gar nicht einmal sprach, sondern wenn man ihn nur herankommen sah. Es ist wirklich mit dieser Jesus-Erscheinung etwas ganz Besonderes für die damaligen Menschen, unter denen er auftrat. Man fühlte bei seinem Herannahen ganz Unglaubliches. Man muß damit rechnen, daß man es ja mit Menschen eines ganz anderen Zeitalters und einer anderen Gegend zu tun hat. Wenn er herankam, so sieht man die Menschen fühlen: Da ist etwas ganz Besonderes, da strömt aus von dieser Wesenheit etwas, was von keinem anderen Menschen ausströmt. — Das fühlte sozusagen fast jeder; der eine fühlte es sympathisch, der andere unsympathisch. Nun ist es nicht zu verwundern, daß sich da zeigte, daß gewissermaßen wie ein Lauffeuer sich verbreitete: Da kommt ein besonderes Wesen heran! -— Und jene Menschen um den Opferaltar herum glaubten, irgendein alter Heidenpriester würde wiederum kommen oder er hätte einen anderen geschickt, damit der Opferdienst wieder verrichtet würde. Und immer zahlreicher wurde die Menge, die sich ansammelte; denn wie ein Lauffeuer verbreitete sich, daß da eine ganz besondere Wesenheit angekommen sei. Jesus hatte, als er die Menge sah, mit ihr ein unendliches Erbarmen, aber er hatte nicht den Willen, obwohl man es stürmisch verlangte, das Opfer wieder zu verrichten, nicht den Willen, dieses heidnische Opfer zu verrichten. Aber dafür, als er diese Menge sah, da lud sich auf seine Seele ebenso der Schmerz über das verfallene Heidentum, wie sich in den Jahren vom zwölften bis zum sechzehnten, achtzehnten Lebensjahre der Schmerz über das verfallene Judentum abgeladen hatte. Und als er hinsah über die Menge, da sah er unter der Menge überall, und endlich auch an dem Opferaltar, an dem er stand, dämonische elementarische Wesenheiten. Wie tot fiel er hin; aber dieses Hinfallen geschah nur aus dem Grunde, weil er in einen weltentrückten Zustand verfiel durch diesen schauervollen Anblick, den er gehabt hatte.

[ 15 ] So he came to a pagan place. There was a dilapidated place of worship there. The priests of that place had long since left; but the people all around were in deep misery, afflicted by disease. Precisely because a terrible disease was raging there, the pagan priests had abandoned the place of worship for this and other reasons. The people felt not only sick, miserable, weary, and burdened, but also abandoned by the priests who had performed the pagan sacrifices, and they suffered terrible torments. Now he came to this region. He was around twenty-four years old at the time. Even back then, it was already very much the case that by his mere appearance he made a very special, a powerful impression, even if he did not even speak, but simply when one saw him approaching. There is truly something very special about this appearance of Jesus for the people of that time among whom he appeared. One felt something quite incredible as he approached. One must take into account that we are dealing with people from a completely different era and a different region. When he approached, one could see the people sensing: There is something very special here; something is emanating from this being that no other human being radiates. — Almost everyone felt this, so to speak; one person found it appealing, another unappealing. Now it is not surprising that it became apparent, spreading like wildfire, so to speak: “A special being is approaching!” — And those people gathered around the sacrificial altar believed that some old pagan priest was coming again, or that he had sent another to perform the sacrificial rite once more. And the crowd that gathered grew ever larger; for the news that a very special being had arrived spread like wildfire. When Jesus saw the crowd, he felt infinite compassion for them, but he had no desire—even though they demanded it vehemently—to perform the sacrifice again, no desire to perform this pagan sacrifice. But when he saw this crowd, the pain over the decayed paganism weighed upon his soul just as the pain over the decayed Judaism had weighed upon him during the years from his twelfth to his sixteenth and eighteenth years of life. And as he looked out over the crowd, he saw everywhere among the crowd, and finally also at the sacrificial altar where he stood, demonic elemental beings. He fell down as if dead; but this falling occurred only because he had fallen into a state of detachment from the world due to the terrifying sight he had witnessed.

[ 16 ] Während er so da lag, wie tot, ergriff das Volk Furcht. Die Menschen fingen an zu fliehen. Er aber hatte, während er in einem anderen Zustande da lag, die Erscheinung des Entrücktseins in jene geistige Welt, die ihm veranschaulichte, wie das uralte Heidentum war, als in den alten Mysterien in ihrer ursprünglichen heiligen Art die Urweisheit des Heidentums in den Opferhandlungen der Heiden noch vorhanden war. Ihm offenbarte sich, wie das Heidentum in der Urzeit war, wie es sich ihm früher auf die andere Art geoffenbart hatte, wie das Judentum war. Aber wie das auf geistig-seelische, unsichtbare Art geschah, wie da aufstieg das, was an Inspiration, wie sie zu den alten Propheten gekommen war, zu ihm sprechen wollte, so mußte er auf andere Art die Größe des Heidentums erfahren, mußte schauen das, was man nur so bezeichnen kann, daß man sagt: Er sah, wie er da lag, die heidnischen Opferstätten, die in ihrer Kulteinrichtung so waren, daß sie ein Ergebnis waren der ursprünglichen Mysterienoffenbarungen, eigentlich waren wie die äußere Darstellung der Mysterienhandlung. An diesen Opferstätten ergossen sich, wenn die Opfer verrichtet wurden, in die Gebete der Menschen hinein während der alten Zeiten, wo das noch in richtiger Gestalt vorhanden war, da ergossen sich hinein die Mächte jener geistigen Wesenheiten aus der Reihe der höheren Hierarchien, zu denen die Heiden sich erheben konnten. Gleichsam stand visionär vor seiner Seele: Ja, wenn einstmals an einem solchen Altar, in den Zeiten, in denen das Heidentum in seiner alten Blüte stand, Opfer verrichtet wurden, dann strömten herab in die Opferhandlungen hinein die Kräfte der guten heidnischen Götter. Aber jetzt - jetzt nicht durch eine Inspiration, sondern durch eine unmittelbare Imagination — mußte er in großer Lebendigkeit den Verfall des Heidentums erleben. Das mußte er nun erleben, auch des Heidentums Verfall! Und statt wie früher in die Opferhandlungen hineinströmten die guten Mächte, lebten jetzt dämonische elementarische Wesenheiten auf, allerlei elementarische Sendlinge von Luzifer und Ahriman. Die schaute er jetzt, und das war die Art, wie ihm der Herabstieg des Heidentums vor das geistig-seelische Auge trat.

[ 16 ] As he lay there, as if dead, the people were seized with fear. People began to flee. But while he lay there in a different state, he had the experience of being transported into that spiritual world, which revealed to him what ancient paganism was like, when the primordial wisdom of paganism was still present in the sacrificial rites of the pagans, as it had been in the ancient mysteries in their original sacred form. It was revealed to him how paganism was in primeval times, just as it had previously revealed itself to him in a different way, just as Judaism had been. But just as this occurred in a spiritual-soul-like, invisible manner—just as that which sought to speak to him through inspiration, as it had come to the ancient prophets, arose—so he had to experience the greatness of paganism in a different way; he had to behold that which can only be described by saying: He saw, as he lay there, the pagan sacrificial sites, which in their cultic arrangement were such that they were a result of the original mystery revelations, were in fact like the outward representation of the mystery drama. At these sacrificial sites, when the sacrifices were performed, the prayers of the people in ancient times—when this still existed in its true form—were infused with the powers of those spiritual beings from the ranks of the higher hierarchies to which the pagans could ascend. As it were, a vision stood before his soul: Yes, when sacrifices were once performed at such an altar, in the times when paganism was in its former splendor, the powers of the good pagan gods would pour down into the sacrificial rites. But now—now not through inspiration, but through direct imagination—he had to experience the decline of paganism with great vividness. He had to experience this now, the decline of paganism as well! And instead of the good powers flowing into the sacrificial rites as in former times, demonic elemental beings now came to life—all manner of elemental emissaries of Lucifer and Ahriman. He now beheld them, and this was the manner in which the decline of paganism appeared before his spiritual-soul eye.

[ 17 ] Das war die zweite Art des großen Schmerzes, daß er sich sagen konnte: Einstmals hatten die Heiden Kulthandlungen, welche die Menschheit verbanden mit den guten Wesenheiten gewisser Hierarchien. Das ist so in die Dekadenz, in die Korruption gekommen, daß es schon Stätten gibt wie diese, wo alle guten Kräfte sich in dämonische Kräfte verwandelt haben, daß es so weit gekommen ist, daß das Volk ringsherum verlassen war von den alten heidnischen Göttern. Also auf andere Art trat ihm der Verfall des Heidentums vor die Seele als beim Judentum, in innerlicher, viel anschaulicherer Weise.

[ 17 ] That was the second kind of great pain: he could tell himself that once upon a time, the pagans had ritual practices that connected humanity with the benevolent beings of certain hierarchies. This has fallen into such decadence and corruption that there are already places like this, where all the good forces have turned into demonic forces, that it has come to the point where the people all around have been abandoned by the old pagan gods. Thus, the decline of paganism presented itself to his soul in a different way than that of Judaism, in an inner, much more vivid way.

[ 18 ] Man muß in der Tat ein wenig den Unterschied kennen im Fühlen und Empfinden zwischen dem, wenn dieses Fühlen und Empfinden der Ausfluß ist eines solchen unmittelbaren imaginativen Erlebens oder eines theoretischen Erkennens. Man bekommt in der Tat durch das Hinrichten des Blickes an diesen Punkt der Akasha-Chronik den Eindruck eines unendlich bedeutungsvollen, aber unendlich schmerzlichen Erlebens der Entwickelungsgeschichte der Menschheit, die sich wiederum in diesen imaginativen Augenblick zusammendrängt.

[ 18 ] One must indeed be somewhat aware of the difference in feeling and perception between when these feelings and perceptions are the result of such a direct imaginative experience or of theoretical cognition. Indeed, by fixing one’s gaze on this point in the Akashic Records, one gets the impression of an infinitely meaningful yet infinitely painful experience of the history of human development, which in turn is condensed into this imaginative moment.

[ 19 ] Er wußte jetzt: So lebten göttlich-geistige Kräfte einstmals unter den Heiden; aber wenn sie auch jetzt lebten, es wären keine Menschen und keine Möglichkeiten da, daß die Menschen wirklich jenes alte Verhältnis wiederum herstellten. Diesen Jammer der Menschheit, in eine kurze Erfahrung konzentriert, zusammengedrängt, das erlebte er jetzt. Und als er sich so erhob zum Wahrnehmen dessen, was einstmals in den guten, in den besten alten Blütezeiten des Heidentums geoffenbart worden war, da hörte er Worte-so kann man es sagen -, welche ihm sich erfühlten wie das Geheimnis des ganzen Menschenlebens auf Erden und seines Zusammenhanges mit den göttlichgeistigen Wesenheiten. Ich konnte nicht anders, als das, was da in die Seele hereinsprach des hingefallenen, wie toten Jesus, der anfing, gerade in diesem Moment wiederum zu sich zu kommen, ich konnte nicht anders, als das in der folgenden Weise in Worte unserer deutschen Sprache zu bringen. Und ich mußte aus gewissen Gründen heraus diese Worte zuerst unseren damals versammelten Freunden mitteilen, als wir den Grundstein für unseren Dornacher Bau legten. Das, was dazumal gehört wurde, wie Urweisheit wird es sich in deutschen Worten so ausdrücken:

[ 19 ] He now knew: Divine-spiritual forces had once lived among the pagans; but even if they were alive now, there were no people and no way for people to truly reestablish that ancient relationship. He now experienced this misery of humanity, concentrated and compressed into a brief experience. And as he thus raised himself to perceive what had once been revealed in the good, in the best old heyday of paganism, he heard words—so one might say—that felt to him like the mystery of the whole of human life on earth and its connection with the divine-spiritual beings. I could not help but take what spoke into the soul of the fallen, as if dead, Jesus—who was just beginning to come to himself again at that very moment—and express it in the following way in the words of our German language. And for certain reasons, I had to share these words first with our friends gathered there at the time, when we laid the cornerstone for our Dornach building. What was heard at that time, as primordial wisdom, will be expressed in German words as follows:

Amen
Es walten die Übel
Zeugen sich lösender Ichheit
Von andern erschuldete Selbstheitschuld
Erlebet im täglichen Brote
In dem nicht waltet der Himmel Wille
Indem der Mensch sich schied von Eurem Reiche Und vergaß Eure Namen
Ihr Väter in den Himmeln.

Amen
Evil reigns
Witnessing the dissolution of the self
Guilt of selfhood blamed on others
Experienced in our daily bread
In which the will of Heaven does not reign
As man separated himself from Your Kingdom And forgot Your names
You Fathers in Heaven.

[ 20 ] Sie sehen, meine lieben Freunde, es ist etwas Ähnliches wie ein umgekehrtes Vaterunser, aber so muß man es haben:

[ 20 ] You see, my dear friends, it is something like a reverse Lord's Prayer, but that is how it has to be:

Amen
Es walten die Übel
Zeugen sich lösender Ichheit
Von andern erschuldete Selbstheitschuld
Erlebet im täglichen Brote
In dem nicht waltet der Himmel Wille
Indem der Mensch sich schied von Eurem Reiche
Und vergaß Eure Namen
Ihr Väter in den Himmeln.

Amen
Evil reigns
Witnessing the dissolution of the self
Guilt of selfhood blamed on others
Experienced in our daily bread
In which Heaven’s will does not reign
As man separated himself from Your Kingdom
And forgot Your names
You Fathers in Heaven.

[ 21 ] Nachdem ihm dies erschienen war wie das Geheimnis des Menschenseins auf Erden und seines Zusammenhanges mit dem göttlich-geistigen Sein, kam er wieder zurück zu sich und sah noch die fliehenden Dämonen und die fliehenden Menschen. Er hatte jetzt hinter sich einen großen Lebensaugenblick. Er wußte jetzt auch, wie es stand mit der Entwickelung der Menschheit in Beziehung auf das Heidentum. Er konnte sich sagen: Auch in den weiten Gebieten des Heidentums ist absteigende Entwickelung. -— Er hatte diese Erkenntnis nicht durch äußere Beobachtung, sondern durch Beobachtung der Seele gewonnen, diese Erkenntnis, die ihm zeigte: Heidentum wie Judentum bedürfen etwas ganz Neuem, eines ganz neuen Impulses!

[ 21 ] Since this had appeared to him as the mystery of human existence on earth and of its connection to the divine-spiritual realm, he came back to himself and saw the fleeing demons and the fleeing people. He had now experienced a great moment in life. He now also knew the state of humanity’s development in relation to paganism. He could say to himself: Even in the vast realms of paganism, there is a downward development. — He had gained this insight not through external observation, but through observation of the soul; this insight showed him: both paganism and Judaism require something entirely new, a completely new impulse!

[ 22 ] Wir müssen festhalten, daß er diese Erfahrungen machte. Er hatte zwar das Zarathustra-Ich in sich; aber er wußte nicht, daß er es in sich hatte, auch dazumal noch nicht. So daß er Erfahrungen machte als Erfahrung, da nicht ein Lehrer da war, der es ihm theoretisch hätte erklären können; er machte diese Erfahrungen als Erfahrung.

[ 22 ] We must note that he had these experiences. He did indeed have the Zarathustra-self within him; but he did not know that he had it within him, not even at that time. So he had these experiences as experiences, since there was no teacher there who could have explained them to him theoretically; he had these experiences as experiences.

[ 23 ] Bald nachdem er diese Erfahrung in bezug auf das Heidentum gemacht hatte, trat er seine Heimreise an. Es war so um das vierundzwanzigste Lebensjahr. Als er nach Hause kam, da war ungefähr die Zeit, in der sein Vater starb, und jetzt lebte er mit der Familie und mit der Stief- oder Ziehmutter wiederum in Nazareth. Das Eigentümliche stellte sich heraus, daß ihn ja die anderen alle immer weniger und weniger verstanden. Nur seine Stief- oder Ziehmutter hatte sich doch immer mehr und mehr heranerzogen zu einem gewissen Gemüts- oder Liebesverständnis für das Ungeheure — wenn es auch nicht besonders vollständig war in der damaligen Zeit -, das in dieser Seele vorging. Und so konnte zuweilen, wenn auch die Mutter noch weit davon entfernt war, ihn intimer zu verstehen, doch immerhin manches Wort zwischen ihnen gewechselt werden, auch wenn es in bezug auf das, was der Jesus fühlte, noch oberflächlich war, so daß die Mutter immer mehr und mehr heranwuchs zu dem, was in der Jesus-Seele lebte.

[ 23 ] Shortly after having this experience regarding paganism, he set out on his journey home. He was around twenty-four years old. When he returned home, it was around the time his father died, and now he was living with his family and his stepmother or foster mother in Nazareth once again. What turned out to be peculiar was that the others understood him less and less. Only his stepmother or foster mother had, after all, cultivated more and more of a certain emotional or loving understanding for the immense—even if it was not particularly complete at that time—that was taking place within this soul. And so, at times, even though the mother was still far from understanding him more intimately, a few words could still be exchanged between them, even if they were still superficial in relation to what Jesus felt, so that the mother grew closer and closer to what lived in Jesus’ soul.

[ 24 ] Während dieser Zeit machte er aber noch eine besondere Erfahrung, die ihm das dritte große Leid brachte. In der Zeit zwischen seinem vierundzwanzigsten und so gegen das dreißigste Jahr hin kam er immer mehr in Zusammenhang mit einer Gemeinschaft, die sich seit längerer Zeit schon gebildet hatte, mit der Essäergemeinschaft. Diese Essäergemeinschaft bestand aus Leuten, die erkannten, daß eine gewisse Krisis in der Menschheitsgeschichte da war, daß Judentum und Heidentum in ihrer absteigenden Entwickelung angekommen waren auf einem Punkt, wo die Menschen einen neuen Weg suchen müssen, um wiederum die Vereinigung zu finden mit der göttlich-geistigen Welt. Und es war im Verhältnis zu den alten Mysterienmethoden im Grunde genommen doch etwas Neues, was in der Lebensweise lag, die die Essäer suchten, um wiederum hinaufzukommen zur Vereinigung mit der göttlich-geistigen Welt. Besonders strenge Lebensregeln hatten diese Essäer, um nach einem entsagungsvollen, hingebungsvollen Leben, nach einem Leben, das weit hinausging über bloße seelische und intellektuelle Vervollkommnung, die Vereinigung mit dem Göttlich-Geistigen wiederum zu suchen.

[ 24 ] During this time, however, he had another special experience that brought him his third great suffering. Between the ages of twenty-four and around thirty, he became increasingly involved with a community that had been forming for some time: the Essene community. This Essene community consisted of people who recognized that a certain crisis had arisen in human history, that Judaism and paganism, in their downward course of development, had reached a point where people had to seek a new path in order to find union once again with the divine-spiritual world. And in relation to the ancient mystery methods, it was essentially something new in the way of life that the Essenes sought in order to ascend once more to union with the divine-spiritual world. These Essenes had particularly strict rules of life in order to seek union with the divine-spiritual world once again through a life of renunciation and devotion, a life that went far beyond mere spiritual and intellectual perfection.

[ 25 ] Diese Essäer waren im Grunde genommen sogar ziemlich zahlreich in jener Zeit. Ihren Hauptsitz hatten sie am Toten Meere. Aber sie hatten überall einzelne Niederlassungen in den Gegenden Vorderasiens, und ihre Zahl vermehrte sich so, daß da und dort irgend jemand durch Verhältnisse, die ja auf solchem Gebiete immer kommen, ergriffen wurde von der Essäeridee, von dem Essäerideale sich gedrängt fühlte, sich zu den Essäern zu schlagen. Ein solcher mußte dann alles das, was sein Eigen war, hingeben an den Orden, und der Orden hatte für seine Mitglieder strenge Regeln. Ein Einzeleigentum konnte derjenige nicht behalten, der in dem Orden war. Nun hatte der eine da oder dort diese oder jene kleine Besitzung. Wenn er Essäer wurde, fiel diese Besitzung, die vielleicht weit weg war, den Essäern zu, so daß die Essäer solche Besitzungen überall hatten. Da schickten sie gewöhnlich jüngere Brüder hin, nicht denjenigen, von dem der Besitz stammte. Aus dem gemeinsamen Besitz konnte jeder jeden, der für würdig erachtet werden mußte, unterstützen, eine Maßregel, der man am allerbesten ansieht, daß zu verschiedenen Zeiten Verschiedenes der Menschheit frommt, weil eine solche Maßregel in unserer Zeit eine unendliche Härte wäre. Eine solche gab es aber für die Essäer. Die bestand darin, daß jeder befugt war, zu unterstützen aus dem gemeinsamen Gut Menschen, die er für würdig hielt, niemals aber solche, die mit ihm verwandt waren. Das war streng ausgeschlossen, nicht nächste und nicht ferne Verwandte. In dem Orden selbst gab es verschiedene Grade. Der höchste Grad war ein sehr geheimer Grad. Man konnte sehr schwer zu ihm zugelassen werden.

[ 25 ] These Essenes were, in fact, quite numerous at that time. Their headquarters were located on the Dead Sea. But they had individual branches throughout the regions of the Near East, and their numbers grew to such an extent that here and there, due to circumstances that inevitably arise in such areas, someone was seized by the Essene idea, felt compelled by the Essene ideal to join the Essenes. Such a person then had to surrender all that was his own to the order, and the order had strict rules for its members. One could not retain any private property while in the order. Now, one person here or there might have this or that small holding. When he became an Essene, this holding—which might have been far away—passed to the Essenes, so that the Essenes had such holdings everywhere. They usually sent younger brothers there, not the one from whom the property originated. From the common property, anyone could support anyone deemed worthy—a measure best understood as serving humanity’s good at different times, for such a measure would be an infinite hardship in our time. But there was one such rule for the Essenes. It consisted in the fact that everyone was authorized to support, from the common property, people whom he deemed worthy, but never those who were related to him. That was strictly excluded—neither close nor distant relatives. Within the order itself there were various degrees. The highest degree was a very secret one. It was very difficult to be admitted to it.

[ 26 ] Es ist nun wirklich so, daß in dieser Zeit in bezug auf das Jesusleben Jesus schon so war, daß in ungeheurem Grade das bei ihm vorhanden war, was ich geschildert habe als ein Fluidum, das von ihm ausging, das auf die Menschen wirkte wie die verkörperte Liebe selber, möchte man sagen. Das wirkte auch auf die Essäer, und so kam es, daß er, ohne eigentlich formell Essäer zu sein, an die Essäergemeinschaft herangezogen wurde. Zwischen dem vierundzwanzigsten und dreißigsten Lebensjahre wurde er so sehr mit den Essäern bekannt, daß wir sagen können: Manches, was er mit ihnen erlebt und besprochen hat, was ihre tiefsten Geheimnisse waren, hatte er gelernt.

[ 26 ] The fact is that, during this period of Jesus’ life, he was already such that what I have described—a kind of aura emanating from him that affected people as if it were love incarnate, one might say—was present in him to an immense degree. This also had an effect on the Essenes, and so it came to pass that, without actually being a formal member of the Essenes, he was drawn into the Essene community. Between the ages of twenty-four and thirty, he became so closely acquainted with the Essenes that we can say: Much of what he experienced and discussed with them—including their deepest secrets—he had learned.

[ 27 ] Was einstmals das Gloriose des Judentums war, von dem erfuhr er zwischen dem zwölften und achtzehnten Lebensjahre; was das Geheimnis der Heiden war, das lernte er kennen zwischen dem achtzehnten und vierundzwanzigsten Lebensjahr. So lernte er jetzt, indem er mit den Essäern unmittelbar umging, indem sie ihn teilnehmen ließen an ihren Geheimnissen, das Geheimnis des Essäers kennen, wie er sich hinaufentwickelte zu einer gewissen Vereinigung mit der göttlich-geistigen Welt. Da konnte er sich sagen: Ja, da ist etwas wie ein Weg, um wiederum zurückzufinden zu dem, was der Zusammenhang mit dem Göttlich-Geistigen ist. - Und man sieht wirklich, nachdem er zwiefach geplagt war, in bezug auf das Judentum und das Heidentum zwiefach geplagt war, wie ihm manchmal aufdämmerte, während er so unter den Essäern weilte, etwas wie die fröhliche Zuversicht, man könne doch wiederum einen Weg finden da hinauf. Aber von dieser fröhlichen Zuversicht sollte ihn die Erfahrung bald abbringen.

[ 27 ] He learned about what was once the glory of Judaism between the ages of twelve and eighteen; he came to know the mystery of the Gentiles between the ages of eighteen and twenty-four. Thus, through his close association with the Essenes, who allowed him to share in their mysteries, he came to know the mystery of the Essenes—how they developed themselves toward a certain union with the divine-spiritual world. Then he could say to himself: Yes, there is something like a path to finding one’s way back to what constitutes the connection with the divine-spiritual. - And one really sees, after he had been afflicted in two ways—afflicted in two ways with regard to Judaism and paganism—how it sometimes dawned on him, while he was staying among the Essenes, something like a cheerful confidence that one could indeed find a way back up there. But experience was soon to disabuse him of this cheerful confidence.

[ 28 ] Da erfuhr er etwas, was wiederum nicht theoretisch erfahren wurde, wiederum nicht als Lehre erfahren wurde, sondern in unmittelbarem Leben. Als er einstmals ging, nachdem er eben mit den Essäern vereint war, durch das Tor der Essäer, hatte er eine gewaltige, eine tief in seine Seele eingreifende Vision. In unmittelbarer Gegenwart sah er, wie vom Tore der Essäer wie fluchtartig weggingen zwei Gestalten, von denen ihm damals schon in gewisser Weise klar war: Luzifer und Ahriman sind es; sie rannten gleichsam weg vom Tore der Essäer. Diese Vision hatte er dann öfter, wenn er durch Essäertore ging. Essäer waren damals ja schon ziemlich zahlreich, und man mußte auf sie Rücksicht nehmen. Nun durften die Essäer — es hing das zusammen mit der Art, wie sie ihre Seele prägen mußten - nicht durch die gebräuchlichen Tore gehen, die bemalt waren. Der Essäer durfte durch kein Tor gehen, das in der damaligen Weise bemalt war. Er durfte nur durch unbemalte Tore gehen. Ein solches Tor hatte man in Jerusalem, in anderen Städten auch. Durch ein bemaltes Tor durfte der Essäer nicht gehen. Es ist das ein Beweis, daß die Essäer damals ziemlich zahlreich waren. Der Jesus kam an einzelne dieser Tore, und da wiederholte sich ihm sehr häufig die Erscheinung. Bilder sind nicht da, sagte er sich; aber statt der Bilder sah er Luzifer und Ahriman am Tore stehen. Da bildete sich in seiner Seele — was man eben nur unter dem Aspekt des geistig-seelischen Erlebens nehmen muß, um es voll zu würdigen; indem ich es so sage, es theoretisch schildere, ist es natürlich leicht hinzunehmen, aber man muß eben bedenken, wie das Gemütserleben sich gestaltet, wenn man diese Dinge in unmittelbarer geistiger Wirklichkeit erlebt -, es bildete sich durch dieses Erleben in ihm heraus, lassen Sie mich das Wort wiederholen, das ich schon gebraucht habe: die Erlebnisüberzeugung, die nur so ausgesprochen werden kann, daß er sich sagen konnte: Es scheint, als ob der Essäerweg derjenige wäre, das hat sich mir verschiedentlich gezeigt, auf welchem man durch eine Vervollkommnung der individuellen Seele den Weg wiederum zurückfinden könnte in die göttlich-geistigen Welten; aber das wird auf Kosten dessen erlangt, daß die Essäer ihre Lebensweise so einrichten, daß sie sich ferne halten von allem, was in irgendeiner Weise Luzifer und Ahriman an sie herankommen lassen würde. -- Sie richteten alles so ein, daß Luzifer und Ahriman nicht an sie herankommen konnten. So mußten Luzifer und Ahriman vor dem Tore stehen. Und jetzt wußte er auch, indem er das Ganze geistig verfolgte, wohin Luzifer und Ahriman immer gingen. Zu den anderen Menschen draußen gingen sie, die nicht den Essäerweg machen konnten! Das schlug furchtbar in sein Gemüt ein, ein stärkeres Leid noch gebend als die anderen Erlebnisse. Es schlug furchtbar ein, daß er sich erlebend sagen mußte: Ja, der Essäerweg konnte Einzelne hinaufführen, und zwar nur dann, wenn sich diese Einzelnen einem Leben widmen, das der ganzen Menschheit nicht zuteil werden kann, das nur möglich ist, wenn einzelne sich aussondern und Luzifer und Ahriman fliehen, die gerade dann zur großen Menge hingehen.

[ 28 ] There he experienced something that was not learned theoretically, nor as a doctrine, but in the immediacy of life. Once, as he was walking through the gate of the Essenes after having just been united with them, he had a powerful vision that penetrated deeply into his soul. In the immediate presence, he saw two figures fleeing hastily from the gate of the Essenes, and even then it was clear to him in a certain way: it was Lucifer and Ahriman; they were, as it were, running away from the gate of the Essenes. He had this vision more often whenever he passed through the gates of the Essenes. The Essenes were already quite numerous at that time, and one had to show them consideration. Now the Essenes—this was connected to the way they had to shape their souls—were not allowed to pass through the ordinary gates that were painted. The Essene was not allowed to pass through any gate that was painted in the manner of that time. He was only allowed to pass through unpainted gates. There was such a gate in Jerusalem, and in other cities as well. The Essene was not allowed to pass through a painted gate. This is proof that the Essenes were quite numerous at that time. Jesus came to some of these gates, and there the vision repeated itself to him very often. There are no images, he told himself; but instead of the images, he saw Lucifer and Ahriman standing at the gate. Then a vision formed in his soul—which one must consider solely from the perspective of spiritual-soul experience in order to fully appreciate it; by saying it this way, by describing it theoretically, it is of course easy to accept, but one must bear in mind how the emotional experience takes shape when one experiences these things in immediate spiritual reality—it took shape within him through this experience; let me repeat the word I have already used: the conviction born of experience, which can only be expressed in such a way that he could say to himself: It seems as though the Essene path is the one—this has become clear to me on various occasions—on which, through the perfection of the individual soul, one could find the way back into the divine-spiritual worlds; but this is achieved at the cost of the Essenes organizing their way of life in such a way that they keep themselves aloof from everything that would in any way allow Lucifer and Ahriman to approach them. — They arranged everything so that Lucifer and Ahriman could not reach them. Thus Lucifer and Ahriman had to stand at the gate. And now, as he spiritually followed the whole process, he also knew where Lucifer and Ahriman always went. They went to the other people outside who could not follow the Essene path! This struck him terribly, causing even greater suffering than the other experiences. It struck him terribly that he had to admit to himself: Yes, the Essene path could lead individuals upward, but only if these individuals dedicated themselves to a life that cannot be granted to all of humanity—a life that is only possible when individuals separate themselves and flee from Lucifer and Ahriman, who then turn to the great multitude.

[ 29 ] So lag es auf seiner Seele, wie wieder erleben konnten einzelne wenige, was die alten Propheten erlebt hatten aus der großen BathKol, das, was den Heiden erschienen ist beim alten Opfer. Wenn das, was die Nachkommen der Heiden und Juden nicht mehr erleben können, wenn das einzelne auf dem Essäerweg erlangen würden, dann wäre die notwendige Folge diese, daß die große übrige Masse um so mehr von Luzifer und Ahriman und ihren Dämonen befallen würde. Denn die Essäer erkaufen sich ihre Vervollkommnung dadurch, daß sie Luzifer und Ahriman, die so fliehen, den anderen Menschen zuschicken. Auf Kosten der anderen erlangen sie ihre Vollkommenheit, denn ihr Weg ist so, daß er nur von einem kleinen Häuflein eingeschlagen werden kann. Das war das, was Jesus jetzt erfuhr. Das war der dritte große Schmerz, der sich ihm noch besonders dadurch befestigte, daß er wie heraus aus seinen Essäererfahrungen, in der Lebensgemeinschaft der Essäer selber drinnen, etwas wie ein visionäres Gespräch mit dem Buddha hatte, dessen Gemeinschaft, engere Gemeinschaft ja viel Ähnliches hatte mit dem Essäertum, nur um Jahrhunderte älter war —, daß ihm der Buddha damals offenbarte aus der geistigen Welt heraus: Eine solche Gemeinschaft kann doch eben nur da sein, wenn nicht alle Menschen, sondern nur ein kleines Häuflein an ihr teilnehmen. — Es nimmt sich wiederum fast primitiv aus, wenn man sagt: Der Buddha eröffnete dem Jesus, daß mit der Opferschale nur dann die Buddhamönche herumgehen können, wenn nur wenige solche Mönche da sind und die anderen es gewissermaßen büßen mit einem anderen Leben. Das nimmt sich primitiv aus, wenn man es so sagt. Aber etwas anderes ist es, wenn die verantwortliche geistige Macht, wie hier der Buddha, dieses in einer Lage offenbart, in der jetzt der Jesus von Nazareth war.

[ 29 ] It was his heartfelt desire that a select few might once again experience what the ancient prophets had experienced through the great Bath Kol—that which appeared to the Gentiles during the ancient sacrifice. If what the descendants of the Gentiles and Jews can no longer experience were to be attained by the individual on the Essene path, then the necessary consequence would be that the great remaining mass would be all the more afflicted by Lucifer and Ahriman and their demons. For the Essenes purchase their perfection by sending Lucifer and Ahriman, who thus flee, to other people. At the expense of others they attain their perfection, for their path is such that it can be taken only by a small handful. That was what Jesus now experienced. That was the third great pain, which was further reinforced for him by the fact that, as if emerging from his Essene experiences, while actually living within the Essene community itself, he had something like a visionary conversation with the Buddha—whose community, a closer community, had much in common with Essene life, only was centuries older—that the Buddha revealed to him at that time from the spiritual world: Such a community can only exist, after all, if not all people, but only a small handful participate in it. — It sounds almost primitive, again, to say: The Buddha revealed to Jesus that the Buddha monks can only go around with the alms bowl if there are only a few such monks, and the others, so to speak, atone for it with a different life. It sounds primitive when put that way. But it is something else entirely when the responsible spiritual power—in this case, the Buddha—reveals this in a situation such as that in which Jesus of Nazareth now found himself.

[ 30 ] Und so hatte in dem Leben zwischen dem zwölften und dem dreiBigsten Lebensjahre dreifach im Leiden erlebt der Jesus von Nazareth die Entwickelung der Menschheit bis ins einzelne herein. Was jetzt in seiner Seele lebte, was sich zusammengedrängt hatte in dieser Seele, das konnte er so nach dem neunundzwanzigsten Jahre, nachdem die Stief- oder Ziehmutter nach und nach sich zum Verständnis seines Wesens emporgerungen hatte, ihm nahegekommen war, in einem Gespräch mit dieser Mutter entwickeln. Und wichtig, unendlich wichtig wurde nun ein Gespräch des Jesus von Nazareth so gegen sein dreißigstes Lebensjahr mit seiner Stief- oder Ziehmutter, ein Gespräch, das geführt worden war, in dem zum Ausdruck kam wirklich wie in wenige Stunden zusammengegossen alles das, was die Erlebnisse dieser Jahre des Jesus von Nazareth waren, und das bedeutsam wurde dadurch, daß es so war. Unter den geistigen Erfahrungen gibt es wenige, die so bedeutsam sind, wenigstens für eine gewisse Stufe des geistigen Erlebens, als diese, die man hat, wenn man den Blick hinrichtet auf das, was nun der Jesus von Nazareth mit seiner Stief- oder Ziehmutter zu sprechen hatte.

[ 30 ] And so, in the years between his twelfth and thirteenth, Jesus of Nazareth—having experienced suffering threefold—had come to understand the development of humanity down to its very details. What now lived in his soul, what had accumulated within that soul, he was able to express in a conversation with this mother after the age of twenty-nine, once his stepmother or foster mother had gradually risen to an understanding of his nature and had drawn close to him. And a conversation that Jesus of Nazareth had around the age of thirty with his stepmother or foster mother became important, infinitely important—a conversation in which, as if poured together in just a few hours, everything that constituted the experiences of those years of Jesus of Nazareth’s life was truly expressed, and which became significant precisely because it was so. Among spiritual experiences, there are few that are as significant—at least for a certain stage of spiritual experience—as those one has when one turns one’s gaze to what Jesus of Nazareth now had to say to his stepmother or foster mother.