From Akashic Research
The Fifth Gospel
GA 148
8 December 1913, Munich
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From Akashic Research: The Fifth Gospel, tr. SOL
Das Fünfte Evangelium I
The Fifth Gospel I
[ 1 ] Es hat sich durch gewisse Pflichten, die einem aus der geistigen Welt heraus auferlegt werden, für mich die Notwendigkeit ergeben, in der letzten Zeit einiges zu erforschen in bezug auf das Leben des Christus Jesus. Sie wissen, daß es möglich ist, durch die sogenannte AkashaChronik-Forschung zu Ereignissen, die sich in der Vergangenheit vollzogen haben, Zugang zu gewinnen. So wurde denn versucht, einen Zugang zu gewinnen zu dem wichtigsten Ereignis der Erdenentwickelung, dem Ereignis, das zusammenhängt mit dem Mysterium von Golgatha. Mancherlei hat sich da ergeben, was ergänzend wirken kann zu den mehr geisteswissenschaftlichen Ausführungen, die Ihnen bei verschiedenen Gelegenheiten über das Mysterium von Golgatha gegeben wurden. Von anderer Art ist das, was jetzt aus der AkashaChronik-Forschung sich ergeben hat; es ist gewissermaßen mehr konkreter Art, eine Summe von Tatsachen, die sich auf das Leben des Christus Jesus beziehen. Es werden sich, wie zu hoffen ist, diese Tatsachen im Laufe der Zeit zusammenschließen zu einer Art von Fünftem Evangelium, und wir werden am nächsten Zweigabend darüber sprechen, warum es gerade in unserer Zeit notwendig ist, aus den okkulten Quellen heraus das zu holen, was man in gewisser Beziehung als ein Fünftes Evangelium bezeichnen kann.
[ 1 ] Due to certain duties imposed upon me from the spiritual world, I have recently found it necessary to conduct some research regarding the life of Christ Jesus. You know that it is possible to gain access to events that took place in the past through what is known as Akashic Records research. Thus, an attempt was made to gain access to the most important event in the development of the Earth, the event connected with the Mystery of Golgotha. Much has emerged from this that can serve as a supplement to the more spiritual-scientific explanations given to you on various occasions regarding the Mystery of Golgotha. What has now emerged from Akashic Records research is of a different nature; it is, so to speak, of a more concrete nature—a collection of facts relating to the life of Christ Jesus. It is to be hoped that, over time, these facts will coalesce into a kind of Fifth Gospel, and we will speak next branch evening about why it is necessary, especially in our time, to draw from the occult sources what can, in a certain sense, be called a Fifth Gospel.
[ 2 ] Heute will ich zunächst einzelne Erzählungen geben, welche sich beziehen auf die Jugend des Jesus von Nazareth und welche gipfeln sollen in einem wichtigen Gespräch, das er mit seiner Stief- oder Ziehmutter geführt hat. Einiges von dem, was so als Fünftes Evangelium nunmehr zu besprechen sein wird, hat ja Fräulein Stinde einigen von Ihnen schon mitgeteilt; aber ich werde des Zusammenhanges wegen auch die Dinge kurz erwähnen müssen, welche so schon einigen von Ihnen vorgetragen worden sind.
[ 2 ] Today I would like to begin by sharing a few stories relating to the youth of Jesus of Nazareth, which will culminate in an important conversation he had with his stepmother or foster mother. Some of what will now be discussed as the Fifth Gospel has already been shared with some of you by Miss Stinde; but for the sake of context, I will also have to briefly mention the things that have already been presented to some of you.
[ 3 ] Beginnen möchte ich heute in meiner Erzählung mit jenem Ereignis, das ich Ihnen schon öfter charakterisieren durfte, mit dem Hinübergehen des Zarathustra-Ichs in die leiblichen Hüllen jenes Jesusknaben, der abstammt aus der nathanischen Linie des Hauses David. Kurz erwähnen will ich, daß nach der Akasha-Chronik-Forschung zwei Jesusknaben ungefähr zu gleicher Zeit geboren worden sind. Der eine ist geboren worden aus dem, was wir nennen können die salomonische Linie des Hauses David, der andere aus der nathanischen Linie des Hauses David. Sehr verschieden waren die beiden in bezug auf ihr ganzes Knabenleben. In dem Leibe, der abstammte aus der salomonischen Linie des Hauses David, war enthalten dasselbe Ich, das einstmals als Zarathustra über die Erde gegangen ist, und das war vorgerückt zu einem Geiste, der allerdings, wie es in solchen Fällen vorkommt, in den ersten zwölf Jahren kindlich wirkte, aber mit den allerhöchsten Gaben ausgestattet sich zeigte, der mit großer Schnelligkeit alles lernte, was die menschliche Kulturentwickelung bis in jenes Zeitalter hervorgebracht hatte. Einen Knaben von höchster Begabung würden wir — nach dem, was sich ergibt aus der Akasha-Chronik — diesen Knaben aus der salomonischen Linie des Hauses David nennen können. Den anderen Jesusknaben aus der nathanischen Linie können wir nicht mit solchen Prädikaten ansprechen. Er war im Grunde genommen das, was man unbegabt nennen möchte für alles das, was man durch die Errungenschaften der Erdenwissenschaften und Künste des Menschen erlernen kann. Er erwies sich sogar ziemlich abgeneigt, irgend etwas von dem zu erlernen, was sich die Menschheit errungen hat. Dagegen zeigte dieser Jesusknabe im höchsten Maße tiefe Genialität des Herzens; er strahlte schon im frühesten Knabenalter die wärmste Liebe aus, die sich denken läßt, nahm alles das auf an menschlich-irdischen Begriffen, was dazu führen kann, ein Leben in Liebe zu entfalten.
[ 3 ] I would like to begin my account today with that event which I have already had the opportunity to describe to you on several occasions: the passing of the Zarathustra-I into the physical body of the boy Jesus, who descended from the Nathanic line of the House of David. I would like to briefly mention that, according to research into the Akashic Records, two young Jesus figures were born at approximately the same time. One was born from what we might call the Solomonic line of the House of David, the other from the Nathanic line of the House of David. The two were very different in terms of their entire childhoods. The body descended from the Solomonic line of the House of David contained the same I that once walked the earth as Zarathustra, and this I had advanced to a spirit who, as is often the case in such instances, appeared childlike during the first twelve years, yet, endowed with the highest gifts, he proved to be one who learned with great speed everything that human cultural development had produced up to that age. We could call this boy from the Solomonic line of the House of David a boy of the highest gift—according to what emerges from the Akashic Records. We cannot apply such epithets to the other Jesus boy from the Nathanic line. He was, in essence, what one might call ungifted in regard to everything that can be learned through the achievements of human science and the arts. He even proved quite averse to learning anything of what humanity has attained. In contrast, this boy Jesus displayed the deepest genius of the heart to the highest degree; even in his earliest boyhood he radiated the warmest love imaginable, absorbing everything in human-earthly terms that could lead to the unfolding of a life in love.
[ 4 ] Wir wissen nun auch schon, daß, nachdem die beiden Knaben ungefähr zwölf Jahre alt geworden waren, das Ich des Zarathustra herausging, wie das ja in okkulten Vorgängen der irdischen Menschheitsentwickelung zuweilen vorkommt. Es ging heraus aus dem darnach absterbenden Leib des Jesusknaben aus der salomonischen Linie und ging hinüber in die leiblichen Hüllen des anderen Jesusknaben. Das Lukas-Evangelium deutet das dadurch an, daß es erzählt, wie dieser Jesusknabe dann unter den Schriftgelehrten saß und seine staunenswerten Antworten gab und von seinen eigenen Eltern kaum wiedererkannt wurde. So haben wir fortan heranwachsend vom zwölften Lebensjahre an jenen Jesusknaben mit dem Genie des Herzens, der gleichsam die Summe aller menschlichen Gaben, die sich auf Gefühl und Gemüt beziehen, in sich vereinigt hatte; wir haben die Vereinigung des Ich des Zarathustra mit diesem Jesusknaben, der aber in dieser Zeit ja noch nicht wußte, was sich mit ihm vollzog: daß es das Ich des Zarathustra war, das den Leib des salomonischen Jesusknaben verließ und in ihn einzog und in seinen leiblichen Hüllen schon wirkte, so daß beide Elemente sich in höchster Vollkommenheit nach und nach durchdrangen.
[ 4 ] We already know that, after the two boys had reached the age of about twelve, the I of Zarathustra departed, as sometimes happens in the occult processes of humanity’s earthly development. It departed from the body of the Jesus-boy of the Solomonic line, which subsequently died, and passed into the physical form of the other Jesus-boy. The Gospel of Luke alludes to this by recounting how this Jesus-boy then sat among the scribes, gave his astonishing answers, and was scarcely recognized by his own parents. Thus, from the age of twelve onward, we have that young Jesus with the genius of the heart, who had, as it were, united within himself the sum of all human gifts pertaining to feeling and disposition; we have the union of the I of Zarathustra with this boy Jesus, who, however, at that time did not yet know what was taking place within him: that it was the I of Zarathustra that left the body of the Solomonic boy Jesus and entered into him, and was already at work within his physical form, so that both elements gradually permeated one another in the highest perfection.
[ 5 ] Wir wissen auch, daß die leibliche Mutter des nathanischen Jesusknaben bald starb, ebenso der Vater des salomonischen Jesusknaben, und wir wissen, daß eine Familie wurde aus den beiden Familien, denen die zwei Jesusknaben entsprossen waren, so daß der nathanische Jesus aus der anderen Familie herüber Stiefgeschwister bekam und ihm die leibliche Mutter des salomonischen Jesusknaben zur Stief- oder Ziehmutter wurde. In dieser Familie wuchs er nun in Nazareth heran. Die außerordentliche Begabung, die er gezeigt hatte, als er im Tempel unter den Schriftgelehrten jene großen, gewaltigen Antworten gab, die alle in Erstaunen versetzte, das steigerte sich des weiteren. Es war etwas Wunderbares, was in der Seele dieses nathanischen Jesusknaben, in dem das Ich des Zarathustra enthalten war, vorging vom zwölften bis etwa zum achtzehnten Lebensjahre: Wie aus den untergründigen Tiefen seines Seelenlebens herauf kam etwas, was ein anderer Mensch in der damaligen Zeit nicht hat erleben können; eine ungeheure Reife des geistigen Urteils neben einer tiefen Ursprünglichkeit seiner seelischen Fähigkeiten machte sich geltend. Zum Staunen seiner Umgebung sprach zu seiner Seele immer deutlicher und deutlicher jene gewaltige göttliche Stimme aus den geistigen Regionen, welche man in den hebräischen Geheimlehren die große Bath-Kol nannte. Aber anders als zu den Schriftgelehrten, in erhabener Weise sprach zu diesem heranwachsenden Knaben die große Bath-Kol. Wie eine innere, wundersame Erleuchtung kam es herauf. So kam es herauf, daß schon in dieser Jugend der Jesus von Nazareth sich in trauriger Stimmung sagen konnte: Was ist aus der hebräischen Menschheit geworden seit jenen Zeiten, seit diese Menschheit die alten Propheten vernommen hat, jene alten Propheten, welche noch selber durch ihre Inspirationen und Intuitionen die geistigen Geheimnisse aus höheren Welten herabbekommen haben? — Da ging diesem Jesus von Nazareth durch innere Erleuchtung auf, daß einstmals eine innige Kommunikation zwischen den alten hebräischen Propheten und den göttlich-geistigen Mächten da war; daß die größten Geheimnisse sich den alten Propheten offenbarten durch die heilig-ernste Stimme der großen Bath-Kol. Aber anders waren die Zeiten geworden bis zu der Gegenwart, in der damals Jesus von Nazareth lebte. Gelehrte, Schriftgelehrte waren da, auch einige Propheten, die nur Nachklänge, schwache Nachklänge erfassen konnten von dem, was einstmals die großen Propheten als Offenbarung erhalten hatten. Aber alles das, was in der Gegenwart erreicht werden konnte, war nur ein Schatten der alten Lehren. Was aber in den Schriften aufbewahrt war als Tradition, von dem fühlte und spürte Jesus - der es nun erhielt durch seine unmittelbare innere Inspiration, durch Lichter, die in ihm von Tag zu Tag immer mehr und mehr aufglänzten, daß es zwar da war, aber daß die Gegenwart nicht mehr geeignet war, es zu verstehen. Gewaltig war sein Leben in diesen Inspirationen.
[ 5 ] We also know that the biological mother of the Nathanic Jesus boy died soon after, as did the father of the Solomonic Jesus boy, and we know that the two families from which the two Jesus boys had sprung became one family, so that the Nathanic Jesus gained step-siblings from the other family and the biological mother of the Solomonic Jesus boy became his stepmother or foster mother. He now grew up in this family in Nazareth. The extraordinary gift he had displayed when, in the temple among the scribes, he gave those great, powerful answers that astonished everyone, continued to grow. It was something wonderful that took place in the soul of this Nathanic Jesus boy, in whom the I of Zarathustra was contained, from the age of twelve to about eighteen: As if from the subterranean depths of his soul life, something arose that no other human being of that time could have experienced; an immense maturity of spiritual judgment, coupled with a profound originality of his soul’s faculties, made itself felt. To the amazement of those around him, that mighty divine voice from the spiritual realms—which in the Hebrew secret teachings was called the Great Bath-Kol—spoke to his soul ever more clearly. But unlike with the scribes, the Great Bath-Kol spoke to this growing boy in a sublime manner. It arose like an inner, wondrous illumination. Thus it came to pass that even in his youth, Jesus of Nazareth could say to himself in a sorrowful mood: What has become of the Hebrew people since those times, since this people heard the ancient prophets, those ancient prophets who themselves, through their inspirations and intuitions, received the spiritual mysteries from higher worlds? — Then it dawned on this Jesus of Nazareth through inner enlightenment that there had once been an intimate communication between the ancient Hebrew prophets and the divine-spiritual powers; that the greatest mysteries were revealed to the ancient prophets through the sacred and solemn voice of the great Bath-Kol. But times had changed by the present day in which Jesus of Nazareth lived. There were scholars and scribes, and also some prophets who could grasp only echoes—faint echoes—of what the great prophets had once received as revelation. But all that could be attained in the present was but a shadow of the ancient teachings. But as for what was preserved in the Scriptures as tradition, Jesus—who now received it through his direct inner inspiration, through lights that shone ever more brightly within him day by day—felt and sensed that while it was indeed there, the present time was no longer suited to understanding it. His life was powerful in these inspirations.
[ 6 ] Es ist ein ungeheuer starker Eindruck, den man bekommt, wenn man den geistigen Blick hinlenkt auf diese Stelle der Erdenentwickelung, wenn man das, was in uralten Zeiten gleichsam den urväterlichen Propheten geoffenbart war, wiederum aufleuchten sieht in der Seele des Jesus von Nazareth und sieht, wie einsam er dastand in der Menschheit, die ohne Verständnis war für das, was er erlebte. Er mußte sich sagen: Selbst wenn laut und vernehmlich die große BathKol vom Himmel spräche, es sind keine Menschen da, die sie verstehen könnten. Was ist aus der Menschheit geworden? — Das legte sich als gewaltiger Schmerz auf seine Seele. So sehen wir den Knaben heranwachsen ins Jünglingsalter hinein. Von Woche zu Woche stiegen ihm neue Erkenntnisse auf, aber jede neue Erkenntnis verknüpfte sich für ihn mit einem immer mehr und mehr sich vergrößernden Leid, mit tiefem, tiefem Schmerz über das, was die Menschheit verlernt, vergessen hat, was sie jetzt nicht mehr verstehen kann. Der ganze Niederstieg der Menschheit lud sich ab auf die Seele des Jesus von Nazareth. Man lernt mancherlei von Schmerz und Leid kennen, das Menschen auf der Welt zu erdulden haben, wenn man den geistigen Blick hinrichtet auf die Menschheitsevolution; aber ungeheuer ist der Eindruck, den man bekommt aus jener Seele heraus, die aus reinem Mitgefühl mit der Menschheit den höchstgesteigerten Schmerz, den konzentriertesten Schmerz empfand über den Niederstieg der Menschheit, über das, was die Menschheit nicht mehr fähig war aufzunehmen von dem, was für sie aus geistigen Welten bereitet war. Dieser Schmerz steigerte sich um so mehr, als in der ganzen Umgebung des Jesus von Nazareth zwischen seinem zwölften und achtzehnten Lebensjahr niemand war, mit dem er irgendwie darüber hätte sprechen können. Selbst die besten Schüler der großen Gelehrten wie Hillel verstanden das Große nicht, das sich in der Seele des Jesus von Nazareth offenbarte. Er war allein mit seinen Offenbarungen und allein mit seinem unendlichen, die Menschheit in grenzenlosem Mitgefühl umfassenden Schmerz. Diese Seelenstimmung möchte ich Ihnen vor allen Dingen charakterisieren in Jesus von Nazareth. Während er das alles innerlich durchlebte, während Welten sich abspielten in seinem Inneren, arbeitete er äußerlich anspruchslos im Geschäfte seines Vaters, das eine Art Schreinerhandwerk, Zimmermannshandwerk war. Und so reifte er heran bis zu seinem achtzehnten Lebensjahre. Dann sollte er nach dem Willen der Familie eine Art Wanderung durch die Welt machen, von Ort zu Ort ziehen, um da und dort eine Zeitlang zu arbeiten. So tat er es auch. Und damit kommen wir zu einer zweiten Epoche in der Jugend des Jesus von Nazareth, die etwa vom achtzehnten bis zum vierundzwanzigsten Lebensjahre dauerte.
[ 6 ] It is an immensely powerful impression one receives when one turns one’s spiritual gaze to this point in the Earth’s development, when one sees what was revealed in ancient times, as it were, to the primordial prophets, shining forth once more in the soul of Jesus of Nazareth, and sees how alone he stood among humanity, which had no understanding of what he was experiencing. He must have said to himself: Even if the great Bath Kol were to speak loudly and clearly from heaven, there are no people here who could understand it. What has become of humanity? — This weighed upon his soul as a tremendous pain. Thus we see the boy growing into young manhood. Week by week, new insights arose within him, but each new insight was linked for him to an ever-increasing suffering, to deep, deep pain over what humanity has unlearned, forgotten, and can no longer understand. The entire descent of humanity weighed upon the soul of Jesus of Nazareth. One comes to know many kinds of pain and suffering that people in the world must endure when one directs one’s spiritual gaze toward the evolution of humanity; but the impression one receives from that soul—which, out of pure compassion for humanity, felt the most intense pain, the most concentrated pain, over humanity’s descent, over what humanity was no longer able to receive of what had been prepared for it from the spiritual worlds—is immense. This pain intensified all the more because, in the entire circle surrounding Jesus of Nazareth between the ages of twelve and eighteen, there was no one with whom he could have spoken about it in any way. Even the best students of the great scholars like Hillel did not understand the greatness that was revealed in the soul of Jesus of Nazareth. He was alone with his revelations and alone with his infinite pain, which embraced humanity in boundless compassion. It is this state of mind that I would like to characterize for you above all else in Jesus of Nazareth. While he was living through all of this inwardly, while worlds were unfolding within him, outwardly he worked unassumingly in his father’s business, which was a kind of carpentry and joinery. And so he matured until he was eighteen years old. Then, according to the family’s wishes, he was to undertake a sort of journey through the world, moving from place to place to work here and there for a time. And so he did. And with that we come to a second phase in the youth of Jesus of Nazareth, which lasted from about the age of eighteen to twenty-four.
[ 7 ] Er zog herum an mancherlei Orten, Orten inner- und außerhalb Palästinas. In allerlei Gegenden der Heiden kam er; Juden und Heiden suchte er schon dazumal auf. Ein Eigenartiges konnte man bemerken in dieser Persönlichkeit, das immer zum Lehrreichsten gehören wird, wenn man versucht, die Geheimnisse der menschlichen Tiefen zu erforschen: Man konnte bemerken, daß der ungeheure Schmerz, den er in seiner Seele durchlebt hatte, sich verwandelte in ungeheure Liebe, wie er so oft es tut, wenn er selbstlos ist, in eine Liebe, die nicht nur durch Worte, sondern schon durch die bloße Gegenwart wirkt. Wenn er in die Familien eintrat, in deren Mitte er arbeiten sollte, so wußte man durch die Art, wie er sich gab, durch die Art, wie er eben war, daß die Liebe, die überhaupt nur aus einem Menschen kommen kann, aus dieser Seele herausstrahlte; eine Liebe, die allen wohl tat, in deren Atmosphäre alle leben wollten, die sie gewahrten. Und diese Liebe war verwandelter Schmerz, war die Metamorphose des Schmerzes. Vieles trug sich zu, was bei den Leuten, in deren Mitte er lebte, den Eindruck hervorrief, daß man es mit einem Menschen zu tun habe, wie er noch niemals über die Erde gewandelt war. Bei Tag arbeitete er; abends versammelten sich die Familien an den Orten, wo er arbeitete und da war er unter ihnen. Alles was von seiner Liebe ausstrahlen konnte, lebte in solchen Familien. Man glaubte mehr als einen bloßen Menschen vor sich zu haben, wenn er seine einfachen Worte sprach, die aber durchtränkt waren von dem, was er vom zwölften bis zum achtzehnten Lebensjahre durchlebt hatte. Und dann, wenn er wiederum weggezogen war von dem Orte, dann war es in diesen Familien, wenn sie sich zusammensetzten, so als ob sie ihn noch unter sich fühlten, wie wenn er gar nicht weg wäre. Man fühlte seine Gegenwart noch immer. Ja, es kam immer wieder und wiederum vor, daß alle zusammen eine reale Vision hatten: Während sie von dem sprachen, was er gesagt hatte, während sie innerlich frohlockten in dem, was sie nachfühlten von seiner Gegenwart, sahen sie, wie er zur Türe hereinkam, sich unter ihnen niedersetzte, fühlten seine liebe Gegenwart, hörten ihn sprechen. Er war nicht da in physischer Gegenwart, aber eine allen gemeinsame Vision war da.
[ 7 ] He traveled to many different places, both within and outside of Palestine. He went to all sorts of regions inhabited by Gentiles; even back then, he sought out both Jews and Gentiles. One could observe something peculiar in this personality, something that will always be among the most instructive when one attempts to explore the mysteries of the human depths: One could observe that the immense pain he had experienced in his soul was transformed into immense love—as it so often does when it is selfless—into a love that works not only through words but through mere presence alone. When he entered the families among whom he was to work, one knew from the way he carried himself, from the way he simply was, that the love which can come only from a human being radiated from this soul; a love that did everyone good, in whose atmosphere all who perceived it wanted to live. And this love was transformed pain, was the metamorphosis of pain. Many things took place that gave the people among whom he lived the impression that they were dealing with a human being unlike any who had ever walked the earth. By day he worked; in the evenings the families gathered at the places where he worked, and there he was among them. Everything that could radiate from his love lived in such families. People believed they were in the presence of more than a mere human being when he spoke his simple words, which were, however, imbued with what he had lived through from the age of twelve to eighteen. And then, when he had moved away from that place again, it was as if, when these families gathered together, they still felt him among them, as if he had not left at all. One still felt his presence. Yes, it happened again and again that they all had a real vision together: while they spoke of what he had said, while they rejoiced inwardly in what they sensed of his presence, they saw him come in through the door, sit down among them, felt his loving presence, heard him speak. He was not there in physical presence, but a vision shared by all was there.
[ 8 ] So bildete sich allmählich in vielen Gegenden eine Gemeinsamkeit heraus zwischen Jesus von Nazareth und den Leuten, mit denen er in Berührung kam im Laufe der Jahre. Und überall erzählte man von dem Manne der großen Liebe. Mancherlei bezog man auf ihn, was in den heiligen Schriften stand. Die Schriften verstand man zwar nicht, auch ihn verstand man wenig mit dem Verstand; aber mit dem Herzen erfühlte man um so inniger seine Liebe, das Außerordentliche seines Daseins und seiner Wirkung. Er kam nicht nur in hebräische, sondern auch in heidnische Gegenden, auch außerhalb Palästinas. Sein Weg führte ihn merkwürdigerweise auch in solche heidnische Gegenden, wo die heidnischen Lehren in den Niedergang gekommen waren. Manche heidnische Orte lernte er kennen, deren alte Kultstätten verfallen waren.
[ 8 ] Thus, in many regions, a sense of kinship gradually developed between Jesus of Nazareth and the people he came into contact with over the years. And everywhere, people spoke of the man of great love. Many passages from the Holy Scriptures were attributed to him. Although people did not understand the Scriptures, nor did they fully grasp him with their minds, they felt his love all the more deeply in their hearts, along with the extraordinary nature of his existence and his influence. He traveled not only to Hebrew regions but also to pagan areas, even beyond Palestine. Curiously, his path also led him to those pagan regions where pagan teachings had fallen into decline. He came to know many pagan places whose ancient places of worship had fallen into ruin.
[ 9 ] Und da kam er eines Tages in einen Ort, der besonders unter dem Verfall der alten heidnischen Kultstätten, der alten heidnischen Priesterschaft gelitten hatte. Die heidnischen Kultstätten waren ja ein äußerer Abdruck dessen, was da oder dort in den Mysterien gepflegt worden war. Die Zeremonien in den Kultstätten waren Abbilder der Mysteriengeheimnisse. Aber das alles war im Niedergang begriffen, war in vielen Gegenden verfallen. Da kam denn Jesus von Nazareth an eine Kultstätte, wo auch die äußeren Bauanlagen aus ihm unbekannten Gründen in Verfall geraten waren. Ich weiß heute noch nicht, an welchem Orte diese Kultstätte war. Leider ist es nicht möglich gewesen, den Ort nach genauer Lage und Namen in der AkashaChronik zu ermitteln; aus irgendeinem Grunde ist der Eindruck des Ortes sozusagen auf der Landkarte der Erde verwischt. Was ich Ihnen erzähle, ist absolut richtig beobachtet, wie ich meine, nur ist es nicht möglich, den Ort anzugeben; aus irgendwelchem Grunde ist er nicht aufzufinden. Aber es war ein heidnischer Ort, eine verfallene Kultstätte, ringsherum das Volk traurig und krank und mit allerlei Krankheiten und Mühsalen beladen. Weiles beladen war mit solchen Krankheiten und Mühsalen, war die Priesterschaft fortgezogen, war geflohen. Die Kultstätte war verfallen. Das Volk fühlte sich unglücklich, weil seine Priester es verlassen hatten. Ein ungeheures Elend war da, als Jesus in dieser heidnischen Kultstätte einzog. Als er herannahte, wurde er von einigen bemerkt und gleich ging es wie ein Lauffeuer durch das Volk: Da zieht einer heran, der uns helfen kann! Denn durch das, was als Kraft von seiner Liebe, die schon zu einer Art heiligender Liebe geworden war, ausstrahlte, fühlten die Menschen, wie wenn jemand Besonderer herankäme, wie wenn ihnen der Himmel selber geschickt hätte wiederum einen ihrer Kultpriester. In großen Scharen strömten sie zusammen; sie hofften, daß nun wiederum ihr Kult verrichtet werden könne. Jesus von Nazareth war nicht geneigt, den heidnischen Kult zu verrichten, wie das ja begreiflich ist; aber als er sich die Leute ansah mit seinen jetzt schon bis zu einer Art von Hellsehertum gesteigerten Blick, der aus Schmerz und Liebe geboren war, ging ihm schon etwas auf von dem Wesen des Verfalls des Heidentums. Da lernte er eben das Folgende erkennen. Er wußte: In uralten Zeiten, in denen einstmals die noch guten Priester gedient und geopfert haben, da neigten sich an diesen Kultstätten herab zu den heidnischen Opfern und Kulthandlungen gute geistige Wesenheiten aus der Sphäre der höheren Hierarchien. Aber nach und nach - das ging ihm auf- war das Heidentum verfallen. Während früher die Ströme der Barmherzigkeit und Gnade der guten, von den Heiden verehrten Götter auf die Opferaltäre herabgesendet wurden und sich verbanden mit dem Opfer, waren jetzt Dämonen, Sendlinge von Ahriman und Luzifer herabgekommen. Die schaute er unter dem Volke und er erkannte, daß diese dämonischen Wesenheiten eigentlich die Ursache der bösen Krankheiten waren, die unter dem Volke wüteten, das ihn jetzt in tiefster Seele erbarmte. Und als er diese geheimnisvollen Zusammenhänge wahrgenommen, als er so hinter das Geheimnis des niedergehenden Heidentums kam, fiel er wie tot hin. Furchtbar wirkte dieser Vorgang auf das Volk, das glaubte, ein vom Himmel gekommener Priester sei da. Es sah nun den Menschen hinfallen und floh, floh verstört hinweg von dem Orte, zu dem es noch eben hingeströmt war. Mit dem letzten Blicke, den er noch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein hinrichtete auf das fliehende Volk, sah Jesus von Nazareth mit dem Volke fliehen die Dämonen; aber noch immer umgaben ihn andere Dämonen. Dann trat das alltägliche Bewußtsein zurück und er fühlte sich wie hinauf entrückt in eine höhere geistige Welt, aus der einstmals der Gnadesegen der Heidengötter geflossen war, die mit den Opfern sich vereinigt hatten. Und so, wie er sonst die Stimme der großen Bath-Kol vernommen hatte, so vernahm er jetzt die Klänge aus den göttlich-geistigen Reichen, aus jenen Hierarchien, welchen die heidnischen guten Götter angehörten. Menschliche Uroflenbarung vernahm er in diesem entrückten Zustand.
[ 8 ] Thus, in many regions, a sense of kinship gradually developed between Jesus of Nazareth and the people he came into contact with over the years. And everywhere, people spoke of the man of great love. Many passages from the Holy Scriptures were attributed to him. Although people did not understand the Scriptures, nor did they fully grasp him with their minds, they felt his love all the more deeply in their hearts, along with the extraordinary nature of his existence and his influence. He traveled not only to Hebrew regions but also to pagan areas, even beyond Palestine. Curiously, his path also led him to those pagan regions where pagan teachings had fallen into decline. He came to know many pagan places whose ancient places of worship had fallen into ruin.
[ 10 ] Ich habe versucht, in deutsche Worte zusammenzufassen, was er da hörte; so gut es mir möglich war, das wiederzugeben, was er gehört hat. Und charakteristisch ist es: Es war mir möglich, diese Worte zuerst bei der Grundsteinlegung unseres Dornacher Baues mitzuteilen. Es ist wie das umgekehrte christliche Vaterunser, das er dann erst viel später selber zu offenbaren hatte in der bekannten Art. Jetzt aber wirkte es auf ihn so, wie es einstmals vor dem Beginne der Erdenentwickelung hätte geoffenbart werden können als kosmisches Vaterunser. So klingt es, wenn man es in deutsche Worte überträgt:
[ 10 ] I have tried to summarize in German what he heard there; to convey, as best I could, what he heard. And it is significant: I was able to share these words for the first time at the laying of the cornerstone for our building in Dornach. It is like the reverse of the Christian Lord’s Prayer, which he himself was to reveal much later in the familiar form. But now it had the same effect on him as it might once have had before the beginning of Earth’s evolution, had it been revealed as a cosmic Lord’s Prayer. This is how it sounds when translated into German:
Amen
Es walten die Übel
Zeugen sich lösender Ichheit
Von andern erschuldete Selbstheitschuld
Erlebet im täglichen Brote
In dem nicht waltet der Himmel Wille
In dem der Mensch sich schied von Eurem Reich
Und vergaß Euren Namen
Ihr Väter in den Himmeln.
Amen
Evil reigns
Witnessing the dissolution of the self
Guilt of selfhood blamed on others
Experienced in our daily bread
In which the will of Heaven does not reign
In which man has separated himself from Your Kingdom
And forgotten Your name
You Fathers in Heaven.
[ 11 ] Also so:
[ 11 ] Like this:
Amen
Es walten die Übel
Zeugen sich lösender Ichheit
Von andern erschuldete Selbstheitschuld
Erlebet im täglichen Brote
In dem nicht waltet der Himmel Wille
In dem der Mensch sich schied von Eurem Reich
Und vergaß Euren Namen
Ihr Väter in den Himmeln.
Amen
Evil reigns
Witnessing the dissolution of the self
Guilt of selfhood blamed on others
Experienced in our daily bread
In which the will of Heaven does not reign
In which man has separated himself from Your Kingdom
And forgotten Your name
You Fathers in Heaven.
[ 12 ] Was so aus den Regionen, aus denen einstmals die Götter der Heiden gewirkt hatten, zu ihm sprach, war ihm wie eine große, gewaltige Offenbarung. Diese Worte, die sich zunächst einfach anhören, enthalten in der Tat das Geheimnis des ganzen Eingekörpertseins. des Menschen in die physisch-irdische Leiblichkeit, das Verbundensein mit der physischen Erdenleiblichkeit. Dieses Geheimnis enthalten sie. Man kommt immer mehr und mehr darauf, wie ich mich selbst überzeugt habe durch nach und nach erfolgende Meditation dieser Worte, zu erleben, welch ungeheure Tiefen in diesen Worten enthalten sind. Man möchte sagen, der ganze uralte heidnische Himmel, der sich in diesem Geheimnis der Menschheitwerdung wie in einem makrokosmischen Vaterunser aussprach, wirkte dazumal auf den hingefallenen Jesus von Nazareth, der in einem entrückten Zustand war. Und als er wieder zu sich kam, da sah er noch die letzten entfliehenden Dämonen, die an die Stelle der alten guten heidnischen Götter getreten waren, sah in weiter Ferne das Volk fliehen. Er aber hatte zu dem Schmerz, den er erlitten hatte durch die Oflfenbarungen der Bath-Kol, für die die Menschheit nicht mehr reif war, nun den zweiten Schmerz erlitten dadurch, daß er erkennen mußte: Auch das, was einstmals zu dem Heidentum gesprochen hatte, auch das, was göttlich-geistige Oftenbarungen für das Heidentum waren, ist im Niedergang begriffen. Wenn auch alle Stimmen der Himmel heute ertönen würden: die Menschheit hätte nicht die Fähigkeit, sie aufzunehmen. — So mußte er sich sagen.
[ 12 ] What spoke to him from those regions where the pagan gods had once worked seemed to him like a great and mighty revelation. These words, which at first sound simple, in fact contain the mystery of the whole process of incarnation—of the human being’s embodiment in physical, earthly corporeality, of the connection with physical, earthly corporeality. They contain this mystery. One comes to realize more and more—as I have convinced myself through gradual meditation on these words—what immense depths are contained within them. One might say that the entire ancient pagan heaven, which expressed itself in this mystery of the Incarnation as in a macrocosmic Lord’s Prayer, was at work at that time upon the fallen Jesus of Nazareth, who was in a state of rapture. And when he came to his senses again, he saw the last fleeing demons, who had taken the place of the old, good pagan gods, and saw the people fleeing in the distance. But to the pain he had suffered through the revelations of the Bath-Kol, for which humanity was no longer ready, he had now suffered a second pain in that he had to recognize: Even that which had once spoken to paganism, even that which were divine-spiritual revelations for paganism, is now in decline. Even if all the voices of heaven were to resound today, humanity would not have the capacity to receive them. — So he had to tell himself.
[ 13 ] Es ist ein ungeheurer Eindruck, zu sehen, wieviel Schmerz notwendig war, der aufgehäuft werden mußte in einer Seele, damit das Mysterium von Golgatha vorbereitet werden konnte. Der Eindruck ist ein ungeheurer, zu erkennen durch diese Dinge, welch ein Schmerz einfließen mußte in jenen Impuls, den wir den Christus-Impuls für die weitergehende Erdenentwickelung nennen. So hatte Jesus auch das Wesen des Heidentums und das Wesen seines Verfalls kennengelernt.
[ 13 ] It is a profound experience to see how much suffering had to be accumulated within a soul in order for the Mystery of Golgotha to be prepared. It is a profound impression to realize, through these things, what pain must have flowed into that impulse which we call the Christ impulse for the further development of the Earth. Thus Jesus had also come to know the essence of paganism and the essence of its decline.
[ 14 ] Als er etwa vierundzwanzig Jahre alt geworden war, begab er sich nach Hause; es war ungefähr um dieselbe Zeit, da sein leiblicher Vater starb. Mit seinen Geschwistern, die alle seine Stiefgeschwister waren, und seiner Zieh- oder Stiefmutter war er nun allein. Jetzt stellte sich etwas Eigentümliches ein: Nach und nach entflammte die Liebe und das Verständnis der Stief- oder Ziehmutter für ihn immer mehr und mehr, während die Geschwister ihn nicht verstanden. Es keimte in ihr etwas wie ein Genie des Herzens auf. Sie konnte mit ihrem Gemüt den Einsamen, der das Leid der Menschheit in sich trug, nach und nach — wenn auch nur nach und nach - verstehen, während sich die Brüder nicht daran kehrten.
[ 14 ] When he was about twenty-four years old, he returned home; it was around the same time that his biological father died. He was now alone with his siblings—all of whom were his step-siblings—and his foster or stepmother. Then something peculiar began to happen: Little by little, his stepmother’s love and understanding for him grew ever deeper, while his siblings did not understand him. Something like a genius of the heart began to sprout within her. With her heart, she was able to gradually—albeit only little by little—understand the lonely one who carried the suffering of humanity within him, while his brothers paid no heed.
[ 15 ] Zunächst aber sollte er noch etwas anderes kennenlernen: die Gemeinschaft, die ihm sozusagen den dritten Aspekt des Verfalls der Menschheit zeigte. Er sollte kennenlernen die Essäergemeinschaft. Diese Essäergemeinschaft, die ihren Hauptsitz am Toten Meer hatte, war damals in der Welt weit verbreitet. Sie war ein strenger, in sich geschlossener Orden, der anstrebte, durch ein gewisses geregeltes, entsagungsvolles Leben wieder hinaufzudringen zu jenen Stufen, über die die Menschheit bei ihrem Verfalle herabgestiegen war; durch Übungen der Seele hinaufzukommen zu jener Seelenhöhe, auf der wiederum etwas vernommen werden konnte von — gleichgültig, ob man es nun im jüdischen Sinne nennt die große Bath-Kol oder im heidnischen Sinne die alte Offenbarung. Durch strenge Trainierung der Seele und Abgeschlossenheit von dem, was sonst die Menschheit pflegte, wollten die Essäer das erreichen. Was sie erstrebten, hatte viele angezogen. Sie hatten mancherlei Besitzungen weithin über das Land. Wer Essäer werden wollte, mußte das, was er ererbt hatte oder noch ererben konnte, dem gemeinschaftlichen Besitz übergeben. Niemand durfte Eigentum für sich behalten. Viele Essäer hatten da oder dort ein Haus oder Landgut, das sie dem Orden verschrieben. Der hatte dadurch überall seine Niederlassungen zerstreut in den vorderasiatischen Gegenden, namentlich in Palästina, auch in Nazareth. Alles mußte Gemeingut sein. Große Wohltaten verrichtete der Essäerorden. Niemand besaß etwas für sich. Jeder durfte von dem gemeinsamen Besitz weggeben an jeden, den er für einen armen oder bresthaften Menschen hielt. Durch Übungen der Seele kam man zu einer gewissen Heilkraft, die ungeheuer wohltätig wirkte. Einen Grundsatz hatten sie, der heutzutage unmöglich wäre, der aber damals streng innegehalten wurde: Jeder konnte aus dem gemeinsamen Vermögen die Menschen, die er für würdig hielt, unterstützen, niemals aber seine Verwandten. Losgetrennt mußte er sich haben von all den Sinnesbanden, die mit der äußeren Welt zusammenhängen.
[ 15 ] First, however, he was to learn about something else: the community that, so to speak, revealed to him the third aspect of humanity’s decline. He was to learn about the Essene community. This Essene community, which had its headquarters at the Dead Sea, was widespread throughout the world at that time. It was a strict, self-contained order that sought, through a certain disciplined, ascetic life, to ascend once more to those levels from which humanity had descended during its decline; to ascend through exercises of the soul to that spiritual height where once again something could be perceived of—whether one calls it, in the Jewish sense, the great Bath-Kol, or in the pagan sense, the ancient Revelation. Through rigorous training of the soul and seclusion from what humanity otherwise practiced, the Essenes sought to achieve this. What they strove for had attracted many. They had various properties scattered far and wide across the land. Anyone who wished to become an Essene had to surrender what he had inherited or might yet inherit to the communal property. No one was allowed to keep property for himself. Many Essenes had a house or estate here or there, which they dedicated to the order. As a result, the order had its settlements scattered throughout the regions of the Near East, particularly in Palestine, and also in Nazareth. Everything had to be communal property. The Essene order performed great acts of charity. No one owned anything for themselves. Everyone was permitted to give from the communal property to anyone they considered to be poor or in need. Through spiritual exercises, one attained a certain healing power that had an immensely beneficial effect. They had a principle that would be impossible today but was strictly observed at the time: anyone could use the common funds to support people they deemed worthy, but never their relatives. One had to detach oneself from all the sensory ties connected to the external world.
[ 16 ] Jesus von Nazareth war wie Johannes, den er bei den Essäern flüchtig kennenlernte, nicht eigentlich ein Essäer geworden; aber durch das Ungeheure, was seine Seele barg, behandelte man ihn in dem Orden mit großem Vertrauen. Vieles was sonst nur Angehörigen der höheren Grade eigen war, besprach man mit ihm im Vertrauen auf die Art, wie seine Seele wirkte. So lernte er erkennen, wie sie auf einem steilen Wege wiederum hinaufstrebten zu den Höhen, aus denen die Menschen herabgestiegen waren. So konnte es ihm oftmals scheinen, als ob er sich hätte sagen können: Ja, es gibt noch Menschen unter uns, die wiederum hinaufsteigen zu dem, was einstmals der Menschheit in Urzeiten geoffenbart worden war, was aber die Menschheit im allgemeinen heute nicht versteht.
[ 16 ] Like John, whom he had met briefly among the Essenes, Jesus of Nazareth had not actually become an Essene; but because of the immense power his soul possessed, the order treated him with great trust. Much that was otherwise reserved for members of the higher ranks was discussed with him in confidence, based on the way his soul worked. Thus he came to recognize how they were once again striving upward along a steep path toward the heights from which humanity had descended. Thus it often seemed to him as if he could have said to himself: Yes, there are still people among us who are once again ascending to that which was once revealed to humanity in primeval times, but which humanity in general does not understand today.
[ 17 ] Da hatte er einstmals, nachdem er eben ein tiefgehendes Gespräch über die Weltengeheimnisse innerhalb der Essäergemeinschaft gehabt hatte, einen großen, gewaltigen Eindruck. Als er wegging durch das Tor hinaus, da sah er in einer Vision zwei Gestalten. Als Ahriman und Luzifer erkannte er sie und er sah sie von den Essäertoren hinwegfliehen. In die übrige Menschheit hinein, wußte er, fliehen sie. Solch einen Anblick hatte er nunmehr öfters. Es war bei den Essäern der Brauch, daß sie nicht durch die gewöhnlichen Tore einer Stadt oder eines Hauses der damaligen Zeit gehen durften, die irgendwie mit Bildwerken geschmückt waren. Vor solchen Toren mußten sie wieder umkehren. Da aber die Essäer in großer Zahl waren — es lebten so viele Essäer wie Pharisäer damals in Palästina -, so hatte man Rücksicht auf sie genommen und ihnen eigene, ganz einfache Tore gebaut. Die Essäer durften also durch kein Tor gehen, das irgendwelche Bildnisse aufwies. Das hing mit ihrer ganzen Seelenentwickelung zusammen. Daher gab es eben besondere Essäertore in den Städten. Jesus von Nazareth war des öfteren durch solche Essäertore gegangen. Immer sah er, wie da Luzifer und Ahriman in einer die Menschheit besonders bedrohenden Weise sich von den Toren entfernten. Ja, sehen Sie, wenn man solche Dinge theoretisch kennenlernt, machen sie gewiß schon Eindruck; wenn man sie aber so kennenlernt, wie man sie kennenlernen kann durch den Blick in die Akasha-Chronik, wenn man wirklich die Gestalten des Luzifer und Ahriman unter solchen Bedingungen sieht, wie sie Jesus von Nazareth gesehen hat, dann macht das noch einen ganz anderen Eindruck. Dann beginnt man, nicht nur mit dem bloßen Intellekt, mit dem Verstand, sondern mit der ganzen Seele tiefste Geheimnisse zu erfassen, die man nicht nur weiß, die man erlebt, mit denen man eins ist.
[ 17 ] Once, after having just had a profound conversation about the mysteries of the world within the Essene community, he was deeply moved. As he walked out through the gate, he saw two figures in a vision. He recognized them as Ahriman and Lucifer, and he saw them fleeing from the Essene gates. He knew they were fleeing into the rest of humanity. He now had such visions frequently. It was the custom among the Essenes that they were not allowed to pass through the ordinary gates of a city or a house of that time that were adorned in any way with images. They had to turn back before such gates. But since the Essenes were numerous—there were as many Essenes as Pharisees living in Palestine at that time—consideration had been shown to them, and very simple gates of their own had been built for them. The Essenes were therefore not allowed to pass through any gate that displayed any images. This was connected to their entire spiritual development. That is why there were special Essene gates in the cities. Jesus of Nazareth had often passed through such Essene gates. He always saw how Lucifer and Ahriman moved away from the gates in a way that was particularly threatening to humanity. Yes, you see, when one learns about such things theoretically, they certainly make an impression; but when one comes to know them as one can through a glimpse into the Akashic Records, when one truly sees the figures of Lucifer and Ahriman under the same conditions as Jesus of Nazareth saw them, then it makes a very different impression indeed. Then one begins to grasp the deepest mysteries not merely with the intellect, with the mind, but with the whole soul—mysteries that one does not merely know, but experiences, and with which one is one.
[ 18 ] Ich kann nur mit armen Worten stammeln, was sich jetzt als ein dritter großer Schmerz auf die Seele des Jesus ablud: Er erkannte, daß es in seiner Zeit für einzelne Individuen zwar möglich war, sich abzusondern und höchste Einsicht zu erreichen, aber nur, wenn die übrige Menschheit um so mehr abgeschnitten wird von aller Entwickelung der Seele. Auf Kosten der übrigen Menschheit suchen solche Menschen, so sagte er sich, die Vervollkommnung ihrer Seele, und weil sie eine solche Entwickelung anstreben, durch die Luzifer und Ahriman nicht an sie herankommen können, so müssen diese fliehen. Aber indem diese einzelnen Menschen loskommen, fliehen Luzifer und Ahriman zu den anderen Menschen hin. Diese werden um so mehr in die Dekadenz gestürzt, je mehr solche Menschen in ihrer Absonderung hoch hinaufkommen. Das war allerdings ein furchtbarer Eindruck für Jesus von Nazareth, der ungeteiltes Mitleid mit allen Menschen fühlte, der nicht ohne den tiefsten, allertiefsten Schmerz empfinden konnte, daß einzelne in ihrer Seelenentwickelung steigen sollten auf Kosten der allgemeinen Menschheit. So bildete sich ihm die Vorstellung: Luzifer und Ahriman erhalten in der allgemeinen Menschheit eine immer größere Macht gerade dadurch, daß einzelne die Reinen, die Essäer sein wollen. Das war der dritte große Schmerz, sogar der furchtbatste Schmerz; denn jetzt entlud sich in seiner Seele manchmal etwas wie Verzweiflung an dem Schicksal der Erdenmenschheit. Das Geheimnis dieses Schicksals der Erdenmenschheit kam furchtbar über ihn. Er trug dieses Schicksal der Welt zusarmmengedrängt in seiner eigenen Seele.
[ 18 ] I can only stammer out in feeble words what now weighed upon the soul of Jesus as a third great sorrow: He realized that in his time it was indeed possible for individual human beings to withdraw from the world and attain the highest insight, but only if the rest of humanity was all the more cut off from any development of the soul. At the expense of the rest of humanity, such people, he told himself, seek the perfection of their souls, and because they strive for a development through which Lucifer and Ahriman cannot reach them, these must flee. But as these individual people break free, Lucifer and Ahriman flee toward the other people. The more such people rise high in their isolation, the more the rest of humanity is plunged into decadence. This was indeed a terrible realization for Jesus of Nazareth, who felt undivided compassion for all people, who could not help but feel the deepest, deepest pain at the thought that individuals should rise in their soul’s development at the expense of humanity as a whole. Thus the idea formed in him: Lucifer and Ahriman gain ever greater power within humanity precisely because some individuals wish to be the Pure Ones, the Essenes. This was the third great pain, indeed the most terrible pain; for now something like despair at the fate of humanity on Earth sometimes welled up in his soul. The mystery of this fate of humanity on Earth came upon him with terrible force. He carried this fate of the world, compressed within his own soul.
[ 19 ] So war es etwa in seinem neunundzwanzigsten, dreißigsten Lebensjahre, so war es, nachdem die Mutter, die seine Stief- oder Ziehmutter war, immer mehr und mehr ein Gemütsverständnis für ihn erlangt hatte, daß er einmal, als sie gegenseitig fühlten, daß die Seelen sich verstehen konnten, in ein Gespräch mit dieser Stief- oder Ziehmutter kam, in jenes, für die Entwickelung der Menschheit so unendlich bedeutungsvolle Gespräch. Jetzt, während dieses Gespräches, wurde Jesus von Nazareth gewahr, wie er wirklich in das Herz der Stiefmutter hineingießen konnte, was er seit seinem zwölften Lebensjahre erlebt hatte. Jetzt konnte er allmählich ihr gegenüber in Worte fassen, was er durchgemacht hatte. Und er tat es. Er erzählte, was er gegenüber dem Verfalle des Juden- und des Heidentums, gegenüber den Essäern, gegenüber der Einsiedelei der Essäer gefühlt hatte. Und es war so, daß diese Worte, die aus der Seele des Jesus zur Seele der Stief- oder Ziehmutter hinübergingen, nicht wirkten wie gewöhnliche Worte, sondern so, als ob er jedem seiner Worte etwas hätte von der ganzen Kraft seiner Seele mitgeben können. Sie waren beflügelt von dem, was er gelitten hatte, was unmittelbar aus seinem Leid an Liebe, an Heiligkeit der Seele geworden war. Verbunden war er selbst mit diesem seinem Leid, seiner Liebe, so daß etwas von seinem Selbst auf den Flügeln seiner Worte hinüberschwebte in das Herz, in die Seele dieser Stief- oder Ziehmutter.
[ 19 ] This was the case, for example, when he was in his late twenties and early thirties, it was after his mother—who was his stepmother or foster mother—had come to understand him more and more deeply that, one day, when they both sensed that their souls could understand one another, he entered into a conversation with this stepmother or foster mother—that conversation of such infinite significance for the development of humanity. Now, during this conversation, Jesus of Nazareth realized how he could truly pour into his stepmother’s heart what he had experienced since the age of twelve. Now he was gradually able to put into words for her what he had gone through. And he did so. He told her what he had felt regarding the decline of Judaism and paganism, regarding the Essenes, and regarding the Essenes’ hermitage. And it was so that these words, which passed from the soul of Jesus to the soul of his stepmother or foster mother, did not seem like ordinary words, but as if he had been able to imbue each of his words with some of the full power of his soul. They were inspired by what he had suffered, by what had directly emerged from his suffering as love, as the sanctity of the soul. He himself was so united with this suffering of his, with this love of his, that something of his very self floated on the wings of his words into the heart, into the soul of this stepmother or foster mother.
[ 20 ] Und dann, nachdem er erzählt hatte das, was er so durchlebt hatte, da brachte er noch etwas vor, was sich ihm als Erkenntnis ergeben hatte und was ich jetzt zusammenfassen will in Worte, die wir in der Geisteswissenschaft gewonnen haben. Es wird dadurch allerdings das, was Jesus von Nazareth zu seiner Stief- oder Ziehmutter gesagt hat, nur seinem eigentlichen Sinne nach getreu gesagt werden, die Worte werde ich aber so wählen, daß Sie sie leichter verstehen können, als wenn ich unmittelbar in deutschen Worten stammle, was sich mir aus Bildern der Akasha-Chronik ergab. Jesus von Nazareth sprach zu seiner Stief- oder Ziehmutter, wie ihm an all seinem Schmerz aufgegangen war das Geheimnis der Menschheitsentwickelung, wie die Menschheit sich entwickelt hatte. So sagte er zu ihr: Ich habe erkannt, daß einstmals die Menschheit durchgemacht hat eine uralte Epoche, in der sie, ihr unbewußt, in frischester Kindeskraft die höchsten Weisheiten empfangen hat. — Er deutete mit diesen Worten an, was wir in der Geisteswissenschaft bezeichnen als die erste nachatlantische Kulturepoche, wo die heiligen Rishis des alten indischen Volkes ihre großen, gewaltigen Weistümer an die Menschheit heranbringen konnten. Aber diese Weistümer, sie sah Jesus von Nazareth so, daß er sich sagen konnte: Wie waren diese Weistümer von den heiligen Rishis aufgenommen worden, welche Kräfte waren in den Seelen der Rishis und im ganzen uralt indischen Volk tätig? Es waren Kräfte, die sonst nur in der Kindheit, zwischen der Geburt und dem siebenten Jahre im Kinde walten, die dann absterben für die Einzelmenschen, damals aber ergossen waren über die gesamten menschlichen Altersstufen. Dadurch, daß ausgebreitet waren über das gesamte menschliche Alter die Kindheitskräfte, dadurch flossen inspirierend, intuitierend diese uralten heiligen göttlichen Wahrheiten hernieder in das menschliche Gemüt. Aber mit dieser ersten Epoche der Menschheit in der nachatlantischen Zeit, die wir als die altindische Kulturepoche bezeichnen, die Jesus von Nazareth seiner Mutter gegenüber verglich mit dem ersten Kindesalter, mit dem Vorübergehen dieser Epoche war auch die Möglichkeit vorübergegangen, die Kräfte der Kindheit bis ins spätere Alter hinauf noch zu bewahren. Sie schwanden dahin und daher war die Menschheit nicht mehr imstande, das was ihr einstmals geoffenbart worden war, jetzt in sich aufzunehmen und sich das zu erhalten. Weiter sprach Jesus von Nazareth davon, daß dann eine Epoche folgte, welche sich vergleichen lasse mit dem menschlichen Alter vom siebenten bis zum vierzehnten Lebensjahr, wo aber die Kräfte, die sonst nur vom siebenten bis zum vierzehnten Lebensjahre da sind, über das ganze Menschenleben ausgegossen waren, so daß die Menschen sie noch als Greise erlebten. Dadurch daß das der Fall war, daß noch spätere Altersstufen von diesen Kräften durchsetzt sein konnten, war es möglich in dieser zweiten, der urpersischen Epoche, jene Weistümer zu erlangen, die wir als die ZarathustraWeistümer anerkennen, die Jesus von Nazareth jetzt von der Menschheit durch Unverständnis zurückgewiesen sah. Über die dritte Epoche, in die Jesus von Nazareth zurückblicken konnte und von der er jetzt zu seiner Mutter sprach, war ausgegossen über alle Menschenalter das, was sonst zwischen dem vierzehnten und dem einundzwanzigsten Jahre erlebt wird, so daß die Menschen noch mit fünfzig, sechzig Jahren die Kräfte hatten, die sonst nur bis zum einundzwanzigsten Lebensjahre wirken. Dadurch waren erlangbar für diese dritte Epoche jene bedeutenden Wissenschaften vom Wirken der Natur, die wir so bewundern, wenn wir eindringen in die ägyptische, in die uralt chaldäische Wissenschaft, eindringen in die wahren Grundlagen ihres astrologischen Wissens, jenes tiefen Wissens, das nicht bloß von der Erde, sondern von den Weltgeheimnissen handelt in ihrer Wirkung auf die Menschen, und wovon die spätere Menschheit nur noch wenig verstehen konnte. Aber auch das dritte Zeitalter erblickte Jesus von Nazareth dahinschwindend. So wie der einzelne Mensch alt wird, sagte er, so ist die Menschheit älter geworden.
[ 20 ] And then, after he had recounted what he had gone through, he brought up something else that had become clear to him, which I will now summarize in terms derived from spiritual science. This will, however, only convey the true meaning of what Jesus of Nazareth said to his stepmother or foster mother; I will choose my words so that you can understand them more easily than if I were to stammer out directly in German what emerged for me from images in the Akashic Records. Jesus of Nazareth spoke to his stepmother or foster mother about how, through all his suffering, the mystery of human evolution had dawned upon him—how humanity had developed. Thus he said to her: “I have come to realize that humanity once passed through an ancient epoch in which, unconsciously and with the freshest vitality of childhood, it received the highest wisdom.” — With these words, he alluded to what we in spiritual science refer to as the first post-Atlantean cultural epoch, when the holy Rishis of the ancient Indian people were able to bring their great, mighty wisdom to humanity. But Jesus of Nazareth viewed this wisdom in such a way that he could ask himself: How had this wisdom been received by the holy Rishis? What forces were at work in the souls of the Rishis and in the entire ancient Indian people? These were forces that otherwise reign only in childhood, between birth and the age of seven in a child, and which then fade away for the individual, but which at that time were poured out over the entire span of human life. Because these childhood forces were spread out over the entire span of human life, these ancient, sacred, divine truths flowed down into the human mind through inspiration and intuition. But with this first epoch of humanity in the post-Atlantean era—which we call the ancient Indian cultural epoch, and which Jesus of Nazareth compared to early childhood when speaking to his mother—the passing of this epoch also meant the passing of the possibility of preserving the forces of childhood into later life. They faded away, and thus humanity was no longer able to take in and retain within itself what had once been revealed to it. Jesus of Nazareth went on to speak of an epoch that followed, which could be compared to the human age from seven to fourteen years, but in which the forces that are otherwise present only from seven to fourteen years of age were spread out over the entire human lifespan, so that people still experienced them in old age. Because this was the case—that even later stages of life could be permeated by these forces—it was possible in this second, the pre-Persian epoch, to attain those teachings that we recognize as the Zarathustra teachings, which Jesus of Nazareth now saw being rejected by humanity through a lack of understanding. During the third epoch, to which Jesus of Nazareth could look back and of which he now spoke to his mother, what is otherwise experienced between the ages of fourteen and twenty-one was poured out over all generations, so that people still possessed at fifty or sixty years of age the forces that otherwise act only until the age of twenty-one. Through this, the significant sciences of nature’s workings—which we so admire when we delve into Egyptian and ancient Chaldean science, into the true foundations of their astrological knowledge, that profound knowledge dealing not merely with the Earth but with the mysteries of the world and their effect on humanity— and of which later humanity could understand only very little. But Jesus of Nazareth also saw the third epoch fading away. Just as the individual human being grows old, he said, so has humanity grown older.
[ 21 ] Die gewaltigsten Impulse hat die griechische Kultur durch die Mysterienweisheit erhalten, die in ihr eine Hochblüte des philosophischen Denkens und der Kunst hervorrief, aber auch den Übergang in die vierte Kulturperiode bewirkte, in der wir selbst leben, die schon an die Selbständigkeit des Menschen appelliert und neue soziale Gebilde schafft, die mit der Abhängigkeit vom alten Mysterienwesen brechen. Der Verfall der alten Mysterien beginnt mit dem Aufstieg der neuen Staatenwesen und deren Rivalitäten untereinander; aber auch der schnelle intellektuelle Aufstieg ist damit verbunden. Die Kräfte, die nur Geringstes erfassen können, wenn sie über das ganze Menschenalter ausgegossen sind, sind jetzt da. Wir leben innerhalb einer Menschheit, die nur noch begreifen kann mit den Kräften, die der Menschheit eigen sind zwischen dem einundzwanzigsten und achtundzwanzigsten Lebensjahre. Aber wenn diese Kulturperiode hingeschwunden sein wird, dann wird die Menschheit ihr mittleres Zeitalter erreicht haben; damit ist ein gewisser Höhepunkt erreicht, der nicht weiter gehalten werden kann. Der Abstieg muß, wenn auch zuerst langsam, beginnen. Die Menschheit tritt in ein Zeitalter ein, wo die Kräfte ersterben, in einer ähnlichen Weise, wie der einzelne Mensch in den Dreißigerjahren das Lebensalter erreicht, von dem an der Abstieg beginnt. Der Abstieg der ganzen Menschheit beginnt mit dem nächsten Zeitalter schon, so sagte Jesus von Nazareth, indem der ganze Schmerz über diesen künftigen Niedergang der Menschheit durch seine Seele zog. Die Menschheit selbst, sagte er, tritt in das Zeitalter ein, wo die ursprünglichen Kräfte erstorben sind. Während aber für den einzelnen Menschen gleichsam noch die Jugendkräfte weiterwirken können, kann das für die gesamte Menschheit nicht der Fall sein. Sie muß in ein unbesiegbares Greisenalter hineingehen, wenn keine neuen Kräfte in sie kommen. Verödet sah er im voraus die Erdenkultur, wenn keine jungen Kräfte hineinkommen. Versiegt sind die natürlichen Kräfte, wenn die Menschheit in das Zeitalter eintritt, das für den einzelnen Menschen abläuft vom achtundzwanzigsten bis zum fünfunddreißigsten Lebensjahre. Wenn sich dann keine anderen Quellen öffnen, so würde die Menschheit vergreisen.
[ 21 ] Greek culture received its most powerful impulses from the wisdom of the mysteries, which brought about a golden age of philosophical thought and art within it, but also brought about the transition to the fourth cultural epoch, in which we ourselves live, an epoch that already appeals to human independence and creates new social structures that break with dependence on the old mystery system. The decline of the ancient mysteries begins with the rise of the new states and their rivalries; yet this is also linked to rapid intellectual advancement. The forces that can grasp only the most minimal aspects when spread across the entire human lifespan are now present. We live within a humanity that can now only comprehend with the forces inherent to humanity between the ages of twenty-one and twenty-eight. But when this cultural period has passed, humanity will have reached its middle age; with this, a certain peak is reached that cannot be sustained any longer. The decline must begin, albeit slowly at first. Humanity is entering an age in which the forces are dying out, in a similar way to how the individual human being reaches the age in their thirties from which the decline begins. The decline of all humanity begins with the next age already, as Jesus of Nazareth said, as the full pain of this future decline of humanity passed through his soul. Humanity itself, he said, is entering the age in which the original forces have died out. But while the forces of youth can, as it were, continue to work for the individual human being, this cannot be the case for humanity as a whole. It must enter an invincible old age if no new forces come into it. He foresaw the desolation of earthly culture if no young forces enter it. The natural forces have dried up when humanity enters the age that, for the individual human being, runs from the twenty-eighth to the thirty-fifth year of life. If no other sources open up then, humanity would grow old.
[ 22 ] Solches zusammenfassend sprach Jesus von Nazareth zu seiner Mutter: Was soll aus der ganzen Menschheit werden, wenn sie dem Schicksal des einzelnen Menschen verfallen ist? — Vor der Wucht dieser Frage fühlte denn Jesus und mit ihm die Stiefmutter die Notwendigkeit eines neuen geistigen Impulses. Etwas müßte kommen, was nur von außen kommen könnte, was in der Menschheit selber nicht war, weil in dem Menschen etwas Neues an innermenschlichen, nicht mit der Sinneswelt zusammenhängenden Kräften nach diesem mittleren Lebensalter nicht mehr sich frei entfalten konnte. Es mußte etwas von außen erwartet werden, was sonst in der Zeit zwischen dem achtundzwanzigsten und fünfunddreißigsten Lebensjahre aus dem Inneren wächst. Und mit einer ungeheuren Gewalt, die mit nichts zu vergleichen ist, entrang sich der Seele des Jesus von Nazareth der Schmerz darüber, daß nichts in der Umwelt vorhanden sei, was Kräfte der Erneuerung in die verfallende Menschheit hineingießen könne.
[ 22 ] Summing up these thoughts, Jesus of Nazareth said to his mother: “What will become of all humanity if it is subject to the fate of the individual human being?” — Faced with the force of this question, Jesus—and with him his stepmother—felt the need for a new spiritual impulse. Something had to come—something that could only come from outside, something that was not within humanity itself, because after this middle age, something new in the inner human forces, unrelated to the sensory world, could no longer unfold freely within the human being. Something had to be expected from outside, something that would otherwise grow from within during the period between the ages of twenty-eight and thirty-five. And with a tremendous force, incomparable to anything else, the pain that nothing in the environment existed that could pour forces of renewal into decaying humanity wrung itself from the soul of Jesus of Nazareth.
[ 23 ] So war dieses Gespräch vor sich gegangen und mit jedem Wort floß etwas wie vom eigenen Selbst hinüber in die Stief- oder Ziehmutter. Die Worte hatten Flügel und in ihnen drückte sich aus, daß sie nicht bloß Worte waren, sondern daß sich etwas herausrang aus der Leiblichkeit des Jesus von Nazareth, was eben wie sein Selbst war, was eins geworden war mit seinem Schmerz und seiner Liebemacht. In diesem Augenblick, da sein Selbst sich losrang, leuchtete in ihm für einen Augenblick auf, was dieses Selbst in Wahrheit war: das Bewußtsein von dem eigenen Ich als dem des Zarathustra. Erglänzend, wie einen Augenblick erglänzend fühlte er sich als Ich des Zarathustra. Doch war es ihm so, als ob dieses Ich aus ihm herausginge und ihn wieder allein ließe, so daß er wieder derjenige war, nur größer, gewachsen, der er in seinem zwölften Lebensjahre gewesen war.
[ 23 ] This is how the conversation had unfolded, and with every word, something seemed to flow from his very being into his stepmother or foster mother. The words had wings, and in them was expressed the fact that they were not merely words, but that something was wringing itself out of the physicality of Jesus of Nazareth—something that was precisely like his self, something that had become one with his pain and his power of love. At that moment, as his self broke free, what this self truly was shone within him for an instant: the awareness of his own I as that of Zarathustra. Shining, shining for a moment, he felt himself as the I of Zarathustra. Yet it seemed to him as if this “I” were leaving him and leaving him alone again, so that he was once more the one he had been in his twelfth year, only greater, grown.
[ 24 ] Auch mit der Mutter war eine ungeheure Veränderung vor sich gegangen. Wenn man in der Akasha-Chronik forscht, was sich da zuträgt, so kommt man darauf, daß bald nachdem Jesus aus der nathanischen Linie das zwölfte Jahr erreicht hatte und in ihm das Zarathustra-Ich innewohnend geworden war, die Seele seiner leiblichen Mutter in die geistigen Regionen hinaufgestiegen war. Nun senkte sie sich als Seele wieder herab und beseelte seine Stiefmutter, die dadurch wie verjüngt wurde. So war nun durchgeistigt von der Seele seiner eigenen Mutter die Stief- oder Ziehmutter, die die leibliche Mutter des salomonischen Jesusknaben war. So wandelte von jetzt ab auch wiederum auf der Erde in einem physischen Leibe herum, im Leibe der Mutter des salomonischen Jesusknaben, die Seele der leiblichen Mutter des nathanischen Jesusknaben. Er selber aber war wie allein mit seinen drei Leibern, aber von all den Erlebnissen aufs höchste durchgeistigt, allein mit seinem physischen, ätherischen und astralischen Leibe; das Selbst jedoch war weggegangen. Es wohnte ja in diesem physischen, Äther- und Astralleib alles das, was aus dem Ich des Zarathustra stammte. Obwohl das Zarathustra-Ich sich herausgezogen hatte, waren alle seine Eindrücke zurückgeblieben. Das bewirkte, daß in dieser merkwürdigen Persönlichkeit, die Jesus von Nazareth jetzt war, nachdem das Ich des Zarathustra von ihm gewichen, etwas ganz Besonderes war. Und was da in ihr war, das stellte sich mir, als ich in diesem Fünften Evangelium den weiteren Fortgang erblicken konnte, so dar wie ich es schildere.
[ 24 ] A tremendous change had also taken place in the mother. If one investigates in the Akashic Records what is happening there, one finds that shortly after Jesus of the Nathanic line had reached the age of twelve and the Zarathustra-I had become indwelling within him, the soul of his biological mother had ascended into the spiritual regions. Now she descended again as a soul and animated his stepmother, who was thereby rejuvenated. Thus, the stepmother or foster mother—who was the biological mother of the Solomonic Jesus child—was now spiritualized by the soul of his own mother. Thus, from this time on, the soul of the biological mother of the Nathanic Jesus-child also walked the earth again in a physical body—in the body of the mother of the Solomonic Jesus-child. He himself, however, was as if alone with his three bodies—physical, etheric, and astral—yet imbued to the highest degree by all his experiences; yet the Self had departed. For everything that originated from the I of Zarathustra dwelt within this physical, etheric, and astral body. Although the I of Zarathustra had withdrawn, all its impressions had remained. This meant that there was something quite special about this remarkable personality that Jesus of Nazareth now was, after the I of Zarathustra had departed from him. And what was there within him presented itself to me, as I was able to perceive the further course of events in this Fifth Gospel, just as I describe it.
[ 25 ] Nachdem das Gespräch mit der Mutter stattgefunden hatte, regte sich jetzt in Jesus von Nazareth, aus dem das Ich des Zarathustra fort war, etwas wie ein Drang, der sich wie ein mächtiger kosmischer Trieb ausnahm, der das, was jetzt von ihm da war, zu den Ufern des Jordan hindrängte, zu Johannes dem Täufer. Auf dem Wege dahin begegnete dieses merkwürdige Wesen — denn ein solches war jetzt der Jesus von Nazareth, ein Wesen, das höchste Menschlichkeit, wie sie sonst nur vereinbar ist bei voll entwickelten vier menschlichen Gliedern, nur in drei menschlichen Hüllen hintrug über den Erdboden, ein Wesen, das sich innerlich anders erfühlte als ein Mensch, das aber äußerlich die menschliche Gestalt hatte -, es begegnete dieses Wesen nach dem Gespräch mit der Mutter, nachdem es den Drang in sich verspürt hatte, zum Jordan hin zu Johannes dem Täufer zu gehen, zwei Essäern, zwei von jenen Essäern, die Jesus gut kannten. Sonderbar kam ihnen freilich vor, was da aus seinen Zügen sprach; aber sie erkannten ihn doch an der äußeren Gestalt, die sich nicht verändert hatte, die deutlich zu erkennen war. Aber sonderbar empfanden sie ihn. Durch die Veränderung, die mit ihm vorgegangen war, hatten seine Augen einen ganz besonderen Ausdruck bekommen. Es sprach etwas aus diesen Augen wie inneres Licht, das milde glänzte, wie die im Licht verkörperte, nicht irdische, sondern himmlische Menschenliebe. Einen alten Bekannten sahen die beiden Essäer in ihm. So empfanden sie ihn, daß sie sich nicht entziehen konnten dem ungeheuer milden, dem bis ins Unendliche gesteigerten milden Blick des Jesus, wie er jetzt war. Dann aber wiederum, wenn sie in diese Augen schauten, fühlten sie zugleich etwas wie einen Vorwurf, der nicht von ihm kam, der etwas war wie eine Kraft, die in ihrer eigenen Seele erquoll, hineinstrahlte in sein Auge und zurückstrahlte, gleichsam wie mildes Mondenlicht, aber wie ein ungeheurer Vorwurf über ihr eigenes Wesen, über das, was sie waren.
[ 25 ] After the conversation with his mother had taken place, something like an urge stirred within Jesus of Nazareth—from whom the ego of Zarathustra had departed—an urge that seemed like a powerful cosmic impulse, driving what was now of him toward the banks of the Jordan, toward John the Baptist. On the way there, this strange being—for such was now Jesus of Nazareth, a being who carried the highest humanity, as is otherwise only possible with four fully developed human limbs, across the earth’s surface in only three human forms, a being who felt himself to be something other than a human being on the inside, yet who outwardly had the form of a human being— this being encountered, after speaking with his mother and having felt the urge within him to go to the Jordan to John the Baptist, two Essenes, two of those Essenes who knew Jesus well. Strange, of course, did it seem to them what was expressed in his features; yet they recognized him by his outward appearance, which had not changed and was clearly discernible. Yet they found him strange. Through the transformation that had taken place within him, his eyes had taken on a very special expression. Something spoke from these eyes like an inner light that shone gently, like human love embodied in light—not earthly, but heavenly. The two Essenes saw in him an old acquaintance. They felt this so strongly that they could not withdraw from the immensely gentle, infinitely intensified gentle gaze of Jesus as he was now. But then again, when they looked into those eyes, they simultaneously felt something like a reproach that did not come from him, something like a force that welled up in their own souls, radiated into his eyes, and shone back, as it were, like gentle moonlight, yet like an immense reproach upon their own being, upon what they were.
[ 26 ] Nur mit solchen Worten kann ich schildern, was konstatierbar ist durch den Blick in die Akasha-Chronik, was diese Essäer in der Seele des Jesus von Nazareth sahen, die sie durch seinen Leib, also durch seinen physischen, ätherischen und astralischen Leib erfühlten, die sie auf sich blicken sahen, die sie vernahmen. Schwer war für sie seine Nähe auszuhalten; denn es wirkte unendliche Liebe, die aber doch gleichzeitig etwas wie ein Vorwurf für sie war. Tief anziehend empfanden sie seine Nähe, von der sie doch wiederum zugleich den Drang hatten, wegzukommen. Einer von ihnen raffte sich aber auf, da sie beide ihn aus vielen Gesprächen, die sie mit ihm gehabt hatten, kannten, und frug ihn: Wohin geht dein Weg, Jesus von Nazareth? — Die Worte, die Jesus dann sprach, könnte ich etwa so in Worte der deutschen Sprache übersetzen: Dahin, wohin Seelen eurer Art nicht blicken wollen, wo der Schmerz der Menschheit die Strahlen des vergessenen Lichtes finden kann! - Sie verstanden seine Rede nicht und merkten, daß er sie nicht erkannte, daß er nicht wußte, wer sie waren. An der befremdlichen Art seines Blickes, der gar nicht war wie ein Blick, der die Menschen anschaut, die er kennt, aus seinem ganzen Verhalten und aus der Art, wie er die Worte sprach, merkten sie, daß er sie nicht erkannte. Und da raffte sich noch einmal einer der Essäer auf und sprach: Jesus von Nazareth, erkennst du uns nicht? — Und dieser gab zur Antwort etwas, was ich eben nur in folgenden Worten der deutschen Sprache wiedergeben kann: Was seid ihr für Seelen? Wo ist eure Welt? Warum umhüllt ihr euch mit täuschenden Hüllen? Warum brennt in eurem Innern ein Feuer, das in meines Vaters Hause nicht entfacht ist? — Sie wußten nicht, wie ihnen geschah, wußten nicht, was mit ihm los war. Noch einmal raffte sich einer der beiden Essäer auf und fragte: Jesus von Nazareth, kennst du uns denn nicht? — Jesus antwortete: Ihr seid wie verirrte Lämmer; ich aber war des Hirten Sohn, dem ihr entlaufen seid. Wenn ihr mich recht erkennet, werdet ihr alsbald von neuem entlaufen. Es ist so lange her, daß ihr von mir in die Welt entflohen seid. — Und sie wußten nicht, was sie von ihm halten sollten. Dann sprach er weiter: Ihr habt des Versuchers Mal an euch! Er hat mit seinem Feuer eure Wolle gleißend gemacht. Die Haare dieser Wolle stechen meinen Blick! — Und sie empfanden, daß diese seine Worte etwas waren wie der Widerhall ihres eigenen Wesens aus seinem Wesen. Und dann sprach Jesus weiter: Der Versucher traf euch nach eurer Flucht. Er hat eure Seelen mit Hochmut durchtränkt! - Da ermannte sich einer der Essäer, denn er fühlte etwas Bekanntes, und sprach: Haben wir nicht dem Versucher die Türe gewiesen? Er hat kein Teil mehr an uns. — Darauf sprach Jesus von Nazareth: Wohl wieset ihr ihm die Türe; doch er lief hin zu den anderen Menschen und kam über sie. So ist er nicht um euch, so ist er in den anderen Menschen! Ihr schaut ihn überall. Glaubt ihr, daß ihr euch erhöht habt, indem ihr ihn aus euren Toren wieset? Ihr seid so hoch geblieben, wie ihr waret. Hoch scheint ihr euch geworden, weil ihr die anderen erniedrigt habt. In dem Verkleinern der anderen seid ihr scheinbar hoch gekommen.
[ 26 ] Only with such words can I describe what can be ascertained by looking into the Akashic Records—what these Essenes saw in the soul of Jesus of Nazareth, which they sensed through his body, that is, through his physical, etheric, and astral bodies; which they saw gazing upon them; which they perceived. It was difficult for them to bear his presence; for it radiated infinite love, which at the same time, however, felt to them like a reproach. They found his presence deeply alluring, yet at the same time they felt an urge to flee from it. One of them, however, gathered his courage—since they both knew him from the many conversations they had had with him—and asked him: Where are you going, Jesus of Nazareth? — The words that Jesus then spoke, I could translate into the German language something like this: To where souls of your kind do not wish to look, where the pain of humanity can find the rays of the forgotten light! — They did not understand his speech and realized that he did not recognize them, that he did not know who they were. From the strange nature of his gaze, which was not at all like a gaze that looks upon people he knows, from his entire demeanor, and from the way he spoke the words, they realized that he did not recognize them. And then one of the Essenes roused himself once more and said: “Jesus of Nazareth, do you not recognize us?” — And he replied with something I can only render in the following words of the German language: “What kind of souls are you? Where is your world? Why do you cloak yourselves in deceptive veils? Why does a fire burn within you that is not kindled in my Father’s house?” — They did not know what was happening to them, did not know what was wrong with him. Once more, one of the two Essenes roused himself and asked: “Jesus of Nazareth, do you not know us?” — Jesus answered: “You are like lost lambs; but I was the Shepherd’s Son from whom you have run away. If you truly recognize me, you will run away again at once. It has been so long since you fled from me into the world.” — And they did not know what to make of him. Then he continued: “You bear the mark of the Tempter! He has made your wool gleaming with his fire. The hairs of this wool pierce my gaze!” — And they sensed that these words of his were something like the echo of their own being from his being. And then Jesus continued: “The Tempter struck you after your flight. He has saturated your souls with pride! — Then one of the Essenes gathered his courage, for he sensed something familiar, and said: Have we not shown the Tempter the door? He has no part in us anymore. — Upon this, Jesus of Nazareth said: You did indeed show him the door; yet he ran to the other people and came upon them. Thus he is not with you; he is in the other people! You see him everywhere. Do you believe that you have exalted yourselves by casting him out of your gates? You have remained as low as you were. You seem to have become exalted because you have humiliated the others. In belittling the others, you have seemingly risen high.
[ 27 ] Da erschraken die Essäer. In diesem Augenblick aber, wo unendliche Furcht über sie kam, war ihnen, wie wenn Jesus von Nazareth sich in Nebel aufgelöst hätte und vor ihren Augen verschwunden wäre. Dann aber waren ihre Augen gebannt von diesem verschwindenden Wesen des Jesus von Nazareth und sie konnten ihre Blicke nicht abwenden von dort, wohin sie gerichtet waren. Da fiel ihr Blick wie in kosmischer Ferne auf eine riesengroße Erscheinung, die wie das ins Maßlose vergrößerte Gesicht des Jesus von Nazareth war, das sie eben noch gesehen hatten. Was aus seinen Zügen zu ihnen gesprochen hatte, das sprach jetzt mit Riesengröße aus diesen vergrößerten Zügen, die sie wie bannten. Sie konnten den Blick nicht abwenden von der Erscheinung, deren Blick wie aus weiter Ferne auf sie gerichtet war. Dadurch senkte sich in ihre Seelen etwas wie ein Vorwurf, was ihnen vorkam wie verdient auf der einen Seite, aber wie unerträglich auf der anderen Seite. Wie in eine Fata Morgana am fernen Himmel verwandelt, so erschien diesen beiden Essäern riesenhaft vergrößert der Jesus, und auch die Verhältnisse, die in den Worten lagen, erschienen ins Riesenhafte vergrößert. Aus dieser Vision heraus, aus diesem Gesicht, ertönten die Worte, die etwa in der folgenden Weise in deutscher Sprache wiedergegeben werden können: Eitel ist euer Streben, weil leer ist euer Herz, das ihr euch erfüllet habt mit dem Geiste, der den Stolz in die Hülle der Demut täuschend birgt.
[ 27 ] The Essenes were terrified. But at that very moment, as an overwhelming fear came over them, it was as if Jesus of Nazareth had dissolved into mist and vanished before their eyes. But then their eyes were transfixed by this vanishing figure of Jesus of Nazareth, and they could not tear their gaze away from where it was fixed. Then their gaze fell, as if into cosmic distance, upon a gigantic apparition that resembled the face of Jesus of Nazareth—which they had just seen—enlarged to immeasurable proportions. What had spoken to them through his features now spoke with gigantic magnitude from these magnified features, which seemed to spellbind them. They could not avert their gaze from the apparition, whose gaze was directed at them as if from a great distance. Through this, something like a reproach settled into their souls, which seemed to them deserved on the one hand, but unbearable on the other. As if transformed into a mirage in the distant sky, Jesus appeared to these two Essenes magnified to gigantic proportions, and the implications contained in his words also seemed magnified to gigantic proportions. From this vision, from this apparition, resounded the words, which can be rendered in German roughly as follows: “Vain is your striving, for empty is your heart, which you have filled with the spirit that deceptively conceals pride within the guise of humility.”
[ 28 ] Das hatte das Wesen gesprochen zu den ihm begegnenden Essäern, nachdem das Ich des Zarathustra sich aus den leiblichen Hüllen des Jesus herausgelöst hatte und Jesus wiederum das geworden war, nur erwachsen, was er in seinem zwölften Jahre gewesen war, aber jetzt durchdrungen mit alledem, was das Ich des Zarathustra und alles das Erlebte, von dem ich erzählt habe, hineinsenken konnten in diesen eigenartigen Körper, der seine Eigenart schon dadurch angekündigt hatte, daß er gleich nach seiner Geburt wunderbare Worte der Weisheit sprechen konnte, in einer nur dem Gefühl der Mutter verständlichen Sprache.
[ 28 ] This is what the Being had said to the Essenes who had come to meet him, after Zarathustra’s I had detached itself from Jesus’ physical form and Jesus had once again become—only now as an adult—what he had been in his twelfth year, but now imbued with all that Zarathustra’s I and all the experiences I have recounted could instill into this peculiar body, which had already revealed its peculiarity by being able to speak wondrous words of wisdom immediately after its birth, in a language comprehensible only to its mother’s intuition.
[ 29 ] Das ist das, was ich Ihnen heute geben wollte in einer einfachen Erzählung, die zunächst bis zu dem Wege geht, den Jesus von Nazareth nach dem Gespräch mit seiner Mutter zu Johannes dem Täufer, zum Jordan hin nahm. Übermorgen wollen wir dann in der Erzählung fortfahren und versuchen, die Brücke zu schlagen zu dem, was wir versucht haben zu begreifen als die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha.
[ 29 ] This is what I wanted to share with you today in a simple narrative that begins with the path Jesus of Nazareth took toward the Jordan River after speaking with his mother and John the Baptist. The day after tomorrow, we will continue the story and try to build a bridge to what we have sought to understand as the meaning of the Mystery of Golgotha.
