From Akashic Research
The Fifth Gospel
GA 148
17 December 1913, Cologne
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From Akashic Research: The Fifth Gospel, tr. SOL
Das Fünfte Evangelium I
The Fifth Gospel I
[ 1 ] Es wird mir obliegen, gelegentlich des heutigen und morgigen Abends einiges zu sprechen über dasjenige, was wir gewohnt sind, das «Mysterium von Golgatha» zu nennen, und zwar wird der Versuch zu machen sein, in einer etwas anderen Form, als das bisher geschehen ist, davon zu sprechen. Ich möchte sagen, daß die bisherigen Erörterungen über dieses Mysterium von Golgatha einen, wenn auch okkultistischen, so doch mehr noch okkultistisch-theoretischen Inhalt hatten. Es wurde über das Wesen und die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha für die Entwickelung der Menschheit gesprochen. Daß es gewissermaßen das Zentralereignis für die gesamte Entwickelung der Menschheit auf Erden ist, und inwiefern es dieses Zentralereignis ist, darüber wurden Gedanken gegeben. Diese sind ja durchaus aus den Quellen okkulter Forschung heraus geholt. Es sind diejenigen Gedankenquellen dadurch angesprochen worden, welche von dem Mysterium von Golgatha gleichsam ausstrahlen, weitergehen und verlebendigt sind in unserer irdischen Entwickelung. Aus dem, was in der Menschheitsentwickelung auf Erden lebt, kann, wenn es mit seherischem Blick erfaßt wird, das gefunden werden, was als die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha angegeben worden ist.
[ 1 ] It will be my task, on the occasion of this evening and tomorrow evening, to speak a little about what we are accustomed to calling the “Mystery of Golgotha,” and I shall attempt to speak of it in a somewhat different way than has been done so far. I would like to say that the discussions to date regarding this Mystery of Golgotha have had a content that, while occult in nature, has been even more so of a theoretical-occult nature. We have spoken of the nature and significance of the Mystery of Golgotha for the development of humanity. Thoughts have been offered on the fact that it is, so to speak, the central event for the entire development of humanity on Earth, and to what extent it is this central event. These thoughts have indeed been drawn from the sources of occult research. The sources of thought addressed here are those that, as it were, radiate from the Mystery of Golgotha, extend beyond it, and are brought to life in our earthly evolution. From what lives in the evolution of humanity on Earth, if perceived with a clairvoyant gaze, one can find what has been described as the significance of the Mystery of Golgotha.
[ 2 ] Jetzt aber wird es mir obliegen, näher zu sprechen von dem, was sich ganz im Konkreten sagen läßt über die Ereignisse, die sich im Beginn unserer Zeitrechnung abgespielt haben. Über die Ereignisse werde ich zu sprechen haben, welche gewissermaßen in ihren Kräften das ausgestrahlt haben, was in der lebendigen Erdenaura weiterlebt und okkult beobachtet werden kann. Ich werde dann morgen einiges über die Gründe sprechen, warum diese Dinge gerade jetzt in diesem unserem Zeitalter innerhalb anthroposophischer Kreise besprochen werden sollen. Heute aber werde ich versuchen, einiges anzudeuten von dem, was sich im Beginne unserer Zeitrechnung in Palästina zugetragen hat. Und ich hoffe, daß in Ihren Herzen, in Ihren Seelen, das Ereignis von Golgatha, wie es mehr in Ideenform charakterisiert worden ist, nicht an Bedeutung verliert dadurch, daß wir einmal direkt hinschauen auf das, was sich damals abgespielt hat, es gleichsam ganz konkret ins Auge fassen.
[ 2 ] But now it falls to me to speak in more detail about what can be said in concrete terms regarding the events that took place at the beginning of our era. I will have to speak about the events which, in a sense, radiated in their power that which lives on in the living Earth aura and can be observed occultly. Tomorrow I will then speak a little about the reasons why these things should be discussed precisely now, in our age, within anthroposophical circles. Today, however, I will try to hint at some of what took place in Palestine at the beginning of our era. And I hope that in your hearts, in your souls, the event of Golgotha—as it has been characterized more in the form of ideas—will not lose its significance simply because we now look directly at what took place back then, so to speak, taking it in quite concretely.
[ 3 ] Ich habe ja schon bei Gelegenheit der Besprechung des LukasEvangeliums und jener Vortragsserie über das sogenannte Evangelium des Matthäus einiges Wesentliche über das Gebiet angedeutet, das hier in Betracht kommt. Es ist die Tatsache, daß zwei Jesusknaben ungefähr gleichzeitig geboren worden sind im Beginne unserer Zeitrechnung. Ich habe darauf hingewiesen, daß diese beiden Jesusknaben, die damals geboren worden sind, an Charakter und Fähigkeiten sehr stark voneinander verschieden waren. Der eine der Jesusknaben, dessen Schilderung noch wie durchleuchtet durch das sogenannte Evangelium des Matthäus, der stammt ab aus der salomonischen Linie des Hauses David. In ihm lebte die Seele oder das Ich desjenigen, den wir als Zarathustra kennen.
[ 3 ] I have already touched on some essential points regarding the subject at hand when discussing the Gospel of Luke and in that series of lectures on the so-called Gospel of Matthew. The fact is that two boys named Jesus were born at roughly the same time at the beginning of our era. I have pointed out that these two Jesus children, who were born at that time, differed greatly from one another in character and abilities. One of the Jesus children, whose description is still illuminated by the so-called Gospel of Matthew, descends from the Solomonic line of the House of David. In him lived the soul or the I of the one we know as Zarathustra.
[ 4 ] Wir müssen uns, wenn wir eine solche Inkarnation ins Auge fassen, zunächst insbesondere über eines klar sein: Selbst wenn eine so hohe Individualität sich wieder inkarniert, wie der Zarathustra es war namentlich in der Zeit, als er in dem Jesus geboren worden ist -, mußte diese Individualität keineswegs im Kindes- oder Jünglingsalter wissen, daß sie diese Individualität ist. Nicht das Bewußtsein braucht vorzuliegen, das sich in den Worten aussprechen würde: Ich bin der und der. — Das liegt nicht vor. Wohl aber liegt vor in einem solchen Falle, daß jene erhöhten Fähigkeiten, die eine Menschenseele gewinnen kann dadurch, daß sie eine solche Inkarnation durchgemacht hat, sich früh bedeutsam zeigen und dann die ganze Grundstruktur des Charakters des betreffenden Kindes bedingen. So ist denn der salomonische Jesusknabe — so möchte ich ihn nennen -, in dem das Ich des Zarathustra lebt, mit hohen Fähigkeiten ausgestattet, und das ist das Charakteristische: er ist ausgestattet mit solchen Fähigkeiten, welche es ihm möglich machen, leicht einzudringen in das, was in seiner Umgebung lebt als Errungenschaft dessen, was sich die Menschheit auf Erden in der fortlaufenden Kultur erobert hat. In der Umgebung eines solchen Kindes lebte ja, besonders aber damals, die ganze Kultur der Menschheit in den Worten, den Gebärden, den Handlungen, kurz in alledem, was man sehen und hören konnte. Ein gewöhnliches Kind nimmt wenig auf von dem, was es sieht und hört. Dieser Knabe aber nahm auf mit einer großen inneren Genialität aus den spärlichsten Andeutungen, in denen sich das auslebte, was die Menschheit sich erobert hatte, kurz, er erwies sich als im höchsten Maße begabt für alles, was die Menschheitskultur bis dahin an schulmäßig Erlernbarem hervorgebracht hatte. Man würde einen solchen Knaben heute einen hochbegabten Knaben nennen. So war der salomonische Jesusknabe. Bis in sein zwölftes Jahr lernte er schnell, was er aus seiner Umgebung lernen konnte.
[ 4 ] When we consider such an incarnation, we must first be clear about one thing in particular: Even if such a high individuality reincarnates—as Zarathustra did, specifically at the time he was born as Jesus—this individuality did not by any means have to know, in childhood or youth, that it was this individuality. It is not necessary for there to be a consciousness that would express itself in the words: ‘I am so-and-so.’—That is not the case. What is the case, however, in such an instance, is that those elevated capacities which a human soul can acquire by having undergone such an incarnation manifest themselves significantly at an early age and then determine the entire basic structure of the character of the child in question. Thus the Solomonic Jesus-child—as I would like to call him—in whom the I of Zarathustra lives, is endowed with high abilities, and this is the characteristic feature: he is endowed with such abilities that enable him to easily penetrate into what lives in his surroundings as the achievement of what humanity has conquered on earth through its ongoing culture. In the environment of such a child, especially back then, the entire culture of humanity lived on in the words, the gestures, the actions—in short, in everything one could see and hear. An ordinary child absorbs little of what he sees and hears. This boy, however, absorbed with great inner genius even the sparsest hints in which what humanity had conquered was expressed; in short, he proved to be highly gifted for everything that human culture had produced up to that point in terms of what could be learned in a school setting. Today, one would call such a boy a highly gifted child. Such was the Solomonic Jesus boy. Until his twelfth year, he quickly learned whatever he could from his surroundings.
[ 5 ] Ganz anderer Art war der andere Jesusknabe, der in bezug auf Charakter durchschimmert — mehr kann man nicht sagen - durch die Schilderungen des Lukas-Evangeliums. Er stammte ab aus der nathanischen Linie des Hauses David. Er war nun gerade unbegabt für das, was man äußerlich erlernen kann. Bis zu seinem zwölften Jahr zeigte er gar keine Interessen für irgend etwas, was man schulmäßig aus der Menschheitskultur bekommen kann. Dagegen zeigte er von frühester Kindheit an das im höchsten Grade, was man nennen könnte: Genialität des Herzens, Mitgefühl mit jeglicher Menschenfreude, mit jeglichem Menschenleid. Er zeigte sich darin ganz besonders genial, daß er weniger in sich lebte, weniger sich erwerben konnte solche Tüchtigkeit, die man auf Erden erwerben kann, sondern daß er fremdes Leid und fremde Freude von frühester Kindheit an als sein eigenes Leid und seine eigene Freude fühlte, sich in die Seelen anderer Menschen versetzen konnte; dieses zeigte er im höchsten Maße.
[ 5 ] The other boy Jesus, whose character shines through—though one cannot say more than that—in the descriptions of the Gospel of Luke, was of a completely different sort. He descended from the Nathanic line of the House of David. He was, however, completely ungifted when it came to what can be learned externally. Until the age of twelve, he showed no interest whatsoever in anything that could be acquired through formal schooling from human culture. On the other hand, from his earliest childhood he displayed to the highest degree what one might call: genius of the heart, compassion for every human joy, for every human suffering. He proved himself particularly gifted in that he lived less within himself, was less able to acquire the kind of competence that can be acquired on earth, but rather felt the suffering and joy of others as his own suffering and joy from the earliest childhood, and was able to put himself in the place of other people’s souls; he demonstrated this to the highest degree.
[ 6 ] Es ist die denkbar größte Verschiedenheit zwischen den beiden Jesusknaben, so wie sie sich der Akasha-Chronik-mäßigen Beobachtung darstellen. Nun trat ja, nachdem die beiden Knaben das zwölfte Lebensjahr erreicht hatten, das Ereignis ein, das ich schon des öfteren charakterisiert habe: daß bei der Wanderung nach Jerusalem, welche die Eltern mit dem nathanischen Jesusknaben machten, das Ich des Zarathustra, das bisher in dem anderen, dem salomonischen Jesusknaben, verblieben war, aus dessen Leib herausging und Besitz nahm von den Leibeshüllen des nathanischen Jesusknaben. Daher kam es so, daß alles, was dieses königliche Ich sich hatte aneignen können, jetzt in der Seele des anderen, des nathanischen Jesusknaben, wirken konnte und dieser Knabe jetzt mit all der Kraft des Zarathustra, ohne es zu wissen, so wirken konnte, daß er das Erstaunen erregte der Schriftgelehrten, unter denen er lehrend auftrat, wie es auch die Bibel schildert. Auch das habe ich angedeutet, daß jener andere, der salomonische Jesusknabe, aus dem das Ich gewichen war, sehr schnell dahinsiechte und in verhältnismäßig kurzer Zeit starb.
[ 6 ] There is the greatest conceivable difference between the two Jesus boys, as they appear in observations based on the Akashic Records. Now, after the two boys had reached the age of twelve, the event occurred that I have already described on several occasions: that during the journey to Jerusalem undertaken by the parents with the Nathanic Jesus-child, the I of Zarathustra—which until then had remained in the other, the Solomonic Jesus-child—left that body and took possession of the physical form of the Nathanic Jesus-child. Thus it came to pass that everything this royal I had been able to appropriate could now work in the soul of the other, the Nathanic Jesus-child, and this child could now, with all the power of Zarathustra and without knowing it, work in such a way as to arouse the astonishment of the scribes among whom he taught, as the Bible also describes. I have also hinted that the other one, the Solomonic Jesus-child, from whom the I had departed, wasted away very quickly and died in a relatively short time.
[ 7 ] Es muß durchaus bemerkt werden, daß keineswegs sofort die Lebensmöglichkeit aufhört für einen Menschen, der, wie jetzt für den salomonischen Jesusknaben geschildert worden ist, sein Ich aufgibt. Wie eine Kugel eine Zeitlang fortrollt, gleichsam durch ihre innere Kraft, so lebt ein solches Wesen eine Zeitlang fort durch die Kraft, die in ihm lebt; und für denjenigen, der nicht in feiner Weise Menschenseelen beobachten kann, ist der Unterschied kein sehr großer zwischen dem, was sich darbietet als eine solche Seele, die ihr Ich noch hat, und einer, die ihr Ich verloren hat. Denn im gewöhnlichen Leben wirkt nicht so sehr, wenn wir einer Seele gegenübertreten, unmittelbar das Ich. Was wir an einem Menschen erfahren, was wir von ihm gewahr werden, das ist im allergeringsten Maße eine unmittelbare Offenbarung des Ichs, das ist eine Offenbarung des Ichs durch den Astralleib. Den Astralleib aber behielt jener andere Jesusknabe; und nur der, welcher sorgfältig unterscheiden kann — und es ist dies nicht leicht —, ob alte Gewohnheiten, alte Gedanken weiterwirken in einer Seele, oder ob fortan noch Neues aufgenommen wird, der kann dadurch gewahr werden, ob das Ich noch da ist oder nicht. Aber ein Siechtum beginnt, eine Art Absterben, Abdorren, und so war es bei diesem Jesusknaben.
[ 7 ] It must certainly be noted that the possibility of life does not immediately cease for a person who, as has just been described for the Solomonic Jesus-child, surrenders his ego. Just as a ball rolls on for a while, as it were, through its own inner force, so such a being lives on for a while through the force that lives within it; and for those who cannot observe human souls in a subtle way, there is not a very great difference between what presents itself as a soul that still has its ego and one that has lost its ego. For in ordinary life, when we encounter a soul, the ego does not act so directly. What we experience in a person, what we perceive of them, is to the very least degree a direct revelation of the ego; it is a revelation of the ego through the astral body. But that other Jesus child retained the astral body; and only the one who can carefully distinguish—and this is not easy—whether old habits, old thoughts continue to work in a soul, or whether new things are still being taken in from now on, can thereby perceive whether the I is still there or not. But a wasting away begins, a kind of dying off, withering away, and so it was with this Jesus boy.
[ 8 ] Durch eine gewisse karmische Schickung starb nun auch bald nach dem Hinübergange des Ichs des Zarathustra in den anderen Jesusknaben die leibliche Mutter des nathanischen Jesusknaben und auch der Vater des salomonischen Jesusknaben, und aus dem Vater des nathanischen und der Mutter des salomonischen Jesusknaben wurde ein Ehepaar. Der nathanische Jesusknabe hatte keine leiblichen Geschwister, und die Stiefgeschwister, die er jetzt bekam, waren eben die Geschwister des salomonischen Jesusknaben. Aus den zwei Familien wurde eine, die fortan in dem Örtchen wohnte, das dann den Namen Nazareth bekommen hat; so daß wir, wenn wir jetzt von dem nathanischen Jesusknaben sprechen, in dem nun das Ich des Zarathustra lebte, den Ausdruck gebrauchen: Jesus von Nazareth.
[ 8 ] By a certain karmic design, shortly after the passing of the I of Zarathustra into the other Jesus child, the biological mother of the Nathanic Jesus child and the father of the Solomonic Jesus child also died, and the father of the Nathanic Jesus child and the mother of the Solomonic Jesus child became a married couple. The Nathanic Jesus-child had no biological siblings, and the step-siblings he now gained were precisely the siblings of the Solomonic Jesus-child. The two families became one, which henceforth lived in the little village that was then given the name Nazareth; so that when we now speak of the Nathanic Jesus boy, in whom the ego of Zarathustra now lived, we use the expression: Jesus of Nazareth.
[ 9 ] Ich möchte nun auch hier heute einiges aus dem Jugendleben dieses Jesus von Nazareth, wie es Akasha-Chronik-mäßig erforscht werden kann, so erzählen, daß wir dadurch das Verständnis gewinnen können für einen gewissen bedeutsamen historischen Augenblick der Erdenentwickelung, welcher dann das Mysterium von Golgatha, auf welches wir morgen noch zu sprechen kommen werden, vorbereitete.
[ 9 ] Today I would also like to share some details from the early life of this Jesus of Nazareth, as it can be explored through the Akashic Records, so that we may thereby gain an understanding of a certain significant historical moment in Earth’s development, which then prepared the way for the Mystery of Golgotha, which we will discuss tomorrow.
[ 10 ] In drei für den Seher deutlich voneinander unterschiedenen Phasen spielt sich dieses Leben des Jesus von Nazareth ab. Hat sich doch schon in den Gesprächen mit den Schriftgelehrten gezeigt, daß in ihm aufgelebt war schon in seinem zwölften Jahr durch den Hinübergang des Zarathustra-Ichs eine innere Kraft, erleuchtet zu werden, Erleuchtung zu empfangen und sie zu verbinden mit dem, was als Fähigkeit in der Zarathustra-Seele lebte. Hatte sich schon gezeigt, daß eine ungeheure Kraft inneren Erlebens in dieser Seele war, so kann man jetzt in dem heranwachsenden Jesus vom zwölften bis zum siebzehnten und achtzehnten Jahr hin bemerken, wie, aus dem Inneren der Seele hervorkommend, die inneren Erleuchtungen immer reicher und reicher werden, und insbesondere sind es jetzt Erleuchtungen, die sich auf die ganze Entwickelung des althebräischen und überhaupt des hebräischen Volkes beziehen.
[ 10 ] This life of Jesus of Nazareth unfolds in three phases that are clearly distinguishable from one another to the Seer. For it had already become evident in his conversations with the scribes that, as early as his twelfth year, through the transition of the Zarathustra-I, an inner power had come to life within him—the power to be enlightened, to receive enlightenment, and to connect it with what lived as a capacity within the Zarathustra soul. If it had already become evident that there was an immense power of inner experience in this soul, one can now observe in the adolescent Jesus, from the twelfth to the seventeenth and eighteenth years, how, emerging from the depths of the soul, the inner illuminations become ever richer and richer, and in particular, these are now insights that relate to the entire development of the ancient Hebrew people and of the Hebrew people in general.
[ 11 ] So wie Jesus von Nazareth hineingestellt war in das hebräische Volk, so war ja in diesem hebräischen Volk durchaus nicht mehr wahrzunehmen die Größe desjenigen, was einmal in den alten Zeiten der Propheten diesem Volk als unmittelbare Weltgeheimnisse gegeben war. Es hatte sich vieles von den alten Offenbarungen der Propheten fortgeerbt, aber die ursprünglichen Fähigkeiten, die geistigen Geheim-. nisse unmittelbar aus den geistigen Welten heraus zu bekommen, die waren längst verglommen. Aus den bewährten Schriften nahm man sie auf. Einige waren allerdings auch da, wie zum Beispiel der berühmte Flillel, welche durch ihre individuelle Entwickelung fähig waren, noch etwas zu vernehmen von dem, was den alten Propheten verkündigt worden war. Aber es war längst nicht mehr in diesen wenigen Menschen jene Kraft, die in der Urzeit des hebräischen Volkes, in der Zeit der Offenbarungen, da war. Es war durchaus ein Abstieg in der Geistesentwickelung des hebräischen Volkes zu bemerken. Das aber, was einmal da war, was geoffenbart worden war in der Zeit der Propheten, das tauchte jetzt wie aus den Tiefen der Scele des Jesus von Nazareth als innere Erleuchtung auf.
[ 11 ] Just as Jesus of Nazareth was placed among the Hebrew people, so too was the greatness of what had once been given to this people as direct mysteries of the world in the ancient times of the prophets no longer discernible within this Hebrew people. Much had been inherited from the ancient revelations of the prophets, but the original abilities to receive spiritual mysteries directly from the spiritual worlds had long since faded away. They were taken from the established scriptures. There were, however, some—such as the famous Philo—who, through their individual development, were still able to perceive something of what had been proclaimed to the ancient prophets. But the power that had existed in the early days of the Hebrew people, in the time of the revelations, was long since gone in these few individuals. A definite decline in the spiritual development of the Hebrew people was evident. But what had once been there, what had been revealed in the time of the prophets, now emerged as inner enlightenment, as if from the depths of the soul of Jesus of Nazareth.
[ 12 ] Aber weniger möchte ich Sie aufmerksam machen auf diese historische Tatsache, daß in einem einzelnen Menschen durch innere Erleuchtung wieder auftauchte, was einmal in der Prophetenzeit geoflenbart worden war. Vielmehr möchte ich Ihre Empfindungen hinlenken auf das, was es heißt, daß in unendlicher Einsamkeit eine so verhältnismäßig junge Seele, die Seele des dreizehn- bis vierzehnjährigen Jesus von Nazareth, in sich heraufkommen fühlt eine Offenbarung, welche alle anderen Menschen in seiner Umgebung nicht mehr heraufkommen fühlten, welche die Besten höchstens in einem schwachen Abglanz hatten. Versetzen Sie Ihre Empfindungen in das Leben einer solchen Seele, die mit einem Größten der Menschheit allein dasteht, und legen Sie Wert darauf, daß das Mysterium von Golgatha vorbereitet werden mußte dadurch, daß in der Seele des Jesus von Nazareth jene einsamen Gefühle und einsamen Empfindungen Platz greifen mußten. Wenn man so wie auf einer Seeleninsel dasteht mit etwas, was man so wie Er, der ja schon in seiner Kindheitszeit mit allen Menschen fühlen konnte, allen Menschen zuteil werden lassen möchte, aber nicht zuteil werden lassen kann, weil man sieht, daß die Seelen auf eine Stufe niedergestiegen sind, wo sie es nicht mehr aufnehmen können, wenn man dies alles empfindet: in Schmerz und Leid etwas wissen zu müssen, was die anderen nicht aufnehmen können, wovon man aber so gern wünschen möchte, daß es auch in ihren Seelen lebe, dann bereitet man sich für eine Mission vor. Dafür bereitete sich Jesus von Nazareth vor. Das gab seiner Seele die Grundnote, die Grundnuance, daß er sich immer wieder sagen mußte: Zu mir tönt eine Stimme aus der geistigen Welt. Wenn die Menschheit sie hören könnte, würde es ihr zu unendlichem Segen werden. In alten Zeiten waren Menschen da, die sie vernehmen konnten, jetzt aber sind keine Ohren mehr da, zu hören. — Dieses Leid des Alleinseins, das preßte sich immer mehr und mehr ein in seine Seele.
[ 12 ] But I wish to draw your attention less to this historical fact—that what had once been revealed in the time of the prophets reemerged in a single individual through inner enlightenment. Rather, I would like to direct your attention to what it means that, in infinite solitude, a relatively young soul—the soul of the thirteen- to fourteen-year-old Jesus of Nazareth—felt a revelation rising within him that none of the other people around him felt rising within themselves, a revelation of which even the best among them had at most only a faint reflection. Place your feelings within the life of such a soul, standing alone with one of humanity’s greatest, and take to heart that the Mystery of Golgotha had to be prepared by those lonely feelings and lonely sensations taking root in the soul of Jesus of Nazareth. When one stands, as it were, on an island of the soul with something that one—like Him, who even in His childhood could feel with all people—would like to bestow upon all people, but cannot bestow because one sees that souls have descended to a level where they can no longer receive it; when one feels all this: to know, in pain and suffering, something that others cannot receive, yet which one so dearly wishes might also live in their souls—then one prepares oneself for a mission. For this, Jesus of Nazareth prepared himself. This gave his soul the fundamental tone, the fundamental nuance, that he had to tell himself again and again: A voice from the spiritual world speaks to me. If humanity could hear it, it would be an infinite blessing to them. In ancient times there were people who could hear it, but now there are no ears left to hear. — This suffering of being alone pressed itself more and more deeply into his soul.
[ 13 ] Das war das Seelenleben des Jesus von Nazareth etwa vom zwölften bis zum achtzehnten Jahr. Dadurch war er auch unverstanden von seinem leiblichen Vater und seiner Zieh- oder Pflegemutter, und nicht nur unverstanden von seinen Stiefgeschwistern, sondern oft verspottet, ja, als ein halb Wahnsinniger angesehen. Er arbeitete fleißig im Schreinerhandwerk seines Vaters. Aber während er arbeitete, lebten die Empfindungen, die ich eben ausgesprochen und angedeutet habe, in seiner Seele. Dann, als er so im achtzehnten Lebensjahre stand, ging er hinaus auf die Wanderschaft. Er durchzog, arbeitend in verschiedenen Familien, bei verschiedenen Handwerkern seines Handwerks Palästina und auch umliegende heidnische Ortschaften. Er wurde so durch sein Karma geführt. Indem er so herumwanderte durch Palästina, zeigte sich die ganze Eigenart seiner Natur bei allen denen, in deren Kreis er trat. Bei Tage arbeitete er, abends saß er mit den Leuten zusammen. Und die Leute, mit denen er zusammensaß, so von seinem neunzehnten bis zum zweiundzwanzigsten Jahr etwa, hatten alle bei diesem Zusammensitzen mit ihm das Gefühl, was sie sich nicht immer klar zum Bewußtsein brachten, aber um so deutlicher fühlten: daß da ein Mensch von einer ganz besonderen Eigenart unter ihnen war, wie sie einen solchen noch nie gesehen hatten, ja, noch mehr, wie sie sich nie vorstellen konnten, daß einer leben könnte. Sie wußten ihn nicht zu nehmen.
[ 13 ] Such was the inner life of Jesus of Nazareth from about the age of twelve to eighteen. As a result, he was misunderstood not only by his biological father and his foster mother, but also by his step-siblings, who often mocked him and even regarded him as half-mad. He worked diligently in his father’s carpentry shop. But while he worked, the feelings I have just described and alluded to lived within his soul. Then, when he was about eighteen years old, he set out on his travels. Working for various families and with various craftsmen in his trade, he traveled through Palestine and the surrounding pagan villages. He was thus guided by his karma. As he wandered through Palestine in this way, the full peculiarity of his nature became apparent to all those in whose company he found himself. By day he worked; in the evenings he sat with the people. And the people with whom he sat, from about the age of nineteen to twenty-two, all had the feeling during these gatherings with him—a feeling they did not always bring clearly to consciousness, but felt all the more distinctly— that there was a person of a very special character among them, the like of whom they had never seen before, indeed, more than that, the like of whom they could never have imagined could exist. They did not know how to deal with him.
[ 14 ] Wenn man dies verstehen will, muß man eines berücksichtigen, was überhaupt berücksichtigt werden muß, wenn man so recht eindringen will in verschiedene Geheimnisse der Menschheitsevolution: daß so etwas zu erleben, wie ich es angedeutet habe bei dem jungen Jesus von Nazareth, tiefsten Schmerz in der Seele verursacht. Aber dieser Schmerz wandelt sich um in Liebe. Und viele höchste Liebe, die im Leben lebt, ist umgewandelter Schmerz dieser Art. Tiefster Schmerz hat die Fähigkeit, sich in Liebe umzuwandeln, die nicht bloß wirkt wie gewöhnliche Liebe durch das bloße Dasein des liebenden Wesens, sondern die gleichsam ausstrahlt wie weithin wirkende aurische Strahlen. So daß die Leute, unter denen Jesus in dieser Zeit war, viel mehr als bloß einen Menschen unter sich zu haben glaubten. Und wenn er wieder von einem Orte weggezogen war, da wirkte das so, daß die Leute, wenn sie des Abends wieder zusammensaßen, wirklich das Gefühl von seiner Gegenwart hatten. Als wenn er noch da wäre, so empfanden sie. Und das trat stets ein, wieder und wieder, wenn er längst fortgezogen war von einem Orte, wo er sich aufgehalten hatte: daß die Leute, die abends um den Tisch saßen, gemeinschaftliche Visionen hatten. Sie sahen ihn hereintreten als Geistgestalt. Jeder einzelne hatte zugleich diese Vision, daß Jesus wieder unter sie gekommen wäre, daß er mit ihnen spräche, ihnen Dinge mitteilte, wie einst in leiblicher Gegenwart. So lebte er sichtbarlich unter den Leuten, wenn er längst schon fort war. Das war eben der in Liebe umgewandelte Schmerz, der ihn so wirksam machte. Die Leute, bei denen er war, fühlten sich dadurch in einem besonderen Maße mit ihm verbunden. Sie fühlten sich eigentlich niemals mehr von ihm getrennt, sie fühlten: er war bei ihnen geblieben und er kam immer wieder.
[ 14 ] If one wishes to understand this, one must take into account something that must be considered at all times if one truly wishes to penetrate the various mysteries of human evolution: that experiencing something like what I have hinted at regarding the young Jesus of Nazareth causes the deepest pain in the soul. But this pain is transformed into love. And much of the highest love that exists in life is transformed pain of this kind. Deepest pain has the ability to transform itself into love that does not merely act like ordinary love through the mere presence of the loving being, but rather radiates, as it were, like far-reaching auric rays. So that the people among whom Jesus was at that time believed they had much more than just a human being in their midst. And when he had moved on from a place, it had such an effect that when the people sat together again in the evening, they truly had the feeling of his presence. They felt as if he were still there. And this always happened, again and again, long after he had left a place where he had stayed: that the people sitting around the table in the evening had shared visions. They saw him enter as a spiritual form. Every single one of them had this vision at the same time—that Jesus had come among them again, that he was speaking with them, telling them things, just as he once had in physical presence. Thus he lived visibly among the people, even when he had long since departed. This was precisely the pain transformed into love that made him so effective. The people with whom he had been felt, as a result, connected to him in a special way. They never really felt separated from him again; they felt that he had remained with them and that he kept coming back.
[ 15 ] Aber er zog nicht nur in der Gegend von Palästina umher, sondern sein Karma führte ihn - die einzelnen Umstände, warum sein Karma ihn so führte, zu besprechen, das würde heute zu weit führen - auch in heidnische Orte. Dorthin also kam er, nachdem er kennengelernt hatte die niedergehende Entwickelung im Judentum. Und er lernte kennen, wie in den Kulthandlungen der Heiden, wie in den heidnischen Religionsverrichtungen ebenso wie im Judentum erstorben war das, was einstmals als Uroffenbarung im alten Heidentum gelebt hatte. So mußte er die zweite Phase erleben im Wahrnehmen des Herabstiegs der Menschheit aus einer einstmals geistigen Höhe. Aber auf eine andere Art als bei dem Judentum sollte er wahrnehmen, wie das Heidentum herabgestiegen war.
[ 15 ] But he did not merely wander through the region of Palestine; his karma also led him—discussing the specific circumstances behind why his karma led him there would take us too far afield today—to pagan lands as well. So it was there that he went after he had become acquainted with the declining state of Judaism. And he came to realize that in the ritual practices of the pagans, just as in the pagan religious observances as well as in Judaism, that which had once lived as primordial revelation in ancient paganism had died out. Thus he had to experience the second phase in perceiving humanity’s descent from a once spiritual height. But in a different way than in Judaism, he was to perceive how paganism had descended.
[ 16 ] Die Art, wie er den Abstieg des Judentums vernahm, war mehr innerlich, durch innere Erleuchtung gewonnen. Da sah er, wie die Offenbarungen aus der geistigen Welt, die einst durch die alten Propheten verkündigt worden waren, aufgehört hatten, weil keine Ohren mehr da waren, zu hören. Wie es im Heidentum war, das wurde ihm klar an einem Ort, wo der alte heidnische Gottesdienst besonders verfallen war, wo sich auch in äußeren Zeichen der Verfall des Heidentums zeigte. Die Menschen waren an dem Ott, in den er jetzt kam, von Aussatz und sonstigen häßlichen Krankheiten befallen. Bösartig waren sie zum Teil geworden, zum Teil bresthaft, lahm. Sie waren gemieden von den Priestern, die geflohen waren von den Orten. Als man seiner ansichtig wurde, verbreitete sich wie ein Lauffeuer, daß da jemand ganz Besonderer käme. Denn er hatte jetzt auch in seinem äußeren Auftreten schon etwas erlangt, was eben wie umgewandelter Schmerz, wie Liebe war. Man sah, daß da ein Wesen herankam, wie es noch nie über die Erde gewandelt war. Das sagte der eine dem anderen. Rasch hatte es sich verbreitet, so daß viele herzuliefen, denn die Leute glaubten, daß ihnen zugeführt worden sei ein Priester, der wieder ihre Opfer verrichten würde. Waren doch ihre Priester geflohen! Da liefen sie herbei. So zeigt es die Akasha-Chronik, wie ich es Ihnen erzähle. Er hatte nicht vor, das heidnische Opfer zu verrichten. Aber jetzt zeigte sich ihm, wie in lebhaften Imaginationen, das ganze Rätsel vom Herabstiege auch der heidnischen Geistepoche. Er konnte jetzt unmittelbar wahrnehmen, was in die Geheimnisse der heidnischen Mysterien eingeflossen war, was in den heidnischen Mysterien gelebt hatte: daß die Kräfte hoher göttlicher Wesenheiten auf die Opferaltäre herabgeflossen waren. Jetzt aber strömten statt der Kräfte der guten Geister allerlei Dämonen, Sendboten des Luzifer und Ahriman, auf die heiligen Altäre herab. Nicht so innerlich durch Erleuchtung wie beim Judentum, sondern wie in äußeren Visionen, nahm er den Verfall des heidnischen Geisteslebens wahr.
[ 16 ] The way he perceived the decline of Judaism was more of an inner experience, gained through inner enlightenment. There he saw how the revelations from the spiritual world, which had once been proclaimed by the ancient prophets, had ceased because there were no longer any ears left to hear them. He came to understand the state of paganism in a place where the ancient pagan worship had fallen into particular decay, where the decline of paganism was also evident in outward signs. The people in the town he had now entered were afflicted with leprosy and other hideous diseases. Some had become malicious, others were crippled or lame. They were shunned by the priests, who had fled from those places. When they caught sight of him, the news spread like wildfire that someone very special was coming. For he had now attained something even in his outward appearance that was like transformed pain, like love. One could see that a being was approaching who had never before walked the earth. One said this to another. It had spread quickly, so that many ran to him, for the people believed that a priest had been brought to them who would once again perform their sacrifices. After all, their priests had fled! So they ran to him. This is how the Akashic Records show it, as I am telling you. He had no intention of performing the pagan sacrifice. But now the whole mystery of the descent of the pagan spirit epoch revealed itself to him, as in vivid imaginings. He could now perceive directly what had flowed into the secrets of the pagan mysteries, what had lived within the pagan mysteries: that the forces of high divine beings had flowed down upon the sacrificial altars. Now, however, instead of the forces of the good spirits, all manner of demons, messengers of Lucifer and Ahriman, were pouring down upon the sacred altars. Not so inwardly through enlightenment as in Judaism, but as in outward visions, he perceived the decline of pagan spiritual life.
[ 17 ] Es ist noch etwas anderes, etwas ganz anderes, sozusagen die Dinge theoretisch kennenzulernen, als zu schauen, wie auf einen Opferaltar, auf den einstmals göttlich-geistige Kräfte herabgeflossen waren, jetzt Dämonen herabstiegen, die abnorme Seelenzustände, Krankheiten und so weiter bewirkten. Dies anzuschauen in Geistesschau ist etwas anderes, als theoretisch davon zu wissen. Aber Jesus von Nazareth sollte das in unmittelbarer Geistesschau erkennen, sollte sehen, wie die Sendboten von Luzifer und Ahriman wirkten; er sollte sehen, was sie unter dem Volke angerichtet hatten. Er fiel plötzlich wie tot hin. Die Menschen ergriffen erschrocken die Flucht. Er aber hatte, während er so wie entgeistert, wie entrückt war in eine geistige Welt, den Eindruck von alledem, was einstmals die Uroffenbarungen zu den Heiden gesprochen hatten. Und so wie er Geheimnisse vernommen hatte, die den alten Propheten verkündet worden waren und die jetzt nicht einmal mehr wie ein Schatten in der jüdischen Kultur lebten, so konnte er jetzt durch geistige Inspiration hören, in welcher Art diese Geheimnisse den Heiden verkündet worden waren.
[ 17 ] It is quite another matter—something entirely different, so to speak—to learn about these things theoretically than to witness how demons now descended upon a sacrificial altar, upon which divine-spiritual forces had once flowed down, causing abnormal states of mind, illnesses, and so on. To behold this in spiritual vision is something different from knowing about it theoretically. But Jesus of Nazareth was to recognize this in direct spiritual vision; he was to see how the emissaries of Lucifer and Ahriman were working; he was to see what they had wrought among the people. He suddenly fell down as if dead. The people fled in terror. But while he lay there as if in a trance, as if transported into a spiritual world, he had a sense of all that the ancient revelations had once spoken to the Gentiles. And just as he had heard mysteries that had been proclaimed to the ancient prophets and that now no longer even lived on as a shadow in Jewish culture, so he could now, through spiritual inspiration, hear the manner in which these mysteries had been proclaimed to the pagans.
[ 18 ] Den tiefsten Eindruck machte auf ihn etwas, was versucht worden ist von mir zu erforschen, und was ich zum erstenmal mitgeteilt habe bei Gelegenheit der Grundsteinlegung unseres Dornacher Baues. Man könnte es nennen «Das umgekehrte Vaterunser», da es wie das Umgekehrte war von dem, was der substantielle Inhalt des Gebetes ist, das dem Christus Jesus von seinen Jüngern zugeschrieben wurde. Der Jesus von Nazareth nahm jetzt etwas wahr wie ein umgekehrtes Vaterunser, so daß er fühlen konnte, in diesen Worten ist wie zusammengepreßt das Geheimnis des menschlichen Werdens und das Verkörpertwerden in irdische Inkarnationen:
[ 18 ] What made the deepest impression on him was something I have attempted to explore, and which I first shared on the occasion of the laying of the cornerstone for our building in Dornach. One could call it “The Reversed Lord’s Prayer,” since it was like the reverse of what constitutes the essential content of the prayer attributed to Jesus Christ by his disciples. Jesus of Nazareth now perceived something like a reversed Lord’s Prayer, so that he could sense that these words contain, as it were, the compressed mystery of human becoming and the embodiment in earthly incarnations:
[ 19 ] Amen
Es walten die Übel
Zeugen sich lösender Ichheit
Von andern erschuldete Selbstheitschuld
Erlebet im täglichen Brote<
In dem nicht waltet der Himmel Wille
Indem der Mensch sich schied von Eurem Reich
Und vergaß Euren Namen<
Ihr Väter in den Himmeln.
[ 19 ] Amen
Evil reigns
Witnessing the dissolution of the self
Guilt of selfhood blamed on others
Experienced in our daily bread<
In which the will of Heaven does not reign
As man separated himself from Your Kingdom
And forgot Your name<
You Fathers in Heaven.
[ 20 ] Das ist, mit stammelnden Worten wiedergegeben, dasjenige, was ausdrückt etwas wie die Gesetze des sich einkörpernden Menschen, der aus dem Makrokosmos in den Mikrokosmos kommt. Seit mir diese Worte bekanntgeworden sind, habe ich gefunden, daß sie eine außerordentlich bedeutsame Meditationsformel sind. Sie haben eine Kraft über die Seele, die ganz außerordentlich ist, und man merkt sozusagen um so mehr die starke Kraft, die diese Worte haben, je mehr man sie betrachtet. Und dann, wenn man sie auflöst und zu verstehen sucht, dann zeigt sich an ihnen, wie in der Tat in ihnen das Geheimnis des Menschen und das Schicksal der Menschheit zusammengepreßt ist, und wie aus dem Umkehren der Worte das mikrokosmische Vaterunser entstehen konnte, das dann der Christus seinen Bekennern verkündet hat.
[ 20 ] This is, to put it in stammering words, what expresses something like the laws of the incarnating human being who comes from the macrocosm into the microcosm. Ever since I became acquainted with these words, I have found them to be an extraordinarily significant formula for meditation. They have a power over the soul that is quite extraordinary, and one notices, so to speak, the greater the power these words possess the more one contemplates them. And then, when one unpacks them and seeks to understand them, it becomes evident how, in fact, the mystery of the human being and the destiny of humanity are compressed within them, and how the reversal of the words gave rise to the microcosmic Lord’s Prayer, which Christ then proclaimed to his followers.
[ 21 ] Aber nicht nur dieses Geheimnis der heidnischen Uroffenbarung nahm Jesus wahr. Als er wieder aufwachte aus der Vision, lernte er kennen durch die fliehenden Menschen und Dämonen das ganze Geheimnis des Heidentums. Das war der zweite maßlose Schmerz, der sich in seine Seele senkte. Er hatte zuerst in so bedeutender Weise kennengelernt den Verfall des Judentums dadurch, daß er erkannte, was einst dem noch nicht verfallenen Judentum offenbart worden war. Jetzt lernte er ein Gleiches bei den Heiden kennen. Auf diese Weise brachte er sich zum bewußten Erleben die Empfindung der Tatsache, daß in seiner Umgebung die Menschheit leben mußte im Sinne der Worte: Sie haben Ohren und hören nicht das, dasjenige, was die Weltgeheimnisse sind. — So mußte er sich das unbegrenzte Mitgefühl erobern, das er mit den Menschen immer gehabt hatte und das in den Worten ausgedrückt werden kann: Jetzt konnte er schauen; die Menschheit sollte den Inhalt seines Schauens haben, aber wo sind die Wesen, es der Menschheit mitzuteilen ?
[ 21 ] But Jesus perceived not only this mystery of the pagan primordial revelation. When he awoke from the vision, he came to know, through the fleeing people and demons, the entire mystery of paganism. That was the second immeasurable pain that sank into his soul. He had first come to know the decline of Judaism in such a profound way by recognizing what had once been revealed to Judaism before its decline. Now he came to know the same thing among the pagans. In this way, he brought to conscious experience the realization that humanity in his surroundings had to live in accordance with the words: They have ears and do not hear that which constitutes the mysteries of the world. — Thus he had to conquer the boundless compassion he had always felt for humanity, which can be expressed in the words: Now he could see; humanity should have the content of his vision, but where are the beings to convey it to humanity?
[ 22 ] Solche Erfahrungen mußte er bis zu seinem vierundzwanzigsten Lebensjahr etwa machen. Dann führte ihn sein Karma heim in der Zeit, als sein Vater starb. Er lebte dann mit seinen Stiefgeschwistern und mit seiner Zieh- oder Stiefmutter zusammen. Während die Stiefmutter ihn früher auch wenig verstanden hatte, machte sich jetzt immer mehr und mehr ein Verständnis von ihrer Seite bemerkbar für das, was er als großen Schmerz in sich trug. Und so folgten weitere Erlebnisse vom vierundzwanzigsten bis zum achtundzwanzigsten, neunundzwanzigsten, dreißigsten Lebensjahr, in denen er immer mehr und mehr — obwohl es auch hier schwer war — Verständnis fand bei seiner Stief- oder Ziehmutter. Es waren das zugleich die Jahre, in denen er mit dem Essäerorden näher bekannt wurde. Ich möchte heute nur die Hauptmomente andeuten, wie Jesus.den Essäerorden kennenlernte. Es war dies ein Orden, in welchem Menschen sich vereinigten, die sich von der übrigen Menschheit absonderten und die ein besonderes Leben des Leibes und der Seele entwickelten, um durch dieses Leben sich wieder zu jener Uroffenbarung des Geistes, welche die Menschheit verloren hatte, hinaufzuranken. In strengen Übungen und in einer strengen Lebensweise sollten die aufsteigenden Seelen eine Stufe erreichen, durch die sie wieder zusammengebracht werden konnten mit den geistigen Regionen, aus denen die Uroflenbarungen geflossen waren.
[ 22 ] He had to go through experiences like this until he was about twenty-four years old. Then his karma led him home at the time his father died. He then lived with his step-siblings and his foster or stepmother. While his stepmother had previously understood him very little, she now showed more and more understanding for the great pain he carried within him. And so further experiences followed from the age of twenty-four to twenty-eight, twenty-nine, and thirty, during which he found more and more—though it was difficult here as well—understanding from his stepmother or foster mother. These were also the years in which he became more closely acquainted with the Essene Order. Today I would like to touch only on the main moments of how Jesus came to know the Essene Order. This was an order in which people united who set themselves apart from the rest of humanity and who developed a special life of body and soul in order to climb back up through this life to that primordial revelation of the Spirit which humanity had lost. Through rigorous exercises and a strict way of life, the ascending souls were to reach a level through which they could be reunited with the spiritual realms from which the primordial revelations had flowed.
[ 23 ] In diesem Kreise lernte Jesus von Nazareth auch Johannes den Täufer kennen, aber sie wurden beide nicht im eigentlichen Sinn Essäer. Das zeigt gerade die Akasha-Chronik auf diesem Gebiet. Aber aus alledem, was ich geschildert habe, geht ja hervor, daß eine Menschenpersönlichkeit ganz besonderer Art da war, die auf jeden ganz außerordentlich wirkte; hatte sie doch so außerordentlich, wie ich es geschildert habe, bei den Heiden gewirkt, so daß auch die Essäer — trotzdem sie sonst das, was sie für ihre Seelen errungen hatten, wie das heiligste Geheimnis bewahrten, nichts davon verrieten an Außenstehende — harmlos sprachen mit Jesus über wichtige Ordensgeheimnisse, über Wichtigstes, was sie sich im Streben ihrer Seelen errungen hatten. So lernte Jesus kennen, wie ein in jener Zeit gegenwärtiger Weg für die Menschenseele da war, um hinaufzusteigen zu den Höhen, in denen die Urseelen der Menschen einmal geweilt hatten und von denen sie herabgestiegen waren. Ja, das konnte er an den Essäern merken, wie es den Menschen doch noch möglich sei, durch besondere Übungen zu diesen Höhen wieder hinaufzuklimmen. Aber schon machte es auf seine Seele einen tief, man möchte sagen, wenn das triviale Wort in diesem Zusammenhang erlaubt ist, unbehaglichen Eindruck, daß ein solcher Essäer, wenn er zu diesen Höhen aufsteigen wollte, von der übrigen Menschheit sich absondern, ein Leben führen mußte außerhalb des Kreises der übrigen Menschen. Das war ganz und gar nicht nach der Art von allgemeinster Menschenliebe, wie Jesus von Nazareth sie fühlte, der nicht ertragen konnte, daß etwas an geistigem Gut bestehen sollte, das nicht die ganze Menschheit sich aneignen konnte, sondern nur einzelne auf Kosten der ganzen Menschheit. Und oft ging er mit größtem Schmerz weg von den Stätten der Essäer. Das, was er empfand, läßt sich mit den Worten ausdrücken: Auch da sind einzelne, und es können immer nur wenige sein, die den Weg zurückfinden zur Uroffenbarung, aber gerade wenn diese wenigen sich absondern, müssen die anderen um so mehr in Verfall leben. Sie können nicht hinaufkommen, denn sie müssen die grobe materielle Arbeit verrichten für die, die sich absondern.
[ 23 ] It was within this circle that Jesus of Nazareth also met John the Baptist, but neither of them became Essene in the strict sense of the word. This is precisely what the Akashic Records reveal in this regard. But from all that I have described, it is clear that there was a human personality of a very special kind who had an extraordinary effect on everyone; for she had made such an extraordinary impact on the Gentiles, as I have described, that even the Essenes — even though they otherwise guarded what they had attained for their souls as the holiest of secrets, revealing nothing of it to outsiders — spoke freely with Jesus about important secrets of the order, about the most essential things they had attained in the striving of their souls. Thus Jesus came to know how a path existed at that time for the human soul to ascend to the heights where the primordial souls of humanity had once dwelt and from which they had descended. Yes, he could see from the Essenes how it was still possible for human beings, through special exercises, to climb back up to these heights. But it already made a deep, one might say—if the trivial word is permitted in this context—uncomfortable impression on his soul that such an Essene, if he wished to ascend to these heights, had to separate himself from the rest of humanity and lead a life outside the circle of other people. This was entirely contrary to the spirit of universal love for humanity as felt by Jesus of Nazareth, who could not bear the idea that any spiritual treasure should exist that could not be appropriated by all of humanity, but only by individuals at the expense of the whole of humanity. And often he left the places of the Essenes with the greatest sorrow. What he felt can be expressed in these words: There, too, are individuals—and there can always be only a few—who find their way back to the primal revelation; but precisely when these few separate themselves, the others must live all the more in decay. They cannot ascend, for they must perform the coarse material labor for those who separate themselves.
[ 24 ] Als er wieder einmal aus einem Tore der Ordensniederlassung herausging, da sah er im Geiste, wie zwei Gestalten von dem Tore wegflohen. Von diesen beiden Gestalten, die wir heute in unserer anthroposophischen Sprache Luzifer und Ahriman nennen, hatte er den Eindruck, daß die Essäer sich vor ihnen schützten, sie durch ihre Übungen, durch ihr asketisches Leben, durch die strengen Ordensregeln vertrieben. Nichts sollte von Luzifer und Ahriman an diese Seelen herankommen. Daher sah Jesus von Nazareth Ahriman und Luzifer wegfliehen, aber er wußte jetzt auch: gerade dadurch, daß eine solche Stätte geschaffen war, wo man Ahriman und Luzifer nicht zuließ, wo man nichts wissen wollte von ihnen, gerade dadurch zogen sie um so mehr zu den anderen Menschen hin, weil sie fliehen mußten von diesen Stätten. Das hatte er jetzt vor sich. Wiederum wirkt das ganz anders, wenn man es nur durch Theorie kennt, als wenn man sieht, was einzelne Seelen für ihre Förderung tun und wie dadurch Luzifer und Ahriman zu anderen Menschen hingeschickt werden, indem einzelne sie sich vom Leibe schaffen. Jetzt wußte er, daß das kein Heilsweg ist, den die Essäer gingen, sondern daß das ein Weg ist, der durch Absonderung auf Kosten der übrigen Menschheit nur die eigene Förderung sucht.
[ 24 ] As he was once again walking out of a gate at the Order’s settlement, he saw in his mind’s eye two figures fleeing from the gate. Of these two figures, whom we today call Lucifer and Ahriman in our anthroposophical language, he had the impression that the Essenes were protecting themselves from them, driving them away through their exercises, their ascetic life, and the strict rules of the Order. Nothing from Lucifer and Ahriman was to come near these souls. Thus Jesus of Nazareth saw Ahriman and Lucifer flee, but he now also knew: precisely because such a place had been created where Ahriman and Lucifer were not permitted, where one wanted to know nothing of them, precisely because of this they were drawn all the more to other people, since they had to flee from these places. This was now before him. Again, this has a very different effect when one knows it only through theory than when one sees what individual souls do for their own advancement and how, through this, Lucifer and Ahriman are sent to other people as individual souls rid themselves of them. Now he knew that the path the Essenes took was not a path to salvation, but rather a path that, through isolation at the expense of the rest of humanity, sought only their own advancement.
[ 25 ] Ein unsägliches Erbarmen kam über ihn. Er empfand keine Freude an dem Aufsteigen der Essäer, da er wußte, andere Menschen mußten um so tiefer sinken, während einzelne stiegen. Das alles kam um so mehr über ihn, als er immer wieder auch an anderen Toren der Essäer — es gab mehrere solcher Stätten - das Bild sah des fliehenden Luzifer und Ahriman, die vor den Toren standen, aber nicht hineinkommen konnten in diese Ordensstätten. So wußte er, wie Ordenssitten und Ordensregeln - nach dem Muster der Essäerregeln - Luzifer und Ahriman den anderen Menschen zutreiben. Und dies war der dritte große, unendliche Schmerz, den er über den Herabstieg der Menschheit empfand und der sich so über seine Seele gebreitet hatte.
[ 25 ] An indescribable compassion came over him. He took no joy in the rise of the Essenes, for he knew that while some people rose, others had to sink all the deeper. All this affected him all the more because, time and again, at other gates of the Essenes—there were several such sites—he saw the image of the fleeing Lucifer and Ahriman, who stood before the gates but could not enter these monastic sites. Thus he knew how the customs and rules of the Order—following the pattern of the Essene rules—drove Lucifer and Ahriman toward other people. And this was the third great, infinite pain he felt over the descent of humanity, which had spread so deeply over his soul.
[ 26 ] Ich sagte schon, daß seine Stief- oder Ziehmutter immer mehr Verständnis bekam für das, was in seiner Seele lebte. Jetzt trug sich das zu, was bedeutsam wurde als Vorbereitung für das Mysterium von Golgatha: Ein Gespräch fand statt - so ergibt es die Forschung in der Akasha-Chronik - zwischen Jesus von Nazareth und der Stief- oder Ziehmutter. So weit war ihr Verständnis schon vorgerückt, daß er zu ihr von dem dreifachen Schmerz sprechen konnte, den er über den Abstieg der Menschheit, den er auf dem Gebiete des Judentums und des Heidentums sowie des Essäertums durchgemacht hatte. Und indem er ihr schilderte seinen ganzen einsamen Schmerz, und was er erfahren hatte, sah er, daß dies auf ihre Seele wirkte.
[ 26 ] I have already mentioned that his stepmother or foster mother came to understand more and more what was going on in his soul. Now what took place was significant as a preparation for the Mystery of Golgotha: A conversation took place—as research in the Akashic Records reveals—between Jesus of Nazareth and his stepmother or foster mother. Her understanding had already advanced to such an extent that he could speak to her of the threefold pain he had experienced regarding the decline of humanity, which he had witnessed in the realms of Judaism, paganism, and Essene teachings. And as he described to her all his lonely pain and what he had experienced, he saw that this had an effect on her soul.
[ 27 ] Es gehört zu den großartigsten Eindrücken, die man auf okkultistischem Felde erhalten kann, gerade den Charakter dieses Gespräches kennenzulernen. Denn man kann eigentlich im ganzen Bereich der Erdenentwickelung etwas Ähnliches, ich sage nicht, etwas Größeres, denn natürlich: das Mysterium von Golgatha ist größer, aber etwas Ähnliches kann man sonst nicht sehen. Das, was er zu der Mutter sprach, waren nicht etwa bloß im gewöhnlichen Sinn Worte, sondern sie waren wie lebendige Wesen, die von ihm zu der Stiefmutter hinübergingen, und seine Seele beflügelte diese Worte mit ihren eigenen Kräften. Alles, was er so unendlich stark erlitten hatte, ging in dem Gespräch wie auf den Flügeln der Worte hinüber in die Seele der Stiefmutter. Sein eigenes Ich begleitete jedes Wort, und es war nicht bloß ein Worte- oder Gedankenaustausch, es war ein lebendiges Seelenwandern von ihm in die Seele der Stiefmutter, die Worte von seiner unendlichen Liebe, aber auch von seinem unendlichen Schmerz. Und so konnte er ihr alles wie in einem großen Tableau entwickeln, was er dreimal erlebt hatte. Was sich da abspielte, wurde noch dadurch erhöht, daß Jesus von Nazareth allmählich das Gespräch übergehen ließ in etwas, was sich ihm ergeben hatte aus dem dreifachen Leid des Menschenabstieges heraus.
[ 27 ] One of the most profound impressions one can gain in the field of occultism is precisely to come to know the nature of this conversation. For in the entire realm of Earth’s evolution, one cannot really find anything similar—I do not say anything greater, for of course the Mystery of Golgotha is greater—but one cannot find anything else like it. What he spoke to the mother were not merely words in the ordinary sense, but they were like living beings passing from him to the stepmother, and his soul imbued these words with its own powers. Everything he had suffered so infinitely intensely passed over into the stepmother’s soul during the conversation, as if on the wings of the words. His own self accompanied every word, and it was not merely an exchange of words or thoughts; it was a living journey of the soul from him into the stepmother’s soul—words of his infinite love, but also of his infinite pain. And so he was able to unfold to her, as in a great tableau, everything he had experienced three times over. What was taking place there was further heightened by the fact that Jesus of Nazareth gradually allowed the conversation to shift into something that had emerged for him from the threefold suffering of the descent of humanity.
[ 28 ] Nun ist es wirklich schwierig, in Worte zu kleiden das, was er, wie zusammenfassend seine eigenen Erlebnisse, zur Stiefmutter jetzt sprach. Aber da wir ja geisteswissenschaftlich vorbereitet sind, so kann auch mit Zuhilfenahme geisteswissenschaftlicher Formeln und Ausdrücke versucht werden, den Schluß des Gespräches seinem Sinne nach zu schildern. Natürlich ist das, was ich jetzt zu sagen habe, nicht so gesprochen worden, aber es wird ungefähr eine Vorstellung hervorrufen von dem, was Jesus jetzt als Vorstellung in der Seele der Stiefmutter hervorrufen wollte: Wenn man so in die Entwickelung der Menschheit zurückblickt, dann stellt sich das gesamte Leben der Menschheit auf Erden so dar wie das einzelne menschliche Leben, nur verändert für die späteren Generationen, ihnen unbewußt. Das nachatlantische Leben der Menschheit, könnte man sagen, trat da vor die Seele des Jesus von Nazareth: wie zuerst nach dem großen Naturereignis eine urindische Kultur sich entwickelte, wo die großen heiligen Rishis ihre gewaltigen Weistümer an die Menschheit heranbringen konnten. Mit anderen Worten: es war eine spirituell-geistige Kultur da. Ja, so sagte er, so wie im einzelnen Menschen ein kindliches Alter da ist zwischen der Geburt und dem siebenten Jahr, wo ganz andere geistige Kräfte walten als im späteren Menschenleben, so wirkten geistige Kräfte in dieser urindischen Zeit. Weil diese Kräfte nicht nur bis zum siebenten Jahr da waren, sondern über das ganze Leben sich ergossen, so war die Menschheit in einer anderen Evolution als später. Damals wußte man das ganze Leben hindurch, was heute das Kind bis zum siebenten Jahr weiß und erlebt. Man denkt heute so zwischen dem siebenten und vierzehnten und dem vierzehnten und einundzwanzigsten Jahr, so wie man eben denkt, weil man die Kindheitskräfte verloren hat, die bei uns heute im siebenten Jahr abgestellt werden. Weil diese damals über das ganze Menschenleben ausgegossen waren, diese Kräfte, die heute nur bis zum siebenten Lebensjahr da sind, waren die Menschen in der ersten nachatlantischen Epoche hellsichtig. Höher stiegen sie mit den Kräften, die heute nur bis zum siebenten Jahre im Menschen leben. Ja, da war das Goldene Zeitalter in der Menschheitsentwickelung. Dann kam ein anderes Zeitalter, da waren die Kräfte in der ganzen Menschheit tätig, ausgebreitet über das ganze Leben, die sonst nur zwischen dem siebenten und vierzehnten Lebensjahr tätig sind. Dann kam die dritte Epoche, in der tätig waren die Kräfte, die heute zwischen dem vierzehnten und einundzwanzigsten Jahr wirken. Und dann lebten wir in einer Epoche, in der die Kräfte ausgegossen waren über das ganze Menschheitsleben, die sonst zwischen dem einundzwanzigsten und achtundzwanzigsten Jahre tätig sind. Da nähern wir uns aber schon, so sagte Jesus von Nazareth, der Mitte des Menschenlebens, die in den Dreißigerjahren liegt, wo für den einzelnen Menschen die Jugendkräfte aufhören aufzusteigen, wo er beginnt, den Abstieg zu vollziehen. Wir leben jetzt in dem Zeitalter, das entspricht dem achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Jahr des einzelnen Menschen, wo der Mensch den Abstieg des Lebens beginnt. Während beim einzelnen Menschen andere Kräfte noch da sind, die ihn weiterleben lassen, so ist in der ganzen Menschheit nichts mehr da. Das ist der große Schmerz, daß die Menschheit greisenhaft werden soll, ihre Jugend hinter sich hat, daß sie steht in dem Alter zwischen dem achtundzwanzigsten und fünfunddreißigsten Lebensjahr. Wo kommen neue Kräfte her? Die Jugendkräfte sind erschöpft.
[ 28 ] It is truly difficult to put into words what he said to his stepmother now, as if summarizing his own experiences. But since we are prepared in spiritual science, we can attempt to describe the meaning of the conclusion of the conversation with the help of spiritual scientific formulas and expressions. Of course, what I am about to say was not spoken in these exact words, but it will give a rough idea of what Jesus intended to evoke as a mental image in the stepmother’s soul: When one looks back at the development of humanity, the entire life of humanity on Earth appears much like the life of an individual human being, only altered for later generations, who remain unaware of it. The post-Atlantean life of humanity, one might say, appeared before the soul of Jesus of Nazareth: how, immediately after the great natural event, a primordial Indian culture developed, where the great holy Rishis were able to bring their immense wisdom to humanity. In other words: there was a spiritual-intellectual culture there. Yes, he said, just as there is a childlike stage in the individual human being between birth and the age of seven, where entirely different spiritual forces are at work than in later life, so did spiritual forces operate in this ancient Indian era. Because these forces were not limited to the first seven years but extended throughout the entire life, humanity was in a different stage of evolution than it would be later. Back then, people knew throughout their entire lives what a child today knows and experiences up to the age of seven. Today, people think in this way between the ages of seven and fourteen and between fourteen and twenty-one, precisely because they have lost the childhood powers that are shut off in us today by the age of seven. Because these powers—which today exist only until the age of seven—were poured out over the entire human life back then, people in the first post-Atlantean epoch were clairvoyant. They rose higher with the forces that today live in human beings only until the age of seven. Yes, that was the Golden Age in human development. Then came another age, when the forces that are otherwise active only between the ages of seven and fourteen were at work throughout all of humanity, spread across the entire lifespan. Then came the third epoch, in which the forces were active that today operate between the ages of fourteen and twenty-one. And then we lived in an epoch in which the forces were spread out over the whole of human life, forces that are otherwise active between the ages of twenty-one and twenty-eight. But we are already approaching, as Jesus of Nazareth said, the midpoint of human life, which lies in the thirties, where for the individual human being the forces of youth cease to rise, where he begins to undergo the descent. We now live in the age corresponding to the twenty-eighth to thirty-fifth year of the individual human being, where the human being begins the descent of life. While other forces still remain in the individual that allow them to continue living, there is nothing left in humanity as a whole. This is the great sorrow: that humanity is to grow senile, having left its youth behind, that it stands at the age between twenty-eight and thirty-five. Where do new forces come from? The forces of youth are exhausted.
[ 29 ] In einer solchen Weise sprach Jesus zu seiner Stiefmutter über den Abstieg, der für das ganze Leben der sich fortentwickelnden Menschheit beginne, daß ein unsäglicher Schmerz in seinen Worten sich ausdrückte, so daß man sah, es war jetzt wie hoffnungslos, ganz hoffnungslos für die Menschheit. Die Jugendkräfte sind erschöpft, die Menschheit kann jetzt dem Greisenalter entgegengehen. Der einzelne Mensch, das wußte er, der führt gleichsam dadurch, daß ihm ein Rest der Kräfte verbleibt, zwischen dem fünfunddreißigsten Lebensjahr und dem Tode sein Leben weiter. Die Menschheit aber hatte so etwas nicht; in die mußte erst etwas hineinkommen: das, was dem Einzelleben eines Menschen notwendig ist zwischen dem achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Lebensjahr. Makrokosmisch mußte die Erde durchleuchtet werden von der Kraft, von der sonst der Mensch durchleuchtet werden muß da, wo er den Aufstieg des Lebens zwischen dem achtundzwanzigsten und vierunddreißigsten Jahr durchmacht.
[ 29 ] Jesus spoke to his stepmother in such a way about the decline that was beginning for the entire life of evolving humanity that an unspeakable pain was expressed in his words, so that one could see it was now as if hopeless, completely hopeless for humanity. The forces of youth are exhausted; humanity can now face old age. The individual human being, he knew, carries on with his life—as it were, by virtue of the fact that a remnant of strength remains to him—between the age of thirty-five and death. But humanity had no such thing; something had to enter into it first: that which is necessary for the individual life of a human being between the ages of twenty-eight and thirty-five. On a macrocosmic level, the Earth had to be permeated by the force that otherwise permeates the human being during the ascent of life between the ages of twenty-eight and thirty-four.
[ 30 ] Daß die Menschheit als solche alt wird, das ist der Gedanke, das ist die Empfindung, die man jetzt in der Akasha-Chronik sieht und während der Erzählung des Jesus von Nazareth fühlt. Während er so zu der Mutter sprach, während sozusagen der Sinn der Menschheitsentwickelung aus seinen Worten tönte, da wußte er in einem Augenblick, in dem gleichsam alles, was in seinem Selbst war, in seine Worte überfloß, daß mit ihnen aus seinem Eigenwesen etwas fortging, denn seine Worte waren dasjenige geworden, was er selbst war. Das war auch der Moment, wo jetzt hineinfloß in die Seele der Stief- oder Ziehmutter jene Seelenwesenheit, die in seiner leiblichen Mutter gelebt hatte, die nach dem Herausgehen des Zarathustra-Ichs in den Leib des anderen Jesusknaben der Erde abgestorben war und seit dem zwölften Lebensjahr des Jesus in geistigen Regionen lebte. Sie konnte von jetzt ab diese Seele der Stiefmutter durchgeistigen, so daß diese mit der Seele der leiblichen Mutter des nathanischen Jesusknaben lebte.
[ 30 ] That humanity as such is growing old—that is the thought, that is the feeling one now perceives in the Akashic Records and senses during the account of Jesus of Nazareth. As he spoke thus to the mother, as the very meaning of human evolution, so to speak, resounded from his words, he knew in an instant—when, as it were, everything that was within his being overflowed into his words—that something of his own being was departing with them, for his words had become what he himself was. That was also the moment when that soul-presence, which had lived in his biological mother—who had died on Earth after the departure of the Zarathustra-I into the body of the other Jesus-child and had lived in spiritual regions since Jesus’s twelfth year—now flowed into the soul of the stepmother or foster mother. From that moment on, she was able to spiritualize the soul of the stepmother, so that it lived together with the soul of the biological mother of the Nathanic Jesus boy.
[ 31 ] Der Jesus von Nazareth aber hatte so intensiv sich selbst verbunden mit den Worten, in die er all seinen Schmerz über die Menschheit geprägt hatte, daß dieses Selbst wie aus seinen Leibeshüllen verschwunden war, und seine Leibeshüllen jetzt wieder so waren, wie sie waren, als er ein kleiner Knabe war, nur durchtränkt von alldem, was er durchlitten hatte seit seinem zwölften Jahr. Das Ich des Zarathustra war weggegangen, und es lebte in seinen drei Hüllen nur das, was zurückgeblieben war durch die Macht der Erlebnisse. In diesen drei Hüllen machte sich jetzt ein Impuls geltend; der trieb ihn auf einen Weg, welcher ihn dann zu Johannes dem Täufer am Jordan führte. Wie in einer Art von Traum, der aber doch wieder kein Traum war, sondern ein höheres Bewußtsein, so ging er den Weg, und nur die drei Hüllen waren da, durchgeistigt und durchpulst von den Wirkungen der Erlebnisse seit dem zwölften Jahr. Das Ich des Zarathustra war weggegangen. Die drei Hüllen führten ihn so, daß er kaum etwas wahrnahm von dem, was um ihn war. Er lebte, gerade weil das Ich fort war, ganz im Anschauen des Schicksals der Menschen, in dem auch, was den Menschen fehlte.
[ 31 ] But Jesus of Nazareth had so intensely identified himself with the words into which he had imprinted all his pain for humanity that this self had vanished as if from his physical form, and his physical form was now once again as it had been when he was a little boy, only imbued with all that he had suffered since the age of twelve. The ego of Zarathustra had departed, and only what remained through the power of his experiences lived on in his three physical forms. An impulse now took hold within these three forms; it drove him onto a path that then led him to John the Baptist at the Jordan. As if in a kind of dream, which was, however, not a dream but a higher consciousness, he walked the path, and only the three shells were there, imbued with spirit and pulsing with the effects of the experiences since the age of twelve. The ego of Zarathustra had departed. The three sheaths guided him in such a way that he scarcely perceived anything of what was around him. Precisely because the ego was gone, he lived entirely in the contemplation of human destiny, including that which was lacking in humanity.
[ 32 ] Als er so dahinging auf dem Wege zu Johannes dem Täufer am Jordan, da begegneten ihm zwei Essäer, mit denen er oft Gespräche geführt hatte. So wie er jetzt war, erkannte er die beiden Essäer nicht, denn wie entrückt war seine Ichheit. Sie aber kannten ihn. Und darum sprachen sie ihn an: Wohin geht dein Weg, Jesus von Nazareth? - Das, was er zu ihnen sprach, habe ich versucht in Worte zu kleiden. Er sprach die Worte so, daß sie nicht wußten, woher sie kamen, sie kamen aus ihm und doch nicht aus ihm: Dahin, wohin Seelen eurer Art nicht blicken wollen, wo der Schmerz der Menschheit die Strahlen des vergessenen Lichtes finden kann.
[ 32 ] As he was walking along the road to John the Baptist at the Jordan, he met two Essenes with whom he had often conversed. In his present state, he did not recognize the two Essenes, for his sense of self was so far removed. But they knew him. And so they addressed him: Where are you going, Jesus of Nazareth? — I have tried to put into words what he said to them. He spoke the words in such a way that they did not know where they came from; they came from him and yet not from him: To where souls of your kind do not wish to look, where the pain of humanity can find the rays of the forgotten light.
[ 33 ] Das waren die Worte, wie sie von ihm kamen. Und sie verstanden seine Rede nicht; sie merkten jetzt, daß er sie nicht erkannte. Und sie sprachen weiter: Jesus von Nazareth, kennst du uns nicht? — Und jetzt kamen noch merkwürdigere Worte. Es war, wie wenn er zu ihnen gesprochen hätte: Ihr seid wie verirrte Lämmer, ich aber war des Hirten Sohn, dem ihr entlaufen seid. Wenn ihr mich recht erkennet, werdet ihr bald von neuem entlaufen. Es ist lange her, daß ihr von mir in die Welt entflohen seid.
[ 33 ] Those were the words as they came from him. And they did not understand what he was saying; they now realized that he did not recognize them. And they continued, “Jesus of Nazareth, do you not know us?” — And now even stranger words followed. It was as if he had spoken to them: “You are like lost lambs, but I was the shepherd’s son from whom you have run away. If you truly recognize me, you will soon run away again. It has been a long time since you fled from me into the world.”
[ 34 ] Die Essäer wußten nicht, was sie von ihm halten sollten, denn indem er so zu sprechen schien, nahmen seine Augen ein ganz besonderes Gepräge an. Sie waren wie nach außen und doch wieder nach innen blickend. Sie waren wie Augen, die in ihrem Ausdruck etwas hatten wie von Vorwurf für die angesprochenen Seelen. Es waren Augen, durch die es strahlte wie von milder Liebe, aber von einer Liebe, die für die Essäer zum Vorwurf wurde, der aus ihrer eigenen Scele kam. So etwa kann man charakterisieren, was die Essäer empfanden, als sie ihn hörten: Was seid ihr für Seelen? Wo ist eure Welt? Warum hüllt ihr euch in täuschende Hüllen? Warum brennt in eurem Inneren ein Feuer, das in meines Vaters Hause nicht entfacht ist?
[ 34 ] The Essenes did not know what to make of him, for as he seemed to speak, his eyes took on a very peculiar expression. They appeared to be looking outward and yet inward at the same time. They were eyes whose expression seemed to contain a kind of reproach directed at the souls he was addressing. They were eyes through which a gentle love shone, but a love that became a reproach to the Essenes, one that sprang from their own hearts. This is roughly how one might characterize what the Essenes felt when they heard him: What kind of souls are you? Where is your world? Why do you cloak yourselves in deceptive veils? Why does a fire burn within you that is not kindled in my Father’s house?
[ 35 ] Und es verstummten gleichsam ihre Seelen bei diesen Worten. Und er sprach weiter: Ihr habt des Versuchers Mal an euch, der traf euch nach eurer Flucht. Er hat mit seinem Feuer eure Wolle gleißend gemacht. Die Haare dieser Wolle stechen meinen Blick. Ihr verirrten Lämmer! Er hat eure Seelen mit Hochmut durchtränkt.
[ 35 ] And at these words, their souls fell silent, as it were. And he continued: "You bear the mark of the Tempter, who struck you after your flight. With his fire, he has made your wool gleam. The hairs of this wool pierce my gaze. You strayed lambs! He has saturated your souls with pride.
[ 36 ] Als er die Worte gesprochen hatte: Gleißend ist eure Wolle geworden, die Haare dieser Wolle stechen meinen Blick —, da nahm einer der Essäer das Wort und sagte: Haben wir nicht dem Versucher die Türe gewiesen? Er hat kein Teil mehr an uns. — Da dies der Essäer gesprochen hatte, sagte Jesus weiter: Wohl wieset ihr ihm die Türe, doch er lief hin und kam zu den anderen Menschen. So greift er sie von allen Seiten an. Ihr erhöht euch nicht, wenn ihr die anderen erniedriget. Ihr kommt euch doch nur vor, als wenn ihr euch erhöhtet, weil ihr die anderen laßt verkleinert werden! Ihr bleibt so hoch, wie ihr seid, und nur weil ihr die anderen kleiner macht, so kommt ihr euch groß vor.
[ 36 ] When he had spoken these words: “Your wool has become glaringly bright; the hairs of this wool pierce my eyes”—one of the Essenes spoke up and said: “Have we not shown the Tempter the door? He no longer has any part in us.”—When the Essene had spoken these words, Jesus continued: “You did indeed show him the door, yet he ran off and went to the other people. Thus he attacks them from all sides. You do not exalt yourselves by humiliating others. You only imagine that you are exalting yourselves because you allow others to be diminished! You remain as lowly as you are, and it is only because you make others smaller that you feel great.”
[ 37 ] Jesus von Nazareth sprach so, daß es die Essäer merken konnten. Und da er dies gesprochen hatte, war es so bedrückend für die Essäer, daß sie nicht mehr schauen konnten. Ihre Augen verdunkelten sich, und Jesus von Nazareth war wie vor ihren Augen entschwunden. Dann aber, als er wie entschwunden war, da sahen sie wie von ferne sein Angesicht, aber ins Riesenhafte vergrößert, wie eine Fata Morgana vor sich, weit, weit weg, und wie aus dieser Fata Morgana sprechend, kamen Worte her, etwas, was sie empfanden wie: Eitel ist euer Streben, weil leer ist euer Herz, das ihr nur erfüllet habt mit dem Geiste, der den Stolz in die Hüllen der Demut täuschend birgt.
[ 37 ] Jesus of Nazareth spoke in such a way that the Essenes could understand. And when he had spoken these words, it was so overwhelming for the Essenes that they could no longer see. Their eyes grew dark, and Jesus of Nazareth seemed to vanish before their eyes. But then, when he had seemingly vanished, they saw his face as if from afar, yet magnified to gigantic proportions, like a mirage before them, far, far away, and as if speaking from this mirage, words came to them, something they perceived as: Vain is your striving, for empty is your heart, which you have filled only with the spirit that deceptively conceals pride within the guise of humility.
[ 38 ] Dann war auch diese Fata Morgana entschwunden, und sie blieben bedrückt und bestürzt stehen. Als sie wieder schauen konnten, sahen sie, daß er schon ein Stück Wegs weitergegangen war, während sie das Gesicht gesehen hatten. Und sie konnten nichts tun, als das Bewußtsein haben, daß er schon ein Stück weitergezogen war. Bedrückt gingen sie weiter in ihre Essäerherberge, und sie erzählten niemals etwas von dem, was sie erlebt hatten, sondern schwiegen darüber zeit ihres Lebens. Sie waren dadurch allerdings die Tiefsten an Seele unter ihren Mitbrüdern geworden, aber sieschwiegen und wurden überaus stumme Brüder, die nichts redeten als das, was zur alltäglichsten Verständigung notwendig war. Ihre Brüder wußten nicht, warum sich ihr Wesen so verändert hatte. Bis zu ihrem Tod verrieten sie nichts von dem, was sie vernommen hatten. Sie erlebten daher in ganz besonderer Weise das mit, was sich ereignete als das Mysterium von Golgatha. Aber für die anderen war das, was sie erlebt hatten, wie unwahrnehmbar.
[ 38 ] Then this mirage, too, had vanished, and they stood there, despondent and dismayed. When they could see again, they realized that he had already walked a good distance away while they had been looking at his face. And they could do nothing but acknowledge that he had already moved on. Feeling despondent, they continued on to their Essene hostel, and they never spoke of what they had experienced, but remained silent about it for the rest of their lives. As a result, they had indeed become the most profound in spirit among their fellow brothers, but they remained silent and became exceedingly taciturn brothers who spoke nothing beyond what was necessary for the most basic daily communication. Their brothers did not know why their nature had changed so. Until their death, they revealed nothing of what they had heard. They thus experienced in a very special way what was taking place as the Mystery of Golgotha. But for the others, what they had experienced was as if imperceptible.
[ 39 ] Als Jesus eine Weile des Weges weitergegangen war, da begegnete er einem Menschen, der in seiner Seele tief verzweifelt war. Aber, wie gesagt, wie entrückt war Jesus den irdischen Verhältnissen, so daß ihm unverständlich war, daß etwas wie ein Mensch an ihn herankam. Um so tieferen Eindruck machte sein Wesen auf diesen Menschen, der in seiner Seele so verzweifelt war, daß er den Eindruck allertiefsten Leides machte. Den mächtigen Eindruck, den diese Seele im Anblick des Jesus von Nazareth hatte, als er so daher kam, entlockte dem Jesus von Nazareth Worte, die etwa so gesprochen werden können: Wozu hat deine Seele ihr Weg geführt? Ich habe dich vor viel tausend Jahren gesehen; damals warst du anders!
[ 39 ] After Jesus had walked a little further along the road, he encountered a man who was deeply despairing in his soul. But, as mentioned, Jesus was so detached from earthly circumstances that he could not comprehend that something resembling a human being was approaching him. His presence made an all the more profound impression on this man, who was so desperate in his soul that he gave the impression of the deepest suffering. The powerful impression that this soul had upon seeing Jesus of Nazareth as he approached elicited from Jesus of Nazareth words that might be rendered as follows: “Where has your soul led you? I saw you many thousands of years ago; back then you were different!
[ 40 ] Alles das hörte dieser verzweifelte Mensch wie gesprochen von der Erscheinung des Jesus von Nazareth, die eben herankam. Durch diese Worte fühlte sich der Verzweifelte getrieben, das Folgende zu sagen. Auf der einen Seite fühlte er das Bedürfnis seiner Seele, sich auszusprechen, auf der anderen Seite selbst seines Schicksals Antwort zu finden: Ich habe es in meinem Leben zu hohen Würden gebracht. Ich lernte immer; durch das Gelernte stieg ich unter meinen Mitmenschen zu immer höheren und höheren Würden. Jede Würde hat mich stolzer gemacht und oft sagte ich mir: Was bist du doch für ein seltener Mensch, so glänzend emporzusteigen über deine Nebenmenschen! Ich fühlte den Wert meiner Seele, die mehr wert sein mußte als die Seele anderer Menschen. Mein Hochmut stieg bei jeder neuen Würde. Da hatte ich einmal einen Traum. Ach, was war das für ein furchtbarer Traum! Nicht nur, daß ich träumte, sondern indem ich träumte, war meine Seele ausgefüllt von Schamgefühl. Denn ich schämte mich, so etwas zu träumen. Ich war in meinem Leben so stolz! Und jetzt träumte ich so etwas, was ich nie hätte träumen mögen, und das kam mir im Traum gut vor. Ich träumte, ich stellte mir die Frage: Wer hat mich groß gemacht? Und da stand ein Wesen vor mir, das sagte: Ich habe dich groß gemacht, ich habe dich erhöht, doch dafür bist du mein! — Das war, was ich als tiefste Schande fühlte, daß ich jetzt die Offenbarung erhielt, ich wäre nicht eine Seele, die auserlesen war, die durch eigene Kraft gestiegen war; eine andere Wesenheit hatte mich erhöht. Im Traume ergriff ich die Flucht. Ich habe, als ich erwachte, wirklich die Flucht ergriffen, habe alle meine Würden verlassen. Ich wußte nicht, was ich suchte, und so wandele ich, vor mir und vor dem, was ich erreicht habe, entflichend, lange schon in der Welt herum, mich schämend alles dessen, was ich einst im Hochmut gedacht habe.
[ 40 ] This desperate man heard all of this as if spoken by the apparition of Jesus of Nazareth, who was just approaching. These words compelled the desperate man to say the following. On the one hand, he felt the need of his soul to speak his mind; on the other hand, to find an answer to his own fate: I have attained high positions in my life. I was always learning; through what I learned, I rose among my fellow human beings to ever higher and higher positions. Each position made me prouder, and I often said to myself: What a rare person you are, rising so brilliantly above your fellow men! I felt the worth of my soul, which must be worth more than the souls of other people. My pride grew with every new position. Then I had a dream one day. Oh, what a terrible dream that was! Not only did I dream it, but as I dreamed, my soul was filled with shame. For I was ashamed to dream such a thing. I had been so proud in my life! And now I was dreaming something I would never have wanted to dream, and yet it seemed good to me in the dream. I dreamed that I asked myself the question: Who made me great? And there stood a being before me who said: I made you great, I exalted you, but in return you are mine! — That was what I felt as the deepest shame, that I now received the revelation that I was not a soul who had been chosen, who had risen through my own power; another being had exalted me. In the dream, I took to my heels. When I awoke, I truly took to my heels, having abandoned all my dignities. I did not know what I was seeking, and so I have been wandering about in the world for a long time now, fleeing from myself and from what I have achieved, ashamed of everything I once thought in my arrogance.
[ 41 ] Als der verzweifelnde Mensch diese Worte gesprochen hatte, stand das Wesen, das zu ihm im Traum gesprochen hatte, wieder vor ihm, zwischen ihm und Jesus von Nazareth. Es deckte dieses Traumwesen die Gestalt des Jesus von Nazareth zu. Und als das 'Traumbild sich wieder verwandelt hatte, wie in Nebel zergangen war, da war auch Jesus schon weitergegangen. Als der Verzweifelnde sich umsah, sah er ihn schon ein ganzes Stück weiter. Da mußte er denn in seiner Verzweiflung seines Weges weiterziehen.
[ 41 ] When the despairing man had spoken these words, the being who had spoken to him in the dream stood before him once more, between him and Jesus of Nazareth. This dream-being obscured the figure of Jesus of Nazareth. And when the ‘dream image’ had transformed again, as if it had dissolved into mist, Jesus had already moved on. When the desperate man looked around, he saw him already quite a distance away. So, in his despair, he had to continue on his way.
[ 42 ] Dann kam Jesus von Nazareth ein Aussätziger entgegen, dessen Aussatz und dessen Leiden schon aufs höchste gestiegen waren. Und durch das, was diese Seele empfand, fühlte sich wiederum das Wesen des Jesus von Nazareth zu Worten gedrängt, die der Aussätzige hörte. Es waren wiederum die Worte: Wozu hat deine Seele ihr Weg geführt? Ich habe dich vor vielen Jahrtausenden gesehen, da warst du anders!
[ 42 ] Then a leper came toward Jesus of Nazareth; his leprosy and his suffering had already reached their peak. And because of what this soul was feeling, the being of Jesus of Nazareth felt compelled once again to speak words that the leper heard. Once again, the words were: “Where has your soul led you? I saw you many millennia ago; you were different then!”
[ 43 ] Durch diese Worte wurde der Aussätzige bestimmt, zu sprechen; wiederum in einer ähnlichen Weise, wie vorher der Verzweifelnde bestimmt worden war, zu sprechen. Der Aussätzige sagte: Ich weiß nicht, wie ich zu der Krankheit komme; sie trat allmählich an mich heran. Und die Menschen duldeten mich nicht mehr unter sich. Ich mußte in die Einöde wandern, konnte kaum vor den Türen das erbetteln, was die Leute mir hinwarfen. Da kam ich eines Nachts in die Nähe eines dichten Waldes. Da sah ich wie aus einer Lichtung mir entgegenkommend einen Baum, der, von selbst leuchtend, zu mir hinblinkte. Ich hatte den Drang, dem Baum, der so leuchtend mir entgegenblinkte, näherzutreten. Der Baum zog mich an. Und als ich in die Nähe des Baumes kam, da trat wie aus dem Licht des Baumes auf mich los ein Gerippe. Ich wußte: Der Tod ist es, der in dieser Form vor mir steht. Und der Tod sagte zu mir: Ich bin du; ich zehre an dir. Fürchte dich nicht! — Aber das Gerippe sprach weiter: Warum fürchtest du dich? Hast du mich nicht einst geliebt durch viele Leben hindurch? Nur wußtest du es nicht, daß du mich liebtest, denn ich war dir erschienen als ein schöner Erzengel; den glaubtest du zu lieben. - Und dann stand nicht der Tod vor mir, sondern der Erzengel, den ich oft gesehen hatte, und von dem ich wußte: Das war das Bild, das ich geliebt hatte. Dann war er verschwunden. Ich aber erwachte erst am nächsten Morgen, an dem Baume liegend, und fand mich so, daß ich noch elender war als vorher. Und ich wußte, daß alles das, was ich an Lebensgenüssen geliebt hatte, was an Eigenliebe in mir lebte, daß alles das zusammenhängt mit dem Wesen, das mir als Tod und als Erzengel erschienen war, das behauptete, ich liebte es, und ich wäre es selbst. Jetzt stehe ich vor dir, von dem ich nicht weiß, wer er ist. — Und jetzt erschien wiederum der Erzengel und dann auch der Tod und stellte sich zwischen den Aussätzigen und Jesus von Nazareth und verdeckte dem Blick des Aussätzigen den Jesus von Nazareth. Als der Aussätzige nur den Erzengel sah, verschwand Jesus, und dann verschwand auch der Tod und der Erzengel. Und der Aussätzige mußte weitergehen und sah nur, wie schon weiter fortgeschritten, den Jesus von Nazareth.
[ 43 ] These words prompted the leper to speak, just as the despairing man had been prompted to speak before. The leper said: I do not know how I came to have this disease; it crept up on me gradually. And people would no longer tolerate me among them. I had to wander into the wilderness, barely able to beg at the doors for what people threw at me. Then one night I came near a dense forest. There I saw, coming toward me from a clearing, a tree that, glowing of its own accord, was flashing at me. I felt an urge to approach the tree that was flashing so brightly at me. The tree drew me to it. And as I approached the tree, a skeleton stepped out of the tree’s light toward me. I knew: it is Death standing before me in this form. And Death said to me: I am you; I feed upon you. Do not be afraid! — But the skeleton continued: Why are you afraid? Did you not once love me through many lifetimes? Only you did not know that you loved me, for I had appeared to you as a beautiful archangel; you believed you loved him. — And then it was not Death standing before me, but the archangel whom I had often seen, and of whom I knew: That was the image I had loved. Then he had vanished. But I did not awaken until the next morning, lying by the tree, and found myself even more wretched than before. And I knew that everything I had loved in life’s pleasures, everything that lived within me as self-love, was connected to the being who had appeared to me as Death and as the archangel, who claimed that I loved it and that I was it myself. Now I stand before you, whom I do not know who you are. — And now the archangel appeared again, and then Death as well, and stood between the leper and Jesus of Nazareth, obscuring Jesus of Nazareth from the leper’s view. When the leper saw only the archangel, Jesus vanished, and then Death and the archangel vanished as well. And the leper had to move on and saw, only as he had already gone further, Jesus of Nazareth.
[ 44 ] Das waren solche Ereignisse, die sich darboten auf dem Weg, wenn man ihn Akasha-Chronik-mäßig verfolgt, den Jesus von Nazareth gegangen war zwischen dem Gespräch mit der Mutter und der Johannestaufe im Jordan.
[ 44 ] These were the kinds of events that occurred along the path—as traced in the Akashic Records—that Jesus of Nazareth had taken between his conversation with his mother and his baptism by John in the Jordan.
[ 45 ] Wir werden dann morgen sehen, wie diese Ereignisse, die sich da abgespielt haben in der Begegnung mit den zwei Essäern, in der Begegnung mit dem Verzweifelnden und in der Begegnung mit dem Aussätzigen, weiterwirkten in den Hüllen des Jesus von Nazareth, wie das, was da an Berührungen mit der Welt, die der Jesus, welcher er wie entrückt war, kaum verstand, sich verquickte mit dem, was er empfing bei der Johannestaufe im Jordan.
[ 45 ] We will then see tomorrow how these events—which took place in the encounter with the two Essenes, in the encounter with the despairing man, and in the encounter with the leper—continued to work within the physical form of Jesus of Nazareth, how what he experienced in his interactions with the world—which the Jesus who was as if enraptured barely understood, blended with what he received at John’s baptism in the Jordan.
[ 46 ] Wem diese Ereignisse, die ich da erzählt habe, sonderbar oder wunderbar erscheinen, diese Ereignisse, die sich gerade zwischen dem Gespräch mit der Stief- oder Ziehmutter und der Johannestaufe abspielten, dem kann ich nur sagen: Sie mögen sonderbar erscheinen; sie stellen sich wahrhaftig dar bei dem Erforschen in der Akasha-Chronik. Sie stellen Ereignisse dar, die allerdings so einzig in ihrer Art sind, wie sie einzig sein müssen, da sie die Vorbereitung sind zu einem Ereignis, das auch nur einmal hat stattfinden können, zu dem Ereignis, das wir das Mysterium von Golgatha nennen. Wer nicht eingehen will auf den Gedanken, daß sich dazumal innerhalb der Entwickelung der Menschheit etwas ganz Besonderes abgespielt hat, dem wird der ganze Hergang der Menschheitsentwickelung schwer verständlich sein.
[ 46 ] To anyone who finds these events I have just described—the events that took place between the conversation with the stepmother or foster mother and the baptism of John—strange or wondrous, I can only say: They may seem strange; they truly present themselves as such when investigated in the Akashic Records. They represent events that are, however, as unique in their kind as they must be, since they are the preparation for an event that could only have taken place once—the event we call the Mystery of Golgotha. Anyone who refuses to accept the idea that something very special took place at that time within the course of human development will find the entire course of human development difficult to understand.
