Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37
27-30 December 1908, Benares, India
1908 Annual Report for the German Section of the Theosophical Society
Translated by Marie Steiner for the thirty-third Anniversary and Convention of the T.S., 1908
To the President, TS: - With the expression of heartiest respect and with fraternal greetings I have the honour to submit to you the Annual Report of the German Theosophical Society.
The theosophical cause in Germany has made in the course of the present year very satisfactory progress. The working field has been widened through the foundation of nine new lodges, and the work in the existent lodges has been deepened. The new lodges are those of Bern, Eisenach, Wiesbaden, Mannheim, Strassburg, Pforzheim, Zürich, Bielefeld, Malsch. Charlottenburg lodge, having been dormant for some years, has dissolved.
The total number of lodges is now 37, and one centre. 336 members have joined the Section during the year; 10 have died, 21 resigned, 4 passed over to other Sections and 23 dropped out. The net increase amounts to 278. The effective number of members at the last Convention was 1150.
The lecture work of Dr. Rudolf Steiner has been continued in the same intensive way, and the subjects concerning Theosophy and Occultism have been deepened more and more. At public lectures, questions of a more and more difficult character can now be treated. In many towns an increasing growth of interest for Theosophy can be observed also, from the side of those that for various reasons cannot enter the Society. The number also of those listeners is increasing steadily.
Of particular importance for the deepening of the work is the fact that Dr. Steiner, besides his single lectures, held a number of lecture-series, which were organised in Bâle, Cologne, Hamburg, Nurnberg, Stuttgart, and Leipzig, and were very well attended, in Stuttgart more than 300 members were assembled. We have also the pleasure of seeing amidst us members from other Sections.
Further progress is to be seen in the work which is done in Munich for the popularisation of the theosophical cause. The untiring activity of Frl. Stinde and Countess Kalckreuth brought into life a particular Institution for the popularisation of Theosophy. In the so-called «Rooms for art and music,» artistic productions and an elementary exposition of Theosophy are given to the lower classes of the population; these gatherings are very well attended. By these means an interest in spiritual life is awakened in the broad masses of the population. Dr. Peipers, Baroness Gumppenberg, and other members are helping to realise this aim in a very beneficent way through lectures, magic-lantern pictures, etc.
In another way also an effort has been made to build a bridge between Theosophy and the spiritual life of the time. During the lecture series such musical performances and recitations are given as organically fit into the frame of theosophical work. Frl. v. Sivers’ art in recitation was a beautiful contribution to these performances.
An important progress lies in the intensive way with which in some places special departments of Theosophy are carried on. Thus, Dr. Unger works untiringly in Stuttgart through lectures and otherwise in trying to establish the philosophical basis of Theosophy. Frl. Völker does the same for its mystical side. Frau Wolfram in Leipzig has chosen a special field in the interpretation of legends and myths. In Berlin, classes are held by Frau Wandrey, Mlle. Boesé, Herr Walther and Herr G. Wagner. Only the characteristic sides of our work can be mentioned here by some examples.
Dr. Steiners’ efforts tend towards putting Theosophy on the broadest basis possible. The philosophical, scientific and religious elements find full consideration, as well as the occult element standing in the centre; while it is pointed out that the one-sidedness of lower psychism is to be avoided.
The magazine, Luzifer - Gnosis, edited by Dr. Steiner and appearing at irregular intervals, gains in expansion. The Sectional organ, Mitteilungen, appears in the same way as before.
The Sixth Annual Convention was held in Berlin on October 25th and 26th. For the Executive Committee the following members were chosen: Dr. Rudolf Steiner (General Secretary), Herr Franz Seiler (Treasurer), Frl. v. Sivers (Sectional Secretary), Günther Wagner, Bernhard Hubo, Mathilde Scholl, Adolf Kolbe, Adolf Arenson, Sophie Stinde, Friedrich Kiem, Michael Bauer, Elise Wolfram, Dr. E. Grosheintz, Dr. Carl Unger, Friedrich Tessmar.
In this year too we may say that the progress made gives us the best hope for the future. We send our warmest greetings to all brothers in India.
Dr. Rudolf Steiner,
General Secretary.
Rudolf Steiner's handwritten draft of the 1908 Annual Report
An den Präsidenten der TS
In herzlicher Hochachtung und mit brüderlichen Grüßen gebe ich mir die Ehre, Ihnen den Jahresbericht der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft zu unterbreiten.
Die theosophische Sache in Deutschland machte im Laufe des Jahres sehr befriedigende Fortschritte sowohl in Bezug auf die Ausbreitung des Arbeitsfeldes durch die Begründung neuer Zweige, als auch durch die Vertiefung der Arbeit in den bestehenden Zweigen. Neue Zweige konnten gegründet werden in Bern, Straßburg, Mannheim, Wiesbaden, Eisenach, Zürich, Pforzheim, Malsch. — Als aufgelöst zu betrachten ist der Zweig Charlottenburg. Die Gesamtzahl der Zweige beträgt ... und ein Zentrum.
Neu eingetreten sind ... Mitglieder. ... sind ausgetreten, ... dropped, ... gestorben, ... in andere Sektionen übergetreten.
Die Zunahme der Mitgliederzahl beträgt ... . Bei der letzten Jahresversammlung am 25. u. 26. Oktober betrug die Gesamt-Mitgliederzahl ....
In Bezug auf die Vertiefung der Arbeit darf angeführt werden, dass die Vorträge Dr. Rudolf Steiners auch in diesem Jahre ihre Fortsetzung gefunden haben. Es konnten in diesen Vorträgen nicht nur in den Zweigen immer tiefere Fragen der Theosophie und des Okkultismus behandelt werden, sondern auch in den öffentlichen Vorträgen, die in allen Städten, wo Logen sind, und auch in andern vor einem Publikum gehalten werden, das nicht zur TS gehört, konnten immer schwierigere Fragen in Angriff genommen werden. In vielen Städten zeigte sich ein ständiges Zunehmen des Interesses für Theosophie auch bei denjenigen Zuhörern, die aus diesem oder jenem Grunde der Gesellschaft noch nicht beitreten. Auch die Zahl solcher Zuhörer wird immer größer.
Von besonderer Bedeutung für die Vertiefung der Arbeit ist die Tatsache, dass Dr. Steiner außer den Einzelvorträgen eine Reihe von Vortragszyklen abhalten konnte, und zwar in Basel, Köln, Hamburg, Nürnberg, Stuttgart, Leipzig. Diese Kurse waren sehr gut besucht. In Stuttgart waren sogar über 300 Mitglieder versammelt. Es darf hervorgehoben werden, dass wir uns bei allen diesen Kursen auch des Besuches von Mitgliedern anderer Sektionen zu erfreuen hatten.
Ein weiterer Fortgang der Arbeit ist zu sehen in der Arbeit, welche z.B. in München für die Popularisierung der theosophischen Sache geleistet wird. Die unermüdliche Wirksamkeit von Fräulein Stinde und Gräfin Kalckreuth hat dort eine besondere Institution für die Popularisierung der Theosophie geschaffen.
Es werden in «Kunst- und Musikzimmern» für das Volk künstlerische und theosophische Darbietungen geboten, welche sich eines außerordentlich regen Besuches erfreuen. Es wird dadurch in breitere Schichten der Bevölkerung das Interesse für das geistige Leben getragen. Dr. Peipers und Baronin v. Gumppenberg und andere Mitglieder wirken dabei in der segensreichsten Art durch Vorträge, Lichtbilderdarstellungen, etc. mit. Auch in anderer Art wird gesucht, die Brücke zu schlagen zwischen der Theosophie und dem allgemeinen Geistesleben. Während der Vortragszyklen werden musikalische Darbietungen geboten und Rezitationen solcher Dichtungen geleistet, welche sich in den Rahmen der theosophischen Arbeit organisch eingliedern. Frl. v. Sivers hat durch ihre rezitatorische Kunst zu den Veranstaltungen Schönes beigetragen.
Ein bedeutungsvoller Fortschritt liegt in der intensiven Arbeit, die an einzelnen Orten durch Ausarbeitung der Theosophie nach den verschiedensten Seiten geleistet wird. Dr. Unger arbeitet in Stuttgart in unermüdlicher Art in Vorträgen und auf andere Art an der erkenntnis-theoretischen Grundlegung der Theosophie, Frl. Toni Völker in Stuttgart wirkt für die mystische Seite, Frau Wolfram in Leipzig hat in der Interpretation der Sagen und Mythen sich ein besonderes Feld erwählt. In Berlin werden besondere Kurse gehalten von Frau Wandrey, Frl. Boezé, Herrn Walther, Herrn Günther Wagner. Es können hier nur die charakteristischen Züge unserer Arbeit an einzelnen Beispielen angegeben werden.
Dr. Steiners Bemühungen gehen dahin, Theosophie auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Das philosophische, wissenschaftliche und religiöse Element sollen neben dem im Mittelpunkte stehenden okkulten voll zur Geltung kommen, und die Einseitigkeiten des untergeordneten Psychismus sollen vermieden werden.
Die Zeitschrift «Luzifer - Gnosis» von Dr. Rudolf Steiner redigiert, die in freien Heften erscheint, ohne sich an periodische Erscheinungszeiten zu binden, nimmt an Verbreitung stets zu. Das Sektions-Organ «Mitteilungen» erscheint in der gleichen Art wie früher weiter.
Veröffentlicht sind worden: Dr. R. Steiners «Theosophie» in zweiter Auflage; ferner: ...
Die sechste Generalversammlung fand am 25. u. 26. Okt. in Berlin statt. In den Vorstand der Sektion wurden dabei gewählt: Dr. R. Steiner (Gen[eral] Sekr[etär]), Franz Seiler (Kassierer), ferner Frl. v. Sivers, Bernhard Hubo, ...
Auch für dieses Jahr dürfen wir sagen, dass der gemachte Fortschritt uns das Beste für die Zukunft hoffen lässt.
Wir senden unsere wärmsten Grüße, allen Brüdern in Indien und insbesondere unserem tief verehrten Präsidenten
Dr. Rudolf Steiner
General Sekretär