Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37
20 January 1924
Translated by SteinerOnline Library
The School of Spiritual Science I
The Anthroposophical Society will, if the intentions of the Christmas Conference are carried out, in the future have to fulfill the esoteric aspirations of its members as far as possible. This fulfillment should be sought by incorporating three classes of school into the general society.
It is in the nature of spiritual knowledge that it first addresses such results to people who are found by personalities who know the ways to spiritual insight. It is a prejudice to think that such results can only be recognized by those who are able to find them themselves. This prejudice then gives rise to the other, that people who have such an acknowledgment indulge in a blind belief in authority. By asserting this prejudice, one accuses a society like the anthroposophical one of consisting of uncritical worshippers of leading personalities.
But just as you don't need to be a painter to feel the beauty of a picture, you don't need to be a spiritual researcher to understand a great deal of what the spiritual researcher has to say. Through the abilities present in him, the spiritual researcher steps forward before the worlds in which spiritual beings live and spiritual processes occur. He sees these spiritual beings and processes; and he also sees how the beings and processes of the physical world emerge from the spiritual.
He then has the further task of shaping certain areas of his visualizations into ideas that do not depend on special abilities but are accessible to ordinary consciousness. These ideas are self-founded for everyone who brings them to life in his soul. One cannot shape such ideas out of mere intellectual capacity; one can only form them by imprinting spiritual vision upon them. But once they are there through the spiritual researcher, everyone can receive them and find their foundation in them. No one needs to accept them on mere blind faith. If many people believe that what is presented by the spiritual researcher in the form of an idea is not understandable in itself, it is only because they have lost the way to such understanding. They have become accustomed to considering as proved only what is supported by sense perception, and have no sense that ideas can be mutually self-proving. They are like a person who knows that all heavy objects on earth are supported and who therefore believes that the earth itself must also be supported in space.
Now, however, a personality who attains vision in the spirit without first receiving the results of vision in the form of ideas must be specially destined for this by fate. For all others, comprehension of the content of ideas in that region of the spiritual world which can be given expression in this form is the necessary preliminary to arrive at direct vision.
Again, it is only a prejudice if anyone believes that one suggests to oneself the vision of a spiritual world after first having received the picture of such a world in the form of an idea. Just as little as one can speak of suggestion when one sees a person whom one has only heard of before, so little can one do so when one hears the effect of the spiritual world, which appears with all the qualities of reality, after one has first understood it in ideas.
It will therefore generally be the case that people first get to know the spiritual world in the form of ideas. This is how spiritual science is cultivated in the general anthroposophical society.
But there will be personalities who want to participate in the presentations of the spiritual world that arise from the idea form to forms of expression that are borrowed from the spiritual world itself. And there will also be those who want to get to know the paths to the spiritual world in order to travel them with their own soul.
The three classes of the “School” will be there for such personalities. The works will reach an ever higher degree of esotericism in ascending order. The “School” will guide the participant into the realms of the spiritual world that cannot be revealed through the form of ideas. Here it becomes necessary to find means of expression for imaginations, inspirations and intuitions.
Then the fields of artistic, educational, ethical life, etc. will be led into the areas where they can receive illumination and creative impulses from esotericism.
The constitution of the “school” and its division into sections will be discussed in the next issue of the newsletter.
(continued in the next issue).
Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft I
Die anthroposophische Gesellschaft wird, wenn die Absichten der Weihnachtstagung zur Ausführung kommen, in Zukunft den esoterischen Bestrebungen ihrer Mitglieder nach Möglichkeit Erfüllung bringen müssen. Nach dieser Erfüllung soll dadurch getrachtet werden, dass der allgemeinen Gesellschaft drei Klassen einer Schule eingegliedert werden.
Es liegt im Wesen der Geist-Erkenntnis, dass sie sich zunächst mit solchen Ergebnissen an Menschen wendet, die von Persönlichkeiten gefunden sind, welche die Wege zum geistigen Anschauen kennen. Es ist ein Vorurteil, wenn man meint, dass solche Ergebnisse nur der anerkennen kann, dem es möglich ist, sie selbst zu finden. Dieses Vorurteil ruft dann das andere hervor, dass Menschen, die eine solche Anerkenntnis haben, sich einem blinden Autoritätsglauben hingeben. Indem man dieses Vorurteil geltend macht, klagt man eine solche Gesellschaft wie die anthroposophische an, sie bestehe aus urteilslosen Anbetern führender Persönlichkeiten.
Aber geradeso wie man nicht Maler zu sein braucht, um die Schönheit eines Bildes zu empfinden, braucht man nicht Geistesforscher zu sein, um ein weites Gebiet von dem zu verstehen, was der Geistesforscher zu sagen hat. Dieser tritt durch die in ihm vorhandenen Fähigkeiten vor die Welten hin, in denen geistige Wesen leben und geistige Vorgänge geschehen. Er schaut diese geistigen Wesen und Vorgänge; und er schaut auch, wie die Wesen und Vorgänge der physischen Welt aus dem Geistigen hervorkommen.
Er hat dann die weitere Aufgabe, gewisse Gebiete seiner Schauungen in Ideen zu gestalten, die nicht von besonderen Fähigkeiten abhängen, sondern die dem gewöhnlichen Bewusstsein zugänglich sind. Diese Ideen sind für jeden, der sie in seiner Seele lebendig macht, in sich selbst begründet. Man kann solche Ideen nicht aus der bloßen Gedankenfähigkeit gestalten; man kann sie nur bilden, wenn man die geistigen Schauungen in sie umprägt. Sind sie aber durch den Geistesforscher einmal da, so kann sie jeder in sich aufnehmen und aus ihnen selbst ihre Begründung finden. Es hat niemand nötig, sie auf einen bloßen blinden Glauben hin anzunehmen. Wenn viele doch glauben, dass das von dem Geistesforscher in der Ideenform Vorgebrachte nicht aus sich verständlich sei, so rührt das nur davon her, dass sie sich den Weg zu einem solchen Verständnis verlegt haben. Sie haben sich daran gewöhnt, nur für bewiesen zu halten, was auf sinnliche Anschauung gestützt ist, und haben keinen Sinn dafür, dass Ideen für sich sich gegenseitig beweisend sein können. Sie gleichen einem Menschen, der alle schweren Gegenstände auf der Erde gestützt weiß und der deshalb glaubt, die Erde selbst müsse im Weltraum auch gestützt sein.
Nun muss aber eine Persönlichkeit, welche zum Schauen im Geiste gelangt, ohne die Ergebnisse des Schauens vorher in Ideenform zu erhalten, vom Schicksal dazu besonders vorbestimmt sein. Für alle andern ist das Verstehen des Ideen-Inhaltes desjenigen Gebietes der geistigen Welt, der in diese Form gebracht werden kann, die notwendige Vorstufe, um zum eigenen Schauen zu gelangen.
Es liegt wieder nur ein Vorurteil vor, wenn jemand glaubt, man suggeriere sich das Schauen einer geistigen Welt, nachdem man zuerst das Bild einer solchen in Ideenform empfangen hat. So wenig jemand von Suggestion sprechen kann, wenn man einen Menschen sieht, von dem man vorher nur gehört hat, so wenig kann das jemand, wenn man die Wirkung der mit allen Eigenschaften der Realität auftretenden Geisteswelt vernimmt, nachdem man sie zuerst in Ideen verstanden hat.
Es wird daher im Allgemeinen so sein müssen, dass der Mensch die geistige Welt zuerst in der Ideenform kennenlernt. In dieser Art wird die Geisteswissenschaft in der allgemeinen anthroposophischen Gesellschaft gepflegt.
Es wird aber Persönlichkeiten geben, die teilnehmen wollen an den Darstellungen der geistigen Welt, die von der Ideenform aufsteigen zu Ausdrucksarten, die der geistigen Welt selbst entlehnt sind. Und auch solche werden sich finden, welche die Wege in die geistige Welt kennenlernen wollen, um sie mit der eigenen Seele zu gehen.
Für solche Persönlichkeiten werden die drei Klassen der «Schule» da sein. Da werden die Arbeiten aufsteigend einen immer höheren Grad der Esoterik erreichen. Die «Schule» wird den Teilnehmer hinaufleiten in die Gebiete der geistigen Welt, die nicht durch die Ideenform geoffenbart werden können. Bei ihnen tritt die Notwendigkeit ein, Ausdrucksmittel für Imaginationen, Inspirationen und Intuitionen zu finden.
Da werden dann auch die Gebiete des künstlerischen, pädagogischen, ethischen Lebens usw. bis in die Gebiete geführt werden, in denen sie von der Esoterik ihre Beleuchtung und die Impulse zum Schaffen empfangen können.
Über die Konstitution der «Schule» und ihre Gliederung in Sektionen soll in der nächsten Nummer des Mitteilungsblattes gesprochen werden.
(Fortsetzung in nächster Nummer.)