Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37
10 February 1924
Translated by SteinerOnline Library
The School of Spiritual Science IV
Those who join this school as members are in a completely different position than those who join the Anthroposophical Society. You become a member of this school after being a member of the Society for a sufficiently long time. You have come to know what anthroposophy wants, what it truly is. You have been able to form an opinion about what it can be worth to you. However, this means that the intention to join the school can be associated with the assumption of a range of duties and the awareness that one wants to be a representative of anthroposophical work.
In contrast to the way in which Anthroposophy is presented within the Anthroposophical Society, it is not only absurd, but also quite tasteless when the opposing side repeatedly makes the defamatory accusation that Anthroposophy wants to exert a suggestive influence on anyone. Anyone who is in Anthroposophy knows this very well, or at least can know it. When members who have left the Society claim this, they usually know themselves that what they claim is objectively untrue. In the Society, no one is led to anthroposophy with blinders on. Therefore, they cannot become a member of the School without fully understanding the context of what anthroposophy sees as its task.
Everyone should judge for themselves whether they want to become a member of the school based on what they have come to know as a member of the Anthroposophical Society. When the school's leadership speaks of the duties that its members take on, they can be completely clear about what is meant. It is not intended to imply anything other than that the school's leadership cannot fulfill its tasks if such duties are not taken on. The relationship between each member of the school and the leadership remains completely free, even if such duties are taken on. This is because the school leadership must also enjoy the freedom to act in accordance with the natural conditions of their work. They would not have this freedom if they were not allowed to say to those who are free to join or not to join the school: If I am to work with you, then you must take on the obligation to fulfill this or that condition.
This should actually be self-evident and need not be stated. But it must be said, because all too often we hear: Those who join the school must give up some of their “human freedoms”. When this is said by members of the society, it is not surprising when malicious opponents spread the slander that Anthroposophy is gradually turning its adherents into will-less tools of what some people with bad intentions want. Anyone who has taken an interest in the Society's work for a sufficiently long time knows that Anthroposophy would lose all meaning the moment it undertook anything that went against the independent, level-headed, insightful will of its members. Anthroposophy cannot truly achieve its goals with will-less tools. For, in order to truly come to it, it requires precisely the free will of those involved. (Continued in the next issue.)
Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft IV
Wer dieser Hochschule als Mitglied beitritt, der ist in einer ganz anderen Lage als derjenige, der in die Anthroposophische Gesellschaft eintritt. Man wird Mitglied dieser Schule, nachdem man eine genügend lange Zeit Mitglied der Gesellschaft gewesen ist. Man hat kennengelernt, was Anthroposophie will, was sie in Wahrheit ist. Man hat sich ein Urteil darüber bilden können, was sie einem selbst wert sein kann. Damit aber ist gegeben, dass die Absicht, der Schule beizutreten, verbunden sein kann mit der Übernahme eines Pflichtenkreises und des Bewusstseins, dass man ein Repräsentant des anthroposophischen Wirkens sein will.
Gegenüber der Art, wie Anthroposophie innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft vorgebracht wird, ist es doch zum Beispiele nicht nur absurd, sondern ganz abgeschmackt, wenn von gegnerischer Seite immer wieder die Verleumdung auftaucht, Anthroposophie wolle auf irgendjemand suggestiv einwirken. Jeder, der in der Anthroposophie ist, weiß dies ganz gut, oder kann es wenigstens wissen. Wenn Mitglieder, die von der Gesellschaft ausgeschieden sind, dies doch behaupten, so wissen sie zumeist selbst, dass, was sie behaupten, objektiv unwahr ist. In der Gesellschaft wird niemand mit verbundenen Augen zur Anthroposophie geführt. Deshalb kann er auch nicht Mitglied der Schule werden, ohne mit voller Einsicht in dem Kreise dessen zu stehen, was Anthroposophie als ihre Aufgabe ansieht.
Es sollte jeder selbst beurteilen, ob er Schulmitglied werden will nach dem, was er als Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft kennengelernt hat. Wenn dann die Leitung der Schule von Pflichten spricht, die deren Mitglieder übernehmen, so können sich diese völlig klar darüber sein, wie dies gemeint ist. Es soll damit nichts anderes gesagt sein, als dass die Leitung der Schule ihre Aufgaben nicht erfüllen kann, wenn solche Pflichten nicht übernommen werden. Das Verhältnis jedes Mitgliedes der Schule zur Leitung bleibt ein völlig freies, auch wenn solche Pflichten übernommen werden. Denn auch die Leitung der Schule muss die Freiheit genießen, im Sinne der naturgemäßen Bedingungen ihrer Arbeit handeln zu können. Diese Freiheit hätte sie nicht, wenn sie nicht demjenigen, dem es ja freisteht, der Schule beizutreten oder nicht, sagen dürfte: Wenn ich mit dir zusammenarbeiten soll, dann musst du eben die Verpflichtung übernehmen, diese oder jene Bedingung zu erfüllen.
Dies sollte eigentlich als etwas Selbstverständliches nicht nötig sein, auszusprechen. Es muss aber doch geschehen, weil man gar zu oft hört: Wer also der Schule beitritt, der müsse von seinen «menschlichen Freiheiten» etwas dahingeben. Wenn das von Mitgliedern der Gesellschaft gesagt wird, dann ist es nicht verwunderlich, wenn übelwollende Gegner die Verleumdung bringen, Anthroposophie mache ihre Bekenner nach und nach zu willenlosen Werkzeugen dessen, was einige Menschen mit nicht guten Absichten wollen. Jeder, der eine genügend lange Zeit in der Gesellschaft Anteil an ihrem Wirken genommen hat, der kann wissen, dass Anthroposophie in dem Augenblicke allen Sinn verlöre, in dem sie in irgendeiner Weise gegen den selbstständigen, besonnenen, einsichtsvollen Willen ihrer Mitglieder etwas unternähme. Mit willenlosen Werkzeugen kann Anthroposophie wahrhaftig nicht ihre Ziele erreichen. Denn, um wirklich zu ihr zu kommen, bedarf es gerade des freien Willens der Mitwirkenden. (Fortsetzung in nächster Nummer.)