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Christianity as Mystical Fact
GA 8

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Die Griechischen Weisen vor Plato im Lichte der Mysterienweisheit

[ 1 ] Durch zahlreiche Tatsachen erkennen wir daß die philosophische Weisheit der Griechen auf demselben Gesinnungsboden stand wie die mystische Erkenntnis. Die großen Philosophen versteht man nur, wenn man an sie mit den Empfindungen herantritt, die man aus der Beobachtung der Mysterien gewonnen hat. Mit welcher Ehrerbietung spricht doch Plato im «Phädon» von den «Geheimlehren»: «Und fast scheint es, daß diejenigen, welche uns die Weihen angeordnet haben, gar nicht schlechte Leute sind, sondern schon seit langer Zeit uns andeuten, daß, wer ungeweiht und ungeheiligt in der Unterwelt anlangt, in den Schlamm zu liegen kommt; der Gereinigte aber, und der Geweihte, wenn er dort angelangt ist, bei den Göttern wohnt. Denn, sagen die, welche mit den Weihen zu tun haben, Thyrsusträger sind viele, doch echte Begeisterte nur wenig. Diese aber sind, nach meiner Meinung, keine anderen, als die sich auf rechte Weise der Weisheit beflissen haben, deren einer zu werden auch ich nach Kräften im Leben nicht versäumt, sondern mich auf alle Weise bemüht habe.» — So kann über die Weihen nur der sprechen, der sein Weisheitsstreben selbst ganz in den Dienst der Gesinnung stellte, die durch die Weihen erzeugt wurde. Und es ist ohne Zweifel, daß auf die Worte der großen griechischen Philosophen ein helles Licht fällt, wenn wir sie von den Mysterien aus beleuchten.

[ 2 ] Von Heraklit (535–475 v. Chr.) aus Ephesus ist die Beziehung zu dem Mysterienwesen ohne weiteres durch einen Ausspruch über ihn gegeben, der überliefert ist und der besagt, daß seine Gedanken «ein ungangbarer Pfad seien», daß wer zu ihnen ohne Weihe tritt, nur «Dunkel und Finsternis» finde, daß sie dagegen «heller als die Sonne» seien für den, welchen ein Myste einführt. Und wenn von seinem Buche gesagt wird, er habe es im Tempel der Artemis niedergelegt, so bedeutet auch das nichts anderes, als daß er von Eingeweihten allein verstanden werden konnte. (Edmund Pfleiderer hat bereits das Historische beigebracht, welches für das Verhältnis des Heraklit zu den Mysterien zu sagen ist. Vergleiche sein Buch «Die Philosophie des Heraklit von Ephesus im Lichte der Mysterienidee», Berlin 1886.) Heraklit wurde der «Dunkle» genannt; aus dem Grunde, weil nur der Schlüssel der Mysterien Licht in seine Anschauungen brachte.

[ 3 ] Als eine Persönlichkeit mit dem größten Lebensernst tritt uns Heraklit entgegen. Man sieht es förmlich seinen Zügen, wenn man sich sie zu vergegenwärtigen weiß, an, daß er Intimitäten der Erkenntnis in sich trug, von denen er wußte, daß alle Worte sie nur andeuten, nicht aussprechen können. Auf dem Grunde einer solchen Gesinnung erwuchs sein berühmter Ausspruch «Alles ist im Fluß», den uns Plutarch mit den Worten erklärt: «In denselben Fluß steigt man nicht zweimal, noch kann man ein sterbliches Sein zweimal berühren. Sondern durch Schärfe und Schnelligkeit zerstreut er und führt wieder zusammen, vielmehr nicht wieder und später, sondern zugleich tritt es zusammen und läßt nach, kommt und geht. » Der Mann, der solches denkt, hat die Natur der vergänglichen Dinge durchschaut. Denn er hat sich gedrängt gefühlt, das Wesen der Vergänglichkeit selbst mit den schärfsten Worten zu charakterisieren. Man kann eine solche Charakteristik nicht geben, wenn man die Vergänglichkeit nicht an der Ewigkeit mißt. Und man kann diese Charakteristik insbesondere nicht auf den Menschen ausdehnen, wenn man nicht in sein Inneres geschaut hat. Heraklit hat diese Charakteristik auch auf den Menschen ausgedehnt: «Dasselbe ist Leben und Tod, Wachen und Schlafen, Jung und Alt, dieses sich ändernd ist jenes, jenes wieder dies.» In diesem Satze spricht sich eine volle Erkenntnis von der Scheinhaftigkeit der niederen Persönlichkeit aus. Er sägt darüber noch kräftiger: «Leben und Tod ist in unserem Leben ebenso wie in unserem Sterben. » Was will das anderes besagen, als daß allein vom Standpunkte der Vergänglichkeit aus das Leben höher gewertet werden kann als das Sterben. Das Sterben ist Vergehen, um neuem Leben Platz zu machen; aber in dem neuen Leben lebt das Ewige wie in dem alten. Das gleiche Ewige erscheint im vergänglichen Leben wie im Sterben. Hat der Mensch dieses Ewige ergriffen, dann blickt er mit demselben Gefühle auf das Sterben wie auf das Leben. Nur wenn er dieses Ewige nicht in sich zu wecken vermag, hat das Leben für ihn einen besonderen Wert. Man kann den Satz «Alles ist im Fluß» tausendmal hersagen; wenn man ihn nicht mit diesem Gefühisinhalt sagt, ist er ein Nichtiges. Wertlos ist die Erkenntnis von dem ewigen Werden, wenn sie nicht unser Hängen an diesem Werden aufhebt. Es ist die Abkehrung von der nach dem Vergänglichen drängenden Lebenslust, die Heraklit mit seinem Ausspruche meint. «Wie sollen wir von unserem Tagesleben sagen: Wir sind, da wir doch vom Standpunkt des Ewigen aus wissen: Wir sind und sind nicht» (vergleiche Heraklit-Fragment Nr. 81). «Hades und Dionysos sind derselbe» heißt eines der Heraklitischen Fragmente. Dionysos, der Gott der Lebens-lust, des Keimens und Wachsens, dem die dionysischen Feste gefeiert wurden: er ist für Heraklit derselbe wie Hades, der Gott der Vernichtung, der Gott der Zerstörung. Nur wer den Tod im Leben und das Leben im Tode sieht und in beiden das Ewige, das erhaben ist über Leben und Tod, dessen Blick kann die Mängel und Vorzüge des Daseins im rechten Lichte schauen. Auch die Mängel finden dann ihre Rechtfertigung, denn auch in ihnen lebt das Ewige. Was sie vom Standpunkte des beschränkten, niederen Lebens sind, das sind sie nur scheinbar: «Den Menschen ist nicht besser zu werden, was sie wollen: Krankheit macht Gesundheit süß und gut, Hunger Sättigung, Arbeit Ruhe.» «Das Meer ist das reinste und unreinste Wasser, den Fischen trinkbar und heilsam, den Menschen untrinkbar und verderblich. » Nicht auf die Vergänglichkeit der irdischen Dinge will Heraklit in erster Linie hinweisen, sondern auf den Glanz und die Hoheit des Ewigen. -Heftige Worte sprach Heraklit gegen Homer und Hesiod und gegen die Gelehrten des Tages. Er wollte auf die Art ihres Denkens, das nur am Vergänglichen haftet, weisen. Er wollte nicht Götter mit Eigenschaften ausgestattet, die aus der vergänglichen Welt genommen sind. Und er konnte nicht eine Wissenschaft als die höchste achten, welche die Gesetze des Werdens und Vergehens der Dinge untersucht. -Für ihn spricht aus der Vergänglichkeit heraus ein Ewiges. Für dieses Ewige hat er ein tiefsinniges Symbol. «In sich zurückkehrend ist die Harmonie der Welt wie der Lyra und des Bogens. » Was alles liegt in diesem Bilde. Durch Auseinanderstreben der Kräfte und Harmonisieren der auseinandergehenden Mächte wird die Einheit erreicht. Wie widerspricht ein Ton dem andern; und doch, wie bewirkt er mit ihm zusammen die Harmonie. Man wende das auf die Geisteswelt an; und man hat Heraklits Gedanken: «Unsterbliche sind sterblich, Sterbliche unsterblich, lebend den Tod von jenen, sterbend das Leben von jenen. »

[ 4 ] Es ist die Urschuld des Menschen, wenn er am Vergänglichen mit seiner Erkenntnis haftet. Er wendet sich damit vom Ewigen ab. Das Leben wird dadurch seine Gefahr. Was ihm geschieht, geschieht ihm vom Leben. Aber dieses Geschehen verliert seinen Stachel, wenn er das Leben nicht mehr unbedingt wertet. Dann wird ihm seine Unschuld wieder zurückgegeben. Es geht ihm, wie wenn er in die Kindheit zurückkehren könnte, aus dem sogenannten Ernst des Lebens heraus. Was nimmt der Erwachsene alles ernst, womit das Kind spielt. Der Wissende aber wird wie das Kind. «Ernste» Werte verlieren ihren Wert, vom Ewigkeitsstandpunkte aus gesehen. Wie ein Spiel erscheint das Leben dann. «Die Ewigkeit», sagt deshalb Heraklit, «ist ein spielendes Kind, die Herrschaft eines Kindes. » Worin liegt die Urschuld? Sie liegt darin, daß mit höchstem Ernste genommen wird, woran sich dieser Ernst nicht heften sollte. Gott hat sich in die Welt der Dinge ergossen. Wer die Dinge ohne Gott hinnimmt, nimmt sie als «Gräber Gottes» ernst. Er müßte mit ihnen spielen wie ein Kind, aber seinen Ernst dazu verwenden, um aus ihnen das Göttliche zu holen, das in ihnen verzaubert schläft.

[ 5 ] Brennend, ja versengend wirkt das Anschauen des Ewigen auf das gewöhnliche Wähnen über die Dinge. Der Geist löst die Gedanken der Sinnlichkeit auf; er bringt sie zum Schmelzen. Er ist ein verzehrendes Feuer. Dies ist der höhere Sinn des Heraklitischen Gedankens, daß Feuer der Urstoff aller Dinge sei. Gewiß ist dieser Gedanke zunächst im Sinne einer gewöhnlichen physikalischen Erklärung der Welterscheinungen zu nehmen. Aber niemand versteht Heraklit, der nicht denkt über ihn, wie Philo, der zur Zeit der Entstehung des Christentums lebte, über die Gesetze der Bibel gedacht hat. «Es gibt Leute», sagte er, «welche die geschriebenen Gesetze nur für Sinnbilder geistiger Lehren halten, letztere mit Sorgfalt aufsuchen, erstere aber verachten; solche kann ich nur tadeln, denn sie sollten auf beides bedacht sein: auf Erkenntnis des verborgenen Sinnes und auf Beobachtung des offenen.» — Wenn man sich darüber streitet, ob Heraklit mit seinem Begriffe des Feuers das sinnliche Feuer gemeint habe, oder aber, ob ihm das Feuer nur ein Symbol des die Dinge auflösenden und wieder bildenden ewigen Geistes gewesen sei, so verkehrt man seinen Gedanken. Er hat beides gemeint; und auch keines von beiden. Denn für ihn lebte auch im gewöhnlichen Feuer der Geist. Und die Kraft, die im Feuer auf physische Art tätig ist, lebt auf höherer Stufe in der Menschenseele, die in ihren Schmelztiegeln die sinnenfällige Erkenntnis zerschmilzt und aus ihr das Anschauen des Ewigen hervorgehen läßt.

[ 6 ] Gerade Heraklit kann leicht mißverstanden werden. Er läßt den Krieg den Vater der Dinge sein. Aber dieser ist ihm eben nur der Vater der «Dinge», nicht des Ewigen. Wären nicht Gegensätze in der Welt, lebten nicht die mannigfaltigsten einander widerstreitenden Interessen, so wäre die Welt des Werdens, der Vergänglichkeit nicht. Aber was sich in diesem Widerstreit offenbart, was in ihn ausgegossen ist: das ist nicht der Krieg, das ist die Harmonie. Eben weil Krieg in allen Dingen ist, soll der Geist des Weisen wie das Feuer über die Dinge hinziehen und sie in Harmonie wandeln. Aus diesem Punkte heraus leuchtet ein großer Gedanke der Heraklitischen Weisheit. Was ist der Mensch als persönliches Wesen? Diese Frage erhält für Heraklit von diesem Punkte aus die Antwort. Aus den widerstreitenden Elementen, in welche die Gottheit sich ergossen hat, ist der Mensch gemischt. So findet er sich. Darüber wird er in sich den Geist gewahr. Den Geist, der aus dem Ewigen stammt. Dieser Geist aber wird für ihn selbst aus dem Widerstreit der Elemente heraus geboren. Aber dieser Geist soll auch die Elemente beruhigen. Im Menschen schafft die Natur über sich selbst hinaus. Es ist ja dieselbe All-Eine Kraft, die den Widerstreit, die Mischung erzeugt hat; und die weisheitsvoll diesen Widerstreit wieder beseitigen soll. Da haben wir die ewige Zweiheit, die im Menschen lebt; seinen ewigen Gegensatz zwischen Zeitlichem und Ewigem. Er ist durch das Ewige etwas ganz Bestimmtes geworden; und er soll aus diesem Bestimmten heraus ein Höheres schaffen. Er ist abhängig und unabhängig. An dem ewigen Geiste, den er schaut, kann er doch nur teilnehmen nach Maßgabe der Mischung, die der ewige Geist in ihm gewirkt hat. Und gerade deshalb ist er berufen, aus dem Zeitlichen das Ewige zu gestalten. Der Geist wirkt in ihm. Aber er wirkt in ihm auf besondere Weise. Er wirkt aus dem Zeitlichen heraus. Daß ein Zeitliches wie ein Ewiges wirkt, daß es treibt und kraftet wie ein Ewiges: das ist das Eigentümliche der Menschenseele. Das macht, daß diese einem Gotte und einem Wurme zugleich ähnlich ist. Zwischen Gott und Tier steht der Mensch dadurch mitten inne. Dies Treibende und Kraftende in ihm ist sein Dämonisches. Es ist das, was in ihm aus ihm hinausstrebt. Schlagend hat Heraklit auf diese Tatsache hingewiesen: «Des Menschen Dämon ist sein Schicksal». (Dämon ist hier im griechischen Sinn gemeint. Im modernen Sinne müßte man sagen: Geist.) So erweitert sich für Heraklit das, was im Menschen lebt, weit über das Persönliche hinaus. Dieses Persönliche ist der Träger eines Dämonischen. Eines Dämonischen, das nicht in die Grenzen der Persönlichkeit eingeschlossen ist, für welches Sterben und Geborenwerden des Persönlichen keine Bedeutung haben. Was hat dieses Dämonische mit dem zu tun, was als Persönlichkeit entsteht und vergeht? Eine Erscheinungsform nur ist das Persönliche für das Dämonische. Nach vorwärts und rückwärts blickt der Träger solcher Erkenntnis über sich selbst hinaus. Daß er Dämonisches in sich erlebt, ist ihm Zeugnis für die Ewigkeit seiner selbst. Und er darf jetzt nicht mehr diesem Dämonischen den einzigen Beruf zuschreiben, seine Persönlichkeit auszufüllen. Denn nur eine von diesen Erscheinungsformen des Dämonischen kann das Persönliche sein. Der Dämon kann sich nicht innerhalb einer Persönlichkeit abschließen. Er hat Kraft, viele Persönlichkeiten zu beleben. Von Persönlichkeit zu Persönlichkeit vermag er sich zu wandeln. Der große Gedanke der Wiederverkörperung springt wie etwas Selbstverständliches aus den Heraklitischen Voraussetzungen. Aber nicht allein der Gedanke, sondern die Erfahrung von dieser Wiederverkörperung. Der Gedanke bereitet nur für diese Erfahrung vor. Wer das Dämonische in sich gewahr wird, findet es nicht als ein unschuldvolles, erstes vor. Er findet es mit Eigenschaften. Wodurch hat es diese? Warum habe ich Anlagen? Weil an meinem Dämon schon andere Persönlichkeiten gearbeitet haben. Und was wird aus dem, was ich an dem Dämon wirke, wenn ich nicht annehmen darf, daß dessen Aufgaben in meiner Persönlichkeit erschöpft sind? Ich arbeite für eine spätere Persönlichkeit vor. Zwischen mich und die Welteinheit schiebt sich etwas, was über mich hinausreicht aber noch nicht dasselbe ist wie die Gottheit. Mein Dämon schiebt sich dazwischen. Wie mein Heute nur das Ergebnis von Gestern ist, mein Morgen nur das Ergebnis meines Heute sein wird: so ist mein Leben Folge eines andern; und es wird Grund sein für ein anderes. Wie auf zahlreiche Gestern rückwärts und auf zahlreiche Morgen vorwärts der irdische Mensch, so blickt die Seele des Weisen auf zahlreiche Leben in der Vergangenheit und zahlreiche Leben in der Zukunft. Was ich gestern erworben habe, an Gedanken, an Fertigkeiten, das benütze ich heute. Ist es nicht so mit dem Leben? Betreten die Menschen nicht mit den verschiedensten Fähigkeiten den Horizont des Daseins? Woher rührt die Verschiedenheit? Kommt sie aus dem Nichts? — Unsere Naturwissenschaft tut sich viel darauf zugute, daß sie das Wunder aus dem Gebiete unserer Anschauungen vom organischen Leben verbannt hat. David Friedrich Strauß («Der alte und der neue Glaube») bezeichnet es als große Errungenschaft der Neuzeit, daß wir ein vollkommenes organisches Geschöpf nicht mehr durch ein Wunder aus dem Nichts heraus geschaffen denken. Wir begreifen die Vollkommenheit, wenn wir sie durch Entwicklung aus dem Unvollkommenen erklären können. Der Bau des Affen ist kein Wunder mehr, wenn wir Urfische als Vorläufer des Affen annehmen dürfen, die sich allmählich gewandelt haben. Bequemen wir uns doch, für den Geist als billig hinzunehmen, was uns der Natur gegenüber als recht erscheint. Soll der vollkommene Geist ebensolche Voraussetzungen haben wie der unvollkommene? Soll Goethe die gleichen Bedingungen haben wie ein beliebiger Hottentotte? So wenig wie ein Fisch die gleichen Voraussetzungen hat wie ein Affe, so wenig hat der Goethesche Geist dieselben geistigen Vorbedingungen wie der des Wilden. Die geistige Ahnenschaft des Goetheschen Geistes ist eine andere als die des wilden Geistes. Geworden ist der Geist wie der Leib. Der Geist in Goethe hat mehr Vorfahren als der in dem Wilden. Man nehme die Lehre von der Wiederverkörperung in diesem Sinne. Man wird sie dann nicht mehr «unwissenschaftlich» finden. Aber man wird in der rechten Weise deuten, was man in der Seele findet. Man wird das Gegebene nicht als Wunder hinnehmen. Daß ich schreiben kann, verdanke ich der Tatsache, daß ich es gelernt habe. Niemand kann sich hinsetzen und schreiben, der nie vorher die Feder in der Hand gehabt hat. Aber einen «genialen Blick» soll der eine oder der andere haben auf bloß wunderbare Weise. Nein, auch dieser «geniale Blick» muß erworben sein: er muß gelernt sein. Und tritt er in einer Persönlichkeit auf, so nennen wir ihn ein Geistiges. Aber dieses Geistige hat eben auch erst gelernt; es hat sich in einem früheren Leben erworben, was es in einem späteren «kann».

[ 7 ] So, und nur so, schwebte dem Heraklit und anderen griechischen Weisen der Ewigkeitsgedanke vor. Von einer Fortdauer der unmittelbaren Persönlichkeit war bei ihnen nie die Rede. Man vergleiche eine Rede des Empedokles (490–430 v. Chr.). Er sagt von denen, die das Gegebene nur als Wunder hinnehmen:

[ 8 ] Törichte sind's, denn sie reichen nicht weit mit ihren Gedanken,
Die da wähnen, es könne Zuvor-nicht-Seiendes werden,
Oder auch etwas ganz hinsterben und völlig verschwinden.
Aus Nicht-Seiendem ist durchaus ein Entstehen nicht möglich;
Ganz unmöglich auch ist, daß Seiendes völlig vergebe;
Denn stets bleibt es ja, wohin man es eben verdränget.
Nimmer wohl wird, wer darin belehrt ist, solches vermeinen,
Daß nur 50 lange sie leben, was man nun Leben benennet,
Nur solange sie sind, und Leiden empfangen und Freuden,
Doch, eh' Menschen sie wurden und wann sie gestorben, sie
nichts sind.

[ 9 ] Der griechische Weise warf die Frage gar nicht auf, ob es ein Ewiges im Menschen gebe; sondern allein die, worinnen dieses Ewige besteht, und wie es der Mensch in sich hegen und pflegen kann. Denn von vornherein war es für ihn klar, daß der Mensch als Mittelgeschöpf zwischen Irdischem und Göttlichem lebt. Von einem Göttlichen, das außer und jenseits des Weltlichen ist, war da nicht die Rede. Das Göttliche lebt in dem Menschen; es lebt eben da nur auf menschliche Weise. Es ist die Kraft, die den Menschen treibt, sich selbst immer göttlicher und göttlicher zu machen. Nur wer so denkt, kann reden wie Empedokles:

[ 10 ] Wenn du den Leib verlassend, zum freien Äther dich schwingst,
Wirst ein unsterblicher Gott du sein, dem Tode entronnen. —

[ 11 ] Was kann unter solchem Gesichtspunkt für ein Menschenleben geschehen? Es kann in die magische Kreisordnung des Ewigen eingeweiht werden. Denn in ihm müssen Kräfte liegen, die das bloß natürliche Leben nicht zur Entwicklung bringt. Und dieses Leben könnte ungenützt vorübergehen, wenn diese Kräfte brach liegen blieben. Sie zu erschließen, den Menschen dadurch dem Göttlichen anzuähnlichen: das war die Aufgabe der Mysterien. Und das stellten sich auch die griechischen Weisen zur Aufgabe. So verstehen wir Platos Ausspruch, daß «wer ungeweiht und ungeheiligt in der Unterwelt angelangt, in den Schlamm zu liegen kommt, der Gereinigte und Geweihte aber, wenn er dort angelangt ist, bei den Göttern wohnt». Man hat es da mit einem Unsterblichkeitsgedanken zu tun, dessen Bedeutung innerhalb des Weltganzen beschlossen liegt. Alles, was der Mensch unternimmt, um in sich das Ewige zu erwecken, tut er, um den Daseinswert der Welt zu erhöhen. Er ist als ein Erkennender nicht ein müßiger Zuschauer des Weltganzen, der sich Bilder von dem macht, was auch ohne ihn da wäre. Seine Erkenntniskraft ist eine höhere, eine schaffende Naturkraft. Was in ihm geistig aufblitzt, ist ein Göttliches, das vorher verzaubert war, und das ohne seine Erkenntnis brach liegen bliebe und auf einen anderen Entzauberer warten müßte. So lebt die menschliche Persönlichkeit nicht in sich und für sich; sie lebt für die Welt. Das Leben erweitert sich über das Einzeldasein weit hinaus, wenn es so angeschaut wird. Innerhalb solcher Anschauung begreift man Sätze wie den Pindarschen, der den Ausblick ins Ewige gibt: «Selig, wer jene geschaut hat und dann unter die hohle Erde hinab-steigt; er kennt des Lebens Ende, er kennt den von Zeus verheißenen Anfang.»

[ 12 ] Man versteht die stolzen Züge und die einsame Art solcher Weisen, wie Heraklit einer war. Stolz konnten sie von sich sagen, daß ihnen vieles offenbar; denn sie schrieben ihr Wissen gar nicht ihrer vergänglichen Persönlichkeit zu, sondern dem ewigen Dämon in ihnen. Ihr Stolz hatte als notwendige Beigabe eben den Stempel der Demut und Bescheidenheit, welche die Worte ausdrücken: Alles Wissen über vergängliche Dinge ist in ewigem Flusse wie diese vergänglichen Dinge selbst. Ein Spiel nennt Heraklit die ewige Welt; er könnte sie auch den höchsten Ernst nennen. Aber das Wort Ernst ist verbraucht durch seine Anwendung auf irdische Erlebnisse. Das Spiel des Ewigen beläßt in dem Menschen die Lebenssicherheit, die ihm der Ernst benimmt, der aus dem Vergänglichen entsprossen ist.

[ 13 ] Eine andere Form der Weltanschauung als die des Heraklit ist auf der Grundlage des Mysterienwesens innerhalb der von Pythagoras im sechsten Jahrhundert v. Chr. in Unteritalien gestifteten Gemeinschaft erwachsen. Die Pythagoreer sahen in den Zahlen und Figuren, deren Gesetze sie durch die Mathematik erforschten, den Grund der Dinge. Aristoteles erzählt von ihnen: «Sie führten zuerst die Mathematik fort, und indem sie ganz darin aufgingen, hielten sie die Anfänge in ihr auch für die Anfänge aller Dinge. Da nun in dem Mathematischen die Zahlen von Natur das erste sind, und sie in den Zahlen viel Ähnliches mit den Dingen und dem Werdenden zu sehen glaubten, und zwar in den Zahlen mehr als in dem Feuer, der Erde und dem Wasser, so galt ihnen eine Eigenschaft der Zahlen als die Gerechtigkeit, eine andere als die Seele und der Geist, wieder eine andere als die Zeit, und so fort für alles übrige. Sie fanden ferner in den Zahlen die Eigenschaften und die Verhältnisse der Harmonie, und so schien alles andere, seiner ganzen Natur nach, Abbild der Zahlen und die Zahlen das erste in der Natur zu sein.»

[ 14 ] Auf einen gewissen Pythagoreismus muß die mathematisch-wissenschaftliche Betrachtung der Naturerscheinungen immer führen. Wenn eine Saite von bestimmter Länge angeschlagen wird, so entsteht ein gewisser Ton. Wird die Saite in bestimmten Zahlenverhältnissen verkürzt, so entstehen immer andere Töne. Man kann die Tonhöhen durch Zahlenverhältnisse ausdrücken, Die Physik drückt auch die Farbenverhältnisse durch Zahlen aus. Wenn sich zwei Körper zu einem Stoffe verbinden, so geschieht es immer so, daß sich eine ganz bestimmte durch Zahlen ein für allemal ausdrückbare Menge des einen Stoffes mit einer ebensolchen des anderen Stoffes verbindet. Auf solche Ordnungen nach Maß und Zahl in der Natur war der Beobachtungssinn der Pythagoreer gelenkt. Auch die geometrischen Figuren spielen eine ähnliche Rolle in der Natur. Die Astronomie zum Beispiel ist eine auf die Himmelskörper angewandte Mathematik. Was für das Vorstellungsleben der Pythagoreer wichtig wurde, das ist die Tatsache, daß der Mensch ganz für sich allein, bloß durch seine geistigen Operationen die Gesetze der Zahlen und Figuren erforscht; und daß doch, wenn er dann in die Natur hinausblickt, die Dinge den Gesetzen folgen, die er für sich in seiner Seele festgestellt hat. Der Mensch bildet für sich den Begriff einer Ellipse aus; er stellt die Gesetze der Ellipse fest. Und die Himmelskörper bewegen sich im Sinne der Gesetze, die er festgesetzt hat. (Es kommt hier natürlich nicht auf die astronomischen Anschauungen der Pythagoreer an. Was von den ihrigen gesagt werden kann, kann auch von den Kopernikanischen in der hier in Betracht kommenden Beziehung gesagt werden.) Daraus folgt ja unmittelbar, daß die Verrichtungen der Menschenseele nicht ein Treiben sind abseits von der übrigen Welt, sondern daß in diesen Verrichtungen sich das ausspricht, was als gesetzmäßige Ordnung die Welt durchzieht. Der Pythagoreer sagte sich: die Sinne zeigen dem Menschen die sinnlichen Erscheinungen. Aber sie zeigen nicht die harmonischen Ordnungen, denen die Dinge folgen. Diese harmonischen Ordnungen muß vielmehr der Menschengeist erst in sich finden, wenn er sie außen in der Welt schauen will. Der tiefere Sinn der Welt, das was in ihr als ewige, gesetzmäßige Notwendigkeit waltet: das kommt in der Menschenseele zum Vorschein, das wird in ihr gegenwärtige Wirklichkeit. In der Seele geht der Sinn der Welt auf. Nicht in dem, was man sieht, hört und tastet, liegt dieser Sinn, sondern in dem, was die Seele aus ihren tiefen Schächten zutage fördert. Die ewigen Ordnungen sind also in den Tiefen der Seele geborgen. Man steige hinunter in die Seele: und man wird das Ewige finden. Gott, die ewige Weltharmonie, ist in der Menschenseele. Nicht auf die Körperlichkeit, die in des Menschen Haut eingeschlossen ist, ist das Seelische beschränkt. Denn was in der Seele geboren wird, das sind die Ordnungen, nach denen die Welten im Himmelsraum kreisen. Die Seele ist nicht in der Persönlichkeit. Die Persönlichkeit gibt bloß das Organ ab, durch welches das, was als Ordnung den Weltenraum durchzieht, sich aussprechen kann. Es steckt etwas von dem Geist des Pythagoras in dem, was der Kirchenvater Gregor von Nyssa gesagt hat: «Allein etwas Kleines, sagt man, Begrenztes ist die menschliche Natur, unendlich aber die Gottheit, und wie wohl ist durch das Winzige das Unendliche umfaßt worden? Und wer sagt das, daß in der Umgrenzung des Fleisches wie in einem Gefäße die Unendlichkeit der Gottheit eingefaßt war? Denn nicht einmal in unserem Leben wird innerhalb der Grenzen des Fleisches die geistige Natur eingeschlossen; sondern die Masse des Körpers wird zwar durch die Nachbarteile begrenzt, die Seele aber breitet sich durch die Bewegungen des Denkens frei in der ganzen Schöpfung aus. » Die Seele ist nicht die Persönlichkeit. Die Seele gehört der Unendlichkeit an. So mußte es auch von solchem Gesichtspunkte aus für die Pythagoreer gelten, daß bloß «Törichte» wähnen können: mit der Persönlichkeit sei das Seelische erschöpft. — Auch für sie mußte es darauf ankommen, in dem Persönlichen das Ewige zu erwecken. Erkenntnis war ihnen Umgang mit dem Ewigen. Um so höher mußte ihnen der Mensch gelten, je mehr er dieses Ewige in sich zum Dasein bringt. In der Pflege des Umgangs mit dem Ewigen bestand das Leben in ihrer Gemeinschaft. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft zu solchem Umgang zu führen, bildete die pythagoreische Erziehung. Eine philosophische Einweihung war also diese Erziehung. Und die Pythagoreer konnten wohl sagen, daß sie durch diese Lebenshaltung ein Gleiches anstrebten wie die Mysterienkulte.

Versions Available:

Christianity as Mystical Fact 1961, tr. E. A. Frommer, et. al.
  1. Christianity as Mystical Fact 1947, tr. Henry Monges
  2. Christianity as Mystical Fact, Steiner Online Library
  3. Das Christentum als Mystische Tatsache, 9th ed.

2. Greek Sages before Plato in the Light of Mystery Wisdom

[ 1 ] Numerous facts lead us to perceive that the philosophical wisdom of the Greeks stems from the same basic conviction as does mystical cognition. We can understand the great philosophers only when we approach them with the feelings gained from observation of the Mysteries. How reverently Plato speaks of the “secret teachings” in the Phaedo: “And it appears that those men who established the Mysteries were not unenlightened, but in reality had a hidden meaning when they said long ago that whoever goes uninitiated and unsanctified to the other world will lie in the mire, but he who arrives there initiated and purified will dwell with the gods. For as they say in the Mysteries, ‘the thyrsus-bearers are many, but the mystics few;’ and these mystics are, I believe, those who have been true philosophers. And I in my life have, so far as I could, left nothing undone, and have striven in every way to make myself one of them.”10Plato, Phaedo, 69 C.—Initiation can be discussed in this way only by someone who has placed his own striving for wisdom entirely at the service of the conviction engendered by initiation. And there is no doubt that a bright light is cast upon the words of the great Greek philosophers when they are illuminated by the Mysteries.

[ 2 ] A saying which has been handed down about Heraclitus of Ephesus (535–475 B.C.) gives a clear indication of his relationship to the essence of the Mysteries, saying that his thoughts are “a path which is difficult to travel,” that anyone who approaches them uninitiated will find only “obscurity and darkness,” but that on the other hand they are “brighter than sunlight” for the person who is introduced to them by a mystic.11The anonymous epigram reads: “Do not be in too great a hurry to get to the end of Heraclitus the Ephesian's book: the path is hard to travel. Obscurity is there, and darkness devoid of light. But if an initiate be your guide, the path shines brighter than sunlight.” Anth. Pal. Book IX, 540 (Cf. also Diogenes Laertius IX, 16). When it is said of his book that he placed the latter in the temple of Artemis,12“Heraclitus lays down his book ceremonially in the temple of Artemis. So some people say, he has purposely written it obscurely, so that only the able would approach it.” (Cf. Kranz: Vorsokratische Denker, p. 84.) this means that he could be understood only by initiates. (Historical evidence of Heraclitus' relationship to the Mysteries has already been contributed by Edmund Pfleiderer. See his book, Die Philosophie des Heraklit von Ephesus im Lichte der Mysterienidee, Berlin 1886.) Heraclitus was called “The Obscure” because only the light of the Mysteries provided the key to his conceptions.

[ 3 ] Heraclitus strikes us as a personality with the most serious attitude toward life. If we know how to conjure up his appearance, we see in his physiognomy that he bore within him the most intimate experiences of cognition which he knew could only be indicated, not expressed, by words. From the soil of such a conviction sprang his famous saying, “Everything is in a state of flux,” which Plutarch interprets in the following words: “It is impossible to step twice in the same river nor is it possible to lay hold twice of any mortal substance in a permanent state, by the suddenness and swiftness of the change in it there comes dispersion and at another time, a gathering together; or rather, not at another time nor later, but at the same instant it both settles into its place and forsakes its place; it is coming and going.”13Heraclitus, Fragments 40, 41. Cf. Note 5 The man who thinks in this way has seen through the nature of transitory things. He has felt urged to characterize in the sharpest words the essence of transitoriness. Such a characterization cannot be made unless the transitory is measured against the eternal. In particular this characterization cannot be extended to man unless his innermost being has been penetrated. Heraclitus does extend this characterization to man: “Living and dead are the same and so are waking and sleeping, youth and age. For the one in changing becomes the other, and the other, changing, again becomes the one.”14Heraclitus, Fragment 78. Full cognition of the illusory character of the lower personality is expressed in this sentence. He speaks of this even more forcibly: “There is life and death in our life, just as in our death.” What does this mean except that life can be valued more highly than death only when seen from the point of view of the transitory. Death is decay to make room for new life, but the eternal lives in the new life as in the old. The same eternal appears in transitory life as in death. When man has grasped this eternal he looks upon death with the same feelings as he looks upon life. Only if he is unable to awaken this eternal within himself does life have a special value for him. The sentence, “Everything is in a state of flux” may be trotted out a thousand times, but if it is not spoken with a feeling for this content it is void of meaning. Cognition of eternal creation is valueless if it does not cancel out our dependence upon earthly creation. Heraclitus means to repudiate the lust for life which presses after transitory things with the saying, “How shall we say of our daily life: ‘we are,’ when we know that from the standpoint of the eternal: ‘we are and we are not.’” (Heraclitus, Fragment No. 81)15Heraclitus, Fragment 81. “But Hades is the same as Dionysus,” states another of the Fragments of Heraclitus.16Heraclitus, Fragment 127. Dionysus, the god of lust for life, of germination and growth, to whom the Dionysian festivals were dedicated, is for Heraclitus the same as Hades, the god of annihilation and destruction. Only one who sees life within death and death within life, and in both the eternal which is infinitely above life and death, his gaze alone can behold in the right light the disadvantages and advantages of existence. Then the disadvantages find their justification, for the eternal lives in them also. What they appear to be from the standpoint of the limited lower life is only illusory: “For men to get all they wish is not the better thing. It is disease that makes health a pleasant thing; evil, good; hunger, surfeit; and toil, rest.” “Sea water is the most pure and the most polluted; for fishes it is drinkable and salutary, but for men it is undrinkable and deleterious.”17Heraclitus, Fragment 104, 52. Heraclitus intends primarily to point out not the transitory quality of earthly things, but the splendor and majesty of the eternal. Heraclitus spoke vigorously against Homer, Hesiod and the scholars of his day. He wished to point out the manner of their thought which clings only to the transitory. He did not want the gods furnished with attributes taken from the transitory world. And he could not respect as the highest a science which investigated the laws of the growth and decay of things. For him the eternal speaks through the transitory. He has a deeply significant symbol for this eternal: “The harmony of the world is of opposite tensions, as is that of the lyre or bow.”18Heraclitus, Fragment 56 (Cf. 45). How much is contained in this pictured Unity is attained by the striving of forces in opposite directions and the harmonization of these diverging forces. One tone contradicts another, yet together they achieve harmony. If we apply this to the spiritual world we have the thought of Heraclitus: “Immortals take on mortality, mortals immortality; death is the eternal life of mortals, earthly life the death of immortals.”19Heraclitus, Fragment 67.

[ 4 ] To cling to the transitory with his cognition is the original fault of man. Thereby he turns away from the eternal. Through this, life becomes a danger to him. What happens to him comes to pass through life. But it loses its sting when he no longer values life as absolute. Then his innocence is restored to him. It is as though he could return from the so-called seriousness of life to childhood. How much that is play to the child is taken in all seriousness by the adult! The one who knows, however, becomes like a child. “Serious” values lose their worth when seen from the standpoint of the eternal. Life then appears as a game. Therefore Heraclitus says, “Eternity is a child at play; it is the dominion of a child.”20Heraclitus, Fragment 79. Where does the original fault lie? It consists in taking with the utmost seriousness those things to which this seriousness should not be attached. God has descended into the world of things. Whoever receives these things without God receives them seriously as the “Tombs of God.” He should play with them like a child and employ his seriousness to draw out of them the God who sleeps spellbound within.

[ 5 ] Burning, yes, scorching is the effect which contemplation of the eternal has upon ordinary assumptions about things. The spirit dissolves the thoughts of sensuality; it melts them. It is a consuming fire. This is the higher sense of the thought of Heraclitus, that fire is the archetypal substance of all things. Certainly this thought is to be taken first in the sense of an ordinary physical exploration of the phenomena of the world. But no one understands Heraclitus who does not think about him in the way that Philo, who lived at the time of the birth of Christianity, thought about the laws of the Bible. He says, “There are people who take written laws only as pictures of spiritual teaching. They search out the latter with great care and despise the former. I can only censure such people for they should take care of both: the cognition of the esoteric sense and the observation of the exoteric.”21Philo of Alexandria, De Migratione Abrahami, The Migration of Abraham, 89. (see Note 46 below)—We pervert the thoughts of Heraclitus if we argue whether by his concept of fire he meant physical fire, or whether for him fire was only a symbol of the eternal spirit which dissolves and reforms material things. He meant both and neither, because for him the spirit also lived in ordinary fire. The force physically active in fire lives on a higher plane in the human soul, melting sense-bound cognition in its furnace and allowing contemplation of the eternal to emerge from it.

[ 6 ] Heraclitus in particular may easily be misunderstood. He allows strife to be the father of things,22Heraclitus, Fragment 44. but to him it is the father only of “things,” not of the eternal. If there were no polarities in the world, if the most manifold conflicting interests did not exist, the world of growth would not exist, nor would the world of decay. What reveals itself, however, in this, what is diffused in it, is not strife; it is harmony. Just because strife is in all things, the spirit of the sage is to move over all things like fire, transforming them into harmony. This point throws light on one of the great thoughts of Heraclitean wisdom. What is the personal essence of man? The above passage contains the answer of Heraclitus. Man is a mixture of conflicting elements, into which God is descended. This is the condition in which he finds himself. Further, he becomes aware of the spirit within him, the spirit which is rooted in the eternal. This spirit, however, is born for him personally out of the conflict of the elements. This spirit should also pacify the elements. In man, nature creates beyond herself. It is the same unique force which has begotten the conflict, the mixture, which, filled with wisdom, is to remove this conflict again. There we have the eternal duality which lives in man, the eternal contradiction in him between temporal and eternal. Through the eternal he has become something quite definite, and out of this he should create something higher. He is both dependent and independent. He can participate in the eternal spirit which he beholds only to the extent of the mixture the eternal spirit has produced in him. Just because of this he is called upon to form the eternal out of the temporal. The spirit works in him. But it works in him in a special way. It works out of the temporal. It is the peculiarity of the human soul that something temporal works like something eternal, that it leavens and strengthens like an eternal quality. This makes the human soul similar to a god and a worm at the same time. Because of this man stands midway between God and animal. This leavening and strengthening force in him is his daemonic element. This is what strives beyond him from within. Heraclitus points to this in a striking way: “Man's daemon is his destiny.”23Heraclitus, Fragment 137. (Daemon is meant here in the Greek sense. In the modern sense we would say spirit.) Thus for Heraclitus what lives in man extends itself far beyond the personal. This personal element is the bearer of a daemonic element. This element is not confined to one personality and the death and birth of the personality have no significance for it. What connection has this daemonic element with what in the form of personality comes into existence and decays? The personal element is only a form of appearance for the daemonic. The bearer of such cognition looks forward and backward beyond himself. That he experiences the daemonic element in himself is to him evidence of his own immortality. Now he may no longer ascribe to this daemonic element the single task of filling out his personality. For the personality can be only one form of appearance of the daemonic element. The daemon cannot confine itself within one personality. It has the force to animate many personalities. It can go from personality to personality. This premise of Heraclitus gives rise as a matter of course to the great thought of reincarnation. Not, however, to the thought alone, but to the experience of reincarnation. The thought is only the preparation for the experience. Whoever becomes aware of the daemonic element within himself does not discover it to be an innocent primary element. He finds that it has characteristics. How has it come by these? Why have I tendencies? Because other personalities have already worked upon my daemon. And what will become of the effect which I produce on the daemon, if I may not assume that its task is exhausted in my personality? I prepare for a later personality. Something which is not the same as a divinity, something which reaches beyond me, introduces itself between me and the cosmic unity. My daemon introduces itself. As my today is but the result of yesterday, and my tomorrow will only be the result of my today, so my life is the continuation of another, and will be the basis for another. As physical man looks backward on numerous yesterdays and forward to numerous tomorrows, so the soul of the sage beholds numerous lives in the past and numerous lives in the future. What I acquired yesterday in the way of thoughts and accomplishments, I use today. Is it not so with life? Do not men set foot upon the horizon of existence with the most varied faculties? Whence comes this variety? Does it come out of nothingness?—Our natural science congratulates itself on banishing the miracle from our conceptions of organic life. David Friedrich Strauss (see Alter und Neuer Glaube, Old and New Faith) considers it a great achievement of modern times that we no longer think of a perfect organic creature being miraculously created out of nothingness. We grasp perfection when we are able to explain it as an evolution out of imperfection. The structure of the ape is no longer a miracle if we may assume, as ancestors of the ape, primitive fish which have gradually transformed themselves. Let us agree to accept for the spirit what seems to us right with regard to nature. Is the perfected spirit to have the same origin as the imperfected spirit? Is Goethe to have the same disposition as any Hottentot? The spirit of Goethe cannot have the same spiritual predispositions as an aborigine, any more than a fish has the same predisposition as an ape. The spiritual ancestry of Goethe's spirit is different from that of the aborigine. The spirit has grown like the body. The spirit in Goethe has more predecessors than that in the aborigine. Let us take the teaching of reincarnation in this sense. Then we shall no longer find it “unscientific.” On the contrary, what is found in the soul will then be explained in the right way. What is given will not be accepted as a miracle. That I can write is the result of the fact that I have learned to do so. One who has never held a pen in his hand cannot sit down and write. But someone or other is supposed to have a “spark of genius” in some purely miraculous way. No, this “spark of genius” must also be acquired; it must be learned. If it makes its appearance in a personality, we call it a spiritual element. But first this spiritual element also had to learn; in an earlier life it has acquired for itself the “ability” it has in a later one.

[ 7 ] In this way and no other did Heraclitus and the Greek sages conceive the thought of eternity. For them there was no question of the continuance of the actual personality. Let us refer to a saying of Empedocles (490–430 B.C.). Of those who regard something as a miracle, he says:

[ 8 ] “Fools! for they have no far-reaching thoughts—24Empedocles, Fragments 11, 12, 15, translated by John Burnet in his Early Greek Philosophy, Adam & Charles Black, London, 1952.
Who deem that what before was not comes into being,
Or that aught can perish and be utterly destroyed.
For it cannot be that aught can arise from what in no way is,
And it is impossible and unheard of that what is should perish;
For it will always be, wherever one may keep putting it.
A man wise in such matters would never surmise in his heart
That as long as mortals live what they call their life,
So long they are, and suffer good and ill;
While before they were formed and after they have been dissolved
They are just nothing at all. ”

[ 9 ] The Greek sage did not raise the question whether there is an eternal element in man; he only asked of what does this eternal consist and how can man cherish and care for it within himself. For it was clear to him from the beginning that man lives as a creature midway between the earthly and the divine. There was no question of the divine existing outside and beyond earthly things. The divine lives in man; it lives there, but in a human way. It is the force which urges man to make himself ever more and more divine. Only a person who thinks in this way can say with Empedocles,

[ 10 ] “When, released from the body, you ascend to the free ether,
You will become an immortal god, escaping death.”25Empedocles, Fragment 112

[ 11 ] What can happen to a human life from such a point of view? It can be initiated into the ordered cycle of the eternal. Forces must be present in it which are not brought into development by a purely natural life. And this life could pass by unused if these forces remained lying fallow. It was the task of the Mysteries to open them up, thereby likening the human to the divine. And the Greek sages also set themselves this task. Thus we understand Plato's words: “Whoever goes uninitiated and unsanctified to the other world will lie in the mire, but he who arrives there initiated and purified will dwell with the gods.”26Plato, Phaedo, 69 C. Here we are dealing with an idea of immortality, the significance of which is determined within the whole cosmos. Everything man undertakes in order to awaken the eternal within himself he does in order to heighten the existence-value of the cosmos. As a cognizant being one is not an idle observer of the whole cosmos when he pictures to himself what would equally well be there without him. His power of cognition is a higher natural creative force. What lights up in him spiritually is a divinity which was spellbound before, and which without his cognition would have to lie fallow and wait for another deliverer. Therefore the human personality does not live within itself and for itself; it lives for the cosmos. Life extends far beyond individual existence when it is regarded in this way. Within the framework of such a conception we can understand sentences such as the following by Pindar, which gives us a glimpse of the eternal: “Happy is he who has seen those Mysteries ere he passes beneath the earth. He knows the truth about life's ending, and he knows that its first seeds were of God's giving.”27Pindar, Fragment 137

[ 12 ] The proud physiognomy and solitary manner of sages like Heraclitus are understandable. They could say proudly of themselves that much was revealed to them, for they did not ascribe their knowledge to their transitory personality at all, but to the eternal daemon within them. Their pride was of necessity stamped with the attributes of humility and modesty, which are expressed in the words: All knowledge of transitory things is in eternal flux like these transitory things themselves. Heraclitus calls the eternal cosmos a game; he could also call it the most profoundly serious thing. But the word serious has become worn out through being applied to earthly experiences. The game of the eternal grants man a security in life of which he is deprived by the seriousness arising out of the transitory.

[ 13 ] Another form of world-conception, different from that of Heraclitus, grew from the same foundation in the essence of the Mysteries, within a community founded by Pythagoras in lower Italy in the sixth century before Christ. The Pythagoreans saw the foundation of things in numbers and figures, whose laws they investigated mathematically. Aristotle says of them, “They were the first to advance the study of mathematics, and having been brought up in it they thought its principles were the principles of all things. Since of these principles numbers are by nature the first, and in numbers they seemed to see many resemblances to the things that exist and come into being—more than in fire and earth and water, such and such a modification of numbers being justice, another being soul and reason, another being opportunity—and similarly almost all other things being numerically expressible; since, again, they saw that the attributes and ratios of numerical scales were expressible in numbers; since, then, all other things seemed in their whole nature to be modeled after numbers, and numbers seemed to be the first things in the whole of nature, they supposed the demands of numbers to be the elements of all things, and the whole heaven to be a musical scale and a number.”28Aristotle, Metaphysica A, Book I, Chapter 5.

[ 14 ] The mathematical-scientific observation of natural phenomena must always lead to a kind of Pythagorean conception. If a string of definite length is struck, a certain tone is sent forth. If the string is shortened in definite numerical relationships, other tones come into being. The pitch of these tones can be expressed by numerical relationships. In physics color relationships also are expressed by numbers. When two bodies combine to form one substance this always occurs in such a way that of one substance one quite definite mass, expressible by number, combines with an appropriate one of the other substance. The Pythagoreans directed their observation upon such arrangements of measure and number in nature. Geometric figures also play a similar part in nature. For instance, astronomy is mathematics applied to the heavenly bodies. The point which became important to the thinking life of the Pythagoreans is the fact that man discovers the laws of numbers and figures entirely by himself, through his spiritual activity alone, and that when he looks out into nature the objects follow these laws he has established for himself in his soul. Man formulates for himself the concept of the ellipse; he establishes the laws of the ellipse. And the heavenly bodies move according to the laws he has established. (Of course we are not concerned here with the astronomical conceptions of the Pythagoreans. What could be said of them also applies to the Copernican conceptions in the connection under consideration here.) From this it follows immediately that the functions of the human soul are not a force apart from the rest of the cosmos, but that these functions are the expression of a law-abiding pattern which is interwoven with the cosmos. The Pythagorean said to himself: The senses show material phenomena to man. But they do not show the harmonious patterns which the objects obey. Rather, the spirit of man must first find these harmonious patterns within himself if he wishes to behold them outside in the cosmos. The deeper sense of the cosmos, that which reigns in it as eternal law-abiding necessity, becomes apparent as a present reality in the human soul. In the soul the meaning of the cosmos dawns. This meaning does not lie in what is seen, heard and touched, but in what the soul brings forth from its deep recesses into the light of day. The eternal pattern therefore lies hidden in the depths of the soul. Let us descend into the soul, and we shall find the eternal. God, the eternal cosmic harmony, is within the human soul. The soul is not confined to the physical body enclosed by man's skin. For in the soul are born the patterns according to which the worlds circle in space. The soul is not in the personality. The personality merely provides the organ through which what is interwoven with the cosmos can be expressed. Something of the spirit of Pythagoras is contained in the saying of the Church Father, Gregory of Nyssa: “It is said that human nature by itself is something small and limited, but the Godhead is infinite, and how has the infinite been embraced by something so tiny? And who says that the infinity of the Godhead was enclosed within the bounds of the flesh as in a vessel? For not even in our life is man's spiritual nature enclosed within the bounds of the flesh; on the contrary the physical body is limited by neighboring parts, but the soul expands freely over the whole of creation by means of the activity of thought.”29Gregory of Nyssa (c 331–c 396), One of the four great Fathers of the Eastern Church, in Oratio catechetica magna, Chapter 10, modern edition edited by Krabinger, Munich, 1838. The soul is not the personality. The soul belongs to eternity. Taking this point of view, the Pythagorean also had to admit that only “fools” could suppose the qualities of the soul to be exhausted with the personality. For them also it depended upon the awakening of the eternal within the personal. To them cognition was communion with the eternal. The more a man brought this eternal into existence within himself the higher they valued him. The life of their community consisted in fostering this communion with the eternal. In order to lead the members of the community to such communion, the Pythagorean education was established. This education, therefore, was a philosophical initiation. And the Pythagoreans could very well say that by their mode of life they strove toward the same goal as the Mystery cults.