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Theosophy
GA 9

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Das Wesen des Menschen

[ 1 ] Die folgenden Worte Goethes bezeichnen in schöner Art den Ausgangspunkt eines der Wege, auf denen das Wesen des Menschen erkannt werden kann: «Sobald der Mensch die Gegenstände um sich her gewahr wird, betrachtet er sie in bezug auf sich selbst; und mit Recht, denn es hängt sein ganzes Schicksal davon ab, ob sie ihm gefallen oder missfallen, ob sie ihn anziehen oder abstoßen, ob sie ihm nützen oder schaden. Diese ganz natürliche Art, die Dinge anzusehen und zu beurteilen, scheint so leicht zu sein, als sie notwendig ist, und doch ist der Mensch dabei tausend Irrtümern ausgesetzt, die ihn oft beschämen und ihm das Leben verbittern. — Ein weit schwereres Tagewerk übernehmen diejenigen, deren lebhafter Trieb nach Kenntnis die Gegenstände der Natur an sich selbst und in ihren Verhältnissen untereinander zu beobachten strebt: denn sie vermissen bald den Maßstab, der ihnen zu Hilfe kam, wenn sie als Menschen die Dinge in bezug auf sich betrachten. Es fehlt ihnen der Maßstab des Gefallens und Missfallens, des Anziehens und Abstoßens, des Nutzens und Schadens. Diesem sollen sie ganz entsagen, sie sollen als gleichgültige und gleichsam göttliche Wesen suchen und untersuchen, was ist, und nicht, was behagt. So soll den echten Botaniker weder die Schönheit noch die Nutzbarkeit der Pflanzen rühren, er soll ihre Bildung, ihr Verhältnis zu dem übrigen Pflanzenreiche untersuchen; und wie sie alle von der Sonne hervorgelockt und beschienen werden, so soll er mit einem gleichen ruhigen Blicke sie alle ansehen und übersehen und den Maßstab zu dieser Erkenntnis, die Data der Beurteilung nicht aus sich, sondern aus dem Kreise der Dinge nehmen, die er beobachtet.»

[ 2 ] Auf dreierlei lenkt dieser von Goethe ausgesprochene Gedanke die Aufmerksamkeit des Menschen. Das erste sind die Gegenstände, von denen ihm durch die Tore seiner Sinne fortwährend Kunde zufließt, die er tastet, riecht, schmeckt, hört und sieht. Das zweite sind die Eindrücke, die sie auf ihn machen und die sich als sein Gefallen und Missfallen, sein Begehren oder Verabscheuen dadurch kennzeichnen, dass er das eine sympathisch, das andere antipathisch, das eine nützlich, das andere schädlich findet. Und das dritte sind die Erkenntnisse, die er sich als «gleichsam göttliches Wesen» über die Gegenstände erwirbt; es sind die Geheimnisse des Wirkens und Daseins dieser Gegenstände, die sich ihm enthüllen.

[ 3 ] Deutlich scheiden sich diese drei Gebiete im menschlichen Leben. Und der Mensch wird daher gewahr, dass er in einer dreifachen Art mit der Welt verwoben ist. — Die erste Art ist etwas, was er vorfindet, was er als eine gegebene Tatsache hinnimmt. Durch die zweite Art macht er die Welt zu seiner eigenen Angelegenheit, zu etwas, das eine Bedeutung für ihn hat. Die dritte Art betrachtet er als ein Ziel, zu dem er unaufhörlich hinstreben soll.

[ 4 ] Warum erscheint dem Menschen die Welt in dieser dreifachen Art? Eine einfache Betrachtung kann das lehren: Ich gehe über eine mit Blumen bewachsene Wiese. Die Blumen künden mir ihre Farben durch mein Auge. Das ist die Tatsache, die ich als gegeben hinnehme. — Ich freue mich über die Farbenpracht. Dadurch mache ich die Tatsache zu meiner eigenen Angelegenheit. Ich verbinde durch meine Gefühle die Blumen mit meinem eigenen Dasein. Nach einem Jahre gehe ich wieder über dieselbe Wiese. Andere Blumen sind da. Neue Freude erwächst mir aus ihnen. Meine Freude vom Vorjahre wird als Erinnerung auftauchen. Sie ist in mir; der Gegenstand, der sie angefacht hat, ist vergangen. Aber die Blumen, die ich jetzt sehe, sind von derselben Art wie die vorjährigen; sie sind nach denselben Gesetzen gewachsen wie jene. Habe ich mich über diese Art, über diese Gesetze aufgeklärt, so finde ich sie in den diesjährigen Blumen so wieder, wie ich sie in den vorjährigen erkannt habe. Und ich werde vielleicht also nachsinnen: Die Blumen des Vorjahres sind vergangen; meine Freude an ihnen ist nur in meiner Erinnerung geblieben. Sie ist nur mit meinem Dasein verknüpft. Das aber, was ich im vorigen Jahre an den Blumen erkannt habe und dies Jahr wieder erkenne, das wird bleiben, solange solche Blumen wachsen. Das ist etwas, was sich mir offenbart hat, was aber von meinem Dasein nicht in gleicher Art abhängig ist wie meine Freude. Meine Gefühle der Freude bleiben in mir; die Gesetze, das Wesen der Blumen bleiben außerhalb meiner in der Welt.

[ 5 ] So verbindet sich der Mensch immerwährend in dieser dreifachen Art mit den Dingen der Welt. Man lege zunächst nichts in diese Tatsache hinein, sondern fasse sie auf, wie sie sich darbietet. Es ergibt sich aus ihr, dass der Mensch drei Seiten in seinem Wesen hat. Dies und nichts anderes soll hier vorläufig mit den drei Worten Leib, Seele und Geist angedeutet werden. Wer irgendwelche vorgefassten Meinungen oder gar Hypothesen mit diesen drei Worten verbindet, wird die folgenden Auseinandersetzungen notwendig missverstehen müssen. Mit Leib ist hier dasjenige gemeint, wodurch sich dem Menschen die Dinge seiner Umwelt offenbaren, wie in obigem Beispiele die Blumen der Wiese. Mit dem Worte Seele soll auf das gedeutet werden, wodurch er die Dinge mit seinem eigenen Dasein verbindet, wodurch er Gefallen und Missfallen, Lust und Unlust, Freude und Schmerz an ihnen empfindet. Als Geist ist das gemeint, was in ihm offenbar wird, wenn er, nach Goethes Ausdruck, die Dinge als «gleichsam göttliches Wesen» ansieht. — In diesem Sinne besteht der Mensch aus Leib, Seele und Geist.

[ 6 ] Durch seinen Leib vermag sich der Mensch für den Augenblick mit den Dingen in Verbindung zu setzen. Durch seine Seele bewahrt er in sich die Eindrücke, die sie auf ihn machen; und durch seinen Geist offenbart sich ihm das, was sich die Dinge selbst bewahren. Nur wenn man den Menschen nach diesen drei Seiten betrachtet, kann man hoffen, Aufschluss über seine Wesenheit zu erhalten. Denn diese drei Seiten zeigen ihn in dreifach verschiedener Art mit der übrigen Welt verwandt.

[ 7 ] Durch seinen Leib ist er mit den Dingen verwandt, die sich seinen Sinnen von außen darbieten. Die Stoffe der Außenwelt setzen diesen seinen Leib zusammen; die Kräfte der Außenwelt wirken auch in ihm. Und wie er die Dinge der Außenwelt mit seinen Sinnen betrachtet, so kann er auch sein eigenes leibliches Dasein beobachten. Aber unmöglich ist es, in derselben Art das seelische Dasein zu betrachten. Alles, was an mir leibliche Vorgänge sind, kann auch mit den leiblichen Sinnen wahrgenommenen werden. Mein Gefallen und Missfallen, meine Freude und meinen Schmerz kann weder ich noch ein anderer mit leiblichen Sinnen wahrnehmen. Das Seelische ist ein Gebiet, das der leiblichen Anschauung unzugänglich ist. Das leibliche Dasein des Menschen ist vor aller Augen offenbar; das seelische trägt er als seine Welt in sich. Durch den Geist aber wird ihm die Außenwelt in einer höheren Art offenbar. In seinem Innern enthüllen sich zwar die Geheimnisse der Außenwelt; aber er tritt im Geiste aus sich heraus und lässt die Dinge über sich selbst sprechen, über dasjenige, was nicht für ihn, sondern für sie Bedeutung hat. Der Mensch blickt zum gestirnten Himmel auf: das Entzücken, das seine Seele erlebt, gehört ihm an; die ewigen Gesetze der Sterne, die er im Gedanken, im Geiste erfasst, gehören nicht ihm, sondern den Sternen selbst an.

[ 8 ] So ist der Mensch Bürger dreier Welten. Durch seinen Leib gehört er der Welt an, die er auch mit seinem Leibe wahrnimmt; durch seine Seele baut er sich seine eigene Welt auf; durch seinen Geist offenbart sich ihm eine Welt, die über die beiden anderen erhaben ist.

[ 9 ] Es scheint einleuchtend, dass man, wegen der wesentlichen Verschiedenheit dieser drei Welten, auch nur durch drei verschiedene Betrachtungsarten Klarheit über sie und den Anteil des Menschen an ihnen wird gewinnen können.

I. Die leibliche Wesenheit des Menschen

[ 10 ] Durch leibliche Sinne lernt man den Leib des Menschen kennen. Und die Betrachtungsart kann dabei keine andere sein als diejenige, durch welche man andere sinnlich wahrnehmbare Dinge kennen lernt. Wie man die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere betrachtet, so kann man auch den Menschen betrachten. Er ist mit diesen drei Formen des Daseins verwandt. Gleich den Mineralien baut er seinen Leib aus dem Stoffen der Natur auf; gleich den Pflanzen wächst er und pflanzt sich fort; gleich den Tieren nimmt er die Gegenstände um sich herum wahr und bildet auf Grund ihrer Eindrücke in sich innere Erlebnisse. Ein mineralisches, ein pflanzliches und ein tierisches Dasein darf man daher dem Menschen zusprechen.

[ 11 ] Die Verschiedenheit im Bau der Mineralien, Pflanzen und Tiere entspricht den drei Formen ihres Daseins. Und dieser Bau — die Gestalt — ist es, was man mit den Sinnen wahrnimmt und was man allein Leib nennen kann. Nun ist aber der menschliche Leib von dem tierischen verschieden. Diese Verschiedenheit muss jedermann anerkennen, wie er auch über die Verwandtschaft des Menschen mit den Tieren sonst denken mag. Selbst der radikalste Materialist, der alles Seelische leugnet, wird nicht umhin können, den folgenden Satz zu unterschreiben, den Carus in seinem «Organon der Erkenntnis der Natur und des Geistes» ausspricht: «Noch immer bleibt zwar der feinere innerlichste Bau des Nervensystems und namentlich des Hirns dem Physiologen und Anatomen ein unaufgelöstes Rätsel; aber dass jene Konzentration der Gebilde mehr und mehr in der Tierreihe steigt und im Menschen einen Grad erreicht, wie durchaus in keinem anderen Wesen, dies ist eine vollkommen festgestellte Tatsache; es ist für die Geistesentwicklung des Menschen von höchster Bedeutung, ja wir dürfen es geradezu aussprechen, eigentlich schon die hinreichende Erklärung. Wo der Bau des Hirns daher nicht gehörig sich entwickelt hat, wo Kleinheit und Dürftigkeit desselben, wie beim Mikrozephalen und Idioten, sich verraten, da versteht es sich von selbst, dass vorn Hervortreten eigentümlicher Ideen und vom Erkennen gerade so wenig die Rede sein kann wie in Menschen mit völlig verbildeten Generationsorganen von Fortbildung der Gattung. Ein kräftig und schön entwickelter Bau des ganzen Menschen dagegen und des Gehirns insbesondere wird zwar noch nicht allein den Genius setzen, aber doch jedenfalls die erste unerlässlichste Bedingung für höhere Erkenntnis gewähren.»

[ 12 ] Wie man dem menschlichen Leib die drei Formen des Daseins, die mineralische, die pflanzliche und die tierische, zuspricht, so muss man ihm noch eine vierte, die besondere menschliche, zusprechen. Durch seine mineralische Daseinsform ist der Mensch verwandt mit allem Sichtbaren, durch seine pflanzliche mit allen Wesen, die wachsen und sich fortpflanzen; durch seine tierische mit allen, die ihre Umgebung wahrnehmen und auf Grund äußerer Eindrücke innere Erlebnisse haben; durch seine menschliche bildet er schon in leiblicher Beziehung ein Reich für sich.

II. Die seelische Wesenheit des Menschen

[ 13 ] Als eigene Innenwelt ist die seelische Wesenheit des Menschen von seiner Leiblichkeit verschieden. Das Eigene tritt sofort entgegen, wenn man die Aufmerksamkeit auf die einfachste Sinnesempfindung lenkt. Niemand kann zunächst wissen, ob ein anderer eine solche einfache Sinnesempfindung in genau der gleichen Art erlebt wie er selbst. Bekannt ist, dass es Menschen gibt, die farbenblind sind. Solche sehen die Dinge nur in verschiedenen Schattierungen von Grau. Andere sind teilweise farbenblind. Sie können daher gewisse Farbennuancen nicht wahrnehmen. Das Weltbild, das ihnen ihr Auge gibt, ist ein anderes als dasjenige sogenannter normaler Menschen. Und ein Gleiches gilt mehr oder weniger für die andern Sinne. Ohne weiteres geht daraus hervor, dass schon die einfache Sinnesempfindung zur Innenwelt gehört. Mit meinen leiblichen Sinnen kann ich den roten Tisch wahrnehmen, den auch der andere wahrnimmt; aber ich kann nicht des andern Empfindung des Roten wahrnehmen. — Man muss demnach die Sinnesempfindung als Seelisches bezeichnen. Wenn man sich diese Tatsache nur ganz klar macht, dann wird man bald aufhören, die Innenerlebnisse als bloße Gehirnvorgänge oder ähnliches anzusehen. — An die Sinnesempfindung schließt sich zunächst das Gefühl. Die eine Empfindung macht dem Menschen Lust, die andere Unlust. Das sind Regungen seines inneren, seines seelischen Lebens. In seinen Gefühlen schafft sich der Mensch eine zweite Welt zu derjenigen hinzu, die von außen auf ihn einwirkt. Und ein Drittes kommt hinzu: der Wille. Durch ihn wirkt der Mensch wieder auf die Außenwelt zurück. Und dadurch prägt er sein inneres Wesen der Außenwelt auf. Die Seele des Menschen fließt in seinen Willenshandlungen gleichsam nach außen. Dadurch unterscheiden sich die Taten des Menschen von den Ereignissen der äußeren Natur, dass die ersteren den Stempel seines Innenlebens tragen. So stellt sich die Seele als das Eigene des Menschen der Außenwelt gegenüber. Er erhält von der Außenwelt die Anregungen; aber er bildet in Gemäßheit dieser Anregungen eine eigene Welt aus. Die Leiblichkeit wird zum Untergrunde des Seelischen.

III. Die geistige Wesenheit des Menschen

[ 14 ] Das Seelische des Menschen wird nicht allein durch den Leib bestimmt. Der Mensch schweift nicht richtungs- und ziellos von einem Sinneseindruck zum andern; er handelt auch nicht unter dem Eindrucke jedes beliebigen Reizes, der von außen oder durch die Vorgänge seines Leibes auf ihn ausgeübt wird. Er denkt über seine Wahrnehmungen und über seine Handlungen nach. Durch das Nachdenken über die Wahrnehmungen erwirbt er sich Erkenntnisse über die Dinge; durch das Nachdenken über seine Handlungen bringt er einen vernunftgemäßen Zusammenhang in sein Leben. Und er weiß, dass er seine Aufgabe als Mensch nur dann würdig erfüllt, wenn er sich durch richtige Gedanken sowohl im Erkennen wie im Handeln leiten lässt. Das Seelische steht also einer zweifachen Notwendigkeit gegenüber. Von den Gesetzen des Leibes wird es durch Naturnotwendigkeit bestimmt; von den Gesetzen, die es zum richtigen Denken führen, lässt es sich bestimmen, weil es deren Notwendigkeit frei anerkennt. Den Gesetzen des Stoffwechsels ist der Mensch durch die Natur unterworfen; den Denkgesetzen unterwirft er sich selbst. — Dadurch macht sich der Mensch zum Angehörigen einer höheren Ordnung, als diejenige ist, der er durch seinen Leib angehört. Und diese Ordnung ist die geistige. So verschieden das Leibliche vom Seelischen, so verschieden ist dieses wieder vom Geistigen. Solange man bloß von den Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoffteilchen spricht, die sich im Leibe bewegen, hat man nicht die Seele im Auge. Das seelische Leben beginnt erst da, wo innerhalb solcher Bewegung die Empfindung auftritt: ich schmecke süß oder ich fühle Lust. Ebensowenig hat man den Geist im Auge, solange man bloß die seelischen Erlebnisse ansieht, die durch den Menschen ziehen, wenn er sich ganz der Außenwelt und seinem Leibesleben überlässt. Dieses Seelische ist vielmehr erst die Grundlage für das Geistige, wie das Leibliche die Grundlage für das Seelische ist. — Der Naturforscher hat es mit dem Leibe, der Seelenforscher (Psychologe) mit der Seele und der Geistesforscher mit dem Geiste zu tun. Durch Besinnung auf das eigene Selbst sich den Unterschied von Leib, Seele und Geist klarzumachen ist eine Anforderung, die an denjenigen gestellt werden muss, der sich denkend über das Wesen des Menschen aufklären will.

IV. Leib, Seele und Geist

[ 15 ] Der Mensch kann sich in richtiger Art nur über sich aufklären, wenn er sich die Bedeutung des Denkens innerhalb seiner Wesenheit klarmacht. Das Gehirn ist das leibliche Werkzeug des Denkens. Wie der Mensch nur mit einem wohlgebildeten Auge Farben sehen kann, so dient ihm das entsprechend gebaute Gehirn zum Denken. Der ganze Leib des Menschen ist so gebildet, dass er in dem Geistesorgan, im Gehirn, seine Krönung findet. Man kann den Bau des menschlichen Gehirnes nur verstehen, wenn man es im Hinblick auf seine Aufgabe betrachtet. Diese besteht darin, die Leibesgrundlage des denkenden Geistes zu sein. Das zeigt ein vergleichender Überblick über die Tierwelt. Bei den Amphibien ist das Gehirn noch klein gegenüber dem Rückenmark; bei den Säugetieren wird es verhältnismäßig größer. Beim Menschen ist es am größten gegenüber dem ganzen übrigen Leib.

[ 16 ] Gegen solche Bemerkungen über das Denken, wie sie hier vorgebracht werden, herrscht manches Vorurteil. Manche Menschen sind geneigt, das Denken zu unterschätzen und das «innige Gefühlsleben», die «Empfindung», höher zu stellen. Ja man sagt wohl: nicht durch das «nüchterne Denken», sondern durch die Wärme des Gefühls, durch die unmittelbare Kraft der Empfindungen erhebe man sich zu den höheren Erkenntnissen. Menschen, die so sprechen, fürchten, durch klares Denken die Gefühle abzustumpfen. Beim alltäglichen Denken, das sich nur auf die Dinge der Nützlichkeit bezieht, ist das sicher der Fall. Aber bei den Gedanken, die in höhere Regionen des Daseins führen, tritt das Umgekehrte ein. Es gibt kein Gefühl und keinen Enthusiasmus, die sich mit den Empfindungen an Wärme, Schönheit und Gehobenheit vergleichen lassen, welche angefacht werden durch die reinen, kristallklaren Gedanken, die sich auf höhere Welten beziehen. Die höchsten Gefühle sind eben nicht diejenigen, die «von selbst» sich einstellen, sondern diejenigen, welche in energischer Gedankenarbeit errungen werden.

[ 17 ] Der Menschenleib hat einen dem Denken entsprechenden Bau. Dieselben Stoffe und Kräfte, die auch im Mineralreich vorhanden sind, finden sich im menschlichen Leib so gefügt, dass sich durch diese Zusammenfügung das Denken offenbaren kann. Dieser mineralische, in Gemäßheit seiner Aufgabe gebildete Bau soll für die folgende Betrachtung der physische Körper des Menschen heißen.

[ 18 ] Der auf das Gehirn, als seinen Mittelpunkt, hingeordnete mineralische Bau entsteht durch Fortpflanzung und erhält seine ausgebildete Gestalt durch Wachstum. Fortpflanzung und Wachstum hat der Mensch mit den Pflanzen und Tieren gemein. Durch Fortpflanzung und Wachstum unterscheidet sich das Lebendige von dem leblosen Mineral. Lebendiges entsteht aus Lebendigem durch den Keim. Der Nachkomme schließt sich an den Vorfahren in der Reihe des Lebendigen. Die Kräfte, durch die ein Mineral entsteht, sind auf die Stoffe selbst gerichtet, die es zusammensetzen. Ein Bergkristall bildet sich durch die dem Silizium und dem Sauerstoff innewohnenden Kräfte, die in ihm vereinigt sind. Die Kräfte, die einen Eichbaum gestalten, müssen wir auf dem Umwege durch den Keim in Mutter- und Vaterpflanze suchen. Und die Form der Eiche erhält sich bei der Fortpflanzung von den Vorfahren zu den Nachkommen. Es gibt innere, dem Lebenden angeborene Bedingungen. — Es war eine rohe Naturanschauung, die glaubte, dass niedere Tiere, selbst Fische, aus Schlamm sich bilden können. Die Form des Lebenden pflanzt sich durch Vererbung fort. Wie ein lebendes Wesen sich entwickelt, hängt davon ab, aus welchem Vater- oder Mutterwesen es entstanden ist, oder mit anderen Worten, welcher Art es angehört. Die Stoffe, aus denen es sich zusammensetzt, wechseln fortwährend; die Art bleibt während des Lebens bestehen und vererbt sich auf die Nachkommen. Die Art ist damit dasjenige, was die Zusammenfügung der Stoffe bestimmt. Diese artbildende Kraft soll Lebenskraft genannt werden. Wie sich die mineralischen Kräfte in den Kristallen ausdrücken, so die bildende Lebenskraft in den Arten oder Formen des pflanzlichen und tierischen Lebens.1Sieh Bemerkungen und Ergänzungen Zu Seite 35

[ 19 ] Die mineralischen Kräfte nimmt der Mensch durch die leiblichen Sinne wahr. Und er kann nur dasjenige wahrnehmen, wofür er solche Sinne hat. Ohne das Auge gibt es keine Licht-, ohne das Ohr keine Schallwahrnehmung. Die niedersten Organismen haben von den bei den Menschen vorhandenen Sinnen nur eine Art Tastsinn. Für sie sind in der Art der menschlichen Wahrnehmung nur diejenigen mineralischen Kräfte vorhanden, die sich dem Tastsinn zu erkennen geben.2Sieh Bemerkungen und Ergänzungen Zu Seite 36 In dem Maße, in dem bei den höheren Tieren die anderen Sinne entwickelt sind, ist für sie die Umwelt, die auch der Mensch wahrnimmt, reicher, mannigfaltiger. Es hängt also von den Organen eines Wesens ab, ob das, was in der Außenwelt vorhanden ist, auch für das Wesen selbst als Wahrnehmung, als Empfindung vorhanden ist Was in der Luft als eine gewisse Bewegung vorhanden ist, wird im Menschen zur Schallempfindung. — Die Äußerungen der Lebenskraft nimmt der Mensch durch die gewöhnlichen Sinne nicht wahr. Er sieht die Farben der Pflanze, er riecht ihren Duft; die Lebenskraft bleibt dieser Beobachtung verborgen. Aber sowenig der Blindgeborene mit Recht die Farben ableugnet, sowenig dürften die gewöhnlichen Sinne die Lebenskraft ableugnen. Die Farben sind für den Blindgeborenen da, sobald er operiert worden ist; ebenso sind für den Menschen die mannigfaltigen, durch die Lebenskraft geschaffenen Arten der Pflanzen und Tiere, nicht bloß die Individuen, auch als Wahrnehmung vorhanden, wenn sich ihm das Organ dafür erschließt. — Eine ganz neue Welt geht dem Menschen durch die Erschließung dieses Organs auf. Er nimmt nun nicht mehr bloß die Farben, Gerüche und so weiter der Lebewesen, sondern das Leben dieser Lebewesen selbst wahr. In jeder Pflanze, in jedem Tier empfindet er außer der physischen Gestalt noch die lebenerfüllte Geistgestalt. Um einen Ausdruck dafür zu haben, sei diese Geistgestalt der Ätherleib oder Lebensleib genannt. 3Der Verfasser dieses Buches hat lange Zeit nach Abfassung desselben (vgl. Zeitschrift «Das Reich», viertes Buch des ersten Jahrgangs [Januar 19171) dasjenige, was hier Äther- oder Lebensleib genannt wird, auch «Bilde-Kräfte-Leib» genannt. Zu dieser Namengebung fühlte er sich veranlasst, weil er glaubt, dass man nicht genug tun kann, um dem Missverständnis vorzubeugen, das hier mit Ätherleib Gemeinte zu verwechseln mit der «Lebenskraft» der älteren Naturwissenschaft. Wo es sich um Abweisung dieser älteren Vorstellung einer Lebenskraft im Sinne der modernen Naturwissenschaft handelt, steht der Verfasser in einem gewissen Sinne auf dem Standpunkt der Gegner einer solchen Kraft. Denn mit dieser wollte man die besondere Wirkungsweise der unorganischen Kräfte im Organismus erklären. Aber was im Organismus unorganisch wirkt, das wirkt da nicht anders als in dem Bereich der unorganischen Welt. Die Gesetze der unorganischen Natur sind im Organismus keine anderen als im Kristall usw. Aber im Organismus liegt eben etwas vor, was nicht unorganisch ist: das bildende Leben. Diesem liegt der Äther- oder Bilde-Kräfte-Leib zugrunde. Durch seine Annahme wird die berechtigte Aufgabe der Naturforschung nicht gestört: dasjenige, was sie über Kräftewirksamkeiten in der unorganischen Natur beobachtet, auch in die Organismenwelt hinein zu verfolgen. Und es abzulehnen, diese Wirksamkeit innerhalb des Organismus durch eine besondere Lebenskraft abgeändert zu denken, das sieht auch eine wahre Geisteswissenschaft als berechtigt an. Der Geistesforscher spricht vom Ätherleib insofern, als im Organismus sich noch anderes offenbart als im Leblosen. — Trotz alledem findet sich der Verfasser dieses Buches nicht veranlasst, hier den Namen «Ätherleib» durch den anderen «Bilde-Kräfte-Leib» zu ersetzen, da innerhalb des ganzen Zusammenhanges, der hier sich findet, für jeden, der sehen will, ein Missverständnis ausgeschlossen ist. Ein solches kann nur eintreten, wenn man den Namen in einer Ausführung gebraucht, die diesen Zusammenhang nicht zeigen kann. (Man vergleiche damit auch das am Schlusse dieses Buches unter «Einzelne Bemerkungen und Ergänzungen» Gesagte.) — Für den Erforscher des geistigen Lebens stellt sich diese Sache in der folgenden Art dar. Ihm ist der Ätherleib nicht etwa bloß ein Ergebnis der Stoffe und Kräfte des physischen Leibes, sondern eine selbständige, wirkliche Wesenheit, welche die genannten physischen Stoffe und Kräfte erst zum Leben aufruft. Im Sinne der Geisteswissenschaft spricht man, wenn man sagt: ein bloßer physischer Körper hat seine Gestalt — zum Beispiel ein Kristall durch die dem Leblosen innewohnenden physischen Gestaltungskräfte; ein lebendiger Körper hat seine Form nicht durch diese Kräfte, denn in dem Augenblicke, wo das Leben aus ihm gewichen ist und er nur den physischen Kräften überlassen ist, zerfällt er. Der Lebensleib ist eine Wesenheit, durch welche in jedem Augenblicke während des Lebens der physische Leib vor dem Zerfalle bewahrt wird. — Um diesen Lebensleib zu sehen, ihn an einem anderen Wesen wahrzunehmen, braucht man eben das erweckte geistige Auge. Ohne dieses kann man aus logischen Gründen seine Existenz annehmen; schauen kann man ihn aber mit dem geistigen Auge, wie man die Farbe mit dem physischen Auge schaut. — Man sollte sich an dem Ausdruck «Ätherleib» nicht stoßen. «Äther» bezeichnet hier etwas anderes als den hypothetischen Äther der Physik. Man nehme die Sache einfach als Bezeichnung für das hin, was hier beschrieben wird. Und wie der physische Menschenleib in seinem Bau ein Abbild seiner Aufgabe ist, so ist es auch des Menschen Ätherleib. Man versteht auch diesen nur, wenn man ihn im Hinblick auf den denkenden Geist betrachtet. Durch seine Hinordnung auf den denkenden Geist unterscheidet sich der Ätherleib des Menschen von demjenigen der Pflanzen und Tiere. — So wie der Mensch durch seinen physischen Leib der mineralischen, so gehört er durch seinen Ätherleib der Lebenswelt an. Nach dem Tode löst sich der physische Leib in der Mineralwelt, der Ätherleib in der Lebenswelt auf. Mit «Leib» soll bezeichnet werden, was einem Wesen von irgendeiner Art «Gestalt», «Forum» gibt. Man sollte den Ausdruck «Leib» nicht mit sinnlicher Körperform verwechseln. In dem in dieser Schrift gemeinten Sinne kann die Bezeichnung «Leib» auch für das gebraucht werden, was sich als Seelisches und Geistiges gestaltet.

[ 20 ] Der Lebensleib ist noch etwas dem Menschen Äußerliches. Mit dem ersten Regen der Empfindung antwortet das Innere selbst auf die Reize der Außenwelt. Man mag dasjenige, was man Außenwelt zu nennen berechtigt ist, noch so weit verfolgen: die Empfindung wird man nicht finden können. — Die Lichtstrahlen dringen in das Auge; sie pflanzen sich innerhalb desselben bis zur Netzhaut fort. Da rufen sie chemische Vorgänge (im sogenannten Sehpurpur) hervor; die Wirkung dieser Reize setzt sich durch den Sehnerv bis zum Gehirn fort; dort entstehen weitere physische Vorgänge. Könnte man diese beobachten, so sähe man eben physische Vorgänge wie anderswo in der Außenwelt. Vermag ich den Lebensleib zu beobachten, so werde ich wahrnehmen, wie der physische Gehirnvorgang zugleich ein Lebensvorgang ist. Aber die Empfindung der blauen Farbe, die der Empfänger der Lichtstrahlen hat, kann ich auf diesem Wege nirgends finden. Sie ersteht erst innerhalb der Seele dieses Empfängers. Wäre also das Wesen dieses Empfängers mit dem physischen Körper und dem Ätherleib erschöpft, so könnte die Empfindung nicht dasein. Ganz wesentlich unterscheidet sich die Tätigkeit, durch welche die Empfindung zur Tatsache wird, von dem Wirken der Lebensbildekraft. Ein inneres Erlebnis wird durch jene Tätigkeit aus diesem Wirken hervorgelockt. Ohne diese Tätigkeit wäre ein bloßer Lebensvorgang da, wie man ihn auch an der Pflanze beobachtet. Man stelle sich den Menschen vor, wie er von allen Seiten Eindrücke empfängt. Man muss sich ihn zugleich nach allen Richtungen hin, woher er diese Eindrücke empfängt, als Quell der bezeichneten Tätigkeit denken. Nach allen Seiten hin antworten die Empfindungen auf die Eindrücke. Dieser Tätigkeitsquell soll Empfindungsseele heißen. Diese Empfindungsseele ist ebenso wirklich wie der physische Körper. Wenn ein Mensch vor mir steht und ich sehe von seiner Empfindungsseele ab, indem ich ihn mir bloß als physischen Leib vorstelle, so ist das gerade so, als wenn ich mir von einem Gemälde bloß die Leinwand vorstelle. Auch in bezug auf die Wahrnehmung der Empfindungsseele muss ähnliches gesagt werden wie vorher im Hinblick auf den Ätherleib. Die leiblichen Organe sind «blind» für sie. Und auch das Organ, von dem das Leben als Leben wahrgenommen werden kann, ist es. Aber so, wie durch dieses Organ der Ätherleib geschaut wird, so kann durch ein noch höheres Organ die innere Welt der Empfindungen zu einer besonderen Art übersinnlicher Wahrnehmungen werden. Der Mensch empfindet dann nicht nur die Eindrücke der physischen und der Lebenswelt, sondern er schaut die Empfindungen. Vor einem Menschen mit einem solchen Organ liegt die Welt der Empfindungen eines andern Wesens wie eine äußere Wirklichkeit da. Man muss unterscheiden zwischen dem Erleben der eigenen Empfindungswelt und dem Anschauen der Empfindungswelt eines andern Wesens. In seine eigene Empfindungswelt hineinschauen kann natürlich jeder Mensch; die Empfindungswelt eines andern Wesens schauen kann nur der Seher mit dem geöffneten «geistigen Auge». Ohne Seher zu sein, kennt der Mensch die Empfindungswelt nur als «innere», nur als die eigenen verborgenen Erlebnisse seiner Seele; mit dem geöffneten «geistigen Auge» leuchtet vor dem äußeren geistigen Anblick auf, was sonst nur «im Innern» des andern Wesens lebt.


[ 21 ] Um Missverständnissen vorzubeugen, sei hier ausdrücklich gesagt, dass der Seher nicht etwa in sich dasselbe erlebt, was das andere Wesen als seinen Inhalt der Empfindungswelt in sich hat. Dieses erlebt die Empfindungen von dem Gesichtspunkte seines Innern; der Seher nimmt eine Offenbarung, eine Äußerung der Empfindungswelt wahr.

[ 22 ] Die Empfindungsseele hängt in bezug auf ihre Wirkung vom Ätherleib ab. Denn aus ihm holt sie ja das hervor, was sie als Empfindung aufglänzen lassen soll. Und da der Ätherleib das Leben innerhalb des physischen Leibes ist, so ist die Empfindungsseele auch von diesem mittelbar abhängig. Nur bei richtig lebendem, wohl gebautem Auge sind entsprechende Farbenempfindungen möglich. Dadurch wirkt die Leiblichkeit auf die Empfindungsseele. Diese ist also durch den Leib in ihrer Wirksamkeit bestimmt und begrenzt. Sie lebt innerhalb der ihr durch die Leiblichkeit gezogenen Grenzen. — Der Leib wird also aus den mineralischen Stoffen auferbaut, durch den Ätherleib belebt, und er begrenzt selbst die Empfindungsseele. Wer also das obenerwähnte Organ zum «Schauen» der Empfindungsseele hat, der erkennt sie durch den Leib begrenzt. — Aber die Grenze der Empfindungsseele fällt nicht mit derjenigen des physischen Körpers zusammen. Diese Seele ragt über den physischen Leib hinaus. Man sieht daraus, dass sie sich mächtiger erweist, als er ist. Aber die Kraft, durch die ihr die Grenze gesetzt ist, geht von dem physischen Leibe aus. Damit stellt sich zwischen den physischen Leib und den Ätherleib einerseits und die Empfindungsseele andererseits noch ein besonderes Glied der menschlichen Wesenheit hin. Es ist der Seelenleib oder Empfindungsleib. Man kann auch sagen: ein Teil des Ätherleibes sei feiner als der übrige, und dieser feinere Teil des Ätherleibes bildet eine Einheit mit der Empfindungsseele, während der gröbere Teil eine Art Einheit mit dem physischen Leib bildet. Doch ragt, wie gesagt, die Empfindungsseele über den Seelenleib hinaus.

[ 23 ] Was hier Empfindung genannt wird, ist nur ein Teil des seelischen Wesens. (Der Ausdruck Empfindungsseele wird der Einfachheit halber gewählt.) An die Empfindungen schließen sich die Gefühle der Lust und Unlust, die Triebe, Instinkte, Leidenschaften. All das trägt denselben Charakter des Eigenlebens wie die Empfindungen und ist, wie sie, von der Leiblichkeit abhängig.


[ 24 ] Ebenso wie mit dem Leibe tritt die Empfindungsseele auch mit dem Denken, dem Geiste, in Wechselwirkung. Zunächst dient ihr das Denken. Der Mensch bildet sich Gedanken über seine Empfindungen. Dadurch klärt er sich über die Außenwelt auf. Das Kind, das sich verbrannt hat, denkt nach und gelangt zu dem Gedanken: «das Feuer brennt». Auch seinen Trieben, Instinkten und Leidenschaften folgt der Mensch nicht blindlings; sein Nachdenken führt die Gelegenheit herbei, durch die er sie befriedigen kann. Was man materielle Kultur nennt, bewegt sich durchaus in dieser Richtung. Sie besteht in den Diensten, die das Denken der Empfindungsseele leistet. Unermessliche Summen von Denkkräften werden auf dieses Ziel gerichtet. Denkkraft ist es, die Schiffe, Eisenbahnen, Telegraphen, Telephone gebaut hat; und alles das dient zum weitaus größten Teil zur Befriedigung von Bedürfnissen der Empfindungsseelen. In ähnlicher Art, wie die Lebensbildekraft den physischen Körper durchdringt, so durchdringt die Denkkraft die Empfindungsseele. Die Lebensbildekraft knüpft den physischen Körper an Vorfahren und Nachkommen und stellt ihn dadurch in eine Gesetzmäßigkeit hinein, die das bloß Mineralische nichts angeht. Ebenso stellt die Denkkraft die Seele in eine Gesetzmäßigkeit hinein, der sie als bloße Empfindungsseele nicht angehört. — Durch die Empfindungsseele ist der Mensch dem Tiere verwandt. Auch beim Tiere bemerken wir das Vorhandensein von Empfindungen, Trieben, Instinkten und Leidenschaften. Aber das Tier folgt diesen unmittelbar. Sie werden bei ihm nicht mit selbständigen, über das unmittelbare Erleben hinausgehenden Gedanken durchwoben.4Sieh Bemerkungen und Ergänzungen Zu Seite 43 Auch beim unentwickelten Menschen ist das bis zu einem gewissen Grade der Fall. Die bloße Empfindungsseele ist daher verschieden von dem entwickelten höheren Seelengliede, welches das Denken in seinen Dienst stellt. Als Verstandesseele sei diese vom Denken bediente Seele bezeichnet. Man könnte sie auch die Gemütsseele oder das Gemüt nennen.

[ 25 ] Die Verstandesseele durchdringt die Empfindungsseele. Wer das Organ zum «Schauen» der Seele hat, sieht daher die Verstandesseele als eine besondere Wesenheit gegenüber der bloßen Empfindungsseele an.


[ 26 ] Durch das Denken wird der Mensch über das Eigenleben hinausgeführt. Er erwirbt sich etwas, das über seine Seele hinausreicht. Es ist für ihn eine selbstverständliche Überzeugung, dass die Denkgesetze in Übereinstimmung mit der Weltordnung sind. Er betrachtet sich deshalb als ein Einheimischer in der Welt, weil diese Übereinstimmung besteht. Diese Übereinstimmung ist eine der gewichtigen Tatsachen, durch die der Mensch seine eigene Wesenheit kennen lernt. In seiner Seele sucht der Mensch nach Wahrheit; und durch diese Wahrheit spricht sich nicht allein die Seele, sondern sprechen sich die Dinge der Welt aus. Was durch das Denken als Wahrheit erkannt wird, hat eine selbständige Bedeutung, die sich auf die Dinge der Welt bezieht, nicht bloß auf die eigene Seele. Mit meinem Entzücken über den Sternenhimmel lebe ich in mir; die Gedanken, die ich mir über die Bahnen der Himmelskörper bilde, haben für das Denken jedes anderen dieselbe Bedeutung wie für das Meinige. Es wäre sinnlos, von meinem Entzücken zu sprechen, wenn ich selbst nicht vorhanden wäre; aber es ist nicht in derselben Weise sinnlos, von meinen Gedanken auch ohne Beziehung auf mich zu sprechen. Denn die Wahrheit, die ich heute denke, war auch gestern wahr und wird morgen wahr sein, obschon ich mich nur heute mit ihr beschäftige. Macht eine Erkenntnis mir Freude, so ist diese Freude so lange von Bedeutung, als sie in mir lebt; die Wahrheit der Erkenntnis hat ihre Bedeutung ganz unabhängig von dieser Freude. In dem Ergreifen der Wahrheit verbindet sich die Seele mit etwas, das seinen Wert in sich selbst trägt. Und dieser Wert verschwindet nicht mit der Seelenempfindung, ebensowenig wie er mit dieser entstanden ist. Was wirklich Wahrheit ist, das entsteht nicht und vergeht nicht: das hat eine Bedeutung, die nicht vernichtet werden kann. — Dem widerspricht es nicht, dass einzelne menschliche «Wahrheiten» nur einen vorübergehenden Wert haben, weil sie in einer gewissen Zeit als teilweise oder ganze Irrtümer erkannt werden. Denn der Mensch muss sich sagen, dass die Wahrheit doch in sich selbst besteht, wenn auch seine Gedanken nur vergängliche Erscheinungsformen der ewigen Wahrheiten sind. Auch wer — wie Lessing — sagt, er begnüge sich mit dem ewigen Streben nach Wahrheit, da die volle, reine Wahrheit doch nur für einen Gott dasein könne, der leugnet nicht den Ewigkeitswert der Wahrheit, sondern er bestätigt ihn gerade durch solchen Ausspruch. Denn nur was eine ewige Bedeutung in sich selbst hat, kann ein ewiges Streben nach sich hervorrufen. Wäre die Wahrheit nicht in sich selbständig, erhielte sie ihren Wert und ihre Bedeutung durch die menschliche Seelenempfindung, dann könnte sie nicht ein einiges Ziel für alle Menschen sein. Indem man nach ihr streben will, gesteht man ihr ihre selbständige Wesenheit zu.

[ 27 ] Und wie mit dem Wahren, so ist es mit dem wahrhaft Guten. Das Sittlich-Gute ist unabhängig von Neigungen und Leidenschaften, insofern es sich nicht von ihnen gebieten lässt, sondern ihnen gebietet. Gefallen und Missfallen, Begehren und Verabscheuen gehören der eigenen Seele des Menschen an; die Pflicht steht über Gefallen und Missfallen. So hoch kann dem Menschen die Pflicht stehen, dass er für sie das Leben opfert. Und der Mensch steht um so höher, je mehr er seine Neigungen, sein Gefallen und Missfallen dahin veredelt hat, dass sie ohne Zwang, ohne Unterwerfung durch sich selbst der erkannten Pflicht folgen. Das Sittlich-Gute hat ebenso wie die Wahrheit seinen Ewigkeitswert in sich und erhält ihn nicht durch die Empfindungsseele.

[ 28 ] Indem der Mensch das selbständige Wahre und Gute in seinem Innern aufleben lässt, erhebt er sich über die bloße Empfindungsseele. Der ewige Geist scheint in diese herein. Ein Licht geht in ihr auf, das unvergänglich ist. Sofern die Seele in diesem Lichte lebt, ist sie eines Ewigen teilhaftig. Sie verbindet mit ihm ihr eigenes Dasein. Was die Seele als Wahres und Gutes in sich trägt, ist unsterblich in ihr. — Das, was in der Seele als Ewiges aufleuchtet, sei hier Bewusstseinsseele genannt. — Von Bewusstsein kann man auch bei den niedrigeren Seelenregungen sprechen. Die alltäglichste Empfindung ist Gegenstand des Bewusstseins. Insofern kommt auch dem Tiere Bewusstsein zu. Der Kern des menschlichen Bewusstseins, also die Seele in der Seele, ist hier mit Bewusstseinsseele gemeint. Die Bewusstseinsseele wird hier noch als ein besonderes Glied der Seele von der Verstandesseele unterschieden. Diese letztere ist noch in die Empfindungen, in die Triebe, Affekte und so weiter verstrickt. Jeder Mensch weiß, wie ihm zunächst das als wahr gilt, was er in seinen Empfindungen und so weiter vorzieht. Erst diejenige Wahrheit aber ist die bleibende, die sich losgelöst hat von allem Beigeschmack solcher Sympathien und Antipathien der Empfindungen und so weiter. Die Wahrheit ist wahr, auch wenn sich alle persönlichen Gefühle gegen sie auflehnen. Derjenige Teil der Seele, in dem diese Wahrheit lebt, soll Bewusstseinsseele genannt werden.

[ 29 ] So hätte man, wie in dem Leib, auch in der Seele drei Glieder zu unterscheiden: die Empfindungsseele, die Verstandesseele und die Bewusstseinsseele. Und wie von unten herauf die Leiblichkeit auf die Seele begrenzend wirkt, so wirkt von oben herunter die Geistigkeit auf sie erweiternd. Denn je mehr sich die Seele von dem Wahren und Guten erfüllt, desto weiter und umfassender wird das Ewige in ihr. — Für denjenigen, der die Seele zu «schauen» vermag, ist der Glanz, der von dem Menschen ausgeht, weil sein Ewiges sich erweitert, eine eben solche Wirklichkeit, wie für das sinnliche Auge das Licht wirklich ist, das von einer Flamme ausstrahlt. Für den «Sehenden» gilt der leibliche Mensch nur als ein Teil des ganzen Menschen. Der Leib liegt als das gröbste Gebilde inmitten anderer, die ihn und sich selbst gegenseitig durchdringen. Als eine Lebensform erfüllt den physischen Körper der Ätherleib; an allen Seiten über diesen hinausragend erkennt man den Seelenleib (Astralgestalt). Und wieder über diesen hinausragend die Empfindungsseele, dann die Verstandesseele, die um so größer wird, je mehr sie von dem Wahren und Guten in sich aufnimmt. Denn dieses Wahre und Gute bewirkt die Erweiterung der Verstandesseele. Ein Mensch, der lediglich seinen Neigungen, seinem Gefallen und Missfallen leben würde, hätte eine Verstandesseele, deren Grenzen mit denen seiner Empfindungsseele zusammenfielen. Diese Gebilde, inmitten deren der physische Körper wie in einer Wolke erscheint, kann man die menschliche Aura nennen. Sie ist dasjenige, um das sich das «Wesen des Menschen» bereichert, wenn es in der Art geschaut wird, wie diese Schrift versucht, es darzustellen.


[ 30 ] Im Laufe der Kindheitsentwicklung tritt im Leben des Menschen der Augenblick ein, in dem er sich zum erstenmal als ein selbständiges Wesen gegenüber der ganzen übrigen Welt empfindet. Fein empfindenden Menschen ist das ein bedeutsames Erlebnis. Der Dichter Jean Paul erzählt in seiner Lebensbeschreibung: «Nie vergess' ich die noch keinem Menschen erzählte Erscheinung in mir, wo ich bei der Geburt meines Selbstbewusstseins stand, von der ich Ort und Zeit anzugeben weiß. An einem Vormittag stand ich als ein sehr junges Kind unter der Haustür und sah links nach der Holzlege, als auf einmal das innere Gesicht, ich bin ein Ich, wie ein Blitzstrahl vom Himmel auf mich fuhr und seitdem leuchtend stehenblieb: da hatte mein Ich zum erstenmal sich selber gesehen und auf ewig. Täuschungen des Erinnerns sind hier schwerlich denkbar, da kein fremdes Erzählen sich in eine bloß im verhangenen Allerheiligsten des Menschen vorgefallene Begebenheit, deren Neuheit allein so alltäglichen Nebenumständen das Bleiben gegeben, mit Zusätzen mengen konnte.» — Es ist bekannt, dass kleine Kinder von sich sagen: «Karl ist brav», «Marie will das haben». Man findet es angemessen, dass sie von sich so wie von andern reden, weil sie sich ihrer selbständigen Wesenheit noch nicht bewusst geworden sind, weil das Bewusstsein vom Selbst noch nicht in ihnen geboren ist.5Sieh Bemerkungen und Ergänzungen Zu Seite 48 Durch das Selbstbewusstsein bezeichnet sich der Mensch als ein selbständiges, von allem übrigen abgeschlossenes Wesen, als «Ich». Im «Ich» fasst der Mensch alles zusammen, was er als leibliche und seelische Wesenheit erlebt. Leib und Seele sind die Träger des «Ich»; in ihnen wirkt es. Wie der physische Körper im Gehirn, so hat die Seele im «Ich» ihren Mittelpunkt. Zu Empfindungen wird der Mensch von außen angeregt; Gefühle machen sich geltend als Wirkungen der Außenwelt; der Wille bezieht sich auf die Außenwelt, denn er verwirklicht sich in äußeren Handlungen. Das «Ich» bleibt als die eigentliche Wesenheit des Menschen ganz unsichtbar. Treffend nennt daher Jean Paul das Gewahrwerden des «Ich» eine «bloß im verhangenen Allerheiligsten des Menschen vorgefallene Begebenheit». Denn mit seinem «Ich» ist der Mensch ganz allein. — Und dieses «Ich» ist der Mensch selbst. Das berechtigt ihn, dieses «Ich» als seine wahre Wesenheit anzusehen. Er darf deshalb seinen Leib und seine Seele als die «Hüllen» bezeichnen, innerhalb deren er lebt; und er darf sie als leibliche Bedingungen bezeichnen, durch die er wirkt. Im Laufe seiner Entwicklung lernt er diese Werkzeuge immer mehr als Diener seines «Ich» gebrauchen. Das Wörtchen «Ich», wie es zum Beispiel in der deutschen Sprache angewendet wird, ist ein Name, der sich von allen anderen Namen unterscheidet. Wer über die Natur dieses Namens in zutreffender Art nachdenkt, dem eröffnet sich damit zugleich der Zugang zur Erkenntnis der menschlichen Wesenheit im tieferen Sinne. Jeden andern Namen können alle Menschen in der gleichen Art auf das ihm entsprechende Ding anwenden. Den Tisch kann jeder «Tisch», den Stuhl jeder «Stuhl» nennen. Bei dem Namen «Ich» ist dies nicht der Fall. Es kann ihn keiner anwenden zur Bezeichnung eines andern; jeder kann nur sich selbst «Ich» nennen. Niemals kann der Name «Ich» von außen an mein Ohr dringen, wenn er die Bezeichnung für mich ist. Nur von innen heraus, nur durch sich selbst kann die Seele sich als «Ich» bezeichnen. Indem der Mensch also zu sich «Ich» sagt, beginnt in ihm etwas zu sprechen, was mit keiner der Welten etwas zu tun hat, aus denen die bisher genannten «Hüllen» entnommen sind. Das «Ich» wird immer mehr Herrscher über Leib und Seele. — Auch das kommt in der Aura zum Ausdrucke. Je mehr das Ich Herrscher ist über Leib und Seele, desto gegliederter, mannigfaltiger, farbenreicher ist die Aura. Die Wirkung des Ich auf die Aura kann der «Sehende» schauen. Das «Ich» selbst ist auch ihm unsichtbar: dieses ist wirklich indem «verhangenen Allerheiligsten des Menschen». — Aber das Ich nimmt in sich die Strahlen des Lichtes auf, das als ewiges Licht in dem Menschen aufleuchtet. Wie dieser die Erlebnisse des Leibes und der Seele in dem «Ich» zusammenfasst, so lässt er auch die Gedanken der Wahrheit und Güte in das «Ich» einfließen. Die Sinneserscheinungen offenbarten sich dem «Ich» von der einen, der Geist von der andern Seite. Leib und Seele geben sich dem «Ich» hin, um ihm zu dienen; das «Ich» aber gibt sich dem Geiste hin, dass er es erfülle. Das «Ich» lebt in Leib und Seele; der Geist aber lebt im «Ich». Und was vom Geiste im Ich ist, das ist ewig. Denn das Ich erhält Wesen und Bedeutung von dem, womit es verbunden ist. Insofern es im physischen Körper lebt, ist es den mineralischen Gesetzen, durch den Ätherleib ist es den Gesetzen der Fortpflanzung und des Wachstums, vermöge der Empfindungs- und Verstandesseele den Gesetzen der seelischen Welt unterworfen; insofern es das Geistige in sich aufnimmt, ist es den Gesetzen des Geistes unterworfen. Was die mineralischen, was die Lebensgesetze bilden, entsteht und vergeht; der Geist aber hat mit Entstehung und Untergang nichts zu tun.


[ 31 ] Das Ich lebt in der Seele. Wenn auch die höchste Äußerung des «Ich» der Bewusstseinsseele angehört, so muss man doch sagen, dass dieses «Ich» von da ausstrahlend die ganze Seele erfüllt und durch die Seele seine Wirkung auf den Leib äußert. Und in dem Ich ist der Geist lebendig. Es strahlt der Geist in das Ich und lebt in ihm als in seiner «Hülle», wie das Ich in Leib und Seele als seinen «Hüllen» lebt. Der Geist bildet das Ich von innen nach außen, die mineralische Welt von außen nach innen. Der ein «Ich» bildende und als «Ich» lebende Geist sei «Geistselbst» genannt, weil er als «Ich» oder «Selbst» des Menschen erscheint. Den Unterschied zwischen dem «Geistselbst» und der «Bewusstseinsseele» kann man sich in folgender Art klarmachen. Die Bewusstseinsseele berührt die von jeder Antipathie und Sympathie unabhängige, durch sich selbst bestehende Wahrheit; das Geistselbst trägt in sich dieselbe Wahrheit, aber aufgenommen und umschlossen durch das «Ich»; durch das letztere individualisiert und in die selbständige Wesenheit des Menschen übernommen. Dadurch, dass die ewige Wahrheit so verselbständigt und mit dem «Ich» zu einer Wesenheit verbunden wird, erlangt das «Ich» selbst die Ewigkeit.

[ 32 ] Das Geistselbst ist eine Offenbarung der geistigen Welt innerhalb des Ich, wie von der andern Seite her die Sinnesempfindung eine Offenbarung der physischen Welt innerhalb des Ich ist. In dem, was rot, grün, hell, dunkel, hart, weich, warm, kalt ist, erkennt man die Offenbarungen der körperlichen Welt; in dem, was wahr und gut ist, die Offenbarungen der geistigen Welt. In dem gleichen Sinne, wie die Offenbarung des Körperlichen Empfindung heißt, sei die Offenbarung des Geistigen Intuition genannt. Der einfachste Gedanke enthält schon Intuition, denn man kann ihn nicht mit Händen tasten, nicht mit Augen sehen: man muss seine Offenbarung aus dem Geiste durch das Ich empfangen. — Wenn ein unentwickelter und ein entwickelter Mensch eine Pflanze ansehen, so lebt in dem Ich des einen etwas ganz anderes als in dem des zweiten. Und doch sind die Empfindungen beider durch denselben Gegenstand hervorgerufen. Die Verschiedenheit liegt darin, dass der eine sich weit vollkommenere Gedanken über den Gegenstand machen kann als der andere. Offenbarten die Gegenstande sich allein durch die Empfindung, dann könnte es keinen Fortschritt in der geistigen Entwicklung geben. Die Natur empfindet auch der Wilde; die Naturgesetze offenbaren sich erst den von der Intuition befruchteten Gedanken des höher entwickelten Menschen. Die Reize der Außenwelt empfindet auch das Kind als Antrieb des Willens, die Gebote des sittlich Guten gehen ihm aber nur im Laufe der Entwicklung auf, indem es im Geiste leben und dessen Offenbarung verstehen lernt.

[ 33 ] Wie ohne das Auge keine Farbenempfindungen da wären, so ohne das höhere Denken des Geistselbst keine Intuitionen.6Sieh Bemerkungen und Ergänzungen Zu Seite 52 und 53 Und sowenig die Empfindung die Pflanze schafft, an der die Farbe erscheint, sowenig schafft die Intuition das Geistige, von welchem sie vielmehr nur Kunde gibt.

[ 34 ] Durch die Intuitionen holt sich das Ich des Menschen, das in der Seele auflebt, die Botschaften von oben, von der Geisteswelt, wie es sich durch die Empfindungen die Botschaften aus der physischen Welt holt. Und dadurch macht es die Geisteswelt ebenso zum Eigenleben seiner Seele wie vermittels der Sinne die physische Welt. Die Seele, oder das in ihr aufleuchtende Ich, öffnet nach Zwei Seiten in seine Tore: nach der Seite des Körperlichen und nach derjenigen des Geistigen.

[ 35 ] Wie nun die physische Welt dem Ich nur dadurch von sich Kunde geben kann, dass sie aus ihren Stoffen und Kräften einen Körper aufbaut, in dem die bewusste Seele leben kann und innerhalb dessen diese Organe besitzt, um das Körperliche außer sich wahrzunehmen, so baut auch die geistige Welt mit ihren Geistesstoffen und ihren Geisteskräften einen Geistkörper auf, in dem das Ich leben und durch Intuitionen das Geistige wahrnehmen kann. (Es ist einleuchtend, dass die Ausdrücke Geiststoff, Geistkörper dem Wortsinne nach einen Widerspruch enthalten. Sie sollen nur gebraucht werden, um den Gedanken auf dasjenige hinzulenken, was im Geistigen dem physischen Leibe des Menschen entspricht.)

[ 36 ] Und ebenso wie innerhalb der physischen Welt der einzelne menschliche Körper als eine abgesonderte Wesenheit aufgebaut wird, so innerhalb der Geisteswelt der Geistkörper. Es gibt in der Geisteswelt für den Menschen ebenso ein Innen und Außen wie in der physischen Welt. Wie der Mensch aus der physischen Umwelt die Stoffe aufnimmt und sie in seinem physischen Leib verarbeitet, so nimmt er aus der geistigen Umwelt das Geistige auf und macht es zu dem Seinigen. Das Geistige ist die ewige Nahrung des Menschen. Und wie der Mensch aus der physischen Welt geboren ist, so wird er aus dem Geiste durch die ewigen Gesetze des Wahren und Guten geboren. Er ist von der außer ihm befindlichen Geisteswelt abgetrennt, wie er von der gesamten physischen Welt als ein selbständiges Wesen abgetrennt ist. Diese selbständige geistige Wesenheit sei «Geistmensch» genannt.

[ 37 ] Wenn wir den physischen Menschenkörper untersuchen, finden wir in ihm dieselben Stoffe und Kräfte, die außerhalb desselben in der übrigen physischen Welt vorhanden sind. So ist es auch mit dem Geistmenschen. In ihm pulsieren die Elemente der äußeren Geisteswelt, in ihm sind die Kräfte der übrigen Geisteswelt tätig. Wie in der physischen Haut ein Wesen in sich abgeschlossen wird, das lebend und empfindend ist, so auch in der Geisteswelt. Die geistige Haut, die den Geistmenschen von der einheitlichen Geisteswelt abschließt, ihn innerhalb derselben zu einem selbständigen Geisteswesen macht, das in sich lebt und intuitiv den Geistesinhalt der Welt wahrnimmt, diese «geistige Haut» sei Geisteshülle (aurische Hülle) genannt. Nur muss festgehalten werden, dass diese «geistige Haut» sich fortdauernd mit der fortschreitenden menschlichen Entwicklung ausdehnt, so dass die geistige Individualität des Menschen (seine aurische Hülle) einer unbegrenzten Vergrößerung fähig ist.

[ 38 ] Innerhalb dieser Geisteshülle lebt der Geistesmensch. Dieser wird durch die geistige Lebenskraft in demselben Sinne auferbaut, wie der physische Leib durch die physische Lebenskraft. In ähnlicher Weise, wie man von einem Ätherleib spricht, muss man daher von einem Äthergeist in bezug auf den Geistesmenschen sprechen. Dieser Äthergeist sei Lebensgeist genannt In drei Teile gliedert sich also die geistige Wesenheit des Menschen: in den Geistmenschen, den Lebensgeist und das Geistselbst.

[ 39 ] Für den in den geistigen Gebieten «Sehenden» ist diese geistige Wesenheit des Menschen als der höhere — eigentliche geistige — Teil der Aura eine wahrnehmbare Wirklichkeit. Er «schaut» innerhalb der Geisteshülle den Geistesmenschen als Lebensgeist; und «er schaut», wie sich dieser «Lebensgeist» fortwährend durch Aufnahme von Geistesnahrung aus der geistigen Außenwelt vergrößert. Und ferner sieht er, wie durch diese Aufnahme sich die Geisteshülle fortdauernd weitet, wie der Geistmensch immer größer und größer wird. Insofern dieses «Größerwerden» räumlich «geschaut» wird» ist es selbstverständlich nur ein Bild der Wirklichkeit. Dessen ungeachtet ist in der Vorstellung dieses Bildes die Menschenseele auf die entsprechende geistige Wirklichkeit hin gerichtet. Es ist der Unterschied der geistigen Wesenheit des Menschen von seiner physischen, dass die letztere eine begrenzte Größe hat, während die erstere unbegrenzt wachsen kann. Was an geistiger Nahrung aufgenommen wird, hat ja einen Ewigkeitswert. Aus zwei sich durchdringenden Teilen setzt sich deshalb die menschliche Aura zusammen. Dem einen gibt Färbung und Form das physische Dasein des Menschen, dem andern sein geistiges. Das Ich gibt die Trennung zwischen beiden, in der Art, dass sich das Physische in seiner Eigenart hingibt und einen Leib aufbaut, der eine Seele in sich aufleben lässt; und das Ich gibt sich wieder hin und lässt in sich den Geist aufleben, der nun seinerseits die Seele durchdringt und ihr das Ziel gibt in der Geisteswelt. Durch den Leib ist die Seele eingeschlossen im Physischen, durch den Geistesmenschen wachsen ihr die Flügel zur Bewegung in der geistigen Welt.


[ 40 ] Will man den ganzen Menschen erfassen, so muss man ihn aus den genannten Bestandteilen zusammengesetzt denken. Der Leib baut sich aus der physischen Stoffwelt auf, so dass dieser Bau auf das denkende Ich hingeordnet ist Er ist von Lebenskraft durchdrungen und wird dadurch zum Ätherleib oder Lebensleib. Als solcher schließt er sich in den Sinnesorganen nach außen auf und wird zum Seelenleib. Diesen durchdringt die Empfindungsseele und wird eine Einheit mit ihm. Die Empfindungsseele empfängt nicht bloß die Eindrücke der Außenwelt als Empfindungen; sie hat ihr eigenes Leben, das sich durch das Denken auf der andern Seite ebenso befruchtet wie durch die Empfindungen auf der einen. So wird sie zur Verstandesseele. Sie kann das dadurch, dass sie sich nach oben hin den Intuitionen erschließt wie nach unten hin den Empfindungen. Dadurch ist sie Bewusstseinsseele. Das ist ihr deshalb möglich, weil ihr die Geisteswelt das Intuitionsorgan hineinbildet, wie ihr der physische Leib die Sinnesorgane bildet. Wie die Sinne durch den Seelenleib die Empfindungen, so vermittelt ihr der Geist durch das Intuitionsorgan die Intuitionen. Der Geistmensch ist dadurch mit der Bewusstseinsseele in einer Einheit verbunden wie der physische Körper mit der Empfindungsseele im Seelenleib. Bewusstseinsseele und Geistselbst bilden eine Einheit. In dieser Einheit lebt der Geistesmensch als Lebensgeist, wie der Ätherleib für den Seelenleib die leibliche Lebensgrundlage bildet. Und wie der physische Körper in der physischen Haut sich abschließt, so der Geistmensch in der Geisteshülle. Es ergibt sich die Gliederung des ganzen Menschen in folgender Art:

  1. Physischer Körper
  2. Ätherleib oder Lebensleib
  3. Seelenleib
  4. Empfindungsseele
  5. Verstandesseele
  6. Bewusstseinsseele
  7. Geistselbst
  8. Lebensgeist
  9. Geistesmensch

Seelenleib (C) und Empfindungsseele (D) sind eine Einheit im irdischen Menschen; ebenso Bewusstseinsseele (F) und Geistselbst (G). — Dadurch ergeben sich sieben Teile des irdischen Menschen:

  1. Der physische Körper
  2. Der Äther- oder Lebensleib
  3. Der empfindende Seelenleib
  4. Die Verstandesseele
  5. Die geisterfüllte Bewusstseinsseele
  6. Der Lebensgeist
  7. Der Geistesmensch

[ 41 ] In der Seele blitzt das «Ich» auf, empfängt aus dem Geiste den Einschlag und wird dadurch zum Träger des Geistmenschen. Dadurch nimmt der Mensch an den «drei Welten» (der physischen, seelischen und geistigen) teil. Er wurzelt durch physischen Körper, Ätherleib und Seelenleib in der physischen Welt und blüht durch das Geistselbst, den Lebensgeist und Geistesmenschen in die geistige Welt hinauf. Der Stamm aber, der nach der einen Seite wurzelt, nach der andern blüht, das ist die Seele selbst.

[ 42 ] Man kann, durchaus im Einklange mit dieser Gliederung des Menschen, eine vereinfachte Form derselben geben. Obwohl das menschliche «Ich» in der Bewusstseinsseele aufleuchtet, so durchdringt es doch das ganze seelische Wesen. Die Teile dieses seelischen Wesens sind überhaupt nicht so scharf gesondert wie die Leibesglieder; sie durchdringen sich in einem höheren Sinne. Fasst man dann Verstandesseele und Bewusstseinsseele als die zwei zusammengehörigen Hüllen des Ich und dieses als den Kern derselben ins Auge, dann kann man den Menschen gliedern in: physischen Leib, Lebensleib, Astralleib und Ich. Mit dem Ausdruck Astralleib wird dabei hier das bezeichnet, was Seelenleib und Empfindungsseele zusammen sind. Der Ausdruck findet sich in der älteren Literatur und sei hier frei angewendet auf dasjenige in der menschlichen Wesenheit, was über das Sinnlich-Wahrnehmbare hinausliegt. Trotzdem die Empfindungsseele in gewisser Beziehung auch von dem Ich durchkraftet wird, hängt sie mit dem Seelenleib so eng zusammen, dass für beide, vereinigt gedacht, ein einziger Ausdruck berechtigt ist. Wenn nun das Ich sich mit dem Geistselbst durchdringt, so tritt dieses Geistselbst so auf, dass der Astralleib von dem Seelischen aus umgearbeitet wird. In dem Astralleib wirken zunächst des Menschen Triebe, Begierden, Leidenschaften, insofern diese empfunden werden; und es wirken in ihm die sinnlichen Wahrnehmungen. Die sinnlichen Wahrnehmungen entstehen durch den Seelenleib als ein Glied im Menschen, das ihm von der äußeren Welt zukommt. Die Triebe, Begierden, Leidenschaften und so weiter entstehen in der Empfindungsseele, insofern diese vom Innern durchkraftet wird, bevor dieses Innere sich dem Geistselbst hingegeben hat. Durchdringt sich das «Ich» mit dem Geistselbst, so durchkraftet die Seele den Astralleib wieder mit diesem Geistselbst Es drückt sich dies so aus, dass dann die Triebe, Begierden und Leidenschaften durchleuchtet sind von dem, was das Ich aus dem Geiste empfangen hat. Das Ich ist dann vermöge seines Anteiles an der geistigen Welt Herr geworden in der Welt der Triebe, Begierden und so weiter. In dem Maße, als es dies geworden ist, erscheint das Geistselbst im Astralleib. Und dieser selbst wird dadurch verwandelt. Der Astralleib erscheint dann selbst als zweigliedrige Wesenheit, als zum Teil unverwandelt, zum Teil verwandelt. Daher kann man das Geistselbst in seiner Offenbarung am Menschen als den verwandelten Astralleib bezeichnen. Ein ähnliches geht in dem Menschen vor, wenn er in sein Ich den Lebensgeist aufnimmt. Dann verwandelt sich der Lebensleib. Er wird durchdrungen von dem Lebensgeist. Dieser offenbart sich in der Art, dass der Lebensleib ein anderer wird. Daher kann man auch sagen, dass der Lebensgeist der verwandelte Lebensleib ist. Und nimmt das Ich den Geistesmenschen in sich auf, so erhält es dadurch die starke Kraft, den physischen Leib damit zu durchdringen. Es ist natürlich, dass dasjenige, was so von dem physischen Leibe verwandelt ist, nicht mit der physischen Sinnen wahrzunehmen ist. Es ist ja gerade das am physischen Leib Geistesmensch geworden, was vergeistigt ist. Es ist dann für die sinnliche Wahrnehmung als Sinnliches vorhanden; und insofern dieses Sinnliche vergeistigt ist, muss es vom geistigen Erkenntnisvermögen wahrgenommen werden. Den äußeren Sinnen erscheint eben auch das vom Geistigen durchdrungene Physische nur sinnlich. Mit Zugrundelegung von alledem kann man auch folgende Gliederung des Menschen geben:

  1. Physischer Leib
  2. Lebensleib
  3. Astralleib
  4. Ich als Seelenkern
  5. Geistselbst als verwandelter Astralleib
  6. Lebensgeist als verwandelter Lebensleib
  7. Geistesmensch als verwandelter physischer Leib.7Sieh Bemerkungen und Ergänzungen Zu Seite 36-60

Versions Available:

Theosophy, Steiner Online Library
  1. Theosophy 1965, tr. M. Cotterell and A. P. Shepherd
  2. Theosophy 1971, tr. H. Monges and G. Church
  3. Theosophie 2003, 32nd ed.

The Nature of Human Beings

[ 1 ] The following words by Goethe beautifully describe the starting point of one of the ways in which the nature of human beings can be understood: "As soon as man becomes aware of the objects around him, he considers them in relation to himself; and rightly so, for his entire destiny depends on whether they please or displease him, whether they attract or repel him, whether they benefit or harm him. This entirely natural way of looking at and judging things seems as easy as it is necessary, and yet it exposes man to a thousand errors that often embarrass him and embitter his life. — Those whose lively thirst for knowledge strives to observe the objects of nature in themselves and in their relationships with one another take on a far more difficult daily task: for they soon miss the yardstick that came to their aid when, as human beings, they regarded things in relation to themselves. They lack the yardstick of pleasure and displeasure, attraction and repulsion, benefit and harm. They must renounce this entirely; as indifferent and, as it were, divine beings, they must seek and investigate what is, and not what is pleasing. Thus, the true botanist should be moved neither by the beauty nor the usefulness of plants; he should examine their formation, their relationship to the rest of the plant kingdom; and just as they are all drawn out and illuminated by the sun, so should he look at them all with the same calm gaze and overlook them, taking the standard for this knowledge, the data for judgment, not from himself but from the circle of things he observes."

[ 2 ] This idea expressed by Goethe draws human attention to three things. The first are the objects from which information constantly flows to him through the gates of his senses, which he touches, smells, tastes, hears, and sees. The second are the impressions they make on him, which are characterized as his liking or disliking, his desire or aversion, in that he finds one thing agreeable and another disagreeable, one useful and another harmful. And the third are the insights he acquires as a “divine being, as it were” about the objects; these are the secrets of the workings and existence of these objects that are revealed to him.

[ 3 ] These three areas are clearly distinct in human life. And so man becomes aware that he is interwoven with the world in three ways. — The first way is something he finds, which he accepts as a given fact. Through the second way, he makes the world his own affair, something that has meaning for him. He regards the third way as a goal toward which he should strive unceasingly.

[ 4 ] Why does the world appear to humans in this threefold way? A simple observation can teach us this: I walk across a meadow covered with flowers. The flowers reveal their colors to me through my eyes. That is the fact that I accept as given. — I rejoice in the splendor of colors. In this way, I make the fact my own. Through my feelings, I connect the flowers with my own existence. A year later, I walk across the same meadow again. There are different flowers there. They give me new joy. My joy from the previous year will emerge as a memory. It is within me; the object that sparked it has passed. But the flowers I see now are of the same kind as last year's; they have grown according to the same laws as those. Once I have understood this kind, these laws, I find them in this year's flowers just as I recognized them in last year's. And so I may reflect: Last year's flowers are gone; my joy in them remains only in my memory. It is linked only to my existence. But what I recognized in the flowers last year and recognize again this year will remain as long as such flowers grow. This is something that has been revealed to me, but which is not dependent on my existence in the same way as my joy. My feelings of joy remain within me; the laws, the essence of the flowers remain outside of me in the world.

[ 5 ] Thus, human beings are eternally connected to the things of the world in this threefold way. Let us not read anything into this fact at first, but take it as it is presented. It follows from this that human beings have three sides to their nature. This and nothing else is meant here by the three words body, soul, and spirit. Anyone who associates any preconceived opinions or even hypotheses with these three words will necessarily misunderstand the following discussions. Body here means that through which the things of his environment reveal themselves to man, as in the above example of the flowers in the meadow. The word soul refers to that through which he connects things with his own existence, through which he feels pleasure and displeasure, desire and aversion, joy and pain in relation to them. Spirit refers to that which becomes apparent in him when, in Goethe's words, he regards things as “divine beings, as it were.” In this sense, human beings consist of body, soul, and spirit.

[ 6 ] Through his body, man is able to connect with things for a moment. Through his soul, he preserves within himself the impressions they make on him; and through his spirit, what things preserve within themselves is revealed to him. Only by considering humans from these three perspectives can we hope to gain insight into their essence. For these three perspectives show them to be related to the rest of the world in three different ways.

[ 7 ] Through their body, they are related to the things that present themselves to their senses from outside. The substances of the outside world make up their body; the forces of the outside world also work within them. And just as they observe the things of the outside world with their senses, they can also observe their own physical existence. But it is impossible to observe the soul's existence in the same way. Everything that is physical in me can also be perceived with the physical senses. Neither I nor anyone else can perceive my likes and dislikes, my joy and my pain with the physical senses. The soul is a realm that is inaccessible to physical perception. The physical existence of human beings is visible to all; they carry their spiritual existence within themselves as their own world. But through the spirit, the outside world is revealed to them in a higher way. The secrets of the outside world are revealed within them, but they step outside themselves in spirit and let things speak for themselves, about what is significant not for them but for themselves. Human beings look up at the starry sky: the delight that their souls experience belongs to them; the eternal laws of the stars, which they grasp in thought, in spirit, do not belong to them, but to the stars themselves.

[ 8 ] Thus, man is a citizen of three worlds. Through his body, he belongs to the world that he also perceives with his body; through his soul, he builds his own world; through his spirit, a world is revealed to him that is superior to the other two.

[ 9 ] It seems obvious that, because of the essential differences between these three worlds, it is only through three different modes of observation that one can gain clarity about them and man's share in them.

I. The Physical Essence of the Human Being

[ 10 ] Through the physical senses, one learns about the human body. And the way of looking at it can be no other than that by which one learns about other things that can be perceived by the senses. Just as one looks at minerals, plants, and animals, so one can also look at human beings. They are related to these three forms of existence. Like minerals, they build their bodies from the substances of nature; like plants, they grow and reproduce; like animals, they perceive the objects around them and form inner experiences based on their impressions. One can therefore attribute a mineral, a plant, and an animal existence to human beings.

[ 11 ] The differences in the structure of minerals, plants, and animals correspond to the three forms of their existence. And it is this structure — the form — that is perceived by the senses and that alone can be called the body. Now, however, the human body differs from the animal body. Everyone must acknowledge this difference, regardless of what they may otherwise think about the relationship between humans and animals. Even the most radical materialist, who denies everything spiritual, will not be able to avoid endorsing the following statement, which Carus expresses in his “Organon of the Knowledge of Nature and the Spirit”: " The finer, innermost structure of the nervous system, and especially of the brain, still remains an unsolved mystery to physiologists and anatomists; but it is a well-established fact that this concentration of structures increases more and more in the animal kingdom and reaches a degree in humans that is found in no other being; it is of the utmost importance for the development of the human mind; indeed, we may say that it is actually the sufficient explanation. Where the structure of the brain has not developed properly, where its smallness and inadequacy are evident, as in the case of microcephalics and idiots, it goes without saying that there can be just as little talk of the emergence of original ideas and of cognition as there can be of the advancement of the species in humans with completely malformed reproductive organs. A strong and beautifully developed structure of the whole human being, on the other hand, and of the brain in particular, will not in itself create genius, but it will certainly provide the first and most indispensable condition for higher knowledge."

[ 12 ] Just as the human body is said to have three forms of existence, mineral, plant, and animal, so must it be said to have a fourth, the specifically human form. Through its mineral form of existence, man is related to everything visible; through its plant form, to all beings that grow and reproduce; through its animal form, to all beings that perceive their surroundings and have inner experiences based on external impressions; through its human form, it already constitutes a realm unto itself in physical terms.

II. The Soulish Essence of the Human Being

[ 13 ] As its own inner world, the spiritual essence of the human being is distinct from its physicality. The self immediately comes to the fore when one directs one's attention to the simplest sensory perception. No one can know at first whether another person experiences such a simple sensory perception in exactly the same way as they do. It is known that there are people who are color blind. Such people see things only in different shades of gray. Others are partially color blind. They are therefore unable to perceive certain color nuances. The worldview that their eyes give them is different from that of so-called normal people. And the same applies more or less to the other senses. It follows from this that even simple sensory perception belongs to the inner world. With my physical senses, I can perceive the red table that the other person also perceives, but I cannot perceive the other person's perception of red. — Sensory perception must therefore be described as something spiritual. Once we have made this fact clear to ourselves, we will soon cease to regard inner experiences as mere brain processes or the like. Sensory perception is immediately followed by feeling. One sensation makes a person feel pleasure, the other displeasure. These are stirrings of their inner, spiritual life. In their feelings, people create a second world in addition to the one that affects them from outside. And a third thing is added: the will. Through it, people act back on the outside world. And in this way, they impress their inner being on the outside world. The soul of the human being flows outward, as it were, in his acts of will. This distinguishes the deeds of human beings from the events of external nature in that the former bear the stamp of his inner life. Thus, the soul presents itself as the essence of the human being to the external world. He receives stimuli from the external world, but he forms his own world in accordance with these stimuli. The physical body becomes the foundation of the soul.

III. The Spiritual Essence of the Human Being

[ 14 ] The soul of the human being is not determined by the body alone. Human beings do not wander aimlessly and directionlessly from one sensory impression to another; nor do they act under the influence of every random stimulus exerted on them from outside or through the processes of their bodies. They reflect on their perceptions and their actions. By reflecting on their perceptions, they acquire knowledge about things; by reflecting on their actions, they bring a rational connection into their lives. And they know that they can only fulfill their task as human beings in a dignified manner if they allow themselves to be guided by correct thoughts in both their cognition and their actions. The soul therefore faces a twofold necessity. It is determined by the laws of the body through natural necessity; it allows itself to be determined by the laws that lead it to correct thinking because it freely recognizes their necessity. Man is subject to the laws of metabolism by nature; he subjects himself to the laws of thinking. — In this way, humans make themselves members of a higher order than that to which they belong through their bodies. And this order is the spiritual one. As different as the physical is from the soul, so different is the soul from the spiritual. As long as one speaks only of the carbon, hydrogen, nitrogen, and oxygen particles that move in the body, one does not have the soul in mind. Spiritual life only begins when, within such movement, the sensation arises: I taste sweetness or I feel pleasure. Nor does one have the spirit in mind as long as one merely looks at the spiritual experiences that pass through human beings when they surrender themselves completely to the outside world and their physical life. Rather, the soul is the foundation for the spirit, just as the body is the foundation for the soul. — The natural scientist deals with the body, the soul researcher (psychologist) with the soul, and the spirit researcher with the spirit. Reflecting on one's own self in order to understand the difference between body, soul, and spirit is a requirement that must be imposed on those who want to enlighten themselves about the nature of human beings through thought.

IV. Body, Soul, and Spirit

[ 15 ] Human beings can only truly understand themselves if they understand the significance of thinking within their being. The brain is the physical tool of thinking. Just as human beings can only see colors with a well-formed eye, so too does a properly constructed brain serve them for thinking. The entire human body is formed in such a way that it finds its crowning glory in the spiritual organ, the brain. The structure of the human brain can only be understood when viewed in relation to its function. This function is to be the physical basis of the thinking spirit. A comparative overview of the animal world illustrates this. In amphibians, the brain is still small compared to the spinal cord; in mammals, it becomes relatively larger. In humans, it is largest in relation to the rest of the body.

[ 16 ] There are many prejudices against remarks about thinking such as those made here. Some people are inclined to underestimate thinking and to place greater value on “intense emotional life” and “sensation.” Indeed, it is often said that it is not through “sober thinking” but through the warmth of emotion, through the immediate power of sensation, that we rise to higher knowledge. People who speak in this way fear that clear thinking will dull the emotions. In everyday thinking, which relates only to things of utility, this is certainly the case. But in thoughts that lead to higher regions of existence, the opposite occurs. There is no feeling and no enthusiasm that can compare with the sensations of warmth, beauty, and elevation that are kindled by pure, crystal-clear thoughts that relate to higher worlds. The highest feelings are not those that arise “by themselves,” but those that are achieved through energetic thought work.

[ 17 ] The human body has a structure that corresponds to thinking. The same substances and forces that are also present in the mineral kingdom are found in the human body in such a way that thinking can manifest itself through this combination. This mineral structure, formed in accordance with its task, will be referred to as the physical body of the human being in the following consideration.

[ 18 ] The mineral structure, centered on the brain, is created through reproduction and takes its developed form through growth. Humans share reproduction and growth with plants and animals. Reproduction and growth distinguish living beings from inanimate minerals. Living beings arise from living beings through the seed. The descendant joins the ancestor in the chain of living beings. The forces that create a mineral are directed at the substances that compose it. A rock crystal is formed by the forces inherent in silicon and oxygen, which are united in it. The forces that shape an oak tree must be sought indirectly through the seed in the mother and father plants. And the form of the oak is preserved in reproduction from ancestors to descendants. There are inner conditions inherent in living beings. It was a crude view of nature that believed that lower animals, even fish, could form from mud. The form of living beings is perpetuated through heredity. How a living being develops depends on which father or mother it originated from, or in other words, to which species it belongs. The substances of which it is composed are constantly changing; the species remains the same throughout life and is inherited by the offspring. The species is thus that which determines the combination of substances. This species-forming force is to be called the life force. Just as the mineral forces are expressed in crystals, so the formative life force is expressed in the species or forms of plant and animal life. 1See Comments and Additions to Page 35

[ 19 ] Humans perceive mineral forces through their physical senses. And they can only perceive what they have senses for. Without the eye, there is no perception of light; without the ear, no perception of sound. The lowest organisms have only one type of sense among those possessed by humans: the sense of touch. For them, the only mineral forces that exist in the human mode of perception are those that reveal themselves to the sense of touch.2See Comments and additions to page 36 To the extent that the other senses are developed in higher animals, the environment that humans also perceive is richer and more diverse for them. It therefore depends on the organs of a being whether what is present in the outside world is also present for the being itself as perception, as sensation. What is present in the air as a certain movement becomes a sound sensation in humans. Humans do not perceive the manifestations of the life force through the ordinary senses. They see the colors of plants and smell their fragrance, but the life force remains hidden from this observation. However, just as a person born blind does not rightly deny the existence of colors, so too should the ordinary senses not deny the existence of the life force. Colors are available to the blind person as soon as they have undergone surgery; similarly, the manifold species of plants and animals created by the life force, not just the individuals, are also available to humans as perceptions when the organ for this opens up to them. — A whole new world opens up to humans through the opening up of this organ. They now perceive not only the colors, smells, and so on of living beings, but also the life of these living beings themselves. In every plant, in every animal, they perceive not only the physical form but also the life-filled spiritual form. To express this, let us call this spiritual form the etheric body or life body. 3Long after writing this book (cf. the magazine “Das Reich,” fourth book of the first volume [January 1917]), the author also referred to what is called here the etheric or life body as the “image-force body.” He felt compelled to use this name because he believes that one cannot do enough to prevent the misunderstanding of confusing what is meant here by etheric body with the “life force” of older natural science. When it comes to rejecting this older mental image of a life force in the sense of modern natural science, the author takes the position of those who oppose such a force. For it was intended to explain the special mode of action of inorganic forces in the organism. But what acts inorganically in the organism acts no differently there than in the realm of the inorganic world. The laws of inorganic nature are no different in the organism than in crystals, etc. But in the organism there is something that is not inorganic: the formative life. This is based on the etheric or formative force body. Accepting this does not interfere with the legitimate task of natural science: to pursue what it observes about the effects of forces in inorganic nature into the world of organisms. And true Spiritual Science also considers it justified to reject the idea that this effect is modified within the organism by a special life force. The spiritual researcher speaks of the etheric body insofar as something else is revealed in the organism than in the inanimate. — Despite all this, the author of this book does not feel compelled to replace the name “etheric body” with the other “formative forces body,” since within the whole context found here, misunderstanding is impossible for anyone who wants to see. Such a misunderstanding can only arise if the name is used in a context that cannot reveal this connection. (Compare this with what is said at the end of this book under “Individual remarks and additions.”) — For the researcher of spiritual life, this matter presents itself in the following way. For him, the etheric body is not merely a result of the substances and forces of the physical body, but an independent, real entity that first calls the aforementioned physical substances and forces to life. In the sense of Spiritual Science, one says: a mere physical body has its form — for example, a crystal — through the physical formative forces inherent in the inanimate; a living body does not have its form through these forces, because the moment life has left it and it is left to the physical forces alone, it decays. The life body is an entity through which the physical body is preserved from decay at every moment during life. — In order to see this life body, to perceive it in another being, one needs the awakened spiritual eye. Without this, one can assume its existence for logical reasons; but one can see it with the spiritual eye, just as one sees color with the physical eye. — One should not be put off by the expression “etheric body.” “Ether” here refers to something other than the hypothetical ether of physics. Simply accept the term as a designation for what is described here. And just as the physical human body is a reflection of its task in its structure, so is the human etheric body. One can only understand this if one considers it in relation to the thinking spirit. Through its orientation toward the thinking spirit, the etheric body of the human being differs from that of plants and animals. — Just as the human being belongs to the mineral world through his physical body, so he belongs to the living world through his etheric body. After death, the physical body dissolves into the mineral world, and the etheric body into the living world. The term “body” refers to that which gives a being of any kind its “form” or “appearance.” The term ‘body’ should not be confused with the physical form of the body. In the sense used in this writing, the term “body” can also be used to refer to that which is formed as soul and spirit.

[ 20 ] The life body is still something external to the human being. With the first rain of sensation, the inner self responds to the stimuli of the outside world. No matter how far one pursues what can rightly be called the outside world, one will not be able to find sensation. — The rays of light penetrate the eye; they propagate within it to the retina. There they cause chemical processes (in the so-called purple of vision); the effect of these stimuli continues through the optic nerve to the brain, where further physical processes take place. If one could observe these, one would see physical processes just as elsewhere in the outside world. If I am able to observe the life body, I will perceive how the physical brain process is at the same time a life process. But I cannot find the sensation of the blue color that the receiver of the light rays has anywhere in this way. It arises only within the soul of this receiver. If the essence of this receiver were exhausted by the physical body and the etheric body, the sensation could not exist. The activity through which the sensation becomes a fact differs very significantly from the working of the life-image force. An inner experience is elicited from this activity by that activity. Without this activity, there would be a mere life process, as can also be observed in plants. Imagine a human being receiving impressions from all sides. One must think of him at the same time as the source of the activity described in all directions from which he receives these impressions. On all sides, the sensations respond to the impressions. This source of activity is called the sentient soul. This sentient soul is just as real as the physical body. When a person stands before me and I disregard their sentient soul by creating a mental image of them as merely a physical body, it is just as if I were to imagine a painting as merely a canvas. Something similar must be said about the perception of the feeling soul as was said earlier about the etheric body. The physical organs are “blind” to it. And so is the organ through which life can be perceived as life. But just as the etheric body is seen through this organ, so the inner world of feelings can become a special kind of supersensible perception through an even higher organ. The human being then not only feels the impressions of the physical and living world, but also sees the feelings. Before a person with such an organ, the world of feelings of another being lies there like an external reality. One must distinguish between experiencing one's own world of feelings and seeing the world of feelings of another being. Of course, everyone can look into their own world of sensations; only the seer with an open “spiritual eye” can see the world of sensations of another being . Without being a seer, a person knows the world of sensations only as “inner,” only as the hidden experiences of their own soul; with the “spiritual eye” open, what otherwise lives only “inside” the other being shines forth before the outer spiritual gaze.


[ 21 ] To avoid misunderstandings, it should be explicitly stated here that the seer does not experience within himself the same thing that the other being has within himself as the content of his world of feeling. The latter experiences the feelings from the point of view of his inner being; the seer perceives a revelation, an expression of the world of feeling.

[ 22 ] The sentient soul depends on the etheric body for its effect. For it is from the etheric body that it draws forth what it is to let shine forth as sensation. And since the etheric body is the life within the physical body, the sentient soul is also indirectly dependent on it. Only with a properly functioning, well-constructed eye are corresponding color sensations possible. In this way, physicality affects the sentient soul. Its effectiveness is thus determined and limited by the body. It lives within the boundaries set for it by physicality. — The body is thus built up from mineral substances, animated by the etheric body, and it itself limits the sentient soul. Anyone who has the above-mentioned organ for “seeing” the sentient soul recognizes that it is limited by the body. — But the limits of the sentient soul do not coincide with those of the physical body. This soul extends beyond the physical body. From this we can see that it proves to be more powerful than the physical body. But the force that sets its limits emanates from the physical body. This means that there is a special link between the physical body and the etheric body on the one hand, and the sentient soul on the other. This is the soul body or sentient body. One could also say that one part of the etheric body is finer than the rest, and this finer part of the etheric body forms a unity with the sentient soul, while the coarser part forms a kind of unity with the physical body. But, as already mentioned, the sentient soul transcends the soul body.

[ 23 ] What is called feeling here is only part of the soul being. (The term feeling soul is chosen for the sake of simplicity.) Feelings are accompanied by the emotions of pleasure and displeasure, drives, instincts, and passions. All of these have the same character of independent life as sensations and, like them, are dependent on the physical body.


[ 24 ] Just as with the body, the sentient soul also interacts with thinking, with the spirit. First of all, thinking serves it. Human beings form thoughts about their sensations. In this way, they learn about the outside world. The child who has burned itself thinks and comes to the conclusion: “Fire burns.” Nor do human beings blindly follow their drives, instincts, and passions; their thinking brings about the opportunity to satisfy them. What we call material culture moves entirely in this direction. It consists of the services that thinking provides to the feeling soul. Immense sums of thinking power are directed toward this goal. It is thinking power that has built ships, railroads, telegraphs, and telephones; and all of these serve, for the most part, to satisfy the needs of the feeling souls. In a similar way to how the life image force permeates the physical body, the thinking force permeates the sentient soul. The life image force connects the physical body to ancestors and descendants, thereby placing it within a lawfulness that has nothing to do with the purely mineral. In the same way, the power of thought places the soul within a lawfulness to which it does not belong as a mere sentient soul. Through the sentient soul, human beings are related to animals. In animals, too, we observe the presence of sensations, drives, instincts, and passions. But animals follow these immediately. They are not interwoven with independent thoughts that go beyond immediate experience.4See Comments and additions to page 43 This is also the case to a certain extent with undeveloped humans. The mere feeling soul is therefore different from the developed higher soul member, which puts thinking at its service. This soul, which is served by thinking, can be called the intellectual soul. It could also be called the emotional soul or the mind.

[ 25 ] The intellectual soul permeates the sentient soul. Those who have the organ for “seeing” the soul therefore regard the intellectual soul as a special entity in contrast to the mere feeling soul.


[ 26 ] Through thinking, human beings are led beyond their own lives. They acquire something that extends beyond their soul. It is a self-evident conviction for them that the laws of thought are in accordance with the world order. They therefore regard themselves as natives of the world because this correspondence exists. This correspondence is one of the important facts through which human beings come to know their own nature. In their soul, humans search for truth; and through this truth, not only the soul expresses itself, but the things of the world also express themselves. What is recognized as truth through thinking has an independent meaning that relates to the things of the world, not just to one's own soul. With my delight in the starry sky, I live within myself; the thoughts I form about the orbits of the heavenly bodies have the same meaning for everyone else's thinking as they do for my own. It would be pointless to speak of my delight if I myself did not exist; but it is not pointless in the same way to speak of my thoughts even without reference to myself. For the truth that I think today was also true yesterday and will be true tomorrow, even though I am only concerned with it today. If a realization gives me joy, this joy is significant as long as it lives within me; the truth of the realization has its significance quite independently of this joy. In grasping the truth, the soul connects with something that carries its value within itself. And this value does not disappear with the soul's feeling, just as it did not arise with it. What is truly truth does not arise and does not pass away: it has a meaning that cannot be destroyed. This does not contradict the fact that individual human “truths” have only a temporary value, because they are recognized as partial or complete errors at a certain point in time. For man must tell himself that truth exists in itself, even if his thoughts are only transitory manifestations of eternal truths. Even those who, like Lessing, say that they are content with the eternal pursuit of truth, since the full, pure truth can only exist for a god, do not deny the eternal value of truth, but rather confirm it with such a statement. For only that which has eternal meaning in itself can inspire an eternal pursuit. If truth were not independent in itself, if it derived its value and meaning from human soul perception, then it could not be a single goal for all people. By striving for it, one acknowledges its independent essence.

[ 27 ] And as with the true, so it is with the truly good. Moral goodness is independent of inclinations and passions, insofar as it does not allow itself to be ruled by them, but rather rules them. Pleasure and displeasure, desire and aversion belong to the human soul itself; duty stands above pleasure and displeasure. Duty can be so important to man that he sacrifices his life for it. And the more man has ennobled his inclinations, his pleasures and displeasures, so that they follow the recognized duty without compulsion, without submission, the higher he stands. Moral goodness, like truth, has its eternal value within itself and does not receive it through the sentient soul.

[ 28 ] By allowing the independent true and good to live within themselves, human beings rise above the mere sentient soul. The eternal spirit shines into it. A light dawns within it that is imperishable. Insofar as the soul lives in this light, it participates in the eternal. It connects its own existence with it. What the soul carries within itself as truth and goodness is immortal in it. — That which shines forth in the soul as eternal may be called the consciousness soul. — One can also speak of consciousness in relation to the lower soul movements. The most everyday sensation is the object of consciousness. In this respect, animals also have consciousness. The core of human consciousness, that is, the soul within the soul, is referred to here as the consciousness soul. The consciousness soul is distinguished here from the intellectual soul as a special member of the soul. The latter is still entangled in sensations, instincts, emotions, and so on. Every human being knows how what he prefers in his sensations and so on is initially considered true. But only that truth is lasting which has detached itself from all the aftertaste of such sympathies and antipathies of sensations and so on. Truth is true even if all personal feelings rebel against it. The part of the soul in which this truth lives should be called the conscious soul.

[ 29 ] Thus, as in the body, three members should be distinguished in the soul: the sentient soul, the intellectual soul, and the conscious soul. And just as physicality limits the soul from below, so spirituality expands it from above. For the more the soul is filled with truth and goodness, the wider and more comprehensive the eternal becomes in it. — For those who are able to “see” the soul, the radiance that emanates from human beings as their eternal nature expands is just as real as the light that radiates from a flame is to the physical eye. For the “seer,” the physical human being is only a part of the whole human being. The body is the coarsest structure in the midst of others that interpenetrate it and each other. The etheric body fills the physical body as a form of life; protruding beyond it on all sides, one recognizes the soul body (astral form). And rising above this again is the sentient soul, then the intellectual soul, which becomes greater the more it absorbs the true and the good within itself. For this true and good causes the expansion of the intellectual soul. A person who lived solely according to their inclinations, their likes and dislikes, would have a intellectual soul whose boundaries coincided with those of their emotional soul. This structure, in the midst of which the physical body appears as if in a cloud, can be called the human aura. It is that which enriches the “essence of the human being” when viewed in the way this writing attempts to portray it.


[ 30 ] In the course of childhood development, there comes a moment in a person's life when they feel themselves to be an independent being in relation to the rest of the world for the first time. For sensitive people, this is a significant experience. The poet Jean Paul recounts in his autobiography: "I will never forget the phenomenon within me, which I have never told anyone about, when I stood at the birth of my self-awareness, the place and time of which I can specify. One morning, as a very young child, I was standing under the front door and looking to the left at the woodpile when suddenly the inner face, I am an I, struck me like a bolt of lightning from the sky and has remained shining ever since: there, my I had seen itself for the first time and for eternity. Deceptions of memory are hardly conceivable here, since no foreign narrative could add to an event that took place in the most sacred of human sanctuaries, whose novelty alone gave permanence to such everyday circumstances. — It is well known that small children say of themselves: “Karl is good,” “Marie wants that.” It is considered appropriate that they speak of themselves in the same way as they speak of others, because they are not yet aware of their independent existence, because the consciousness of the self has not yet been born in them.5See Comments and additions to page 48 Through self-consciousness, human beings designate themselves as independent beings, separate from everything else, as “I.” In the “I,” humans summarize everything they experience as physical and spiritual beings. Body and soul are the carriers of the ‘I’; it works within them. Just as the physical body has its center in the brain, so the soul has its center in the “I.” Humans are stimulated to sensations from outside; feelings assert themselves as effects of the outside world; the will relates to the outside world, for it is realized in external actions. The “I” remains completely invisible as the actual essence of the human being. Jean Paul therefore aptly calls the awareness of the ‘I’ an “event that has occurred only in the veiled inner sanctum of the human being.” For with his “I,” the human being is completely alone. — And this “I” is the human being himself. This entitles him to regard this “I” as his true essence. He may therefore describe his body and soul as the ‘shells’ within which he lives; and he may describe them as physical conditions through which he acts. In the course of his development, he learns to use these tools more and more as servants of his “I.” The little word “I,” as it is used in the German language, for example, is a name that differs from all other names. Anyone who thinks accurately about the nature of this name will at the same time gain access to a deeper understanding of human nature. All people can apply every other name in the same way to the thing it corresponds to. Everyone can call a table “table” and a chair “chair.” This is not the case with the name “I.” No one can use it to refer to another; only each person can call themselves “I.” The name ‘I’ can never reach my ear from outside if it is the name for me. Only from within, only through itself, can the soul call itself “I.” So when a person says “I” to themselves, something begins to speak within them that has nothing to do with any of the worlds from which the ‘shells’ mentioned so far are taken. The “I” increasingly becomes the ruler of body and soul. — This, too, is expressed in the aura. The more the I rules over body and soul, the more structured, diverse, and colorful the aura becomes. The effect of the I on the aura can be seen by the “seer.” The ‘I’ itself is also invisible to him: it is truly in the “veiled holy of holies of the human being.” But the ego absorbs the rays of light that shine as eternal light within the human being. Just as the human being summarizes the experiences of the body and soul in the “ego,” so too does he allow the thoughts of truth and goodness to flow into the “ego.” Sensory phenomena reveal themselves to the “ego” from one side, the spirit from the other. Body and soul surrender themselves to the “I” in order to serve it; but the “I” surrenders itself to the spirit so that it may fill it. The ‘I’ lives in body and soul; but the spirit lives in the “I.” And what is of the spirit in the I is eternal. For the I derives its essence and meaning from that with which it is connected. Insofar as it lives in the physical body, it is subject to the laws of minerals; through the etheric body, it is subject to the laws of reproduction and growth; through the soul of feeling and understanding, it is subject to the laws of the soul world; insofar as it takes in the spiritual, it is subject to the laws of the spirit. What constitutes the mineral and life laws arises and passes away; but the spirit has nothing to do with arising and passing away.


[ 31 ] The I lives in the soul. Even though the highest expression of the “I” belongs to the consciousness soul, it must be said that this “I” radiates from there, filling the whole soul and expressing its effect on the body through the soul. And in the I, the spirit is alive. The spirit radiates into the I and lives in it as in its “shell,” just as the I lives in the body and soul as its “shells.” The spirit forms the I from the inside out, the mineral world from the outside in. The spirit that forms the “I” and lives as the “I” is called the “spirit self” because it appears as the ‘I’ or “self” of the human being. The difference between the “spirit self” and the “consciousness soul” can be clarified in the following way. The consciousness soul touches the truth that is independent of any antipathy or sympathy, existing through itself; the spirit self carries the same truth within itself, but absorbed and enclosed by the “I”; individualized by the latter and taken into the independent entity of the human being. By becoming independent in this way and being connected with the “I” to form a single entity, the eternal truth enables the “I” itself to attain eternity.

[ 32 ] The spirit self is a revelation of the spiritual world within the I, just as, on the other hand, sensory perception is a revelation of the physical world within the I. In what is red, green, light, dark, hard, soft, warm, cold, one recognizes the revelations of the physical world; in what is true and good, the revelations of the spiritual world. In the same sense that the revelation of the physical is called sensation, the revelation of the spiritual is called intuition. The simplest thought already contains intuition, for one cannot touch it with one's hands or see it with one's eyes: one must receive its revelation from the spirit through the I. When an undeveloped and a developed person look at a plant, something completely different lives in the ego of one than in that of the other. And yet the sensations of both are evoked by the same object. The difference lies in the fact that one can form far more complete thoughts about the object than the other. If objects were revealed solely through sensation, there could be no progress in spiritual development. The savage also perceives nature; the laws of nature reveal themselves only to the thoughts of the more highly developed human being, which are fertilized by intuition. The child also perceives the stimuli of the outside world as an impulse of the will, but the commandments of moral goodness only become clear to it in the course of its development, as it learns to live in the spirit and to understand its revelation.

[ 33 ] Just as there would be no perception of color without the eye, so there would be no intuition without the higher thinking of the spirit itself.6See Comments and additions to pages 52 and 53 And just as the plant on which the color appears does not create the sensation, so intuition does not create the spiritual, but rather only gives knowledge of it.

[ 34 ] Through intuition, the human ego, which lives in the soul, receives messages from above, from the spiritual world, just as it receives messages from the physical world through the senses. And in this way, it makes the spiritual world as much a part of the soul's own life as the physical world is through the senses. The soul, or the I that shines within it, opens its gates in two directions: toward the physical and toward the spiritual.

[ 35 ] Just as the physical world can only make itself known to the I by building a body out of its substances and forces, in which the conscious soul can live and within which it possesses organs to perceive the physical world outside itself, so too does the spiritual world build a spiritual body out of its spiritual substances and forces, in which the I can live and perceive the spiritual world through intuition. (It is obvious that the terms spiritual substance and spiritual body contain a contradiction in terms. They are only used to direct the thought to that which corresponds in the spiritual world to the physical body of the human being.)

[ 36 ] And just as within the physical world the individual human body is built up as a separate entity, so within the spiritual world the spiritual body is built up. In the spiritual world, there is an inside and an outside for human beings just as there is in the physical world. Just as human beings absorb substances from their physical environment and process them in their physical bodies, so they absorb the spiritual from their spiritual environment and make it their own. The spiritual is the eternal nourishment of human beings. And just as human beings are born from the physical world, so too are they born from the spirit through the eternal laws of truth and goodness. They are separated from the spiritual world outside themselves, just as they are separated from the entire physical world as independent beings. This independent spiritual being may be called the “spirit-human.”

[ 37 ] When we examine the physical human body, we find in it the same substances and forces that exist outside it in the rest of the physical world. The same is true of the spirit-human. The elements of the outer spiritual world pulsate within it, and the forces of the rest of the spiritual world are active in it. Just as the physical skin encloses a living, sentient being, so too does the spiritual world. The spiritual skin that separates the spiritual human being from the unified spiritual world, making him an independent spiritual being within it, who lives within himself and intuitively perceives the spiritual content of the world, this “spiritual skin” is called the spiritual shell (auric shell). It must be noted, however, that this “spiritual skin” continuously expands with the progress of human development, so that the spiritual individuality of the human being (his auric shell) is capable of unlimited enlargement.

[ 38 ] The spiritual human being lives within this spiritual shell. It is built up by the spiritual life force in the same way as the physical body is built up by the physical life force. In a similar way to how one speaks of an etheric body, one must therefore speak of an etheric spirit in relation to the spiritual human being. This etheric spirit may be called the life spirit. The spiritual essence of the human being is thus divided into three parts: the spiritual human being, the life spirit, and the spiritual self.

[ 39 ] For those who “see” in the spiritual realms, this spiritual essence of the human being is a perceptible reality as the higher — actually spiritual — part of the aura. They “see” the spiritual human being as the life spirit within the spiritual shell; and they “see” how this “life spirit” continually enlarges itself by absorbing spiritual nourishment from the spiritual world outside. And furthermore, they see how this absorption causes the spiritual shell to expand continuously, how the spiritual human being becomes greater and greater. Insofar as this “becoming greater” is “seen” spatially, it is of course only an image of reality. Nevertheless, in the mental image, the human soul is directed toward the corresponding spiritual reality. The difference between the spiritual essence of the human being and his physical essence is that the latter has a limited size, while the former can grow indefinitely. What is absorbed as spiritual nourishment has eternal value. The human aura is therefore composed of two interpenetrating parts. One is colored and shaped by the physical existence of the human being, the other by his spiritual existence. The ego provides the separation between the two, in such a way that the physical surrenders its own nature and builds a body that allows a soul to live within it; and the ego surrenders itself and allows the spirit to live within it, which in turn permeates the soul and gives it its goal in the spiritual world. Through the body, the soul is enclosed in the physical; through the spiritual human being, it grows wings to move in the spiritual world.


[ 40 ] If one wants to understand the whole human being, one must think of them as composed of the aforementioned components. The body is built up from the physical world of matter, so that this structure is oriented toward the thinking self. It is permeated by life force and thus becomes the etheric body or life body. As such, it opens outward in the sense organs and becomes the soul body. The feeling soul permeates this and becomes one with it. The sentient soul does not merely receive impressions from the outside world as sensations; it has its own life, which is fertilized by thinking on the one hand and by sensations on the other. In this way it becomes the intellectual soul. It can do this by opening itself upward to intuitions and downward to sensations. This makes it the conscious soul. This is possible because the spiritual world forms the organ of intuition within it, just as the physical body forms the sense organs. Just as the senses receive sensations through the soul body, so the spirit conveys intuitions to it through the organ of intuition. The spirit-human is thus connected with the consciousness soul in a unity, just as the physical body is connected with the feeling soul in the soul body. The consciousness soul and the spirit self form a unity. In this unity, the spirit-human lives as a life spirit, just as the etheric body forms the physical basis of life for the soul body. And just as the physical body is enclosed in the physical skin, so the spirit-human is enclosed in the spirit shell. The structure of the whole human being is as follows:

  1. Physical body
  2. Etheric body or life body
  3. Soul body
  4. Sentimental soul
  5. Intellectual soul
  6. Conscious soul
  7. Spiritual self
  8. Life spirit
  9. Spiritual human being

The soul body (C) and feeling soul (D) are one entity in the earthly human being, as are the consciousness soul (F) and spirit self (G). This results in seven parts of the earthly human being:

  1. The physical body
  2. The etheric or life body
  3. The sentient soul body
  4. The intellectual soul
  5. The spirit-filled consciousness soul
  6. The life spirit
  7. The spirit man

[ 41 ] The “I” flashes up in the soul, receives the impact from the spirit, and thereby becomes the bearer of the spirit man. In this way, the human being participates in the “three worlds” (the physical, the soul, and the spiritual). He is rooted in the physical world through his physical body, etheric body, and soul body, and blossoms upward into the spiritual world through his spirit self, life spirit, and spirit man. But the trunk that is rooted on one side and blossoms on the other is the soul itself.

[ 42 ] In accordance with this structure of the human being, it is possible to give a simplified form of it. Although the human “I” shines forth in the consciousness soul, it permeates the entire soul being. The parts of this soul being are not as sharply separated as the limbs of the body; they interpenetrate each other in a higher sense. If we then consider the intellectual soul and the consciousness soul as the two related shells of the I, and the I as the core of these, then we can divide the human being into: physical body, life body, astral body, and I. The term astral body refers here to what the soul body and the sentient soul together constitute. The term is found in older literature and is used here freely to refer to that part of the human being which lies beyond the realm of the senses. . Although the feeling soul is in a certain sense also permeated by the I, it is so closely connected with the soul body that a single term is justified for both when considered together. When the ego permeates the spirit self, the spirit self appears in such a way that the astral body is transformed from within by the soul. The astral body is initially influenced by human instincts, desires, and passions, insofar as these are felt; and it is also influenced by sensory perceptions. Sensory perceptions arise through the soul body as a member of the human being that comes to him from the outer world. The instincts, desires, passions, and so on arise in the sentient soul, insofar as it is permeated from within before this inner being has surrendered itself to the spirit self. When the “I” permeates itself with the spirit self, the soul again permeates the astral body with this spirit self. This is expressed in such a way that the instincts, desires, and passions are then illuminated by what the I has received from the spirit. The ego then becomes master in the world of instincts, desires, and so on, by virtue of its share in the spiritual world. To the extent that this happens, the spirit self appears in the astral body. And the astral body itself is transformed by this. The astral body then appears as a two-part entity, partly unchanged and partly transformed. Therefore, the spirit self in its manifestation in the human being can be described as the transformed astral body. Something similar happens in the human being when he takes the life spirit into his ego. Then the life body is transformed. It is permeated by the life spirit. This manifests itself in such a way that the life body becomes different. Therefore, one can also say that the life spirit is the transformed life body. And when the ego takes in the spirit-human being, it thereby receives the strong power to permeate the physical body with it. It is natural that what is thus transformed by the physical body cannot be perceived with the physical senses. It is precisely that which has become spirit-human in the physical body that is spiritualized. It is then available to sensory perception as something sensory; and insofar as this sensory aspect is spiritualized, it must be perceived by spiritual cognitive faculties. To the outer senses, even that which is permeated by the spiritual appears only as sensory. Based on all this, the following structure of the human being can also be given:

  1. Physical body
  2. Life body
  3. Astral body
  4. I as the core of the soul
  5. Spirit self as the transformed astral body
  6. Life spirit as the transformed life body
  7. Spiritual human being as the transformed physical body. 7See Comments and Additions to Pages 36-60