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How to Gain Knowledge of the Higher Worlds
GA 10

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Die Spaltung der Persönlichkeit während der Einweihung

[ 1 ] Während des Schlafes empfängt die menschliche Seele nicht die Mitteilungen von seiten der physischen Sinneswerkzeuge. Die Wahrnehmungen der gewöhnlichen Außenwelt fließen ihr in diesem Zustande nicht zu. Sie ist in Wahrheit in gewisser Beziehung außerhalb des Teiles der menschlichen Wesenheit, des sogenannten physischen Leibes, welcher im Wachen die Sinneswahrnehmungen und das Denken vermittelt. Sie ist dann nur in Verbindung mit den feineren Leibern (dem Ätherleib und dem Astralleib), welche sich der Beobachtung der physischen Sinne entziehen. Aber die Tätigkeit dieser feineren Leiber hört im Schlafe nicht etwa auf. So wie der physische Leib mit den Dingen und Wesen der physischen Welt in Verbindung steht, wie er von ihnen Wirkungen empfängt und auf sie wirkt, so lebt die Seele in einer höheren Welt. Und dieses Leben dauert während des Schlafes fort. Tatsächlich ist die Seele während des Schlafes in voller Regsamkeit. Nur kann der Mensch von dieser seiner eigenen Tätigkeit so lange nichts wissen, als er nicht geistige Wahrnehmungsorgane hat, durch welche er während des Schlafes ebensogut beobachten kann, was um ihn herum vorgeht und was er selber treibt, wie er das mit seinen gewöhnlichen Sinnen im Tagesleben für seine physische Umgebung kann. Die Geheimschulung besteht (wie in den vorhergehenden Kapiteln gezeigt worden ist) in der Ausbildung solcher geistigen Sinneswerkzeuge.

[ 2 ] Verwandelt sich nun durch die Geheimschulung das Schlafleben des Menschen in dem Sinne, wie es im vorigen Kapitel beschrieben worden ist, so kann er alles, was in diesem Zustande um ihn herum vorgeht, bewußt verfolgen; er kann sich willkürlich in seiner Umgebung zurechtfinden, wie das mit seinen Erlebnissen während des wachen Alltagslebens durch die gewöhnlichen Sinne der Fall ist. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die Wahrnehmung der gewöhnlichen sinnlichen Umgebung schon einen höheren Grad des Hellsehens voraussetzt. (Es ist darauf schon im vorigen Kapitel hingedeutet worden.) Im Beginn der Entwickelung nimmt der Geheimschüler nur Dinge wahr, die einer anderen Welt angehören, ohne deren Zusammenhang mit den Gegenständen seiner alltäglichen sinnlichen Umgebung bemerken zu können.

[ 3 ] Was an so charakteristischen Beispielen des Traum- und Schlaflebens anschaulich wird, findet fortwährend beim Menschen statt. Die Seele lebt ohne Unterbrechung in höheren Welten und ist innerhalb der letzteren tätig. Sie schöpft aus diesen höheren Welten heraus die Anregungen, durch welche sie immerwährend auf den physischen Leib wirkt. Nur bleibt für den Menschen dieses sein höheres Leben unbewußt. Der Geheimschüler aber bringt es zum Bewußtsein. Dadurch wird sein Leben überhaupt ein anderes. Solange die Seele nicht im höheren Sinne sehend ist, wird sie von übergeordneten Weltwesen geführt. Und wie das Leben eines Blinden, der durch Operation sehend geworden ist, ein anderes wird, als es vorher war, da er sich auf seine Führerschaft verlassen mußte, so ändert sich das Leben des Menschen durch die Geheimschulung. Er wird der Führerschaft entwachsen und muß fortan seine Leitung selbst übernehmen. Sobald dies eintritt, ist er, wie begreiflich, Irrtümern unterworfen, von denen das gewöhnliche Bewußtsein nichts ahnt. Er handelt jetzt aus einer Welt heraus, aus der ihn früher höhere Gewalten, ihm selbst unbewußt, beeinflußten. Diese höheren Gewalten sind durch die allgemeine Weltharmonie geordnet. Aus dieser Weltharmonie tritt der Geheimschüler heraus. Er hat nunmehr selbst Dinge zu tun, die vorher für ihn ohne sein Zutun vollzogen worden sind.

[ 4 ] Weil dies letztere der Fall ist, deshalb wird in den Schriften, die von solchen Dingen handeln, viel von den Gefahren gesprochen, welche mit dem Aufstieg in die höheren Welten verbunden sind. Die Schilderungen, die da zuweilen von solchen Gefahren gemacht werden, sind wohl geeignet, ängstliche Gemüter nur mit Schaudern auf dieses höhere Leben blicken zu lassen. Doch muß gesagt werden, daß diese Gefahren nur dann vorhanden sind, wenn die notwendigen Vorsichtsmaßregeln außer acht gelassen werden. Wenn dagegen wirklich alles beachtet wird, was wahre Geheimschulung als Ratschläge an die Hand gibt, dann erfolgt der Aufstieg zwar durch Erlebnisse hindurch, die an Gewalt und Größe alles überragen, was die kühnste Phantasie des Sinnesmenschen sich ausmalen kann; aber von einer Beeinträchtigung der Gesundheit oder des Lebens kann nicht die Rede sein. Der Mensch lernt grausige, das Leben an allen Ecken und Enden bedrohende Gewalten kennen. Es wird ihm möglich, sich selbst gewisser Kräfte und Wesen zu bedienen, welche der sinnlichen Wahrnehmung entzogen sind. Und die Versuchung ist groß, sich dieser Kräfte im Dienste eines eigenen unerlaubten Interesses zu bemächtigen oder aus mangelnder Erkenntnis der höheren Welten in irrtümlicher Weise solche Kräfte zu verwenden. Einige von solchen besonders bedeutsamen Erlebnissen (zum Beispiel die Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle») sollen noch in diesen Aufsätzen geschildert werden. – Aber man muß doch bedenken, daß die leben-feindlichen Mächte auch dann vorhanden sind, wenn man sie nicht kennt. Wahr ist allerdings, daß dann deren Verhältnis zum Menschen von höheren Kräften bestimmt wird und daß dieses Verhältnis sich auch ändert, wenn der Mensch mit Bewußtsein in diese ihm vorher verborgene Welt eintritt. Aber es wird dafür auch sein eigenes Dasein gesteigert, sein Lebenskreis um ein ungeheures Feld bereichert. Eine wirkliche Gefahr liegt nur dann vor, wenn der Geheimschüler durch Ungeduld oder Unbescheidenheit sich gegenüber den Erfahrungen der höheren Welt zu früh eine gewisse Selbständigkeit beimißt, wenn er nicht abwarten kann, bis ihm die zureichende Einsicht in die übersinnlichen Gesetze wirklich zuteil wird. Auf diesem Gebiete sind eben Demut und Bescheidenheit noch viel weniger leere Worte als im gewöhnlichen Leben. Sind diese aber dem Schüler im allerbesten Sinne eigen, so kann er sicher sein, daß sich sein Aufstieg ins höhere Leben gefahrlos für alles das vollzieht, was man gewöhnlich Gesundheit und Leben nennt. – Vor allen Dingen darf keine Disharmonie aufkommen zwischen den höheren Erlebnissen und den Vorgängen und Anforderungen des alltäglichen Lebens. Des Menschen Aufgabe ist durchaus auf dieser Erde zu suchen. Und wer den Aufgaben auf dieser Erde sich entziehen und in eine andere Welt flüchten will, der mag sicher sein, daß er sein Ziel nicht erreicht. – Aber was die Sinne wahrnehmen, ist nur ein Teil der Welt. Und im Geistigen liegen die Wesenheiten, welche sich in den Tatsachen der sinnlichen Welt ausdrücken. Man soll teilhaftig werden des Geistes, damit man seine Offenbarungen in die Sinneswelt hineintragen kann. Der Mensch gestaltet die Erde um, indem er ihr einpflanzt, was er von dem Geisterlande her erkundet. Darinnen liegt seine Aufgabe. Nur weil die sinnliche Erde von der geistigen Welt abhängt, weil man wahrhaftig auf der Erde nur wirken kann, wenn man Teilhaber an jenen Welten ist, in denen die schaffenden Kräfte verborgen sind, deshalb soll man zu diesen letzteren aufsteigen wollen. Tritt man mit dieser Gesinnung an die Geheimschulung heran und weicht man keinen Augenblick von der dadurch vorgezeichneten Richtung ab, dann hat man nicht die allergeringsten Gefahren zu befürchten. Niemand sollte sich von den in Aussicht stehenden Gefahren von der Geheimschulung abhalten lassen; für einen jeden aber sollte diese Aussicht eine strenge Aufforderung sein, sich durchaus jene Eigenschaften anzueignen, welche der wahre Geheimschü1er haben soll.

[ 5 ] Nach diesen Voraussetzungen, die wohl alles Schreckhafte beseitigen, soll nun hier an die Schilderung einiger sogenannter «Gefahren» geschritten werden. Große Veränderungen gehen allerdings mit den obengenannten feineren Leibern beim Geheimschüler vor sich. Solche Veränderungen hängen mit gewissen Entwickelungsvorgängen der drei Grundkräfte der Seele, mit Wollen, Fühlen und Denken zusammen. Diese drei Kräfte stehen vor der Geheimschulung des Menschen in einer ganz bestimmten, durch höhere Weltgesetze geregelten Verbindung. Nicht in beliebiger Weise will, fühlt oder denkt der Mensch. Wenn zum Beispiel eine bestimmte Vorstellung im Bewußtsein auftaucht, so schließt sich an sie nach natürlichen Gesetzen ein gewisses Gefühl oder es folgt auf sie ein gesetzmäßig mit ihr zusammenhängender Willensentschluß. Man betritt ein Zimmer, findet es dumpfig und öffnet die Fenster. Man hört seinen Namen rufen und folgt dem Rufe. Man wird gefragt und gibt Antwort. Man sieht ein übelriechendes Ding und bekommt ein Gefühl von Unlust. Das sind einfache Zusammenhänge zwischen Denken, Fühlen und Wollen. Wenn man aber das menschliche Leben überschaut, so wird man finden, daß sich alles in diesem Leben auf solche Zusammenhänge aufbaut. Ja, man bezeichnet das Leben eines Menschen nur dann als ein «normales», wenn man in demselben eine solche Verbindung von Denken, Fühlen und Wollen bemerkt, die in den Gesetzen der menschlichen Natur begründet liegt. Man fände es diesen Gesetzen widersprechend, wenn ein Mensch zum Beispiel beim Anblick eines übelriechenden Gegenstandes ein Lustgefühl empfände oder wenn er auf Fragen nicht antwortete. Die Erfolge, die man sich von einer richtigen Erziehung oder einem angemessenen Unterricht verspricht, beruhen darauf, daß man voraussetzt, man könne eine der menschlichen Natur entsprechende Verbindung zwischen Denken, Fühlen und Wollen beim Zögling herstellen. Wenn man diesem gewisse Vorstellungen beibringt, so tut man es in der Annahme, daß sie später mit seinen Gefühlen und Willensentschlüssen in gesetzmäßige Verbindungen eingehen. – Alles das rührt davon her, daß in den feineren Seelenleibern des Menschen die Mittelpunkte der drei Kräfte, des Denkens, Fühlens und Wollens, in einer gesetzmäßigen Art miteinander verbunden sind. Und diese Verbindung in dem feineren Seelenorganismus hat auch ihr Abbild in dem groben physischen Körper. Auch in diesem stehen die Organe des Wollens in einer gewissen gesetzmäßigen Verbindung mit denen des Denkens und Fühlens. Ein bestimmter Gedanke ruft regelmäßig daher ein Gefühl oder eine Willenstätigkeit hervor. – Bei der höheren Entwickelung des Menschen werden nun die Fäden, welche die drei Grundkräfte miteinander verbind~n, unterbrochen. Zuerst geschieht diese Unterbrechung nur in dem charakterisierten feineren Seelenorganismus; bei noch höherem Aufstieg aber erstreckt sich die Trennung auch auf den physischen Körper. (Es zerfällt bei der höheren geistigen Entwickelung des Menschen tatsächlich zum Beispiel sein Gehirn in drei voneinander getrennte Glieder. Die Trennung ist allerdings eine solche, daß sie für die gewöhnliche sinnliche Anschauung nicht wahrnehmbar und auch durch die schärfsten sinnlichen Instrumente nicht nachweisbar ist. Aber sie tritt ein, und der Hellseher hat Mittel, sie zu beobachten. Das Gehirn des höheren Hellsehers zerfällt in drei selbständig wirkende Wesenheiten: das Denk-, Fühl- und Willensgehirn.)

[ 6 ] Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens stehen sodann ganz frei für sich da. Und ihre Verbindung wird nunmehr durch keine ihnen selbst eingepflanzten Gesetze hergestellt, sondern muß durch das erwachte höhere Bewußtsein des Menschen selbst besorgt werden. – Das ist nämlich die Veränderung, welche der Geheimschüler an sich bemerkt, daß kein Zusammenhang zwischen einer Vorstellung und einem Gefühl oder einem Gefühl und einem Willensentschluß und so weiter sich einstellt, wenn er nicht selbst einen solchen schafft. Kein Antrieb führt ihn von einem Gedanken zu einer Handlung, wenn er diesen Antrieb nicht frei in sich bewirkt. Er kann nunmehr völlig gefühllos vor einer Tatsache stehen, die ihm vor seiner Schulung glühende Liebe oder ärgsten Haß eingeflößt hat; er kann untätig bleiben bei einem Gedanken, der ihn vorher zu einer Handlung wie von selbst begeistert hat. Und er kann Taten verrichten aus Willensentschlüssen heraus, für welche bei einem nicht durch die Geheimschulung hindurchgegangenen Menschen auch nicht die geringste Veranlassung vorliegt. Die große Errungenschaft, welche dem Geheimschüler zuteil wird, ist, daß er die vollkommene Herrschaft erlangt über das Zusammenwirken der drei Seelenkräfte; aber dieses Zusammenwirken wird dafür auch vollständig in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt.

[ 7 ] Erst durch diese Umwandlung seines Wesens kann der Mensch in bewußte Verbindung treten mit gewissen übersinnlichen Kräften und Wesenheiten. Denn es haben seine eigenen Seelenkräfte zu gewissen Grundkräften der Welt entsprechende Verwandtschaft. Die Kraft zum Beispiel, die im Willen liegt, kann auf bestimmte Dinge und Wesenheiten der höheren Welt wirken und diese auch wahrnehmen. Aber sie kann das erst dann, wenn sie frei geworden ist von ihrer Verbindung mit dem Fühlen und Denken innerhalb der Seele. Sobald diese Verbindung gelöst ist, tritt die Wirkung des Willens nach außen hervor. Und so ist es auch mit den Kräften des Denkens und Fühlens. Wenn mir ein Mensch ein Haßgefühl zusendet, so ist dieses für den Hellseher sichtbar als eine feine Lichtwolke von bestimmter Färbung. Und ein solcher Hellseher kann dieses Haßgefühl abwehren, wie der Sinnesmensch einen physischen Schlag abwehrt, der gegen ihn geführt wird. Der Haß wird in der übersinnlichen Welt eine anschaubare Erscheinung. Aber nur dadurch kann ihn der Hellseher wahrnehmen, daß er die Kraft, die in seinem Gefühle liegt, nach außen zu senden vermag, wie der Sinnesmensch die Empfänglichkeit seines Auges nach außen richtet. Und so wie mit dem Haß ist es mit weit bedeutungsvolleren Tatsachen der sinnlichen Welt. Der Mensch kann mit ihnen in bewußten Verkehr treten durch die Freilegung der Grundkräfte seiner Seele.

[ 8 ] Durch die geschilderte Trennung der Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens ist nun, bei Außerachtlassung der geheimwissenschaftlichen Vorschriften, eine dreifache Verirrung auf dem Entwickelungsgange des Menschen möglich. Eine solche kann eintreten, wenn die Verbindungsbahnen zerstört werden, bevor das höhere Bewußtsein mit seiner Erkenntnis so weit ist, daß es die Zügel, die ein freies harmonisches Zusammenwirken der getrennten Kräfte herstellen, ordentlich zu führen vermag. – Denn in der Regel sind nicht alle drei Grundkräfte des Menschen in einem bestimmten Lebensabschnitt gleich weit in ihrer Entwickelung vorgeschritten. Bei dem einen Menschen ist das Denken dem Fühlen und Wollen vorangeschritten, bei einem zweiten hat eine andere Kraft die Oberhand über ihre Genossen. Solange nun der durch die höheren Weltgesetze hergestellte Zusammenhang der Kräfte aufrechterhalten bleibt, kann durch das Hervorstechen der einen oder der anderen keine im höheren Sinne störende Unregelmäßigkeit eintreten. Beim Willensmenschen zum Beispiel wirken Denken und Gefühl durch jene Gesetze doch ausgleichend, und sie verhindern, daß der überwiegende Wille in besondere Ausartungen verfällt. Tritt ein solcher Willensmensch aber in die Geheimschulung ein, so hört der gesetzmäßige Einfluß von Gefühl und Gedanke auf den zu ungeheuren Kraftleistungen unausgesetzt drängenden Willen vollständig auf. Ist dann der Mensch in der vollkommenen Beherrschung des höheren Bewußtseins nicht so weit, daß er selbst die Harmonie hervorrufen kann, so geht der Wille seine eigenen zügellosen Wege. Er überwältigt fortwährend seinen Träger. Gefühl und Denken fallen einer vollkommenen Machtlosigkeit anheim; der Mensch wird durch die ihn sklavisch beherrschende Willensmacht gepeitscht. Eine Gewaltnatur, die von einer zügellosen Handlung zur anderen schreitet, ist entstanden. – Ein zweiter Abweg entsteht, wenn das Gefühl in einer maßlosen Art sich von den gesetzmäßigen Zügeln befreit. Eine zur Verehrung anderer Menschen neigende Person kann sich dann in grenzenlose Abhängigkeit bis zum Verluste jedes eigenen Willens und Gedankens begeben. Statt höherer Erkenntnis ist dann die erbarmungswürdigste Aushöhlung und Kraftlosigkeit das Los einer solchen Persönlichkeit. – Oder es kann bei solch überwiegendem Gefühlsleben eine zu Frömmigkeit und religiöser Erhebung neigende Natur in eine sie ganz hinreißende Religionsschwelgerei verfallen. – Das dritte Übel bildet sich, wenn das Denken überwiegt. Dann tritt eine lebensfeindliche, in sich verschlossene Beschaulichkeit auf. Für solche Menschen scheint dann die Welt nur mehr insoweit Bedeutung zu haben, als sie ihnen Gegenstände liefert zur Befriedigung ihrer ins Grenzenlose gesteigerten Weisheitsgier. Sie werden durch keinen Gedanken zu einer Handlung oder einem Gefühl angeregt. Sie treten überall als teilnahmslose, kalte Naturen auf. Jede Berührung mit Dingen der alltäglichen Wirklichkeit fliehen sie wie etwas, das ihnen Ekel erregt oder das wenigstens für sie alle Bedeutung verloren hat.

[ 9 ] Das sind die drei Irrpfade, auf welche der Geheimschüler geraten kann: das Gewaltmenschentum, die Gefühlsschwelgerei, das kalte lieblose Weisheitsstreben. Für eine äußerliche Betrachtungsweise – auch für die materialistische der Schulmedizin – unterscheidet sich das Bild eines solchen auf Abwegen befindlichen Menschen, vor allen Dingen dem Grade nach, nicht viel von demjenigen eines Irrsinnigen oder wenigstens einer schwer «nervenkranken Person». Ihnen darf natürlich der Geheimschüler nicht gleichen. Es kommt bei ihm darauf an, daß Denken, Fühlen, Wollen, die drei Grundkräfte der Seele, eine harmonische Entwickelung durchgemacht haben, bevor sie aus der ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst und dem erwachten höheren Bewußtsein unterstellt werden können. – Denn ist einmal der Fehler geschehen, ist eine Grundkraft der Zügellosigkeit anheimgefallen, so tritt die höhere Seele zunächst als eine Fehlgeburt zutage. Die ungebändigte Kraft füllt dann die ganze Persönlichkeit des Menschen aus; und für lange ist nicht daran zu denken, daß alles wieder ins Gleichgewicht kommt. Was als eine harmlose Charakterveranlagung erscheint, solange der Mensch ohne Geheimschulung ist, nämlich ob er eine Willens-, Gefühls- oder Denkernatur ist, das steigert sich beim Geheimschüler so, daß sich das zum Leben notwendige Allgemeinmenschliche demgegenüber ganz verliert. – Zu einer wirklich ernsten Gefahr wird das allerdings erst in dem Augenblicke, in welchem der Schüler die Fähigkeit erlangt, Erlebnisse wie im Schlafbewußtsein so auch im wachen Zustande vor sich zu haben. Solange es bei der bloßen Erhellung der Schlafpausen verbleibt, wirkt während des Wachzustandes das von den allgemeinen Weltgesetzen geregelte Sinnesleben immer wieder ausgleichend auf das gestörte Gleichgewicht der Seele zurück. Deshalb ist es so notwendig, daß das Wachleben des Geheimschülers in jeder Richtung ein regelmäßiges, gesundes sei. Je mehr er den Anforderungen entspricht, welche die äußere Welt an eine gesunde, kräftige Gestaltung von Leib, Seele und Geist stellt, desto besser ist es für ihn. Schlimm dagegen kann es für ihn werden, wenn das alltägliche Wachleben aufregend oder aufreibend auf ihn wirkt, wenn also zu den größeren Veränderungen, die in seinem Inneren vorgehen, irgendwelche zerstörende oder hemmende Einflüsse des äußeren Lebens hinzutreten. Er soll alles aufsuchen, was seinen Kräften entsprechend ist und was ihn in ein ungestörtes, harmonisches Zusammenleben mit seiner Umgebung hineinbringt. Und er soll alles vermeiden, was dieser Harmonie Eintrag tut, was Unruhe und Hast in sein Leben bringt. Dabei kommt es weniger darauf an, diese Unruhe und Hast sich in einem äußerlichen Sinne abzuwälzen, als vielmehr darauf, zu sorgen, daß die Stimmung, die Absichten und Gedanken und die Gesundheit des Leibes darunter nicht fortwährenden Schwankungen ausgesetzt werden. – All das fällt dem Menschen während seiner Geheimschulung nicht so leicht wie vorher. Denn die höheren ErJehnisse, die nunmehr in sein Leben hineinspielen, wirken ununterbrochen auf sein ganzes Dasein. Ist innerhalb dieser höheren Erlebnisse etwas nicht in Ordnung, so lauert die Unregelmäßigkeit unausgesetzt und kann ihn bei jeder Gelegenheit aus den geordneten Bahnen herauswerfen. Deshalb darf der Geheimschüler nichts unterlassen, was ihm stets die Herrschaft über sein ganzes Wesen sichert. Nie sollte ihm Geistesgegenwart oder ein ruhiges Überblicken aller in Betracht kommenden Situationen des Lebens mangeln. Aber eine echte Geheimschulung erzeugt im Grunde alle diese Eigenschaften durch sich selbst. Und man lernt während einer solchen die Gefahren nur kennen, indem man zugleich in den richtigen Augenblicken die volle Macht erlangt, sie aus dem Felde zu schlagen.

Versions Available:

Knowledge of Higher Worlds and its Attainment 1947, tr. George Metaxa, rev. Henry B. Monges
  1. Initiation and Its Results 1909, tr. Max Gysi
  2. How to Gain Knowledge of the Higher Worlds, Steiner Online Library
  3. Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten, 24th ed.

VIII. The Splitting of the Human Personality During Spiritual Training

[ 1 ] During sleep no impressions are conveyed to the human soul through the instrumentality of the physical sense-organs. The impressions from the ordinary outer world do not find their way to the soul when in that condition. In certain respects the soul is actually outside the part of the human being—the so-called physical body—which in waking life is the medium for sense perceptions and thought. The soul is then only connected with the finer bodies (the etheric body and the astral body), which are beyond the scope of physical sense observation. But the activity of these finer bodies does not cease during sleep. Just as the physical body is connected and lives with the things and beings of the physical world, affecting them and being affected by them, so, too, does the soul live in a higher world; only, this life of the soul continues also during sleep. The soul is in full activity during sleep, but we can know nothing of this activity so long as we have no spiritual organs of perception through which to observe what is going on around us and see what we ourselves are doing during sleep, as we observe our daily physical environment with our ordinary senses. The preceding chapters have shown that esoteric training consists in the development of such spiritual sense organs. [ 2 ] Now if, as a result of esoteric training, the student's life during sleep is transformed in the manner described in the foregoing chapter, he will, when in that condition, be able to follow consciously everything going on around him. He can at will find his way in his environment as he could, when awake, with his ordinary senses. It should here be noted that a higher degree of clairvoyance is required for the higher perception of ordinary physical environment. This was indicated in the last chapter. In the initial stages of his development the student perceives things pertaining to another world without being able to discern their connection with the objects of his daily physical environment.

[ 3 ] These characteristics of life during sleep or in dreams illustrate what is continually taking place in the human being. The soul lives in uninterrupted activity in the higher worlds, even gathering from them the impulse to act upon the physical body. Ordinarily unconscious of his higher life, the esoteric student renders himself conscious of it, and thereby his whole life becomes transformed. As long as the soul remains unseeing in the higher sense it is guided by superior cosmic beings. And just as the life of a person born blind is changed, through a successful operation, from its previous dependence on a guide, so too is the life of a person changed through esoteric training. He outgrows the principle of being guided by a master and must henceforward undertake to be his own guide. The moment this occurs he is, of course, liable to commit errors totally unknown to ordinary consciousness. He acts now from a world from which, formerly, higher powers unknown to him influenced him. These higher powers are directed by the universal cosmic harmony. The student withdraws from this cosmic harmony, and must now himself accomplish things which were hitherto done for him without his co-operation.

[ 4 ] It is for this reason that so much is found in books dealing with these matters concerning the dangers connected with the ascent into higher worlds. The descriptions sometimes given of these dangers may well make timid souls shudder at the prospect of this higher life. Yet the fact is that dangers only arise when the necessary precautions are neglected. If all the measures counseled by true esoteric science are adopted, the ascent will indeed ensue through experiences surpassing in power and magnitude everything the boldest flights of sense-bound fantasy can picture; and yet there can be no question of injury to health or life. The student meets with horrible powers threatening life at every turn and from every side. It will even be possible for him to make use of certain forces and beings existing beyond physical perception, and the temptation is great to control these forces for the furtherance of personal and forbidden interests, or to employ them wrongly out of a deficient knowledge of the higher worlds. Some of these especially important experiences, for instance, the meeting with Guardian of the Threshold, will be described in the following chapters. Yet we must realize that the hostile powers are none the less present, even though we know nothing of them. It is true that in this case their relation to man is ordained by higher power, and that this relation alters when the human being consciously enters this world hitherto concealed from him. But at the same time his own existence is enhanced and the circle of his life enriched by a great and new field of experience. A real danger can only arise if the student, through impatience or arrogance, assumes too early a certain independence with regard to the experiences of the higher worlds; if he cannot wait to gain really sufficient insight into the supersensible laws. In these spheres, modesty and humility are far less empty words than in ordinary life. If the student possesses these qualities in the very best sense he may be certain that his ascent into the higher life will be achieved without danger to all that is commonly called health and life. Above all things, no disharmony must ensue between the higher experiences and the events and demands of every-day life. Man's task must be entirely sought for on this earth, and anyone desiring to shirk his earthly task and to escape into another world may be certain he will never reach his goal. Yet what the senses perceive is only part of the world, and it is in the spirit world that the beings dwell who express themselves in the facts of the physical world. Man must become a partaker of the spirit in order to carry its revelations into the physical world. He transforms the earth by implanting in it what he has ascertained in the spiritual world. That is his task. It is only because the physical world is dependent upon the spiritual, and because man can work upon earth, in a true sense, only if he is a participator in those worlds in which the creative forces lie concealed—only for these reasons should he have the desire to ascend to the higher worlds. No one approaching esoteric training with these sentiments, and resolved not to deviate for a moment from these prescribed directions, need fear the slightest danger. No one should allow the prospect of these dangers to deter him from esoteric training; it should rather act as a strong challenge to one and all to acquire those faculties which every true esoteric student must possess.

[ 5 ] After these preliminary observations that should dispel any element of terror, a description of some of the so-called dangers will be given. It is true that great changes take place in the student's finer bodies, as described above. These changes are connected with certain processes in the development of the three fundamental forces of the soul, with willing, feeling, and thinking. Before esoteric training, these forces are subject to a connection ordained by higher cosmic laws. Man's willing, feeling and thinking are not arbitrary. A particular idea arising in the mind is attended by a particular feeling, according to natural laws; or it is followed by a resolution of the will in equally natural sequence. We enter a room, find it stuffy, and open the window. We hear our name called and follow the call. We are questioned and we answer. We perceive an ill-smelling object and experience a feeling of disgust. These are simple connections between thinking, feeling, and willing. When we survey human life we find that everything is built up on such connections. Indeed, life is not termed normal unless such a connection, founded on the laws of human nature, is observed between thinking, feeling and willing. It would be found contrary to these laws if the sight of an ill-smelling object gave anyone pleasure, or if anyone, on being questioned, did not answer. The success anticipated from a right education or fitting instruction is based upon the presumption that a connection between thinking, feeling, and willing, corresponding to human nature, can be established in the pupil. Certain ideas are conveyed to him on the assumption that they will be associated, in regular fashion, with his feelings and volitions.

All this arises from the fact that in the finer soul-vehicles of man the central points of the three forces—thinking, feeling and willing—are connected with each other according to laws. This connection in the finer soul organism has its counterpart in the coarser physical body. In the latter, too, the organs of will are connected according to laws with those of thinking and feeling. A particular thought, therefore, inevitably evokes a feeling or an activity of will. In the course of higher development, the threads interconnecting the three fundamental forces are severed. At first this severance occurs only within the finer soul organism, but at a still higher stage the separation extends also to the physical body. It is a fact that in higher spiritual development the brain divides into three separate parts. This separation is not physically perceptible in the ordinary way, nor can it be demonstrated by the keenest instruments. Yet it occurs, and the clairvoyant has means of observing it. The brain of the higher clairvoyant divides into three independently active entities: The thought-brain, the feeling-brain, and the will-brain.

[ 6 ] Thus the organs of thinking, feeling, and willing become individualized; their connection henceforth is not maintained by laws inherent in themselves, but must be managed by the awakened higher consciousness of the individual. This, then, is the change which the student observes coming over him: that no connection arises of itself between an idea and a feeling or a will-impulse, unless he himself provides one. No impulse urges him from thought to action unless he himself in freedom give rise to this impulse. He can henceforth confront, devoid of feeling, a fact which before his training would have filled him with glowing love or bitter hatred; and he can remain impassive at the thought which formerly would have spurred him on to action, as though of its own accord. He can perform actions through resolutions of the will for which there is not the slightest reason for anyone not having undergone esoteric training. The student's great achievement is the attainment of complete mastery over the combined activity of the three soul forces; but at the same time the responsibility for this activity is placed entirely in his own hands.

[ 7 ] It is only through this transformation of his being that the student can enter consciously into relation with certain supersensible forces and beings, for his own soul forces are related to certain fundamental forces of the world. The force, for instance, inherent in the will can affect definite things and the beings of the higher worlds, and also perceive them; but it can only do so when liberated from its connection with thinking and feeling within the soul. The moment this connection is severed, the activity of the will can be exteriorized. The same applies to the forces of thinking and feeling. A feeling of hatred sent out by a person is visible to the clairvoyant as a fine luminous cloud of special coloring; and the clairvoyant can ward off this feeling of hatred, just as an ordinary person wards off a physical blow that is aimed at him. In the supersensible world, hatred becomes a visible phenomenon, but the clairvoyant can only perceive it in so far as he is able to project outwards the force lying in his feeling, just as the ordinary person directs outwards the receptive faculty of his eye. And what is said of hatred applies also to far more important phenomena of the physical world. The student can enter into conscious intercourse with them, thanks to the liberation of the fundamental forces of his soul.

[ 8 ] Through the separation of the forces of thinking, feeling, and willing, the possibility of a three-fold aberration arises for anyone neglecting the injunctions given by esoteric science. Such an aberration can occur if the connecting threads are severed before the higher consciousness is sufficiently advanced to hold the reins and guide properly the separated forces into free and harmoniously combined activity. For as a rule, the three human soul-forces are not equally advanced in their development at any given period of life. In one person, thinking is ahead of feeling and willing; in a second, another soul-force has the upper hand over its companions. As long as the connection between the soul-forces is maintained as established by higher cosmic laws, no injurious irregularity, in a higher sense, can occur through the predominance of one force or another. Predominating will, for instance, is prevented by the leveling influence of thinking and feeling from lapsing into any particular excesses. When, however, a person of such predominating will undertakes esoteric training, feeling and thinking cease to exert their regular influence on the will when the latter constantly presses on to great exertions of power If, then, such a person is not sufficiently advanced to control completely the higher consciousness and himself restore harmony, the will pursues its own unbridled way, continually overpowering its possessor. Feeling and thought lapse into complete impotence; the individual is scourged by his over-mastering will. A violent nature is the result, rushing from one unbridled action to another.

A second deviation occurs when feeling unduly shakes off its proper control. A person inclined to the revering of others may then diverge into unlimited dependence, to the extent of losing all personal will and thoughts. Instead of higher knowledge, the most pitiful vacuity and feebleness would become such a person's lot. Or, in the case of such inordinate predominance of the feeling life, a person with an inclination toward religious devotion can sink into the most degenerate welter.

The third evil is found when thought predominates, resulting in a contemplative nature, hostile to life and locked up within itself. The world, for such people, has no further importance save that it provides them with objects for satisfying their boundless thirst for wisdom. No thought ever moves them to an action or a feeling. They appear everywhere as cold and unfeeling creatures. They flee from every contact with the things of ordinary life as though from something exciting their aversion, or which, at any rate, had lost all meaning for them.

[ 9 ] These are the three ways of error into which the student can stray: (1) exuberant violence of will, (2) sentimental emotionalism, and (3) cold, loveless striving for wisdom. For outward observation, and also from the ordinary (materialistic) medical standpoint, anyone thus gone astray is hardly distinguishable (especially in degree) from an insane or, at least, a highly neurasthenic person. Of course, the student must not resemble these. It is essential for him that the three fundamental soul-forces, thinking, feeling, and willing, should have undergone harmonious development before being released from their inherent connection and subordinated to the awakened higher consciousness. For once a mistake is made and one of the soul-forces falls a prey to unbridled excess, the higher soul comes into existence as a miscarriage. The unrestrained force pervades the individual's entire personality, and for a long time there can be no question of the balance being restored. What appears to be a harmless characteristic as long as its possessor is without esoteric training, namely, a predominance of thinking or feeling or willing, is so intensified in an esoteric student that the universally human element, indispensable for life, becomes obscured.

Yet a really serious danger cannot threaten the student until he has acquired the ability to include in his waking consciousness the experiences forthcoming during sleep. As long as there is only the question of illumination of the intervals of sleep, the life of the senses, regulated by universal cosmic laws, reacts during the waking hours on the disturbed equilibrium of the soul, tending to restore the balance. That is why it is so essential that the waking life of the student should be in every respect regular and healthy. The more capable he is of meeting the demands made by the outer world upon a healthy, sound constitution of body, soul, and spirit, the better it is for him. On the other hand, it may be very bad for him if his ordinary waking life affects him in an exciting or irritating way, that is, if destructive or hampering influences of outer life affect him in addition to the great changes taking place in his inner self. He must seek to find everything corresponding to his powers and faculties which can lead him into undisturbed, harmonious communion with his surroundings, while avoiding everything detrimental to this harmony—everything that brings unrest and feverish haste into his life. And here it is not so much a question of casting off this unrest and haste in an external sense, but much more of taking care that thoughts, feelings, intentions, and bodily health are not thereby exposed to continual fluctuation. All this is not so easy for the student to accomplish as it was before esoteric training, for the higher experiences now playing into his life act upon his entire existence. Should anything within these higher experiences not be as it should, the irregularity continues lying in wait for him and may at every turn throw him off the right path. For this reason the student should omit nothing which can secure for him unfailing mastery over his whole being. He should never be found wanting in presence of mind or in calm penetration of all situations of life. In the main, a genuine esoteric training gives rise of itself to all these qualities, and as it progresses the student only becomes acquainted with the dangers while simultaneously and at the right moment acquiring the full power to rout them from the field.