Der Seelen Erwachen
GA 14
Zweites Bild
Gebirgslandschaft; im Hintergrund das Haus Hilarius’, das in der Nähe des Werkes gedacht ist. Doch wird das Werk nicht gesehen. Ein Wasserfall auf der rechten Seite.
Johannes:
Der hingetürmten Formen schweigsam Sein,
es füllt den Raum, gestaltend weite Rätsel;
es tötet nicht mit Fragepein die Seele,
die nicht erkennen, die nur lebend selig
des Daseins Offenbarung schauen will.
Um diese Felsen dieses Lichtesweben,
der kahlen Flächen stummes Dasein dort,
die Wälder, grün in blau verdämmernd hier;
dies ist die Welt, in der Johannes’ Seele
sich Zukunftbilder webend, weilen will.
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Johannes’ Seele soll in sich erfühlen
die Tiefen und die Weiten dieser Welt.
Und Schöpfermächte sollen dieser Seele
die Kraft entbinden, die den Weltenzauber
als kunst-verklärten Schein den Herzen kündet.
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Doch nie vermöcht’ Johannes dies, wenn nicht
Maria seiner Seele Kräfte liebend
durch ihre milde Seelenwärme weckte.
Des Schicksals weise Führung muß ich preisen,
das diesem Menschen mich so nah gebracht.
Wie kurz ist doch die Zeit erst, seit ich sie
an meiner Seite weiß; wie innig banden
die wenig Wochen meiner Seele
mir ihrer Seele schon zur Lebenseinheit.
Sie lebt als Geist in mir, auch wenn sie fern;
Sie denkt in meinem Denken, wenn ich mir
des Wollen Ziele vor die Seele rufe.
(Maria erscheint wie ein Gedanke des Johannes.)
Johannes (fortfahrend):
Maria hier vor mir? Und wie ist sie ‒ ?
Sie darf nicht so vor mir sich offenbaren;
dies geistig strenge Antlitz – diese Würde,
die irdisch Fühlen frösteln macht – es will –
es kann – Johannes so Maria nicht
in seiner Nahe schauen – dies kann nicht
Maria sein, die weise Mächte mir
in milder Schicksalsfügung zugeführt.
(Maria verschwindet aus Johannes’ Schauen.)
Wo ist Maria, die Johannes liebte,
als sie noch nicht die Seele ihm verwandelt
und sie in kalte Geisteshöhn geführt?
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Doch auch Johannes, der Maria liebte,
wo ist er jetzt ‒ ? er war noch eben hier ‒.
Ich schau nicht mehr Johannes, der mich mir
so selig wiedergab – es kann, es soll
mir nicht Vergangenheit ihn grausam rauben!
(Maria wird für Johannes’ Schauen wieder sichtbar.)
Maria:
Maria, so wie du sie schauen willst,
ist sie in Welten nicht, wo Wahrheit leuchtet.
In Truges Reichen webt Johannes’ Geist
vom Seelenwahn verführt; – befreie dich
von Wunschesmächten, welche dich verlocken.
Ich fühle deinen Seelensturm in mir;
er raubt die Ruhe mir, der ich bedarf.
Es ist Johannes nicht, der solchen Sturm
in meine Seele lenkt, ein Wesen ist’s,
das er in sich vor Zeiten schon besiegt.
Als Wahn durcheilt es jetzt die Geistesweiten ‒;
erkenn’ es, und es wird als Nichts verstieben.
Johannes:
Das ist Maria, wie sie wahrhaft ist,
und von Johannes redet sie, wie er
in dieser Zeit auch wirklich sich erscheint.
Der hat sich längst zu anderm Sein erhoben,
als mir des Traumes Gaukelspiel jetzt malt,
weil ich in träger Ruhe meine Seele
in sich behaglich dämmern lassen will.
Doch noch besitzt dies Sein mein Wesen nicht.
Ich kann ihm noch entfliehn – und will es jetzt. ‒
es ruft mich oft zu sich, es will mich dann
mit seinen Kräften ganz für sich gewinnen ‒ ‒;
doch treibt es mich, von ihm mich zu befreien.
Es hat seit Jahren schon mit Geistessein
in meiner Seele Tiefen mich erfüllt;
und doch – ich will in mir es jetzt nicht wissen.
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Du fremdes Wesen in Johannes’ Seele
verlaß mich, ‒ gib mich mir, wie ich einst war,
als du noch nicht in mir dich wirksam wiesest.
Ich will Johannes schauen ohne dich. ‒
(Benedictus erscheint an Marias Seite; ebenfalls als Gedanke des Johannes.)
Benedictus:
Johannes, höre deiner Seele Mahnung;
Der Mensch, der geistig dich erfüllend, dir
als deines Wesens Urgewalt erstanden,
er muß an deiner Seite treulich walten,
und von dir fordern, deines Wesens Kräfte
in deinem Wollen menschlich zu erschaffen.
Er muß verborgen in dir selber wirken,
daß du einst werden magst, was du als Ziel
des eignen Wesens fern in Zukunft weißt.
Du sollst die eignen Sorgen fest verschlossen
im Seelen-Innern mit durchs Leben tragen.
Du selbst gewinnst dich nur, wenn du von ihm
dich mutig willst stets mehr besitzen lassen.
Maria (als Gedanke von Johannes geschaut):
Mein heilig ernst Gelöbnis strahlet Kraft,
der dir erhalten soll, was du errungen.
Du findest mich in kalten Eisgefilden,
wo Geister sich das Licht erschaffen müssen,
wenn Finsternisse Lebenskräfte lähmen. ‒ ‒ ‒
In Weltengründen suche mich, wo Seelen
das Götterfühlen sich erkämpfen müssen
durch Siege, die vom Nichts das Sein ertrotzen.
Doch nimmer suche mich im Schattenreich,
wo abgelebtes Seelenleben sich
aus Wahneswesen flüchtig Sein erlistet
und Traumesgaukelspiel den Geist umspinnt,
weil er genießend sich vergessen will,
und Ernst ihm unbehaglich scheinen kann.
(Benedictus und Maria verschwinden.)
Johannes:
Sie spricht von Wahn ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ doch schön ist dieser Wahn.
Er lebt; Johannes fühlt in ihm sich selbst,
er fühlt Marias Nähe auch in ihm. ‒
Johannes will nicht wissen, wie der Geist
in dunklen Seelentiefen Rätsel löst.
Doch schaffen will er, will als Künstler wirken.
So bleibe ihm verborgen, was in ihm
bewußt nur Weltenhöhen schauen möchte.
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
(Er versinkt in weiteres Sinnen.)
(Capesius erhebt sich von seinem Sitze; rüttelt sich wie aus tiefem Sinnen auf.)
Capesius:
Erlebt’ ich nicht in eigner Seele klar,
was in Johannes, der so träumend sinnt,
als Bilder seiner Sehnsucht sich erschafft?
Gedanken flammten mir im Innern auf,
die nicht aus mir; – ‒ die er nur wirken konnte.
Es lebte seiner Seele Sein in meiner. – –
Verjüngt erblickt’ ich ihn, wie er sich selbst
durch Geisteswahn erschaut, und frevelhaft
die reifen Früchte seines Geistes schalt. – ‒
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Doch wie ! – warum erlebe ich dies jetzt?
Nur selten darf der Geistesforscher doch
Der andern Seelen Sein in sich erschauen! –
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Ich konnte oft von Benedictus hören,
daß dies nur der vermag – für kurze Zeit, –
der gnädig ausersehn vom Schicksal ist,
um eine Stufe auf dem Geistespfad
erhöht zu werden. – ‒ Darf ich so mir deuten,
was mich in diesem Augenblicke trifft?
Was selten – wahrlich nur geschehen darf;
denn furchtbar wär’s, könnt’ jederzeit der Seher
belauschen andrer Seelen Innensein.
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Ob ich die Wahrheit schaute – ob ein Wahn
von anderm Seelensein mich träumen ließ?
Ich muß es von Johannes selbst erfahren.
(Capesius nähert sich Johannes und wird jetzt von diesem bemerkt.)
Johannes:
Capesius – ich dacht’ Euch fern von hier!
Capesius:
Doch meine Seele fühlte sich Euch nahe.
Johannes:
Mir nah – in diesem Augenblick – doch nicht!
Capesius:
Warum doch schaudert Euch bei diesem Wort?
Johannes:
O nein, mir schaudert nicht – ‒ ‒
(In diesem Augenblick tritt Maria hinzu; dieses macht möglich, daß sowohl Johannes seine nächsten Worte, wie auch Capesius die seinigen, für sich sprechen können.)
Johannes (für sich):
– ‒ ‒ sein Blick, er trifft
in meiner Seelen Tiefen wahrhaft mich.
Capesius (für sich):
Sein Schaudern zeigt mir, daß ich wahr geschaut.
(Capesius wendet sich nun an Maria.)
Maria, Ihr erscheint zur rechten Zeit.
Es bringt vielleicht mir Euer Wort die Lösung
des ernsten Rätsels, das mich schwer bedrückt!
Maria:
Nicht Euch – ich dacht’ Johannes hier zu finden.
Die Ahnung ließ des Rätsels Last bei ihm
mich suchen; ‒ Euch jedoch wähnt’ ich befriedigt,
dem schönen Wirkensziele hingegeben,
das uns Hilarius erschließen will.
Capesius:
Dies Ziel – was soll es mir – es stört mich jetzt. –
Maria:
Es stört Euch? – zeigtet Ihr Euch nicht beglückt,
seit eurem Hoffen solcher Inhalt ward?
Capesius:
Was ich erlebt in dieser Schicksalsstunde,
es ändert meiner Seele Richtung ganz.
Es müßte jede Erdenwirksamkeit
erwachter Seherkräfte mich berauben.
Maria:
Wer Geistespfade hat beschreiten dürfen,
erlebt so mancher Schicksalszeichen Winke. –
Es wird auf Seelenwegen ihnen folgen,
doch könnten sie nicht recht gedeutet sein,
wenn sie die wahren Erdenpflichten stören.
(Capesius setzt sich: verfällt in tiefes Sinnen,
währenddessen Maria die Erscheinung Lucifers hat.)
Lucifer:
Dein Mühen wird dir wenig Früchte bringen.
In seinem Herzen regen Kräfte sich,
die mir die Tore seiner Seele öffnen.
Maria, – richte deine Seherkraft
In seiner Seele Tiefen; – schaue dort,
wie er mit Geistesschwingen sich erlöst
von eurem liebewarmen Erdenwerke.
(Lucifer bleibt in der Landschaft.)
(Maria wendet sich etwas deutlicher zu Capesius, ihn aus seinem Sinnen zu erwecken, aus dem er aber zugleich auch wie von selbst sich rüttelt):
Maria:
Wenn sich Johannes auf dem Geistespfade
gestört durch seiner Pflichten Art erfühlte,
berechtigt wär es nicht, – doch schien’s begreiflich:
er wird im äußern Dienste schaffen müssen.
Doch Ihr sollt Geisteswissen Andern künden,
und tretet so aus Eurem Seelenkreise nicht.
Capesius:
Weit mehr, als wenn sie äußre Werke schafft,
verliert die Geisteskraft im Worte sich.
Es zwingt das Wort Geschautes zu begreifen,
doch sind Begriffe Seherkräften feindlich.
Ein solches Geisterlebnis durft’ ich schauen,
das meinem Blicke sich nur zeigen konnte,
weil jene Seele, die sich mir erschloß,
zwar meinem Erdenmenschen nahe steht,
doch nie von diesem ganz begriffen ward. –
Ist mein Erlebnis wahr, so wird mich nichts
an dieses Erdenwerk jetzt binden können.
Denn fühlen muß ich dann, wie hohe Mächte
Jetzt andre Ziele meiner Seele weisen,
als sie Hilarius ihr vorgezeichnet. –
(Er stellt sich vor Johannes hin.)
Capesius:
Johannes, sagt mir frei, erfühltet Ihr
vorhin nicht abgelebte Seelenwünsche
wie Euer gegenwärtig Selbst in Euch,
als Ihr in Sinnen ganz verloren war’t?
Johannes:
So kann sich meines Geistes Wirrnis wirksam
In fremder Seele als Erlebnis schaffen?
Und Schauen macht den Irrtum stark, daß er
den Weg ins Weltenwerden finden kann?
(Johannes verfällt wieder in ein Sinnen.)
(Maria wendet den Blick zu Lucifer und hört ihn sprechen):
Lucifer:
Auch hier find ich die Seelentore offen.
Nicht säumen will ich und die Lage nutzen,
Wenn auch in dieser Seele – Geisteswunsch
Sich schafft, so muß das Liebeswerk verfallen,
das mir durch Gottgetreu gefährlich winkt.
Ich kann in ihm Marias Macht zerstören;
dann fällt, was sie vermag, an meine Kraft.
( Capesius richtet sich in diesem Augenblicke selbstbewußt auf und gewinnt innerhalb der folgenden Worte immer sicherere Stimmung.)
Capesius:
Der Zweifel flieht – ich habe wahr geschaut;
Johannes lebte, was ich sehen durfte.
So ist auch klar, daß seine Welt sich mir
nur öffnen konnte, weil die meine sich
begreifend nie der seinen nahen wollte.
Der Geistesweg verlangt nach Einsamkeit; –
zusammenwirken können Menschen nur,
die sich begreifend gegenüberstehen.
Von Menschenwesen fern erreicht die Seele,
der Lichteswelten weite Daseinskreise.
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Als Vorbild zeigt sich Vater Felix mir,
er sucht auf Wegen, die den Andern fremd,
in stolzer Einsamkeit das Geisteslicht.
Und seinem Suchen ward Erfolg, – weil er
begreiflich Wesen sich stets ferne hielt.
Ihm streb ich ferner nach: und euer Werk,
das Seherkraft mit Erdensein belastet,
es wird Capesius nicht mehr verführen.
(Er geht fort.)
Maria:
So ist’s mit Menschen, wenn das bessre Selbst
in Geistesschlaf versinkt, und Wunschesmächte
sein Wesen nähren, bis Erwachen wieder
mit Licht erhellt die wahre Geistnatur.
So ist der Schlaf, den alle Menschen schlafen,
bevor die Seherkräfte sie geweckt.
Sie wissen nichts von diesem wachend Schlafen;
sie scheinen wachend – weil sie immer schlafen.
Der Seher schläft, wenn er zu diesem Wachen
aus seinem wahren Sein heraus sich drängt. –
Capesius wird uns sich jetzt entziehn.
Es zieht nicht flüchtig Wollen nur; es zieht
Sein Zustand ihn von unsern Zielen ab.
Nicht er bewirkt, daß er von uns sich wendet.
Man sieht der Schicksalsmächte strenge Zeichen.
So müssen wohl wir andren unsre Kräfte
in höhrem Maße unserm Werke widmen.
Johannes:
Maria, fordre von Johannes nicht,
daß er in dieser Zeit zu neuen Zielen
die Seele rüste, welche gleich der andern
des Geistesschlafs bedarf, daß sie die Kräfte,
die keimenden, zur Reife pflegen kann.
Ich weiß, ich werde einst für Geisteswelten
zu wirken mich erkühnen, – doch nicht jetzt
verlange, daß ich tätig sei – nicht jetzt –.
Bedenk’, daß ich Capesius vertrieb. – ‒ ‒
Wär ich zum Werke reif – er wär’ es auch.
Maria:
Capesius vertrieben? – Du – du träumst.
Johannes:
Ich träumte wissend ... ja, ich wachte träumend.
Was Schein vor Weltenmächten, – hat vor mir
als Sinnbild meiner Reife sich bezeugt.
Ich weiß recht gut, mein Wünschen war ich selbst;
und nur das Denken war ein andres Selbst.
So stand Johannes vor der Seele mir,
wie er einst war, bevor der Geist ihn faßte
und ihn erfüllte mit dem zweiten Selbst.
Er ist nicht tot; Johannes’ – ‒ ‒ Wunschesleben,
Es schafft ihn zum Genossen meiner Seele.
Ich hab ihn wohl betäubt, doch nicht besiegt.
Des eignen Daseins Rechte fordert er,
wenn jenes Selbst – ‒ ‒ in Schlaf versinken muß.
Und immer wachen – das vermag es nicht.
So schlief es auch zu jener Zeit, in der
Capesius in sich erleben konnte,
wie mich der andre aus mir selbst gerissen.
So ward mein Träumen ihm zum Schicksalswink.
So wirkt in mir und nicht in ihm die Kraft,
die ihn vertrieben hat, – die uns verbietet,
den Geist zum Erdenwirken hin zu lenken.
Maria:
Die Geisteskräfte kommen – rufe sie. –
In Geistesweltengründen lenk’ den Blick,
und warte, bis die Kräfte in den Tiefen
empfinden, was in deinem eignen Selbst
mit ihrem Wesen wahlverwandt sich regt.
Sie zaubern dir vor deine Seheraugen,
was sie und dich zur Einheit werden läßt.
Verbanne eignen Sinnes störend Sprechen,
so spricht der Geist in dir mit Geisteswesen;
und diesem Geistersprechen höre zu.
Es trägt dich zu den Lichtessphären hin,
und bindet dich an Geisteswesenheit.
Was dir aus abgelebten Zeiten dämmert,
erscheint dir dann im Weltenlichte deutlich;
und zwingt dich nicht, weil du es lenken kannst.
Vergleich’ es mit der Elemente Wesen,
mit Schatten und mit Schemen aller Art,
und stell’ es neben mancherlei Dämonen,
und so erfahre, was es wirklich gilt.
Doch dich ergründe in der Geister Reich,
die Urbeginn verbinden anderm Urbeginn,
und Weltenkeimeskräfte nah sich wissen
und Sphärenzielgedanken Richtung weisen.
Es wird dich solche Weltenschau erkraften,
daß du im Geistgewoge dir das Sein
im Seelenkerne wesenhaft vereinst.
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So heißt der Geist mich selber dir zu künden;
nun höre jetzt, was dir bewußt, doch nicht
vermählt bisher in Seelentiefen ist.
Johannes (deutlich zeigend, daß er zu starkem Entschluß sich aufrafft):
Ich will es hören, – will mir selber trotzen.
(Von beiden Seiten kommen Elementargeister. Von links gnomenartige Wesen. Sie haben stahlgraue, den Menschen gegenüber kleine Gestalten; sie sind fast ganz Kopf, doch ist dieser vorn übergebeugt. Sie haben lange, bewegliche, zu Geberden geeignete, zum Gehen ungeschickte Gliedmaßen. Von rechts kommen sylphenartige, schlanke, fast kopflose Gestalten; ihre Füße und Hände sind ein Mittelding zwischen Flosse und Flügel; ein Teil von ihnen ist blaugrün, der andere Teil ist gelbrötlich. Bei den gelbrötlichen ist die Gestalt mir schärferen Konturen begabt; bei den blaugrünen unbestimmter. Die Worte, welche diese Gestalten sprechen, werden mit ausdrucksvollen, bis zum Tanze sich gestaltenden Geberden vorgebracht.)
Gnomengeisterchor:
Wir härten, wir kraften
das Stoffesstaubgeflimmer,
wir lockern, wir pulvern
erstarrtes Krustengeschiebe;
wir stäuben flink das Feste
und festen langsam Lockres
mit unsern Leibesgeistern,
gewoben aus Verstandesstoff,
der klug schon vollends war,
als Menschenseelen schlafend
in Erdenurbeginnen träumten.
Sylphengeisterchor:
Wir weben, wir fasern
das Wasserluftgewobe;
wir trennen, wir sprengen
belebte Sonnensamenkräfte;
Wir dichten sorglich Lichtesmächte,
wir nichten weise Früchtekräfte
mit unsren Seelenleibern,
erfließend aus Empfindungsstrahlen,
die ewig lebend glimmern,
daß Menschenwesen lebend
des Erdenwerdens Sinn genießen.
Gnomengeisterchor:
Wir lachen, wir kichern,
wir spotten, wir grinsen,
wenn Menschensinne holpernd,
und Menschengeister stolpernd
von uns Erzeugtes schauen
und weise zu verstehen glauben,
was Geister unsrer Weltenzeiten
vor ihre dummen Augen zaubern.
Sylphengeisterchor:
Wir sorgen, wir pflegen,
wir fruchten, wir geistern,
wenn Menschenkinder lebendämmernd
und Menschengreise irrtumwebend
an unserm Werke zehren,
und kindlich oder greisenhaft
Im Zeitenstrome dumpf genießen,
was wir in Ewigkeiten sinnen.
(Diese Geisteswesen bewegen sich, wie in zwei Knäuel sich zusammenfindend, gegen den Hintergrund und bleiben dort sichtbar. Vor links erscheinen die drei Seelenkräfte; Philia, Astrid, Luna mit der »andren Philia«.)
Philia:
Sie strahlen die Helle
als liebende Lichte
in seliges Reifen,
sie wärmen gelinde
und hitzen gewaltig,
wie Werdendes will
zu wirkendem Sein;
daß wirkendes Sein
entzücke die Seelen,
die liebend sich geben
dem strahlenden Licht.
Astrid:
Sie weben das Leben
als schaffende Helfer
In quellende Wesen;
sie sprengen die Erden
und dichten die Lüfte,
daß Wandel sich zeige
im strebenden Schaffen;
daß strebendes Schaffen
beglücke die Geister,
die webend sich fühlen
im schaffenden Leben.
Luna:
Sie drücken bedächtig
als tätige Schöpfer
die bildsamen Stoffe;
sie schärfen die Kanten
und glätten die Flächen,
daß sinnvoll sich bauen
die ragenden Formen;
daß ragende Formen
begeistern den Willen
zu sinnvollem Bauen
als tätiger Schöpfer.
Die andre Philia:
Sie pflücken die Blüten
als sorglose Nutzer
in zauberndem Wirken;
sie träumen das Wahre,
sie wahren den Wahn;
daß schlafendes Keimen
sich wecke zum Leben;
und wachendes Träumen
enthülle den Seelen
verzaubertes Weben
des eigenen Wesens.
(Diese vier Seelenkräfte verschwinden nach der rechten Seite; Johannes, der während der vorhergehenden Vorgänge in tiefem Sinnen war, erhebt sich daraus.)
Johannes:
»Und wachendes Träumen
enthülle den Seelen
verzaubertes Weben
des eigenen Wesens.«
Das sind die Worte, die noch deutlich klingen
In meiner Seele –, was ich vorher schaute,
in Wirrnis zog es aus der Seele fort. – ‒
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Doch welche Kraft erregt sich mir, wenn ich bedenke:
Verzaubertes Weben
des eigenen Wesens –
(Er verfällt wieder in Sinnen; es erscheint vor ihm als seine Gedankenform eine Gruppe, bestehend aus: dem Geist von Johannes’ Jugend, Lucifer links von diesem, Theodora’s Seele rechts.)
Der Geist von Johannes’ Jugend:
Es nähret deiner Wünsche Sein mein Leben,
mein Atem schlürfet deiner Jugend Träume;
ich bin im Sein, wenn du nicht dringen willst
in Welten, welche ich nicht finden kann.
Verlierst du mich in dir, muß ich in Schmerzen
den grausen Schatten schlimme Dienste leisten – ‒;
du Pfleger meines Seins, – ‒ ‒ verlaß mich nicht. –
Lucifer:
Er wird dich nicht verlassen, – ich erschaue
in seines Wesens Tiefen Lichtbegierden,
die nicht Marias Spuren folgen können. – ‒
Wenn diese mit dem Glanz, den sie erzeugen,
Johannes’ Schöpferseele voll erleuchten:
Wird er die Früchte, die sie zeugen müssen,
in jenem Reiche nicht vergeuden können,
wo Liebe ohne Schönheit herrschen will.
Ihm wird das Selbst dann nicht mehr wertvoll scheinen,
das seine besten Kräfte in den Schatten
durch Wissensüberschätzung werfen will.
Wenn Weisheit leuchten wird in seinen Wünschen,
wird ihm ihr Wert sich herrlich offenbaren;
er kann gering so lange nur sie schätzen,
als sie im Seelendunkel noch sich halten.
Bis sie das Weisheitslicht erreichen können,
will ich dich treulich pflegen – durch das Licht,
das ich in Menschenseelengründen finde.
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Noch fehlt Erbarmen ihm für deine Leiden,
er läßt dich stets ins Schemenreich versinken,
wenn er in deine Lichteshöhen strebt.
Vergessen kann er dann, daß du, sein Kind ‒,
ein schmerzlich Zauberdasein führen mußt.
Doch künftig wirst du mich zur Seite haben,
wenn du als Schatten frierst durch seine Schuld.
Ich will mit jenem Recht, das Lucifer
(bei dem Worte »Lucifer« zuckt der Geist von Johannes’ Jugend zusammen.)
aus alter Welten Satzung sich bewahrt,
in seiner Seele Tiefen mir erbeuten,
was er im Geistesfluge unbehütet läßt.
Ich bring dir dann den Schatz, der dir erleichtert
des Schattenreiches finstre Einsamkeit.
Doch wirst du völlig erst entzaubert sein,
wenn er mit dir sich wieder einen kann.
Verschieben kann er dies, ‒ ‒ verhindern nicht.
Denn Lucifer will seine Rechte wahren.
Theodora:
Du Geisteskind, du lebst Johannes’ Jugend
in finstern Schattenreichen. – Liebend neigt
sich dir die Seele, die Johannes schützt,
aus lichterfüllten, liebewarmen Reichen.
Erlösen will sie dich aus Zauberkreisen,
wenn du von ihrem Fühlen nehmen willst,
was dir ein Sein in Seligkeit erwirbt.
Ich will den Elementen dich verbünden,
die unbewußt in Weltenweiten wirken,
und stets dem Seelenwachen sich entziehen.
Du kannst mit Erdengeistern Formen bilden,
und mit den Feuerseelen Kräfte strahlen,
wenn du dein wissend Sein dem Willen opferst,
der ohne Menschenweisheit lichtvoll kraftet.
Du wirst das Wissen, das nur halb dein eigen,
vor Lucifer bewahren, und Johannes
die Dienste leisten, die ihm wertvoll sind.
Ich will aus seinem Seelensein dir holen,
was ihn nach deinem Sein bedürftig macht,
und ihm den Geistesschlaf erfrischend reicht.
Lucifer:
Sie wird dir Schönheit niemals schenken können,
weil ich sie ihr zu nehmen mich erkühne.
Theodora:
Ich will aus edlem Fühlen Schönheit keimen –
Und an dem Opferdienste reifen lassen.
Lucifer:
Sie wird dem freien Wollen dich entreißen
und Geistern schenken, die im Finstern walten.
Theodora:
Ich werde geisterfülltes Schauen wecken,
das frei auch noch von Lucifer sich weiß.
(Es verschwinden Lucifer, Theodora und der Geist von Johannes’ Jugend. Johannes, aus seinem Sinnen erwachend, sieht die »andre Philia« an sich herankommen.)
Die andre Philia:
Und wachend Träumen
Enthüllet den Seelen
Verzaubertes Weben
Des eigenen Wesens.
Johannes:
Du rätselvoller Geist, ‒ durch deine Worte
betrat ich diese Welt! ‒ ‒ Von ihren Wundern
ist nur das Eine ‒ ‒ meiner Seele wichtig:
ob lebend wesenhaft in Geistesreichen
der Schatten weilt, der mir mit Theodora
und Lucifer sich offenbaren wollte?
Die andre Philia:
Er lebt, ‒ er ist zum Schein durch dich erweckt.
Wie alles sich im Spiegel bildhaft zeigt,
was Licht auf seine Flächen strahlen läßt,
so muß, was du in Geisterreichen schaust,
bevor die volle Reife dir das Recht
zu solchem Schauen gibt, ‒ sich lebend spiegeln
im Reich der halberwachten Schattengeister.
Johannes:
Es ist nur Bild, was so durch mich sich spiegelt?
Die andre Philia:
Doch Bild, das lebt und sich im Leben hält,
so lang du noch ein abgelebtes Sein
in dir bewahrst, das du betäuben zwar,
doch jetzt fürwahr noch nicht besiegen kannst. –
Johannes, dein Erwachen bleibt ein Wahn,
bis du den Schatten selbst erlösen wirst,
dem deine Schuld verzaubert Leben schafft.
Johannes:
Wie dank ich diesem Geist, der wahren Rat
in meine Seele bringt ‒ ‒ ich muß ihm folgen.
(Der Vorhang fällt langsam, während »die andre Philia« und Johannes in ruhiger Gebärde stehen bleiben.)
Scene Two
Mountain landscape; in the background, Hilarius' house, which is intended to be near the work. However, the work cannot be seen. A waterfall on the right-hand side.
Johannes:
The silent existence of towering forms,
filling the space, creating vast mysteries;
it does not kill the soul with agonizing questions,
those who do not recognize, who only want to see
the revelation of existence while alive.
Around these rocks, this weaving of light,
the silent existence of the bare surfaces there,
the forests, green in blue twilight here;
this is the world in which Johannes' soul
wants to dwell, weaving images of the future.
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Johannes' soul shall feel within itself
the depths and vastness of this world.
And creative powers shall release from this soul
the force that proclaims the magic of the world
as an art-transfigured radiance to the hearts.
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But Johannes would never have been able to do this if
Maria had not lovingly awakened
the powers of his soul with her gentle warmth.
I must praise the wise guidance of fate,
which brought me so close to this person.
How short is the time since I have known her
by my side; how intimately
the few weeks of my soul
have already bound me to her soul as one life.
She lives as a spirit within me, even when she is far away;
She thinks in my thinking when I call
the goals of my will before my soul.
(Mary appears like a thought of John.)
John (continuing):
Mary here before me? And how is she?
She must not reveal herself to me like this;
this spiritually stern countenance—this dignity,
which makes earthly feelings shiver—it wants—
it can—John cannot see Mary like this
in his presence—this cannot be
be Mary, whom wise powers
have brought to me in a gentle twist of fate.
(Mary disappears from John's view.)
Where is Mary, whom John loved,
when she had not yet transformed his soul
and led her into cold spiritual heights?
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
But also Johannes, who loved Maria,
where is he now? He was just here a moment ago.
I no longer see Johannes, who gave me back
my bliss – it cannot, it must not
cruelly rob me of him in the past!
(Mary becomes visible again to John's gaze.)
Maria:
Mary, as you wish to see her,
is not in worlds where truth shines.
In the realm of deceit, John's spirit weaves
seduced by the delusion of the soul; – free yourself
from the powers of desire that tempt you.
I feel the storm of your soul within me;
it robs me of the peace I need.
It is not John who directs such a storm
into my soul, it is a being that he defeated within himself long ago.
It now rushes through the expanses of the mind as delusion;
recognize it, and it will vanish into nothingness.
Johannes:
This is Maria as she truly is,
and she speaks of Johannes as he
really appears at this time.
He has long since risen to another being,
as the dream's trickery now paints for me,
because I want to let my soul
dawdr in comfortable slumber in sluggish tranquility.
But this being does not yet possess my essence.
I can still escape it – and I want to now. ‒
It often calls me to it, wanting to win me over completely
with its powers—
but it drives me to free myself from it.
For years now, it has filled the depths of my soul
with its spirit;
and yet—I do not want to know it within me now.
— ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
You strange being in John's soul
leave me, ‒ give me back to myself as I once was,
when you were not yet effective in me.
I want to see Johannes without you. ‒
(Benedictus appears at Mary's side; also as Johannes' thought.)
Benedictus:
John, listen to your soul's admonition;
The man who fills you spiritually, who arose
as the primal force of your being,
must rule faithfully at your side,
and demand of you that you create the powers of your being
in your human will.
He must work hidden within yourself,
so that you may one day become what you know as the goal
of your own being far in the future.
You shall carry your own worries firmly locked away
in the depths of your soul through life.
You yourself will only gain if you
courageously allow him to possess you more and more.
Maria (as seen in Johannes's mind):
My holy, solemn vow radiates power,
which shall preserve for you what you have achieved.
You will find me in cold, icy fields,
where spirits must create light for themselves,
when darkness paralyzes the forces of life. ‒ ‒ ‒
Seek me in the depths of the world, where souls
must fight for the feeling of the gods
through victories that defy existence from nothingness.
But never seek me in the shadow realm,
where lifeless souls
deceive themselves with fleeting existence
and dreamlike illusions entangle the spirit,
because it wants to forget itself in pleasure,
and seriousness can seem uncomfortable to it.
Benedictus and Maria disappear.)
Johannes:
She speaks of delusion ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ but this delusion is beautiful.
It lives; Johannes feels himself in it,
he feels Maria's closeness in it too. ‒
Johannes does not want to know how the spirit
solves mysteries in the dark depths of the soul.
But he wants to create, wants to work as an artist.
So let what is in him remain hidden,
only wants to consciously see the heights of the world.
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
(He sinks into further reflection.)
(Capesius rises from his seat; shakes himself as if awakening from deep thought.)
Capesius:
Did I not experience clearly in my own soul
what Johannes, who ponders so dreamily,
creates as images of his longing?
Thoughts flared up inside me,
not from me; – ‒ which only he could effect.
His soul lived in mine. – –
Rejuvenated, I saw him as he saw himself
through delusion, and sacrilegiously
scolded the ripe fruits of his mind. – ‒
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
But how! – why am I experiencing this now?
Only rarely is the spiritual researcher allowed
to see the being of other souls within himself! –
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
I have often heard from Benedictus
that only those who are graciously chosen by fate
are able to do this – for a short time –
in order to be elevated one step on the spiritual path.
– ‒ May I interpret what is happening to me at this moment?
What rarely – truly only rarely – may happen;
What rarely – truly only may happen;
for it would be terrible if the seer could
eavesdrop on the inner being of other souls at any time.
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Did I see the truth – or did a delusion
of another soul make me dream?
I must find out from Johannes himself.
(Capesius approaches Johannes, who now notices him.)
Johannes:
Capesius – I thought you were far away from here!
Capesius:
But my soul felt close to you.
Johannes:
Close to me – at this moment – no!
Capesius:
Why do you shudder at these words?
Johannes:
Oh no, I do not shudder – ‒ ‒
(At this moment, Mary enters; this allows both Johannes and Capesius to speak their next words for themselves.)
Johannes (to himself):
– ‒ ‒ his gaze, it truly touches
me in the depths of my soul.
Capesius (to himself):
His shuddering shows me that I have seen truly.
(Capesius now turns to Mary.)
Mary, you appear at the right time.
Perhaps your words will bring me the solution
to the serious riddle that weighs heavily on me!
Maria:
Not you—I thought I would find John here.
My intuition led me to seek the burden of the riddle with him
; ‒ but I thought you were satisfied,
devoted to the beautiful goal of our work,
which Hilarius wants to reveal to us.
Capesius:
This goal – what does it matter to me – it disturbs me now. –
Maria:
It disturbs you? – Did you not show yourself to be happy
since your hopes became reality?
Capesius:
What I have experienced in this hour of destiny
has completely changed the direction of my soul.
It would have to rob me of all earthly effectiveness
and awakened powers of vision.
Maria:
Those who have been allowed to walk the paths of the spirit
experience many signs of destiny. –
They will follow them on the paths of the soul,
but they cannot be interpreted correctly
if they interfere with true earthly duties.
(Capesius sits down: falls into deep thought, while Maria has a vision of Lucifer.)
Lucifer:
Your efforts will bear little fruit.
In his heart, forces are stirring,
which open the gates of his soul to me.
Mary, direct your vision
into the depths of his soul; look there
and see how, with the wings of his spirit, he redeems himself
from your loving earthly work.
(Lucifer remains in the landscape.)
(Mary turns a little more clearly to Capesius to awaken him from his thoughts, from which he, however, at the same time shakes himself as if by himself):
Maria:
If Johannes felt disturbed on the spiritual path
by the nature of his duties,
it would not be justified, but it seemed understandable:
he will have to work in external service.
But you should proclaim spiritual knowledge to others,
and thus do not step out of your soul circle.
Capesius:
Far more than when it creates external works,
the spiritual power is lost in words.
Words compel us to comprehend what we have seen,
but concepts are hostile to the powers of vision.
I was allowed to see such a spiritual experience,
which could only reveal itself to my gaze,
because that soul, which opened itself to me,
is close to my earthly human being,
but was never fully understood by him. –
If my experience is true, then nothing
can now bind me to this earthly work.
For then I must feel how high powers
Now point my soul to other goals
than those Hilarius set before it. –
(He stands in front of Johannes.)
Capesius:
Johannes, tell me freely, did you feel
unfulfilled desires of the soul
like your present self within you,
when you were completely lost in thought?
Johannes:
So the confusion of my mind can effectively
create an experience in a foreign soul?
And does seeing make the error strong, that it
can find its way into becoming worldly?
(John falls back into a trance.)
(Mary turns her gaze to Lucifer and hears him speak):
Lucifer:
Here, too, I find the gates of the soul open.
I will not delay and will take advantage of the situation,
Even if in this soul – the desire of the spirit
Creates itself, the work of love must fall,
Which beckons me dangerously through God's faithfulness.
I can destroy Mary's power in him;
then what she is capable of will fall to my power.
(At this moment, Capesius straightens up confidently and gains more and more assurance with each of the following words.)
Capesius:
Doubt flees – I have seen the truth;
John lived, as I was allowed to see.
So it is also clear that his world could only open up to me
because mine, understanding, never wanted to approach his.
The path of the spirit requires solitude; –
The path of the spirit demands solitude; –
only people who face each other with understanding can work together.
Far from human beings, the soul reaches
the wide circles of existence in the worlds of light.
Father Felix is a role model for me;
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Father Felix is my role model,
he seeks paths that are foreign to others,
in proud solitude the light of the spirit.
And his search was successful, because he
always kept himself distant from comprehensible beings.
I continue to strive toward him: and your work,
which burdens clairvoyance with earthly existence,
will no longer seduce Capesius.
(He leaves.)
Maria:
This is how it is with people when the better self
sinks into spiritual sleep, and the powers of desire
nourish its being, until awakening once more
illuminates the true nature of the spirit with light.
Such is the sleep that all people sleep before the powers of vision awaken them.
They know nothing of this waking sleep;
they seem to be awake—because they are always asleep.
The seer sleeps when he pushes himself out of his true being into this waking state. –
Capesius will now withdraw from us.
It is not just a fleeting desire that draws him away; it is his condition that draws him away from our goals.
It is not he who causes him to turn away from us.
One sees the strict signs of the powers of fate.
It is not he who causes him to turn away from us.
One sees the stern signs of the powers of fate.
So we others must devote our energies
to our work to a greater extent.
Johannes:
Mary, do not demand of John
that he prepare his soul for new goals at this time,
which, like the other,
needs spiritual sleep so that it can nurture the forces,
the germinating ones, to maturity.
I know that I will one day dare to work for spiritual worlds,
but not now.
demand that I be active – not now.
Consider that I drove Capesius away. – ‒ ‒
If I were ready for the work, he would be too.
Maria:
Capesius driven away? – You – you are dreaming.
Johannes:
I dreamed knowingly ... yes, I woke dreaming.
What appears before the powers of the world – has proven itself to me
as a symbol of my maturity.
I know very well that my desires were my own;
and only my thoughts were another self.
So Johannes stood before my soul,
as he once was, before the spirit grasped him
and filled him with the second self.
He is not dead; Johannes' – ‒ ‒ life of desire,
It makes him a companion of my soul.
I may have numbed him, but I have not defeated him.
He demands the rights of his own existence,
when that self must sink into sleep.
And always awake – that is not possible.
So it slept even at that time when
Capesius could experience within himself
how the other tore me from myself.
Thus my dreams became a sign of fate for him.
Thus the power that drove him away – that forbids us
to direct the spirit toward earthly action – works in me and not in him.
Maria:
The powers of the spirit are coming – call them. –
Direct your gaze to the foundations of the spiritual world,
and wait until the powers in the depths
feel what stirs in your own self
and is kindred to their nature.
They conjure before your seer's eyes
what makes them and you become one.
Banish disturbing speech from your own mind,
so that the spirit within you speaks with spiritual beings;
and listen to this spiritual speech.
It carries you to the spheres of light,
and binds you to spiritual beings.
What dawns on you from times long past,
appears clearly to you in the light of the world;
and does not compel you, because you can guide it.
Compare it with the essence of the elements,
with shadows and with apparitions of all kinds,
and place it alongside various demons,
and thus learn what it really means.
But explore the realm of spirits,
which connect the beginning of time with the beginning of other times,
and know the forces of world creation close at hand
and the thoughts of the spheres pointing the way.
Such a view of the world will empower you,
that in the surge of spirit you will unite being
in the core of the soul.
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
Thus the spirit calls me to proclaim myself to you;
now hear what is conscious to you, but not
yet wedded in the depths of your soul.
John (clearly showing that he is gathering himself for a strong decision):
I want to hear it—I want to defy myself.
(Elemental spirits come from both sides. From the left, gnome-like beings. They have steel-gray, small figures compared to humans; they are almost entirely head, but this is bent forward. They have long, flexible limbs that are suitable for gestures but unsuitable for walking. From the right come sylph-like, slender, almost headless figures; their feet and hands are a cross between fins and wings; some of them are blue-green, others yellow-reddish. The yellow-reddish ones have sharper contours; the blue-green ones are more indistinct. The words spoken by these figures are accompanied by expressive gestures that resemble dancing.)
Chorus of gnome spirits:
We harden, we strengthen
the glittering dust of matter,
we loosen, we pulverize
frozen crusts;
we swiftly dust the solid
and slowly loosen the firm
with our body spirits,
woven from the fabric of understanding,
which was already completely wise,
as human souls sleeping
dreaming in the beginnings of the earth.
Sylph spirits' choir:
We weave, we fiber
the water-air fabric;
we separate, we sprinkle
animated sun seed powers;
We carefully compose powers of light,
we do not destroy wise fruit powers
with our soul bodies,
flowing from rays of sensation,
which glimmer eternally alive,
so that human beings alive
enjoy the meaning of becoming earth.
Chorus of gnome spirits:
We laugh, we giggle,
we mock, we grin,
when human senses stumble,
and human spirits stumble
as they look upon what we have created
and believe they understand wisely
what the spirits of our world ages
conjure before their foolish eyes.
Sylph Spirit Choir:
We care, we nurture,
we bear fruit, we haunt,
when human children dawdle through life
and human elders weave errors
and consume our work,
and childishly or senilely
enjoy themselves dully in the stream of time,
what we contemplate in eternities.
(These spirit beings move, coming together as if in two balls, against the background and remain visible there. On the left, the three soul forces appear: Philia, Astrid, Luna with the “other Philia”.)
Philia:
They radiate brightness
as loving lights
in blissful ripening,
they warm gently
and heat powerfully,
as that which is becoming wants
to become effective being;
that active being
delights the souls,
who lovingly give themselves
to the radiant light.
Astrid:
They weave life
as creative helpers
into springing beings;
they burst the earth
and condense the air,
that change may show itself
in striving creation;
that striving creation
may delight the spirits,
who feel themselves weaving
in creative life.
Luna:
They press deliberately
as active creators
the malleable materials;
they sharpen the edges
and smooth the surfaces,
so that the towering forms
are built meaningfully;
so that towering forms
inspire the will
to build meaningfully
as active creators.
The other Philia:
They pick the flowers
as carefree users
in enchanting work;
they dream the true,
they preserve the illusion;
that sleeping seeds
be awakened to life;
and waking dreams
reveal to souls
the enchanted weaving
of their own being.
(These four soul forces disappear to the right; John, who was deep in thought during the previous events, rises from it.)
Johannes:
“And waking dreams
reveal to souls
the enchanted weaving
of their own being.”
These are the words that still ring clearly
in my soul—what I saw before,
in confusion, it drew away from the soul. – ‒
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
But what power stirs within me when I consider:
Enchanted weaving
of one's own being –
(He falls back into his senses; a group appears before him as his thought form, consisting of: the spirit of Johannes' youth, Lucifer to his left, Theodora's soul to his right.)
The spirit of Johannes' youth:
His being nourishes your desires,
my breath sips your youthful dreams;
I am in being when you do not want to penetrate
into worlds that I cannot find.
If you lose me within yourself, I must in pain
to the grim shadow's evil service – ‒;
you, keeper of my being, – ‒ ‒ do not abandon me. –
Lucifer:
He will not abandon you, – I see
in the depths of his being a thirst for light,
which cannot follow Mary's footsteps. – ‒
When these, with the radiance they produce,
fully illuminate John's creative soul:
He will not be able to waste the fruits they must bear
in that realm where love without beauty wants to reign.
His self will then no longer seem valuable to him,
which wants to cast his best powers into the shadows
by overestimating knowledge.
When wisdom shines in his desires,
its value will be revealed to him in all its glory;
he can only value it as long as it remains in the darkness of his soul.
its value will reveal itself to him in all its glory;
he can only value it as long as it remains
in the darkness of his soul.
Until it can reach the light of wisdom,
I will faithfully care for you – through the light
that I find in the depths of human souls.
‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒
He still lacks compassion for your suffering,
he always lets you sink into the realm of shadows,
when he strives for your heights of light.
He can then forget that you, his child ‒,
must lead a painful, enchanted existence.
But in the future you will have me by your side,
when you freeze as a shadow through his fault.
I will use the right that Lucifer
(at the word “Lucifer,” the spirit of John's youth flinches.)
preserved from ancient world statutes,
capture in the depths of his soul
what he leaves unguarded in the flight of his spirit.
I will then bring you the treasure that will ease
the dark loneliness of the shadow realm.
But you will only be completely disenchanted
when he can reunite with you.
He can postpone this, but cannot prevent it.
For Lucifer wants to preserve his rights.
Theodora:
You child of the spirit, you live Johannes' youth
in dark shadow realms. – Lovingly inclined
towards you is the soul that protects Johannes,
from light-filled, love-warmed realms.
It wants to redeem you from magical circles,
if you want to take from its feelings
what will earn you a life of bliss.
I want to unite you with the elements
that unconsciously work in worlds far away
and always elude the awakening of the soul.
You can form shapes with earth spirits,
and radiate powers with fire souls,
if you sacrifice your knowing being to the will,
which is full of light without human wisdom.
You will protect the knowledge that is only half yours
from Lucifer, and John
will perform the services that are valuable to him.
I will take from his soul what makes him need you,
and refresh him with the spirit's sleep.
Lucifer:
She will never be able to give you beauty,
because I dare to take it from her.
Theodora:
I will let beauty sprout from noble feeling –
And let it ripen in sacrificial service.
Lucifer:
She will snatch you away from free will
and give you to spirits who rule in darkness.
Theodora:
I will awaken spirit-filled vision,
which is still free even from Lucifer.
(Lucifer, Theodora, and the spirit of Johannes' youth disappear. Johannes, awakening from his reverie, sees the “other Philia” approaching him.)
The other Philia:
And waking dreams
Reveal to souls
The enchanted weaving
Of their own being.
Johannes:
You enigmatic spirit, ‒ through your words
I entered this world! ‒ ‒ Of its wonders
only one ‒ ‒ is important to my soul:
whether the shadow that wanted to reveal itself to me with Theodora
and Lucifer dwells alive and substantial in the realms of the spirit?
The other Philia:
He lives, ‒ he is awakened by you in appearance.
Just as everything is reflected in the mirror,
which allows light to shine on its surface,
so must what you see in the spirit realm,
before full maturity gives you the right
to such vision, ‒ be reflected alive
in the realm of half-awakened shadow spirits.
Johannes:
Is it only an image that is reflected through me?
The other Philia:
But an image that lives and remains alive
as long as you still preserve a dead existence
within you, which you may numb,
but cannot yet truly defeat. –
John, your awakening remains a delusion,
until you redeem the shadow itself,
which your guilt enchants into life.
Johannes:
How grateful I am to this spirit, which brings true counsel
into my soul—I must follow it.
(The curtain falls slowly while “the other Philia” and John remain standing in a calm posture.)
