The Riddles of Philosophy
GA 18
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Die radikalen Weltanschauungen
[ 1 ] Im Beginne der vierziger Jahre führt ein Mann kräftige Schläge gegen die Weltanschauung Hegels, der sich vorher gründlich und intim in sie eingelebt hatte. Es ist Ludwig Feuerbach (1804-1872). Die Kriegserklärung gegen die Weltanschauung, aus der er herausgewachsen war, ist in radikaler Form gegeben in seinen Schriften «Vorläufige Thesen zur Reform der Philosophie» (1842) und in den «Grundsätzen der Philosophie der Zukunft» (1843). Die weitere Ausführung seiner Gedanken können wir in seinen anderen Schriften verfolgen «Das Wesen des Christentums» (1841), «Das Wesen der Religion» (1845) und in der «Theogonie» (1857). In dem Wirken Ludwig Feuerbachs wiederholte sich auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft ein Vorgang, der sich fast ein Jahrhundert früher auf dem naturwissenschaftlichen Gebiet (1759) durch das Auftreten Caspar Friedrich Wolffs vollzogen hatte. Die Tat Wolffs bedeutet eine Reform der Idee der Entwickelung auf dem Felde der Wissenschaft von den Lebewesen. Wie die Entwickelung vor Wolff verstanden wurde, das ist am deutlichsten aus den Ansichten des Mannes zu ersehen, welcher der Umwandlung dieser Vorstellung den heftigsten Widerspruch entgegengesetzt hat: Albrecht von Hallers. Dieser Mann, in dem die Physiologen mit Recht einen der bedeutendsten Geister ihrer Wissenschaft verehren, konnte sich die Entwickelung eines lebendigen Wesens nicht anders vorstellen als so, daß der Keim bereits alle Teile, die während des Lebensverlaufes auftreten, im kleinen, aber vollkommen vorgebildet enthalte. Die Entwickelung soll also Auswickelung eines schon Dagewesenen sein, das zuerst wegen seiner Kleinheit oder aus anderen deren Gründen für die Wahrnehmung verborgen war. Wird diese Anschauung konsequent festgehalten, so entsteht im Laufe der Entwickelung nichts Neues, sondern es wird ein Verborgenes, Eingeschachteltes fortlaufend an das Licht des Tages gebracht. Haller hat diese Ansicht ganz schroff vertreten. In der Urmutter Eva war im kleinen, verborgen, schon das ganze Menschengeschlecht vorhanden. Diese Menschenkeime sind nur im Laufe der Weltgeschichte ausgewickelt worden. Man sehe, wie der Philosoph Leibniz (1646-1716) die gleiche Vorstellung ausspricht: «So sollte ich meinen, daß die Seelen, welche eines Tages menschliche Seelen sein werden, im Samen, wie jene von anderen Spezies, dagewesen sind, daß sie in den Voreltern bis auf Adam, also seit dem Anfang der Dinge, immer in der Form organisierter Dinge existiert haben.» Nun hat Wolff in seiner 1759 erschienen «Theoria generationis» dieser Idee der Entwickelung eine andere gegenübergestellt, die von der Annahme ausgeht, daß Glieder, die im Verlaufe des Lebens eines Organismus auftreten, vorher in keiner Weise vorhanden waren, sondern in dem Zeitpunkte, in dem sie wahrnehmbar werden, auch als wirkliche Neubildungen erst entstehen. Wolff zeigte, daß in dem Ei nichts von der Form des ausgebildeten Organismus vorhanden ist, sondern daß dessen Entwickelung eine Kette von Neubildungen ist. Diese Ansicht macht erst die Vorstellung eines wirklichen Werdens möglich. Denn sie erklärt, daß etwas entsteht, was noch nicht dagewesen ist, also im wahren Sinne «wird».
[ 2 ] Hallers Ansicht leugnet das Werden, da sie nur ein fortlaufendes Sichtbarwerden eines schon Dagewesenen zugibt. Dieser Naturforscher setzte daher der Idee Wolffs den Machtspruch entgegen: «Es gibt kein Werden». (Nulla est epigenesis!) Damit hat er in der Tat bewirkt, daß Wolffs Anschauung jahrzehntelang gänzlich unberücksichtigt geblieben ist. Goethe schiebt den Widerstand, der seinen Bemühungen um die Erklärung der Lebewesen entgegengebracht worden ist, der Eirischachtelungslehre in die Schuhe. Er hat sich bestrebt, die Gestaltungen innerhalb der organischen Natur aus ihrem Werden, ganz im Sinne einer wahrhaften Entwickelungsansicht zu verstehen, wonach das an einem Lebewesen zum Vorschein Kommende nicht schon verborgen dagewesen ist, sondern wirklich erst entsteht,wenn es erscheint. Er schreibt 1817, daß dieser Versuch, der seiner 1790 verfaßten Schrift über die Metamorphose der Pflanzen zugrunde lag, eine «kalte, fast unfreundliche Begegnung zu erfahren hatte. Solcher Widerwille jedoch war ganz natürlich: die Einschachtelungslehre, der Begriff von Präformation, von sukzessiver Entwickelung des von Adams Zeiten her schon Vorhandenen hatten sich selbst der besten Köpfe im allgemeinen bemächtigt.» Auch in Hegels Weltanschauung konnte man noch einen Rest der alten Einschachtelungslehre sehen. Der reine Gedanke, der im Menschengeiste erscheint: er sollte in allen Erscheinungen eingeschachtelt liegen, bevor er in dem Menschen zum wahrnehmbaren Dasein gelangt. Vor die Natur und den individuellen Geist setzt Hegel diesen reinen Gedanken, der gleichsam sein soll die «Darstellung Gottes, wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung» der Welt war. Die Entwickelung der Welt stellt sich somit als eine Auswickelung des reinen Gedankens dar. So stellte sich Feuerbach zu Hegel. Der Protest Ludwig Feuerbachs gegen die Weltanschauung Hegels beruht darauf, daß er ein Vorhandensein des Geistes vor seinem wirklichen Auftreten in dem Menschen ebensowenig sowenig anerkennen konnte, wie Wolff zuzugeben imstande war, daß die Teile des lebendigen Organismus schon im Ei vorgebildet seien. Wie dieser in den Organen des Lebewesens Neubildungensah, so Feuerbach in dem individuellen Geiste des Menschen. Dieser ist in keiner Weise vor seinem wahrnehmbaren Dasein vorhanden; er entstehterst in dem Zeitpunkte, in dem er wirklich auftritt. Es ist also für Feuerbach unberechtigt, von einem Allgeist, von einem Wesen zu sprechen, in dem der einzelne Geist seinen Ursprung habe. Es ist kein vernünftiges Sein vor seinem tatsächlichen Auftreten in der Welt vorhanden, das sich den Stoff, die wahrnehmbare Welt so gestaltet, daß zuletzt im Menschen sein Abbild zur Erscheinung kommt, sondern vor der Entstehung des Menschengeistes sind nur vernunftlose Stoffe und Kräfte vorhanden, die aus sich heraus ein Nervensystem gestalten, das sich im Gehirn konzentriert; und in diesem entsteht als vollkommene Neubildungetwas noch nicht Dagewesenes: die menschliche, vernunftbegabte Seele. Für eine solche Weltanschauung gibt es keine Möglichkeit, die Vorgänge und Dinge von einem geistigen Urwesen abzuleiten Denn ein Geistwesen ist eine Neubildung infolge der Organisation des Gehirns. Und wenn der Mensch Geistiges in die Außenwelt versetzt, so stellt er sich völlig willkürlich vor, daß ein Wesen, wie es seinen eigenen Handlungen zugrunde liegt, außer ihm vorhanden sei und die Welt regiere. Jegliches geistige Urwesen muß der Mensch aus seiner Phantasie heraus erst erschaffen; die Dinge und Vorgänge der Welt geben keine Veranlassung, ein solches anzunehmen. Nicht das geistige Urwesen, in dem die Dinge eingeschachtelt liegen, hat den Menschen nach seinem Ebenbilde geschaffen, sondern der Mensch hat sich nach seinem eigenen Wesen das Phantasiebild eines solchen Urwesens geformt. Das ist Feuerbachs Überzeugung. «Das Wissen des Menschen von Gott ist das Wissen des Menschen von sich, von seinem eigenen Wesen. Nur die Einheit des Wesens und Bewußtseins ist Wahrheit. Wo das Bewußtsein Gottes, da ist auch das Wesen Gottes also im Menschen.» Der Mensch fühlte sich nicht stark genug, sich ganz auf sich selbst zu stützen; deshalb schuf er sich , nach dem eigenen Bilde ein unendliches Wesen, das er verehrt und anbetet. Die Hegelsche Weltanschauung hat zwar alle anderen Eigenschaften aus dem Urwesen entfernt; sie hat aber für dasselbe noch die Vernünftigkeit beibehalten. Feuerbach entfernt auch diese; und damit hat er das Urwesen selbst beseitigt. Er setzt an die Stelle der Gottesweisheit völlig die Weltweisheit. Als einen notwendigen Wendepunkt in der Weltanschauungsentwickelung bezeichnet Feuerbach das «offene Bekenntnis und Eingeständnis, daß das Bewußtsein Gottes nichts anderes ist als das Bewußtsein» der Menschheit, daß der Mensch kein «anderes Wesen als absolutes, als göttliches Wesen denken, ahnen, vorstellen, fühlen, glauben, wollen, lieben und verehren kann als das menschliche Wesen». Es gibt eine Anschauung von der Natur und eine solche von dem Menschengeiste, aber keine von dem Wesen Gottes. Nichts ist wirklich als das Tatsächliche. «Das Wirkliche in seiner Wirklichkeit oder als Wirkliches ist das Wirkliche als Objekt des Sinns, ist das Sinnliche. Wahrheit, Wirklichkeit, Sinnlichkeit sind identisch. Nur ein sinnliches Wesen ist ein wahres, ein wirkliches Wesen. Nur durch die Sinne wird ein Gegenstand im wahren Sinne gegeben nicht durch das Denken für sich selbst. Das mit dem Denken gegebene oder identische Objekt ist nur Gedanke.» Das heißt denn doch nichts anderes als das Denken tritt im menschlichen Organismus als Neubildung auf, und man ist nicht berechtigt, sich vorzustellen, daß der Gedanke vor seinem Auftreten schon in irgendeiner Form in der Welt eingeschachtelt verborgen gelegen hat. Man soll nicht die Beschaffenheit des tatsächlich Vorhandenen dadurch erklären wollen, daß man es aus einem schon Dagewesenen ableitet. Wahr und göttlich ist nur das Tatsächliche, was «unmittelbar sich selbst gewiß ist, unmittelbar für sich spricht und einnimmt, unmittelbar die Bejahung, daß es ist, nach sich zieht das schlechthin Entschiedene, schlechthin Unzweifelhafte, das Sonnenklare. Aber sonnenklar ist nur das Sinnliche; nur wo die Sinnlichkeit anfängt, hört aller Zweifel und Streit auf. Das Geheimnis des unmittelbaren Wissens ist die Sinnlichkeit.» Feuerbachs Bekenntnis gipfelt in den Worten: «Die Philosophie zur Sache der Menschheit zu machen, das war mein erstes Bestreben. Aber wer einmal diesen Weg einschlägt, kommt notwendig zuletzt dahin, den Menschen zur Sache der Philosophie zu machen.» «Die neue Philosophie macht den Menschen mit Einschluß der Natur, als der Basis des Menschen, zum alleinigen, universalen und höchsten Gegenstand der Philosophie die Anthropologie also, mit Einschluß der Physiologie zur Universalwissenschaft.» Feuerbach fordert, daß die Vernunft nicht als Ausgangspunkt an die Spitze der Weltanschauung gestellt werde, wie dies Hegel tut, sondern daß sie als Entwickelungsprodukt, als Neubildung betrachtet werde an dem menschlichen Organismus, an dem sie tatsächlich auftritt. Und ihm ist jede Abtrennung des Geistigen von dem Leiblichen zuwider, weil es nicht anders verstanden werden kann, denn als Entwickelungsergebnis des Leiblichen. «Wenn der Psychologe sagt: ‚Ich unterscheide mich von meinem Leibe', so ist damit ebensoviel gesagt, als wenn der Philosoph in der Logik oder in der Metaphysik der Sitten sagt: ,Ich abstrahiere von der menschlichen Natur.' Ist es möglich, daß du von deinem Wesen abstrahierst? Abstrahierst du denn nicht als Mensch? Denkst du ohne Kopf? Die Gedanken sind abgeschiedene Seelen. Gut; aber ist nicht auch die abgeschiedene Seele noch ein treues Bild des weiland leibhaftigen Menschen? Andern sich nicht selbst die allgemeinsten metaphysischen Begriffe von Sein und Wesen, so wie sich das wirkliche Sein und Wesen des Menschen ändert? Was heißt also: Ich abstrahiere von der menschlichen Natur? Nichts weiter, als ich abstrahiere vom Menschen, wie er Gegenstand meines Bewußtseins und Denkens ist, aber nimmermehr vom Menschen, der hinter meinem Bewußtsein liegt, das heißt von meiner Natur, an die nolens volens unauflöslich meine Abstraktion gebunden ist. So abstrahierst du denn auch als Psycholog in Gedanken von deinem Leibe, aber gleichwohl bist du im Wesen aufs innigste mit ihm verbunden, das heißt, du denkst dich unterschieden von ihm, aber du bist deswegen noch lange nicht von ihm wirklich unterschieden. ... Hat nicht auch Lichtenberg recht, wenn er behauptet: man sollte eigentlich nicht sagen, ich denke, sondern es denkt. Wenn also gleich das: Ich denke, sich vom Leibe unterscheidet, folgt daraus, daß auch das: Es denkt, das Unwillkürliche in unserem Denken, die Wurzel und Basis des: Ich denke, vom Leibe unterschieden ist? Woher kommt es denn, daß wir nicht zu jeder Zeit denken können, daß uns nicht die Gedanken nach Belieben zu Gebote stehen, daß wir oft mitten in einer geistigen Arbeit trotz der angestrengtesten Willensbestrebungen nicht von der Stelle kommen, bis irgendeine äußere Veranlassung, oft nur eine Witterungsveränderung, die Gedanken wieder flott macht? Daher, daß auch die Denktätigkeit eine organische Tätigkeit ist. Warum müssen wir oft jahrelang Gedanken mit uns herumtragen, ehe sie uns klar und deutlich werden? Darum, weil auch die Gedanken einer organischen Entwickelung unterworfen sind, auch die Gedanken reifen und zeitigen müssen, so gut als die Früchte auf dem Felde und die Kinder im Mutterleibe.»
[ 3 ] Feuerbach weist auf Georg Christoph Lichtenberg hin, den im Jahre 1799 verstorbenen Denker, der mit mancher seiner Ideen als ein Vorläufer der Weltanschauung betrachtet werden muß, die in Geistern wie Feuerbach einen Ausdruck gefunden hat und der mit seinen anregenden Vorstellungen wohl nur deshalb nicht so befruchtend für das neunzehnte Jahrhundert geworden ist, weil die alles überschattenden mächtigen Gedankengebäude Fichtes, Schellings, Hegels die Gedankenentwickelung so in Anspruch genommen haben, daß aphoristische Ideenblitze, wenn sie auch so erhellend waren wie die Lichtenbergs, übersehen werden konnten. Man braucht nur an einzelne Aussprüche des bedeutenden Mannes zu erinnern, um zu zeigen, wie in der von Feuerbach eingeleiteten Gedankenbewegung sein Geist wieder auflebte. «Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, das heißt vermutlich, der Mensch schuf Gott nach dem seinigen.» «Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird, einen Gott zu glauben als heutzutage Gespenster.» «Ist denn wohl unser Begriff von Gott etwas anderes als personifizierte Unbegreiflichkeit?» «Die Vorstellung, die wir uns von einer Seele machen, hat viel Ähnlichkeit mit der von einem Magneten in der Erde. Es ist bloß Bild. Es ist ein dem Menschen angeborenes Erfindungsmittel, sich alles unter dieser Form zu denken.» «Anstatt daß sich die Welt in uns spiegelt, sollten wir vielmehr sagen, unsere Vernunft spiegelt sich in der Welt. Wir können nichts anderes, wir müssen Ordnung und weise Regierung in der Welt erkennen, dies folgt aus der Einrichtung unserer Denkkraft. Es ist aber noch keine Folge, daß etwas, was wir notwendig denken müssen, auch wirklich so ist ... also daraus läßt sich kein Gott erweisen.» «Wir werden uns gewisser Vorstellungen bewußt, die nicht von uns abhängen; andere, glauben wir wenigstens, hängen von uns ab; wo ist die Grenze? Wir kennen nur allein die Existenz unserer Empfindungen, Vorstellungen und Gedanken. Es denkt, sollte man sagen, so wie man sagt: es blitzt.» Hätte Lichtenberg bei solchen Gedankenansätzen die Fähigkeit gehabt, eine in sich harmonische Weltanschauung auszubilden: er hätte nicht in dem Grade unberücksichtigt bleiben können, in dem dies geschehen ist. Zur Bildung einer Weltanschauung gehört nicht nur Überlegenheit des Geistes, die er besaß, sondern auch das Vermögen, Ideen im Zusammenhange allseitig auszugestalten und plastisch zu runden. Dies Vermögen ging ihm ab. Seine Überlegenheit spricht sich in einem vortrefflichen Urteile über das Verhältnis Kants zu seinen Zeitgenossen aus: «Ich glaube, daß, so wie die Anhänger des Herrn Kant ihren Gegnern immer vorwerfen, sie verständen ihn nicht, so auch manche glauben, Herr Kant habe recht, weil sie ihn verstehen. Seine Vorstellungsart ist neu und weicht von der gewöhnlichen sehr ab; und wenn man nun auf einmal Einsicht in dieselbe erlangt, so ist man auch sehr geneigt, sie für wahr zu halten, zumal da er so viele eifrige Anhänger hat. Man sollte aber dabei immer bedenken, daß dieses Verstehen noch kein Grund ist, es selbst für wahr zu halten. Ich glaube, daß die meisten über der Freude, ein sehr abstraktes und dunkel gefaßtes System zu verstehen, zugleich geglaubt haben, es sei demonstriert.» Wie geistesverwandt sich Ludwig Feuerbach mit Lichtenberg fühlen mußte, das zeigt sich besonders, wenn man vergleicht, auf welche Gesichtspunkte sich beide Denker stellten, wenn sie das Verhältnis ihrer Weltanschauung zum praktischen Leben in Betracht zogen. Die Vorlesungen, die Feuerbach vor einer Anzahl von Studenten im Winter 1848 über das «Wesen der Religion» hielt, schloß er mit den Worten: «Ich wünsche nur, daß ich die mir gestellte, in einer der ersten Stunden ausgesprochene Aufgabe nicht verfehlt habe, die Aufgabe nämlich, Sie aus Gottesfreunden zu Menschenfreunden, aus Gläubigen zu Denkern, aus Betern zu Arbeitern, aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits, aus Christen, welche ihrem eigenen Bekenntnis und Geständnis zufolge ,halb Tier, halb Engel' sind, zu Menschen, zu ganzen Menschen zu machen.» Wer, wie Feuerbach das getan hat, alle Weltanschauung auf die Grundlage der Natur- und Menschenerkenntnis stellt, der muß auch auf dem Gebiete der Moral alle Aufgaben, alle Pflichten ablehnen, die aus einem anderen Gebiet stammen als aus den natürlichen Anlagen des Menschen, oder die ein anderes Ziel haben als ein solches, das sich ganz auf die wahrnehmbare Welt bezieht. «Mein Recht ist mein gesetzlich anerkannter Glückseligkeitstrieb; meine Pflicht der mich zur Anerkennung zwingende Glückseligkeitstrieb anderer.» Nicht im Ausblick auf ein Jenseits wird mir Aufschluß, was ich tun soll, sondern aus der Betrachtung des Diesseits. Soviel Kraft ich darauf verwende, irgendwelche Aufgaben zu erfüllen, die sich auf das Jenseits beziehen, so viel entziehe ich von meinen Fähigkeiten dem Diesseits, für das ich einzig bestimmt bin. «Konzentration auf das Diesseits» ist es daher, was Ludwig Feuerbach verlangt. Wir können in Lichtenbergs Schriften ähnliche Worte lesen. Aber gerade diese sind zugleich mit Bestandteilen vermischt, die zeigen, wie wenig es einem Denker, der nicht das Vermögen hat, seine Ideen in sich harmonisch auszubilden, gelingt, eine Idee bis in ihre äußersten Konsequenzen zu verfolgen. Lichtenberg fordert schon die Konzentration auf das Diesseits, aber er durchsetzt diese Forderung noch immer mit Vorstellungen, die auf ein Jenseits zielen. «Ich glaube, sehr viele Menschen vergessen über ihre Erziehung für den Himmel, die für die Erde. Ich sollte denken, der Mensch handelte am weisesten, wenn er erstere ganz an ihren Ort gestellt sein ließe. Denn wenn wir von einem weisen Wesen an diese Stelle gesetzt worden sind, woran kein Zweifel ist, so laßt uns das Beste in dieser Station tun,und uns nicht durch Offenbarungen blenden. Was der Mensch zu seiner Glückseligkeit zu wissen nötig hat, das weiß er gewiß ohne alle andere Offenbarung als die, die er seinem Wesen nach besitzt.» Vergleiche, wie der zwischen Lichtenberg und Feuerbach, sind für die Geschichte der Weltanschauungsentwickelung bedeutsam. Sie zeigen den Fortgang der Geister am anschaulichsten, weil man aus ihnen erkennt, was der Zeitabstand, der zwischen ihnen liegt, an diesem Fortgang bewirkt hat. Feuerbach ist durch Hegels Weltanschauung durchgegangen; er hat aus ihr die Kraft gezogen, seine entgegengesetzte Ansicht allsein auszubilden. Er wurde nicht mehr gestört durch die Kantsche Frage: ob wir denn wirklich auch ein Recht haben, der Welt, die wir wahrnehmen, auch Wirklichkeit zuzuschreiben oder ob diese Welt nur in unserer Vorstellung existierte? Wer das letztere behauptet, der kann in die jenseits der Vorstellungen liegende wahre Welt alle möglichen Triebkräfte für den Menschen verlegen. Er kann neben der natürlichen eine übernatürliche Weltordnung gelten lassen, wie dies Kant getan hat. Wer aber im Sinne Feuerbachs das Wahrnehmbare für das Wirkliche erklärt, der muß alle übernatürliche Weltordnung ablehnen. Für ihn gibt es keinen irgendwo aus dem Jenseits stammenden kategorischen Imperativ; für ihn sind nur Pflichten vorhanden, die sich aus den natürlichen Trieben und Zielen des Menschen ergeben.
[ 4 ] Um eine zur Hegelschen in solchem Gegensatz stehende Weltanschauung auszubilden, wie dies Feuerbach getan hat, dazu gehörte allerdings auch eine Persönlichkeit, die von der Hegels so verschieden war wie die seinige. Hegel fühlte sich wohlmitten im Getriebe des ihm gegenwärtigen Lebens. Das unmittelbare Treiben der Welt mit seinem philosophischem Geiste zu beherrschen, war ihm eine schöne Aufgabe. Ms er von seiner Lehrtätigkeit in Heidelberg enthoben sein wollte, um nach Preußen überzugehen, da ließ er in seinem Abschiedsgesuch deutlich durchblicken, daß ihn die Aussicht lockte, einmal einen Tätigkeitskreis zu finden, der ihn nicht auf das bloße Lehren beschränke, sondern ihm das Eingreifen in die Praxis möglich mache. «Es müsse für ihn vornehmlich die Aussicht von größter Wichtigkeit sein, zu mehrer Gelegenheit bei weiter vorrückendem alter von der prekären Funktion, Philosophie an einer Universität zu dozieren, zu einer anderen Tätigkeitkeit überzugehen und gebraucht zu werden.» Wer eine solche Denkergesinnung hat, der muß in Frieden leben mit der Gestalt des praktischen Lebens, die dieses zu seiner Zeit angenommen hat. Er muß die Ideen, von denen es durchtränkt ist, vernünftig finden. Nur daraus kann er die Begeisterung schöpfen, an ihrem Ausbau mitzuwirken. Feuerbach war dem Leben seiner Zeit nicht freundlich gesinnt. Ihm war die Stille eines abgeschiedenen Ortes lieber als das Getriebe des in seiner Zeit «modernen» Lebens. Er spricht sich darüber deutlich aus: «Überhaupt werde ich mich nie mit dem Städteleben versöhnen. Von Zeit zu Zeit in die Stadt zu ziehen, um zu lehren, das halte ich, nach den Eindrücken, die ich bereits hier hervorgebracht habe, für gut, ja für meine Pflicht; aber dann muß ich wieder zurück in die ländliche Einsamkeit, um hier im Schoße der Natur zu studieren und auszuruhen. Meine nächste Aufgabe ist, meine Vorlesungen, wie meine Zuhörer wünschen oder die Papiere Vaters zum Druck vorzubereiten.» Von seiner Einsamkeit aus glaubte Feuerbach am besten beurteilen zu können, was an der Gestalt, die das wirkliche Leben angenommen hat, nicht natürlich, sondern nur durch die menschliche Illusion in dasselbe hineingetragen worden ist. Die Reinigung des Lebens von den Illusionen, das betrachtete er als seine Aufgabe. Dazu mußte er dem Leben in diesen Illusionen so fern als möglich stehen. Er suchte nach dem wahren Leben; das konnte er in der Form, die das Leben durch die Zeitkultur angenommen hatte, nicht finden. Wie ehrlich er es mit der «Konzentration auf das Diesseits» meinte, das zeigt ein Ausspruch, den er über die Märzrevolution getan hat. Sie schien ihm unfruchtbar, weil in den Vorstellungen, die ihr zugrunde lagen, noch der alte Jenseitsglaube fortlebte: «Die Märzrevolution war noch ein, wenn auch illegitimes Kind des christlichen Glaubens. Die Konstitutionellen glaubten, daß der Herr nur zu sprechen brauche: es sei Freiheit! es sei Recht! so ist auch schon Recht und Freiheit; und die Republikaner glaubten, daß man eine Republik nur zu wollenbrauche, um sie auch schon ins Leben zu rufen; glaubten also an die Schöpfung einer Republik aus Nichts. Jene versetzten die christlichen Weltwunder, diese die christlichen Tatwunder auf das Gebiet der Politik.» Nur eine Persönlichkeit, die die Harmonie des Lebens, deren der Mensch bedarf, in sich selbst zu tragen vermeint, kann bei dem tiefen Unfrieden, in dem Feuerbach mit ,der Wirklichkeit lebte, zugleich die Hymnen auf die Wirklichkeit sprechen, die er gesprochen hat. Dieses hören wir aus Worten wie diese: «In Ermangelung einer Aussicht ins Jenseits kann ich im Diesseits, im Jammertal der deutschen, ja europäischen Politik überhaupt, nur daß durch mich bei Leben und Verstand erhalten, daß ich die Gegenwart zu einem Gegenstande aristophanischen Gelächters mache.» Nur eine solche Persönlichkeit konnte aber auch alle die Kraft, die andere von einer äußeren Macht ableiten, im Menschen selbst suchen.
[ 5 ] Die Geburt des Gedankens hatte in der griechischen Weltanschauung bewirkt, daß der Mensch sich nicht mehr so verwachsen mit der Welt fühlen konnte, wie ihm das beim alten Bildvorstellen möglich war. Es war dies die erste Stufe in dem Bilden eines Abgrundes zwischen Mensch und Welt. Eine weitere Stufe war gegeben mit der Entwickelung der neueren naturwissenschaftlichen Denkungsart. Diese Entwickelung riß die Natur und die Menschenseele völlig auseinander. Es mußte auf der einen Seite entstehen ein Bild der Natur, in welchem der Mensch, seinem geistig-seelischen Wesen nach, nicht zu finden ist; und auf der anderen Seite eine Idee von der Menschenseele, welche zu der Natur keine Brücke fand. In der Natur fand man gesetzmäßige Notwendigkeit. Innerhalb dieser hatte keinen Platz, was in der Menschenseele sich findet: Impuls der Freiheit, der Sinn für ein Leben, das in einer geistigen Welt wurzelt und mit dem Sinnes dasein nicht erschöpft ist. Geister wie Kant fanden nur einen Ausweg, indem sie beide Welten völlig schieden: in der einen Naturwissen, in der anderen Glauben fanden. Goethe, Schiller, Fichte, Schelling, Hegel dachten die Idee der selbstbewußten Seele so umfassend, daß diese in einer höheren Geistnatur zu wurzeln schien, die über Natur und Menschenseele steht. Mit Feuerbach tritt ein Geist auf, welcher durch das Bild der Welt, welches die neue naturwissenschaftliche Vorstellungsart geben kann, sich genötigt glaubt, der Menschenseele alles absprechen zu müssen, was dem Naturbild widerspricht. Er macht die Menschenseele zu einem Gliede der Natur. Er kann dies nur, weil er alles aus dieser Menschenseele erst herausdenkt, was ihn stört, sie als ein Glied der Natur anzuerkennen. Fichte, Schelling, Hegel nahmen die selbstbewußte Seele als das, was sie ist; Feuerbach macht sie zu dem, was er für sein Weltbild braucht. Mit ihm tritt eine Vorstellungsart auf, welche sich überwältigt fühlt von dem Bilde der Natur. Sie kann mit den beiden Teilen des modernen Weltbildes, dem Naturbilde und dem Seelenbilde, nicht fertig werden; deshalb geht sie an dem einen, dem Seelenbilde, ganz vorbei. Wolffs Idee von der Neubildung führt dem Naturbilde fruchtbare Impulse zu; Feuerbach verwendet diese Impulse für eine Geistwissenschaft, die nur dadurch bestehen kann, daß sie sich auf den Geist gar nicht einläßt. Er begründet eine Weltanschauungsströmung, welche dem mächtigsten Impuls des modernen Seelenlebens, dem lebendigen Selbstbewußtsein, ratlos gegenübersteht. In dieser Weltanschauungsströmung zeigt sich dieser Impuls in der Art, daß er nicht nur als unbegreiflich genommen wird, sondern daß man sich, weil er unbegreiflich scheint, über seine wahre Gestalt hinwegsetzt und ihn zu etwas macht - einem Naturfaktor, das er vor einer unbefangenen Beobachtung nicht ist.
[ 6 ] «Gott war mein erster Gedanke, die Vernunft mein zweiter, der Mensch mein dritter und letzter Gedanke.» So schildert Feuerbach den Weg, den er gegangen war vom Gläubigen zum Anhänger der Hegelschen und dann zu seiner eigenen Weltanschauung. Dasselbe hätte der Denker von sich sagen können, der im Jahre 1834 eines der wirksamsten Bücher des Jahrhunderts geliefert hat, das «Leben Jesu». Es war David Friedrich Strauß (1808 bis 1874). Feuerbach ging von einer Untersuchung der menschlichen Seele aus und fand, daß sie das Bestreben hat, ihr eigenes Wesen in die Welt hinaus zu versetzen und als göttliches Urwesen zu verehren. Er versuchte eine psychologische Erklärung dafür, wie der Gottesbegriff entsteht. Den Anschauungen von Strauß lag ein ähnliches Ziel zugrunde, er ging aber nicht wie Feuerbach den Weg des Psychologen, sondern den des Geschichtsforschers. Und er stellte nicht den Gottesbegriff im allgemeinen, in dem umfassenden Sinn, in dem das Feuerbach getan hat, in den Mittelpunkt seines Nachsinnens, sondern den christlichen Begriff des Gottmenschen Jesu. Er wollte zeigen, wie die Menschheit zu dieser Vorstellung im Verlaufe der Geschichte gelangt ist. Daß im menschlichen Geiste sich das göttliche Urwesen offenbart, war die Überzeugung der Hegelschen Weltanschauung. Diese hatte auch Strauß aufgenommen. Aber nicht in einem einzelnen Menschen kann sich, nach seiner Meinung, die göttliche Idee in ihrer ganzen Vollkommenheit verwirklichen. Der individuelle Einzelmensch ist immer nur ein unvollkommener Abdruck des göttlichen Geistes. Was dem einen Menschen zur Vollkommenheit fehlt, das hat der andere. Wenn man das ganze Menschengeschlecht ansieht, so wird man in ihm, auf unzählige Individuen verteilt, alle Vollkommenheiten finden, die der Göttlichkeit eigen sind. Das Menschengeschlecht im ganzen ist somit der fleischgewordene Gott, der Gottmensch. Dies ist, nach Strauß' Meinung, der Jesusbegriff des Denkers. Von diesem Gesichtspunkt aus tritt Strauß an die Kritik des christlichen Begriffes vom Gottmenschen heran. Was dem Gedanken nach auf das ganze Menschengeschlecht verteilt ist, legt das Christentum ,einer Persönlichkeit bei, die einmal im Verlauf der Geschichte wirklich existiert haben soll. «In einem Individuum, einem Gottmenschen, gedacht, widersprechen sich die Eigenschaften und Funktionen, welche die Kirchenlehre Christo zuschreibt: in der Idee der menschlichen Gattung stimmen sie zusammen. Gestützt auf sorgfältige Untersuchungen über die historischen Grundlagen der Evangelien, sucht Strauß nachzuweisen, daß die Vorstellungen des Christentums Ergebnisse der religiösen Phantasie sind. Diese habe die religiöse Wahrheit, daß die menschliche Gattung der Gottmensch sei, zwar dunkel geahnt, aber nicht in klare Begriffe gefaßt, sondern in einer dichterischen Gestalt, in einem Mythus zum Ausdrucke gebracht. Die Geschichte des Gottessohnes wird so für Strauß zum Mythus, in dem die Idee der Menschheit dichterisch gestaltet wurde, lange bevor sie von den Denkern in der Form des reinen Gedankens erkannt wurde. Von diesem Gesichtspunkt aus gewinnt alles Wunderbare der christlichen Geschichte eine Erklärung, ohne daß man gezwungen ist, zu der vorher oft angenommenen trivialen Auffassung zu greifen, in den Wundern absichtliche Täuschungen oder Betrügereien zu sehen, zu denen der Religionsstifter entweder selbst gegriffen haben soll, um mit seiner Lehre einen möglichst großen Eindruck zu machen, oder welche die Apostel zu diesem Zwecke ersonnen haben sollen. Auch eine andere Ansicht, welche in den Wundern allerlei natürliche Vorgänge sehen wollte, war beseitigt. Die Wunder stellten sich dar als dichterisches Gewand für wirkliche Wahrheiten. Wie die Menschheit von ihren endlichen Interessen, dem Leben des Alltags, sich erhebt zu ihren unendlichen, zur Erkenntnis der göttlichen Wahrheit und Vernünftigkeit: das stellt der Mythus in dem Bilde des sterbenden und auferstehenden Heilandes dar. Das Endliche stirbt, um als Unendliches wieder zu erstehen.
[ 7 ] Im Mythus der alten Völker ist der Niederschlag des Bildervorstellens der Urzeit zu sehen, aus dem sich das Gedankenerleben herausentwickelt hat. Ein Gefühl von dieser Tatsache lebt im neunzehnten Jahrhundert bei einer Persönlichkeit wie Strauß auf. Er will sich über den Fortgang und die Bedeutung des Gedankenlebens orientieren, indem er sich in den Zusammenhang der Weltanschauung mit dem mythischen Denken in der geschichtlichen Zeit vertieft. Er will Wissen, wie die mythenbildende Vorstellungsart noch in die neuere Weltanschauung hereinwirkt. Und zugleich will er das menschliche Selbstbewußtsein in einer Wesenheit verankern, die außerhalb der einzelnen Persönlichkeit liegt, indem er die ganze Menschheit als eine Verkörperung des Gottwesens sich vorstellt. Dadurch gewinnt er für die einzelne Menschenseele eine Stütze in der All-Menschenseele, welche ihre Entfaltung in dem Verlauf des geschichtlichen Werdens findet.
[ 8 ] Noch radikaler geht Strauß zu Werke in seinem 1840 bis 1841 erschienenen Buche «Die christliche Glaubenslehre in ihrer geschichtlichen Entwickelung und im Kampfe mit der modernen Wissenschaft.» Hier handelt es sich ihm um Auflösung der christlichen Dogmen aus ihrer dichterischen Gestalt in die Gedankenwahrheiten, die ihnen zugrunde liegen. Er betont jetzt die Unverträglichkeit des modernen Bewußtseins mit demjenigen, das sich an die alten bildlich-mythischen Darstellungen der Wahrheit hält. «Also lasse der Glaubende den Wissenden, wie dieser jenen, ruhig seine Straße ziehen; wir lassen ihnen ihren Glauben, so lassen sie uns unsere Philosophie; und wenn es den Überfrommen gelingen sollte, uns aus ihrer Kirche auszuschließen, so werden wir dies für Gewinn achten. Falsche Vermittelungsversuche sind jetzt genug gemacht; nur die Scheidung der Gegensätze kann weiterführen.» Eine ungeheure Aufregung der Gemüter hatten Strauß' Anschauungen hervorgebracht. Bitter wurde es empfunden, daß die moderne Weltanschauung sich nicht mehr begnügte, die religiösen Grundvorstellungen im allgemeinen zu treffen, sondern daß sie durch eine mit allen wissenschaftlichen Mitteln ausgerüstete Geschichtsforschung die «Inkonsequenz» beseitigen wollte, von der einst Lichtenherg gesagt hatte, sie bestehe darin, daß «sich die menschliche Natur sogar unter das Joch eines Buches geschmiegt habe. Man kann sich» fährt er fort «nichts Entsetzlicheres denken, und dieses Beispiel allein zeigt, was für ein hilfloses Geschöpf der Mensch in concreto, ich meine in diese zweibeinige Phiole aus Erde, Wasser und Salz eingeschlossen, ist. Wäre es möglich, daß die Vernunft sich je einen despotischen Thron erbaute, so müßte ein Mann, der im Ernst das kopernikanische System durch die Autorität eines Buches widerlegen wollte, gehenkt werden. Daß in einem Buche steht, es sei von Gott, ist noch kein Beweis, daß es von Gott sei; daß aber unsere Vernunft von Gott sei, ist gewiß, man mag nun das Wort Gott nehmen, wie man will. Die Vernunft straft da, wo sie herrscht, bloß mit den natürlichen Folgen des Vergehens oder mit Belehrung, wenn belehren strafen genannt werden kann.» Strauß wurde seiner Stelle als Repetent am Tübinger Stift infolge des «Lebens Jesu» enthoben; und als er dann eine Professur der Theologie an der Universität Zürich antrat, kam das Landvolk mit Dreschflegeln herbei, um den Auflöser des Mythus unmöglich zu machen und seine Pensionierung zu erzwingen.
[ 9 ] Weit über das Ziel hinaus, das sich Strauß setzte, ging ein anderer Denker in seiner Kritik der alten Weltanschauung vom Standpunkte der neuen aus: Bruno Bauer. Die Ansicht, die Feuerbach vertritt, daß das Wesen des Menschen auch dessen höchstes Wesen sei und jedes andere höhere nur eine Illusion, die er nach seinem Ebenbild geschaffen und selbst über sich gesetzt hat, treffen wir auch bei Bruno Bauer, aber in grotesker Form. Er schildert, wie das menschliche Ich dazu kam, sich ein illusorisches Gegenbild zu schaffen, in Ausdrücken, denen man ansieht, daß sie nicht aus dem Bedürfnis eines liebevollen Begreifens des religiösen Bewußtseins, wie bei Strauß, sondern aus Freude an der Zerstörung hervorgingen. Er sagt, dem «alles verschlingenden Ich graute vor sich selbst; es wagte sich nicht als alles und als die allgemeinste Macht zu fassen, das heißt, es blieb noch der religiöse Geist und vollendete seine Entfremdung, indem es seine allgemeine Macht als eine fremde sich selbst gegenüberstellte und dieser Macht gegenüber in Furcht und Zittern für seine Erhaltung und Seligkeit arbeitete». Bruno Bauer ist eine Persönlichkeit, die darauf ausgeht, ihr temperamentvolles Denken an allem Vorhandenen kritisch zu erproben. Daß das Denken berufen sei, zum Wesen der Dinge vorzudringen, hat er, als seine Überzeugung, aus Hegels Weltanschauung übernommen. Aber er ist nicht, gleich Hegel, dazu veranlagt, das Denken sich in einem Ergebnis, in einem Gedankengebäude ausleben zu lassen. Sein Denken ist kein hervorbringendes, sondern ein kritisches. Durch einen bestimmten Gedanken, durch eine positive Idee hätte er sich beschränkt gefühlt. Er will die kritische Kraft des Denkens nicht dadurch festlegen, daß er von einem Gedanken als von einem bestimmten Gesichtspunkt ausgeht, wie Hegel das getan hat. «Die Kritik ist einerseits die letzte Tat einer bestimmten Philosophie, welche sich darin von einer positiven Bestimmtheit, die ihre wahre Allgemeinheit noch beschränkt, befreien muß, und darum andererseits die Voraussetzung, ohne welche sie sich nicht zur letzten Allgemeinheit des Selbstbewußtseins erheben kann.» Dies ist das Glaubensbekenntnis der «Kritik der Weltanschauung», zu dem sich Bruno Bauer bekannte. Die «Kritik» glaubt nicht an Gedanken, Ideen, sondern nur an das Denken. «Der Mensch ist nun erst gefunden», triumphiert Bauer. Denn der Mensch ist nun durch nichts mehr gebunden als durch sein Denken. Menschlich ist nicht, sich an irgend etwas Außermenschliches hinzugeben, sondern alles im Schmelztiegel des Denkens zu bearbeiten. Nicht Ebenbild eines anderen Wesens soll der Mensch sein, sondern vor allen Dingen «Mensch», und das kann er nur dadurch, daß er sich durch sein Denken dazu macht. Der denkende Mensch ist der wahre Mensch. Nicht irgend etwas Äußeres, nicht Religion, Recht, Staat, Gesetz usw. kann den Menschen zum Menschen machen, sondern allein sein Denken. In Bauer tritt die Ohnmacht des Denkens auf, die an das Selbstbewußtsein heranreichen will aber nicht kann.
[ 10 ] Was Feuerbach als des Menschen höchstes Wesen erklärt hat, wovon Bruno Bauer behauptet hat, daß es durch die Kritik als Weltanschauung erst gefunden sei: «den Menschen», ihn sich völlig unbefangen und voraussetzungslos anzusehen, ist die Aufgabe, die sich Max Stirner (1806-1856) in seinem 1845 erschienenen Buche «Der Einzige und sein Eigentum» gestellt hat. Stirner findet: «Mit der Kraft der Verzweiflunggreift Feuerbach nach dem gesamten Inhalt des Christentums, nicht, um ihn wegzuwerfen, nein, um ihn an sich zu reißen, um ihn, den langersehnten, immer ferngebliebenen, mit einer letzten Anstrengung aus seinem Himmel zu ziehen und auf ewig bei sich zu behalten. Ist dies nicht ein Griff der letzten Verzweiflung, ein Griff auf Leben und Tod, und ist es nicht zugleich die christliche Sehnsucht und Begierde nach dem Jenseits? Der Heros will nicht in das Jenseits eingehen, sondern das Jenseits an sich heranziehen und zwingen, daß es zum Diesseits werde! Und schreit seitdem nicht alle Welt, mit mehr oder weniger Bewußtsein, aufs ,Diesseits' komme es an, und der Himmel müsse auf die Erde kommen und hier schon erlebt werden?» Stirner stellt der Ansicht Feuerbachs einen heftigen Widerspruch gegenüber: «Das höchste Wesen ist allerdings das Wesen' des Menschen, aber eben weil es sein Wesenund nicht er selbst ist, so bleibt es sich ganz gleich, ob wir esaußer ihm sehen und als ,Gott' anschauen, oder in ihm finden und ,Wesen des Menschen' oder ,der Mensch' nennen. Ich bin weder Gott noch der Mensch, weder das höchste Wesen noch meinWesen, und darum ist's in der Hauptsache einerlei, ob ichdas Wesen in miroder außer mirdenke. Ja, wir denken auch wirklich immer das höchste Wesen in beiderlei Jenseitigkeit, in der innerlichen und äußerlichen, zugleich, denn der ,Geist Gottes' ist nach christlicher Anschauung auch ,Unser Geist' und ,wohnet in uns'. Er wohnt im Himmel und wohnt in uns; wir armen Dinger sind eben nur seine ,Wohnung', und wenn Feuerbach noch die himmlische Wohnung desselben zerstört und ihn nötigt, mit Sack und Pack zu uns zu ziehen, so werden wir, sein irdisches Logis, sehr überfüllt werden.» Solange das einzelne menschliche Ich noch irgendeine Kraft setzt, von der es sich abhängig fühlt, sieht es sich selbst nicht von seinem eigenen Gesichtspunkte, sondern von demjenigen dieser fremden Macht aus. Es besitzt sich nicht selbst, es wird von dieser Macht besessen. Der Religiöse sagt: Es gibt ein göttliches Urwesen, und dessen Abbild ist der Mensch. Er ist von dem göttlichen Urbilde besessen. Der Hegelianer sagt: Es gibt eine allgemeine Weltvernunft, und diese verwirklicht sich in der Welt, um im menschlichen Ich zu ihrem Gipfel zu gelangen. Das Ich ist also von der Weltvernunft besessen. Feuerbach sagt, es gibt ein Wesen des Menschen, und jeder einzelne ist ein individuelles Abbild dieses Wesens. Jeder einzelne ist also von dem «Wesen der Menschheit» besessen. Denn wirklich vorhanden ist nur der einzelne Mensch, nicht der «Gattungsbegriff der Menschheit», den Feuerbach an die Stelle' des göttlichen Wesens setzt. Wenn also der einzelne Mensch die «Gattung Mensch» über sich setzt, so gibt er sich genau so an eine Illusion verloren, wie wenn er sich von einem persönlichen Gotte abhängig fühlt. Für Feuerbach werden daher die Gebote, die der Christ als von Gott eingesetzt glaubt und deshalb für verbindlich hält, zu Geboten, die bestehen, weil sie der allgemeinen Idee der Menschheit entsprechen. Der Mensch beurteilt sich sittlich so, daß er sich fragt: Entsprechen meine Handlungen als einzelner dem, was dem Wesen des Allgemem-Menschlichen angemessen ist? Denn Feuerbach sagt: «Ist das Wesen des Menschen das höchste Wesen des Menschen, so muß auch praktisch das höchste und erste Gesetz die Liebe des Menschen zum Menschen sein. Homo homini deus est. Die Ethik ist an und für sich eine göttliche Macht. Die moralischen Verhältnisse, sind durch sich wahrhaft religiöse Verhältnisse. Das Leben ist überhaupt in seinen wesentlichen substantiellen Verhältnissen durchaus göttlicher Natur. Alles Richtige, Wahre, Gute hat überall seinen Heiligungsgrund in sich selbst, in seinen Eigenschaften. Heilig ist und sei die Freundschaft, heilig das Eigentum, heilig die Ehe, heilig das Wohl jedes Menschen, aber heilig an und für sich selbst.» Es gibt also allgemeinmenschliche Mächte; die Ethik ist eine solche. Sie ist heilig an und für sich selbst; ihr hat sich das Individuum zu fügen. Dieses Individuum soll nicht wollen, was es von sich aus will, sondern was im Sinne der heiligen Ethik liegt. Es ist von der Ethik besessen. Stirner charakterisiert diese Ansicht: «Für den Gott des einzelnen ist nun der Gott aller, nämlich ,der Mensch' erhöht worden: ,es ist ja unser aller Höchstes, Mensch zu sein'. Da aber niemand ganz das werden kann, was die Idee ,Mensch' besagt, so bleibt der Mensch dem Einzelnen ein erhabenes Jenseits, ein unerreichtes höchstes Wesen, ein Gott.» Ein solch höchstes Wesen ist aber auch das Denken, das die Kritik als Weltanschauung zum Gott gemacht hat. Stirner kann daher auch vor ihm nicht haltmachen. «Der Kritiker fürchtet sich, ,dogmatisch' zu werden oder Dogmen aufzustellen. Natürlich, er würde dadurch ja zum Gegensatz des Kritikers, zum Dogmatiker, er würde, wie er als Kritiker gut ist, nun böse. ... ,Nur kein Dogma!' das ist sein Dogma. Denn es bleibt der Kritiker mit dem Dogmatiker auf ein und demselben Boden, dem der Gedanken. Gleich dem letzteren geht er stets von einem Gedanken aus, aber darin weicht er ab, daß er's nicht aufgibt, den prinzipiellen Gedanken im Denkprozessezu erhalten, ihn also nicht stabil werden läßt. Er macht nur den Denkprozeß gegen die Denkgläubigkeit, den Fortschritt im Denken gegen den Stillstand in demselben geltend. Vor der Kritik ist kein Gedanke sicher, da sie das Denken oder der denkende Geist selber ist ... Ich bin kein Gegner der Kritik, das heißt, ich bin kein Dogmatiker, und fühle mich von dem Zahne des Kritikers, womit er den Dogmatiker zerfleischt, nicht getroffen. Wäre ich ein ,Dogmatiker', so stellte ich ein Dogma, das heißt, einen Gedanken, eine Idee, ein Prinzip obenan, und vollendete dies als ,Systematiker', indem ich's zu einem System, das heißt, zu einem Gedankenbau ausspönne. Wäre ich umgekehrt ein Kritiker, nämlich ein Gegner des Dogmatikers, so führte ich den Kampf des freien Denkens gegen den knechtenden Gedanken, verteidigte das Denken gegen das Gedachte. Ich bin aber weder der Champion eines Gedankens, noch der des Denkens ...» Auch jeder Gedanke ist von dem individuellen Ich eines einzelnen erzeigt, und wäre er auch der Gedanke der eigenen Wesenheit. Und wenn der Mensch sein eigenes Ich zu erkennen glaubt, es irgendwie seiner Wesenheit nach beschreiben will, so macht er es schon von dieser Wesenheit abhängig. Ich mag ersinnen, was ich will: sobald ich mich begrifflich bestimme, definiere, mache ich mich zu einem Sklaven dessen, was mir der Begriff, die Definition liefert. Hegel machte das Ich zur Erscheinung der Vernunft, das heißt, er machte es von dieser abhängig. Aber alle solche Abhängigkeiten können dem Ich gegenüber nicht gelten; denn sie sind ja alle aus ihm selbst entnommen. Sie beruhen also darauf, daß das Ich sich täuscht. Es ist in Wahrheit nicht abhängig. Denn alles, wovon es abhängig sein soll, muß es erst selbst erzeugen. Es muß etwas aus sich nehmen, um es als «Spuk» über sich zu setzen. «Mensch, es spukt in deinem Kopfe; du hast einen Sparren zuviel! Du bildest dir große Dinge ein und malst dir eine ganze Götterwelt aus, die für dich da sei, ein Geisterreich, zu welchem du berufen seist, ein Ideal, das dir winkt. Du hast eine fixe Idee!» In Wahrheit kann kein Denken an das heranrücken, was als Ich in mir lebt. Ich kann mit meinem Denken an alles kommen, nur vor meinem Ich muß ich haltmachen. Das kann ich nicht denken, das kann ich nur erleben. Ich bin nicht Wille; ich bin nicht Idee, ebensowenig, wie ich Ebenbild einer Gottheit bin. Alle anderen Dinge mache ich mir durch mein Denken begreiflich. Das Ich lebe ich. Ich brauche mich nicht weiter zu definieren, zu beschreiben; denn ich erlebe mich in jedem Augenblicke. Zu beschreiben brauche ich mir nur, was ich nicht unmittelbar erlebe, was außer mir ist. Es ist widersinnig, daß ich mich selbst, da ich mich immer als Ding habe, auch noch als Gedanken, als Idee erfassen will. Wenn ich einen Stein vor mir habe, so suche ich mir durch mein Denken zu erklären, was dieser Stein ist. Was ich selbst bin, brauche ich mir nicht erst zu erklären; denn ich lebe es ja. Stirner antwortet auf einen Angriff gegen sein Buch: «Der Einzige ist ein Wort, und bei einem Worte müßte man sich doch etwas denkenkönnen, ein Wort müßte doch einen Gedankeninhalt haben. Aber der Einzige ist ein gedankenlosesWort, es hat keinen Gedankeninhalt. Was ist dann aber sein Inhalt, wenn der Gedanke es nicht ist? Einer, der nicht zum zweiten Male da sein, folglich auch nicht ausgedrücktwerden kann; denn könnte er ausgedrückt, wirklich und ganz ausgedrückt werden, so wäre er zum zweiten Male da, wäre im ,Ausdruck' da. Weil der Inhalt des Einzigen kein Gedankeninhalt ist, darum ist er auch undenkbar und unsagbar, weil aber unsagbar, darum ist er, diese vollständige Phrase, zugleich keine Phrase. Erst dann, wenn nichts von dir ausgesagt und du nur genanntwirst, wirst du anerkannt als du. Solange etwas von dir ausgesagt wird, wirst du nur als dieses Etwas (Mensch, Geist, Christ und so fort) anerkannt. Der Einzige sagt aber nichts aus, weil er nur Name ist, nur dies sagt, daß du du,und nichts anderes als du bist, daß du ein einziges ,Du' und du selber bist. Hierdurch bist du prädikatlos, damit aber zugleich bestimmungslos, beruflos, gesetzlos und so weiter.» (Vergleiche Stirners Kleine Schriften, herausgegeben von J. H. Mackay, S. 116). Stirner hat bereits 1842 in einem Aufsatz der «Rheinischen Zeitung» über das «unwahre Prinzip unserer Erziehung oder der Humanismus und Realismus» (vergleiche Kleine Schriften S. 5 ff.) sich darüber ausgesprochen, daß für ihn das Denken, das Wissen nicht bis zu dem Kern der Persönlichkeit vordringen kann. Er betrachtet es daher als ein unwahres Erziehungsprinzip, wenn nicht dieser Kern der Persönlichkeit zum Mittelpunkt gemacht wird, sondern in einseitiger Weise das Wissen. «Ein Wissen, welches sich nicht so läutert und konzentriert, daß es zum Wollen fortreißt' oder mit anderen Worten, welches mich nur als ein Haben und Besitz beschwert, statt ganz und gar mit mir zusammen gegangen zu sein, so daß das frei bewegliche Ich, von keiner nachschleppenden Habe beirrt, frischen Sinnes die Welt durchzieht, ein Wissen also, das nicht persönlich geworden, gibt eine erbärmliche Vorbereitung fürs Leben ab... Ist es der Drang unserer Zeit, nachdem die Denkfreiheiterrungen, diese bis zur Vollendung zu verfolgen, durch welche sie in die Willensfreiheit umschlägt, um die letztere als das Prinzip einer neuen Epoche zu verwirklichen, so kann auch das letzte Ziel der Erziehung nicht mehr das Wissen sein, sondern das aus dem Wissen geborene Wollen, und der sprechende Ausdruck dessen, was sie zu erstreben hat, ist: der persönliche oder freie Mensch. ... Wie in gewissen anderen Sphären, so läßt man auch in der pädagogischen die Freiheit nicht zum Durchbruch, die Kraft der Oppositionnicht zu Worte kommen: man will Unterwürfigkeit. Nur ein formelles und materielles Abrichten wird bezweckt, und nur Gelehrte gehen aus den Menagerien der Humanisten, nur ,brauchbare Bürger' aus denen der Realisten hervor, die doch beide nichts als unterwürfige Menschen sind ... Das Wissen muß sterben, um als Wille wieder aufzuerstehen und als freie Person sich täglich neu zu schaffen. » In der Person des einzelnen kann nur der Quell dessen liegen, was er tut. Die sittlichen Pflichten können nicht Gebote sein, die dem Menschen von irgendwoher gegeben werden, sondern Ziele, die er sich selbst vorsetzt. Es ist eine Täuschung, wenn der Mensch glaubt, er tue etwas deshalb, weil er ein Gebot einer allgemeinen heiligen Ethik befolgt. Er tut es, weil das Leben seines Ich ihn dazu antreibt. Ich liebe meinen Nächsten nicht deshalb, weil ich ein heiliges Gebot der Nächstenliebe befolge, sondern weil mich mein Ich zum Nächsten hinzieht. Ich soll ihn nicht lieben; ich will ihn lieben. Was die Menschen gewollt haben, das haben sie als Gebote über sich gesetzt. In diesem Punkte ist Stirner am leichtesten mißzuverstehen. Er leugnet nicht das moralische Handeln. Er leugnet bloß das moralische Gebot. Wie der Mensch handelt, wenn er sich nur richtig versteht, das wird von selbst eine moralische Weltordnung ergeben. Moralische Vorschriften sind für Stirner ein Spuk, eine fixe Idee. Sie setzen etwas fest, wozu der Mensch von selbst kommt, wenn er sich seiner Natur ganz überläßt. Die abstrakten Denker wenden da natürlich ein: Gibt es nicht Verbrecher? Dürfen diese danach handeln, was ihnen ihre Natur vorzeichnet? Diese abstrakten Denker sehen das allgemeine Chaos voraus, wenn den Menschen nicht Moralvorschriften heilig sind. Ihnen könnte Stirner antworten: Gibt es in der Natur nicht auch Krankheiten? Sind diese nicht ebenso nach ewigen, ehernen Gesetzen hervorgebracht wie alles Gesunde? Aber kann man deshalb nicht doch das Kranke von dem Gesunden unterscheiden? So wenig es je einem vernünftigen Menschen einfallen wird, das Kranke zum Gesunden zu rechnen, weil es ebenso wie jenes durch Naturgesetze hervorgebracht ist, so wenig möchte Stirner das Unmoralische zum Moralischen zählen, weil es ebenso wie dieses entsteht, wenn der einzelne sich selbst überlassen ist. Was aber Stirner von den abstrakten Denkern unterscheidet, das ist seine Überzeugung, daß im Menschenleben, wenn die emzelnen sich selbst überlassen sind, das Moralische ebenso das Herrschende sein werde, wie in der Natur es das Gesunde ist. Er glaubt an den sittlichen Adel der Menschennatur, an die freie Entwickelung der Moralität aus den Individuen heraus; die abstrakten Denker scheinen ihm nicht an diesen Adel zu glauben; deshalb meint er, sie erniedrigen die Natur des Individuums zur Sklavin allgemeiner Gebote, den Zuchtmitteln des menschlichen Handelns. Sie müssen viel Böses und Ruchloses auf dem Grunde ihrer Seele haben, diese «moralischen Menschen», meint Stirner, weil sie durchaus nach moralischen Vorschriften verlangen; sie müßten recht liebelos sein, weil sie sich die Liebe, die doch als freier Trieb in ihnen entstehen sollte, durch ein Gebot anbefehlen lassen wollen. Wenn vor zwanzig Jahren in einer ernsten Schrift noch tadelnd gesagt werden konnte: «Max Stirners Schrift ,Der Einzige und sein Eigentum' zertrümmerte Geist und Menschheit, Recht und Staat, Wahrheit und Tugend als Götzenbilder der Gedankenknechtschaft und bekennt frei: ,Mir geht nichts über mich'! » (Heinrich von Treitschke, Deutsche Geschichte, 5. Teil, 5. 424), so ist das nur ein Beweis dafür, wie leicht durch die radikale Ausdrucksweise Stirner mißverstanden werden kann, dem das menschliche Individuum als etwas so Hehres, Erhabenes, Einziges und Freies vor Augen stand, daß nicht einmal der Hochflug der Gedankenwelt imstande sein soll, es zu erreichen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts war Max Stirner so gut wie vergessen. Den Bemühungen John Henry Mackays ist es zu danken, daß wir heute von ihm ein Lebens- und Charakterbild haben. Er hat in seinem Buche «Max Stirner, sein Leben und sein Werk» (Berlin 1898) alles verarbeitet, was jahrelanges Suchen als Stoff für die Charakteristik des nach seiner Auffassung «kühnsten und konsequentesten Denkers» geliefert hat.
[ 11 ] Stirner steht wie andere Denker der neueren Zeit der Tatsache des zu erfassenden selbstbewußten Ich gegenüber. Andere suchen die Mittel, dieses Ich zu begreifen. Dies Begreifen stößt auf Schwierigkeiten, weil zwischen Naturbild und Bild des Geisteslebens eine weite Kluft sich gebildet hat. Stirner läßt das alles unberücksichtigt. Er stellt sich vor die Tatsache des selbstbewußten Ich hin und gebraucht alles, was er zum Ausdrucke bringen kann, allein dazu, auf diese Tatsache hinzuweisen. Er will so von dem Ich sprechen, daß ein jeder auf dieses Ich selbst hinsieht, und niemand sich dieses Hinsehen dadurch erspare, daß gesagt wird: das Ich ist dieses oder jenes. Nicht auf eine Idee, einen Gedanken des Ich will Stirner Weisen, sondern auf das lebende Ich selbst, das die Persönlichkeit in sich findet.
[ 12 ] Stirners Vorstellungsart, als der entgegengesetzte Pol derjenigen Goethes, Schillers, Fichtes, Schellings, Hegels, ist eine Erscheinung, die mit einer gewissen Notwendigkeit in der neueren Weltanschauüngsentwickelung auftreten mußte. Grell trat vor seinen Geist die Tatsache des selbstbewußten Ich hin. Ihm kam jede Gedankenschöpfung so vor wie einem Denker, der die Welt nur in Gedanken erfassen will, die mythische Bilderwelt vorkommen kann. Vor dieser Tatsache verschwand ihm aller übrige Weltinhalt, insofern dieser einen Zusammenhang mit dem selbstbewußten Ich zeigt. Ganz isoliert stellte er das selbstbewußte Ich hin.
[ 13 ] Daß es Schwierigkeiten geben könne, das Ich so hinzustellen, empfindet Stirner nicht. Die folgenden Jahrzehnte konnten keine Beziehung zu dieser isolierten Stellung des Ich gewinnen. Denn diese Jahrzehnte sind vor allem damit beschäftigt, das Bild der Natur unter dem Einflusse der naturwissenschaftlichen Denkweise zu gewinnen. Nachdem Stirner die eine Seite des neueren Bewußtseins hingestellt hat, die Tatsache des selbstbewußten Ich, lenkt das Zeitalter zunächst die Blicke ab von diesem Ich und wendet sie dahin, wo dies «Ich» nicht zu finden ist, auf das Bild der Natur.
[ 14 ] Die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hat ihre Weltanschauungen aus dem Idealismus geboren. Wenn eine Brücke zur Naturwissenschaft gezogen wird, wie bei Schelling, Lorenz Oken (1779-1851), Henrik Steffens (1773 bis 1845), so geschieht es vom Gesichtspunkte der idealistischen Weltanschauung aus und im Interesse derselben. Die Zeit ist so wenig reif, naturwissenschaftliche Gedanken für die Weltanschauung fruchtbar zu machen, daß Jean Lamarcks geniale Anschauung von der Entwickelung der vollkommensten Organismen aus den einfachen, die 1809 ans Licht trat, völlig unberücksichtigt geblieben ist, und daß, als Geoffroy de St. Hilaire den Gedanken einer allgemeinen natürlichen Verwandtschaft aller Organismenformen 1830 im Kampf gegen Cuvier vertrat, Goethes Genius dazu gehörte, die Tragweite dieser Idee einzusehen. Die zahlreichen naturwissenschaftlichen Ergebnisse, die auch die erste Jahrhunderthälfte gebracht hat, wurden für die Weltanschauungsentwickelung erst zu neuen Weltenrätseln, namentlich, nachdem Charles Darwin für die Erkenntnis der Lebewelt im Jahre 1859 der Naturauffassung selbst neue Aussichten eröffnet hatte.
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The Riddles of Philosophy 1973, tr. Fritz C. A. Koelln
IX. The Radical World Conceptions
[ 1 ] At the beginning of the forties of the last century a man who had previously thoroughly and intimately penetrated the world conceptions of Hegel, now forcefully attacked them. This man was Ludwig Feuerbach (1804–1872). The declaration of war against the philosophy in which he had grown up is given in a radical form in his essay, Preliminary Theses for the Reformation of Philosophy (1842), and Principle of the Philosophy of the Future (1843). The further development of his thoughts can be followed in his other writings, The Essence of Christianity (1841), The Nature of Religion (1845), and Theogony (1857).
In the activity of Ludwig Feuerbach a process is repeated in the field of the science of the spirit that had happened almost a century earlier (1759) in the realm of natural science through the activity of Caspar Friedrich Wolff. Wolff's work had meant a reform of the idea of evolution in the field of biology. How the idea of evolution was understood before Wolff can be most distinctly learned from the views of Albrecht von Haller, a man who opposed the reform of this conception most vehemently. Hailer, who is quite rightly respected by physiologists as one of the most significant spirits of this science, could not conceive the development of a living being in any other form than that in which the germ already contains all parts that appear in the course of life, but on a small scale and perfectly pre-formed. Evolution, then, is supposed to be an unfolding of something that was there in the first place but was hidden from perception because of its smallness, or for other reasons. If this view is consistently upheld, there is no development of anything new. What happens is merely that something that is concealed, encased, is continuously brought to the light of day. Hailer stood quite rigorously for this view. In the first mother, Eve, the whole human race was contained, concealed on a small scale. The human germs have only been unfolded in the course of world history. The same conception is also expressed by the philosopher Leibniz (1646–1716):
So I should think that the souls, which some day will be human souls, have been in the seed stage, as it is also with those of other species; that they have existed in the form of organized things in our forefathers as far back as Adam, that is to say, since the beginning of things.
Wolff opposed this idea of evolution with one of his own in Theoria Generationis, which appeared in 1759. He proceeded from the supposition that the members of an organism that appear in the course of life have not existed previously but come into being at the moment they become perceptible as real new formations. Wolff showed that the egg contains nothing of the form of the developed organism but that its development constitutes a series of new formations. This view made the conception of a real becoming possible, for it showed how something comes into being that had not previously existed and that therefore “comes to be” in the true sense of the word.
[ 2 ] Haller's view really denies becoming as it admits only a continuous process of becoming visible of something that had previously existed. This scientist had opposed the idea of Wolff with the peremptory decree, “There is no becoming” (Nulla est epigenesis). He had, thereby, actually brought about a situation in which Wolff s view remained unconsidered for decades. Goethe blames this encasement theory for the resistance with which his endeavors to explain living beings was met. He had attempted to comprehend the formations in organic nature through the study of the process of their development, which he understood entirely in the sense of a true evolution, according to which the newly appearing parts of an organism have not already had a previously concealed existence, but do indeed come into being when they appear. He writes in 1817 that this attempt, which was a fundamental presupposition of his essay on the metamorphosis of plants written in 1790, “was received in a cold, almost hostile manner, but such reluctance was quite natural. The encasement theory, the concept of pre-formation, of a successive development of what had existed since Adam's times, had in general taken possession even of the best minds.”
One could see a remnant of the old encasement theory even in Hegel's world conception. The pure thought that appears in the human mind was to have been encased in all phenomena before it came to its perceptible form of existence in man. Before nature and the individual spirit, Hegel places his pure thought that should be, as it were, “the representation of God as he was according to his eternal essence before the creation” of the world. The development of the world is, therefore, presented as an unwrapping of pure thought. The protest of Ludwig Feuerbach against Hegel's world conception was caused by the fact that Feuerbach was unable to acknowledge the existence of the spirit before its real appearance in man, just as Caspar Friedrich Wolff had been unable to admit that the parts of the living organism should have been pre-formed in the egg. Just as Wolff saw spontaneous formations in the organs of the developed organism, so did Feuerbach with respect to the individual spirit of man. This spirit is in no way there before its perceptible existence; it comes into being only in the moment it appears. According to Feuerbach, it is unjustified to speak of an all-embracing spirit, of a being in which the individual spirit has its roots. No reason-endowed being exists prior to its appearance in the world that would shape matter and the perceptible world, and in this way cause the appearance of man as its visible afterimage. What exists before the development of the human spirit consists of mere matter and blind forces that form a nervous system out of themselves concentrated in the brain. In the brain something comes into existence that is a completely new formation, something that has never been before: the human soul, endowed with reason. For such a world conception there is no possibility to derive the processes and things from a spiritual originator because, according to this view, a spiritual being is a new formation through the organization of the brain. If man projects a spiritual element into the external world, then he imagines arbitrarily that a being like the one that is the cause of his own actions exists outside of himself and rules the world. Any spiritual primal being must first be created by man through his fantasy; the things and processes of the world give us no reason to assume its original existence. It is not the original spirit being that has created man after his image, but man has formed a fantasy of such a primal entity after his own image. This is Feuerbach's conviction. “Man's knowledge of God is man's knowledge of himself, of his own nature. Only the unity of being and consciousness is truth. Where God's consciousness is, there is also God's being: it is, therefore, in man” (The Essence of Christianity, 1841). Man does not feel strong enough to rest within himself; he therefore created an infinite being after his own image to revere and to worship. Hegel's world conception had eliminated all other qualities from the supreme being, but it had retained the element of reason. Feuerbach removes this element also and with this step he removes the supreme being itself. He replaces the wisdom of God completely by the wisdom of the world. As a necessary turning point in the development of world conception, Feuerbach declares the “open confession and admission that the consciousness of God is nothing but the consciousness of humanity,” and that man is “incapable of thinking, divining, imagining, feeling, believing, willing, loving and worshipping as an absolute divine being any other being than the human being.” There is an observation of nature and an observation of the spirit, but there is no observation of the nature of God. Nothing is real but the factual.
The real in its reality, or as real, is the real as the object of the senses, the sensual. Truth, reality and sensuality are identical. Only a sensual being is a true, a real being. Only through the senses is an object given in the true sense of the word, not through thinking by itself. The object that is given in thinking, or identical with it, is only thought.
Indeed, this can be summed up as follows. The phenomenon of thinking appears in the human organism as a new formation, but we are not justified to imagine that this thought had existed before its appearance in any form invisibly encased in the world. One should not attempt to explain the condition of something actually given by deriving it from something that is assumed as previously existing. Only the factual is true and divine, “what is immediately sure of itself, that-which directly speaks for and convinces of itself, that which immediately effects the assertion of its existence, what is absolutely decided, incapable of doubt, clear as sunlight. But only the sensual is of such a clarity. Only where the sensual begins does all doubt and quarrel cease. The secret of immediate knowledge is sensuality.” Feuerbach's credo has its climax in the words, “To make philosophy the concern of humanity was my first endeavor, but whoever decides upon a path in this direction will finally be led with necessity to make man the concern of philosophy.” “The new philosophy makes man, and with him nature as the basis of man, the only universal and ultimate object of philosophy; it makes an anthropology that includes physiology in it—the universal science.”
Feuerbach demands that reason is not made the basis of departure at the beginning of a world conception but that it should be considered the product of evolution, as a new formation in the human organism in which it makes its actual appearance. He has an aversion to any separation of the spiritual from the physical because it can be understood in no other way than as a result of the development of the physical.
When the psychologist says, “I distinguish myself from my body,” he says as much as when the philosopher in logic or metaphysics says, “I leave human nature unconsidered.” Is it possible to leave your own nature out of consideration? Are you not doing so as a human being? Do you think without a head? Thoughts are departed souls. All right, but is not even a departed soul still a faithful picture of a human being who was once in the flesh? Do not even the most general metaphysical concepts of being and essence change as the real being and essence of man changes? What does “I leave human nature out of consideration,” then mean? Nothing more than this: I leave man unconsidered so far as he is the object of my consciousness and of my thinking, but not the man who lies behind my consciousness; that is to say, not my own nature to which my process of abstraction also is bound whether I like it or not. So, as a psychologist, you may disregard your body, but in your nature you are intimately linked to it, that is, you think yourself as distinguishable from your body but you are not at all really different from it because of this thought. . . . Was Lichtenberg not right when he maintained that one really should not say, “I think,” but, “It thinks”? If, indeed, the “I think” now distinguishes itself from the body, does that force us to conclude that the process that is expressed in the words, “It thinks,” the involuntary element of our thinking, the root and the basis of the “I think,” is also distinct from the body? How is it, then, that we cannot think at all times, that the thoughts are not at our disposal whenever we choose? Why do we often fail to make headway with some intellectual work in spite of the greatest exertion of our will until some external occasion, often no more than a change in the weather, sets our thoughts afloat again? This is caused by the fact that our thought process is also an organic activity. Why must we often carry some thoughts with us for years before they become clear and distinct to us? For the reason that our thoughts also are subject to an organic development, that our thoughts also must have their time to mature as well as the fruits in the field or the child in the mother's womb.
[ 3 ] Feuerbach drew attention to Georg Christoph Lichtenberg, a thinker who died in 1799 and who must be considered a precursor of a world conception that found expression in thinkers like Feuerbach. Lichtenberg's stimulating and thought-provoking conceptions were less fruitful for the nineteenth century probably because the powerful thought structures of Fichte, Schelling and Hegel overshadowed everything. They overshadowed the spiritual development to such a degree that ideas that were expressed aphoristically as strokes of lightning, even if they were as brilliant as Lichtenberg's, could be overlooked. We only have to be reminded of a few statements of this important person to see that in the thought movement introduced by Feuerbach the spirit of Lichtenberg experiences a revival.
God created man after his image, which probably means that man created God after his own image.
Our world is going to be so sophisticated one day that it will be as ridiculous to believe in God as it is nowadays to believe in ghosts.
Is our concept of God really anything but a personified mystery?
The conception that we form of a soul is very much like that of a magnet in the earth. It is merely a picture. It is an innate trick in man to think everything in this form.
Rather than to claim that the world is reflected in us, we should say that our reason is reflected in the world. We just cannot help discovering order and wisdom in the world; it follows from the nature of our thought faculty. But it does not necessarily follow that what we must think should really be so. . . . In this way, then, no God can be proven.
We become aware of certain conceptions that do not depend on us; then there are others of which we at least think that they depend on us. Where is the boundary line between them? We only know that our perceptions, conceptions and thoughts are there. It thinks, one should say, just as one says, It rains, or, Thought strikes as one says, Lightning strikes.
If Lichtenberg had combined such original flashes of thought with the ability to develop a harmoniously rounded world conception, he could not have remained unnoticed to the degree that he did. In order to form a world conception, it is not only necessary to show superiority of mind, as Lichtenberg did, but also the ability to form ideas in their interconnection in all directions and to round them plastically. This faculty he lacked. His superiority is expressed in an excellent judgment concerning the relation of Kant to his contemporaries:
I believe that just as the followers of Mr. Kant always charge their opponents with not understanding him, there are also some among them who believe that Mr. Kant must be right because they understand him. His mode of conception is new and different from the usual one, and, if one now suddenly has begun to understand it, one is inclined to accept it as truth, especially since he has so many ardent followers. But one should always consider that this understanding is not as yet a reason to believe it to be true. I believe that most of Kant's followers, overwhelmed by the joy of having understood an abstract and obscurely presented system, were also convinced that this system had been proven.
How akin in spirit Feuerbach could feel to Lichtenberg becomes especially clear if one compares the views of both thinkers with respect to the relation of their world conceptions to practical life. The lectures Feuerbach gave to a number of students during the winter of 1848 on The Nature of Religion closed with these words:
I only wish that I have not failed in the task that I set for myself as I expressed it in the first hours, namely, to convert you from friends of God to friends of men, from believers into thinkers, from praying men to working men, from adherents to a supersensible realm to students of this world, from being Christians, who according to their own confession and admission are half animal and half angel, into human beings, into entirely human beings.
Whoever, like Feuerbach, bases all world conception on the knowledge of nature and man, must also reject all direction and duties in the field of morality that are derived from a realm other than man's natural inclinations and abilities, or that set aims that do not entirely refer to the sensually perceptible world. “My right is my lawfully recognized desire for happiness; my duty is the desire for happiness of others that I am compelled to recognize.” Not in looking with expectation toward a world beyond do I learn what I am to do, but through the contemplation of this one. Whatever energy I spend to fulfill any task that refers to the next world, I have robbed from this world for which I am exclusively meant. “Concentration on this world” is, therefore, what Feuerbach demands. We can read similar expressions in Lichtenberg's writings. But just such passages in Lichtenberg are always mixed with elements that show how rarely a thinker who lacks the ability to develop his ideas in himself harmoniously succeeds in following an idea into its last consequences. Lichtenberg does, indeed, demand concentration on this world, but he mixes conceptions that refer to the next even into the formulation of this demand.
I believe that many people, in their eagerness for an education for heaven, forget the one that is necessary for the earth. I should think that man would act wisest if he left the former entirely to itself. For if we have been placed into this position by a wise being, which cannot be doubted, then we should do the best we can and not allow ourselves to be dazzled by revelations. What man needs to know for his happiness he certainly does know without any more revelations than he possesses according to his own nature.
Comparisons like this one between Lichtenberg and Feuerbach are significantly instructive for the historical evolution of man's world conception. They show most distinctly the direction in which these personalities advance because one can learn from them the change that has been wrought by the time interval that lies between them. Feuerbach went through Hegel's philosophy. He derived the strength from this experience to develop his own opposing view. He no longer felt disturbed by Kant's question of whether we are in fact entitled to attribute reality to the world that we perceive, or whether this world merely existed in our minds. Whoever upholds the second possibility can project into the true world behind the perceptual representations all sorts of motivating forces for man's actions. He can admit a supernatural world order as Kant had done. But whoever, like Feuerbach, declares that the sensually perceptible alone is real must reject every supernatural world order. For him there is no categorical imperative that could somehow have its origin in a transcendent world; for him there are only duties that result from the natural drives and aims of man.
[ 4 ] To develop a world conception that was as much the opposite of Hegel's as that of Feuerbach, a personality was necessary that was as different from Hegel as was Feuerbach. Hegel felt at home in the midst of the full activity of his contemporary life. To influence the actual life of the world with his philosophical spirit appeared to him a most attractive task. When he asked for his release from his professorship at Heidelberg in order to accept another chair in Prussia, he confessed that he was attracted by the expectation of finding a sphere of activity where he was not entirely limited to mere teaching, but where it would also be possible for him to affect the practical life. “It would be important for him to have the expectation of moving, with advancing age, from the precarious function of teaching philosophy at a university to another activity and to become useful in such a capacity.”
A man who has the inclinations and convictions of a thinker must live in peace with the shape that the practical life of his time has taken on. He must find the ideas reasonable by which this life is permeated. Only from such a conviction can he derive the enthusiasm that makes him want to contribute to the consolidation of its structure. Feuerbach was not kindly inclined toward the life of his time. He preferred the restfulness of a secluded place to the bustle of what was for him “modern life.” He expresses himself distinctly on this point:
I shall never, at any rate, be reconciled with the life in the city. To go from time to time into the city to teach there, that I consider, after the impressions I have already stated here, to be good and indeed my duty, but then I must go back again into the solitude of the country to study and rest there in the arms of nature. My next task is to prepare my lectures as my audience wants them, or to prepare my father's papers for print.
From his seclusion Feuerbach believed himself to be best able to judge what was not natural with regard to the shape that the actual human life assumed. To cleanse life from these illusions, and what was carried into it by human illusions, was what Feuerbach considered to be his task. To do this he had to keep his distance from life as much as possible. He searched for the true life but he could not find it in the form that life had taken through the civilization of the time. How sincere he was with his “concentration on this world” is shown by a statement he made concerning the March revolution. This revolution seemed to him a fruitless enterprise because the conceptions that were behind it still contained the old belief in a world beyond.
The March revolution was a child of the Christian belief, even if it was an illegitimate one. The constitutionalists believed that the Lord only had to say, “Let there be freedom! Let there be right!” and right and freedom would be there. The republicans believed that all they had to do was to will a republic to call it to life. They believed, therefore, in the creation of a republic out of nothing. The constitutionalists transplanted the idea of the Christian world-miracles to the field of politics; the republicans, that of the Christian miracle of action.
Only a personality who is convinced that he carries within him the harmony of life that man needs can, in the face of the deep hostility that existed between him and the real world, utter the hymns in praise of reality that Feuerbach expressed. Such a conviction rings out of words like these:
Lacking any expectation for the next world, I can hold myself in this one in the vale of tears of German politics and European political life in general, alive and in mental sanity, only by making the present age into an object of Aristophanic laughter.
Only a personality like this could search for all those forces in man himself that the others wanted to derive from external powers.
[ 5 ] The birth of thought in the Greek world conception had had the effect that man could no longer feel himself as deeply rooted in the world as had been possible with the old consciousness in the form of picture conceptions. This was the first step in the process that led to the formation of an abyss between man and the world. A further stage in this process consisted in the development of the mode of thinking of modern natural science. This development tore nature and the human soul completely apart. On the one side, a nature picture had to arise in which man in his spiritual-psychical essence was not to be found, and on the other, an idea of the human soul from which no bridge led into nature. In nature one found law-ordered necessity. Within its realm there was no place for the elements that the human soul finds within: The impulse for freedom, the sense for a life that is rooted in a spiritual world and is not exhausted within the realm of sensual existence. Philosophers like Kant escaped the dilemma only by separating both worlds completely, finding a knowledge in the one, and in the other, belief. Goethe, Schiller, Fichte, Schelling and Hegel conceived the idea of the self-conscious soul to be so comprehensive that it seemed to have its root in a higher spirit nature. In Feuerbach, a thinker arises who, through the world picture that can be derived from the modern mode of conception of natural science, feels compelled to deprive the human soul of every trait contradictory to the nature picture. He views the human soul as a part of nature. He can only do so because, in his thoughts, he has first removed everything in the soul that disturbed him in his attempt to acknowledge it as a part of nature. Fichte, Schelling and Hegel took the self-conscious soul for what it was; Feuerbach changes it into something he needs for his world picture. In him, a mode of conception makes its appearance that is overpowered by the nature picture. This mode of thinking cannot master both parts of the modern world picture, the picture of nature and that of the soul. For this reason, it leaves one of them, the soul picture, completely unconsidered. Wolff's idea of “new formation” introduces fruitful thought impulses to the nature picture. Feuerbach utilizes these impulses for the spirit-science that can only exist, however, by not admitting the spirit at all. Feuerbach initiates a trend of modern philosophy that is helpless in regard to the most powerful impulse of the modern soul life, namely, man's active self-consciousness. In this current of thought, that impulse is dealt with, not merely as an incomprehensible element, but in a way that avoids the necessity of facing it in its true form, changing it into a factor of nature, which, to an unbiased observation, it really is not.
[ 6 ] “God was my first thought, reason my second and man my third and last one.” With these words Feuerbach describes the path along which he had gone, from a religious believer to a follower of Hegel's philosophy, and then to his own world conception. Another thinker, who, in 1834, published one of the most influential books of the century, The Life of Jesus, could have said the same thing of himself. This thinker was David Friedrich Strauss (1808– 1874). Feuerbach started with an investigation of the human soul and found that the soul had the tendency to project its own nature into the world and to worship it as a divine primordial being. He attempted a psychological explanation for the genesis of the concept of God. The views of Strauss were caused by a similar aim. Unlike Feuerbach, however, he did not follow the path of the psychologist but that of the historian. He did not, like Feuerbach, choose the concept of God in general in its all-embracing sense for the center of his contemplation, but the Christian concept of the “God incarnate,” Jesus. Strauss wanted to show how humanity arrived at this conception in the course of history. That the supreme divine being reveals itself to the human spirit was the conviction of Hegel's world conception. Strauss had accepted this, too. But, in his opinion, the divine idea, in all its perfection, cannot realize itself in an individual human being. The individual person is always merely an imperfect imprint of the divine spirit. What one human being lacks in perfection is presented by another. In examining the whole human race one will find in it, distributed over innumerable individuals, all perfection's belonging to the deity. The human race as a whole, then, is God made flesh, God incarnate. This is, according to Strauss, the true thinker's concept of Jesus. With this viewpoint Strauss sets out to criticize the Christian concept of the God incarnate. What, according to this idea, is distributed over the whole human race, Christianity attributes to one personality who is supposed to have existed once in the course of history.
The quality and function, which the doctrine of the Church attributes to Christ, are contradictory to each other if applied to one individual, one God incarnate; in the idea of the human race, they harmonize with one another.
Supported by careful investigations concerning the historical foundation of the Gospels, Strauss attempts to prove that the conceptions of Christianity are a result of religious fantasy. Through this faculty the religious truth that the human race is God incarnate was dimly felt, but it was not comprehended in clear concepts but merely expressed in poetic form, in a myth. For Strauss, the story of the Son of God thus becomes a myth in which the idea of humanity was poetically treated long before it was recognized by thinkers in the form of pure thought. Seen from this viewpoint, all miraculous elements of the history of Christianity become explainable without forcing the historian to take refuge in the trivial interpretation that had previously often been accepted. Earlier interpretations had often seen in those miracles intentional deceptions and fraudulent tricks to which either the founder of the religion himself had allegedly resorted in order to achieve the greatest possible effect of his doctrine, or which the apostles were supposed to have invented for this purpose. Another view, which wanted to see all sorts of natural events in the miracles, was also thereby eliminated. The miracles are now seen as the poetic dress for real truths. The story of humanity rising above its finite interests and everyday life to the knowledge of divine truth and reason is represented in the picture of the dying and resurrected saviour. The finite dies to be resurrected as the infinite.
[ 7 ] We have to see in the myths of ancient peoples a manifestation of the picture consciousness of primeval times out of which the consciousness of thought experience developed. A feeling for this fact arises in the nineteenth century in a personality like Strauss. He wants to gain an orientation concerning the development and significance of the life of thought by concentrating on the connection of world conception with the mythical thinking of historical times. He wants to know in what way the myth-making imagination still affects modern world conception. At the same time, he aspires to see the human self-consciousness rooted in an entity that lies beyond the individual personality by thinking of all humanity as a manifestation of the deity. In this manner, he gains a support for the individual human soul in the general soul of humanity that unfolds in the course of historical evolution.
[ 8 ] Strauss becomes even more radical in his book, The Christian Doctrine in the Course of Its Historical Development and Its Struggle with Modern Science, which appeared in the years 1840 and 1841. Here he intends to dissolve the Christian dogmas in their poetic form so as to obtain the thought content of the truths contained in them. He now points out that the modern consciousness is incompatible with the consciousness that clings to the old mythological picture representation of the truth.
May, then, the believers allow the knowers to go their own way unmolested and vice versa; we do not deprive them of their belief; let them grant us our philosophy, and, if the super-pious should succeed in ejecting us from their church, we shall consider that as a gain. Enough wrong compromises have now been attempted; only the separation of the opposite camps can now lead us ahead.
These views of Strauss produced an enormous uproar. It was deeply resented that those representing the modern world conception were no longer satisfied in attacking only the basic religious conceptions in general, but, equipped with all scientific means of historical research, attempted to eliminate the irrelevancy about which Lichtenberg had once said that it consisted of the fact that “human nature had submitted even to the yoke of a book.” He continued:
One cannot imagine anything more horrible, and this example alone shows what a helpless creature man really is in concreto, enclosed as he really is in this two-legged vessel of earth, water and salt. If it were ever possible that reason could have a despotic throne erected, a man who seriously wanted to contradict the Copernican system through the authority of a book would have to be hanged. To read in a book that it originates from God is not a proof as yet that it really does. It is certain, however, that our reason has its origin in God no matter in what sense one takes the word God. Reason punishes, where it rules, only through the natural consequences of a transgression or through instruction, if instruction can be called punishment.
Strauss was discharged from his position as a tutor at the Seminary of Tuebingen because of his book, The Life of Jesus, and when he then accepted a professorship in theology at the University of Zurich, the peasants came to meet him with threshing flails in order to make the position of the dissolver of the myth impossible and to force his retirement.
[ 9 ] Another thinker, Bruno Bauer (1809–1882), in his criticism of the old world conception from the standpoint of the new, went far beyond the aim that Strauss had set for himself. He held the same view as Feuerbach, that man's nature is also his supreme being and any other kind of a supreme being is only an illusion created after man's image and set above himself. But Bauer goes further and expresses this opinion in a grotesque form. He describes how he thinks the human ego came to create for itself an illusory counter-image, and he uses expressions that show they are not inspired by the wish for an intimate understanding of the religious consciousness as was the case with Strauss. They have their origin in the pleasure of destruction. Bauer says:
The all-devouring ego became frightened of itself; it did not dare to consider itself as everything and as the most general power, that is to say, it still kept the form of the religious spirit and thus completed its self-alienation in setting its own general power against itself in fear and trembling for its own preservation and salvation.
Bruno Bauer is a personality who sets out to test his impetuous thinking critically against everything in existence. That thinking is destined to penetrate to the essence of things is a conviction he adopted from Hegel's world conception, but he does not, like Hegel, tend to let thinking lead to results and a thought structure. His thinking is not productive, but critical. He would have felt a definite thought or a positive idea as a limitation. He is unwilling to limit the power of critical thought by taking his departure from a definite point of view as Hegel had done.
Critique is, on the one hand, the last act of a definite philosophy, which through this act frees itself from the limitation of a positive determination, still curtailed in its generality. It is, therefore, on the other hand, the presupposition without which philosophy cannot be raised to the last level of generality of the self-consciousness.
This is the credo of the Critique of World Conception to which Bruno Bauer confesses. This “critique” does not believe in thoughts and ideas but in thinking alone. “Only now has man been discovered,” announces Bauer triumphantly, for now man is bound by nothing except his thinking. It is not human to surrender to a non-human element, but to work everything out in the melting pot of thinking. Man is not to be the afterimage of another being, but above all, he is to be “a human being,” and he can become human only through his thinking. The thinking man is the true man. Nothing external, neither religion nor right, neither state nor law, etc., can make him into a human being, but only his thinking. The weakness of a thinking that strives to reach the self-consciousness but cannot do so is demonstrated in Bauer.
[ 10 ] Feuerbach had declared the “human being to be man's supreme being; Bruno Bauer maintained that he had discovered it for the first time through his critique of world conception; Max Stirner (1806–1856) set himself the task of approaching this “human being” completely without bias and without presupposition in his book, The Only One and His Possession, which appeared in 1845. This is Stirner's judgment:
With the power of desperation, Feuerbach grasps at the entire content of Christianity, not in order to throw it away, but, on the contrary, in order to seize it, to draw upon this content for so long and so ardently desired and yet always so remote, with a last effort down from heaven, to have and to hold onto it forever. Is this not the clutch of last despair, a matter of life and death, and is it not at the same time the Christian yearning and passionate desire for the beyond? The hero does not mean to depart into the beyond, but to draw the beyond down to himself so that it should turn into this world. Has not all the world since then been screaming more or less consciously, “This world is all that matters; heaven must come down to earth and must be felt here already?”
Stirner opposes the view of Feuerbach with his violent contradiction:
The highest being, to be sure, is man's being, but exactly because it is his being and not he, himself, is it a matter of complete indifference whether we contemplate it outside man, considering it as God, or whether we find it in him and call it “the nature of man,” or the “human being.” I am neither God nor the human being, neither the highest being nor my own being, and for this reason, it is fundamentally of no importance whether I think this nature within myself or without. We do, indeed, always think the supreme being in both forms of beyondness, in the inward one as well as in the outward one at the same time, for the “spirit of God” is, according to Christian conception, also “our spirit” and “dwelleth within us.” This spirit dwells in heaven and within us. We, poor things, are nothing but his “dwelling place” and if Feuerbach now goes about and destroys his heavenly habitations and forces him bag and baggage to move into us, then we, as his terrestrial quarters, will become very badly overcrowded.
The individual human ego does not consider itself from its own standpoint but from the standpoint of a foreign power. A religious man claims that there is a divine supreme being whose afterimage is man. He is possessed by this supreme being. The Hegelian says that there is a general world reason and it realizes itself to reach its climax in the human ego. The ego is therefore possessed by this world reason. Feuerbach maintains that there is a nature of the human being and every particular person is an individualized afterimage of this nature. Every individual is thereby possessed by the idea of the “nature of humanity.” For only the individual man is really existing, not the “generic concept of humanity” by which Feuerbach replaces the divine being. If, then, the individual man places the “genus man” above himself, he abandons himself to an illusion, just as much as when he feels himself dependent on a personal God. For Feuerbach, therefore, the commandments the Christian considers as given by God, and which for this reason he accepts as valid, change into commandments that have their validity because they are in accordance with the general idea of humanity. Man now judges himself morally by asking the question: Do my actions as an individual correspond to what is adequate to the nature of humanity in general? For Feuerbach says:
If the essence of humanity is man's supreme being, then the highest and first law of his practical life must also be the love of man to man. Homo homini deus est, man is God to man. Ethics is in itself a divine power. Moral relationships are by themselves truly religious relationships. Life in general is, in its substantial connections, of a thoroughly divine nature. Everything that is right, true and good carries the ground of its salvation in its own qualities. Friendship is and shall be sacred, as shall be property and marriage, and sacred shall be the well-being of every man, but sacred in and for itself.
There are, then, general human powers, and ethics is one of them. It is sacred in and for itself; the individual has to submit to it. The individual is not to will what it decides out of its own initiative, but what follows from the direction of the sacred ethics. The individual is possessed by this ethics. Stirner characterizes this view as follows:
The God of all, namely, the human being, has now been elevated to be the God of the individual, for it is the highest aim of all of us to be a human being. As no one can entirely become what the idea of humanity expresses, however, the “human being” remains for every individual a sublime beyond, an unattainable supreme being, a God.
But such a supreme being is also thinking, which has been elevated to be God by the critique of world conception. Stirner cannot accept this either.
The critical thinker is afraid of becoming dogmatic, or of making positive statements. Of course, he would in doing so become the opposite of a critic, a dogmatist; he would then be as bad as a dogmatist as he is now good as a critic. . . . There must by no means be any dogma! This is his dogma. For the critic stays on the same ground with the dogmatist, namely, on the ground of thought. Like the dogmatist, he always proceeds from a thought, but he differs insofar as he abandons the practice of preserving the principal thought in the process of thinking; he does not allow this process to become stabilized. He only emphasizes the process of thinking against the belief in thoughts, the process of the former against the stagnation of the latter. No thought is safe against criticism because it is thinking or the thinking spirit itself. . . . I am no antagonist of criticism, that is to say, I am no dogmatist and feel that the teeth of the critic that tear the flesh of the dogmatist do not touch me. If I were a dogmatist, I should place a dogma, a thought, an idea, a principle, at the beginning, and I should begin this process as a systematic thinker by spinning it out into a system that is a thought structure. If, on the other hand, I were a critical thinker, that is, an opponent of the dogmatist, then I should lead the fight of free thinking against the enslaved thought. I should defend thinking against the result of this activity. But I am neither the champion of thought nor of thinking.
Every thought is also produced by the individual ego of an individual, even the thought of one's own being, and when man means to know his own ego and wants to describe it according to its nature, he immediately brings it into dependence on this nature. No matter what I may invent in my thinking, as soon as I determine and define myself conceptually, I make myself the slave of the result of the definition, the concept. Hegel made the ego into a manifestation of reason, that is to say, he made it dependent on reason. But all such generalities cannot be valid with regard to the ego because they all have their source in the ego. They are caused by the fact that the ego is deceived by itself. It is really not dependent, for everything on which it could depend must first be produced by the ego. The ego must produce something out of itself, set it above itself and allow it to turn into a spectre that haunts its own originator.
Man, you have bats in your belfry; there is a screw loose in your head! You imagine big things; you invent a whole world of Gods that is supposed to be there for your benefit, a realm of spirit for which you are destined, an ideal that is becoming you. You have an idée fixe!
In reality, no thinking can approach what lives within me as “I.” I can reach everything with my thinking; only my ego is an exception in this respect. I cannot think it; I can only experience it. I am not will; I am not idea; I am that no more than the image of a deity. I make all other things comprehensible to myself through thinking. The ego I am. I have no need to define and to describe myself because I experience myself in every moment. I need to describe only what I do not immediately experience, what is outside myself. It is absurd that I should also have to conceive myself as a thought, as an idea, since I always have myself as something. If I face a stone, I may attempt to explain to myself what this stone is. What I am myself, I need not explain; it is given in my life.
Stirner answers to an attack against his book:
The “only one” is a word and with a word it should be possible to think something; a word should have a thought content. But the “only one” is a thoughtless word; it does not have a thought content. What then is its content if it is not thought? It is a content that cannot be there a second time and therefore is also incapable of being expressed; for if it could be expressed, really and completely pressed out, then it would be there a second time; it would be there in the expression. Because the content of the “only one” is not a thought content, it is also unthinkable and ineffable, but because it is ineffable, this perfectly empty phrase is at the same time not a phrase. Only when nothing is said of you, when you are simply called, are you recognized as you. As long as something is said of you, you are recognized only as this something (human being, spirit, Christian, etc.). The “only one” does not contain a statement because it is only name, saying nothing more than that you are you and nothing but you; that you are a unique “you” and you yourself. Through this, you are without a predicate, and thereby without quality, calling, legal standing and restriction, and so forth. (Compare Stirner's Kleine Schriften, edited by J. H. Mackay, pp. 116.)
Stirner, in an essay written in 1842, The Untrue Principle of Our Education, or Humanism and Realism, had already expressed his conviction that thinking cannot penetrate as far as the core of the personality. He therefore considers it an untrue educational principle if this core of the personality is not made the objective of education, but when knowledge as such assumes this position in a one-sided way.
A knowledge that does not so purge and concentrate itself that it inspires the will, or in other words, that only weighs me down with possession and property instead of having become entirely one with me so that the freely moving ego, unhampered by any cumbersome belongings travels through the world with an open mind; a knowledge, then, that has not become personal will make a miserable preparation for life. . . . If it is the cry of our time, after the freedom of thought has been obtained, to continue this freedom to its end through which it turns into the freedom of will so that the latter can be realized as the aim of a new epoch, then the last aim of education can no longer be knowledge but a will that is born out of knowledge, and the revealing expression of the educational aim is the personal or free man. . . . As in certain other spheres, so also in that of education, freedom is not allowed to break forth; the power of opposition is not yielded the floor: subordination is insisted upon. Only formal and material drill is the aim of this education; in the menagerie of the humanists nothing but “scholars” are produced and in that of the realists, nothing but "useful citizens.” Both then produce nothing but submissive human beings. Knowledge must die to be resurrected as will and to restore itself daily in free personalities.
The personality of the individual human being can alone contain the source of his actions. The moral duties cannot be commandments that are given to man from somewhere, but they must be aims that man sets for himself. Man is mistaken if he believes that he does something because he follows a commandment of a general code of sacred ethics. He does it because the life of his ego drives him to it. I do not love my neighbor because I follow a sacred commandment of neighborly love, but because my ego draws me to my neighbor. It is not that I am to love him; I want to love him. What men have wanted to do they have placed as commandments above themselves. On this point Stirner can be most easily understood. He does not deny moral action. What he does deny is the moral commandment. If man only understands himself rightly, then a moral world order will be the result of his actions. Moral prescriptions are a spectre, an idée fixe, for Stirner. They prescribe something at which man arrives all by himself if he follows entirely his own nature. The abstract thinkers will, of course, raise the objection, “Are there not criminals?” These abstract thinkers anticipate general chaos if moral prescriptions are not sacred to man. Stirner could reply to them, “Are there not also diseases in nature? Are they not produced in accordance with eternal unbreakable laws just as everything that is healthy?”
As little as it will ever occur to any reasonable person to reckon the sick with the healthy because the former is, like the latter, produced through natural laws, just as little would Stirner count the immoral with the moral because they both come into being when the individual is left to himself. What distinguishes Stirner from the abstract thinkers, however, is his conviction that in human life morality will be dominating as much as health is in nature, when the decision is left to the discretion of individuals. He believes in the moral nobility of human nature, in the free development of morality out of the individuals. It seems to him that the abstract thinkers do not believe in this nobility, and he is, therefore, of the opinion that they debase the nature of the individual to become the slave of general commandments, the corrective scourges of human action. There must be much evil depravity at the bottom of the souls of these “moral persons,” according to Stirner, because they are so insistent in their demands for moral prescriptions. They must indeed be lacking love because they want love to be ordered to them as a commandment that should really spring from them as spontaneous impulse.
Only twenty years ago it was possible that the following criticism could be made in a serious book:
Max Stirner's book, The Only One and His Possession, destroyed spirit and humanity, right and state, truth and virtue as if they were idols of the bondage of thought, and confessed without reluctance, “I place nothing above myself!” (Heinrich von Treitschke, Deutsche Geschichte, Part V, pp. 416; 1927.)
This only proves how easily Stirner can be misunderstood as a result of his radical mode of expression because, to him, the human individual was considered to be so noble, so elevated, unique and free that not even the loftiest thought world was supposed to reach up to it. Thanks to the endeavors of John Henry Mackay, we have today a picture of his life and his character. In his book, Max Stirner, His Life and His Work (Berlin, 1898), he has summed up the complete result of his research extending over many years to arrive at a characterization of Stirner who was, in Mackay's opinion, “The boldest and most consistent of all thinkers.”
[ 11 ] Stirner, like other thinkers of modern times, is confronted with the self-conscious ego, challenging comprehension. Others search for means to comprehend this ego. The comprehension meets with difficulties because a wide gulf has opened up between the picture of nature and that of the life of the spirit. Stirner leaves all that without consideration. He faces the fact of the self-conscious ego and uses every means at his disposal to express this fact. He wants to speak of the ego in a way that forces everyone to look at the ego for himself, so that nobody can evade this challenge by claiming that the ego is this or the ego is that. Stirner does not want to point out an idea or a thought of the ego, but the living ego itself that the personality finds in itself.
[ 12 ] Stirner's mode of conception, as the opposite pole to that of Goethe, Schiller, Fichte, Schelling and Hegel, is a phenomenon that had to appear with a certain necessity in the course of the development of mode2rn world conception. Stirner became aware of the self-conscious ego with an inescapable, piercing intensity. Every thought production appeared to him in the same way in which the mythical world of pictures is experienced by a thinker who wants to seize the world in thought alone. Against this intensely experienced fact, every other world content that appeared in connection with the self-conscious ego faded away for Stirner. He presented the self-conscious ego in complete isolation.
[ 13 ] Stirner does not feel that there could be difficulties in presenting the ego in this manner. The following decades could not establish any relationship to this isolated position of the ego. For these decades are occupied above all with the task of forming the nature picture under the influence of the mode of thought of natural science. After Stirner had presented the one side of modern consciousness, the fact of the self-conscious ego, the age at first withdraws all attention from this ego and turns to the picture of nature where this “ego” is not to be found.
[ 14 ] The first half of the nineteenth century had born its world conception out of the spirit of idealism. Where a bridge is laid to lead to natural science, as it is done by Schelling, Lorenz Oken (1779–1851) and Henrik Steffens (1773–1845), it is done from the viewpoint of the idealistic world conception and in its interest. So little was the time ready to make thoughts of natural science fruitful for world conceptions that the ingenious conception of Jean Lamarck pertaining to the evolution of the most perfect organisms out of the simple one, which was published in 1809, drew no attention at all. When in 1830 Geoffroy de St. Hilaire presented the idea of a general natural relationship of all forms of organisms in his controversy with Couvier, it took the genius of Goethe to see the significance of this idea. The numerous results of natural science that were contributed in the first half of the century became new world riddles for the development of world conception when Charles Darwin in 1859, opened up new aspects for an understanding of nature with his treatment of the world of living organisms.
