The Riddles of Philosophy
GA 18
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Skizzenhaft dargestellter Ausblick auf eine Anthroposophie
[ 1 ] Wer die Gestaltung der philosophischen Weltanschauungen bis in die Gegenwart hinein betrachtet, dem können sich in dem Suchen und Streben der Denkerpersönlichkeiten Unterströmungen offenbaren, die in ihnen gewissermaßen nicht zum bewußten Ausbruch kommen, sondern instinktiv leben. In diesen Strömungen sind Kräfte wirksam, welche den Ideen der Denker die Richtung, oft auch die Form geben, auf welche aber ihr forschender Geistesblick nicht unmittelbar sich richten will. Wie getrieben von verborgenen Gewalten, auf die sie sich nicht einlassen wollen, ja vor denen sie zurückschrecken: so erscheinen oft die Darlegungen dieser Denker. Es leben solche Gewalten in Diltheys, in Euckens, in Cohens Gedankenwelten. Was in diesen Gedankenwelten behauptet wird, ist der Ausdruck von Erkenntniskräften, von denen die Philosophen zwar unbewußt beherrscht sind, die aber in ihren Ideengebäuden keine bewußte Entfaltung finden.
[ 2 ] Sicherheit, Gewißheit des Erkennens wird in vielen Ideengebäuden gesucht. Die Richtung, welche befolgt wird, nimmt mehr oder weniger von Kants Vorstellungen den Ausgangspunkt. Bei der Gestaltung der Gedanken wirkt die naturwissenschaftliche Denkungsart bewußt oder unbewußt bestimmend. Daß aber in der «selbstbewußten Seele» die Quelle zu suchen ist, aus der die Erkenntnis zu schöpfen habe, um Aufschluß auch über die außerseelische Welt zu gewinnen, das ahnen viele. Und fast alle sind beherrscht von der Frage: Wie kommt die selbstbewußte Seele dazu, das, was sie in sich erlebt, als einer wahren Wirklichkeit Offenbarung anzusehen? Die alltägliche sinnliche Welt ist zur «Illusion» geworden, weil das selbstbewußte Ich im Laufe der philosophischen Entwickelung mit seinen Innenerlebnissen sich immer mehr in sich selbst isoliert gefunden hat. Es ist dazu gekommen, selbst in den Wahrnehmungen der Sinne nur Innenerlebnisse zu sehen, die in sich selbst keine Kraft verraten, durch die ihnen Dasein und Bestand in der Wirklichkeit verbürgt werden könnte. Man fühlt, wie viel davon abhängt, in dem selbstbewußten Ich einen Stützpunkt für die Erkenntnis zu finden. Aber man kommt in dem Forschen, welches durch dieses Gefühl angeregt wird, zu Anschauungen, welche nicht die Mittel hergeben, um mit dem Ich in eine Welt einzutauchen, welche das Dasein in befriedigender Art tragen kann.
[ 3 ] Wer nach Erklärung dieses Tatbestandes sucht, der kann sie finden in der Art, wie sich das durch die Philosophieentwickelung von der äußeren Weltwirklichkeit losgelöste Seelenwesen zu dieser Wirklichkeit gestellt hat. - Es fühlt sich von einer Welt umgeben, die sich ihm zunächst durch die Sinne offenbart. Die Seele ist aber auch auf ihre Selbsttätigkeit, auf ihr inneres schöpferisches Erheben aufmerksam geworden. Sie empfindet es wie eine unumstößliche Wahrheit, daß kein Licht, keine Farbe ohne das licht-, das farbenempfindende Auge geoffenbart werden kann. So fühlt sie das Schöpferische in der Tätigkeit schon des Auges. Wenn aber das Auge die Farbe selbstschöpferisch hervorbringt - so muß man im Sinne dieser Philosophie denken -, wo finde ich etwas, das in sich besteht, das sein Dasein nicht bloß durch meine eigene Schöpferkraft hat? Wenn nun schon die Offenbarungen der Sinne nur Äußerungen der Eigenkraft der Seele sind: muß es dann nicht im erhöhtem Maße das Denken sein, das Vorstellungen gewinnen will über eine wahre Wirklichkeit? Ist dieses Denken nicht dazu verurteilt, Vorstellungsbilder zu erzeugen, die im Charakter des Seelenlebens wurzeln, die aber nimmermehr etwas in sich bergen können, das für ein Vordringen zu den Quellen des Daseins irgendwelche Sicherheit gewährt? Solche Fragen brechen aus der neueren Philosophieentwickelung überall hervor.
[ 4 ] Solange man den Glauben hegt, in der Welt, welche sich durch die Sinne offenbart, sei ein Abgeschlossenes, ein auf sich Beruhendes gegeben, das man untersuchen müsse, um sein inneres Wesen zu erkennen, solange wird man aus der Wirrnis nicht herauskommen können, welche durch die angedeuteten Fragen sich ergibt. Die Menschenseele kann ihre Erkenntnisse nur in sich selbstschöpferisch erzeugen. Das ist eine Überzeugung, die mit Berechtigung sich herausgebildet hat aus den Voraussetzungen, welche in dem Kapitel dieses Buches «Die Welt als Illusion» und bei der Darstellung der Gedanken Hamerlings geschildert worden sind. Dann aber, wenn man zu dieser Überzeugung sich bekennt, kommt man über eine gewisse Klippe der Erkenntnis so lange nicht hinweg, als man sich vorstellt: die Welt der Sinne enthielte die wahren Grundlagen ihres Daseins in sich; und man müsse mit dem, was man in der Seele selbst erzeugt, irgendwie etwas abbilden, was außerhalb der Seele liegt.
[ 5 ] Nur eine Erkenntnis wird über diese Klippe hinwegführen können, welche ins geistige Auge faßt, daß alles, was die Sinne wahrnehmen, sich durch seine eigene Wesenheit nicht als eine fertige, in sich beschlossene Wirklichkeit darstellt, sondern als ein Unvollendetes, gewissermaßen als eine halbe Wirklichkeit. Sobald man voraussetzt, man habe in den Wahrnehmungen der Sinnenwelt eine volle Wirklichkeit vor sich, wird man nie dazu kommen, der Frage Antwort zu finden: Was haben die selbstschöpferischen Erzeugnisse der Seele zu dieser Wirklichkeit erkennend hinzuzubringen? Man wird bei der Kantschen Meinung stehen bleiben müssen: der Mensch muß seine Erkenntnisse als die Eigenprodukte seiner seelischen Organisation ansehen, nicht als etwas, was ihm als eine wahre Wirklichkeit sich offenbart. Liegt die Wirklichkeit außerhalb der Seele in ihrer Eigenart gestaltet, dann kann die Seele nicht das hervorbringen, was dieser Wirklichkeit entspricht, sondern nur etwas, das aus ihrer eigenen Organisation fließt.
[ 6 ] Anders wird alles, sobald erkannt wird, daß die Organisation der Menschenseele nicht mit dem, was sie in der Erkenntnis selbstschöpferisch erzeugt, sich von der Wirklichkeit entfernt, sondern daß sie in dem Leben, das sie vor allem Erkennen entfaltet, sich eine Welt vorzaubert, welche nicht die wirkliche ist. Die Menschenseele ist so in die Welt gestellt, daß sie wegen ihrer eigenen Wesenheit die Dinge anders macht, als sie in Wirklichkeit sind. In gewissem Sinne berechtigt ist, wenn Hamerling meint: «Gewisse Reizungen erzeugen den Geruch in unserem Riechorgan. Die Rose duftet also nicht, wenn sie niemand riecht ... Leuchtet dir, lieber Leser, das nicht ein und bäumt dein Verstand sich vor dieser Tatsache wie ein scheues Pferd, so lies keine Zeile weiter; laß dieses und alle anderen Bücher, die von philosophischen Dingen handeln, ungelesen; denn es fehlt dir die hierzu nötige Fähigkeit, eine Tatsache unbefangen aufzufassen und in Gedanken festzuhalten.» (Vgl. S. 525) Wie die sinnliche Welt erscheint, wenn sich der Mensch ihr unmittelbar gegenüberstellt, das hängt zweifellos von der Wesenheit seiner Seele ab. Folgt aber daraus nicht, daß er diese Erscheinung der Welt eben durch seine Seele bewirkt? Nun zeigt eine unbefangene Betrachtung, wie der unwirkliche Charakter der sinnlichen Außenwelt davon herrührt, daß der Mensch, indem er sich unmittelbar den Dingen gegenüberstellt, das in sich unterdrückt, was in Wahrheit zu ihnen gehört. Entfaltet er dann selbstschöpferisch sein Innenleben, läßt er aus den Tiefen seiner Seele aufsteigen, was in diesen Tiefen schlummert, dann fügt er zu dem, was er mit den Sinnen geschaut hat, ein weiteres hinzu, das das halb Wirkliche als ganz Wirkliches in der Erkenntnis gestaltet. Es liegt im Wesen der Seele, beim ersten Anblick der Dinge etwas auszulöschen, das zu ihrer Wirklichkeit gehört. Daher sind sie für die Sinne so, wie sie nicht in Wirklichkeit sind, sondern so, wie sie die Seele gestaltet. Aber ihr Schein (oder ihre bloße Erscheinung) beruht darauf, daß die Seele ihnen erst weggenommen hat, was zu ihnen gehört. Indem der Mensch nun nicht bei dem ersten Anschauen der Dinge verbleibt, fügt er im Erkennen das zu ihnen hinzu, was ihre volle Wirklichkeit erst offenbart. Nicht durch das Erkennen fügt die Seele etwas zu den Dingen hinzu, was ihnen gegenüber ein unwirkliches Element wäre, sondern vor dem Erkennen hat sie den Dingen genommen, was zu ihrer wahren Wirklichkeit gehört. Es wird die Aufgabe der Philosophie sein, einzusehen, daß die dem Menschen offenbare Welt eine «Illusion» ist, bevor er ihr erkennend gegenübertritt, daß aber der Erkenntnisweg die Richtung weist nach der vollen Wirklichkeit. Was der Mensch erkennend selbstschöpferisch erzeugt, erscheint nur deshalb als eine Innenoffenbarung der Seele, weil der Mensch sich, bevor er das Erkenntniserlebnis hat, dem verschließen muß, was aus dem Wesen der Dinge kommt. Er kann es an den Dingen noch nicht schauen, wenn er ihnen zunächst sich nur entgegenstellt. Im Erkennen schließt er sich selbsttätig das zuerst Verborgene auf. Hält nun der Mensch das, was er zuerst wahrgenommen hat, für eine Wirklichkeit, so wird ihm das erkennend Erzeugte so erscheinen, als ob er es zu dieser Wirklichkeit hinzugebracht hätte. Erkennt er, daß er das nur scheinbar von ihm selbst Erzeugte in den Dingen zu suchen hat, und daß er es vorerst nur von seinem Anblick der Dinge ferngehalten hat, dann wird er empfinden, wie das Erkennen ein Wirklichkeitsprozeß ist, durch den die Seele mit dem Weltensein fortschreitend zusammenwächst, durch den sie ihr inneres isoliertes Erleben zum Weltenerleben erweitert.
[ 7 ] In einer kleinen Schrift «Wahrheit und Wissenschaft», welche 1892 erschienen ist, hat der Verfasser dieses Buches einen schwachen Versuch gemacht, dasjenige philosophisch zu begründen, was eben andeutend dargestellt worden ist. Über Ausblicke spricht er da, welche sich die Philosophie der Gegenwart eröffnen muß, wenn sie über die Klippe hinwegkommen soll, die ihr durch ihre neuere Entwickelung naturgemäß sich ergeben hat. In dieser Schrift wird ein philosophischer Gesichtspunkt mit den Worten dargestellt: «Nicht die erste Gestalt, in der die Wirklichkeit an das Ich herantritt, ist deren wahre, sondern die letzte, die das Ich aus derselben macht. Jene erste Gestalt ist überhaupt ohne Bedeutung für die objektive Welt und hat eine solche nur als Unterlage für den Erkenntnisprozeß. Also nicht diejenige Gestalt der Welt, welche die Theorie derselben gibt, ist die subjektive, sondern vielmehr diejenige, welche dem Ich zuerst gegeben ist.» Eine weitere Ausführung über diesen Gesichtspunkt bildet des Verfassers späterer philosophischer Versuch «Philosophie der Freiheit» (erschienen 1894, 44.-48. Tausend, Stuttgart 1955). Er bemüht sich da, die philosophischen Grundlagen zu geben für eine Anschauung, die sich innerhalb des genannten Buches so angedeutet findet: «Nicht an den Gegenständen liegt es, daß sie uns zunächst ohne die entsprechenden Begriffe gegeben werden, sondern an unserer geistigen Organisation. Unsere totale Wesenheit funktioniert in der Weise, daß ihr bei jedem Dinge der Wirklichkeit von zwei Seiten her die Elemente zufließen, die für die Sache in Betracht kommen: von seiten des Wahrnehmens und des Denkens ... Es hat mit der Natur der Dinge nichts zu tun, wie ich organisiert bin, sie zu erfassen. Der Schnitt zwischen Wahrnehmen und Denken ist erst in dem Augenblicke vorhanden, wo ich, der Betrachtende, den Dingen gegenübertrete ...» Und auf S. 255 f.: «Die Wahrnehmung ist der Teil der Wirklichkeit, der objektiv, der Begriff derjenige, der subjektiv (durch Intuition) gegeben wird. Unsere geistige Organisation reißt die Wirklichkeit in diese beiden Faktoren auseinander. Der eine Faktor erscheint dem Wahrnehmen, der andere der Intuition. Erst der Zusammenhang der beiden, die gesetzmäßig sich in das Universum eingliedernde Wahrnehmung, ist volle Wirklichkeit. Betrachten wir die bloße Wahrnehmung für sich, so haben wir keine Wirklichkeit, sondern ein zusammenhangloses Chaos; betrachten wir die Gesetzmäßigeit der Wahrnehmungen für sich, dann haben wir es bloß mit abstrakten Begriffen zu tun. Nicht der abstrakte Begriff enthält die Wirklichkeit; wohl aber die denkende Beobachtung, die weder einseitig den Begriff, noch die Wahrnehmung für sich betrachtet, sondern den Zusammenhang beider.»
[ 8 ] Wer die hier angedeuteten Gesichtspunkte zu den seinigen machen kann, gewinnt die Möglichkeit, mit seinem Seelenleben in dem selbstbewußten Ich die fruchtbare Wirklichkeit verbunden zu denken. Das ist die Anschauung, zu welcher die philosophische Entwickelung seit dem griechischen Zeitalter hinstrebt und die in der Weltanschauung Goethes ihre ersten deutlich erkennbaren Spuren gezeigt hat. - Es wird erkannt, daß dieses selbstbewußte Ich nicht in sich isoliert und außerhalb der objektiven Welt sich erlebt, daß vielmehr sein Losgelöstsein von dieser Welt nur eine Erscheinung des Bewußtseins ist, die überwunden werden kann, überwunden dadurch, daß man einsieht, man habe als Mensch in einem gewissen Entwickelungszustande eine vorübergehende Gestalt des Ich dadurch zu zeigen, daß man die Kräfte, welche die Seele mit der Welt verbinden, aus dem Bewußtsein herausdrängt. Wirkten diese Kräfte unaufhörlich in dem Bewußtsein, dann käme man nicht zum kraftvollen, in sich ruhenden Selbstbewußtsein. Man könnte sich als selbstbewußtes Ich nicht erleben. Es hängt also die Entwickelung des Selbstbewußtseins geradezu davon ab, daß der Seele die Möglichkeit gegeben ist, die Welt ohne den Teil der Wirklichkeit wahrzunehmen, welchen das selbstbewußte Ich auf einer gewissen Stufe, auf derjenigen, die vor seiner Erkenntnis liegt, auslöscht. - Die Weltenkräfte dieses Wirklichkeitsgliedes arbeiten also am Seelenwesen so, daß sie sich in die Verborgenheit zurückziehen, um das selbstbewußte Ich kraftvoll aufleuchten zu lassen. Dieses muß demnach einsehen, daß es seine Selbsterkenntnis einer Tatsache verdankt, welche über die Welterkenntnis einen Schleier breitet. Dadurch ist notwendig bedingt, daß alles, was die Seele zum kraftvollen, energischen Erleben des Ich bringt, die tieferen Grundlagen unoffenbar macht, in welchen dieses Ich wurzelt. Nun ist aber alle Erkenntnis des gewöhnlichen Bewußtseins eine solche, welche das Kraftvolle des selbstbewußten Ich bewirkt. Der Mensch erfühlt sich als ein selbstbewußtes Ich dadurch, daß er mit seinen Sinnen eine Außenwelt wahrnimmt, daß er sich außerhalb dieser Außenwelt erlebt, und daß er zu dieser Außenwelt in einem solchen Verhältnisse steht, das auf einer gewissen Stufe der wissenschaftlichen Forschung die «Welt als Illusion» erscheinen läßt. Wenn alles dies nicht so wäre, träte das selbstbewußte Ich nicht in die Erscheinung. Strebt man also danach, im Erkennen nur nachzubilden, was schon vor dem Erkennen beobachtet wird, so erlangt man kein wahres Erleben in der vollen, sondern ein Abbild der «halben Wirklichkeit.»
[ 9 ] Gibt man zu, daß die Dinge so stehen, so kann man die Antwort auf die Rätselfragen der Philosophie nicht in den Erlebnissen der Seele suchen, die sich dem gewöhnlichen Bewußtsein darbieten. Dieses Bewußtsein ist dazu berufen, das selbstbewußte Ich zu erkraften; es muß, zu diesem Ziele strebend, den Ausblick in den Zusammenhang des Ich mit der objektiven Welt verschleiern, kann also nicht zeigen, wie die Seele mit der wahren Welt zusammenhängt. - Damit ist der Grund angedeutet, warum ein Erkenntnisstreben, welches mit den Mitteln der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart oder mit ähnlichem philosophisch vorwärts kommen will, stets an einem Punkte anlangen muß, wo ihm das Erstrebte im Erkennen zerfällt. Bei vielen Denkern der neueren Zeit mußte dieses Zerfallen von diesem Buche angedeutet werden. Denn im Grunde arbeitet alles wissenschaftliche Streben der neueren Zeit mit den wissenschaftlichen Denkermitteln, welche der Loslösung des selbstbewußten Ich von der wahren Wirklichkeit dienen. Und die Stärke und Größe der neueren Wissenschaft, namentlich der Naturwissenschaft, beruhen auf der rückhaltlosen Anwendung dieser Denkmittel.
[ 10 ] Einzelne Philosophen wie Dilthey, Eucken und andere lenken die philosophische Betrachtung auf die Selbstbeobachtung der Seele hin. Was sie aber betrachten, das sind diejenigen Erlebnisse der Seele, welche die Grundlage bilden des selbstbewußten Ich. Dadurch dringen sie nicht bis zu jenen Quellen der Welt, in denen die Erlebnisse der Seele aus der wahren Wirklichkeit hervorsprudeln. Diese Quellen können nicht dort liegen, wo die Seele mit dem gewöhnlichen Bewußtsein zunächst sich selbst beobachtend gegenübersteht. Will die Seele zu diesen Quellen kommen, so muß sie aus diesem gewöhnlichen Bewußtsein herausspringen. Sie muß etwas in sich erleben, was ihr dieses Bewußtsein nicht geben kann. Ein solches Erleben erscheint dem gewöhnlichen Erkennen zunächst als vollster Unsinn. Die Seele soll sich in einem Elemente wissend erleben, ohne ihr Bewußtsein in dieses Element mit hineinzutragen. Man soll das Bewußtsein überspringen und doch zugleich noch bewußt sein! - Und doch: man wird entweder immer weiter im philosophischen Streben zu Unmöglichem kommen, oder man wird sich den Ausblick darauf eröffnen müssen, daß der angedeutete «volle Unsinn» ein nur scheinbarer ist und daß gerade er den Weg weist, auf dem für die Rätselfragen der Philosophie Hilfe gesucht werden muß.
[ 11 ] Man wird sich gestehen müssen, daß der Weg «ins Innere der Seele» ein ganz anderer sein muß als derjenige, den manche Weltanschauungen der neueren Zeit wählen.
[ 12 ] Solange man die Seelenerlebnisse nimmt, wie sie sich dem gewöhnlichen Bewußtsein darbieten, solange kommt man nicht in die Tiefen der Seele. Man bleibt bei dem stehen, was diese Tiefen hervortreiben. Euckens Weltanschauung ist in dieser Lage. - Man muß unter die Oberfläche der Seele hinunterstreben. Das kann man aber nicht mit den gewöhnlichen Mitteln des Seelenerlebens. Diese haben ihre Stärke gerade darin, daß sie die Seele in diesem gewöhnlichen Bewußtsein erhalten.
[ 13 ] Mittel, tiefer in die Seele einzudringen, bieten sich dar, wenn man den Blick auf dasjenige richtet, was im gewöhnlichen Bewußtsein zwar mitarbeitet, aber in seiner Arbeit gar nicht in dieses Bewußtsein eintritt. Wenn der Mensch denkt, so ist sein Bewußtsein auf die Gedanken gerichtet. Er will durch die Gedanken etwas vorstellen; er will im gewöhnlichen Sinne richtig denken. Man kann aber auch auf anderes seine Aufmerksamkeit richten. Man kann die Tätigkeit des Denkens als solche in das Geistesauge fassen. Man kann zum Beispiel einen Gedanken in den Mittelpunkt des Bewußtseins rücken, der sich auf nichts Äußeres bezieht, der wie ein Sinnbild gedacht ist, bei dem man ganz unberücksichtigt läßt, daß er etwas Äußeres abbildet. Man kann nun in dem Festhalten eines solchen Gedankens verharren. Man kann sich ganz einleben nur in das innere Tun der Seele, während man so verharrt. Es kommt hierbei nicht darauf an, in Gedanken zu leben, sondern darauf, die Denktätigkeit zu erleben. Auf diese Weise reißt sich die Seele los von dem, was sie in ihrem gewöhnlichen Denken vollführt. Sie wird dann, wenn sie solche innere Übung genügend lange fortsetzt, nach einiger Zeit erkennen, wie sie in Erlebnisse hineingeraten ist, welche sie abtrennen von demjenigen Denken und Vorstellen, das an die leiblichen Organe gebunden ist. Ein gleiches kann man vollziehen mit dem Fühlen und Wollen der Seele, ja, auch mit dem Empfinden, dem Wahrnehmen der Außendinge. Man wird auf diesem Wege nur etwas erreichen, wenn man nicht zurückschreckt davor, sich zu gestehen, daß die Selbsterkenntnis der Seele nicht einfach angetreten werden kann, indem man nach dem Innern schaut, das stets vorhanden ist, sondern vielmehr nach demjenigen, das durch innere Seelenarbeit erst aufgedeckt werden muß. Durch eine Seelenarbeit, die durch Übung zu einem solchen Verharren in der inneren Tätigkeit des Denkens, Fühlens und Wollens gelangt, daß diese Erlebnisse gewissermaßen sich geistig in sich «verdichten». Sie offenbaren dann in dieser «Verdichtung» ihr inneres Wesen, das im gewöhnlichen Bewußtsein nicht wahrgenommen werden kann. Man entdeckt durch solche Seelenarbeit, daß für das Zustandekommen des gewöhnlichen Bewußtseins die Seelenkräfte sich so «verdünnen» müssen und daß sie in dieser Verdünnung unwahrnehmbar werden. Die hier gemeinte Seelenarbeit besteht in der unbegrenzten Steigerung von Seelenfähigkeiten, welche auch das gewöhnliche Bewußtsein kennt, die dieses aber in solcher Steigerung nicht anwendet. Es sind die Fähigkeiten der Aufmerksamkeit und der liebevollen Hingabe an das von der Seele Erlebte. Es müssen, um das Angedeutete zu erreichen, diese Fähigkeiten in einem solchen Grade gesteigert werden, daß sie wie völlig neue Seelenkräfte wirken.
[ 14 ] Indem man so vorgeht, ergreift man in der Seele ein wirkliches Erleben, dessen eigene Wesenheit sich als eine solche offenbart, welche von den Bedingungen der leiblichen Organe unabhängig ist. Das ist ein Geistesleben, das begrifflich nicht verwechselt werden darf mit dem, was Dilthey und Eucken die geistige Welt nennen. Denn diese geistige Welt wird von dem Menschen doch nur erlebt, indem er mit seinen Leibesorganen verbunden ist. Das hier gemeinte Geistesleben ist für die Seele, die an den Leib gebunden ist, nicht vorhanden.
[ 15 ] Und als eine erste Erfahrung dieses errungenen neuen Geisteslebens stellt sich die wahre Erkenntnis des gewöhnlichen Seelenlebens dar. In Wahrheit ist auch dieses nicht durch den Leib hervorgebracht, sondern es verläuft außerhalb des Leibes. Wenn ich eine Farbe sehe, wenn ich einen Ton höre, so erlebe ich die Farbe, den Ton nicht als ein Ergebnis des Leibes, sondern ich bin als selbstbewußtes Ich mit der Farbe, mit dem Ton außerhalb des Leibes verbunden. Der Leib hat die Aufgabe, so zu wirken, daß man ihn mit einem Spiegel vergleichen kann. Wenn ich mit einer Farbe im gewöhnlichen Bewußtsein nur seelisch verbunden bin, so kann ich wegen der Einrichtung dieses Bewußtseins nichts von der Farbe wahrnehmen. Wie ich auch mein Gesicht nicht sehen kann, wenn ich vor mich Hinblicke. Steht aber ein Spiegel vor mir, so nehme ich dies Gesicht als Körper wahr. Ohne vor dem Spiegel zu stehen, bin ich der Körper, ich erlebe mich als solchen. Vor dem Spiegel stehend nehme ich den Körper als Spiegelbild wahr. So ist es - das selbstverständlich Ungenügende eines Vergleichs muß beachtet werden - mit der Sinneswahrnehmung. Ich lebe mit der Farbe außer meinem Leibe, durch die Tätigkeit des Leibes (des Auges, des Nervensystems) wird mir die Farbe zur bewußten Wahrnehmung gemacht. Nicht ein Hervorbringer der Wahrnehmungen, des Seelischen überhaupt, ist der Menschenleib, sondern ein Spiegelungsapparat dessen, was außerhalb des Leibes seelisch-geistig sich abspielt.
[ 16 ] Durch solche Anschauung wird die Erkenntnislehre auf eine aussichtsvolle Grundlage gestellt. «Man wird ... zu einer ... Vorstellung über das ,Ich' erkenntnistheoretisch gelangen, wenn man es (das Ich) nicht innerhalb der Leibesorganisation befindlich vorstellt und die Eindrücke ihm,von außen‘ geben läßt, sondern wenn man dieses ,Ich' in die Gesetzmäßigkeit der Dinge selbst verlegt und in der Leibesorganisation nur etwas wie einen Spiegel sieht, welcher das außer dem Leibe liegende Weben des Ich im wahren Weltwesen diesem durch die organische Leibestätigkeit zurückspiegelt.» Mit solchen Worten versuchte der Verfasser dieses Buches die ihm vorschwebende Aussicht auf eine Erkenntnislehre zu charakterisieren in dem Vortrag, den er für den 1911 in Bologna gehaltenen philosophischen Kongreß ausgearbeitet hat: «Die psychologischen Grundlagen und die erkenntnistheoretische Stellung der Geisteswissenschaft.» (Siehe «Die Drei», Stuttgart 1948, 18. Jahrg. Heft 2/3.)
[ 17 ] Während des menschlichen Schlafes ist die spiegelnde Wechselwirkung zwischen dem Leibe und der Seele unterbrochen; das «Ich» lebt nur im Weben des Seelisch-Geistigen. Für das gewöhnliche Bewußtsein ist aber ein Erleben der Seele nicht vorhanden, wenn der Leib die Erlebnisse nicht spiegelt. Daher verläuft der Schlaf unbewußt. Durch die angedeuteten und ähnlichen Seelenübungen wird bewirkt, daß die Seele ein anderes als das gewöhnliche Bewußtsein entfaltet. Sie gelangt dadurch zu der Fähigkeit, rein seelisch-geistig nicht nur zu erleben, sondern auch das Erlebte in sich so zu erstarken, daß dieses sich gewissermaßen ohne die Hilfe des Leibes in sich selbst spiegelt und so zur geistigen Wahrnehmung kommt. Und in dem so Erlebten kann erst die Seele sich selbst wahrhaft erkennen, kann sie sich in ihrem Wesen bewußt erleben. - Wie die Erinnerung vergangene Tatsachen des physischen Erlebens aus den Tiefen der Seele heraufzaubert, so treten vor eine Seele, welche sich durch die charakterisierten Verrichtungen dazu bereitgemacht hat, aus deren inneren Tiefen wesenhafte Erlebnisse herauf, welche nicht der Welt des Sinnesseins angehören, doch aber einer Welt, in welcher die Seele ihr Grundwesen hat. - Es liegt nur zu nahe, daß der Gläubige mancher gegenwärtigen Vorstellungsart diese Welt, die hier zum Vorschein kommt, in das Gebiet der Erinnerungsirrtümer, der Illusionen, Halluzinationen, Autosuggestionen und dergleichen verweist. Man kann dem nur erwidern, daß ein ernstes Seelenstreben, das auf dem angedeuteten Wege arbeitet, in der inneren Geistesverfassung, welche es sich anerzieht, so sichere Mittel findet, Illusion von geistiger Wirklichkeit zu unterscheiden, wie man im gewöhnlichen Leben bei gesunder Seelenverfassung ein Phantasiegebilde von einer Wahrnehmung unterscheiden kann. Theoretische Beweise, daß die charakterisierte geistige Welt wirklich ist, wird man vergeblich suchen; doch gibt es solche auch nicht für die Wirklichkeit der Wahrnehmungswelt. Wie da zu urteilen ist, darüber entscheidet das Erleben selbst in dem einen und dem anderen Falle.
[ 18 ] Was viele zurückhält, den Schritt zu unternehmen, der nach dieser Darstellung allein für die philosophischen Rätselfragen aussichtsvoll ist, das ist, daß sie durch denselben in ein Gebiet nebelhafter Mystik zu verfallen glauben. Wer nicht von vornherein den Zug der Seele zu solch nebelhafter Mystik hat, der wird auf dem geschilderten Wege sich den Zugang zu einer Welt seelischen Erlebens eröffnen, welches in sich kristallklar wie das mathematische Ideengebäude ist. Wenn man allerdings den Hang dazu hat, das Geistige im «dunklen Unbekannten», in dem, «was sich nicht erklären läßt», zu suchen, dann wird man weder als Kenner noch als Gegner des geschilderten Weges auf demselben sich zurechtfinden können.
[ 19 ] Leicht verständlich ist auch, daß solche Persönlichkeiten, welche in der Vorstellungsart, deren sich die Naturwissenschaft zur Erkenntnis der Sinneswelt bedient, den einzigen wahren wissenschaftlichen Weg erkennen wollen, sich gegen das hier Angedeutete kräftig sträuben. Doch wird, wer solche Einseitigkeit absteift, erkennen können, daß eben in der echten naturwissenschaftlichen Gesinnung die Grundlage liegt für ein Aufnehmen des hier Geschilderten. Man hat an den Ideen, welche in diesem Buche als diejenigen der neueren naturwissenschaftlichen Vorstellungsart geschildert worden sind, die besten Übungsgedanken, welchen die Seele sich hingeben und auf denen sie verharren kann, um sich in ihrem inneren Erleben von dem Gebundensein an den Leib zu lösen. Wer diese naturwissenschaftlichen Ideen verwendet, um mit ihnen so zu verfahren, wie in diesen Ausführungen geschildert worden ist, der wird finden, daß Gedanken, die ursprünglich nur bestimmt scheinen, die Naturvorgänge abzubilden, bei der inneren Geistesübung die Seele wirklich loslösen vom Leibe, und daß daher die hier gemeinte Geisteswissenschaft eine Fortsetzung bilden muß der seelisch recht erlebten naturwissenschaftlichen Denkungsart.
[ 20 ] Man erlebt wissend das wahre Wesen der Menschenseele, wenn man es auf dem charakterisierten Wege sucht. Die Entwickelung der philosophischen Weltanschauungen hat im griechischen Zeitalter zur Geburt des Gedankens auf dem Felde dieser Weltanschauungen geführt. Der Fortschritt dieser Entwickelung ging später dahin, durch die Gedankenerlebnisse die philosophische Betrachtung auf das selbstbewußte Ich hinzuführen. Goethe strebte in dem selbstbewußten Ich nach solchen Erlebnissen, die, indem sie von der Menschenseele erarbeitet werden, zugleich diese Seele in den Bereich derjenigen Wirklichkeit stellen, welche den Sinnen unzugänglich ist. Wenn er nach einer solchen Idee der Pflanze strebt, die nicht mit Sinnen geschaut werden kann, die jedoch das übersinnliche Wesen aller Pflanzen so enthält, daß man, von ihr ausgehend, Pflanzen ersinnen kann, die lebensmöglich sind, so steht Goethe mit solcher Geistesart auf dem hier angezeigten Boden. - Hegel hat dann in dem Gedankenerleben der Menschenseele selbst das «Stehen in dem wahren Weltenwesen» gesehen; ihm wurde die Welt der wahren Gedanken zum inneren Wesen der Welt. - Ein unbefangenes Verfolgen der philosophischen Entwickelung zeigt, daß das Gedankenerleben zwar das Element war, durch welches das selbstbewußte Ich auf sich selbst gestellt werden sollte, daß aber über das Leben in Gedanken fortgeschritten werden muß zu einem solchen seelischen Erleben, das über das gewöhnliche Bewußtsein hinausführt. Denn auch Hegels Gedankenerleben verläuft noch in dem Bereiche dieses gewöhnlichen Bewußtseins.
[ 21 ] In der Seele eröffnet sich so der Ausblick auf eine Wirklichkeit, welche den Sinnen unzugänglich ist. Was in der Seele durch das Eindringen in diese Wirklichkeit erlebt wird, stellt sich dar als die tiefere Seelenwesenheit. Wie aber ist das Verhältnis dieser tieferen Seelenwesenheit zu der durch Vermittelung des Leibes erlebten Außenwelt? - Die vom Leibe auf die gekennzeichnete Art sich frei erlebende Seele erfühlt sich in einem seelisch-geistigen Weben. Sie ist mit dem Geistigen außerhalb des Leibes. Und sie weiß, daß sie auch im gewöhnlichen Leben außerhalb dieses Leibes ist, der ihr nur ihre seelisch-geistigen Erlebnisse wie ein Spiegelungsapparat zur Wahrnehmung bringt. Dadurch wird für sie das geistige Erheben so erhöht, daß ihr ein neues Element in Wirklichkeit sich offenbart. Betrachtungen über die geistige Welt nach der Art Diltheys oder Euckens finden als geistige Welt die Summe der Kulturerlebnisse der Menschheit. Mit dieser Welt als der einzig erfaßbaren Geisteswelt steht man nicht auf dem Boden, welcher der naturwissenschaftlichen Denkungsart entsprechend sich zeigt. Die Gesamtheit der Weltwesen ordnet sich für den naturwissenschaftlichen Blick so, daß der physische Mensch in seinem individuellen Dasein wie eine Zusammenfassung, eine Einheit erscheint, nach der alle anderen Naturvorgänge und Naturwesen hinweisen. Die Kulturwelt ist dasjenige, was durch diesen Menschen geschaffen wird. Allein eine individuelle Einheit höherer Art gegenüber der Individualität des Menschen ist sie nicht. Die hier gemeinte Geisteswissenschaft zeigt auf ein Erleben, das die Seele unabhängig vom Leibe haben kann. Und dieses Erleben offenbart sich als ein Individuelles. Es tritt auf wie ein höherer Mensch, der zu dem physischen Menschen wie zu seinem Werkzeuge steht. Was durch das geistige Erleben der Seele frei vom physischen Leibe sich erfühlt, ist ein geistig-seelisches einheitliches Menschenwesen, das so einer geistigen Welt angehört, wie der Leib der physischen. Erhebt die Seele dieses ihr geistiges Wesen, dann erkennt sie auch, daß dies in einem gewissen Verhältnisse zum Leibe steht. Der Leib erscheint einerseits wie eine Ablösung von dem seelisch-geistigen Wesen, etwa so, daß man den Vergleich wagen kann mit der Schneckenschale, die sich, die Schnecke umhüllend, wie ein Abbild aus ihr ergibt. Anderseits erscheint das Geistig-Seelische im Leibe wie die Summe von Kräften in der Pflanze, welche, nachdem die Pflanze sich entfaltet hat, nachdem sie ihre Entwickelung durch Blätter und Blüte vollendet hat, sich in dem Keime zusammendrängen, um die Anlage zu einer neuen Pflanze zu bilden. Man kann den geistig-seelischen Menschen nicht erleben, ohne zugleich durch das Erlebnis zu wissen, daß in diesem Menschen etwas enthalten ist, was sich zu einem neuen physischen Menschen gestalten will. Zu einem solchen, der durch sein Erleben in dem physischen Leibe sich Kräfte gesammelt hat, die nicht in diesem gegenwärtigen physischen Leibe zum Ausleben kommen können. Dieser gegenwärtige physische Leib hat wohl der Seele die Möglichkeit gegeben, Erlebnisse im Zusammenhange mit der Außenwelt zu haben, welche den geistig-seelischen Menschen anders machen als er war, da er das Leben in diesem physischen Leibe angetreten hat; doch ist dieser Leib gewissermaßen zu bestimmt gestaltet, als daß der geistig-seelische Mensch ihn nach den in ihm gemachten Erlebnissen umformen könnte. So steckt in dem Menschen ein geistig-seelisches Wesen, das die Anlage zu einem neuen Menschen enthält.
[ 22 ] Solche Gedanken können hier nur angedeutet werden. Was sie enthalten, eröffnet die Aussicht auf eine Geisteswissenschaft, die in ihrer inneren Wesenheit nach dem Muster der Naturwissenschaft gebaut ist. Der Bearbeiter einer solchen Geisteswissenschaft wird verfahren, wie etwa der Botaniker verfährt. Dieser verfolgt die Pflanze, wie sie Wurzel schlägt, Stamm und Blätter entfaltet, sich zur Blüte und Frucht entwickelt. In der Frucht wird er den Keim des neuen Pflanzenlebens gewahr. Und wenn er eine Pflanze entstehen sieht, so sucht er deren Ursprung in dem Keim, der von einer anderen Pflanze herrührt. Der Geisteswissenschafter wird verfolgen, wie ein Menschenleben, abgesehen von seiner Außenseite, auch ein inneres Wesen entfaltet; er wird die äußeren Erlebnisse gleich den Pflanzenblättern und Blüten hinsterbend finden; im Innern aber den geistig-seelischen Kern verfolgen, der die Anlage zu einem neuen Menschenleben birgt. In dem durch die Geburt ins Leben tretenden Menschen wird er dasjenige wieder in die Sinnesweht kommen sehen, was durch den Tod aus ihr hinausgegangen ist. Er wird beobachten lernen, wie dasjenige, was in der physischen Vererbungsströmung von den Ahnen dem Menschen übergeben wird, nur der Stoff ist, den der seelisch-geistige Mensch formend gestaltet, um das zum physischen Dasein zu bringen, was in einem vorhergegangenen Leben sich keimhaft vorgebildet hat.
[ 23 ] Man wird, von dem Gesichtspunkte dieser Weltanschauung aus, manches in der Seelenwissenschaft in einem neuen Lichte sehen. Vieles könnte hier erwähnt werden. Doch sei nur auf eines hingedeutet. Man beobachte, wie die Menschenseele durch Erlebnisse verwandelt wird, die in einem gewissen Sinne eine Wiederkehr früherer Erlebnisse darstellen. Wenn man ein bedeutungsvolles Buch in seinem zwanzigsten Jahre gelesen hat und es in seinem vierzigsten wieder liest, so erlebt man es wie ein anderer Mensch. Und wenn man unbefangen nach dem Grunde dieser Tatsache fragt, so ergibt sich, daß, was man durch das Buch im zwanzigsten Jahre aufgenommen hat, in einem fortlebt und ein Teil der eigenen Wesenheit geworden ist. Man hat in dem eigenen Geistig-Seelischen die Kraft, die in dem Buche liegt; und es liegt in diesem Buche im vierzigsten Jahre des Menschen diese in ihn eingegangene Kraft. So ist es auch mit Lebenserfahrungen. Diese werden zum Menschen selbst. Sie leben in seinem «Ich». Aber man sieht auch, daß während des einen Lebens dieses innere Kräftigen des höheren Menschen geistig-seelisch bleiben muß. Aber auch das andere wird man gewahr, daß dieser Mensch strebt, kräftig genug zu werden, um sich in Leiblichkeit auszuleben. Um das zu erreichen, ist die körperliche Bestimmtheit in dem einen Leben ein Hindernis. Im Innern des Menschen aber lebt anlagehaft der Keim, der ein neues Menschenleben mit dem Erworbenen bilden will, wie im Innern der Pflanze der Keim für eine neue Pflanze hebt.
[ 24 ] Dazu kommt, daß das Einleben der Seele in die vom Leibe unabhängige Geisteswelt ihr das wahrhaft Geistig-Seelische auf eine ähnliche Art ins Bewußtsein treten läßt, wie in der Erinnerung Vergangenes auftaucht. Doch zeigt sich dieses Geistig-Seelische als über das Einzelleben hinaufreichend. Wie, was ich jetzt in meinem Bewußtsein trage, in sich die Ergebnisse meines früheren physischen Erlebens in sich enthält, so offenbart sich der durch die angedeuteten Übungen gegangenen Seele das ganze physische Erleben, mit der besonderen Gestaltung des Leibes, als geformt von dem geistig-seelischen Wesen, das der Leibesbildung vorangegangen ist. Und dieses der Leibesbildung vorangegangene Leben kündigt sich an als ein solches in einer rein geistigen Welt, in welcher die Seele gelebt hat, bevor sie die Keimanlagen eines vorhergehenden physischen Lebens in einem neuen physischen Leben entwickeln konnte. Man muß sich verschließen vor der doch so einleuchtenden Möglichkeit, daß die Kräfte der menschlichen Seele entwickelungsfähig sind, wenn man sich sträubt, anzuerkennen, daß eine Seele Wahrheit redet, die ihre Erfahrung dahingehend ausspricht, daß sie durch innere Arbeit wirklich dazu gelangt ist, von einer geistigen Welt innerhalb eines von dem gewöhnlichen abweichenden Bewußtseins zu wissen. Und dieses Wissen führt zum geistigen Ergreifen einer Welt, aus welcher anschaulich wird, daß das wahre Wesen der Seele hinter dem gewöhnlichen Erleben liegt; daß sich dieses wahre Wesen geistig im Tode erhält, wie der Pflanzenkeim nach dem Hinsterben der Pflanze sich physisch erhält. Es führt zur Erkenntnis, daß die Menschenseele in wiederholten Erdenleben lebt, und daß zwischen diesen Erdenleben rein geistiges Dasein liegt.
[ 25 ] Von solchem Gesichtspunkt aus kommt Wirklichkeit in die Annahme einer geistigen Welt. Die Menschenseelen selbst sind es, welche das in einer Kulturepoche Errungene in die späteren hinübertragen. Die Seele erscheint im physischen Leben mit einer gewissen inneren Verfassung, deren Entfaltung man wahrnimmt, wenn man nur nicht so befangen ist, daß man in dieser Entfaltung nur das Ergebnis der physischen Vererbung sehen will. Was in dem von Eucken und Dilthey gemeinten Kulturleben als geistige Welt sich darstellt, ist so gestaltet, daß das Folgende stets an das unmittelbar Vorangehende sich schließt. Doch stehlen sich in diesen Fortgang hinein die Menschenseelen, welche das Ergebnis ihrer vorangehenden Leben mitbringen in Form der inneren Seelenstimmung, die aber, was in der physischen Kulturwelt sich entwickelt hat, während sie in einem rein geistigen Dasein waren, durch äußeres Lernen sich aneignen müssen.
[ 26 ] In einer geschichtlichen Darstellung kann nicht die volle Auseinandersetzung gegeben werden über das hier Angedeutete. Wer eine solche sucht, den erlaube ich mir zu verweisen auf meine Schriften über die hier gemeinte Geisteswissenschaft. Wenn diese auch anstreben, in einer möglichst allgemein zugänglichen Darstellungsart die Weltanschauung zu geben, deren Gesichtspunkte und Ziele hier skizziert sind, so glaube ich doch, daß es möglich ist, auch in dem Gewande dieser Darstellungsart zu erkennen, wie diese Weltanschauung auf einer ernst erstrebten philosophischen Grundlage ruht, und von dieser aus hineinstrebt in die Welt, welche die Menschenseele erschauen kann, wenn sie sich die leibfreie Beobachtung durch innere Arbeit erwirbt.
[ 27 ] Einer der Lehrmeister dieser Weltanschauung ist die Philosophiegeschichte selber. Deren Betrachtung zeigt, daß der Gang der philosophischen Arbeit hindrängt nach einer Anschauung, die nicht im gewöhnlichen Bewußtsein errungen werden kann. In den Darstellungen der repräsentativen Denkerpersönlichkeiten zeigt sich in mannigfaltigen Formen, wie die Durchforschung des selbstbewußten Ich, nach allen Seiten, mit den Mitteln des gewöhnlichen Bewußtseins versucht worden ist. Eine theoretische Auseinanderetzung, warum diese Mittel an unbefriedigenden Punkten ankommen müssen, gehört nicht in die geschichtliche Darstellung. Doch sprechen die geschichtlichen Tatsachen selbst deutlich aus, wie das gewöhnliche Bewußtsein, nach allen Seiten durchsucht, nicht dazu kommen kann, Fragen zu lösen, die es doch stellen muß. Und warum dem gewöhnlichen, auch dem gewohnten wissenschaftlichen Bewußtsein die Mittel für die Bearbeitung dieser Fragen fehlen müssen, das sollte dieses Schlußkapitel einerseits zeigen. Anderseits sollte es darlegen, wonach die charakterisierten Weltanschauungen unbewußt strebten. - Wenn von einem gewissen Gesichtspunkte aus dieses letzte Kapitel nicht mehr zur eigentlichen Philosophiegeschichte gehört, so wird es von einem anderen aus doch gerechtfertigt erscheinen, von einem solchen, dem die Ergebnisse dieses Buches einleuchtend sind. Denn diese Ergebnisse bestanden darin, daß die geisteswissenschaftliche Weltanschauung von der neueren Philosophieströmung wie gefordert erscheint, wie eine Antwort auf die von ihr hervorgetriebenen Fragen. Man muß diese Philosophieströmung an einzelnen charakteristischen Punkten betrachten, um dies gewahr zu werden. Franz Brentano spricht in seiner «Psychologie» davon, wie diese Strömung davon abgelenkt worden ist, die tieferen Rätsel des Seelischen zu behandeln (vgl. S. 521). Man kann in seinem Buche lesen: «Indessen, so scheinbar die Notwendigkeit der Beschränkung des Forschungsgebietes nach dieser Seite ist, so ist sie doch vielleicht nicht mehr als scheinbar. David Hume hat sich seinerzeit mit aller Entschiedenheit gegen die Metaphysiker erklärt, welche eine Substanz als Trägerin der psychischen Zustände in sich zu finden behaupten. ,Ich für mein Teil', sagt er, ,wenn ich recht tief in das, was ich mich selbst nenne, eingehe, stoße immer auf die eine oder die andere Wahrnehmung von Hitze oder Kälte, Licht oder Schatten, Liebe oder Haß, Schmerz oder Lust. Nie, so oft ich es auch versuche, kann ich meiner selbst habhaft werden ohne eine Vorstellung, und nie kann ich etwas entdecken außer der Vorstellung. Sind meine Vorstellungen für irgendwelche Zeit aufgehoben, wie bei gesundem Schlafe, so kann ich ebenso lange nichts von mir selbst verspüren, und man könnte in Wahrheit sagen, daß ich gar nicht bestehe.'» (Brentano, Psychologie, S. 20.) - Hume weiß nur von einer Seelenbeobachtung, welche ohne innere Seelenarbeit auf die Seele lossteuert. Eine solche Beobachtung kann eben nicht bis zu dem Wesenhaften der Seele dringen. Brentano knüpft nun an Humes Sätze an und spricht aus: «Nichtsdestoweniger bemerkt derselbe Hume, daß die sämtlichen Beweise für die Unsterblichkeit bei einer Anschauung wie der seinigen noch ganz dieselbe Kraft besitzen wie bei der entgegengesetzten und hergebrachten Annahme.» Dazu muß aber gesagt werden, daß nicht Erkenntnis, sondern nur ein Glaube festhalten könnte an den Worten Humes, wenn seine Meinung richtig wäre, daß nichts in der Seele zu finden ist, als was er angibt. Denn was könnte für einen Fortbestand bürgen dessen, was Hume als Inhalt der Seele findet? Brentano fährt fort: «Denn wenn auch der, welcher die Seelensubstanz leugnet, von einer Unsterblichkeit im eigentlichen Sinne selbstverständlich nicht reden kann, so ist es doch durchaus nicht richtig, daß die Unsterblichkeitsfrage durch die Leugnung eines substantiellen Trägers der psychischen Erscheinungen allen Sinn verliert. Dies wird sofort einleuchtend, wenn man bedenkt, daß, mit oder ohne Seelensubstanz, ein gewisser Fortbestand unseres psychischen Leben hier auf Erden jedenfalls nicht geleugnet werden kann. Verwirft einer die Seelensubstanz, so bleibt ihm nur die Annahme übrig, daß es zu einem Fortbestande wie diesem eines substantiellen Trägers nicht bedürfe. Und die Frage, ob unser psychisches Leben etwa auch nach der Zerstörung unserer leiblichen Erscheinung fortbestehen werde, wird darum für ihn ebensowenig wie für andere sinnlos sein. Es ist eigentlich eine bare Inkonsequenz, wenn Denker dieser Richtung die Frage nach der Unsterblichkeit auch in dieser ihrer wesentlichen Bedeutung, in welcher sie allerdings besser Unsterblichkeit des Lebens als Unsterblichkeit der Seele zu nennen ist, auf die angegebenen Gründe hin verwerfen.» (Brentano, Psychologie, S.21 f.) - Diese Meinung Brentanos läßt sich doch nicht stützen, wenn man nicht auf die hier skizzierte Weltanschauung eingehen will. Denn wo sollen sich Gründe zur Annahme finden, daß die seelischen Erscheinungen nach der Auflösung des Leibes fortbestehen, wenn man bei dem gewöhnlichen Bewußtsein stehen bleiben will? Dieses Bewußtsein kann doch nur so lange dauern, als sein Spiegelungsapparat, der physische Leib, besteht. Was ohne diesen fortbestehen kann, darf nicht als Substanz bezeichnet werden; es muß ein anderes Bewußtsein sein. Dieses andere Bewußtsein kann aber nur entdeckt werden durch die innere Seelenarbeit, die sich leibfrei macht. Diese lernt erkennen, daß die Seele Bewußtsein auch ohne die leibliche Vermittelung haben kann. Durch diese Arbeit findet die Seele in übersinnlicher Anschauung den Zustand, in dem sie sich befindet, wenn sie den Leib abgelegt hat. Und sie findet, daß, während sie den Leib trägt, dieser selbst es ist, der jenes andere Bewußtsein verdunkelt. Mit der Einverleibung in den physischen Körper wirkt dieser so stark auf die Seele, daß sie das charakterisierte andere Bewußtsein im gewöhnlichen Leben nicht zur Entfaltung bringen kann. Das zeigt sich, wenn die in diesem Kapitel angedeuteten Seelenübungen mit Erfolg gemacht werden. Die Seele muß dann bewußt die Kräfte unterdrücken, die, vom Leibe ausgehend, das leibfreie Bewußtsein auslöschen. Dieses Auslöschen kann nach der Auflösung des Leibes nicht mehr stattfinden. Es ist also das geschilderte andere Bewußtsein dasjenige, das sich hindurcherhält durch die aufeinanderfolgenden Leben der Seele und durch die rein geistigen Leben zwischen Tod und Geburt. Und es wird von diesem Gesichtspunkte aus nicht von einer nebelhaften Seelensubstanz gesprochen, sondern mit einer den naturwissenschaftlichen Ideen ähnlichen Vorstellung gezeigt, wie die Seele deshalb fortbesteht, weil in einem Leben sich keimhaft das nächste vorbereitet, gleich dem Pflanzenkeim in der Pflanze. Es wird in dem gegenwärtigen Leben der Grund des künftigen gefunden. Es wird das Wahrhafte gezeigt, das sich fortsetzt, wenn der Tod den Leib auflöst.
[ 28 ] Man befindet sich mit der hier gemeinten Geisteswissenschaft nirgends im Widerspruche mit der neueren naturwissenschaftlichen Vorstellungsart. Man wird nur zugeben müssen, daß über das Gebiet des Geisteslebens mit dieser Vorstellungsart selbst keine Einsichten gewonnen werden können. Erkennt man die Tatsache eines anderen Bewußtseins, als es das gewöhnliche ist, so wird man finden, daß man durch dieses Bewußtsein zu Vorstellungen über die geistige Welt geführt wird, die für diese Welt einen Gesetzeszusammenhang ergeben, ganz ähnlich dem, der sich dem naturwissenschaftlichen Forschen für die physische Welt ergibt.
[ 29 ] Von Bedeutung wird sein, daß man von dieser Geisteswissenschaft den Glauben fernhält, als ob ihre Erkenntnisse irgendeiner älteren Religionsform entlehnt seien. Man wird zu diesem Glauben leicht verführt, weil zum Beispiel die Anschauung von den wiederholten Erdenleben ein Bestandstück gewisser Glaubensbekenntnisse ist. Für den modernen Geistesforscher kann es eine Entlehnung von solchen Glaubensbekenntnissen nicht geben. Er findet, daß die Erringung eines in die Geisteswelt reichenden Bewußtseins eine Tatsache für eine Seele werden kann, die sich gewissen - den geschilderten - Verrichtungen hingibt. Und er lernt als ein Ergebnis dieses Bewußtseins erkennen, daß die Seele in der charakterisierten Art ihren Bestand in der geistigen Welt hat. Für seine Betrachtung zeigt sich in der Philosophiegeschichte seit dem Aufleuchten des Gedankens im Griechentum der Weg, um philosophisch zu der Überzeugung zu kommen, daß man das wahre Seelenwesen findet, wenn man die gewöhnlichen Seelenerlebnisse als Oberfläche betrachtet, unter die hinabgestiegen werden muß. Der Gedanke hat sich als der Erzieher der Seele erwiesen. Er hat diese dahin gebracht, in dem selbstbewußten Ich ganz einsam zu sein. Aber indem er sie zu dieser Einsamkeit geführt hat, hat er ihre Kräfte gestählt, wodurch sie fähig werden kann, sich in sich so zu vertiefen, daß sie, in ihren Untergründen stehend, zugleich in dem tiefer Wirklichen der Welt steht. Denn vom Gesichtspunkte der hier charakterisierten geisteswissenschaftlichen Weltanschauung aus wird nicht der Versuch unternommen, mit den Mitteln des gewöhnlichen Bewußtseins durch bloßes Nachdenken (Hypothetisieren) hinter die Sinneswelt zu kommen. Es wird anerkannt, daß für dieses gewöhnliche Bewußtsein die übersinnliche Welt verschleiert sein muß, und daß die Seele sich durch ihre eigene innere Verwandlung in die übersinnliche Welt hineinstellen muß, wenn sie ein Bewußtsein von ihr erlangen will.
[ 30 ] Auf diesem Wege wird auch erkannt, daß der Ursprung der sittlichen Impulse in derjenigen Welt liegt, welche die Seele leibfrei anschaut. Aus dieser Welt ragen in das Seelenleben herein die Antriebe, welche nicht aus der leiblichen Natur des Menschen stammen, sondern unabhängig von dieser das Handeln des Menschen bestimmen sollen.
[ 31 ] Wenn man sich bekannt macht damit, daß das «Ich» mit seiner seelisch-geistigen Welt außerhalb des Leibes lebt, daß es also die Erlebnisse der Außenwelt selbst an diesen Leib heranbringt, so wird man auch den Weg finden zu einer wahrhaft geistgemäßen Auffassung des Schicksalsrätsels. Der Mensch ist in seinem seelischen Erleben durchaus verbunden mit dem, was er als Schicksal erlebt. Man betrachte doch den seelischen Bestand eines dreißigjährigen Menschen. Der wirkliche Inhalt seines inneren Seins wäre ein ganz anderer, wenn er in den vorhergehenden Jahren anderes erlebt hätte, als der Fall ist. Sein «Ich» ist nicht denkbar ohne diese Erlebnisse. Und wenn sie ihn auch als leidvolle Schicksalsschläge getroffen haben, er ist durch sie geworden, was er ist. Sie gehören zu den Kräften, welche in seinem «Ich» wirksam sind, nicht dieses von außen treffen. Wie der Mensch geistig-seelisch mit der Farbe lebt, und diese ihm nur durch die Spiegelung des Leibes zur Wahrnehmung gebracht wird, so lebt er als in einer Einheit mit seinem Schicksal. Mit der Farbe ist man seelisch verbunden; doch wahrnehmen kann man sie nur, wenn der Leib sie spiegelt; mit den Ursachen eines Schicksalsschlages ist der Mensch wesenhaft eins von vorangehenden Leben her, doch erlebt er ihn dadurch, daß sich seine Seele in ein neues Erdendasein geführt hat, in dem sie sich in Erlebnisse unbewußt stürzte, die diesen Ursachen entsprechen. Im gewöhnlichen Bewußtsein weiß er seinen Willen nicht mit diesem Schicksal verbunden; in dem errungenen leibfreien Bewußtsein kann er finden, daß er sich selbst nicht wollen könnte, wenn er mit demjenigen Teile seiner Seele, der wesenhaft in der Geisteswelt steht, nicht alle Einzelheiten seines Schicksals wollte. Auch das Schicksalsrätsel wird nicht so gelöst, daß man über dasselbe Hypothesen erdenkt, sondern dadurch, daß man verstehen lernt, wie man in einem über das gewöhnliche Bewußtsein hinausgehenden Erleben der Seele mit seinem Schicksal zusammenwächst. Dann erkennt man, daß in den Keimanlagen der dem gegenwärtigen vorangehenden Erdenleben auch die Ursachen liegen, warum man dieses oder jenes Schicksalsmäßige erlebt. Das Schicksal erscheint in der Art, wie es sich dem gewöhnlichen Bewußtsein darstellt, nicht in seiner wahren Gestalt. Es verläuft als Folge der vorangehenden Erdenleben, deren Anblick dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht gegeben ist. Einsehen, daß man mit seinen Schicksalsschlägen durch die vorigen Leben verbunden ist, heißt, sich zugleich mit dem Schicksal versöhnen.
[ 32 ] Auch für solche Philosophierätsel, wie dieses, muß behufs ausführlicher Darstellung auf des Verfassers angeführte Werke über Geisteswissenschaft verwiesen werden. Hier können nur wichtigere Ergebnisse dieser Wissenschaft besprochen, nicht aber im einzelnen die Wege angedeutet werden, die dazu führen, von ihr überzeugt zu werden.
[ 33 ] Die Philosophie führt durch ihre eigenen Wege zu der Erkenntnis, daß sie von der Betrachtung zu einem Erleben schreiten müsse der Welt, die sie sucht. In der Betrachtung der Welt erlebt die Seele etwas, bei dem sie nicht stehenbleiben kann, wenn sie sich nicht unaufhörlich Rätsel sein will. Es ist mit dieser Betrachtung in der Tat so wie mit dem Samenkorn, das sich in der Pflanze entwickelt. Dasselbe kann in einer zweifachen Art seinen Weg finden, wenn es gereift ist. Es kann zur menschlichen Nahrung verwendet werden. Untersucht man es in bezug auf diese seine Verwendbarkeit, so kommen andere Gesichtspunkte in Betracht, als diejenigen sind, welche aus dem fortschreitenden Wege des Korns sich ergeben, den es macht, wenn es in den Boden versenkt, der Keim einer neuen Pflanze wird. Was der Mensch seelisch erlebt, hat in ähnlicher Art einen zweifachen Weg. Es tritt auf der einen Seite in den Dienst der Betrachtung einer äußeren Welt. Untersucht man das seelische Erleben von diesem Gesichtspunkte aus, so wird man die Weltanschauungen ausbilden, welche vor allen Dingen danach fragen: Wie dringt Erkenntnis in das Wesen der Dinge; was kann die Betrachtung der Dinge leisten? Solche Untersuchung ist zu vergleichen mit derjenigen nach dem Nahrungswert des Samenkorns. Doch kann man auch hinblicken auf das seelische Erleben, insofern dieses nicht nach außen abgelenkt wird, sondern in der Seele fortwirkend diese von Daseinsstufe zu Daseinsstufe führt. Dann erfaßt man dieses seelische Erleben in der ihm eingepflanzten treibenden Kraft. Man erkennt es als einen höheren Menschen im Menschen, der in dem einen Leben das andere vorbereitet. Man wird zu der Einsicht kommen, daß dieses der Grundimpuls des seelischen Erlebens ist. Und daß die Erkenntnis sich zu diesem Grundimpuls verhält wie die Verwendung des Samenkornes als Nahrung zu dem fortschreitenden Wege dieses Kornes, der es zum Keim einer neuen Pflanze macht. Wenn man dies nicht berücksichtigt, so lebt man in der Täuschung, daß man in dem Wesen des seelischen Erlebens das Wesen des Erkennens suchen kann. Man muß dadurch in einen Irrtum verfallen, dem ähnlich, der entstünde, wenn man das Samenkorn nur chemisch untersuchte auf seinen Nahrungswert hin und in dem Ergebnis dieser Untersuchung das innere Wesen des Samenkorns finden wollte. Die hier charakterisierte Geisteswissenschaft sucht diese Täuschung zu vermeiden, indem sie die selbsteigene innere Wesenheit des seelischen Erlebens offenbar machen will, das auf seinem Wege auch in den Dienst der Erkenntnis treten kann, ohne in dieser betrachtenden Erkenntnis seine ureigentliche Natur zu haben.
[ 34 ] Nicht verwechselt darf werden das hier geschilderte «leibfreie Seelenbewußtsein» mit denjenigen Seelenzuständen, welche nicht durch die charakterisierte innere Seelen-Eigen-Arbeit errungen werden, sondern aus herabgestimmtem Geistesleben (im traumhaften Hellsehen, in der Hypnose usw.) sich ergeben. Bei diesen Seelenzuständen hat man es nicht mit einem wirklichen Erleben der Seele in einem leibfreien Bewußtsein zu tun, sondern mit einer Verbindung des Leibes und der Seele, die von der des gewöhnlichen Lebens abweicht. Wirkliche Geisteswissenschaft kann nur errungen werden, wenn die Seele in eigener selbst geleisteter Innenarbeit den Übergang findet von dem gewöhnlichen Bewußtsein zu einem solchen, mit dem sie in der geistigen Welt sich drinnen stehend klar erlebt. In einer Innenarbeit, die Steigerung, nicht Herabstimmung des gewohnten Seelenlebens ist.
[ 35 ] Durch solche Innenarbeit kann die Menschenseele erreichen, was von der Philosophie angestrebt wird. Die Bedeutung der letztern ist deshalb wahrlich nicht gering, weil sie auf dem Wege, den ihre Bearbeiter zumeist gehen, nicht zu dem kommen kann, was sie erreichen will. Denn wesentlicher als die philosophischen Ergebnisse selbst sind die Kräfte der Seele, welche sich in der philosophischen Arbeit erringen lassen. Und diese Kräfte müssen zuletzt doch dahin führen, wo der Philosophie die Anerkennung des «leibfreien Seelenlebens» möglich ist. Dort wird sie erkennen, daß die Welträtsel nicht bloß wissenschaftlich bedacht, sondern von der Menschenseele erlebt sein wollen, nachdem diese sich erst in den Zustand gebracht hat, in dem solches Erleben möglich ist.
[ 36 ] Naheliegend ist die Frage: Soll also das gewöhnliche, auch das vollwissenschaftliche Erkennen sich verleugnen und für eine Weltanschauung nur das gelten lassen, was ihr von einem Gebiete gereicht wird, das außerhalb des ihrigen liegt? Doch liegt die Sache so, daß die Erlebnisse des charakterisierten, von dem gewöhnlichen unterschiedenen Bewußtseins sogleich auch diesem gewöhnlichen Bewußtsein einleuchtend sind, insofern dieses sich nur nicht selbst Hindernisse dadurch bereitet, daß es sich in seinem eigenen Bereiche einschließen will. Gefunden können die übersinnlichen Wahrheiten nur werden von der Seele, die sich in das Übersinnliche stellt. Sind sie da gefunden, so können sie von dem gewöhnlichen Bewußtsein voll begriffen werden. Denn sie schließen sich an die Erkenntnisse ganz notwendig an, die für die sinnliche Welt gewonnen werden können.
[ 37 ] Es ist nicht zu leugnen, daß im Laufe der Weltanschauungs-entwickelung Gesichtspunkte wiederholt auftreten, die denen ähnlich sind, welche in diesem Schlußkapitel an die Betrachtung des Fortganges der philosophischen Bestrebungen geknüpft sind. Doch erscheinen sie in vorangehenden Zeitaltern wie Nebenwege des philosophischen Suchens. Dieses mußte erst alles das durchringen, was als Fortsetzung des Aufleuchtens der Gedankenerlebnisse im Griechenturn gelten kann, um aus seinen eigenen Impulsen heraus, aus dem Erfühlen dessen, was es selbst erreichen und nicht erreichen kann, auf den Weg des übersinnlichen Bewußtseins hinzuweisen. In vergangenen Zeiten war der Weg eines solchen Bewußtseins gewissermaßen ohne philosophische Rechtfertigung; er wurde nicht von der Philosophie selbst gefordert. Die Philosophie der Gegenwart fordert ihn aber durch das, was sie als Fortsetzung der vorangehenden philosophischen Entwickelung ohne ihn durchgemacht hat. Sie hat es ohne ihn dazu gebracht, das geistige Forschen in Richtungen zu denken, die, naturgemäß verfolgt, in die Anerkennung des übersinnlichen Bewußtseins einmünden. Deshalb wurde im Anfang dieses Schlußkapitels nicht gezeigt, wie die Seele über das Übersinnliche spricht, wenn sie sich ohne weitere Voraussetzung auf dessen Boden stellt, sondern es wurden die Richtungen philosophisch zu verfolgen versucht, die aus den neueren Weltanschauungen sich ergeben. Und es wurde angedeutet, wie das Verfolgen dieser Richtungen durch die in ihnen selbst lebende Seele diese zur Anerkennung der übersinnlichen Wesenheit des Seelischen führt.
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The Riddles of Philosophy 1973, tr. Fritz C. A. Koelln
VIII. A Brief Outline of an Approach to Anthroposophy
[ 1 ] If one observes how, up to the present time, the philosophical world conceptions take form, one can see undercurrents in the search and endeavor of the various thinkers, of which they themselves are not aware but by which they are instinctively moved. In these currents there are forces at work that give direction and often specific form to the ideas expressed by these thinkers. Although they do not want to focus their attention on the forces directly, what they have to say often appears as if driven by hidden forces, which they are unwilling to acknowledge and from which they recoil. Forces of this kind live in the thought worlds of Dilthey, Eucken and Cohen. They are led by cognitive powers by which they are unconsciously dominated but that do not find a conscious development within their thought structures.
[ 2 ] Security and certainty of knowledge is being sought in many philosophical systems, and Kant's ideas are more or less taken as its point of departure. The outlook of natural science determines, consciously or unconsciously, the process of thought formation. But it is dimly felt by many that the source of knowledge of the external world must be sought in the self-conscious soul. Almost all of these thinkers are dominated by the question: How can the self-conscious soul be led to regard its inner experiences as a true manifestation of reality? The ordinary world of sense perception has become “illusion” because the self-conscious ego has, in the course of philosophical development, found itself more and more isolated with its subjective experiences. It has arrived at the point where it regards even sense perception merely as inner experience that is powerless to assure being and permanence for them in the world of reality. It is felt how much depends on finding a point of support within the self-conscious ego. But the search stimulated by this feeling only leads to conceptions that do not provide the means of submerging with the ego into a world that provides satisfactory support for existence.
[ 3 ] To explain this fact, one must look at the attitude toward the reality of the external world taken by a soul that has detached itself from that reality in the course of its philosophical development. This soul feels itself surrounded by a world of which it first becomes aware through the senses. But then it also becomes conscious of its own activity, of its own inner creative experience. The soul feels, as an irrefutable truth, that no light, no color can be revealed without the eye's sensitivity for light and color. Thus, it becomes aware of something creative in this activity of the eye. But if the eye produces the color by its spontaneous creation, as it must be assumed in such a philosophy, the question arises: Where do I find something that exists in itself, that does not owe its existence to my own creative power? If even the manifestations of the senses are nothing but results of the activity of the soul, must this not be true to even a higher degree with our thinking, through which we strive for conceptions of a true reality? Is this thinking not condemned to produce pictures that spring from the character of the soul life but can never provide a sure approach to the sources of existence? Questions of this kind emerge everywhere in the development of modern philosophy.
[ 4 ] It will be impossible to find the way out of the confusion resulting from these questions as long as the belief is maintained that the world revealed by the senses constitutes a complete, finished and self-dependent reality that must be investigated in order to know its inner nature. The human soul can arrive at its insights only through a spontaneous inner creativity. This conviction has been described in a previous chapter of this book, “The World as Illusion,” and in connection with the presentation of Hamerling's thoughts. Having reached this conviction, it is difficult to overcome a certain impasse of knowledge as long as one thinks that the world of the senses contains the real basis of its existence within itself and that one therefore has to copy with the inner activity of the soul what lies outside.
[ 5 ] This impasse will be overcome only by accepting the fact that, by its very nature, sense perception does not present a finished self-contained reality, but an unfinished, incomplete reality, or a half-reality, as it were.
As soon as one presupposes that a full reality is gained through perceptions of the sensory world, one is forever prevented from finding the answer to the question: What has the creative mind to add to this reality in the act of cognition? By necessity one shall have to sustain the Kantian option: Man must consider his knowledge to be the inner product of his own mind; he cannot regard it as a process that is capable of revealing a true reality. If reality lies outside the soul, then the soul cannot produce anything that corresponds to this reality, and the result is merely a product of the soul's own organization.
[ 6 ] The situation is entirely changed as soon as it is realized that the human soul does not deviate from reality in its creative effort for knowledge, but that prior to any cognitive activity the soul conjures up a world that is not real. Man is so placed in the world that by the nature of his being he changes things from what they really are. Hamerling is partly right when he says:
Certain stimuli produce the odor within our organ of smell. The rose, therefore, has no fragrance if nobody smells it. . . . If this, dear reader, does not seem plausible to you, if your mind stirs like a shy horse when it is confronted with this fact, do not bother to read another line; leave this book and all others that deal with philosophical things unread, for you lack the ability that is necessary for this purpose, that is, to apprehend a fact without bias and to adhere to it in your thoughts. (Compare pages of this volume.)
How the sensory world appears when man is confronted with it, depends without a doubt on the nature of the soul. Does it not follow then that this appearance of the world is a product of man's soul? An unbiased observation shows, however, that the unreal character of the external sense world is caused by the fact that when man is directly confronted by things of the world, he suppresses something that really belongs to them. If he unfolds a creative inner life that lifts from the depths of his soul the forces that lie dormant in them, he adds something to the part perceived by the senses and thereby turns a half-reality to its entirety. It is due to the nature of the soul that, at its first contact with things, it extinguishes something that belongs to them. For this reason, things appear to the senses not as they are in reality but as they are modified by the soul. Their delusive character (or their mere appearance) is caused by the fact that the soul has deprived them of something that really belongs to them.
Inasmuch as man does not merely observe things, he adds something to them in the process of knowledge that reveals their full reality. The mind does not add anything to things in the process of cognition that would have to be considered as an unreal element, but prior to the process of knowledge it has deprived these things of something that belongs to their true reality. It will be the task of philosophy to realize that the world accessible to man is an “illusion” before it is approached in the process of cognition. This process, however, leads the way toward a full understanding of reality. The knowledge that man creates during the process of cognition seems to be an inner manifestation of the soul only because he must, before the act of cognition, reject what comes from the nature of things. He cannot see at first the real nature of things when he encounters them in mere observation. In the process of knowledge he unveils what was first concealed. If he regards as a reality what he had at first perceived, he will now realize that he has added the results of his cognitive activity to reality. As soon as he recognizes that what was apparently produced by himself has to be sought in the things themselves, that he merely failed to see it previously, he will then find that the process of knowing is a real process by which the soul progressively unites with world reality. Through it, it expands its inner isolated experience to the experience of the world.
[ 7 ] In a short work, Truth and Science, published in 1892, the author of the present book made a first attempt to prove philosophically what has been briefly described. Perspectives are indicated in this book that are necessary to the philosophy of the present age if it is to overcome the obstacles it has encountered in its modern development. A philosophical point of view is outlined in this essay in the following words:
The initial form in which reality confronts the ego is not its true manifestation but the final form, which the ego fashions out of it, is. The first form is altogether without significance for the objective world; it is of importance only as a basis for the processes of cognition. Therefore, it is not the form of the world that is presented by theory that must be considered subjective but the one the ego encounters initially as in mere perception.
A further exposition of this point of view is given in the author's later philosophical work, Philosophy of Freedom (1894) (translated also with the title, Philosophy of Spiritual Activity). There an attempt is made to give the philosophical foundations for a conception that was outlined in Truth and Science.
It is not due to the objects that they are given to us at first without their corresponding concept, but to our mental organization. Our whole being functions in such a way that from every real thing the relevant elements come to us from two sources, from perceiving and from thinking. The way I am organized for apprehending the things has nothing to do with the nature of the things themselves. The gap between perceiving and thinking exists only from the moment that I, as a spectator, confront the things.
And later on it is stated:
The percept is that part of reality that is given objectively; the concept the part that is given subjectively, through intuition. Our mental organization tears the reality apart into these two factors. The one factor presents itself to perception, the other to intuition. Only the union of the two, that is, the percept fitting systematically into the universe, constitutes the full reality. If we take mere percepts by themselves we have no reality but rather disconnected chaos. If we take by itself the law and order connecting the percepts then we have nothing but abstract concepts. Reality is not contained in the abstract concept. It is, however, contained in thoughtful observation, which does not one-sidedly consider either concept or percept alone, but rather the union of the two.
[ 8 ] In accepting this point of view we shall be able to think of mental life and of reality as united in the self-conscious ego. This is the conception toward which philosophical development has tended since the Greek era and that has shown its first distinctly recognizable traces in the world conception of Goethe. The awareness arises that this self-conscious ego does not experience itself as isolated and divorced from the objective world, but its detachment from this world is experienced merely as an illusion of its consciousness. This isolation can be overcome if man gains the insight that at a certain stage of his development he must give a provisional form to his ego in order to suppress from his consciousness the forces that unite him with the world. If these forces exerted their influences in his consciousness without interruption, he would never have developed a strong, independent self-consciousness. He would be incapable of experiencing himself as a self-conscious ego. The development of self-consciousness, therefore, actually depends on the fact that the mind is given the opportunity to perceive the world without that part of reality that is extinguished by the self-conscious ego prior to an act of cognition.
The world forces belonging to this part of reality withdraw into obscurity in order to allow the self-conscious ego to shine forth in full power. The ego must realize that it owes its self-knowledge to a fact that spreads a veil over the knowledge of the world. It follows that everything that stimulates the soul to a vigorous, energetic experience of the ego, conceals at the same time the deeper foundations in which this ego has its roots. All knowledge acquired by the ordinary consciousness tends to strengthen the self-conscious ego. Man feels himself as a self-conscious ego through the fact that he perceives an external world with his senses, that he experiences himself as being outside this external world and that, at a certain stage of scientific investigation, he feels himself in relation to this external world in such a way that it appears to him as “illusion.” Were it not so, the self-conscious ego would not emerge. If, therefore, in the act of knowledge one attempts merely to copy what is observed before knowledge begins, one does not arrive at a true experience of full reality, but only at an image of a “half reality.”
[ 9 ] Once this is admitted to be the situation, one can no longer look for the answer of the riddles of philosophy within the experiences of the soul that appear on the level of ordinary consciousness. It is the function of this consciousness to strengthen the self-conscious ego. To achieve this it must cast a veil over the connection of the ego with the objective world, and it therefore cannot show how the soul is connected with the true world. This explains why a method of knowledge that applies the means of the natural scientific or similar modes of conception must always arrive at a point where its efforts break down. This failing of many modern thinkers has previously been pointed out in this book, for, in the final analysis, all scientific endeavor employs the same mode of thinking that serves to detach the self-conscious ego from the true reality. The strength and greatness of modern science, especially of natural science, is based on the unrestrained application of this method.
[ 10 ] Several philosophers such as Dilthey, Eucken and others, direct philosophical investigation toward the self-observation of the soul. But what they observe are those experiences of the soul that form the basis for the self-conscious ego. Thus, they do not penetrate to the sources in which the experiences of the soul originate. These sources cannot be found where the soul first observes itself on the level of ordinary consciousness. If the soul is to reach these sources, it must go beyond this ordinary consciousness. It must experience something in itself that ordinary consciousness cannot give to it. To ordinary thinking, such an experience appears at first like sheer nonsense. The soul is to experience itself knowingly in an element without carrying its consciousness into that element. One is to transcend consciousness and yet be conscious! But in spite of all this, we shall either continue to get nowhere, or we shall have to open new aspects that will reveal the above mentioned “absurdity” to be only apparently so since it really indicates the direction in which we must look for help to solve the riddles of philosophy.
[ 11 ] One will have to recognize that the path into the “inner region of the soul” must be entirely different from the one that is taken by many philosophies of modern times. [ 12 ] As long as soul experiences are taken the way they present themselves to ordinary consciousness, one will not reach down into the depths of the soul. One will be left merely with what these depths release. Such is the case with Eucken's world conception. It is necessary to penetrate below the surface of the soul. This is, however, not possible by means of the ordinary experiences. The strength of these rests precisely in the fact that they remain in the realm of the ordinary consciousness. The means to penetrate deeper into the soul can be found if one directs one's attention to something that is, to be sure, also at work in the ordinary consciousness, but does not enter it while it is active.
[ 13 ] While man thinks, his consciousness is focused on his thoughts. He wants to conceive something by means of these thoughts; he wants to think correctly in the ordinary sense. He can, however, also direct his attention to something else. He can concentrate his attention on the activity of thinking as such. He can, for instance, place into the center of his consciousness a thought that refers to nothing external, a thought that is conceived like a symbol that has no connection to something external. It is now possible to hold onto such a thought for a certain length of time. One can be entirely absorbed by the concentration on this thought. The important thing with this exercise is not that one lives in thoughts but that one experiences the activity of thinking. In this way, the soul breaks away from an activity in which it is engaged in ordinary thinking.
If such an inner exercise is continued long enough, it will become gradually apparent to the soul that it has now become involved in experiences that will separate it from all those processes of thinking and ideation that are bound to the physical organs. A similar result can be obtained from the activities of feeling and willing and even for sensation, the perception of external things. One can only be successful with this approach if one is not afraid to admit to oneself that self-knowledge cannot be gained by mere introspection, but by concentrating on the inner life that can be revealed only through these exercises. Through continued practice of the soul, that is, by holding the attention on the inner activity of thinking, feeling and willing, it is possible for these “experiences” to become “condensed.” In this state of “condensation” they reveal their inner nature, which cannot be perceived in the ordinary consciousness. [ 14 ] It is through such exercises that one discovers how our soul forces must be so “attenuated” or weakened in producing our ordinary form of consciousness, that they become imperceptible in this state of “attenuation.” The soul exercises referred to consist in the unlimited increase of faculties that are also known to the ordinary consciousness but never reach such a state of concentration. The faculties are those of attention and of loving surrender to the content of the soul's experience. To attain the indicated aim, these abilities must be increased to such a degree that they function as entirely new soul forces.
[ 15 ] If one proceeds in this manner, one arrives at a real inner experience that by its very nature is independent of bodily conditions. This is a life of the spirit that must not be confused with what Dilthey and Eucken call the spiritual world. For what they call the spiritual world is, after all, experienced by man when he depends on his physical organs. The spiritual life that is here referred to does not exist for a soul that is bound to the body.
One of the first experiences that follows the attainment of this new spiritual life is a true insight into the nature of the ordinary mental life. This is actually not produced by the body but proceeds outside the body. When I see a color, when I hear a sound, I experience the color and the sound not as a result of my body, but I am connected with the color, with the sound, as a self-conscious ego, outside my body. My body has the task to function in a way that can be compared with the action of a mirror. If, in my ordinary consciousness, I only have a mental connection with a color, I cannot perceive it because of the nature of this consciousness, just as I cannot see my own face when I look out into space. But if I look into a mirror, I perceive this face as part of a body. Unless I stand in front of the mirror, I am the body and experience myself as such. Standing in front of the mirror, I perceive my body as a reflection. It is like this also with our sense perceptions, although we must, of course, be aware of the insufficiency of the analogy. I live with a color outside my body; through the activity of my body, that is, my eye and my nervous system, this color is transformed for me into a conscious perception. The human body is not the producer of perceptions and of mental life in general, but a mirroring device of psychic and spiritual processes that take place outside the body.
[ 16 ] Such a view places the theory of knowledge on a promising basis. In a lecture called, The Psychological Foundations and Epistemological Position of Spiritual Science, delivered before the Philosophical Congress in Bologna on April 18, 1911, the author of this book gave the following account of a view that was then forming in his mind.
On the basis of epistemology one can reach a conception of the ego only if one does not think of it as being inside the bodily organization and as receiving impression “from outside.” One should conceive this “ego” as having its being within the general order (Gesetzmässigkeit) of the things themselves, and regard the organization of the body merely as a sort of mirror through which the organic processes of the body reflect back to the ego what this ego perceives outside the physical body as it lives and weaves within the true essence of the world.
[ 17 ] During sleep the mirror-like relation between body and soul is interrupted; the “ego” lives only in the sphere of the spirit. For the ordinary consciousness, however, mental life does not exist as long as the body does not reflect the experiences. Sleep, therefore, is an unconscious process. The exercises mentioned above and other similar ones establish a consciousness that differs from the ordinary consciousness. In this way, the faculty is developed not merely to have purely spiritual experiences, but to strengthen these experiences to such a degree that they become spiritually perceptible without the aid of the body, and that they become reflected within themselves. It is only in an experience of this kind that the soul can obtain true self-knowledge and become consciously aware of its own being. Real experiences that do not belong to the sense world, but to one in which the soul weaves and has its being, now rise in the manner in which memory brings back experiences of the past. It is quite natural that the followers of many modern philosophies will believe that the world that thus rises up belongs in the realms of error, illusion, hallucination, autosuggestion, etc. To this objection one can only answer that a serious spiritual endeavor, working in the indicated way, will discipline the mind to a point where it will clearly differentiate illusion from spiritual reality, just as a healthy mind can distinguish a product of fantasy from a concrete perception. It will be futile to seek theoretical proofs for this spiritual world, but such proofs also do not exist for the reality of the world of perceptions. In both cases, actual experience is the only true judge.
[ 18 ] What keeps many men from undertaking the step that, according to this view, can alone solve the riddles of philosophy, is the fear that they might be led thereby into a realm of unclear mysticism. Unless one has from the beginning an inclination toward unclear mysticism, one will, in following the described path, gain access to a world of spiritual experience that is as crystal clear as the structures of mathematical ideas. If one is, however, inclined to seek the spiritual in the “dark unknown,” in the “inexplicable,” one will get nowhere, either as an adherent or as an opponent of the views described here.
[ 19 ] One can easily understand why these views will be rejected by personalities who consider the methods used by natural science for obtaining knowledge of the sense world as the only true ones. But whoever overcomes such one-sidedness will be able to realize that the genuinely scientific way of thinking constitutes the real basis for the method that is here described. The ideas that have been shown in this book to be those of the modern scientific method, present the best subject matter for mental exercises in which the soul can immerse itself, and on which it can concentrate in order to free itself from its bondage to the body. Whoever uses these natural scientific ideas in the manner that has been outlined above, will find that the thoughts that first seem to be meant to depict only natural processes will really set the soul free from the body. Therefore, the spiritual science that is here referred to must be seen as a continuation of the scientific way of thinking provided it is inwardly experienced in the right way.
[ 20 ] The true nature of the human soul can be experienced directly if one seeks it in the characterized way. In the Greek era the development of the philosophical outlook led to the birth of thought. Later development led through the experience of thought to the experience of the self-conscious ego. Goethe strove for experiences of the self-conscious ego, which, although actively produced by the human soul, at the same time place this soul in the realm of a reality that is inaccessible to the senses. Goethe stands on this ground when he strives for an idea of the plant that cannot be perceived by the senses but that contains the supersensible nature of all plants, making it possible, with the aid of this idea, to invent new plants that would have their own life.
Hegel regarded the experience of thought as a “standing in the true essence of the world;” for him the world of thoughts became the inner essence of the world. An unbiased observation of philosophical development shows that thought experience was, to be sure, the element through which the self-conscious ego was to be placed on its own foundation. But it shows also that it is necessary to go beyond a life in mere thoughts in order to arrive at a form of inner experience that leads beyond the ordinary consciousness. For Hegel's thought experience still takes place within the field of this ordinary consciousness.
[ 21 ] In this way, a view of a reality is opened up for the soul that is inaccessible to the senses. What is experienced in the soul through the penetration into this reality, appears as the true entity of the soul. How is it related to the external world that is experienced by means of the body? The soul that has been thus freed from its body feels itself to be weaving in an element of soul and spirit. It knows that also in its ordinary life it is outside that body, which merely acts like a mirror in making its experiences perceptible. Through this experience the soul's spiritual experience is heightened to a point where the reality of a new element is revealed to the soul.
To Dilthey and Eucken the spiritual world is the sum total of the cultural experiences of humanity. If this world is seen as the only accessible spiritual world, one does not stand on a ground firm enough to be comparable to the method of natural science. For the conception of natural science, the world is so ordered that the physical human being in his individual existence appears as a unit toward which all other natural processes and beings point. The cultural world is what is created by this human being. That world, however, is not an individual entity of a higher nature than the individuality of the human being.
The spiritual science that the author of this book has in mind points to a form of experience that the soul can have independent from the body, and in this experience an individual entity is revealed. It emerges like a higher human nature for whom the physical man is like a tool. The being that feels itself as set free, through spiritual experience, from the physical body, is a spiritual human entity that is as much at home in a spiritual world as the physical body in the physical world. As the soul thus experiences its spiritual nature, it is also aware of the fact that it stands in a certain relation to the body. The body appears, on the one hand, as a cast of the spiritual entity; it can be compared to the shell of a snail that is like a counter-picture of the shape of the snail. On the other hand, the spirit-soul entity appears in the body like the sum total of the forces in the plant, which, after it has grown into leaf and blossom, contract into the seed in order to prepare a new plant. One cannot experience the inner spiritual man without knowing that he contains something that will develop into a new physical man. This new human being, while living within the physical organism, has collected forces through experience that could not unfold as long as they were encased in that organism. This body has, to be sure, enabled the soul to have experiences in connection with the external world that make the inner spiritual man different from what he was before he began life in the physical body. But this body is, as it were, too rigidly organized for being transformed by the inner spiritual man according to the pattern of the new experiences. Thus there remains hidden in the human shell a spiritual being that contains the disposition of a new man.
[ 22 ] Thoughts such as these can only be briefly indicated here. They point to a spiritual science that is essentially constructed after the model of natural science. In elaborating this spiritual science one will have to proceed more or less like the botanist when he observes a plant, the formation of its root, the growth of its stem and its leaves, and its development into blossom and fruit. In the fruit he discovers the seed of the new plant-life. As he follows the development of a plant he looks for its origin in the seed formed by the previous plant. The investigator of spiritual science will trace the process in which a human life, apart from its external manifestation, develops also an inner being. He will find that external experiences die off like the leaves and the flowers of a plant. Within the inner being, however, he will discover a spiritual kernel, which conceals within itself the potentiality of a new life. In the infant entering life through birth he will see the return of a soul that left the world previously through the gate of death. He will learn to observe that what is handed down by heredity to the individual man from his ancestors is merely the material that is worked upon by the spiritual man in order to bring into physical existence what has been prepared seedlike in a preceding life.
[ 23 ] Seen from the viewpoint of this world conception, many facts of psychology will appear in a new light. A great number of examples could be mentioned here; it will suffice to point out only one. One can observe how the human soul is transformed by experiences that represent, in a certain sense, repetitions of earlier experiences. If somebody has read an important book in his twentieth year and reads it again in his fortieth, he experiences it as if he were a different person. If he asks without bias for the reason for this fact, he will find that what he learned from his reading twenty years previous has continued to live in -him and has become a part of his nature. He has within him the forces that live in the book, and he finds them again when he rereads the book at the age of forty. The same holds true with our life experiences. They become part of man himself. They live in his “ego.” But it is also apparent that within the limits of one life this inner strengthening of the higher man must remain in the realm of his spirit and soul nature. Yet one can also find that this higher human being strives to become strong enough to find expression in his physical nature. The rigidity of the body prevents this from happening within a single life span. But in the central core of man there lives the potential predisposition that, together with the fruits of one life, will form a new human life in the same way that the seed of a new plant lives in the plant.
[ 24 ] Moreover, it must be realized that following the entry of the soul into an independent spirit world the results of this world are raised into consciousness in the same way that the past rises into memory. But these realities are seen as extending beyond the span of an individual life. The content of my present consciousness represents the results of my earlier physical experiences; so, too, a soul that has gone through the indicated exercises faces the whole of its physical experience and the particular configuration of its body as originating from the spirit-soul nature, whose existence preceded that of the body. This existence appears as a life in a purely spiritual world in which the soul lived before it could develop the germinal capacities of a preceding life into a new one. Only by closing one's mind to the obvious possibility that the faculties of the human soul are capable of development can one refuse to recognize the truthfulness of a person's testimony that shows that as a result of inner work one can really know of a spiritual world beyond the realm of ordinary consciousness. This knowledge leads to a spiritual apprehension of a world through which it becomes evident that the true being of the soul lies behind ordinary experiences. It also becomes clear that this soul being survives death just as the plant seed survives the decay of the plant. The insight is gained that the human soul goes through repeated lives on earth and that in between these earthly lives it leads a purely spiritual existence.
[ 25 ] This point of view brings reality to the assumption of a spiritual world. The human souls themselves carry into a later cultural epoch what they acquired in a former. One can readily observe how the inner dispositions of the soul develop if one refrains from arbitrarily ascribing this development merely to the laws of physical heredity. In the spiritual world of which Eucken and Dilthey speak the later phases of development always follow from the immediately preceding ones. Into this sequence of events are placed human souls who bring with them the results of their preceding lives in the form of their inner soul disposition. They must, however, acquire in a process of learning what developed in the earthly world of culture and civilization while they were in a purely spiritual state of existence.
[ 26 ] A historical account cannot do full justice to the thoughts exposed here. I would refer anyone who seeks more information to my writings on spiritual science. These writings attempted to give, in a general manner, the world conception that is outlined in the present book. Even so, I believe that it is possible to recognize from it that this world conception rests on a serious philosophical foundation. On this basis it strives to gain access to a world that opens up to sense-free observation acquired by inner work.
[ 27 ] One of the teachers of this world conception is the history of philosophy itself. It shows that the course of philosophical thought tends toward a conception that cannot be acquired in a state of ordinary consciousness. The accounts of many representative thinkers show how they attempt in various ways to comprehend the self-conscious ego with the help of the ordinary consciousness. A theoretical exposition of why the means of this ordinary consciousness must lead to unsatisfactory results does not belong to a historical account. But the historical facts show distinctly that the ordinary consciousness, however we may look at it, cannot solve the questions it nevertheless must raise. This final chapter was written to show why the ordinary consciousness and the usual scientific mind lack the means to solve such questions. This chapter was meant to describe what the characterized world conceptions were unconsciously striving for. From one certain point of view this last chapter no longer belongs to the history of philosophy, but from another point of view, its justification is quite clear. The message of this book is that a world conception based on spiritual science is virtually demanded by the development of modern philosophy as an answer to the questions it raises.
To become aware of this one must consider specific instances of this philosophical development. Franz Brentano in his Psychology points out how philosophy was deflected from the treatment of the deeper riddles of the soul (compare page of this volume). He writes, “Apparent as the necessity for a restriction of the field of investigation is in this direction, it is perhaps no more than only apparent.” David Hume was most emphatically opposed to the metaphysicists who maintained that they had found within themselves a carrier for all psychic conditions. He says:
For my part, when I enter most intimately into what I call myself, I always stumble on some particular perception or other, of heat or cold, light or shade, love or hatred, pain or pleasure. I can never catch myself at any time without a perception and never can observe anything but perceptions. When my perceptions are removed for any time, as by sound sleep, so long am I insensible of myself and may truly be said not to exist. (Treatise of Human Nature, Part IV, Sect. 6.)
Hume only knows the kind of psychological observation that would approach the soul without any inner effort. An observation of this kind simply cannot penetrate to the nature of the soul. Brentano takes up Hume's statement and says, “This same man, Hume, nevertheless, observes that all proofs for the immortality of the soul possess the same power of persuasion as the opposing traditional views.” But here we must add that only faith, and not knowledge, can support Hume's view that the soul contains nothing more than what he finds there. For how could any continuity be guaranteed for what Hume finds as the content of the soul? Brentano continues by saying:
Although it is obvious that a denial of a soul substance eliminates the possibility to speak of an immortality in the proper sense of the word, it is still not true that the question of immortality loses all meaning if a supporting substance for psychic activity is denied.
This becomes immediately evident if one considers that, with or without supporting substance, one cannot deny that our psychic life here on earth has a certain continuity. If one rejects the idea of a soul substance, one has the right to assume that this continuity does not depend on a supporting substance. The question as to whether our psychic life would continue after the destruction of our body will be no less meaningful for such a thinker than it is for others. It is really quite inconsistent if thinkers of this school reject the essential question of immortality as meaningless also in this important sense on the basis of the above-mentioned reason. It should then, however, be referred to as the immortality of life rather than that of the soul. (Brentano, Psychology from the Empirical Standpoint, Bk. I, Chap. 1.)
This opinion of Brentano's, however, is without support if the world conception outlined above is rejected. For where can we find grounds for the survival of psychic phenomena after the dissolution of the body if we want to restrict ourselves to the ordinary consciousness? This consciousness can only last as long as its reflector, the physical body, exists. What may survive the loss of the body cannot be designated as substance; it must be another form of consciousness. But this other consciousness can be discovered only through the inner activity that frees the soul from the body. This shows us that the soul can experience consciousness even without the mediation of the body. Through such activity and with the help of supersensible perception, the soul will experience the condition of the complete loss of the body. It finds that it had been the body, itself, that obscured that higher consciousness. While the soul is incarnated, the body has such a strong effect on the soul that this other consciousness cannot become active. This becomes a matter of direct experience when the soul exercises indicated in this chapter are successfully carried out. The soul must then consciously suppress the forces that originate in the body and extinguish the body-free consciousness. This extinction can no longer take place after the dissolution of the body. It is the other consciousness, therefore, that passes through successive lives and through the purely spiritual existence between death and birth. From this point of view, there is reference to a nebulous soul substance. In terms that are comparable to ideas of natural science, the soul is shown how it continues its existence because in one life the seed of the next is prepared, as the seed is prepared in the plant. The present life is shown as the reason for a future life, and the true essence of what continues when death dissolves the body is brought to light.
[ 28 ] Spiritual science as described here nowhere contradicts the methods of modern natural science. But science has to admit that with its methods one cannot gain insight into the realm of the spiritual. As soon as the existence of a consciousness other than the ordinary one is recognized, one will find that by it one is led to conceptions concerning the spiritual world that will give to it a cohesion similar to that that natural science gives to the physical world.
[ 29 ] It will be of importance to eliminate the impression that this spiritual science has borrowed its insights from any older form of religion. One is easily misled to this view because the conception of reincarnation, for instance, is a tenet of certain creeds. For the modern investigator of spiritual science, there can be no borrowing from such creeds. He finds that the devotion to the exercises described above will lead to a consciousness that enters the spiritual world. As a result of this consciousness he learns that the soul has its standing in the spiritual world in the way previously described.
A study of the history of philosophy, beginning with the awakening of thought in Greek civilization, indicates the way that leads to the conviction that the true being of the soul can be found below the surface of ordinary experience. Thinking has proved to be the educator of the soul by leading it to the point at which it is alone with itself. This experience of solitude strengthens the soul whereby it is able to delve not only into its own being but also to reach into the deeper realities of the world. The spiritual science described in this chapter does not attempt to lead behind the world of the senses by using the means of ordinary consciousness, such as reflection and theorizing. It recognizes that the spiritual world must remain concealed from that consciousness and that the soul must, through its own inner transformation, rise into the supersensible world before it can become conscious of it.
[ 30 ] In this way, the insight is also gained that the origin of moral impulses lies in the world that the soul perceives when it is free of the body. From there also the driving forces originate that do not stem from the physical nature of man but are meant to determine his actions independent from this nature.
[ 31 ] When one becomes acquainted with the fact that the “ego” with its spiritual world lives outside the body and that it, therefore, carries the experiences of the external world to the physical body, one will find one's way to a truly spiritual understanding of the riddle of human destiny. A man's inner life is deeply connected with his experiences of destiny. Just consider the state of a man at the age of thirty. The real content of his inner being would be entirely different if he had lived a different kind of life in his preceding years. His “ego” is inconceivable without the experiences of these years. Even if they have struck him serious blows of fate, he has become what he is through them. They belong to the forces that are active in his “ego.” They do not merely strike him from outside. As man lives in his soul and spirit with color that is perceptible only by means of its mirror-effect of the body, so he lives in union with his destiny. With color he is united in his soul life, but he can only perceive it when the body reflects it. Similarly, he becomes one with the effect of a stroke of destiny that results from a previous earth life, but he experiences this blow only inasmuch as the soul plunges unconsciously into events that spring from these causes. In his ordinary consciousness man does not know that his will is bound up with his destiny. In his newly acquired body-free consciousness he finds that he would be deprived of all initiative if that part of his soul that lives in the spiritual world had not willed its entire fate, down to the smallest details. We see that the riddles of human destiny cannot be solved merely by theorizing about them, but only by learning to understand how the soul grows together with its fate in an experience that proceeds beyond the ordinary consciousness. Thus, one will gradually realize that the causes for this or that stroke of destiny in the present life must be sought in a previous one. To the ordinary consciousness our fate does not appear in its true form. It takes its course as a result of previous earthly lives, which are hidden from ordinary consciousness. To realize one's deep connection with the events of former lives means at the same time that one becomes reconciled with one's destiny.
[ 32 ] For a fuller coverage of the philosophical riddles like these, the author must refer to his other works on spiritual science. We can only mention the more important results of this science but not the specific ways and means by which it can become convincing.
[ 33 ] Philosophy leads by its own paths to the insight that it must pass from a study of the world to an experience of it, because mere reflection cannot bring a satisfactory solution to all the riddles of life. This method of cognition is comparable to the seed of a plant. The seed can work in a twofold way when it becomes ripe. It can be used as human food or as seed for a new plant. If it is examined with respect to its usefulness, it must be looked at in a way different from the observation that follows the cycle of reproducing a new plant.
Similarly, man's spiritual experiences can choose either of two roads. On the one hand, it serves the contemplation of the external world. Examined from this point of view, one will be inclined to develop a world conception that asks above all things: How does our knowledge penetrate to the nature of things? What knowledge can we derive from a study of the nature of things? To ask these questions is like investigating the nutritional value of the seed. But it is also possible to focus attention on the experiences of the soul that are not diverted by outside impressions, but lead the soul from one level of being on to another. These experiences are seen as an implanted driving force in which one recognizes a higher man who uses this life to prepare for the next. One arrives at the insight that this is the fundamental impulse of all human soul experience and that knowledge is related to it as the use of the seed of the plant for food is comparable to the development of the grain into a new plant. If we fail to understand this fact, we shall live under the illusion that we could discover the nature of knowledge by merely observing the soul's experiences. This procedure is as erroneous as it is to make only a chemical analysis of the seed with respect to its food value and to pretend that this represents its real essence. Spiritual science, as it is meant here, tries to avoid this error by revealing the inner nature of the soul's experience and by showing that it can also serve the process of knowledge, although its true nature does not consist in this contemplative knowledge.
[ 34 ] The “body-free soul consciousness” here described must not be confused with those enhanced mental conditions that are not acquired by means of the characterized exercises but result from states of lower consciousness such as unclear clairvoyance, hypnotism, etc. In these conditions no body-free consciousness can be attained but only an abnormal connection between body and soul that differs from that of the ordinary life. Real spiritual science can be gained only when the soul finds, in the course of its own disciplined meditative work, the transition from the ordinary consciousness to one with which it awakens in and becomes directly aware of the spiritual world. This inner work consists in a heightening, not a lowering of the ordinary consciousness.
[ 35 ] Through such inner work the human soul can actually attain what philosophy aims for. The latter should not be underestimated because it has not attained its objective on the paths that are usually followed by it. Far more important than the philosophical results are the forces of the soul that can be developed in the course of philosophical work. These forces must eventually lead to the point where it becomes possible to recognize a “body-free soul experience.” Philosophers will then recognize that the “world riddles” must not merely be considered scientifically but need to be experienced by the human soul. But the soul must first attain to the condition in which such an experience is possible.
[ 36 ] This brings up an obvious question. Should ordinary knowledge and scientific knowledge deny its own nature and recognize as a world conception only what is offered from a realm lying outside its own domain? As it is, the experiences of the characterized consciousness are convincing at once also to this ordinary consciousness as long as the latter does not insist upon locking itself up within its own walls. The supersensible truths can be found only by a soul that enters into the supersensible. Once they are found, however, they can be fully understood by the ordinary consciousness. For they are in complete and necessary agreement with the knowledge that can be gained for the world of the senses.
[ 37 ] It cannot be denied that, in the course of the history of philosophy, viewpoints have repeatedly been advanced that are similar to those described in this final chapter. But in former ages these tendencies appeared only like byways of the philosophical inquiry. Its first task was to work its way through everything that could be regarded as a continuation of the awakening thought experience of the Greeks. It then could point the way toward supersensible consciousness on the strength of its own initiative and in awareness of what it can and what it cannot attain. In former times this consciousness was accepted, as it were, without philosophical justification. It was not demanded by philosophy itself. But modern philosophy demands it in response to what it has achieved already without the assistance of this consciousness. Without this help it has succeeded in leading the spiritual investigation into directions that will, if rightly developed, lead to the recognition of supersensible consciousness. That is why this final chapter did not start by describing the way in which the soul speaks of the supersensible when it stands within its realm. Quite to the contrary, an attempt was made to outline philosophically the tendencies resulting from the modern world conceptions, and it was shown how a pursuit of these innate tendencies leads the soul to the recognition of its own supersensible nature.
