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Riddles of the Soul
GA 21

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Vorwort

[ 1 ] Die in dieser Schrift vereinigten Aufsätze sind von mir geschrieben, um einiges von dem vorzubringen, was ich zu einer Rechtfertigung des anthroposophischen Erkenntnisweges glaube sagen zu müssen.

[ 2 ] In dem ersten «Anthropologie und Anthroposophie» suche ich in einer kurzen Darstellung zu zeigen, wie wahre naturwissenschaftliche Betrachtung nicht nur in keinem Widerspruche steht mit demjenigen, was ich unter «Anthroposophie» verstehe, sondern wie der geisteswissenschaftliche Weg der letzteren von den Erkenntnismitteln der ersteren als etwas Notwendiges gefordert werden muß. Es muß eine anthroposophische Geisteswissenschaft geben, wenn die anthropologischen Erkenntnisse der Naturwissenschaft das sein wollen, was zu sein sie beanspruchen müssen. Entweder sind die Gründe für das Vorhandensein einer Anthroposophie berechtigte, oder es ist auch den naturwissenschaftlichen Einsichten kein Wahrheitswert zuzuerkennen. Dies bestrebe ich mich in dem ersten Aufsatze in einer Form auszusprechen, wie man sie in meinen bereits veröffentlichten Schriften ausgesprochen noch nicht, wenn auch veranlagt findet.

[ 3 ] Von dem zweiten Aufsatze «Max Dessoir über Anthroposophie» gestehe ich, daß ich ein subjektives Verlangen, ihn zu schreiben, nicht gehabt habe. Allein er mußte geschrieben werden, weil durch die Unterlassung in manchen Kreisen die mißverständliche Meinung sich bilden könnte, der Vertreter der Anthroposophie scheue davor zurück, in eine wissenschaftliche Diskussion mit Vertretern anderer Vorstellungsarten einzutreten. Ich lasse ja viele Angriffe auf die Anthroposophie gänzlich unbeantwortet, nicht nur weil ich Polemik auf diesem Gebiete doch nicht als meine Aufgabe betrachte, sondern weil weitaus die meisten dieser Angriffe des Ernstes ermangeln, der für eine fruchtbare Diskussion in diesem Bereiche nötig ist. Auch diejenigen Angreifer, welche glauben aus wissenschaftlichen Beweggründen heraus die Anthroposophie bekämpfen zu sollen, wissen oftmals gar nicht, wie unwissenschaftlich ihre Einwände gegenüber dem wissenschaftlichen Denken sind, das die Anthroposophie für sich nötig hat. - Daß der Aufsatz über Max Dessoirs Angriff gegen die Anthroposophie nicht sein konnte, wozu ich ihn gerne gemacht hätte, bedauere ich außerordentlich. Ich wäre gerne in eine Diskussion eingetreten über die Vorstellungsart, zu der Dessoir sich bekennt, einerseits und die anthroposophische andrerseits. Statt dessen bin ich durch Dessoirs «Kritik» genötigt worden, zu zeigen, wie er ein Zerrbild meiner Anschauungen vor seine Leser bringt, und dann nicht über diese, sondern über das von ihm Vorgebrachte spricht, das mit meinen Anschauungen nicht das geringste zu tun hat. Ich mußte zeigen, wie Max Dessoir die Bücher «liest», die er zu bekämpfen unternimmt. Dadurch ist mein Aufsatz mit der Besprechung von Dingen erfüllt, die kleinlich erscheinen können. Wie soll man aber anders verfahren, wenn Kleinlichkeiten nötig sind, um die Wahrheit darzustellen? Ob Max Dessoir das Recht hat, die von mir vertretene Anthroposophie dadurch herabzusetzen, daß er sie in Geistesströmungen einreiht, von denen er sagt, sie seien «eine Mischung aus falschen Deutungen gewisser seelischer Vorgänge und falsch gewerteten Überbleibseln einer verschwundenen Weltanschauung»: das zu beurteilen, überlasse ich den Lesern meiner Schrift, die aus dieser entnehmen werden, wie viel dieser «Kritiker» von meinen Anschauungen hat verstehen können nach der Art, wie er meine Bücher gelesen hat. 1 Über andere gegnerische Schriften und Aufsätze vergleiche die Schlußbemerkung dieser Schrift. Im Grunde empfinde ich es als dem Ernste dieser Zeit nicht angemessen, solche Polemik erscheinen zu lassen, wie die mir durch Dessoirs Schrift notwendig gewordene. Allein ich durfte mich in diesem Falle der Antwort auf die Herausforderung durch einen solchen Angriff nicht entziehen.

[ 4 ] Von dem dritten Aufsatz «Franz Brentano» (ein Nachruf) habe ich das Gegenteil zu sagen. Ihn zu schreiben, war mir tiefstes Bedürfnis. Und wenn ich in bezug auf ihn etwas bedauere, so ist es dieses, daß ich ihn nicht vor langer Zeit habe schreiben und den Versuch unternehmen können, ihn Brentano noch vor Augen treten zu lassen. Allein trotzdem ich ein eifriger Leser von Brentanos Schriften seit sehr langer Zeit bin: erst jetzt ist mir sein Lebenswerk so vor die Seele getreten, daß ich das Verhältnis desselben zur Anthroposophie in der Art darstellen kann, wie es in dieser Schrift geschieht. Der Hingang des verehrten Mannes hat mich gedrängt, dieses Lebenswerk wieder in Gedanken durchzuleben; und daraus sind die Ansichten über dasselbe erst zu dem vorläufigen Abschluß gekommen, welcher den Ausführungen meines Aufsatzes zugrunde liegt.

[ 5 ] Angegliedert habe ich an diese drei Aufsätze «Skizzenhafte Erweiterungen des Inhaltes dieser Schrift», die anthroposophische Forschungsergebnisse darstellen. Die Verhältnisse der Gegenwart bringen es mit sich, daß ich in diesen Darstellungen Andeutungen über Ergebnisse gebe, die eigentlich eine viel ausführlichere Besprechung notwendig machen, wie ich sie bisher - aber auch nur teilweise - in mündlichen Vorträgen vorgebracht habe. Ich ziehe in diesen Darstellungen einige der wissenschaftlichen Fäden, die von der Anthroposophie zur Philosophie, zur Psychologie und zur Physiologie gezogen werden müssen.

[ 6 ] Es könnte wohl scheinen, als ob in der gegenwärtigen Zeit die Interessen des Menschen nach anderer Richtung gehen müßten als diejenige ist, in welcher die folgenden Betrachtungen sich bewegen. Doch glaube ich, daß man nicht nur nicht abgezogen von den ernsten Pflichten dieser unmittelbaren Gegenwart gegenüber durch solche Betrachtungen wird, sondern daß, was in ihnen liegt, gerade dieser Gegenwart dient durch Impulse, die vielleicht weniger unmittelbar hervorstechende, aber dafür um so stärkere Beziehungen zu dem Erleben dieser Gegenwart haben.

Berlin, 10. September 1917
Rudolf Steiner

Versions Available:

Riddles of the Soul 1996, tr. William Lindeman
  1. The Case for Anthroposophy 1970, tr. Owen Barfield
  2. Riddles of the Soul, Steiner Online Library
  3. Von Seelenrätseln, 5th ed.

Preface

The essays collected in this book were written by me in order to present something of what I believe I must say as validation of the anthroposophical path of knowledge.

In the first essay on anthropology and anthroposophy (“Where Natural Science and Spiritual Science Meet”), I seek to show briefly that the true natural-scientific approach not only does not stand in any contradiction to what I understand by "anthroposophy," but that anthroposophy's spiritual-scientific path must even be demanded as something essential by anthropology's means of knowledge. There must be an anthroposophical spiritual science if the anthropological knowledge of natural science wishes to be what it must claim to be. Either the reasons for the existence of an anthroposophy are legitimate, or true validity cannot be attributed to natural-scientific insights either. This is what I endeavor to present in the first essay in a form not yet expressly stated in the books I have already published, although present there in a germinal state.

Concerning the second essay, “Max Dessoir on Anthroposophy,” I must admit that I had no subjective desire to write it. Yet it had to be written, because had I not done so, the misconception could have arisen in many circles that the adherent of anthroposophy shrinks from entering into a scientific discussion with adherents of other ways of picturing things. To be sure, I leave many attacks on anthroposophy entirely unanswered, not only because I do not consider polemics in this area to be my task, but because the great majority of these attacks lack the seriousness necessary for a fruitful discussion in this area. Even those assailants who believe they should combat anthroposophy for scientific reasons often do not know at all how unscientific their objections are compared to the scientific thinking that anthroposophy considers necessary for itself.

I deeply regret that the essay on Max Dessoir's attack on anthroposophy could not be what I gladly would have made it. I would have liked to enter into a discussion of the way of picturing things advocated by Dessoir on the one hand and by anthroposophy on the other. Instead of this I am obliged by Dessoir's "critique" to show that he presents his readers with a distorted picture of my views, and then speaks, not about them, but about what he has made of them, which has nothing at all to do with my views. I had to show how Max Dessoir "reads" the books that he undertakes to attack. Therefore my essay is filled with discussion of things that might seem trivial. How can one proceed differently, however, when trivial details are needed for presenting the truth? I leave it up to the readers of my book—who can decide from it how much this “critic” could understand of my views with his way of reading my books1With respect to other hostile books and articles, please see the "Closing Remark" on page 154 of this book. Basically I do not feel it suitable to the seriousness of the present time to publish a polemic like the one necessitated for me by Dessoir's book. It is only that in this case I could not avoid an answer to the provocation of such an attack.—to judge whether Max Dessoir has the right to debase the anthroposophy advocated by me through his act of including it in spiritual streams of which he says that they are “a mixture of incorrect interpretations of certain soul processes and incorrectly judged relics of a vanished world view.”

I must say just the opposite about the third essay, “Franz Brentano, in Memoriam.” Writing it was my deepest need. And if I regret anything about it, it is that I did not write it long ago and could not make the attempt to bring it to Brentano's attention while he still lived. It is only that, although I have been an ardent reader of Brentano's writings for a long time, his life's work has only now appeared before my soul in such a way that I can present its relation to anthroposophy as is done in this book. The passing of this revered man moved me to relive in thought his life work; and only from this did my views of his life work reach the provisional conclusions that underlie the discussions in my essay.

I have added on to these three essays ''Sketches of Some of the Ramifications of the Content of This Book," which represent the findings of anthroposophical research. Present- day circumstances dictate that in these presentations I give indications of findings that actually necessitate a much fuller discussion, like that given in my lectures, although there too in an incomplete fashion still. In these presentations I establish some of the scientific connections that must be drawn between anthroposophy and philosophy, psychology, and physiology.

It might very well seem as though at the present time the interests of human beings must go in a different direction than the following discussions are moving. Nevertheless, I believe that such discussions do not draw us away from the serious duties of the immediate present; on the contrary, what lies in these discussions serves precisely this present day through impulses that have less directly striking but therefore all the stronger connections to our experience of this present day.

Berlin, September 10, 1917
Rudolf Steiner