Anthroposophical Guiding Principles
GA 26
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Anthroposophical Guiding Principles, tr. SOL
Über eine Reihe anthroposophischer Veranstaltungen in Prag
About a Series of Anthroposophical Events in Prague
[ 1 ] Mit großer Befriedigung bin ich soeben von der Arbeit zurückgekehrt, die ich im Dienste der Anthroposophie in Prag verrichten durfte. Ein schöner Strom ernster Begeisterung und eifriger Hingabe an die anthroposophische Sache vonseiten unserer Prager Freunde kam meiner Aufgabe für die Tage vom 28. März bis zum 5. April entgegen. - Die Ausführung der Weihnachtstagung am Goetheanum fordert, dass ich die esoterische Grundlage der Anthroposophie nunmehr eindringlicher durch das tönen lasse, was ich mitzuteilen habe. Und dieser Ton hat bei unsern Freunden einen herzlichen Widerhall gefunden. Im Namen der Anthroposophischen Gesellschaft und in Vertretung des mir zur Seite stehenden Vorstandes am Goetheanum sei den tätigen Mitgliedern der tschechoslowakischen Gesellschaft der wärmste Dank ausgesprochen. Die lieben Abschiedsworte, die am Ende der letzten Mitgliederversammlung von dem hochgeschätzten Gelehrten, der eine Zierde der Gesellschaft ist, und dann von dem langjährigen treuen, für unsere Sache aufopferungsvoll tätigen Mitgliede des Zentralvorstandes der Tschechoslowakischen Landesgesellschaft ausgesprochen worden sind, tönen mir noch nach in den Ohren.
[ 1 ] It is with great satisfaction that I have just returned from the work I was able to do in the service of anthroposophy in Prague. A beautiful stream of serious enthusiasm and eager devotion to the anthroposophical cause on the part of our Prague friends greeted my task for the days from March 28 to April 5. The execution of the Christmas Conference at the Goetheanum requires that I now express the esoteric basis of anthroposophy more emphatically through what I have to communicate. And this tone has found a warm response among our friends. On behalf of the Anthroposophical Society and representing the Executive Council at the Goetheanum, I would like to express my warmest thanks to the active members of the Czechoslovakian Society. The kind words of farewell spoken at the end of the last general meeting by the highly esteemed scholar, who is an ornament to the Society, and then by the long-standing, loyal member of the Central Executive Committee of the Czechoslovakian National Society, who has worked selflessly for our cause, still ring in my ears.
[ 2 ] Ich konnte am 28. März über die «Erforschung der geistigen Welt als Anthroposophie» in einem ersten öffentlichen Vortrage sprechen. Es war da meine Aufgabe auszusprechen, wie sich die geistige Welt dem Seelenauge zeigt, das sich des übersinnlichen Schauens bewusst wird. Ich suchte im Verlaufe des Vortrages die Notwendigkeit anzudeuten, die Initiation, die in den alten Mysterienstätten im Charakter der früheren Entwicklungsstufen der Menschheit einen Einschlag in die Zivilisationen gebildet hat, im Geiste der neuen Zeit gewandelt, wieder zu einem solchen zu machen. — In den Mitgliedervorträgen vom 29., 30.,31. März und vom 5. April sprach ich einleitend von der Umgestaltung der anthroposophischen Gesellschaft durch die Weihnachtstagung am Goetheanum und dann über die Gestaltung der karmischen Zusammenhänge durch die aufeinanderfolgenden Erdenleben, über die Formung des Karmas durch das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dann über die Auswirkung des Karmas in dem irdischen Lebenswandel des Menschen, ferner über einzelne Menschenschicksale, vor allem solche, die Persönlichkeiten betreffen, die in die geschichtliche Entwicklung der Menschheit eingegriffen haben. - Am 1. April hielt ich einen öffentlichen Vortrag über «Sittliche Lebensgestaltung durch Anthroposophie». Ich war bestrebt, zu zeigen, wie den anthroposophischen Erkenntnissen etwas moralisch Wirksames deshalb anhaftet, weil ihre Erwerbung an die Ausbildung der moralischen Qualitäten gebunden ist. Die sittliche Lebensgestaltung eines Menschen hängt ab von seiner sittlichen Einsicht, von dem sittlichen Verständnis für andere Menschen und von der sittlichen Kraft. Nun kann die imaginative Anschauung nicht anders als auf der Grundlage sittlicher Einsicht, die Empfänglichkeit für die Inspiration nur durch Übung im sittlichen Verständnis und die Intuition nur durch Pflege von sittlicher Kraft entwickelt werden. Daher kommt es, dass mitgeteilte Imaginationen bei dem sie Aufnehmenden zu sittlicher Einsicht, Inspirationen zu sittlichem Verständnis, Intuitionen zur Auslösung sittlicher Kraft anregen. In der Mitteilung solcher Einsichten wird also an den Quell des Moralischen im Menschen-Innern herangetreten. - Am 2. April konnte ich «Über eurythmische Kunst» sprechen. Ich charakterisierte die Eurythmie als sichtbaren Gesang und sichtbare Sprache, indem ich das Musikalische als die Offenbarung des Menschenwesens darstellte, insoferne dieses abgesondert von den anderen Reichen der Natur sich auslebt, das Sprachliche, insofern als es die Eingliederung in die irdische Umgebung sucht. Die eurythmischen Bewegungsformen für das Musikalische einerseits, für das Sprachliche anderseits, ergeben sich aus dieser Stellung des Menschenwesens in der Welt. — Am 3. April oblag es mir, in dem öffentlichen Vortrag über «Die Wissenschaft der Gegenwart und die Anthroposophie» zu zeigen, wie Anthroposophie der wahren Wissenschaft nicht oppositionell gegenübersteht, sondern treu deren Ergebnisse hinnimmt, um, von ihnen ausgehend, das in der Sinneswelt Wirksame sowohl für die Natur- wie für die Kulturwissenschaft mit den in ihm treibenden geistigen Kräften im Zusammenhange darzustellen. Ich führte aus, wie gerade dadurch, dass man es mit den wissenschaftlichen Ergebnissen recht genau nimmt, die auf geisteswissenschaftlichem Wege errungenen Einsichten durch diese Ergebnisse selbst ihre Rechtfertigung erfahren. Ich bemühte mich, dies bemerklich zu machen durch die geisteswissenschaftlichen Anschauungen über das menschliche Nervensystem, über Herztätigkeit und Blutzirkulation, über die Dreigliederung der menschlichen Wesenheit in das Sinnes-Nerven-, das rhythmische, das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System, sowie auf kulturwissenschaftlichem Gebiete durch die Erkenntnis davon, wie sich die Menschenwesenheit im Laufe des geschichtlichen Werdens gewandelt hat. - Am 4. April sprach ich über «Erziehung und Unterricht auf Grundlage wirklicher Menschenerkenntnis». Ich wies auf die Anforderungen hin, welche der Pädagogik und Didaktik dadurch gestellt sind, dass die Menschenwesenheit die Epochen von der Geburt bis zum Zahnwechsel, von diesem bis zur Geschlechtsreife mit ganz bestimmten Anforderungen an das Erleben durchmacht. Mein Dank sei an unser Mitglied vom Zentralvorstand der Tschechoslowakischen Landesgesellschaft gerichtet, das die große Mühe auf sich genommen hat, meinen Vortrag in drei Absätzen in die böhmische Sprache zu übertragen. - In einer Mitgliederversammlung, die am 30. März abgehalten worden ist, konstituierten unsere Freunde die Landesgesellschaft in der Tschechoslowakei, indem sie das Statut festlegten, mit dem sich diese Gesellschaft zu den Arbeitsergebnissen des Goetheanums bekennt und mit dem sie der eigenen Arbeit die Wege weisen will.
[ 2 ] On March 28, I was able to speak about “Researching the Spiritual World as Anthroposophy” in my first public lecture. My task was to express how the spiritual world reveals itself to the soul's eye, which becomes aware of supersensible vision. In the course of the lecture, I sought to indicate the necessity of transforming initiation, which in the ancient mystery centers had made an impact on civilizations in the character of earlier stages of human development, into something similar in the spirit of the new age. — In the members' lectures on March 29, March 29, 30, 31, and April 5, I spoke introductory about the transformation of the Anthroposophical Society through the Christmas Conference at the Goetheanum, and then about the shaping of karmic connections through successive earth lives, about the formation of karma through life between death and a new birth, then about the effect of karma in the earthly life of human beings, and further on individual human destinies, especially those concerning personalities who have intervened in the historical development of humanity. On April 1, I gave a public lecture on “Moral Life Formation through Anthroposophy.” I endeavored to show how anthroposophical insights have a moral effect because their acquisition is linked to the development of moral qualities. A person's moral life depends on their moral insight, their moral understanding of other people, and their moral strength. Now, imaginative perception can only be developed on the basis of moral insight, receptivity to inspiration only through practice in moral understanding, and intuition only through the cultivation of moral strength. This is why communicated imaginations stimulate moral insight in the recipient, inspirations stimulate moral understanding, and intuitions stimulate moral strength. In communicating such insights, we therefore approach the source of morality within the human being. On April 2, I was able to speak on “Eurythmic Art.” I characterized eurythmy as visible singing and visible speech, presenting the musical as the revelation of the human being insofar as it lives itself out separately from the other realms of nature, and the linguistic insofar as it seeks integration into the earthly environment. The eurythmic movement forms for the musical on the one hand and for the linguistic on the other arise from this position of the human being in the world. — On April 3, it was my task in the public lecture on “Contemporary Science and Anthroposophy,” I had to show how anthroposophy does not oppose true science, but faithfully accepts its findings in order to present, on the basis of these findings, what is effective in the sensory world for both natural science and cultural science in connection with the spiritual forces at work within it. I explained how, precisely by taking scientific findings very seriously, the insights gained through Spiritual Science are justified by these findings themselves. I endeavored to to make this clear through the views of Spiritual Science on the human nervous system, on heart activity and blood circulation, on the threefold division of the human being into the sensory-nervous, the rhythmic, and the metabolic-limb systems, as well as in the field of cultural studies through the knowledge of how the human being has changed in the course of historical development. On April 4, I spoke about “Education and teaching based on a true understanding of human nature.” I pointed out the demands placed on pedagogy and didactics by the fact that human beings go through stages from birth to the change of teeth, and from there to sexual maturity, with very specific requirements for experience. My thanks go to our member of the Central Board of the Czechoslovak National Society, who took the great trouble to translate my lecture into Czech in three paragraphs. At a general meeting held on March 30, our friends constituted the National Society in Czechoslovakia by establishing the statutes with which this society commits itself to the work of the Goetheanum and with which it intends to guide its own work.
[ 3 ] Einen integrierenden Teil der Veranstaltung bildeten die Eurythmie-Aufführungen am 30. März und am 6. April sowie die in meinen Vortrag vom 2. April eingeschlossenen Proben eurythmischer Kunst. Frau Marie Steiner, welche bei allen drei Veranstaltungen die Rezitation gab, hatte in sorgfältiger Art die Programme der Eurythmiedarbietungen so gestaltet, dass die gegenwärtige Entwicklungsstufe der Eurythmie von den Zuschauern empfunden werden konnte. Diese Eurythmievorstellungen verliefen so, dass Mitwirkende und Veranstalter das Gefühl davontrugen: Es war eine wohltuende Stimmung und Empfänglichkeit im Theater am 30. März und 6. April und im Konzertsaale (am 2. April) vorhanden.
[ 3 ] An integral part of the event were the eurythmy performances on March 30 and April 6, as well as the examples of eurythmic art included in my lecture on April 2. Ms. Marie Steiner, who recited at all three events, had carefully designed the programs of the eurythmy performances so that the audience could experience the current stage of development of eurythmy. These eurythmy performances were such that the participants and organizers came away with the feeling that there was a pleasant atmosphere and receptiveness in the theater on March 30 and April 6 and in the concert hall (on April 2).
Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft vom Goetheanum ausgesendet werden
Further Leading Thoughts issued from the Goetheanum for the Anthroposophical Society
[ 4 ] 23. Der Mensch betritt, indem er durch die Todespforte geht, die geistige Welt, indem er von sich abfallen fühlt alles, was er durch die Sinne des Leibes und durch das Gehirn während des Erdenlebens an Eindrücken und an Seeleninhalten erworben hat. Sein Bewußtsein hat dann in einem umfassenden Tableau in Bildern vor sich, was an Lebensinhalt während des Erdenwandels in Form von bildlosen Gedanken in das Gedächtnis gebracht werden konnte, oder was zwar für das Erdenbewußtsein unbemerkt geblieben ist, doch aber einen unterbewußten Eindruck auf die Seele gemacht hat. Diese Bilder verblassen nach wenig Tagen bis zum Entschwinden. Wenn sie sich ganz verloren haben, so weiß der Mensch, daß er auch seinen Ätherleib abgelegt hat, in dem er den Träger dieser Bilder erkennen kann.
[ 14 ] 23. Passing through the gate of death, man goes out into the spiritual world, in that he feels falling away from him all the impressions and contents of soul which he received during earthly life through the bodily senses and the brain. His consciousness then has before it in an all-embracing picture-tableau the whole content of life which, during his earthly wanderings, entered as pictureless thoughts into his memory, or which—remaining unnoticed by the earthly consciousness—nevertheless made a subconscious impression on his soul. After a very few days these pictures grow faint and fade away. When they have altogether vanished, he knows that he has laid aside his etheric body too; for in the etheric body he can recognise the bearer of these pictures.
[ 5 ] 24. Der Mensch hat nach der Ablegung des Ätherleibes noch den Astralleib und das Ich als die ihm verbleibenden Glieder. Solange der erstere an ihm ist, läßt dieser von dem Bewußtsein alles das erleben, was während des Erdenlebens den unbewußten Inhalt der im Schlafe ruhenden Seele gebildet hat. In diesem Inhalt sind die Urteile enthalten, welche die Geistwesen einer höheren Welt während der Schlafzeiten dem Astralleib einprägen, die aber dem Erdenbewußtsein sich verbergen. Der Mensch lebt sein Erdenleben noch einmal durch, doch so, daß sein Seeleninhalt jetzt die Beurteilung seines Tuns und Denkens vom Gesichtspunkte der Geisteswelt aus ist. Das Durchleben geschieht rückläufig: erst die letzte Nacht, dann die zweitletzte und so weiter.
[ 15 ] 24. Having laid aside the etheric body, man has the astral body and the Ego as the members of his being still remaining to him. The astral body, so long as it is with him, brings to his consciousness all that during earthly life was the unconscious content of the soul when at rest in sleep. This content includes the judgements instilled into the astral body by Spirit-beings of a higher World during the periods of sleep—judgements which remain concealed from earthly consciousness. Man now lives through his earthly life a second time, yet so, that the content of his soul is now the judgement of his thought and action from the standpoint of the Spirit-world. He lives it through in backward order: first the last night, then the last but one, and so on.
[ 6 ] 25. Die nach dem Durchgang durch die Todespforte im Astralleibe erlebte Lebensbeurteilung dauert so lange, wie die Zeit betragen hat, die während des Erdenlebens von dem Schlafe eingenommen war.
[ 16 ] 25. This judgement of his life, which man experiences in the astral body after passing through the gate of death, lasts as long as the sum-total of the times he spent during his earthly life in sleep.
