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Anthroposophical Guiding Principles
GA 26

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Noch etwas von der den Zweigversammlungen notwendigen Stimmung

15. Something more about the Tone which is necessary in the Group Meetings

[ 1 ] Anthroposophische Betrachtungen sollten nicht zu einer Unterschätzung des äußeren Lebens führen. Es wird ja bei vielen Menschen so sein, dass entweder schwere Schicksalsschläge oder die Wahrnehmung der Widersprüche im äußeren Leben diejenige Vertiefung des Empfindens hervorruft, welche sich in dem Hinneigen zu einer geistgemäßen Auffassung des Daseins ausdrückt.

[ 1 ] The study of Anthroposophy ought not to lead to a depreciation of external life. True, in the case of many people it is the hard blows of fate, or a perception of the contradictions of external life, which lead them to a deepening of feeling and incline them to a spiritual understanding of existence.

[ 2 ] Aber wie die physische Wesenheit des Menschen des Schlafes bedarf, um im Wachen tüchtig zu sein, so hat ein richtiges Drinnenstehen in der geistigen Welt den Sinn für das physische Erleben nötig, um Festigkeit und Sicherheit der Seele zu entwickeln. - Denn die Erfüllung des menschlichen Inneren mit Erkenntnissen vom Geistigen ist ein Aufwachen aus dem Leben in der sinnenfälligen Wirklichkeit und aus den Impulsen, die der Wille aus dieser Wirklichkeit schöpfen kann.

[ 2 ] But as the physical nature of man has need of sleep if, when awake, he is to be fit for life, so too, in order that he may stand rightly in the spiritual world, it is necessary that he should take an interest in physical experience if he is to develop firmness and assurance of soul. For the filling of man's inner being with spiritual knowledge means an awakening out of the life of sense-reality, and out of the impulses with which this reality animates the will.

[ 3 ] Deshalb sollten die in der anthroposophischen Gesellschaft tätig wirkenden Mitglieder stets darauf bedacht sein, dass solchen Persönlichkeiten, die aus einer Unterschätzung des äußeren Lebens das innere zu ergreifen suchen, die Kraft dieses Inneren zwar in aller nur möglichen Stärke gegeben werde, dass aber mit diesem ihnen zugleich die Schätzung des Äußeren und die Tüchtigkeit für dieses erstehe.

[ 3 ] Those of us who are working actively in the Anthroposophical Society should always bear this in mind. To those who seek to apprehend the inner by under-valuing the outer life, we should indeed give of the inner life in fullest measure. But it is necessary that at the same time they should learn to value the outer life and to be efficient in the fulfillment of its claims.

[ 4 ] Man sollte stets bedenken, dass das menschliche Erdenleben innerhalb des Gesamtdaseins des Menschen, das durch Geburten und Tode geht, eine Bedeutung hat. In diesem Erdenleben ist der Menschengeist in dem materiellen Sein verkörpert. Er ist an dieses materielle Sein hingegeben. Was er in dieser Hingebung erleben kann, das kann ihm in keiner Daseinsform zukommen, in der er als Geist im Geistigen sich selbst gegeben ist.

[ 4 ] It should always be a matter for reflection that human life on earth, looked at from the standpoint of the whole range of human existence in its passage through births and deaths, has its own significance. During earth-life the human spirit is embodied in the material. It is given up to an existence in matter. In no form of existence within the spiritual worlds can the spirit experience what belongs to the material life on earth.

[ 5 ] Das Leben im materiellen Dasein ist für den Menschen diejenige Daseinsstufe, auf der er das Geistige außerhalb von dessen Wirklichkeit im Bilde wahrnehmen kann. Und ein Wesen, das den Geist nicht auch im Bilde erlebt, kann kein freies, aus der eigenen Wesenheit entspringendes Hinneigen zum Geiste entfalten. Auch diejenigen Wesenheiten, die sich nicht nach Menschenart im materiellen Dasein verkörpern, machen Lebensstufen durch, in denen sie ihr eigenes Wesen an ein anderes DaseinsElement hinzugeben haben.

[ 5 ] Life in the material world is, for man, that stage of existence in which he can perceive the spiritual in a picture outside of its reality. And a being who is unable to experience the spirit even in a picture-form cannot come to desire the spirit freely, out of his own inner nature. Those beings also, who do not embody themselves in matter after the way of men, pass through stages of life in which they have to surrender their own being to another element of existence.

[ 6 ] In dieser Hingabe liegt die Grundlage für die Entwicklung des Liebes-Impulses im Leben. Ein Wesen, das niemals in eine Entfremdung von dem eigenen Selbst eingeht, kann nicht diejenige Hinneigung zu einem andern in sich erbilden, die sich in der Liebe offenbart. Und das Erfassen des Geistigen durch den Menschen kann leicht in Lieblosigkeit verhärten, wenn es in Einseitigkeit mit einer Verachtung des in der äußeren Welt sich Offenbarenden sich verbindet.

[ 6 ] There lies in this surrender the foundation for the development of the love-impulse in life. A being who has never known what it is to withdraw from its own self, is unable to cultivate that devotion to another which reveals itself in love. And the apprehension of the spiritual by man can easily harden into lovelessness if in a one-sided way it is connected with a disdain for what is revealed in the outer world.

[ 7 ] Wahre Anthroposophie sucht nicht den Geist, weil sie die Natur geistlos findet und deshalb der Verachtung wert, sondern deshalb, weil sie in der Natur den Geist suchen will und ihn nur auf anthroposophische Art darinnen finden kann.

[ 7 ] True Anthroposophy does not seek for the spirit because it finds nature devoid of spirit, and therefore worthy of contempt, but rather because it desires to seek the spirit in nature and can only find this by anthroposophical means.

[ 8 ] Wenn eine in dieser Richtung wirkende Gesinnung dasjenige durchwaltet, was in unseren Zweigversammlungen getan wird, so werden diese den Mitgliedern ein Erleben bringen, das mit den Anforderungen, die des Menschen Gesamtdasein an diesen stellt, im Einklange sich befindet. Und die Weltfremdheit, die so leicht wie eine ungesunde Atmosphäre anthroposophischer Arbeit sich ergeben kann, wird vertrieben werden.

[ 8 ] This kind of spirit must permeate all that is done in our Group Meetings, then will the experience of members in these meetings be in harmony with the demands which life in its entirety must make of each of us. The remoteness from life which, like an unhealthy atmosphere, can only too easily enter our anthroposophical work, will be removed.

[ 9 ] Auch dieses gehört zu den Elementen, die die rechte Stimmung in der Arbeit unserer Gesellschaft bewirken sollen. Die Mitglieder werden ihre Besuche in den Zweigversammlungen nicht in der wünschenswerten Art verbracht haben, wenn sich ihnen ein Abgrund auftut zwischen dem, was sie durch Anthroposophie vernehmen und dem, was sie im äußeren Leben erfahren müssen. Der Geist, der in den Zweigversammlungen waltet, muss zum Lichte werden, das fortleuchtet, wenn das Mitglied den äußeren Anforderungen des Tages hingegeben ist. Waltet solcher Geist nicht, so wird das Mitglied durch Anthroposophie für das Leben, das doch seine Rechte hat, nicht tüchtiger, sondern untüchtiger. Dann aber wären manche Vorwürfe, die von Außenstehenden der anthroposophischen Gesellschaft gemacht werden, berechtigt. Und die Anthroposophische Gesellschaft würde Anthroposophie nicht fördern, sondern schädigen.

[ 9 ] This too is one of the elements which should bring about a right feeling in the work of our Society. Members will not have spent their time in the Group Meetings in the right way if they feel a gulf between what they receive of Anthroposophy and what they experience in their outer life. The spirit that holds sway in the Group Meetings must be a light which continues to shed its rays even when members are immersed in the external requirements of their life. But if this spirit does not hold sway, Anthroposophy might make members not more efficient but less so in their outer life, which also has its just claims and rights. And if this were to be so, many of the reproaches which outside people make against the Society would be justified, in which case the Anthroposophical Society would be doing Anthroposophy much harm.



Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft vom Goetheanum ausgesendet werden

Anthroposophical Leading Thoughts given out as suggestions from the Goetheanum 1Supplemented from the volume Anthroposophical Leading Thoughts (1973) by the same translator.

[ 21 ] 44. Ein Übergang zu der geisteswissenschaftlichen Betrachtung der Schicksalsfrage sollte dadurch herbeigeführt werden, daß man an Beispielen aus dem Erleben einzelner Menschen den Gang des Schicksalsmäßigen in seiner Bedeutung für den Lebenslauf erörtert; zum Beispiel wie ein Jugenderlebnis, das ganz sicher nicht in voller Freiheit durch eine Persönlichkeit herbeigeführt ist, das ganze spätere Leben zu einem großen Teile gestalten kann.

[ 10 ] 44. We should pass on to a spiritual-scientific treatment of the question of Destiny by taking examples from the life and experience of individual men and women, showing how the forces of Destiny work themselves out, and the significance they have for the whole course of human life. We may show, for instance, how an experience which a man undergoes in his youth, which he can certainly not have brought upon himself entirely of his own free will, may none the less to a large extent give shape to the whole of his later life.

[ 22 ] 45. Es sollte die Bedeutung der Tatsache, daß im physischen Lebenslaufe zwischen Geburt und Tod der Gute unglücklich im Außenleben, der Böse wenigstens scheinbar glücklich werden kann, geschildert werden. Beispiele in Bildern sind für die Erörterung wichtiger als theoretische Erklärungen, weil sie die geisteswissenschaftliche Betrachtung besser vorbereiten.

[ 11 ] 45. We should describe the significance of the fact that in the physical course of life between birth and death the good may become unhappy in their outer life, and the wicked at any rate apparently happy. In expounding these things, pictures of individual cases carry more weight than theoretical explanations; they are a far better preparation for the spiritual-scientific treatment of the subject.

[ 23 ] 46. Es sollte an Schicksalsfällen, die in das Dasein des Menschen so eintreten, daß man ihre Bedingungen im jeweilig gegenwärtigen Erdenleben nicht finden kann, gezeigt werden, wie gegenüber solchen Schicksalsfällen schon rein die verstandesgemäße Lebensansicht auf früheres Erleben hindeutet. Es muß natürlich aus der Art der Darstellung klar sein, daß mit solchen Darstellungen nichts Verbindliches behauptet, sondern nur etwas gesagt werden soll, das die Gedanken nach der geisteswissenschaftlichen Betrachtung der Schicksalsfrage hin orientiert.

[ 12 ] 46. Events of Destiny which come into the life of man in such a way that their determining conditions cannot possibly be found in his present life, should be cited. Faced with such happenings, a purely reasonable view of life already points in the direction of former lives on Earth. It must of course be made clear by the very way in which these things are described that no dogmatic or binding statement is implied. The purpose of such examples is simply to direct one's thoughts towards a spiritual-scientific treatment of the question of Destiny.