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The Course of My Life
GA 28

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Chapter IV

[ 1 ] Für die Form des Geist-Erlebens, die ich damals in mir auf eine sichere Grundlage bringen wollte, wurde das Musikalische von einer krisenhaften Bedeutung. Es lebte sich zu dieser Zeit in der geistigen Umgebung, in der ich mich befand, der «Streit um Wagner» in der heftigsten Art aus. Ich hatte während meines Knaben- und Jugendlebens jede Gelegenheit benützt, um mein Musikverständnis zu fördern. Die Stellung, die ich zum Denken hatte, brachte das mit sich. Für mich hatte das Denken Inhalt durch sich selbst. Es bekam ihn nicht bloß durch die Wahrnehmung, die es ausdrückt. Das aber führte wie mit Selbstverständlichkeit in das Erleben des reinen musikalischen Tongebildes als solchen hinüber. Die Welt der Töne an sich war mir die Offenbarung einer wesentlichen Seite der Wirklichkeit. Daß das Musikalische über die Töne-Formung hinaus noch etwas «ausdrücken» sollte, wie es von den Anhängern Wagners damals in allen möglichen Arten behauptet wurde, schien mir ganz «unmusikalisch».

[ 2 ] Ich war stets ein geselliger Mensch. Dadurch hatte ich schon während meiner Schulzeit in Wiener-Neustadt und dann wieder in Wien viele Freundschaften geschlossen. In den Meinungen stimmte ich selten mit diesen Freunden zusammen. Das hinderte aber niemals, daß Innigkeit und starke gegenseitige Anregung in den Freundschaftsbündnissen lebte. Eines derselben ward mit einem herrlich idealistisch gesinnten jungen Manne geschlossen. Er war mit seinen blonden Locken, mit den treuherzigen blauen Augen so recht der Typus des deutschen Jünglings. Der war nun ganz mitgerissen von dem Wagnertum. Musik, die in sich selbst lebte, die nur in Tönen weben wollte, war ihm eine abgetane Welt greulicher Philister. Was in den Tönen sich offenbarte wie in einer Art von Sprache, das machte für ihn das Tongebilde wertvoll. Wir besuchten zusammen manches Konzert und manche Oper. Wir waren stets verschiedener Meinung. In meinen Gliedern lagerte etwas wie Blei, wenn die «ausdrucksvolle Musik» ihn bis zur Ekstase entflammte; er langweilte sich entsetzlich, wenn Musik erklang, die nichts als Musik sein wollte.

[ 3 ] Die Debatten mit diesem Freunde dehnten sich ins Endlose aus. Auf langen Spaziergängen, in Dauersitzungen bei einer Tasse Kaffee führte er seine in begeisterten Worten sich aussprechenden «Beweise» durch, daß mit Wagner eigentlich erst die wahre Musik geboren worden sei, und daß alles Frühere nur eine Vorbereitung zu diesem «Entdecker des Musikalischen» sei. Mich brachte das dazu, meine Empfindung in recht drastischer Art zur Geltung zu bringen. Ich sprach von der Wagner'schen Barbarei, die das Grab alles wirklichen Musikverständnisses sei.

[ 4 ] Besonders heftig wurden die Debatten bei besonderen Gelegenheiten. Es trat bei meinem Freunde eines Tages der merkwürdige Hang ein, unseren fast täglichen Spaziergängen die Richtung nach einem engen Gäßchen zu geben, und mit mir da, Wagner diskutierend, oft viele Male auf- und abzugehen. Ich war in unsere Debatten so vertieft, daß mir erst allmählich ein Licht darüber aufging, wie er zu diesem Hang gekommen war. Am Fenster eines Hauses dieses Gäßchens saß um die Zeit unserer Spaziergänge ein anmutiges junges Mädchen. Es gab für ihn zunächst keine andere Beziehung zu dem Mädchen als die, daß er es am Fenster fast täglich sitzen sah und zuweilen das Bewußtsein hatte, ein Blick, den es auf die Straße fallen ließ, gelte ihm.

[ 5 ] Ich empfand zunächst nur, wie sein Eintreten für Wagner, das auch sonst schon feurig genug war, in diesem Gäßchen zur hellen Flamme aufloderte. Und als ich darauf kam, welche Nebenströmung da immer in sein begeistertes Herz floß, da wurde er auch nach dieser Richtung mitteilsam, und ich wurde der Mitfühlende bei einer der zartesten, schönsten, schwärmerischsten Jugendliebe. Das Verhältnis kam nicht viel über den geschilderten Stand hinaus. Mein Freund, der aus einer nicht mit Glücksgütern gesegneten Familie stammte, mußte bald eine kleine Journalistenstelle in einer Provinzstadt antreten. Er konnte an keine nähere Verbindung mit dem Mädchen denken. Er war auch nicht stark genug, die Verhältnisse zu meistern. Ich blieb noch lange mit ihm in brieflicher Verbindung. Ein trauriger Nachklang von Resignation tönte aus seinen Briefen heraus. In seinem Herzen lebte das fort, von dem er sich hatte trennen müssen.

[ 6] Ich traf, nachdem das Leben lange schon dem Briefverkehr mit dem Jugendfreunde ein Ende bereitet hatte, mit einer Persönlichkeit aus der Stadt zusammen, in der er seine Journalistenstellung gefunden hatte. Ich hatte ihn immer lieb behalten und frug nach ihm Da sagte mir die Persönlichkeit: «Ja, dem ist es recht schlecht ergangen; er konnte kaum sein Brot verdienen, zuletzt war er Schreiber bei mir, dann starb er an einer Lungenkrankheit.» Mir schnitt diese Mitteilung ins Herz, denn ich wußte, daß der idealistische blonde Mann sich von seiner Jugendliebe dereinst unter dem Zwange der Verhältnisse mit dem Gefühle getrennt hatte, es sei für ihn gleichgültig, was ihm das Leben ferner noch bringen werde. Er legte keinen Wert darauf, sich ein Leben zu begründen, das doch nicht so sein konnte, wie es als ein Ideal ihm bei unseren Spaziergängen in dem engen Gäßchen vorschwebte.

[ 7 ] Im Verkehr mit diesem Freunde ist mein damaliges Anti-Wagnertum nur eben in starker Form zum Ausleben gekommen. Aber es spielte in dieser Zeit auch sonst eine große Rolle in meinem Seelenleben. Ich suchte mich nach allen Seiten in das Musikalische, das mit Wagnerturn nichts zu tun hatte, hineinzufinden. Meine Liebe zur «reinen Musik» wuchs durch mehrere Jahre; mein Abscheu gegen die «Barbarei» einer «Musik als Ausdruck» wurde immer größer. Und dabei hatte ich das Schicksal, daß ich in menschliche Umgebungen kam, in denen fast ausschließlich Wagner-Verehrer waren. Das alles trug viel dazu bei, daß es mir - viel - später recht sauer wurde, mich bis zu dem Wagner-Verständnis durchzuringen, das ja das menschlich Selbstverständliche gegenüber einer so bedeutenden Kulturerscheinung ist. Doch dieses Ringen gehört einer spätern Zeit meines Lebens an. In der hier geschilderten war mir z. B. eine Tristanaufführung, in die ich einen Schüler von mir begleiten mußte, «ertötend langweilig». In diese Zeit fällt noch eine andere für mich bedeutsame Jugendfreundschaft. Die galt einem jungen Manne, der in allem das Gegenteil des blondgelockten Jünglings darstellte. Er fühlte sich als Dichter. Auch mit ihm verbrachte ich viel Zeit in anregenden Gesprächen. Er hatte große Begeisterung für alles Dichterische. Er machte sich frühzeitig an große Aufgaben. Als wir bekannt wurden, hatte er bereits eine Tragödie «Hannibal » und viel Lyrisches geschrieben.

[ 8 ] Mit beiden Freunden zusammen war ich auch bei den «Übungen im mündlichen Vortrag und schriftlicher Darstellung», die Schröer an der Hochschule abhielt. Davon gingen für uns drei und noch für manchen Andern die schönsten Anregungen aus. Wir jungen Leute konnten, was wir geistig zustande brachten, vortragen und Schröer besprach alles mit uns und erhob unsere Seelen durch seinen herrlichen Idealismus und seine edle Begeisterungsfähigkeit.

[ 9 ] Mein Freund begleitete mich oft, wenn ich Schröer in seinem Heim besuchen durfte. Da lebte er immer auf, während sonst oft ein schwer wirkender Ton durch seine Lebensäußerungen ging. Er wurde durch einen innern Zwiespalt mit dem Leben nicht fertig. Kein Beruf reizte ihn so, daß er ihn hätte mit Freude antreten wollen. Er ging in dem dichterischen Interesse ganz auf und fand außer diesem keinen rechten Zusammenhang mit dem Dasein. Zuletzt wurde nötig, daß er eine ihm gleichgültige Stellung annahm. Ich blieb auch mit ihm in brieflicher Verbindung. Daß er an seiner Dichtkunst selbst nicht eine wirkliche Befriedigung erleben konnte, wirkte zehrend an seiner Seele. Das Leben erfüllte sich für ihn nicht mit Wertvollem. Ich mußte zu meinem Leid erfahren, wie nach und nach in seinen Briefen und auch bei Gesprächen immer mehr sich bei ihm die Ansicht verdichtete, daß er an einer unheilbaren Krankheit litte. Nichts reichte hin, um diesen unbegründeten Verdacht zu zerstreuen. So mußte ich denn eines Tages die Nachricht empfangen, daß der junge Mann, der mir recht nahe stand, seinem Leben selbst ein Ende gemacht habe.

[ 10 ] Recht innige Freundschaft schloß ich damals mit einem jungen Manne, der aus dem deutschen Siebenbürgen nach der Wiener technischen Hochschule gekommen war. Auch ihn hatte ich in Schröers Übungsstunden zuerst getroffen. Da hat er einen Vortrag über den Pessimismus gehalten. Alles, was Schopenhauer für diese Lebensauffassung vorgebracht hat, lebte in diesem Vortrage auf. Dazu kam die eigene pessimistische Lebensstimmung des jungen Mannes. Ich erbot mich, einen Gegenvortrag zu halten. Ich «widerlegte» den Pessimismus mit wahren Donnerworten, nannte schon damals Schopenhauer ein «borniertes Genie» und ließ meine Ausführungen in dem Satze gipfeln, «wenn der Herr Vortragende mit seiner Darstellung über den Pessimismus recht hätte, dann wäre ich lieber der Holzpfosten, auf dem meine Füße stehen, als ein Mensch». Dieses Wort wurde lange spottend in meinem Bekanntenkreise über mich wiederholt. Aber es machte den jungen Pessimisten und mich zu innig verbundenen Freunden. Wir verlebten nun viele Zeit miteinander. Auch er fühlte sich als Dichter. Und ich saß oft viele Stunden lang bei ihm auf seinem Zimmer und hörte gerne dem Vorlesen seiner Gedichte zu. Er brachte auch meinen damaligen geistigen Bestrebungen ein warmes Interesse entgegen, obwohl er dazu weniger durch die Dinge, mit denen ich mich befaßte, als durch seine per. sönliche Liebe zu mir angeregt wurde. Er knüpfte so manche schöne Jugendbekanntschaft und auch Jugendliebe an. Er brauchte das zu seinem Leben, das ein recht schweres war. Er hatte in Hermannstadt die Schule als armer Junge durchgemacht, und mußte da schon sein Leben von Privatstunden unterhalten. Er kam dann auf die geniale Idee, von Wien aus durch Korrespondenz die in Hermannstadt gewonnenen Privatschüler weiter zu unterrichten. Die Hochschul-Wissenschaften interessierten ihn wenig. Einmal wollte er doch ein Examen aus der Chemie ablegen. Er war in keiner Vorlesung und hatte auch kein einschlägiges Buch berührt. In der letzten Nacht vor der Prüfung ließ er sich von einem Freunde einen Auszug aus dem ganzen Stoff vorlesen. Er schlief zuletzt dabei ein. Dennoch ging er mit diesem Freunde zugleich zum Examen. Beide fielen wirklich «glänzend» durch.

[ 11 ] Ein grenzenloses Vertrauen zu mir hatte dieser junge Mann. Er behandelte mich eine Zeitlang fast wie einen Beichtvater. Er breitete ein interessantes, oft traurig stimmendes, für alles Schöne begeistertes Leben vor meiner Seele aus. Er brachte mir soviel Freundschaft und Liebe entgegen, daß es wirklich schwer war, ihn nicht das eine oder andre Mal bitter zu enttäuschen. Das geschah namentlich dadurch, daß er oft glaubte, ich brächte ihm nicht genug Aufmerksamkeit entgegen. Aber das konnte eben doch nicht anders sein, da ich so manchen Interessenkreis hatte, für den ich bei ihm auf ein sachliches Verständnis nicht stieß. Das alles trug aber zuletzt doch nur dazu bei, daß die Freundschaft immer Inniger wurde. Er verbrachte die Ferien jeden Sommer in Hermannstadt. Da sammelte er wieder Schüler, um sie dann das Jahr hindurch von Wien aus per Korrespondenz zu unterrichten. Ich erhielt dann immer lange Briefe von ihm. Er litt darunter, daß ich sie selten oder gar nicht beantwortete. Aber wenn er im Herbste wieder nach Wien kam, dann sprang er mir wie ein Knabe entgegen; und das gemeinsame Leben fing wieder an. Ihm verdankte ich damals, daß ich mit vielen Menschen verkehren konnte. Er liebte es, mich zu allen Leuten zu bringen, mit denen er Zusammenhang hatte. Und ich lechzte nach Geselligkeit. Der Freund brachte vieles in mein Leben, was mir Freude und Wärme gab.

[ 12 ] Diese Freundschaft ist eine solche für das Leben geblieben, bis zu dem vor einigen Jahren erfolgten Tode des Freundes. Sie bewahrte sich durch manchen Lebenssturm hindurch, und ich werde noch vieles von ihr zu sagen haben.

[ 13 ] Im rückschauenden Bewußtsein taucht vieles an Menschen- und Lebensbeziehungen auf, das in Liebe- und Dankesempfindungen heute noch ein volles Dasein in der Seele hat. Hier darf ich nicht alles im einzelnen schildern und muß manches unberührt lassen, das mir gerade im persönlichen Erleben nahe war und nahe geblieben ist.

[ 14 ] Meine Jugendfreundschaften in der Zeit, von der ich hier spreche, hatten zum Fortgang meines Lebens ein eigentümliches Verhältnis. Sie zwangen mich zu einer Art Doppelleben in der Seele. Das Ringen mit den Erkenntnisrätseln, das vor allem damals meine Seele erfüllte, fand bei meinen Freunden zwar stets ein starkes Interesse, aber wenig mittätigen Anteil. Ich blieb im Erleben dieser Rätsel ziemlich einsam. Dagegen lebte ich selbst alles voll mit, was im Dasein meiner Freunde auftauchte. So gingen zwei Lebensströmungen in mir nebeneinander: eine, die ich wie ein einsamer Wanderer verfolgte; und die andere, die ich in lebendiger Geselligkeit mit liebgewonnenen Menschen durchmachte. Aber von tiefgehender, dauernder Bedeutung für meine Entwickelung waren in vielen Fällen auch die Erlel» nisse der zweiten Art.

[ 15 ] Da muß ich besonders eines Freundes gedenken, der schon in Wiener-Neustadt mein Mitschüler war. Während dieser Zeit stand er mir aber ferne. Erst in Wien, wo er mich zuerst öfters besuchte und wo er später als Beamter lebte, trat er mir nahe. Er hatte aber doch, ohne eine äußere Beziehung, schon in Wiener-Neustadt eine Bedeutung für mein Leben gehabt. Ich war mit ihm einmal gemeinsam in einer Turnstunde. Er ließ, während er turnte und ich nichts zu tun hatte, ein Buch neben mir liegen. Es war Heines Buch über «Die romantische Schule» und «Die Geschichte der Philosophie in Deutschland». Ich tat einen Blick hinein. Das wurde zum Anlaß, daß ich das Buch selber las. Ich empfand viele Anregungen daraus, stand aber in einem intensiven Widerspruch zu der Art, wie Heine den mir nahestehenden Lebensinhalt behandelte. In der Anschauung einer Denkungsart und einer Gefühlsrichtung, die der in mir sich ausbildenden völlig entgegengesetzt war, lag eine starke Anregung zur Selbstbesinnung auf die innere Lebensorientierung, die mir, nach meinen Seelenanlagen, notwendig war.

[ 16 ] In Anlehnung an das Buch sprach ich dann mit dem Mitschüler. Dabei kam das innere Leben seiner Seele zum Vorschein, das dann später zur Begründung einer dauernden Freundschaft führte. Er war ein verschlossener Mensch, der sich nur Wenigen mitteilte. Die meisten hielten ihn für einen Sonderling. Den Wenigen gegenüber, denen er sich mitteilen wollte, wurde er namentlich in Briefen sehr gesprächig. Er nahm sich als einen durch innere Veranlagung zum Dichter berufenen Menschen. Er war der Ansicht, daß er einen großen Reichtum in seiner Seele trug. Er hatte dabei auch die Neigung, sich in Beziehungen zu andern, namentlich weiblichen Persönlichkeiten mehr hineinzuträumen, als diese Beziehungen äußerlich wirklich anzuknüpfen. Zuweilen war er einer solchen Anknüpfung nahe, konnte sie aber doch nicht zum wirklichen Erleben bringen. In Gesprächen mit mir lebte er dann seine Träume mit einer Innigkeit und Begeisterung durch, als wenn sie Wirklichkeiten wären. Dabei konnte nicht ausbleiben, daß er bittere Gefühle hatte, wenn die Träume immer wieder zerrannen.

[ 17 ] Das ergab ein seelisches Leben bei ihm, das mit seinem Außendasein nicht das geringste zu tun hatte. Und dieses Leben war ihm wieder der Gegenstand quälender Selbstbetrachtungen, deren Spiegelbild in vielen Briefen an mich und in Gesprächen enthalten war. So schrieb er mir einmal eine lange Auseinandersetzung darüber, wie ihm das kleinste wie das größte Erlebnis innerlich zum Symbol würde und wie er mit solchen Symbolen lebte.

[ 18 ] Ich liebte diesen Freund, und in Liebe ging ich auf seine Träume ein, obgleich ich stets im Zusammensein mit ihm das Gefühl hatte: wir bewegen uns in den Wolken und haben keinen Boden. Das war für mich, der ich mich unablässig bemühte, gerade die festen Stützen des Lebens in der Erkenntnis zu suchen, ein eigenartiges Erleben. Ich mußte immer wieder aus der eigenen Wesenheit herausschlüpfen und wie in eine andere Haut hinüberspringen, wenn ich diesem Freunde gegenüberstand. Er lebte gerne mit mir; er stellte auch zuweilen weitausgreifende theoretische Betrachtungen über die «Verschiedenheit unserer Naturen» an. Er ahnte kaum, wie wenig unsere Gedanken zusammenklangen, weil die Freundesgesinnung über alle Gedanken hinwegführte.

[ 19 ] Mit einem andern Wiener-Neustädter Mitschüler erging es mir ähnlich. Er gehörte dem nächst niedrigeren Jahrgang der Realschule an, und wir traten einander erst nahe, als er ein Jahr später als ich an die technische Hochschule nach Wien kam. Da aber waren wir viel zusammen. Auch er ging wenig auf das ein, was mich auf dem Erkenntnisgebiete innerlich bewegte. Er studierte Chemie. Die naturwissenschaftlichen Ansichten, denen er gegenüberstand, verhinderten ihn damals im Verkehre mit mir, sich anders denn als Zweifler an der Geistesanschauung zu geben, von der ich erfüllt war. Später im Leben habe ich an diesem Freunde erfahren, wie nahe er in seinem innersten Wesen meiner Seelenverfassung schon damals stand; aber er ließ dieses innerste Wesen in jener Zeit gar nicht hervortreten. Und so wurden unsere lebhaften, langdauernden Debatten für mich zu einem «Kampfe gegen den Materialismus». Er setzte meinem Bekenntnis zum Geistgehalt der Welt stets alle aus der Naturwissenschaft vermeintlich sich ergebenden Widerlegungen gegenüber. Ich mußte damals schon alles, was ich an Einsichten hatte, auftreten lassen, um die aus der materialistischen Denkorientierung kommenden Einwürfe gegen eine geistgemäße Welterkenntnis aus dem Felde zu schlagen.

[ 20 ] Einmal spielte sich die Debatte mit großer Lebhaftigkeit ab. Mein Freund fuhr jeden Tag nach dem Besuch der Vorlesungen von Wien nach seinem Wohnort, der in Wiener-Neustadt geblieben war. Ich begleitete ihn oft durch die Wiener Alleegasse zum Südbahnhofe. Wir waren nun an einem Tage in der Materialismusdebatte an einer Art Kulmination angekommen, als wir schon den Bahnhof betreten hatten, und der Zug bald abfahren mußte. Da faßte ich, was ich noch zu sagen hatte, in die folgenden Worte zusammen: «Also du behauptest, wenn du sagst: ich denke, so sei das nur der notwendige Effekt der Vorgänge in deinem Gehirnnervensystem. Diese Vorgänge seien allein Wirklichkeit. Und so sei es, wenn du sagst: ich sehe dies oder das, ich gehe usw. Aber sieh einmal: du sagst doch nicht: mein Gehirn denkt, mein Gehirn sieht das oder das, mein Gehirn geht. Du müßtest doch, wenn du wirklich zu der Einsicht gelangt wärest, was du theoretisch behauptest, sei wahr, deine Redewendung korrigieren. Wenn du dennoch vom «ich» sprichst, so lügst du eigentlich. Aber du kannst nicht anders, als deinem gesunden Instinkte gegen die Einflüsterungen deiner Theorie folgen. Du erlebst einen andern Tatbestand als denjenigen, den deine Theorie verficht. Dein Bewußtsein straft deine Theorie Lügen.» Der Freund schüttelte den Kopf. Zu einer Einwendung hatte er nicht mehr Zeit. Ich ging allein zurück, und konnte nur nachdenken, daß der Einwand gegen den Materialismus in dieser groben Form nicht einer besonders exakten Philosophie entsprach. Aber mir kam es damals wirklich weniger darauf an, einen philosophisch einwandfreien Beweis fünf Minuten vor Zugsabgang zu liefern, als Ausdruck zu geben meiner inneren sicheren Erfahrung von der Wesenheit des menschlichen «Ich». Mir war dieses «Ich» innerlich überschaubares Erlebnis von einer in ihm selbst vorhandenen Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit erschien mir nicht weniger gewiß wie irgendeine vom Materialismus anerkannte. Aber in ihr ist gar nichts Materielles. Mir hat dieses Durchschauen der Wirklichkeit und Geistigkeit des «Ich» in den folgenden Jahren über alle Versuchungen des Materialismus hinweggeholfen. Ich wußte:

[ 21 ] an dem «Ich» kann nicht gerüttelt werden. Und mir war klar, daß derjenige das «Ich» eben nicht kennt, der es als eine Erscheinungsform, ein Ergebnis anderer Vorgänge auffaßt. Daß ich dieses als innere, geistige Anschauung hatte, wollte ich dem Freunde gegenüber zum Ausdruck bringen. Wir bekämpften uns noch viel auf diesem Felde. Aber wir hatten in der allgemeinen Lebensansicht so viele ganz gleichgeartete Empfindungen, daß die Heftigkeit unserer theoretischen Kämpfe nie auch nur in die geringsten Mißverständnisse in dem persönlichen Verhältnis umschlug. Ich kam in dieser Zeit tiefer in das studentische Leben in Wien hinein. Ich wurde Mitglied der «deutschen Lesehalle an der technischen Hochschule». In Versammlungen und kleineren Zusammenkünften wurden eingehend die politischen und Kulturerscheinungen der Zeit besprochen. Die Diskussionen ließen alle möglichen - und unmöglichen - Gesichtspunkte, die junge Leute haben konnten, zutage treten. Namentlich wenn Funktionäre gewählt werden sollten, platzten die Meinungen gar heftig aufeinander. Anregend und aufregend war vieles, was sich da unter der Jugend im Zusammenhang mit den Vorgängen im öffentlichen Leben Österreichs abspielte. Es war die Zeit, in der sich die nationalen Parteien in immer schärferer Ausprägung bildeten. Alles, was später in Österreich immer mehr und mehr zur Zerbröckelung des Reiches führte, was nach dem Weltkrieg in seinen Folgen auftrat, konnte damals in seinen Keimen erlebt werden.

[ 22 ] Ich war zunächst zum Bibliothekar der «Lesehalle» gewählt worden. Als solcher machte ich alle möglichen Autoren ausfindig, die Bücher geschrieben hatten, von denen ich glaubte, daß sie für die Studentenbibliothek von Wert sein könnten. An diese Autoren schrieb ich «Pumpbriefe». Ich verfertigte oft in einer Woche wohl hundert solcher Briefe. Durch diese meine «Arbeit» wurde die Bibliothek rasch vergrößert. Aber die Sache hatte für mich einen Nebeneffekt. Ich hatte dadurch die Möglichkeit, in einem weiten Umfange die wissenschaftliche, künstlerische, kulturgeschichtliche, politische Literatur der Zeit kennen zu lernen. Ich war ein eifriger Leser der geschenkten Bücher. Später wurde ich zum Vorsitzenden der «Lesehalle» gewählt. Das aber war für mich ein schwieriges Amt. Denn ich stand einer großen Anzahl der verschiedensten Parteistandpunkte gegenüber und sah in ihnen allen das relativ Berechtigte. Dennoch kamen die Angehörigen der verschiedenen Parteien zu mir. Jeder wollte mich überzeugen, daß nur seine Partei recht habe. Als ich gewählt worden war, stimmten alle Parteien für mich. Denn bis dahin hatten sie nur gehört, wie ich in den Versammlungen für das Berechtigte eingetreten war. Als ich ein halbes Jahr Vorsitzender war, stimmten alle gegen mich. Denn bis dahin hatten sie gefunden, daß ich keiner Partei so stark recht geben konnte, als sie es wollte.

[ 23 ] Mein Geselligkeitstrieb fand in der «Lesehalle» reichliche Befriedigung. Und es wurde auch für weitere Kreise des öffentlichen Lebens das Interesse geweckt durch die Spiegelungen seiner Vorgänge im studentischen Vereinsleben. Ich war damals bei mancher interessanten Parlamentsdebatte auf der Galerie des österreichischen Abgeordneten- und Herrenhauses.

[ 24 ] Mich interessierten außer den oft in das Leben tief einschneidenden Maßnahmen der Parlamente ganz besonders die Persönlichkeiten der Abgeordneten. Da stand an seiner Bankecke jedes Jahr als ein Hauptbudgetredner der feinsinnige Philosoph Bartholomäus Carneri. Seine Worte hagelten schneidende Anklagen gegen das Ministerium Taaffe, sie bildeten eine Verteidigung des Deutschtums in Österreich. Da stand Ernst von Plener, der trockene Redner, die unbestrittene Autorität in Finanzfragen. Man fröstelte, wenn er mit rechnerischer Kälte dem Finanzminister Dunajewski die Ausgaben kritisierte. Da donnerte gegen die Nationalitätenpolitik der Ruthene Tomasczuck. Man hatte das Gefühl, daß es ihm auf die Erfindung eines für den Augenblick besonders gut geprägten Wortes ankam, um für die Minister Antipathien zu nähren. Da redete bäuerlich-schlau, immer gescheit der Klerikale Lienbacher. Sein etwas vorgebeugter Kopf ließ, was er sagte, als den Ausfluß abgeklärter Anschauungen erscheinen. Da redete in seiner Art schneidend der Jungtscheche Gregr. Man hatte bei ihm das Gefühl, einen halben Demagogen vor sich zu haben. Da stand Rieger von den Alttschechen, ganz im tief charakteristischen Sinn das verkörperte Tschechentum, wie es seit langer Zeit sich herangebildet und in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zum Bewußtsein seiner selbst gekommen war. Ein in sich selten abgeschlossener, seelisch vollkräftiger, von sicherem Willen getragener Mann. Da redete auf der rechten Seite, inmitten der Polenbänke, Otto Hausner. Oft nur Lesefrüchte geistreich vortragend, oft spitztreffend nach allen Seiten des Hauses auch sachlich berechtigte Pfeile mit einem gewissen Wohlbehagen sendend. Ein zwar selbstbefriedigtes, aber gescheites Auge blinzelte hinter einem Monokel, das andere schien zu dem Blinzeln stets ein befriedigtes «Ja» zu sagen. Ein Redner, der aber auch zuweilen prophetische Worte für Österreichs Zukunft schon damals fand. Man sollte heute nachlesen, was er damals gesagt hat; man würde über seinen Scharfblick staunen. Man lachte damals sogar über vieles, was nach Jahrzehnten bitterer Ernst geworden ist.

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The Story of My Life 1928, tr. H. Collison
  1. The Course of My Life, Steiner Online Library
  2. Mein Lebensgang, 9th ed.

Chapter V

[ 1 ] I could not at that time bring myself to reflections concerning public life in Austria which might have taken a deeper hold in any way whatever upon my mind. I merely continued to observe the extraordinarily complicated relationships involved. Expressions which won my deeper interest I could find only in connection with Karl Julius Schröer. I had the pleasure of being with him often just at this time. His own fate was closely bound up with that of German Austria-Hungary. He was the son of Tobias Schröer, who conducted a German school in Presburg and wrote dramas as well as books on historical and aesthetic subjects. The last appeared under the name Christian Oeser, and they were favourite text-books. The poetic writings of Tobias Gottfried Schröer, although they are doubtless significant and received marked recognition within restricted circles, did not become widely known. The sentiment that breathes through them was opposed to the dominant political current in Hungary. They had to be published in part without the author's name in German regions outside of Hungary. Had the tendencies of the author's mind been known in Hungary, he would have risked, not only dismissal from his post, but also severe punishment.

[ 2 ] Karl Julius Schröer thus experienced the impulse toward Germanism even as a young man in his own home. Under this impulse he developed his intimate devotion to the German nature and German literature as well as a great devotion to everything belonging to Goethe or concerning him. The history of German poetry by Gervinus had a profound influence upon him. [ 3 ] He went in the fortieth year of the nineteenth century to Germany to pursue his studies in the German language and literature at the universities of Leipzig, Halle, and Berlin. After his return he was occupied in teaching German literature in his father's school, and in conducting a Seminar. He now became acquainted with the Christmas folk-plays which were enacted every year by the German colonists in the region of Presburg. There he was face to face with Germanism in a form profoundly congenial to him. The roving Germans who had come from the west into Hungary hundreds of years before had brought with them these plays of the old home, and continued to perform them as they had done at the Christmas festival in regions which no doubt lay in the neighbourhood of the Rhine. The Paradise story, the birth of Christ, the coming of the three kings were alive in popular form in these plays. Schröer then published them, as he heard them, or as he read them in old manuscripts that he was able to see at peasants' homes, using the title Deutsche Weinachtspiele aus Ungarn.1German Christmas Plays from Hungary.

[ 4 ] The delightful experience of living in the German folk life took an even stronger hold upon Schröer's mind. He made journeys in order to study German dialects in the most widely separated parts of Austria. Wherever the German folk was scattered in the Slavic, Magyar, or Italian geographical regions, he wished to learn their individuality. Thus came into being his glossary and grammar of the Zipser dialect, which was native to the south of the Carpathians; of the Gottschze dialect, which survived with a little fragment of German folk in Krain; the language of the Heanzen, which was spoken in western Hungary.

[ 5 ] For Schröer these studies were never merely a scientific task. He lived with his whole soul in the revelation of the folk-life, and wished by word and writing to bring its nature to the consciousness of those men who have been uprooted from it by life. He was then a professor in Budapest. There he could not feel at home in the presence of the prevailing current of thought; so he removed to Vienna, where at first he was entrusted with the direction of the evangelical schools, and where he later became a professor of the German language and literature. When he already occupied this position, I had the privilege of knowing him and of becoming intimate with him. At the time when this occurred, his whole sentiment and life were directed toward Goethe. He was engaged in editing the second part of Faust, and writing an introduction for this, and had already published the first part.

[ 6 ] When I went to call at Schröer's little library, which was also his work-room, I felt that I was in a spiritual atmosphere in the highest degree beneficial to my mental life. I understood at once why Schröer was maligned by those who accepted the prevailing literary-historical methods on account of his writings, and especially on account of his Geschichte der Deutschen Dichtung im neunzehnten Jahrhundert.2History of German Poetry in the Nineteenth Century. He did not write at all like the members of the Scherer school, who treated literary phenomena after the fashion of investigators in natural science. He had certain sentiments and ideas concerning literary phenomena, and he spoke these out in frank, manly fashion without turning his eyes much at the moment of writing to the “sources.” It had even been said that he had written his exposition “from the wrist out.”

[ 7 ] This interested me very little. I experienced a spiritual warmth when I was with him. I could sit by his side for hours. Out of his inspired heart the Christmas plays lived on his lips, the spirit of the German dialect, the course of the life of literature. The relation between dialect and cultured speech became perceptible to me in a practical way. I experienced a real joy when he spoke to me, as he had already done in his lectures, of the poet of the Lower Austrian dialect, Joseph Misson, who wrote the splendid poem, Da Naaz, a niederösterreichischer Bauernbua, geht ind Fremd.3Ignatius, a peasant boy of Lower Austria, goes abroad. Schröer then constantly gave me books from his library in which I could pursue further what was the content of this conversation. I always had, in truth, when I sat there alone with Schröer, the feeling that still another was present – Goethe's spirit. For Schröer lived so strongly in the spirit and the work of Goethe that in every sentiment or idea which entered his soul he feelingly asked the question, “Would Goethe have felt or thought thus?”

[ 8 ] I listened in a spiritual sense with the greatest possible sympathy to everything that came from Schröer. Yet I could not do otherwise even in his presence than build up independently in my own mind that toward which I was striving in my innermost spirit. Schröer was an idealist, and the world of ideas as such was for him that which worked as a propulsive force in the creation of nature and of man. I then found it indeed difficult to express in words for myself the difference between Schröer's way of thinking and mine. He spoke of ideas as the propelling forces in history. He felt life in the idea itself. For me the life of the spirit was behind the ideas, and these were only the phenomena of that life in the human soul. I could then find no other terms for my way of thinking than “objective idealism.” I wished thereby to denote that for me the reality is not in the idea; that the idea appears in man as the subject, but that just as colour appears on a physical object, so the idea appears on the spiritual object, and that the human mind – the subject – perceives it there as the eye perceives colour on a living being.

[ 9 ] My conception, however, Schröer very largely satisfied in the form of expression he used when we talked about that which reveals itself as “folk-soul.” He spoke of this as of a real spiritual being which lives in the group of individual men who belong to a folk. In this matter his words took on a character which did not pertain merely to the designation of an idea abstractly held. And thus we both observed the texture of ancient Austria and the individualities of the several folk-souls active in Austria. From this side it was possible for me to conceive thoughts concerning the state of public life which penetrated more deeply into my mind.

[ 10 ] Thus my experience at that time was strongly bound up with my relationship to Karl Julius Schröer. What, however, were more remote from him, and in which I strove most of all for an inner explanation, were the natural sciences. I wished to know that my “objective idealism” was in harmony with the knowledge of nature.

[ 11 ] It was during the period of my most earnest intercourse with Schröer that the question of the relation between the spiritual and natural worlds came before my mind in a new form. This happened at first quite independently of Goethe's way of thought concerning the natural sciences. For even Schröer could tell me nothing distinctive concerning this realm of Goethe's creative work. He was happy whenever he found in one or another natural scientist a generous recognition of Goethe's observations concerning the beings of plants and animals. As regards Goethe's theory of colour, however, he was met on all sides by natural scientific conceptions utterly opposed. So in this direction he developed no special opinion.

[ 12 ] My relationship to natural science was not at this time of my life influenced from this side, in spite of the fact that in my intercourse with Schröer I came into close touch with Goethe's spiritual life. It was determined much more by the difficulties I experienced when I had to think out the facts of optics in the sense of the physicist.

[ 13 ] I found that light and sound were thought of in an analogy which is invalid. The expressions “sound in general” and “light in general” were used. The analogy lay in the following: The individual tones and sounds were viewed as specially modified air-vibrations; and objective sound, outside of the human perception, was viewed as a state of vibration of the air. Light was thought of similarly. That which occurs outside of man when he has a perception by means of phenomena caused by light was defined as vibration in ether. The colours, then, are especially formed ether-vibrations. These analogies became at that time an actual torment to my inner life. For I believed myself perfectly clear in the perception that the concept “sound” is merely an abstract union of the individual occurrences in the sphere of sound; whereas “light” signifies a concrete thing over against the phenomena in the sphere of illumination. “Sound” was for me a composite abstract concept; “light” a concrete reality. I said to myself that light is really not perceived by the senses; “colours” are perceived by means of light, which manifests itself everywhere in the perception of colours but is not itself sensibly perceived. “White” light is not light, but that also is a colour. [ 14 ] Thus for me light became a reality in the sense-world, yet in itself not perceptible to the senses. Now there came before my mind the conflict between nominalism and realism as this was developed within scholasticism. The realists maintained that concepts were realities which lived in things and were simply reproduced out of these by human understanding. The nominalists maintained, on the contrary, that concepts were merely names formed by man which include together a complex of what is in the things, but names which have no existence themselves. It now seemed to me that the sound experience must be viewed in the nominalist manner and the experiences which proceed from light in the realist manner.

[ 15 ] I carried this orientation into the optics of the physicist. I had to reject much in this science. Then I arrived at perceptions which gave me a way to Goethe's colour theory.

On this side the door opened before me through which to approach Goethe's writings on natural science. I first took to Schröer brief treatises I had written on the basis of my views in the field of natural science. He could make but little of them; for they were not yet worked out on the basis of Goethe's way of thinking, but I had merely attached at the end this remark: “When men come to the point of thinking about nature as I have here set forth, then only will Goethe's researches in science be confirmed.” Schröer felt an inner pleasure when I made such a statement, but beyond this nothing then came of the matter. The situation in which I then found myself comes out in the following: Schröer related to me one day that he had spoken with a colleague who was a physicist. But, said the man, Goethe opposed himself to Newton, and Newton was “such a genius”; to which Schröer replied: But Goethe “also was a genius.” Thus again I felt that I had a riddle to solve with which I struggled entirely alone.

[ 16 ] In the views at which I had arrived in the physics of optics there seemed to me to be a bridge between what is revealed to insight into the spiritual world and that which comes out of researches in the natural sciences. I felt then a need to prove to sense experience, by means of certain experiments in optics in a form of my own, the thoughts which I had formed concerning the nature of light and that of colour.

It was not easy for me to buy the things needed for such experiments; for the means of living I derived from tutoring was little enough. Whatever was in any way possible for me I did in order to arrive at such plans of experimentation in the theory of light as would lead to an unprejudiced insight into the facts of nature in this field.

[ 17 ] With the physicist's usual arrangements for experiments I was familiar through my work in Reitlinger's physics laboratory. The mathematical treatment of optics was easy to me, for I had already pursued thorough courses in this field. In spite of all objections raised by the physicists against Goethe's theory of colour, I was driven by my own experiments farther and farther away from the customary attitude of the physicist toward Goethe. I became aware that all such experimentation is only the establishing of certain facts “about light” – to use an expression of Goethe's – and not experimentation with light itself. I said to myself: “The colours are not, in Newton's way of thinking, produced out of light; they come to manifestation when obstructions hinder the free unfolding of the light.” It seemed to me that this was the lesson to be learned directly from my experiments. [ 18 ] Through this, however, light was for me removed from the properly physical realities. It took its place as a midway stage between the realities perceptible to the senses and those visible to the spirit.

[ 19 ] I was not inclined forthwith to engage in a merely philosophical course of thinking about these things. But I held strongly to this: to read the facts of nature aright. And then it became constantly clearer to me how light itself does not enter the realm of the sense-perceptible, but remains on the farther side of this, while colours appear when the sense perceptible is brought into the realm of light. [ 20 ] I now felt myself compelled anew to press inward to the understanding of nature from the most diverse directions. I was led again to the study of anatomy and physiology. I observed the members of the human, animal, and plant organisms in their formations. In this study I came in my own way to Goethe's theory of metamorphosis. I became more and more aware how that conception of nature which is attainable through the senses penetrates through to that which was visible to me in spiritual fashion.

[ 21 ] If in this spiritual way I directed my look to the soul-activity of man, thinking, feeling, and willing, then the “spiritual man” took form for me, a clearly visible image. I could not linger in the abstractions in which men generally think when they speak of thinking, feeling, and willing. In these living manifestations I saw creative forces which set “the man as spirit” there before me. If I then turned my glance to the sense-manifestation of man, this became complete to my observation by means of the spirit-form which ruled in the sense-perceptible.

[ 22 ] I came upon the sensible-supersensible form of which Goethe speaks and which thrusts itself, both for the true natural vision and for the spiritual vision, between what the senses grasp and what the spirit perceives.

[ 23 ] Anatomy and physiology struggled through step by step to the sensible-supersensible form. And in this struggling I through my look fell, at first in a very imperfect way, upon the threefold organization of the human being, concerning which – after having pursued my studies regarding this for thirty years in silence – I first began to speak openly in my book Von Seelenrätzeln.4Riddles of the Soul. It then became clear to me that in that portion of the human organization in which the shaping is chiefly directed to the elements of the nerves and the senses, the sensible-supersensible form also stamps itself most strongly in the sense-perceptible. The head organization appeared to me as that in which the sensible-supersensible becomes most strongly visible in the sensible form. On the other hand, I was forced to look upon the organization consisting of the limbs as that in which the sensible-supersensible most completely submerges itself, so that in this organization the forces active in nature external to man pursue their work in the shaping of the human body. Between these poles of the human organization everything seemed to me to exist which expresses itself in a rhythmic manner, the processes of breathing, circulation, and the like. [ 24 ] At that time I found no one to whom I could have spoken of these perceptions. If I referred here or there to something of this, then it was looked upon at once as the result of a philosophic idea, whereas I was certain that I had disclosed these things to myself by means of an understanding drawn from unbiased anatomical and physiological experimentation.

[ 25 ] For the mood which depressed my soul by reason of this isolation in my perceptions I found an inner release only when I read over and over the conversation which Goethe had with Schiller as the two went away from a meeting of the Society for Scientific Research in Jena. They were both agreed in the view that nature should not be observed in such piece-meal fashion as had been done in the paper of the botanist Batsch which they had heard read. And Goethe with a few strokes drew before Schiller's eyes his “archetypal plant.” This through a sensible-supersensible form represents the plant as a whole out of which leaf, blossom, etc., reproducing the whole in detail, shape themselves. Schiller, because he had not yet overcome his Kantian point of view, could see in this “whole” only an “idea” which human understanding formed through observation of the details. Goethe would not allow this to pass. He saw spiritually the whole as he saw with his senses the group of details, and he admitted no difference in principle between the spiritual and the sensible perception, but only a transition from the one to the other. To him it was clear that both had the right to a place in the reality of experience. Schiller, however, did not cease to maintain that the archetypal plant was no experience, but an idea. Then Goethe replied, in his way of thinking, that in this case he perceived his ideas with his eyes. [ 26 ] There was for me a rest after a long struggle in my mind, in that which came to me out of the understanding of these words of Goethe, to which I believed I had penetrated Goethe's perception of nature revealed itself before my mind as a spiritual perception.

[ 27 ] Now, by reason of an inner necessity, I had to strive to work in detail through all of Goethe's scientific writings. At first I did not think of undertaking an interpretation of these writings, such as I soon afterward published in an introduction to them in Kürschner's Deutsche National Literatur. I thought much more of setting forth independently some field or other of natural science in the way in which this science now hovered before me as “spiritual.” [ 28 ] My external life was at that time not so ordered that I could accomplish this. I had to do tutoring in the most diverse subjects. The “pedagogical” situations through which I had to find my way were complex enough. For example, there appeared in Vienna a Prussian officer who for some reason or other had been forced to leave the German military service. He wished to prepare himself to enter the Austrian army as an officer of engineers. Through a peculiar course of fate I became his teacher in mathematics and physical-scientific subjects. I found in this teaching the deepest satisfaction; for my “scholar” was an extraordinarily lovable man who formed a human relationship with me when we had put behind us the mathematical and scientific developments he needed for his preparation. In other cases also, as in those of students who had completed their work and who were preparing for doctoral examinations, I had to give the instruction, especially in mathematics and the physical sciences.

[ 29 ] Because of this necessity of working again and again through the physical sciences of that time, I had ample opportunity of immersing myself in the contemporary views in these fields. In teaching I could give out only these views; what was most important to me in relation to the knowledge of nature I had still to carry locked up within myself.

[ 30 ] My activity as a tutor, which afforded me at that time the sole means of a livelihood, preserved me from one-sidedness. I had to learn many things from the foundation up in order to be able to teach them. Thus I found my way into the “mysteries” of book-keeping, for I found opportunity to give instruction even in this subject.

[ 31 ] Moreover, in the matter of pedagogical thought, there came to me from Schröer the most fruitful stimulus. He had worked for years as director of the Evangelical schools in Vienna, and he had set forth his experiences in the charming little book, Unterrichtsfrage.5Questions on Teaching. What I read in this could then be discussed with him. In regard to education and instruction, he spoke often against the mere imparting of information, and in favour of the evolution of the full and entire human being.