The Origin and Purpose of Humanity
Basic Concepts of Spiritual Science
GA 53
29 September 1904, Berlin
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The Origin and Purpose of Humanity, tr. SOL
1. Was Findet der moderne Mensch in der Theosophie?
1. What Does the Modern Person Find in Theosophy?
[ 1 ] In diesem Vortrag will ich einerseits das Verhältnis der theosophischen Bewegung zu den großen Kulturströmungen in der Gegenwart entwickeln, und auf der anderen Seite möchte ich in den Vorträgen, welche den Titel tragen: «Die Grundbegriffe der Theosophie», ein Bild der theosophischen Weltanschauung selbst entwerfen. Ich bitte Sie daher, den heutigen Vortrag durchaus als einen einleitenden zu betrachten und als einen solchen hinzunehmen.
[ 1 ] In this lecture, I intend, on the one hand, to explore the relationship between the Theosophical Movement and the major cultural currents of the present day; and, on the other hand, in the lectures bearing the title “The Basic Concepts of Theosophy,” I wish to outline the Theosophical worldview itself. I therefore ask you to regard today’s lecture as an introductory one and to accept it as such.
[ 2 ] Das, was mir heute obliegen wird zu besprechen, soll die Frage sein, was eigentlich die gegenwärtigen Menschen innerhalb der theosophischen Bewegung finden, welche Bedürfnisse des gegenwärtigen Menschen innerhalb der theosophischen Bewegung ihre Befriedigung finden können. Und auf diese Weise will ich der anderen Frage nähertreten: Warum haben wir in der Gegenwart so etwas wie eine theosophische Bewegung? - Auch der Frage möchte ich ein wenig nähertreten, warum dasjenige, was die Theosophie eigentlich will, was sie anstrebt, von so vielen Seiten mißverstanden und verkannt wird.
[ 2 ] The topic I will be discussing today is what people today actually find within the Theosophical Movement, and which of their needs can be met within it. And in this way, I would like to approach the other question: Why do we have something like a Theosophical Movement today? — I would also like to explore a little more closely the question of why what Theosophy actually wants, what it strives for, is misunderstood and misjudged from so many sides.
[ 3 ] Wer die theosophische Bewegung in ihrem ganzen Wesen verstehen will, der muß sich vor allen Dingen darüber klar sein, welche Aufgabe sie in der Gegenwart zu erfüllen hat. Er muß sich auch darüber klar sein, zu wem sie sprechen will in der Gegenwart. Was ist denn eigentlich der gegenwärtige Mensch, von dem heute die Rede sein soll? Unter diesem gegenwärtigen Menschen wäre zu verstehen derjenige, der sich mit den die Gegenwart beschäftigenden Fragen bekannt gemacht hat, der also nicht nur im Alltäglichen lebt, sondern sich auch mit den Kulturaufgaben unserer Zeit befaßt hat und damit bekannt ist, dem die Fragen, welche die Kultur uns stellt, selbst Herzens- und Geistbedürfnisse sind; kurz, den Menschen möchte ich darunter verstehen, welcher bemüht ist, mit den Bildungs- und Erkenntnisfragen unserer Zeit sich auseinanderzusetzen. Ich möchte für ihn einmal die Frage aufwerfen und skizzenhaft zur Beantwortung bringen: Was findet er in der theosophischen Bewegung? Ist überhaupt innerhalb der Theosophie irgend etwas zu finden, was er notwendig braucht?
[ 3 ] Anyone who wishes to understand the Theosophical Movement in its entirety must, above all, be clear about the task it is called upon to fulfill in the present. They must also be clear about whom it seeks to address in the present. What, then, is the modern human being we are to discuss today? By this modern human being, we mean one who has familiarized themselves with the issues of our time—that is, someone who does not merely live in the everyday, but has also engaged with the cultural challenges of our age and is acquainted with them; for whom the questions that culture poses to us are themselves needs of the heart and mind; in short, by this I mean the person who strives to engage with the educational and intellectual questions of our time. I would like to pose the question for him and sketch out an answer: What does he find in the Theosophical Movement? Is there anything at all to be found within Theosophy that he truly needs?
[ 4 ] Wir müssen da zurückblicken in die Zeit, in welcher die theosophische Bewegung in die Welt getreten ist, wenn wir ihre Aufgabe verstehen wollen. Wir müssen uns klarmachen, daß diese Bewegung drei Jahrzehnte alt ist und daß sie, als sie vor nicht ganz dreißig Jahren in die Welt trat, eine Gestalt annahm, welche ausgedrückt war durch die Zeitverhältnisse. Wer verstehen will, warum sie diese Gestalt angenommen hat, der muß sich die Entwickelung des Bildungs- und Unterrichtswesens der letzten Jahre vor die Seele rükken. Wir stehen ja noch in den Strömungen, welche das 19. Jahrhundert gezeitigt hat, und diejenigen, welche die theosophische Bewegung ins Leben gerufen haben, glaubten damit, der Welt etwas zu geben, was diese braucht. Und die, welche heute Theosophie lehren, glauben, daß sie auch etwas ist, was in die Zukunft hineinführt.
[ 4 ] We must look back to the time when the Theosophical Movement first emerged if we are to understand its mission. We must realize that this movement is three decades old and that, when it first emerged just under thirty years ago, it took on a form that was shaped by the circumstances of the time. Anyone who wishes to understand why it took this form must bring to mind the development of the educational system in recent years. We are, after all, still caught up in the currents that the 19th century brought forth, and those who founded the Theosophical Movement believed they were thereby giving the world something it needed. And those who teach Theosophy today believe that it is also something that leads into the future.
[ 5 ] Es ist heute fast zur Phrase geworden, und doch ist es wahr: Was in die Seelen unserer Zeitgenossen sich eingelebt hat, hat in viele der Zeitgenossen einen Riß, einen Zwiespalt zwischen Wissen und Glauben, zwischen Erkenntnis und Religion gebracht, der sich in einer Sehnsucht des Herzens ausdrückt. Dieser Zwiespalt ist bezeichnend für die letzte Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er bedeutet nicht nur für einige Menschen, sondern für einen großen Teil der Menschen überhaupt das, was die Menschheit trennt und was einen Widerspruch in der einzelnen Menschenseele hervorruft. Die Wissenschaft war, bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts herauf, zu einer Höhe gekommen, die in der Tat für den, der die Jahrhunderte überblickt, bewundernswert ist. Diese Wissenschaft ist ja etwas, was das 19. Jahrhundert mit gerechtem Stolz erfüllt. Sie ist das große Erbe, das das 19. Jahrhundert allen Kommenden zu übergeben in der Lage ist. Aber diese Wissenschaft hat zu gleicher Zeit alte Überlieferungen scheinbar über den Haufen geworfen. Sie hat scheinbar eine Störung in das hineingebracht, was als alte Glaubensinhalte in früherer Zeit den Seelen so große Dienste geleistet hat. Vor allem waren es diejenigen, die tiefer in die Wissenschaft hineingeblickt hatten, die nicht mehr glaubten, die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit dem, was ihnen die Religion geboten hatte, in Einklang bringen zu können, Die Besten glaubten, daß ein ganz neues Bekenntnis Platz greifen müsse und daß es an die Stelle dessen treten müsse, was Jahrhunderte hindurch der Glaubensinhalt der Menschen gewesen ist. So sehen wir, daß eine wahre Revolution im Denken der Menschen nach und nach hereingebrochen ist. Wir sehen, daß sogar die Frage gestellt worden ist, ob es überhaupt noch möglich sei, daß der Mensch Christ sein könne; ob es noch möglich sei, festzuhalten an den Ideen, die den Trost im Sterben gegeben haben und die dem Menschen so lange Zeit gezeigt haben, wie er seine Bestimmung, die über den Tod, über das Endliche hinausreichen sollte, aufzufassen hat. Die große Frage des «Woher» und «Wohin» sollte in einer neuen, von der Wissenschaft beleuchteten Weise gelehrt werden. Von einem «neuen Glauben» sprach man, und man meinte, daß er im Gegensatz zu dem alten stehen müsse. Man glaubte nicht mehr, daß man aus den alten Religionsbüchern sich ein Weltbild bilden könne. Ja, es waren nicht wenige, welche sagten, dort seien kindliche Vorstellungen wiedergegeben, welche nur möglich seien im Kindheitsalter der Menschheit; jetzt aber, wo wir männlich geworden seien, müsse man auch männliche Anschauungen haben. Viele sagten auch, sie wollten bei den alten Glaubensvorstellungen bleiben, sie wollten sich nicht bekehren zu dem radikalen Standpunkt der neuen.
[ 5 ] It has almost become a cliché today, and yet it is true: what has taken root in the souls of our contemporaries has created in many of them a rift, a conflict between knowledge and faith, between reason and religion, which finds expression in a longing of the heart. This conflict is characteristic of the latter half of the 19th century. It signifies, not only for some people but for a large portion of humanity in general, that which divides humanity and which gives rise to a contradiction within the individual human soul. By the last third of the 19th century, science had reached a height that is indeed admirable to anyone surveying the centuries. This science is, after all, something that fills the 19th century with justifiable pride. It is the great legacy that the 19th century is able to pass on to all who come after. But at the same time, this science has seemingly cast aside old traditions. It has seemingly introduced a disruption into what, as the old tenets of faith in earlier times, had served the souls so well. Above all, it was those who had looked more deeply into science who no longer believed they could reconcile scientific findings with what religion had offered them. The best among them believed that an entirely new creed must take hold and that it must replace what had been the content of people’s faith for centuries. Thus we see that a true revolution in human thinking has gradually taken hold. We see that the question has even been raised as to whether it is still possible at all for a person to be a Christian; whether it is still possible to hold fast to the ideas that have provided comfort in death and that have so long shown humanity how to understand its destiny, which is meant to extend beyond death and the finite. The great questions of “Where from” and “Where to” were to be taught in a new way, illuminated by science. People spoke of a “new faith,” and they believed that it must stand in contrast to the old one. They no longer believed that one could form a worldview from the old religious texts. Indeed, there were quite a few who said that these books contained childish notions, which were only possible in the childhood of humanity; but now that we had become adults, we must also have adult views. Many also said they wanted to stick to the old beliefs; they did not want to convert to the radical standpoint of the new.
[ 6 ] Aber nicht von diesen vielen hängt der Gang der Geistesentwickelung in der Menschheit ab. Immer waren es wenige, immer waren es diejenigen, welche auf der Höhe ihrer Zeit gestanden haben, welche den Grundton angegeben haben für die Entwickelung in die Zukunft hinein. So kam es, daß die, welche nichts wissen wollten von dem «neuen Glauben», auch meinten, sich nicht bekümmern zu brauchen um den Zwiespalt zwischen Glauben und Wissen; aber man konnte sich auch denken und sagen, daß das in der Zukunft anders sein wird. David Friedrich Strauß hat ja damals sein neues Glaubensbekenntnis aufgestellt, daß es nichts in der Welt gebe als das, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt, und daß der Mensch seine Aufgabe hier auf Erden erschöpfen müsse. Man kann sehen, daß in der Gegenwart vielen der Trost der Glaubensvorstellungen erstirbt, und man kann annehmen, daß unsere Kinder und Kindeskinder nichts mehr davon haben werden. Daher mögen diejenigen mit Bangigkeit in die Welt gesehen haben, welche glaubten, daß die Seligkeit von diesen Glaubensvorstellungen abhänge. Die Besten waren es.
[ 6 ] But the course of spiritual development in humanity does not depend on these many people. It has always been a few, always those who stood at the forefront of their time, who set the tone for future development. Thus it came to pass that those who wanted nothing to do with the “new faith” also believed they need not concern themselves with the conflict between faith and knowledge; but one could also imagine and say that things would be different in the future. David Friedrich Strauss, after all, formulated his new creed at that time, asserting that there is nothing in the world beyond what takes place between birth and death, and that human beings must fulfill their purpose here on earth. One can see that in the present day the comfort of religious beliefs is fading for many, and one may assume that our children and our children’s children will derive no benefit from them anymore. Hence, those who believed that salvation depended on these religious beliefs may have looked upon the world with trepidation. They were the best among us.
[ 7 ] Das 19. Jahrhundert hat ja auch nur die Früchte gezeitigt von dem, was im vorhergegangenen Jahrhundert gesät wurde, Das hat sich alles vorbereitet in den früheren Jahrhunderten. Das ist vor allem zuzuschreiben denen, die die Erweiterung des menschlichen Gesichtskreises von der Mitte des 15. bis ins 16. Jahrhundert erstrebten, und vor allem auch der Popularisierung der Bildung. Blicken Sie zurück, dann werden Sie sehen, daß sich für den Menschen in den verflossenen Jahrhunderten das Religiöse ganz anders gestaltet hat. Das Weltbild wurde scheinbar vollständig geändert. Nur dadurch haben die Menschen sich über etwas falsche Begriffe gemacht, daß grundsätzlich das Denken verschieden ist von dem, was man vor Jahrhunderten dachte.
[ 7 ] The 19th century was, after all, merely the fruit of what had been sown in the preceding century; all of this had been laid the groundwork for in earlier centuries. This is primarily attributable to those who sought to broaden the human horizon from the mid-15th to the 16th century, and above all to the popularization of education. If you look back, you will see that religion took on a very different form for people in past centuries. The worldview has seemingly been completely transformed. It is only because of this that people have formed somewhat mistaken notions, believing that thinking is fundamentally different from what it was centuries ago.
[ 8 ] Versetzen Sie sich in das Zeitalter, wo die große Masse gegenüberstand einigen wenigen: Die Priesterschaft war die Kaste, welche das Wissen hatte. In dieser Kaste gab es einen Zwiespalt zwischen Glauben und Wissen nicht. Was man sah und greifen konnte, stand mit dem in Einklang, was man Glaubensvorstellungen nannte. Was erforscht wurde mit den Instrumenten der Wissenschaft, mit den Sinnen und mit demjenigen, was den Sinnen als Hilfsmittel zur Verfügung steht, das war ein Unterbau für das, was durch die Weite des sinnlichen Blickes gewonnen worden war. Darauf bauten sich auf, als die Spitze, die Vorstellung von Gott, die Vorstellung von der Weltschöpfung und die Vorstellungen von der Bestimmung der Menschenseele. Nirgends war da ein Zwiespalt. Der mittelalterliche Mensch arbeitete sechs Wochentage hindurch, und am Sonntag ging er in die Kirche. Da hörte er, wie das, was er wochentags arbeitete, zwar eine zeitliche Bedeutung hat, daß es aber anderseits auch eine ewige Bedeutung hat; er hörte, wie es sich einfügt in den großen Weltengang. So wußte der Mensch, daß das Kleinste, was er tat, eine Bedeutung hatte, die hineinreicht in alle Zeiten,
[ 8 ] Imagine a time when the vast majority stood in contrast to a select few: the priesthood was the caste that possessed knowledge. Within this caste, there was no conflict between faith and knowledge. What one could see and touch was in harmony with what was called religious belief. What was explored using the tools of science, the senses, and whatever aids were available to the senses served as a foundation for what had been gained through the breadth of sensory perception. Built upon this, as the pinnacle, were the concept of God, the concept of the creation of the world, and the concepts of the destiny of the human soul. There was no conflict whatsoever. Medieval people worked six days a week, and on Sunday they went to church. There they heard how what they did during the week, while having temporal significance, also had eternal significance; they heard how it fit into the great course of the world. Thus people knew that the smallest thing they did had a significance that reached into all time,
[ 9 ] Das Bewußtsein, daß das, was der Mensch tut, auf alle Menschen und alle Zeiten wirkt, ist aber gerade denjenigen, welche die Träger der Bildung waren in den letzten Jahrhunderten und am bedeutsamsten im 19. Jahrhundert, verlorengegangen. Weltbilder hatten sich die Menschen entworfen auf ganz andere Art als früher. Die Astronomie hatte ihnen gezeigt, wie man sich Weltbilder zusammenstellen kann aus der bloßen sinnlichen Beobachtung. Kopernikus hat die Menschen gelehrt, hinauszublicken in die Welten und sich ein Weltenbild zu schaffen, welches aber den Menschen selbst nicht enthält. Blicken Sie zurück in die alten Weltbilder: Da hatte der Mensch eine Rolle darin, er hatte einen Platz darin. Nun aber hatte er ein System von Sternen vor sich, das gewonnen war mit den Mitteln der Wissenschaft. Aber dieses enthielt die Erde nur als ein kleines Wesen. Sie erschien wie ein Staubkorn unter jener Sonne, welche eine ist unter unzähligen Sonnen.
[ 9 ] The awareness that what humans do has an impact on all people and all times has, however, been lost precisely among those who were the bearers of education in recent centuries—and most significantly in the 19th century. People had conceived of worldviews in a manner quite different from the past. Astronomy had shown them how to construct worldviews based solely on sensory observation. Copernicus taught people to look out into the worlds and create a worldview for themselves, one that, however, did not include humanity itself. Look back at the old worldviews: there, humanity had a role to play; it had a place within them. Now, however, they faced a system of stars that had been discovered through the means of science. But this system included the Earth only as a tiny entity. It appeared like a speck of dust beneath that sun, which is one among countless suns.
[ 10 ] Unter dem Eindruck von allem diesem war es unmöglich, die Frage zu beantworten: Was soll der Mensch, dieser kleine Bewohner der Erde, auf diesem Staubkorn im Weltenall? Und die Wissenschaft hatte daher die Welt des Lebens zu untersuchen. Sie untersuchte die pflanzlichen, die menschlichen und die tierischen Körper in ihrer Zusammensetzung — die kleinsten Lebewesen mit dem Mikroskop — und fand, daß sie aus kleinsten Gebilden, die man Zellen nennt, aufgebaut sind. Wieder war man einen Schritt vorwärtsgekommen in der sinnlichen Erkenntnis, aber wieder war nur etwas begriffen, was eine sinnliche Anschauung war, etwas, was dem Sinnlichen das physische Dasein erklärlicher machte. Aber wiederum ist etwas ausgeschaltet worden, wonach der Mensch am intimsten fragen muß, nämlich was die Seele und ihre Bestimmung ausmacht. Nicht konnte man die neue Lehre befragen, woher die Seele kam und wohin die Seele geht. — Wir kommen dann dahin, zu sehen, wie man von den alten Weltbildern abkam und die Frage mit den Mitteln der Wissenschaft beantwortet wurde.
[ 10 ] Faced with all of this, it was impossible to answer the question: What is the purpose of humankind, this tiny inhabitant of Earth, on this speck of dust in the vastness of the universe? And so science set out to investigate the world of life. It examined the composition of plant, human, and animal bodies—the smallest living beings under the microscope—and found that they are made up of minute structures called cells. Once again, a step forward had been taken in sensory knowledge, but once again, only something had been grasped that was a sensory perception, something that made physical existence more comprehensible to the senses. But once again, something had been excluded that humanity must most intimately inquire about, namely what constitutes the soul and its purpose. The new doctrine could not be asked where the soul came from and where the soul goes. — We then come to see how people moved away from the old worldviews and how the question was answered using the methods of science.
[ 11 ] In der Geologie hat man den sinnlichen Ursprung des Menschen erforscht. Die verschiedenen Schichten, die es auf unserer Erde gibt, wurden bekannt. Früher hatte man davon gesprochen, daß die Erde durch gewaltige Revolutionen sich herausgebildet und verschiedene Zustände durchgemacht hat; Zustände ganz bedeutsamer Art, so daß man nur sich vorstellen konnte, daß geistige Mächte das allmählich herbeigeführt haben, was wir heute kennen. Heute glaubt man, daß dieselben Kräfte, die heute noch an der Erde bauen, auch in alter Vergangenheit daran gebaut haben. Wir sehen, daß der Fluß vom Berge herabläuft und Geröll mitnimmt und dadurch Land und Ebene schafft. Wir sehen, daß der Wind Sand über weite Flächen trägt und ganze Strecken mit Sand bedeckt. Wir sehen, wie durch solche Einflüsse das Klima und ganz allmählich die Erdoberfläche verändert wird. Und nun sagen die Geologen: so wie die Erde heute verändert wird, so wurde sie auch früher verändert; und so begreift man dann auch, wie allmählich die Erde sich gebildet hat. Alles dasjenige, was für physische Instrumente, für die Berechnung und für die menschlichen Sinne nicht Wahrnehmung ist, das war ausgeschaltet für die Erderklärung. Man untersuchte die verschiedenen Schichten der Erde und fand, daß sich nicht nur dasjenige darin findet, was an leblosen Produkten sich abgelagert hat; man fand auch Wesen, die vor Jahrmillionen auf unserer Erde gelebt haben. In den unteren Schichten fand man die unvollkommensten Wesen, mehr oben fand man vollkommenere Wesen und noch weiter oben, fast zuletzt, die Schichten, in denen der Mensch auftritt. Der Mensch tritt erst in verhältnismäßig jungen Perioden der Erdbildung auf. Wenn wir dieses Bild, das ich eben entworfen habe, anwenden, wenn wir bei diesem Bilde blieben, so könnte man sich nichts anderes vorstellen, als daß der Mensch sich von unten hinauf entwikkelt hat, daß er nur einen kleinen Ruck gemacht hat und vorher nichts anderes war als ein tierisches Wesen höherer Art.
[ 11 ] Geology has explored the physical origins of humankind. The various geological strata found on our Earth have been identified. In the past, it was said that the Earth had formed through violent upheavals and had undergone various states; states of such significance that one could only imagine that spiritual forces had gradually brought about what we know today. Today, it is believed that the same forces that are still shaping the Earth today also shaped it in the distant past. We see that the river flows down from the mountains, carrying away debris and thereby creating land and plains. We see that the wind carries sand over vast areas and covers entire stretches with sand. We see how, through such influences, the climate and, very gradually, the Earth’s surface are altered. And now geologists say: just as the Earth is being altered today, so was it altered in the past; and thus one also comes to understand how gradually the Earth was formed. Everything that is imperceptible to physical instruments, to calculation, and to the human senses was excluded from the explanation of the Earth. The various layers of the Earth were examined, and it was found that they contain not only the lifeless products that have been deposited there; living beings that lived on our Earth millions of years ago were also found. In the lower layers, the most primitive beings were found; higher up, more advanced beings were found; and even higher, almost at the very top, the layers in which human beings appear. Human beings first appear in relatively recent periods of Earth’s formation. If we apply this picture I have just sketched, if we were to stick to this image, one could imagine nothing other than that human beings have developed from the bottom up, that they have merely taken a small leap forward and were previously nothing other than animal beings of a higher order.
[ 12 ] Es kam nun das, was wir den Darwinismus nennen, der sagt, daß alles, was auf der Erde lebt, miteinander verwandt ist, daß Vollkommenes aus Unvollkommenem sich entwikkelt und daß diese Entwickelung auf gewissen Gesetzen beruht, welche sich innerhalb des sinnlichen Daseins ausleben. Das Schlagwort vom «Kampf ums Dasein» kam auf. Man sagte sich, jedes Tier und jede Pflanze ist veränderlich. Sie können sich in dieser oder jener Weise entwickeln, je nachdem die Wesen den äußeren Lebensbedingungen angepaßt oder nicht angepaßt sind. Diejenigen Wesen werden sich am besten entfalten und erhalten, welche am besten den Lebensbedingungen angepaßt sind. Man konnte aber nicht feststellen, warum die Lebensbedingungen bei dem einen besser sind als bei dem anderen. Man war auf den Zufall angewiesen. Das Wesen, das zufällig das bessere war, hatte das Fortleben, das weniger gut entwickelte ging zugrunde in dem Kampf aller gegen alle.
[ 12 ] Then came what we call Darwinism, which states that everything living on Earth is related, that perfection develops from imperfection, and that this development is based on certain laws that play out within the realm of sensory existence. The catchphrase “struggle for existence” emerged. It was said that every animal and every plant is mutable. They can develop in this or that way, depending on whether the beings are adapted to external living conditions or not. Those beings that are best adapted to living conditions will develop and survive best. However, it was impossible to determine why the conditions of life were better for one than for another. One was at the mercy of chance. The being that happened to be the better one survived, while the less well-developed one perished in the struggle of all against all.
[ 13 ] So haben wir ein astronomisches Bild, und ein Bild, das uns die Wissenschaft von dem Leben entworfen hat. Aber der Mensch fehlt in demselben und vor allem fehlt das, was man vorher die göttliche Bestimmung nannte. Es fehlt das, was man den göttlichen Ursprung und das göttliche Ziel nennt. Bezeichnend ist das Wort, welches ein großer Naturforscher, der am meisten beigetragen hat zu dem Entwurfe eines großen Weltgebäudes, einmal aussprach: Als Laplace Napoleon I. gegenüberstand und ihm das Bild von Sonne und Planeten auseinandersetzte, da sagte Napoleon: Aber in einem solchen Weltbilde finde ich nichts von einem Gott. — Darauf erwiderte Laplace: Ich habe eine solche Hypothese nicht nötig. — Das astronomische Weltbild hatte die Hypothese eines geistig schaffenden Wesens, eines Gottes nicht nötig. Und ebenso verhalten sich die anderen Wissenschaften. Ist in ihrem Lebensbild etwas enthalten von geistig-schaffenden Kräften? Nirgends ist so etwas in dem Bilde enthalten, das die Wissenschaft entworfen hat und mit Recht entworfen hat. Suchen wir dafür eine Erklärung, so finden wir, daß der Mensch mit seinen geistigen Eigenschaften eine Art von Waisenkind ist. Die Wissenschaft hat zwar begeisterte Worte gefunden, wie wunderbar die Kräfte sind, die die Sterne lenken, wie wunderbar die Kräfte sind, die das Leben bis zum Menschen entwickelt haben. Wir sehen aber, daß die Wissenschaft in dem ganz erhabenen Bilde nichts mehr hat von den Vorstellungen, die den Menschen so viele Jahrhunderte hindurch so wertvoll waren. Und von wem hätte der Mensch die Beantwortung der Fragen: Woher komme ich? - Wohin gehe ich? — verlangen können, wenn nicht von der Wissenschaft? Immer ist die Beantwortung dieser Fragen aus der Wissenschaft gegeben worden.
[ 13 ] Thus we have an astronomical picture, and a picture that science has sketched out for us of life. But humanity is missing from it, and above all, what was previously called divine destiny is missing. What is missing is what is called the divine origin and the divine goal. Significant is the remark once made by a great natural scientist who contributed most to the design of a grand cosmic structure: When Laplace stood before Napoleon I and explained to him the picture of the sun and the planets, Napoleon said: “But in such a picture of the world I find nothing of a God.” — To which Laplace replied: “I have no need of such a hypothesis.” — The astronomical world picture had no need of the hypothesis of a spiritually creative being, of a God. And the other sciences behave in the same way. Is there anything in their picture of life that contains spiritually creative forces? Nowhere is such a thing contained in the picture that science has drawn up—and rightly so. If we seek an explanation for this, we find that humanity, with its spiritual qualities, is a kind of orphan. Science has indeed found enthusiastic words to describe how wonderful the forces are that guide the stars, how wonderful the forces are that have developed life up to the point of humanity. But we see that in this entirely sublime picture, science no longer contains any of the ideas that were so precious to humanity for so many centuries. And from whom could humanity have demanded answers to the questions: Where do I come from? — Where am I going? — if not from science? The answers to these questions have always been provided by science.
[ 14 ] Gehen Sie in die ersten Jahrhunderte des Christentums zurück, nehmen Sie Origenes und die anderen ersten Kirchenlehrer: Da werden Sie finden, daß bei denen nicht bloß Glaube, nicht bloß Ahnen und Meinen galt, sondern daß das Männer waren, welche die ganze Bildung ihrer Zeit innehatten, Männer, welche das Weltliche weltlich beantworteten, aber zu gleicher Zeit auch hinaufzusteigen vermochten zum Geistigen; welche das Geistige im Einklang mit der Wissenschaft ihrer Zeit beantworteten. Den Zwiespalt zwischen Wissenschaft und Glauben kennt erst das letzte Jahrhundert. Gelöst muß dieser Zwiespalt aber werden. Der Mensch kann ihn nicht ertragen: Glauben auf der einen, Wissen auf der anderen Seite.
[ 14 ] Go back to the early centuries of Christianity; consider Origen and the other early Church Fathers: There you will find that for them it was not merely a matter of faith, not merely of conjecture and opinion, but that these were men who possessed the full education of their time, men who addressed worldly matters in a worldly manner, yet at the same time were also able to ascend to the spiritual; who addressed the spiritual in harmony with the science of their time. The conflict between science and faith is a phenomenon of the last century. But this conflict must be resolved. Humanity cannot endure it: faith on one side, knowledge on the other.
[ 15 ] Die, welche keinen anderen Ausweg fanden, als gegen den alten Glauben einen neuen wissenschaftlichen Glauben zu stellen, waren trotzdem bedeutende Männer. Nicht unwissenschaftlich, nicht unreligiös können wir diese Menschen nennen, die gesagt haben: Die religiösen Ideen widersprechen unserem Wissen, und deshalb müssen wir einen neuen Glauben haben. — Da sehen wir das sich entwickeln, was wir den wissenschaftlichen Materialismus nennen können, der den Menschen betrachtet als ein höher geartetes Tier, als ein Glied der physisch-natürlichen Schöpfung, als ein kleines unbedeutendes Wesen, als ein Staubkorn. Dieses Wesen haben Sie vor sich in dem, was die Freidenker und diejenigen ausgebildet haben, die in dem Sinne die verschiedenen Welträtsel zu lösen versuchen, wie Sie das in dem aufsehenerregenden Buche von Haeckel über die Lebenswunder sehen können. Da sehen Sie ein aus der Wissenschaft herausgeborenes Bild, das nicht imstande ist, den Einklang herzustellen mit den Anschauungen der früheren Jahrhunderte.
[ 15 ] Those who saw no other way out than to oppose the old faith with a new scientific faith were, nonetheless, significant figures. We cannot call these people unscientific or irreligious; they said: Religious ideas contradict our knowledge, and therefore we must have a new faith. — Here we see the development of what we might call scientific materialism, which regards human beings as a higher form of animal, as a link in the physical-natural chain of creation, as a small, insignificant being, as a speck of dust. You have this being before you in what the freethinkers and those who attempt to solve the various mysteries of the world in this sense have developed, as you can see in Haeckel’s sensational book on the wonders of life. There you see an image born of science that is incapable of harmonizing with the views of earlier centuries.
[ 16 ] Das war die Lage am Ende des 19. Jahrhunderts, das war das einzige, was das 19. Jahrhundert als Vermächtnis an das 20. Jahrhundert hätte geben können, wenn nicht ein anderer Einschlag gekommen wäre. Dieser Einschlag hat sich vorbereitet und ist dann in der theosophischen Bewegung als Frucht zur Welt gekommen. Vorbereitet hat sich dasjenige, was wir in der theosophischen Bewegung als das eigentliche Wesentliche erkennen, dadurch, daß man auf der einen Seite die wahre physische Gestalt des Weltengebäudes und der Lebensentwickelung kennenlernte, da man nicht ausreichte mit den alten Glaubensvorstellungen, und vorbereitet auf der anderen Seite dadurch, daß man die geistige Entwickelung selbst einem Studium unterwarf, also nicht allein die Lebensentwickelung einem Studium unterwarf, sondern auch die geistige Entwickelung selbst. So wie man die Kräfte untersuchte, aus denen sich Lebewesen und lebendige Wesen entwickelten, so untersuchte man auch die geistigen Kräfte, die geistigen Inhalte der Menschheit, wie wir sie im Laufe der geschichtlichen und auch vorgeschichtlichen Entwickelung beobachten. Man ging nicht nur auf das zurück, was sich vor den sinnlichen Augen abgespielt hat, sondern auch auf das, was die Menschen geglaubt haben. Das war klar, daß die moderne Wissenschaft etwas radikal Verschiedenes war von dem, was die alten Glaubensbekenntnisse hatten. Erst unsere Zeit der Untersuchungen machte dem Menschen die geistige Entwickelung der Menschheit klar. Uralte Glaubensvorstellungen untersuchte man nach ihrer wahren Gestalt und ihrem Gehalt, und da fand man etwas ganz Besonderes. Durch die Entzifferung der Urkunden der Ägypter, Perser, Inder, Babylonier, Assyrer wurde es uns möglich, in diese uralten Menschheitsvorstellungen einzudringen. Und so wie die Wissenschaft auf der einen Seite Licht in die Naturwissenschaft gebracht hat, so brachte jetzt die Wissenschaft Licht in das, was die Glaubensvorstellungen der Alten waren. Da sah man, daß etwas darin enthalten ist, woran man zwar in unserem Zeitalter und bei unserem freigeistigen Wesen nur wenig gedacht hat.
[ 16 ] That was the situation at the end of the 19th century; that was the only thing the 19th century could have bequeathed to the 20th century had it not been for a different development. This development had been in the making and then came to fruition in the Theosophical Movement. What we recognize as the very essence of the Theosophical Movement was prepared on the one hand by coming to know the true physical structure of the world and the development of life, since the old beliefs were no longer sufficient, and on the other hand by subjecting spiritual development itself to study—that is, not only the development of life but also spiritual development itself. Just as one investigated the forces from which living beings and living organisms developed, so too did one investigate the spiritual forces, the spiritual content of humanity, as we observe them in the course of historical and also prehistoric development. One did not merely look back at what had unfolded before the physical eyes, but also at what people had believed. It was clear that modern science was something radically different from what the ancient creeds had held. It was only through our era of research that the spiritual development of humanity became clear to people. Ancient beliefs were examined for their true form and content, and there something quite special was found. By deciphering the documents of the Egyptians, Persians, Indians, Babylonians, and Assyrians, we were able to penetrate these ancient human conceptions. And just as science has shed light on the natural sciences, so now science has shed light on what the beliefs of the ancients were. There we saw that they contain something that, in our age and with our free-thinking nature, we have given little thought to.
[ 17 ] Man hatte geglaubt, daß die Menschheit ausgegangen sei von der Unwissenheit, von gewissen mythologischen Vorstellungen, von Phantasievorstellungen, von dichterischen Vorstellungen, die man sich gebildet hatte über Gott und Seele in unvollkommener, primitiver Art und Weise. So ungefähr dachte man es sich, hätte sich die Menschheit entwickelt, vom Unvollkommenen zu dem herrlich Vollkommenen unserer Zeit. Aber man kannte die Vorstellungen der Alten nicht, und als man sie kennenlernte, da erweckten sie Erstaunen und Bewunderung, nicht nur bei dem religiösen Menschen, sondern auch bei den Forschern. Diese Bewunderung ist immer wieder und wieder ausgesprochen worden, je mehr sie untersucht wurden. Je weiter wir zurückgehen in das Leben der alten Ägypter, in das Leben der alten indischen, babylonischen und assyrischen, ja selbst chinesischen Geisteswelt, desto mehr sehen wir, daß da so erhabene Weltvorstellungen vorhanden sind, wie sie nur ein menschlicher Gedanke fassen und ein menschliches Herz fühlen kann. Da sehen wir Menschen, welche tief hineingeschaut haben, zwar nicht in das Äußere, das uns heute die Naturwissenschaft erklärt, aber in das innere Geistige. Konfuzius hat tiefe Sittenlehren gegeben und Gebote über das gesellschaftliche Zusammenleben geschaffen. Vergleichen Sie selbst, was in der gegenwärtigen Zeit Philosophen an Sittenlehren hervorgebracht haben, vergleichen Sie Herbert Spencer oder die Sittenlehre des Darwinismus, vergleichen Sie die modernen Sittenlehren mit denen des Ägyptertums, mit den Vorstellungen über die Sitten des Laotse, des Konfuzius, des Zarathustra, da müssen Sie sich sagen, daß die neuen Vorstellungen zwar unserer Zeit angemessen sind, daß wir aber bewundernd aufblicken zu den erhabenen Sittenlehren der Alten, die sich mit dem, was wir als Wissenschaft haben, nicht ermessen lassen. Max Müller sagt über die tibetanische Sittenlehre: Mag dieses Volk noch so weit von den sogenannten Kulturen unserer Zeit entfernt sein, vor der erhabenen Moral Tibets beuge ich in Ehrfurcht mein Haupt! — So ungefähr sprach der Orientalist und objektive Wissenschafter Max Müller. Nimmermehr war er imstande, daran zu glauben, daß die Menschheit von der Unwissenheit ausgegangen sei. Seine Forschungen führten ihm vielmehr das Resultat zu, das sich in die Worte zusammenfassen läßt, daß zwar diese Weisheit nicht mit dem Verstande, nicht mit den Sinnen erfaßt werden kann, daß aber die Menschheit von einer solchen Weisheit ausgegangen sein muß. Allmählich lernte der Forscher dann davon sprechen, was «Uroffenbarung», was «Urweisheit» ist. Das war das eine, die positive Seite.
[ 17 ] It had been believed that humanity had emerged from ignorance, from certain mythological concepts, from imaginings, from poetic notions that people had formed about God and the soul in an imperfect, primitive way. That was roughly how one imagined humanity had developed, from the imperfect to the magnificently perfect of our time. But one did not know the ideas of the ancients, and when one came to know them, they aroused astonishment and admiration, not only among religious people but also among researchers. This admiration has been expressed time and again, the more they were studied. The further back we go into the lives of the ancient Egyptians, into the lives of the ancient Indian, Babylonian, and Assyrian, indeed even Chinese spiritual worlds, the more we see that there exist such sublime worldviews as only a human mind can conceive and a human heart can feel. There we see people who have looked deeply into the inner spiritual realm—not into the outer world that modern science explains to us today. Confucius imparted profound moral teachings and established precepts for social coexistence. Compare for yourself what contemporary philosophers have produced in terms of moral teachings; compare Herbert Spencer or the moral teachings of Darwinism; compare modern moral teachings with those of ancient Egypt, with the conceptions of morality held by Laozi, Confucius, and Zarathustra— and you must admit that while the new ideas are indeed appropriate for our time, we look up in admiration to the sublime moral teachings of the ancients, which cannot be measured by what we call science. Max Müller says of Tibetan moral teachings: “However far this people may be removed from the so-called cultures of our time, before the sublime morality of Tibet I bow my head in reverence!” — Thus spoke the Orientalist and objective scientist Max Müller. He was never able to believe that humanity had emerged from ignorance. Rather, his research led him to the conclusion that, while this wisdom cannot be grasped by the intellect or the senses, humanity must have originated from such wisdom. Gradually, the researcher began to speak of what “primordial revelation” and “primordial wisdom” are. That was one aspect, the positive side.
[ 18 ] Die andere Seite war diejenige, welche sich die Kritik, die Untersuchung dieser Glaubensvorstellungen zur Aufgabe machte. Und da zeigte es sich dann, daß die wichtigsten Urkunden, die wichtigsten Dokumente der wissenschaftlichen Kritik nicht standhielten, wenn man sie so nimmt, wie man seit Jahrhunderten diese Dokumente zu nehmen gewohnt war. Ich will von allem übrigen absehen, auch nicht auf eine Kritik des Alten Testamentes eingehen, sondern nur mit ein paar Worten hindeuten auf das, was diese Kritik in bezug auf die Evangelien geleistet hat. In bezug auf die Evangelien, in denen man noch vor hundert Jahren mit ganz anderen Augen gelesen hatte, wurde nun von der geschichtlichen Kritik gefragt: Wann sind sie entstanden, und wie sind sie entstanden? — Und die Wissenschaft hat von der alten Autorität, welche die Evangelien besessen haben, Stück um Stück wegnehmen müssen. Sie hat gezeigt, daß sie viel später entstanden sind, als man geglaubt hatte; sie hat zeigen müssen, daß sie menschliches Werk sind und nicht den Anspruch machen können auf die Autorität, die man ihnen zugeschrieben hat.
[ 18 ] The other side was the one that made it its task to critique and examine these religious beliefs. And it then became apparent that the most important texts, the most important documents, did not stand up to scholarly criticism when taken in the way people had been accustomed to taking them for centuries. I will leave aside everything else, nor will I go into a critique of the Old Testament, but will merely point out in a few words what this critique has accomplished with regard to the Gospels. With regard to the Gospels, which a hundred years ago were read with entirely different eyes, historical criticism now asked: When were they written, and how were they written? — And scholarship has had to strip away, bit by bit, the ancient authority that the Gospels once possessed. It has shown that they were written much later than had been believed; it has had to demonstrate that they are human works and cannot lay claim to the authority that had been ascribed to them.
[ 19 ] Nehmen wir diese drei Dinge zusammen: Auf der einen Seite die fortschreitende Naturwissenschaft, auf der anderen Seite die Erkenntnis von dem wunderbaren Inhalt aller Glaubensvorstellungen des Altertums und zu gleicher Zeit die Kritik, welche unerbittlich Hand angelegt hat an das, was man früher über die Geschichte der religiösen Dokumente gedacht hat. Das brachte den Menschen in ein Fahrwasser, daß er unsicher wurde und sein Schiff kaum in der alten Weise vorwärtsbringen konnte. Derjenige, der die Wissenschaft von allen Seiten zu Rate ziehen wollte, wurde am Geiste irre. So war das Erkennen der Menschen am Ende des 19. Jahrhunderts beschaffen.
[ 19 ] Let us consider these three things together: on the one hand, the progress of the natural sciences; on the other, the realization of the marvelous content of all the religious beliefs of antiquity; and at the same time, the criticism that has relentlessly challenged what was previously thought about the history of religious texts. This led humanity into waters where it became uncertain and could scarcely steer its ship forward in the old way. Those who sought to consult science from all sides became confused in their thinking. Such was the state of human understanding at the end of the 19th century.
[ 20 ] Da kam die theosophische Bewegung, gerade in der Absicht, denjenigen etwas zu geben, welche in dieser Unsicherheit waren, denjenigen eine neue Botschaft zu bringen, welche ihre neuen Erkenntnisse mit dem alten Glauben nicht in Einklang bringen konnten. Ihnen sollte Antwort gegeben werden auf die Frage, warum dieses Evangelium einen so tiefen Gehalt hat, und warum es in einer so göttlich-erhabenen Weise seine Sittenlehre zu den Menschen sprechen läßt.
[ 20 ] Then came the Theosophical Movement, with the very intention of offering something to those who were in this state of uncertainty, of bringing a new message to those who could not reconcile their new insights with their old beliefs. They were to be given an answer to the question of why this Gospel has such profound meaning, and why it conveys its moral teachings to humanity in such a divinely sublime manner.
[ 21 ] Viel verkannt wurde gerade diese theosophische Bewegung deshalb, weil sie eine Sprache führt, welche gerade in dem letzten Jahrhundert sich entwickelt hat. In der ersten Zeit, in der die theosophische Bewegung in die Welt trat, wurde es der Welt sehr schwer, sie zu verstehen. Was gab aber die theosophische Bewegung der Menschheit? Um nur einiges zu bemerken, sei erwähnt: Aus gewissen Studien heraus erschien ein Buch, «Esoterischer Buddhismus» von Sinnett, dann ein weiteres Buch, welches «Entschleierte Isis» hieß und Helena Petrowna Blavatsky als Autor hatte. Ferner erschien ein zweibändiges Werk, die «Geheimlehre» von H. P. Blavatsky. Das waren Bücher, welche ein ganz anderes Weltbild entwarfen, als die Wissenschaft es bisher getan hatte, auch ein anderes Weltbild entwarfen, als die Weltbilder der Religionen waren. Und dieses Weltbild hatte eine Eigentümlichkeit. Gerade der wissenschaftliche Mensch, der mit gutem Willen an diese Werke herantrat, der nicht hochmütig, von vornherein absprechend und kritisierend diese Werke in die Hand nahm, der fand, daß ihm hier etwas gegeben wurde, was seinen Bedürfnissen genügen konnte. Und nicht wenige waren es, welche gleich nach dem Erscheinen der Bücher sie mit großem Interesse aufnahmen. Menschen waren es, welche wissenschaftlich zu denken verstanden, aber im Laufe der Zeit irre geworden waren gerade an den wissenschaftlichen Fortschritten, gerade an dem, was die Wissenschaft hat bieten können. Diese sahen jetzt in den neuen Werken «Esoterischer Buddhismus», «Entschleierte Isis», «Geheimlehre», etwas, was ihre tiefsten Herzensbedürfnisse, ihre tiefsten Erkenntnisbedürfnisse und ihr wissenschaftliches Gewissen befriedigte. Woher ist diese Erscheinung gekommen und wer waren die wenigen, welche eine solche Befriedigung an den neuen theosophischen Werken empfanden? Wenn wir diese wenigen verstehen wollen, dann müssen wir den weiteren Fortgang der wissenschaftlichen Entwickelung etwas näher uns ansehen.
[ 21 ] This Theosophical Movement was particularly misunderstood precisely because it uses a language that developed specifically in the last century. In the early days, when the Theosophical Movement first emerged, the world found it very difficult to understand it. But what did the Theosophical Movement offer humanity? To mention just a few things: Based on certain studies, a book titled *Esoteric Buddhism* by Sinnett was published, followed by another book titled *Isis Unveiled*, authored by Helena Petrovna Blavatsky. Furthermore, a two-volume work was published, *The Secret Doctrine* by H. P. Blavatsky. These were books that presented a worldview entirely different from what science had offered up to that point, and also different from the worldviews of the religions. And this worldview had a distinctive feature. It was precisely the scientific mind—one who approached these works with good will, who did not take them in hand with arrogance, dismissing and criticizing them from the outset—who found that here was something given to them that could satisfy their needs. And there were not a few who, immediately upon the books’ publication, received them with great interest. These were people who understood how to think scientifically, but who, over time, had become disillusioned precisely by scientific progress, precisely by what science had to offer. They now saw in the new works *Esoteric Buddhism*, *Isis Unveiled*, “The Secret Doctrine,” something that satisfied their deepest heart’s needs, their deepest need for knowledge, and their scientific conscience. Where did this phenomenon come from, and who were the few who found such satisfaction in the new theosophical works? If we wish to understand these few, we must take a closer look at the further course of scientific development.
[ 22 ] Die Wissenschaft hatte ein astronomisches Weltbild entworfen, ein Bild von dem Leben auf der Erde bis zum Begreifen des physischen Menschen. Zu gleicher Zeit hatte sie die Methode ausgearbeitet, mit all den wunderbaren Werkzeugen, welche die neuere Zeit geschaffen hat, das Physische zu erforschen. Sie hat nicht nur mit dem Mikroskop die kleinsten Lebewesen erforscht, nein, diese Wissenschaft hat mehr getan. Sie hat es fertiggebracht, den Planeten Neptun, lange bevor er gesehen wurde, auszurechnen! Die Wissenschaft ist heute auch imstande, Weltkörper zu photographieren, die wir nicht sehen können. Sie kann mit Hilfe der Spektralanalyse ein Schema des Zustandes der Himmelskörper geben, und sie hat in ungemein interessanter Weise gezeigt, wie die Weltkörper durch den Raum eilen mit einer Geschwindigkeit, von der wir vorher keine Ahnung hatten. Wenn die Weltkörper sich an uns vorbeibewegen, können wir die Bewegung sehen. Wenn sie sich aber von uns weg oder zu uns herbewegen, dann erscheinen sie ruhend. Die Wissenschaft hat es dazu gebracht, auch die Bewegung dieser Himmelskörper mit einer besonders interessanten Methode zu messen. Dies ist ein Beweis dafür, wohin uns diese Erkenntnis führen kann. Wir sind dadurch auch in die Lage versetzt, die physische Natur Stück für Stück näher zu studieren. Da hat sich etwas ergeben, was für den menschlichen Geist wichtiger noch ist als das, was er früher als neue Wissenschaft an die Stelle der alten gesetzt hatte.
[ 22 ] Science had developed an astronomical worldview, a picture of life on Earth that extended all the way to an understanding of the physical human being. At the same time, it had devised a method for exploring the physical world using all the marvelous tools that modern times have created. It has not only used the microscope to study the smallest living organisms; no, this science has done more than that. It managed to calculate the existence of the planet Neptune long before it was observed! Today, science is also capable of photographing celestial bodies that we cannot see. With the help of spectral analysis, it can provide a picture of the state of celestial bodies, and it has shown in an immensely interesting way how these bodies race through space at a speed we previously had no idea about. When celestial bodies move past us, we can see their motion. But when they move away from us or toward us, they appear to be at rest. Science has also managed to measure the motion of these celestial bodies using a particularly interesting method. This is proof of where this knowledge can lead us. It also enables us to study the physical nature more closely, piece by piece. Something has emerged that is even more important to the human mind than what it had previously substituted for the old science as a new one.
[ 23 ] In den letzten Jahren ist die Wissenschaft wieder an ihren eigenen Voraussetzungen irre geworden. Gerade dadurch, daß sie so vollkommen geworden ist, hat sie sich selbst überwunden, hat sie in einer gewissen Weise ihr eigenes Fundament untergraben. Sie sagte, der Kampf ums Dasein habe die Vollkommenheit der Lebewesen bewirkt. Nun wohl, die Naturforscher haben die Dinge untersucht, und gerade weil sie sie untersucht haben, hat es sich gezeigt, daß alle die Vorstellungen, welche sie sich gemacht hatten darüber, nicht haltbar sind. Jetzt spricht man von einer «Ohnmacht des Kampfes ums Dasein». So hat die Naturwissenschaft mit ihren eigenen Methoden ihr Erkenntnisfundament untergraben. Und so ging es Stück für Stück weiter. Und als in den letzten Jahrzehnten der Mensch immer mehr aufmerksam darauf wurde, wie er sich selbst auf unserer Erde entwickelt hat, kam man am Ende zu der Vorstellung, daß der Mensch sich aus den höherstehenden Tieren herausentwickelt habe. So kam es, daß vorsichtige und zu gleicher Zeit einsichtigere Naturforscher in den letzten Jahrzehnten dazu gekommen sind, von der Unmöglichkeit zu sprechen, die geistige Welt, die hinter unserer Sinneswelt sein muß, mit den naturwissenschaftlichen Mitteln zu begreifen. Den ersten Anstoß gab die berühmte Rede von Du Bois-Reymond in Leipzig, in der er zum Ausdruck brachte, daß die Naturwissenschaft nicht imstande sei, die wichtigsten Welträtsel zu lösen und darauf bezügliche Fragen zu beantworten. Die Wissenschaft höre da auf, wo das Fragen nach dem Ursprung des Stoffes und nach dem Ursprung des Bewußtseins beginne. Wir werden mit naturwissenschaftlichen Mitteln da nichts wissen können: «Ignorabimus». Ostwald, ein guter Schüler Haeckels, der schon auf dem Naturforscherkongreß in Lübeck von der Überwindung des wissenschaftlichen Materialismus sprach, hat in einem Vortrage bei der letzten Naturforscherversammlung offen ausgesprochen, daß die Methoden, mit denen man hinter die Welträtsel kommen wollte, als mißglückt anzusehen seien. «Naturforschung und Weltanschauung» ist der Titel des herausgekommenen Buches. Gerade die Naturwissenschaft ist es, die über sich hinaus will. Sie will über sich hinausgehen und das Weltbild in einem höheren Lichte sehen.
[ 23 ] In recent years, science has once again been led astray by its own premises. Precisely because it has become so perfect, it has surpassed itself; in a certain sense, it has undermined its own foundation. It claimed that the struggle for existence had brought about the perfection of living beings. Well then, natural scientists have investigated these matters, and precisely because they have investigated them, it has become clear that all the ideas they had formed about them are untenable. Now people speak of the “ineffectiveness of the struggle for existence.” Thus, natural science has undermined its own foundation of knowledge with its own methods. And so it went on, step by step. And as, in recent decades, humanity has become increasingly aware of how it has developed on our Earth, people eventually arrived at the idea that humanity had evolved from higher animals. Thus it came to pass that, in recent decades, cautious and at the same time more discerning natural scientists have come to speak of the impossibility of comprehending the spiritual world—which must lie behind our sensory world—by means of natural science. The initial impetus came from Du Bois-Reymond’s famous speech in Leipzig, in which he expressed the view that natural science is incapable of solving the most important mysteries of the world and answering questions pertaining to them. Science ends where the questions about the origin of matter and the origin of consciousness begin. We will not be able to know anything there by scientific means: “Ignorabimus.” Ostwald, a good student of Haeckel’s, who had already spoken of overcoming scientific materialism at the naturalists’ congress in Lübeck, openly stated in a lecture at the last naturalists’ assembly that the methods by which one sought to get to the bottom of the world’s mysteries were to be regarded as a failure. “Natural Science and Worldview” is the title of the recently published book. It is precisely natural science that seeks to transcend itself. It seeks to go beyond itself and view the world in a higher light.
[ 24 ] So wie diese Naturforscher heute vor der ganzen objektiven Forschung stehen, so standen die wenigen schon beim Beginn der theosophischen Bewegung. Das war ihnen klar: Was die Naturwissenschaft sagt, ist etwas Unzerstörbares, ist etwas, worauf wir bauen müssen. Aber zu gleicher Zeit war ihnen auch klar, daß diese Naturwissenschaft selbst zu einer Entwickelungsetappe führen muß, wo sie mit ihren Mitteln keine Antwort auf die höheren Fragen mehr geben kann. Diese Antwort fanden sie aber in den genannten theosophischen Schriften. Sie fanden sie darin, nicht durch das Bekenntnis, sondern durch die Art und Weise des Denkens und Fühlens, die sich in der theosophischen Bewegung ausspricht. Das ist die Bedeutung der theosophischen Bewegung für die heutigen Menschen, daß sie diejenigen voll befriedigen kann, welche den Einklang suchen zwischen Wissen und Glauben in der Wissenschaft, welche nicht im Kampf gegen die Wissenschaft, sondern mit der Wissenschaft sich in die Zukunft hineinleben wollen.
[ 24 ] Just as these natural scientists today stand before the entirety of objective research, so did those few stand at the very beginning of the Theosophical Movement. This was clear to them: what natural science says is something indestructible, something upon which we must build. But at the same time, it was also clear to them that natural science itself must lead to a stage of development where, with its own means, it can no longer provide answers to the higher questions. They found this answer, however, in the aforementioned theosophical writings. They found it there, not through a creed, but through the way of thinking and feeling expressed in the theosophical movement. This is the significance of the Theosophical Movement for people today: that it can fully satisfy those who seek harmony between knowledge and faith in science, who wish to move into the future not in opposition to science, but in harmony with it.
[ 25 ] Man glaubte noch vor wenigen Jahren, daß die Wissenschaft mit den alten Glaubensvorstellungen im Widerspruch stände. Von einem neuen Glauben sprach man im Gegensatz zum alten Glauben. Die theosophische Bewegung hat uns gelehrt, daß zwar die alten Zeiten sich anders ausgesprochen haben als die moderne Wissenschaft, daß aber das, was die Alten über die geistigen Kräfte gelehrt haben, über das, was nicht mit Augen zu sehen, nicht mit Ohren zu hören ist, für uns etwas ist, was das Glaubensbedürfnis ebenso wie das modernste Wissenschaftsbedürfnis befriedigen kann. Allerdings muß man mit voller Vorurteilslosigkeit, mit gutem Willen und unbefangen sich in die alten Vorstellungen vertiefen; man muß wirklich den Glauben hegen, daß je weiter man in sie eindringt, man auch immer mehr und mehr daraus gewinnen kann.
[ 25 ] Just a few years ago, it was believed that science was at odds with ancient beliefs. People spoke of a new faith in contrast to the old faith. The Theosophical Movement has taught us that, although the ancients expressed themselves differently than modern science, what they taught about spiritual forces—about that which cannot be seen with the eyes or heard with the ears—is something that can satisfy both our need for faith and the most modern scientific curiosity. However, one must delve into the ancient concepts with complete impartiality, good will, and an open mind; one must truly cherish the belief that the deeper one penetrates them, the more and more one can gain from them.
[ 26 ] Dann stellt sich etwas ein. Die Naturwissenschaft hat uns im Laufe des 19. Jahrhunderts noch etwas anderes gelehrt. Sie hat uns mit der Einrichtung unserer eigenen Sinnesorgane bekannt gemacht. Sie hat uns gezeigt, wie die Augen eingerichtet sein müssen, damit sie Licht und Farben sehen; sie hat uns gezeigt, daß das Auge ein physikalischer Apparat ist, der das, was draußen um uns herum vorgeht, umsetzt in die farbige Welt, die wir vor uns haben. Man hat gesagt, daß es von der Natur des Auges abhängt, wie auch von der Welt selbst. Denken Sie sich, die Welt wäre von nicht sehenden Wesenheiten bewohnt. Dann wäre die Welt ohne Farben! Die Sinneslehre hat das 19. Jahrhundert nach allen Seiten hin ausgebildet. Werden wir uns klar darüber, daß die Welt finster und stumm um uns wäre, wenn unsere Augen und unsere Ohren nicht wären. Wären unsere Sinne nicht, die Welt, welche wir nicht sehen und nicht hören, wäre in ihren Ursachen nicht da, die durch die Sinne auf uns wirken. Es können nicht Wirkungen da sein für einen Menschen, dem die Organe unter gewöhnlichen Umständen fehlen. Oder können nicht doch Wirkungen da sein für einen Menschen, dem die Organe unter gewöhnlichen Umständen fehlen? Das war die Frage, die von der Naturwissenschaft selbst gestellt werden mußte! Diese Frage ist echt naturwissenschaftlich.
[ 26 ] Then something occurs to us. Over the course of the 19th century, science taught us something else as well. It introduced us to the structure of our own sensory organs. It showed us how the eyes must be constructed in order to perceive light and colors; it has shown us that the eye is a physical apparatus that transforms what is happening around us into the colorful world we see before us. It has been said that this depends on the nature of the eye, as well as on the world itself. Imagine if the world were inhabited by beings that could not see. Then the world would be without colors! Sensory science developed in all directions during the 19th century. Let us realize that the world around us would be dark and silent if it were not for our eyes and ears. Were it not for our senses, the world that we do not see and do not hear would not exist in its causes, which act upon us through the senses. There cannot be effects for a person who, under normal circumstances, lacks the organs. Or can there not, after all, be effects for a person who, under normal circumstances, lacks the organs? That was the question that had to be posed by natural science itself! This question is genuinely scientific.
[ 27 ] Auch auf diesem Felde brachte die theosophische Bewegung Werke von grundlegender Bedeutung hervor. Nicht bloß lieferte sie ein Weltbild, sondern sie brachte auch Werke hervor, welche Anleitung gaben zur Bildung von höheren Organen, zur Bildung von höheren Fähigkeiten. Bildet der Mensch dann diese höheren Fähigkeiten in sich aus, dann steht er der Welt in einer neuen Weise gegenüber. Versetzen Sie sich einen Augenblick in eine dunkle Welt, in der ein helles Licht ist, und denken Sie sich, daß Sie ein Auge aufschlössen: Mit einem Schlage erfüllt sich die Welt mit einer neuen Eigenschaft! Die Welt war früher auch da, als sie dunkel war und Sie kein Licht sahen. Jetzt aber können Sie sie wahrnehmen. Könnten Sie sich höhere Organe aufschließen, dann könnten Sie erleben, daß noch höhere Welten da sind, wirksam sind, weil Sie sie jetzt wahrnehmen können.
[ 27 ] In this field, too, the Theosophical Movement produced works of fundamental importance. Not only did it provide a worldview, but it also produced works that offered guidance on the development of higher faculties and the cultivation of higher abilities. If a person then develops these higher abilities within themselves, they will view the world in a new way. Imagine for a moment a dark world in which there is a bright light, and imagine that you open one eye: in an instant, the world is filled with a new quality! The world was there before, too, when it was dark and you saw no light. But now you can perceive it. If you could open up higher faculties within yourself, you would experience that even higher worlds exist and are active, because you can now perceive them.
[ 28 ] «Licht auf den Weg» ist ein solches Werk, das ebenfalls durch die theosophische Bewegung hervorgebracht worden ist. Es ist eine Anleitung dazu, wie der Mensch sich geistige Augen und geistige Ohren heranbilden kann, um geistig zu sehen und geistig zu hören. So tritt die theosophische Bewegung mit dem Anspruch auf, in einer ganz neuen Weise die Welträtsel zu lösen. Nicht nur dadurch, daß sie dem Menschen die Fähigkeiten, die er schon hat, erschließt, sondern auch dadurch, daß sie die, welche in ihm schlummern, erweckt. Dadurch, daß wir uns in dieser Weise vervollkommnen, wie dies seit Urzeiten geschehen ist, dadurch dringen wir erst in die Geheimnisse der Welten ein und der Welten, die rings um uns sind. Dadurch erschließt sich uns das Leben, das den äußeren Sinnesorganen verborgen bleibt. Die Naturwissenschaft könnte noch so weit dringen, sie könnte ihr Herrlichstes hervorbringen, sie müßte doch zugeben, daß außerdem noch etwas vorhanden ist, was sie nicht erfassen kann. Das aber könnte die Wissenschaft die Menschheit lehren durch die Methoden, die die Theosophie ihr in die Hand gegeben hat. Weil die Menschheit zwar durch die Wissenschaft die Welt in ihren Weiten, aber niemals in ihren Tiefen erforschen konnte, daher tritt der neueren Wissenschaft die Theosophie an die Seite. Erweitert hat sich diese Wissenschaft, vertiefen aber soll die theosophische Weltbewegung diese Wissenschaft.
[ 28 ] *Light on the Path* is one such work, which was also produced by the Theosophical Movement. It is a guide on how human beings can develop spiritual eyes and spiritual ears in order to see and hear spiritually. Thus, the Theosophical Movement claims to solve the world’s mysteries in an entirely new way. Not only by unlocking the abilities that human beings already possess, but also by awakening those that lie dormant within them. It is by perfecting ourselves in this way, as has been done since time immemorial, that we first penetrate the mysteries of the worlds and of the worlds that surround us. Through this, life reveals itself to us, a life that remains hidden from the outer sense organs. No matter how far natural science might advance, no matter how magnificent its achievements, it would still have to admit that there is something else that it cannot grasp. But science could teach this to humanity through the methods that theosophy has placed in its hands. Because humanity has been able to explore the world’s vastness through science, but never its depths, theosophy now stands alongside modern science. This science has expanded, but the theosophical world movement is meant to deepen it.
[ 29 ] Jetzt wurde es klar und verständlich, warum der Mensch bewundernd stehen muß, auch als Gelehrter, vor den alten Religionsbekenntnissen. Es wurde klar, daß von jeher vollkommene neben unvollkommenen Wesen auf der Welt gelebt haben. Jetzt wurde es auch klar, warum der Offenbarungsbegriff wissenschaftlich zerstört wurde und auf der anderen Seite dem Menschen in einem schöneren Lichte wiedergegeben wurde. Klar wurde es auch, daß die Evangelien und andere alte Glaubensausdrücke nicht aus Unweisheit, sondern aus Weisheit hervorgegangen sind, daß sie aus Kräften hervorgegangen sind, die in jeder Menschenbrust ruhen und die damals schon in einzelnen entwickelt waren und offenbar machten jene Welt, welche uns die Bestimmung der Seele und die Ewigkeit des Menschenlebens zeigt. Was durch solche Geistesaugen erkannt worden war, das ist uns in den religiösen Urkunden aufbewahrt. Dasjenige, was man nicht finden kann, wenn man den Blick hinausrichtet in die Welt, das steht wirklich in diesen religiösen Urkunden.
[ 29 ] It has now become clear and understandable why human beings—even scholars—must stand in awe before the ancient religious creeds. It has become clear that perfect beings have always lived alongside imperfect ones in the world. It has also become clear why the concept of revelation was scientifically dismantled and, on the other hand, presented to humanity in a more beautiful light. It also became clear that the Gospels and other ancient expressions of faith did not arise from ignorance, but from wisdom; that they arose from forces that rest within every human heart and that were already developed in some individuals at that time, revealing that world which shows us the destiny of the soul and the eternity of human life. What was perceived through such spiritual eyes has been preserved for us in the religious texts. That which cannot be found when one looks out into the world is truly contained in these religious texts.
[ 30 ] Und jetzt begreifen wir, warum die Antwort von Laplace so lauten mußte, wie sie gelautet hat. Was hatte Laplace beobachtet? Die äußere Sinneswelt! Nicht mehr hatte er verstanden die geistige Welt, in welche die Erde eingebettet ist. Er hatte daher recht mit seiner Antwort, daß er mit seinen Instrumenten das Göttliche in der Welt nicht habe finden können. Man hatte früher gelehrt, die geistigen Sinne zu gebrauchen, um die geistige Welt zu beobachten. Das, was in den naturwissenschaftlichen Urkunden steht, das war nicht aus den Sternen geholt. Aber das, was in den biblischen Urkunden geschrieben steht, das war von denjenigen, welche mit Geistesaugen geschaut haben. Die braucht man, die Geistesaugen, um in die geistige Welt hineinzuschauen, so wie man mit den Sinnen in die Sinnenwelt hineinschaut. Mochte man irre werden an der Wissenschaft — eine sichere Stütze war nun gewonnen. Jetzt sah man die großen geistigen Zusammenhänge, die ebenso klar vor der Seele des Menschen liegen, wenn der Mensch nur sucht, die Wege dahin zu finden. Und die Wege, welche dahin gehen, sucht die theosophische Bewegung der Menschheit zu vermitteln. Nun wird man vor allen Dingen verstehen, was diese theosophische Bewegung will, und warum sie zunächst so mißverstanden worden ist. Mißverstanden mußte sie werden. Das hängt mit der Zeitentwickelung zusammen. Lassen Sie mich den tiefsten Grund des Mißverständnisses in der neuesten Wissenschaft berühren. Der «Kampf ums Dasein» habe die Menschen auf eine hohe Entwickelungsstufe gebracht, so glaubten die Menschen. Aber eigentümlich ist es, daß diese Weltanschauung schon im Anfange des 19. Jahrhunderts aufgetreten ist als Lamarckismus. Nichts wesentlich Neues lehrte Darwin. Aber erst seit Darwin hat diese Anschauung eine weitere Verbreitung gefunden. Das hängt mit den Lebensverhältnissen des 19. Jahrhunderts zusammen. Das Leben war anders geworden. Das soziale Leben war selbst ein Kampf ums Dasein geworden. Als die Darwinsche Lehre allgemeine Verbreitung fand, da war der «Kampf ums Dasein» Realität, und er ist es noch heute. Er war es damals bei der Ausrottung der Völkerstämme in Amerika und auch bei denen, die bemüht sind, äußeren Wohlstand zu erreichen: Niemand dachte etwas anderes, als wie das «Wohl» am besten zu erreichen sei. «Wenn die Rose selbst sich schmückt, so schmückt sie auch den Garten» — durch die Zufriedenheit jedes einzelnen sollte auch die Zufriedenheit aller erreicht werden.
[ 30 ] And now we understand why Laplace’s answer had to be what it was. What had Laplace observed? The external sensory world! He had not yet grasped the spiritual world in which the Earth is embedded. He was therefore correct in his answer that he had been unable to find the divine in the world with his instruments. In the past, people were taught to use their spiritual senses to observe the spiritual world. What is written in the scientific records was not plucked from the stars. But what is written in the biblical records came from those who saw with spiritual eyes. One needs these spiritual eyes to look into the spiritual world, just as one looks into the sensory world with the senses. Even if one were to be led astray by science—a sure foundation had now been gained. Now one could see the great spiritual connections that lie just as clearly before the human soul, if only one seeks to find the paths leading there. And the Theosophical Movement seeks to convey to humanity the paths that lead there. Now, above all, one will understand what this Theosophical Movement aims to do, and why it was initially so misunderstood. It was bound to be misunderstood. This is connected with the course of historical development. Let me touch upon the deepest root of the misunderstanding in modern science. People believed that the “struggle for existence” had brought humanity to a high stage of development. But it is curious that this worldview had already emerged at the beginning of the 19th century as Lamarckism. Darwin taught nothing essentially new. But it was only since Darwin that this view has gained wider acceptance. This is connected to the living conditions of the 19th century. Life had changed. Social life itself had become a struggle for existence. When Darwin’s theory became widely accepted, the “struggle for existence” was a reality, and it remains so today. It was true back then during the extermination of the indigenous tribes in America and also among those striving to achieve material prosperity: No one thought of anything other than how best to attain “well-being.” “If the rose adorns itself, it also adorns the garden”—through the satisfaction of each individual, the satisfaction of all was to be achieved.
[ 31 ] Dann kam man zu der merkwürdigen Lehre des Malthus, zu dem Malthusianismus, zu jener Lehre, welche sagt, daß die Menschheit sich viel rascher entwickelt als die für sie nötigen Lebensmittel, so daß es allmählich zu einem solchen Kampf ums Dasein im Menschenreich selbst kommen muß. Man hat geglaubt, daß der Kampf notwendig sein wird, weil die Nahrungsmittel nicht ausreichen. Man mochte es als traurig ansehen, daß es so sei, aber man glaubte, daß es so sein müsse, Für Darwin war der Malthusianismus der Ausgangspunkt zu seiner Lehre. Weil man glaubte, daß der Mensch einen Kampf ums Dasein kämpfen müsse, deshalb glaubte er, daß der Kampf auch in der ganzen Natur so sein müsse. Hinausgetragen hat der Mensch seinen sozialen Kampf ums Dasein in die Lebenswelt, in die Himmelswelt.
[ 31 ] Then came the strange doctrine of Malthus, Malthusianism—the theory that humanity grows much faster than the food supply necessary for its survival, so that a struggle for existence within the human realm itself is bound to arise gradually. It was believed that this struggle would be necessary because food supplies were insufficient. One might regard it as sad that this were the case, but it was believed that it had to be so. For Darwin, Malthusianism was the starting point for his theory. Because it was believed that human beings had to fight a struggle for existence, he therefore believed that the struggle must be the same throughout all of nature. Man has carried his social struggle for existence out into the world of life, into the heavenly world.
[ 32 ] Man hatte sich viel damit zugute getan, als man sich sagte, der neue Mensch sei bescheiden geworden. Er soll nichts mehr sein als ein kleines Wesen auf dem Staubkorn Erde, während er früher nach Erlösung strebte. Der Mensch ist aber nicht bescheiden geworden! Indem man das, was als sozialer Kampf in der Menschheit vorhanden ist, in die Welt hinausprojizierte, hat man die Welt zum Abbild des Menschen gemacht. Hat der Mensch früher seine Seele betrachtet, sie von allen Seiten durchforscht, um von hier aus die Weltseele zu erkennen, so hat er jetzt die physische Welt erforscht und sie sich so vorgestellt, daß er in ihr ein Bild der Menschheit mit ihrem Kampf ums Dasein sieht. Wollte die theosophische Bewegung etwas erreichen, dann mußte sie diese Tatsache erfassen. Wenn der Mensch wirklich in sich das Göttliche wiederentdeckt, so daß er Gott in seinem Inneren findet, dann kann er sich sagen: Der Gott, der in meinem Inneren wirkt, ist der Weltengott, ist derjenige, welcher wirkt in mir und außer mir; ich erkenne ihn und darf die Welt so vorstellen, wie ich selber bin, weil ich weiß, daß ich sie göttlich vorstelle, weil ich weiß, wie diese neue Erkenntnis aus neuen Seelentiefen und neuen Herzensgefühlen heraus zu gewinnen ist,
[ 32 ] People took great comfort in telling themselves that the new human being had become humble. He is said to be nothing more than a tiny creature on the speck of dust that is Earth, whereas in the past he strove for salvation. But humanity has not become humble! By projecting what exists within humanity as social struggle out into the world, we have made the world a reflection of humanity. Whereas humanity once contemplated its own soul, exploring it from every angle in order to recognize the world soul from this vantage point, it has now explored the physical world and imagined it in such a way that it sees in it a picture of humanity with its struggle for existence. If the Theosophical Movement was to achieve anything, it had to grasp this fact. When a person truly rediscovers the divine within themselves, so that they find God within, then they can say to themselves: The God who works within me is the God of the world, is the one who works within me and outside of me; I recognize him and may conceive of the world as I myself am, because I know that I conceive of it divinely, because I know how this new insight is to be gained from new depths of the soul and new feelings of the heart,
[ 33 ] So konnte man auch die verschiedenen Religionssysteme mit ihren tiefen Wahrheiten erforschen. Die Religionsforscher wie Max Müller und seine großen Kollegen haben diese Religionswissenschaft angebahnt, und die Theosophie mußte sie fortsetzen. Der Mensch soll mit geistigen Augen sehen und mit geistigen Ohren hören, was kein physisches Auge sehen und kein physisches Ohr hören kann. Das hatte die theosophische Bewegung angebahnt. Unmöglich wäre es gewesen, in diesen zwei Punkten wirklich etwas zu erreichen, wenn nicht in den Mittelpunkt dieser ganzen Bewegung eines geschoben worden wäre, welches geeignet ist, wirklich die neuen Erkenntnisse, die neue Wissenschaft und den neuen Glauben aus der Menschenseele heraus zu gebären: Hat in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Mensch geglaubt, nur durch Kampf zur Vollkommenheit vorzudringen und dadurch den Kampf zum großen Weltgesetz gemacht, so müßte er jetzt lernen, das in seiner Seele auszubilden, was das Gegenteil des Kampfes ist: die Liebe, welche das Glück und das Wohlergehen des einzelnen nicht trennen kann von dem Glück und dem Wohlergehen des anderen; welche in dem anderen nicht denjenigen sieht, auf dessen Kosten man vorwärtskommen kann, sondern denjenigen, dem man helfen muß. Wird die Liebe in der Seele geboren, dann wird der Mensch auch in der Außenwelt die schaffende Liebe sehen können. Wie der Mensch sich im 19. Jahrhundert eine Naturanschauung schuf, die von seiner Vorstellung des Kampfes ausging, so wird er eine Weltanschauung der Liebe schaffen, weil er entwickeln wird den Keim der Liebe.
[ 33 ] In this way, it was also possible to explore the various religious systems and their profound truths. Religious scholars such as Max Müller and his distinguished colleagues pioneered this study of religion, and Theosophy was called upon to carry it forward. Humanity is to see with spiritual eyes and hear with spiritual ears what no physical eye can see and no physical ear can hear. The Theosophical Movement had pioneered this. It would have been impossible to truly achieve anything in these two areas had the entire movement not been centered on that which is capable of truly giving birth to the new insights, the new science, and the new faith from within the human soul: If, in the mid-19th century, humanity believed that perfection could be attained only through struggle and thereby made struggle the great law of the world, it must now learn to cultivate within its soul that which is the opposite of struggle: love, which cannot separate the happiness and well-being of the individual from the happiness and well-being of others; which sees in the other not someone at whose expense one can advance, but someone whom one must help. When love is born in the soul, then humanity will also be able to see creative love in the outer world. Just as humanity in the 19th century created a view of nature based on its conception of struggle, so will it create a worldview of love, because it will develop the seed of love.
[ 34 ] Ein Spiegelbild dessen, was in der Seele Liebe hat, wird das neue Weltbild wieder sein. Das Göttliche mag der Mensch sich wieder vorstellen, wie er seine eigene Seele findet — aber Liebe soll in dieser Seele leben. Dann wird er erkennen, daß nicht Kampf die Eigenschaft des in der Welt schaffenden Kraftsystems ist, sondern daß Liebe die Urkraft der Welt ist. Will der Mensch den Liebe schaffenden und Liebe ausströmenden Gott erkennen, dann muß er seine Seele selbst zur Liebe heranbilden. Das ist der wichtigste Grundsatz, den die theosophische Bewegung zu dem ihrigen gemacht hat: Den Kern einer allgemeinen Menschenverbrüderung zu bilden, welche auf Menschenliebe gebaut ist. Dadurch wird die theosophische Bewegung die Menschen in umfassender Weise zubereiten zu einer Weltanschauung, in der nicht der Kampf, sondern die Liebe schafft und bildet. Der sehende Menschengeist wird die schaffende Liebe sich entgegenströmen sehen. Das In-sich-die-Liebe-Heranbilden wird zu der Erkenntnis führen, daß die Liebe die Welt geschaffen hat. Und der Goethesche Gedanke wird erfüllt sein:
[ 34 ] The new worldview will once again be a reflection of what love holds within the soul. Humanity may once again conceive of the Divine as it discovers its own soul—but love must dwell within that soul. Then humanity will recognize that conflict is not the defining characteristic of the force system that shapes the world, but that love is the primal force of the world. If humanity wishes to recognize the God who creates and radiates love, then it must cultivate its own soul toward love. This is the most important principle that the Theosophical Movement has adopted as its own: to form the core of a universal brotherhood of humanity built upon love for humanity. In this way, the Theosophical Movement will comprehensively prepare humanity for a worldview in which it is not struggle, but love that creates and shapes. The discerning human spirit will see creative love flowing toward it. Cultivating love within oneself will lead to the realization that love has created the world. And Goethe’s thought will be fulfilled:
Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.
Let man be noble,
Helpful and good!
For that alone
Distinguishes him
From all beings
That we know.
[ 35 ] Dieses Vermächtnis des großen Dichters bildet den Antrieb unserer theosophischen Bewegung. Der moderne Mensch sollte den bedeutsamsten Faktor in der fortschrittlichen Entwickelung durch die theosophische Bewegung in sich selbst ausbilden. Das Zusammenwirken im sozialen Leben sollte er anstreben. Dadurch würde es ihm möglich, fortzuschreiten in der Weisheit und in weisheitserfüllter Kraft — auch in den geistigen Welten. Dann wird der Mensch mehr und mehr wieder erkennen, was sein Ewiges und was seine ewige Bestimmung ist. Er wird wissen, wie er selbst schafft und arbeitet an dem «sausenden Webstuhl der Zeit», als ein Glied in einer geistigen, nicht bloß sinnlichen Weltenkerte. Er wird wissen, daß er die alltägliche Arbeit verrichtet und daß diese sich nicht in sich selbst erschöpft, sondern ein kleines Kettenglied ist in einem großen Menschheitsfortschritt. Er wird wissen, daß jeder Mensch ein Keim ist, der zu seinem Blühen und Gedeihen eine Kraft braucht, die den Keim herausdrängt und -treibt aus der finsteren Erde. Das was die Seele schafft, muß herausgeholt werden aus dem geistigen Erdreich, wie der Pflanzenkeim aus dem physischen Erdreich herausgeholt werden muß. Und wie der physische Keim herausgeholt wird von der Sonne zur Sonne, so wird die blühende und gedeihende Menschenpflanze herausgeholt werden durch eine geistige Sonnenkraft, durch jene geistige Sonnenkraft, welche die Theosophie den Menschen lehren und vermitteln wird. Sie wird ihn hinführen zu der herrlichen und gewaltigen Geistessonne, die man aussprechen kann, aber nicht bloß auszusprechen, sondern zu erkennen und zu durchschauen nötig hat: Das ist die Geistessonne, die draußen lebt in der geistigen Welt, die aber auch im Inneren des Menschen lebt.
[ 35 ] This legacy of the great poet is the driving force behind our Theosophical Movement. Modern humanity should cultivate within itself the most significant factor in progressive development through the Theosophical Movement. It should strive for cooperation in social life. This would enable him to advance in wisdom and in wisdom-filled power—even in the spiritual worlds. Then humanity will increasingly recognize again what is eternal within them and what their eternal destiny is. They will know how they themselves create and work at the “whirling loom of time,” as a link in a spiritual, not merely sensory, chain of worlds. He will know that he performs his daily work and that this does not end in itself, but is a small link in a great chain of human progress. He will know that every human being is a seed that needs a force to blossom and flourish, a force that pushes and drives the seed out of the dark earth. What the soul creates must be drawn out of the spiritual soil, just as the plant seed must be drawn out of the physical soil. And just as the physical seed is drawn out by the sun toward the sun, so will the blossoming and thriving human plant be drawn out by a spiritual solar power—that spiritual solar power which Theosophy will teach and impart to humanity. It will lead him to the magnificent and mighty Spiritual Sun, which one can speak of, but which one must not merely speak of, but recognize and penetrate: This is the Spiritual Sun that lives out there in the spiritual world, but which also lives within the human being.
[ 36 ] Als ersten Grundsatz hat die theosophische Bewegung, daß diejenigen, welche sich zusammenschließen zu dieser Gesellschaft, in sich entwickeln das Anschauungsvermögen für diese geistige Sonne, die im Inneren des Menschen und in der großen geistigen Außenwelt lebt, die die treibende Kraft im Geistigen ist und wirklich eine Kraft, wie alle anderen physischen Kräfte, nur eine höhere — und das ist die Kraft der schaffenden Liebe. Eine neue göttliche Erkenntnis wird heraufgeführt werden. Dann wird der Mensch in der Außenwelrt die schaffende Liebe erkennen, wenn der Mensch diese Liebe in sich immer größer und größer werden läßt. Dann wird die Theosophie nicht nur Erkenntnisse liefern, sondern auch die geistige Zukunft herbeiführen durch die wachsende und gedeihende Liebe.
[ 36 ] The first principle of the Theosophical Movement is that those who unite to form this Society develop within themselves the ability to perceive this spiritual Sun, which lives within the human being and in the great spiritual outer world, which is the driving force in the spiritual realm and truly a force, like all other physical forces, only a higher one—and that is the power of creative love. A new divine knowledge will be brought forth. Then humanity will recognize creative love in the outer world as it allows this love to grow ever greater within itself. Then Theosophy will not only provide knowledge but also bring about the spiritual future through growing and flourishing love.
