Bewußtsein — Leben — Form
GA 89
2 July 1904
Die Logoi
[ 1 ] Wenn der Mensch ein Ding sieht, frägt er nach der Entstehung, setzt etwas voraus, aus dem das Betreffende hervorgegangen ist. Nur anwendbar auf Dinge, die in der Welt vorgehen. Wir müssen voraussetzen etwas, wo wir nicht mehr fragen, woraus es entstanden ist. Das ist der Logos. Es darf auch nicht die Frage aufgeworfen werden: wann ist der Logos entstanden, denn er würde dadurch begrenzt sein, daß er früher oder später [entstanden] ist. Er war jetzt und immer. Alle Zeitbegriffe hören auf, dem Logos gegenüber eine Bedeutung zu haben. Was wir jetzt vom Logos sagen, gilt, wie es vor Urmillionen Jahren gegolten. Er ist nicht in der Zeit, sondern vor aller Zeit.
[ 2 ] Einige Begriffe werden wir entwickeln.
[ 3 ] Wenn wir das in sich Absolute, das alles dasjenige nicht hat, was wir überhaupt kennen, als das Übersein bezeichnen, haben wir in abstrakter Form einen Begriff hingepfahlt, als den wir uns den Logos denken: den in sich begriffenen, gegründeten, ruhenden, absoluten Logos. Erster Logos — Sat -Vater.
[ 4 ] Wenn dieser Logos allein angenommen wird, ist er eben in sich ruhend, da und nicht da, über dem Sein, niemals wahrnehmbar, weil über aller Wahrnehmung, über das Dasein erhaben. Nun geht daraus hervor, daß dieser Logos das absolut Verborgene, Okkulte ist, weil über alle Offenbarung erhaben. Soll er nicht okkult sein, muß er sich offenbaren. Dann haben wir es mit seinem Spiegelbild, dem geoffenbarten Logos zu tun. Wenn wir dies bedenken, werden wir sogleich in diesem Begriff zwei Begriffe erkennen, so daß wir ein Dreifaches haben, denn im Offenbarer muß sich offenbarende Tätigkeit sein:
[ 5 ] Pünktchen ... bezeichnen die in den Notizen Marie Steiners markierten Lücken. Einfügungen in gewöhnlichen runden Klammern ( ) entsprechen den Notizen. Einfügungen in eckigen Klammern [ ] stammen hingegen von den Herausgebern.
1. Logos: Offenbarer
2. Logos: Offenbarung, Tätigkeit
3. Logos: Geoffenbartes Spiegelbild
[Indisch] Sat, Ananda, Chit
[Christlich] Dreifaltigkeit:
1. Vater
2. Sohn, Wort
3. Heiliger Geist
[ 6 ] Diese Drei sind zunächst so erhaben, daß wir sie für alles, was man im gewöhnlichen Sinne als offenbar oder wahrnehmbar bezeichnet, wieder als okkult bezeichnen müssen. Also drei okkulte Wesenheiten. Sie müssen zunächst offenbar werden. Es sind nur drei da, also können sie nur einander sich offenbaren:
Der Vater offenbart sich dem Worte,
Das Wort offenbart sich dem Heiligen Geiste,
Der Heilige Geist offenbart sich zurück dem Vater.
[ 7 ] Dies sind drei Arten des Offenbarens. Wir denken sie uns auf drei Wesenheiten übertragen, so daß die Tätigkeit dieser Wesenheiten darin besteht, daß sie es übernehmen, dies zu übertragen. Die drei können verschiedene Verhältnisse eingehen:
[ 8 ] Es ist möglich, daß sich der Vater im Worte verbirgt und in dieser Verborgenheit sich mitteilt. Er verhüllt sich im Worte und offenbart sich dem Geiste.
[ 9 ] Dann ist möglich: das Wort verhüllt sich im Heiligen Geist und offenbart sich in dieser Umhüllung dem Vater.
[ 10 ] Dann ist möglich, daß der Heilige Geist sich im Vater verhüllt und sich dem Worte offenbart.
[ 11 ] Nun ist nur noch möglich, daß der Vater sich in beiden, in Wort und Geist hüllt, und sich selbst offenbar wird.
[ 12 ] Was wir haben - 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. — denken wir uns wesenhaft vorhanden: so entsteht dies Wesenhafte, die [sieben] Verhältnisse der drei Logoi, sieben wesenhafte Formen.
[ 13 ] 1. Verhältnis — Allmacht: Der Vater offenbart sich dem Worte.
[ 14 ] 2. Verhältnis — Allweisheit: Das Wort offenbart sich dem Geist.
[ 15 ] 3. Verhältnis — All-Liebe: Der Heilige Geist offenbart sich dem Vater.
[ 16 ] 4. Verhältnis — Allgerechtigkeit: Der Vater verhüllt sich im Worte und offenbart sich dem Geist.
[ 17 ] 5. Verhältnis — Allerlösung: Das Wort verhüllt sich im Geist und offenbart sich dem Vater.
[ 18 ] 6. Verhältnis — Allheiligung: Der Heilige Geist verhüllt sich im Vater und offenbart sich dem Wort.
[ 19 ] 7. Verhältnis — Allseligkeit: Der Vater hüllt sich in Wort und Geist und wird sich selbst offenbar.
[ 20 ] So sind die Wesenheiten entstanden aus gegenseitigem Befruchten. Das sind die sieben Regierer, die sieben Mächte, die vor dem Throne [Gottes] stehen und dies sind ihre Eigenschaften. Die Eigenschaften entstehen aus den Verhältnissen der drei Logoi. Nur sieben sind möglich.
[ 21 ] Die Allmacht besteht darin, daß sich der Vater dem Worte offenbart. Dies bezeichnet man als erste Schöpfung oder als Chaos.
[ 22 ] Nachdem die Allmacht ihre Aufgabe vollbracht hat, regiert Ali-Weisheit, ordnet alles nach Maß und Zahl.
[ 23 ] Nachdem All-Weisheit ihre Aufgabe vollbracht hat, regiert All-Liebe, bringt in die ganze Schöpfung das Prinzip von Sympathie und Antipathie hinein.
[ 24 ] Nachdem All-Liebe ihre Aufgabe getan hat, kommt Allgerechtigkeit, sie regiert, bringt Karma hinein, das heißt Geburt und Tod.
[ 25 ] Nachdem Allgerechtigkeit ihre Aufgabe vollbracht hat, beginnt All-Erlösung ihr Werk und bringt überall Erlösung hinein, das heißt letztes Gericht.
[ 26 ] Nachdem letztes Gericht gewirkt hat, beginnt die Allheiligung ihr Werk und bringt überall Heiligung hinein, und dann beginnt die Allseligkeit.
[ 27 ] Denken wir uns dies verteilt auf sieben Planeten. In Wahrheit sind alle sieben da, aber einer hat immer die Macht (die andern sind im Unteramt).
[ 28 ] Wenn wir die vierte Kugel herausnehmen, ist es die unsere. Also ist unser Losungswort: Der Vater verhüllt sich im Worte und offenbart sich dem Geist. Und damit ist das Christentum gegeben.
[ 29 ] Mit diesem Cherub haben wir das Leitwort und damit auch den Sinn des Christentums.
[ 30 ] Pfingstwunder ...
[ 31 ] Durch das Wort, das auf einer Seite den Vater in Involution enthält, ist alles gemacht, daher Johannes: [Im Urbeginne war das Wort; und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort. Dieses war im Urbeginne bei Gott. Alles ist durch dasselbe geworden; und außer durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden.]
[ 32 ] Aufgabe des nächsten Planeten, Merkur, 5. Allerlösung: Das Wort verhüllt sich im Geist und offenbart sich dem Vater. Wenn das, was in unserer Entwicklung ist, das Wort, Christus, sich selbst verhüllt und dem Vater offenbart, ist nächste ...
[ 33 ] Niemals kann der Sohn zu dir kommen als durch mich, Geist. Soll er, Geist, im nächsten Planeten leben, ausgebreitet sein, evolvieren, muß sich das Wort in Geist hüllen.
[ 34 ] Was tonangebend ist im nächsten Planeten, muß in diesem schon vorbereitet sein. Das Wort muß sich, vorbereitend für den Heiligen Geist, der dann offenbart sein wird, involutionieren. Das ist aber hier der Tod. Es kann nur die Mission erfüllt sein, wenn sich das Wort einhüllt bis zum Tode und dies ist der Sinn des Todes am Kreuze.
[ 35 ] So weit sind wir, zu verstehen, er wurde gekreuzigt zum Tode...
[ 36 ] Dies ist der Sinn des christlichen Zentralmysteriums. ... In der Bibel sagt Jesus: Ich widerstrebe nicht dem Buche der Gerechtigkeit im Sinne Melchisedeks. Melchisedek ist der Engel der irdischen Umlaufzeit.
[ 37 ] In nächster planetarischer Entwicklung wird also der Sohn dem Vater das zuführen, was er jetzt gesammelt hat durch den Geist.
