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The Rudolf Steiner Archive

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Bewußtsein — Leben — Form
GA 89

3 April 1905

Über das zehnblättrige Buch

[ 1 ] Ich habe Sie das letzte Mal darauf aufmerksam gemacht, daß man, um im Okkultismus sich klar aussprechen zu können, eine sinnbildliche Ausdrucksweise notwendig hat. Das, was uns heute umgibt, ist erst so seit einem gewissen Zeitraum, der doch eigentlich kurz ist, denn unsere Vorfahren während der atlantischen und der lemurischen Zeit haben ja unter ganz anderen Verhältnissen gelebt. Der heutige Mensch kann sich davon keinen Begriff mehr machen. Dennoch müssen wir, wenn wir das, was heute ist, richtig verstehen wollen, uns zu jenen Begriffen und Ideen erheben ... [Lücke in den Aufzeichnungen].

[ 2 ] Die Sprache ist noch nicht sehr alt, sie bildete sich erst bei den Atlantiern aus. Unsere lemurischen Vorfahren hatten noch keine Sprache, sie hatten eine Art Gesang, Laute von großer magischer Kraft, die wie ein Zaubermittel waren und dem heutigen Menschen vielleicht unartikuliert vorkommen würden, die aber an Schönheit und Wohlklang alles übertrafen, was wir heute bei den höchsten Tieren finden können. Diese Laute hatten die Kraft, zum Beispiel Blumen schneller wachsen zu lassen oder tote Gegenstände in Bewegung zu bringen. Mit unserer heutigen gewöhnlichen Sprache können wir das nicht vergleichen. Deshalb können wir mit unserer Sprache nicht bezeichnen, was zu den höchsten Dingen gehört.

[ 3 ] In den okkulten Schulen hat man sich darum immer einer allegorischen Sprache und einer allegorischen Schrift bedient. Diese allegorischen Zeichen sind ständige Ausdrucksformeln, die man erst verstehen lernen muß. Eine Formel ist zum Beispiel die des zehnblättrigen Buches. Was ist dies zehnblättrige Buch?

[ 4 ] Das zehnblättrige Buch ist etwas Wirkliches, Reales. Ein großer Inhalt ist in diesem Buch gegeben, nur scheinbar einfach sind die Formeln. Etwas ganz Wirkliches ist es für den Geheimschüler, aber es wird ganz anders gelesen als ein gewöhnliches Buch, denn der Mensch mit seinem gewöhnlichen Verstande muß sich aus Buchstaben ein Wort und aus Worten den Satz bilden. Das Denken des Geheimwissenschafters ist ein anderes, es ist ein solches, das Einheiten ergreift, große Zusammenhänge auf einmal überschaut, es ist durchlebte Erfahrung, ein Schauen von höheren Wirklichkeiten. Der Mensch macht sich einen gemeinschaftlichen Begriff aus Einzelheiten. Der Geheimwissenschafter bekommt einen intuitiven Begriff auf einmal durch innere Erfahrung und ist nicht darauf angewiesen, soundso viele einzelne Erfahrungen zu machen. Es ist so, wie ein Mensch, der zum Beispiel einen Löwen gesehen hat, sich den Begriff «Löwe» machen kann.

[ 5 ] So bekommt der Geheimwissenschafter auch den Begriff von astralen und mentalen Wesenheiten auf einmal, weil er die Dinge auf einmal schaut. Für alle geistigen Dinge gibt es Urbilder. So wie der Maler ein bestimmtes intuitives Bild im Kopfe haben und nach diesem Bild hundert Bilder malen kann, so gibt es auf den höheren Planen für alle Dinge Urbilder, die der Hellseher schaut. Das Lesen in den Urbildern der Dinge, in den geistigen Urgründen, nennt man im Okkultismus: Das Lesen im zehnblättrigen Buche. In jeder Geheimschule konnte man in diesem zehnblättrigen Buche lesen. Auch damals, als die Menschheit noch nicht mit einem physischen Leibe bekleidet war, konnte jeder in diesem Buche lesen.

[ 6 ] Versetzen wir uns in die lemurische Zeit, in der der Mensch sich umkleidete mit einer physischen Hülle. Damals lebte er in Vorstellungen, die ganz bildlich waren. Nicht außen sah er Bilder, sondern in seinem Innern; in seiner Seele fühlte er, zum Beispiel wenn er sich einem anderen Menschen näherte, eine gewisse Wärme oder etwas wie helle Farbbilder aufsteigen. Es war wie ein lebhafter Traum, bildhaft, doch nicht bewußt. Nur die Lehrer und Führer der Menschen konnten alles auf einmal überschauen, was die anderen nur in Dämmerdunkel auf- und abwogen fühlten in der Seele. Ihr Schauen war nicht begrenzt, alles lag vor ihnen ausgebreitet wie ein Tableau; nur die Aufmerksamkeit brauchten sie darauf zu wenden. Dies ist die Vorstellung von jener allumfassenden Einheit, die sich den Eingeweihten und dem Geheimschüler bietet. Heute können wir nicht alles zugleich sehen, weil wir mit unseren Sinneswerkzeugen wahrnehmen. Einen Unterschied zum Beispiel zwischen New York und Berlin hätte man damals nicht gesehen. Wer außerhalb seines physischen Leibes sieht, bemerkt, daß Raumesunterschiede sich ihm nur durch seine Sinne darstellen. Die ganze heutige Wissenschaft besteht darin, daß sie sich aus Einzelheiten aufbaut, die zusammengefügt werden. Aber dasjenige, was in der geistigen Welt vorgeht, entdeckt man nicht nach und nach, sondern, wenn man eine gewisse Stufe der Erkenntnis erlangt hat, liegt alles offen da.

[ 7 ] Nun gibt es zehn Stufen, das sind die zehn Blätter des zehnblättrigen Buches, die ich Ihnen nun zunächst andeuten will.

[ 8 ] Was steht auf dem ersten Blatt? Es enthält ungeheuer viel, aber man muß es erleben. Denken Sie sich eine Blume. Wenn wir in diesem Jahr eine Blume gepflanzt haben, so sehen wir, wie sie Wurzel getrieben hat, Stengel, Zweige, Blätter, Blüten sich entwikkeln und zuletzt das Samenkorn, der Keim, den wir wieder in die Erde legen. In diesem ganz kleinen Keim sehen wir nichts mehr von der Pflanze, aber sie ist in ihm enthalten, bis auf einen Punkt zusammengezogen. Sehen wir eine Tulpe an, wie sie in einen Punkt zusammengedrängt ist und wie sie sich wiederum ausbreitet. Wir sehen da das Wesen der Tulpe abwechseln zwischen großer Ausdehnung und einer Zusammenziehung ins Punktuelle, wie in ein Nichts zusammengedrängt. Dieses Sich-Ausbreiten und Sich-in-ein-Punktuelles-Zusammenziehen können wir in der ganzen Welt verfolgen, in der Natur und im Menschen. Auch ein ganzes Sonnensystem entfaltet sich, geht durch einen Schlafzustand, um wieder zu erwachen. Diese beiden Zustände nennt man in der Theosophie Manvantara = Sich-Ausdehnen, und Pralaya = In-einenPunkt-Zusammenschrumpfen. Es ist kein Unterschied für die äußere Wahrnehmung zwischen Keim von Sonnensystem und Blume; sie sind für den äußeren Sinn nicht vorhanden. Unser gegenwärtiges Weltensystem wird auch einmal zu einem solchen Punkte sich zusammenziehen; in diesem Punkt aber wird dann das ganze Leben zusammengedrängt sein, und es wird wieder aus ihm herausquellen. Versetzt man sich in dieses in einen Punkt zusammengedrängte mannigfache Leben der Welt, so hat man einen Begriff von der göttlichen schaffenden Kraft, die aus dem Nichts heraus schafft. Derjenige, welcher die Geheimnisse des Weltalls durchdringen will, muß lernen, seine Gedanken auf einen Punkt zu konzentrieren, aber nicht auf einen toten Punkt, sondern auf einen lebendigen Punkt, der zugleich nichts und alles ist. Es ist nicht leicht, sich in dieses allgemeine Schlafen der Natur zu versetzen, das ein Null-Leben, zu gleicher Zeit aber auch ein All-Leben ist; man muß es gefühlt, gedacht und gewollt haben. Nur wer dies durchdacht hat, kann die übrigen Blätter lesen.

[ 9 ] Diese Einheit der Zeit, des Raumes und der Kraft zu erfassen, versinken darin, das ist das Lesen des ersten Blattes. In einer Strophe des Dzyanbuches finden Sie eine wunderschöne Beschreibung.

[ 10 ] Das zweite Blatt zeigt uns In aller Welt die Zweiheit. Überall, wo Sie in der Natur hingehen, finden Sie die Zweiheit: Licht und Schatten, positiv und negativ, männlich und weiblich, links und rechts, gerade und ungrade, gut und böse. Die Zweiheit ist tief begründet in der Natur alles Werdens, und wer die Natur verstehen will, muß sich diese Zweiheit in seinem Geiste ganz klarmachen. Erst wenn wir die Zweiheit im eigenen Leben sehen, kommen wir zum Verstehen der Welt. Der Geheimschüler muß sich zur Pflicht machen, in diesen Zweiheiten denken zu lernen. Er darf nie nur das eine denken, er muß immer beides miteinander denken. Wenn er zum Beispiel an sein Verhältnis zum Göttlichen denkt: In mir lebt ein göttliches Ich -, so stellt dieser Satz nur eines dar, zu dem als ein zweites gehört: und ich lebe in dem göttlichen Ich. Beides ist wahr. Der Geheimschüler muß sich sagen:

[ 11 ] Der Mensch ist ein sinnliches Wesen, aber er wird sein ein geistiges Wesen; ich war einst ein geistiges Wesen und mußte ein sinnliches Wesen werden.

[ 12 ] Nur dann kann man alle Wahrheit erkennen, wenn man sich die innere Pflicht auferlegt, nie in einer Einheit, sondern immer in der Zweiheit zu denken. Wenn der Mensch lernt, in diesen Dualitäten zu denken, dann denkt man erst richtig und sachgemäß.

[ 13 ] Das ist das Lesen der zweiten Seite, des zweiten Blattes in dem zehnblättrigen Buche. In den alten deutschen Göttermythen und auch in gnostischen Büchern finden Sie diese Zweiheit wiederholt dargestellt. Gewisse rohe Vorstellungen haben sich ... [Lücke in den Aufzeichnungen] und sehen namentlich die Dualität zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen und führen alles auf diese Dualität zurück. Aber in Wahrheit ist das Männliche und das Weibliche nur ein Spezialfall für eine viel höhere Zweiheit. Und diesen Spezialfall zur Erklärung von allem zu nehmen, heißt, sich vor der geistigen Wirklichkeit die Augen zu verbinden und am Niedrigsten zu kleben.

[ 14 ] Das dritte Blatt stellt die Dreiheit dar. Dreigliedrige Vorstellungen sind überall anzutreffen: Ein dreigliedriges Wesen ist der Mensch; er besteht aus Leib, Seele, Geist. Die Gnosis spricht von Vater, Wort und Geist. Ein Dreigliedriges tritt uns im Ägyptischen entgegen in den Gottheiten Osiris, Isis, Horus. Die Dreigliedrigkeit schließt ein wichtiges Geheimnis in sich. Wer sich gewöhnt, die Zweigliedrigkeit hinüberzuführen in die Dreigliedrigkeit, gewinnt eine Handhabe, die ihn zum Verstehen der ganzen Welt führt. Die Welt in ihrer Dreigliedrigkeit durchdenken, heißt: sie mit Weisheit durchdringen.

[ 15 ] Viertes Blatt: Pythagoräisches Quadrat. Der Mensch steht vor mir als Vierheit: er besteht aus Körper, Seele, Geist, und darin lebt das vierte, das Selbstbewußtsein. Daher sagt Pythagoras ... [Lücke in den Aufzeichnungen]. Die niiedrigerstehende Natur des Menschen entwickelt aus sich heraus die höhere. Das ist das Geheimnis der Vierheit, die sich aus der Dreiheit entwickelt. Diese Vierheit trifft man bei allen Wesen an. Die Wesen sind für den umfassenden Blick des großen Eingeweihten, der alle Zeiträume überschaut, alle gleich. Der Mensch ist eine Vierheit, die auf dem physischen Plane lebt. Der Löwe lebt nicht mit seiner Vierheit auf dem physischen Plan; hier hat er nur seine Dreiheit: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib, sein Ich lebt in der geistigen Welt als sein Viertes.

[ 16 ] Die höhere Natur erscheint nur auf niederer Stufe als die sinnliche Natur. Wenn der Mensch bis in die Fasern hinein seinen physischen Leib wird beherrschen können, wird er Atma werden; wird er den Ätherkörper beherrschen, so wird er Budhi sein, wird er den Astralkörper beherrschen, wird er Manas sein. Das ist die Vierheit: die drei Glieder der niederen Natur, die einst zur höheren Natur umgewandelt sein werden. Die Vierheit ist bei allen Wesen vorhanden, die auf der Welt anzutreffen sind. Für das Auge des Sehers, der große Zeiträume überschauen kann, sind alle Wesen gleich, nur für ... [Lücke in den Aufzeichnungen] verschieden.

[ 17 ] Wodurch unterscheidet sich ein Löwe von einem Menschen? Vor dem menschlichen Auge ist ein Löwe niedriger als ein Mensch, weil der Mensch einen begrenzten Blick hat. Er lebt heute auf dem physischen Plan, während der Löwe seinen Geist im mentalen und seine Seele im astralen gelassen hat.

Human beingLion
4 mental4 Ich (kommt aus der geistigen Welt)
3 astral3 astral
2 etheric2 etheric
1 physical1 physical

[ 18 ] Auch die Pflanze und auch das Mineral haben ihre Vierheit. Die Pflanze ist nur mit dem physischen Leib und dem Ätherleib auf dem physischen Plan. Pflanze und Mineral haben die anderen Teile ihrer Vierheit in der geistigen Welt. Aber eine Vierheit haben Menschen, Tier, Pflanze und Mineral. Diese muß der Schüler des Okkultismus immer innerlich miterleben, wenn er das vierte Blatt lesen will.

[ 19 ] Fünftes Blatt: Beim Lesen des fünften Blattes enthüllt sich alles dasjenige, was der Mensch aus sich herausprojiziert, wie ein Schattenbild in die Welt wirft. Das ist mehr als die bloße Vierheit. Er fängt an zu verehren. Man nennt das Idolatrie. Der Mensch ist ein denkendes, ein vorstellendes Wesen. Wenn er anfängt, über die Dinge nachzudenken, schreibt er ihnen göttliche Ursachen zu. Mythen entstehen, in denen der Mensch das Übersinnliche in Zusammenhang bringt mit dem Sinnlichen. Die Welt der Mythen und Sagen stellt in mannigfacher Weise die Kulturen der alten Völker dar. Dieser ganze Prozeß liegt vor dem Eingeweihten, und es kommt der Moment, wo er anfängt, den Faden zu begreifen, der sich durch alle Mythen zieht.

[ 20 ] Das Pferd zum Beispiel, was bedeutet es? Es stellt ein Wesen dar, das auf einer gewissen Stufe zurückgeblieben ist, über die der physische Mensch in seiner Entwicklung hinausgeschritten ist. Aber es gab einen Moment in der hyperboräischen Zeit, da mußte der Mensch zuerst die Anlage zur Klugheit entwickeln. Anlagen entwickeln sich lang vorher. Nun habe ich Ihnen gesagt, daß alle Höherentwicklung erkauft werden muß dadurch, daß ein anderes zurückbleibt. Wenn eines steigen will, muß das andere sinken. Damals, als der Mensch die Anlage zur Klugheit entwickelte, war das nur dadurch möglich, daß die Menschennatur das aus sich heraussonderte, was dann im späteren Verlauf die Pferdenatur entwikkelte. In der atlantischen Zeit entwickelte sich das Pferd und der Mensch hatte einen Instinkt dafür, daß seine Entwicklung zusammenhing mit dem Pferd. Dieser Instinkt wurde in der späteren Zeit zur Mythe. Der Atlantier hatte ein instinktives Bewußtsein von der Verwandtschaft seiner Klugheit mit dem Pferd, und daher wurde in der ersten Epoche der nachatlantischen Zeit das Pferd als Symbol der Klugheit verehrt. Die ersten nachatlantischen Epochen hatten die Klugheit auszubilden. Deshalb werden in der Apokalypse, als die sieben Siegel abgenommen sind, Pferde vorgeführt. Odysseus ersinnt ein hölzernes Pferd.

[ 21 ] Zum Verständnis der Mythen ist dreierlei notwendig: Zuerst muß man die Mythe dem Buchstaben nach nehmen, zweitens sie sinnbildlich auffassen — das geschieht in den Religionen -, drittens muß man sie in einem höheren Sinne wieder wörtlich verstehen. Wenn dieser wunderbare Zusammenhang vor dem intuitiven Auge auftritt, heißt das: das Lesen des fünften Blattes.

[ 22 ] Sechstes Blatt: Dieses enthält die Geheimnisse über das, was der Mensch als das Übersinnliche erkennt und zu dem er hinstrebt. Die Ideale, die der Mensch aus seiner Natur selbst heraus schafft, sind auf diesem sechsten Blatt verzeichnet, zum Beispiel die großen Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Das Zusammenschließen der menschlichen Natur mit etwas, was noch nicht da ist, was sich der Mensch erst erringen muß, ist auf diesem sechsten Blatt, das Schaffen, das Wollen über sich selbst hinaus. «Den lieb ich, der Unmögliches begehrt». Der Mensch lernt hinschauen auf Zukunftszustände der Menschheit, er lernt zu sehen die Keime der Zukunft in der Gegenwart. Der Eingeweihte kann in dem sechsten Blatt so lesen, wie Johannes in der Apokalypse die Zukunftszustände der Menschheit beschrieben hat.

[ 23 ] Siebentes Blatt: Da lernt der Schüler das Geheimnis und die Bedeutung der Siebenzahl verstehen. Die Dinge entwickeln sich in der Siebenzahl, weil die Drei, von der sie ausgeht, noch einmal wiederholt wird, und selbst sind sie das Siebente. Der Mensch muß lernen, sich zu sagen: Ich bestehe aus der Dreiheit, aus ihr soll hervorgehen eine höhere Dreiheit; das ist die Sechsheit. Ausgehend von der Dreiheit, kehrt er zurück zu einer höheren Dreiheit, der Sechsheit. Er selbst ist der Siebente. Diesen Vorgang verstehen, heißt das siebente Blatt lesen.

[ 24 ] Vom achten, neunten und zehnten Blatt wollen wir das nächstemal sprechen. Eine Allegorie ist das zehnblättrige Buch, es faßt in wenigen Worten zusammen, was man sonst lange beschreiben müßte. Abbreviatur von dem, was umfassendes Leben hat.

[ 25 ] Paracelsus sagt: Der Arzt muß die ganze Natur lesen, er muß in der Natur Examen gehen, und aus den einzelnen Buchstaben zusammenfassen das Wort und nicht die Weisheit nur aus Büchern schöpfen.

[ 26 ] In unserer Zeit mußte das Spirituelle zurücktreten; das mußte so sein, um die großen Eroberungen des physischen Planes möglich zu machen, um vollkommen zu werden in der Beherrschung der Sinneswelt. Jetzt ist der Zeitpunkt nahe, wo die Menschheit wiederum sich spirituell vertiefen muß. Der Mensch eilt gegenwärtig auf dem physischen Plan einem Stadium zu, das nicht ertragen werden könnte, wenn nicht das spirituelle Leben sich wieder entwickelte. Ein Bild, wie nötig der Mensch es hat, sich spirituell zu vertiefen: Sie kennen die ungeheuren Fortschritte zum Beispiel der Elektrizitätslehre; mit diesen Kräften ist eine ungeheure Kraft verknüpft, die es möglich machen wird, daß der Mensch diese Kräfte mißbraucht. Der Mensch wird, und zwar in nicht allzuferner Zeit, Herr sein über furchtbare Kräfte, die er auf dem physischen Plan wird wirken lassen. Er wird zum Beispiel Detonationen, Explosionen an entfernten Orten erzeugen können, ohne daß jemand imstande sein wird, den Urheber zu erkennen. Macht wird die Menschheit haben. Und wehe, wenn der Mensch dann moralisch nicht auf der Höhe steht und diese furchtbaren Kräfte nicht nur und ausschließlich zu guten Zwecken gebraucht! Diese Zeit haben die Lenker der Menschheit, die Meister, vorausgesehen, und es ist die Mission der theosophischen Lehre, die Gemüter vorzubereiten auf das Kommende, sie zu warnen, ihnen den Weg und das Ziel zu zeigen.