The Occult Truths of Old Myths and Legends
GA 92
19 May 1905, Berlin
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Richard Wagner in the Light of Anthroposophy, tr. Unknown
Vierter Vortrag
Lecture IV
[ 1 ] Je tiefer man in das Werk Richard Wagners eindringt, desto tiefer kommt man auch in theosophisch-mystische Fragen und Lebensrätsel hinein. Es ist etwas außerordentlich Bedeutsames, daß Richard Wagner, nachdem er die ganze Vorzeit der europäischen Völker in vier Stufen in seinem Nibelungenring entwickelt hatte, dann ein eminent christliches Drama schuf, das Werk, mit dem er sein Lebenswerk eigentlich abgeschlossen hat, den «Parsifal». Man muß Wagners ganze Persönlichkeit durchdringen, wenn man verstehen will, was eigentlich in diesem «Parsifal» lebt.
[ 1 ] The deeper we penetrate into Richard Wagner's work, the more we shall find in it cosmic-mystical problems, and riddles of life. It is very significant that after having described the whole primordial age of the Germanic peoples in the four phases of the Ring of the Nibelungs, Richard Wagner created an eminently Christian drama, the work with which he closed his life: Parsifal. We must penetrate into Richard Wagner's personality if we wish to understand what lives in Parsifal.
[ 2 ] Für ihn war die Gestalt des Jesus von Nazareth schon seit den vierziger Jahren im Begriff, sich ihm zu gestalten. Er wollte - es sind auch Fragmente davon vorhanden - ein Drama «Jesus von Nazareth» schreiben, ein Werk, in dem die unendliche Liebe, wie sie in Jesus von Nazareth für die ganze Menschheit wirkt, zur Anschauung gebracht werden sollte. Das wollte er schaffen, aber über die Grundgedanken ist er nicht hinausgekommen. Er entwarf dann in den fünfziger Jahren das Drama «Die Sieger». An diesen Dramen können wir sehen, aus welchen Tiefen der Weltanschauung heraus die Intuitionen dieses Dichters geschöpft wurden.
[ 2 ] For Richard Wagner, the character of Jesus of Nazareth was beginning to take on a definite shape ever since his fortieth year. At first he intended to create an entirely different work of art, by setting forth the infinite love for the whole of mankind which lived in Jesus of Nazareth. He conceived the fundamental idea of this drama when he was fifty, and it was to be entitled, “The Victor”. This work shows us the deep world-conception which was the source of the poet's intuitions. The contents of the drama is briefly as follows
[ 3 ] Stellen wir uns den Inhalt des Dramas «Die Sieger» einmal kurz vor Augen: Ananda, ein Jüngling aus vornehmer Kaste, wird leidenschaftlich geliebt von Prakriti, einem Tschandalamädchen, also von einem Mädchen aus verachteter Kaste. Er aber entsagt aller sinnlich-irdischen Liebe und wird ein Jünger Buddhas. Das Tschandalamädchen sollte nach der Intention Wagners in einer früheren Verkörperung eine Angehörige der Brahmanenkaste gewesen sein und damals die Liebe eines Tschandalajünglings mit hochmütiger Verachtung von sich gewiesen haben. Die karmische Strafe ist es nun, in der Tschandalakaste wiedergeboren zu werden. Nachdem sie sich nun so weit durchgearbeitet hatte, daß sie ihrer Liebe entsagen konnte, wird auch sie eine Jüngerin des Buddha. Sie sehen, daß Wagner schon das karmische Problem in seiner ganzen Tiefe erfaßt hat, als er in der Mitte der fünfziger Jahre daran ging, ein so tiefernstes Musikdrama wie «Die Sieger» zu schaffen. Alle diese Gedanken sind zuletzt zusammengeflossen in seinem «Parsifal». Aber zugleich steht im Mittelpunkt des «Parsifal» das Christus-Problem.
[ 3 ] Ananda, a youth of the noble Brahmin caste, is loved passionately by Prakriti, a Chandala maiden, that is, of a lower, despised caste. He renounces this love and becomes a disciple of Buddha. According to Wagner's idea, the Chandala maiden was the reincarnation of a woman belonging to the highest Brahmin caste, who had haughtily spurned the love of a Chandala youth, and whose karmic punishment it is to be born again within the Chandala caste. When she has reached a point in her development enabling her to renounce her love, she also becomes a disciple of Buddha. You see, therefore, that Wagner grasped the problem of karma in all its depth, out of the true spirit of Buddhism; when he was about fifty years old he had developed to the extent of being able to create a drama of such deep moral force and earnestness as “The Victor”. All these thoughts then flow together in his Parsifal, but at the same time the Christ-problem stands in the centre of the drama. Out of Parsifal streams the whole profundity of this medieval problem.
[ 4 ] Die Geschichte des Mittelalters hat einen wichtigen Punkt um die Wende des 12. zum 13. Jahrhundert. Da wirkte Wolfram von Eschenbach, der das Mysterium des Parzival dichterisch bearbeitet hat aus dem tiefsten Spirituellen des Mittelalters heraus. Im Mittelalter lebte in den Menschen, die spirituelles Leben hatten, etwas, was man in eingeweihten Kreisen die Erhöhung der Liebe nannte. Liebessänger, Minnesänger gab es auch vorher und nachher. Aber zwischen dem, was man früher als weltliche, sinnliche Liebe auffaßte und dem, was später im Christentum als die gereinigte, geläuterte Liebe aufkam, bestand ein großer Unterschied. Ein bedeutsames Denkmal für diesen Wendepunkt des geistigen Lebens im Mittelalter ist uns erhalten geblieben in Hartmann von Aues «Der arme Heinrich». Dieses tief spirituelle Gedicht ist durchdrungen von den spirituellen Lehren, welche sich die Ritter der Kreuzzüge aus dem Morgenlande mitgebracht hatten. Stellen wir uns den Inhalt des «Armen Heinrich» vor: Ein Ritter schwäbischen Geschlechtes, dem es bis dahin stets gut ergangen ist, wird von einer unheilbaren Krankheit, der Miselsucht, befallen und kann davon nur durch den Opfertod einer reinen Jungfrau befreit werden. Es findet sich eine Jungfrau, die sich für ihn opfern will. Sie gehen zusammen nach Salerno in Italien zu einem berühmten Arzt. Schon soll die Jungfrau geopfert werden, aber im letzten Augenblick weigert sich Heinrich, das Opfer anzunehmen; die Jungfrau bleibt am Leben, Heinrich wird danach gesund, und sie vermählen sich.
[ 4 ] Wolfram von Eschenbach was the first one to give a poetical shape to the mystery of Parsifal. In him we find the same theme, created out of the deepest substance of the Middle Ages. In the highest minds of the Middle Ages who were imbued with spiritual life lived something which the initiated named the exaltation of love. Before and after, there were Minnesingers, minstrels of love. But there was a great difference between what was formerly understood as love in the Germanic countries, and what arose later on in Christianity as purified love. This is illustrated and handed down to us in “Armer Heinrich” (“Poor Henry”). Hartmann von der Aue's “Poor Henry” is filled with the spiritual life which the crusaders brought back from the Orient. Let us place before us briefly the, contents of “Poor Henry”: A Swabian knight who has always been fortunate in life is suddenly struck by an incurable disease, which can only be healed through the sacrifice and death of a pure virgin. A virgin is found who is willing to sacrifice herself. They go to Salerno to a celebrated physician. At the last moment, however, Henry regrets the sacrifice and does not wish to accept it. The virgin remains alive. Henry regains his health after all, and they get married.
[ 5 ] Hier finden wir also wieder das Bild von der reinen Jungfrau, die sich opfert für einen Menschen, der bisher nur im Sinnlichen gelebt hat und nun durch sie gerettet wird. Hier liegt vom Standpunkte des Mittelalters ein Mysterium verborgen. Die Minnesängerei schrieb man einer alten Strömung zu, welche heraufgekommen war in den vier aufeinanderfolgenden Stadien der europäschen Kulturentwicklung, wie sie uns in den Sagen, die Richard Wagner in seiner Tetralogie darstellt, entgegentritt. Auf die Liebe, die nur aus dem Sinnlichen stammt, sah man in jener Zeitepoche zurück als auf etwas, das überwunden werden sollte. Geläutert durch die höhere spirituelle Kraft des Christentums sollte das Minnesängertum in einer neuen Gestalt erstehen.
[ 5 ] Here we have, therefore, a pure virgin and her sacrifice on behalf of a man who has only lived a life of pleasure and who is saved through her sacrifice. A mystery lies, concealed in this. From the standpoint of the Middle Ages, Minnesinging was looked upon as something which had been handed down from the four phases of ancient Germanic life, as contained in the sagas which Wagner placed before us in his Tetralogy. Love based on the life of the senses was considered at that time as something which had been overcome; love was to rise again spiritually, linked up with the feeling of renunciation.
[ 6 ] Wir müssen, wenn wir verstehen wollen, was da geschah, alle Faktoren zusammennehmen, um uns das Gepräge, die Physiognomie jener Zeit zurückzurufen. Dann können wir verstehen, was Wagner zur Darstellung dieser Sage veranlaßte. Es gab eine alte Sage, eine Ursage, die wir bei den ältesten germanischen Völkern und in etwas anderer Form auch in Italien und anderen Ländern finden können. Wir wollen uns das Gerippe dieser Sage klarmachen: Ein Mensch hat die Freuden der Welt kennengelernt und dringt nun ein in eine Art unterirdische Höhle; dort lernt er ein Weib von übergroßer reizvoller Anziehungskraft kennen. Er erlebt dort gewisse Freuden des Paradieses; doch dann überkommt ihn die Sehnsucht nach der Oberwelt, er kehrt nach einiger Zeit wieder zurück aus dem Berg. Es ist dies besonders klar ausgeführt in der Tannhäuser-Sage. Wenn wir uns diese Sage vergegenwärtigen, so haben wir darin ein schönes Symbol für das alte Liebesstreben in den germanischen Landen vor jener großen Wende, von der ich gesprochen habe: Das Wirken des Menschen in der sinnlichen Welt, das Zurückziehen zu den Freuden der Liebe im alten Sinne, die man sich dachte verkörpert in der Göttin Venus, und das Abgelenktsein von dem Wirken in der Außenwelt durch die Liebe als eine Art Paradies-Empfinden. - Die Sage hat aber in dieser Form keinen richtigen Knotenpunkt. Sie hat nichts, das uns einen Ausblick nach dem Höheren zeigt. Sie ist so entsprungen aus der früheren Anschauung, aus der vorhergehenden Gestalt der Liebe. Später, in den Anfängen der spirituellen Ausgestaltung der Liebe durch das Christentum, wollte man ein Schlaglicht werfen auf die früheren Zeiten und den Gegensatz zeigen zwischen diesem Paradies und der Paradiesesvorstellung im Christentum.
[ 6 ] In order to realise what took place, we must collect all the factors which reconstruct for us the expression, the physiognomy of that past period. And then we shall be able to understand what induced Wagner to set forth this legend. The earliest Germanic races had a legend which we can trace throughout history, one of the root-legends which can also be found in a somewhat different form in Italy and in other countries. Let us place before you, the outline of this legend: A man has learnt to know the pleasures and joys of this world, and penetrates into a kind of subterranean cavern. There he meets a woman of exceeding great charm and attraction. He experiences the joys of paradise, nevertheless he longs to return to the earth. Finally he comes out of the mountain and returns to life.—This is a legend which we can find everywhere in Europe, and it appears to us very clearly in Tannhäuser. If we study this legend we shall find that it is, to begin with, the personification of love in the Germanic countries before the great turning point of the times. Life in the world outside is renounced for a retirement in the cavern to the joys brought by the old kind of love, by the goddess Venus. In this form the legend has no real point of issue, no possibility of looking up to something higher. It arose before love underwent the already mentioned transformation. Later on, in the early times of Christianity when love began to take on a spiritual form, people sought to throw a glaring light on these earlier periods and on this paradise in the cave of Venus, as a contrast to the other paradise which they had found.
[ 7 ] Wenn wir Wagner verstehen wollen, müssen wir noch tiefer greifen. Wir haben unsere fünfte Wurzelrasse betrachtet. Nachdem die Fluten die Atlantis überspült hatten, tauchten nacheinander die Unterrassen auf: die urindische, die urpersische, dann die ägyptisch-babylonisch-assyrisch-chaldäische, dann die griechisch-lateinische, und nach dem Abfluten der römischen Kultur geht unsere fünfte Unterrasse auf, in der wir heute leben und die ihre Bedeutung eigentlich für das christliche Europa hat. Nicht als ob Richard Wagner das alles gewußt hätte, was ich jetzt gesagt habe. Aber er hatte das absolut sichere Gefühl für die Weltlage der fünften Unterrasse, und er empfand die ganze Aufgabe der Gegenwart als eine religiöse Aufgabe, wie man dies auch in der Theosophie nicht besser formulieren kann.
[ 7 ] At this point we must consider our fifth root-race. When the floods had buried Atlantis, the sub-races of the fifth root-race gradually emerged: the Indian, the Median-Persian, the Assyrian-Babylonian-Semitic, the Graeco-Latin races. When the Roman culture began to flow off, our fifth sub-race emerged, the Germanic races in which we now live and which have a special significance for Christian Europe. Not that Wagner was aware of all these things, but he possessed an unerring feeling for the world-situation and felt what tasks were incumbent upon the races; he felt it just as clearly as if he had known spiritual science.
[ 8 ] Sie wissen, daß jede dieser «Rassen» inspiriert wurde von groRen Eingeweihten und daß die Urinspiration der fünften atlantischen Rasse ausging von den sogenannten Ursemiten. Sie wissen, daß, als Atlantis von den Fluten verschlungen wurde, diejenigen, welche auswanderten und vor dem Untergang der Rasse bewahrt wurden, von dem Manu, einem göttlichen Führer, nach Asien geführt wurden, in die Wüste Gobi. Von hier aus gingen Kultureinschläge zuerst über Indien nach Vorderasien, Persien, Assyrien, nach Ägypten und dann nach dem Süden von Europa, nach Griechenland, Rom und später auch nach unseren Gegenden.
[ 8 ] You know that every one of these races was inspired by great initiates. The fifth root-race arose out of the ancient Semitic races. A trace of this origin still lives in all the sub-races which have so far constituted the fifth root-race. You know that after the destruction of Atlantis by the great flood the peoples who had emigrated and had thus been preserved from destruction were led by Manu, a divine guide, into Asia, into the desert of Gobi. Cultural influences went out from there to India, Persia, Assyria, Egypt, Greece, Rome, and even to our own countries.
[ 9 ] Nicht mehr verfolgbar für die Geschichte sind die ersten beiden semitischen Kultureinschläge, das sind die Kultureinschläge, die die indische und die urpersische Rasse erhalten haben. Wenn wir aber die chaldäisch-ägyptische Unterrasse betrachten, so müssen wir sagen, daß da ein großer semitischer Impuls stattgefunden hat, von dem das Volk Israel seinen Namen hat. Das Christentum ist auf einen solchen semitischen Einschlag zurückzuführen, der sich dann in die griechisch-lateinische Kultur hineinerstreckt. Wenn wir diesen Kultureinschlägen weiter nachgehen, finden wir den semitisch gefärbten Einfluß durch die maurischen Völker, die nach Spanien eingedrungen waren, über ganz Europa verbreitet, dem sich selbst christliche Mönche nicht entziehen konnten. So erstreckt sich der ursemitische Impuls bis in die fünfte Unterrasse. Wir sehen damit, wie durch die eine große Strömung die Urkultur fünfmal beeinflußt wird.
[ 9 ] History can no longer trace the first semitic streams of influence upon human civilisation when contemplating the ancient Aryan civilisation. This influence appears more clearly only in the third sub-race, in the Egyptian-Semitic-Babylonian peoples. The people of Israel even derive their name from it. Christianity itself may be led back, as a fourth influence, to a semitic impulse. If we continue studying the development of these influences we shall find the semitic impulse in the Moorish culture which penetrated into Spain, and spread over the whole of Europe influencing even Christian monks. Thus the primal semitic impulse reaches as far as the fifth sub-race. We see the impulses of one great stream penetrate five times into the earliest civilisations.
[ 10 ] Von Süden her haben wir einen großen spirituellen Strom, dem eine andere Strömung entgegenwächst, die sich im Norden durch vier Stufen der Urkultur entwickelt hat, bis zum Zusammenfluß beider Strömungen. Ein weltlich-naives Volk wird beeinflußt durch die von Süden heraufkommende Kultur an der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert. Wie eine spirituelle Luftströmung empfand man das Hereindringen einer neuen Kultur. Wolfram von Eschenbach stand ganz unter dem Einfluß dieser geistigen Strömung.
[ 10 ] We have one great spiritual stream coming from the South, which is met by another stream arising in the North, which penetrates into four phases of the early northern civilisation and develops until it meets the first stream, thus flowing together with it. A childlike, unworldly nation dwelt in northern Europe and these early inhabitants underwent the influence of the stream of culture coming from the South at the turning point of the 12th and 13th century. This new culture penetrated into these regions like a spiritual current of air. Wolfram von Eschenbach was entirely under the influence of this spiritual current.
[ 11 ] Die nordische Kultur ist symbolisiert durch die Sage vom Tannhäuser, wo der Impuls auch vom Süden kommt. Überall finden wir etwas, was wir als den semitischen Impuls bezeichnen können. Aber eines empfand man mächtig: daß die germanische Rasse ein letztes Glied einer Entwicklung sei, daß ganz etwas Neues kommen sollte, daß für die fünfte Unterrasse sich ganz etwas anderes vorbereitet: Das ist die höhere Sendung des Christentums. Eine neue Art des Christentums empfand man in der damaligen Zeit in den germanischen Ländern als Sehnsucht; ein neues Christentum sollte geschaffen werden, losgelöst sollte es werden von dem, was es im Süden durchgemacht hatte. Es sollte das Christentum in reinerer Gestalt noch einmal geschaffen werden. Es bildete sich zur Zeit der Kreuzzüge ein Gegensatz zwischen Rom und Jerusalem. Unter den Schlachtrufen «Hie Rom» und «Hie Jerusalem» kämpften die Kreuzfahrer. Das eine bezog sich auf das römische Christentum, das nur noch eine Schale war, das andere auf ein reines Christentum, das man wiederherstellen wollte und für das man in Jerusalem einen geistigen Mittelpunkt sah. So dachten die großen Scholastiker, und so war auch für Dante in seiner «Göttlichen Komödie» Jerusalem ein Mittelpunkt, der aber mehr in einem geistigen als in einem äußerlichen Sinne zu suchen ist. So empfand man die fünfte Unterrasse als einen Vorboten der Zukunft. Die alten Einflüsse hatten aufgehört, etwas ganz Neues sollte kommen,
[ 11 ] The northern civilisation is symbolized in the legend of Tannhäuser, which also contains an impulse from the South. Everywhere we come across something which may be designated as a semitic impulse. There was one thing, however, which was, felt very strongly: namely, that the Germanic races were a last link in this chain of development and that something entirely new would arise, preparing something completely different within the sixth sub-race: the higher mission of Christianity. The Germanic peoples longed for this new form of Christianity: a Christianity was to be called into life which had nothing to do with what had been taken over from the South. A contrast arose between Rome and Jerusalem; “Rome on the one side and Jerusalem on the other” was the battle-cry under which the crusaders fought. The idea that Jerusalem must be the centre was never lost. A spiritual Jerusalem, rather then a physical one, was borne in mind: Jerusalem as a spiritual centre, and at the same time as an outpost of the future. It was felt that the fifth sub-race had to serve still another purpose, that it had to fulfil a special task. The old impulses had ceased, something entirely new was to come, a new spiral curve in the civilisation of the world began.
[ 12 ] ein neuer Wirbel der Weltkultur begann. Nur ein Versuch war es, das rechte Christentum zu begründen, aber herausschälen sollte man aus dieser Schale den Kern des echten Christentums. Man empfand an der Wende des Mittelalters etwas Untergehendes, das Aufhören von etwas, was man als Wohltat empfunden hatte, und gleichzeitig empfand man etwas Aufgehendes in der Sehnsucht nach dem Neuen. All dies lebte in Wolfram von Eschenbach.
[ 12 ] What had come from the South was only an attempt; the kernel was now to be peeled out of its skins. At the turn of the Middle Ages it was felt that something old, which had been experienced as a boon, was setting and had come to an end, and that the longing for something new contained a new impulse which was gradually coming into life. These were the feelings which lived particularly in the strong personality of Wolfram von Eschenbach.
[ 13 ] Nun betrachten Sie die neue Zeit. Stellen Sie sich dies Gefühl vor, erneuert in einer Zeit, als der Niedergang gekommen war, so finden Sie etwas von dem, was in Richard Wagner gelebt hat. Mittlerweile war vieles von dem eingetroffen, was man früher als Niedergang der Rasse empfunden hatte. Richard Wagner hat vom Anfang seines bewußten Lebens an dieses niedergehende Element besonders lebhaft gefühlt. Für ihn waren viele Symptome dafür da, daß der Niedergang da ist und daß eine Neubildung geschehen muß. Das Chaos, welches uns heute in vieler Hinsicht umgibt, die Art und Weise, wie das niedere Volk in unserer Zeit mehr hinsiecht als hinlebt, das Elend der großen europäischen Volksmassen, deren spirituelles Leben im Dunkel bleibt, die abgetrennt sind von aller Bildung, hat niemand tiefer empfunden als Richard Wagner, und daher wurde er im Jahre 1848 Revolutionär. Nicht als gewöhnlichen Revolutionär müssen wir uns Wagner vorstellen, sondern wir müssen ihn so auffassen, daß der Gedanke schwer auf seiner Seele lastete: es ist in unsere Hand gegeben, heute mitzuwirken, entweder den Niedergang zu beschleunigen, das Rad abwärts zu drehen oder aufwärts zu führen. Die Revolution von 1848 war für ihn nur eine äußere Gelegenheit.
[ 13 ] Consider now the new period. Imagine this feeling rising up anew in a period of decadence, and then you will find in it something of what lived in Wagner. Many things had in the meantime taken place which were formerly experienced as decay of the race. Richard Wagner felt this particularly strongly ever since his conscious life began. The chaos which surrounds us to such a great extent to-day, the chaos in which the masses waste away through sickness, contain both the symptoms of decay and of a new life. The misery of the great masses of European people, whose spiritual life remains hidden in darkness, who are cut away from education and culture, has never been experienced more deeply than by Richard Wagner, and for this reason he became a revolutionary in the year 1848, for the following thought weighed heavily on his heart: It lies within our power to help in accelerating the downward course of the wheel, or in guiding it up again. This is the idea of Bayreuth. The events of 1848 were only an insignificant symptom of the coming spiritual movement.
[ 14 ] Wenn wir das alles so auffassen, werden wir verstehen, wie Richard Wagner zu seinen Ideen über die Rassen kam, wie er sie ausdrückt in seinen Prosaschriften. In seiner Schrift «Religion und Kunst» sagt er ungefähr folgendes: Wir haben da drüben in Asien in dem indischen Volke etwas von der ursprünglichen Kraft der arischen Rasse. Da lebt etwas von der hohen Kraft spirituellen Lebens, aber nur für eine Elite, für das Brahmanentum. Ausgeschlossen von dieser Lehre sind die niederen Kasten, aber im Brahmanentum ist ein hoher geistiger Standpunkt erreicht, der ein Ausdruck der Urkultur ist. Blicken wir von da nach dem Norden, so sagt sich Richard Wagner, haben wir dort eine naive Rasse, die selbst vier Stufen der Entwicklung durchgemacht hat, ein jagdfrohes Volk, von dem man sich vorstellen muß, daß es als Jäger Freude daran hatte, seine Feinde zu töten. - Die Freude am Töten des Lebendigen ist für Wagner ein Dekadenz-Symptom. Es ist eine tiefe, okkulte Tatsache, daß Leben und Tod in merkwürdiger Weise zusammenhängen mit der Entwicklung des Menschen nach dem Höheren, Reineren, Spirituellen. Alles, was der Mensch vollbringt an Qual, an Vernichtung des Lebens, entzieht seiner Seele spirituelle Kraft. Man mag über einzelne Kulturerscheinungen denken wie man will - jegliche Vernichtung des Lebens ist verknüpft mit dem Entreißen von spirituellen Kräften. Daher muß derjenige, welcher den «schwarzen Pfad« geht, gerade Leben vernichten. Dies kommt zum Beispiel in dem Roman «Flita» von Mabel Collins zum Ausdruck. Es ist die Geschichte einer Schwarzmagierin, die ungeborenes Leben vernichtet, weil sie dies für ihre verwerflichen Kräfte braucht. Es ist ein tiefer Zusammenhang zwischen dem Leben, dem Tod und der Entwicklung des Menschen. Es ist dies eine Lektion, die von den Völkern gelernt und durchgemacht werden mußte. Etwas anderes war es, wenn in einer bestimmten Zeitentwicklung in naiver Weise getötet wurde; damals erfuhr man durch das Töten die Kraft, die in einem war - in dieser Lage waren die altgermanischen Jägervölker.
[ 14 ] If we grasp this, we shall be able to understand how Richard Wagner came to his race-problem, dealt with in his prose-writings. He expresses himself more or less as follows: In Asia, in the Hindoo race, we may find something of the primordial force of the Aryan race. Some of the strong spiritual forces of the Aryan race exist for a chosen few, for the Brahmin caste. The lower castes are excluded, but a high spiritual standpoint is reached by the Brahmins. Then we may find in the North a more childlike race (thus Wagner continues), which has passed through the four stages of evolution within the race itself. These people delight in hunting; killing is a joy to them, but this pleasure in taking away life is a symptom of decadence. It is a deep, occult fact that life is strangely connected with knowledge, with the development of man in the direction of higher spiritual knowledge. Everything man doer, in the way of cruelty or of destruction of life takes away from him the pure spiritual forces. For this reason, those who increase the forces of egoism, who tread the black path, must destroy life. (In Mabel Collin's “Flita”, the story of a woman dealing in black magic, Flita destroys unborn existences, because she needs life in order to maintain her power.) There is a deep connection between the taking away of life and the life of man. In the eternal course of evolution this is a lesson which must be learnt and experienced. But it is another matter if during a certain period of evolution people take away life in a naïve way. Once upon a time the act of killing made man feel his own strength. This may be said of the ancient Germanic races, the hunting peoples. Ever since Christianity has appeared, it is a mortal sin to kill, and killing is now a symptom of decadence in a race.
[ 15 ] Jetzt aber, nachdem das Christentum gekommen war, wurde das anders. Die christliche Lehre enthält das Verbot des Tötens, das Töten ist eine Sünde. Hier ist der Ursprung der Anschauung zu suchen, die Wagner zu einem strengen Vegetarismus führte. Für ihn wird die Ernährung mit Fleisch zu einem Zeichen des Niedergangs einer Rasse, und er bezeichnet es als einzige Möglichkeit des Aufstiegs, wenn die Menschen übergehen zu einer Nahrung, die sie nicht mehr verleitet zum Töten.
[ 15 ] This was the foundation of the view which induced Wagner to become a strict vegetarian. In his opinion, the only way in which a race may grow in strength is through a nourishment which does not imply killing.
[ 16 ] Die Empfindung dafür, daß ein neuer Impuls kommen mußte, veranlaßte Wagner auch zu seinen Ausführungen über den Einfluß des Judentums auf die heutige Kultur. Wagner war nicht Antisemit in dem unsinnigen, gehässigen Sinne, wie man ihn heute erleben kann, aber er fühlte, daß das Judentum seine Rolle als solche ausgespielt hatte, daß die semitischen Einflüsse auf unsere Kultur verglimmen mußten und etwas Neues an deren Stelle treten mußte. Daher sein Ruf nach einer Erneuerung. Dies hängt damit zusammen, wie er unsere gegenwärtige Rasse auffaßte. Er sagte sich: Wir müssen einen Unterschied machen zwischen Rassenentwicklung und Seelenentwicklung. - Diesen Unterschied muß man machen, wenn man überhaupt die Entwicklung begreifen will.
[ 16 ] The feeling that a new impulse had to come produced in Wagner also his ideas concerning the influence of the Jews upon our present civilisation. He was not anti-Semitic in the present, odious way, but he felt that Judaism as such had finished to play its role, and that the Semitic impulses must die out. This gave rise to his call for emancipation from these impulses. A powerful spiritual direction made him feel that something new must replace earlier influences. This is connected with his ideas about the Germanic races. He made a clear distinction between the development of the soul and of the race. This distinction must be made by saying:
[ 17 ] Wir alle waren einst verkörpert in der atlantischen Rasse; während aber die Seelen sich weiterentwickelt haben und aufgestiegen sind, ist die Rasse in Dekadenz gekommen. Jedes Höhersteigen ist aber verknüpft mit einem Niedersteigen. Für jeden sich Veredelnden gibt es einen Hinabsinkenden. Es ist ein Unterschied zwischen der Seele im Rassenkörper und dem Rassenkörper selbst. Je mehr der Mensch der Rasse ähnlich wird, je mehr er liebt, was zeitlich, vergänglich, mit den Eigenschaften seiner Rasse verbunden ist, desto mehr gehört er dem Niedergang der Rasse an. Je mehr er sich freimacht, sich heraushebt aus den Rasseneigentümlichkeiten, desto mehr hat die Seele die Möglichkeit, sich höher zu verkörpern. Ein solcher Geist wie Wagner, der unterscheidet zwischen Seelenentwicklung und Rassenentwicklung, kann gar nicht Antisemit sein. Er weiß, daß es nicht die Seelen sind, die ausgespielt haben, sondern daß die Rassen ihre Aufgaben ausgespielt haben in der großen Weltentwicklung. Das ist es, was Wagner immer wieder in seinen Schriften ausspricht, wenn er von «Semitismus» redet. Wagner empfindet Untergang, den Niedergang der Rassen und die Notwendigkeit des Aufsteigens der Seelen. Diese Notwendigkeit empfanden auch mittelalterliche Seelen wie Wolfram von Eschenbach oder Hartmann von Aue.
[ 17 ] We were all incarnated in the Atlantean race. Whereas the souls have risen higher, the races have degenerated. Every step we ascend is connected with a descent. For every man who grows more noble-minded there is one who sinks down lower. There is a difference between the soul dwelling within the race-body and the race-body itself. The more a human being resembles the race to which he belongs, the more he loves what is transient and is connected with the qualities of his race, the more he will degenerate with the race. The more he emancipates himself, lifting himself out of the peculiarities of his race, the more his soul will have the possibility to incarnate more highly. Richard Wagner knows that in fighting against the Semitic element we should not fight against the souls who are incarnated within the race, but only against the race as such, which has finished to play its role. Wagner thus makes a distinction between the descending evolution of the race and the ascending evolution of souls. He felt the necessity of this ascending evolution just as keenly as a medieval soul, just as keenly as Wolfram von Eschenbach, or Hartmann von der Aue.
[ 18 ] Wir wollen noch einmal zurückkommen auf die Sage vom armen Heinrich. Wir müssen noch etwas tiefer betrachten, was es heißt, daß der arme Heinrich geheilt wird durch eine reine Jungfrau. Heinrich hat seine Krankheit dadurch, daß er zunächst gelebt hat im Sinnlichen; sein Ich ist geboren aus seiner Rasse heraus, aus dem, was in dieser Zeitepoche sinnlich wirkend ist. Dieses Ich, das aus dem Sinnlich-Wirkenden herausgeboren ist, wird krank, als der Ruf an es - an die Menschheit - herantritt, sich höher zu entwikkeln. Die Seele wird krank, weil sie sich verbindet mit dem, was nur in der Rasse leben soll. Dies ist charakterisiert dadurch, wie die Liebe in weltlicher Weise zum Ausdruck kommt. Nun soll aus der in der Rasse lebenden, niederen Liebe die höhere Liebe sich entwickeln. Das in der Rasse Lebende muß erlöst werden durch ein Höheres, durch die höhere, reine Liebe, die sich opfert für die strebende Seele des Menschen, durch das, was Goethe das EwigWeibliche nennt, das uns hinanzieht.
[ 18 ] We must consider once more what is contained in the fact that in “Armer Heinrich” (Poor Henry) Henry is healed by a pure virgin. Henry has lived, to begin with, a life of the senses, his Ego is born out of his race. This “Ego” begins to all as soon as it begins to hear the higher call, the call meant for humanity in general. The soul grows ill because it connects itself with something which is only rooted in the race: with a form of love which is rooted in the race. Now this lower kind of love living within the race must develop into a higher form of love. What lives within the race must be redeemed by something higher, by the higher, purer soul that is ready to sacrifice herself for the striving soul of man.
[ 19 ] Sie wissen - ich habe das schon öfter dargelegt -, daß in jedem Menschen das Männliche und das Weibliche lebt und daß dadurch, daß es auseinandergelegt ist, sich das Sinnliche hineinmischt. Die Erlösung durch das «Ewig-Weibliche» bedeutet, daß das Sinnliche überwunden wird. Dies wird auch dargestellt in «Tristan und Isolde». Der historische Ausdruck für diese Überwindung ist für Wolfram von Eschenbach wie für Richard Wagner der Parsifal; er ist der Repräsentant des neuen Christentums. Parsifal wird dadurch König vom heiligen Gral, daß er das erlöst, was früher unter der Knechtschaft des Sinnlichen gelitten hat, und daß er nun ein neues Prinzip der Liebe hineinbringt in die Welt.
[ 19 ] You know that the soul consists of a male and a female part, and that the impressions of the senses which enter the soul push this soul-element into the background. “The eternal Feminine draws us along!” (“Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan!” Goethe, Faust II). Salvation means that sense-life must be overcome. We find this redemption also in “Tristan and Isolde”. The historical expression for the overcoming of sense-life is “Parsifal”. He is the representative of a new Christianity. He becomes the King of the Holy Grail because he redeems what has once been held in the bondage of the senses and thus brings into the world a new principle of love.
[ 20 ] Was liegt überhaupt dem Parsifal zugrunde? Was bedeutet der heilige Gral? Die Ursage, die wir auftauchen sehen um die Mitte des Mittelalters, erzählt uns, daß der heilige Gral die Schale ist, deren sich Christus beim Abendmahl bediente und in der Joseph von Arimathia dann das Blut auffing, welches aus der Wunde des Christus Jesus floß. Diese Schale und die Lanze, die diese Wunde geschlagen hatte, wurden von Engeln emporgetragen und in der Luft schwebend erhalten, bis sich Titurel fand, der auf dem Berge Montsalvat — das ist der Berg des Heils - eine Burg erbaute, in der diese Schale aufbewahrt wurde als ein Heiligtum der geistlichen Ritterschaft. Zwölf Ritter sind versammelt, dem heiligen Grale zu dienen. Er hat die Kraft, den Tod abzuwenden von diesen Rittern und ihnen das zu geben, was sie brauchen, um ihre Seelen hinaufzulenken nach dem Spirituellen. Sein Anblick gibt ihnen immer aufs neue spirituelle Kraft.
[ 20 ] What lies at the foundation of Parsifal? What is the meaning of the Holy Grail? The earliest legend which appears at the turning-point of the Middle Ages tells us that the Holy Grail is the cup which was used by Jesus Christ at the Lord's Supper, the cup in which he offered the bread and the. wine and in which Joseph of Arimataea caught up the blood streaming out of Christ's wound. The spear which caused this wound and the chalice were born up by angels, who held it suspended in the air until Titurel found them and built upon Montsalvat (which means: the Mountain of Salvation) a castle in which he could guard these treasures. Twelve knights gathered together to serve the Holy Grail. The Holy Grail had the power to avert the danger of death from these knights and to supply them with everything they needed for their life. Whenever they looked upon it they acquired new spiritual strength.
[ 21 ] Nun können wir sogleich auf die Gestalt eingehen, die Richard Wagner der Parsifal-Sage gegeben hat. Es ist im wesentlichen dieselbe, die wir schon bei Wolfram von Eschenbach haben. Wir haben da auf der einen Seite den Gralstempel mit seinen Rittern, auf der anderen Seite das Zauberschloß des Klingsor mit seiner Ritterschaft, die die eigentlichen Feinde der Ritterschaft des Grals sind. Zwei Arten des Christentums werden da einander gegenübergestellt: die eine stellt die Ritterschaft des Grals dar, die andere Klingsor mit seinen Rittern. Klingsor ist derjenige, der sich verstümmelt hat, um nicht der Sinnlichkeit zu verfallen. Das Verlangen aber ist von ihm nicht überwunden worden, er hat es nur unmöglich gemacht, es zu befriedigen. So lebt er noch im Reiche der Sinnlichkeit. Ihm dienen Zaubermädchen. Kundry ist die eigentliche Verführerin in diesem Reich. Sie zieht alles, was zu Klingsor kommt, hin nach der sinnlichen Seite, nach dem, was der Vergangenheit angehören sollte. In Klingsor ist personifiziert das Christentum des Mittelalters, das asketisch geworden ist, das zwar die Sinnlichkeit, nicht aber zugleich das Verlangen abgetötet hat; es rettet nicht vor der verführenden Kraft der sinnlichen Liebe, die in der Kundry personifiziert ist. Etwas Höheres sah man in der Entsagekraft der höheren Spiritualität, die nicht durch Zwang die Sinnlichkeit abtötet, sondern die durch höheres geistiges Erkennen diese Sinnlichkeit veredelt und sich erhebt in das Reich der geläuterten Liebe. Amfortas und die Gralsritterschaft erstreben es, aber es war bis dahin nicht möglich, dieses Reich zu schaffen. Es gelang nicht. Solange nicht die rechte spirituelle Kraft da war, muß Amfortas der Verführung der Kundry verfallen; die höhere Gesinnung in Amfortas fällt der niederen Gesinnung, dem Klingsor, zum Opfer.
[ 21 ] On the one side, we have the temple of the Holy Grail with its knights, and on the other, the Magic Castle of Klingsor with his knights, who are, in reality, the enemies of the knighthood of the Holy Grail. We are confronted with two forms of Christianity. One kind is represented by the knights of the Holy Grail and the other by Klingsor. Klingsor is the man who has mutilated himself in order not to fall a prey to the senses. But he has not overcome his desires, he has only taken away the possibility to satisfy them. Thus he lives in a sensual sphere. The maidens of the magic castle serve him, and everything belonging to the sphere of desires is at his disposal. Kundry is the real temptress in this kingdom: she attracts everyone who approaches Klingsor into the sphere of sensual love. Klingsor has not destroyed desire, but only the organ of desire. He personifies the form of Christianity which comes from the South and introduced an ascetic life; it eliminated a sensual life, but it could not destroy desire; it could protect against the tempting powers of Kundry. A higher element was perceived in the power of a spirituality which rises above sensual life into the sphere of purified love, not through compulsion, but through a higher, spiritual knowledge. Amfortas and the knights of the Holy Grail strive after this, but they do not succeed in establishing this kingdom So long as the true spiritual force is lacking, Amfortas yields to the temptations of Kundry. The higher spirituality personified in Amfortas falls a prey to the lower memory.
[ 22 ] So stellt uns die Parsifal-Sage zwei Erscheinungen nebeneinander: auf der einen Seite das Christentum, das asketisch geworden ist, das aber durch die Abtötung der Sinnlichkeit doch nicht höhere, spirituelle Erkenntnis hat erreichen können, und auf der anderen Seite die Repräsentanten der geistigen Ritterschaft, welche aber solange immer Klingsors Verführung zum Opfer fallen, wie der Erlöser nicht erschienen ist, der Klingsor besiegt. Amfortas wird verwundet, verliert die heilige Lanze an Klingsor und muß als schmerzbehafteter König den Gral hüten. So krankt und leidet auch das höhere Christentum. Es muß im Leiden die eigentlichen Geheimnisse, die Mysterien des Christentums hüten, die mit dem heiligen Gral verbunden sind, bis ein Erlöser in neuer Gestalt erscheint - und dieser Erlöser ersteht in Parsifal. Parsifal muß zunächst seine Lektionen lernen, er macht die Prüfungen durch; dann läutert er sich und erhebt sich zu jener spirituellen Kraft, zu dem Gefühl der großen Einheit allen Seins. Wiederum unbewußt stellt uns Richard Wagner tiefe, okkulte Wahrheiten im Parsifal dar. Zuerst macht Parsifal die Stufe durch, wo er das Mitleid lernt, das Mitleid mit unseren älteren Brüdern, den Tieren. Er hat in ungestümem Triebe zur Ritterschaft seine Mutter Herzeleide verlassen, die vor Gram gestorben ist, er hat gekämpft und das Tier getötet. Er hat bei dem scheidenden Blick des Tieres empfunden, was es heißt zu töten. Das ist die erste Stufe seiner Läuterung.
[ 22 ] Thus we are confronted with two phenomena. On the one hand, Christianity which has become ascetic and is unable to reach a higher spiritual knowledge; and on the other hand, the spiritual knighthood which falls a prey to Klingsor's temptation until the redeemer appears who vanquishes Klingsor. Amfortas is wounded and loses the sacred spear; he must guard the Holy Grail as a sorrow-laden king. This higher Christianity is therefore diseased and suffering; it must guard the mysteries of Christianity in sorrow until a new saviour appears. And this saviour appears in Parsifal. Parsifal must first learn his lesson, he passes through tests; he then becomes purified and finally attains spiritual power, the feeling of the great oneness of all existence. Richard Wagner thus unconsciously comes to great occult truths. First of all to compassion. Parsifal at first passes through a scale of experiences which fill him with compassion for our older brothers, the animals. In his violent desire to embrace knighthood he has abandoned his mother Herzeleide, who has died of a broken heart. He has battled and killed. The dying glance of an animal then taught him what it means: “to kill”.
[ 23 ] Die zweite Stufe besteht darin, daß er lernt, das Verlangen zu überwinden, ohne äußerlich die Organe des sinnlichen Verlangens abtöten zu müssen. Er gelangt zunächst zum heiligen Gral, erkennt aber seine Aufgabe noch nicht. Er lernt sie kennen, indem er die Initiation des Lebens empfängt. Er verfällt scheinbar der Versuchung durch Kundry, aber er besteht die Prüfung. In dem Augenblicke, wo er der Versuchung unterliegen könnte, entreißt er sich der Macht des Verlangens; eine neue, reine Liebe erstrahlt in ihm gleich einer aufgehenden Sonne. Es blitzt das auf, was wir schon in der Götterdämmerung erstehen sahen. «Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria virgine», geboren vom Geiste durch die Jungfrau — das ist die höhere Kraft der Liebe, welche aus der nicht von der Sinnlichkeit durchtränkten Seele herausgeboren wird, die alle Seelen läutert und reinigt und veredelt. Eine solche Seele muß der Mensch in sich erwecken, die nicht die sinnlichen Organe tötet, sondern die alles Sinnliche veredelt, weil aus der jungfräulichen Materie das Ich, der Christus, geboren wird. Der Christus wird in Parsifal geboren Eine höhere, jungfräuliche Kraft tritt der verführerischen Kundry entgegen. Überwunden werden muß Kundry, jenes Weibliche, welches das Ich des Menschen herabzieht in die Sphäre des Geschlechtlichen. Es wird uns in der Kundry die Inkarnation dessen entgegengestellt, was als das andere Geschlecht den Menschen herabgezogen hat. Kundry ist schon einmal dagewesen als Herodias, die das Haupt des Johannes verlangte. Sie ist dagewesen in einer ähnlichen Art wie Ahasver als eine Gestalt, die nicht zur Ruhe kommen kann, die überall in der sinnlichen Liebe ihre einzige Erlösung sucht.
[ 23 ] The second stage consists in rising above desire, without killing desire from outside. So he reaches the sanctuary of the Grail, but he does not as yet understand his task. He learns his lesson through life, He falls into temptation through Kundry, but he stands the test. Just when he is about to fall, he rises above desire; a new pure love shines forth within him like a rising sun. Something flares up which we already discovered in the Twilight of the Gods: “Incarnatus est de spiritum sanctum ex Maria Virgine”, born of the Spirit through the Virgin, (the higher love, which is not filled with sensual feelings). The human being must awaken within him a soul which purifies everything transmitted by the senses. because virgin substance, virgin matter, will give birth to the Ego of the Christ. The lower female element in the human soul dies and will be replaced by a higher female element which lifts him up to the Spirit. A higher virgin power faces the seducing Kundry. Kundry, the other female element pertaining to sex which draws man down, which seeks to draw him down, must be overcome. Kundry has already lived once as Herodias who asked for the head of John the Baptist, Herodias, the mother of Ahasver. The force which cannot find peace and seeks everywhere a sensual love, this force takes on the form of a love which must first be purified, undergo a transformation, like Kundry.
[ 24 ] Befreiung von der sinnlichen Liebe ist es, was uns Richard Wagner unbewußt hineingeheimnißt hat in seinen Parsifal. Wir sehen, wie dieser Gedanke sich hinaufrankt in seinem Werke. Schon im «Fliegenden Holländer» wird er durch die intuitive Kraft seines Wesens hingeführt zu demselben Problem: ein Mann, der auf dem Meere herumirrt, wird durch das Opfer einer Jungfrau von seinen langen Irrfahrten erlöst. Es ist auch das Problem des «Tannhäuser». Den Sängerkrieg auf der Wartburg stellte Wagner dar als den Kampf zwischen dem Sänger der alten, sinnlichen Liebe, Heinrich von Ofterdingen, und Wolfram von Eschenbach, der die Kraft des erneuerten, spirituellen Christentums repräsentiert. In dieser Sage vom Sängerkrieg auf der Wartburg ist es gerade Heinrich von Ofterdingen, der sich den Meister Klingsor von Ungarland zu Hilfe holt Aber beide werden besiegt durch die Kraft, die ausströmt von Wolfram von Eschenbach. Tiefer verstehen wir nun den Tristan, weil wir wissen, daß es nicht die Ertötung von Liebe, sondern die Klärung und Läuterung der in ihm lebenden Liebe ist, um die es sich handelt.
[ 24 ] Emancipation from a love dependent on the senses—this is the mystery which Richard Wagner has woven into his Parsifal. This thought permeates all the works of Richard Wagner. Even in his “Flying Dutchman” the intuitive force of his nature leads him to the same problem, for in this work we find that a virgin is willing to sacrifice herself for the Dutchman, thus redeeming him from his long wanderings. And the same problem is contained in “Tannhäuser”. The singer's contest on the Wartburg is set forth as a contest between the singer of the old sensual love, Heinrich von Ofterdingen, and Wolfram von Eschenbach, who is the representative of the new, spiritual Christianity. He overcomes Heinrich von Ofterdingen, who has called in the aid of Klingsor from Hungary, but Wolfram overcomes both. Now we are able to understand Tristan more deeply, because we know that what lives in him is not the killing of love, but the overcoming of the race, or the purification of love.
[ 25 ] Aus der Schopenhauerschen Verneinung des Willens schwang sich Richard Wagner auf zu einer Umkehrung und Läuterung des Willens in die höheren Sphären hinein. Wagner hat diese Läuterung sogar zum Ausdruck gebracht in einem Drama, wo es scheinbar gar nicht darin enthalten ist, in den «Meistersingern». Sozusagen zwischen den Zeilen haben Sie es da in der Reinigung des Hans Sachs von jener Versuchung, die er Eva gegenüber empfindet, sie für sich selbst zu gewinnen. Das liegt nicht so sehr im Text selbst, als in der Musik; wenn Sie die Musik der Meistersinger hören, verspüren Sie etwas von dieser Läuterung.
[ 25 ] Richard Wagner rose from Schopenhauer's “Denial of the Will” to a purification of the will. Wagner even expressed this purification in his “Meistersingers”, where Hans Sachs' feelings toward Eve undergo a purification when he seeks to win her for himself. This is expressed not so much in the text, as in the music. All this has streamed together in his Parsifal. Richard Wagner looked back upon the ancient ideal of the Brahmins, and perceived with sorrow the symptoms of decay in the present race. He wished to give rise to a new impulse born out of art.
[ 26 ] Zusammengeflossen ist das alles für Richard Wagner in seinem «Parsifal». Er hat zurückgeblickt nach dem brahmanischen Urideal. Mit Wehmut und Schmerz hat er die Verfallssymptome gesehen in der gegenwärtigen Rasse. Und aus seiner Kunst heraus wollte er einen neuen Impuls schaffen. Die Erlösung der Rasse durch einen neuen spirituellen Inhalt, das war es, was er in seinen Festspielen geben wollte. Aus diesem Geiste heraus schrieb auch Nietzsche, solange er mit Wagner ging, über dionysische Kunst. Er empfand, daß da in den Festspielen etwas lebte von einer Erneuerung der Mysterienspiele des alten Griechenland. Die «Dionysien» des Aischylos und Sophokles, die uns zurückführen in den Aufgang der vierten Unterrasse, waren etwas, was beigetragen hat zum Aufgehen der Kulturströmung der fünften Unterrasse. In den Tiefen der Mysterientempel des Dionysos empfand man diese Erlösung des Menschen. Erst in den europäischen Ländern ist das herausgekommen, was sich dazumal in den Mysterientempeln abgespielt hat. Wir stehen vor einem Dionysos, der sich in der Materie verkörpert, der im Menschen seine Auferstehung feiert und seine Himmelfahrt. In den Mysterientempeln empfand der griechische Eingeweihte den herabgestiegenen Gott. Es war etwas von Wehmutsstimmung in diesen griechischen Mysterien, wenn man davon sprach, daß in der Zukunft der Gott in den Menschenherzen wieder auferstehen wird. Und in der nordischen Sage sprachen die Eingeweihten, die Druiden, von der Götterdämmerung, aus der ein neues Geschlecht hervorgehen würde. Das Christentum wurde vorausgesagt in den alten Mysterien der Drotten und Druiden. Richard Wagner sah die Zeit nahe, wo sich erfüllen muß das Christentum, das sich herausentwickelt hatte innerhalb der vierten und heraufentwickelt hat in der fünften Unterrasse, wo dieses Christentum seine ureigene Sprache sprechen wird. Jetzt sollen die, die da geglaubt haben, auch wieder zu Schauenden werden.
[ 26 ] In his Festivals at Bayreuth he had in mind to redeem the race by giving it a new spiritual content. This was the spirit which prompted Nietzsche, so long as he was connected with Wagner, to write about “Dyonisian Art”. He felt that these Festivals contained something of the spirit of the ancient Mysteries. The Mysteries had contributed to the development of the human race up to the fourth sub-race. In the Mystery-temple of Dyonisos it was possible to experience this uplifting impulse, and in the North, the initiates, the druids, spoke of the twilight of the gods out of which a new race would come forth, would have to come forth. Our civilisation, with its task of introducing Christianity, stands in the very midst of these ideas. Sorrowfully the Greek disciple of the Mysteries spoke of the man “who would come to fulfil the Mysteries”. Richard Wagner saw the time approaching when Christianity, developing out of the fifth sub-race, would have to be fulfilled. He brought faith also to those “who could not see”. A time will come when the God of the Mysteries will rise again from the human into the divine sphere. The twilight of the gods of the ancient northern saga shows us this ascent, in the gods' journey to Walhalla along the rainbow-bridge. The time draws near and must be fulfilled when Christianity begins to speak its own characteristic language, when “those who believed will be able to see again”.
[ 27 ] Richard Wagner hat den Pulsschlag der Erdenentwicklung erlebt, ebenso wie Edouard Schur&, der aus diesem Impuls heraus das alte Mysteriendrama der eleusinischen Mysterien rekonstruiert hat. So zeigt uns das Ereignis Bayreuth den Zusammenfluß zweier Kulturströmungen, das Aufleben der Mysterien Griechenlands und ein neues Christentum. So empfand Richard Wagner, und so empfanden die, die um ihn waren, und so empfand auch Edouard Schure diese Kunst als ein erstes Vorspiel zu einer Vereinigung dessen, was sich einstmals getrennt hatte. In dem Urdrama [von Eleusis] waren Religion, Kunst und Wissenschaft in einem vereint, bis sie sich spalteten. Die Kunst ging für sich - Aeschylos, Sophokles -, die Religion und Wissenschaft gingen ihre eigenen Wege. Drei Ströme nebeneinander sind so aus der gemeinsamen Wurzel der griechischen Mysterien erwachsen. Jede dieser Strömungen hat nur groß werden können dadurch, daß sie zunächst ihren eigenen Weg ging. Die Zeit fand für das Gemüt einen besonderen religiösen Ausdruck, für die Sinne einen künstlerischen und für die Vernunft einen wissenschaftlichen Ausdruck. So mußte es kommen, denn nur, wenn der Mensch auf getrenntem Wege eine jede dieser Fähigkeiten entfalten konnte bis zur höchsten Blüte, konnte eine Vollkommenheit erreicht werden. Die Religion, wenn sie hinaufgeführt ist zu der Höhe der christlichen Weltanschauung, ist bereit, sich wieder zu vereinigen mit der Kunst und der Wissenschaft. Dichtung, Malerei, plastische Kunst und Musik, sie werden erst ihre Höhe erreichen, wenn sie sich wieder vereinigen mit der wirklichen Religion. Und die Wissenschaft, die erst in der Neuzeit zur vollen Entfaltung gelangt ist, hat in Wahrheit den Impuls gegeben zur Vereinigung dieser drei Strömungen.
[ 27 ] Bayreuth thus shows us two currents of civilisation: The renewal of the Mysteries of Greece, and a new Christianity—thus uniting what had become severed. Richard Wagner and all those who surrounded him felt this, and Edouard Schuré had the same feeling about this art. He saw in it the prologue introducing the union of what had become severed in the past Religion, art and science were united in the ancient primordial drama: then came the division and three separate currents began to flow out of the one source contained within the Greek Mysteries. Each current owes its development to the fact that it went its own separate way. In the course of time a “religious” element arose for the soul, an “artistic” one for the senses, and a “scientific” one for the understanding. This was inevitable, for perfection could be reached only if man unfolded every one of his capacities separately until they attained the highest point of development. If religion is led toward the highest form of Christianity, it is willing to become reunited with art and science. Art—poetry, painting, sculpture and music—will reach the summit if it becomes permeated with true religion. And science, which has reached its full development in the modern period, has really given the impulse for the reunion of these three currents.
[ 28 ] Jetzt ist durch Richard Wagner, der als einer der ersten den Impuls einer neuen Vereinigung von Kunst, Wissenschaft und Religion empfand, diese Vereinigung als eine neue Weihegabe der Menschheit dargeboten. Er empfand, daß das Christentum berufen ist, dasjenige, was früher getrennt war, wiederum zu vereinigen, und das hat er hineingelegt in die Gestalt seines Parsifal. Wie das große Tönen einer neuen Kultur klingt an unser Ohr jener Karfreitagszauber, in den Wagner seine Karfreitagsstimmung hineingelegt hat. Er erkannte, daß Seelenentwicklung und Rassenentwicklung verschiedene Wege gehen müssen, daß es gilt, die Seelen zu erheben und zu erlösen, daß die Auferstehung der Seelen herbeizuführen ist, trotz des tragischen Geschickes, mit dem Körper der Rasse verbunden zu sein, mit dem, was niedergeht. Erklingen lassen die Welt von Tönen, die auf eine neue Zukunft hinweisen, das wollte Richard Wagner durch sein Werk in Bayreuth. Ein kleiner Teil der Menschheit sollte wenigstens auf jene Töne der Zukunft hören. Es ist eine lebendige, künstlerische Apokalypse, die Wagner seiner Zeit verkündete, als ein rechter Prophet, der wußte, daß bald eine neue Zeit anbrechen muß, auf die er hinweisen wollte. So klingt sein Lebenswerk aus:
[ 28 ] Richard Wagner, one of the first who felt the impulse leading to a reunion of art, science and religion, has offered this to humanity as a new gift. He felt that Christianity is again called upon to unite everything. And he poured this new Christianity into his Parsifal. The Good Friday music, expressing Wagner's own Good Friday feelings, re-echoes in our ear as if it were the great current of a new civilisation. The Good Friday experience revealed to him that the individual development of the soul and the development of the race must go separate ways, that the souls must be lifted up and saved, that it is our task to awaken the soul to new life, in spite of the tragic fate connecting the body with the race, with the forces which are doomed to decay. To fill the world with tones pointing to a new future, this is what Richard Wagner wished to set forth at Bayreuth, this is the newly rising star which he pointed out to us. At least a small part of humanity should listen to the tones of the future age. Wagner's life-work ends with apocalyptic words, the apocalypse which he wished to proclaim to his period, as a true prophet who knew that a new age would dawn very soon:
[ 29 ] Die Gesichte, die mir erschienen sind, will ich euch künden, und die Zeiten werden kommen, in denen sie sich verwirklichen werden.
[ 29 ] “The visions I see, let me proclaim to you!”
