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The Rudolf Steiner Archive

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Grundelemente der Esoterik
GA 93a

12 Oktober 1905, Berlin

XVII

[ 1 ] Im Okkultismus unterscheiden wir am Menschen erstens seine Handlungen, indem wir unter Handlungen alles verstehen, was ausgeht von irgendeiner Tätigkeit, die mit seinen Händen verknüpft ist; zweitens die Sprache und drittens die Gedanken. Alles was der Mensch in diesem Sinne mit seinen Händen vollbringt, das wirkt im Karma mit an seinem nächsten irdischen Dasein. Was wir sprechen, geht nicht nur allein uns an, sondern eine Gruppe von Menschen, die dieselbe Sprache hat und das wirkt an dem Karma der Gruppe oder Rasse. In den Worten liegt eine größere Verantwortung als in den bloßen Taten; denn wir bereiten damit die Konfiguration einer nächsten Rasse vor. Was wir denken, wirkt sogar nach bei einer Neugestaltung unserer Erde. Daher unterscheiden wir die drei Stufen: Erstens: Das Handeln des Menschen ist individuell, außer den Handlungen, die im Menschen aus dem Nichts heraus entspringen. Zweitens: Der Mensch kann nicht für sich selbst allein sprechen, die Worte gehen eine Gruppe von Menschen an. Drittens: Die Gedanken gehen die ganze Menschheit an.

[ 2 ] Damit hängt etwas anderes zusammen. Wenn wir handeln, stehen wir ganz allein hinter den Handlungen. Wenn wir sprechen, sind wir in den Worten nicht ganz allein. Hinter unseren Worten wirkt eine geistige Wesenheit mit; die steht dann hinter uns. So wahr es ist, daß unsere Worte, die wir aussprechen, sich ganz genau im Akasha abbilden, so wahr ist es, daß wir mit jedem Worte, das wir aussprechen, eingreifen in den Leib eines geistigen Wesens, das in dieser Akasha-Materie inkarniert ist, in die unsere Worte hineingehen. Das müssen wir in unser Empfinden aufnehmen; darum müssen wir unsere Worte so sehr in acht nehmen. Wenn wir denken, sind wir scheinbar ganz allein in uns, dennoch wirken Wesen geistiger Art in unseren Gedanken mit, Wesen noch höherer und bedeutsamerer Art, als in unserer Sprache mitwirken.

[ 3 ] In diesen Dingen liegt mehr als eine ganze Weltgeschichte. Dadurch werden manche Dinge erklärlich. Betrachten wir einen Gedanken in uns. Hinter diesem Gedanken steht eine geistige Wesenheit. Wenn wir uns eingeschlossen denken von allen Seiten vom Leibe einer geistigen Wesenheit, so ist der Gedanke nur ein Ausdruck des Leibes der geistigen Wesenheit, die in uns hineinwirkt. Jedesmal wenn ein Gedanke durch unsere Seele zuckt, ist das ein Abdruck, eine Art Fußspur einer höheren geistigen Wesenheit, so wie wenn wir über feuchten Boden gehen, Fußspuren hinterlassen und sagen: Hier ging ein Mensch. — Diese geistige Wesenheit ist aus demselben Stoffe gebildet, aus dem der Gedanke besteht. Der Gedanke in uns kann nur dadurch der Abdruck einer höheren geistigen Wesenheit werden, weil die höhere Wesenheit einen Körper aus demselben Stoffe hat, aus dem unsere Gedanken gebildet sind.

[ 4 ] Wenn sich unser Fuß in der feuchten Erde abdrückt, so ist der Abdruck ein Negativ, ein Gegenbild unseres Fußes. So ist es auch mit unseren Gedanken. In der höheren geistigen Welt gibt es für jeden Gedanken das Gegenbild. Bild und Gegenbild sind so ineinandergefügt wie etwa Siegel und Petschaft. Der Stoff ist die höhere geistige Wesenheit, er entspricht in unserem Bilde dem Petschaft. Nun nennt man den Gedanken, insofern er dem Petschaft entspricht, Intuition, und den Abdruck nennt man den abstrakten Gedanken. Man kann sagen, wenn man denkt: Ich fühle die Spuren dessen, was in den höheren Welten geschieht. - Im Hinblick auf diese Tatsache wird in religiösen Schriften, zum Beispiel in der Offenbarung des Johannes, der Ausdruck «Siegel» gebraucht. Er entspricht der Wirklichkeit. ‚Auch weil ein höheres Wesen in unseren Worten mitwirkt, ist jedes Wort ein Siegelabdruck. Man nennt das Gegenbild des Wortes bei den Mystikern «Imagination». So haben wir drei Stufen des Gedanklichen: das Intuitive, das Imaginative und das gewöhnliche Abstrakte. Wenn der Mensch sich weiterentwickelt, wenn der abstrakte Gedanke selbst sich entwickelt zu der Stufe, auf der die Wesenheiten inkarniert sind, die mitwirken, wenn gesprochen wird, dann ist der Mensch ein Chela, ein Geheimschüler. Meister sein, heißt: in dem Stoffe wirken, in dem die Wesenheiten inkarniert sind, die in unseren Gedanken mitwirken. — Die Imagination gibt das Bild. Deshalb haben die großen Religionslehrer in früheren Zeiten bildlich gesprochen, denn die Imagination gibt das Bild, nicht den abstrakten Gedanken. In allen Religionen wird in Bildern gesprochen. Das Bild ist für den Menschen zunächst das Untergeordnete, aber wenn der Mensch versteht, aus jedem Gedanken selbst wieder ein Bild zu machen, dann ist er auf einer höheren Stufe angelangt. Dies ist die Vorbedingung zu einer ganz neuen Art von Wahrnehmung. Tatsächlich kommt es darauf an, daß der Mensch sich dazu entwickelt, nicht mehr bloß abstrakt zu denken, sondern seine Gedanken jedesmal im Bilde zu haben.

[ 5 ] Der Mensch formt in der Regel bloß Gedanken. Der sich höher entwickelnde Mensch muß in Bildern denken, das heißt «imaginieren». In dem Ausdrucke liegt schon, um was es sich handelt: durch eine gewisse Macht einer Sache etwas einprägen (imaginieren). In der Phantasie, beim Dichter und Künstler, finden wir nur ein ganz schwaches Abbild von der Imagination. Wenn der Mensch, der sich so höher zu entwickeln sucht, spricht, wird er bei besonderen Anlässen versuchen, bei seinem Sprechen das Gegenbild vor sich zu haben, die Imago. Daher die großen, gewaltigen Bilder in den religiösen Schriften. Wer sich aufschwingt zu diesem Erzeugen von Bildern, der hat die Stufe der geistigen Wesenheiten, die rassenschaffend sind, erreicht. Derjenige der nicht nur Bilder in sich entwickelt, sondern Intuitionen, der ist nicht nur rassenschaffend, sondern ist mitschaffend an dem nächsten planetarischen Dasein. In den Bildern wird nachklingen, was dann auf der Erde verwirklicht ist, aber wer aus der Intuition schafft, der schafft etwas, das noch gar nicht ist, was nirgends verwirklicht ist, das heißt der schafft aus dem Nirvana heraus. Das ist der Begriff einer jeden Apokalypse: Was erst in der Zukunft wirklich sein wird, das kann man nur aus der Intuition heraus schaffen.

[ 6 ] Durch das abstrakte Denken schafft man ein Abbild von dem, was da ist. Bei der Imagination läßt der Mensch sich befruchten von dem gestaltenden Geist in seinem Inneren. Der Imagination entsprechen verborgene Wirklichkeiten, die durch Befruchtung höherer geistiger Wesenheiten entstanden sind; dann kann man auf dem Astralplan diese höheren geistigen Wesenheiten sehen. Die Vorbedingung dazu ist, eine Sprache zu entwickeln, die nicht der Ausdruck abstrakter Gedanken, sondern der Ausdruck von Bildern ist. Medien sprechen sich deshalb auch in Imaginationen, in Bildern und Symbolen aus, aber unbewußt. Hinter ihnen gestaltet der Geist die Symbole. Der Geheimschüler macht das in vollem Bewußtsein, aber dennoch nicht willkürlich. Er läßt sich dabei vom Geiste befruchten.

[ 7 ] Genauso wie auf diese Art der Mensch sich erhebt zum Schaffen von Bildern und Intuitionen, hat vor seinem Dasein die äußere Welt gewirkt, und zwar so, daß in allem, was mineralische Wesenheit um uns her ist, also rein physischer Natur, als schaffende Kräfte Intuitionen wirken. Der Kristall ist äußerlich, wie er sich den Sinnen zeigt; er ist aber geschaffen worden durch Intuitionen. Hinter der ganzen physischen Welt liegt ein Kosmos von Intuitionen und zuletzt ein Wesen, der Planetengeist, der die Intuitionen hervorbringt. Hinter aller Sprache wirken Wesen der Imagination, wirkt der Rassengeist mit. In allem Lebendigen wirkt dieselbe Stufe von Geist mit. Hinter allen Pflanzen wirkt die Imagination. Die gestaltete Pflanze kommt aus der Imagination und hinter ihr steht eine geistige Wesenheit. Und alles Bewußte und Empfindende ist aus dem Gedanken selbst entstanden.

[ 8 ] Und nun sehen Sie sich das ganze Universum an, zunächst als ein Physisches: Erde, Sonne, Mond und Sterne, die Milchstraße und so weiter. Dahinter steht aber ein großer intuitiver Geist. Es ist derselbe Geist, der sich ausdrückt in unseren Handlungen; er steht auch hinter dem ganzen Universum. Das Christentum nennt ihn den Vater. Weil er so wenig bekannt ist, wird er auch der unbekannte Gott genannt, und in der theosophischen Literatur der erste Logos.

[ 9 ] Hinter allem Lebendigen steht der Geist der Imagination. Es ist derselbe Geist, der auch mitwirkt in unserer Sprache, daher nennt ihn die christliche Religion: das Wort. Damit meint man etwas ganz Genaues, Wirkliches. Dieser Geist, der hinter allem Lebendigen steht, wirkt noch heute in unserer Sprache, in jedem unserer Worte, wird also mit Recht «das Wort» genannt; eine andere Bezeichnung ist: der Sohn oder Christus. Es ist der Geist, der in allem Leben als Imagination lebt.

[ 10 ] Dann kommen wir herauf zu dem, was bewußt ist, was irgendeinen Grad von Empfindung, von Bewußtsein hat, alles Tierische und dem, was im Menschen tierisch ist. Das kann man schon fassen mit Gedanken. Das hat jeder in sich. Was im Tier vorgeht, geht zunächst in ihm selbst vor: das abstrakte Bewußtsein. Alles Bewußtsein der Welt lebt auch im Menschen, im abstrakten Denken. In sich nennt es der Mensch «Geist», insofern es draußen in der schaffenden Natur wirkt, nennt er es «Heiliger Geist». Das ist, was allem Empfinden und Bewußtsein zugrunde liegt. Krankheit gibt es nur im Sondersein. Der Geist kann an sich nicht krank sein, sondern nur, wenn er inkarniert ist in den unteren Körpern. Das Wort «heilig» bedeutet «heil sein»; es drückt aus, daß der Geist, der draußen die Welt durchflutet, gesund ist. Der Heilige Geist ist nichts anderes als der durch und durch gesunde Geist; daher der, der sich mit dem Heiligen Geist wirklich vereinigt, die Kraft des Heilens erhält. Sie muß zu tun haben mit dem die Welt durchflutenden Heiligen Geist. Das ist der Geist, der wirkt von Mensch zu Mensch als wirklicher Heiler.

[ 11 ] Sehen wir jetzt hinaus auf den physischen Plan, so haben wir zunächst das, was wir mit den Sinnen wahrnehmen. Dahinter ist der große intuitive Geist. Alles physisch Vorhandene hat dieser Geist gemacht. Hinter allem, was in der reinen Form lebt, was mit Sinnen wahrgenommen werden kann, steht also der Vatergeist, der erste Logos. Dadurch, daß wir das anschauen, verändern wir es nicht. Aber eine Veränderung geht vor, wenn wir handeln. Da verändern wir nicht nur, was draußen in der Welt ist, sondern auch die Kräfte, die draußen in der Welt wirken. In dem Augenblicke, da wir handeln, schaffen wir eine Veränderung auf dem physischen Plane. Hinter diesen Veränderungen liegt aber auch die Veränderung der Grundkraft dessen, was dem ersten Logos entspricht. Das beeinflussen wir mit unseren Handlungen und das bleibt, ist da, kann nicht wieder vergehen, außer wenn es von derselben Kraft vernichtet wird, die es hervorgerufen hat. Und die Veränderung, die in den großen Weltintuitionen hervorgerufen wird durch unsere Handlungen, ist das, was uns als Karma wieder erfaßt. Das was den Menschen wieder in die physische Welt zieht, nennt man, wenn man auf Karma sieht: Rupa. Rupa nennt man es aus dem Grunde, weil er es im Rupa vollbracht hat, durch den Körper, durch sein Äußeres. Wir schaffen da im Leibe, im Rupa, wenn wir auf die äußeren Intuitionen wirken.

[ 12 ] Das zweite, worin heute der Mensch noch nicht so selbständig ist, sondern noch ein anderer Geist mitwirkt, das ist die Rede. Damit machen wir Eindrücke in einer Welt, hinter der nicht nur das Physische, sondern das Leben steht. In der Welt des Lebens bleiben die Imaginationen von dem zurück, wovon wir sprechen, bildende Kräfte, die die neuen Rassen schaffen. Unsere jetzige Rasse ist aus dem geschaffen, was hinter den Worten früherer Rassen stand. Das ist hineingebildet in unsere Rasse. Außerdem kommt alles in Betracht, was überhaupt nur Imagination ist. Dies zeigt uns, daß wir mit unseren Worten Eindrücke hervorrufen im Reich des Sohnes, im Reich des zweiten Logos. Diese kommen zurück als das Kollektivkarma der ganzen Rasse. Denn wir schaffen das Wort nicht allein, der Geist der Rasse wirkt mit. Was ist die Grundlage für diese Form des Karmas? Wo wirkt der Rassengeist? Der Rassengeist wirkt mit in dem Gefühl des Menschen, durchsetzt die ganze Gefühlswelt. Da klingt nach, was der Mensch mit seiner Gruppe gemeinschaftlich hat.

[ 13 ] Was in einem viel breiteren Sinne auf das Karma wirkt, ist das Gefühl = Vedana. Also erstens: Rupa, die Leiblichkeit; zweitens: Vedana, das Gefühl. - Für denjenigen Menschen, der noch kein Chela geworden ist, ist das Gefühl etwas sehr Wichtiges bei der Wahrnehmung des zweiten Logos und bei alledem, was lebendig ist. Die Wissenschaft will das Tier und die Pflanze ohne das Leben betrachten. Auch der größte Gelehrte ist heute noch nicht weiter, als daß er das Leben mit seinem Gefühl begreifen kann. Erst das imaginative Verstehen befähigt ihn, ins Leben hineinzuschauen.

[ 14 ] Dem Gedanken entspricht in der Umwelt alles, was Empfindung, Bewußtsein hat. Das hat eines mit uns gemeinsam: die Wahrnehmung. Daß wir überhaupt imstande sind, die Welt draußen im physischen Raum wahrzunehmen als eine farbige und tönende Welt, ist möglich, weil wir sie uns in Gedanken umsetzen können. Wir empfangen die Wahrnehmung; denken darüber nach. Wenn keine Gedanken in den Wahrnehmungen wären, so wäre es die größte Torheit des Menschen, sich Gedanken darüber bilden zu wollen. Dann wären Gedanken bloße Illusionen, wenn nicht die Wahrnehmungen zustande gekommen wären durch Gedanken. Was die Kombination der Wahrnehmungen ergibt, das ist, daß die Wahrnehmungen zuerst aufgebaut sind durch Gedanken, die wir herausschälen: die Naturgesetze. Diese sind nichts anderes als Gedanken; der schöpferische, der Heilige Geist ist es. Die Wahrnehmung ist die Grenze zwischen beiden, wo sich unsere Gedanken berühren mit den schaffenden Gedanken draußen. So können wir also mit einem Gedanken, den wir haben, nicht wirken auf das Leben, aber auf alles Bewußte, was draußen selbst Gedanke ist.

[ 15 ] In all den geistigen Wesenheiten, die das Bewußtsein hervorgebracht haben, lassen wir Spuren zurück durch die Gedanken. Was der Mensch auf Grund der Wahrnehmungen an Gedanken ausbildet und das, was er zu Gedanken macht, hat wieder seine Wirkung auf alles, was die Wahrnehmungen nötig macht. Wir unterscheiden daher noch drittens: Wahrnehmung oder Sanjna, was als drittes auf das Karma wirkt.

[ 16 ] Durch alle Handlungen rufen wir Gegenhandlungen hervor als Karma, weil wir in die intuitive Welt eingreifen: Rupa.

[ 17 ] Durch alle Worte greifen wir ein in die Welt der schaffenden Gefühle, um damit Gegengefühle um uns zu schaffen: Vedana.

[ 18 ] Mit dem, was wir über die Wahrnehmungen denken, greifen wir ein in die ganze Welt der Gedanken draußen: Sanjna.

[ 19 ] Das was wir um uns herum wahrnehmen, wird nicht mehr sein, wenn wir wieder erscheinen auf der Erde. Daher wird auf die künftige Inkarnation alles, was wir über die Wahrnehmungswelt denken, gar keinen Einfluß ausüben können, nur in dieser Inkarnation wird es eine karmabildende Kraft haben. Der Gedanke wirkt auf unseren jetzigen Charakter.

[ 20 ] Was aus dem Gefühl heraus entspringt, das was mit unserer Umgebung wesentlich zu tun hat, was in die Welt der Imagination hineingeht, das kommt uns zurück in der nächstfolgenden Inkarnation, so daß es in uns selbst erscheint als Neigungen und außer uns als Gelegenheiten. Durch die Neigungen ruft man also die Gelegenheiten der Welt herbei, die das Schicksal bilden, durch Neigungen, die karmisch veranlagt sind. Die Gedanken formen den Charakter, die Neigungen führen karmisch die Gelegenheiten herbei. Die Handlungen führen das äußere Schicksal herbei, die ganzen leiblichen Umstände, unter denen der Mensch geboren wird. Was wir mit Rupa, unserer Leiblichkeit, wirklich ausführen, das ist unser wirkliches Schicksal, das kommt uns karmisch zurück.

[ 21 ] Der Mensch kann bewußt nur Neigungen schaffen für künftige Inkarnationen, wenn er sich jetzt zur Imagination aufschwingt. Darin liegt das Geheimnis, wie die großen Religionsstifter über ihre Zeit hinaus gewirkt haben. Die Bilder, die sie den Menschen gegeben haben, haben Neigungen ausgelöst für folgende Inkarnationen. Jedes Bild, das sie in die Seele senken, tritt in der ganzen Gefühlswelt des Menschen hervor. Entweder erwirbt sich der Mensch selber solche Imaginationen, oder er bekommt sie von einem Führer. Selbst haben wir sie, wenn wir unser ganzes Gefühlsleben in die Hand genommen haben; das ist beim Geheimschüler der Fall. Er fühlt so, wie er es sich vornimmt; für die übrige Menschheit wird gesorgt durch die Religionsstifter. Eine Religion ist die Gefühlswelt künftiger Rassen; sie kann daher äußerlich untergehen, denn sie lebt in den Neigungen nach. Heute kommen die Neigungen heraus, die im 13. und 14. Jahrhundert der Menschheit eingepflanzt worden sind. Es ist wichtig, daß nicht die materialistischen Bilder der Gegenwart in den Menschenherzen Platz greifen, denn sie würden die Menschen in den zukünftigen Zeiten mit den brutalsten Neigungen ausstatten, die bloß auf die Sinnenwelt gerichtet sind, wenn es nicht wettgemacht wird durch geistige Vorstellungen. Diejenigen Begierden und Wünsche leben im Menschen, die aus der Imagination hervorgehen. Das ist sein Begehren = Samskara. Alles das, was intuitiv in den Menschen ist, die großen Impulse, die sie empfangen von den höchsten Eingeweihten, die sind eigentlich das, was das Tatsachenkarma überwindet. Wer sich zu den eigentlichen Intuitionen erhebt, der dringt durch die physische Welt zu dem Vatergeist empor. Wer intuitives Erkennen hat, kann auf das tatsächliche Karma wirken. Er fängt an, sein Karma bewußt einzuschränken.

[ 22 ] Dem gewöhnlichen Menschen erscheinen nur die Wesen als verständlich, die auch bewußt sind. Kommt er zur Imagination, so wird ihm auch das Leben verständlich; kommt er zur Intuition, so kann er vordringen bis zu den intuitiven Kräften.

[ 23 ] So viel der Mensch wirken kann auf sein Karma, so viel muß er selbst haben an Intuition, oder er muß solche von den großen Eingeweihten haben als die großen Pflichtgebote. Vijnana nennt man das Bewußtsein, was notwendig ist zur Überwindung des Karma. Und nun denke man sich den Menschen mitten in der Welt lebend, handelnd, sterbend. Wenn er nun gestorben ist, so bleibt aber doch etwas von ihm da in dieser Welt, was er hineingewoben hat in diese Welt. Das sind: Rupa, Vedana, Sanjna, Samskara und Vijnana. Diese fünf Dinge sind sein Konto: das persönliche Schicksal als Rupa; das Schicksal des Volkes, in dem er geboren wird, als Vedana; daß er überhaupt geboren wird auf dieser Erde, als Sanjna. Ferner wirken mit Samskara, das Begehren, und Vijnana, das Bewußtsein. Das sind die fünf Skandhas.

[ 24 ] Was man in die Welt hinausgibt, bleibt als die fünf Skandhas in der Welt. Die sind die Grundlage des neuen Daseins. Sie sind stufenweise weniger wirksam, wenn der Mensch eines von den letzten bewußt entwickelt hat. Je mehr er Vijnana bewußt in der Gewalt hat, desto mehr bekommt er es in seine Gewalt, sich bewußt im physischen Leibe zu verkörpern. Die Skandhas sind eigentlich im wesentlichen identisch mit dem Karma.

1. Rupa — Leiblichkeit, Handlungen
2. Vedana - Gefühl
3. Sanjna — Wahrnehmen
4. Samskara — Begehren
5. Vijnana - Bewußtsein, das notwendig ist zur Überwindung des Karma.