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Cosmogony
GA 94

25 May 1906, Paris

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Erster Vortrag

Erster Vortrag

[ 1 ] Es ist noch nicht lange her, daß öffentliche Vorträge über okkulte Wahrheiten gehalten werden. Einstmals wurden diese Wahrheiten nur in Geheimgesellschaften denen entschleiert, die bestimmte Grade der Einweihung durchschritten und versprochen hatten, für die Dauer ihres ganzen Lebens die Gesetze des Bruderbundes zu beobachten.

[ 1 ] Es ist noch nicht lange her, daß öffentliche Vorträge über okkulte Wahrheiten gehalten werden. Einstmals wurden diese Wahrheiten nur in Geheimgesellschaften denen entschleiert, die bestimmte Grade der Einweihung durchschritten und versprochen hatten, für die Dauer ihres ganzen Lebens die Gesetze des Bruderbundes zu beobachten.

[ 2 ] Heute tritt die Menschheit in eine einschneidende Krise. Man hat damit begonnen, diese Wahrheiten der Öffentlichkeit zu enthüllen. Innerhalb von zwanzig Jahren wird eine gewisse Anzahl von ihnen bereits Gemeingut sein. Woher kommt das? Der Grund ist der, daß die Menschheit in eine neue Phase eingetreten ist. Diese Phase näher zu erklären, wird Gegenstand dieses Vortrags sein.

[ 2 ] Heute tritt die Menschheit in eine einschneidende Krise. Man hat damit begonnen, diese Wahrheiten der Öffentlichkeit zu enthüllen. Innerhalb von zwanzig Jahren wird eine gewisse Anzahl von ihnen bereits Gemeingut sein. Woher kommt das? Der Grund ist der, daß die Menschheit in eine neue Phase eingetreten ist. Diese Phase näher zu erklären, wird Gegenstand dieses Vortrags sein.

[ 3 ] Im Mittelalter wurden die geheimen Wahrheiten hauptsächlich durch die Rosenkreuzer gepflegt. Aber jedesmal, wenn diese Wahrheiten nach außen drangen, wurden sie mißverstanden oder entstellt. Im 18. Jahrhundert nahmen sie eine dilettantische und marktschreierische Form an. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden sie vollständig verdrängt durch die auf Sinnesbeobachtung begründeten Wissenschaften. Erst jetzt tauchen sie wieder auf, und sie werden in den nächsten Jahrhunderten eine wichtige Rolle im Hinblick auf die künftige Entwickelung der Menschheit spielen. Um diese Rolle richtig zu verstehen, muß man zu den Jahrhunderten zurückgehen, die dem Christentum vorausgingen, und den zurückgelegten Weg ins Auge fassen.

[ 3 ] Im Mittelalter wurden die geheimen Wahrheiten hauptsächlich durch die Rosenkreuzer gepflegt. Aber jedesmal, wenn diese Wahrheiten nach außen drangen, wurden sie mißverstanden oder entstellt. Im 18. Jahrhundert nahmen sie eine dilettantische und marktschreierische Form an. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden sie vollständig verdrängt durch die auf Sinnesbeobachtung begründeten Wissenschaften. Erst jetzt tauchen sie wieder auf, und sie werden in den nächsten Jahrhunderten eine wichtige Rolle im Hinblick auf die künftige Entwickelung der Menschheit spielen. Um diese Rolle richtig zu verstehen, muß man zu den Jahrhunderten zurückgehen, die dem Christentum vorausgingen, und den zurückgelegten Weg ins Auge fassen.

[ 4 ] Es genügt schon, eine sei es auch nur annähernde Kenntnis vom Mittelalter zu haben, um sich Rechenschaft von dem Unterschied zu geben, der zwischen dem Menschen jener Epoche und dem heutigen Menschen besteht. Weit weniger als heute entwickelt auf dem Gebiete der Wissenschaft, war der Mensch damals im Bereich des Gefühls und der Eingebung überlegen. Er lebte weniger in der sichtbaren Welt als in der jenseitigen, die er noch wahrzunehmen vermochte. Es gab unter den damaligen Menschen noch einzelne, die wirklich in direkte Verbindung mit der astralen und geistigen Welt treten konnten. Mochte sich die Menschheit des Mittelalters auch noch so mangelhaft auf der Erde eingerichtet haben, ihr Haupt hatte sie noch im Himmel.

[ 4 ] Es genügt schon, eine sei es auch nur annähernde Kenntnis vom Mittelalter zu haben, um sich Rechenschaft von dem Unterschied zu geben, der zwischen dem Menschen jener Epoche und dem heutigen Menschen besteht. Weit weniger als heute entwickelt auf dem Gebiete der Wissenschaft, war der Mensch damals im Bereich des Gefühls und der Eingebung überlegen. Er lebte weniger in der sichtbaren Welt als in der jenseitigen, die er noch wahrzunehmen vermochte. Es gab unter den damaligen Menschen noch einzelne, die wirklich in direkte Verbindung mit der astralen und geistigen Welt treten konnten. Mochte sich die Menschheit des Mittelalters auch noch so mangelhaft auf der Erde eingerichtet haben, ihr Haupt hatte sie noch im Himmel.

[ 5 ] Waren die Städte damals auch unbequem, so spiegelten sie doch dem Menschen viel besser seine innere Welt wider. Nicht nur die Kathedralen, sondern auch die Häuser und die Tore erinnerten den Menschen durch ihre Symbole an seine Glaubensinhalte, seine Gefühle, seine Sehnsüchte, an die Welt seiner Seele.

[ 5 ] Waren die Städte damals auch unbequem, so spiegelten sie doch dem Menschen viel besser seine innere Welt wider. Nicht nur die Kathedralen, sondern auch die Häuser und die Tore erinnerten den Menschen durch ihre Symbole an seine Glaubensinhalte, seine Gefühle, seine Sehnsüchte, an die Welt seiner Seele.

[ 6 ] Heute wissen wir viele Dinge, und die Beziehungen unter den Menschen haben sich ins Unendliche vervielfacht; aber wir leben in unseren Städten wie in lärmenden Fabriken, in einem schrecklichen Babel, wo uns nichts mehr an unsere innere Welt erinnert. Die innere Welt spricht zu uns nicht mehr durch die Kontemplation, sondern durch die Bücher. Von Menschen der unbefangenen Eingebung sind wir zu Intellektuellen geworden.

[ 6 ] Heute wissen wir viele Dinge, und die Beziehungen unter den Menschen haben sich ins Unendliche vervielfacht; aber wir leben in unseren Städten wie in lärmenden Fabriken, in einem schrecklichen Babel, wo uns nichts mehr an unsere innere Welt erinnert. Die innere Welt spricht zu uns nicht mehr durch die Kontemplation, sondern durch die Bücher. Von Menschen der unbefangenen Eingebung sind wir zu Intellektuellen geworden.

[ 7 ] Man muß hinter das Mittelalter zurückgehen, um den Ursprung dieser intellektuellen Strömung zu finden. Das Zeitalter, wo dieser menschliche Intellekt noch auf seiner Kindheitsstufe steht, das Zeitalter, wo die Umlagerung sich vollzieht, geht ungefähr auf das Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurück. Es ist das Zeitalter des Thales, des Pythagoras, des Plato, des Buddha. Damals erscheinen zum erstenmal die Philosophie und die Wissenschaft, das heißt, die Wahrheit wird der Vernunft in logischer Form dargeboten. Was vorher existierte, war die Wahrheit, dargeboten in Gestalt von Religion und Offenbarung, wahrgenommen von ihren Verkündern und empfangen von der Masse. Jetzt geht die Wahrheit in die individuelle Intelligenz über, sie will anschaulich erläutert und begriffen sein.

[ 7 ] Man muß hinter das Mittelalter zurückgehen, um den Ursprung dieser intellektuellen Strömung zu finden. Das Zeitalter, wo dieser menschliche Intellekt noch auf seiner Kindheitsstufe steht, das Zeitalter, wo die Umlagerung sich vollzieht, geht ungefähr auf das Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurück. Es ist das Zeitalter des Thales, des Pythagoras, des Plato, des Buddha. Damals erscheinen zum erstenmal die Philosophie und die Wissenschaft, das heißt, die Wahrheit wird der Vernunft in logischer Form dargeboten. Was vorher existierte, war die Wahrheit, dargeboten in Gestalt von Religion und Offenbarung, wahrgenommen von ihren Verkündern und empfangen von der Masse. Jetzt geht die Wahrheit in die individuelle Intelligenz über, sie will anschaulich erläutert und begriffen sein.

[ 8 ] Was war damals im Inneren des Menschen vorgegangen, um diese Bewegung zu rechtfertigen, die sein Bewußtsein sozusagen von einer Seinsebene seines Wesens auf eine andere Seinsebene, vom intuitiven auf den logischen Plan verlagerte?

[ 8 ] Was war damals im Inneren des Menschen vorgegangen, um diese Bewegung zu rechtfertigen, die sein Bewußtsein sozusagen von einer Seinsebene seines Wesens auf eine andere Seinsebene, vom intuitiven auf den logischen Plan verlagerte?

[ 9 ] Wir stoßen da auf eines der fundamentalen Gesetze der Geschichte, auf ein Gesetz, das dem Gegenwartsbewußtsein noch nicht bekannt ist. Man kann es so formulieren: Die Evolution. der Menschheit vollzieht sich so, daß sie die Seelenglieder des menschlichen Wesens nacheinander aus diesem hervorgehen und sich entwickeln läßt. Welches sind diese Wesensglieder?

[ 9 ] Wir stoßen da auf eines der fundamentalen Gesetze der Geschichte, auf ein Gesetz, das dem Gegenwartsbewußtsein noch nicht bekannt ist. Man kann es so formulieren: Die Evolution. der Menschheit vollzieht sich so, daß sie die Seelenglieder des menschlichen Wesens nacheinander aus diesem hervorgehen und sich entwickeln läßt. Welches sind diese Wesensglieder?

[ 10 ] Der Mensch hat zunächst einen physischen Leib. Ihn hat er gemeinsam mit dem Mineralreich. Das ganze Mineralreich findet sich in der Chemie des Körpers. Er hat sodann einen Ätherleib, der sozusagen seine Lebenskraft ist und den er gemeinsam hat mit den Pflanzen. Aus ihm erzeugen sich fortlaufend die Ernährungsvorgänge, die Wachstums- und die Fortpflanzungskraft. Er besitzt außerdem einen Astralleib. In ihm entzünden sich die Gefühle, die Leidenschaften, die Möglichkeit, zu genießen und zu leiden. Diesen Leib hat der Mensch gemeinsam mit den Tieren. Er wurde von den Rosenkreuzern und manchen ihrer Nachfolger, wie Paracelsus, Astralleib genannt, weil er tatsächlich in einer Beziehung zu den Sternen steht, die auf einer gewissen Anziehungskraft beruht.

[ 10 ] Der Mensch hat zunächst einen physischen Leib. Ihn hat er gemeinsam mit dem Mineralreich. Das ganze Mineralreich findet sich in der Chemie des Körpers. Er hat sodann einen Ätherleib, der sozusagen seine Lebenskraft ist und den er gemeinsam hat mit den Pflanzen. Aus ihm erzeugen sich fortlaufend die Ernährungsvorgänge, die Wachstums- und die Fortpflanzungskraft. Er besitzt außerdem einen Astralleib. In ihm entzünden sich die Gefühle, die Leidenschaften, die Möglichkeit, zu genießen und zu leiden. Diesen Leib hat der Mensch gemeinsam mit den Tieren. Er wurde von den Rosenkreuzern und manchen ihrer Nachfolger, wie Paracelsus, Astralleib genannt, weil er tatsächlich in einer Beziehung zu den Sternen steht, die auf einer gewissen Anziehungskraft beruht.

[ 11 ] Endlich gibt es im Menschen etwas, was man nicht mehr einen Leib nennen kann, sondern was sein innerstes Sein darstellt und ihn von allen anderen Wesen unterscheidet, vom Stein wie von der Pflanze und vom Tier, und das ist dasjenige, was er sein Ich nennt. Es ist der göttliche Funke in ihm. Die Inder nennen es Manas. Die Rosenkreuzer nennen es das Unaussprechliche. Tatsächlich ist alles Leibliche nur ein Fragment, Stück einer anderen Leiblichkeit. Dagegen gehört das Ich des Menschen nur sich selbst an. Ich bin Ich das kann es allein von sich sagen. Es ist dasjenige, was die anderen «Du» nennen, es ist dasjenige, was man mit nichts anderem auf der Welt verwechseln kann. Durch dieses Ich, das durch nichts anderes ausgedrückt, mit nichts anderem vertauscht werden kann, erhebt sich der Mensch über alle anderen irdischen Wesen, über die Tierwelt und über die ganze Schöpfung. Und es ist auch das einzige, was ihn mit dem unendlichen Ich, mit Gott, verbindet.

[ 11 ] Endlich gibt es im Menschen etwas, was man nicht mehr einen Leib nennen kann, sondern was sein innerstes Sein darstellt und ihn von allen anderen Wesen unterscheidet, vom Stein wie von der Pflanze und vom Tier, und das ist dasjenige, was er sein Ich nennt. Es ist der göttliche Funke in ihm. Die Inder nennen es Manas. Die Rosenkreuzer nennen es das Unaussprechliche. Tatsächlich ist alles Leibliche nur ein Fragment, Stück einer anderen Leiblichkeit. Dagegen gehört das Ich des Menschen nur sich selbst an. Ich bin Ich das kann es allein von sich sagen. Es ist dasjenige, was die anderen «Du» nennen, es ist dasjenige, was man mit nichts anderem auf der Welt verwechseln kann. Durch dieses Ich, das durch nichts anderes ausgedrückt, mit nichts anderem vertauscht werden kann, erhebt sich der Mensch über alle anderen irdischen Wesen, über die Tierwelt und über die ganze Schöpfung. Und es ist auch das einzige, was ihn mit dem unendlichen Ich, mit Gott, verbindet.

[ 12 ] Das ist der Grund, warum im verborgenen Heiligtum der Hebräer der Ministrant an bestimmten Tagen zum Hohepriester sprach: Schem-Ham-Phorasch, das heißt: Wie ist sein Name, der Name Gottes? - Und der Hohepriester antwortet: Jod-He-Vau-He, oder in einem Wort: Jehova, was bedeutet: Gott, Natur und Mensch, oder: Das unaussprechliche menschlich-göttliche Ich.

[ 12 ] Das ist der Grund, warum im verborgenen Heiligtum der Hebräer der Ministrant an bestimmten Tagen zum Hohepriester sprach: Schem-Ham-Phorasch, das heißt: Wie ist sein Name, der Name Gottes? - Und der Hohepriester antwortet: Jod-He-Vau-He, oder in einem Wort: Jehova, was bedeutet: Gott, Natur und Mensch, oder: Das unaussprechliche menschlich-göttliche Ich.

[ 13 ] Die Wesensglieder des Menschen, die wir eben charakterisiert haben, sind sämtlich dem Menschen in fernen Epochen seiner ungeheuren Entwickelung gegeben worden, aber sie entwickelten sich nur langsam und eins nach dem anderen.

[ 13 ] Die Wesensglieder des Menschen, die wir eben charakterisiert haben, sind sämtlich dem Menschen in fernen Epochen seiner ungeheuren Entwickelung gegeben worden, aber sie entwickelten sich nur langsam und eins nach dem anderen.

[ 14 ] Die besondere Aufgabe der Periode, die ungefähr tausend Jahre vor der christlichen Zeitrechnung begonnen hat und die sich im Lauf der zweitausend Jahre, die der Geburt des Christus folgten, fortsetzt, bestand also darin, die Entwickelung des menschlichen Ich im Sinne der Intellektualität zu beschleunigen.

[ 14 ] Die besondere Aufgabe der Periode, die ungefähr tausend Jahre vor der christlichen Zeitrechnung begonnen hat und die sich im Lauf der zweitausend Jahre, die der Geburt des Christus folgten, fortsetzt, bestand also darin, die Entwickelung des menschlichen Ich im Sinne der Intellektualität zu beschleunigen.

[ 15 ] Aber über dem intellektuellen Plan befindet sich der geistige. Das ist derjenige, den die Menschheit in den folgenden Jahrhunderten erreichen wird. Es ist auch derjenige, nach welchem die gegenwärtige Weltenstunde hintendiert. Und es ist tatsächlich der Christus und das Christentum, wodurch die Samen zu dieser künftigen Entwickelung ausgestreut worden sind.

[ 15 ] Aber über dem intellektuellen Plan befindet sich der geistige. Das ist derjenige, den die Menschheit in den folgenden Jahrhunderten erreichen wird. Es ist auch derjenige, nach welchem die gegenwärtige Weltenstunde hintendiert. Und es ist tatsächlich der Christus und das Christentum, wodurch die Samen zu dieser künftigen Entwickelung ausgestreut worden sind.

[ 16 ] Aber bevor wir von diesem geistigen Plan sprechen, haben wir noch an eines der Mittel, an eine der Kräfte zu erinnern, durch welche die Menschheit in ihrer großen Mehrheit von der Sphäre des astralen Schauens zur Sphäre der Intellektualität fortgeschritten ist. Dies geschah durch eine neue Art der Eheschließung. Einst vollzogen sich die Heiraten innerhalb desselben Stammes oder derselben Sippschaft, was also lediglich eine Ausweitung der Familie darstellte. Manchmal vollzogen sie sich sogar zwischen Bruder und Schwester. Gegen die neuere Zeit hin empfanden die Menschen das Verlangen, ihre Frauen außerhalb der Sippschaft, des Stammes oder der bürgerlichen Gemeinschaft zu suchen. Die Fremde, die Unbekannte wurde die Geliebte. Die Liebe, einst eine natürliche und soziale Funktion, wurde persönlicher Wunsch und die Heirat freie Wahl. Das zeigt sich schon in gewissen griechischen Mythen wie im Raub der Helena und mehr noch in den skandinavischen und germanischen Mythen wie der Siegfriedsage und dem Gudrunlied. Die Liebe wurde ein Abenteuer und die Frau eine Eroberung in der Ferne.

[ 16 ] Aber bevor wir von diesem geistigen Plan sprechen, haben wir noch an eines der Mittel, an eine der Kräfte zu erinnern, durch welche die Menschheit in ihrer großen Mehrheit von der Sphäre des astralen Schauens zur Sphäre der Intellektualität fortgeschritten ist. Dies geschah durch eine neue Art der Eheschließung. Einst vollzogen sich die Heiraten innerhalb desselben Stammes oder derselben Sippschaft, was also lediglich eine Ausweitung der Familie darstellte. Manchmal vollzogen sie sich sogar zwischen Bruder und Schwester. Gegen die neuere Zeit hin empfanden die Menschen das Verlangen, ihre Frauen außerhalb der Sippschaft, des Stammes oder der bürgerlichen Gemeinschaft zu suchen. Die Fremde, die Unbekannte wurde die Geliebte. Die Liebe, einst eine natürliche und soziale Funktion, wurde persönlicher Wunsch und die Heirat freie Wahl. Das zeigt sich schon in gewissen griechischen Mythen wie im Raub der Helena und mehr noch in den skandinavischen und germanischen Mythen wie der Siegfriedsage und dem Gudrunlied. Die Liebe wurde ein Abenteuer und die Frau eine Eroberung in der Ferne.

[ 17 ] Dieser Übergang von der patriarchalischen zur freien Eheschließung entspricht nun der neuen Entwickelung der intellektuellen Fähigkeiten, des menschlichen Ich. Er vollzog sich zur gleichen Zeit wie die momentane Verdunkelung der astralen Fähigkeiten des Schauens und des direkten Lesens in der astralen und geistigen Welt.

[ 17 ] Dieser Übergang von der patriarchalischen zur freien Eheschließung entspricht nun der neuen Entwickelung der intellektuellen Fähigkeiten, des menschlichen Ich. Er vollzog sich zur gleichen Zeit wie die momentane Verdunkelung der astralen Fähigkeiten des Schauens und des direkten Lesens in der astralen und geistigen Welt.

[ 18 ] Hier geschieht nun der Einschlag des Christentums. Die menschliche Brüderlichkeit und die Verehrung des Einen Gottes sind ohne Zweifel wesentliche Züge des Christentums, aber sie bilden doch nur seine äußerliche und soziale, aber nicht seine innerliche und spirituelle Gestalt. Die neue Errungenschaft des Christentums auf dem Gebiet der Mystik, der Innerlichkeit und des Übersinnlichen besteht darin, daß es die vergeistigte Liebe geschaffen hat, das Ferment, das den Menschen von innen her verwandelt, den Sauerteig, der die Welt emporhebt. Der Christus ist gekommen, um zu sagen: Wenn du nicht verlässest deine Mutter, dein Weib und alle leibliche Bindung, kannst du nicht mein Jünger sein. — Das bedeutet nicht die Aufhebung aller natürlichen Bande, aber die Ausdehnung der Liebe außerhalb der Familie auf alle Menschen, die Verwandlung der Liebe in eine lebendige und schöpferische Kraft, in eine Kraft der Umwandlung.

[ 18 ] Hier geschieht nun der Einschlag des Christentums. Die menschliche Brüderlichkeit und die Verehrung des Einen Gottes sind ohne Zweifel wesentliche Züge des Christentums, aber sie bilden doch nur seine äußerliche und soziale, aber nicht seine innerliche und spirituelle Gestalt. Die neue Errungenschaft des Christentums auf dem Gebiet der Mystik, der Innerlichkeit und des Übersinnlichen besteht darin, daß es die vergeistigte Liebe geschaffen hat, das Ferment, das den Menschen von innen her verwandelt, den Sauerteig, der die Welt emporhebt. Der Christus ist gekommen, um zu sagen: Wenn du nicht verlässest deine Mutter, dein Weib und alle leibliche Bindung, kannst du nicht mein Jünger sein. — Das bedeutet nicht die Aufhebung aller natürlichen Bande, aber die Ausdehnung der Liebe außerhalb der Familie auf alle Menschen, die Verwandlung der Liebe in eine lebendige und schöpferische Kraft, in eine Kraft der Umwandlung.

[ 19 ] Diese Liebe, welche von den Rosenkreuzern zum Prinzip ihrer okkulten Bruderschaft gemacht, von ihrer Zeit aber nicht verstanden wurde, ist dazu bestimmt, den Grundgehalt der Religion, des Kultus, ja sogar der Wissenschaft zu verändern.

[ 19 ] Diese Liebe, welche von den Rosenkreuzern zum Prinzip ihrer okkulten Bruderschaft gemacht, von ihrer Zeit aber nicht verstanden wurde, ist dazu bestimmt, den Grundgehalt der Religion, des Kultus, ja sogar der Wissenschaft zu verändern.

[ 20 ] Der Weg der Menschheit geht vom unbewußten Spiritualismus vor dem Christentum - über den Intellektualismus - die Gegenwart — zum bewußsten Spiritualismus, in dem sich vereinigen, konzentrieren und verstärken die astralen und intellektuellen Fähigkeiten durch die Stärke der Liebe zum Geist und der vergeistigten Liebe. Und ebenso ist die Theologie dazu bestimmt, zur Theosophie zu werden.

[ 20 ] Der Weg der Menschheit geht vom unbewußten Spiritualismus vor dem Christentum - über den Intellektualismus - die Gegenwart — zum bewußsten Spiritualismus, in dem sich vereinigen, konzentrieren und verstärken die astralen und intellektuellen Fähigkeiten durch die Stärke der Liebe zum Geist und der vergeistigten Liebe. Und ebenso ist die Theologie dazu bestimmt, zur Theosophie zu werden.

[ 21 ] Was ist in Wirklichkeit die Theologie? Eine Kunde von Gott, von außen auferlegt in Form von Dogmen wie eine Art übernatürlicher Logik, aber dem Menschen von außen her gegeben.

[ 21 ] Was ist in Wirklichkeit die Theologie? Eine Kunde von Gott, von außen auferlegt in Form von Dogmen wie eine Art übernatürlicher Logik, aber dem Menschen von außen her gegeben.

[ 22 ] Und was ist die Theosophie? Die Kunde von Gott, sich entfaltend wie eine Blume auf dem Grunde der menschlichen Seele. Gott zum Unterschied von der Welt, wiedergeboren auf dem Grunde der Herzen. Ein solches Christentum, verstanden im Sinne der Rosenkreuzer, ist gleicherweise die mächtigste Entfaltung der individuellen Freiheit und der universellen Religion durch die Bruderschaft der freien Seelen. Die Tyrannei der Dogmen ist alsdann ersetzt durch den Strahlenglanz der göttlichen Weisheit, die Intelligenz, Liebe und Tat in einem ist.

[ 22 ] Und was ist die Theosophie? Die Kunde von Gott, sich entfaltend wie eine Blume auf dem Grunde der menschlichen Seele. Gott zum Unterschied von der Welt, wiedergeboren auf dem Grunde der Herzen. Ein solches Christentum, verstanden im Sinne der Rosenkreuzer, ist gleicherweise die mächtigste Entfaltung der individuellen Freiheit und der universellen Religion durch die Bruderschaft der freien Seelen. Die Tyrannei der Dogmen ist alsdann ersetzt durch den Strahlenglanz der göttlichen Weisheit, die Intelligenz, Liebe und Tat in einem ist.

[ 23 ] Die Wissenschaft, die daraus entspringen wird, wird ihre Maßstäbe weder an der abstrakten Vernunft noch an äußerer Unterwerfung finden, sondern an ihrer Fähigkeit, die Seelen erwecken und erblühen zu lassen.

[ 23 ] Die Wissenschaft, die daraus entspringen wird, wird ihre Maßstäbe weder an der abstrakten Vernunft noch an äußerer Unterwerfung finden, sondern an ihrer Fähigkeit, die Seelen erwecken und erblühen zu lassen.

[ 24 ] Da haben wir den Unterschied zwischen der Logik und der Sophia, zwischen der Wissenschaft und der göttlichen Weisheit, zwischen der Theologie und der Theosophie.

[ 24 ] Da haben wir den Unterschied zwischen der Logik und der Sophia, zwischen der Wissenschaft und der göttlichen Weisheit, zwischen der Theologie und der Theosophie.

[ 25 ] So ist der Christus immer der Mittelpunkt der esoterischen Evolution des Abendlandes. Gewisse moderne Theologen, besonders in Deutschland, haben versucht, den Christus als einen einfachen, naiven Menschen darzustellen. Das ist ein ganz großer Irrtum. Das höchste Bewußtsein, die tiefste Weisheit wohnt in ihm, und gleichzeitig die höchste göttliche Liebe. Wie sollte er ohne ein solches Bewußtsein eine zentrale Offenbarung innerhalb unserer ganzen planetarischen Evolution sein? Wie sollte er dazu eine solche Macht besessen und sein ganzes Zeitalter überflügelt haben? Und dieses ganze, seiner Zeit überlegene Bewußtsein, woher sollte es ihm gekommen sein?

[ 25 ] So ist der Christus immer der Mittelpunkt der esoterischen Evolution des Abendlandes. Gewisse moderne Theologen, besonders in Deutschland, haben versucht, den Christus als einen einfachen, naiven Menschen darzustellen. Das ist ein ganz großer Irrtum. Das höchste Bewußtsein, die tiefste Weisheit wohnt in ihm, und gleichzeitig die höchste göttliche Liebe. Wie sollte er ohne ein solches Bewußtsein eine zentrale Offenbarung innerhalb unserer ganzen planetarischen Evolution sein? Wie sollte er dazu eine solche Macht besessen und sein ganzes Zeitalter überflügelt haben? Und dieses ganze, seiner Zeit überlegene Bewußtsein, woher sollte es ihm gekommen sein?