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Cosmogony
GA 94

13 June 1906, Paris

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Siebzehnter Vortrag

Siebzehnter Vortrag

[ 1 ] Es gibt sieben Lebensgeheimnisse, von denen man bis heute außerhalb der okkulten Bruderschaften noch niemals gesprochen hat. Erst in der gegenwärtigen Zeitepoche ist es möglich, exoterisch davon zu sprechen. Man nennt sie auch die sieben unaussprechlichen oder namenlosen Geheimnisse.

[ 1 ] Es gibt sieben Lebensgeheimnisse, von denen man bis heute außerhalb der okkulten Bruderschaften noch niemals gesprochen hat. Erst in der gegenwärtigen Zeitepoche ist es möglich, exoterisch davon zu sprechen. Man nennt sie auch die sieben unaussprechlichen oder namenlosen Geheimnisse.

[ 2 ] Wir wollen versuchen, vom vierten Geheimnis zu sprechen, dem [Geheimnis der Geburt und] des Todes.

[ 2 ] Wir wollen versuchen, vom vierten Geheimnis zu sprechen, dem [Geheimnis der Geburt und] des Todes.

[ 3 ] Dies sind die Geheimnisse:

[ 3 ] Dies sind die Geheimnisse:

[ 4 ] Erstens: Das Geheimnis des Abgrunds.

[ 4 ] Erstens: Das Geheimnis des Abgrunds.

[ 5 ] Zweitens: Das Geheimnis der Zahl. Man kann es in der pythagoreischen Philosophie studieren.

[ 5 ] Zweitens: Das Geheimnis der Zahl. Man kann es in der pythagoreischen Philosophie studieren.

[ 6 ] Drittens: Das Geheimnis der Alchimie. Dieses kann man durch die Werke von Paracelsus und Jakob Böhme begreifen.

[ 6 ] Drittens: Das Geheimnis der Alchimie. Dieses kann man durch die Werke von Paracelsus und Jakob Böhme begreifen.

[ 7 ] Viertens: Das Geheimnis [der Geburt und] des Todes.

[ 7 ] Viertens: Das Geheimnis [der Geburt und] des Todes.

[ 8 ] Fünftens: Das Geheimnis des Bösen, das berührt wird in der Apokalypse.

[ 8 ] Fünftens: Das Geheimnis des Bösen, das berührt wird in der Apokalypse.

[ 9 ] Sechstens: Das Geheimnis des Wortes, des Logos.

[ 9 ] Sechstens: Das Geheimnis des Wortes, des Logos.

[ 10 ] Siebentens: Das Geheimnis der Gottseligkeit; es ist das zutiefst verborgene Geheimnis.

[ 10 ] Siebentens: Das Geheimnis der Gottseligkeit; es ist das zutiefst verborgene Geheimnis.

[ 11 ] Erinnern wir uns, daß wir auf dem Planeten, der unserer Erde voranging, auf dem alten Mond, drei Naturreiche unterschieden haben, die von den Reichen auf der Erde ganz verschieden sind. Unser Mineralreich existierte noch nicht. Es ist geboren aus der Verdichtung, aus der Kristallisation, dem Mineralisch-Pflanzlichen des Mondes. Unsere Pflanzenwelt ist aus dem Pflanzlich-Tierischen der Mondenentwickelung entsprossen. Und was gegenwärtig die Tierwelt ist, entstammt dem, was auf dem Monde der Tiermensch war. Wir sehen also, daß jedes dieser Mondreiche auf der Erde einen Abstieg zur Materialisation hin durchmachte. Ebenso verhält es sich mit den Wesen, die auf dem Mond über dem Tiermenschen standen: den Feuergeistern. Die Menschen jener Zeit atmeten jenes Feuer, wie wir heute die Luft atmen. Deshalb ist das Feuer in den Legenden und Mythen gewissermaßen die erste Manifestation der Götter geblieben. Goethe macht im «Faust» eine Anspielung darauf, wenn er sagt:

[ 11 ] Erinnern wir uns, daß wir auf dem Planeten, der unserer Erde voranging, auf dem alten Mond, drei Naturreiche unterschieden haben, die von den Reichen auf der Erde ganz verschieden sind. Unser Mineralreich existierte noch nicht. Es ist geboren aus der Verdichtung, aus der Kristallisation, dem Mineralisch-Pflanzlichen des Mondes. Unsere Pflanzenwelt ist aus dem Pflanzlich-Tierischen der Mondenentwickelung entsprossen. Und was gegenwärtig die Tierwelt ist, entstammt dem, was auf dem Monde der Tiermensch war. Wir sehen also, daß jedes dieser Mondreiche auf der Erde einen Abstieg zur Materialisation hin durchmachte. Ebenso verhält es sich mit den Wesen, die auf dem Mond über dem Tiermenschen standen: den Feuergeistern. Die Menschen jener Zeit atmeten jenes Feuer, wie wir heute die Luft atmen. Deshalb ist das Feuer in den Legenden und Mythen gewissermaßen die erste Manifestation der Götter geblieben. Goethe macht im «Faust» eine Anspielung darauf, wenn er sagt:

Ein bißchen Feuerluft, die ich bereiten werde,
Hebt uns behend von dieser Erde.

Ein bißchen Feuerluft, die ich bereiten werde,
Hebt uns behend von dieser Erde.

[ 12 ] Diese Feuergeister des alten Mondes verkörpern sich innerhalb der Erdenentwickelung in der Luft. Sie sind also auch in eine dichtere Materialität herabgestiegen, in die Luft, die wir gegenwärtig ein- und ausatmen. Sie sind diese Luftsubstanz, die um uns und in uns lebt und die Erde mit ihrer Atmosphäre einhüllt.

[ 12 ] Diese Feuergeister des alten Mondes verkörpern sich innerhalb der Erdenentwickelung in der Luft. Sie sind also auch in eine dichtere Materialität herabgestiegen, in die Luft, die wir gegenwärtig ein- und ausatmen. Sie sind diese Luftsubstanz, die um uns und in uns lebt und die Erde mit ihrer Atmosphäre einhüllt.

[ 13 ] Wenn diese Geister nun also bis zum Luftelement herabgestiegen sind, wenn die Mondenreiche auf diese Art eine Involutions-Entwickelung durchgemacht haben, so ist es zu dem Zweck geschehen, daß der Mensch, dank ihrer Tätigkeit, sich bis zur Vergöttlichung emporheben könne. In der Tat hat eine doppelte Bewegung innerhalb eines jeden der beiden Mondenreiche stattgefunden: die unterste Partie ist herabgestiegen, während die uns nächststehende aufgestiegen ist. So hat sich der Tiermensch in zwei Gruppen gespalten, von denen die eine, unter dem Einfluß der Atmung und der Tätigkeit der zu Luftgeistern umgebildeten Feuergeister, an der Herausformung ihres Gehirns arbeitete, während die zurückgebliebene Gruppe zum Tierreich hinabstieg. Diese Spaltung findet sich wieder bis hinein in die Konstitution des Menschen selbst, dessen untere Partie sich dem Tier nähert, während die obere Partie dem Geistigen zustrebt. Je nachdem das eine oder andere Merkmal mehr oder weniger ausgeprägt war, bildeten sich nach und nach zwei verschiedene Menschenarten heraus: die eine, entsprechend ihrer niedrigeren Natur, vornehmlich an die Erde gebunden, die andere, höher entwickelte, losgelöst von der Erde. Die erstgenannten fielen in die Tierheit zurück. Die anderen konnten den göttlichen Funken in sich aufnehmen, das Ich-Bewußtsein. So ist die Beziehung, die tatsächlich zwischen Mensch und Tier besteht, und insonderheit zum Affen. Das physische Korrelat zu dieser geistigen Entwickelung wurde das Wachstum, die Entfaltung des menschlichen Gehirns, das zu einem Tempel wurde, in dem die Gottheit Wohnung nehmen konnte.

[ 13 ] Wenn diese Geister nun also bis zum Luftelement herabgestiegen sind, wenn die Mondenreiche auf diese Art eine Involutions-Entwickelung durchgemacht haben, so ist es zu dem Zweck geschehen, daß der Mensch, dank ihrer Tätigkeit, sich bis zur Vergöttlichung emporheben könne. In der Tat hat eine doppelte Bewegung innerhalb eines jeden der beiden Mondenreiche stattgefunden: die unterste Partie ist herabgestiegen, während die uns nächststehende aufgestiegen ist. So hat sich der Tiermensch in zwei Gruppen gespalten, von denen die eine, unter dem Einfluß der Atmung und der Tätigkeit der zu Luftgeistern umgebildeten Feuergeister, an der Herausformung ihres Gehirns arbeitete, während die zurückgebliebene Gruppe zum Tierreich hinabstieg. Diese Spaltung findet sich wieder bis hinein in die Konstitution des Menschen selbst, dessen untere Partie sich dem Tier nähert, während die obere Partie dem Geistigen zustrebt. Je nachdem das eine oder andere Merkmal mehr oder weniger ausgeprägt war, bildeten sich nach und nach zwei verschiedene Menschenarten heraus: die eine, entsprechend ihrer niedrigeren Natur, vornehmlich an die Erde gebunden, die andere, höher entwickelte, losgelöst von der Erde. Die erstgenannten fielen in die Tierheit zurück. Die anderen konnten den göttlichen Funken in sich aufnehmen, das Ich-Bewußtsein. So ist die Beziehung, die tatsächlich zwischen Mensch und Tier besteht, und insonderheit zum Affen. Das physische Korrelat zu dieser geistigen Entwickelung wurde das Wachstum, die Entfaltung des menschlichen Gehirns, das zu einem Tempel wurde, in dem die Gottheit Wohnung nehmen konnte.

[ 14 ] Aber wenn nur diese Entwickelung sich vollzogen hätte, hätte doch noch etwas gefehlt. Es hätte Mineralien gegeben, Pflanzen, Tiere, ja Menschen mit entwickeltem Gehirn, fähig, die gegenwärtige Menschenform zu erreichen. Aber etwas wäre auf dem Mondenstandpunkt stehengeblieben. Auf dem alten Mond gab es weder Geburt noch Tod.

[ 14 ] Aber wenn nur diese Entwickelung sich vollzogen hätte, hätte doch noch etwas gefehlt. Es hätte Mineralien gegeben, Pflanzen, Tiere, ja Menschen mit entwickeltem Gehirn, fähig, die gegenwärtige Menschenform zu erreichen. Aber etwas wäre auf dem Mondenstandpunkt stehengeblieben. Auf dem alten Mond gab es weder Geburt noch Tod.

[ 15 ] Man stelle sich das menschliche Wesensgefüge vor ohne den physischen Leib: es gäbe keinen Tod, die Wesenserneuerung würde sich auf eine andere Art vollziehen als durch die gegenwärtige Geburt. Teile des Astralleibs, des Ätherleibs würden sich durch Austausch erneuern, aber die Zusammensetzung bliebe konstant. Das Zentrum bliebe unveränderlich, die Oberflächen allein wären der Ort des Austauschs mit der äußeren Umgebung. So war es auf dem Mond: der Mensch machte lediglich Metamorphosen durch, weder Geburt noch Tod, sondern eine unaufhörliche Umgestaltung. Aber in diesem Stadium war er noch nicht zum Selbstbewußtsein gelangt. Die Götter, die ihn gebildet hatten, waren um ihn, hinter ihm, aber nicht in ihm. Sie waren ihrerseits das, was der Baum ist für den Zweig oder was das Gehirn ist für die Hand. Die Hand bewegt sich, aber das Bewußtsein von der Bewegung ist im Gehirn. Der Mensch war ein Zweig am göttlichen Baum, und wenn seine Entwickelung auf der Erde diesen Zustand nicht geändert hätte, wäre sein Gehirn nur eine Blüte an diesem göttlichen Baum gewesen, seine Gedanken würden sich auf dem Spiegel seiner Physiognomie gezeigt haben, aber er hätte nichts gewußt von seinen eigenen Gedanken. Unsere Erde wäre eine Welt von Wesen gewesen, begabt mit Gedanken, aber nicht mit Selbstbewußtsein, eine Welt von Statuen, die durch die Götter, und namentlich durch Jahve oder Jehova beseelt wären. Was ist geschehen, um die Lage der Dinge zu verändern, und wie ist der Mensch zur Unabhängigkeit gelangt?

[ 15 ] Man stelle sich das menschliche Wesensgefüge vor ohne den physischen Leib: es gäbe keinen Tod, die Wesenserneuerung würde sich auf eine andere Art vollziehen als durch die gegenwärtige Geburt. Teile des Astralleibs, des Ätherleibs würden sich durch Austausch erneuern, aber die Zusammensetzung bliebe konstant. Das Zentrum bliebe unveränderlich, die Oberflächen allein wären der Ort des Austauschs mit der äußeren Umgebung. So war es auf dem Mond: der Mensch machte lediglich Metamorphosen durch, weder Geburt noch Tod, sondern eine unaufhörliche Umgestaltung. Aber in diesem Stadium war er noch nicht zum Selbstbewußtsein gelangt. Die Götter, die ihn gebildet hatten, waren um ihn, hinter ihm, aber nicht in ihm. Sie waren ihrerseits das, was der Baum ist für den Zweig oder was das Gehirn ist für die Hand. Die Hand bewegt sich, aber das Bewußtsein von der Bewegung ist im Gehirn. Der Mensch war ein Zweig am göttlichen Baum, und wenn seine Entwickelung auf der Erde diesen Zustand nicht geändert hätte, wäre sein Gehirn nur eine Blüte an diesem göttlichen Baum gewesen, seine Gedanken würden sich auf dem Spiegel seiner Physiognomie gezeigt haben, aber er hätte nichts gewußt von seinen eigenen Gedanken. Unsere Erde wäre eine Welt von Wesen gewesen, begabt mit Gedanken, aber nicht mit Selbstbewußtsein, eine Welt von Statuen, die durch die Götter, und namentlich durch Jahve oder Jehova beseelt wären. Was ist geschehen, um die Lage der Dinge zu verändern, und wie ist der Mensch zur Unabhängigkeit gelangt?

[ 16 ] Gibt es in einer Schule mehrere Klassen, so gibt es Kinder, die alle durchlaufen, und andere, die nicht bis dahin gelangen. Die Götter von der Gefolgschaft des Jahve waren soweit, in das menschliche Gehirn herabsteigen zu können. Aber andere Geister, die auf dem Monde zu den Feuergeistern zählten, hatten ihre Entwickelung nicht beendet, und anstatt auf der Erde in das Gehirn des Menschen einzudringen, verbanden sie sich mit seinem Astralleib. Dieser Astralleib besteht aus Instinkten, Wünschen, Leidenschaften. Hier hinein zogen sich solche Feuergeister zurück, die ihr Entwickelungsziel auf dem Monde nicht erreicht hatten. Sie erlangten eine Wohnstätte in der tierischen Natur des Menschen, wo die Leidenschaften entstehen, und gleichzeitig gaben sie diesen Leidenschaften einen höheren Schwung. Sie ließen den Enthusiasmus in das Blut und in den Astralleib einströmen. Die Jehovagötter hatten die reine, kalte Form der Idee gegeben; aber durch diese Geister, die man luziferische nennen kann, wurde der Mensch fähig, sich für die Ideen zu begeistern und leidenschaftlich für oder gegen sie Partei zu nehmen. Wenn die Jehovagötter das menschliche Gehirn modelliert haben, so haben die luziferischen Geister dieses Gehirn mit den physischen Sinnen verknüpft durch die Verzweigungen der Nerven, die in die Sinnesorgane endigen. Luzifer lebt in uns ebenso lange wie Jehova.

[ 16 ] Gibt es in einer Schule mehrere Klassen, so gibt es Kinder, die alle durchlaufen, und andere, die nicht bis dahin gelangen. Die Götter von der Gefolgschaft des Jahve waren soweit, in das menschliche Gehirn herabsteigen zu können. Aber andere Geister, die auf dem Monde zu den Feuergeistern zählten, hatten ihre Entwickelung nicht beendet, und anstatt auf der Erde in das Gehirn des Menschen einzudringen, verbanden sie sich mit seinem Astralleib. Dieser Astralleib besteht aus Instinkten, Wünschen, Leidenschaften. Hier hinein zogen sich solche Feuergeister zurück, die ihr Entwickelungsziel auf dem Monde nicht erreicht hatten. Sie erlangten eine Wohnstätte in der tierischen Natur des Menschen, wo die Leidenschaften entstehen, und gleichzeitig gaben sie diesen Leidenschaften einen höheren Schwung. Sie ließen den Enthusiasmus in das Blut und in den Astralleib einströmen. Die Jehovagötter hatten die reine, kalte Form der Idee gegeben; aber durch diese Geister, die man luziferische nennen kann, wurde der Mensch fähig, sich für die Ideen zu begeistern und leidenschaftlich für oder gegen sie Partei zu nehmen. Wenn die Jehovagötter das menschliche Gehirn modelliert haben, so haben die luziferischen Geister dieses Gehirn mit den physischen Sinnen verknüpft durch die Verzweigungen der Nerven, die in die Sinnesorgane endigen. Luzifer lebt in uns ebenso lange wie Jehova.

[ 17 ] Alles, was durch die Sinne fließt und dem Menschen ein objektives Bewußtsein von seiner Umgebung gibt, verdankt er den luziferischen Geistern. Verdankt er den Göttern das Gedankenleben, so verdankt er Luzifer, daß er dessen bewußt wird. Luzifer lebt in seinem Astralleib und betätigt sich in seinem durch die Nerven vermittelten Sinnesleben. Deshalb spricht die Schlange in der Genesis: Eure Augen werden aufgetan werden. — Man kann diese Worte buchstäblich nehmen, denn im Laufe der Zeit haben die luziferischen Geister die Sinne des Menschen erschlossen.

[ 17 ] Alles, was durch die Sinne fließt und dem Menschen ein objektives Bewußtsein von seiner Umgebung gibt, verdankt er den luziferischen Geistern. Verdankt er den Göttern das Gedankenleben, so verdankt er Luzifer, daß er dessen bewußt wird. Luzifer lebt in seinem Astralleib und betätigt sich in seinem durch die Nerven vermittelten Sinnesleben. Deshalb spricht die Schlange in der Genesis: Eure Augen werden aufgetan werden. — Man kann diese Worte buchstäblich nehmen, denn im Laufe der Zeit haben die luziferischen Geister die Sinne des Menschen erschlossen.

[ 18 ] Durch die Sinne individualisiert sich das Bewußtsein. Ohne den Bezug auf die Sinneswelt wären die Gedanken des Menschen nichts als Reflexe von der Gottheit, Akte des Glaubens, nicht des Wissens. Die Widersprüche zwischen dem Glauben und der Wissenschaft kommen von diesem doppelten Ursprung des menschlichen Gedankens her. Der Glaube wendet sich zu den ewigen Ideen, zu den Urmüttern, die sich von den Göttern ableiten; die Wissenschaft, die Kenntnis der äußeren Welt durch die Sinne, kommt von den luziferischen Geistern. Der Mensch ist geworden, was er ist, indem er das luziferische Prinzip mit der göttlichen Vernunft verbunden hat. Diese Verbindung zweier entgegengesetzter Prinzipien in ihm gibt ihm die Möglichkeit zum Bösen, aber gleichzeitig auch das Mittel, sein Selbstbewußtsein zu erlangen, kritisch zu prüfen und frei zu sein. Nur einem Wesen, das zur Individualisierung veranlagt ist, konnte durch diesen Gegensatz der Elemente in seinem Inneren geholfen werden. Hätte der Mensch, als er in die Materie hinabstieg, nur die von Jehova verliehene Form empfangen, so wäre er unpersönlich geblieben. .

[ 18 ] Durch die Sinne individualisiert sich das Bewußtsein. Ohne den Bezug auf die Sinneswelt wären die Gedanken des Menschen nichts als Reflexe von der Gottheit, Akte des Glaubens, nicht des Wissens. Die Widersprüche zwischen dem Glauben und der Wissenschaft kommen von diesem doppelten Ursprung des menschlichen Gedankens her. Der Glaube wendet sich zu den ewigen Ideen, zu den Urmüttern, die sich von den Göttern ableiten; die Wissenschaft, die Kenntnis der äußeren Welt durch die Sinne, kommt von den luziferischen Geistern. Der Mensch ist geworden, was er ist, indem er das luziferische Prinzip mit der göttlichen Vernunft verbunden hat. Diese Verbindung zweier entgegengesetzter Prinzipien in ihm gibt ihm die Möglichkeit zum Bösen, aber gleichzeitig auch das Mittel, sein Selbstbewußtsein zu erlangen, kritisch zu prüfen und frei zu sein. Nur einem Wesen, das zur Individualisierung veranlagt ist, konnte durch diesen Gegensatz der Elemente in seinem Inneren geholfen werden. Hätte der Mensch, als er in die Materie hinabstieg, nur die von Jehova verliehene Form empfangen, so wäre er unpersönlich geblieben. .

[ 19 ] Luzifer ist also das Prinzip, das es dem Menschen erlaubt, wahrhaft ein von den Göttern unabhängiger Mensch zu werden. Der im Menschen sich offenbarende Christus oder der Logos ist das Prinzip, das ihm erlaubt, wiederum zur Gottheit aufzusteigen.

[ 19 ] Luzifer ist also das Prinzip, das es dem Menschen erlaubt, wahrhaft ein von den Göttern unabhängiger Mensch zu werden. Der im Menschen sich offenbarende Christus oder der Logos ist das Prinzip, das ihm erlaubt, wiederum zur Gottheit aufzusteigen.

[ 20 ] In vorchristlicher Zeit waltete im Menschen das Jehovaprinzip, das ihm seine Form verlieh, und das Luziferprinzip, das ihn individualisierte. Er war geteilt zwischen dem Gehorsam gegenüber dem Gesetz und der Auflehnung des Individuums. Doch das Christusprinzip kam, um zwischen den beiden das Gleichgewicht herzustellen, indem es lehrte, im Inneren des Individuums selbst das Gesetz zu finden, das zuerst von außen gegeben worden war. Das erklärt Paulus, der von der Freiheit und von der Liebe das christliche Prinzip recht eigentlich ableitet: das Gesetz hat den alten Bund regiert wie die Liebe den neuen. — Wir finden also beim Menschen drei Prinzipien, die untrennbar und zu seiner Entwickelung notwendig sind: Jehova, Luzifer, Christus.

[ 20 ] In vorchristlicher Zeit waltete im Menschen das Jehovaprinzip, das ihm seine Form verlieh, und das Luziferprinzip, das ihn individualisierte. Er war geteilt zwischen dem Gehorsam gegenüber dem Gesetz und der Auflehnung des Individuums. Doch das Christusprinzip kam, um zwischen den beiden das Gleichgewicht herzustellen, indem es lehrte, im Inneren des Individuums selbst das Gesetz zu finden, das zuerst von außen gegeben worden war. Das erklärt Paulus, der von der Freiheit und von der Liebe das christliche Prinzip recht eigentlich ableitet: das Gesetz hat den alten Bund regiert wie die Liebe den neuen. — Wir finden also beim Menschen drei Prinzipien, die untrennbar und zu seiner Entwickelung notwendig sind: Jehova, Luzifer, Christus.

[ 21 ] Aber Christus Jesus ist nicht bloß ein unbestimmtes Prinzip in der Welt. Er ist ein Wesen, das nur einmal, in einem geschichtlich bestimmten Moment erschienen ist. In menschlicher Gestalt hat er durch sein Wort und Leben einen Zustand der Vollendung enthüllt, den alle Menschen am Ende der Zeiten durch ihren eigenen freien Willen erreichen werden. Er ist erschienen auf dem Höhepunkt einer furchtbaren Krise, als die herabsteigende Entwickelungslinie der Menschheit im Begriffe war, ihren tiefsten Punkt in der Materialisierung zu erreichen.

[ 21 ] Aber Christus Jesus ist nicht bloß ein unbestimmtes Prinzip in der Welt. Er ist ein Wesen, das nur einmal, in einem geschichtlich bestimmten Moment erschienen ist. In menschlicher Gestalt hat er durch sein Wort und Leben einen Zustand der Vollendung enthüllt, den alle Menschen am Ende der Zeiten durch ihren eigenen freien Willen erreichen werden. Er ist erschienen auf dem Höhepunkt einer furchtbaren Krise, als die herabsteigende Entwickelungslinie der Menschheit im Begriffe war, ihren tiefsten Punkt in der Materialisierung zu erreichen.

[ 22 ] Sollte das Christus-Prinzip in den Menschen zur Erweckung kommen, war es notwendig, daß es auf der Erde in einem Menschen zur Erscheinung kam und daß der Christus gelebt hat.

[ 22 ] Sollte das Christus-Prinzip in den Menschen zur Erweckung kommen, war es notwendig, daß es auf der Erde in einem Menschen zur Erscheinung kam und daß der Christus gelebt hat.

[ 23 ] Das Karma und der Christus sind der Inbegriff der ganzen Evolution. Das Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung in der geistigen Welt; es ist die Spirale der Entwickelung. Die ChristusKraft schaltet sich in die Entwickelung dieser karmischen Linie als richtunggebende Achse ein. Diese Kraft findet sich seit der Ankunft des Christus auf der Erde im Grunde jeder menschlichen Seele.

[ 23 ] Das Karma und der Christus sind der Inbegriff der ganzen Evolution. Das Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung in der geistigen Welt; es ist die Spirale der Entwickelung. Die ChristusKraft schaltet sich in die Entwickelung dieser karmischen Linie als richtunggebende Achse ein. Diese Kraft findet sich seit der Ankunft des Christus auf der Erde im Grunde jeder menschlichen Seele.

[ 24 ] Aber wenn man im Karma nichts anderes sieht als eine dem Menschen auferlegte Notwendigkeit, sein Unrecht wieder gutzumachen und seine Irrtümer abzubüßen durch eine unversöhnliche Gerechtigkeit, die von einer Verkörperung zur anderen wirkt, so unterstützt man den gelegentlichen Einwand, daß das Karmagesetz die Erlöserrolle des Christus aufhebe. In Wirklichkeit ist das Karma auf der einen Seite eine Erlösung des Menschen durch sich selbst, durch sein eigenes Bemühen, durch seinen stufenweisen Aufstieg zur Freiheit im Laufe der Wiederverkörperungen, und anderseits dasjenige, was den Menschen dem Christus annähert. Denn die Christus-Kraft ist der Grundimpuls, der den Menschen in Freiheit zur Umwandlung des unversöhnlichen Gesetzes führt, und die Quelle dieses Impulses ist die Person und das Beispiel des Christus Jesus. Nicht mehr ist es nötig, im Karma ein Verhängnis zu sehen; vielmehr ist es als das notwendige Mittel zu verstehen, um die höchste Freiheit, das Leben in Christus, zu erreichen - eine Freiheit, die man nicht erreicht, indem man der Ordnung der Dinge mißtraut, sondern indem man sie begreift. Das Karma hebt weder die Gnade noch den Christus auf, es findet sie im Gegenteil der ganzen Evolution zugeordnet.

[ 24 ] Aber wenn man im Karma nichts anderes sieht als eine dem Menschen auferlegte Notwendigkeit, sein Unrecht wieder gutzumachen und seine Irrtümer abzubüßen durch eine unversöhnliche Gerechtigkeit, die von einer Verkörperung zur anderen wirkt, so unterstützt man den gelegentlichen Einwand, daß das Karmagesetz die Erlöserrolle des Christus aufhebe. In Wirklichkeit ist das Karma auf der einen Seite eine Erlösung des Menschen durch sich selbst, durch sein eigenes Bemühen, durch seinen stufenweisen Aufstieg zur Freiheit im Laufe der Wiederverkörperungen, und anderseits dasjenige, was den Menschen dem Christus annähert. Denn die Christus-Kraft ist der Grundimpuls, der den Menschen in Freiheit zur Umwandlung des unversöhnlichen Gesetzes führt, und die Quelle dieses Impulses ist die Person und das Beispiel des Christus Jesus. Nicht mehr ist es nötig, im Karma ein Verhängnis zu sehen; vielmehr ist es als das notwendige Mittel zu verstehen, um die höchste Freiheit, das Leben in Christus, zu erreichen - eine Freiheit, die man nicht erreicht, indem man der Ordnung der Dinge mißtraut, sondern indem man sie begreift. Das Karma hebt weder die Gnade noch den Christus auf, es findet sie im Gegenteil der ganzen Evolution zugeordnet.

[ 25 ] Ein anderer Einwand ist der, den man machen kann vom Gesichtspunkt der östlichen Weisheit. Die Idee eines Erlösers, der den Menschen zu Hilfe kommt, so sagt man, unterdrückt die logischen Verknüpfungen des Karma und setzt an die Stelle des großen universellen Entwickelungsgesetzes das unvermittelte Eingreifen einer wundersamen Gnade. Es ist nur gerecht, daß derjenige, der die Fehler begangen hat, auch ihre Schwere trägt.

[ 25 ] Ein anderer Einwand ist der, den man machen kann vom Gesichtspunkt der östlichen Weisheit. Die Idee eines Erlösers, der den Menschen zu Hilfe kommt, so sagt man, unterdrückt die logischen Verknüpfungen des Karma und setzt an die Stelle des großen universellen Entwickelungsgesetzes das unvermittelte Eingreifen einer wundersamen Gnade. Es ist nur gerecht, daß derjenige, der die Fehler begangen hat, auch ihre Schwere trägt.

[ 26 ] Das ist jedoch ein Irrtum. Das Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung für die geistige Welt, wie die Mechanik das Gesetz von Ursache und Wirkung in der materiellen Welt ist. In jedem Moment des Lebens stellt das Karma etwas dar wie die Bilanz eines Geschäftsmannes, die exakte Ziffer von Soll und Haben. Mit jeder Handlung, sie sei gut oder schlecht, vermehrt der Mensch sein Soll oder sein Haben. Wer einen Akt der Freiheit nicht zugeben möchte, würde einem Kaufmann gleichen, der nicht das Risiko einer neuen Geschäftsunternehmung eingehen möchte und sich immer auf dem gleichen Stande der Geschäftsbilanz halten würde.

[ 26 ] Das ist jedoch ein Irrtum. Das Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung für die geistige Welt, wie die Mechanik das Gesetz von Ursache und Wirkung in der materiellen Welt ist. In jedem Moment des Lebens stellt das Karma etwas dar wie die Bilanz eines Geschäftsmannes, die exakte Ziffer von Soll und Haben. Mit jeder Handlung, sie sei gut oder schlecht, vermehrt der Mensch sein Soll oder sein Haben. Wer einen Akt der Freiheit nicht zugeben möchte, würde einem Kaufmann gleichen, der nicht das Risiko einer neuen Geschäftsunternehmung eingehen möchte und sich immer auf dem gleichen Stande der Geschäftsbilanz halten würde.

[ 27 ] Eine rein logische Auffassung von Karma würde es verbieten, einem Menschen im Unglück zu helfen. Aber gerade da würde der Fatalismus sich als falsch erweisen, und die Hilfe, die wir einem anderen aus freien Stücken erweisen, eröffnet einen neuen Abschnitt in seinem Schicksal. Unsere Schicksale sind gewoben aus solchen Impulsen, solchen Gnadenerweisungen. Wenn wir aber die Idee einer individuellen Hilfe akzeptieren, können wir dann nicht auch verstehen, daß jemand, der sehr viel mehr vermag als wir, nicht nur einem einzelnen helfen kann, sondern allen Menschen, ja einen neuen Impuls in die ganze Menschheit hineintragen kann? Nun, solcherart ist die Tat eines Mensch gewordenen Gottes, die nicht geschah, um den Gesetzen des Karma zu widersprechen, sondern um zu ihrer Erfüllung zu verhelfen.

[ 27 ] Eine rein logische Auffassung von Karma würde es verbieten, einem Menschen im Unglück zu helfen. Aber gerade da würde der Fatalismus sich als falsch erweisen, und die Hilfe, die wir einem anderen aus freien Stücken erweisen, eröffnet einen neuen Abschnitt in seinem Schicksal. Unsere Schicksale sind gewoben aus solchen Impulsen, solchen Gnadenerweisungen. Wenn wir aber die Idee einer individuellen Hilfe akzeptieren, können wir dann nicht auch verstehen, daß jemand, der sehr viel mehr vermag als wir, nicht nur einem einzelnen helfen kann, sondern allen Menschen, ja einen neuen Impuls in die ganze Menschheit hineintragen kann? Nun, solcherart ist die Tat eines Mensch gewordenen Gottes, die nicht geschah, um den Gesetzen des Karma zu widersprechen, sondern um zu ihrer Erfüllung zu verhelfen.

[ 28 ] Das Karma und der Christus ergänzen sich wie das Mittel zur Erlösung und der Erlöser. Durch das Karma wird die Tat des Christus ein kosmisches Gesetz, und durch das Christus-Prinzip, den geoffenbarten Logos, erreicht das Karma sein Ziel, nämlich die Befreiung der Seelen zum Selbstbewußtsein und ihre Wesensgleichheit mit Gott. Das Schicksalsgesetz ist die stufenweise Erlösung, der Christus ist der Erlöser.

[ 28 ] Das Karma und der Christus ergänzen sich wie das Mittel zur Erlösung und der Erlöser. Durch das Karma wird die Tat des Christus ein kosmisches Gesetz, und durch das Christus-Prinzip, den geoffenbarten Logos, erreicht das Karma sein Ziel, nämlich die Befreiung der Seelen zum Selbstbewußtsein und ihre Wesensgleichheit mit Gott. Das Schicksalsgesetz ist die stufenweise Erlösung, der Christus ist der Erlöser.

[ 29 ] Wenn die Menschen sich mit diesen Ideen durchdringen würden, würden sie fühlen, daß sie zueinander gehören, und würden das Gesetz begreifen, das in den okkulten Bruderschaften herrscht: daß jeder für den anderen leidet und lebt.

[ 29 ] Wenn die Menschen sich mit diesen Ideen durchdringen würden, würden sie fühlen, daß sie zueinander gehören, und würden das Gesetz begreifen, das in den okkulten Bruderschaften herrscht: daß jeder für den anderen leidet und lebt.

[ 30 ] Wir werden in der Zukunft einen Punkt erreichen, wo das Prinzip der äußeren Erlösung für jeden Menschen zusammenfallen wird mit der Tätigkeit des Erlösers im Menscheninneren.

[ 30 ] Wir werden in der Zukunft einen Punkt erreichen, wo das Prinzip der äußeren Erlösung für jeden Menschen zusammenfallen wird mit der Tätigkeit des Erlösers im Menscheninneren.

[ 31 ] Nicht die Offenbarung, sondern die Wahrheit macht die Menschen frei: «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.»

[ 31 ] Nicht die Offenbarung, sondern die Wahrheit macht die Menschen frei: «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.»

[ 32 ] Der Weg unserer Entwickelung führt zur Freiheit. Wenn der Mensch all das in sich erweckt haben wird, was prophetisch im Christus-Prinzip enthalten ist, wird er frei geworden sein. Denn wenn die Notwendigkeit das Gesetz der materiellen Welt ist, so herrscht die Freiheit in der geistigen Welt. Die Freiheit erobert man nur schrittweise, und sie wird im Menschen in ihrer Totalität nicht früher zur Erscheinung kommen als zu dem Zeitpunkt seiner Entwickelung, wenn seine Natur wahrhaft durchgeistigt sein wird.

[ 32 ] Der Weg unserer Entwickelung führt zur Freiheit. Wenn der Mensch all das in sich erweckt haben wird, was prophetisch im Christus-Prinzip enthalten ist, wird er frei geworden sein. Denn wenn die Notwendigkeit das Gesetz der materiellen Welt ist, so herrscht die Freiheit in der geistigen Welt. Die Freiheit erobert man nur schrittweise, und sie wird im Menschen in ihrer Totalität nicht früher zur Erscheinung kommen als zu dem Zeitpunkt seiner Entwickelung, wenn seine Natur wahrhaft durchgeistigt sein wird.