Popular Occultism
GA 94
10 July 1906, Leipzig
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Populärer Okkultismus, 2nd ed.
Dreizehnter Vortrag
Dreizehnter Vortrag
[ 1 ] Sie erinnern sich, daß ich Ihnen darlegte, wieviel bei der Entwicklung des Menschen davon abhing, daß der Mensch begann, durch die Lungen zu atmen. Seine höhere Schulung hängt nun auch mit einem Atmungsprozeß zusammen. In der Yoga-Schulung bringt der Schüler einen gewissen Rhythmus in seine Atmung, indem er Einziehen, Anhalten des Atems und Ausatmen in eine gewisse Anzahl von Sekunden bringt. Die Art und Weise dieser Atemübungen kann aber nur vom Lehrer dem Schüler angegeben werden. Durch die Übungen zur bewußten Regelung des Atemprozesses wird nichts Geringeres getan, als der Anfang zur Alchimie gemacht; dies nennt man «das Aufsuchen des Steines der Weisen». Noch an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert haben die Rosenkreuzer etwas davon gewußt, und es war noch manches davon öffentlich zu lesen. Der Okkultist weiß, daß der Mensch durch seine Kohlensäureausatmung fortwährend die Luft verpestet und Leben tötet, mehr sogar, als durch das Fleischessen Leben getötet wird. Und je materieller die Zeitalter wurden, desto schlechter war die ausgeatmete Luft, desto mehr frische Luft braucht der Mensch. Der indische Yogi atmete weniger schlechte Luft aus. Die schlechte Luft, die von den Menschen ausgeatmet wird, wird von den Pflanzen wiederhergestellt, die Sauerstoff abgeben und den Kohlenstoff aufsaugen. Den Pflanzen verdankt somit Tier und Mensch sein Leben. In den Steinkohlen geben dann die Pflanzen auch den Kohlenstoff wieder an die Menschen ab. Die Pflanze ihrerseits ist so eingerichtet, daß siemit Hilfe des Kohlenstoffs aufgebaut wird. Dieser Prozeß bildet eine vollständige und wunderbare Einheit. Genauso wie der Mensch einmal Pflanze war, so wird er in ferner Zukunft auch wieder Pflanze werden in einem gewissen Sinn, nämlich mit vollem IchBewußtsein. Dann wird der Mensch das, was heute noch die Pflanzen für ihn besorgen, in sich selbst herstellen, und er wird sich seinen Ätherkörper aus dem Kohlenstoff in bewußter Weise aufbauen. Dahin zielt die Regelung des Atmungsprozesses. Der Kohlenstoff ist der Stein der Weisen. Je mehr der Mensch nach der Weisheit atmet, um so reiner und brauchbarer wird die Luft um ihn herum. Die Chemie wird sich bald mit dieser Frage beschäftigen. Wer eine Zeitlang rhythmisch geatmet hat, bekommt Gewalt über seine astralischen Sinne. Der Europäer muß sehr vorsichtig mit Atemübungen sein und sie erst spät nach entsprechender Anweisung beginnen.
[ 1 ] Sie erinnern sich, daß ich Ihnen darlegte, wieviel bei der Entwicklung des Menschen davon abhing, daß der Mensch begann, durch die Lungen zu atmen. Seine höhere Schulung hängt nun auch mit einem Atmungsprozeß zusammen. In der Yoga-Schulung bringt der Schüler einen gewissen Rhythmus in seine Atmung, indem er Einziehen, Anhalten des Atems und Ausatmen in eine gewisse Anzahl von Sekunden bringt. Die Art und Weise dieser Atemübungen kann aber nur vom Lehrer dem Schüler angegeben werden. Durch die Übungen zur bewußten Regelung des Atemprozesses wird nichts Geringeres getan, als der Anfang zur Alchimie gemacht; dies nennt man «das Aufsuchen des Steines der Weisen». Noch an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert haben die Rosenkreuzer etwas davon gewußt, und es war noch manches davon öffentlich zu lesen. Der Okkultist weiß, daß der Mensch durch seine Kohlensäureausatmung fortwährend die Luft verpestet und Leben tötet, mehr sogar, als durch das Fleischessen Leben getötet wird. Und je materieller die Zeitalter wurden, desto schlechter war die ausgeatmete Luft, desto mehr frische Luft braucht der Mensch. Der indische Yogi atmete weniger schlechte Luft aus. Die schlechte Luft, die von den Menschen ausgeatmet wird, wird von den Pflanzen wiederhergestellt, die Sauerstoff abgeben und den Kohlenstoff aufsaugen. Den Pflanzen verdankt somit Tier und Mensch sein Leben. In den Steinkohlen geben dann die Pflanzen auch den Kohlenstoff wieder an die Menschen ab. Die Pflanze ihrerseits ist so eingerichtet, daß siemit Hilfe des Kohlenstoffs aufgebaut wird. Dieser Prozeß bildet eine vollständige und wunderbare Einheit. Genauso wie der Mensch einmal Pflanze war, so wird er in ferner Zukunft auch wieder Pflanze werden in einem gewissen Sinn, nämlich mit vollem IchBewußtsein. Dann wird der Mensch das, was heute noch die Pflanzen für ihn besorgen, in sich selbst herstellen, und er wird sich seinen Ätherkörper aus dem Kohlenstoff in bewußter Weise aufbauen. Dahin zielt die Regelung des Atmungsprozesses. Der Kohlenstoff ist der Stein der Weisen. Je mehr der Mensch nach der Weisheit atmet, um so reiner und brauchbarer wird die Luft um ihn herum. Die Chemie wird sich bald mit dieser Frage beschäftigen. Wer eine Zeitlang rhythmisch geatmet hat, bekommt Gewalt über seine astralischen Sinne. Der Europäer muß sehr vorsichtig mit Atemübungen sein und sie erst spät nach entsprechender Anweisung beginnen.
[ 2 ] Die zweite Stufe der orientalischen Schulung besteht darin, eine Zeitlang die äußeren Eindrücke auszuschalten, sich zu konzentrieren und seine Seele vom Ewigen erfüllt sein zu lassen. Es gibt für diese Übungen gewisse ewige Bilder und Sätze. In der BhagavadGita stehen solche Weisheitssätze, auch in ägyptischen Weisheitsbüchern und in christlichen Schriften, zumal im Johannes-Evangelium. Wenn der Mensch so weit gekommen ist, die innere Windstille in sich herzustellen, dann werden durch die Vertiefung in solche Sätze neue Kräfte in ihm lebendig. Er muß aber diese Sätze nicht bloß verstehen, sondern es muß in ihm eine Liebe zu ihnen erwachen. Dasselbe gilt von magischen Figuren wie Pentagramm und so weiter. Man kann über sie Meditationen anstellen.
[ 2 ] Die zweite Stufe der orientalischen Schulung besteht darin, eine Zeitlang die äußeren Eindrücke auszuschalten, sich zu konzentrieren und seine Seele vom Ewigen erfüllt sein zu lassen. Es gibt für diese Übungen gewisse ewige Bilder und Sätze. In der BhagavadGita stehen solche Weisheitssätze, auch in ägyptischen Weisheitsbüchern und in christlichen Schriften, zumal im Johannes-Evangelium. Wenn der Mensch so weit gekommen ist, die innere Windstille in sich herzustellen, dann werden durch die Vertiefung in solche Sätze neue Kräfte in ihm lebendig. Er muß aber diese Sätze nicht bloß verstehen, sondern es muß in ihm eine Liebe zu ihnen erwachen. Dasselbe gilt von magischen Figuren wie Pentagramm und so weiter. Man kann über sie Meditationen anstellen.
[ 3 ] Auf einer gewissen hohen Stufe der Entwickelung bringt es der Schüler soweit, daß sich das Erlebnis einstellt: es bleibt bei völliger Leere des Bewußtseins die Funktion des Denkens ohne Gedankeninhalt noch vorhanden. Der Schüler lernt in der Meditation bewußt zu sein und diese Funktion zu üben, in der Art, daß er sich keinen Inhalt für sein Denken gibt. Dies ist ein Anfang, und die geistige Welt kann danach beginnen, in ihn einzufließen. Der Inspirationsprozeß beginnt.
[ 3 ] Auf einer gewissen hohen Stufe der Entwickelung bringt es der Schüler soweit, daß sich das Erlebnis einstellt: es bleibt bei völliger Leere des Bewußtseins die Funktion des Denkens ohne Gedankeninhalt noch vorhanden. Der Schüler lernt in der Meditation bewußt zu sein und diese Funktion zu üben, in der Art, daß er sich keinen Inhalt für sein Denken gibt. Dies ist ein Anfang, und die geistige Welt kann danach beginnen, in ihn einzufließen. Der Inspirationsprozeß beginnt.
[ 4 ] Darauf folgt dann die Stufe der Intuition, die aber erst nach entsprechend langer okkulter Schulung erreicht werden kann. Schließlich lebt der Schüler bewußt in den höheren Welten. Der orientalische Geheimschüler muß sich bedingungslos unter die strenge Zucht des Guru stellen, wenn er die Geheimschulung durchmachen will. Er muß sein Leben danach einrichten und vieles tun, was er erst später verstehen lernt. Wenn er sich so an den Guru angeschlossen hat, dann beginnt sich der Astralleib zu verändern; die astralen Sinnesorgane, die Lotusblumen bilden sich aus. Michelangelo hat an seinem Moses die zweiblättrige Lotusblume als zwei Hörner wiedergegeben. Zunächst werden da zwei Lichtstrahlen bemerkbar, die immer breiter werden und dann anfangen, sich zu bewegen. Die sechzehnblättrige Lotusblume ist wie ein Rad mit sechzehn Speichen, sie liegt am Kehlkopf und dreht sich nach rechts. Die zweiblättrige befähigt uns, den Willen auszubilden; die sechzehnblättrige, in fremde Gedanken einzudringen; die zwölfblättrige, das Gefühlsleben zu erkennen; die vierblättrige hängt mit der Regenerations- und mit der Produktivkraft des Menschen zusammen. (Siehe Anhang.)
[ 4 ] Darauf folgt dann die Stufe der Intuition, die aber erst nach entsprechend langer okkulter Schulung erreicht werden kann. Schließlich lebt der Schüler bewußt in den höheren Welten. Der orientalische Geheimschüler muß sich bedingungslos unter die strenge Zucht des Guru stellen, wenn er die Geheimschulung durchmachen will. Er muß sein Leben danach einrichten und vieles tun, was er erst später verstehen lernt. Wenn er sich so an den Guru angeschlossen hat, dann beginnt sich der Astralleib zu verändern; die astralen Sinnesorgane, die Lotusblumen bilden sich aus. Michelangelo hat an seinem Moses die zweiblättrige Lotusblume als zwei Hörner wiedergegeben. Zunächst werden da zwei Lichtstrahlen bemerkbar, die immer breiter werden und dann anfangen, sich zu bewegen. Die sechzehnblättrige Lotusblume ist wie ein Rad mit sechzehn Speichen, sie liegt am Kehlkopf und dreht sich nach rechts. Die zweiblättrige befähigt uns, den Willen auszubilden; die sechzehnblättrige, in fremde Gedanken einzudringen; die zwölfblättrige, das Gefühlsleben zu erkennen; die vierblättrige hängt mit der Regenerations- und mit der Produktivkraft des Menschen zusammen. (Siehe Anhang.)
[ 5 ] Anders ist es bei der christlichen Form der Einweihung. Bei ihr spricht man von sieben ganz bestimmten Stufen: erstens Fußwaschung, zweitens Geißelung, drittens Dornenkrönung, viertens Kreuzigung, fünftens mystischer Tod, sechstens Grablegung, siebentens Auferstehung.
[ 5 ] Anders ist es bei der christlichen Form der Einweihung. Bei ihr spricht man von sieben ganz bestimmten Stufen: erstens Fußwaschung, zweitens Geißelung, drittens Dornenkrönung, viertens Kreuzigung, fünftens mystischer Tod, sechstens Grablegung, siebentens Auferstehung.
[ 6 ] Die Gedanken und Bilder, deren hingebungsvolle Meditation die christliche Einweihung bewirkt, sind im Johannes-Evangelium enthalten. Wer die ersten vierzehn Verse des Johannes-Evangeliums durch viele Monate in seiner Seele erlebt, der erfährt, daß sie wie Zauberkräfte wirken. Schließlich erlebt der Schüler etwas ganz Merkwürdiges: Alles, was im Johannes-Evangelium steht, tritt als astrale Bilder auf. Denn es ist geschrieben, um meditiert zu werden.
[ 6 ] Die Gedanken und Bilder, deren hingebungsvolle Meditation die christliche Einweihung bewirkt, sind im Johannes-Evangelium enthalten. Wer die ersten vierzehn Verse des Johannes-Evangeliums durch viele Monate in seiner Seele erlebt, der erfährt, daß sie wie Zauberkräfte wirken. Schließlich erlebt der Schüler etwas ganz Merkwürdiges: Alles, was im Johannes-Evangelium steht, tritt als astrale Bilder auf. Denn es ist geschrieben, um meditiert zu werden.
[ 7 ] Die dritte Schulungsart, die aber für die gegenwärtige Menschheit die geeignetste ist, weil der Wissenschaft am meisten gewachsen, ist die rosenkreuzerische. Sie geht von Christian Rosenkreutz aus, jener großen Individualität, die seit ihrer Einweihung immer wieder inkarniert war. Ihre Schulung ist die allerfreieste, ich habe sie an verschiedenen Orten schon geschildert. Auf diesem Wege ist der Lehrer nur der Anreger, er gibt nur Ratschläge. Aber gerade in dieser Schulung ist am meisten Gefahr, daß der Schüler durch seine volle Freiheit zu leicht die devotionelle Stimmung verliert und sich dadurch selbst Steine in den Weg legt. Der Lehrer ist hier der Diener des Schülers, und dessen Devotion soll ein freies Geschenk sein. In der Gegenwart verlangt die rosenkreuzerische Schulung vom Schüler besonders ein ausgebildetes Denken, vor allem ein sinnlichkeitsfreies Denken. Dazu ist «Die Philosophie der Freiheit» und «Wahrheit und Wissenschaft» geschrieben worden. In diesen Büchern ist noch nichts von eigentlicher Theosophie enthalten. Sie können aber als Stützpunkte und Wegweiser für den europäischen Zögling dienen.
[ 7 ] Die dritte Schulungsart, die aber für die gegenwärtige Menschheit die geeignetste ist, weil der Wissenschaft am meisten gewachsen, ist die rosenkreuzerische. Sie geht von Christian Rosenkreutz aus, jener großen Individualität, die seit ihrer Einweihung immer wieder inkarniert war. Ihre Schulung ist die allerfreieste, ich habe sie an verschiedenen Orten schon geschildert. Auf diesem Wege ist der Lehrer nur der Anreger, er gibt nur Ratschläge. Aber gerade in dieser Schulung ist am meisten Gefahr, daß der Schüler durch seine volle Freiheit zu leicht die devotionelle Stimmung verliert und sich dadurch selbst Steine in den Weg legt. Der Lehrer ist hier der Diener des Schülers, und dessen Devotion soll ein freies Geschenk sein. In der Gegenwart verlangt die rosenkreuzerische Schulung vom Schüler besonders ein ausgebildetes Denken, vor allem ein sinnlichkeitsfreies Denken. Dazu ist «Die Philosophie der Freiheit» und «Wahrheit und Wissenschaft» geschrieben worden. In diesen Büchern ist noch nichts von eigentlicher Theosophie enthalten. Sie können aber als Stützpunkte und Wegweiser für den europäischen Zögling dienen.
