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The Rudolf Steiner Archive

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Kosmogonie
Populärer Okkultismus
GA 94

1 Juli 1906, Leipzig

Vierter Vortrag

[ 1 ] Heute soll das Devachan geschildert werden, und zwar die Summe der Erlebnisse, die der Mensch dort hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Man darf nicht denken, daß diese Welt räumlich irgend woanders wäre. Sie ist immer um uns herum. Nur hat der gewöhnliche Mensch nicht die Organe, um die Tatsachen in ihr wahrzunehmen. Auch muß man bedenken, daß unsere Sprache, unsere Ausdrücke nur für die physische Welt geprägt sind. Daher kann man die höheren Welten nur in Vergleichen beschreiben. Da, wo in der physischen Welt ein Gegenstand ist, findet man im Devachan den betreffenden Raum als Hohlraum, und wo im Physischen nichts ist, ist im Devachan ein Leuchtendes, Strahlendes, Töniendes und so weiter. Man könnte dies mit einem photographischen Negativ vergleichen. In den Hohlraum würde ganz genau der physische Gegenstand hineinpassen. Merkwürdig ist, daß es sich nur bei Naturgegenständen so verhält, während vom Menschen künstlich geformte Gegenstände im Devachan als Positiv da sind. Alles, was aus festen mineralischen Stoffen aufgebaut ist, also auch das, was an den Pflanzen, Tieren und am Menschen mineralisch ist, das ist in der ersten Region des Devachan im Negativ, als Hohlraum vorhanden. Dies ist gleichsam die feste Grundlage des Devachan: der Kontinent des Devachan. Die Gegenbilder des Physisch-Mineralischen bilden also das kontinentale Gebiet des Devachan.

[ 2 ] Alles, was hier Leben ist, was Pflanzen und Tiere zu wachstumsfähigen Wesen macht, das läßt sich im Devachan vergleichen mit dem Ozean. Dies ist die zweite Region desselben. Dort findet man flutendes, strömendes Leben. Und eine große Regelmäßigkeit ist in diesem strömenden Leben, in diesen Ozeanen des Devachan. Man könnte es mit dem Blutumlauf im Körper des Menschen vergleichen.

[ 3 ] Die dritte Region ist die Luft, die Atmosphäre des Devachan. In ihr ist alles, was hier Empfindung und Gefühl genannt wird. Wie hier der Wind weht, so kann man dort Schmerzensströme wahrnehmen. Ein jegliches Verhängnis wird hörbar, das hier im Physischen stattfindet. Eine Schlacht zum Beispiel stellt sich dem Hellseher, der im Devachan wahrnimmt, als ein furchtbares Gewitter dar, das sich in Blitz, Donner und Sturm entlädt.

[ 4 ] In der vierten Region findet man alle fruchtbaren und wertvollen Ideen, die von Menschen jemals gedacht worden sind. Wie hier der Sternenhimmel uns umgibt, so findet man dort eine wunderbare Sternenschrift. Man kann sie als die sogenannte Akasha-Chronik lesen. Alle Vorstellungen, die mit menschlichen Handlungen verknüpft sind, sind dort für ewig eingeschrieben und können abgelesen werden. Man findet aber noch größere Schriftzüge im Devachan. Jedem Tier, jeder Pflanze, jedem Kristall liegt ein Gedanke zugrunde. Alles das ist im Devachan eingegraben.

[ 5 ] In der fünften Region des Devachan findet der Mensch sein wahres Wesen. «Tat tvam asi - das bist du», das große Mittelpunktswort der Vedantaphilosophie, tönt ihm dort entgegen.

[ 6 ] Im Kontinentalgebiet des Devachan überwindet der Mensch nach und nach das Wichtignehmen des eigenen Körpers. Er lernt selbstlos sein eigenes physisches Dasein mit allem anderen physischen Dasein vergleichen. Mit jeder Verkörperung wird der Mensch ein wenig selbstloser. Das erste Gebiet des Devachan ist die hohe Schule dieser Vervollkommnung. Im zweiten, im Ozeangebiet des Devachan, erlebt der Mensch bei seinem Durchgang durch dasselbe jedesmal die Einheit allen Lebens. Erst nach und nach kann mit dem Einzug der theosophischen Gesinnung auch die Einsicht von der Einheit, die in allen Dingen liegt, einziehen. Von diesem dahinströmenden All-Leben bleibt uns auch nach der neuen Verkörperung eine leise Ahnung. Im dritten Gebiet, in der Atmosphäre des Devachan, nimmt der Eingeweihte, und der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt, alles Leid und alle Freude wahr in Form von wunderbaren atmosphärischen Erscheinungen, und in Tönen von Blitz und Sturm. Weil der Mensch selbst dann außerhalb dieser Seelenregungen ist, sieht er sie objektiv an und kann ihre volle Bedeutung erkennen. Bereichert mit dieser Anschauung, mit dieser devachanischen Erfahrung kehrt er dann in ein neues Erdenleben zurück. Wenn der Mensch in seiner inneren Entwickelung an einem bestimmten Punkt angelangt ist, erhält er die Rückerinnerung an seine vergangenen Erdenleben. Dies ist nur eine Frage der Entwickelung. Auf dieser Stufe wird schließlich jeder ankommen. Durch die häufige Wiederholung der Devachanerlebnisse werden deren Bilder so tief eingeprägt, daß die Kraft der Erinnerung ausreicht.