Original Impulses of Spiritual Science
GA 96
17 December 1906, Berlin
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Signs and Symbols of the Christmas Festival, tr. Osmond
13. Zeichen und Symbole des Weihnachtsfestes
II. Signs and Symbols of the Christmas Festival
[ 1 ] Das Weihnachtsfest, das zu begehen wir uns jetzt anschicken, bekommt durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung wieder eine tiefe Bedeutung und ein neues geistiges Leben. Im geistigen Sinne ist das Weihnachtsfest ein Sonnenfest, und als Sonnenfest wollen wir es heute kennenlernen. Zum Beginne wollen wir die schönste Apostrophe an die Sonne anhören, diejenige, welche Goethe seinem Faust in den Mund legt:
[ 1 ] The Festival of Christmas which we shall soon be celebrating acquires new life when a deeper, more spiritual conception of the world is brought to bear upon it. In a spiritual sense the Christmas Festival is a Festival of the Sun, and as such we shall think of it to-day. To begin with, let us listen to the beautiful apostrophe to the sun which Goethe puts into the mouth of Faust:—
Des Lebens Pulse schlagen frisch lebendig,
Ätherische Dämmerung milde zu begrüßen;
Du, Erde, warst auch diese Nacht beständig
Und atmest neu erquickt zu meinen Füßen,
Beginnest schon mit Lust mich zu umgeben,
Du regst und rührst ein kräftiges Beschließen,
Zum höchsten Dasein immerfort zu streben. —In Dämmerschein liegt schon die Welt erschlossen,
Der Wald ertönt von tausendstimmigem Leben;
Talaus, talein ist Nebelstreif ergossen,
Doch senkt sich Himmelsklarheit in die Tiefen,
Und Zweig und Äste, frisch erquickt, entsprossen
Dem duftgen Abgrund, wo versenkt sie schliefen;
Auch Farb an Farbe klärt sich los vom Grunde,
Wo Blum und Blatt von Zitterperle triefen,
Ein Paradies wird um mich her die Runde.Hinaufgeschaut! — Der Berge Gipfelriesen
Verkünden schon die feierlichste Stunde;
Sie dürfen früh des ewigen Lichts genießen,
Das später sich zu uns hernieder wendet.
Jetzt zu der Alpe grüngesenkten Wiesen
Wird neuer Glanz und Deutlichkeit gespendet,
Und stufenweis herab ist es gelungen;
Sie tritt hervor! - und, leider schon geblendet,
Kehr ich mich weg, vom Augenschmerz durchdrungen.So ist es also, wenn ein sehnend Hoffen
Dem höchsten Wunsch sich traulich zugerungen,
Erfüllungspforten findet flügeloffen;
Nun aber bricht aus jenen ewigen Gründen
Ein Flammenübermaß, wir stehn betroffen:
Des Lebens Fackel wollten wir entzünden,
Ein Feuermeer umschlingt uns, welch ein Feuer!
Ist’s Lieb? ist’s Haß? die glühend uns umwinden,
Mit Schmerz und Freuden wechselnd ungeheuer,
So daß wir wieder nach der Erde blicken,
Zu bergen uns in jugendlichstem Schleier.So bleibe denn die Sonne mir im Rücken!
Der Wassersturz, das Felsenriff durchbrausend,
Ihn schau ich an mit wachsendem Entzücken.
Von Sturz zu Sturzen wälzt er jetzt in tausend,
Dann abertausend Strömen sich ergießend,
Hoch in die Lüfte Schaum an Schäume sausend.
Allein wie herrlich, diesem Sturm ersprießend,
Wölbt sich des bunten Bogens Wechseldauer,
Bald rein gezeichnet, bald in Luft zerfließend,
Umher verbreitend duftig kühle Schauer!
Der spiegelt ab das menschliche Bestreben.
Ihm sinne nach, und du begreifst genauer:
Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.
Life's pulses newly-quickened now awaken,
Softly to greet the ethereal twilight leaping;
Thou Earth through this night too hast stood unshaken,
And at my feet fresh breathest from thy sleeping.
Thou girdest me about with gladness, priming
My soul to stern resolve and strenuous keeping,
Onward to strive, to highest life still climbing.—
Unfolded lies the world in twilight-shimmer;
With thousand throated song the woods are chiming;
The dales, where through the mist-wreaths wind, lie dimmer,
Yet heavenly radiance plumbs the deeps unnumbered,
And bough and twig, new-quickened, bud and glimmer
Forth from the fragrant depths where sunk they slumbered,
Whilst hue on hue against the gloom still heightens,
Where bloom and blade with quivering pearls are cumbered.
A very Paradise about me lightens!Look up!—The giant peaks that rise supernal
Herald the solemn hour; for them first brightens
The early radiance of the light eternal,
Upon us valley-dwellers later showered.
Now are the green-sunk, Alpine meadows vernal
With radiance new and new distinctness dowered,
And stepwise downward hath the splendour thriven.
He sallies forth, and I mine overpowered
And aching eyes to turn away am driven.Thus when a yearning hope, from fear and wonder
Up to the highest wish in trust hath striven,
The portals of fulfilment yawn asunder.
Then bursts from yonder depths whose days ne'er dwindle
Excess of flame—we stand as smit with thunder.
The torch of life it was we sought to kindle,
A sea of fire-and what a fire!—hath penned us.
Is't Love? Is't Hate? that yonder glowing spindle
In bliss and bale alternating tremendous
About us twines, till we the dazed beholders
To veil our gaze in Earth's fresh mantle wend us.Nay then, the sun shall bide behind my shoulders!
The cataract, that through the gorge doth thunder,
I'll watch with growing rapture, 'mid the boulders
From plunge to plunge down-rolling, rent asunder
In thousand thousand streams, aloft that shower
Foam upon hissing foam, the depths from under.
Yet blossoms from this storm a radiant flower;
The painted rainbow bends its changeful being,
Now lost in air, now limned with clearest power,
Shedding this fragrant coolness round us fleeing.
Its rays an image of man's efforts render;
Think, and more clearly wilt thou grasp it, seeing
Life in the many-hued, reflected splendour.
—(Translation by Latham)
[ 2 ] Diese gewaltigen Worte legt Goethe seinem Repräsentanten der Menschheit in den Mund gegenüber der am Morgen heraufstrahlenden Sonne. — Doch nicht um diese Sonne, die jeden Morgen neu erwacht, handelt es sich bei dem Fest, von dem heute die Rede sein soll. Wir wollen die Wesenheit der Sonne in viel tieferem Sinne auf uns wirken lassen. Und das, was diese Sonne sein soll, das soll das Leitmotiv zu unserer heutigen Betrachtung bilden. Wir werden jetzt jene Worte hören, die den tiefsten Sinn des Weihnachtsmysteriums widerspiegeln. Diese Worte ertönten vor den andachtsvoll lauschenden Schülern der Mysterien aller Zeiten, bevor sie in die Mysterien selbst eintreten durften:
[ 2 ] Goethe lets these words be spoken by Faust, the representative of humanity, as he gazes at the radiant morning sun. But the Festival of which we are now to speak has to do with a Sun belonging to a far deeper realm of being than the sun which rises anew every morning. And it is this deeper Sun that will be the guiding moth in our thoughts to-day. And now we will listen to words in which the deepest import of the Christmas Mystery is mirrored. In all ages these words resounded in the ears of those who were pupils of the Mysteries—before they were allowed to participate in the Mysteries themselves:—
Die Sonne schaue
Um mitternächtige Stunde.
Mit Steinen baue
Im lebenlosen Grunde.So finde im Niedergang
Und in des Todes Nacht
Der Schöpfung neuen Anfang,
Des Morgens junge Macht.Die Höhen laß offenbaren
Der Götter ewiges Wort,
Die Tiefen sollen bewahren
Den friedensvollen Hort.Im Dunkel lebend
Erschaffe eine Sonne.
Im Stoffe webend
Erkenne Geistes Wonne.
Behold the Sun
At tire midnight hour;
Build with stones
in the lifeless ground,Thus in decay and
in the night of Death
Find the Creation's new beginning,
Young morning's strength;Glory in the heights
the eternal Word of Gods;
Shelter in the depths
the Powers of Peace.In darkness dwelling,
create a Sun.
In matter weaving,
know the joy of Spirit!
[ 3 ] Viele, die heute nur noch den Weihnachtsbaum kennen mit seinen Lichtern, viele haben heute den Glauben, daß der Weihnachtsbaum eine aus alter Zeit überkommene Einrichtung sei. Doch das ist nicht der Fall. Der Weihnachtsbaum ist vielmehr eine der jüngsten europäischen Einrichtungen. Selbst der älteste Christbaum ist kaum älter als hundert Jahre. Doch so jung der Baum ist, so alt ist die Weihnachtsfeier.
[ 3 ] Many to whom the Christmas Tree with its candles is a familiar sight to-day, believe that it is a very ancient institution—but this is not the case. The Christmas Tree is a very recent European custom, dating no further back than about a hundred years or so. Although, however, the Christmas Tree is a recent custom, the Christmas Festival is very ancient.
[ 4 ] Die Weihnachtsfeier ist ein Fest, das in den ältesten Mysterien aller Religionen allenthalben bekannt war, das immer gefeiert wurde. Es ist kein bloßes äußeres Sonnenfest, sondern es ist ein Fest, welches die Menschheit hinführt zu einer Anschauung oder wenigstens einer Ahnung von den Quellen des Daseins. Es ist ein Fest, das begangen wurde alljährlich, wenn die Sonne ihre geringste Kraft der Erde zusandte, ihre geringste Wärme spendete, von den höchststehenden Eingeweihten in den Mysterien. Aber auch von denjenigen wurde es gefeiert, die noch nicht teilnehmen konnten an der ganzen Feier, die nur den äußeren bildlichen Ausdruck erleben durften von den höchsten Mysterien. Und diese Mysteriengeheimnisse haben sich durch alle Zeiten hindurch erhalten und haben Gewand angenommen bei allen Völkern, je nach den verschiedenen Glaubensbekenntnissen. Weihnachtsfeier heißt das Fest der Weihe-Nacht, dieser Weihe-Nacht, die begangen wurde in den großen Mysterien. Das sind diejenigen Veranstaltungen gewesen, wo der Initiator in solchen Persönlichkeiten, die dazu genügend vorbereitet waren, den höheren Menschen im Inneren auferstehen ließ; oder, wenn wir ein heutiges Wort gebrauchen wollen: in denen der lebendige Christus im Inneren geboren wurde.
[ 4 ] It was celebrated in the earliest Mysteries of all religions, not as a festival of the outer sun but as one which awakens in men an inkling of the very wellsprings of existence. It was celebrated every year by the highest Initiates in the Mysteries, at the time of the year when the sun sends least power to the earth, bestows least warmth. But it was also celebrated by those who might not yet participate in the whole festival, who might witness only the outer, pictorial expression of the highest Mysteries. This imagery has been preserved through the ages, varying in form according to the several creeds. The Christmas Festival is the Festival of the Holy Night, celebrated in the Mysteries by those who were ready for the awakening of the higher Self within them, or, as we should say in our time, those who have brought the Christ to birth within them.
[ 5 ] Nur diejenigen, die nichts davon wissen, daß neben den chemischen und physikalischen Kräften auch geistige wirken, und daß ebenso wie die chemischen und physikalischen Kräfte in ihrem Wirken ihre bestimmten Zeiten im Kosmos haben, so auch die geistigen — nur diese können glauben, daß es gleichgültig sei, wann die Erweckung des höheren Selbstes stattfinde. Die großen Mysterien bestanden darin, daß der Mensch jenes Ereignis erlebte, wo er die wirkenden Kräfte in farbigem Glanze, in hellem Lichte erblicken durfte, wo er die Welt um sich her sehen durfte angefüllt mit geistigen Eigenschaften, mit geistigen Wesenheiten, wo er schauen durfte die Geisterwelt um sich herum, wo er erlebte das Größte, das ein Mensch erleben kann. Für alle, alle wird dieser Zeitpunkt einmal kommen! Alle werden ihn einmal erleben, wenn auch vielleicht erst nach vielen Verkörperungen aber der Augenblick wird kommen für alle, wo der Christus in ihnen auferstehen wird, wo neues Sehen, neues Hören in ihnen erwachen wird.
[ 5 ] Only those who have no inkling of the fact that as well as the chemical and physical forces, spiritual forces are also at work and that the workings of both kinds of forces take effect at definite times and seasons in cosmic life, can imagine that the moment of the awakening of the higher Self in man is of no importance. In the Greater Mysteries man beheld the forces working through all existence; he saw the world around him filled with spirit, with spiritual Beings; he beheld the world of spirit around him, radiant with light and colour. There can be no more sublime experience than this and in due time it will come to everyone. Although for some it may be only after many incarnations, nevertheless the moment will come for all men when Christ will be resurrected within them and new vision, new hearing will awaken.
[ 6 ] Diejenigen, die als Mysterienschüler vorbereitet wurden für die Erweckung, wurden zunächst belehrt, was diese Erweckung im großen Weltenall bedeutet. Dann erst wurden die letzten Handlungen zur Erweckung vorgenommen. Und diese Handlungen wurden vorgenommen dann, wenn die Finsternis am größten ist, wenn die äußere Sonne am tiefsten steht: zur Weihnachtszeit, weil diejenigen, welche die geistigen Tatsachen kennen, wissen, daß zu diesem Zeitpunkt durch den Weltenraum Kräfte ziehen, die solcher Erweckung günstig sind. In der Vorbereitung wurde dem Schüler gesagt, daß der, welcher wirklich wissen will, nicht nur das wissen darf, was sich seit Jahrtausenden auf dem Erdenrund zugetragen hat, sondern daß er den ganzen Gang der Menschheit überblicken lernen muß. Und wissen muß er auch, daß die großen Feste in den Jahreslauf von den führenden Individualitäten eingeordnet sind, und daß sie gewidmet sein müssen der Aufschau zu den ewigen großen Wahrheiten.
[ 6 ] In preparation for the awakening, the pupils in the Mysteries were first taught of the cosmic significance of this awakening and only then was the sacred Act itself performed. It took place at the time when darkness on the earth is greatest, when the external sun gives out least light and warmth—at Christmas time—because those who are cognisant of the spiritual facts know that at this time of the year, forces that are favourable for such an awakening stream through cosmic space. During his preparation the pupil was told that one who would be a true knower must have knowledge not only of what has been happening on the earth for thousands and thousands of years but must also be able to survey the whole course of the evolution of humanity, realising that the great festivals have their own, essential place within that evolution and must be dedicated to contemplation of the eternal truths.
[ 7 ] Über Millionen von Jahren wurde bei solcher Gelegenheit der Blick geleitet. Schaue hin auf jenen Zeitpunkt, wurde dem Schüler gesagt, wo unsere Erde noch nicht so war wie jetzt, wo es noch keine Sonne, keinen Mond gab, sondern beide noch vereinigt waren mit der Erde, wo die Erde noch einen Körper bildete mit der Sonne und mit dem Monde. Auch damals war der Mensch schon da, doch hatte er noch keinen Körper; er war ein geistiges Wesen, und auf diesen geistig-seelischen Menschen schien nicht von außen ein Sonnenlicht. Das Sonnenlicht war in der Erde selbst. Es war kein solches wie das heutige Sonnenlicht, das von außen auf die Wesen und Dinge fällt, sondern es war ein solches, das geistige Kraft in sich hatte, das zu gleicher Zeit im Inneren eines jeglichen Menschen erglänzte. Dann kam der Zeitpunkt, wo die Sonne sich heraushob aus der Erde. Sie trennte sich von ihr, und ihr Licht fiel von außen auf die Erde herab. Die Sonne hatte sich zurückgezogen von der Erde. Im Inneren des Menschen war es jetzt finster geworden.
[ 7 ] The pupil's gaze was directed to the time when our earth was not as it is now, when there was no sun, no moon out yonder in the heavens, but both were still united with the earth, when earth, sun and moon formed one body. Even then man was already in existence, but he had no body; he was still a spiritual being. No sunlight fell from outside upon these spiritual beings, for the sunlight was within the earth itself. This was not the sunlight that shines from outside upon objects and beings to-day, but it was inner sunlight that glowed within all beings of the earth. Then came the time when the sun separated from the earth, when its light shone down upon the earth from the universe outside. The sun had withdrawn from the earth and inner darkness came upon man.
[ 8 ] Das war der Beginn seiner Entwickelung zu jenem Zukunftszeitpunkt hin, wo er das innere Licht leuchtend wiederfinden soll im Inneren. Der Mensch mußte mit seinen äußeren Sinnen die Dinge der Erde erkennen lernen. Er entwickelt sich dahin, wo im Inneren wieder glüht und leuchtet der höhere Mensch, der Geistesmensch. Vom Lichte durch die Finsternis zum Lichte — das ist der Gang der Entwickelung der Menschheit.
[ 8 ] This was the beginning of his evolution towards that future when the inner light will again be radiant within him. Man must learn to know the things of the earth with his outer senses; he evolves to the stage where the higher Man, Spirit-Man, again glows and shines within him. From light, through darkness, to light—such is the path of the evolution of mankind.
[ 9 ] Nachdem die Schüler so vorbereitet worden waren, führte man sie zur Erweckung an jenem Zeitpunkte, an dem sie als eine auserlesene Schar im Inneren das erleben sollten, was die übrige Menschheit erst in ferner Zukunft erleben soll: wo sie das geistige Licht durch die geöffneten geistigen Augen erblickten. Und dieser heilige Augenblick sollte dann sein, wenn das äußere Licht am schwächsten war, an dem Tage, wo die äußere Sonne am wenigsten scheint. Dann, an diesem Tage, wurden die Schüler der Mysterien vereinigt, und das innere Licht eröffnete sich ihnen. Und diejenigen, die noch nicht teilnehmen konnten an dieser Feier, sollten wenigstens ein äußeres Abbild erleben, das ihnen sagen sollte: Auch für euch wird der große Zeitpunkt kommen. Heute seht ihr ein Abbild. Später werdet ihr erleben, was ihr jetzt im Bilde seht.
[ 9 ] The pupils of the Mysteries were prepared by these constantly inculcated teachings. Then they were led to the actual awakening. This was the moment when, as chosen ones, they experienced the spiritual Light within them; their eyes of spirit were opened. This sacred moment came when the outer light was weakest, when the outer sun was shining with least strength. On that day the pupils were called together and the inner Light revealed itself to them. To those who were not yet ready to participate in this sacred enactment, it was presented as a picture which made them realise: For you too the great moment will come; to-day you see a picture only; later on, what you now see as a picture will be an actual experience.
[ 10 ] Das waren die kleinen Mysterien. Die zeigten im Abbilde, was der Einzuweihende später erleben sollte. Und das wollen wir heute miterleben, was in den kleinen Mysterien um die mitternächtige Stunde sich zutrug. Es war dasselbe allenthalben: in den ägyptischen Mysterien, in den Eleusinischen Mysterien, in den Mysterien Vorderasiens, in den babylonisch-chaldäischen ebensowohl als in den Mysterien des persischen Mithrasdienstes und den indischen Brahmamysterien. Überall erlebten die Schüler dieser Mysterienschulen dasselbe um die mitternächtige Stunde der Weihe-Nacht.
[ 10 ] Thus it was in the lesser Mysteries. Pictures were presented of what the candidate for initiation was subsequently to experience as reality. To-day we shall hear of the enactments in the lesser Mysteries. Everywhere it was the same: in the Egyptian Mysteries, in the Eleusinian Mysteries, in the Mysteries of Asia Minor, of Babylon and Chaldea, as well as in the Mithras-cult and in the Indian Mysteries of Brahman. Everywhere the same experiences were undergone by the pupils of these Mysteries at the midnight hour of the Holy Night.
[ 11 ] Schon zeitig am Vorabend versammelten sie sich. In stillem Denken mußten sie sich klarmachen, was dies wichtigste Ereignis bedeute. Sie saßen in tiefem Schweigen im Dunkeln beieinander versammelt. Wenn dann die Mitternacht herankam, hatten sie schon stundenlang so gesessen im dunklen Raume. Gedanken der Ewigkeit durchzogen ihr Inneres. Dann, gegen Mitternacht, erhoben sich geheimnisvolle Töne, sie durchfluteten den Raum, im Anschwellen und Abschwellen. Die Schüler, die diese 'Töne hörten, wußten: Das ist die Sphärenmusik. "Tiefe, weihevolle Andacht erfüllte ihre Herzen. Dann wurde es schwach hell. Das Licht ging aus von einer schwach erhellten Scheibe. Diejenigen, die das sahen, wußten, daß diese Scheibe die Erde vorstelle. Die erhellte Scheibe wird dann dunkler und dunkler, bis sie zuletzt ganz schwarz ist. Zugleich wurde es im Raum ringsum heller. Diejenigen, die das sahen, wußten, daß das schwarze Rund die Erde darstelle. Die Sonne, die sonst aber die Erde durchleuchtet, ist verhüllt. Die Erde kann die Sonne nicht mehr sehen. Dann bildete sich um die Erdscheibe, nach außen verlaufend, Kreis um Kreis in Regenbogenfarben. Diejenigen, die das sahen, wußten: das ist die Iris. Dann erhob sich um Mitternacht allmählich, anstelle des schwarzen Erdkreises, ein violett-rötlich leuchtender Kreis; auf dem stand ein Wort. Dies Wort war verschieden, je nach den Völkern, deren Glieder dies Mysterium erleben durften. In unserer heutigen Sprache würde das Wort lauten «Christos». Diejenigen, die das sahen, wußten: das ist die Sonne. Sie erschien ihnen in der mitternächtigen Stunde, wenn die Welt ringsum im tiefsten Dunkel ruht. Den Schülern wurde klargemacht, daß sie jetzt in Bildern erlebt hätten das, was man in den Mysterien nennt: die Sonne um Mitternacht schauen.
[ 11 ] Early on the previous evening the pupils gathered together. In quiet contemplation they were to be made aware of the meaning and import of this momentous happening. Silently and in darkness they sat together. When the midnight hour drew near they had been for long hours in the darkened chamber, steeped in the contemplation of eternal truths. Then, towards midnight, mysterious tones, now louder, now gentler, resounded through the space around them. Hearing these tones, the pupils knew: This is the Music of the Spheres. Then a faint light began to glimmer from an illumined disc. Those who gazed at it knew that this disc represented the earth. The illumined disc became darker and darker—until finally it was quite black. At the same time the surrounding space grew brighter. Again the pupils knew: the black disc represents the earth; the sun, which otherwise radiates light to the earth, is hidden; the earth can see the sun no longer. Then, ring upon ring, rainbow colours appeared around the earth-disc and those who saw it knew: This is the radiant Iris. At midnight, in the place of the black earth-disc, a violet-reddish orb gradually became visible, on which a word was inscribed, varying according to the peoples whose members were permitted to experience this Mystery. With us, the word would be Christos. Those who gazed at it knew: It is the sun which appears at the midnight hour, when the world around lies at rest in deep darkness. The pupils were now told that they had experienced what was known in the Mysteries as "seeing the sun at midnight."
[ 12 ] Derjenige, der wirklich eingeweiht ist, lernt die Sonne um Mitternacht wahrhaftig schauen, denn in ihm ist das Materielle ausgelöscht. Nur die Sonne des Geistes lebt in seinem Inneren und überstrahlt alle Dunkelheit der Materie.
[ 12 ] He who is truly initiated experiences the sun at midnight, for in him the material is obliterated: the sun of the Spirit alone lives within him, dispelling with its light the darkness of matter.
[ 13 ] Seligster Moment ist dieser Moment in der Menschheitsentwickelung, wo der Mensch erlebt, daß er losgelöst von der Dunkelheit in ewigem Lichte lebt. Und dieser Moment wurde im Bilde also dargestellt in den Mysterien, Jahr für Jahr, um die mitternächtige Stunde in der Weihe-Nacht. Dieses Bild stellte dar, daß es neben der physischen Sonne eine Geistessonne gibt, die ebenso wie die physische Sonne aus dem Dunkel, aus der Finsternis heraus geboren werden muß. Um den Schülern das noch klarer zu machen, wurden sie, nachdem sie den Aufgang der Sonne, des Christos, erlebt hatten, in eine Höhle geführt, in der scheinbar nichts vorhanden war als Stein, erstorbene, leblose Materie. Dort sahen sie aus den Steinen Ähren erstehen, als Zeichen des Lebens, als symbolische Andeutung, daß aus dem scheinbaren Tode das Leben ersteht, daß geboren wird in totem Gestein das Leben. Es wurde ihnen dann gesagt: So wie die Sonnenkraft von diesem Tage an, nachdem sie scheinbar erstorben war, neu erwächst, so erhebt sich immerdar aus dem ersterbenden Leben das neue.
[ 13 ] The most holy of all moments in the evolution of man is that in which he experiences the truth that he lives in eternal light, freed from the darkness. In the Mysteries, this moment was represented pictorially, year by year, at the midnight hour of the Holy Night. The picture imaged forth the truth that as well as the physical sun there is a Spiritual Sun which, like the physical sun, must be born out of the darkness. In order that the pupils might realise this even more intensely, after they had experienced the rising of the spiritual Sun, of the Christos, they were taken into a cave in which there seemed to be nothing but stone, nothing but dead, lifeless matter. But springing out of the stones they saw ears of corn as tokens of life, indicating symbolically that out of apparent death, life arises, that life is born from the dead stone. Then it was said to them: Just as from this day onwards the power of the sun awakens anew after it seemed to have died, so does new life forever spring from the dying.
[ 14 ] Es ist dasselbe Ereignis, das im Johannes-Evangelium angedeutet wird in den Worten: «Er muß zunehmen, ich aber muß abnehmen.» Der Johannes, der Vorherverkündiger des kommenden Christus, des geistigen Lichtes, dessen Höhetag im Jahreslauf in die Mitte des Sommers fällt, dieser Johannes muß abnehmen, und in seinem Abnehmen wächst zugleich die Kraft des kommenden Lichtes, die immer stärker und stärker wird, je mehr der Johannes abnimmt. So bereitet sich das neue, das kommende Leben vor im Samenkorn, das verfaulen und vergehen muß, um die neue Pflanze erstehen zu lassen. — Das sollten die Schüler empfinden: daß im Tode das Leben ruht, daß aus dem Faulen, Verwesenden heraus die neuen herrlichen Blüten und Früchte erstehen, daß die Erde voll ist von Geburtskraft. Sie sollten glauben lernen, daß in diesem Zeitpunkt im Inneren der Erde etwas vor sich geht: die Überwindung des Todes durch das Leben. Das Leben, das im Tode vorhanden ist, das wurde ihnen gezeigt im überwindenden Lichte. Das empfanden, das erlebten sie, als sie im Dunkel das Licht erstehen, erstrahlen sahen. Nun schauten sie in der Steinhöhle das sprießende Leben, das aus dem scheinbar Toten in Pracht und Fülle ersteht.
[ 14 ] The same truth is indicated in the Gospel of St. John in the words: "He must increase, but I must decrease!" John, the herald of the coming Christ, of the spiritual Light, he whose festival day in the course of the year falls at midsummer—this John must ‘decrease’ and in this decreasing there grows the power of the coming spiritual Light, increasing in strength in the measure in which John ‘decreases.’ Thus is the new life, prepared in the seed-grain which must wither and decay in order that the new plant may come into being. The pupils of the Mysteries were to realise that within death, life is resting, that out of the decaying and the dying the new flowers and fruits of spring arise in splendour, that the earth teems with the powers of birth. They were to learn that at this point of time something is happening in the innermost being of the earth: the overcoming of death by life, by the life that is present in death. This was portrayed to them in the picture of the Light gradually conquering the darkness; this is what they experienced as they saw the Light beginning to shine in the darkness. In the rocky cave they beheld the Light that rays forth in strength and glory from what is seemingly dead.
[ 15 ] So erzog man in den Schülern heran diesen Glauben an das Leben, so ließ man in ihnen ersprießen das, was der Glaube an das größte Menschenideal genannt werden darf. So lernten sie hinaufschauen zu diesem höchsten Menschheitsideal, zu jenem Zeitpunkt, wo die Erde ihre Entwickelung vollendet haben wird, wo das Licht in der ganzen Menschheit erstrahlen wird. Die Erde selbst wird dann in Staub zerfallen, aber eine geistige Essenz der Erde wird bleiben mit allen Menschen, die im Inneren durch das geistige Licht leuchtend geworden sind. Und die Erde und die Menschheit werden dann erwachen zu einem höheren Dasein, zu einer neuen Daseinsphase.
[ 15 ] Thus were the pupils led on to believe in the power of life, in what may be called man's highest Ideal. Thus did they learn to look upwards to this supreme Ideal of humanity, to the time when the earth shall have completed its evolution, when the Light will shine forth in all mankind. The physical earth itself will then fall into dust, but the spiritual essence will remain with all human beings who have been made inwardly radiant by the spiritual Light. And the earth and humanity will then waken into a higher existence, into a new phase of existence.
[ 16 ] Als das Christentum im Laufe der Entwickelung entstand, trug es in sich dieses Ideal im höchsten Sinne. Man empfand, daß der Christos, als der unsterbliche Geist der Erde, als Träger nicht nur des materiellen, sprießenden Lebens, sondern als Träger der geistigen Wiedergeburt, als das große Ideal aller Menschen auftreten solle, daß er um die Weihnacht geboren ward, in der Zeit der größten Finsternis, als Zeichen, daß aus der Finsternis der Materie ein höherer Mensch in der Menschenseele geboren werden kann. — Bevor man von einem Christos sprach, sprach man schon in den alten Mysterien von einem Sonnenhelden ; man verband mit ihm dasselbe Ideal wie das Christentum mit dem Christos. Sonnenheld wurde der Träger des Ideals genannt. Wie die Sonne ihren Gang im Laufe des Jahres vollendet, wie sie in ihrem Lichte zunimmt und abnimmt, wie ihre Wärme sich scheinbar der Erde entzieht und dann wieder von neuem erstrahlt, wie sie in ihrem T’ode das Leben enthält und neu ausströmt, so ist der Sonnenheld durch die Kraft seines geistigen Lebens Herr geworden über Tod und Nacht und Finsternis.
[ 16 ] When Christianity came into being it bore this Ideal within it. Man felt that the Christos would arise in him as the representative of the spiritual re-birth, as the great Ideal of all humanity and moreover that the birth takes place in the Holy Night, at the time when the darkness is greatest, as a sign and token that out of the darkness of matter a higher Man can be born in the human soul. Before men spoke of the Christos, they spoke in the ancient Mysteries of a ‘Sun Hero’ who embodied the same Ideal which, in Christianity, was embodied in the Christos. Just as the sun completes its orbit in the course of the year, as its warmth seems to withdraw from the earth and then again streams forth, as in its seeming death it holds life and pours it forth anew, so it was with the Sun Hero, who through the power of his spiritual life had gained the victory over death, night and darkness.
[ 17 ] In den persischen Mithrasmysterien unterschied man sieben Einweihungsgrade. Zuerst den Grad der «Raben», die nur bis zur Pforte des Einweihungstempels vordringen konnten. Sie werden die Vermittler zwischen der äußeren Welt des materiellen Lebens und der inneren Welt des geistigen Lebens; sie gehören nicht mehr der materiellen und noch nicht der geistigen Welt an. Diese Raben finden wir allenthalben wieder; sie spielen überall dieselbe Rolle als Boten, die hin und her gehen zwischen den zwei Welten und Kundschaften übermitteln. Auch in unseren deutschen Sagen und Mythen finden wir sie: die Raben des Wotan, die Raben, die um den Kyffhäuser fliegen. — Der zweite Grad, der Grad des «Okkulten», führte den Jünger von der Pforte hinweg in das Innere des Einweihungstempels. Dort reifte er entgegen dem dritten Grade, dem des «Streiters», der hinaustrat vor die Welt, um die okkulten Wahrheiten, die er im Inneren des Tempels erleben durfte, zu verkünden. Den vierten Grad, den Grad des «Löwen», errang sich der Mensch, dessen Bewußtsein sich nicht auf einen einzelnen Menschen, sondern auf einen ganzen Stamm erstreckte. So wurde der Christus «der Löwe aus dem Stamme Juda» genannt. — Im fünften Grade befindet sich der Mensch, dessen Bewußtsein sich noch mehr erweitert, der in seinem Bewußtsein ein ganzes Volk umfaßt. Dieser Mensch hatte keinen eigenen Namen mehr. Er wurde mit dem Namen des Volkes bezeichnet, dem er angehörte. Man redete so vom «Perser», vom «Israeliten». Wir verstehen so zum Beispiel, daß Nathanael ein «echter Israeliter» genannt wurde, weil er den fünften Grad der Einweihung erlangt hatte. —- Der sechste Grad war der Grad des «Sonnenhelden», und wir müssen uns klarmachen, was dieser Name bedeutet. Wir werden dann verstehen lernen, daß ein Schauer der Ehrfurcht durch die Seele eines Schülers der Mysterien gehen mußte, der etwas wußte von einem Sonnenhelden und der im Weihnachtsfeste das Gebuttsfest eines Sonnenhelden erleben konnte.
[ 17 ] In the Mysteries there were seven degrees of Initiation. First, the degree of the Ravens who might approach only as far as the portal of the temple of Initiation. They were the channels between the outer world of material life and the inner world of the spiritual life; they did not belong entirely to the material world but neither, as yet, to the spiritual world. We find these ‘Ravens’ again and again; everywhere they are the messengers who pass hither and thither between the two worlds, bringing tidings. We find them too, in our German sagas and myths: the Ravens of Wotan, the Ravens who fly around the Kyffhäuser. At the second degree the disciple was led from the portal into the interior of the temple. There he was made ready for the third degree, the degree of the Warrior who went out to make known before the world the occult truths imparted to him in the temple. The fourth degree, that of the Lion, was reached by one whose consciousness was no longer confined within the bounds of individuality, but extended over a whole tribal stock. For this reason Christ was called "the Lion of the stem of David." To the fifth degree belonged a man whose still wider consciousness embraced a whole people. He was an Initiate of the fifth degree. He no longer bore a name of his own but was called by the name of his people. Thus men spoke of the ‘Persian,’ of the ‘Israelite.’ We understand now why Nathaniel was called a ‘true Israelite’; it was because he had reached the fifth degree of Initiation. The sixth degree was that of the Sun Hero. We must understand the meaning of this appellation. Then we shall realise what awe and reverence surged through the soul of a pupil of the Mysteries who knew of the existence of a Sun Hero. He was able in the Holy Night to participate in the festival of the birth of a Sun Hero.
[ 18 ] Alles im Kosmos geht seinen rhythmischen Gang. Alle Gestirne ebenso wie die Sonne folgen einem großen Rhythmus. Würde die Sonne nur einen Moment diesen Rhythmus verlassen, nur einen Moment aus ihrer Bahn gehen, so würde das eine Revolution von ganz unerhörter Bedeutung im ganzen Weltall zur Folge haben. Der Rhythmus beherrscht die ganze Natur, die leblose bis zum Menschen hinauf. Er ist in der Pflanzenwelt da: das Veilchen, die Lilie blühen zur selben Zeit. Die Tiere haben ihre Brunstzeit zu bestimmten Zeiten des Jahres. Erst beim Menschen wird die Sache anders: der Rhythmus, der bis zum 'Tier hinauf durch den Gang der Jahreszeiten hindurch in den Kräften des Wachstums, der Fortpflanzung und so weiter herrscht - beim Menschen hört er auf!
[ 18 ] Everything in the cosmos takes its rhythmic course: the stars, as well as the sun, follow a regular rhythm. Were the sun to abandon this rhythm even for a moment, an upheaval of untold magnitude would take place in the universe. Rhythm holds sway in the whole of nature, up to the level of man. Then, and only then is there a change. The rhythm which through the course of the year holds sway in the forces of growth, of propagation and so forth, ceases when we come to man.
[ 19 ] Der Mensch soll eingebettet werden in Freiheit, und je höher zivilisiert der Mensch ist, um so mehr ist dieser Rhythmus im Abnehmen. Wie das Licht zur Weihnachtszeit verschwindet, so ist der Rhythmus schließlich scheinbar ganz aus dem Leben des Menschen verschwunden, ein Chaos herrscht. Dann soll aber der Mensch diesen Rhythmus aus eigener Initiative aus seinem Inneren heraus gebären. Er soll sein Leben aus eigenem Willen so gestalten, daß es in rhythmischen Grenzen abläuft. Fest und sicher wie der Lauf der Sonne sollen sich die Ereignisse seines Lebens abspielen in Regelmäßigkeit. Und ebenso wie es undenkbar ist, daß der Lauf der Sonne sich ändere, ebenso undenkbar soll es sein, daß der Rhythmus eines solchen Lebens unterbrochen werden könne.
[ 19 ] For man is to have his roots in freedom; and the more highly civilised he is, the more does this rhythm decline. As the light disappears at Christmas-time, so has rhythm apparently departed from the life of man: chaos prevails. But man must give birth again to rhythm out of his innermost being, his own initiative. By the exercise of his own will he must so order his life that it flows in rhythm, immutable and sure; his life must take its course with the regularity of the sun. Just as a change of the sun's orbit is inconceivable, it is equally inconceivable that the rhythm of such a life can be broken.
[ 20 ] Im Sonnenhelden fand man die Verkörperung eines solchen Lebensrhythmus. Durch die Kraft des in ihm geborenen höheren Menschen gewann er die Kraft, den Rhythmus seines Lebenslaufes selbst zu beherrschen. Dieser Sonnenheld war auch der Christus Jesus für die ersten zwei Jahrhunderte. Daher wurde sein Geburtsfest verlegt in die Zeit, in der seit Urzeiten begangen wurde das Geburtsfest des Sonnenhelden. Daher auch alles, was mit der Lebensgeschichte des Christus Jesus verknüpft wurde, daher auch die mitternächtige Messe, welche die ersten Christen in Höhlen begingen in Erinnerung an das Sonnenfest. In dieser Messe leuchtete um die Mitternacht aus dem Finstern heraus ein Lichtmeer als Erinnerung an den Aufgang der Geistessonne in den Mysterien. Daher läßt die Erzählung den Jesus geboren werden in einem Stalle, als Erinnerung an die Steinhöhle, aus der heraus - in den erwachsenden Ähren, den Sinnbildern des Lebens - das Leben geboren wurde.
[ 20 ] The Sun Hero was regarded as the embodiment of this inalterable rhythm; through the power of the higher Man within him, he was able to direct the rhythm of the course of his own life. And this Sun Hero, this higher Man, was born in the Holy Night. In this sense, Christ Jesus is a Sun Hero and was conceived as such in the first centuries of Christendom. Hence the festival of His birth was instituted at the time of the year when, since ancient days, the festival of the birth of the Sun Hero had been celebrated. Hence, too, all that was associated with the history of the life of Christ Jesus; the Mass at midnight celebrated by the early Christians in the depths of caves was in remembrance of the festival of the sun. In this Mass an ocean of light streamed forth at midnight out of the darkness as a remembrance of the rising of the spiritual Sun in the Mysteries. Hence the birth of Christ in the cave—again a remembrance of the cave of rock out of which life was born—life symbolised by the ears of corn.
[ 21 ] Wie das irdische Leben aus dem toten Gestein, so wurde herausgeboren aus dem Niederen das Höchste, der Christus Jesus. An sein Geburtsfest wurde geknüpft die Legende von den drei Priesterweisen, den drei Königen aus dem Morgenlande. Sie brachten dem Kinde Gold, das Symbol der äußeren, weisheitsvollen Macht, Myrrhen, das Symbol des Sieges des Lebens über den Tod, und endlich Weihrauch, das Symbol des Weltenäthers, in dem der Geist lebt.
[ 21 ] As earthly life was born out of the dead stone, so out of the depths was born the Highest—Christ Jesus. Associated with the festival of His nativity was the legend of the three Priest-Sages, the Three Kings. They bring to the Child: gold, the symbol of the outer, wisdom-filled man; myrrh, the symbol of the victory of life over death; and frankincense the symbol of the cosmic ether in which the Spirit lives.
[ 22 ] So fühlen wir in dem Sinn des Weihnachtsfestes etwas herüberklingen aus den ältesten Zeiten der Menschheit. Und das ist zu uns herübergekommen in der besonderen Färbung des Christentums. In seinen Symbolen finden wir Sinnbilder für die ältesten Symbole der Menschheit. Auch der Lichterbaum ist ein solches Symbol. Er ist uns ein Sinnbild für den Paradiesesbaum. Dieser Paradiesesbaum stellt innerhalb des Paradieses das Belebende und Erkennende dar. Das Paradies selbst stellt dar die ganze umfassende materielle Natur. Die Darstellung der geistigen Natur ist der Baum inmitten derselben, der die Erkenntnis umschließt, und der Baum des Lebens. Errungen werden kann die Erkenntnis nur auf Kosten des Lebens.
[ 22 ] And so in the whole content of the Christmas Festival we feel something echoing from primeval ages. It has come over to us in the imagery belonging to Christianity. The symbols of Christianity are reflections of the most ancient symbols used by man. The lighted Christmas Tree is one of them. For us it is a symbol of the Tree of Paradise, representing all-embracing material nature. Spiritual Nature is represented by the Tree of Knowledge and the Tree of Life.
[ 23 ] Eine Erzählung gibt es, die den Sinn dessen gibt, was der Baum der Erkenntnis und der Baum des Lebens bedeuten: Seth stand vor dem Tore des Paradieses und begehrte Einlaß. Der Cherub, der den Eingang hütete, ließ ihn herein. Das will sagen: Seth wurde ein Eingeweihter. Als Seth nun im Paradiese war, fand er, daß der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis fest ineinander verschlun. gen waren. Der Erzengel Michael — der vor Gott steht — erlaubte ihm, daß er drei Samenkörner nehmen dürfe von diesem verschlungenen Baume.
[ 23 ] There is a legend which gives expression to the true meaning of the Tree of Knowledge and the Tree of Life. Seth stands before the Gate of Paradise, craving entry. The Cherubim guarding the entrance with a fiery sword, allow him to pass. This is a sign of Initiation. In Paradise, Seth finds the Tree of Life and the Tree of Knowledge firmly intertwined. The Archangel Michael who stands in the presence of God, allows him to take three grains of seed from this intertwined Tree.
[ 24 ] Dieser Baum steht da als prophetischer Hinweis auf die Zukunft der Menschheit: wenn die ganze Menschheit die Erkenntnis gefunden hat und eingeweiht sein wird, dann wird sie nicht nur den Baum der Erkenntnis in sich tragen, sondern auch den anderen Baum, den des Lebens. Der Tod wird dann nicht mehr sein. Vorläufig aber darf nur der Eingeweihte von diesem Baum die drei Samenkörner nehmen, diese drei Körner, die da bedeuten die drei höheren Glieder des Menschen.
[ 24 ] The Tree stands there as a prophetic indication of the future of mankind. When the whole of mankind has attained Initiation and found knowledge, then only the Tree of Life will remain, there will be no more death. But in the meantime only he who is an Initiate may take from this Tree the three grains of seed -the three seeds which symbolise the three higher members of man's being.
[ 25 ] Als Adam starb, gab Seth diese drei Körner ihm in den Mund, und es erwuchs aus dem Grabe Adams heraus ein flammender Busch, der die Eigenschaft hatte, daß sich aus dem Holz, das von ihm abgeschnitten wurde, immer neue Triebe und Blätter entwickelten. Innerhalb des Flammenkreises des Busches aber steht geschrieben: «Ehjeh asher ehjeh», das heißt: Ich bin, der da war, der da ist, der da sein wird. Das bedeutet dasjenige, was durch alle Inkarnationen durchgeht: die Kraft des sich immer wieder erneuernden, werdenden Menschen, der herniedersteigt aus dem Lichte zur Finsternis und hinaufsteigt aus der Finsternis zum Lichte.
[ 25 ] When Adam died, Seth placed these three grains of seed in his mouth and out of them grew a flaming bush. From the wood cut from this bush, new sprouts, new leaves burst ever and again. But within the flaming ring around the bush there was written: "I am He who was, who is, who is to be"—in other words, that which passes through all incarnations, the power of ever-evolving man who descends out of the light into the darkness and out of the darkness ascends into the light.
[ 26 ] Jener Stab, mit dem Moses seine Wunder verrichtet hat, ist geschnitten aus dem Holz dieses Busches. Das Tor des Salomonischen Tempels ist aus ihm bereitet. Hinausgetragen wurde dieses Holz in den Teich Bethesda, und der Teich erhielt von ihm jene Kraft, von der uns erzählt wird. Und von demselben Holz ist geformt das Kreuz des Christus Jesus, das Holz des Kreuzes, das uns zeigt das absterbende, das im Tode vergehende Leben, das aber die Kraft in sich hat, neues Leben hervorzubringen. Das große Weltensymbolum steht da vor uns: das Leben, das den Tod überwindet. Das Holz dieses Kreuzes, das ist erwachsen aus den drei Samenkörnern des Paradiesesbaumes.
[ 26 ] The staff with which Moses performed his miracles is cut from the wood of the bush; the door of Solomon's Temple is made of it; the wood is carried to the waters of the pool of Bethesda and from it the pool receives the healing properties of which we are told. And from this same wood the Cross of Christ Jesus is made, the wood of the Cross which is a symbol of life that passes into death and yet has within it the power to bring forth new life. The great symbol of worlds stands before us here: Life the conqueror of Death. The wood of this Cross has grown out of the three grains of seed of the Tree of Paradise.
[ 27 ] Auch im Rosenkreuz ist jenes Symbolum ausgedrückt, jenes Ersterben des Niederen, und daraus hervorsprießend die Auferstehung des Höheren, in den roten Rosen, was Goethe ausgedrückt hat in den Worten:
[ 27 ] The Rose Cross is also a symbol of the death of the lower nature and the resurrection of the higher. Goethe expressed the same thought in the words:
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
"As long as thou best it not,
This Dying and Becoming,
Thou'rt but a dreary guest
Upon the dark earth."
[ 28 ] Ein wunderbarer Zusammenhang zwischen dem Baum des Paradieses und dem Kreuzesholz! Ist auch das Kreuz ein Symbolum für Ostern, empfangen wir doch auch für die Weihnachtsstimmung aus ihm eine Vertiefung. Wir empfinden in ihm, was in der Christus-Idee in dieser Geburtsnacht des Christus Jesus im neuen, quellenden Leben uns entgegenströmt. Angedeutet sehen wir diese Idee in den lebenden Rosen, die diesen Baum hier schmücken. Sie sagen uns: der Baum der Weihe-Nacht ist noch nicht zum Holze des Kreuzes geworden, aber die Kraft, zu diesem Holz zu werden, beginnt in ihm ihren Aufstieg zu nehmen. Die Rosen, die aus dem Grün erwachsen, sind ein Symbol des Sieges des Ewigen über das Zeitliche.
[ 28 ] The Tree of Paradise and the wood of the Cross are connected in a most wonderful way. Even though the Cross is always an Easter symbol, it deepens our conception of the Christmas Mystery too. We feel how in this night of Christ's Nativity, new, upwelling life streams towards us. This thought is indicated in the fresh roses adorning this Tree; they say to us: the Tree of the Holy Night has not yet become the wood of the Cross but the power to become that wood is beginning to arise in it. The Roses, growing out of the green, are a symbol of the Eternal which springs from the Temporal.
[ 29 ] In dem pythagoreischen Quadrat finden wir das Symbol, das die Vierheit des Menschen deutet: den physischen Leib, den Ätherleib, den Astralleib und das Ich.
[ 29 ] The square is the symbol of the fourfold nature of man; physical body, ether-body, astral body and ego.




[ 30 ] Für die höhere Dreiheit des Menschen steht das Dreieck als Symbol für das Geistselbst, den Lebensgeist und den Geistesmenschen.
[ 30 ] The triangle is the symbol for Spirit-Self, Life-Spirit, Spirit-Man.


[ 31 ] Das, was darüber steht, ist das Symbol für Tarok. Diejenigen, die eingeweiht waren in die ägyptischen Mysterien, verstanden das Zeichen zu lesen. Sie verstanden auch das Buch Thoth zu lesen, das aus achtundsiebzig Kartenblättern bestand, in welchen alle Weltgeschehnisse vom Anfang bis zum Ende, von Alpha bis Omega zeichnet waren und die man lesen konnte, wenn man sie in der richtigen Reihenfolge verband und zusammensetzte. Es enthielt in Bildern das Leben, das zum Tode erstirbt und wieder aufsprießt zu neuem Leben. Wer die richtigen Zahlen und die richtigen Bilder miteinander vereinen konnte, der konnte in ihm lesen. Und diese Zahlenweisheit, diese Bilderweisheit, wurde seit Urzeiten gelehrt. Sie spielte noch im Mittelalter eine große Rolle, zum Beispiel bei Raimundus Lullus, doch heute ist nicht mehr viel davon vorhanden.
[ 31 ] Above the triangle is the symbol for Tarok. Those who were initiated into the Egyptian Mysteries knew how to interpret this sign. They knew too, how to read the Book of Thoth, consisting of 78 leaves on which were inscribed all happenings in the world from the beginning to the end, from Alpha to Omega and which could be read if the signs were rightly put together. These pictures gave expression to the life that dies and then springs again to new life. Whoever could combine the right numbers with the right pictures, were able to read the Book. This wisdom of numbers and of pictures had been taught from time immemorial. In the Middle Ages it was still in the fore ground although little of it survives to-day.




[ 32 ] Darüber steht das Taozeichen, jenes Zeichen, das uns an die Gottesbezeichnung unserer uralten Vorfahren erinnert. Bevor Europa, Asien, Afrika Kulturland war, lebten diese alten Vorfahren in der Atlantis, die in Fluten untergegangen ist. In den germanischen Sagen lebt noch die Erinnerung an diese Atlantis in den Sagen von Niflheim, dem Nebelheim. Denn Atlantis war nicht von reiner Luft umgeben. Große, mächtige Nebelmassen umwogten das Land, ähnlich wie man sie heute sieht, wenn man im Hochgebirge durch Wolken und Nebelmassen zieht. Sonne und Mond standen nicht klar am Himmel, sie waren für die Atlantis umgeben von Regenbogentingen - von der heiligen Iris. Damals verstand der Mensch noch viel mehr die Sprache der Natur. Was heute im Plätschern der Wellen, im Rauschen des Windes, im Säuseln der Blätter, im Grollen des Donners zum Menschen spricht, aber nicht mehr von ihm verstanden wird, das war dem alten Atlantier damals verständlich. Er empfand aus allem heraus ein Göttliches, das zu ihm redete. Innerhalb all dieser sprechenden Wolken und Wasser und Blätter und Winde ertönte den Atlantiern ein Laut: Tao — das bin ich. — In diesem Laut lebte das eigentliche Wesen, das durch die ganze Natur geht. Atlantis vernahm ihn. Dieses Tao drückte sich später aus in dem Buchstaben T. Auf ihm steht ein Kreis, das Zeichen der alles umfassenden göttlichen Vaternatur.
[ 32 ] Above this symbol is the Tao—the sign that is a reminder of the conception of the Divine held by our early forefathers; it comes from the word: TAO. Before Europe, Asia and Africa were scenes of human civilisation, these early forefathers of ours lived on the continent of Atlantis which was finally submerged by mighty floods. In the Germanic sagas of Nifelheim or Nebelheim, the memory of Atlantis still lives. For Atlantis was not surrounded by pure air. Vast cloud-masses moved over the land, like those to be seen to-day clustering around the peaks of high mountains. The sun and moon did not shine clearly in the heavens—they were surrounded by rainbows—by the sacred Iris. At that time man understood the language of nature. To-day he no longer understands what speaks to him in the rippling of waves, in the noise of winds, in the rustling of leaves, in the rolling of thunder—but in old Atlantis he understood it. He felt it all as a reality. And within these voices of clouds and waters and leaves and winds a sound rang forth: TAO—That am I. The man of Atlantis heard and understood it, feeling that Tao pervaded the whole universe.


[ 33 ] Endlich alles, was das Weltall durchsetzt und was da ist als der Mensch, ist bezeichnet in dem Symbol des Pentagramms, das uns von der Spitze des Baumes herunter grüßt. Der tiefste Sinn des Pentagramms darf jetzt nicht besprochen werden. Es zeigt uns den Stern der sich entwickelnden Menschheit. Es ist der Stern, das Symbol des Menschen, dem alle Weisen folgen, so wie ihm in Vorzeiten die Priesterweisen folgten. Es ist der Sinn der Erde, der große Sonnenheld, der geboren wird in der Weihe-Nacht, weil das höchste Licht aus der tiefsten Finsternis herausstrahlt.
[ 33 ] Finally, the cosmic symbol of Man is the pentagram, hanging at the top of the tree. Of the deepest meaning of the pentagram we may not now speak. But it is the star of humanity, of evolving humanity; it is the star that all wise men follow, as did the Priest-Sages of old. It symbolises the very essence and meaning of earth-existence. It comes to birth in the Holy Night because the greatest Light shines forth from the deepest Darkness.
[ 34 ] Der Mensch lebt hinein in eine Zukunft, wo das Licht in ihm geboren werden soll, wo abgelöst werden soll ein bedeutungsvolles Wort durch ein anderes, wo es nicht mehr heißen wird, daß die Finsternis das Licht nicht begreifen kann, sondern wo die Wahrheit hinaustönen wird in den Weltenraum und wo die Finsternis das Licht, das uns entgegenstrahlt in dem Stern der Menschheit, begreifen wird, wo die Finsternisse weichen und das Licht begreifen, das heißt, von ihm ergriffen werden. Und das soll uns aus der Weihnachtsfeier entgegentönen aus unserem Inneren. Dann wird das Weihnachtsfest in seiner tiefen, uralten Bedeutung erst richtig gefeiert werden von uns, denn dann weist es uns darauf hin, daß aus dem Inneren des Menschen hervorleuchten wird das geistige Licht, hinausstrahlen wird in alle Welt. Und als ein Fest des höchsten Ideals der Menschheit werden wit das Christfest feiern können. Es wird dann wieder eine Bedeutung für uns haben, es wird wieder lebendig werden in unserer Seele, und auch der Weihnachtsbaum wird dann wieder als Symbol des Paradiesesbaumes eine richtigere Bedeutung haben, als sie ihm selbst in der sinnvollsten Weise heute gegeben wird. In unserer Seele wird aber die Feier der Weihe-Nacht entstehen lassen die freudevolle Zuversicht: Ja, auch ich werde in mir dasjenige erleben, was man nennen muß die Geburt des höheren Menschen, auch in mir wird stattfinden die Geburt des Heilandes, die Geburt des Christos.
[ 34 ] Man is living on towards a state where the Light is to be born in him, where words full of significance will be replaced by others equally significant, where it will no longer be said: ‘The Darkness comprehendeth not the Light,’ but when the truth will ring out from cosmic space: The Darkness gives way before the Light that shines in the Star of Humanity—and now the Darkness comprehendeth the Light! This should resound and the spiritual Light ray forth from the Christmas Festival. We will celebrate this Christmas Festival as the Festival of the supreme Ideal of mankind, for then it will bring to birth in our souls the joyful confidence: I too shall experience the birth of the higher Man within me! In me too the birth of the Saviour, the birth of the Christos will take place! Positions of the symbols on the Christmas Tree.

