The Christian Mystery
GA 97
11 December 1906, Cologne
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Das christliche Mysterium, 4th ed.
20. Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten im rosenkreuzerischen Sinne?
20. Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten im rosenkreuzerischen Sinne?
[ 1 ] Weniger bekannt als andere Gedichte von Goethe ist sein Gedicht «Die Geheimnisse». Dieses Gedicht ist Fragment geblieben. Goethe erzählt uns von einem Pilger, Bruder Markus, der uns in seinen Wanderungen an das Schicksal des Parzival erinnert. Nach langer Wanderung gelangt er an ein einsames Haus, ein klosterartiges Gebäude. Innerhalb desselben findet er einen Bund, eine Versammlung von zwölf Persönlichkeiten. Er lernt endlich die Natur, den Charakter der Zwölf und des Dreizehnten kennen, der ihr Oberhaupt darstellt. Jeder dieser Zwölf hat etwas außerordentlich Wichtiges zu tun und eine Art Lebensbeschreibung von dem Dreizehnten zu geben. Dieser Dreizehnte hat sich hindurchgearbeitet durch Wirrnisse und Hemmungen aller Art. Es wird von ihm gesagt:
[ 1 ] Weniger bekannt als andere Gedichte von Goethe ist sein Gedicht «Die Geheimnisse». Dieses Gedicht ist Fragment geblieben. Goethe erzählt uns von einem Pilger, Bruder Markus, der uns in seinen Wanderungen an das Schicksal des Parzival erinnert. Nach langer Wanderung gelangt er an ein einsames Haus, ein klosterartiges Gebäude. Innerhalb desselben findet er einen Bund, eine Versammlung von zwölf Persönlichkeiten. Er lernt endlich die Natur, den Charakter der Zwölf und des Dreizehnten kennen, der ihr Oberhaupt darstellt. Jeder dieser Zwölf hat etwas außerordentlich Wichtiges zu tun und eine Art Lebensbeschreibung von dem Dreizehnten zu geben. Dieser Dreizehnte hat sich hindurchgearbeitet durch Wirrnisse und Hemmungen aller Art. Es wird von ihm gesagt:
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet, —
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet, —
[ 2 ] das heißt, der den höheren Menschen in sich ausbildet.
[ 2 ] das heißt, der den höheren Menschen in sich ausbildet.
[ 3 ] Dieser Dreizehnte, Humanus genannt, ist ganz über sich hinausgewachsen. Die Größe, der Einfluß dieses Weisen, den wir fühlen und ahnen, wird noch dadurch erhöht, daß er, wie wir gleich hören, im Sterben liegt, daß er das Letzte, das Schönste und das Größte den Zwölfen vor dem Eintritt in die höheren geistigen Welten zu geben hat. Und dazu soll nun der «reine Tor» hindurchdringen. Er soll den Dreizehnten ersetzen. Es schwebt etwas wie Karfreitagszauber über diesem Fragment. In der Tat hätte das ganze in dem Milieu des Karfreitags dargestellt werden sollen. Goethe selbst erklärt sein Gedicht etwa so, daß er sagt: Es gibt in der Welt viele Bekenntnisse, aber in allen haben wir den gleichen Kern Wahrheit zu sehen. — Das deutet Goethe dadurch an, daß er von zwölf Weltreligionen eine hinstellen wollte, die den gemeinsamen Wahrheitskern der Zwölf darstellt. Und der Dreizehnte ist der Repräsentant dieser Urwahrheit selbst. Das Gedicht umschreibt eigentlich die theosophische Weltanschauung. Goethe will in einem dichterischen Bild zum Ausdruck bringen, auf welche Weise eine Synthese aller Religionen zum Frieden führen kann. Als Bruder Markus an die Pforte des Klosters tritt, leuchtet ihm ein mit Rosen umwundenes Kreuz entgegen. Goethe kannte die tiefe Bedeutung dieses Symbols, was auch in seinen Versen angedeutet wird:
[ 3 ] Dieser Dreizehnte, Humanus genannt, ist ganz über sich hinausgewachsen. Die Größe, der Einfluß dieses Weisen, den wir fühlen und ahnen, wird noch dadurch erhöht, daß er, wie wir gleich hören, im Sterben liegt, daß er das Letzte, das Schönste und das Größte den Zwölfen vor dem Eintritt in die höheren geistigen Welten zu geben hat. Und dazu soll nun der «reine Tor» hindurchdringen. Er soll den Dreizehnten ersetzen. Es schwebt etwas wie Karfreitagszauber über diesem Fragment. In der Tat hätte das ganze in dem Milieu des Karfreitags dargestellt werden sollen. Goethe selbst erklärt sein Gedicht etwa so, daß er sagt: Es gibt in der Welt viele Bekenntnisse, aber in allen haben wir den gleichen Kern Wahrheit zu sehen. — Das deutet Goethe dadurch an, daß er von zwölf Weltreligionen eine hinstellen wollte, die den gemeinsamen Wahrheitskern der Zwölf darstellt. Und der Dreizehnte ist der Repräsentant dieser Urwahrheit selbst. Das Gedicht umschreibt eigentlich die theosophische Weltanschauung. Goethe will in einem dichterischen Bild zum Ausdruck bringen, auf welche Weise eine Synthese aller Religionen zum Frieden führen kann. Als Bruder Markus an die Pforte des Klosters tritt, leuchtet ihm ein mit Rosen umwundenes Kreuz entgegen. Goethe kannte die tiefe Bedeutung dieses Symbols, was auch in seinen Versen angedeutet wird:
Doch von ganz neuem Sinn wird er durchdrungen,
Wie sich das Bild ihm hier vor Augen stellt:
Es steht das Kreuz mit Rosen dicht umschlungen.
Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?
Doch von ganz neuem Sinn wird er durchdrungen,
Wie sich das Bild ihm hier vor Augen stellt:
Es steht das Kreuz mit Rosen dicht umschlungen.
Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?
[ 4 ] Das sind Worte von wahrem esoterischem Sinn.
[ 4 ] Das sind Worte von wahrem esoterischem Sinn.
[ 5 ] Heute soll uns nun die Frage beschäftigen: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten im Sinne der Rosenkreuzer? Wir wollen einiges über die Rosenkreuzermethode besprechen. Sie ist einer der Erkenntnispfade, die in übersinnliche Welten hineinführen. Das Wort Rosenkreuzer mag für manchen ungewohnt und merkwürdig klingen. Man hat von den Rosenkreuzern als einer geheimen Bruderschaft gehört, die etwa im 14. Jahrhundert unter dieser Bezeichnung auftaucht. Was im Konversationslexikon und sonst in der Tagesliteratur über die Rosenkreuzer zu finden ist, ist belanglos. Die Rosenkreuzer haben eine ganz bestimmte Geistesrichtung durch eine Anzahl sehr einflußreicher Persönlichkeiten vertreten. Wie leicht man den schwersten Irrtümern unterliegen kann, wo man höchste Wahrheiten zu finden glaubt, beweisen viele Veröffentlichungen, die über die Rosenkreuzer erschienen sind. Die Rosenkreuzer waren eine der intimsten Geheimbrüderschaften und hatten strenge Proben und schwere Prüfungen zu bestehen. Durch vieles mußten diejenigen hindurchgehen, die in den Rosenkreuzerorden aufgenommen werden wollten. Eine ganz bestimmte okkulte Schulung mußte der Anwärter durchmachen, um zur Selbstschau geführt zu werden. Aber Unkenntnis kann dazu verleiten, im Erhabensten eine Karikatur zu sehen. So wurde auch das Rosenkreuzertum völlig verkannt und zur Karikatur verzerrt. Was über die Rosenkreuzer geschrieben worden ist, ist schlechthin Scharlatanerie. Wer das Rosenkreuzertum richtig beurteilen kann, der sieht den wahren Kern darin. Wie schwer es aber von jeher war, das Rosenkreuzertum kennenzulernen, das sehen Sie daraus, daß Helmont, Leibniz und andere nichts von den Rosenkreuzern erfahren konnten. Die Rosenkreuzereinweihung wird historisch zurückgeführt auf ein Buch vom Anfang des 17. Jahrhunderts, in dem es unter anderem heißt, daß die Rosenkreuzer sich mit alchimistischen Dingen beschäftigt hätten, auch mit anderen, zum Beispiel mit der höheren Erziehung und so weiter. So steht es zu lesen in der «Fama Fraternitatis».
[ 5 ] Heute soll uns nun die Frage beschäftigen: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten im Sinne der Rosenkreuzer? Wir wollen einiges über die Rosenkreuzermethode besprechen. Sie ist einer der Erkenntnispfade, die in übersinnliche Welten hineinführen. Das Wort Rosenkreuzer mag für manchen ungewohnt und merkwürdig klingen. Man hat von den Rosenkreuzern als einer geheimen Bruderschaft gehört, die etwa im 14. Jahrhundert unter dieser Bezeichnung auftaucht. Was im Konversationslexikon und sonst in der Tagesliteratur über die Rosenkreuzer zu finden ist, ist belanglos. Die Rosenkreuzer haben eine ganz bestimmte Geistesrichtung durch eine Anzahl sehr einflußreicher Persönlichkeiten vertreten. Wie leicht man den schwersten Irrtümern unterliegen kann, wo man höchste Wahrheiten zu finden glaubt, beweisen viele Veröffentlichungen, die über die Rosenkreuzer erschienen sind. Die Rosenkreuzer waren eine der intimsten Geheimbrüderschaften und hatten strenge Proben und schwere Prüfungen zu bestehen. Durch vieles mußten diejenigen hindurchgehen, die in den Rosenkreuzerorden aufgenommen werden wollten. Eine ganz bestimmte okkulte Schulung mußte der Anwärter durchmachen, um zur Selbstschau geführt zu werden. Aber Unkenntnis kann dazu verleiten, im Erhabensten eine Karikatur zu sehen. So wurde auch das Rosenkreuzertum völlig verkannt und zur Karikatur verzerrt. Was über die Rosenkreuzer geschrieben worden ist, ist schlechthin Scharlatanerie. Wer das Rosenkreuzertum richtig beurteilen kann, der sieht den wahren Kern darin. Wie schwer es aber von jeher war, das Rosenkreuzertum kennenzulernen, das sehen Sie daraus, daß Helmont, Leibniz und andere nichts von den Rosenkreuzern erfahren konnten. Die Rosenkreuzereinweihung wird historisch zurückgeführt auf ein Buch vom Anfang des 17. Jahrhunderts, in dem es unter anderem heißt, daß die Rosenkreuzer sich mit alchimistischen Dingen beschäftigt hätten, auch mit anderen, zum Beispiel mit der höheren Erziehung und so weiter. So steht es zu lesen in der «Fama Fraternitatis».
[ 6 ] Über das, was wirklich Rosenkreuzerei ist, ist auch darin nichts zu finden, weil die Geheimnisse der Rosenkreuzer nur durch mündliche Tradition überliefert worden sind. Was sich äußerlich den Namen Rosenkreuzer beigelegt hat, ist recht wenig dazu geeignet, das Wesen der Rosenkreuzer zu ergründen. Wir wollen uns nun heute mit den Methoden der echten Rosenkreuzer beschäftigen, soweit dies in der Öffentlichkeit möglich ist. Die theosophische Bewegung ging anfangs vom orientalischen Weg aus. Die Wahrheit ist, wenn man sie zu suchen weiß und reif dazu ist, überall zu finden. Eine andere Denkungsweise, ein anderes Fühlen und Wollen, ein anderes Schauen und Wahrnehmen gab es einstmals in der Menschheit, als die alten Inder die Lehren der heiligen Rishis empfingen. Was damals getan wurde, läßt sich heute nicht mehr durchführen. Die Methoden, die früher möglich waren, sind heute nicht mehr gangbar. Es gibt nichts Absolutes in der Welt; die Menschheit ist in einer fortwährenden Entwickelung begriffen. Die jetzigen Menschen haben eine ganz andere, feinere Gehirnstruktur, sogar eine ganz andere Blutbildung als die damaligen Menschen. Darum muß heute alle Wahrheit so umgeformt werden und müssen die Einweihungsmethoden so angeordnet werden, daß sie für die heutigen Europäer geeignet sind. Das sind die Gründe, warum es ein Rosenkreuzertum geben mußte, warum man eine andere Form der Einweihung brauchte. Die Strömung der Rosenkreuzer ist getragen von den großen Lehrern, die sich immer im Hintergrunde hielten.
[ 6 ] Über das, was wirklich Rosenkreuzerei ist, ist auch darin nichts zu finden, weil die Geheimnisse der Rosenkreuzer nur durch mündliche Tradition überliefert worden sind. Was sich äußerlich den Namen Rosenkreuzer beigelegt hat, ist recht wenig dazu geeignet, das Wesen der Rosenkreuzer zu ergründen. Wir wollen uns nun heute mit den Methoden der echten Rosenkreuzer beschäftigen, soweit dies in der Öffentlichkeit möglich ist. Die theosophische Bewegung ging anfangs vom orientalischen Weg aus. Die Wahrheit ist, wenn man sie zu suchen weiß und reif dazu ist, überall zu finden. Eine andere Denkungsweise, ein anderes Fühlen und Wollen, ein anderes Schauen und Wahrnehmen gab es einstmals in der Menschheit, als die alten Inder die Lehren der heiligen Rishis empfingen. Was damals getan wurde, läßt sich heute nicht mehr durchführen. Die Methoden, die früher möglich waren, sind heute nicht mehr gangbar. Es gibt nichts Absolutes in der Welt; die Menschheit ist in einer fortwährenden Entwickelung begriffen. Die jetzigen Menschen haben eine ganz andere, feinere Gehirnstruktur, sogar eine ganz andere Blutbildung als die damaligen Menschen. Darum muß heute alle Wahrheit so umgeformt werden und müssen die Einweihungsmethoden so angeordnet werden, daß sie für die heutigen Europäer geeignet sind. Das sind die Gründe, warum es ein Rosenkreuzertum geben mußte, warum man eine andere Form der Einweihung brauchte. Die Strömung der Rosenkreuzer ist getragen von den großen Lehrern, die sich immer im Hintergrunde hielten.
[ 7 ] Das Rosenkreuzertum umfaßt sieben Stufen der Einweihung. Diese sieben Stufen bilden eine einheitliche Methode, durch die der Europäer in der Lage ist, all die Proben abzulegen, durch die er hindurchgehen muß. Man macht diese Stufen nicht unbedingt nacheinander durch, sondern der Lehrer nimmt je nach der Individualität des einzelnen Schülers dasjenige heraus, was am geeignetsten für den Betreffenden ist.
[ 7 ] Das Rosenkreuzertum umfaßt sieben Stufen der Einweihung. Diese sieben Stufen bilden eine einheitliche Methode, durch die der Europäer in der Lage ist, all die Proben abzulegen, durch die er hindurchgehen muß. Man macht diese Stufen nicht unbedingt nacheinander durch, sondern der Lehrer nimmt je nach der Individualität des einzelnen Schülers dasjenige heraus, was am geeignetsten für den Betreffenden ist.
[ 8 ] Die sieben Stufen sind das Studium, die Imagination, die inspirierte Erkenntnis oder das Lesen der okkulten Schrift, das Bereiten des Steines der Weisen, die Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos, das Hineinleben in den Makrokosmos sowie als siebente und höchste Stufe die Gottseligkeit.
[ 8 ] Die sieben Stufen sind das Studium, die Imagination, die inspirierte Erkenntnis oder das Lesen der okkulten Schrift, das Bereiten des Steines der Weisen, die Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos, das Hineinleben in den Makrokosmos sowie als siebente und höchste Stufe die Gottseligkeit.
[ 9 ] Unter dem Studium versteht man die Aneignung solcher Begriffe und Ideen, die den Menschen geeignet machen, ein gesundes, umfassendes Urteil über wesentliche Zusammenhänge fällen zu können. Das Studium enthielt bei den Rosenkreuzern alles das, was wir nach Abziehen des orientalischen Gewandes heute in der Theosophie haben. Was heute die Theosophie bringt, das ist Rosenkreuzerweisheit. Auch in öffentlichen Vorträgen habe ich über die Elementarlehre der Rosenkreuzer gesprochen. Das Wesentliche davon ist, sich eine Summe von Begriffen über die Welt anzueignen, die in sich geschlossen ist, die einen streng gefestigten Gedankenbau darstellt. Ein Denksystem wird hier aufgestellt, das vernünftig ist. Ein denkender, nüchterner Mensch muß der Rosenkreuzer sein. Diese Lehren sind Wahrheiten, die für die schlichtesten Herzen wie für die geistvollsten Gemüter verständlich sind. Was ist Zweck des Studiums? Es führt zum Hineinblicken in die übersinnlichen Welten, in die astralische Welt, dann in die geistige oder devachanische Welt, in jene Welten, die uns alle unsichtbar umgeben.
[ 9 ] Unter dem Studium versteht man die Aneignung solcher Begriffe und Ideen, die den Menschen geeignet machen, ein gesundes, umfassendes Urteil über wesentliche Zusammenhänge fällen zu können. Das Studium enthielt bei den Rosenkreuzern alles das, was wir nach Abziehen des orientalischen Gewandes heute in der Theosophie haben. Was heute die Theosophie bringt, das ist Rosenkreuzerweisheit. Auch in öffentlichen Vorträgen habe ich über die Elementarlehre der Rosenkreuzer gesprochen. Das Wesentliche davon ist, sich eine Summe von Begriffen über die Welt anzueignen, die in sich geschlossen ist, die einen streng gefestigten Gedankenbau darstellt. Ein Denksystem wird hier aufgestellt, das vernünftig ist. Ein denkender, nüchterner Mensch muß der Rosenkreuzer sein. Diese Lehren sind Wahrheiten, die für die schlichtesten Herzen wie für die geistvollsten Gemüter verständlich sind. Was ist Zweck des Studiums? Es führt zum Hineinblicken in die übersinnlichen Welten, in die astralische Welt, dann in die geistige oder devachanische Welt, in jene Welten, die uns alle unsichtbar umgeben.
[ 10 ] So viele Welten um den Menschen herum sind, so viele Fähigkeiten hat er, sie wahrzunehmen. Freilich sind diese Fähigkeiten zunächst unentwickelt. Eine Neugeburt bedeutet für den Blindgeborenen das Sehendwerden. Ebenso ist das Auftauchen jeder neuen Welt für den Menschen eine Neugeburt. Die astralische Welt, die wir aus gewissen Gründen so nennen, ist um uns herum, ebenso die geistige oder devachanische Welt. Es ist unbescheiden von einem, der nichts von den höheren Welten weiß, zu behaupten, sie seien nicht da. Die astralische Welt und die devachanische Welt unterscheiden sich beide gewaltig von dem, was in der physischen Welt sichtbar um uns herum ist. Ganz neue Eindrücke erleben wir in der astralischen wie in der devachanischen Welt. Wenn nun auch die Wahrnehmungen in diesen Welten ganz verschieden sind von denen in der physischen Welt, so bleibt die Logik die gleiche. Das Denken in allen drei Welten ist das gleiche; erst in noch höheren Welten ändert sich dieses ebenfalls. Hat man in einer dieser drei Welten denken gelernt, so sind die Gesetze dafür in den höheren Welten dieselben. Allerdings korrigiert sich ein Irrtum in der physischen Welt für den Menschen durch die Erfahrung. In jenen andern Welten gibt es diese bequeme Korrektur nicht, daher muß man dort einen festen Maßstab von Objektivität haben. Stützelos bist du dort, trittst du ohne diese Objektivität ein! Bei der alten Einweihung war daher der Guru notwendig. Der Guru mußte gleichsam als höchste Autorität in die Seele desjenigen einziehen, der in die indische Jogaweisheit eingeweiht wurde. In der Rosenkreuzerschulung wird dieses Verhältnis zwischen Guru und Schüler ersetzt durch die Stütze eines geschulten Denkens. Es muß der Schüler selbst der Führer sein. Deshalb ist das Studium ein so wichtiger Bestandteil der Schulung. Grundlegende Wahrheiten der Theosophie sind für die schlichtesten Herzen wie für die höher aufstrebenden Menschen in den Schriften «Wahrheit und Wissenschaft» und «Philosophie der Freiheit» niedergelegt. Man muß beim Lesen dieser Bücher innerlich ganz mitarbeiten, einen Gedanken aus dem andern herausarbeiten.
[ 10 ] So viele Welten um den Menschen herum sind, so viele Fähigkeiten hat er, sie wahrzunehmen. Freilich sind diese Fähigkeiten zunächst unentwickelt. Eine Neugeburt bedeutet für den Blindgeborenen das Sehendwerden. Ebenso ist das Auftauchen jeder neuen Welt für den Menschen eine Neugeburt. Die astralische Welt, die wir aus gewissen Gründen so nennen, ist um uns herum, ebenso die geistige oder devachanische Welt. Es ist unbescheiden von einem, der nichts von den höheren Welten weiß, zu behaupten, sie seien nicht da. Die astralische Welt und die devachanische Welt unterscheiden sich beide gewaltig von dem, was in der physischen Welt sichtbar um uns herum ist. Ganz neue Eindrücke erleben wir in der astralischen wie in der devachanischen Welt. Wenn nun auch die Wahrnehmungen in diesen Welten ganz verschieden sind von denen in der physischen Welt, so bleibt die Logik die gleiche. Das Denken in allen drei Welten ist das gleiche; erst in noch höheren Welten ändert sich dieses ebenfalls. Hat man in einer dieser drei Welten denken gelernt, so sind die Gesetze dafür in den höheren Welten dieselben. Allerdings korrigiert sich ein Irrtum in der physischen Welt für den Menschen durch die Erfahrung. In jenen andern Welten gibt es diese bequeme Korrektur nicht, daher muß man dort einen festen Maßstab von Objektivität haben. Stützelos bist du dort, trittst du ohne diese Objektivität ein! Bei der alten Einweihung war daher der Guru notwendig. Der Guru mußte gleichsam als höchste Autorität in die Seele desjenigen einziehen, der in die indische Jogaweisheit eingeweiht wurde. In der Rosenkreuzerschulung wird dieses Verhältnis zwischen Guru und Schüler ersetzt durch die Stütze eines geschulten Denkens. Es muß der Schüler selbst der Führer sein. Deshalb ist das Studium ein so wichtiger Bestandteil der Schulung. Grundlegende Wahrheiten der Theosophie sind für die schlichtesten Herzen wie für die höher aufstrebenden Menschen in den Schriften «Wahrheit und Wissenschaft» und «Philosophie der Freiheit» niedergelegt. Man muß beim Lesen dieser Bücher innerlich ganz mitarbeiten, einen Gedanken aus dem andern herausarbeiten.
[ 11 ] Die zweite Stufe des Rosenkreuzerpfades ist die Imagination. Sie führt durch eine umfassende Methode schon den ersten Schritt in die höheren Welten hinein. Das Erleben der Imagination erschließt den tieferen Sinn des Goethe-Wortes: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.»
[ 11 ] Die zweite Stufe des Rosenkreuzerpfades ist die Imagination. Sie führt durch eine umfassende Methode schon den ersten Schritt in die höheren Welten hinein. Das Erleben der Imagination erschließt den tieferen Sinn des Goethe-Wortes: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.»
[ 12 ] Betrachten wir eine Pflanze, so können wir an ihrer Gestalt, an ihrem Wesen erleben, wie wahr es ist, daß sich gleichsam der Geist der Erde in seiner Trauer, in seiner Heiterkeit durch sie offenbart. Es ist eine große Wahrheit, daß der Mensch im gleichen Maße zur Erde gehört wie ein Finger zum menschlichen Leibe. Der Mensch ist nur ein Glied des Ganzen, aber er gibt sich der Illusion hin, losgelöst zu leben. Der Finger ist geschützt vor dieser Illusion, weil er auf dem Leibe des Menschen nicht herumspazieren kann. Fühlt man sich als ein Glied der Erde, dann verspürt man etwas nicht nur von der Poesie, sondern auch von der Wahrheit der Goetheschen Worte vom Erdgeist. Geht der Mensch über zu dem, was der Erdgeist an seiner Oberfläche hervorbringt, so werden ihm manche Pflanzen zu den Tränen, manche zum Lächeln des Erdgeistes werden.
[ 12 ] Betrachten wir eine Pflanze, so können wir an ihrer Gestalt, an ihrem Wesen erleben, wie wahr es ist, daß sich gleichsam der Geist der Erde in seiner Trauer, in seiner Heiterkeit durch sie offenbart. Es ist eine große Wahrheit, daß der Mensch im gleichen Maße zur Erde gehört wie ein Finger zum menschlichen Leibe. Der Mensch ist nur ein Glied des Ganzen, aber er gibt sich der Illusion hin, losgelöst zu leben. Der Finger ist geschützt vor dieser Illusion, weil er auf dem Leibe des Menschen nicht herumspazieren kann. Fühlt man sich als ein Glied der Erde, dann verspürt man etwas nicht nur von der Poesie, sondern auch von der Wahrheit der Goetheschen Worte vom Erdgeist. Geht der Mensch über zu dem, was der Erdgeist an seiner Oberfläche hervorbringt, so werden ihm manche Pflanzen zu den Tränen, manche zum Lächeln des Erdgeistes werden.
[ 13 ] Eines noch wurde mit allen Mitteln der Schulung dem Schüler zum Bewußtsein gebracht. Ihm wurde gesagt: Sieh dir den Pflanzenkelch mit seinen Befruchtungsorganen an, die er keusch der Sonne zuwendet. Der Sonnenstrahl kußt das Innere des Pflanzenkelches. Die Pflanze streckt ihre Befruchtungsorgane unschuldig in den Weltenraum hinaus. Denke dir dies in seiner Umwandlung auf einer höheren Stufe. Betrachte zunächst das Tier und den Menschen und siehe, wie der Mensch das verhüllt, was die Pflanze der Sonne entgegenhält. Und dann sage dir: Eine künftige Stufe soll der Mensch einstmals erreichen, auf der alles Niedrige von seinen Organen gewichen ist. Auf dieser höheren Stufe wird er der Sonne das entgegenbringen, was heute bei der Pflanze der Kelch ist. Dann ist alles Triebhafte geläutert, die menschliche Individualität hat die Begierdennatur überwunden. Diese Umwandlung nannte man in der Weisheit der Rosenkreuzer den Gral, die heilige Schale.
[ 13 ] Eines noch wurde mit allen Mitteln der Schulung dem Schüler zum Bewußtsein gebracht. Ihm wurde gesagt: Sieh dir den Pflanzenkelch mit seinen Befruchtungsorganen an, die er keusch der Sonne zuwendet. Der Sonnenstrahl kußt das Innere des Pflanzenkelches. Die Pflanze streckt ihre Befruchtungsorgane unschuldig in den Weltenraum hinaus. Denke dir dies in seiner Umwandlung auf einer höheren Stufe. Betrachte zunächst das Tier und den Menschen und siehe, wie der Mensch das verhüllt, was die Pflanze der Sonne entgegenhält. Und dann sage dir: Eine künftige Stufe soll der Mensch einstmals erreichen, auf der alles Niedrige von seinen Organen gewichen ist. Auf dieser höheren Stufe wird er der Sonne das entgegenbringen, was heute bei der Pflanze der Kelch ist. Dann ist alles Triebhafte geläutert, die menschliche Individualität hat die Begierdennatur überwunden. Diese Umwandlung nannte man in der Weisheit der Rosenkreuzer den Gral, die heilige Schale.
[ 14 ] Hat man in solchen Vorstellungen eine Zeitlang gelebt, dann ist man reif, zu noch höheren Erlebnissen aufzusteigen. Das physische Auge sieht in der Pflanze nur den Samen. Durch die Vorbereitung ist die Seele so weit, daß sie dann zu dem Bild vordringen kann, das sich ihr am Samenkorn ergibt und in dem sich das darstellt, wodurch die Pflanze wächst. Es tritt vor die Seele das Bild einer Flammenbildung, die sich aus dem Samenkorn heraushebt. Man lernt so das Geistige hinter den Dingen sehen, man lernt erkennen, wie alles Physische herausgeboren ist aus einer Welt des Geistigen.
[ 14 ] Hat man in solchen Vorstellungen eine Zeitlang gelebt, dann ist man reif, zu noch höheren Erlebnissen aufzusteigen. Das physische Auge sieht in der Pflanze nur den Samen. Durch die Vorbereitung ist die Seele so weit, daß sie dann zu dem Bild vordringen kann, das sich ihr am Samenkorn ergibt und in dem sich das darstellt, wodurch die Pflanze wächst. Es tritt vor die Seele das Bild einer Flammenbildung, die sich aus dem Samenkorn heraushebt. Man lernt so das Geistige hinter den Dingen sehen, man lernt erkennen, wie alles Physische herausgeboren ist aus einer Welt des Geistigen.
[ 15 ] Die dritte Stufe wird in der Rosenkreuzerschulung das Lesen der okkulten Schrift genannt. Die kosmischen Kräfte, die in der Welt wirken, offenbaren sich durch bestimmte Strömungen und Zusammenstellungen von Farben und Tönen. Diese okkulte Schrift ist in ihrer Struktur in die Welt hineingeschrieben. Ein Beispiel dafür ist die Spirale, die wir im außeren Kosmos in der Gestalt von zwei ineinandergeschlungenen Wirbeln im Orionnebel erblicken. Mikrokosmisch geschieht die erste Eingliederung des Menschenkeims in einer entsprechenden Form. Das Bild zweier ineinandergeschlungener Wirbel ist das Tierkreiszeichen des Krebses. In der okkulten Schrift zeigt es den Übergang von einem Entwickelungsstadium in das nächste an. In der Tat lag der Frühlingspunkt der Sonne im Zeichen des Krebses, als im alten Indien nach dem Untergang der Atlantis eine neue Menschheitsepoche eingeleitet wurde.
[ 15 ] Die dritte Stufe wird in der Rosenkreuzerschulung das Lesen der okkulten Schrift genannt. Die kosmischen Kräfte, die in der Welt wirken, offenbaren sich durch bestimmte Strömungen und Zusammenstellungen von Farben und Tönen. Diese okkulte Schrift ist in ihrer Struktur in die Welt hineingeschrieben. Ein Beispiel dafür ist die Spirale, die wir im außeren Kosmos in der Gestalt von zwei ineinandergeschlungenen Wirbeln im Orionnebel erblicken. Mikrokosmisch geschieht die erste Eingliederung des Menschenkeims in einer entsprechenden Form. Das Bild zweier ineinandergeschlungener Wirbel ist das Tierkreiszeichen des Krebses. In der okkulten Schrift zeigt es den Übergang von einem Entwickelungsstadium in das nächste an. In der Tat lag der Frühlingspunkt der Sonne im Zeichen des Krebses, als im alten Indien nach dem Untergang der Atlantis eine neue Menschheitsepoche eingeleitet wurde.
[ 16 ] Ein anderes Zeichen der okkulten Schrift ist das Dreieck, das ebenfalls in den Makrokosmos eingezeichnet ist. Mikrokosmisch ist die Figur des gleichseitigen Dreiecks mit dem eingezeichneten Mittelpunkt das Symbol für das erlangte Gleichgewicht zwischen den drei Seelenkräften. Aus der Harmonisierung von Denken, Fühlen und Wollen erwächst die höhere Liebekraft.
[ 16 ] Ein anderes Zeichen der okkulten Schrift ist das Dreieck, das ebenfalls in den Makrokosmos eingezeichnet ist. Mikrokosmisch ist die Figur des gleichseitigen Dreiecks mit dem eingezeichneten Mittelpunkt das Symbol für das erlangte Gleichgewicht zwischen den drei Seelenkräften. Aus der Harmonisierung von Denken, Fühlen und Wollen erwächst die höhere Liebekraft.
[ 17 ] Dieser dritten Stufe, auf der das Bewußtsein der Inspiration errungen wird, folgt die Rhythmisierung des Lebens und Atmens. Sie wird in der Sprache der Rosenkreuzer auch als Bereitung des Steins der Weisen bezeichnet. Damit wird wiederum eine spätere allgemeine Entwickelungsstufe der Menschheit vorausgenommen. Heute braucht der Mensch den Sauerstoff bei der Einatmung. Die Kohlensäure atmet er als Giftstoff aus. Umgekehrt verhält es sich bei der Pflanze, die gerade die Kohlensäure einatmet und den Sauerstoff abgibt. In einer fernen Zukunft wird der Mensch den Kohlenstoff, den er heute mit der Nahrung aufnimmt, bewußt zum Aufbau seiner Leiblichkeit verwenden und nicht mehr ausatmen. Dann wird die menschliche Leiblichkeit aus einer ganz andern Substanz bestehen, als dies heute der Fall ist. Diese wird ein durchsichtiger, weicher Kohlenstoff sein. Der Leib des Menschen selber ist dann der Stein der Weisen. Das Symbol dafür ist der kristallhelle Diamant, der aus Kohlenstoff besteht.
[ 17 ] Dieser dritten Stufe, auf der das Bewußtsein der Inspiration errungen wird, folgt die Rhythmisierung des Lebens und Atmens. Sie wird in der Sprache der Rosenkreuzer auch als Bereitung des Steins der Weisen bezeichnet. Damit wird wiederum eine spätere allgemeine Entwickelungsstufe der Menschheit vorausgenommen. Heute braucht der Mensch den Sauerstoff bei der Einatmung. Die Kohlensäure atmet er als Giftstoff aus. Umgekehrt verhält es sich bei der Pflanze, die gerade die Kohlensäure einatmet und den Sauerstoff abgibt. In einer fernen Zukunft wird der Mensch den Kohlenstoff, den er heute mit der Nahrung aufnimmt, bewußt zum Aufbau seiner Leiblichkeit verwenden und nicht mehr ausatmen. Dann wird die menschliche Leiblichkeit aus einer ganz andern Substanz bestehen, als dies heute der Fall ist. Diese wird ein durchsichtiger, weicher Kohlenstoff sein. Der Leib des Menschen selber ist dann der Stein der Weisen. Das Symbol dafür ist der kristallhelle Diamant, der aus Kohlenstoff besteht.
[ 18 ] Vorbereitet wird dieser ganze Prozeß durch eine Rhythmisierung der Atmung wie überhaupt aller Lebensvorgänge. Bei der Pflanze und beim Tier sind diese von außen her geregelt. Beim heutigen Menschen geschieht dies nicht mehr, sondern er muß sich den Rhythmus, der in der Natur ohne Dazutun der darin lebenden Wesen herrscht, selbst schaffen. Die strenge Einhaltung eines solchen Rhythmus stellt einen wichtigen Bestandteil der Rosenkreuzerschulung dar.
[ 18 ] Vorbereitet wird dieser ganze Prozeß durch eine Rhythmisierung der Atmung wie überhaupt aller Lebensvorgänge. Bei der Pflanze und beim Tier sind diese von außen her geregelt. Beim heutigen Menschen geschieht dies nicht mehr, sondern er muß sich den Rhythmus, der in der Natur ohne Dazutun der darin lebenden Wesen herrscht, selbst schaffen. Die strenge Einhaltung eines solchen Rhythmus stellt einen wichtigen Bestandteil der Rosenkreuzerschulung dar.
[ 19 ] Die fünfte Stufe der Rosenkreuzerschulung ist es, auf welcher die Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos erlebt wird. Paracelsus sagt: Alles, was um uns im Raume ist, ist mit uns verwandt. - In der Welt sind die einzelnen Buchstaben, und der Mensch ist das Wort. Ein Sich-Einleben in sein Inneres ist auf dieser Stufe möglich. Der Mensch hat alles im Kleinen, in der Essenz in sich, was draußen in der Welt ist. Sich selbst erkennen, um die Welt zu erkennen, ist die Aufgabe, die auf dieser Stufe gestellt ist.
[ 19 ] Die fünfte Stufe der Rosenkreuzerschulung ist es, auf welcher die Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos erlebt wird. Paracelsus sagt: Alles, was um uns im Raume ist, ist mit uns verwandt. - In der Welt sind die einzelnen Buchstaben, und der Mensch ist das Wort. Ein Sich-Einleben in sein Inneres ist auf dieser Stufe möglich. Der Mensch hat alles im Kleinen, in der Essenz in sich, was draußen in der Welt ist. Sich selbst erkennen, um die Welt zu erkennen, ist die Aufgabe, die auf dieser Stufe gestellt ist.
[ 20 ] Das Hinausleben in den Makrokosmos wird auf der folgenden, sechsten Stufe gefordert. Hier hat der Mensch sich seiner selbst zu entäußern und alles Eigene zurückzulassen. Er lernt nun den Makrokosmos wahrhaft erkennen.
[ 20 ] Das Hinausleben in den Makrokosmos wird auf der folgenden, sechsten Stufe gefordert. Hier hat der Mensch sich seiner selbst zu entäußern und alles Eigene zurückzulassen. Er lernt nun den Makrokosmos wahrhaft erkennen.
[ 21 ] Die höchste Stufe, die der Rosenkreuzer erreichen kann, ist die Gottseligkeit. Hier wächst der Eingeweihte mit dem ganzen Universum zusammen, er erlebt den Gipfel der menschlichen Evolution, wie sie der Menschheit für eine ferne Zukunft vorgezeichnet ist. Der Rosenkreuzerschuüler richtet sein ganzes Streben darauf, diese Evolution vorzubereiten.
[ 21 ] Die höchste Stufe, die der Rosenkreuzer erreichen kann, ist die Gottseligkeit. Hier wächst der Eingeweihte mit dem ganzen Universum zusammen, er erlebt den Gipfel der menschlichen Evolution, wie sie der Menschheit für eine ferne Zukunft vorgezeichnet ist. Der Rosenkreuzerschuüler richtet sein ganzes Streben darauf, diese Evolution vorzubereiten.
[ 22 ] Im Menschen lebt eine niedere passive Natur und ein aktives Element. Entwickelt er sich in der geschilderten Weise, so überwindet er die niedere Natur und wird durch den Geist wiedergeboren. Dieser Sinn der menschlichen Evolution ist in den Worten Goethes beschlossen:
[ 22 ] Im Menschen lebt eine niedere passive Natur und ein aktives Element. Entwickelt er sich in der geschilderten Weise, so überwindet er die niedere Natur und wird durch den Geist wiedergeboren. Dieser Sinn der menschlichen Evolution ist in den Worten Goethes beschlossen:
Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
[ 23 ] Das Symbol für das «Stirb» ist das Kreuz, das Symbol für das «Werde» sind die Rosen. Der physische Leib des Menschen stellt das Kreuz dar. Alles, was mit den Wachstumskräften zusammenhängt, bildet das passive Element im Menschen. Dazu gehört insbesondere die Milch. Im Blut dagegen entwickelt der aufwärtsstrebende Mensch ein aktives Element. Das ist das Geheimnis der weißen und der roten Rose. Die höhere Menschennatur ist es, welche den Ausgleich zwischen der weißen und der roten Rose sucht. In Goethes Gedicht «Die Geheimnisse» gibt uns der Dreizehnte ein Bild jenes Menschen, der diese hohe Stufe erreicht hat. Als Leitspruch für alles Rosenkreuzerstreben können wir daher die Worte auffassen, die von diesem Dreizehnten gesagt werden:
[ 23 ] Das Symbol für das «Stirb» ist das Kreuz, das Symbol für das «Werde» sind die Rosen. Der physische Leib des Menschen stellt das Kreuz dar. Alles, was mit den Wachstumskräften zusammenhängt, bildet das passive Element im Menschen. Dazu gehört insbesondere die Milch. Im Blut dagegen entwickelt der aufwärtsstrebende Mensch ein aktives Element. Das ist das Geheimnis der weißen und der roten Rose. Die höhere Menschennatur ist es, welche den Ausgleich zwischen der weißen und der roten Rose sucht. In Goethes Gedicht «Die Geheimnisse» gibt uns der Dreizehnte ein Bild jenes Menschen, der diese hohe Stufe erreicht hat. Als Leitspruch für alles Rosenkreuzerstreben können wir daher die Worte auffassen, die von diesem Dreizehnten gesagt werden:
Denn alle Kraft dringt vorwärts in die Weite,
Zu leben und zu wirken hier und dort;
Dagegen engt und hemmt von jeder Seite
Der Strom der Welt und reißt uns mit sich fort,
In diesem innern Sturm und äußern Streite
Vernimmt der Geist ein schwer verstanden Wort:
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.
Denn alle Kraft dringt vorwärts in die Weite,
Zu leben und zu wirken hier und dort;
Dagegen engt und hemmt von jeder Seite
Der Strom der Welt und reißt uns mit sich fort,
In diesem innern Sturm und äußern Streite
Vernimmt der Geist ein schwer verstanden Wort:
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.
