Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Christian Mystery
GA 97

29 July 1906, Landin

Translate the original German text into any language:

24. Das Gralsgeheimnis im Werk Richard Wagners

Parsifal

[ 1 ] In Anknüpfung an Richard Wagners Kunstwerk «Parsifal» will ich einiges über okkulte und geisteswissenschaftliche Wahrheiten bringen. Es besteht ein merkwürdiger, tiefer Zusammenhang zwischen der bedeutungsvollen künstlerischen Erscheinung Richard Wagners und der heutigen geistigen Bewegung, welche man Theosophie nennt. Daß Richard Wagner und sein Kunstwerk überhaupt eine ungeheure Summe von okkulter Kraft verkörpern, das ist etwas, was nachgerade zum Bewußtsein der Menschheit kommt. Aber es wird in der Zukunft noch etwas anderes klar werden, nämlich, daß wir in Richard Wagner eine Erscheinung haben, in der noch viel mehr lebte, als er selbst wissen konnte. Das ist das Geheimnis vieler bedeutender und besonders künstlerischer Erscheinungen, daß in ihnen eine Kraft lebt, von der sie selbst nichts wissen.

[ 1 ] I want to speak to you today about the truths of occultism and of theosophy, relating what I have to say with Richard Wagner's Parsifal. For there is a deep connection between the artistic work of Wagner and the spiritual movement of the present day that is known as Theosophy. That there is in Wagner and in his works a very large measure of occult power, is something that mankind is gradually learning to realize. And in the future something further will also become clear to us; namely, that there lived in Wagner a great deal more than he himself could have knowledge of. This is, in truth, the secret of many a work of art, that a force and a power live in it of which its creator knows nothing.

[ 2 ] Wenn wir uns auf der einen Seite klarmachen, daß in Richard Wagner viel mehr lebte, als ihm selbst zum Bewußtsein kam, dürfen wir auf der andern Seite nicht vergessen, daß er doch bis zur letzten Stufe der Weisheit nicht hat vorrücken können, und daß sich daher für den Okkultisten Richard Wagners Kunst ganz besonders ausnimmt. Man muß sich bei Richard Wagners Kunstwerken sagen: In alldem lebt viel mehr — etwas Geheimnisvolles, was noch dahintersteht.

[ 2 ] When this has come home to us; namely, that more—much more—was living in Wagner than he himself was conscious of, we must at the same time not forget that Wagner was never able to reach the last stages of wisdom. On this account the art of Richard Wagner has for the occultist quite a unique character; for while he knows that something more, something of deep mystery, is hidden behind it, he knows on the other hand that one can be in danger of looking in Wagner for something that is not there.

[ 3 ] Es ist höchst reizvoll, im Hintergrunde die tieferen Strömungen zu sehen. Daß man in Richard Wagner viel mehr, als gewöhnlich geschieht, finden könne, hat Richard Strauß einmal gesagt. Er führte dazu etwa folgendes aus: Diejenigen, die immer behaupten, man dürfe nichts hinzudenken zu dem, was Richard Wagner geschaffen hat, kommen mir vor wie Menschen, die bei einer Blume auch nichts hinzudenken wollen. Solche Menschen kommen aber nie hinter das Geheimnis der Blume. Ähnlich ergeht es denen, die bei einem großen Künstler sich nichts hinzudenken können.

[ 3 ] The fact that a great deal more is to be found in Wagner than is generally perceived was well expressed by Richard Strauss, who said somewhat as follows: When I hear people perpetually declaring that we ought not to add anything from our own thought to what Wagner has created, it seems to me we might just as well say we should refrain from adding anything from our own thought when we contemplate a flower! We would certainly never discover the secret of the flower that way; and it will surely be the same with those who are unwilling to allow themselves to add anything from their own thought to the works of a great artist.”

[ 4 ] Richard Wagner hat sich besonders an Stoffe von hoher Bedeutung herangemacht. Immer findet man bei ihm Namen, welche an uralte heilige Traditionen anknüpfen. Was er im «Parsifal» erreicht hat, hängt innig zusammen mit der Kraft, die so merkwürdig im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gewirkt hat.

[ 4 ] Richard Wagner concerned himself with themes of sublime significance. Always in his works you will find names that are connected with ancient, holy traditions. What he achieved in “Parsifal” is intimately connected with the spiritual power that has been active in such a striking manner in and since the last third of the Nineteenth Century.

[ 5 ] Wir müssen in tiefe Geheimnisse der Menschheitsentwickelung einen Blick tun, um seine Gestalten und Motive zu verstehen. Zu diesem Zweck wollen wir in der Geschichte um einige Jahrtausende zurückgehen. Richard Wagner hat zeit seines Lebens die allertiefsten Studien über den Menschenzusammenhang und das Geheimnis der Menschenseele getrieben. Er suchte in seiner Jugend das Geheimnis der Reinkarnation zu erforschen. Daß er sich damit beschäftigt hat, zeigt sich in einem Entwurf zu einem Drama, den er 1856 ausgearbeitet hat. Dieses Drama heißt «Die Sieger». Wagner gab die Ausführung dieses Dramas später auf, weil das Problem der «Sieger» für ihn musikalisch nicht lösbar war. Dramatisch allein wäre es für ihn vollkommen lösbar gewesen. Das Drama hatte folgenden Inhalt: Ein Jüngling im fernen Indien, Ananda mit Namen, aus der Brahmanenkaste, wird von einem Tschandalamädchen, aus der untersten Kaste, mit Namen Prakriti, geliebt. Ananda wird ein Schüler des Buddha. Er erwidert die Liebe der Prakriti nicht. Sie ist dadurch in die äußerste Betrübnis versetzt. Ananda zieht sich von der Welt zurück und widmet sich dem religiösen Leben. Dem Tschandalamädchen wird dann durch einen Brahmanen Aufklärung zuteil, warum sie dieses Schicksal hat. Sie hat in einem früheren Leben als Brahmanin die Liebe desselben Jünglings, der damals in der Tschandalakaste war, verschmäht. Unter dem Eindruck dieser Lehre wendet auch sie sich dem Buddha zu, und nun werden sie beide Schüler dieses einen Lehrers.

[ 5 ] In order to understand the figures and motifs that we meet with in Wagner, we need to probe into deep mysteries of the evolution of mankind. Wagner made an intensive study of man and his place in the great world, and of the mystery of the human soul. As a young man he tried research into the mysteries of reincarnation. We have evidence of this in his draft for a drama called “Die Sieger” (“The Victorious,” or, “The Conquerors.”) He abandoned the attempt, because the music for the drama proved to be an insoluble problem. As drama alone he could have succeeded with it. The story is as follows. A youth in the Far East, in India, Ananda by name, belonging to the Brahman caste, is beloved by a Chandala maiden of the very lowest caste, who is called Prakriti. Ananda is a pupil of Buddha. He does not respond to Prakriti's love. She is accordingly thrown into the utmost distress and sorrow. Ananda withdraws from the world and devotes himself to the religious life. An explanation of her destiny is then given to the Chandala maiden by another Brahman. She had, he told her, in an earlier life been a Brahman and had rejected the love of this very youth who was at that time in the Chandala caste. Deeply impressed with the teaching conveyed in this explanation, the girl then attaches herself also to the Buddha, and the two become followers together of the same teacher.

[ 6 ] Diesen Stoff hat Wagner 1856 skizziert und ausarbeiten wollen. Was ihm damals nicht gelungen ist, das stand in anderer Weise schon ein Jahr danach vor seiner Seele. 1857 faßte er die große Idee zum «Parsifal». Es ist merkwürdig, wie in einem Augenblick das ganze Mysterium des «Parsifal» in Richard Wagners Seele hineingezogen ist. Es war am Karfreitag 1857 in der Villa Wesendonk am. Zürichsee. Da sah er hinaus in die aufkeimende, aufsprießende und blühende Natur. Und in diesem Augenblick wurde ihm der Zusammenhang zwischen der aufsprießenden Natur und dem Tode Christi am Kreuze klar. Dieser Zusammenhang ist das Geheimnis des Heiligen Gral. Von diesem Moment an ging durch Richard Wagners Seele der Gedanke, er müsse das Geheimnis des Heiligen Gral in musikalischer Form in die Welt hinaussenden.

[ 6 ] This theme was sketched out by Wagner in 1855, with the intention of elaborating it. He did not succeed, but a year later the same impulse presented itself to him in a new way. In 1857 the great ideal contained in Parsifal suddenly entered into Wagner's soul. It happened on Good Friday, 1857, in Villa Wesendonk on the shores of the Lake of Zurich. Wagner was gazing out upon the world of nature, with all its fresh young life in the full beauty of springtime. And in that moment he saw with perfect clarity the connection between the upspringing of all the budding new life of nature and the death of Christ on the Cross. This connection is the secret of the Holy Grail. And from that moment onward Richard Wagner knew in his soul that he must send forth into the world this secret of the Holy Grail, he must send it out into the world of music.

[ 7 ] Wenn wir dies eigentümliche Erlebnis in Richard Wagners Seele verstehen wollen, dann müssen wir in der Geschichte um einige tausend Jahre zurückgehen. Seine schönen Gedanken über die menschliche Evolution hat Richard Wagner in seiner Schrift «Heldentum und Christentum» niedergelegt. Wir wollen dazu zunächst die Form der Lehre, die innerhalb Europas zu allen Zeiten bis zum 16.oder 17. Jahrhundert in Mysteriengesellschaften erteilt wurde, in Betracht ziehen. Mysterien hat es zu allen Zeiten gegeben. In den Mysterien bekam man ein Wissen, welches zu gleicher Zeit Religion war, und eine Religion, welche zu gleicher Zeit Weisheit war. Den richtigen Begriff von einem Mysterium kann derjenige überhaupt nicht bekommen, der nicht den Begriff von einer geistigen Welt hat.

[ 7 ] If we would really understand this remarkable and unique experience that Richard Wagner underwent, we shall have to go back a few thousand years in the evolution of Europe. (His own noble and exalted thoughts on the evolution of man Wagner has put forward in his work entitled Heathendom and Christianity). What was the nature of the teaching that was given long ago in the so-called Mystery Fellowships or Mystery Brotherhoods? Let us consider for a little this teaching as it was to be met with in Europe right up to the Sixteenth or Seventeenth Centuries; let us see what form it took in these times. Mysteries have existed in all ages. In the mysteries, man received a knowledge that was at the same time religion, and he received a religion that was at the same time wisdom. It is impossible to have a correct conception of a mystery if one has no conception of a spiritual world.

[ 8 ] Um uns her haben wir in Stufen ausgebreitet die verschiedenen Naturreiche, Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen. Wir betrachten das Menschenreich als das höchste unter diesen vier Reichen. Wie es Reiche um den Menschen herum gibt, die unter ihm stehen, so gibt es auch über den Menschen hinaus höhere Wesen in vielen Stufen. Man hat von jeher die in verschiedenen Stufen über den Menschen hinausragenden Wesenheiten als Götter bezeichnet. Durch die Art der Weisheit, wie sie in den Mysterien den Menschen mitgeteilt wurde, wurde der Mensch in einen bewußten Umgang mit den Göttern gebracht. Einen solchen Menschen bezeichnete man immer, wo es Mysterien gab, als einen Eingeweihten. Er erhielt nicht bloß eine Wortweisheit, sondern erfuhr Tatsachen, die er innerhalb der Mysterien erlebte. Auch heute noch gibt es Mysterien, doch sind sie anderer Natur als jene in den alten Zeiten und im Mittelalter.

[ 8 ] We are surrounded here by the various kingdoms of nature; minerals, plants, animals and human beings. We regard the human kingdom as the highest of the four. But now just as man has thus around him kingdoms that are lower than himself, so has he above him higher beings in many stages. The beings that stand at different stages higher than man have from time immemorial been designated as “Gods.” The kind of wisdom imparted to man in the mysteries enabled him to hold conscious intercourse with the Gods. He was then called an initiate. Such an initiate possessed no mere wisdom of words; he had, in the mysteries, experienced facts. Even still today there are mysteries, although they are of another kind than those of olden or medieval times.

[ 9 ] In der Zeit, als die Kreuzzüge beginnen, und etwas vorher, finden wir in einer Gegend im Norden von Spanien ein wichtiges Mysterium. Die damals vorhandenen Mysterien nannte man die späteren gotischen Mysterien. Die in diese damals eingeweiht wurden, nannte man die Tempelisen oder Tempeleisen oder die Ritter vom Heiligen Gral. Zu diesen gehörte auch Lohengrin. Die Gralsritter stellen in ihrer Gemeinschaft etwas vor, was verschieden ist von einer andern Ritterschaft. Diese andere Rittergemeinschaft hatte ihren Sitz in England, in Wales. Alles, was im Mittelalter von König Artus und seiner Tafelrunde erzählt wird, knüpft an diese andere Einweihungsgemeinschaft an.

[ 9 ] At the time when the Crusades were beginning, and even a little before, we find in a district in the North of Spain an important mystery. The mysteries that were still extant in that time have generally been known as the later Gothic Mysteries. Those who were initiated were called the Templars, or the Knights of the Holy Grail. Lohengrin was one of these. The Order of the Knights of the Grail had a different significance from another order or brotherhood which had its location in England and Wales; all the stories that are told of King Arthur and his Round Table relate to this other order of initiation.

[ 10 ] In Urzeiten, lange vor der Entstehung des Christentums, bewegte sich ein Menschenstrom auf der Erde von Westen nach Osten. Sehr lange Zeit ist das her. Einstmals befand sich in der Gegend des Atlantischen Ozeans die Atlantis, wo unsere weit zurückliegenden Vorfahren, die Atlantier, gewohnt haben. Alles, was Europa und Asien, bis nach Indien hin, bevölkert hat, waren Nachkommen der Atlantier. Diese Atlantier lebten unter ganz andern Bedingungen als denjenigen, unter denen die Menschen später lebten. Sie lebten ganz hierarchisch unter der Leitung solcher Einweihungsschulen. Alles Regieren und Herrschen ging damals von Eingeweihten aus. Eine berühmte Einweihungsschule war im Norden des heutigen Rußland. Die Eingeweihten dort nannte man Trotten. Andere Einweihungsschulen gab es im Westen Europas, wo die Eingeweihten die Druiden hießen. Um Ordnung in die Menschenmassen zu bringen, gingen von diesen Eingeweihten alle sozialen Einrichtungen aus.

[ 10 ] In ages long ago, long before Christianity, a migration took place from West to East. Very long ago, there was land in the region of the Atlantic Ocean—the so-called land of Atlantis, where dwelt the Atlanteans, our ancient ancestors. All the people who lived later on in Europe and also in Asia as far East as India, were descendants of the Atlanteans. The Atlanteans lived under entirely different conditions from those that prevailed in later times. Life was hierarchically ordered. All control and rule was in the hands of the initiates. In the North of what is today Russia a famous school of initiation existed in earlier times. The initiates of this school were known as “Trotten.” In the West of Europe were other initiation schools, and in them the Druids were the initiates. The whole social life of the people was still even then ordered and regulated by these initiates.

[ 11 ] Wir sehen nun in diese allerältesten Schulen hinein. Was für ein Geheimnis wurde da gelehrt? Nur die Formen solcher Lehren ändern sich zu verschiedenen Zeiten. Höchst merkwürdig ist es, daß da das Geheimnis, welches Richard Wagner empfunden hat, zur höchsten Entfaltung gebracht worden ist, nämlich: wie die im Frühling sprießende Natur mit dem Geheimnis des Kreuzes zusammenhängt.

[ 11 ] When we look back to these ancient schools of initiation, what sort of a teaching do we find there? What was the Mystery that was taught in them? It is after all only the forms of the teaching that change with the passage of time. Astonishing as it may seem, we actually find that in these very ancient schools of initiation the secret, the mystery that Parsifal discovered, is brought to its highest development—the secret; namely, of how the new budding life of nature in Springtime is connected with the Mystery of the Cross. We have to understand it in the following way.

[ 12 ] Es handelt sich darum, daß der Mensch sich zunächst klarmacht, daß alle Kraft der Hervorbringung, die außerhalb des Tier- und Menschenreiches liegt, auch im Pflanzenreich zu sehen ist. Im Frühling sprießt die göttliche Schöpferkraft aus der Mutter Erde hervor. Erkennen muß man, daß ein Zusammenhang besteht zwischen der Kraft, die hervorkommt, wenn die Erde sich mit einem grünen Teppich bedeckt, und der göttlichen Schöpferkraft. Den Schülern wurde gesagt: Da draußen seht ihr in den sich öffnenden Blütenkelchen eine Kraft, die sich in den Samenkörnern konzentriert. Unzählige Samenkörner werden aus der Blüte hervorkommen, die, in die Erde gelegt, Neues hervorbringen können. Jetzt fühlt man ganz und gar, daß das, was draußen in der Natur vor sich geht, nichts anderes ist, als was auch im Menschen- und Tierreich vor sich geht, was aber bei der Pflanze ohne Begierde, ganz keusch vor sich geht.

[ 12 ] The power of reproduction which we recognize in the animal and human kingdoms is also to be seen in the plant kingdom. In the springtime of the year the divine active power of creation shoots up out of Mother Earth. For we have to recognize that a deep connection exists between the power that manifests when the Earth clothes herself with her robe of green, and the divine creative power. The pupils in the initiation school were taught as follows: “All around you in nature you see the opening flower buds, and within them a power at work which is then later concentrated in the small grains of seed. Countless seeds will come forth from the flowers—seeds which, if laid into the earth, will be capable of bringing forth new plants. And now receive what I am about to say into your heart; take it deeply into your soul. The process that is taking place out there in nature is the very same as takes place in human beings and in the animal kingdom, only in nature it takes place without desire or passion. It goes forward in perfect purity and chastity.

[ 13 ] Die unendliche Unschuld und Keuschheit, die in den Blütenkelchen der Pflanzen schlummert, sie mußte durch die Seele der Schüler ziehen. Weiter wurde ihnen gesagt: Die Blüten öffnet der Sonnenstrahl. Er holt die Kraft aus den Blüten heraus. Zwei kommen sich da entgegen, die sich öffnende Blume und der Sonnenstrahl. Zwischen dem Pflanzenreich und dem göttlichen Reiche stehen andere Reiche, das Tier- und Menschenreich. Alle diese Reiche sind nur ein Übergang vom Pflanzenreich zum göttlichen Reiche. Im göttlichen Reiche sieht man wieder ein Reich der Unschuld und Keuschheit wie im Pflanzenreich. Im Tier- und Menschenreich sehen wir ein Reich der Begierde.

[ 13 ] The boundless and chaste innocence that sleeps in the flower buds of the plants—this, it was felt, must enter right into the soul of the pupils. And then they were told further: “It is the sun that opens the blossoms. The ray of the sun calls forth the power that rests in them. Two things meet—the opening flower and the ray from the sun. Between the plant kingdom and the divine kingdom stand the two other kingdoms—the animal kingdom and the human. These latter are really no more than a kind of pathway leading from the plant kingdom to the divine kingdom. In the divine kingdom we have again a kingdom of innocence and chastity, as in the plant kingdom. In the animal and human kingdom we have kingdoms of desire and passion.”

[ 14 ] Aber dann wurde in die Zukunft verwiesen: Schwinden werden einstmals alle Lüste und Begierden. Es wird dann von oben herunter der Kelch sich öffnen, so wie der Kelch der Blume sich öffnet, und herab zum Menschen schauen. Wie der Sonnenstrahl sich in die Pflanze senkt, so wird des Menschen eigene geläuterte Kraft sich mit diesem göttlichen Kelch vereinigen.

[ 14 ] But then it was told to the pupils that in the future all passion and desire will at length disappear. The chalice will then open (even as the chalice of the flower opens)—will open from above downwards and look down to man.

[ 15 ] Man kann den Blütenkelch der Blume geistig umkehren, so daß er von oben, vom Himmel, sich nach unten neigt, und man kann den Sonnenstrahl umkehren, so daß er vom Menschen sich zum Himmel erhebt. Diesen umgekehrten Blütenkelch, wie es als Tatsache in den Mysterien dargestellt wurde, nannte man den Heiligen Gral. Der wirkliche Blütenkelch der Pflanze ist der umgekehrte Heilige Gral. Das, was der Sonnenstrahl darstellt, lernt jeder kennen, der Okkultismus kennt, und zwar in dem sogenannten Zauberstab. Der Zauberstab ist das abergläubisch ausgeprägte Symbol für eine geistige Wirklichkeit. Diesen Zauberstab nannte man in den Mysterien die blutige Lanze. In dieser Darstellung sieht man den Ursprung des Gral auf der einen Seite und der blutigen Lanze auf der anderen Seite, den ursprünglichen Zauberstab des wirklichen Okkultisten.

[ 15 ] And as the ray from the sun goes right down into the plant, so will man's now purified power unite itself with this divine chalice. It can actually come about that the chalice of the blossom is spiritually reversed so that it inclines downwards from heaven, and the sun's ray, too, is reversed so that it lifts itself up from man to heaven.” And this reversed flower chalice which was told of in the mysteries as an actual fact was called the Holy Grail. The flower chalice of the plant that we have before us in material reality is the reversed Holy Grail. And the ray from the sun—all who have true occult knowledge learn to recognize it in the “magic wand.” For the magic wand is a symbol, in the language of superstition, for a spiritual reality. In the mysteries it was called the “bloody lance.” So here we have before us, on the one hand, the origin of the Grail and on the other hand the original “magic wand” of the genuine occultist.

[ 16 ] Dies sind kleine Andeutungen von ungeheurer Tiefe, bedeutungsvolle Wahrheiten, die sich auf dem Gürtel im Norden und Westen Europas abgespielt haben. Richard Wagner hat vieles von diesen Wahrheiten geahnt, ebenso sein Freund, der tiefsinnige Graf Gobineau.

[ 16 ] I have given you here slight indications of profound truths, deeply significant truths that played a part in men's lives in the North and West of Europe. Richard Wagner had a deep intuitive feeling for these truths, and so had his friend Graf Gobineau.

[ 17 ] Wenn man das ausdrücken soll, was den bis jetzt erwähnten Mysterien zugrunde liegt, so war es die Kenntnis dessen, was in Tier- und Menschenadern fließt. Ganz mit Recht heißt es in Goethes «Faust»: «Blut ist ein ganz besondrer Saft.» Blut ist dasjenige, an dem vieles hängt. Wir werden verstehen, was Blut bedeutet, wenn wir uns darüber klar werden und begreifen, was für eine große Umwälzung sich in den Mysterien vollzogen hat. In alten Zeiten der europäischen Bevölkerung hat man gewußt, daß etwas ganz Besonderes davon abhängt, wie die Menschen in Blutsverwandtschaft zueinander stehen. Daher wäre in den damaligen Zeiten niemals die Fortentwickelung dem Zufall überlassen worden. Es wurden alle diese Dinge aus der okkulten Weisheit geregelt. Man wußte: Wenn in kleinen Stammesgemeinschaften die Fortentwickelung so abgeschlossen war, daß kein außerhalb derselben Stehender hineinkam, so waren bei den daraus hervorgehenden Menschen gewisse höhere Kräfte vorhanden. Man kannte in den Mysterien die Folge des Zusammenwirkens von verschieden geartetem Blut. Man wußte auch genau, welcher Stamm für eine Gegend paßte. Man wußte, daß in dem gemeinsamen Blute der Träger bestimmter Menschenkräfte gegeben ist.

[ 17 ] If one wanted to express what was behind the mysteries of which we have been speaking, one could say it was the knowledge of what flows in the veins of animal and man. True indeed are the words that are so often quoted from Goethe's “Faust”: “Blood is a very special fluid.” We shall come to perceive what blood really signifies when we learn to understand a great revolutionary change that took place once in the mysteries. In the olden times of the European peoples it was known how much depends in human life on blood relationships. On this account the continuance of humanity was never left to chance. All such matters were in those times regulated out of an occult wisdom. It was known that when further evolution was restricted within small racial communities and no other blood was allowed to come in from outside these communities, then the human beings who were born within them would possess certain higher powers. In the mysteries it was understood what effect the mingling of different kinds of blood would have. The initiates had quite exact knowledge, also, of which family or clan would be rightly suited for a certain region of the earth. And they knew that where a union of common blood takes place, there certain powers are bestowed on the human being that is born.

[ 18 ] Als die uralte Blutsverwandtschaft durchbrochen wurde, ging in den Mysterien etwas Besonderes vor sich. Was ehemals durch die Blutsverwandtschaft erreicht worden war, wurde nun ersetzt durch zwei bestimmte geistige Präparate in den hohen Mysterien. In den niederen Mysterien waren die äußeren Symbole dafür vorhanden. Diese äußeren Symbole waren Brot und Wein. Was als jene zwei Präparate vorlag, es waren Stoffe, die geistig etwas Ähnliches bewirkten wie physisch das Blut in den Adern. Als das alte Hellsehen verlorenging, wurde dies also ersetzt durch den Genuß dieser Präparate. Wenn man die ganze theosophische Weisheit gelernt hatte, bekam man damals diese Symbole aus der Schale der Ceridwen. Das war es, was als geläutertes Blut aus dem von oben herab sich öffnenden Kelch den Menschen gegeben werden konnte. Es ist dies, was als das eigentliche Mysterium besteht, dann auf eine sehr kleine Körperschaft übergegangen.

[ 18 ] When the ancient blood relationships began to be broken, a significant event took place in the mysteries. Something else was substituted in place of the parents having common blood in their veins. In the high mysteries, blood relationship was replaced by the partaking of two spiritual “preparations.” In the lower mysteries outward symbols were used instead of these; and the outward symbols were Bread and Wine. In the two spiritual preparations was a substance that was like blood. They were substances that worked spiritually in a somewhat similar way to the way blood works physically in the veins. As the old clairvoyance gradually disappeared, men began instead to partake of these spiritual preparations. When they had learned all that is contained in the whole wisdom of theosophy, they received these symbols out of Ceridwen's Cup. That was the purified blood that could be given to man from the chalice that opened down to him from above. This Mystery in this true essence passed into the care of a very small community.

[ 19 ] In andern Gegenden Europas sind die Mysterien verfallen und auf eine abscheuliche, abstoßende Weise profaniert worden. Da findet man als Symbol des Opfers eine Schale, in die ein blutendes Haupt gelegt wurde. Man hatte die Meinung, daß in dem Menschen durch den Anblick dieses Hauptes etwas erweckt werden könne. Was da vorgenommen wurde, war schwarze Magie. Es war der Gegensatz zu dem Geheimnis des Heiligen Gral.

[ 19 ] In other parts of Europe the mysteries became decadent and were horribly profaned. For we find on every hand as the symbol of sacrifice a dish on which a bleeding head has to be laid. It was thought that something can be awakened in man by the spectacle of this bleeding head. What was at work there was nothing but black magic. It was the downright opposite of the Mysteries of the Holy Grail.

[ 20 ] Man wußte damals, daß das, was im Blütenkelch nach oben strömt, im menschlichen Blute lebt. Das mußte wieder rein und keusch werden wie der Blütensaft. In den entarteten Mysterien hat man das in eine grobe materialistische Form gebracht. Im Norden brauchten sie als Symbol in den Mysterien das sublimierte Blut und in den eleusinischen Mysterien den Wein des Dionysos und das Brot der Demeter. Das abscheulich gemachte Gralsgefaß mit dem blutenden Haupte finden wir wieder bei der Herodias mit dem Haupt des Johannes. Sie lacht über das profanierte Mysterium.

[ 20 ] It was known in the Mysteries that what streams upwards in the Chalice of the Flower lives also in the blood of man. The blood needs, however, to be made clean and pure again, it must be as chaste as the sap that flows in the blossom. And in these Mysteries that had become depraved, this was brought to expression in a gross and materialistic manner. (In Northern Europe sublimated blood was used as a symbol, and in the Eleusinian mysteries were the wine of Dionysus and the blood of Demeter.) The Vessel of the Grail turned into an abomination by being made to hold within it the bleeding head—this we find again in the story of Herodias who uses for the head of John the Baptist, making mock in this way of the Mysteries.

[ 21 ] Das eigentliche Geheimnis der hohen Mysterien ist übergegangen auf die Tempeleisen im Norden Spaniens, die Gralshüter. Während die Ritter des Artus sich mehr mit den weltlichen Angelegenheiten befaßten, konnten die Tempeleisen vorbereitet werden, ein noch höheres Geheimnis aufzunehmen, nämlich zu verstehen das große Geheimnis von Golgatha, das weltgeschichtliche Mysterium.

[ 21 ] The essential secret of the high mysteries passed into the hands of Templars in Northern Spain, the Guardians of the Grail. While the Knights of King Arthur concerned themselves rather with the events and affairs of this world, The Templars were able to be prepared to receive a still more sublime Mystery—even to understand the Great Mystery of Golgotha, which is the secret of the history of the world.

[ 22 ] Das Christentum ist hervorgegangen aus dem allerstärksten Völkergemisch, den Galiläern, aus denen, die ganz fremd draußen stehen, außerhalb aller Blutsgemeinschaft. Der Heiland ist derjenige, der mit seinem Reiche ganz und gar nicht mehr fußt auf der alten Blutsgemeinschaft, der jenes Reich begründet, das jenseits aller Blutsgemeinschaft liegt. Das sublimierte Blut, das Blut, das geläutert ist, sprießt aus dem Opfertode, dem Reinigungsprozeß, hervor. Das Blut, das Wünsche und Begierden erzeugt, das muß rinnen, geopfert werden, hinfließen.

[ 22 ] Christianity had its beginning among the people of Galilee—a mixture of strikingly different races, thus a people who stand entirely outside all blood relationship. The Saviour is One who does not base His kingdom in the very least on blood relationships; He founds a kingdom that is quite remote from any such bond. The blood that has been sublimated, the blood that has been purified, gushes forth from the sacrificial death—for that is the cleansing process. The blood that gives rise to sensual desires has to be shed, has to be sacrificed, has to flow right away.

[ 23 ] Das heilige Gefäß mit dem geläuterten Blut wurde nach Europa zu den Tempeleisen auf dem Berge Montsalvatsch gebracht. Titurel, der Ahnherr, hat den Gral empfangen, vorher war er ersehnt worden. Jetzt war die Überwindung des Blutes vor sich gegangen. Es war das rein Physische des Blutes durch das Geistige überwunden worden.

[ 23 ] The Holy Vessel with the purified blood was brought to Europe to the Templars on Monsalvatsch. The venerable patriarch Titurel received the Grail; he had been chosen for this beforehand. The victory had now been won. The spiritual in the blood had overcome that which was merely physical.

[ 24 ] Nur wenn man das Blut nicht bloß, wie der Materialist, als aus chemischen Bestandteilen zusammengesetzt ansieht, kann man verstehen, was sich auf Golgatha vollzogen hat. Es ist im höchsten Grade bemerkenswert, daß Richard Wagner nur dadurch die fromme Stimmung zum «Parsifal» finden konnte, daß er wußte: Es handelte sich nicht allein um den Tod des Erlösers, sondern um das Blut, das gereinigt war, das etwas anderes war als das gewöhnliche Blut. Er spricht selbst von dem Zusammenhang des Erlöserblutes mit der ganzen Menschheit: «Fanden wir nun dem Blute der sogenannten weißen Rasse die Fähigkeit des bewußten Leidens in besonderem Grade zu eigen, so müssen wir jetzt im Blute des Heilands den Inbegriff des bewußt wollenden Leidens selbst erkennen, das als göttliches Mitleiden durch die ganze menschliche Gattung, als Urquell derselben, sich ergießt.»

[ 24 ] As long as we regard blood merely as a substance that is built up of various chemical component parts, we cannot understand what took place on Golgotha. How was it that Wagner was able to find the right mood for his Parsifal? It is most important for us to recognize that Wagner was able to do this because he knew that what happened on Golgotha had especially to do with the blood, he knew that we had to see there not only the death of the Saviour but we had to see what took place there with the blood, how the blood was purified on Golgotha and became something quite different from ordinary blood. Wagner has spoken of the connection of the Saviour's blood with the whole of mankind.

[ 25 ] Ferner sagt Richard Wagner: «Das Blut in den Adern des Erlösers dürfte so der äußersten Anstrengung des Erlösung wollenden Willens zur Rettung des in seinen edelsten Rassen erliegenden menschlichen Geschlechtes, als göttliches Sublimat der Gattung selbst entflossen sein.»

[ 25 ] In his book “Paganism and Christianity” we read these words: “Having found that the capacity for conscious suffering is a capacity peculiar to the blood of the so-called white race, we must now go on to recognize in the blood of the Saviour the very epitome, as it were, of voluntary conscious suffering that pours itself out as divine compassion for the whole human race.”

[ 26 ] Weil der Erlöser aus der größten Völkermischung hervorgegangen ist, war sein Blut das Sublimat alles Menschenblutes, das Menschenblut in der gereinigten Gestalt.

[ 26 ] And in another place Wagner says: “Because His will to save was so tremendously strong, the blood in the wine of the Saviour was able to be poured out for the redemption of all mankind when even the noblest races among men were falling into decay—poured out for their salvation, as divine sublimation, the blood that is associated with family or species.”

[ 27 ] Richard Wagner ist an das Urgeheimnis herangegangen wie kaum ein anderer. Gerade die Kraft, mit der er dies tat, macht ihn zum großen Künstler. Man darf ihn nicht bloßals einen gewöhnlichen Musiker nehmen, sondern man muß ihn als einen tiefen Erkenner sehen, der für die moderne Menschheit die tiefen Geheimnisse des Heiligen Gral wieder verkörpern wollte. Bevor Richard Wagner den «Parsifal» gedichtet hat, wußte man in Deutschland nicht viel von den Mysterien und den Gestalten, die Richard Wagner dann gebracht hat.

[ 27 ] The Saviour having come from a mingling of many different peoples, His blood was the symbol of compassion and blood in purified form. Hardly has anyone even come so near to this mystery as Wagner did. It is indeed the power with which he approaches this mystery that constitutes his greatness as an artist. We must not think of him merely as a musician, but as one who possesses deep knowledge and understanding and whose desire it is to resuscitate for the people of modern times the mysteries of the Holy Grail. Before Wagner wrote his Parsifal little was known in Germany of the mysteries and of the characters of whom he tells.

[ 28 ] Man unterschied bei der Einführung in die Mysterien drei Stufen, durch die der Mensch hindurchgehen mußte. Die erste Stufe war die Dumpfheit, die zweite Stufe war der «Zwîfel, die dritte Stufe war die «Saelde». Die erste Stufe war die, auf welcher der Mensch von allem Vorurteil der Welt hinweggeführt wurde, hingewiesen wurde auf die Kraft seiner eigenen Seele, seine eigene Liebeskraft, damit er das innere Licht leuchten sehen konnte. Die zweite Stufe war der Zwîfel, Zweifel. Dieser Zweifel an allem kommt auf der zweiten Stufe der Einweihung, und er wird auf einer höheren Stufe hinaufgehoben in die innere Seligkeit = Saelde. Dies war die dritte Stufe, das bewußte Zusammenführen mit den Göttern.

[ 28 ] When men were brought into the mysteries, there were three distinct stages through which they had to pass: The first was stupidity, simple-mindedness. The second was doubt. The third was blessedness. The first was the stage when man was led right away from every prejudice that prevails in the world, and was made to depend upon the power he had in his own soul, made to depend upon his own power of love, so that he might be able to behold the inner light, to see it light up within him. The second stage was that of doubt. This doubt comes to all when they are at the second stage of initiation, and is then resolved and raised up to a higher stage, even to the inner brightness and splendor known as “Saelde” or blessedness. That was the third stage where man was brought—consciously—together with the Gods.

[ 29 ] Perceval - dringe durch das Tal! -, so wurden im Mittelalter solche Einzuweihende genannt. Das alles mußte Parsifal erfahren als Erlebnis. Durch eine merkwürdige Genialität hat Richard Wagner das an jenem Karfreitage 1857 gefühlt, was als der leitende rote Faden durch die ganze Entwickelung des Parsifal hindurchgehen mußte.

[ 29 ] Parsifal (“through the vale”) was the name given in medieval times to all such candidates for initiation, and “Parsifal” had to undergo these three stages in inner experience. With the insight of a genius, Wagner saw on that Good Friday, 1857, the guiding thread that must run through the whole development of Parsifal.

[ 30 ] Die Tempeleisen waren die, welche das innere, das wahre Christentum vertraten gegenüber dem Kirchenchristentum. Man kann überall im «Parzival» des Wolfram von Eschenbachsehen, wie er den Geist des inneren Christentums hinstellen wollte neben das Kirchenchristentum.

[ 30 ] The Templars were those who stood for true Christianity as distinguished from Church Christianity. In the Middle Ages remnants were still left of the old degenerate mysteries.

[ 31 ] Es bestanden im Mittelalter noch Überreste der alten profanierten Mysterien. Alles, was dazugehört, das wird zusammengefaßt unter dem Namen Klingsor. Er ist der schwarze Magier gegenüber der weißen Magie des Heiligen Gral. Richard Wagner hat ihn auch den Tempeleisen gegenübergestellt.

[ 31 ] All that belongs to those is grouped together under the name of Klingsor. He is the black magician in contrast to the white magic of the Holy Grail. Wagner places him in opposition to the Templars.

[ 32 ] Kundry ist die wiedererstandene Herodias. Sie symbolisiert diejenige Kraft, die die Hervorbringungskraft der Natur ist, die beides, keusch und unkeusch sein kann, aber ungeleitet. Dem Keuschen und dem Unkeuschen liegt ein Einheitliches zugrunde, und es kommt hierbei darauf an, «wie man in den Wald hineinruft». Die Produktionskraft, die sich in den Pflanzen in den Blütenkelchen zeigt, durch die andern Reiche hinauf, ist dieselbe wie in dem Heiligen Gral. Sie muß nur die Läuterung empfangen in der reinsten, edelsten Form des Christentums, wie es sich im «Parsifal» zeigt.

[ 32 ] Kundry is the modern version of Herodias, the symbol of the force of reproduction in nature, the force that can be chaste or unchaste, but is uncontrolled. Beneath chastity and unchastity lies a fundamental unity; everything depends on the way of approach. The force of reproduction that shows itself in the plants, within the chalice of the blossom, and right up through the other kingdoms of nature, is the same as in the Holy Grail. Only, it has to undergo purification in that noblest and purest form of Christianity which manifests in Parsifal.

[ 33 ] Kundry mußte eine schwarze Zauberin bleiben, bis Parsifal sie erlöste. Die ganze Gegenüberstellung des Parsifal mit der Kundry atmet den Duft tiefster Weisheit. Richard Wagner hat mehr als ein anderer dafür gesorgt, daß man das aufnehmen konnte, ohne davon zu wissen. Richard Wagner war ein Missionar, der der Welt das Bedeutungsvolle übermitteln sollte, ohne daß die Menschheit diese Wahrheit wußte.

[ 33 ] Kundry has to remain a black enchantress until Parsifal releases and redeems her. In the polarity of Parsifal and Kundry we can sense the working of deepest wisdom. Wagner, more than anyone else, took care that men should be able to receive what he had to give without knowing that they were doing so. He was a missionary who had a most significant message to deliver—to deliver, however, in such a way that mankind was not aware of receiving it.

[ 34 ] Wolfram von Eschenbach hat ein schmuckloses Epos geschrieben, den «Parzival». Das genügte für seine Zeit. Es gab damals Menschen, die eine gewisse Gabe der Hellsichtigkeit hatten, die Wolfram von Eschenbach verstanden. Aber die tiefe Bedeutung jenes Vorganges den Menschen im Drama deutlich zu machen, war im 19. Jahrhundert nicht möglich. Doch gibt es ein Mittel, zum Verständnis zu wirken, auch ohne Worte, ohne Begriffe, ohne Idee. Das Mittel ist die Musik. Die Wagnersche Musik enthält alles das, was an Wahrheiten im «Parsifal» liegt. Die Zuhörer empfangen durch die eigentümliche Wagnerische Musik in ihrem Ätherleib ganz besondere Schwingungen. Darin liegt das Geheimnis der Wagnerschen Musik. Man braucht die Dinge gar nicht wirklich zu verstehen, aber man bekommt ihre wohltätigen Wirkungen durch den Ätherleib. Der Ätherleib hängt mit allen Wallungen des Blutes zusammen. Richard Wagner hat das Geheimnis des gereinigten Blutes verstanden. In seinen Melodien liegen die Schwingungen, die im Ätherleibe des Menschen sein müssen, wenn er sich so läutert, wie es nötig ist, um das Geheimnis des Heiligen Gral zu empfangen.

[ 34 ] Wolfram von Eschenbach wrote an epic on “Parsifal.” It was inartistic, but it sufficed for his time; for there were in those days men who had a measure of clairvoyance and could accordingly understand Wolfram. In the Nineteenth Century it was not possible to make clear to man the deep meaning of that great process of initiation in a drama. There is, however, a medium through which man's understanding can be reached, even without words, without concepts or ideas. This medium is music. Wagner's music holds within it all the truths that are contained in the Parsifal story. His music is of such a unique character that those who listen to it receive in their ether body quite special vibrations. Therein lies the secret of Wagner's music. One does not need to understand it—not in the least! One receives in one's ether body the benign and healthful effect of the music. And man's ether body is intimately connected with all the movements and throbbings of the blood. Wagner understood the mystery of the purified blood. In his melodies are rhythms and vibrations that must needs beat in the ether body of man if he is to be cleansed and purified so as to be ready to receive the Mysteries of the Holy Grail.

[ 35 ] Die eigentümliche Art, wie Richard Wagner in seinen Schriften schreibt, ist nur dann ganz zu verstehen, wenn man sich auf das einläßt, was hinter Wagner stand. Er war sich klar darüber, daß der menschliche Wille eine ganz besondere Beleuchtung vom Geiste aus empfängt. Er sagte, der Wille ist zunächst das Grobe, das Instinktive; dann verfeinert sich das immer mehr. Der Intellekt wirftsein Licht auf den Willen, und der Mensch wird leidbewußt, und durch das Bewußtsein des Leidens wird eine Läuterung herbeigeführt. Anknüpfend an seinen Freund, den Grafen Gobineau, sagt er: «Ist beim Überblick aller Rassen die Einheit der menschlichen Gattung unmöglich zu verkennen, und dürfen wir, was diese ausmacht, im edelsten Sinne als Fähigkeit zu bewußtem Leiden bezeichnen, in dieser Fähigkeitaber die Anlage zur höchsten moralischen Entwicklung erfassen, so fragen wir nun, worin der Vorzug der weißen Rasse gesucht werden kann, wenn wir sie durchaus hoch über die andern stellen müssen. Mit schöner Sicherheit erkennt ihn Gobineau nicht in einer ausnahmsweisen Entwicklung ihrer moralischen Eigenschaft selbst, sondern in einem größeren Vorrate der Grundeigentümlichkeiten, welchen jene entfließen. Diese hätten wir in der heftigeren, und dabei zarteren, Empfindlichkeit des Willens, welcher sich in einer reichen Organisation kund gibt, verbunden mit dem hierfür nötigen, schärferen Intellekte, zu suchen; wobei es dann darauf ankommt, ob der Intellekt durch die Antriebe des bedürfnisvollen Willens sich bis zu der Hellsichtigkeit steigert, die sein eigenes Licht auf den Willen zurückwirft und in diesem Falle durch Bändigung desselben zum moralischen Antriebe wird.»

[ 35 ] We can only arrive at a full understanding of the quite individual way in which Wagner expresses himself in his writings when we look carefully into what lies behind it. Wagner was convinced that the human will receives a special illumination from the spirit. He said that the will is—to begin with—rude, clumsy, and instinctive; then it grows gradually more and more refined, the intellect begins to cast its light upon it, and man becomes conscious of suffering and through his becoming conscious of suffering, a purification is able to come about. (Dr. Steiner here quotes a passage from Wagner where he is writing of his friend Gobineau, who held that this consciousness of suffering was the distinctive mark of the white race, and that man was able thereby to rise to clairvoyance and to a higher moral life.)

[ 36 ] Richard Wagner spricht hier von dem eigentlichen Vorgang der Abspiegelung des Intellekts auf den Willen des dadurch hellsichtig werdenden Menschen.

[ 36 ] Dr. Steiner continues: Wagner is here describing the process that consists in the reflection of the intellect upon the will, and of how man becomes thereby clairvoyant.

[ 37 ] Es handelt sich bei Richard Wagners Schaffen um eine religiöse Vertiefung der Kunst, zuletzt aber um ein tiefes Verständnis des Christentums. Er wußte, daß in der musikalischen Gestalt das Christentum am besten zum Vorschein kommen kann. Durch die Erhebung zu den inneren Geheimnissen der Weltenordnung erlangt man auf der einen Seite das Wissen, aber auf der andern Seite auch die wahre Frömmigkeit. Es gibt eine menschliche Entwickelung, welche die Bedeutung dieser Tatsache des Christentums erkennen lehrt.

[ 37 ] Wagner's creative work consists, in its essence, of a religious deepening of art; ultimately it is concerned with the deepening of man's understanding of Christianity. Wagner knew that Christianity can be shown forth to the world, best of all in music. Through raising himself up to the contemplation of the inner mysteries of the world order, man can attain on the one hand knowledge and on the other hand also true piety. A path of development stands open for him, which will teach him to know the meaning of the fact of Christianity.