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Human Development and Christ-Knowledge
GA 100

25 November 1907, Basel

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Das Johannes-Evangelium VIII

Das Johannes-Evangelium VIII

[ 1 ] Der Schreiber des Johannes-Evangeliums sagt zum Schlusse, daß Christus noch viele andere Dinge getan hat, die nicht in dem Buche enthalten sind: «Es sind auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; so sie aber sollten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären» (Joh. 21, 25). So müssen auch wir sagen, daß selbst eine längere Reihe von Vorträgen nicht ausreichen würde, um alles, was im Evangelium geschrieben steht, zu erklären. Wir wollen heute die Zweiheit der Begriffe des «Vaters» und des «Ich» einer genaueren Betrachtung unterziehen. Diese zwei Begriffe werden uns eine Erklärung derjenigen Menschheitsevolution geben, von der in den vorhergehenden Vorträgen die Rede war. Die Menschheit ist von einem ganz andern Ich-Bewußtsein ausgegangen als dem uns bekannten. Unter «Adam» hat man nicht einen einzelnen Menschen, sondern ein mehrere Generationen umfassendes Ich-Bewußtsein zu verstehen. Derjenige, der eine solche Generation beginnt, ist der «Vater». Im alttestamentlichen Judentum empfand man tatsächlich den Abraham als Vater, und jeder Jude der damaligen Zeit sagte sich: Ich bin kein selbständiges Ich, sondern ein Ich fließt von Abraham herunter und verzweigt sich in alle Stammesgenossen, und auch in mich. — Wie in einem großen Baume die Lebenssäfte von der Wurzel aus bis in die einzelnen Zweige strömen, so fließt auch durch das ganze jüdische Volk der Lebenssaft des Abraham, das gemeinsame Ich des jüdischen Volkes. Wenn der Jude des Alten Testamentes den Vaternamen aussprach, wies er hinauf auf die ganze Blutlinie, und dieses alle Generationen umfassende Ich-Bewußtsein nannte er das göttliche Bewußtsein. Wenn er das Ich als Gott anrief, nannte er es Jahve. Wenn der Name Jahve erklang, wurde dem Volk ins Bewußtsein gerufen, daß ein gemeinsames Ich, das beim Stammvater Abraham beginnt, durch das ganze Volk hindurchfließt.

[ 1 ] Der Schreiber des Johannes-Evangeliums sagt zum Schlusse, daß Christus noch viele andere Dinge getan hat, die nicht in dem Buche enthalten sind: «Es sind auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; so sie aber sollten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären» (Joh. 21, 25). So müssen auch wir sagen, daß selbst eine längere Reihe von Vorträgen nicht ausreichen würde, um alles, was im Evangelium geschrieben steht, zu erklären. Wir wollen heute die Zweiheit der Begriffe des «Vaters» und des «Ich» einer genaueren Betrachtung unterziehen. Diese zwei Begriffe werden uns eine Erklärung derjenigen Menschheitsevolution geben, von der in den vorhergehenden Vorträgen die Rede war. Die Menschheit ist von einem ganz andern Ich-Bewußtsein ausgegangen als dem uns bekannten. Unter «Adam» hat man nicht einen einzelnen Menschen, sondern ein mehrere Generationen umfassendes Ich-Bewußtsein zu verstehen. Derjenige, der eine solche Generation beginnt, ist der «Vater». Im alttestamentlichen Judentum empfand man tatsächlich den Abraham als Vater, und jeder Jude der damaligen Zeit sagte sich: Ich bin kein selbständiges Ich, sondern ein Ich fließt von Abraham herunter und verzweigt sich in alle Stammesgenossen, und auch in mich. — Wie in einem großen Baume die Lebenssäfte von der Wurzel aus bis in die einzelnen Zweige strömen, so fließt auch durch das ganze jüdische Volk der Lebenssaft des Abraham, das gemeinsame Ich des jüdischen Volkes. Wenn der Jude des Alten Testamentes den Vaternamen aussprach, wies er hinauf auf die ganze Blutlinie, und dieses alle Generationen umfassende Ich-Bewußtsein nannte er das göttliche Bewußtsein. Wenn er das Ich als Gott anrief, nannte er es Jahve. Wenn der Name Jahve erklang, wurde dem Volk ins Bewußtsein gerufen, daß ein gemeinsames Ich, das beim Stammvater Abraham beginnt, durch das ganze Volk hindurchfließt.

[ 2 ] Durch die Blutsvermischung ist dieses Verhältnis mit der Zeit ein anderes geworden. Das Bewußtsein des «Ich bin» hat sich individualisiert, und Christus ist diejenige Macht, welche der Menschheit diese Veränderung zum Bewußtsein bringen sollte. Der Mensch der alten Zeit meinte mit dem «Ich bin» etwas, was durch Generationen hindurchfließt. Der Mensch der späteren Zeit versteht darunter etwas, was durch sein eigenes Inneres fließt. Der erstere meinte den Gott, der die ganze Gemeinschaft als das göttliche Ich-Bewußtsein durchfließt, der andere empfindet in sich einen Funken, einen Tropfen der göttlichen Substanz. Denken wir uns eine Macht auf die Erde versetzt, die der Menschheit recht ins Bewußtsein bringt, daß dieses «Ich bin» in jedem einzelnen Menschen leben kann, eine Macht, die dem Menschen klarmacht, daß der Gott in jeden Menschen einen Tropfen seiner Substanz hineinversenkt hat. Diese Macht würde sagen: Dieses «Ich bin» ist etwas, was in jedem von euch darinnen ist, es ist ein Teil der einen göttlichen Kraft. Dasjenige, was ihr als euer individuelles «Ich bin» empfindet, ist eins mit dem «Ich bin» des Vaters. Wer von euch in sich das Bewußtsein dieser Tatsache entwickelt hat, der kann sagen: «Ich und der Vater sind eins.» Seht hinauf bis zu Adam: Ihr seht das IchBewußtsein durch Generationen fließen, jahrhunderte-, jahrtausendlang. Aber es gibt noch ein höheres Menschenbewußtsein, das dem Menschen in seiner uralten Eigenschaft als Mensch mitgegeben wurde. Dies ist das Menschheitsbewußtsein, welches nicht einzelne Generationen, sondern die ganze Menschheit umfaßt. Dann kam das Bewußtsein, das Generationen angehört, durch Generationen anhält, und das endlich vom Menschen zum «Ich bin» individualisiert worden ist. — Also die Anlage zu dem «Ich bin» hatte der Mensch schon früher. Daher konnte Christus sagen: «Ehe denn Abraham war, war das «Ich bin».» Dies ist die richtige Lehre der Geheimschule.

[ 2 ] Durch die Blutsvermischung ist dieses Verhältnis mit der Zeit ein anderes geworden. Das Bewußtsein des «Ich bin» hat sich individualisiert, und Christus ist diejenige Macht, welche der Menschheit diese Veränderung zum Bewußtsein bringen sollte. Der Mensch der alten Zeit meinte mit dem «Ich bin» etwas, was durch Generationen hindurchfließt. Der Mensch der späteren Zeit versteht darunter etwas, was durch sein eigenes Inneres fließt. Der erstere meinte den Gott, der die ganze Gemeinschaft als das göttliche Ich-Bewußtsein durchfließt, der andere empfindet in sich einen Funken, einen Tropfen der göttlichen Substanz. Denken wir uns eine Macht auf die Erde versetzt, die der Menschheit recht ins Bewußtsein bringt, daß dieses «Ich bin» in jedem einzelnen Menschen leben kann, eine Macht, die dem Menschen klarmacht, daß der Gott in jeden Menschen einen Tropfen seiner Substanz hineinversenkt hat. Diese Macht würde sagen: Dieses «Ich bin» ist etwas, was in jedem von euch darinnen ist, es ist ein Teil der einen göttlichen Kraft. Dasjenige, was ihr als euer individuelles «Ich bin» empfindet, ist eins mit dem «Ich bin» des Vaters. Wer von euch in sich das Bewußtsein dieser Tatsache entwickelt hat, der kann sagen: «Ich und der Vater sind eins.» Seht hinauf bis zu Adam: Ihr seht das IchBewußtsein durch Generationen fließen, jahrhunderte-, jahrtausendlang. Aber es gibt noch ein höheres Menschenbewußtsein, das dem Menschen in seiner uralten Eigenschaft als Mensch mitgegeben wurde. Dies ist das Menschheitsbewußtsein, welches nicht einzelne Generationen, sondern die ganze Menschheit umfaßt. Dann kam das Bewußtsein, das Generationen angehört, durch Generationen anhält, und das endlich vom Menschen zum «Ich bin» individualisiert worden ist. — Also die Anlage zu dem «Ich bin» hatte der Mensch schon früher. Daher konnte Christus sagen: «Ehe denn Abraham war, war das «Ich bin».» Dies ist die richtige Lehre der Geheimschule.

[ 3 ] Zur weiteren Erläuterung der Lehre von dem «Ich bin» soll die in allen christlichen Schulen bekannte «Goldene Legende» herangezogen werden. In derselben ist gesagt: Als Seth, den Jehova als Ersatz für Abel gegeben hatte, eines Tages an die Pforte des Paradieses kam, gewährte ihm der Cherub mit dem flammenden Schwerte Einlaß in die Stätte, aus der die Menschen vertrieben worden waren. Seth gewahrte daselbst zwei ineinander verschlungene Bäume, den Baum des Lebens und den der Erkenntnis. Und es bedeutete der Cherub dem Seth, daß er drei Samenkörner von den zwei verschlungenen Bäumen nehmen solle. Seth legte diese drei Samenkörner seinem Vater Adam, als dieser gestorben war, in den Mund. Aus dem Grabe wuchs ein dreiteiliger Baum, der sich manchem im Feuer strahlend zeigte, und seine Gluten bildeten sich dann zu den Worten: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird.» Das Holz dieses Baumes, der da herausgewachsen war aus dem Grabe des Adam, fand vielseitige Verwendung: aus ihm wurde gebildet jener Zauberstab, mit dem Moses seine Wunder vollbrachte. Das Holz wurde auch verwendet am Tore des salomonischen Tempels. Aus ihm war auch die Brücke gebaut, über welche Jesus ging, als er zum Tode geführt wurde. Zuletzt ist aus diesem Holz das Kreuz gefertigt worden, an welches Jesus auf Golgatha geschlagen wurde. — Zu dieser Legende wurde in den Geheimschulen folgende Erklärung gegeben: Im Inneren des Menschen seht ihr zwei Bäume, den roten Blutbaum und den blauroten Blutbaum. Der rote Blutbaum ist der Ausdruck für die Erkenntnis, der blaurote Blutbaum für das Leben. - Beide Bäume waren voneinander getrennt, so lehrt die uralte Geheimlehre. Es gab eine Zeit, da erzeugte sich im Menschen noch kein rotes Blut. Erst als das Ich sich heruntersenkte in den Körper des Menschen, da entstand das rote Blut. Was im blauroten Blut zum Ausdruck kommt, das Leben, war längst da. Es ist entstanden durch Höherbildung aus den Lebenssäften. Und die christliche Anschauung versetzt den Zeitpunkt, wo es den Menschen gegeben worden ist, eben in die Zeit des Paradieses, als der erste Dämmerschein des Ich in der Menschenseele sich festsetzte, wo die Gottheit heruntergestiegen ist und der Mensch zwar nur mit der Gruppenseele begabt war, aber in dieser den ersten Keim besaß, aus dem das individuelle Ich entstehen konnte.

[ 3 ] Zur weiteren Erläuterung der Lehre von dem «Ich bin» soll die in allen christlichen Schulen bekannte «Goldene Legende» herangezogen werden. In derselben ist gesagt: Als Seth, den Jehova als Ersatz für Abel gegeben hatte, eines Tages an die Pforte des Paradieses kam, gewährte ihm der Cherub mit dem flammenden Schwerte Einlaß in die Stätte, aus der die Menschen vertrieben worden waren. Seth gewahrte daselbst zwei ineinander verschlungene Bäume, den Baum des Lebens und den der Erkenntnis. Und es bedeutete der Cherub dem Seth, daß er drei Samenkörner von den zwei verschlungenen Bäumen nehmen solle. Seth legte diese drei Samenkörner seinem Vater Adam, als dieser gestorben war, in den Mund. Aus dem Grabe wuchs ein dreiteiliger Baum, der sich manchem im Feuer strahlend zeigte, und seine Gluten bildeten sich dann zu den Worten: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird.» Das Holz dieses Baumes, der da herausgewachsen war aus dem Grabe des Adam, fand vielseitige Verwendung: aus ihm wurde gebildet jener Zauberstab, mit dem Moses seine Wunder vollbrachte. Das Holz wurde auch verwendet am Tore des salomonischen Tempels. Aus ihm war auch die Brücke gebaut, über welche Jesus ging, als er zum Tode geführt wurde. Zuletzt ist aus diesem Holz das Kreuz gefertigt worden, an welches Jesus auf Golgatha geschlagen wurde. — Zu dieser Legende wurde in den Geheimschulen folgende Erklärung gegeben: Im Inneren des Menschen seht ihr zwei Bäume, den roten Blutbaum und den blauroten Blutbaum. Der rote Blutbaum ist der Ausdruck für die Erkenntnis, der blaurote Blutbaum für das Leben. - Beide Bäume waren voneinander getrennt, so lehrt die uralte Geheimlehre. Es gab eine Zeit, da erzeugte sich im Menschen noch kein rotes Blut. Erst als das Ich sich heruntersenkte in den Körper des Menschen, da entstand das rote Blut. Was im blauroten Blut zum Ausdruck kommt, das Leben, war längst da. Es ist entstanden durch Höherbildung aus den Lebenssäften. Und die christliche Anschauung versetzt den Zeitpunkt, wo es den Menschen gegeben worden ist, eben in die Zeit des Paradieses, als der erste Dämmerschein des Ich in der Menschenseele sich festsetzte, wo die Gottheit heruntergestiegen ist und der Mensch zwar nur mit der Gruppenseele begabt war, aber in dieser den ersten Keim besaß, aus dem das individuelle Ich entstehen konnte.

[ 4 ] Die Paradiesesmythe sagt: Dadurch, daß die Menschen das rote Blut erhalten hatten, wurden sie erkennende Wesen, lernten sie hinaufschauen: die Augen wurden ihnen aufgetan, sie lernten den Unterschied kennen zwischen Mann und Weib. - Diese Erkenntnis mußte aber erkauft werden. Das Ich-Bewußtsein kann nur dadurch entstehen, daß das Blut stirbt. Im menschlichen Leibe findet fortwährend Lebensverbrauch und Lebenserneuerung statt. Das blaue Blut hat seine Aufgabe erfüllt, wenn es aufgebraucht ist, und aus der Vernichtung des blauen Blutes entsteht das Ich-Bewußtsein. In der Seele des Menschen werden sich die Kräfte bilden, durch welche er die beiden Bäume beherrschen und verbinden kann. Der Mensch empfindet das Ich nur, indem er fortwährend den Mord, das Sterben in sich trägt. Der Mensch ist, so wie er die Welt betreten hat, auf die Pflanze angewiesen, die ihm allein die Möglichkeit des Lebens gibt. Denken Sie zum Beispiel nur daran, daß der Mensch fortwährend Sauerstoff enthaltende Luft einatmet und verbrauchte, Kohlensäure enthaltende Luft wieder ausatmet. Er verbraucht den Sauerstoff und wandelt ihn in Kohlensäure um. Den Sauerstoff, ohne den er nicht leben kann, erlangt er nur durch die Pflanze, welche die vom Menschen erzeugte Kohlensäure wieder in Sauerstoff zurückverwandelt und so die Luft für den Menschen wiederum brauchbar macht. Die Pflanze hält den Kohlenstoff, den sie aus der Kohlensäure abspaltet, zurück und gibt ihn nach Jahrtausenden als Steinkohle den Menschen wieder. Die Erde ist ein einheitlicher Organismus, und wenn nur ein Teil derselben fehlen würde, so wäre das Leben, wie es jetzt vorhanden ist, unmöglich. Wir können Pflanze, Tier und Mensch als ein Wesen ansehen, und tatsächlich: nehmen Sie die Pflanze weg und den übrigen Gliedern ist ein Leben nicht mehr möglich. In einer sehr fernen Zukunft wird dieses Verhältnis geändert. Der heutige Mensch weiß noch nichts davon, aber der Seher kann in die Zeit blicken, wo der Strom der Kohlensäure nicht mehr mit Hilfe der Pflanze, sondern durch den Menschen selber umgebildet wird in brauchbaren Sauerstoff. Dies ist das große Zukunftsideal der Geheimschulen, daß der Mensch in bewußter Weise in seinem Inneren das selbst vollbringt, was heute die Pflanze für ihn macht, daß der Mensch die Pflanzentätigkeit in seine eigene Tätigkeit aufnehmen lernt. Ausgebildet werden in seinem Inneren jene Organe, die ihn selbst die Kohlensäure umwandeln lassen. Der Eingeweihte sieht voraus, wie die zwei Bäume, der Baum der Kohlensäure und der des Sauerstoffes, ihre Krone miteinander verschmelzen werden. Dann wird dasjenige, von dem es heißt: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird» als etwas Ewiges in jedem Menschen leben. In Adam lebte bereits das Ich, aber es mußte zuerst befruchtet werden. Im Anfang mußte der Baum des Lebens zum Baum des Todes gemacht werden. Er konnte nicht zugleich mit dem Baum der Erkenntnis gegeben werden, daher waren die beiden Bäume voneinander getrennt: die Pflanze wurde dazwischengesetzt. Das Ewigkeitsbewußtsein mußte erst errungen werden. Der Christus Jesus trug es in sich und er verpflanzte es in die Erde. Die drei Samenkörner sind die drei göttlichen Teile Manas, Buddhi und Atma. Das, was ewig in allen ist, wurde dem Adam mit ins Grab gelegt. Aus dem Grabe wird das Ewigkeitsbewußtsein verkündigt, aus dem Grabe wuchs der Baum, der die Flammeninschrift aufwies: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird.» Christus lehrt die Menschen, dieses «Ich bin ein individueller Mensch» in der Menschennatur zu entzünden, indem er sagt: Versucht euch mehr und mehr anzulehnen an die Wesenheit des «Ich bin», dann habt ihr das, was eure Gemeinschaft mit mir ausmacht. Nur durch dieses «Ich bin» gelangt ihr zum göttlichen Vater, denn der Vater und ich sind eins. — Nur einem Seher war es möglich, dies zu erfassen, und ein Seher war ja der Schreiber des Johannes-Evangeliums. Er wollte gar nicht irgend etwas aufzeichnen, was nur historische Bedeutung hatte, sondern das, was man erkennt, wenn man in die geistige Welt hineinschaut.

[ 4 ] Die Paradiesesmythe sagt: Dadurch, daß die Menschen das rote Blut erhalten hatten, wurden sie erkennende Wesen, lernten sie hinaufschauen: die Augen wurden ihnen aufgetan, sie lernten den Unterschied kennen zwischen Mann und Weib. - Diese Erkenntnis mußte aber erkauft werden. Das Ich-Bewußtsein kann nur dadurch entstehen, daß das Blut stirbt. Im menschlichen Leibe findet fortwährend Lebensverbrauch und Lebenserneuerung statt. Das blaue Blut hat seine Aufgabe erfüllt, wenn es aufgebraucht ist, und aus der Vernichtung des blauen Blutes entsteht das Ich-Bewußtsein. In der Seele des Menschen werden sich die Kräfte bilden, durch welche er die beiden Bäume beherrschen und verbinden kann. Der Mensch empfindet das Ich nur, indem er fortwährend den Mord, das Sterben in sich trägt. Der Mensch ist, so wie er die Welt betreten hat, auf die Pflanze angewiesen, die ihm allein die Möglichkeit des Lebens gibt. Denken Sie zum Beispiel nur daran, daß der Mensch fortwährend Sauerstoff enthaltende Luft einatmet und verbrauchte, Kohlensäure enthaltende Luft wieder ausatmet. Er verbraucht den Sauerstoff und wandelt ihn in Kohlensäure um. Den Sauerstoff, ohne den er nicht leben kann, erlangt er nur durch die Pflanze, welche die vom Menschen erzeugte Kohlensäure wieder in Sauerstoff zurückverwandelt und so die Luft für den Menschen wiederum brauchbar macht. Die Pflanze hält den Kohlenstoff, den sie aus der Kohlensäure abspaltet, zurück und gibt ihn nach Jahrtausenden als Steinkohle den Menschen wieder. Die Erde ist ein einheitlicher Organismus, und wenn nur ein Teil derselben fehlen würde, so wäre das Leben, wie es jetzt vorhanden ist, unmöglich. Wir können Pflanze, Tier und Mensch als ein Wesen ansehen, und tatsächlich: nehmen Sie die Pflanze weg und den übrigen Gliedern ist ein Leben nicht mehr möglich. In einer sehr fernen Zukunft wird dieses Verhältnis geändert. Der heutige Mensch weiß noch nichts davon, aber der Seher kann in die Zeit blicken, wo der Strom der Kohlensäure nicht mehr mit Hilfe der Pflanze, sondern durch den Menschen selber umgebildet wird in brauchbaren Sauerstoff. Dies ist das große Zukunftsideal der Geheimschulen, daß der Mensch in bewußter Weise in seinem Inneren das selbst vollbringt, was heute die Pflanze für ihn macht, daß der Mensch die Pflanzentätigkeit in seine eigene Tätigkeit aufnehmen lernt. Ausgebildet werden in seinem Inneren jene Organe, die ihn selbst die Kohlensäure umwandeln lassen. Der Eingeweihte sieht voraus, wie die zwei Bäume, der Baum der Kohlensäure und der des Sauerstoffes, ihre Krone miteinander verschmelzen werden. Dann wird dasjenige, von dem es heißt: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird» als etwas Ewiges in jedem Menschen leben. In Adam lebte bereits das Ich, aber es mußte zuerst befruchtet werden. Im Anfang mußte der Baum des Lebens zum Baum des Todes gemacht werden. Er konnte nicht zugleich mit dem Baum der Erkenntnis gegeben werden, daher waren die beiden Bäume voneinander getrennt: die Pflanze wurde dazwischengesetzt. Das Ewigkeitsbewußtsein mußte erst errungen werden. Der Christus Jesus trug es in sich und er verpflanzte es in die Erde. Die drei Samenkörner sind die drei göttlichen Teile Manas, Buddhi und Atma. Das, was ewig in allen ist, wurde dem Adam mit ins Grab gelegt. Aus dem Grabe wird das Ewigkeitsbewußtsein verkündigt, aus dem Grabe wuchs der Baum, der die Flammeninschrift aufwies: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird.» Christus lehrt die Menschen, dieses «Ich bin ein individueller Mensch» in der Menschennatur zu entzünden, indem er sagt: Versucht euch mehr und mehr anzulehnen an die Wesenheit des «Ich bin», dann habt ihr das, was eure Gemeinschaft mit mir ausmacht. Nur durch dieses «Ich bin» gelangt ihr zum göttlichen Vater, denn der Vater und ich sind eins. — Nur einem Seher war es möglich, dies zu erfassen, und ein Seher war ja der Schreiber des Johannes-Evangeliums. Er wollte gar nicht irgend etwas aufzeichnen, was nur historische Bedeutung hatte, sondern das, was man erkennt, wenn man in die geistige Welt hineinschaut.

[ 5 ] Wenn ein sehender Zeitgenosse des Christus wissen wollte, was in der geistigen Welt vorging, mußte er in den Schlafzustand geraten. Dies finden wir angedeutet im dritten Kapitel. Nikodemus, ein Ältester der Juden, kam zu Christus in der Nacht. Er kam deshalb zu ihm, weil er Seher werden wollte, weil bei ihm der Zustand eingetreten war, in welchem er zum Seher werden konnte, und «er kam in der Nacht», weil sein Tagesbewußtsein ausgelöscht war. Im fünften Vers dieses Kapitels finden wir auch die wichtige Lehre verzeichnet, daß der Mensch «aus dem Geiste» geboren werden kann.

[ 5 ] Wenn ein sehender Zeitgenosse des Christus wissen wollte, was in der geistigen Welt vorging, mußte er in den Schlafzustand geraten. Dies finden wir angedeutet im dritten Kapitel. Nikodemus, ein Ältester der Juden, kam zu Christus in der Nacht. Er kam deshalb zu ihm, weil er Seher werden wollte, weil bei ihm der Zustand eingetreten war, in welchem er zum Seher werden konnte, und «er kam in der Nacht», weil sein Tagesbewußtsein ausgelöscht war. Im fünften Vers dieses Kapitels finden wir auch die wichtige Lehre verzeichnet, daß der Mensch «aus dem Geiste» geboren werden kann.

[ 6 ] Christus sagt (Kap. 14, 6): «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» Wo ist dieser Weg, der zur höchsten Gottheit führt durch Christus? Das «Ich bin» arbeitet am Astralleib und bildet daraus das Geistselbst, es arbeitet am Ätherleib und bildet daraus den Lebensgeist, es arbeitet am physischen Leib und bildet daraus den Geistesmenschen. Wenn das Menschen-Ich an ihm arbeitet, so wird also das Geistselbst herausgearbeitet, und in ihm entsteht dann der Lebensgeist. So kommt der Mensch zum wahren Leben. In dem «Ich bin» liegt der Weg zur Wahrheit und zum wahren Leben, weil das «Ich bin» die niederen Leiber durcharbeitet und das wahre Leben in ihnen entstehen läßt. Wir können dies so darstellen:

[ 6 ] Christus sagt (Kap. 14, 6): «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» Wo ist dieser Weg, der zur höchsten Gottheit führt durch Christus? Das «Ich bin» arbeitet am Astralleib und bildet daraus das Geistselbst, es arbeitet am Ätherleib und bildet daraus den Lebensgeist, es arbeitet am physischen Leib und bildet daraus den Geistesmenschen. Wenn das Menschen-Ich an ihm arbeitet, so wird also das Geistselbst herausgearbeitet, und in ihm entsteht dann der Lebensgeist. So kommt der Mensch zum wahren Leben. In dem «Ich bin» liegt der Weg zur Wahrheit und zum wahren Leben, weil das «Ich bin» die niederen Leiber durcharbeitet und das wahre Leben in ihnen entstehen läßt. Wir können dies so darstellen:

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben
Richtung Geistselbst Lebensgeist Geistesmensch
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben
Richtung Geistselbst Lebensgeist Geistesmensch

[ 7 ] Das «Ich bin» zeigt die Richtung, die der Mensch einschlagen muß, um Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch zur Entfaltung zu bringen.

[ 7 ] Das «Ich bin» zeigt die Richtung, die der Mensch einschlagen muß, um Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch zur Entfaltung zu bringen.

[ 8 ] Im Johannes-Evangelium lassen sich auch direkte theosophische Lehren nachweisen. Die Tatsache, daß in jedem Menschen ein individuelles Ich lebt, daß sich in diesem Ich ein Funke göttlicher Substanz findet, daß dieser Funke sich zum «Gott in uns» entwickeln muß, dies hat der Schreiber des Johannes-Evangeliums erwähnt (Kap. 9). In den meisten Übersetzungen der Bibel wird die Antwort des Christus auf die Frage, wer gesündigt habe, dieser, der Blindgeborene, oder seine Eltern, so wiedergegeben: «Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes offenbar würden an ihm.» Ist dies aber eine für einen Christen würdige Auffassung, daß Gott einen Menschen blind geboren werden läßt, damit Gott seine Herrlichkeit an ihm offenbaren kann? Ein Gottesbegriff, der imstande ist, zu solchen Konsequenzen zu kommen, ist unmöglich. Viel einfacher und klarer liest sich diese Stelle, wenn wir die theosophische Auffassung zugrunde legen. Christus antwortete: «Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, er erfüllt sein Karma, damit der Gottesfunke in ihm sichtbar werde, damit die Werke des «Gottes in ihm> sichtbar werden.» So ist die Antwort des Christus (9, 3) zu übersetzen: «Er ist blind geboren worden, damit die Werke des Gottes in ihm im Leibe sichtbar werden.» Jeder Mensch macht wiederholte Erdenleben durch. Wir sehen einen Blindgeborenen. Er muß nicht in diesem Leben gesündigt haben, er kann sich auch die Schuld, die zu dieser Geburt geführt hat, aus einem früheren Leben mitgebracht haben. Es ist dieKarmalehre ganz im theosophischen Sinn, die durch die Verkörperungen hindurch wirkt, welche durch dieses Vorkommnis geschildert wird. Daß Christus durch seine Lehre mit der landläufigen jüdischen Auffassung in Widerspruch geraten mußte, ist offenkundig, und daraus erklärt sich auch der Zwiespalt, in welchen er mit den Juden kommt (Kap. 9, 22).

[ 8 ] Im Johannes-Evangelium lassen sich auch direkte theosophische Lehren nachweisen. Die Tatsache, daß in jedem Menschen ein individuelles Ich lebt, daß sich in diesem Ich ein Funke göttlicher Substanz findet, daß dieser Funke sich zum «Gott in uns» entwickeln muß, dies hat der Schreiber des Johannes-Evangeliums erwähnt (Kap. 9). In den meisten Übersetzungen der Bibel wird die Antwort des Christus auf die Frage, wer gesündigt habe, dieser, der Blindgeborene, oder seine Eltern, so wiedergegeben: «Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes offenbar würden an ihm.» Ist dies aber eine für einen Christen würdige Auffassung, daß Gott einen Menschen blind geboren werden läßt, damit Gott seine Herrlichkeit an ihm offenbaren kann? Ein Gottesbegriff, der imstande ist, zu solchen Konsequenzen zu kommen, ist unmöglich. Viel einfacher und klarer liest sich diese Stelle, wenn wir die theosophische Auffassung zugrunde legen. Christus antwortete: «Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, er erfüllt sein Karma, damit der Gottesfunke in ihm sichtbar werde, damit die Werke des «Gottes in ihm> sichtbar werden.» So ist die Antwort des Christus (9, 3) zu übersetzen: «Er ist blind geboren worden, damit die Werke des Gottes in ihm im Leibe sichtbar werden.» Jeder Mensch macht wiederholte Erdenleben durch. Wir sehen einen Blindgeborenen. Er muß nicht in diesem Leben gesündigt haben, er kann sich auch die Schuld, die zu dieser Geburt geführt hat, aus einem früheren Leben mitgebracht haben. Es ist dieKarmalehre ganz im theosophischen Sinn, die durch die Verkörperungen hindurch wirkt, welche durch dieses Vorkommnis geschildert wird. Daß Christus durch seine Lehre mit der landläufigen jüdischen Auffassung in Widerspruch geraten mußte, ist offenkundig, und daraus erklärt sich auch der Zwiespalt, in welchen er mit den Juden kommt (Kap. 9, 22).

[ 9 ] Wir finden noch eine weitere Stelle im Evangelium, die an die Karmalehre erinnert. Da ist im achten Kapitel eine merkwürdige Stelle: Als die Pharisäer Jesus um seine Meinung über die Ehebrecherin fragten, bückte er sich (Vers 6 und 8), ohne ein Wort zu sprechen, nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Die Erde aber ist, wie wir gesehen haben, sein eigener Leib. Er verurteilt die Ehebrecherin nicht, aber er schreibt ihre Tat in seinen eigenen Organismus ein. Er deutet damit an, daß, wie ein in die Erde gelegtes Samenkorn aufgeht und Früchte trägt, die ihm entsprechen, so auch jede Tat des Menschen in einem späteren Erdenleben aufgehen und die ihr entsprechenden Früchte tragen wird, und daß keine Macht der Erde imstande ist, die Folgen einer Tat wegzunehmen. Die Theologie allerdings glaubt an den Sühnetod, glaubt, daß Christus für uns gestorben ist, und glaubt, keine Karmalehre annehmen zu dürfen, da eine solche der Auffassung widerstreite, daß Christus durch seinen Tod die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen habe. Diese Disharmonie zwischen theosophischer und theologischer Auffassung löst sich aber, richtig erfaßt, in Harmonie auf.

[ 9 ] Wir finden noch eine weitere Stelle im Evangelium, die an die Karmalehre erinnert. Da ist im achten Kapitel eine merkwürdige Stelle: Als die Pharisäer Jesus um seine Meinung über die Ehebrecherin fragten, bückte er sich (Vers 6 und 8), ohne ein Wort zu sprechen, nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Die Erde aber ist, wie wir gesehen haben, sein eigener Leib. Er verurteilt die Ehebrecherin nicht, aber er schreibt ihre Tat in seinen eigenen Organismus ein. Er deutet damit an, daß, wie ein in die Erde gelegtes Samenkorn aufgeht und Früchte trägt, die ihm entsprechen, so auch jede Tat des Menschen in einem späteren Erdenleben aufgehen und die ihr entsprechenden Früchte tragen wird, und daß keine Macht der Erde imstande ist, die Folgen einer Tat wegzunehmen. Die Theologie allerdings glaubt an den Sühnetod, glaubt, daß Christus für uns gestorben ist, und glaubt, keine Karmalehre annehmen zu dürfen, da eine solche der Auffassung widerstreite, daß Christus durch seinen Tod die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen habe. Diese Disharmonie zwischen theosophischer und theologischer Auffassung löst sich aber, richtig erfaßt, in Harmonie auf.

[ 10 ] Die Karmalehre bedeutet für das Leben das gleiche, was für den Kaufmann das Kontobuch. Nach dem Karmagesetz müssen wir annehmen, daß das, was wir in früheren Leben verursacht haben, im jetzigen Leben als Wirkung an uns herantritt, und daß das, was wir jetzt tun, im späteren Leben wieder zum Ausdruck kommt. Wir haben so eine vollständige Lebensbilanz: Auf der einen Seite kommen die guten Handlungen, auf der andern Seite die schlimmen Handlungen zur Aufschreibung. Wenn nun jemand glaubt, er könne unter der Herrschaft des Karmagesetzes keine freiwillige Tat ausführen, da ja seine Handlungsweise stets die Folge seiner früheren Taten sei, so gleicht er dem Kaufmann, der sagen würde, ich habe nun meine Geschäftsbilanz abgeschlossen, ich darf jetzt kein Geschäft mehr machen, da sonst meine Bilanz unrichtig würde. Wie eine solche Denkweise für einen Kaufmann unrichtig ist, so ist auch die vorgeschilderte Meinung über die Wirkung des Karma unrichtig. Die richtig verstandene Karmalehre schließt also keinen Fatalismus in sich. Willensfreiheit und Karma lassen sich in schönster Weise miteinander vereinbaren, und niemals ist Karma, richtig aufgefaßt, etwas Unabänderliches. Und wenn ein Mensch einem andern im Unglück nicht beistehen wollte, unter dem Vorwande, er dürfe in sein Karma nicht eingreifen, so würde ein solcher Mensch ebensowenig richtig handeln, als wenn er einem Kaufmann, der in Not ist und durch einen Zuschuß vor dem Bankrott gerettet werden kann, diesen Zuschuß verweigert. Gleich wie der Kaufmann einen solchen Zuschuß in seinen Büchern als Schuld bucht, die er wieder abzutragen hat, während der Geber sie in seinen Büchern als ein Darlehen einschreibt, so wird auch jede gute Tat demjenigen, der sie tut, als ein Posten in seinem Konto gutgeschrieben, während sie demjenigen, dem sie erwiesen wird, als Schuld angeschrieben wird. So wird durch das Karmagesetz keine Hilfeleistung ausgeschlossen, und es erscheint durchaus angebracht, das Karma des Nächsten durch Taten gegenseitiger Hilfe zu erleichtern. Der Mensch kann durch eine gute Tat einem einzelnen seiner Mitmenschen Gutes erweisen, es gibt aber auch Taten, die vielen Menschen zugute kommen, das heißt ihnen ihr Karma erleichtern, und die dann in das Konto von vielen Menschen eingeschrieben werden. Und ist eine Tat gar so mächtig, wie diejenige des Christus, dann gräbt sie sich in das Karma aller Menschen, weil diese Tat für dasKarma aller jener Menschen eine Erleichterung schafft, die sie in sich wirken lassen. Wir sehen also, daß das Karmagesetz auch im Johannes-Evangelium erwähnt wird und daß sein Bestehen die Handlungsfreiheit durchaus nicht beeinträchtigt. Durch die eine Tat der Selbstaufopferung hat sich der Christus Jesus in eine Beziehung zur ganzen Menschheit gebracht. Nach dem Karmagesetz wird jede Tat eingeschrieben in das Schuldbuch des Lebens. Sie wird in Zusammenhang gebracht mit dem Leib des Christus, mit der Erde. Daher richtet er die Ehebrecherin nicht im Augenblick, aber er schreibt die Tat in seinen eigenen Leib ein. In seinen eigenen Leib nimmt er alles auf, was von Mensch zu Mensch geschehen kann, wie sich ja Karma stets in der irdischen Welt wieder ausleben muß. Diese Erzählung weist in tief bedeutungsvoller Weise hin auf die Tatsache, daß Christus sich durch seine Tat mit der karmischen Entwickelung der ganzen Menschheit in Zusammenhang gebracht hat. Er leitet die zukünftige Entwickelung der Menschheit.

[ 10 ] Die Karmalehre bedeutet für das Leben das gleiche, was für den Kaufmann das Kontobuch. Nach dem Karmagesetz müssen wir annehmen, daß das, was wir in früheren Leben verursacht haben, im jetzigen Leben als Wirkung an uns herantritt, und daß das, was wir jetzt tun, im späteren Leben wieder zum Ausdruck kommt. Wir haben so eine vollständige Lebensbilanz: Auf der einen Seite kommen die guten Handlungen, auf der andern Seite die schlimmen Handlungen zur Aufschreibung. Wenn nun jemand glaubt, er könne unter der Herrschaft des Karmagesetzes keine freiwillige Tat ausführen, da ja seine Handlungsweise stets die Folge seiner früheren Taten sei, so gleicht er dem Kaufmann, der sagen würde, ich habe nun meine Geschäftsbilanz abgeschlossen, ich darf jetzt kein Geschäft mehr machen, da sonst meine Bilanz unrichtig würde. Wie eine solche Denkweise für einen Kaufmann unrichtig ist, so ist auch die vorgeschilderte Meinung über die Wirkung des Karma unrichtig. Die richtig verstandene Karmalehre schließt also keinen Fatalismus in sich. Willensfreiheit und Karma lassen sich in schönster Weise miteinander vereinbaren, und niemals ist Karma, richtig aufgefaßt, etwas Unabänderliches. Und wenn ein Mensch einem andern im Unglück nicht beistehen wollte, unter dem Vorwande, er dürfe in sein Karma nicht eingreifen, so würde ein solcher Mensch ebensowenig richtig handeln, als wenn er einem Kaufmann, der in Not ist und durch einen Zuschuß vor dem Bankrott gerettet werden kann, diesen Zuschuß verweigert. Gleich wie der Kaufmann einen solchen Zuschuß in seinen Büchern als Schuld bucht, die er wieder abzutragen hat, während der Geber sie in seinen Büchern als ein Darlehen einschreibt, so wird auch jede gute Tat demjenigen, der sie tut, als ein Posten in seinem Konto gutgeschrieben, während sie demjenigen, dem sie erwiesen wird, als Schuld angeschrieben wird. So wird durch das Karmagesetz keine Hilfeleistung ausgeschlossen, und es erscheint durchaus angebracht, das Karma des Nächsten durch Taten gegenseitiger Hilfe zu erleichtern. Der Mensch kann durch eine gute Tat einem einzelnen seiner Mitmenschen Gutes erweisen, es gibt aber auch Taten, die vielen Menschen zugute kommen, das heißt ihnen ihr Karma erleichtern, und die dann in das Konto von vielen Menschen eingeschrieben werden. Und ist eine Tat gar so mächtig, wie diejenige des Christus, dann gräbt sie sich in das Karma aller Menschen, weil diese Tat für dasKarma aller jener Menschen eine Erleichterung schafft, die sie in sich wirken lassen. Wir sehen also, daß das Karmagesetz auch im Johannes-Evangelium erwähnt wird und daß sein Bestehen die Handlungsfreiheit durchaus nicht beeinträchtigt. Durch die eine Tat der Selbstaufopferung hat sich der Christus Jesus in eine Beziehung zur ganzen Menschheit gebracht. Nach dem Karmagesetz wird jede Tat eingeschrieben in das Schuldbuch des Lebens. Sie wird in Zusammenhang gebracht mit dem Leib des Christus, mit der Erde. Daher richtet er die Ehebrecherin nicht im Augenblick, aber er schreibt die Tat in seinen eigenen Leib ein. In seinen eigenen Leib nimmt er alles auf, was von Mensch zu Mensch geschehen kann, wie sich ja Karma stets in der irdischen Welt wieder ausleben muß. Diese Erzählung weist in tief bedeutungsvoller Weise hin auf die Tatsache, daß Christus sich durch seine Tat mit der karmischen Entwickelung der ganzen Menschheit in Zusammenhang gebracht hat. Er leitet die zukünftige Entwickelung der Menschheit.

[ 11 ] Wenn wir uns noch einmal die fünf Kulturepochen ins Gedächtnis zurückrufen, die indische, persische, ägyptische, griechisch-lateinische und die europäische, so sehen wir, daß im dritten Zeitraum der Grund gelegt wurde zu der Christus-Kraft, die für die ganze Menschheit fruchtbar werden wird. Was da hereingelegt wurde in die Menschheitsentwickelung, wird erst im sechsten Zeitraum zum Leben herauskommen. Im sechsten Zeitraum wird sich das aus der Bewußtseinsseele herausentwickelte Geistselbst mit dem Lebensgeist verbinden. Vom dritten bis vierten Zeitraum leuchtet prophetisch die Christus-Kraft auf. Im sechsten Zeitraum wird dann die große Vermählung der Menschheit gefeiert werden, wo sich das Geistselbst mit dem Lebensgeist verbindet. Dann wird die Menschheit im großen Bruderbunde vereinigt werden und Ich neben Ich, Bruder neben Bruder stehen, in jenem Bruderbunde, den man vorausverkündigt finder in der Schilderung der Hochzeit zu Kana in Galiläa, die nicht nur eine historische Tatsache ist, sondern die symbolisch darstellt, wie Menschensöhne sich im sechsten Zeitraum zu einem großen, die ganze Menschheit umfassenden Bruderbunde vermählen werden. Vom dritten Zeitraum sind noch drei Zeiträume zu durchmessen, bis dieses Ereignis kommen wird, der dritte, vierte und fünfte. In der Esoterik nennt man einen Zeitraum einen Tag, daher heißt es im Beginn des zweiten Kapitels: «Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana.» Hiermit ist angedeutet, daß in der kommenden Schilderung der Hochzeit auf etwas in der Zukunft Eintretendes hingewiesen wird. Bei der Hochzeit ist die Mutter Jesu, die Bewußtseinsseele, anwesend. Christus sagt zu ihr: «Was geht da von mir zu dir? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.» Da ist deutlich gesagt, daß in der Hochzeit zu Kana auf etwas hingewiesen wird, das erst in der Zukunft sich ereignen soll. Was tut Jesus, weil seine Stunde noch nicht gekommen war? Er verwandelt das Wasser in Wein! Man kann immer wieder die Erklärung finden, daß diese Handlung andeuten soll, daß dem in Dekadenz gekommenen Judentum neues Feuer, neue Lebenskraft zugefügt werden soll, indem das «fade» Wasser in feurigen Wein verwandelt wird. Man könnte sagen, die Weintrinker haben jene Erklärung ausgesonnen, um damit die Berechtigung ihres Tuns zu beweisen. Wenn wir aber die Bedeutung dieser Tat erfassen, erhalten wir einen tiefen Einblick in die große Weltenevolution.

[ 11 ] Wenn wir uns noch einmal die fünf Kulturepochen ins Gedächtnis zurückrufen, die indische, persische, ägyptische, griechisch-lateinische und die europäische, so sehen wir, daß im dritten Zeitraum der Grund gelegt wurde zu der Christus-Kraft, die für die ganze Menschheit fruchtbar werden wird. Was da hereingelegt wurde in die Menschheitsentwickelung, wird erst im sechsten Zeitraum zum Leben herauskommen. Im sechsten Zeitraum wird sich das aus der Bewußtseinsseele herausentwickelte Geistselbst mit dem Lebensgeist verbinden. Vom dritten bis vierten Zeitraum leuchtet prophetisch die Christus-Kraft auf. Im sechsten Zeitraum wird dann die große Vermählung der Menschheit gefeiert werden, wo sich das Geistselbst mit dem Lebensgeist verbindet. Dann wird die Menschheit im großen Bruderbunde vereinigt werden und Ich neben Ich, Bruder neben Bruder stehen, in jenem Bruderbunde, den man vorausverkündigt finder in der Schilderung der Hochzeit zu Kana in Galiläa, die nicht nur eine historische Tatsache ist, sondern die symbolisch darstellt, wie Menschensöhne sich im sechsten Zeitraum zu einem großen, die ganze Menschheit umfassenden Bruderbunde vermählen werden. Vom dritten Zeitraum sind noch drei Zeiträume zu durchmessen, bis dieses Ereignis kommen wird, der dritte, vierte und fünfte. In der Esoterik nennt man einen Zeitraum einen Tag, daher heißt es im Beginn des zweiten Kapitels: «Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana.» Hiermit ist angedeutet, daß in der kommenden Schilderung der Hochzeit auf etwas in der Zukunft Eintretendes hingewiesen wird. Bei der Hochzeit ist die Mutter Jesu, die Bewußtseinsseele, anwesend. Christus sagt zu ihr: «Was geht da von mir zu dir? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.» Da ist deutlich gesagt, daß in der Hochzeit zu Kana auf etwas hingewiesen wird, das erst in der Zukunft sich ereignen soll. Was tut Jesus, weil seine Stunde noch nicht gekommen war? Er verwandelt das Wasser in Wein! Man kann immer wieder die Erklärung finden, daß diese Handlung andeuten soll, daß dem in Dekadenz gekommenen Judentum neues Feuer, neue Lebenskraft zugefügt werden soll, indem das «fade» Wasser in feurigen Wein verwandelt wird. Man könnte sagen, die Weintrinker haben jene Erklärung ausgesonnen, um damit die Berechtigung ihres Tuns zu beweisen. Wenn wir aber die Bedeutung dieser Tat erfassen, erhalten wir einen tiefen Einblick in die große Weltenevolution.

[ 12 ] Der Alkohol war nicht immer mit der Menschheit verknüpft. Alles Geistige, das sich entwickelt, hat im Stoff seinen entsprechenden Ausdruck, und umgekehrt hat auch alles Stoffliche im Geistigen sein ihm entsprechendes Gegenstück. Der Wein, der Alkohol ist erst in einer bestimmten Zeit der Welt- und Menschheitsgeschichte aufgetreten. Und er wird wieder aus derselben verschwinden. Wir sehen hier die tiefe Wahrheit der okkulten Forschung. Der Alkohol war die Brücke, die vom Gattungs-, vom Gruppen-Ich zum selbständigen, individuellen Ich hinüberführt. Niemals hätte der Mensch den Übergang vom Gruppen- zum Einzel-Ich gefunden ohne die stoffliche Wirkung des Alkohols. Dieser erzeugte das individuelle, persönliche Bewußtsein im Menschen. Wenn die Menschheit dieses Ziel erreicht haben wird, braucht sie den Alkohol nicht mehr, und dieser wird wieder aus der physischen Welt verschwinden. Sie sehen, alles, was geschieht, hat seine Bedeutung in der weisen Lenkung der Menschheitsentwickelung. Deshalb soll heute niemandem widersprochen werden, wenn er Alkohol trinkt, während andrerseits jene Menschen, die der übrigen Menschheit vorausgeeilt sind und ihre Entwickelung so weit gefördert haben, daß sie des Alkohols nicht mehr bedürfen, denselben auch meiden sollen. Christus erscheint, um der Menschheit Kräfte zu geben, damit im sechsten Zeitraum das höchste Ich-Bewußtsein erlangt werden kann. Er will die Menschen vorbereiten auf jene «Zeit, die noch nicht gekommen ist». Würde er es beim Wasseropfer gelassen haben, so würde es die Menschheit niemals zum individuellen Ich gebracht haben. Die Verwandlung des Wassers bedeutet die Erhebung des Menschen zum individuellen Wesen. Die Menschheit war in ihrem Entwickelungsgange an einem Punkt angelangt, wo sie des Weins bedurfte, daher verwandelt Christus das Wasser in Wein. Wenn die Zeit da sein wird, wo der Mensch keinen Wein mehr braucht, dann wird Christus den Wein wieder in Wasser zurückverwandeln. Wie konnte in Christus eine solche Kraft auftreten, daß er Wasser in Wein verwandeln konnte? Weil Christi Leib die Erde selbst ist, konnte er die Kräfte der Erde in sich selbst wirksam machen. In der Erde verwandelt sich das Wasser, indem es den Weinstock durchströmt, zu Wein. Was in der Erde geschieht, das konnte Christus als Persönlichkeit ebenfalls ausführen, weil alle Kräfte der Erde ja auch in ihm vorhanden sein müssen, sobald die Erde sein Leib ist und von seinem Astralleib beseelt wird.

[ 12 ] Der Alkohol war nicht immer mit der Menschheit verknüpft. Alles Geistige, das sich entwickelt, hat im Stoff seinen entsprechenden Ausdruck, und umgekehrt hat auch alles Stoffliche im Geistigen sein ihm entsprechendes Gegenstück. Der Wein, der Alkohol ist erst in einer bestimmten Zeit der Welt- und Menschheitsgeschichte aufgetreten. Und er wird wieder aus derselben verschwinden. Wir sehen hier die tiefe Wahrheit der okkulten Forschung. Der Alkohol war die Brücke, die vom Gattungs-, vom Gruppen-Ich zum selbständigen, individuellen Ich hinüberführt. Niemals hätte der Mensch den Übergang vom Gruppen- zum Einzel-Ich gefunden ohne die stoffliche Wirkung des Alkohols. Dieser erzeugte das individuelle, persönliche Bewußtsein im Menschen. Wenn die Menschheit dieses Ziel erreicht haben wird, braucht sie den Alkohol nicht mehr, und dieser wird wieder aus der physischen Welt verschwinden. Sie sehen, alles, was geschieht, hat seine Bedeutung in der weisen Lenkung der Menschheitsentwickelung. Deshalb soll heute niemandem widersprochen werden, wenn er Alkohol trinkt, während andrerseits jene Menschen, die der übrigen Menschheit vorausgeeilt sind und ihre Entwickelung so weit gefördert haben, daß sie des Alkohols nicht mehr bedürfen, denselben auch meiden sollen. Christus erscheint, um der Menschheit Kräfte zu geben, damit im sechsten Zeitraum das höchste Ich-Bewußtsein erlangt werden kann. Er will die Menschen vorbereiten auf jene «Zeit, die noch nicht gekommen ist». Würde er es beim Wasseropfer gelassen haben, so würde es die Menschheit niemals zum individuellen Ich gebracht haben. Die Verwandlung des Wassers bedeutet die Erhebung des Menschen zum individuellen Wesen. Die Menschheit war in ihrem Entwickelungsgange an einem Punkt angelangt, wo sie des Weins bedurfte, daher verwandelt Christus das Wasser in Wein. Wenn die Zeit da sein wird, wo der Mensch keinen Wein mehr braucht, dann wird Christus den Wein wieder in Wasser zurückverwandeln. Wie konnte in Christus eine solche Kraft auftreten, daß er Wasser in Wein verwandeln konnte? Weil Christi Leib die Erde selbst ist, konnte er die Kräfte der Erde in sich selbst wirksam machen. In der Erde verwandelt sich das Wasser, indem es den Weinstock durchströmt, zu Wein. Was in der Erde geschieht, das konnte Christus als Persönlichkeit ebenfalls ausführen, weil alle Kräfte der Erde ja auch in ihm vorhanden sein müssen, sobald die Erde sein Leib ist und von seinem Astralleib beseelt wird.

[ 13 ] Was tut die Erde mit ihren Kräften? Legt man ein Samenkorn in die Erde, so geht es auf und trägt Früchte. Es vermehrt sich, aus einem werden viele. Ebenso werden aus einem Tiere durch Fortpflanzung viele. Dieselbe Kraft der Vermehrung, der Vervielfältigung wirkt auch in Christus, und sie wird angedeutet in der Speisung der Fünftausend. Christus hat die der Erde innewohnende Kraft der Vervielfältigung der Samen. Wenn wir den Gedanken «Christi Leib ist die Erde mit ihren Kräften» uns vor Augen halten und auf das anwenden, was im Johannes-Evangelium berichtet wird, so werden uns viele Einzelheiten verständlich.

[ 13 ] Was tut die Erde mit ihren Kräften? Legt man ein Samenkorn in die Erde, so geht es auf und trägt Früchte. Es vermehrt sich, aus einem werden viele. Ebenso werden aus einem Tiere durch Fortpflanzung viele. Dieselbe Kraft der Vermehrung, der Vervielfältigung wirkt auch in Christus, und sie wird angedeutet in der Speisung der Fünftausend. Christus hat die der Erde innewohnende Kraft der Vervielfältigung der Samen. Wenn wir den Gedanken «Christi Leib ist die Erde mit ihren Kräften» uns vor Augen halten und auf das anwenden, was im Johannes-Evangelium berichtet wird, so werden uns viele Einzelheiten verständlich.

[ 14 ] Was sind Evangelien überhaupt? Im Johannes-Evangelium haben wir eine Darstellung der Einweihungsprinzipien zu sehen, wie sie durch das ganze Altertum verbreitet waren. Was der Einzuweihende äußerlich tat, das war nicht maßgebend für die Schule, der er angehörte, sondern was er erlebt hat von Stufe zu Stufe, von Einweihungsgrad zu Einweihungsgrad, das war das Maßgebende. Die moderne Gelehrtenwelt ist sehr erstaunt, in der Entwickelungsgeschichte des Buddha ähnliche Züge entdeckt zu haben wie in der Entwickelungsgeschichte des Christus Jesus. Dies wird aber dadurch erklärt, daß die Schreiber solcher Lebensgeschichten nicht die äußeren Lebensumstände, sondern die inneren, die geistigen Tatsachen aufgezeichnet haben. Diese stimmen bei allen wahren Eingeweihten überein, da alle denselben Weg zurückgelegt haben und auf diesem die gleichen Erfahrungen machten. Was der Eingeweihte auf dem Einweihungspfade erleben mußte, das war in den Einweihungsvorschriften angegeben, und alle Eingeweihten des gleichen Grades hatten dieselben Erlebnisse durchzumachen. Die Biographen schrieben also nur eine Biographie der verschiedenen Einweihungsstadien. Die Evangelien sind nichts weiter als alte Einweihungsvorschriften von verschiedener Tiefe. Was sich in früherer Zeit bei herabgestimmtem Bewußtsein vollzogen hat, das geschah im Mysterium von Golgatha öffentlich. Der Tod, der bisher bei der Einweihung im Ätherleib überwunden wurde, der wurde jetzt im physischen Leibe überwunden. Das Ereignis auf Golgatha ist die Initiation eines höchsten Eingeweihten, der von keinem andern eingeweiht wurde.

[ 14 ] Was sind Evangelien überhaupt? Im Johannes-Evangelium haben wir eine Darstellung der Einweihungsprinzipien zu sehen, wie sie durch das ganze Altertum verbreitet waren. Was der Einzuweihende äußerlich tat, das war nicht maßgebend für die Schule, der er angehörte, sondern was er erlebt hat von Stufe zu Stufe, von Einweihungsgrad zu Einweihungsgrad, das war das Maßgebende. Die moderne Gelehrtenwelt ist sehr erstaunt, in der Entwickelungsgeschichte des Buddha ähnliche Züge entdeckt zu haben wie in der Entwickelungsgeschichte des Christus Jesus. Dies wird aber dadurch erklärt, daß die Schreiber solcher Lebensgeschichten nicht die äußeren Lebensumstände, sondern die inneren, die geistigen Tatsachen aufgezeichnet haben. Diese stimmen bei allen wahren Eingeweihten überein, da alle denselben Weg zurückgelegt haben und auf diesem die gleichen Erfahrungen machten. Was der Eingeweihte auf dem Einweihungspfade erleben mußte, das war in den Einweihungsvorschriften angegeben, und alle Eingeweihten des gleichen Grades hatten dieselben Erlebnisse durchzumachen. Die Biographen schrieben also nur eine Biographie der verschiedenen Einweihungsstadien. Die Evangelien sind nichts weiter als alte Einweihungsvorschriften von verschiedener Tiefe. Was sich in früherer Zeit bei herabgestimmtem Bewußtsein vollzogen hat, das geschah im Mysterium von Golgatha öffentlich. Der Tod, der bisher bei der Einweihung im Ätherleib überwunden wurde, der wurde jetzt im physischen Leibe überwunden. Das Ereignis auf Golgatha ist die Initiation eines höchsten Eingeweihten, der von keinem andern eingeweiht wurde.

[ 15 ] So konnte der Schreiber des Johannes-Evangeliums das Leben Christi nur schildern, wie der Initiationskodex es schildert. Wer das Johannes-Evangelium durchlebt, der wird in sich die Kraft des Schauens erwecken. Es ist ein Seherbuch, geschrieben zur Schulung des Sehertums. Wer es Satz für Satz durchlebt, für den geht aus ihm das große, gewaltige Resultat hervor, daß er geistig Auge in Auge dem Christus gegenübertritt. Den Menschen ist die Überzeugung nicht so leicht gemacht, sie müssen sich durcharbeiten zu dem Ziele, wo ihnen die Erkenntnis aufgeht, daß der Christus eine Realität ist. Das JohannesEvangelium ist der Weg, der zu Christus führt. Der Schreiber hat allen Gelegenheit geben wollen, ihn zu verstehen. Wer in sich aus dem Astralleib das Geistselbst entwickelt, dem geht im Geiste jene Weisheit auf, durch welche er verstehen kann, was Christus ist. Christus selbst hat dies angedeutet: Er hängt am Kreuze, ihm zu Füßen stehen seine Mutter und sein eingeweihter Schüler, den er lieb hat. Der Schüler soll den Menschen die Weisheit, die Erkenntnis der Bedeutung des Christus bringen. Daher wird hingewiesen auf die Mutter Sophia mit den Worten: «Das ist deine Mutter, du hast sie zu lieben.» Die vergeistigte Mutter Jesu ist das Evangelium selber, sie ist die Weisheit, die die Menschen hinaufführt zu den höchsten Erkenntnissen. Der Jünger hat uns die Mutter Sophia gegeben, das heißt, er hat uns das Evangelium geschrieben, das für denjenigen, der darin forscht, die Möglichkeit enthält, das Christentum kennenzulernen, den Ursprung und das Ziel dieser großen Bewegung zu erfassen.

[ 15 ] So konnte der Schreiber des Johannes-Evangeliums das Leben Christi nur schildern, wie der Initiationskodex es schildert. Wer das Johannes-Evangelium durchlebt, der wird in sich die Kraft des Schauens erwecken. Es ist ein Seherbuch, geschrieben zur Schulung des Sehertums. Wer es Satz für Satz durchlebt, für den geht aus ihm das große, gewaltige Resultat hervor, daß er geistig Auge in Auge dem Christus gegenübertritt. Den Menschen ist die Überzeugung nicht so leicht gemacht, sie müssen sich durcharbeiten zu dem Ziele, wo ihnen die Erkenntnis aufgeht, daß der Christus eine Realität ist. Das JohannesEvangelium ist der Weg, der zu Christus führt. Der Schreiber hat allen Gelegenheit geben wollen, ihn zu verstehen. Wer in sich aus dem Astralleib das Geistselbst entwickelt, dem geht im Geiste jene Weisheit auf, durch welche er verstehen kann, was Christus ist. Christus selbst hat dies angedeutet: Er hängt am Kreuze, ihm zu Füßen stehen seine Mutter und sein eingeweihter Schüler, den er lieb hat. Der Schüler soll den Menschen die Weisheit, die Erkenntnis der Bedeutung des Christus bringen. Daher wird hingewiesen auf die Mutter Sophia mit den Worten: «Das ist deine Mutter, du hast sie zu lieben.» Die vergeistigte Mutter Jesu ist das Evangelium selber, sie ist die Weisheit, die die Menschen hinaufführt zu den höchsten Erkenntnissen. Der Jünger hat uns die Mutter Sophia gegeben, das heißt, er hat uns das Evangelium geschrieben, das für denjenigen, der darin forscht, die Möglichkeit enthält, das Christentum kennenzulernen, den Ursprung und das Ziel dieser großen Bewegung zu erfassen.

[ 16 ] Das Johannes-Evangelium enthält die Weisheit vom «Gott im Menschen», die Theosophie, und je mehr die Menschheit sich dem Studium dieser Urkunde widmet, desto mehr Weisheit und Erleuchtung wird ihr daraus aufgehen.

[ 16 ] Das Johannes-Evangelium enthält die Weisheit vom «Gott im Menschen», die Theosophie, und je mehr die Menschheit sich dem Studium dieser Urkunde widmet, desto mehr Weisheit und Erleuchtung wird ihr daraus aufgehen.