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Myths and Legends
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GA 101

13 December 1907, Cologne

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16. Weihnacht

16. Christmas

Eine Betrachtung Aus Der Lebensweisheit (Vitaesophia)

A Reflection from the Wisdom of Life (Vitaesophia)

[ 1 ] Die Geisteswissenschaft wird, wenn sie richtig und tief genug verstanden wird, den Menschen immer mehr und mehr wieder hineinführen in das unmittelbare Leben, dem er durch eine materialistische Denkweise nicht nähergebracht wird, wie man glaubt, sondern dem er sich durch eine solche entfremdet.

[ 1 ] When understood correctly and deeply enough, spiritual science will lead people ever more deeply back into immediate life—a life to which a materialistic way of thinking does not bring them closer, as is commonly believed, but from which it alienates them.

[ 2 ] Dieser Satz ist oftmals hier und sonst, bei dieser und jener Gelegenheit ausgesprochen worden, um die Mission unserer Bewegung zu charakterisieren. Er wird aber den Menschen der Gegenwart sonderbar anmuten, denn zahlreiche unserer Zeitgenossen haben nun einmal die Meinung, daß wirkliches Leben - das, was sie Leben nennen - ganz woanders zu suchen sei als in dem, was Geisteswissenschaft zu geben vermag; und manche haben wohl auch die Meinung, daß Geist-Erkenntnis am wenigsten berufen sein könne, den Menschen zu einer tatsächlichen Lebenspraxis zu führen. Sie wird es dennoch tun; sie wird es im kleinsten, sie wird es im größten tun! Die Geisteswissenschaft wird imstande sein, wenn sich diejenigen, die sich mit öffentlichen oder sonstigen Angelegenheiten befassen, von ihr durchdringen lassen, alle die großen Fragen der Gegenwart in der Weise zu lösen, wie sie gelöst werden müssen, wenn die Menschheit ein volles Leben führen soll. Alle die mannigfaltigen Verwirrungen, alle die ungesunden Verhältnisse in unserer Zeit, alles, was man Zeitfragen nennt, was man heute in dilettantenhafter Weise von diesem oder jenem Gesichtspunkte aus zu lösen versucht, es wird nur gedeihlich in Angriff genommen werden können, wenn sich unsere Zeitgenossen bequemen werden, sich mit der Wahrheit der Geisteswissenschaft zu durchdringen. Doch das soll uns heute weniger beschäftigen, es sollte nur berührt werden.

[ 2 ] This sentence has often been uttered here and elsewhere, on this and that occasion, to characterize the mission of our movement. But it will seem strange to people of the present day, for many of our contemporaries are of the opinion that real life—what they call life —is to be found somewhere entirely different from what spiritual science can offer; and some may well also hold the view that spiritual knowledge is the least suited to guide people toward a practical way of life. Yet it will do so; it will do so in the smallest matters, and it will do so in the greatest! Spiritual science will be able, if those engaged in public or other affairs allow themselves to be imbued by it, to resolve all the great questions of the present in the way they must be resolved if humanity is to lead a full life. All the manifold confusions, all the unhealthy conditions of our time, everything that is called contemporary issues—which people today attempt to resolve in an amateurish manner from this or that perspective—can only be successfully addressed if our contemporaries are willing to allow themselves to be imbued with the truth of spiritual science. But that should concern us less today; it should only be touched upon.

[ 3 ] Heute soll uns mehr die Gefühlsseite, die Empfindungsseite der Geist-Erkenntnis beschäftigen. Es soll uns mehr der Gedanke vor die Seele treten, wie bei einer tieferen, gefühlsmäßigen Auffassung des Lebens dem Menschen gerade in einer solchen Zeit wie jetzt unser Dasein abstrakt, öde, verstandesmäßig und begriffsmäßig vorkommen muß. Wir sehen in einer solchen Zeit, wenn eines der großen Feste - das Weihnachtsfest, das Osterfest oder das Pfingstfest herannaht, wie da die äußeren Formen, gewisse äußere Maßnahmen dieser Feste festgehalten werden. Sehr, sehr wenig ist aber von dem vorhanden, was unsere Vorfahren in einer solchen Zeit lebendig in ihrer Seele fühlten: jener tiefe, die Seele durchhauchende Zug des Gefühls, der unseren Vorfahren eigen war in bezug auf das Verhältnis des Menschen zum ganzen Kosmos und seines göttlichen Untergrundes. Dieser Zug wurde besonders belebt in solchen Festeszeiten. Denn solche Festeszeiten waren etwas Reales für die Seele. Die Seele empfand in solchen Zeiten anders als während des übrigen Teiles des Jahres.

[ 3 ] Today we should concern ourselves more with the emotional side, the sensory side of spiritual knowledge. We should allow the thought to come to mind that, with a deeper, more emotional understanding of life, human existence must seem abstract, barren, intellectual, and conceptual to people, especially in a time like the present. We see in such a time, when one of the great festivals—Christmas, Easter, or Pentecost—approaches, how the external forms, certain external observances of these festivals, are maintained. Very, very little remains, however, of what our ancestors felt vividly in their souls during such times: that deep, soul-pervading current of feeling that was characteristic of our ancestors regarding humanity’s relationship to the entire cosmos and its divine foundation. This current was particularly enlivened during such festive seasons. For such festive seasons were something real for the soul. The soul felt differently during such times than during the rest of the year.

[ 4 ] Der heutige Mensch macht sich keine Vorstellung von dem, was durch die Seelen zog in den Vorzeiten, wenn bei immer kürzer werdenden Tagen das Jahresende herannahte und die Geburt des Christus Jesus gefeiert wurde, oder wenn die Auferstehung des Christus Jesus nahte, wenn die Schneedecke allmählich schwand von der Erde und das, was die Erde unter ihr verborgen hatte, wieder an die Oberfläche trat. Scheinbar ist unser Leben konkret. In Wahrheit sind die Gefühle unserer Zeitgenossen abstrakt, verstandesmäßig, leer geworden. Die Menschen gehen durch die Straßen und fühlen von dem Weihnachtsfest in der Regel kaum mehr, als daß es ein Fest der Geschenke ist. Und was sie sonst fühlen, steht nur in geringem Zusammenhange mit jenen tiefen Empfindungen, die unsere Vorfahren in jener Zeit durchzogen. Der Mensch hat eben verloren den Zusammenhang mit dem Leben. Gefühlsmäßig diesen Zusammenhang wieder zu erlangen, das ist etwas, was zu der Mission der Geisteswissenschaft gehört.

[ 4 ] Modern people have no conception of what stirred the souls in ancient times, when the end of the year approached amid ever-shortening days and the birth of Christ Jesus was celebrated, or when the Resurrection of Christ Jesus drew near, when the blanket of snow gradually melted from the earth and what the earth had hidden beneath it came to the surface again. On the surface, our lives seem concrete. In truth, the feelings of our contemporaries have become abstract, intellectual, and empty. People walk through the streets and generally feel little of the Christmas festival other than that it is a festival of gifts. And whatever else they feel has little connection to those deep emotions that permeated our ancestors during that time. Humanity has simply lost its connection to life. Regaining this connection on an emotional level is something that belongs to the mission of spiritual science.

[ 5 ] Wer sich nur mit den Begriffen und Ideen dessen, was man gewöhnlich die Weltanschauung der Geisteswissenschaft nennt, befaßt, hat das Allerwenigste von der Geisteswissenschaft begriffen. Der erst hat sie begriffen, der da weiß, daß die ganze Gefühlswelt und Empfindungswelt des Menschen eine andere werden muß, wenn die Geist-Erkenntnis sich einlebt in die Herzen und in die Seelen. Und was eine Weile abstrakt wurde, was eine Weile in seiner Bedeutung vergessen wurde, der tiefe Sinn unserer Feste, wird wieder lebendig vor die Seele treten, wenn dieses intime Verhältnis zur ganzen umliegenden Welt den Menschen wieder erfassen wird so, wie es ihn erfassen kann durch eine spirituelle Anschauung.

[ 5 ] Anyone who concerns themselves only with the concepts and ideas of what is commonly called the spiritual science worldview has understood the very least of spiritual science. Only those who know that the entire emotional and sensory world of human beings must change when spiritual knowledge takes root in hearts and souls have truly understood it. And what has become abstract for a time, what has been forgotten in its significance—the deep meaning of our festivals—will come alive again before the soul when this intimate relationship with the entire surrounding world once more takes hold of the human being, just as it can take hold of him through a spiritual perspective.

[ 6 ] Öfter hat uns bei dieser Gelegenheit der tiefere Sinn des Weihnachtsfestes beschäftigt. Heute soll das noch von einer andern Seite her geschehen. Heute soll es geschehen dadurch, daß wir uns zuerst einmal klarmachen, wie die anthroposophischen Gedanken und Ideen auf unsere Empfindungswelt wirken, wie sie tatsächlich aus dem Menschen etwas ganz anderes machen werden, als er jetzt ist, etwas, wodurch er wiederum wissen wird, was es heißt, den Pulsschlag des geistigen Lebens in der Natur unmittelbar zu empfinden, die Wärme, die durch die Welt geht, als die alle Wesen beseelende Wärme wirklich zu fühlen. Heute ist für den Menschen, wenn er hineinsieht in den Sternenhimmel, durch die abstrakte Astronomie der Sternenhimmel erfüllt mit abstrakten stofflichen Weltenkugeln. Diese Weltenkugeln werden dem Menschen wiederum erscheinen als Körper von Seele und Geist. Der Raum wird für ihn wiederum durchgeistigt und durchseelt sein. Er wird den ganzen Kosmos empfinden, warm, wie er empfindet an dem Busen eines Freundes; nur wird er den Geist des Kosmos selbstverständlich majestätischer und großartiger empfinden.

[ 6 ] On this occasion, we have often considered the deeper meaning of the Christmas festival. Today we shall approach this from a different angle. Today we shall do so by first making it clear to ourselves how anthroposophical thoughts and ideas affect our world of feeling, how they will actually transform the human being into something quite different from what he is now—something through which he will once again know what it means to directly sense the pulse of spiritual life in nature, to truly feel the warmth that flows through the world as the warmth that animates all beings. Today, when a person looks up at the starry sky, abstract astronomy fills that sky with abstract, material spheres of the cosmos. These spheres will in turn appear to the person as bodies of soul and spirit. Space will once again be imbued with spirit and soul for them. They will perceive the entire cosmos as warm, just as they feel at a friend’s bosom; only they will naturally perceive the spirit of the cosmos as more majestic and magnificent.

[ 7 ] Wir wissen, daß wir eine solche Seele, wie wir sie im Menschen kennen, eine individuelle Seele, die im einzelnen Leibe wohnt, nur in dem Menschen zu suchen haben. Bei den andern Wesen, die uns umgeben, haben wir die Seele in anderer Art und anderer Form zu suchen. Die Tiere, die um uns herum leben, sind auch beseelt, aber wir werden vergeblich ihre Seele hier auf dem physischen Plan suchen. Das Tier-Ich, das wir ein Gruppen-Ich nennen, ist zu suchen auf dem astralischen Plan, und eine ganze Gruppe verwandter Tiere meinetwegen die Löwengruppe, die Tigergruppe, alle Katzen -, alle einzelnen Gruppen verwandter Formen haben eine gemeinsame Seele, ein gemeinsames Ich. Die Getrenntheit des Ortes hier auf der Erde tut nichts zur Sache. Ob ein Löwe hier in einer Menagerie und ein anderer in Afrika ist, das ist ganz gleich; alle Löwen gehören zusammen zu demselben Ich, das der Geheimforscher auf dem Astralplan finden kann. Diese Gruppen-Iche sind dort geschlossene Persönlichkeiten; und wie Ihre Persönlichkeit hier auf dem physischen Plan eine geschlossene ist, so ist das Gruppen-Ich eine geschlossene Persönlichkeit auf dem Astralplan. Wie Ihre zehn Finger zu Ihrer geschlossenen Persönlichkeit, so gehören alle Löwen zu dem Gruppen-Ich des Löwen. Und wenn wir die Bekanntschaft machen könnten mit den einzelnen Gruppen-Ichen auf dem Astralplan, so würden wir finden, daß die hervorstechendste Eigenschaft der GruppenIche die Weisheit ist, wie wenig weise die einzelnen Tiere uns auch auf der Erde erscheinen mögen. Niemand darf von den Eigenschaften der einzelnen Tiere hier schließen auf die Eigenschaft der Gruppen-Iche, der Tierpersönlichkeit auf dem astralen Plan. Ebensowenig wie Ihre Finger Eigenschaften zeigen eines individuellen Ichs, ebensowenig zeigt das einzelne Tier die Eigenschaften des Gruppen-Ichs.

[ 7 ] We know that a soul such as we know it in human beings—an individual soul dwelling in an individual body—is to be found only in human beings. In the other beings that surround us, we must seek the soul in a different manner and form. The animals that live around us are also animated, but we will search in vain for their soul here on the physical plane. The animal ego, which we call a group ego, is to be found on the astral plane, and an entire group of related animals—for example, the lion group, the tiger group, all cats—all individual groups of related forms have a common soul, a common ego. The physical separation of location here on Earth is irrelevant. Whether one lion is here in a menagerie and another in Africa makes no difference; all lions belong together to the same ego that the occult researcher can find on the astral plane. These group egos are distinct personalities there; and just as your personality here on the physical plane is a distinct one, so the group ego is a distinct personality on the astral plane. Just as your ten fingers belong to your unified personality, so all lions belong to the group-self of the lion. And if we could make the acquaintance of the individual group-selves on the astral plane, we would find that the most striking characteristic of the group-selves is wisdom, however unwise the individual animals may appear to us here on Earth. No one should infer the characteristics of the group-I, the animal personality on the astral plane, from the characteristics of the individual animals here. Just as your fingers do not display the characteristics of an individual self, so too does the individual animal not display the characteristics of the group-I.

[ 8 ] Weise handeln diese Gruppen-Iche, und weiser, als Sie es sich denken können, sind diese einzelnen Tierseelen, und was Sie hier als die Verrichtungen der Tiere kennen, wird bewirkt von den GruppenIchen. In unserer Atmosphäre, im Umkreis unserer Erde leben sie, um uns herum sind sie zu finden. Wenn Sie den Flug der Vögel verfolgen, wie sie beim Herannahen des Herbstes fortziehen von Nordosten nach Südwesten, und beim Herannahen des Frühlings wieder zurückziehen in ihre Heimat, von Südwesten nach Nordosten ziehen, und wenn Sie sich fragen: Wer lenkt weise diesen Vogelflug? dann kommen Sie als okkulter Forscher, wenn Sie die einzelnen Anordner und Regierer suchen, auf die Gruppen-Iche der einzelnen Gattungen oder Arten. In aller tierischen Bevölkerung lebt das astralische Ich, das für den astralischen Plan ebenso ein Ich ist wie das Menschen-Ich hier, nur ein viel, viel weiseres Ich. Viel gescheitere Iche als hier die physischen Menschen sind dort auf dem Astralplan die geschlossenen Gruppenpersönlichkeiten, die die einzelnen Glieder hier auf dem physischen Plan haben, und alles, was bei den einzelnen Tieren weise eingerichtet ist, ist geoffenbarte Weisheit der Gruppen-Iche der Tiere. Wir schreiten anders durch die Welt, wenn wir das wissen, daß wir bei jedem Schritt und Tritt durch Wesen schreiten, deren Taten wir sehen. | |

[ 8 ] These Group Selves act wisely, and wiser than you can imagine are these individual animal souls; and what you know here as the activities of animals is brought about by the Group Selves. They live in our atmosphere, in the vicinity of our Earth; they are to be found all around us. When you observe the flight of the birds, how they migrate from northeast to southwest as autumn approaches, and return to their homeland from southwest to northeast as spring approaches, and when you ask yourself: Who wisely guides this flight of birds? then, as an occult researcher, when you seek the individual organizers and rulers, you will arrive at the group-I’s of the individual genera or species. In the entire animal population lives the astral I, which is just as much an I for the astral plane as the human I is here, only a much, much wiser I. Far wiser Selves than the physical human beings here are, on the astral plane, the unified group personalities that the individual members here on the physical plane possess, and everything that is wisely arranged in the individual animals is the revealed wisdom of the group Selves of the animals. We walk through the world differently when we know that with every step we take, we are walking through beings whose actions we see. | |

[ 9 ] Sehen wir das Pflanzenreich vor uns, dann liegt das Ich dieser Pflanzenwelt in einer noch höheren Welt als die Gruppen-Iche der Tiere. In der geistigen Welt oder im Devachan liegen die Iche der Pflanzen, und im Grunde genommen sind es sehr wenige, diese Iche der Pflanzen; denn alle diese Iche der Pflanzen umfassen viele einzelne Pflanzen, die hier auf der Erde sind, viele Arten. Und wenn wir uns den Ort suchen, wo wir diese Pflanzen-Iche räumlich zu finden haben, dann würden wir zu dem Mittelpunkt der Erde kommen. Alle Pflanzen-Iche sind vereinigt im Mittelpunkt der Erde.

[ 9 ] When we look at the plant kingdom before us, the I of this plant world lies in a world even higher than that of the group-I’s of the animals. The I’s of the plants lie in the spiritual world or in Devachan, and in essence there are very few of these plant I’s; for all these plant I’s encompass many individual plants that are here on Earth, many species. And if we were to seek the place where we might find these plant Selves spatially, we would arrive at the center of the Earth. All plant Selves are united at the center of the Earth.

[ 10 ] Es wäre ein primitives Sich-Vorstellen von dem Geist der Iche, wenn man fragen wollte, ob diese verschiedenen Iche auch alle Platz haben. Im Geistigen durchdringt sich alles. Wer das nicht versteht, kommt zu der Anschauung, die jetzt in einem Buche enthalten ist, das auch besonders den Theosophen angepriesen wird, das zwar von geistigen Welten spricht, aber doch so davon spricht, daß gefragt wird: Wenn im Laufe eines Jahrtausends dreißig Milliarden Menschen gelebt hätten, deren Seelen nun im Umkreis der Erde sein sollen, so müßte da eine so große Anzahl von Seelen sein, daß da für alle wenig Platz wäre im Umkreis der Erde. - Es ist gut gemeint, dieses Buch, aber es ist ungeheuer trivial.

[ 10 ] It would be a primitive conception of the spirit of the “I” to ask whether these various “I’s” all have room. In the spiritual realm, everything interpenetrates. Those who do not understand this arrive at the view now contained in a book that is particularly touted among theosophists, a book that does indeed speak of spiritual worlds, but speaks of them in such a way that one is led to ask: If thirty billion people had lived over the course of a millennium, whose souls are now supposed to be in the vicinity of the Earth, then there would have to be such a large number of souls that there would be little room for all of them in the vicinity of the Earth. — This book is well-intentioned, but it is incredibly trivial.

[ 11 ] Im Mittelpunkt der Erde haben wir zu suchen die Pflanzen-Iche, weil die Erde selbst als Planet ein ganzer Organismus ist; und so wie die Haare an Ihrem Organismus sind, so sind die Pflanzen Teile am Organismus unserer Erde, und die Pflanzen, die Teile am Organismus unserer Erde sind, sind für sich nicht selbständige Wesen, sondern sind Glieder des Erdorganismus. Schmerz und Lust bei den Pflanzen sind Schmerz und Lust des Erdorganismus.

[ 11 ] We must seek the plant-I’s at the center of the Earth, because the Earth itself, as a planet, is a whole organism; and just as hair is part of your organism, so are plants parts of the organism of our Earth, and the plants that are parts of the organism of our Earth are not independent beings in themselves, but are members of the Earth’s organism. Pain and pleasure in plants are the pain and pleasure of the Earth’s organism.

[ 12 ] Wir brauchen uns nur zu erinnern, was ein paar Wochen vorher schon gesagt worden ist in bezug auf Schmerz und Lust in der Pflanzenwelt. Wer diese Dinge beobachten kann, der weiß, daß, wenn man eine Pflanze - soweit es die oberen Teile betrifft - verletzt, diese Verletzung nicht mit einem Schmerzgefühl unseres Erdorganismus verbunden ist. Es bereitet der Erde ein Wohlgefühl. Das ist dann so, wie wenn das Kalb an der Mutterkuh saugt, was auch mit Wollustgefühl verbunden ist. Denn das, was von der Erde heraussproßt von den Pflanzen, wenn es auch fest ist, dieses aus der Erde heraussprossende Grün ist für den Erdorganismus zu vergleichen mit der Milch des tierischen Organismus. Und wenn im. Herbst der Schnitter mit der Sense durch die Halme schneidet, ist das nicht bloß ein abstrakter Vorgang für den, der die Ideen der Geisteswissenschaft zu Empfindungen der Seele zu vertiefen versteht, sondern der Schnitt der Sense bedeutet einen Hauch von Wollust, der hingeht über den Acker, und das ganze Mähen des Getreides übersät das Feld mit Lustgefühlen.

[ 12 ] We need only recall what was said a few weeks ago regarding pain and pleasure in the plant world. Anyone who can observe these things knows that when a plant is injured—as far as its upper parts are concerned—this injury is not associated with a sensation of pain in our Earth organism. It gives the Earth a sense of well-being. This is like a calf suckling at its mother’s udder, which is also associated with a feeling of pleasure. For what sprouts from the Earth through the plants, even though it is solid, this greenery sprouting from the Earth is comparable for the Earth organism to the milk of the animal organism. And when, in autumn, the reaper cuts through the stalks with his scythe, this is not merely an abstract process for those who know how to deepen the ideas of spiritual science into feelings of the soul; rather, the stroke of the scythe signifies a breath of pleasure that sweeps across the field, and the entire reaping of the grain scatters the field with feelings of delight.

[ 13 ] So lernen wir fühlen mit dem Erdorganismus, wie wir fühlen an dem Busen eines Freundes. Und wir lernen verstehen den Schmerz der Erde, wenn wir wissen, daß die Erde den Schmerz fühlt, sobald wir die Pflanzen ausreißen mit ihrer Wurzel. Das ist für die Erde Schmerz, wenn wir die Pflanze mit den Wurzeln ausreißen. Man darf hier nicht einwenden, daß es unter Umständen besser sein könnte, wenn man eine Pflanze mit der Wurzel versetzt, als wenn man die Blüte pflückt. Solche Umstände haben da keine Bedeutung. Wenn ein Mensch anfängt grau zu werden, und er sich, um schöner zu bleiben, dann die ersten grauen Haare ausreißt, tut es ihm deshalb doch weh.

[ 13 ] Thus we learn to feel with the Earth’s organism as we feel at a friend’s bosom. And we learn to understand the Earth’s pain when we know that the Earth feels pain as soon as we pull out the plants by their roots. It is pain for the Earth when we pull out the plant by its roots. One must not object here that under certain circumstances it might be better to uproot a plant than to pluck its flower. Such circumstances are irrelevant here. When a person begins to go gray, and to remain more beautiful, plucks out the first gray hairs, it still hurts him.

[ 14 ] So lernen wir fühlen mit der umliegenden Natur, und die Natur wird uns immer mehr Seele und Geist. Und wenn wir hinausgehen in einen Steinbruch, und wenn da die Steinarbeiter die Steine abklopfen, so bleibt uns das, wenn wir die Ideen der Geisteswissenschaft vertiefen zu Gefühlen der Seele, nicht etwas Abstraktes. Wir sehen dann nicht bloß die Steine aus dem Felsen herausfliegen. Ja, nicht einmal, wenn ein Felsen gesprengt wird, bleibt uns das etwas Abstraktes, sondern wir lernen mitfühlen, was da draußen die durchseelte, durchgeistigte Natur fühlt. Und wenn wir vor einem Glas Wasser stehen, und wir werfen in die Wassermenge etwas Salz oder ein Stück Zucker hinein und sehen, wie das Salz oder der Zukker sich auflösen, so wird da etwas gefühlt: da ist Seele drinnen. Und wollen wir wissen, was da für Seele drinnen ist, dürfen wir nicht gewöhnliche Analogien anwenden. Denn leicht könnte man glauben: wenn der Steinarbeiter die Steine loshämmert, daß das der Natur Schmerz verursacht; aber das Gegenteil ist gerade der Fall. Was man Zersplittern im Steinreich nennt, verursacht der Natur die größte Freude, innerliches Wohlgefühl, und innerliches Wohlgefühl ist es auch, wenn wir ein Stück Zucker oder Salz im Wasser auflösen. Dadurch durchströmen das Wasser Wohlgefühle der sich auflösenden mineralischen Körper. Anders ist es bei anderen Gelegenheiten.

[ 14 ] In this way we learn to feel with the surrounding nature, and nature becomes more and more soul and spirit to us. And when we go out to a quarry, and when the stone workers are chipping away at the stones, this does not remain something abstract to us if we deepen the ideas of spiritual science into feelings of the soul. We then do not merely see the stones flying out of the rock. Indeed, not even when a rock is blasted does this remain something abstract to us; rather, we learn to empathize with what the soul- and spirit-filled nature out there feels. And when we stand before a glass of water and throw some salt or a piece of sugar into the water and see how the salt or sugar dissolves, then something is felt there: there is a soul within. And if we want to know what kind of soul is within, we must not apply ordinary analogies. For one might easily believe that when the stonemason hammers the stones loose, this causes nature pain; but the opposite is precisely the case. What is called shattering in the realm of stones brings nature the greatest joy, an inner sense of well-being, and it is also an inner sense of well-being when we dissolve a piece of sugar or salt in water. Through this, the water is permeated by the feelings of well-being of the dissolving mineral bodies. It is different on other occasions.

[ 15 ] Erinnern wir uns der Urzeit der Erde, jener Zeit der Erde, wo sie ein feurig-flüssiger Körper war und alles Metall und Mineral in unserer Erde aufgelöst war. So hätte die Erde nicht bleiben können, denn sie mußte werden der Schauplatz, auf dem wir wohnen, der feste Schauplatz, auf dem wir herumgehen können. Die Metalle und Mineralien mußten sich verfestigen aus dem flüssigen Element; fest mußten sie werden, sich zusammenziehen mußten sie. Was aufgelöst war im flüssigen Element, mußte sich zusammenballen, kristallisieren; ein ähnlicher Prozeß also, wie er sich uns in einem Glase Wasser abspielt, worin Sie Salz aufgelöst haben. Kühlen Sie das Wasser ab, dann sehen Sie die Salzkristalle sich ablösen als feste Körper aus der Wassermasse. Wenn Sie verfolgen die Gefühle, die dabei spielen, so sind das Schmerzgefühle im scheinbar toten Steinreich. Alles scheinbare Zerstören und Zersplittern des Steinreichs ist WolJustgefühl der Erde. Alles Konsolidieren, alles Festwerden, alles Kristallisieren geschieht unter Schmerzen, und unter Schmerzen haben sich alle Gesteine gebildet, alle festen Mineralien des Wohnplatzes, auf dem wir herumgehen. Dies ist mehr oder weniger so der Fall gewesen beim Festwerden unseres Erdumkreises.

[ 15 ] Let us recall the primordial era of the Earth, that time when the Earth was a fiery, liquid body and all the metals and minerals in our Earth were dissolved. The Earth could not have remained that way, for it had to become the stage on which we dwell, the solid stage on which we can walk. The metals and minerals had to solidify from the liquid element; they had to become solid, they had to contract. What was dissolved in the liquid element had to clump together, crystallize; a process similar, then, to what takes place in a glass of water in which you have dissolved salt. Cool the water, and you will see the salt crystals detach themselves as solid bodies from the mass of water. If you trace the feelings at play here, they are feelings of pain in the seemingly lifeless realm of stone. All apparent destruction and fragmentation of the mineral kingdom is the Earth’s sense of pain. All consolidation, all hardening, all crystallization occurs through pain, and through pain all rocks have formed, all the solid minerals of the place where we walk. This has been more or less the case with the solidification of our Earth’s crust.

[ 16 ] Wenn wir auf die Zukunft unserer Erdentwickelung hinblicken, müssen wir uns diese so vorstellen, daß das Feste immer mehr flüssig wird, sich auflöst. Die Erde verwandelt sich ja zuletzt in das, was wir die «astralische Erde» nennen, bis die Erdmaterie immer feiner und feiner geworden ist. So daß wir in der ersten Hälfte unseres Erdbildungsprozesses die mineralischen Bestandteile anzusehen haben als das, was unter Schmerz und Leid der feste Schauplatz wird für unser Wohnen; und gegen Ende durchzieht immer mehr seliges Wohlgefühl das Erdenwerden, und die ganze Erde wird in Wohlgefühl getaucht sein, wenn sie sich verwandeln wird in einen himmlischen Planeten, der astral in der Welt sein wird.

[ 16 ] When we look toward the future of our Earth’s development, we must imagine it in such a way that the solid becomes increasingly fluid, dissolving. The Earth will ultimately transform into what we call the “astral Earth,” until the Earth’s matter has become ever finer and finer. Thus, in the first half of our Earth’s formation process, we must regard the mineral components as that which, amid pain and suffering, becomes the solid setting for our dwelling; and toward the end, an ever-increasing sense of blissful well-being pervades the Earth’s becoming, and the entire Earth will be bathed in well-being when it transforms into a heavenly planet that will exist astral in the world.

[ 17 ] Eingeweihte, wenn sie sprechen über die Dinge, sprechen in ihren Sätzen immer tiefe Geheimnisse aus. Sie sprechen solche Geheimnisse aus, daß ihre Sätze sogar in mehrfacher Weise zu verstehen sind, weil viel Sinn in ihnen ist. Paulus, der ein Eingeweihter war, hat solche Sätze ausgesprochen, in denen immer ein mehrfacher Sinn liegt. Je weiter wir selbst kommen im Verständnis des Kosmos, der geistigen Welten, desto tiefer wird uns auch immer ein solcher Ausspruch des Paulus erscheinen. Paulus wußte es, daß die Erdenkörper unter Schmerzen fest geworden sind und entgegenseufzen ihrer Auflösung, ihrem Geistig-Himmlischwerden: «Und die ganze Natur seufzet unter Schmerzen, ihrer Annahme an Kindesstatt harrend!» Diese Schmerzen, unter denen sich die festen Mineralien herausgebildet haben zu dem, worauf wir stehen und gehen, die meint der Eingeweihte Paulus mit diesem tiefen Wort.

[ 17 ] Initiates, when they speak of these things, always express profound mysteries in their words. They express such mysteries that their words can even be understood in multiple ways, because there is much meaning in them. Paul, who was an initiate, uttered such words in which there is always a multiple meaning. The further we ourselves advance in our understanding of the cosmos and the spiritual worlds, the deeper such a statement by Paul will appear to us. Paul knew that the earthly bodies have become solid through pain and sigh in anticipation of their dissolution, their becoming spiritual and heavenly: “And the whole creation groans in pain, waiting for its adoption as children!” These pains, through which the solid minerals have formed into what we stand and walk upon—this is what the initiate Paul means by this profound word.

[ 18 ] So lange wissen wir noch nicht das Rechte von der Geisteswissenschaft, solange sie für uns nur ein System des Denkens ist. Aber das ist das Eigentümliche, daß sich die Ideen in Gefühle umwandeln, und daß wir andere Menschen werden, weil wir auf Schritt und Tritt alles das, was wir außen sehen, fühlen und empfinden lernen! Das meinten die, die wirklich etwas gewußt haben von der esoterischen Lehre des Christentums. Bis in das 18. Jahrhundert hinein können Sie verfolgen die christlichen Schriftsteller, die noch eine Empfindung hatten zu dem Lebenden in der Natur, zu allem Lust und Leid. Daher sagen sie uns in ihren Schriften Worte, die heute für den Menschen nur bloße Worte sind, oder höchstens Allegorien und Bilder, während sie als Wirkliches zu verstehen sind: Ihr sollt nicht bloß denken über die Natur, ihr sollt sie empfinden und schmecken und fühlen! - Das meinten sie, wenn der Sensenmann die Halme abmäht: daß wir das schmecken, die Gefühle empfinden, die über den Acker hinziehen. Und wenn wir sehen, wie der Mann im Steinbruch die Steine heruntersplittert, daß wir dann das Wohlgefühl der Natur mitempfinden. Und wenn wir sehen, wie da, wo ein Fluß ins Meer fließt, sich die Erde ablagert, daß wir empfinden lernen, wie da mit der sich hinlagernden Erde zu gleicher Zeit Schmerzgefühle sich hinlagern.

[ 18 ] We do not yet truly understand spiritual science as long as it remains for us merely a system of thought. But this is the peculiar thing: that ideas are transformed into feelings, and that we become different people because, at every turn, we learn to feel and sense everything we see outside! This is what those who truly knew something of the esoteric teaching of Christianity meant. You can trace Christian writers right up into the 18th century who still had a sense of the living in nature, of all joy and sorrow. That is why they speak to us in their writings with words that today are mere words to people, or at most allegories and images, whereas they are to be understood as reality: You must not merely think about nature; you must sense it, taste it, and feel it!—That is what they meant when the Reaper mows down the stalks: that we taste the feelings that sweep across the field. And when we see the man in the quarry chipping away at the stones, that we may then share in nature’s sense of well-being. And when we see how, where a river flows into the sea, the earth settles, that we may learn to feel how, along with the settling earth, feelings of pain settle at the same time.

[ 19 ] Ganz durchseelt wird uns so die Natur. So lebt sich die Seele des Menschen aus der Enge heraus. Das Gefühl strömt in die Umwelt ein. Wir werden eins auf diese Weise mit der ganzen umliegenden Natur. Und wenn wir so mit der ganzen umliegenden Natur Stück für Stück eins werden, dann fühlen wir auch die größeren Ereignisse noch in ihrer Geistigkeit, Seelenhaftigkeit. Wir fühlen dann, wenn im Frühling die Tage immer länger werden, wenn immer mehr und mehr Licht auf unsere Erde strömt, wenn aus dem geheimnisvollen Inneren der Erde herauswachsen die Pflanzen, die in ihren Keimen drinnen waren in der Erde, und wenn sich alles wieder mit Grün bedeckt, wir fühlen da herausströmen nicht bloß das, was wir sehen das herausschimmernde Grün -, wir fühlen, daß da auch seelisch etwas geschieht.

[ 19 ] In this way, nature becomes completely imbued with spirit. Thus the human soul breaks free from its confinement. The feeling flows into the environment. In this way, we become one with all of the surrounding nature. And as we gradually become one with the entire surrounding nature, we also perceive the greater events in their spiritual, soulful nature. We feel, for instance, when the days grow longer in spring, when more and more light streams onto our earth, when plants emerge from the mysterious depths of the earth—plants that were contained within their seeds deep inside the earth—and when everything is once again covered in green, we feel flowing forth not merely what we see—the shimmering green—but we feel that something is also happening on a soul level.

[ 20 ] Und wenn gegen den Winter die Tage kürzer werden, immer weniger Licht auf unsere Erde kommt, die Pflanzen sich wieder zurückziehen, das Grün sich verändert, dann fühlen wir etwas ähnliches, wie wir selbst fühlen, wenn wir ermüdet des Abends dem Schlafe entgegengehen. Und ähnliches fühlen wir im Frühling, wenn die Natur aufwacht: daß dann dieser Ausdruck für uns nicht bloße Allegorie ist, sondern wahre Wirklichkeit. Wir fühlen den Wechsel der Natur, den Wechsel der Seele und des Geistes der Natur. Wir fühlen, wie von der Mitte des Sommers an alles nach abwärts geht, wie die Seele unserer Erde sich zuneigt ihrem Schlafzustand. - Dann aber, wenn abends der Mensch sich seinem Schlafzustand zuneigt, haben wir jenen lebendigen Prozeß vor uns, den wir oft beschrieben haben: Allmählich zieht sich der Astralleib mit dem Ich des Menschen heraus, macht sich frei und schwebt sozusagen in seiner eigenen, seiner ureigenen Welt. Und könnte der Mensch im gegenwärtigen Entwickelungszustand der Menschheit das, was er einst können wird, so würde, wenn der Astralleib sich heraushebt aus dem Äther- und physischen Leib, ein geistiges Bewußtsein aufleuchten; geistiges Arbeiten und geistige Welt wäre um den Leib herum. Der Mensch stiege einfach heraus aus seinem physischen Leib, in eine andere Daseinsform eintretend. Das tut er so auch, nur weiß er davon nichts in seinem heutigen Entwickelungszustand.

[ 20 ] And when, as winter approaches, the days grow shorter, less and less light reaches our earth, the plants retreat again, and the green changes, then we feel something similar to what we ourselves feel when, weary in the evening, we turn toward sleep. And we feel something similar in spring, when nature awakens: that this expression is not merely an allegory for us, but true reality. We feel the change in nature, the change in the soul and spirit of nature. We feel how, from the middle of summer onward, everything declines, how the soul of our Earth inclines toward its state of sleep. - But then, when in the evening the human being turns toward sleep, we have before us that living process we have often described: Gradually the astral body withdraws along with the human being’s ego, frees itself, and so to speak floats in its own, its very own world. And if, in the present stage of human development, people could do what they will one day be able to do, then when the astral body lifts itself out of the etheric and physical bodies, a spiritual consciousness would dawn; spiritual work and the spiritual world would surround the body. The human being would simply step out of his physical body, entering into another form of existence. He does this in this way as well, only he is unaware of it in his present state of development.

[ 21 ] Das geschieht auch auf unserer Erde. Der Astralleib unseres Erdumkreises macht Verwandlungen durch das Jahr hindurch. Die Verwandlungen sind auf den beiden Halbkugeln der Erde andere; darauf kommt es uns heute nicht an. Der Astralleib unserer Erde ist in derjenigen Zeit, in welcher die Pflanzen und das Leben überhaupt heraussprossen aus der Erde, mit dem natürlichen Dasein unserer Erde beschäftigt. Er besorgt es, wenn Pflanzen wachsen; er besorgt alles das, was auf der Erde geschieht als Grünen und Gedeihen. Und im Herbst, wenn eine Art Schlafzustand über die Erde kommt, geht dieser Astralleib der Erde über zu seinem geistigen Schaffen.

[ 21 ] This also happens on our Earth. The astral body of our Earth’s sphere undergoes transformations throughout the year. These transformations differ on the two hemispheres of the Earth; that is not what concerns us today. The astral body of our Earth is engaged with the natural existence of our Earth during the time when plants and life in general sprout from the Earth. It takes care of this when plants grow; it takes care of everything that happens on Earth in terms of growth and flourishing. And in the fall, when a kind of dormant state descends upon the Earth, this astral body of the Earth turns to its spiritual work.

[ 22 ] Diejenigen, welche diesen Vorgang der Erde lebendig empfinden, die wissen, daß sie in einer unmittelbaren Weise während des Hochstandes der Sonne, vom Frühling bis in den Herbst hinein, in allem, was draußen sproßt und gedeiht, die äußere Offenbarung des Erdengeistes zu sehen haben. Dann aber, wenn der Herbst herankommt, stehen sie unmittelbar dem freier gewordenen irdischen Astralleib gegenüber; und wenn die Tage am kürzesten sind, das heißt, das äußere physische Leben sich am meisten dem Schlafe nähert, dann wacht das geistige Leben auf. Und was ist es, dieses geistige Leben der Erde? Wer ist der Geist der Erde?

[ 22 ] Those who feel this process of the Earth vividly know that, during the height of the Sun’s course—from spring into autumn—they must see in everything that sprouts and flourishes outside the outward manifestation of the Earth Spirit. But then, when autumn approaches, they stand face to face with the Earth’s astral body, which has become freer; and when the days are shortest—that is, when outer physical life approaches sleep the most—then spiritual life awakens. And what is this spiritual life of the Earth? Who is the Spirit of the Earth?

[ 23 ] Dieser «Geist der Erde» hat sich selbst als den Geist der Erde bezeichnet, da, als er sprach: «Wer mein Brot isset, tritt mich mit Füßen», und als er hinwies auf das, was die Erde hervorbringt an fester Nahrung für die Menschen, und sagte: «Dies ist mein Leib», und als er hinwies auf das, was als die Säfte das Lebendige durchfließt, und sagte: «Das ist mein Blut.» Damals hat er mit diesen zwei Aussprüchen die Erde selbst als seinen Organismus bezeichnet.

[ 23 ] This “Spirit of the Earth” has designated itself as the Spirit of the Earth, for when it said, “Whoever eats my bread tramples me underfoot,” and when it pointed to what the earth produces as solid food for human beings, and said: “This is my body,” and when he pointed to what flows through living beings as the life-giving juices and said, “This is my blood.” At that time, with these two utterances, he designated the Earth itself as his organism.

[ 24 ] Das alles ist anders gewesen in vorchristlicher Zeit, und das ist anders in der christlichen Zeit. Denn so, wie es in der christlichen Zeit ist, ist es erst geworden in einem bestimmten Augenblick der Erdentwickelung. In den Zeiten der kurzen Tage, wann die heiligen Mysterien des Altertums gespielt haben, wandten sich die, welche eingeweiht wurden, mit all ihrem seelischen Wesen der Sonne zu; und in der tiefen Mitternacht des Tages ungefähr, den wir als den Weihnachtstag kennen, wurden die Einzuweihenden in den heiligen Mysterien dazu gebracht, daß sie die Sonne sehen konnten in der Mitternachtsstunde. Denn da wurden sie zum Hellsehen befördert. Der gegenwärtige Mensch kann dann um Mitternacht nicht die Sonne sehen, denn sie ist jenseits der Erde. Für den Sehenden ist aber die physische Erde kein Hindernis, die Sonne zu sehen. Er sieht die Sonne in ihrer geistigen Wesenheit. Und wenn die Seher in den heiligen Mysterien um die Mitternachtsstunde die Sonne sahen, sahen sie den Regenten der Sonne, den Christus. Denn er war ja für die, die mit ihm in Verbindung treten sollten, damals noch durchaus in der Sonne.

[ 24 ] All this was different in pre-Christian times, and it is different in Christian times. For the way things are in Christian times only came to be at a specific moment in the Earth’s development. In the times of short days, when the sacred mysteries of antiquity were performed, those who were being initiated turned their entire spiritual being toward the sun; and around the deep midnight of the day we know as Christmas, those to be initiated into the sacred mysteries were enabled to see the sun at the hour of midnight. For there they were raised to clairvoyance. Modern man cannot see the sun at midnight, for it is beyond the earth. But for the seer, the physical earth is no obstacle to seeing the sun. He sees the sun in its spiritual essence. And when the seers in the sacred mysteries saw the sun at midnight, they saw the ruler of the sun, the Christ. For he was, after all, still very much in the sun at that time for those who were to come into contact with him.

[ 25 ] Als auf Golgatha das Blut aus den Wunden floß, war das ein bedeutsames Ereignis für die ganze Erdentwickelung. Niemand versteht dies Ereignis, der nicht verstehen kann, daß das Christentum auf einer mystischen Tatsache beruht. Wenn jemand mit hellsichtigem Gesicht von einem fernen Planeten aus die Entwickelung der Erde hätte verfolgen können durch Jahrtausende, würde er gesehen haben nicht bloß den physischen Leib der Erde, sondern auch den Astralleib der Erde; und dieser Astralleib der Erde hätte gezeigt durch Jahrtausende hindurch bestimmte Lichter, bestimmte Farben und bestimmte Formen. In einem Moment hat sich das geändert. Andere Formen erschienen, andere Lichter und andere Farben leuchteten auf - und das war der Augenblick, da auf Golgatha das Blut aus den Wunden des Erlösers floß. Das war nicht bloß ein menschliches, sondern das war ein kosmisches Ereignis. Dadurch ging das Christus-Ich, das sonst bloß auf der Sonne gesucht werden durfte, über auf die Erde. Es verband sich mit der Erde, und im Geist der Erde finden wir das Christus-Ich, das Sonnen-Ich. Und der Eingeweihte vermag den Sonnengeist, den er in den heiligen Mysterien des Altertums auf der Sonne suchte in der Weihnachts-Mitternachtsstunde, nun in neuer Zeit in dem Christus selbst zu sehen, als in dem Mittelpunktsgeist der Erde.

[ 25 ] When blood flowed from the wounds on Golgotha, it was a momentous event for the entire development of the Earth. No one understands this event who cannot grasp that Christianity is based on a mystical fact. If someone with a clairvoyant gaze had been able to observe the Earth’s development from a distant planet over the course of millennia, they would have seen not only the physical body of the Earth, but also the astral body of the Earth; and this astral body of the Earth would have revealed certain lights, certain colors, and certain forms throughout the millennia. In a single moment, that changed. Other forms appeared, other lights and other colors shone forth—and that was the moment when, on Golgotha, blood flowed from the wounds of the Redeemer. That was not merely a human event, but a cosmic one. Through this, the Christ-I, which otherwise could only be sought on the Sun, passed over to the Earth. It united with the Earth, and in the spirit of the Earth we find the Christ-I, the Solar-I. And the initiate is now able to see the Sun Spirit—whom he sought on the Sun in the sacred mysteries of antiquity at the midnight hour of Christmas—in the new age in Christ himself, as the central spirit of the Earth.

[ 26 ] In dem Sich-lebendig-verbunden-Fühlen mit dem Christus-Geist liegt das christliche Bewußtsein; nicht nur das Bewußtsein des gewöhnlichen Christen, sondern das Bewußtsein des christlichen Eingeweihten.

[ 26 ] Christian consciousness lies in this feeling of living connection with the Christ Spirit; not merely the consciousness of the ordinary Christian, but the consciousness of the Christian initiate.

[ 27 ] Dies ist der Prozeß, der in jedem Jahr sich abspielt, wenn die Tage kürzer werden und die natürliche Erde in ihren Schlaf eingeht. Dann ist der Prozeß der, daß wir in unmittelbare Verbindung treten können mit dem Geiste der Erde. Deshalb ist es nicht einer Willkür entsprossen, sondern dem Prinzip der Einweihung, in die Zeit der kürzesten Tage und der längsten Nächte die Geburt des Heilandes zu verlegen. Und wir sehen so etwas unendlich bedeutsames Geistiges mit dem Kürzerwerden der Tage und dem Längerwerden der Nächte verbunden und fühlen auch, daß in diesem Ereignis Seele ist, und zwar die höchste Seele, die wir in der Erdentwickelung fühlen können.

[ 27 ] This is the process that takes place every year when the days grow shorter and the natural Earth enters its sleep. Then the process is such that we can enter into direct connection with the Spirit of the Earth. Therefore, it is not a matter of arbitrariness, but of the principle of initiation, to place the birth of the Savior in the time of the shortest days and the longest nights. And we see something infinitely significant and spiritual connected with the shortening of the days and the lengthening of the nights, and we also feel that there is a soul in this event—namely, the highest soul we can perceive in the Earth’s evolution.

[ 28 ] Nicht eine Lehre oder eine Summe von Gedanken empfanden die ersten Christen, wenn sie den Namen des Christus aussprachen. Ihnen wäre es ganz unmöglich erschienen, daß man bloß auf die Sätze hin, die der Christus Jesus ausgesprochen hat als christliche Lehre, jemanden einen Christen genannt hätte. Niemandem wäre eingefallen zu leugnen, daß diese Sätze auch in andern Religionsbekenntnissen zu finden sind, und niemandem wäre es eingefallen, dies als etwas Besonderes anzusehen. Erst heute legt man gerade in den gebildeten Kreisen einen besonderen Wert darauf, daß die Lehre des Christus Jesus übereinstimme mit andern Religionsbekenntnissen. Es ist richtig: man wird kaum einen Lehrsatz finden können, der nicht auch schon früher gelehrt worden ist, aber darauf kommt es nicht an. Nicht durch die Lehre allein ist der Christ mit dem Christus verbunden. Nicht der ist ein Christ, der an die Worte glaubt, sondern der ist ein Christ, der an den Christusgeist glaubt. Zum Christ sein gehört das Sich-verbunden-Fühlen mit dem tatsächlich auf der Erde wandelnden Christus. Bloß Christi Lehre anerkennen, heißt nicht, das Christentum predigen. Das Christentum predigen heißt, in dem Christus den Geist sehen, den wir eben charakterisiert haben als den Regenten der Sonne, der in dem Moment, als das Blut aus den Wunden floß auf Golgatha, seine Arbeit auf die Erde verlegte und dadurch die Erde miteinbezogen hat in die Arbeit der Sonne.

[ 28 ] It was not a doctrine or a collection of ideas that the first Christians felt when they spoke the name of Christ. It would have seemed entirely impossible to them that anyone could be called a Christian merely on the basis of the sayings that Jesus Christ uttered as Christian doctrine. It would not have occurred to anyone to deny that these sayings are also found in other religious creeds, and it would not have occurred to anyone to regard this as something special. Only today, particularly in educated circles, is special importance attached to the fact that the teachings of Christ Jesus correspond with other religious creeds. It is true: one will hardly be able to find a doctrine that has not already been taught in the past, but that is not the point. It is not through doctrine alone that the Christian is connected to Christ. It is not the one who believes in the words who is a Christian, but the one who believes in the Spirit of Christ. Being a Christian involves feeling connected to the Christ who actually walked the earth. Merely acknowledging Christ’s teaching does not mean preaching Christianity. Preaching Christianity means seeing in Christ the Spirit whom we have just characterized as the Ruler of the Sun, who, at the moment the blood flowed from the wounds on Golgotha, transferred his work to the earth and thereby included the earth in the work of the Sun.

[ 29 ] Deshalb empfanden auch die, die zuerst das Christentum verkündeten, sich am wenigsten gedrängt dazu, bloß die Worte zu verkündigen; sondern sie legten den größten Wert darauf, zu verkündigen die Person des Christus Jesus: «Wir haben Ihn gesehen, als Er mit uns auf dem heiligen Berge war.» Daß er da war, daß sie ihn gesehen haben, darauf legten sie Wert. «Wir haben unsere Hände in Seine Wunden gelegt.» Daß sie ihn berührt haben, darauf legten sie Wert. Von diesem historischen Ereignis aus geht alle zukünftige Menschheitsentwickelung auf unserer Erde. Das hat man damals gefühlt. Deshalb sagten die Jünger: Wir legen großen Wert darauf, daß wir mit Ihm auf dem Berge waren; aber wir fassen es auch als ein Großes auf, daß das Wort der Propheten sich in Ihm erfüllt hat, das aus der Wahrheit und Weisheit selbst stammte! - Und erfüllt hat sich, was die Propheten vorausgewußt haben. Damals meinte man mit den Propheten die Eingeweihten, die den Christus voraussagen konnten, weil sie ihn in den alten heiligen Mysterien gesehen haben um die Weihnachts-Mitternachtsstunde. Als eine Erfüllung dessen, was man immer gewußt hat, stellen die ersten Christus-Jünger das Ereignis von Golgatha hin, und ein großer Umschwung geht in den Gefühlen der Wissenden vor sich.

[ 29 ] That is why even those who first proclaimed Christianity felt least compelled to merely proclaim the words; rather, they placed the greatest emphasis on proclaiming the person of Christ Jesus: “We have seen Him when He was with us on the holy mountain.” That He was there, that they had seen Him—that is what they valued. “We have laid our hands in His wounds.” That they had touched Him—that is what they valued. All future human development on our earth stems from this historical event. That is what was felt at the time. That is why the disciples said: We attach great importance to the fact that we were with Him on the mountain; but we also regard it as a great thing that the word of the prophets has been fulfilled in Him, which came from truth and wisdom itself! - And what the prophets had foreseen has been fulfilled. At that time, the term “prophets” referred to the initiates who could foretell the Christ because they had seen Him in the ancient sacred mysteries around the midnight hour of Christmas. The first disciples of Christ present the event of Golgotha as a fulfillment of what had always been known, and a great upheaval is taking place in the feelings of those who know.

[ 30 ] Wenn wir hinschauen in eine Zeit des Vorchristentums, und immer weiter hinausgehen in diese Zeiten, finden wir immer mehr, wie alle Liebe an die Blutsbande geknüpft ist. Noch in dem jüdischen Volke, aus dem der Christus selbst hervorgegangen ist, sehen wir die Liebe nur in den Blutsverwandtschaften selber. Wir sehen, daß diejenigen sich lieben, in denen gemeinsames Blut fließt, und auch früher war das immer so, daß auf der Naturgrundlage des gemeinsamen Blutes die Liebe beruhte. Die geistige Liebe, die unabhängig ist von Blut und Fleisch, ist erst mit dem Christus auf die Erde eingezogen. Und in der Zukunft wird es davon abhängen, daß der Spruch sich erfülle: «Wer nicht verläßt Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Weib und Kind, der kann nicht mein Jünger sein.» Wer die Liebe abhängig machen wird von der Naturgrundlage, vom Blut, ist nicht in diesem Sinne ein Christ. Die geistige Liebe, die als großes Bruderband die Menschheit durchziehen wird, ist das Ergebnis des Christentums.

[ 30 ] When we look back to a pre-Christian era, and go further and further back into those times, we find more and more how all love is bound to blood ties. Even among the Jewish people, from whom Christ himself emerged, we see love only within the blood kinships themselves. We see that those in whom common blood flows love one another, and in earlier times as well, love was always based on the natural foundation of shared blood. Spiritual love, which is independent of blood and flesh, only entered the world with Christ. And in the future, it will depend on this that the saying be fulfilled: “Whoever does not leave father and mother, brother and sister, wife and child, cannot be my disciple.” Whoever makes love dependent on the natural basis of blood is not a Christian in this sense. Spiritual love, which will permeate humanity as a great bond of brotherhood, is the result of Christianity.

[ 31 ] Dafür lernt der Mensch aber auch die größte Freiheit, die größte innere Geschlossenheit durch das Christentum. Noch der Psalmist sagte: «Ich erinnere mich der alten Tage, und über die Urzeit sinne ich nach.» Das war eine ständige Empfindung der alten Zeiten: hinaufzuschauen zu den Urahnen. Man fühlte, daß das Blut der Urahnen noch in den eigenen Adern rollt, und man fühlte sein Ich verbunden mit dem Ich der Urahnen. Wollte man so recht das fühlen, selbst noch in dem alten jüdischen Volke, so sprach man den Namen Abraham aus; denn man fühlte sich dadrinnen in dem gemeinsamen Blutstrom, der von Abraham herunterrollte. Der Jude sagte, wenn er sein Höchstes aussprechen wollte: Ich bin mit Abraham eins. - Und seine Seele ging - das hat einen sehr tiefen Hintergrund -, nachdem der Leib gestorben war, in den Schoß Abrahams zurück. Da war noch nicht jene Selbständigkeit vorhanden, die durch den Christus Jesus in des Menschen Bewußtsein eingezogen ist. Durch den Christus Jesus zog die bewußte Erkenntnis des «Ich bin» in den Menschen ein.

[ 31 ] In return, however, through Christianity, humanity also learns the greatest freedom and the greatest inner unity. Even the psalmist said: “I remember the days of old, and I meditate on the days of antiquity.” This was a constant sentiment of ancient times: to look up to the ancestors. One felt that the blood of the ancestors still flowed in one’s own veins, and one felt one’s self connected to the self of the ancestors. If one truly wished to feel this, even among the ancient Jewish people, one would utter the name of Abraham; for one felt oneself within the common stream of blood flowing down from Abraham. The Jew would say, when he wished to express his highest self: I am one with Abraham. — And his soul went—this has a very deep background—after the body had died, back into the bosom of Abraham. That independence which entered human consciousness through Christ Jesus was not yet present. Through Christ Jesus, the conscious recognition of the “I am” entered into human beings.

[ 32 ] Eines aber wurde damals noch nicht gefühlt: die volle Göttlichkeit des innersten göttlichen Wesens des Menschen. Das «Ich bin» fühlten sie, aber sie brachten es in Zusammenhang mit den Urahnen; sie fühlten es in dem gemeinsamen Blut, das herunterfloß seit den Zeiten Abrahams. Da kam der Christus Jesus und brachte das Bewußtsein, daß ein viel Älteres in dem Menschen ist, ein viel Selbständigeres - daß das «Ich bin» nicht nur etwas ist, was dasjenige enthält, was in einem Volke als Gemeinsames lebt, sondern was in der einzelnen Person ist, das daher auch die Liebe wiederum suchen muß in der einzelnen Person, aus sich heraus.

[ 32 ] But one thing was not yet felt at that time: the full divinity of the innermost divine being of the human being. They felt the “I Am,” but they associated it with the forefathers; they felt it in the common blood that had flowed down since the time of Abraham. Then came Christ Jesus and brought the awareness that there is something much older within humanity, something much more independent—that the “I Am” is not merely something that encompasses what lives as a common bond within a people, but rather what is within the individual person, and that therefore love must also seek its source within the individual person, from within oneself.

[ 33 ] Das Ich, das in Ihnen heute eingeschlossen ist, abgeschlossen nach außen, sucht die geistige Liebe nach außen. Nicht mit dem Vater, der in Abraham war, fühlt sich dieses Ich eins, sondern mit dem geistigen Vater der Welt: «Ich und der Vater sind eins.» Und ein noch tieferer Ausspruch als dieser - obwohl dies der gewichtigste ist, weil er mehr das Verständnis eröffnet - ist der, daß Christus den Menschen klarmachte, daß das nicht das Tiefste ist, wenn sie sagen: Ich war schon in Abraham. - Er machte ihnen klar, daß das «Ich bin» älteren Datums ist, aus Gott selbst entsprossen: «Vor Abraham war «Ich bin.» So heißt der Ausspruch im Urtext, der gewöhnlich so steht, daß niemand etwas sich dabei denken kann, nicht: Ehe denn Abraham war, bin ich: «Vor Abraham war «Ich bin»», das innerste geistige Wesen, das jeder in sich selber trägt.

[ 33 ] The “I” that is enclosed within you today, closed off from the outside, seeks spiritual love outwardly. This “I” does not feel at one with the Father who was in Abraham, but with the spiritual Father of the world: “I and the Father are one.” And an even deeper statement than this—although this is the most significant, because it opens up greater understanding—is that Christ made it clear to people that this is not the deepest truth when they say: I was already in Abraham. - He made it clear to them that the “I Am” is of an earlier date, sprung from God Himself: “Before Abraham was, ‘I Am.’” That is how the saying reads in the original text, which is usually rendered in such a way that no one can grasp its meaning: not “Before Abraham was, I am,” but “Before Abraham was, ‘I Am’”—the innermost spiritual being that everyone carries within themselves.

[ 34 ] Wer diesen Satz versteht, dringt tief in das Wesen der christlichen Anschauung und des christlichen Lebens ein, und er versteht, warum der Christus auch darauf hinweist: «Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.» Und deshalb sollen wir auch fühlen den richtig gedeuteten Satz des Weihnachts-Antiphons, der uns jederzeit aufs neue sagt in der christlichen Weihenacht das urewige Geheimnis des Außerzeitlichseins des «Ich bin». Nicht wird gesagt in dem Weihnachtsgesange als Erinnerung: Heute gedenken wir, daß Christus geboren wurde -, sondern jedesmal heißt es: «Heute ist uns Christus geboren!» Denn das Ereignis ist ein außerzeitliches; und das, was einstmals in Palästina geschehen ist, geschieht für den, der die Lehre zu Gefühlen und Empfindungen machen kann, in jeder Weiihnachtsnacht immer wieder aufs neue.

[ 34 ] Whoever understands this sentence penetrates deeply into the essence of the Christian worldview and Christian life, and understands why Christ also points to this: “I am with you always, even to the end of the age.” ” And that is why we should also feel the correctly interpreted phrase of the Christmas antiphon, which tells us anew at all times during the Christian Christmas season the eternal mystery of the timelessness of the “I Am.” It is not said in the Christmas hymn as a remembrance: Today we commemorate that Christ was born—but each time it says: “Today Christ is born to us!” For the event is timeless; and what once happened in Palestine happens anew every Christmas night for those who can transform the teaching into feelings and sensations.

[ 35 ] Daß der Mensch wieder lebendig empfinden wird, was mit einem solchen Fest gemeint ist, dazu wird eine spirituelle Weltanschauung den Menschen wieder führen. Nicht eine abstrakte Lehre, eine abstrakte Theorie zu sein ist ihre Mission, sondern den Menschen wieder voll hineinzuführen ins Leben, es ihm erscheinen zu lassen nicht als ein Abstraktes, sondern als erfüllt überall mit Seele. Und Seele fühlen wir, wenn wir hinausgehen in den Steinbruch und den Stein zersplittern sehen, Seele fühlen wir, wenn wir den Vogelzug sehen, wenn wir sehen, wie die Sense über die Felder geht, wenn die Sonne auf- und untergeht; und immer tiefere Seelenhaftigkeit fühlen wir, je tiefere Ereignisse wir betrachten. An den großen Wendepunkten des Jahres fühlen wir die wichtigsten seelischen Geschehnisse, und das, was für uns das Wichtigste ist, sollen wir wieder fühlen lernen an den großen Wendepunkten des Jahres, die in unseren Festen abgesteckt sind.

[ 35 ] A spiritual worldview will lead humanity back to a living sense of what such a festival signifies. Its mission is not to be an abstract teaching or an abstract theory, but to lead people fully back into life, to make it appear to them not as something abstract, but as something filled everywhere with soul. And we feel the soul when we go out to the quarry and see the stone being split; we feel the soul when we see the birds migrating, when we see the scythe moving across the fields, when the sun rises and sets; and we feel an ever deeper sense of the soul the more profound the events we contemplate. At the great turning points of the year we feel the most significant spiritual events, and we must learn to feel once more what is most important to us at the great turning points of the year, which are marked by our festivals.

[ 36 ] So werden unsere Feste wieder etwas werden, was wie ein lebendiger Hauch die Menschenseelen durchzieht, und der Mensch wird sich wieder einleben in solchen Festesaugenblicken in das ganze Wirken und Weben der vollen geistigen und seelischen Natur. Der Anthroposoph soll zunächst vorfühlen als ein Pionier, was die Feste werden können, wenn die Menschheit wiederum den Geist begreifen wird, erleben wird, was es heißt, den Geist in den Festen wiederum zu begreifen. Es wird gehören zu den Kräften, die den Menschen wiederum herausführen in die Welt, wenn wir schon heute an solchen Festestagen etwas fühlen und empfinden von dem Fühlen und Empfinden der Natur, und uns in diesen wichtigen Augenblicken erinnern, was die Geist-Erkenntnis in dieser Lebenslehre den Menschen wieder bringt. Dann wird Geisteswissenschaft lebendige Tatsache der Seele, wird Vitaesophia sein. Und sie kann es am besten sein in den Zeiten, wo sich die Weltenseele ganz besonders zu uns herunterneigt und sich ganz besonders intim mit uns verbindet.

[ 36 ] In this way, our festivals will once again become something that permeates human souls like a living breath, and in such festive moments, human beings will once again become attuned to the entire working and weaving of the full spiritual and soul nature. The anthroposophist should first sense, as a pioneer, what the festivals can become when humanity once again grasps the spirit, experiences what it means to grasp the spirit in the festivals once more. It will be among the forces that lead humanity back out into the world if, even today, on such festival days, we feel and sense something of nature’s own feeling and sensing, and in these important moments remember what spiritual knowledge in this philosophy of life brings back to humanity. Then spiritual science will become a living reality of the soul; it will be Vitaesophia. And it can be this most fully in the times when the world soul bends down to us in a very special way and connects with us in a very intimate manner.