The Influence of
Spiritual Beings upon Man
GA 102
11 June 1908, Berlin
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The Influence of Spiritual Beings Upon Man, tr. Unknown
Dreizehnter Vortrag
Lecture Eleven
[ 1 ] Wir haben in den letzten Betrachtungen unserer Zweigabende verschiedene Gesichtspunkte angeführt, welche uns alle darauf hinweisen, wie das geheimnisvolle Zusammenwirken ist zwischen dem Menschen und geistigen Welten, geistigen Wesenheiten, die eigentlich fortwährend um uns herum sind, und nicht nur um uns herum sind, sondern fortwährend in einer gewissen Beziehung auch durch uns hindurchgehen, mit denen wir fortwährend leben. Wir müssen uns aber nicht vorstellen, daß nur in jener, man möchte sagen, gröberen Beziehung, die wir in den letzten Betrachtungen erwähnten, sich ein Verhältnis entwickelt zwischen dem Menschen und geistigen Wesenheiten seiner Umwelt; sondern auch durch die mannigfaltigen, mehr dem menschlichen Gedankenkreis obliegenden Verrichtungen und Taten der Menschen, bildet sich eine Beziehung heraus zwischen dem Menschen und der geistigen Welt.
[ 1 ] In our last study evenings various aspects were brought forward which all pointed to the hidden co-operation between man and the spiritual worlds. Spiritual beings are actually around us continually, and not only around us but, in a certain respect, continually passing through us; we live with them all the time. We must not suppose, however, that a relation is established between man and the spiritual beings of his environment, merely in the somewhat cruder respect which we considered in our last studies. A relation is also formed between man and the spiritual world through his many varied interests of thought and deeds.
[ 2 ] Wir haben in den beiden vorangegangenen Betrachtungen auf in einer gewissen Beziehung untergeordnetere geistige Wesenheiten hinweisen müssen. Aber wir wissen aus früheren Vorträgen, daß wir es auch mit geistigen Wesenheiten zu tun haben, die über den Menschen stehen, und daß auch Beziehungen und Verhältnisse existieren zwischen dem Menschen und erhabeneren geistigen Wesenheiten. Wir haben erwähnt, daß es erhabene geistige Wesenheiten gibt, die nicht so wie der Mensch bestehen aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und so weiter aufwärts, sondern die als unterstes Glied den Ätherleib haben, die uns also sozusagen umwohnen. Für den gewöhnlichen Blick sind sie nicht sichtbar, weil ihre Körperlichkeit eine feine ätherische ist, so daß der menschliche Blick durch sie hindurchschaut. Und dann kommen wir zu noch höheren geistigen Wesenheiten, deren unterstes Glied der astralische Leib ist, die also eine noch weniger dichte Körperlichkeit dem Menschen darbieten.
[ 2 ] In our last two studies we have had to indicate spiritual beings of a somewhat subordinate character. But from earlier lectures we know that we also have to do with spiritual beings who stand above man and that connections and relationships likewise exist between man and more sublime spiritual beings. We have said that there are lofty spiritual beings living around us who do not consist of physical body, etheric body, astral body, and so on, upwards, as man, but who have an etheric body as their lowest member. They are invisible to ordinary sight since their bodily nature is a fine etheric one and man's gaze looks through it. And then we come to still higher spiritual beings whose lowest member is the astral body, presenting an even less dense bodily nature.
[ 3 ] Alle diese Wesenheiten stehen aber doch in einer gewissen Beziehung zum Menschen, und was uns heute die Hauptsache ist: der Mensch kann durchaus etwas tun, um in seinem Leben hier auf dem irdischen Schauplatz in ganz bestimmte Beziehungen zu solchen Wesenheiten zu kommen. Je nachdem die Menschen hier auf der Erde dieses oder jenes tun für ihre Lebensverhältnisse, je nachdem stellen sie immer Beziehungen zu höheren Welten her, so wenig wahrscheinlich das auch ist für einen Menschen der heutigen, wie man sagt, aufgeklärten Zeit, die gar nicht aufgeklärt ist in bezug auf viele tiefe Wahrheiten des Lebens.
[ 3 ] All these beings stand in a certain relation to man, and the main point for us today is this: Man can positively so act as to come into quite definite relations to such beings here in his life on earth. According as men here on the earth do this or that in their situation in life, so do they establish all the time relationship with the higher worlds, however improbable that may seem to the man of the present enlightened age—as one says—which is not in the least enlightened in regard to many deep truths of life.
[ 4 ] Nehmen wir zunächst Wesenheiten, die als unterste Leiblichkeit einen ätherischen Leib haben, mit diesem feinen Ätherleib um uns herum wohnen, uns umgeben, ihre Wirkungen und Offenbarungen zu uns heruntersenden. Stellen wir solche Wesenheiten im Geiste vor unsere Seele hin und fragen wir uns: Kann der Mensch etwas tun hier auf diesem Erdenrund, oder besser: Taten die Menschen von jeher etwas, damit diese Wesenheiten eine Verbindung, eine Brücke haben, durch die sie zu intensiveren Wirkungen auf den ganzen Menschen kommen? - Ja, von jeher taten die Menschen etwas dazu! Wir müssen uns vertiefen in manche Empfindungen und Vorstellungen, die wir in den letzten Stunden aufnehmen konnten, wenn wir uns von dieser Brücke einen deutlichen Gedanken machen wollen.
[ 4 ] Let us take in the first place beings who have as their lowest bodily nature an etheric body, who live around us in this fine etheric body, and send down to us their forces and manifestations. Let us set such beings mentally before us and ask ourselves: Can man do something on this earthly planet—or better—have men from time immemorial done something so as to give these beings a link, a bridge, through which they come to a more intensive influence upon the whole human being? Yes, from time immemorial men have done something towards it! We must go deeper into many feelings and ideas that we touched on in the last lectures if we would form a clear thought about this bridge.
[ 5 ] Wir stellen uns also vor, diese Wesenheiten leben sozusagen aus den geistigen Welten heraus und strecken von dort gleichsam ihre Ätherleiber hervor. Sie brauchen keinen physischen Leib, wie der Mensch ihn hat. Aber es gibt eine physische Leiblichkeit, durch die sie ihren Ätherleib sozusagen in Verbindung setzen können mit unserer irdischen Sphäre, eine irdische Leiblichkeit, die wir sozusagen hinstellen können auf unserer Erde, und die ein Anziehungsband bildet, so daß diese Wesenheiten mit ihren Ätherleibern herabkommen zu dieser irdischen Leiblichkeit und in derselben Gelegenheit nehmen, sich unter den Menschen aufzuhalten. Solche Gelegenheiten für geistige Wesenheiten, um sich unter den Menschen aufzuhalten, sind zum Beispiel die Tempel der griechischen Baukunst, sind die gotischen Dome. Wenn wir jene Formen physischer Wirklichkeit mit ihren Linien- und Kräfteverhältnissen, wie sie ein Tempel hat, auch wie sie ein plastisches Kunstwerk der Bildhauerkunst hat, in unsere irdische Sphäre hineinstellen, dann bilden sie eine Gelegenheit, daß nach diesen Kräfteverhältnissen sich die ätherischen Leiber dieser Wesenheiten nach allen Seiten anschmiegen und einschmiegen können in diese von uns aufgerichteten Kunstwerke. Und Kunst ist ein wahres und wirkliches Verbindungsglied zwischen dem Menschen und geistigen Welten. Bis herauf zu jenen Kunstformen, die sich räumlich ausgestalten, haben wir auf der Erde physische Leiblichkeiten, zu denen sich Wesenheiten mit ätherischen Körpern herabsenken.
[ 5 ] We picture then that these beings live, so to speak, out of the spiritual worlds and extend their etheric body forward from there; they need no physical body like man. But there is a physical bodily element through which they can bring their etheric body into connection with our earthly sphere—an earthly bodily element which we can set up and which forms a bond of attraction for these beings to descend with their etheric bodies and find an opportunity to dwell among men. Such opportunities for spiritual beings to dwell among men are given, for instance, by the temple of Greek architecture, the Gothic cathedral. When we set up in our earthly sphere those forms of physical reality with the relationship of lines and forces possessed by a temple or a plastic work of sculpture, then these form an opportunity for the etheric bodies of these beings to press on all sides into these works of art which we have set up. Art is a true and actual uniting link between man and the spiritual worlds. In those forms of art expressed in space we have on earth physical bodily conditions into which beings with etheric bodies sink down.
[ 6 ] Wesenheiten, welche als ihre niederste Leiblichkeit den astralischen Leib haben, brauchen aber etwas anderes hier auf der Erde als Band zwischen der geistigen Welt und unserer Erde, und das sind die musikalischen, die phonetischen Künste. Ein Raum, der durchströmt wird von den Tönen der Musik, ist eine Gelegenheit, daß der leicht bewegliche, in sich bestimmte astralische Leib höherer Wesenheiten in diesem Raum sich auslebt. Da bekommen die Künste und das, was sie für den Menschen sind, eine sehr reale Bedeutung. Sie bilden die magnetischen Anziehungskräfte für die geistigen Wesenheiten, die nach ihrer Mission, nach ihrer Aufgabe mit dem Menschen etwas zu tun haben sollen und wollen. Da vertiefen sich unsere Gefühle gegenüber menschlichem Kunstschaffen und menschlichem Kunstempfinden, wenn wir die Dinge in dieser Weise anschauen. Und noch mehr kann sich unser Gefühl vertiefen, wenn wir die menschliche Quelle des künstlerischen Schaffens und damit auch des künstlerischen Genießens vom Standpunkte der Geisteswissenschaft in uns aufnehmen. Wenn wir das wollen, müssen wir einmal in einer etwas ausführlicheren Weise die verschiedenen Bewußtseinsformen des Menschen betrachten.
[ 6 ] Beings which have the astral body as their lowest member need, however, something different here on earth as the bond between the spiritual world and our earth, and that is the art of music, the phonetic art. A space through which streams musical tones is an opportunity for the freely-changing, self-determined astral body of higher beings to manifest in it. The Arts and what they are for man thus acquire a very real significance. They form the magnetic forces of attraction for the spiritual beings whose mission it is to have a connection with man, and who wish to have it. Our feelings are deepened towards human artistic creation and acquire an appreciation of art when we look at things in this way. Yet they can be deepened still more if we realize from spiritual science the true source of man's artistic creation and artistic appreciation. To come to this realization we must consider in somewhat more detail the different forms of man's consciousness.
[ 7 ] Wir haben ja zu verschiedenen Zwecken darauf aufmerksam gemacht, daß wir in dem tagwachenden Menschen vor uns haben den physischen Leib, den Ätherleib, den astralischen Leib und das Ich, daß wir in dem schlafenden Menschen vor uns haben im Bette liegend den physischen Leib und den Ätherleib, und außerhalb des physischen Leibes und des Ätherleibes das Ich und den astralischen Leib. Es ist gut, wenn wir diese zwei, für jeden Menschen innerhalb vierundzwanzig Stunden wechselnden Bewußtseinszustände zu unserem heutigen Zwecke ausführlicher betrachten. Wir haben zunächst am Menschen den physischen Leib, dann den Äther- oder Lebensleib, dann dasjenige, was wir den astralischen Leib im gröberen Sinne des Wortes nennen, den Seelenleib, der zu dem astralischen Leib gehört, aber verbunden ist mit dem Ätherleib. Das ist das Glied des Menschen, das auch das Tier hier in dem physischen Leben unten auf dem physischen Plan hat. Dann aber wissen wir, daß mit diesen drei Gliedern der menschlichen Wesenheit verbunden ist - Sie können das in meiner «Theosophie» nachlesen - dasjenige, was man sonst zusammenfaßt unter dem «Ich», das eigentlich ein dreigliedriges Wesen ist: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele, und wir wissen, daß dann wiederum die Bewußtseinsseele verknüpft ist mit dem, was wir das Geistselbst oder Manas nennen. Legen wir uns diese ausführlichere Gliederung des Menschen vor, dann können wir sagen:
[ 7 ] On various occasions, as you know, we have pointed out that in the waking man the physical body, etheric body, astral body and ego are all before us, while in the sleeping man the physical and etheric bodies lie on the bed, the ego and astral body are outside them. For our present purpose it will be well to observe in more detail these two states of consciousness which alternate for everyone within twenty-four hours. In the first place man has the physical body, then the etheric or life body, then what we call roughly the astral body, the soul body, which belongs to the astral body but is united with the etheric body. That is the member which is possessed too by the animal here below on the physical plane. But then we know—and you can read it in my Theosophy—that united with these three members is what one generally comprises under “I.” The “I” is actually a threefold being: sentient soul, intellectual or mind soul, consciousness soul, and we know that the consciousness soul is again connected with what we call spirit-self or Manas. If we place this more particularized membering of the human being before us then we can say:
[ 8 ] Was wir Empfindungsseele nennen und was durchaus sonst dem astralischen Leibe zugehört und auch astralischer Natur ist, das löst sich heraus, wenn der Mensch abends einschläft; aber ein Teil des Seelenleibes bleibt dennoch mit dem Ätherleibe, der im Bette bleibt, verbunden. Im wesentlichen löst sich beim Menschen Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele heraus. Beim tagwachenden Menschen ist das alles miteinander verbunden, und dadurch wirkt das dann auch alles immer im Menschen. Also dasjenige, was im physischen Leibe vorgeht, wirkt auf die ganze Innerlichkeit, auf Empfindungsseele, Verstandesseele und auch auf die Bewußtseinsseele. Was in dem gewöhnlichen, eigentlich recht ungeordneten und chaotischen Leben auf den Menschen wirkt, die ungeordneten Eindrücke, die er vom Morgen bis zum Abend aufnimmt — denken Sie nur einmal daran, was Sie für Eindrücke aufnehmen, wenn Sie durch das Gerassel und Gepolter einer Großstadt gehen —, das alles sind Eindrücke, die sich fortsetzen in alle die Glieder, die bei dem tagwachenden Bewußtsein mit physischem Leib und .Ätherleib verbunden sind. In der Nacht ist die Innerlichkeit - Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele — in der astralischen Welt, holt sich von dort die Kräfte, die Harmonien, die während des tagwachenden Lebens für sie durch die chaotischen Eindrücke des Tages verlorengehen. Da ist das, was man im umfassenderen Sinne des Menschen Ich-Seele nennt, in einer geordneteren, geistigeren Welt als während des Tagwachens. Am Morgen taucht diese Seeleninnerlichkeit heraus aus dieser Geistigkeit und taucht unter in die dreifache Leiblichkeit physischer Leib, Ätherleib und den Teil des astralischen Leibes, der eigentlich mit dem Ätherleib verbunden ist und auch in der Nacht mit dem Ätherleib verbunden bleibt.
[ 8 ] What we call the sentient soul—which moreover belongs to the astral body and is of astral nature—detaches itself when man goes to sleep, but a part of the soul body remains in connection with the etheric body that lies on the bed. What is essentially withdrawn is sentient soul, intellectual or mind soul, and consciousness soul; with the waking man all this is bound together and active in him all the time. Thus whatever goes on in the physical body works on the whole inner nature, on sentient soul, intellectual soul, and also on the consciousness soul. All that works upon man in ordinary life with its disorder and chaos, the disordered impressions which he receives from morning to evening—only think of the impressions from the din and rattle of a great city—these are all continued into the members which in waking consciousness are united with the physical and etheric bodies. In the night man's inner being—sentient soul, intellectual soul, consciousness soul—is in the astral world and from there draws for itself the forces and harmonies which have been lost for it through the chaotic impressions of the day. What in a comprehensive sense we call man's ego-soul is thus in a more ordered, more spiritual world than during the day. In the morning the inner soul nature emerges from this spirituality and enters the three-fold bodily nature of physical body, etheric body and that part of the astral body which is united with the etheric body, even during the night.
[ 9 ] Wenn nun der Mensch nie schlafen würde, das heißt, sich niemals neue stärkende Kräfte aus der geistigen Welt holen würde, dann würde zuletzt alles, was in seinem physischen Leib lebt und seinen physischen Leib an Kräften durchdringt, immer mehr und mehr in Verfall kommen, immer mehr untergraben werden. Dadurch aber, daß jeden Morgen eine starke Innerlichkeit untertaucht in die Kräfte des physischen Leibes, kommt immer neue Ordnung, man möchte sagen, eine Wiedergeburt der Kräfte in diesen physischen Leib hinein. Es bringt sich daher die menschliche Seelenhaftigkeit für jedes der Leibesglieder etwas mit aus der geistigen Welt, etwas, was wirkt, wenn die Seeleninnerlichkeit, die in der Nacht draußen ist, und das äußere physische Werkzeug zusammen sind.
[ 9 ] Now if man were never to sleep, that is, were never to draw fresh strengthening forces out of the spiritual world, then everything living in his physical body and permeating it with forces would become increasingly undermined. Since, however, a strong inner nature submerges every morning into the forces of the physical body, new order enters, one might say there is a rebirth of the forces. Thus man's soul element brings with it from the spiritual world something for each of the body's members, something which works when the inner soul nature and the outer physical instrument are together.
[ 10 ] Was nun in dem Wechselwirken zwischen der Seeleninnerlichkeit und dem eigentlichen physischen Werkzeug geschieht, das kann, wenn der Mensch empfänglich ist für die Aufnahme der Harmonien in der geistigen Welt, in der Nacht den physischen Leib in seinen Kräften nicht in seinen Stoffen — durchdringen mit den Kräften, die man nennen möchte die Raumeskräfte. Weil der Mensch in unserer gegenwärtigen Kultur so sehr der geistigen Welt entfremdet ist, kommen gerade diese Raumeskräfte bei ihm wenig zur Geltung. Da, wo die Seeleninnerlichkeit zusammenstößt mit dem dichtesten Glied des Menschenleibes, müssen die Kräfte schon sehr stark sein, die mitgebracht werden, wenn sie sich ausleben sollen in dem robusten physischen Leib. In zarter empfindenden Kulturepochen brachten sich die Seeleninnerlichkeiten die Seelenimpulse mit und durchdrangen leichter diesen physischen Leib, und da empfanden die Menschen dann, daß durch den physischen Raum nach allen Seiten immer Kräfte gehen, daß dieser physische Raum durchaus nicht eine gleichgültige leere Räumlichkeit, sondern nach allen Richtungen von Kräften durchzogen ist. Es gibt ein Gefühl für diese Kraftverteilung im Raume; das wird durch die Verhältnisse bewirkt, die eben jetzt geschildert worden sind. Sie müssen sich das durch ein Beispiel vergegenwärtigen.
[ 10 ] Now what takes place in the interaction of the soul inwardness and the actual physical instrument is able—if man is sensitive in the night for the reception of the harmonies in the spiritual world—to permeate the forces—not the substances—of the physical body, with what one might call the “forces of space.” Since in our present civilization man is so much estranged from the spiritual world, these “space-forces” have little effect upon him. Where the inner being of the soul clashes with the densest member of the human body, the forces have to be very strong if they are to manifest in the robust physical body. In older culture-epochs the soul brought back impulses with it that permeated the physical body and men therefore perceived that forces were always going through physical space, that it was by no means an indifferent empty space but interwoven by forces in every direction. There was a feeling for this distribution of forces in space which was caused through the relationships that have been described. You can realize this through an example.
[ 11 ] Denken Sie sich einen der Maler, die noch großen Kunstzeiten angehörten, wo man noch so recht ein Gefühl für die im Raum wirkenden Kräfte hatte. Bei einem solchen Maler könnten Sie sehen, wie er eine Gruppe von drei Engeln im Raume malt. Sie stehen vor dem Bilde und haben unmittelbar die Empfindung: Diese drei Engel können nicht herunterfallen; es ist selbstverständlich, daß sie schweben, denn sie halten sich gegenseitig durch die wirkenden Raumeskräfte, wie die Weltenkugeln sich halten durch die Kräfte des Raumes. Diejenigen Menschen, die durch jene Wechselwirkung zwischen der Seeleninnerlichkeit und dem physischen Leib diese innere Dynamik sich aneignen, für die ist das Gefühl vorhanden: Das muß so sein; die drei Engel halten sich im Raum. - Sie werden das namentlich bei manchen älteren Malern finden, weniger wohl bei den neueren. Man mag Böcklin noch so sehr schätzen; aber diejenige Gestalt, die über der «Pietä» schwebt, ruft bei jedem Menschen das Gefühl hervor, daß sie jeden Augenblick herunterplumpsen müsse; die hält sich nicht im Raum.
[ 11 ] Think of one of the painters belonging to the great times of art when there was still a strong feeling for the forces working in space. You could see in the work of such a painter how he paints a group of three angels in space. You stand before the picture and have a definite feeling: These angels cannot fall, it is obvious that they are hovering, they support each other mutually through the active forces of space. People who make this inner dynamic their own through that interaction of the inner soul and the physical body have the feeling: That must be so, the three angels maintain themselves in space. You will find this in the case of many of the older painters, less so in more recent ones. However greatly one may esteem Bocklin, the figure which hovers above his “Pieta” produces in everyone the feeling that at any moment it must tumble down, it does not support itself in space.
[ 12 ] Alle diese im Raum hin- und hergehenden Kräfte, die ein Mensch so recht im Raume fühlt, sind Realitäten, Wirklichkeiten, und aus diesern Raumgefühl geht hervor alle Baukunst. Echte, wahre Baukunst entspringt aus nichts anderem, als daß man in die Linien, die schon im Raume da sein müssen, die Steine oder Ziegel hineinlegt, wobei man gar nichts tut, als nur dasjenige sichtbar zu machen, was im Raume ideell, geistig verteilt schon vorhanden ist, indem man da die Materie hineinstopft. Am reinsten hat dieses Raumgefühl der griechische Baukünstler gehabt, der in seinem Tempel in allen seinen Formen zur Darstellung brachte, was im Raume lebt, was man im Raume fühlen kann. Das einfache Verhältnis: daß die Säule trägt - und sie trägt entweder die horizontalen oder die schräggestellten Linienkörper -, ist eine Wiedergabe innerhalb des Raums befindlicher geistiger Kräfte. Und der ganze griechische 'Tempel ist nichts anderes als eine Ausfüllung dessen, was innerhalb des Raumes lebt, mit Materie. Daher ist der griechische ’Tempel der reinste architektonische Gedanke, kristallisierter Raum. Und so sonderbar das dem modernen Menschen erscheinen mag: der griechische Tempel ist, weil er eine aus Gedanken zusammengefügte physische Leiblichkeit ist, die Gelegenheit, daß diejenigen Gestalten, welche die Griechen als ihre Göttergestalten gekannt haben, mit ihren Ätherleibern die ihnen vertrauten Raumlinien wahrhaftigberühren und darin wohnen konnten. Es ist mehr als eine bloße Phrase, wenn gesagt wird, daß der griechische Tempel ein Wohnhaus des Gottes ist. Der griechische Tempel hat ein Eigentümliches für den, der ein wirkliches Gefühl für solche Sachen hat, er hat das Eigentümliche, daß man sich vorstellen kann: Weit und breit wäre kein Mensch, der ihn besähe, und darinnen wäre auch niemand. Der griechische Tempel braucht keinen Menschen, der ihn anschaut, niemanden, der hineingeht. Denken Sie sich den griechischen Tempel, der allein dasteht, und weit und breit ist kein Mensch. Dann ist er, was er am intensivsten sein soll. Dann ist er die Herberge des Gottes, der darin wohnen soll, weil in den Formen der Gott wohnen kann. Nur so versteht man wirklich die griechische Baukunst, die reinste Baukunst der Welt.
[ 12 ] All these forces going to and fro in space which are to be felt so strongly are realities, actualities—and all architecture proceeds out of this space-feeling. The origin of genuine architecture is solely the laying of stone or brick in the lines there already in space—one does nothing at all but make visible what is already present in space ideally, spiritually laid out; one fills in material. In the purest degree this feeling of space was possessed by the Greek architect who brought to manifestation in all the forms of his temple what lives in space, what one can feel there. The simple relation, that the column supports either the horizontal or the sloping masses—embodied lines, as it were—is purely a reproduction of spiritual forces to be found in space, and the whole Grecian temple is nothing else than a filling-out with material of what is living in space. The Greek temple is therefore the purest architectural thought, crystallized space. And however strange it may seem to the modern man, because the Greek temple is a physical corporeality put together out of thoughts, it is the opportunity for those figures whom the Greeks have known as the figures of their Gods to come with their etheric bodies into real contact with the spatial lines familiar to them and be able to dwell within them. It is more than a mere phrase to say that the Grecian temple is a dwelling-place of the God. To someone having a real feeling in such matters the Greek temple has a quality that makes one picture that far and wide no human being existed, nor was there anyone inside it. The Greek temple needs no-one to observe it, no-one to enter it. Think to yourself of the Greek temple standing alone and far and wide there is no-one. It is then as it should be at its most intensive. Then it is the shelter of the God who is to dwell in it, because the God can dwell in the forms. Only thus does one really understand Greek architecture, the purest architecture in the world.
[ 13 ] Die ägyptische Baukunst etwa in der Pyramide ist etwas ganz anderes. Wir können jetzt diese Dinge nur berühren. Da sind die Raumverhältnisse, die Raumlinien so angeordnet, daß sie in ihren Verhältnissen und Formen der zu den geistigen Welten aufschwebenden Seele die Wege weisen. Aus den Wegen, welche die Seele nimmt aus der physischen Welt in die geistige Welt hinein, haben wir die Formen gegeben, die sich in der ägyptischen Pyramide ausdrücken. Und so haben wir in jeder Art von Architektonik den nur aus der Geistigkeit heraus begreiflichen Gedanken.
[ 13 ] Egyptian architecture—let us say, in the Pyramids—is something quite different. We can only touch on these things now. There the spatial relations, the space-lines, are so arranged that in their forms they point the paths to the soul to float up to the spiritual worlds. We are given the forms that are expressed in the Egyptian Pyramids from the paths taken by the soul from the physical world into the spiritual world. And in every kind of architecture we have thoughts that are only to be understood by spiritual cognition.
[ 14 ] In der romanischen Baukunst, welche den Rundbogen hat, welche zum Beispiel Kirchengebäude so angeordnet hat, daß wir Hauptschiff und Nebenschiffe, dann aber auch ein Querschiff und eine Apsis haben, so daß das Ganze Kreuzform hat und oben den Kuppelabschluß, da haben wir den Raumgedanken herausgewachsen aus der Grabstätte. Den romanischen Bau können Sie sich nicht ebenso denken wie den griechischen Tempelbau. Der griechische Tempel ist das Wohnhaus des Gottes. Der romanische Bau ist nicht anders zu denken, als daß er eine Begräbnisstätte darstellt. Die Krypta gehört dazu; nicht etwa, daß Menschen im unmittelbaren Leben nicht auch darin stehen; aber es gehört dazu, daß es eine Stätte ist, die alle Gefühle zusammenzieht, die sich auf Bewahrung und Behütung der Toten beziehen.
[ 14 ] In the Romanesque architecture with its rounded arches, which has formed churches with central and side naves, with transept and apse, so that the whole is a Cross and closed above by the cupola, we have the spatial thoughts derived from the tomb. You cannot think of the Romanesque building as you think of the temple. The Greek temple is the abode of the God. The Romanesque building can only be thought of as representing a burial place. The crypt requires men in the midst of life to stand within it, yet it is a place that draws together all feelings relating to the preservation and sheltering of the dead.
[ 15 ] Im gotischen Bau haben Sie wieder etwas anderes. So wahr es ist, daß der griechische Tempel weit und breit ohne Menschenseele gedacht werden kann: er ist doch bevölkert, weil er das Wohnhaus des Gottes ist, so wahr ist der gotische Dom, der mit den Spitzbögen oben abschließt, nicht zu denken ohne die gläubige Menge, die darinnen ist. Er ist nichts Vollständiges. Wenn er einsam dasteht, ist er nicht das Ganze. Die Menschen darinnen gehören dazu mit ihren gefalteten Händen, ebenso gefaltet wie die Spitzbögen. Erst dann ist das Ganze da, wenn die Räume erfüllt sind von den Gefühlen der andächtigen Gläubigen. Das sind die in uns wirksam werdenden Kräfte, die im physischen Leibe empfunden werden als ein Sich-Hineinfühlen in den Raum. Der wahre Künstler fühlt so den Raum und gestaltet ihn architektonisch.
[ 15 ] In the Gothic building you have again a difference. Just as it is true that the Grecian temple can be thought of with no human soul anywhere near—though it is inhabited, being the abode of the God—so is it true that the Gothic cathedral closed above by its pointed arches is not to be imagined without the congregation of the faithful within. It is not complete in itself. If it stands solitary, it is not the whole. The people within belong to it with their folded hands, folded just as the pointed arches. The whole is only there where the space is filled by the feelings of the pious faithful. These are the forces becoming active in us and felt in the physical body as a feeling of oneself-in-space. The true artist feels space thus and molds it architecturally.
[ 16 ] Wenn wir jetzt heraufgehen zum Ätherleib, haben wir wiederum das, was sich die Seeleninnerlichkeit des Nachts in der geistigen Welt aneignet und sich mitbringt, wenn sie in den Ätherleib wieder hineinschlüpft. Was wir auf diese Weise als ein im Ätherleib sich Ausdrückendes haben, das empfindet der wirkliche Plastiker, der wirkliche Bildhauer, und er prägt es den lebendigen Gestalten ein. Da ist es nicht der Raumgedanke, sondern die Tendenz, mehr an der lebenden Form zu zeigen und auszugestalten, als was sich ihm in der Natur dargeboten hat. Was der griechische Künstler darin mehr gewußt hat, zum Beispiel bei dem Zeus, das ist das, was er sich mitgebracht hat aus der geistigen Welt, was sich belebt und empfunden wird, wenn es in Wechselbeziehung tritt zu dem Ätherleib,
[ 16 ] If we now pass upwards to the etheric body, we again have what the inmost soul assimilates at night in the spiritual world and brings with it when it slips again into the etheric body. What is thus expressed in the etheric body is perceived by the true sculptor and he impresses it into the living figure. That is not the space-thought but rather the tendency to show by the living form what nature has offered him. The greater understanding possessed by the Greek artist, in his Zeus, for example, has been brought with him out of the spiritual world and made alive to him when it comes in contact with the etheric body.
[ 17 ] Weiter geschieht eine solche Wechselwirkung mit dem, was wir Seelenleib nennen. Wenn die Seeleninnerlichkeit zusammenkommt mit dem Seelenleib, entsteht auf dieselbe Art das Gefühl für die Führung der Linie, für die ersten Elemente der Malerei. Und dadurch, daß am Morgen die Empfindungssedle sich vereinigt mit dem Seelenleib und ihn durchdringt, entsteht das Gefühl für Farbenharmonik. So haben wir zunächst die drei Kunstformen, die mit den äußeren Mitteln arbeiten, die ihr Material aus der Außenwelt nehmen.
[ 17 ] Further, a similar interaction takes place with what we call the soul body. When the inner soul nature meets with the soul body there arises in the same way the feeling for the first elements of painting, as the feeling for the guidance of the line. And through the fact that in the morning the sentient soul unites with the soul body and permeates it, there arises the feeling for the harmony of color. Thus to begin with we have the three forms of art which work with external means, taking their material from the outer world.
[ 18 ] Dadurch nun, daß die Verstandes- oder Gemütsseele jede Nacht in die astralische Welt entflieht, geht wieder etwas anderes hervor. Wenn wir im Sinne der Geisteswissenschaft den Ausdruck «Verstandesseele» gebrauchen, müssen wir nicht an den trockenen, nüchternen Verstand denken, an den man denkt, wenn man im gewöhnlichen Leben von Verstand spricht. «Verstand» ist für die Geisteswissenschaft der Sinn für Harmonie, die nicht im äußeren Stoffe verkörpert werden kann, der Sinn für erlebte innere Harmonie. Deshalb sagen wir auch Verstandes- oder Gemütsseele. Wenn nun jede Nacht die Verstandes- oder Gemütsseele eintaucht in die Harmonien der astralischen Welt und sich morgens derselben im astralischen Leibe wieder bewußt wird - in demselben astralischen Leibe, der ja zurückkehrt, der aber in der Nacht sich seiner Innerlichkeit nicht bewußt ist beim heutigen Menschen -, da geschieht folgendes: In der Nacht lebt die Verstandes- oder Gemütsseele in dem, was wir immer die Sphärenharmonien genannt haben, die innere Gesetzmäßigkeit der geistigen Welt, jene Sphärenharmonien, auf welche die alte pythagoreische Schule hingedeutet hat als auf das, was derjenige, der bis in die geistigen Welten hinein wahrnehmen kann, als die Verhältnisse der großen geistigen Welt vernimmt. Auch Goethe deutete darauf hin, wenn er am Anfange seines «Faust» uns in den Himmel versetzt und das dadurch charakterisiert, daß er sagt:
[ 18 ] Now since the intellectual or mind soul takes flight into the astral world every night, something else again comes about. When we use the expression “intellectual soul” in the sense of spiritual science, we must not think of the dry commonplace intellect of which we speak in ordinary life. For spiritual science “intellect” is the sense for harmony which cannot be embodied in external matter, the sense for harmony experienced inwardly. That is why we say “intellectual or mind soul.” Now when this intellectual or mind soul dips every night into the harmonies of the astral world and becomes conscious of them in the astral body—though this same astral body in modern man has no consciousness of its inner nature—then the following occurs. In the night the soul has lived in what has always been called the “Harmony of the Spheres,” the inner laws of the spiritual world, those Sphere Harmonies to which the ancient Pythagorean School pointed and which one who can perceive in the spiritual world understands as the relationships of the great spiritual universe. Goethe too pointed to this when he lets Faust at the beginning of the poem be transported into heaven, and says:
Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wertgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
“The sun, with many a sister-sphere,
Still sings the rival psalm of wonder,
And still his fore-ordained career
Accomplishes, with tread of thunder.”
[ 19 ] Und er bleibt im Bilde, wenn er im zweiten Teil, wo Faust wieder hinaufgehoben wird in die geistige Welt, die Worte gebraucht:
[ 19 ] And he remains in imagery when in Part II, where Faust is again lifted into the spiritual world, he uses the words:
Tönend wird für Geistesohren
Schon der neue Tag geboren.
Felsentore knarren rasselnd,
Phöbus’ Räder rollen prasselnd.
Welch Getöse bringt das Licht!
Es trommetet, es posaunet,
Auge blinzt und Ohr erstaunet,
Unerhörtes hört sich nicht.
“And, to spirit ears loud ringing,
Now the new-born day is springing.
Rocky portals clang asunder,
Phoebus' wheels roll forth in thunder.
What a tumult brings the light!
Loud the trump of dawn hath sounded,
Eye is dazzled, ear astounded,
The Unheard no ear may smite.”1Latham's translation
[ 20 ] Das heißt, die Seele lebt während der Nacht in diesen Sphärenklängen, und diese Sphärenklänge entzünden sich, indem der astralische Leib sich seiner selbst bewußt wird. In dem schaffenden Musiker haben wir keinen anderen Prozeß, als daß die Wahrnehmungen des nächtlichen Bewußtseins während des Tagesbewußtseins sich durchringen, Erinnerung werden, Erinnerungen an die astralischen Erlebnisse oder im besonderen der Verstandes- oder Gemütsseele. Alles, was die Menschheit als musikalische Kunst kennt, sind Ausdrücke, Abprägungen dessen, was unbewußt erlebt wird in den Sphärenharmonien, und musikalisch begabt sein, heißt nichts anderes, als einen astralischen Leib haben, der während des Tageszustandes empfänglich ist für das, was ihn die ganze Nacht durchschwirrt. Unmusikalisch sein heißt: diesen astralischen Leib in einem solchen Zustande haben, daß eine solche Erinnerung nicht stattfinden kann. Es ist das Hereintönen einer geistigen Welt, was der Mensch in der musikalischen Kunst erlebt. Und weil die musikalische Kunst dasjenige in unsere physische Welt hineinschafft, was nur im Astralischen entzündet werden kann, deshalb sagte ich, daß sie den Menschen mit denjenigen Wesenheiten in Zusammenhang bringt, welche zu ihrem untersten Glied den astralischen Leib haben. Mit jenen Wesenheiten lebt der Mensch in der Nacht; ihre Taten erlebt er in der Sphärenharmonie und drückt sie im Tagesleben durch seine irdische Musik aus, so daß diese Sphärenharmonien in der irdischen Musik wie ein Schattenbild erscheinen. Und indem dasjenige, was das Element dieser geistigen Wesenheiten ist, hier in diese irdische Sphäre einschlägt, unsere irdische Sphäre durchschwebt und durchlebt, haben diese geistigen Wesenheiten Gelegenheit, ihre astralischen Leiber wieder einzutauchen in das Wogenmeer der musikalischen Wirkungen, und indem die Verstandesseele ihre Taten erlebt in der Nacht und die empfundenen Eindrücke mitbringt in die physische Welt, ist zwischen diesen Wesenheiten und dem Menschen durch die Kunst eine Brücke geschaffen. Da sehen wir, wie auf einer solchen Stufe das entsteht, was wir die musikalische Kunst nennen.
[ 20 ] That is to say, the soul lives during the night in these sounds of the spheres and they are enkindled when the astral body becomes aware of itself. In the creative musician the perceptions of the night consciousness struggle through during the day consciousness and become memories—memories of astral experiences, or in particular, of the intellectual or mind soul. All that men know as the art of music is the expressions, imprints, of what is experienced unconsciously in the sphere harmonies, and to be musically gifted means nothing else than to have an astral body which is sensitive during the day condition to what whirs through it the whole night. To be unmusical means that the condition of the astral body does not allow of such memory arising. It is the instreaming of tones from a spiritual world which man experiences in the musical art. And since music creates in our physical world what can only be kindled in the astral, I therefore said that it brings man in connection with those beings who have the astral body as their lowest member. With these beings man lives in the night; he experiences their deeds in the sphere harmonies and in the life of day expresses them through his earthly music, so that in earthly music the sphere harmonies appear like a shadow image. And in as much as the element of these spiritual beings breaks into this earthly sphere, weaves and lives through our earthly sphere, they have the opportunity of plunging their astral bodies again into the ocean waves of music, and so a bridge is built between these beings and man through art. Here we see how at such a stage what we call the art of music arises.
[ 21 ] Was vernimmt nun die Bewußtseinsseele, wenn sie in der Nacht in die geistige Welt eintaucht, ohne daß im gegenwärtigen Menschheitszyklus das dem Menschen bewußt werden kann? Sie vernimmt die Worte der geistigen Welt. Mitteilungen erhält sie zugeraunt, die sie nur aus der geistigen Welt empfangen kann. Worte werden ihr zugeraunt, und wenn diese Worte durchgebracht werden ins Tagesbewußtsein, dann erscheinen sie als die Grundkräfte der Dichtkunst, der. Poesie. So ist die Poesie das Schattenbild dessen, was die Bewußtseinsseele in der geistigen Welt während der Nacht erlebt, und wir nehmen da Gelegenheit, wirklich daran zu denken, wie der Mensch durch seine Verbindung mit höheren Welten — einzig dadurch - in den fünf Künsten, der Baukunst, der Bildhauerei, Malerei, Musik und Poesie, Abschattungen, Offenbarungen der geistigen Wirklichkeit hier auf unserem Erdenrund zustande bringt. Allerdings ist das nur dann der Fall, wenn die Kunst sich wirklich erhebt über die bloße äußere Sinnesanschauung. In dem, was man heute im groben Sinne Naturalismus nennt, wo der Mensch nur nachahmt, was er draußen sieht, ist nichts von dem, was er sich aus der geistigen Welt mitbringt. Und daß wir heute auf vielen Gebieten eine solche rein äußerliche Kunst haben, die nur nachahmen will, was draußen ist, ist nur ein Beweis dafür, wie die Menschen in unserer heutigen Zeit den Zusammenhang mit der geistig-göttlichen Welt verloren haben. Der Mensch, der mit all seinem Interesse aufgeht in der äußeren physischen Welt, in dem, was die äußeren Sinne nur gelten lassen wollen, bearbeitet auch durch dieses bloße Interesse an der äußeren physischen Welt seine astralische Leiblichkeit so stark, daß sie blind und taub wird in der Nacht, wenn sie in den geistigen Welten ist. Da mögen die herrlichsten Sphärenklänge ertönen, da mögen noch so hohe geistige Töne der Seele etwas zuraunen, sie bringt nichts mit in das Tagesleben! Und dann spottet der Mensch über die idealistische, über die spiritualistische Kunst und sagt, dieKunst sei doch nur dazu da, die äußere Wirklichkeit zu photographieren, denn da nur hätte sie ein Reales, ein Wirkliches unter den Füßen.
[ 21 ] Now what does the consciousness soul perceive when it is immersed in the spiritual world at night—though in the present human cycle man is unconscious of it? It perceives the words of the spiritual world. It receives whispered tidings which can be received from the spiritual world alone. Words are whispered to it and when they are brought through into the day consciousness they appear as the fundamental forces of the poetic art. Thus poetry is the shadow image of what the consciousness soul experiences in the night in the spiritual world. And here let us realize in our thoughts how through man's connection with the higher worlds—and only so—in the five arts of architecture, sculpture, painting, music, poetry, he brings into existence on our earthly globe adumbrations, manifestations of spiritual reality. This is only the case, however, when art is actually lifted above mere outer sense perception. In what one today speaking broadly calls naturalism, where man merely imitates what he sees in the outer world, there is nothing of what he brings with him. The fact that we have such a purely external art in many fields today, copying only what is outside, is a proof that men in our time have lost connection with the divine spiritual world. The man whose whole interest is merged in the external physical world, in what his external senses hold alone to be of value, works so strongly on his astral bodily nature through this exclusive interest in the physical world, that this becomes blind and deaf when it is in the spiritual worlds at night. The sublimest sphere sounds may resound, the loftiest spiritual tones may whisper something to the soul, it brings nothing back with it into the life of day. And then men scoff at idealistic, at spiritual art, and maintain that art's sole purpose is to photograph outer reality, for there alone it has solid ground under its feet.
[ 22 ] So redet der Mensch, der materialistisch fühlt und empfindet, weil er die Realitäten in der geistigen Welt nicht hat. Der wahre Künstler aber redet anders. Er wird etwa sagen: «Wenn mir erklingen die Töne des Orchesters, dann ist es mir so, wie wenn ich in ihnen sprechen hörte die Töne einer Urmusik, die schon erklang, als noch keines Menschen Ohr da war, um sie zu hören.» Er kann auch sagen: In dem, was in einer Symphonie ertönt, liegt eine Erkenntnis geistiger Welten, die höher, bedeutsamer ist als alles, was sich logisch beweisen und in Schlußfolgerungen auseinandersetzen läßt.
[ 22 ] That is the way the materialist talks since he knows nothing of the realities of the spiritual world. The true artist talks differently. He perhaps will say: When the tones of the orchestra sound to me, it is as if I heard the speech of archetypal music whose tones sounded before there were yet human ears to hear them.—He can say too: In the tones of a symphony there lies a knowledge of higher worlds which is loftier and more significant than anything which can be proved by logic, analyzed in conclusions.
[ 23 ] Diese beiden Aussprüche hat Richard Wagner getan, der der Menschheit so recht zum Gefühl bringen wollte, daß da, wo wahre Kunst einsetzt, zu gleicher Zeit die Erhebung über das Außerlich-Sinnliche da sein muß. Wenn die geisteswissenschaftliche Anschauung sagt: In dem Menschen lebt etwas, was über den Menschen hinausgeht, etwas Übermenschliches im heutigen Menschen, das in künftigen Inkarnationen immer vollkommener und vollkommener erscheinen muß, so empfindet Richard Wagner das so, daß er sagt: Ich will keine Gestalten, die vor mir stehen und so wie die Menschen des Alltags in der irdischen Sphäre über die Bühne schreiten. - Er will Menschen, die herausgehoben sind über den Alltag. Daher nimmt er mythische Gestalten, die einen umfassenderen Gehalt haben als die gewöhnlichen Menschen. Das Übermenschliche sucht er in dem Menschlichen. Den ganzen Menschen mit all den geistigen Welten, wie sie hereinscheinen auf den Menschen des physischen Erdenrundes, will Richard Wagner in der Kunst hinstellen. Vor ihm standen in einem verhältnismäßig frühen Lebensalter zwei Bilder: Shakespeare und Beethoven. Shakespeare erschien ihm in seinen künstlerisch genialen Visionen so, daß er sich sagte: Nehme ich alles zusammen, was Shakespeare der Menschheit gegeben hat, so sehe ich bei Shakespeare Gestalten über die Bühne schreiten, die handeln. — Handlungen - und Worte sind in diesem Zusammenhang auch Handlungen — gehen dann vor, wenn die Seele gefühlt hat, was nicht im Raume äußerlich sich darstellen kann, was sie schon hinter sich hat. Die Seele hat die ganze Skala von Schmerz und Leid bis zur Lust und Seligkeit gefühlt und hat empfunden, wie aus dieser oder jener Nuance diese oder jene Handlung hervorgeht. Im Shakespeare-Drama, meint Richard Wagner, erscheint alles bloß in seinem Resultat, wo es Raumgestalt gewinnt, wo es äußerliche Handlung wird. Das ist eine Dramatik, die einzig und allein das veräußerlichte Innere hinstellen kann; und der Mensch kann höchstens ahnen, was in der Seele lebt, was während dieser Handlung vor sich geht.
[ 23 ] Richard Wagner has brought to expression both these utterances. He wanted to bring humanity to an intense feeling that where there is true art there must at the same time be elevation above the external sense element. If spiritual science says that something lives in man which goes beyond man, something superhuman that is to appear in ever greater perfection in future incarnations, so does Richard Wagner feel when he says: I want no figures striding over the stage like commonplace men in the earthly sphere.—He wants men exalted above ordinary life and so he takes mythological figures who are formed on a grander scale than normal man. He seeks the superhuman in the human. He wants to represent in art the whole human being with all the spiritual worlds as they shine upon the man of the physical earth. At a relatively early time of life two pictures stood before him—Shakespeare and Beethoven. In his artistically brilliant visions he saw Shakespeare in such a way that he said: If I gather together all that Shakespeare has given to humanity, I see there in Shakespeare figures who move over the stage and perform deeds. Deeds—and words too are deeds in this connection—happen when the soul has felt what cannot be shown externally in space, what lies al-ready behind it. The soul has felt the whole scale from pain and suffering to joy and happiness and has experienced how from this or that nuance this or that deed is performed. In the Shakespearean drama, thinks Richard Wagner, every-thing appears merely in its consequences, where it acquires spatial form, where it becomes deed. That is a dramatic art which alone can display the inner nature externalized; and man can at most guess what lives in the soul, what goes on while the deed is performed.
[ 24 ] Daneben erschien ihm das Bild des Symphonikers, und er erschaute in der Symphonie die Wiedergabe dessen, was in der Seele lebt in der ganzen Empfindungsskala von Leid und Schmerz, Lust und Seligkeit in allen Nuancen. In der Symphonie lebt es sich aus, so sagte er sich, aber es wird nicht Handlung, es tritt nicht heraus in den Raum. Und es stellte sich vor seine Seele hin ein Bild, was ihm gleichsam die Empfindung nahebrachte, daß einmal dieses Innere im künstlerischen Schaffen wie zersprungen ist, um nach außen auszuströmen. Beethoven bleibt in seinem Schaffen im musikalischen Rahmen, aus dem er nur einmal heraustritt, in der Neunten Symphonie, wo die Gefühle so mächtig angeschwollen sind, daß sie sich durch das Wort Bahn brechen.
[ 24 ] Beside this there appeared to him the picture of the symphonist, and he saw in the symphony the reproduction of what lives in the soul in the whole emotional scale of sorrow and pain, joy and happiness in all their shades. In the symphony it comes to life—so he said to himself—but it does not become action, it does not step out into space. And he brought before his soul a picture that led him towards the feeling that once upon a time this inner nature had, as it were, broken asunder in artistic creation in order to stream out-wards into the Ninth Symphony.
[ 25 ] Aus diesen beiden Künstlererscheinungen entsprang in seiner Seele die Vision: Beethoven und Shakespeare in einem! - Und wir müßten einen langen Weg gehen, wenn wir zeigen wollten, wie Richard Wagner durch seine eigenartige Behandlung des Orchesters jenen großen Einklang zu schaffen versuchte zwischen Shakespeare und Beethoven, daß das Innere sich auslebt im Ton und zu gleicher Zeit hineinfließt in die Handlung. Die Profansprache war ihm nicht genug; denn sie ist das Ausdrucksmittel für die Vorgänge des physischen Planes. Jene Sprache, die allein in den Tönen des Gesanges gegeben werden kann, wird ihm das Ausdrucksmittel für das, was über das Physisch-Menschliche als ein Übermenschliches hinauswächst.
[ 25 ] From these two artist-visions the idea arose in his soul of uniting Beethoven and Shakespeare. We should have to travel a long road if we would show how through his unique handling of the orchestra Richard Wagner sought to create that great harmony between Shakespeare and Beethoven so that the internal expresses itself in tone and at the same time flows into the action. Secular speech was not enough for him, since it is the means of expression for the events of the physical plane. The language that alone can be given in the tones of song became his expression of what surpasses the physically human as superhuman.
[ 26 ] Theosophie braucht nicht bloß mit Worten ausgesprochen, mit Gedanken gefühlt zu werden. Theosophie ist Leben. Sie lebt im Weltenprozeß, und wenn von ihr gesagt wird, daß sie die verschiedenen getrennten menschlichen Seelenströmungen zusammenführen soll in einen großen Strom, so sehen wir dieses Gefühl leben in dem Künstler, der die einzelnen Ausdrucksmittel versuchte zusammenzubringen, damit in dem Einen zum Ausdruck kommt, was in der Gesamtheit lebt. Richard Wagner will nicht Musiker, nicht Dramatiker, nicht Poet sein. Alles, was wir so haben herunterrinnen sehen aus geistigen Welten, wird ihm Mittel zu einer Vereinigung in der physischen Welt mit etwas noch Höherem, weil er eine Ahnung hat von dem, was die Menschen erleben werden, wenn sie sich immer mehr hineinleben in jene Entwickelungsepoche, in die eben die Menschheit hineinleben muß, wo das Geistselbst oder Manas sich verbindet mit dem, was sich der Mensch seit alten Zeiten mitgebracht hat. Und eine Ahnung von jenem großen Menschheitsimpuls der Vereinigung dessen, was in den Zeiten der Getrennrheir erschienen ist, liegt bei Richard Wagner in dem Zusammenströmen der einzelnen künstlerischen Ausdrucksmittel. Mit anderen Worten, es lebte die Ahnung in ihm, wie die menschliche Kultur sein wird, wenn alles, was so die Seele erlebt, eingeraucht wird in das Geistselbstprinzip oder Manas, wo die Seele untertauchen wird in ihrer Fülle in die geistigen Welten. Geistesgeschichtlich betrachtet, ist es von tiefer Bedeutsamkeit, daß in der Kunst für die Menschheit die erste Morgenröte erschienen ist für das Entgegenleben jener Zukunft, die der Menschheit winkt, wo alles, was sich der Mensch auf den verschiedenen Gebieten erobert hat, zusammenfließen wird in einer Allkultur, in einer Gesamtkultur. In gewisser Weise sind die Künste durchaus die Vorläufer der sich offenbarenden Geistigkeit in der sinnlichen Welt. Und viel wichtiger als einzelne Behauptungen Richard Wagners in seinen Prosaschriften ist der Grundzug, der in ihnen lebt, ein religiös-weisheitsvoller, weihevoller Zug, der sie alle durchströmt und der am schönsten zum Ausdruck kommt in seiner genialen Schrift über Beethoven, wo Sie mehr zwischen den Zeilen lesen müssen, aber wo Sie den Windhauch fühlen können, in welchem sich hier die Morgenröte verkündet.
[ 26 ] Spiritual Science does not need merely to be expressed by words, to be felt by thoughts; Spiritual Science is life. It lives in the world process, and when one says that it is to lead together the various divided currents of man's soul into one great stream, we see this feeling live in the artist who sought to combine the different means of expression so that what lives in the whole may come to expression in the one. Richard Wagner has no wish to be merely musician, merely dramatist, merely poet. All that we have seen flow down from the spiritual worlds becomes for him a means of uniting in the physical world with something still higher. He has a presentiment of what men will experience when they grow more and more familiar with that evolutionary epoch into which mankind must indeed enter, when spirit-self or Manas unites with what man has brought with him from past ages. And a divining of that great human impulse of uniting what has appeared for ages to be separated lies in Richard Wagner in the streaming together of the individual modes of artistic expression. He had a premonition of what human cultural life will be when all that the soul experiences is immersed in the principle of spirit-self or Manas, when the full nature of the soul will be immersed in the spiritual worlds. It is of profound importance when viewed as spiritual history that in art the first dawn has appeared for mankind for the approach towards the future—a future that beckons humanity, when all that man has won in various realms will flow together into an All-culture, a comprehensive culture. The arts in a certain way are the actual fore-runners of a spirituality which reveals itself in the sense world. Far more important than Richard Wagner's separate statements in his prose writings is the main feature that lives in them, the religious wisdom, the sacred fire which streams through all and which comes to finest expression in his brilliant essay on Beethoven, where you must read between the lines, but where you can feel the breath of air of the approaching dawn.
[ 27 ] So sehen wir, wie wir vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus solche menschlichen Verrichtungen vertiefen können, die in den menschlichen Taten sich ausleben. Wir haben es heute auf dem Gebiete der Künste gesehen, daß da der Mensch etwas tut, etwas vollbringt, wodurch, wenn wir so sagen können, die Götter bei ihm wohnen können, wodurch er den Göttern einen Aufenthalt in der irdischen Sphäre gewährt. Wenn durch Geisteswissenschaft dem Menschen zum Bewußtsein gebracht werden soll, daß die Geistigkeit in Wechselwirkung steht mit dem physischen Leben: die Kunst hat es im physischen Leben durchaus getan. Und immer wird die geistige Kunst unsere Kultur durchdringen, wenn die Menschen mit ihren Seelen überhaupt in die Geistigkeit eintauchen werden. Durch solche Betrachtungen erweitert sich das, was sonst in der Geisteswissenschaft als bloße Lehre, bloße Weltanschauung nur erzählt wird, zu Impulsen, die unser Leben durchdringen und uns sagen können, was da werden soll und was da werden muß. In dem Musiker und Dichter Richard Wagner ist zuerst der neue Stern aufgestiegen, der das Licht des geistigen Lebens der Erde zusendet. Immer erweitern und erweitern muß sich dieser von ihm gegebene Lebensimpuls, bis wieder das ganze äußere Leben ein Spiegelbild der Seele sein wird.
[ 27 ] Thus we see how spiritual science can give a deeper view of what men bring about in their deeds. We have seen today in the field of the arts that there man accomplishes something whereby, if we may say so, the Gods may dwell with him, whereby he secures to the Gods an abode in the earthly sphere. If it is brought to man's consciousness through Spiritual Science that spirituality stands in mutual relationship with physical life—this has been done in physical life by art. And spiritual art will always permeate our culture if men will but turn their minds to true spirituality. Through such reflections the mere teaching, mere world conception of spiritual science is expanded to impulses which can penetrate our life and tell us what it ought to become and must become. For the musical-poetic art it was in Richard Wagner that the new star has first arisen which sends to earth the light of spiritual life. Such a life impulse must increasingly expand until the whole outer life becomes again a mirror of the soul.
[ 28 ] Alles, was uns außen entgegentritt, kann ein Spiegelbild der Seele werden. Nehmen Sie das nicht als etwas Außerliches, sondern als etwas, was man aus der Geisteswissenschaft heraus gewinnen kann. Es wird werden, wie es vor Jahrhunderten war, wo in jedem Türschloß, in jedem Schlüssel uns etwas entgegentrat, was Abbild dessen war, was der Mensch gefühlt und empfunden hatte. Ebenso wird, wenn wahres geistiges Leben wieder in der Menschheit sein wird, das ganze Leben, alles, was uns äußerlich entgegentritt, uns wieder als ein Abbild der Seele erscheinen. Profanbauten sind nur so lange Profanbauten, solange der Mensch nicht die Fähigkeit hat, in sie den Geist hineinzuprägen. Überall kann der Geist hineingeprägt werden. Das Bild des Bahnhofes kann vor uns aufleuchten, das wieder künstlerisch gedacht ist. Heute haben wir es nicht. Aber wenn man wieder fühlen wird, was Formen sein sollen, dann wird man fühlen, daß man die Lokomotive architektonisch gestalten kann, und daß der Bahnhof etwas sein könnte, was sich zur Lokomotive so verhält, wie die äußere Umhüllung zu dem, was die Lokomotive in ihren architektonischen Formen ausdrückt. Dann erst werden sie sich so verhalten wie zwei Dinge, die zusammengehören, wenn sie architektonisch gedacht sind. Dann ist es aber auch nicht gleichgültig, wie wir links oder rechts bei den Formen annehmen.
[ 28 ] All that meets us from without can become a mirror of the soul. Do not take that as a mere superficiality, but as something that one can acquire from spiritual science. It will be as it was centuries ago, where in every lock, in every key, we met with something that reflected what the craftsman had felt and experienced. In the same way when there is again true spiritual life in humanity, the whole of life, all that meets us outside, will appear to us again as an image of the soul. Secular buildings are only secular as long as man is incapable of imprinting the spirit into them. Spirit can be imprinted everywhere. The picture of the railway station can flash up, artistically conceived. Today we have not got it. But when it is realized again what forms ought to be, one will feel that the locomotive can be formed architecturally and that the station can be related to it as the outer envelopment of what the locomotive expresses in its architectural forms. Only when they are architecturally conceived will they be mutually related as two things belonging to each other. But then too it is not a matter of indifference how left and right are used in the forms.
[ 29 ] Wenn der Mensch lernen wird, wie sich im Außeren das Innere ausdrückt, dann wird es wiederum eine Kultur geben. Wahrhaftig, es hat Zeiten gegeben, wo es keine romanische Baukunst noch gab, keine Gotik noch gab, als diejenigen, welche eine neue, aufgehende Kultur in ihrer Seele getragen haben, unten in den Katakomben der alten Römerstadt zusammenkamen. Aber was da in ihnen gelebt hat, was nur in spärlichen Formen hineingegraben werden konnte in die alten Erdhöhlen, was Sie an den Särgen der Toten finden, das dämmerte da auf, und das ist das, was uns dann erscheint in dem romanischen Bogen, in der romanischen Säule, in der Apsis. Hinausgetragen worden ist der Gedanke in die Welt. Hätten die ersten Christen nicht den Gedanken in der Seele getragen, er würde uns nicht in dem entgegentreten, was Weltkultur geworden ist. Der Theosoph fühlt sich nur dann als 'Theosoph, wenn er sich bewußt ist, daß er in seiner Seele eine zukünftige Kultur trägt. Mögen ihm dann die anderen sagen: Was hast du denn schon geleistet? - Dann sagt er sich: Ja, was haben denn die Katakombenchristen geleistet, und was ist daraus geworden!
[ 29 ] When man learns how the inner expresses itself in the outer, then there will be a culture again. There have indeed been ages when as yet no Romanesque, no Gothic architecture existed, when those who bore in their souls the dawn of a new culture were gathered together in the catacombs below the old Roman city. But that which lived within them and could only be engraved in meagre forms in the ancient earth-caves, that which you find on the tombs of the dead, this lit up dimly there and is what then appears to us in the Romanesque arches, the Romanesque pillars, the apse. Thought has been carried forth into the world. Had the first Christians not borne the thought in the soul it would not meet us in what has become world culture. The theosophist only feels him-self as such when he is conscious that in his soul he carries a future culture. Others may ask what he has already accomplished. Then he says to himself: What did the Christians of the catacombs accomplish, and what has grown from it?
[ 30 ] Versuchen wir das, was als geringer Empfindungsimpuls in unserer Seele lebt, wenn wir zusammensitzen, im Geiste zu erweitern, wie etwa der Christen Gedanken sich hatten erweitern können zu den Bogenwundern des späteren Domes. Denken wir uns das in solchen Stunden, wo wir beisammen sind, nach außen sich erweitern und hinausgetragen in die Welt. Dann haben wir jene Impulse in uns, die wir haben sollen, wenn wir uns bewußt sind, daß Theosophie nicht eine Liebhaberei sein soll für einzelne, die zusammensitzen, sondern etwas, was hinausgetragen werden soll in die Welt. Die Seelen, die hier in ihren Leibern sitzen, werden, wenn sie wiederverkörpert erscheinen, mancherlei von dem schon verwirklicht finden, was heute in ihnen lebt. Solche Gedanken nehmen wir mit, wenn wir in einer Saison zum letztenmal zusammen sind und die geisteswissenschaftlichen Gedanken des Winters verarbeiten. Setzen wir die geisteswissenschaftlichen Gedanken so um, daß sie als Kulturimpulse wirken sollen. Versuchen wir, unsere Seele so mit Empfindungen und Gefühlen zu durchtränken, und lassen wir das dem Sommersonnenschein entgegenleben, der uns von außen, im Physischen, die wirkende kosmische Kraft zeigt. Dann wird unsere Seele immer mehr die Stimmung erhalten und fähig sein, dasjenige in die äußere Welt zu tragen, was sie in den geistigen Welten erlebt. Das gehört dazu zur Entwickelung des Theosophen. So werden wir wieder ein Stück vorwärtskommen, wenn wir solche Gefühle und Empfindungen mit uns nehmen und mit ihnen die Stärkung des Sommers aufnehmen.
[ 30 ] The feeble emotional impulse that lives in our souls when we sit together, let us seek to expand it in the spirit, somewhat as the thoughts of the Christians were able to expand to the vaulted wonders of the later cathedral. What we have in the hours when we are together, let us imagine expanded outwardly, carried forth into the world. Then we have the impulses which we should have when we are conscious that spiritual science is no hobby for individuals sitting together, but something that should be carried out into the world. The souls who sit here in your bodies will find, when they appear in a new incarnation, many things already realized. which live in them today. Let us bring such thoughts with us when we are together for the last time in a season and review the spiritual-scientific thoughts of the winter. Let us so transform them that they shall work as culture impulses. Let us seek in this way to steep our souls in feelings and sensations and let that live into the summer sunshine which shows us outwardly in the physical world the active cosmic forces. Then our soul will be able to maintain the mood and carry into the outer world what it has experienced in the worlds of spirit. That is part of the development of the theosophist. Thus we shall again come a step forward if we take such feelings with us and absorb with them the strengthening forces of the summer.
