The Gospel of St. John
GA 103
22 May 1908, Hamburg
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Das Johannes-Evangelium, 10th ed.
Vierter Vortrag
Vierter Vortrag
[ 1 ] Es dürfte aus den drei bisherigen Vorträgen einigermaßen hervorgegangen sein, daß man im Johannes-Evangelium die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten wiederzufinden in der Lage ist. Aber ebenso dürfte klar geworden sein, daß es notwendig ist, um diese Wahrheiten zu finden, jedes Wort dieses Johannes-Evangeliums wirklich auf die Goldwaage zu legen. Es kommt bei dieser religiösen Urkunde in der Tat darauf an, daß der wirkliche, echte Wortlaut absolut verstanden wird. Denn alles ist in dieser Urkunde, wie wir noch an verschiedenen Fällen sehen werden, von der denkbar tiefsten Bedeutung. Aber nicht nur der Wortlaut dieses oder jenes Satzes kommt in Betracht, sondern es kommt auch noch etwas anderes in Betracht. Das ist die Gliederung, die Komposition, die Zusammensetzung der Urkunde. Für solche Dinge hat eigentlich der heutige Mensch nicht mehr ganz die rechte Empfindung. Viel mehr von atchitektonischem Aufbau, von innerer Gliederung haben die alten — wenn wir sie so nennen dürfen - Schriftsteller in ihre Werke hineingelegt, als man gewöhnlich glaubt. Sie brauchen sich nur an einen verhältnismäßig späten Dichter zu erinnern, um das bekräftigt zu finden: an Dante. Wie ist in der « Göttlichen Komödie» alles architektonisch aufgebaut in Gliedern, denen die Dreizahl zugrunde liegt. Und nicht umsonst schließt ein jeder Teil von Dantes Komödie mit den Worten «Sterne». Das nur, um anzuführen, wie architektonisch die alten Schriftsteller ihre Sache aufgebaut haben. Und insbesondere dürfen wir bei den großen religiösen Urkunden diesen architektonischen Aufbau niemals aus den Augen verlieren, denn er bedeutet unter Umständen sehr viel. Man muß diese Bedeutung allerdings erst herausfinden.
[ 1 ] Es dürfte aus den drei bisherigen Vorträgen einigermaßen hervorgegangen sein, daß man im Johannes-Evangelium die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten wiederzufinden in der Lage ist. Aber ebenso dürfte klar geworden sein, daß es notwendig ist, um diese Wahrheiten zu finden, jedes Wort dieses Johannes-Evangeliums wirklich auf die Goldwaage zu legen. Es kommt bei dieser religiösen Urkunde in der Tat darauf an, daß der wirkliche, echte Wortlaut absolut verstanden wird. Denn alles ist in dieser Urkunde, wie wir noch an verschiedenen Fällen sehen werden, von der denkbar tiefsten Bedeutung. Aber nicht nur der Wortlaut dieses oder jenes Satzes kommt in Betracht, sondern es kommt auch noch etwas anderes in Betracht. Das ist die Gliederung, die Komposition, die Zusammensetzung der Urkunde. Für solche Dinge hat eigentlich der heutige Mensch nicht mehr ganz die rechte Empfindung. Viel mehr von atchitektonischem Aufbau, von innerer Gliederung haben die alten — wenn wir sie so nennen dürfen - Schriftsteller in ihre Werke hineingelegt, als man gewöhnlich glaubt. Sie brauchen sich nur an einen verhältnismäßig späten Dichter zu erinnern, um das bekräftigt zu finden: an Dante. Wie ist in der « Göttlichen Komödie» alles architektonisch aufgebaut in Gliedern, denen die Dreizahl zugrunde liegt. Und nicht umsonst schließt ein jeder Teil von Dantes Komödie mit den Worten «Sterne». Das nur, um anzuführen, wie architektonisch die alten Schriftsteller ihre Sache aufgebaut haben. Und insbesondere dürfen wir bei den großen religiösen Urkunden diesen architektonischen Aufbau niemals aus den Augen verlieren, denn er bedeutet unter Umständen sehr viel. Man muß diese Bedeutung allerdings erst herausfinden.
[ 2 ] Da ist zu erinnern, daß am Ende des i0.Kapitels des JohannesEvangeliums ein Satz steht, den wir in der Erinnerung behalten wollen. Da heißt es im 41. Vers:
[ 2 ] Da ist zu erinnern, daß am Ende des i0.Kapitels des JohannesEvangeliums ein Satz steht, den wir in der Erinnerung behalten wollen. Da heißt es im 41. Vers:
«Und viele kamen zu ihm und sprachen: Johannes tat kein Zeichen, aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, das ist wahr.»
«Und viele kamen zu ihm und sprachen: Johannes tat kein Zeichen, aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, das ist wahr.»
[ 3 ] Das heißt, wir finden in diesem Vers des 10. Kapitels einen Hinweis darauf, daß das Zeugnis, das über den Christus Jesus abgegeben wird durch Johannes, wahr ist; es wird durch ein besonderes Wort das ausgedrückt, daß dies Zeugnis wahr ist. - Und nun kommen wir an den Schluß des Johannes-Evangeliums und finden da einen entsprechenden Vers. Da heißt es im 24. Vers des 21. Kapitels:
[ 3 ] Das heißt, wir finden in diesem Vers des 10. Kapitels einen Hinweis darauf, daß das Zeugnis, das über den Christus Jesus abgegeben wird durch Johannes, wahr ist; es wird durch ein besonderes Wort das ausgedrückt, daß dies Zeugnis wahr ist. - Und nun kommen wir an den Schluß des Johannes-Evangeliums und finden da einen entsprechenden Vers. Da heißt es im 24. Vers des 21. Kapitels:
«Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeuget, und hat dies geschrieben; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahrhaftig ist.»
«Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeuget, und hat dies geschrieben; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahrhaftig ist.»
[ 4 ] Da haben wir also am Schluß des Ganzen eine Angabe darüber, daß das Zeugnis dessen, der berichtet, ein wahrhaftiges ist. Solche Kongruenzen und Harmonien, daß da oder dort mit einem Wort etwas Besonderes gesagt wird, sind niemals ohne Bedeutung in den alten Schriften; und gerade hinter dieser Kongruenz verbirgt sich etwas Bedeutsames. Und wir werden unsere Betrachtungen in das rechte Licht rücken, wenn wir auf dessen Grund hinweisen.
[ 4 ] Da haben wir also am Schluß des Ganzen eine Angabe darüber, daß das Zeugnis dessen, der berichtet, ein wahrhaftiges ist. Solche Kongruenzen und Harmonien, daß da oder dort mit einem Wort etwas Besonderes gesagt wird, sind niemals ohne Bedeutung in den alten Schriften; und gerade hinter dieser Kongruenz verbirgt sich etwas Bedeutsames. Und wir werden unsere Betrachtungen in das rechte Licht rücken, wenn wir auf dessen Grund hinweisen.
[ 5 ] Es steht in der Mitte des Johannes-Evangeliums eine Tatsache, ohne deren Verständnis überhaupt das Johannes-Evangelium nicht begriffen werden kann. Unmittelbar hinter der Stelle, wo dieses Wort zur Bekräftigung des Wahrheitszeugnisses angeführt wird, steht das Kapitel über die Auferweckung des Lazarus. Durch dieses Kapitel über die Auferweckung des Lazarus zerfällt das ganze JohannesEvangelium in zwei Teile. Und es ist hingewiesen am Ende des ersten Teiles darauf, daß für alles dasjenige, was behauptet wird, was bekräftigt werden soll über den Christus Jesus, das Zeugnis des Täufers Johannes gelten soll; und es ist ganz am Ende darauf hingewiesen, daß für alles das, was nach dem Kapitel über die Auferweckung des Lazarus steht, das Zeugnis des Jüngers gelten soll, von dem wir öfter hören die Worte: «den der Herr lieb hatte» (13, 23). Was bedeutet denn überhaupt die «Auferweckung des Lazarus»?
[ 5 ] Es steht in der Mitte des Johannes-Evangeliums eine Tatsache, ohne deren Verständnis überhaupt das Johannes-Evangelium nicht begriffen werden kann. Unmittelbar hinter der Stelle, wo dieses Wort zur Bekräftigung des Wahrheitszeugnisses angeführt wird, steht das Kapitel über die Auferweckung des Lazarus. Durch dieses Kapitel über die Auferweckung des Lazarus zerfällt das ganze JohannesEvangelium in zwei Teile. Und es ist hingewiesen am Ende des ersten Teiles darauf, daß für alles dasjenige, was behauptet wird, was bekräftigt werden soll über den Christus Jesus, das Zeugnis des Täufers Johannes gelten soll; und es ist ganz am Ende darauf hingewiesen, daß für alles das, was nach dem Kapitel über die Auferweckung des Lazarus steht, das Zeugnis des Jüngers gelten soll, von dem wir öfter hören die Worte: «den der Herr lieb hatte» (13, 23). Was bedeutet denn überhaupt die «Auferweckung des Lazarus»?
[ 6 ] Ich erinnere Sie daran, daß nach der Erzählung über die Auferweckung des Lazarus ein scheinbar rätselhafter Satz im JohannesEvangelium steht. Stellen Sie sich einmal die ganze Situation vor: Der Christus Jesus vollbringt das, was man im gewöhnlichen Sinne ein Wunder, im Evangelium selbst ein «Zeichen» nennt: die Auferweckung des Lazarus. Und nachher stehen mehrere Sätze, die da besagen: «Dieser Mensch tut viele Zeichen » (11, 47), und alles folgende weist darauf hin, daß die Ankläger keine Gemeinschaft mit ihm haben wollen wegen dieser Zeichen. Wenn Sie diese Worte lesen, wie sie auch immer übersetzt sein mögen - es ist auch schon in meinem «Christentum als mystische Tatsache» von mir darauf hingewiesen worden -, so müssen Sie fragen: Was liegt denn da eigentlich zugrunde? Die Auferweckung eines Menschen bestimmt gerade die Gegner, gegen den Christus Jesus aufzutreten. Warum regt die Gegner gerade die Auferweckung des Lazarus so auf? Warum beginnt gerade da die Verfolgung? — Ein jeder, der zu lesen versteht, muß einsehen, daß sich in diesem Kapitel ein Mysterium verbirgt. Dieses Mysterium, das sich dahinter verbirgt, ist nichts anderes als die Mitteilung darüber, wer eigentlich der wirkliche Autor des JohannesEvangeliums ist, wer eigentlich das alles sagt, was im JohannesEvangelium gesagt wird. Um das zu verstehen, müssen wir einmal einen Blick werfen auf das, was wir die «Einweihung» in den alten Mysterien nennen. Wie ging diese Einweihung in den alten Mysterien vor sich?
[ 6 ] Ich erinnere Sie daran, daß nach der Erzählung über die Auferweckung des Lazarus ein scheinbar rätselhafter Satz im JohannesEvangelium steht. Stellen Sie sich einmal die ganze Situation vor: Der Christus Jesus vollbringt das, was man im gewöhnlichen Sinne ein Wunder, im Evangelium selbst ein «Zeichen» nennt: die Auferweckung des Lazarus. Und nachher stehen mehrere Sätze, die da besagen: «Dieser Mensch tut viele Zeichen » (11, 47), und alles folgende weist darauf hin, daß die Ankläger keine Gemeinschaft mit ihm haben wollen wegen dieser Zeichen. Wenn Sie diese Worte lesen, wie sie auch immer übersetzt sein mögen - es ist auch schon in meinem «Christentum als mystische Tatsache» von mir darauf hingewiesen worden -, so müssen Sie fragen: Was liegt denn da eigentlich zugrunde? Die Auferweckung eines Menschen bestimmt gerade die Gegner, gegen den Christus Jesus aufzutreten. Warum regt die Gegner gerade die Auferweckung des Lazarus so auf? Warum beginnt gerade da die Verfolgung? — Ein jeder, der zu lesen versteht, muß einsehen, daß sich in diesem Kapitel ein Mysterium verbirgt. Dieses Mysterium, das sich dahinter verbirgt, ist nichts anderes als die Mitteilung darüber, wer eigentlich der wirkliche Autor des JohannesEvangeliums ist, wer eigentlich das alles sagt, was im JohannesEvangelium gesagt wird. Um das zu verstehen, müssen wir einmal einen Blick werfen auf das, was wir die «Einweihung» in den alten Mysterien nennen. Wie ging diese Einweihung in den alten Mysterien vor sich?
[ 7 ] Ein Mensch, der eingeweiht worden war, konnte selbst Erlebnisse, Erfahrungen haben in den geistigen Welten, so daß er ein Zeuge werden konnte der geistigen Welten. Diejenigen, die reif befunden wurden, eingeweiht zu werden, wurden in diese Mysterien hineingezogen. Überall - in Griechenland, bei den Chaldäern, bei den Ägyptern, bei den Indern - gab es solche Mysterien. Da wurden die Einzuweihenden lange unterrichtet ungefähr in den Dingen, die wir heute in der Geisteswissenschaft lernen; und wenn sie genügend unterrichtet waren, folgte das, was ihnen den Weg öffnete, um selbst zu schauen. Aber in den alten Zeiten konnte das auf keine andere Weise bewirkt werden als dadurch, daß der Mensch in bezug auf seine vier Glieder: physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, in einen ganz besonderen Zustand versetzt wurde. Was da geschah mit dem Einzuweihenden, war, daß er durch den Initiator, durch den Einweihenden, der die Sache verstand, dreieinhalb Tage in einen totenähnlichen Zustand versetzt wurde. Das geschah aus folgendem Grunde. Wenn der Mensch nämlich im heutigen Entwickelungszyklus im gewöhnlichen Sinne schläft, so liegen sein physischer Leib und Ätherleib im Bette, das Ich mit dem Astralleib ist herausgehoben. Der Mensch kann dann nicht irgendwelche geistigen Ereignisse um sich herum wahrnehmen, weil sein Astralleib noch nicht die geistigen Sinnesorgane hat, um in der Welt, in der der Mensch dann ist, wahrzunehmen. Erst wenn sein astralischer Leib und sein Ich wieder hineinschlüpfen in seinen physischen und Ätherleib, sich wieder der Augen und der Ohren bedienen, nimmt der Mensch wieder die physische Welt, das heißt überhaupt eine Umwelt wahr. Durch das, was die Einzuweihenden gelernt hatten, wurden sie fähig, die geistigen Sinnesorgane ihres astralischen Leibes herauszubilden. Wenn sie nun so weit waren, daß ihr astralischer Leib diese Sinnesorgane ausgebildet hatte, mußte dafür gesorgt werden, daß alles, was der astralische Leib in sich aufgenommen hatte, sich in den Ätherleib eindrückt, wie die Worte eines Petschafts sich in den Siegellack eindrücken. Das ist das, worauf es ankommt. Alle Vorbereitungen für die Einweihung beruhten darauf, daß der Mensch sich solchen inneren Vorgängen hingab, welche seinen astralischen Leib umorganisierten. Der Mensch war auch seinem physischen Leibe nach einmal so, daß er keine Augen und Ohren hatte wie heute, sondern gleichgültige Organe an dieser Stelle; wie Tiere, die nie dem Licht ausgesetzt waren, keine Augen haben. Das Licht formt heraus das Auge, der Ton bildet heraus das Ohr. Was der Mensch durch Meditation, Konzentration übt, und was er dadurch innerlich erlebt, wirkt so wie Licht auf das Auge, Ton auf das Ohr. Dadurch wird der astralische Leib umgeformt, und dadurch werden herausgeholt die Erkenntnisorgane, um zu schauen in der astralischen, der höheren Welt. Jetzt sind sie aber noch nicht fest genug in dem Ätherleibe; sie werden dadurch fest, daß das, was im astralischen Leibe zunächst sich bildet, eingeprägt wird in den Ätherleib. Solange aber der Ätherleib im physischen Leibe steckt, ist es nicht möglich, daß das, was durch die Übungen erreicht wird, sich auch wirklich abdrückt im Ätherleibe. Dazu mußte ehedem der Ätherleib herausgehoben werden aus dem physischen Leibe. Wenn also in den dreieinhalb Tagen des totenähnlichen Schlafes der Ätherleib herausgehoben war aus dem physischen Leibe, drückte sich alles das, was im Astralleibe vorbereitet war, ab. Der Mensch erlebte die geistige Welt. Wurde er dann wieder durch den PriesterInitiator zurückgerufen in den physischen Leib, so war er ein Zeuge dessen, was in den geistigen Welten vorgeht, durch sein eigenes Zeugnis.
[ 7 ] Ein Mensch, der eingeweiht worden war, konnte selbst Erlebnisse, Erfahrungen haben in den geistigen Welten, so daß er ein Zeuge werden konnte der geistigen Welten. Diejenigen, die reif befunden wurden, eingeweiht zu werden, wurden in diese Mysterien hineingezogen. Überall - in Griechenland, bei den Chaldäern, bei den Ägyptern, bei den Indern - gab es solche Mysterien. Da wurden die Einzuweihenden lange unterrichtet ungefähr in den Dingen, die wir heute in der Geisteswissenschaft lernen; und wenn sie genügend unterrichtet waren, folgte das, was ihnen den Weg öffnete, um selbst zu schauen. Aber in den alten Zeiten konnte das auf keine andere Weise bewirkt werden als dadurch, daß der Mensch in bezug auf seine vier Glieder: physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, in einen ganz besonderen Zustand versetzt wurde. Was da geschah mit dem Einzuweihenden, war, daß er durch den Initiator, durch den Einweihenden, der die Sache verstand, dreieinhalb Tage in einen totenähnlichen Zustand versetzt wurde. Das geschah aus folgendem Grunde. Wenn der Mensch nämlich im heutigen Entwickelungszyklus im gewöhnlichen Sinne schläft, so liegen sein physischer Leib und Ätherleib im Bette, das Ich mit dem Astralleib ist herausgehoben. Der Mensch kann dann nicht irgendwelche geistigen Ereignisse um sich herum wahrnehmen, weil sein Astralleib noch nicht die geistigen Sinnesorgane hat, um in der Welt, in der der Mensch dann ist, wahrzunehmen. Erst wenn sein astralischer Leib und sein Ich wieder hineinschlüpfen in seinen physischen und Ätherleib, sich wieder der Augen und der Ohren bedienen, nimmt der Mensch wieder die physische Welt, das heißt überhaupt eine Umwelt wahr. Durch das, was die Einzuweihenden gelernt hatten, wurden sie fähig, die geistigen Sinnesorgane ihres astralischen Leibes herauszubilden. Wenn sie nun so weit waren, daß ihr astralischer Leib diese Sinnesorgane ausgebildet hatte, mußte dafür gesorgt werden, daß alles, was der astralische Leib in sich aufgenommen hatte, sich in den Ätherleib eindrückt, wie die Worte eines Petschafts sich in den Siegellack eindrücken. Das ist das, worauf es ankommt. Alle Vorbereitungen für die Einweihung beruhten darauf, daß der Mensch sich solchen inneren Vorgängen hingab, welche seinen astralischen Leib umorganisierten. Der Mensch war auch seinem physischen Leibe nach einmal so, daß er keine Augen und Ohren hatte wie heute, sondern gleichgültige Organe an dieser Stelle; wie Tiere, die nie dem Licht ausgesetzt waren, keine Augen haben. Das Licht formt heraus das Auge, der Ton bildet heraus das Ohr. Was der Mensch durch Meditation, Konzentration übt, und was er dadurch innerlich erlebt, wirkt so wie Licht auf das Auge, Ton auf das Ohr. Dadurch wird der astralische Leib umgeformt, und dadurch werden herausgeholt die Erkenntnisorgane, um zu schauen in der astralischen, der höheren Welt. Jetzt sind sie aber noch nicht fest genug in dem Ätherleibe; sie werden dadurch fest, daß das, was im astralischen Leibe zunächst sich bildet, eingeprägt wird in den Ätherleib. Solange aber der Ätherleib im physischen Leibe steckt, ist es nicht möglich, daß das, was durch die Übungen erreicht wird, sich auch wirklich abdrückt im Ätherleibe. Dazu mußte ehedem der Ätherleib herausgehoben werden aus dem physischen Leibe. Wenn also in den dreieinhalb Tagen des totenähnlichen Schlafes der Ätherleib herausgehoben war aus dem physischen Leibe, drückte sich alles das, was im Astralleibe vorbereitet war, ab. Der Mensch erlebte die geistige Welt. Wurde er dann wieder durch den PriesterInitiator zurückgerufen in den physischen Leib, so war er ein Zeuge dessen, was in den geistigen Welten vorgeht, durch sein eigenes Zeugnis.
[ 8 ] Diese Prozedur ist eben durch die Erscheinung des Christus Jesus unnötig geworden. Dieser dreieinhalb Tage lange todähnliche Schlaf kann nunmehr durch die von Christus ausgehende Kraft ersetzt werden. Denn wir werden gleich sehen, daß im Johannes-Evangelium die starken Kräfte liegen, daß heute der Astralleib, auch wenn der Ätherleib im physischen Leibe drinnen ist, die Stärke hat, trotzdem abzudrücken, was vorher in ihm vorbereitet war. Dazu mußte aber erst der Christus Jesus da sein. Vorher waren die Menschen nicht so weit, daß ohne die charakterisierte Prozedur das, was im astralischen Leibe durch Meditation und Konzentration vorgebildet war, im Ätherleibe hätte abgedrückt werden können. — Das war ein Vorgang, der sich oft in den Mysterien abgespielt hat: Ein einzuweihender Mensch wird durch den Priester-Initiator in einen todähnlichen Schlaf gebracht; darauf wird der Betreflende durch die höheren Welten geführt; dann wird er wieder zurückgerufen durch den Priester-Initiator in seinen physischen Leib, und nunmehr ist er durch sein eigenes Erlebnis ein Zeuge der geistigen Welten.
[ 8 ] Diese Prozedur ist eben durch die Erscheinung des Christus Jesus unnötig geworden. Dieser dreieinhalb Tage lange todähnliche Schlaf kann nunmehr durch die von Christus ausgehende Kraft ersetzt werden. Denn wir werden gleich sehen, daß im Johannes-Evangelium die starken Kräfte liegen, daß heute der Astralleib, auch wenn der Ätherleib im physischen Leibe drinnen ist, die Stärke hat, trotzdem abzudrücken, was vorher in ihm vorbereitet war. Dazu mußte aber erst der Christus Jesus da sein. Vorher waren die Menschen nicht so weit, daß ohne die charakterisierte Prozedur das, was im astralischen Leibe durch Meditation und Konzentration vorgebildet war, im Ätherleibe hätte abgedrückt werden können. — Das war ein Vorgang, der sich oft in den Mysterien abgespielt hat: Ein einzuweihender Mensch wird durch den Priester-Initiator in einen todähnlichen Schlaf gebracht; darauf wird der Betreflende durch die höheren Welten geführt; dann wird er wieder zurückgerufen durch den Priester-Initiator in seinen physischen Leib, und nunmehr ist er durch sein eigenes Erlebnis ein Zeuge der geistigen Welten.
[ 9 ] Das wurde immer im tiefsten Geheimnis vollbracht, und nichts wußte die äußere Welt von den Vorgängen in den alten Mysterien. Durch den Christus Jesus sollte an die Stelle der alten Einweihung eine neue treten, durch jene Kräfte hervorgebracht, von denen wir noch zu sprechen haben. Es sollte gleichsam der Schlußpunkt gemacht werden mit der alten Form der Einweihung. Aber es sollte ein Übergang gemacht werden von der alten in die neue Zeit! Für den Übergang sollte jemand noch einmal auf die alte Art eingeweiht werden, aber in die christliche Esoterik. Das konnte nur der Christus Jesus selbst tun — und es sollte der Einzuweihende jener sein, der da Lazarus genannt wird. «Diese Krankheit ist nicht zum Tode» (11, 4), heißt es da; sie ist der dreieinhalbtägige todähnliche Schlaf. Darauf wird deutlich hingewiesen. Sie werden sehen, daß es zwar in einer sehr verschleierten Darstellung geschieht, daß sie sich aber für den, welcher eine solche verschleierte Art überhaupt entziffern kann, als Einweihung darstellt.
[ 9 ] Das wurde immer im tiefsten Geheimnis vollbracht, und nichts wußte die äußere Welt von den Vorgängen in den alten Mysterien. Durch den Christus Jesus sollte an die Stelle der alten Einweihung eine neue treten, durch jene Kräfte hervorgebracht, von denen wir noch zu sprechen haben. Es sollte gleichsam der Schlußpunkt gemacht werden mit der alten Form der Einweihung. Aber es sollte ein Übergang gemacht werden von der alten in die neue Zeit! Für den Übergang sollte jemand noch einmal auf die alte Art eingeweiht werden, aber in die christliche Esoterik. Das konnte nur der Christus Jesus selbst tun — und es sollte der Einzuweihende jener sein, der da Lazarus genannt wird. «Diese Krankheit ist nicht zum Tode» (11, 4), heißt es da; sie ist der dreieinhalbtägige todähnliche Schlaf. Darauf wird deutlich hingewiesen. Sie werden sehen, daß es zwar in einer sehr verschleierten Darstellung geschieht, daß sie sich aber für den, welcher eine solche verschleierte Art überhaupt entziffern kann, als Einweihung darstellt.
[ 10 ] Die Individualität des Lazarus sollte so eingeweiht werden, daß dieser Lazarus ein Zeuge von den geistigen Welten werden konnte. Und es wird uns ein Wort gesagt, das in der Mysteriensprache ein sehr bedeutsames ist, es wird uns gesagt, «daß der Herr den Lazarus lieb hatte». Was bedeutet «lieb haben» in der Mysteriensprache? Es drückt aus das Verhältnis des Schülers zum Lehrer. «Den der Herr lieb hatte» ist der intimste, der eingeweihteste Schüler. Den Lazarus hat der Herr selbst eingeweiht, und als ein Eingeweihter erhob sich Lazarus aus dem Grabe, das heißt aus seiner Einweihungsstätte. Und dasselbe Wort «den der Herr lieb hatte» wird uns immer später von Johannes gesagt — oder sagen wir besser — von dem Verfasser des Johannes-Evangeliums; denn der Name «Johannes» wird nicht genannt, es ist eben derjenige, der der Lieblingsjünger ist, und auf den das Johannes-Evangelium zurückzuführen ist. Das ist der auferweckte Lazarus selbst. Und der Schreiber des Johannes-Evangeliums wollte damit sagen: Was ich zu sagen habe, habe ich zu sagen kraft der Einweihung, die mir von dem Herrn selbst zuteil geworden ist. - Daher unterscheidet der Schreiber des Johannes-Evangeliums wohl, was vor der Auferweckung des Lazarus, und das, was nach der Auferweckung des Lazarus geschieht. Vor der Auferweckung des Lazarus wird ein alter Eingeweihter angeführt, ein solcher, der gekommen ist zu der Erkenntnis des Geistes, und es wird betont, daß sein Zeugnis wahr ist. -— Was aber über die tiefsten Dinge zu sagen ist, über das Mysterium von Palästina, darüber spreche ich selbst, ich, der Auferweckte; darüber kann ich aber erst nach der Auferweckung sprechen. — Daher haben wir in dem ersten Teile des Johannes-Evangeliums das Zeugnis des alten Johannes, in dem zweiten Teil das Zeugnis des neuen Johannes, den der Herr selbst eingeweiht hat. Denn derselbe ist der auferweckte Lazarus. So erfassen wir dies Kapitel erst seinem wirklichen Sinne nach. Es steht da, weil Johannes sagen wollte: Ich berufe mich auf mein übersinnliches Sehen, nicht auf mein Wahrnehmen in der physischen Welt; ich erzähle euch, was ich gesehen habe in der geistigen Welt dadurch, daß mir der Herr die Einweihung hat zuteil werden lassen. .
[ 10 ] Die Individualität des Lazarus sollte so eingeweiht werden, daß dieser Lazarus ein Zeuge von den geistigen Welten werden konnte. Und es wird uns ein Wort gesagt, das in der Mysteriensprache ein sehr bedeutsames ist, es wird uns gesagt, «daß der Herr den Lazarus lieb hatte». Was bedeutet «lieb haben» in der Mysteriensprache? Es drückt aus das Verhältnis des Schülers zum Lehrer. «Den der Herr lieb hatte» ist der intimste, der eingeweihteste Schüler. Den Lazarus hat der Herr selbst eingeweiht, und als ein Eingeweihter erhob sich Lazarus aus dem Grabe, das heißt aus seiner Einweihungsstätte. Und dasselbe Wort «den der Herr lieb hatte» wird uns immer später von Johannes gesagt — oder sagen wir besser — von dem Verfasser des Johannes-Evangeliums; denn der Name «Johannes» wird nicht genannt, es ist eben derjenige, der der Lieblingsjünger ist, und auf den das Johannes-Evangelium zurückzuführen ist. Das ist der auferweckte Lazarus selbst. Und der Schreiber des Johannes-Evangeliums wollte damit sagen: Was ich zu sagen habe, habe ich zu sagen kraft der Einweihung, die mir von dem Herrn selbst zuteil geworden ist. - Daher unterscheidet der Schreiber des Johannes-Evangeliums wohl, was vor der Auferweckung des Lazarus, und das, was nach der Auferweckung des Lazarus geschieht. Vor der Auferweckung des Lazarus wird ein alter Eingeweihter angeführt, ein solcher, der gekommen ist zu der Erkenntnis des Geistes, und es wird betont, daß sein Zeugnis wahr ist. -— Was aber über die tiefsten Dinge zu sagen ist, über das Mysterium von Palästina, darüber spreche ich selbst, ich, der Auferweckte; darüber kann ich aber erst nach der Auferweckung sprechen. — Daher haben wir in dem ersten Teile des Johannes-Evangeliums das Zeugnis des alten Johannes, in dem zweiten Teil das Zeugnis des neuen Johannes, den der Herr selbst eingeweiht hat. Denn derselbe ist der auferweckte Lazarus. So erfassen wir dies Kapitel erst seinem wirklichen Sinne nach. Es steht da, weil Johannes sagen wollte: Ich berufe mich auf mein übersinnliches Sehen, nicht auf mein Wahrnehmen in der physischen Welt; ich erzähle euch, was ich gesehen habe in der geistigen Welt dadurch, daß mir der Herr die Einweihung hat zuteil werden lassen. .
[ 11 ] So müssen wir die Charakteristik des Christus Jesus, wie sie uns entgegentritt in den ersten Kapiteln des Johannes-Evangeliums bis zum Schluß des 10. Kapitels, zurückführen auf die Erkenntnis, die sozusagen auch einer haben konnte, der nicht im tiefsten Sinne schon eingeweiht war durch den Christus Jesus selbst.
[ 11 ] So müssen wir die Charakteristik des Christus Jesus, wie sie uns entgegentritt in den ersten Kapiteln des Johannes-Evangeliums bis zum Schluß des 10. Kapitels, zurückführen auf die Erkenntnis, die sozusagen auch einer haben konnte, der nicht im tiefsten Sinne schon eingeweiht war durch den Christus Jesus selbst.
[ 12 ] Nun werden Sie sagen: Ja, wir haben doch selbst in diesen Vorträgen die tiefen Worte über den Christus Jesus gehört als den verkörperten Logos, als das Licht der Welt und so weiter. — Das ist nicht weiter verwunderlich, daß diese tiefen Worte über den Christus Jesus schon in den ersten Kapiteln ausgesprochen werden. Denn in den alten Mysterien war der Christus Jesus, das heißt der Christus, der in Zukunft erscheinen sollte in der Welt, nicht etwa eine unbekannte Wesenheit. Und alle Mysterien wiesen hin auf Einen, der da kommen sollte. Daher nennt man die alten Eingeweihten «Propheten», weil sie über ein Künftiges zu prophezeien hatten. Darum hatten gerade die Einweihungen den Zweck, klar erkennen zu lassen, daß sich in der Zukunft der Menschheit der Christus enthüllen werde. So ging aus dem, was er damals schon wissen konnte, für den Täufer die Wahrheit hervor, die ihn prophezeien lassen konnte, daß derjenige, von dem gesprochen worden ist in den Mysterien, vor ihm stehe in dem Christus Jesus.
[ 12 ] Nun werden Sie sagen: Ja, wir haben doch selbst in diesen Vorträgen die tiefen Worte über den Christus Jesus gehört als den verkörperten Logos, als das Licht der Welt und so weiter. — Das ist nicht weiter verwunderlich, daß diese tiefen Worte über den Christus Jesus schon in den ersten Kapiteln ausgesprochen werden. Denn in den alten Mysterien war der Christus Jesus, das heißt der Christus, der in Zukunft erscheinen sollte in der Welt, nicht etwa eine unbekannte Wesenheit. Und alle Mysterien wiesen hin auf Einen, der da kommen sollte. Daher nennt man die alten Eingeweihten «Propheten», weil sie über ein Künftiges zu prophezeien hatten. Darum hatten gerade die Einweihungen den Zweck, klar erkennen zu lassen, daß sich in der Zukunft der Menschheit der Christus enthüllen werde. So ging aus dem, was er damals schon wissen konnte, für den Täufer die Wahrheit hervor, die ihn prophezeien lassen konnte, daß derjenige, von dem gesprochen worden ist in den Mysterien, vor ihm stehe in dem Christus Jesus.
[ 13 ] Wie nun das Ganze zusammenhängt, wie der sogenannte Täufer selbst zu dem Christus Jesus steht, das wird sich uns am klarsten zeigen, wenn wir uns zweierlei Fragen beantworten.
[ 13 ] Wie nun das Ganze zusammenhängt, wie der sogenannte Täufer selbst zu dem Christus Jesus steht, das wird sich uns am klarsten zeigen, wenn wir uns zweierlei Fragen beantworten.
[ 14 ] Die eine ist die: Wie stellt sich der Täufer selbst in seine Zeit hinein? Und die andere geht zurück auf die Erklärung verschiedener Dinge im Anfang des Johannes-Evangeliums.
[ 14 ] Die eine ist die: Wie stellt sich der Täufer selbst in seine Zeit hinein? Und die andere geht zurück auf die Erklärung verschiedener Dinge im Anfang des Johannes-Evangeliums.
[ 15 ] Wie stellt sich der Täufer in seine Zeit hinein? Was ist der Täufer eigentlich? Er ist einer, der — ebenso wie die anderen, die etwas in den Einweihungen gehört haben - den Hinweis erhalten hat auf den kommenden Christus, der aber als der Einzige hingestellt wird, dem gegenüber dem Christus Jesus das rechte Geheimnis aufgeht: daß der Erschienene eben der Christus ist. Nun sahen die, welche mit «Pharisäer» oder mit anderen Namen bezeichnet wurden, in dem Christus Jesus einen solchen, der eigentlich ihrem alten Einweihungsprinzip widerstrebte, der in ihren Augen etwas tat, was sie in ihrem konservativen Sinne nicht zugeben konnten. Sie sagten, weil sie eben konservativ waren: Es muß bei dem alten Einweihungsprinzip bleiben! — Und dieser Widerspruch: immer von dem zukünftigen Christus zu sprechen, aber niemals den Zeitpunkt eintreten zu lassen, wo er wirklich da sei, das ist es eben, was ihrem Konservatismus zu Grunde liegt. Daher mußten sie, als der Christus Jesus den Lazarus einweihte, es als einen Bruch mit der alten Mysterien-Tradition ansehen. «Der Mensch tut viele Zeichen!» Mit dem können wir keine Gemeinschaft haben! - Er hat nach ihrer Auffassung die Mysterien verraten, dasjenige zu einem Öffentlichen gemacht, was in den Tiefen der MysterienGeheimnisse eingeschlossen sein sollte. Und jetzt begreifen wir, daß dies ihnen wie ein Verrat war und als der Grund erschien, daß sie gegen ihn auftreten müßten. Daher beginnt damit der Umschlag, die Verfolgung des Christus Jesus.
[ 15 ] Wie stellt sich der Täufer in seine Zeit hinein? Was ist der Täufer eigentlich? Er ist einer, der — ebenso wie die anderen, die etwas in den Einweihungen gehört haben - den Hinweis erhalten hat auf den kommenden Christus, der aber als der Einzige hingestellt wird, dem gegenüber dem Christus Jesus das rechte Geheimnis aufgeht: daß der Erschienene eben der Christus ist. Nun sahen die, welche mit «Pharisäer» oder mit anderen Namen bezeichnet wurden, in dem Christus Jesus einen solchen, der eigentlich ihrem alten Einweihungsprinzip widerstrebte, der in ihren Augen etwas tat, was sie in ihrem konservativen Sinne nicht zugeben konnten. Sie sagten, weil sie eben konservativ waren: Es muß bei dem alten Einweihungsprinzip bleiben! — Und dieser Widerspruch: immer von dem zukünftigen Christus zu sprechen, aber niemals den Zeitpunkt eintreten zu lassen, wo er wirklich da sei, das ist es eben, was ihrem Konservatismus zu Grunde liegt. Daher mußten sie, als der Christus Jesus den Lazarus einweihte, es als einen Bruch mit der alten Mysterien-Tradition ansehen. «Der Mensch tut viele Zeichen!» Mit dem können wir keine Gemeinschaft haben! - Er hat nach ihrer Auffassung die Mysterien verraten, dasjenige zu einem Öffentlichen gemacht, was in den Tiefen der MysterienGeheimnisse eingeschlossen sein sollte. Und jetzt begreifen wir, daß dies ihnen wie ein Verrat war und als der Grund erschien, daß sie gegen ihn auftreten müßten. Daher beginnt damit der Umschlag, die Verfolgung des Christus Jesus.
[ 16 ] Als was erweist sich nun der Täufer in den ersten Kapiteln des Johannes-Evangeliums?
[ 16 ] Als was erweist sich nun der Täufer in den ersten Kapiteln des Johannes-Evangeliums?
[ 17 ] Erstens als ein solcher, welcher die Mysterienwahrheit von dem Christus, der da kommen sollte, gar wohl weiß, so gut weiß, daß dies alles der Schreiber des Johannes-Evangeliums selber wiederholen kann, was auch schon der Täufer hat wissen können, wovon er sich überzeugt hat durch das, was wir kennenlernen werden.
[ 17 ] Erstens als ein solcher, welcher die Mysterienwahrheit von dem Christus, der da kommen sollte, gar wohl weiß, so gut weiß, daß dies alles der Schreiber des Johannes-Evangeliums selber wiederholen kann, was auch schon der Täufer hat wissen können, wovon er sich überzeugt hat durch das, was wir kennenlernen werden.
[ 18 ] Wir haben gesehen, was die allerersten Worte des Johannes-Evangeliums bedeuten. Wir wollen jetzt auf das ein wenig Rücksicht nehmen, was über den Täufer selbst gesagt wird. Legen wir es uns aber in möglichst richtiger Übersetzung noch einmal vor. Nur die ersten Worte haben wir bis jetzt gehört.
[ 18 ] Wir haben gesehen, was die allerersten Worte des Johannes-Evangeliums bedeuten. Wir wollen jetzt auf das ein wenig Rücksicht nehmen, was über den Täufer selbst gesagt wird. Legen wir es uns aber in möglichst richtiger Übersetzung noch einmal vor. Nur die ersten Worte haben wir bis jetzt gehört.
«Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.
Dieses war im Urbeginne bei Gott.
Alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden. In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.
Es ward ein Mensch; gesandt war er von Gott, mit seinem Namen Johannes.
Dieser kam zum Zeugnis, auf daß er Zeugnis ablege von dem Lichte, und daß durch ihn alle glauben sollten.
Er war nicht das Licht, sondern ein Zeuge des Lichtes.
Denn das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen.
Es war in der Welt, und die Welt ist durch es geworden, aber die Welt hat es nicht erkannt.
In die einzelnen Menschen kam es (bis zu den Ich-Menschen kam es); aber die einzelnen Menschen (die Ich-Menschen) nahmen es nicht auf.
Die es aber aufnahmen, die konnten sich durch es als Gottes Kinder offenbaren.
Die seinem Namen vertrauten, sind nicht aus Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, und nicht aus menschlichem Willen, sondern aus Gott geworden.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Lehre gehöret, die Lehre von dem einzigen Sohn des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit.
Johannes leget Zeugnis für ihn ab und verkündet deutlich: Dieser war es, von dem ich sagte: Nach mir wird derjenige kommen, der vor mir gewesen ist. Denn er ist mein Vorgänger.
Denn aus dessen Fülle haben wir alle genommen Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben, die Gnade und die Wahrheit aber ist durch Jesus Christus entstanden.
Gott hat niemand bisher mit Augen geschaut. Der eingeborene Sohn, welcher im Innern des Weltenvaters war, er ist der Führer in diesem Schauen geworden.» (1, 1-18)
«Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.
Dieses war im Urbeginne bei Gott.
Alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden. In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.
Es ward ein Mensch; gesandt war er von Gott, mit seinem Namen Johannes.
Dieser kam zum Zeugnis, auf daß er Zeugnis ablege von dem Lichte, und daß durch ihn alle glauben sollten.
Er war nicht das Licht, sondern ein Zeuge des Lichtes.
Denn das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen.
Es war in der Welt, und die Welt ist durch es geworden, aber die Welt hat es nicht erkannt.
In die einzelnen Menschen kam es (bis zu den Ich-Menschen kam es); aber die einzelnen Menschen (die Ich-Menschen) nahmen es nicht auf.
Die es aber aufnahmen, die konnten sich durch es als Gottes Kinder offenbaren.
Die seinem Namen vertrauten, sind nicht aus Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, und nicht aus menschlichem Willen, sondern aus Gott geworden.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Lehre gehöret, die Lehre von dem einzigen Sohn des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit.
Johannes leget Zeugnis für ihn ab und verkündet deutlich: Dieser war es, von dem ich sagte: Nach mir wird derjenige kommen, der vor mir gewesen ist. Denn er ist mein Vorgänger.
Denn aus dessen Fülle haben wir alle genommen Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben, die Gnade und die Wahrheit aber ist durch Jesus Christus entstanden.
Gott hat niemand bisher mit Augen geschaut. Der eingeborene Sohn, welcher im Innern des Weltenvaters war, er ist der Führer in diesem Schauen geworden.» (1, 1-18)
[ 19 ] Das sind diejenigen Worte, die ungefähr den Sinn dieser ersten Sätze des Johannes-Evangeliums wiedergeben. Dazu müssen wir, ehe wir an ihre Erklärung gehen, noch eines fügen. Als was erklärt sich denn Johannes selber? — Sie erinnern sich, daß geschickt wird, um auszukundschaften, wer Johannes der Täufer sei. Priester und Leviten kommen, die ihn fragen sollen, wer er sei. Warum nun die vorhergehende Antwort gegeben wird, werden wir noch sehen. Jetzt wollen wir nur berücksichtigen, was er selber sagt. Er sprach:
[ 19 ] Das sind diejenigen Worte, die ungefähr den Sinn dieser ersten Sätze des Johannes-Evangeliums wiedergeben. Dazu müssen wir, ehe wir an ihre Erklärung gehen, noch eines fügen. Als was erklärt sich denn Johannes selber? — Sie erinnern sich, daß geschickt wird, um auszukundschaften, wer Johannes der Täufer sei. Priester und Leviten kommen, die ihn fragen sollen, wer er sei. Warum nun die vorhergehende Antwort gegeben wird, werden wir noch sehen. Jetzt wollen wir nur berücksichtigen, was er selber sagt. Er sprach:
«Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit.» (1, 23)
«Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit.» (1, 23)
[ 20 ] Das sind die Worte, die da stehen. «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit!» In der Einsamkeit steht da — ganz wörtlich — ἐν τῇ ἐρήμῳ. Im Griechischen bedeutet das Wort «Eremit» «der Einsame». Nun werden Sie es begreifen, daß es richtiger ist, zu sagen: «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit» - als: «Ich bin die Stimme eines Predigers in der Wüste.» Und wir werden alles, was in den Anfangsworten des Johannes-Evangeliums angeführt ist, besser verstehen, wenn wir diese Selbstcharakteristik des Johannes uns vor Augen führen. Warum nennt er sich «die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit»?
[ 20 ] Das sind die Worte, die da stehen. «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit!» In der Einsamkeit steht da — ganz wörtlich — ἐν τῇ ἐρήμῳ. Im Griechischen bedeutet das Wort «Eremit» «der Einsame». Nun werden Sie es begreifen, daß es richtiger ist, zu sagen: «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit» - als: «Ich bin die Stimme eines Predigers in der Wüste.» Und wir werden alles, was in den Anfangsworten des Johannes-Evangeliums angeführt ist, besser verstehen, wenn wir diese Selbstcharakteristik des Johannes uns vor Augen führen. Warum nennt er sich «die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit»?
[ 21 ] In dem Entwickelungsgange der Menschheit haben wir gesehen, daß die eigentliche Erdenmission die Entwickelung der Liebe ist, daß sie aber nur denkbar ist, wenn sie als freiwillige Gabe von selbstbewußten Menschen gegeben wird, und daß sich der Mensch nach und nach sein Ich erobert und daß das Ich langsam und allmählich sich hineinsenkt in die Menschennatur. Wir wissen, daß die Tiere als solche kein einzelnes Ich haben. Wenn der einzelne Löwe «Ich» sagen könnte, wäre damit nicht das einzelne Tier gemeint, sondern das Gruppen-Ich in der astralischen Welt; alle Löwen würden dazu «Ich» sagen. So sagen ganze Gruppen von gleichgeformten Tieren zu dem im Astralischen übersinnlich-wahrnehmbaren Gruppen-Ich «Ich». Das ist der große Vorzug des Menschen vor den Tieren, daß der Mensch ein individuelles Ich hat. Aber das individuelle Ich entwickelt sich erst nach und nach. Der Mensch fing auch an mit einem Gruppen-Ich, mit einem Ich, welches einer ganzen Gruppe von Menschen angehörte.
[ 21 ] In dem Entwickelungsgange der Menschheit haben wir gesehen, daß die eigentliche Erdenmission die Entwickelung der Liebe ist, daß sie aber nur denkbar ist, wenn sie als freiwillige Gabe von selbstbewußten Menschen gegeben wird, und daß sich der Mensch nach und nach sein Ich erobert und daß das Ich langsam und allmählich sich hineinsenkt in die Menschennatur. Wir wissen, daß die Tiere als solche kein einzelnes Ich haben. Wenn der einzelne Löwe «Ich» sagen könnte, wäre damit nicht das einzelne Tier gemeint, sondern das Gruppen-Ich in der astralischen Welt; alle Löwen würden dazu «Ich» sagen. So sagen ganze Gruppen von gleichgeformten Tieren zu dem im Astralischen übersinnlich-wahrnehmbaren Gruppen-Ich «Ich». Das ist der große Vorzug des Menschen vor den Tieren, daß der Mensch ein individuelles Ich hat. Aber das individuelle Ich entwickelt sich erst nach und nach. Der Mensch fing auch an mit einem Gruppen-Ich, mit einem Ich, welches einer ganzen Gruppe von Menschen angehörte.
[ 22 ] Wenn Sie zurückgehen würden zu alten Völkern, zu alten Rassen, überall würden Sie finden, daß die Menschen ursprünglich kleine Gruppen bildeten. Bei den germanischen Völkern brauchten Sie gar nicht einmal weit zurückzugehen. In den Schriften des Tacitus können Sie mit Händen greifen, daß der einzelne Germane mehr hält von seinem ganzen Stamm als von seiner Individualität. Der einzelne fühlt sich mehr als Glied des Cheruskerstammes oder des Sigambrerstammes denn als eine einzelne Persönlichkeit, und daher tritt auch der einzelne ein für das Schicksal des ganzen Stammes; es ist auch gleichgültig, wer aus dem Stamme eine Beleidigung rächt, wenn einem einzelnen Gliede oder dem Stamme eine Beleidigung widerfahren ist. Dann tritt im Laufe der Zeit das ein, daß einzelne Leute heraustreten aus der Stammeszusammengehörigkeit, so daß die Stämme durchbrochen werden und nicht mehr kompakt bleiben. Aus dem Gruppenseelencharakter hat sich auch der Mensch entwickelt und nach und nach sich hinaufgeschwungen dazu, in der Einzelpersönlichkeit das Ich zu empfinden.
[ 22 ] Wenn Sie zurückgehen würden zu alten Völkern, zu alten Rassen, überall würden Sie finden, daß die Menschen ursprünglich kleine Gruppen bildeten. Bei den germanischen Völkern brauchten Sie gar nicht einmal weit zurückzugehen. In den Schriften des Tacitus können Sie mit Händen greifen, daß der einzelne Germane mehr hält von seinem ganzen Stamm als von seiner Individualität. Der einzelne fühlt sich mehr als Glied des Cheruskerstammes oder des Sigambrerstammes denn als eine einzelne Persönlichkeit, und daher tritt auch der einzelne ein für das Schicksal des ganzen Stammes; es ist auch gleichgültig, wer aus dem Stamme eine Beleidigung rächt, wenn einem einzelnen Gliede oder dem Stamme eine Beleidigung widerfahren ist. Dann tritt im Laufe der Zeit das ein, daß einzelne Leute heraustreten aus der Stammeszusammengehörigkeit, so daß die Stämme durchbrochen werden und nicht mehr kompakt bleiben. Aus dem Gruppenseelencharakter hat sich auch der Mensch entwickelt und nach und nach sich hinaufgeschwungen dazu, in der Einzelpersönlichkeit das Ich zu empfinden.
[ 23 ] Wir können gewisse Dinge, besonders die religiösen Urkunden, nur verstehen, wenn wir dies Geheimnis von den Gruppenseelen, von den Gruppen-Ichen wissen. Bei den Völkern, bei denen es schon zu einer gewissen Wahrnehmung des eigenen Ich gekommen war, gab es noch immer ein Ich, das sich nicht nur über räumliche, gleichzeitig lebende Gruppen, sondern auch über zeitliche Gruppen ausdehnte. Heute ist das Gedächtnis der Menschen so, daß sich der einzelne nur noch an seine Jugendzeit erinnert. Aber es gab eine Zeit, in der noch ein anderes Gedächtnis vorhanden war, wo sich der Mensch nicht nur an seine Taten erinnerte, sondern wo er sich auch an die Taten seines Vaters, seines Großvaters erinnerte wie an seine eigenen. Das Gedächtnis reichte hinüber, weit in die Blutsverwandtschaft der Ahnen bis zum Stammvater, dessen Blut herunterfloß durch die Generationen. Jahrhundertelang erhielt sich mit dem Blute das Gedächtnis, und ein Enkel oder ein Sproß eines Stammes sagte zu den Taten, zu den Gedanken seiner Vorfahren «Ich» wie zu sich selber. Man empfand sich da nicht eingeschlossen zwischen Geburt und Tod, sondern man empfand sich als Glied der Generationenreihe, deren Mittelpunkt der Ahne war. Denn das ist der Zusammenhalt des Ich, daß man sich eben der Taten des Vaters, des Großvaters und so weiter erinnerte. In alten Zeiten wurde das schon äußerlich durch die Namengebung ausgedrückt. Der Sohn erinnerte sich nicht nur an seine eigenen Taten, sondern auch an die des Vaters, Großvaters und so weiter. Das Gedächtnis ging durch die Generationen weit hinauf. Alles, was so das Gedächtnis umfaßte, hieß in alten Zeiten zum Beispiel «Noah», hieß «Adam». Damit sind nicht die einzelnen Menschen, sondern die Iche gemeint, die jahrhundertelang das Gedächtnis bewahrten. Dies Geheimnis verbirgt sich auch hinter den Patriarchennamen. Warum lebten die Patriarchen so lange? Es wäre einem in alten Zeiten gar nicht eingefallen, den einzelnen Menschen, der zwischen Geburt und Tod steht, mit einem Namen zu benennen. Adam erhielt sich jahrhundertelang im Gedächtnis, weil gerade die räumliche und zeitliche Begrenzung für die alte Namengebung gar nicht in Betracht kam.
[ 23 ] Wir können gewisse Dinge, besonders die religiösen Urkunden, nur verstehen, wenn wir dies Geheimnis von den Gruppenseelen, von den Gruppen-Ichen wissen. Bei den Völkern, bei denen es schon zu einer gewissen Wahrnehmung des eigenen Ich gekommen war, gab es noch immer ein Ich, das sich nicht nur über räumliche, gleichzeitig lebende Gruppen, sondern auch über zeitliche Gruppen ausdehnte. Heute ist das Gedächtnis der Menschen so, daß sich der einzelne nur noch an seine Jugendzeit erinnert. Aber es gab eine Zeit, in der noch ein anderes Gedächtnis vorhanden war, wo sich der Mensch nicht nur an seine Taten erinnerte, sondern wo er sich auch an die Taten seines Vaters, seines Großvaters erinnerte wie an seine eigenen. Das Gedächtnis reichte hinüber, weit in die Blutsverwandtschaft der Ahnen bis zum Stammvater, dessen Blut herunterfloß durch die Generationen. Jahrhundertelang erhielt sich mit dem Blute das Gedächtnis, und ein Enkel oder ein Sproß eines Stammes sagte zu den Taten, zu den Gedanken seiner Vorfahren «Ich» wie zu sich selber. Man empfand sich da nicht eingeschlossen zwischen Geburt und Tod, sondern man empfand sich als Glied der Generationenreihe, deren Mittelpunkt der Ahne war. Denn das ist der Zusammenhalt des Ich, daß man sich eben der Taten des Vaters, des Großvaters und so weiter erinnerte. In alten Zeiten wurde das schon äußerlich durch die Namengebung ausgedrückt. Der Sohn erinnerte sich nicht nur an seine eigenen Taten, sondern auch an die des Vaters, Großvaters und so weiter. Das Gedächtnis ging durch die Generationen weit hinauf. Alles, was so das Gedächtnis umfaßte, hieß in alten Zeiten zum Beispiel «Noah», hieß «Adam». Damit sind nicht die einzelnen Menschen, sondern die Iche gemeint, die jahrhundertelang das Gedächtnis bewahrten. Dies Geheimnis verbirgt sich auch hinter den Patriarchennamen. Warum lebten die Patriarchen so lange? Es wäre einem in alten Zeiten gar nicht eingefallen, den einzelnen Menschen, der zwischen Geburt und Tod steht, mit einem Namen zu benennen. Adam erhielt sich jahrhundertelang im Gedächtnis, weil gerade die räumliche und zeitliche Begrenzung für die alte Namengebung gar nicht in Betracht kam.
[ 24 ] So löste sich nach und nach langsam das menschliche Einzel-Ich aus der Gruppenseele, aus dem Gruppen-Ich heraus; der Mensch kam nach und nach zum Bewußtsein seines Einzel-Ichs. Vorher fühlte er sein Ich in der Stammeszugehörigkeit, in der Gruppe von Menschen, mit denen er blutsverwandt war, entweder im Raume oder in der Zeit; daher der Ausspruch: «Ich und der Vater Abraham sind eins!», das heißt, sind es Ich. Und da fühlte sich der einzelne geborgen in einem Ganzen, weil das gemeinsame Blut durch alle Adern hinunterrollte, durch alle Mitglieder des betreffenden Volkes. Aber die Entwickelung ging vorwärts: Die Zeit wurde reif, wo gerade innerhalb dieser Völker die Menschen ihr Einzel-Ich empfinden sollten.
[ 24 ] So löste sich nach und nach langsam das menschliche Einzel-Ich aus der Gruppenseele, aus dem Gruppen-Ich heraus; der Mensch kam nach und nach zum Bewußtsein seines Einzel-Ichs. Vorher fühlte er sein Ich in der Stammeszugehörigkeit, in der Gruppe von Menschen, mit denen er blutsverwandt war, entweder im Raume oder in der Zeit; daher der Ausspruch: «Ich und der Vater Abraham sind eins!», das heißt, sind es Ich. Und da fühlte sich der einzelne geborgen in einem Ganzen, weil das gemeinsame Blut durch alle Adern hinunterrollte, durch alle Mitglieder des betreffenden Volkes. Aber die Entwickelung ging vorwärts: Die Zeit wurde reif, wo gerade innerhalb dieser Völker die Menschen ihr Einzel-Ich empfinden sollten.
[ 25 ] Den Menschen das zu geben, was sie brauchten, um sich sicher und fest zu fühlen in diesem einzelnen individuellen Ich, das war die Mission des Christus. So müssen wir auch das Wort auffassen, das so leicht mißverstanden werden kann: «Wer nicht verleugnet Weib und Kind, Vater und Mutter, Bruder und Schwester, der kann nicht mein Jünger sein!» (Mark. 10, 29). Das müssen wir nicht in dem trivialen Sinn auffassen, daß jemand eine Anweisung erhält, der Familie davonzulaufen; sondern es ist gemeint: Ihr sollt fühlen, daß ein jeder von euch ein Einzel-Ich ist und daß dieses Einzel-Ich unmittelbar mit dem geistigen Vater, der durch die Welt flutet, eins ist. Früher sagte der Bekenner des Alten Testaments: «Ich und der Vater Abraham sind eins», weil das Ich sich in der Blutsverwandtschaft ruhen fühlte. Jetzt sollte frei werden das Sich-eins-Fühlen mit dem geistigen Vatergrunde. Nicht mehr sollte die Blutsverwandtschaft die Gewähr bilden, daß der Mensch zu einem Ganzen gehört, sondern das Wissen von dem rein geistigen Vaterprinzip, mit dem alle eins sind.
[ 25 ] Den Menschen das zu geben, was sie brauchten, um sich sicher und fest zu fühlen in diesem einzelnen individuellen Ich, das war die Mission des Christus. So müssen wir auch das Wort auffassen, das so leicht mißverstanden werden kann: «Wer nicht verleugnet Weib und Kind, Vater und Mutter, Bruder und Schwester, der kann nicht mein Jünger sein!» (Mark. 10, 29). Das müssen wir nicht in dem trivialen Sinn auffassen, daß jemand eine Anweisung erhält, der Familie davonzulaufen; sondern es ist gemeint: Ihr sollt fühlen, daß ein jeder von euch ein Einzel-Ich ist und daß dieses Einzel-Ich unmittelbar mit dem geistigen Vater, der durch die Welt flutet, eins ist. Früher sagte der Bekenner des Alten Testaments: «Ich und der Vater Abraham sind eins», weil das Ich sich in der Blutsverwandtschaft ruhen fühlte. Jetzt sollte frei werden das Sich-eins-Fühlen mit dem geistigen Vatergrunde. Nicht mehr sollte die Blutsverwandtschaft die Gewähr bilden, daß der Mensch zu einem Ganzen gehört, sondern das Wissen von dem rein geistigen Vaterprinzip, mit dem alle eins sind.
[ 26 ] So soll uns durch das Johannes-Evangelium gesagt werden, daß der Christus der große Impulsgeber ist für das, was der Mensch braucht, um sich ewig in seinem einzelnen, individuellen Ich zu fühlen. Das ist der Umschwung von dem alten Bunde zu dem neuen Bunde, daß der alte Bund immer etwas von Gruppenseelenhaftigkeit hat, wo das eine Ich sich zugesellt fühlt zu den anderen Ichen und weder sich noch die andern Iche recht fühlt, dafür aber das, worin sie gemeinsam geborgen sind, das Volks-Ich oder Stammes-Ich mitempfindet.
[ 26 ] So soll uns durch das Johannes-Evangelium gesagt werden, daß der Christus der große Impulsgeber ist für das, was der Mensch braucht, um sich ewig in seinem einzelnen, individuellen Ich zu fühlen. Das ist der Umschwung von dem alten Bunde zu dem neuen Bunde, daß der alte Bund immer etwas von Gruppenseelenhaftigkeit hat, wo das eine Ich sich zugesellt fühlt zu den anderen Ichen und weder sich noch die andern Iche recht fühlt, dafür aber das, worin sie gemeinsam geborgen sind, das Volks-Ich oder Stammes-Ich mitempfindet.
[ 27 ] Wie mußte sich denn nun ein Ich fühlen, das so weit reif geworden war, um nicht mehr den Zusammenhang mit den anderen individuellen Persönlichkeiten der Gruppenseele zu fühlen? Wie mußte das vereinzelte Ich empfinden in einer Zeit, in der man sagen konnte: Nicht mehr ist die Zeit, in der man als eine wirkliche menschliche Lebenswahrheit empfinden kann die Zusammengehörigkeit mit anderen Personen, mit allen Ichen, die zu einer Gruppenseele gehören; aber der muß erst kommen, der der Seele das geistige Lebensbrot gibt, wodurch das einzelne Ich seine Nahrung erhält. Das Einzel-Ich mußte sich einsam fühlen, und der Vorgänger des Christus mußte sagen: Ich bin ein Ich, das sich herausgeschält hat, sich einsam fühlt. Und gerade weil ich gelernt habe, mich einsam zu fühlen, fühle ich mich als ein Prophet, dem das Ich in der Einsamkeit die richtige Geistes-Nahrung gibt. — Deshalb mußte sich der Verkünder als ein Rufer in der Einsamkeit bezeichnen, das heißt als das schon vereinsamte, von der Gruppenseele vereinsamte Ich, das da schreit nach dem, wodurch das Einzel-Ich Nahrung bekommen kann. «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit.» Da hören wir wieder die tiefe Wahrheit: Jedes menschliche individuelle Ich ist ein ganz auf sich gestelltes; ich bin die Stimme des Ich, das losgelöst ist und das seinen Grund sucht, auf dem es als losgelöstes Ich stehen kann. Jetzt verstehen wir die Stelle: «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit. »
[ 27 ] Wie mußte sich denn nun ein Ich fühlen, das so weit reif geworden war, um nicht mehr den Zusammenhang mit den anderen individuellen Persönlichkeiten der Gruppenseele zu fühlen? Wie mußte das vereinzelte Ich empfinden in einer Zeit, in der man sagen konnte: Nicht mehr ist die Zeit, in der man als eine wirkliche menschliche Lebenswahrheit empfinden kann die Zusammengehörigkeit mit anderen Personen, mit allen Ichen, die zu einer Gruppenseele gehören; aber der muß erst kommen, der der Seele das geistige Lebensbrot gibt, wodurch das einzelne Ich seine Nahrung erhält. Das Einzel-Ich mußte sich einsam fühlen, und der Vorgänger des Christus mußte sagen: Ich bin ein Ich, das sich herausgeschält hat, sich einsam fühlt. Und gerade weil ich gelernt habe, mich einsam zu fühlen, fühle ich mich als ein Prophet, dem das Ich in der Einsamkeit die richtige Geistes-Nahrung gibt. — Deshalb mußte sich der Verkünder als ein Rufer in der Einsamkeit bezeichnen, das heißt als das schon vereinsamte, von der Gruppenseele vereinsamte Ich, das da schreit nach dem, wodurch das Einzel-Ich Nahrung bekommen kann. «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit.» Da hören wir wieder die tiefe Wahrheit: Jedes menschliche individuelle Ich ist ein ganz auf sich gestelltes; ich bin die Stimme des Ich, das losgelöst ist und das seinen Grund sucht, auf dem es als losgelöstes Ich stehen kann. Jetzt verstehen wir die Stelle: «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit. »
[ 28 ] Um genau die Worte des Johannes-Evangeliums zu verstehen, müssen wir uns ein wenig hineinfinden in die Art und Weise, wie überhaupt damals Namen und Bezeichnungen gegeben worden sind. So abstrakt und nichtssagend wie heute war die Namengebung damals nicht. Und wenn die Ausleger der biblischen Urkunden nur ein klein wenig bedenken wollten, wieviel damit gesagt wird, dann würde manche triviale Auslegung nicht ans Tageslicht treten. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß, wenn der Christus sagt: «Ich bin das Licht der Welt» (8, 12), damit wirklich gemeint ist, daß er der erste war, der für das «Ich-bin» den Ausdruck und Impuls gegeben hat. Daher muß immer da, wo das «Ich-bin» steht in den ersten Kapiteln, dieses «Ich-bin » ganz besonders betont werden. Alle Namen und Bezeichnungen in den alten Zeiten sind in einer gewissen Weise durchaus real und zu gleicher Zeit tief symbolisch gebraucht.
[ 28 ] Um genau die Worte des Johannes-Evangeliums zu verstehen, müssen wir uns ein wenig hineinfinden in die Art und Weise, wie überhaupt damals Namen und Bezeichnungen gegeben worden sind. So abstrakt und nichtssagend wie heute war die Namengebung damals nicht. Und wenn die Ausleger der biblischen Urkunden nur ein klein wenig bedenken wollten, wieviel damit gesagt wird, dann würde manche triviale Auslegung nicht ans Tageslicht treten. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß, wenn der Christus sagt: «Ich bin das Licht der Welt» (8, 12), damit wirklich gemeint ist, daß er der erste war, der für das «Ich-bin» den Ausdruck und Impuls gegeben hat. Daher muß immer da, wo das «Ich-bin» steht in den ersten Kapiteln, dieses «Ich-bin » ganz besonders betont werden. Alle Namen und Bezeichnungen in den alten Zeiten sind in einer gewissen Weise durchaus real und zu gleicher Zeit tief symbolisch gebraucht.
[ 29 ] Nach zwei Richtungen hin werden hier oft gewaltige Irrtümer begangen. Nach oberflächlicher Betrachtung könnte mancher sagen: Ja, nach einer solchen Auffassung ist ja vieles symbolisch gemeint, und auf eine solche Auslegung, wo alles nur symbolisch gemeint sein soll, lassen wir uns nicht ein, da verflüchtigt ihr ja die historischen biblischen Ereignisse! Und diejenigen, die ganz und gar nichts verstehen von den geschichtlichen Ereignissen, mögen sagen: Das ist alles nur symbolisch gemeint. — Aber diejenigen, die so sprechen, verstehen eben nichts von dem Evangelium. Nicht die historische Realität wird durch eine symbolische Erläuterung geleugnet, sondern es muß betont werden, daß die esoterische Erklärung beides umfaßt: die Auffassung der Tatsachen als historische, und indem sie historisch sind, bedeuten sie selbst zugleich das, was wir ihnen beilegen. Freilich, wer nur die brutalen äußeren Tatsachen sieht, nämlich einen Menschen, der irgendwo zu einer Zeit geboren ist, der wird nicht begreifen, daß dieser Mensch noch etwas anderes ist als bloß ein Mensch mit dem betreffenden Namen, dessen Biographie man schreiben kann. Wer aber den geistigen Zusammenhang kennt, der wird verstehen lernen, daß der Mensch, der geboren ist an einem bestimmten Orte, daß dieser lebendige Mensch außerdem noch ein Symbolum für seine Zeit ist, und daß man durch seinen Namen ausdrückt seine ganze Bedeutung für die Entwickelung der Menschheit.
[ 29 ] Nach zwei Richtungen hin werden hier oft gewaltige Irrtümer begangen. Nach oberflächlicher Betrachtung könnte mancher sagen: Ja, nach einer solchen Auffassung ist ja vieles symbolisch gemeint, und auf eine solche Auslegung, wo alles nur symbolisch gemeint sein soll, lassen wir uns nicht ein, da verflüchtigt ihr ja die historischen biblischen Ereignisse! Und diejenigen, die ganz und gar nichts verstehen von den geschichtlichen Ereignissen, mögen sagen: Das ist alles nur symbolisch gemeint. — Aber diejenigen, die so sprechen, verstehen eben nichts von dem Evangelium. Nicht die historische Realität wird durch eine symbolische Erläuterung geleugnet, sondern es muß betont werden, daß die esoterische Erklärung beides umfaßt: die Auffassung der Tatsachen als historische, und indem sie historisch sind, bedeuten sie selbst zugleich das, was wir ihnen beilegen. Freilich, wer nur die brutalen äußeren Tatsachen sieht, nämlich einen Menschen, der irgendwo zu einer Zeit geboren ist, der wird nicht begreifen, daß dieser Mensch noch etwas anderes ist als bloß ein Mensch mit dem betreffenden Namen, dessen Biographie man schreiben kann. Wer aber den geistigen Zusammenhang kennt, der wird verstehen lernen, daß der Mensch, der geboren ist an einem bestimmten Orte, daß dieser lebendige Mensch außerdem noch ein Symbolum für seine Zeit ist, und daß man durch seinen Namen ausdrückt seine ganze Bedeutung für die Entwickelung der Menschheit.
[ 30 ] Symbolisch und historisch zugleich, nicht nur das eine und nicht nur das andere, das ist es, um was es sich handelt bei der wirklichen Evangelien-Erklärung. Und so werden wir bei fast allen Ereignissen und Hinweisungen sehen, daß der Johannes oder der Schreiber des Johannes-Evangeliums, der eigentlich in übersinnlichen Wahrnehmungen sieht, zugleich die Ereignisse und die Offenbarung tiefer geistiger Wahrheiten sieht: Er hat im Auge die historische Gestalt des Täufers, er sieht auf die historische Gestalt hin; zugleich ist ihm aber auch die wirkliche historische Gestalt das Symbolum für alle Menschen, die in den alten Zeiten schon berufen waren, das Ich sich einzuprägen, die aber erst auf dem Wege dazu waren, denen hineinscheinen konnte das Licht der Welt ins einzelne Ich, nicht aber für diejenigen, die noch nicht in der Lage waren, das Licht der Welt in ihrer Finsternis zu begreifen. Das, was als Leben, als Licht und Logos in dem Christus Jesus erschienen ist, es hat schon immer in der Welt geleuchtet; nicht aber haben die es erkannt, die erst im Reifwerden begriffen waren. Immer war das Licht da. Denn wäre das Licht nicht dagewesen, so hätte überhaupt nicht die Anlage zu dem Ich entstehen können. Noch auf dem Monde war von dem heutigen Menschen nur vorhanden physischer Leib, Ätherleib und astralischer Leib; kein Ich war darinnen. Nur weil sich das Licht so umgewandelt hat, wie es auf der Erde scheint, hatte es die Kraft, die einzelnen Iche zu entzünden und langsam zum Heranreifen zu bringen: «Das Licht schien in die Finsternis; aber die Finsternis konnte es noch nicht begreifen» (1, 5). «In die einzelnen Menschen kam es», bis zu den IchMenschen kam es; denn die Ich-Menschen hätten gar nicht entstehen können, wenn es nicht in sie durch den Logos gegossen worden wäre. «Aber die Ich-Menschen nahmen es nicht auf.» Nur einzelne nahmen es auf, die Eingeweihten; die erhoben sich zu den geistigen Welten; die trugen immer den Namen «Kinder Gottes », weil sie eine Erkenntnis hatten von dem Logos, von dem Licht und Leben, und immer davon Zeugnis ablegen konnten. Einzelne waren es, die immer schon durch die alten Mysterien wußten von den geistigen Welten. Was lebte denn in ihnen? Es lebte in ihnen dasjenige, was im Menschen ewig ist. Ganz bewußt lebte das in ihnen. Sie fühlten schon vor das große Wort: «Ich und der Vater sind Eins» (10, 30), nämlich Ich und der große Urgrund sind Eins! Und das Tiefste, was sie im Bewußtsein trugen, ihr eigenes Ich, das hatten sie nicht von Vater und Mutter, sondern sie hatten es durch die Initiation in die geistige Welt. Nicht aus dem Blute und nicht aus dem Fleische und nicht aus eines Vaters oder einer Mutter Willen, sondern «aus Gott», das heißt aus der geistigen Welthatten sie es. - Da haben Sie die Erklärung der Worte, daß die große Anzahl der Menschen, trotzdem sie schon die Anlage zum Ich-Menschen hatten, das Licht nicht aufnahmen, daß es wohl herab kam bis zu dem Gruppen-Ich, daß aber die einzelnen es nicht aufnahmen. Diejenigen, die es aber aufnahmen - das waren nur wenige -, die konnten sich durch es zu Gottes Kindern machen; die ihm aber vertrauten, sind es aus Gott geworden durch die Einweihung. Das gibt uns ein klares Bild. Damit aber alle Menschen mit Erdensinnen den daseienden Gott erkennen konnten, mußte er in der Art auf der Erde erscheinen, daß man ihn mit leiblichen Augen sieht, das heißt er mußte eine fleischliche Gestalt annehmen, weil eine solche Gestalt nur mit den leiblichen Augen gesehen werden kann. Früher konnten ihn nur die Eingeweihten in den Mysterien sehen; jetzt aber hatte er zum Heile aller Fleischgestalt angenommen: «Das Wort oder der Logos war Fleisch geworden» (1, 14). So knüpft der Schreiber des Johannes-Evangeliums die historische Erscheinung des Christus Jesus an die ganze Evolution an. «Wir haben seine Lehre gehört, die Lehre von dem eingeborenen Sohne des Vaters» (1, 14). Was ist das für eine Lehre? Was sind denn die andern Menschen für geborene?
[ 30 ] Symbolisch und historisch zugleich, nicht nur das eine und nicht nur das andere, das ist es, um was es sich handelt bei der wirklichen Evangelien-Erklärung. Und so werden wir bei fast allen Ereignissen und Hinweisungen sehen, daß der Johannes oder der Schreiber des Johannes-Evangeliums, der eigentlich in übersinnlichen Wahrnehmungen sieht, zugleich die Ereignisse und die Offenbarung tiefer geistiger Wahrheiten sieht: Er hat im Auge die historische Gestalt des Täufers, er sieht auf die historische Gestalt hin; zugleich ist ihm aber auch die wirkliche historische Gestalt das Symbolum für alle Menschen, die in den alten Zeiten schon berufen waren, das Ich sich einzuprägen, die aber erst auf dem Wege dazu waren, denen hineinscheinen konnte das Licht der Welt ins einzelne Ich, nicht aber für diejenigen, die noch nicht in der Lage waren, das Licht der Welt in ihrer Finsternis zu begreifen. Das, was als Leben, als Licht und Logos in dem Christus Jesus erschienen ist, es hat schon immer in der Welt geleuchtet; nicht aber haben die es erkannt, die erst im Reifwerden begriffen waren. Immer war das Licht da. Denn wäre das Licht nicht dagewesen, so hätte überhaupt nicht die Anlage zu dem Ich entstehen können. Noch auf dem Monde war von dem heutigen Menschen nur vorhanden physischer Leib, Ätherleib und astralischer Leib; kein Ich war darinnen. Nur weil sich das Licht so umgewandelt hat, wie es auf der Erde scheint, hatte es die Kraft, die einzelnen Iche zu entzünden und langsam zum Heranreifen zu bringen: «Das Licht schien in die Finsternis; aber die Finsternis konnte es noch nicht begreifen» (1, 5). «In die einzelnen Menschen kam es», bis zu den IchMenschen kam es; denn die Ich-Menschen hätten gar nicht entstehen können, wenn es nicht in sie durch den Logos gegossen worden wäre. «Aber die Ich-Menschen nahmen es nicht auf.» Nur einzelne nahmen es auf, die Eingeweihten; die erhoben sich zu den geistigen Welten; die trugen immer den Namen «Kinder Gottes », weil sie eine Erkenntnis hatten von dem Logos, von dem Licht und Leben, und immer davon Zeugnis ablegen konnten. Einzelne waren es, die immer schon durch die alten Mysterien wußten von den geistigen Welten. Was lebte denn in ihnen? Es lebte in ihnen dasjenige, was im Menschen ewig ist. Ganz bewußt lebte das in ihnen. Sie fühlten schon vor das große Wort: «Ich und der Vater sind Eins» (10, 30), nämlich Ich und der große Urgrund sind Eins! Und das Tiefste, was sie im Bewußtsein trugen, ihr eigenes Ich, das hatten sie nicht von Vater und Mutter, sondern sie hatten es durch die Initiation in die geistige Welt. Nicht aus dem Blute und nicht aus dem Fleische und nicht aus eines Vaters oder einer Mutter Willen, sondern «aus Gott», das heißt aus der geistigen Welthatten sie es. - Da haben Sie die Erklärung der Worte, daß die große Anzahl der Menschen, trotzdem sie schon die Anlage zum Ich-Menschen hatten, das Licht nicht aufnahmen, daß es wohl herab kam bis zu dem Gruppen-Ich, daß aber die einzelnen es nicht aufnahmen. Diejenigen, die es aber aufnahmen - das waren nur wenige -, die konnten sich durch es zu Gottes Kindern machen; die ihm aber vertrauten, sind es aus Gott geworden durch die Einweihung. Das gibt uns ein klares Bild. Damit aber alle Menschen mit Erdensinnen den daseienden Gott erkennen konnten, mußte er in der Art auf der Erde erscheinen, daß man ihn mit leiblichen Augen sieht, das heißt er mußte eine fleischliche Gestalt annehmen, weil eine solche Gestalt nur mit den leiblichen Augen gesehen werden kann. Früher konnten ihn nur die Eingeweihten in den Mysterien sehen; jetzt aber hatte er zum Heile aller Fleischgestalt angenommen: «Das Wort oder der Logos war Fleisch geworden» (1, 14). So knüpft der Schreiber des Johannes-Evangeliums die historische Erscheinung des Christus Jesus an die ganze Evolution an. «Wir haben seine Lehre gehört, die Lehre von dem eingeborenen Sohne des Vaters» (1, 14). Was ist das für eine Lehre? Was sind denn die andern Menschen für geborene?
[ 31 ] Man nannte in den alten Zeiten, in denen die Evangelien geschrieben wurden, «zweigeboren» diejenigen, die vom Fleische geboren sind. Sie nannte man zweigeboren, sagen wir durch die Vermischung des Blutes von Vater und Mutter. Was nicht aus dem Fleische geboren ist und nicht durch die Menschenwirkung und nicht durch die Vermischung des Blutes entstanden ist, das ist «aus Gott geboren»; das ist «eingeboren». Diejenigen, die früher «Gotteskinder» genannt wurden, waren immer schon in gewisser Weise die «Eingeborenen»; und die Lehre von dem Gottessohn ist die Lehre von dem «Eingeborenen». Der physische Mensch ist der «Zweigeborene», der Geistesmensch ist der «Eingeborene». Das dürfen Sie nicht so auffassen, als ob es hieße «hineingeboren», nein, eingeboren ist der Gegensatz zu zweigeboren. Und das Wort deutet darauf hin, daß der Mensch außer der physischen Geburt auch eine geistige Geburt durchmachen kann, nämlich die Vereinigung mit dem Geiste, die Geburt, durch die er eingeboren, ein Kind oder Sohn der Gottheit wird. Und eine solche Lehre - gehört werden konnte sie erst durch den, der das Fleisch gewordene Wort darstellte. Durch ihn wurde die Lehre allgemein, «die Lehre von dem eingeborenen Sohne des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit» (1, 14). «Hingabe» muß hier besser übersetzt werden, weil man es zu tun hat zwar mit einem Herausgeborenwerden aus der Gottheit, aber mit einem Zusammenbleiben und zu gleicher Zeit mit der Hinwegnahme aller Illusion. Diese letztere kommt nur aus dem Zweigeboren-sein und umschließt den Menschen mit Sinnestäuschungen, im Gegensatz zu dieser einen Lehre, die die Wahrheit bringt in dem Christus Jesus, wie er stand und wohnte unter den Menschen als der verkörperte Logos. Johannes aber nannte sich — das bedeutet es wörtlich -: der Vorläufer, Vorgänger, der, der vorangeht zur Verkündigung des Ich. Johannes bezeichnet sich selbst als den, der zwar wußte, daß dies Ich in dem einzelnen selbständig werden muß, der aber Zeugnis abzulegen hatte von dem, der da kommen wird, um dies zu bewirken. Er sagte deutlich: Der, der da kommen wird, ist das «Ich-bin», das ewig ist, das wirklich von sich sagen kann: Bevor Abraham war, war «Ich-bin ». Johannes konnte sagen: Das Ich, von dem hier die Rede ist, es ist vor mir gewesen; es ist zu gleicher Zeit, trotzdem ich sein Vorgänger bin, mein Vorgänger; ich lege Zeugnis ab von dem, was vorher in jedem Menschen war; «nach mir wird der kommen, der vor mir gewesen ist» (1, 15).
[ 31 ] Man nannte in den alten Zeiten, in denen die Evangelien geschrieben wurden, «zweigeboren» diejenigen, die vom Fleische geboren sind. Sie nannte man zweigeboren, sagen wir durch die Vermischung des Blutes von Vater und Mutter. Was nicht aus dem Fleische geboren ist und nicht durch die Menschenwirkung und nicht durch die Vermischung des Blutes entstanden ist, das ist «aus Gott geboren»; das ist «eingeboren». Diejenigen, die früher «Gotteskinder» genannt wurden, waren immer schon in gewisser Weise die «Eingeborenen»; und die Lehre von dem Gottessohn ist die Lehre von dem «Eingeborenen». Der physische Mensch ist der «Zweigeborene», der Geistesmensch ist der «Eingeborene». Das dürfen Sie nicht so auffassen, als ob es hieße «hineingeboren», nein, eingeboren ist der Gegensatz zu zweigeboren. Und das Wort deutet darauf hin, daß der Mensch außer der physischen Geburt auch eine geistige Geburt durchmachen kann, nämlich die Vereinigung mit dem Geiste, die Geburt, durch die er eingeboren, ein Kind oder Sohn der Gottheit wird. Und eine solche Lehre - gehört werden konnte sie erst durch den, der das Fleisch gewordene Wort darstellte. Durch ihn wurde die Lehre allgemein, «die Lehre von dem eingeborenen Sohne des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit» (1, 14). «Hingabe» muß hier besser übersetzt werden, weil man es zu tun hat zwar mit einem Herausgeborenwerden aus der Gottheit, aber mit einem Zusammenbleiben und zu gleicher Zeit mit der Hinwegnahme aller Illusion. Diese letztere kommt nur aus dem Zweigeboren-sein und umschließt den Menschen mit Sinnestäuschungen, im Gegensatz zu dieser einen Lehre, die die Wahrheit bringt in dem Christus Jesus, wie er stand und wohnte unter den Menschen als der verkörperte Logos. Johannes aber nannte sich — das bedeutet es wörtlich -: der Vorläufer, Vorgänger, der, der vorangeht zur Verkündigung des Ich. Johannes bezeichnet sich selbst als den, der zwar wußte, daß dies Ich in dem einzelnen selbständig werden muß, der aber Zeugnis abzulegen hatte von dem, der da kommen wird, um dies zu bewirken. Er sagte deutlich: Der, der da kommen wird, ist das «Ich-bin», das ewig ist, das wirklich von sich sagen kann: Bevor Abraham war, war «Ich-bin ». Johannes konnte sagen: Das Ich, von dem hier die Rede ist, es ist vor mir gewesen; es ist zu gleicher Zeit, trotzdem ich sein Vorgänger bin, mein Vorgänger; ich lege Zeugnis ab von dem, was vorher in jedem Menschen war; «nach mir wird der kommen, der vor mir gewesen ist» (1, 15).
[ 32 ] Und nun werden bedeutsame Worte gesagt: «Denn aus dessen Fülle haben wir alle entnommen Gnade über Gnade» (1, 16). Viele Menschen gibt es, die sich Christen nennen und die über das Wort «Fülle » hinweglesen, die sich bei diesem Wort nichts besonders Genaues denken. «Pleroma» heißt nach dem Griechischen «die Fülle». Das steht auch im Johannes-Evangelium: «Denn aus dem Pleroma haben wir alle entnommen Gnade über Gnade!» Ich sagte, jedes Wort des Johannes-Evangeliums muß man, wenn man es überhaupt verstehen will, auf die Goldwaage legen. Was ist denn nun Pleroma, die Fülle? Nur der kann es verstehen, der da weiß, daß man in den alten Mysterien von dem Pleroma oder der Fülle als von etwas ganz Bestimmtem gesprochen hat. Denn man hat damals schon die Lehre vertreten, daß, als sich zuerst offenbarten diejenigen geistigen Wesenheiten, die bis zur Göttlichkeit aufgestiegen waren während des alten Mondes, die Elohim, einer sich von ihnen trennte: Einer blieb auf dem Mond und strahlte von dort zurück die Kraft der Liebe, bis die Menschen genügend reif waren für das Licht der übrigen sechs Elohim. So unterschied man Jahve, den Einzelgott, den Rückstrahler und die aus sechs bestehende Fülle der Gottheit, «Pleroma ». Da aber mit dem Gesamtbewußtsein des Sonnenlogos der Christus gemeint ist, mußte man, wenn man auf ihn hindeutete, sprechen von der Fülle der Götter. Diese tiefe Wahrheit verbirgt sich dahinter: «Denn aus dem Pleroma haben wir alle entnommen Gnade über Gnade.»
[ 32 ] Und nun werden bedeutsame Worte gesagt: «Denn aus dessen Fülle haben wir alle entnommen Gnade über Gnade» (1, 16). Viele Menschen gibt es, die sich Christen nennen und die über das Wort «Fülle » hinweglesen, die sich bei diesem Wort nichts besonders Genaues denken. «Pleroma» heißt nach dem Griechischen «die Fülle». Das steht auch im Johannes-Evangelium: «Denn aus dem Pleroma haben wir alle entnommen Gnade über Gnade!» Ich sagte, jedes Wort des Johannes-Evangeliums muß man, wenn man es überhaupt verstehen will, auf die Goldwaage legen. Was ist denn nun Pleroma, die Fülle? Nur der kann es verstehen, der da weiß, daß man in den alten Mysterien von dem Pleroma oder der Fülle als von etwas ganz Bestimmtem gesprochen hat. Denn man hat damals schon die Lehre vertreten, daß, als sich zuerst offenbarten diejenigen geistigen Wesenheiten, die bis zur Göttlichkeit aufgestiegen waren während des alten Mondes, die Elohim, einer sich von ihnen trennte: Einer blieb auf dem Mond und strahlte von dort zurück die Kraft der Liebe, bis die Menschen genügend reif waren für das Licht der übrigen sechs Elohim. So unterschied man Jahve, den Einzelgott, den Rückstrahler und die aus sechs bestehende Fülle der Gottheit, «Pleroma ». Da aber mit dem Gesamtbewußtsein des Sonnenlogos der Christus gemeint ist, mußte man, wenn man auf ihn hindeutete, sprechen von der Fülle der Götter. Diese tiefe Wahrheit verbirgt sich dahinter: «Denn aus dem Pleroma haben wir alle entnommen Gnade über Gnade.»
[ 33 ] Nun gehen wir weiter, indem wir uns zurückversetzen in die Gruppenseelenzeit, wo der einzelne sein Ich fühlte als Gruppen-Ich. Betrachten wir nun, was als soziale Ordnung in der Gruppe lebte. Die Menschen leben ja doch, insofern sie sichtbare Menschen waren, als einzelne. Sie fühlen zwar das Gruppen-Ich, aber für die Sinne waren sie einzelne. Da sie sich noch nicht als einzelne fühlten, konnten sie auch noch nicht die Liebe in vollem Maße innerlich haben. Der eine liebt den anderen, weil er blutsverwandt mit ihm ist. Die Blutsverwandtschaft ist die Grundlage aller Liebe. Die Blutsverwandten liebten sich zuerst, und aus der Blutsverwandtschaft geht auch die Liebe hervor, sofern sie nicht Geschlechtsliebe ist. Von dieser Gruppenseelenliebe sollen sich die Menschen immer mehr und mehr befreien und die Liebe als freie Gabe des Ich darbringen. Am Ende der Erdenentwickelung werden die Menschen es erreichen, daß eine Zeit kommt, in welcher das selbständig gewordene Ich in seinem Innersten aus voller Hingabe den Impuls hat, das Rechte und das Gute zu tun. Weil das Ich diesen Impuls hat, tut es das Rechte, tut es das Gute. Wenn die Liebe so vergeistigt ist, daß niemand anderes wollen wird, als zu tun, was das Richtige ist, dann ist das erfüllt, was der Christus Jesus in die Welt bringen wollte. Denn das ist eines der Geheimnisse des Christentums, daß es lehrt: Schaut hin auf Christus, erfüllt euch mit der Kraft seiner Gestalt, versucht zu werden wie er, ihm nachzufolgen; dann wird euer befreites Ich so, daß es kein Gesetz braucht, daß es als ein in seinem Innersten freies Wesen das Gute, das Rechte tut. So ist Christus der Impulsbringer der Freiheit vom Gesetz, so daß das Gute nicht wegen des Gesetzes, sondern als Impuls der im Innern lebenden Liebe getan wird.
[ 33 ] Nun gehen wir weiter, indem wir uns zurückversetzen in die Gruppenseelenzeit, wo der einzelne sein Ich fühlte als Gruppen-Ich. Betrachten wir nun, was als soziale Ordnung in der Gruppe lebte. Die Menschen leben ja doch, insofern sie sichtbare Menschen waren, als einzelne. Sie fühlen zwar das Gruppen-Ich, aber für die Sinne waren sie einzelne. Da sie sich noch nicht als einzelne fühlten, konnten sie auch noch nicht die Liebe in vollem Maße innerlich haben. Der eine liebt den anderen, weil er blutsverwandt mit ihm ist. Die Blutsverwandtschaft ist die Grundlage aller Liebe. Die Blutsverwandten liebten sich zuerst, und aus der Blutsverwandtschaft geht auch die Liebe hervor, sofern sie nicht Geschlechtsliebe ist. Von dieser Gruppenseelenliebe sollen sich die Menschen immer mehr und mehr befreien und die Liebe als freie Gabe des Ich darbringen. Am Ende der Erdenentwickelung werden die Menschen es erreichen, daß eine Zeit kommt, in welcher das selbständig gewordene Ich in seinem Innersten aus voller Hingabe den Impuls hat, das Rechte und das Gute zu tun. Weil das Ich diesen Impuls hat, tut es das Rechte, tut es das Gute. Wenn die Liebe so vergeistigt ist, daß niemand anderes wollen wird, als zu tun, was das Richtige ist, dann ist das erfüllt, was der Christus Jesus in die Welt bringen wollte. Denn das ist eines der Geheimnisse des Christentums, daß es lehrt: Schaut hin auf Christus, erfüllt euch mit der Kraft seiner Gestalt, versucht zu werden wie er, ihm nachzufolgen; dann wird euer befreites Ich so, daß es kein Gesetz braucht, daß es als ein in seinem Innersten freies Wesen das Gute, das Rechte tut. So ist Christus der Impulsbringer der Freiheit vom Gesetz, so daß das Gute nicht wegen des Gesetzes, sondern als Impuls der im Innern lebenden Liebe getan wird.
[ 34 ] Dieser Impuls wird aber noch den ganzen Rest der Erdenzeit zu seiner Entwickelung brauchen. Der Anfang dazu ist durch den Christus Jesus gemacht worden, und immer wird die Christusgestalt die Kraft sein, welche die Menschen dazu erziehen wird. Solange die Menschen nicht reif waren, ein selbständiges Ich zu empfangen, solange sie als Glieder einer Gruppe existierten, mußten sie durch ein äußerlich geoffenbartes Gesetz sozial geregelt werden. Und auch heute sind die Menschen noch nicht in allen Dingen über die Gruppen-Iche hinaus. In wie vielen Dingen ist der Mensch heute durchaus nicht individueller Mensch, sondern ein Gruppenwesen! Der Mensch, der heute schon ein freies Wesen wäre — man nennt ihn den «Heimatlosen» auf einer gewissen Stufe der esoterischen Schülerschaft -, der ist doch noch ein Ideal! Wer sich freiwillig hineinstellt in das Weltenwirken, der ist individuell, der wird nicht durch das Gesetz geregelt. Im Christus-Prinzip liegt die Überwindung des Gesetzes: «Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade aber durch Christus » (1, 17). Als Gnade bezeichnete man im christlichen Sinne die Fähigkeit der Seele, aus dem Innern heraus das Gute zu tun. Die Gnade und die im Innern erkannte Wahrheit ist durch Christus entstanden. Sie sehen, wie tief eingreifend dieser Gedanke für die ganze Menschheitsevolution ist.
[ 34 ] Dieser Impuls wird aber noch den ganzen Rest der Erdenzeit zu seiner Entwickelung brauchen. Der Anfang dazu ist durch den Christus Jesus gemacht worden, und immer wird die Christusgestalt die Kraft sein, welche die Menschen dazu erziehen wird. Solange die Menschen nicht reif waren, ein selbständiges Ich zu empfangen, solange sie als Glieder einer Gruppe existierten, mußten sie durch ein äußerlich geoffenbartes Gesetz sozial geregelt werden. Und auch heute sind die Menschen noch nicht in allen Dingen über die Gruppen-Iche hinaus. In wie vielen Dingen ist der Mensch heute durchaus nicht individueller Mensch, sondern ein Gruppenwesen! Der Mensch, der heute schon ein freies Wesen wäre — man nennt ihn den «Heimatlosen» auf einer gewissen Stufe der esoterischen Schülerschaft -, der ist doch noch ein Ideal! Wer sich freiwillig hineinstellt in das Weltenwirken, der ist individuell, der wird nicht durch das Gesetz geregelt. Im Christus-Prinzip liegt die Überwindung des Gesetzes: «Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade aber durch Christus » (1, 17). Als Gnade bezeichnete man im christlichen Sinne die Fähigkeit der Seele, aus dem Innern heraus das Gute zu tun. Die Gnade und die im Innern erkannte Wahrheit ist durch Christus entstanden. Sie sehen, wie tief eingreifend dieser Gedanke für die ganze Menschheitsevolution ist.
[ 35 ] Früher wurden diejenigen, die eingeweiht wurden, zu höheren geistigen Wahrnehmungsorganen gebracht. Mit äußeren Augen hat vorher niemals einer einen Gott gesehen. Der eingeborene Sohn, der im Innern des Vaters ruht, der ist der erste, der uns dahin geführt hat, auf die Weise einen Gott zu schauen, wie Menschen auf der Erde mit Erdensinnen ihre Umgebung sehen. Vorher war der Gott unsichtbar geblieben. Er offenbarte sich im Übersinnlichen durch den Traum oder durch etwas anderes in den Einweihungsstätten. Jetzt war der Gott historisch-sinnliche Tatsache, eine fleischliche Gestalt geworden. Das liegt in den Worten: «Gott hat bisher noch niemand gesehen. Der eingeborene Sohn, welcher im Innern des Weltenvaters war, er ist der Führer in diesem Schauen geworden » (1, 18). Er hat die Menschen dazu gebracht, mit den Erdensinnen einen Gott zu sehen.
[ 35 ] Früher wurden diejenigen, die eingeweiht wurden, zu höheren geistigen Wahrnehmungsorganen gebracht. Mit äußeren Augen hat vorher niemals einer einen Gott gesehen. Der eingeborene Sohn, der im Innern des Vaters ruht, der ist der erste, der uns dahin geführt hat, auf die Weise einen Gott zu schauen, wie Menschen auf der Erde mit Erdensinnen ihre Umgebung sehen. Vorher war der Gott unsichtbar geblieben. Er offenbarte sich im Übersinnlichen durch den Traum oder durch etwas anderes in den Einweihungsstätten. Jetzt war der Gott historisch-sinnliche Tatsache, eine fleischliche Gestalt geworden. Das liegt in den Worten: «Gott hat bisher noch niemand gesehen. Der eingeborene Sohn, welcher im Innern des Weltenvaters war, er ist der Führer in diesem Schauen geworden » (1, 18). Er hat die Menschen dazu gebracht, mit den Erdensinnen einen Gott zu sehen.
[ 36 ] So sehen wir allerdings, wie scharf und bedeutsam im JohannesEvangelium auf das historische Ereignis in Palästina hingewiesen wird und mit welch paradigmatischen, fest umrissenen Worten, die aber durchaus auf die Goldwaage gelegt werden müssen, wenn wir sie zum Verständnisse des esoterischen Christentums benutzen wollen. Und nun werden wir in den nächsten Vorträgen sehen, wie dieses Thema weiter ausgeführt und zugleich gezeigt wird, daß der Christus nicht nur der Führer derjenigen ist, die mit der Gruppenseele zusammenhängen, sondern wie er in jeden einzelnen Menschen kommt und gerade das individuelle Ich mit seinem Impuls ausstatten will. Die Blutsverwandtschaft bleibt ja bestehen, aber die Geistigkeit der Liebe tritt hinzu. Und dieser Liebe, die vom freien Ich zum freien Ich geht, gibt er den Impuls. Für den in der Einweihung Begriffenen enthüllt sich Tag für Tag eine Wahrheit nach der anderen. Eine wichtige Wahrheit enthüllt sich immer am dritten Tage. Das ist die, wo man völlig verstehen lernt, daß in der Entwickelung der Erde ein Punkt ist, wodurch sich die an das Blut geknüpfte materielle Liebe immer mehr vergeistigt. Das ist das Ereignis, das veranschaulichen soll den Übergang von der reinen Blutsliebe zu der geistigen Liebe. Darauf wird hingewiesen mit bedeutungsvollen Worten von dem Christus Jesus, wenn er sagt: Es wird eine Zeit kommen, die meine Zeit ist, wo die wichtigsten Dinge geschaffen werden durch Menschen, die nicht mehr durch Blutsverwandtschaft zusammenhängen, sondern durch solche, die als einzelne für sich stehen. Diese Zeit muß aber erst kommen. — Der Christus selber, der den ersten Impuls gibt, sagt bei einer wichtigen Gelegenheit, daß sich dieses Ideal einmal erfüllen wird, daß aber seine Zeit noch nicht gekommen ist. Er deutet prophetisch darauf hin, als die Mutter dasteht und ihn auffordert, etwas zu tun für die Menschheit, als sie gleichsam darauf anspielt, sie habe ein Recht, ihn zu veranlassen zu einer wichtigen Tat für die Menschen. Da erwidert er: Ja, was wir heute tun können, das hat noch etwas zu tun mit den Blutsbanden, mit dem Verhältnis von «mir und dir»; «denn meine Zeit ist noch nicht gekommen » (z, 4). Daß eine solche Zeit kommt, wo der Einzelne für sich stehen muß, ist mit der Erzählung der Hochzeit zu Kana ausgedrückt; und die Aufforderung «Sie haben nicht Wein!» (2, 3) wird von Jesus so beantwortet, daß er sagt: «Das ist etwas, was noch mit «mir und dir» zu tun hat; meine Zeit, die ist noch nicht gekommen.» Daher stehen da die Worte «von mir zu dir» und «meine Zeit ist noch nicht gekommen». Was da steht im Text, deutet auf dieses Geheimnis hin. Wie vieles andere ist auch diese Stelle immer recht grob übersetzt worden. Nicht «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?» sollte dastehen, sondern «Was geht da von mir zu dir?». So fein und subtil ist der Text, aber bloß verständlich für die, die ihn verstehen wollen. Wenn aber immer wieder diese religiösen Urkunden heute von allerlei Leuten erklärt werden, möchte man doch fragen: Haben denn die, welche sich Christen nenen, gar keine Empfindung dabei, wenn sie Christus — nach unrichtiger Übersetzung — den Ausspruch tun lassen: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?»
[ 36 ] So sehen wir allerdings, wie scharf und bedeutsam im JohannesEvangelium auf das historische Ereignis in Palästina hingewiesen wird und mit welch paradigmatischen, fest umrissenen Worten, die aber durchaus auf die Goldwaage gelegt werden müssen, wenn wir sie zum Verständnisse des esoterischen Christentums benutzen wollen. Und nun werden wir in den nächsten Vorträgen sehen, wie dieses Thema weiter ausgeführt und zugleich gezeigt wird, daß der Christus nicht nur der Führer derjenigen ist, die mit der Gruppenseele zusammenhängen, sondern wie er in jeden einzelnen Menschen kommt und gerade das individuelle Ich mit seinem Impuls ausstatten will. Die Blutsverwandtschaft bleibt ja bestehen, aber die Geistigkeit der Liebe tritt hinzu. Und dieser Liebe, die vom freien Ich zum freien Ich geht, gibt er den Impuls. Für den in der Einweihung Begriffenen enthüllt sich Tag für Tag eine Wahrheit nach der anderen. Eine wichtige Wahrheit enthüllt sich immer am dritten Tage. Das ist die, wo man völlig verstehen lernt, daß in der Entwickelung der Erde ein Punkt ist, wodurch sich die an das Blut geknüpfte materielle Liebe immer mehr vergeistigt. Das ist das Ereignis, das veranschaulichen soll den Übergang von der reinen Blutsliebe zu der geistigen Liebe. Darauf wird hingewiesen mit bedeutungsvollen Worten von dem Christus Jesus, wenn er sagt: Es wird eine Zeit kommen, die meine Zeit ist, wo die wichtigsten Dinge geschaffen werden durch Menschen, die nicht mehr durch Blutsverwandtschaft zusammenhängen, sondern durch solche, die als einzelne für sich stehen. Diese Zeit muß aber erst kommen. — Der Christus selber, der den ersten Impuls gibt, sagt bei einer wichtigen Gelegenheit, daß sich dieses Ideal einmal erfüllen wird, daß aber seine Zeit noch nicht gekommen ist. Er deutet prophetisch darauf hin, als die Mutter dasteht und ihn auffordert, etwas zu tun für die Menschheit, als sie gleichsam darauf anspielt, sie habe ein Recht, ihn zu veranlassen zu einer wichtigen Tat für die Menschen. Da erwidert er: Ja, was wir heute tun können, das hat noch etwas zu tun mit den Blutsbanden, mit dem Verhältnis von «mir und dir»; «denn meine Zeit ist noch nicht gekommen » (z, 4). Daß eine solche Zeit kommt, wo der Einzelne für sich stehen muß, ist mit der Erzählung der Hochzeit zu Kana ausgedrückt; und die Aufforderung «Sie haben nicht Wein!» (2, 3) wird von Jesus so beantwortet, daß er sagt: «Das ist etwas, was noch mit «mir und dir» zu tun hat; meine Zeit, die ist noch nicht gekommen.» Daher stehen da die Worte «von mir zu dir» und «meine Zeit ist noch nicht gekommen». Was da steht im Text, deutet auf dieses Geheimnis hin. Wie vieles andere ist auch diese Stelle immer recht grob übersetzt worden. Nicht «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?» sollte dastehen, sondern «Was geht da von mir zu dir?». So fein und subtil ist der Text, aber bloß verständlich für die, die ihn verstehen wollen. Wenn aber immer wieder diese religiösen Urkunden heute von allerlei Leuten erklärt werden, möchte man doch fragen: Haben denn die, welche sich Christen nenen, gar keine Empfindung dabei, wenn sie Christus — nach unrichtiger Übersetzung — den Ausspruch tun lassen: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?»
[ 37 ] Bei vielem, was sich heute Christentum nennt und sich beruft auf das Evangelium, muß man fragen: Haben sie denn das Evangelium? Es handelt sich darum, daß man das Evangelium erst habe. Und bei einer solch tiefen Urkunde, wie es das Johannes-Evangelium ist, handelt es sich wirklich darum, daß man erst jedes Wort auf die Goldwaage legt, um es in seinem rechten Werte zu erkennen.
[ 37 ] Bei vielem, was sich heute Christentum nennt und sich beruft auf das Evangelium, muß man fragen: Haben sie denn das Evangelium? Es handelt sich darum, daß man das Evangelium erst habe. Und bei einer solch tiefen Urkunde, wie es das Johannes-Evangelium ist, handelt es sich wirklich darum, daß man erst jedes Wort auf die Goldwaage legt, um es in seinem rechten Werte zu erkennen.
