The Apocalypse of John
GA 104
17 June 1908, Nuremberg
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Die Apokalypse des Johannes, 9th ed.
Geisteswissenschaft, Evangelium und Menschheitszukunft
Geisteswissenschaft, Evangelium und Menschheitszukunft
[ 1 ] Nürnberg kann im Herbst dieses Jahres eine schöne Jahrhundertfeier begehen. Denn es war im Herbst 1808, als diese Stadt in ihren Mauern einen der größten deutschen Geister aufgenommen hat, einen derjenigen deutschen Geister, von denen freilich heute nicht gerade viel gesprochen wird, dessen Werke noch weniger verstanden werden, der aber für die Zukunft des menschlichen Geisteslebens, wenn er einst verstanden werden wird, sehr viel bedeuten wird. Er ist allerdings schwer zu verstehen, und deshalb mag es einige Zeit dauern, bis die Menschen ihn wieder begreifen werden. Im Herbst 1808 wurde Hegel Direktor des Königlichen Gymnasiums in Nürnberg.
[ 1 ] Nürnberg kann im Herbst dieses Jahres eine schöne Jahrhundertfeier begehen. Denn es war im Herbst 1808, als diese Stadt in ihren Mauern einen der größten deutschen Geister aufgenommen hat, einen derjenigen deutschen Geister, von denen freilich heute nicht gerade viel gesprochen wird, dessen Werke noch weniger verstanden werden, der aber für die Zukunft des menschlichen Geisteslebens, wenn er einst verstanden werden wird, sehr viel bedeuten wird. Er ist allerdings schwer zu verstehen, und deshalb mag es einige Zeit dauern, bis die Menschen ihn wieder begreifen werden. Im Herbst 1808 wurde Hegel Direktor des Königlichen Gymnasiums in Nürnberg.
[ 2 ] Hegel hat einen Ausspruch getan, den wir vielleicht gerade heute als einen Richtspruch an die Spitze unserer Betrachtungen setzen dürfen. Hegel sagte: Der tiefste Gedanke ist mit der Gestalt Christi: mit dem Geschichtlichen und Äußerlichen vereinigt, und das ist eben das Große der christlichen Religion, daß sie bei aller dieser Tiefe leicht vom Bewußtsein in äußerlicher Hinsicht aufzufassen ist und zugleich zum tieferen Eindringen auffordert. Sie ist so für jede Stufe der Bildung und befriedigt zugleich die höchsten Anforderungen. — Das sind Worte Hegels, des deutschen Philosophen.
[ 2 ] Hegel hat einen Ausspruch getan, den wir vielleicht gerade heute als einen Richtspruch an die Spitze unserer Betrachtungen setzen dürfen. Hegel sagte: Der tiefste Gedanke ist mit der Gestalt Christi: mit dem Geschichtlichen und Äußerlichen vereinigt, und das ist eben das Große der christlichen Religion, daß sie bei aller dieser Tiefe leicht vom Bewußtsein in äußerlicher Hinsicht aufzufassen ist und zugleich zum tieferen Eindringen auffordert. Sie ist so für jede Stufe der Bildung und befriedigt zugleich die höchsten Anforderungen. — Das sind Worte Hegels, des deutschen Philosophen.
[ 3 ] Daß die christliche Religion, daß die Verkündigung des Evangeliums für jede Stufe des Bewußtseins begreiflich ist, das hat eine Zeit gelehrt, die fast schon nach Jahrtausenden zu rechnen ist. Daß sie auffordert zu den tiefsten Gedanken, zu dem tiefsten Eindringen in die Weisheitslehren des Menschentums überhaupt, das zu zeigen wird eine der Aufgaben sein der anthroposophischen Geistesströmung, der Geisteswissenschaft, wenn diese in ihrem richtigen Sinn, in ihren innersten Impulsen erfaßt und zum Herrn des menschlichen Lebens gemacht werden wird. Man würde die heutige Betrachtung mißverstehen, wenn man des Glaubens wäre, Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sei in irgendeiner Beziehung eine neue Religion, wolle irgendein neues Religionsbekenntnis an die Stelle eines alten setzen. Man möchte sogar, um nur ja nicht mißverstanden zu werden, sagen: Wird einmal Geisteswissenschaft richtig verstanden werden, dann wird man sich klar sein darüber, daß sie als solche zwar die festeste, die sicherste Stütze des religiösen Lebens ist, daß sie selbst aber keine Religion ist, daß sie daher auch keiner Religion jemals als solcher widersprechen wird. Etwas anderes ist es aber, daß sie das Instrument sein kann, das Werkzeug, um die tiefsten Weistümer und Wahrheiten und die ernstesten und lebensvollsten Geheimnisse der Religionen zu erklären und zum Verständnis zu bringen.
[ 3 ] Daß die christliche Religion, daß die Verkündigung des Evangeliums für jede Stufe des Bewußtseins begreiflich ist, das hat eine Zeit gelehrt, die fast schon nach Jahrtausenden zu rechnen ist. Daß sie auffordert zu den tiefsten Gedanken, zu dem tiefsten Eindringen in die Weisheitslehren des Menschentums überhaupt, das zu zeigen wird eine der Aufgaben sein der anthroposophischen Geistesströmung, der Geisteswissenschaft, wenn diese in ihrem richtigen Sinn, in ihren innersten Impulsen erfaßt und zum Herrn des menschlichen Lebens gemacht werden wird. Man würde die heutige Betrachtung mißverstehen, wenn man des Glaubens wäre, Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sei in irgendeiner Beziehung eine neue Religion, wolle irgendein neues Religionsbekenntnis an die Stelle eines alten setzen. Man möchte sogar, um nur ja nicht mißverstanden zu werden, sagen: Wird einmal Geisteswissenschaft richtig verstanden werden, dann wird man sich klar sein darüber, daß sie als solche zwar die festeste, die sicherste Stütze des religiösen Lebens ist, daß sie selbst aber keine Religion ist, daß sie daher auch keiner Religion jemals als solcher widersprechen wird. Etwas anderes ist es aber, daß sie das Instrument sein kann, das Werkzeug, um die tiefsten Weistümer und Wahrheiten und die ernstesten und lebensvollsten Geheimnisse der Religionen zu erklären und zum Verständnis zu bringen.
[ 4 ] Es liegt vielleicht etwas fern, wenn man, um das Verhältnis von der Anthroposophie zu den Urkunden dieser oder jener Religion zu schildern — und heute werden wir es mit den religiösen Urkunden des Christentums zu tun haben —, den Vergleich macht: Anthroposophie verhält sich zu den religiösen Urkunden wie die mathematische Lehre zu den Urkunden, welche im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit als mathematische Lehrbücher oder Bücher überhaupt aufgetreten sind. Da haben wir ein altes Buch, das eigentlich nur der mit der Mathematik bewanderte Geschichtsforscher näher ins Auge faßt: die Geometrie des Euklid. Sie enthält zum erstenmal in einer schulmäßigen Weise dasjenige aus der Mathematik und Geometrie, was heute die Kinder in der Schule schon lernen. Wie wenige aber dieser Kinder werden sich dessen bewußt, daß alles das, was sie über parallele Linien, über das Dreieck, über die Winkel und so weiter lernen, in jenem alten Buche steht, daß es da zum erstenmal der Menschheit geschenkt worden ist! Mit Recht erweckt man im Kinde das Bewußtsein, daß man diese Dinge aus sich selbst einsehen kann, daß, wenn der menschliche Geist seine Kräfte in Bewegung setzt und sie anwendet auf die Formen des Raumes, daß er diese Formen einzusehen imstande ist ganz ohne Rücksicht auf jenes alte Buch. Einer aber, der vielleicht gar nichts gewußt hat von diesem Buch und die mathematischen und geometrischen Lehren in sich aufgenommen hat, er wird, wenn er es einmal kennenlernt, es in dem richtigen Sinne würdigen und verstehen. Er wird zu schätzen wissen, was derjenige der Menschheit gegeben hat, der dieses Buch zum erstenmal vor ihren Geist hingestellt hat.
[ 4 ] Es liegt vielleicht etwas fern, wenn man, um das Verhältnis von der Anthroposophie zu den Urkunden dieser oder jener Religion zu schildern — und heute werden wir es mit den religiösen Urkunden des Christentums zu tun haben —, den Vergleich macht: Anthroposophie verhält sich zu den religiösen Urkunden wie die mathematische Lehre zu den Urkunden, welche im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit als mathematische Lehrbücher oder Bücher überhaupt aufgetreten sind. Da haben wir ein altes Buch, das eigentlich nur der mit der Mathematik bewanderte Geschichtsforscher näher ins Auge faßt: die Geometrie des Euklid. Sie enthält zum erstenmal in einer schulmäßigen Weise dasjenige aus der Mathematik und Geometrie, was heute die Kinder in der Schule schon lernen. Wie wenige aber dieser Kinder werden sich dessen bewußt, daß alles das, was sie über parallele Linien, über das Dreieck, über die Winkel und so weiter lernen, in jenem alten Buche steht, daß es da zum erstenmal der Menschheit geschenkt worden ist! Mit Recht erweckt man im Kinde das Bewußtsein, daß man diese Dinge aus sich selbst einsehen kann, daß, wenn der menschliche Geist seine Kräfte in Bewegung setzt und sie anwendet auf die Formen des Raumes, daß er diese Formen einzusehen imstande ist ganz ohne Rücksicht auf jenes alte Buch. Einer aber, der vielleicht gar nichts gewußt hat von diesem Buch und die mathematischen und geometrischen Lehren in sich aufgenommen hat, er wird, wenn er es einmal kennenlernt, es in dem richtigen Sinne würdigen und verstehen. Er wird zu schätzen wissen, was derjenige der Menschheit gegeben hat, der dieses Buch zum erstenmal vor ihren Geist hingestellt hat.
[ 5 ] So möchte man das Verhältnis der Geisteswissenschaft zu den religiösen Urkunden charakterisieren. Die Quellen der Geisteswissenschaft sind so, daß die Geisteswissenschaft auf keinerlei Urkunden, auf keinerlei Überlieferung angewiesen sein soll, wenn sie ihrem richtigen Impulse nach verstanden wird. So wie uns das andere Wissen der Menschheit die Erkenntnis der umliegenden Sinneswelt dadurch verschafft, daß der Mensch seine Kräfte frei gebraucht, so verschaffen uns die tieferliegenden, zunächst in der Menschenseele schlummernden geistigen, übersinnlichen Kräfte und Fähigkeiten die Erkenntnis dessen, was als Übersinnliches, als Unsichtbares allem Sichtbaren zugrunde liegt. Ebenso wie der Mensch, wenn er seine Sinneswerkzeuge gebraucht, imstande ist, das, was sich dem äußeren Sinnesscheine darbietet, wahrzunehmen, wie er imstande ist, das Wahrgenommene mit seinem Verstande zu verbinden und zu verknüpfen, ebenso ist der Mensch, wenn er die durch die Geisteswissenschaft ihm überlieferten Methoden gebraucht, imstande, hinter die Kulissen des sinnlichen Daseins zu schauen, dorthin, wo die geistigen Ursachen liegen, wo die Wesen weben und arbeiten, die das sinnliche Auge nicht sieht, die das sinnliche Ohr nicht hört, wohl aber das übersinnliche. So liegt im freien Gebrauch der menschlichen Kräfte, wenn sie auch bei einem großen Teil der heutigen Menschheit als übersinnliche Kräfte noch schlummern, die Quelle, die unabhängige freie Quelle geistigen Wissens, wie im _ freien Gebrauch der auf die Sinneswelt gerichteten Kräfte die Quelle des äußeren Wissens liegt. Dann aber, wenn auf irgendeine Weise der Mensch sich in den Besitz der Erkenntnisse gesetzt hat, welche ihn einführen in das Übersinnliche hinter dem Sinnlichen, in das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren, wenn er sich davon ein ebensolches Wissen erwirbt, wie es das sinnliche Wissen von den äußeren Gegenständen und Geschehnissen ist, dann mag er, ausgerüstet mit diesem übersinnlichen Wissen, ebenso an die Überlieferung gehen, an die Bücher und Dokumente, an die Urkunden, durch die im Laufe der Entwickelung Kunde zu den Menschen gekommen ist über das übersinnliche Gebiet, wie der Geometer herantritt an die Geometrie des Euklid. Und dann prüft er sie von einem ähnlichen Standpunkt aus, wie der heutige Geometer die Geometrie des Euklid prüft. Dann kann er diese Urkunden ihrem wahren Wert nach schätzen und anerkennen. Und derjenige, der diesen Weg geht, der wirklich ausgerüstet mit den Erkenntnissen der übersinnlichen Welt herantritt an die Urkunden der christlichen Verkündigung, für den verlieren diese Urkunden wahrhaftig nicht an Wert. Ja, im Gegenteil, sie erscheinen in höherem Glanz, als sie erst dem bloß gläubigen Gemüt erschienen sind. Sie zeigen, daß sie tiefere Weistümer enthalten, als der Mensch früher vor der anthroposophischen Erkenntnis geahnt hat.
[ 5 ] So möchte man das Verhältnis der Geisteswissenschaft zu den religiösen Urkunden charakterisieren. Die Quellen der Geisteswissenschaft sind so, daß die Geisteswissenschaft auf keinerlei Urkunden, auf keinerlei Überlieferung angewiesen sein soll, wenn sie ihrem richtigen Impulse nach verstanden wird. So wie uns das andere Wissen der Menschheit die Erkenntnis der umliegenden Sinneswelt dadurch verschafft, daß der Mensch seine Kräfte frei gebraucht, so verschaffen uns die tieferliegenden, zunächst in der Menschenseele schlummernden geistigen, übersinnlichen Kräfte und Fähigkeiten die Erkenntnis dessen, was als Übersinnliches, als Unsichtbares allem Sichtbaren zugrunde liegt. Ebenso wie der Mensch, wenn er seine Sinneswerkzeuge gebraucht, imstande ist, das, was sich dem äußeren Sinnesscheine darbietet, wahrzunehmen, wie er imstande ist, das Wahrgenommene mit seinem Verstande zu verbinden und zu verknüpfen, ebenso ist der Mensch, wenn er die durch die Geisteswissenschaft ihm überlieferten Methoden gebraucht, imstande, hinter die Kulissen des sinnlichen Daseins zu schauen, dorthin, wo die geistigen Ursachen liegen, wo die Wesen weben und arbeiten, die das sinnliche Auge nicht sieht, die das sinnliche Ohr nicht hört, wohl aber das übersinnliche. So liegt im freien Gebrauch der menschlichen Kräfte, wenn sie auch bei einem großen Teil der heutigen Menschheit als übersinnliche Kräfte noch schlummern, die Quelle, die unabhängige freie Quelle geistigen Wissens, wie im _ freien Gebrauch der auf die Sinneswelt gerichteten Kräfte die Quelle des äußeren Wissens liegt. Dann aber, wenn auf irgendeine Weise der Mensch sich in den Besitz der Erkenntnisse gesetzt hat, welche ihn einführen in das Übersinnliche hinter dem Sinnlichen, in das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren, wenn er sich davon ein ebensolches Wissen erwirbt, wie es das sinnliche Wissen von den äußeren Gegenständen und Geschehnissen ist, dann mag er, ausgerüstet mit diesem übersinnlichen Wissen, ebenso an die Überlieferung gehen, an die Bücher und Dokumente, an die Urkunden, durch die im Laufe der Entwickelung Kunde zu den Menschen gekommen ist über das übersinnliche Gebiet, wie der Geometer herantritt an die Geometrie des Euklid. Und dann prüft er sie von einem ähnlichen Standpunkt aus, wie der heutige Geometer die Geometrie des Euklid prüft. Dann kann er diese Urkunden ihrem wahren Wert nach schätzen und anerkennen. Und derjenige, der diesen Weg geht, der wirklich ausgerüstet mit den Erkenntnissen der übersinnlichen Welt herantritt an die Urkunden der christlichen Verkündigung, für den verlieren diese Urkunden wahrhaftig nicht an Wert. Ja, im Gegenteil, sie erscheinen in höherem Glanz, als sie erst dem bloß gläubigen Gemüt erschienen sind. Sie zeigen, daß sie tiefere Weistümer enthalten, als der Mensch früher vor der anthroposophischen Erkenntnis geahnt hat.
[ 6 ] Aber noch über eine Frage müssen wir uns klar werden, damit wir die richtige Stellung gewinnen gegenüber dem Verhältnis der Anthroposophie zu den religiösen Urkunden. Fragen wir uns einmal: Wer ist der bessere Betrachter der Geometrie des Euklid, derjenige, der die Worte des Buches wörtlich übersetzen kann und, ohne erst eingedrungen zu sein in den Geist der Geometrie, den Inhalt des Buches enthüllen will, oder derjenige, welcher erst Geometrie versteht und daher auch die Geometrie in jenem Buch zu finden weiß? — Denken wir uns einen bloßen Philologen gegenüber dem Geometriebuch des Euklid, einen, der nichts verstünde von Geometrie: wieviel Unrichtiges würde da herauskommen, wenn er den Sinn des Buches enthüllen wollte! So haben es viele mit den religiösen Urkunden gemacht, selbst solche, die berufen sein sollten, den wahren Sinn derselben zu ergründen. Sie sind an diese Urkunden herangegangen, ohne daß sie erst, unabhängig von ihrien, etwas wußten von dem, was über das Übersinnliche zu ergründen ist. So haben wir heute recht sorgfältige Erklärungen der religiösen Urkunden, Erklärungen, die alles zusammentragen aus der Zeitgeschichte heraus, wie diese Urkunden zum Beispiel entstanden sind, aber die Erklärungen nehmen sich ebenso aus wie die Erklärungen der Geometrie des Euklid durch einen Nichtgeometer.
[ 6 ] Aber noch über eine Frage müssen wir uns klar werden, damit wir die richtige Stellung gewinnen gegenüber dem Verhältnis der Anthroposophie zu den religiösen Urkunden. Fragen wir uns einmal: Wer ist der bessere Betrachter der Geometrie des Euklid, derjenige, der die Worte des Buches wörtlich übersetzen kann und, ohne erst eingedrungen zu sein in den Geist der Geometrie, den Inhalt des Buches enthüllen will, oder derjenige, welcher erst Geometrie versteht und daher auch die Geometrie in jenem Buch zu finden weiß? — Denken wir uns einen bloßen Philologen gegenüber dem Geometriebuch des Euklid, einen, der nichts verstünde von Geometrie: wieviel Unrichtiges würde da herauskommen, wenn er den Sinn des Buches enthüllen wollte! So haben es viele mit den religiösen Urkunden gemacht, selbst solche, die berufen sein sollten, den wahren Sinn derselben zu ergründen. Sie sind an diese Urkunden herangegangen, ohne daß sie erst, unabhängig von ihrien, etwas wußten von dem, was über das Übersinnliche zu ergründen ist. So haben wir heute recht sorgfältige Erklärungen der religiösen Urkunden, Erklärungen, die alles zusammentragen aus der Zeitgeschichte heraus, wie diese Urkunden zum Beispiel entstanden sind, aber die Erklärungen nehmen sich ebenso aus wie die Erklärungen der Geometrie des Euklid durch einen Nichtgeometer.
[ 7 ] Erkenntnis der Religion — das wollen wir festhalten — ist etwas, was man nur gewinnen kann, wenn man es mit Hilfe der auf geisteswissenschaftlichem Wege gewonnenen Erkenntnisse betrachtet, obwohl Anthroposophie nur ein Werkzeug des religiösen Lebens sein kann, niemals eine Religion selber. Religion wird charakterisiert am besten durch den Inhalt des menschlichen Herzens, des menschlichen Gemütes, jener Summe von Empfindungen und Gefühlen, durch die der Mensch hinaufschickt das Beste, was er an Empfänglichkeit in seiner Seele hat, zu den übersinnlichen Wesenheiten und Kräften. Von dem Feuer dieses Gemütsinhaltes, von der Stärke dieser Empfindungen, von der Art dieser Gefühle hängt der Charakter der Religion eines Menschen ab, so wie von dem warmen Pulsschlag in unserer Brust, von dem Gefühle für Schönheit es abhängt, wie der Mensch einem Bilde gegenübertritt. Der Inhalt des religiösen Lebens ist gewiß das, was wir die geistige, die übersinnliche Welt nennen. Aber ebensowenig wie ästhetisch-künstlerisches Empfinden dasselbe ist wie das, was wir nennen geistiges Erfassen der inneren künstlerischen Gesetze — obwohl das geistige Erfassen derselben das Kunstverständnis erhöhen wird —, ebensowenig ist jene Weisheit, jene Wissenschaft, welche in die geistigen Welten einführt, und Religion selber das gleiche. Diese Wissenschaft wird das religiöse Empfinden, das religiöse Fühlen ernster, würdiger, größer, umfangreicher machen, aber selber Religion will sie nicht sein, wenn sie im richtigen Sinne verstanden wird, obwohl sie zur Religion führen mag.
[ 7 ] Erkenntnis der Religion — das wollen wir festhalten — ist etwas, was man nur gewinnen kann, wenn man es mit Hilfe der auf geisteswissenschaftlichem Wege gewonnenen Erkenntnisse betrachtet, obwohl Anthroposophie nur ein Werkzeug des religiösen Lebens sein kann, niemals eine Religion selber. Religion wird charakterisiert am besten durch den Inhalt des menschlichen Herzens, des menschlichen Gemütes, jener Summe von Empfindungen und Gefühlen, durch die der Mensch hinaufschickt das Beste, was er an Empfänglichkeit in seiner Seele hat, zu den übersinnlichen Wesenheiten und Kräften. Von dem Feuer dieses Gemütsinhaltes, von der Stärke dieser Empfindungen, von der Art dieser Gefühle hängt der Charakter der Religion eines Menschen ab, so wie von dem warmen Pulsschlag in unserer Brust, von dem Gefühle für Schönheit es abhängt, wie der Mensch einem Bilde gegenübertritt. Der Inhalt des religiösen Lebens ist gewiß das, was wir die geistige, die übersinnliche Welt nennen. Aber ebensowenig wie ästhetisch-künstlerisches Empfinden dasselbe ist wie das, was wir nennen geistiges Erfassen der inneren künstlerischen Gesetze — obwohl das geistige Erfassen derselben das Kunstverständnis erhöhen wird —, ebensowenig ist jene Weisheit, jene Wissenschaft, welche in die geistigen Welten einführt, und Religion selber das gleiche. Diese Wissenschaft wird das religiöse Empfinden, das religiöse Fühlen ernster, würdiger, größer, umfangreicher machen, aber selber Religion will sie nicht sein, wenn sie im richtigen Sinne verstanden wird, obwohl sie zur Religion führen mag.
[ 8 ] Wenn wir nunmehr von diesem geisteswissenschaftlichen Standpunkt die Kraft und Bedeutung, den Sinn und den Geist der christlichen Religionsverkündigung verstehen wollen, dann müssen wir weit im geistigen Leben ausgreifen. Wir müssen den Blick werfen in Zeiten urferner Vergangenheit, mit anderen Worten, wir müssen zurückgreifen bis in die vorreligiöse Zeit der Menschheit, wir müssen versuchen, die Entstehung der Religion ins Auge zu fassen. Gibt es eine vorreligiöse Zeit der Menschheit? Ja, es war einmal eine Zeit auf der Erde, in der es keine Religion gegeben hat. Auch die Geisteswissenschaft muß eine solche Frage bejahen, obwohl in einem ganz anderen Sinne, als die materialistische Kulturweisheit es tut. Was bedeutet die Religion für die Menschheit? Religion war und wird noch lange für die Menschheit das sein, was schon ihr Wort ausdrückt. Das Wort Religion bedeutet: Verbindung des Menschen mit seinem Göttlichen, mit der geistigen Welt. Und im wesentlichen sind die religiösen Zeiten solche, in denen der Mensch sich nach der Vereinigung mit dem Göttlichen sehnte, sei es aus den Quellen eines Wissens oder aus einer gewissen Empfindung heraus, oder deshalb, weil er fühlte, daß sein Wille nur stark sein kann, wenn er von göttlicher Kraft durchströmt ist. Solche Zeiten, in denen der Mensch sozusagen mehr in sich ahnte, als daß er etwas Äußeres wußte, in denen er die übersinnliche Welt mehr ahnte, denn daß er sie geschaut, daß er sie um sich gehabt hätte, das sind die religiösen Zeiten unserer Erde. Und vor diesen Zeiten gab es andere Zeiten, wo der Mensch ein solch ahnendes, lechzendes Verbinden mit der geistig-übersinnlichen Welt nicht brauchte, deshalb nicht brauchte, weil er von dieser übersinnlichen Welt, von dieser geistigen Welt wußte, wie der Mensch der Gegenwart weiß von den sinnlichen Dingen. Braucht der Mensch überzeugt zu werden, daß es Steine, Bäume, Tiere gibt? Braucht er irgendeine Urkunde, eine Lehre darüber, die ihm bezeugt oder ihn ahnen läßt, daß es Steine, Pflanzen, Tiere gibt? Nein, denn er sieht sie, er erschaut sie um sich herum, und deshalb braucht er eine solche Religion des Sinnlichen nicht. Denken wir uns einen Menschen, der in ganz anderen Welten lebte, mit ganz anderen Sinnesorganen, Erkenntnisorganen ausgerüstet, der nicht die Steine, Pflanzen, Tiere sehen würde, weil sie unsichtbar wären für ihn, denken wir uns einen solchen Menschen, dem durch Schriften oder sonstwie die Kunde gegeben würde von Steinen, Pflanzen, Tieren: Was wäre dasjenige, was für Sie Anschauung, Erfahrung, unmittelbares Wissen ist, was wäre das für ihn? — Religion wäre es für diesen Menschen. Wenn irgendwo in einem Buche stehen würde, es gibt Steine, Pflanzen, Tiere, dann wäre das für diesen Menschen Religion, denn er hat es niemals gesehen.
[ 8 ] Wenn wir nunmehr von diesem geisteswissenschaftlichen Standpunkt die Kraft und Bedeutung, den Sinn und den Geist der christlichen Religionsverkündigung verstehen wollen, dann müssen wir weit im geistigen Leben ausgreifen. Wir müssen den Blick werfen in Zeiten urferner Vergangenheit, mit anderen Worten, wir müssen zurückgreifen bis in die vorreligiöse Zeit der Menschheit, wir müssen versuchen, die Entstehung der Religion ins Auge zu fassen. Gibt es eine vorreligiöse Zeit der Menschheit? Ja, es war einmal eine Zeit auf der Erde, in der es keine Religion gegeben hat. Auch die Geisteswissenschaft muß eine solche Frage bejahen, obwohl in einem ganz anderen Sinne, als die materialistische Kulturweisheit es tut. Was bedeutet die Religion für die Menschheit? Religion war und wird noch lange für die Menschheit das sein, was schon ihr Wort ausdrückt. Das Wort Religion bedeutet: Verbindung des Menschen mit seinem Göttlichen, mit der geistigen Welt. Und im wesentlichen sind die religiösen Zeiten solche, in denen der Mensch sich nach der Vereinigung mit dem Göttlichen sehnte, sei es aus den Quellen eines Wissens oder aus einer gewissen Empfindung heraus, oder deshalb, weil er fühlte, daß sein Wille nur stark sein kann, wenn er von göttlicher Kraft durchströmt ist. Solche Zeiten, in denen der Mensch sozusagen mehr in sich ahnte, als daß er etwas Äußeres wußte, in denen er die übersinnliche Welt mehr ahnte, denn daß er sie geschaut, daß er sie um sich gehabt hätte, das sind die religiösen Zeiten unserer Erde. Und vor diesen Zeiten gab es andere Zeiten, wo der Mensch ein solch ahnendes, lechzendes Verbinden mit der geistig-übersinnlichen Welt nicht brauchte, deshalb nicht brauchte, weil er von dieser übersinnlichen Welt, von dieser geistigen Welt wußte, wie der Mensch der Gegenwart weiß von den sinnlichen Dingen. Braucht der Mensch überzeugt zu werden, daß es Steine, Bäume, Tiere gibt? Braucht er irgendeine Urkunde, eine Lehre darüber, die ihm bezeugt oder ihn ahnen läßt, daß es Steine, Pflanzen, Tiere gibt? Nein, denn er sieht sie, er erschaut sie um sich herum, und deshalb braucht er eine solche Religion des Sinnlichen nicht. Denken wir uns einen Menschen, der in ganz anderen Welten lebte, mit ganz anderen Sinnesorganen, Erkenntnisorganen ausgerüstet, der nicht die Steine, Pflanzen, Tiere sehen würde, weil sie unsichtbar wären für ihn, denken wir uns einen solchen Menschen, dem durch Schriften oder sonstwie die Kunde gegeben würde von Steinen, Pflanzen, Tieren: Was wäre dasjenige, was für Sie Anschauung, Erfahrung, unmittelbares Wissen ist, was wäre das für ihn? — Religion wäre es für diesen Menschen. Wenn irgendwo in einem Buche stehen würde, es gibt Steine, Pflanzen, Tiere, dann wäre das für diesen Menschen Religion, denn er hat es niemals gesehen.
[ 9 ] Es gab für den Menschen eine Zeit, wo er inmitten derjenigen geistigen Wesenheiten und Tatsachen schon gelebt hat, von denen ihm heute die Religionen und die Weisheitslehren Kunde tun.
[ 9 ] Es gab für den Menschen eine Zeit, wo er inmitten derjenigen geistigen Wesenheiten und Tatsachen schon gelebt hat, von denen ihm heute die Religionen und die Weisheitslehren Kunde tun.
[ 10 ] Das Wort Entwickelung ist heute auf vielen Gebieten der Weltanschauung ein Zauberwort geworden, aber es wird von der äußeren Wissenschaft doch nur angewendet auf äußere, sinnliche Tatsachen. Für denjenigen, der geisteswissenschaftlich die Welt betrachtet, für den ist alles, alles in Entwickelung, vor allen Dingen das menschliche Bewußtsein. Der Zustand des menschlichen Bewußtseins, in dem Sie heute leben, dutch den Sie, wenn Sie des Morgens aufwachen, vermöge Ihrer Sinnesorgane die Sinnenwelt sehen und begreifen, dieser Zustand des Bewußtseins hat sich aus einem anderen entwickelt. In der Geisteswissenschaft nennen wir diesen Bewußtseinszustand das sogenannte helle Tagesbewußtsein. Aber dieses helle Tagesbewußtsein hat sich herausentwickelt aus einem uralten anderen Bewußtsein, das wir das dämmerhafte Bilderbewußtsein der Menschheit nennen. Da kommen wir allerdings auf frühe Entwickelungszustände der Menschheit zurück, von denen eine äußere Anthropologie nichts meldet, aus dem Grunde nicht, weil sie sich nur der sinnlichen Instrumente und der Methoden des Verstandes bedient. Sie glaubt, daß der Mensch Zustände durchgemacht habe in urferner Vergangenheit, die eigentlich dieselben sind, wie sie heute unsere tierischen Wesen durchmachen.
[ 10 ] Das Wort Entwickelung ist heute auf vielen Gebieten der Weltanschauung ein Zauberwort geworden, aber es wird von der äußeren Wissenschaft doch nur angewendet auf äußere, sinnliche Tatsachen. Für denjenigen, der geisteswissenschaftlich die Welt betrachtet, für den ist alles, alles in Entwickelung, vor allen Dingen das menschliche Bewußtsein. Der Zustand des menschlichen Bewußtseins, in dem Sie heute leben, dutch den Sie, wenn Sie des Morgens aufwachen, vermöge Ihrer Sinnesorgane die Sinnenwelt sehen und begreifen, dieser Zustand des Bewußtseins hat sich aus einem anderen entwickelt. In der Geisteswissenschaft nennen wir diesen Bewußtseinszustand das sogenannte helle Tagesbewußtsein. Aber dieses helle Tagesbewußtsein hat sich herausentwickelt aus einem uralten anderen Bewußtsein, das wir das dämmerhafte Bilderbewußtsein der Menschheit nennen. Da kommen wir allerdings auf frühe Entwickelungszustände der Menschheit zurück, von denen eine äußere Anthropologie nichts meldet, aus dem Grunde nicht, weil sie sich nur der sinnlichen Instrumente und der Methoden des Verstandes bedient. Sie glaubt, daß der Mensch Zustände durchgemacht habe in urferner Vergangenheit, die eigentlich dieselben sind, wie sie heute unsere tierischen Wesen durchmachen.
[ 11 ] In früheren Vorträgen wurde schon darauf hingewiesen, wie wir uns geisteswissenschaftlich das Verhältnis des Menschen zu den tierischen Wesen zu denken haben. Niemals war der Mensch ein solches Wesen wie das heutige Tier es ist. Er stammt nicht von Wesenheiten ab, die so waren wie die heutigen Tiere. Die Entwickelungsformen, aus denen sich der Mensch herausgebildet hat, die würden, wenn wir sie schildern wollten, sich sehr unähnlich den heutigen Tieren erweisen. Die heutigen Tiere sind gleichsam auf früheren Entwickelungsstufen zurückgebliebene Wesenheiten, die diese früheren Entwickelungsstufen konserviert und sie in die Verhärtung gebracht haben. Der Mensch ist über seine früheren Entwickelungsstufen hinausgewachsen, die Tiere sind darunter heruntergewachsen. So sehen wir in der Tierwelt etwas wie zurückgebliebene Brüder der Menschheit, die aber nicht mehr die Form dieser früheren Entwickelungsstufen tragen. Die früheren Entwickelungsstufen verliefen in einer Zeit, wo die Erde andere Lebensbedingungen hatte, in der noch nicht die Elemente so verteilt waren wie heute, wo nicht der Mensch mit einem solchen Körper behaftet war wie heute und doch Mensch war. Er hat warten können, bildlich gesprochen, innerhalb des Entwickelungsganges mit seinem Hereinsteigen in das Fleisch, hat warten können bis zu der Zeit, wo diese fleischliche Materialität so hat werden können, daß er die Kraft des heutigen Geistes entwickeln konnte. Die Tiere haben nicht warten können, sie sind auf früherer Stufe verhärtet worden, haben früher Fleisch angenommen, als es am Platze war. Daher mußten sie zurückbleiben. So werden wir uns vorstellen können, daß der Mensch unter anderen Bedingungen und in anderen Bewußtseinsformen gelebt hat als heute. Wenn wir diese Bewußtseinsformen Tausende und Tausende von Jahren zurückverfolgen, werden wir immer andere finden. Was wir heute logisches Denken nennen, Intellekt und Verstand, das hat sich erst später in der Menschheit entwickelt. Viel stärker waren Kräfte der Menschen, die heute schon im Abnehmen begriffen sind, zum Beispiel das Gedächtnis. Das war in einer früheren Zeit ungeheuer viel mehr entwickelt als heute. Durch die zunehmende Verstandeskultur der Menschheit ist das Gedächtnis wesentlich in den Hintergrund getreten.
[ 11 ] In früheren Vorträgen wurde schon darauf hingewiesen, wie wir uns geisteswissenschaftlich das Verhältnis des Menschen zu den tierischen Wesen zu denken haben. Niemals war der Mensch ein solches Wesen wie das heutige Tier es ist. Er stammt nicht von Wesenheiten ab, die so waren wie die heutigen Tiere. Die Entwickelungsformen, aus denen sich der Mensch herausgebildet hat, die würden, wenn wir sie schildern wollten, sich sehr unähnlich den heutigen Tieren erweisen. Die heutigen Tiere sind gleichsam auf früheren Entwickelungsstufen zurückgebliebene Wesenheiten, die diese früheren Entwickelungsstufen konserviert und sie in die Verhärtung gebracht haben. Der Mensch ist über seine früheren Entwickelungsstufen hinausgewachsen, die Tiere sind darunter heruntergewachsen. So sehen wir in der Tierwelt etwas wie zurückgebliebene Brüder der Menschheit, die aber nicht mehr die Form dieser früheren Entwickelungsstufen tragen. Die früheren Entwickelungsstufen verliefen in einer Zeit, wo die Erde andere Lebensbedingungen hatte, in der noch nicht die Elemente so verteilt waren wie heute, wo nicht der Mensch mit einem solchen Körper behaftet war wie heute und doch Mensch war. Er hat warten können, bildlich gesprochen, innerhalb des Entwickelungsganges mit seinem Hereinsteigen in das Fleisch, hat warten können bis zu der Zeit, wo diese fleischliche Materialität so hat werden können, daß er die Kraft des heutigen Geistes entwickeln konnte. Die Tiere haben nicht warten können, sie sind auf früherer Stufe verhärtet worden, haben früher Fleisch angenommen, als es am Platze war. Daher mußten sie zurückbleiben. So werden wir uns vorstellen können, daß der Mensch unter anderen Bedingungen und in anderen Bewußtseinsformen gelebt hat als heute. Wenn wir diese Bewußtseinsformen Tausende und Tausende von Jahren zurückverfolgen, werden wir immer andere finden. Was wir heute logisches Denken nennen, Intellekt und Verstand, das hat sich erst später in der Menschheit entwickelt. Viel stärker waren Kräfte der Menschen, die heute schon im Abnehmen begriffen sind, zum Beispiel das Gedächtnis. Das war in einer früheren Zeit ungeheuer viel mehr entwickelt als heute. Durch die zunehmende Verstandeskultur der Menschheit ist das Gedächtnis wesentlich in den Hintergrund getreten.
[ 12 ] Wer mit einigermaßen sehenden praktischen Augen in die Welt blickt, kann heüte noch erkennen, daß dasjenige, was so aus der Geisteswissenschaft heraus gesagt wird, nicht in der Luft schwebt. Man könnte sagen: Wenn das wahr ist, dann müßten die heutigen Menschen, die durch irgendeinen Zufall zurückgeblieben sind, zeigen, daß sie gerade im Gedächtnis am wenigsten zurückgeblieben sind. Sie müßten auch zeigen, daß, wenn man bei künstlich zurückgehaltenen Menschen sich bemüht, ihnen Intellektualität beizubringen, das Gedächtnis darunter leidet. Hier in dieser Stadt konnte man einen charakteristischen Fall dieser Art betrachten.
[ 12 ] Wer mit einigermaßen sehenden praktischen Augen in die Welt blickt, kann heüte noch erkennen, daß dasjenige, was so aus der Geisteswissenschaft heraus gesagt wird, nicht in der Luft schwebt. Man könnte sagen: Wenn das wahr ist, dann müßten die heutigen Menschen, die durch irgendeinen Zufall zurückgeblieben sind, zeigen, daß sie gerade im Gedächtnis am wenigsten zurückgeblieben sind. Sie müßten auch zeigen, daß, wenn man bei künstlich zurückgehaltenen Menschen sich bemüht, ihnen Intellektualität beizubringen, das Gedächtnis darunter leidet. Hier in dieser Stadt konnte man einen charakteristischen Fall dieser Art betrachten.
[ 13 ] Der nicht hoch genug zu schätzende Professor Daumer hat diesen Fall gut beobachtet an jenem für viele so rätselhaften Menschen, der einmal auf geheimnisvolle Weise in diese Stadt hier hereinversetzt worden ist, und der auf ebenso geheimnisvolle Weise in Ansbach den Tod gefunden hat; derselbe, von dem ein Schriftsteller sagt, um das Geheimnisvolle seines Lebens anzudeuten, daß, als man ihn hinausgetragen hat, ein Tag war, wo an der einen Seite am Rande des Himmels die Sonne unterging und auf der entgegengesetzten Seite der Mond aufstieg. Sie wissen, daß ich von Kaspar Hauser rede. Wenn Sie absehen von allem Pro und Kontra, das in bezug auf diesen Fall geltend gemacht worden ist, wenn Sie nur auf das sehen, was unter allen Umständen belegt ist, so werden Sie wissen, daß dieser Findling, der einfach einmal da war auf der Straße, der, weil man nicht wußte, woher er gekommen war, das Kind Europas genannt worden ist, daß er nicht lesen, nicht rechnen konnte, als man ihn fand. Er hatte in einem Alter von zwanzig Jahren nichts von dem, was durch den Intellekt erworben wird, aber merkwürdigerweise hatte er ein wunderbares Gedächtnis. Als man anfing ihn zu unterrichten, als die Logik in seine Seele trat, schwand das Gedächtnis. Dieser Übergang im Bewußtsein war auch noch mit etwas anderem verbunden. Eine unbegreifliche, geradezu eingeborene Wahrhaftigkeit war ursprünglich in ihm, und gerade an dieser Wahrhaftigkeit wurde er immer mehr und mehr irre. Je mehr er an der Intellektualität naschen durfte, desto mehr schwand sie dahin.
[ 13 ] Der nicht hoch genug zu schätzende Professor Daumer hat diesen Fall gut beobachtet an jenem für viele so rätselhaften Menschen, der einmal auf geheimnisvolle Weise in diese Stadt hier hereinversetzt worden ist, und der auf ebenso geheimnisvolle Weise in Ansbach den Tod gefunden hat; derselbe, von dem ein Schriftsteller sagt, um das Geheimnisvolle seines Lebens anzudeuten, daß, als man ihn hinausgetragen hat, ein Tag war, wo an der einen Seite am Rande des Himmels die Sonne unterging und auf der entgegengesetzten Seite der Mond aufstieg. Sie wissen, daß ich von Kaspar Hauser rede. Wenn Sie absehen von allem Pro und Kontra, das in bezug auf diesen Fall geltend gemacht worden ist, wenn Sie nur auf das sehen, was unter allen Umständen belegt ist, so werden Sie wissen, daß dieser Findling, der einfach einmal da war auf der Straße, der, weil man nicht wußte, woher er gekommen war, das Kind Europas genannt worden ist, daß er nicht lesen, nicht rechnen konnte, als man ihn fand. Er hatte in einem Alter von zwanzig Jahren nichts von dem, was durch den Intellekt erworben wird, aber merkwürdigerweise hatte er ein wunderbares Gedächtnis. Als man anfing ihn zu unterrichten, als die Logik in seine Seele trat, schwand das Gedächtnis. Dieser Übergang im Bewußtsein war auch noch mit etwas anderem verbunden. Eine unbegreifliche, geradezu eingeborene Wahrhaftigkeit war ursprünglich in ihm, und gerade an dieser Wahrhaftigkeit wurde er immer mehr und mehr irre. Je mehr er an der Intellektualität naschen durfte, desto mehr schwand sie dahin.
[ 14 ] Wir könnten manches studieren, wenn wir in diese Seele uns vertieften, die künstlich zurückgehalten worden war. Und gar nicht so unbegründet ist für denjenigen, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, die Volkstradition, die die gelehrten Leute von heute nicht glauben und die da berichtet, daß Kaspar Hauser, als er noch gar nichts wußte, noch gar keine Ahnung davon hatte, daß es Wesen außer ihm von verschiedener Gestalt gebe, daß er da eine merkwürdige Wirkung ausübte, wenn er mit ganz wütenden Tieren zusammengebracht wurde. Die wilden Tiere duckten sich und wurden ganz sanftmütig. Es streömte von ihm etwas aus, was bewirkte, daß solch ein Tier, das jeden anderen zornig anfiel, sanft wurde. Wie gesagt, wir könnten, weil sich solch ein Fall darbietet, der aus der Geisteswissenschaft heraus verstanden werden kann, tief in die Seele dieser merkwürdigen und für viele so rätselhaften Persönlichkeit eindringen, und es würde sich Ihnen ein Fall vormalen, aus dem Sie sehen könnten, daß alles das, was aus dem gewöhnlichen Leben nicht zu erklären ist, durch die Geisteswissenschaft zurückgeführt wird auf geistige Tatsachen. Freilich können solche geistigen Tatsachen nicht durch Spekulation, sondern nur durch geistige Beobachtung gewonnen werden, aber verständlich sind sie für das allseitig umfassende und logische Denken.
[ 14 ] Wir könnten manches studieren, wenn wir in diese Seele uns vertieften, die künstlich zurückgehalten worden war. Und gar nicht so unbegründet ist für denjenigen, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, die Volkstradition, die die gelehrten Leute von heute nicht glauben und die da berichtet, daß Kaspar Hauser, als er noch gar nichts wußte, noch gar keine Ahnung davon hatte, daß es Wesen außer ihm von verschiedener Gestalt gebe, daß er da eine merkwürdige Wirkung ausübte, wenn er mit ganz wütenden Tieren zusammengebracht wurde. Die wilden Tiere duckten sich und wurden ganz sanftmütig. Es streömte von ihm etwas aus, was bewirkte, daß solch ein Tier, das jeden anderen zornig anfiel, sanft wurde. Wie gesagt, wir könnten, weil sich solch ein Fall darbietet, der aus der Geisteswissenschaft heraus verstanden werden kann, tief in die Seele dieser merkwürdigen und für viele so rätselhaften Persönlichkeit eindringen, und es würde sich Ihnen ein Fall vormalen, aus dem Sie sehen könnten, daß alles das, was aus dem gewöhnlichen Leben nicht zu erklären ist, durch die Geisteswissenschaft zurückgeführt wird auf geistige Tatsachen. Freilich können solche geistigen Tatsachen nicht durch Spekulation, sondern nur durch geistige Beobachtung gewonnen werden, aber verständlich sind sie für das allseitig umfassende und logische Denken.
[ 15 ] Das alles sollte nur gesagt sein, um Ihnen zu zeigen, wie Sie den Weg finden können zu dem Gedanken, daß sich der heutige Bewußtseinszustand herausentwickelt hat aus einem uralten anderen Bewußtseinszustand, in dem der Mensch nicht in einer unmittelbaren Berührung mit den Sinnesgegenständen im heutigen Sinne stand, dafür aber mit den geistigen Tatsachen und Wesen in Beziehung war. Da sah der Mensch nicht die physische Gestalt des anderen, die es ja auch in der heutigen Form damals noch gar nicht gegeben hat. Wenn sich ihm eine andere Wesenheit näherte, stieg in seiner Seele etwas wie ein Traumbild auf. Je nachdem, wie es gestaltet und gefärbt war, zeigte es ihm an, ob die Wesenheit ihm sympathisch oder antipathisch gesinnt war. Ein solches Bewußtsein nahm die geistigen Tatsachen und dadurch die geistige Welt überhaupt wahr. So wie der Mensch heute mit fleischlichen Wesen zusammen ist, so lebte er in jener Zeit, wenn er den Blick auf sich selber richtete und sich selbst Seele und Geist war, unter geistigen Wesenheiten. Sie waren vorhanden für ihn. Er war ein Geist unter Geistern. Wenn er auch nur eine Art Traumbewußtsein hatte, so waren doch die Bilder, die in ihm aufstiegen, in einem lebendigen Verhältnis zu seiner Umgebung. Das war die alte Zeit, in welcher der Mensch noch in einer geistigen Welt lebte, aus der er später heruntergestiegen ist, um sich eine sinnliche Fleischlichkeit zu schaffen für das für ihn passende heutige Bewußtsein. Die Tiere waren schon da als physische Wesenheiten, als der Mensch noch in geistigen Regionen wahrnahm. Der Mensch lebte dazumal unter geistigen Wesen, und ebensowenig wie Sie eines Beweises bedürfen, um überzeugt zu sein vom Dasein des Steines, der Pflanzen, der Tiere, ebensowenig brauchte der Mensch in dieser Urzeit ein irgendwie geartetes Zeugnis, um von geistigen Wesen überzeugt zu sein. Er lebte unter Geistern und Göttern, deshalb brauchte er keine Religion. Das war die vorreligiöse Zeit.
[ 15 ] Das alles sollte nur gesagt sein, um Ihnen zu zeigen, wie Sie den Weg finden können zu dem Gedanken, daß sich der heutige Bewußtseinszustand herausentwickelt hat aus einem uralten anderen Bewußtseinszustand, in dem der Mensch nicht in einer unmittelbaren Berührung mit den Sinnesgegenständen im heutigen Sinne stand, dafür aber mit den geistigen Tatsachen und Wesen in Beziehung war. Da sah der Mensch nicht die physische Gestalt des anderen, die es ja auch in der heutigen Form damals noch gar nicht gegeben hat. Wenn sich ihm eine andere Wesenheit näherte, stieg in seiner Seele etwas wie ein Traumbild auf. Je nachdem, wie es gestaltet und gefärbt war, zeigte es ihm an, ob die Wesenheit ihm sympathisch oder antipathisch gesinnt war. Ein solches Bewußtsein nahm die geistigen Tatsachen und dadurch die geistige Welt überhaupt wahr. So wie der Mensch heute mit fleischlichen Wesen zusammen ist, so lebte er in jener Zeit, wenn er den Blick auf sich selber richtete und sich selbst Seele und Geist war, unter geistigen Wesenheiten. Sie waren vorhanden für ihn. Er war ein Geist unter Geistern. Wenn er auch nur eine Art Traumbewußtsein hatte, so waren doch die Bilder, die in ihm aufstiegen, in einem lebendigen Verhältnis zu seiner Umgebung. Das war die alte Zeit, in welcher der Mensch noch in einer geistigen Welt lebte, aus der er später heruntergestiegen ist, um sich eine sinnliche Fleischlichkeit zu schaffen für das für ihn passende heutige Bewußtsein. Die Tiere waren schon da als physische Wesenheiten, als der Mensch noch in geistigen Regionen wahrnahm. Der Mensch lebte dazumal unter geistigen Wesen, und ebensowenig wie Sie eines Beweises bedürfen, um überzeugt zu sein vom Dasein des Steines, der Pflanzen, der Tiere, ebensowenig brauchte der Mensch in dieser Urzeit ein irgendwie geartetes Zeugnis, um von geistigen Wesen überzeugt zu sein. Er lebte unter Geistern und Göttern, deshalb brauchte er keine Religion. Das war die vorreligiöse Zeit.
[ 16 ] Dann ist der Mensch heruntergestiegen, die frühere Bewußtseinsform hat sich in die heutige verwandelt. Der Mensch sieht nicht mehr im Raume schwebende Farben und Formen, sondern die Farben sind über die Oberflächen der sinnlichen Dinge hingelegt. In demselben Maße, wie der Mensch lernte, seine äußeren Sinne auf die äußere Sinneswelt zu richten, in demselben Maße zog sich diese äußere Sinneswelt wie ein Schleier, wie die große Maja hin über die geistige Welt, und der Mensch mußte durch diese Hülle hindurch Kunde erhalten von der geistigen Welt. Religion wurde notwendig.
[ 16 ] Dann ist der Mensch heruntergestiegen, die frühere Bewußtseinsform hat sich in die heutige verwandelt. Der Mensch sieht nicht mehr im Raume schwebende Farben und Formen, sondern die Farben sind über die Oberflächen der sinnlichen Dinge hingelegt. In demselben Maße, wie der Mensch lernte, seine äußeren Sinne auf die äußere Sinneswelt zu richten, in demselben Maße zog sich diese äußere Sinneswelt wie ein Schleier, wie die große Maja hin über die geistige Welt, und der Mensch mußte durch diese Hülle hindurch Kunde erhalten von der geistigen Welt. Religion wurde notwendig.
[ 17 ] Es gibt aber auch einen Zustand zwischen der Zeit, die dem teligiösen Bewußtsein vorangeht, und der des eigentlichen religiösen Bewußtseins; es gibt einen solchen Zwischenzustand. Aus ihm heraus stammen die Mythologien, die Sagen, die Geschichten der Völker von den geistigen Welten. Es ist eine Gelehrsamkeit vom grünen Tisch, die nichts von den wirklichen geistigen Vorgängen ahnt, die da behauptet, die Gestalten der nordischen oder deutschen Mythologie, der griechischen Mythologie, alle die Urkunden von den Göttern und Göttertaten seien Erdichtungen der Volksphantasie. Das sind nicht Erdichtungen der Volksphantasie. Das Volk dichtet nicht so, daß es sagt, wenn man einzelne Wolken hinstreichen sieht, das seien Schäfchen. Daß das Volk so dichte, ist eine Dichtung unserer heutigen Gelehrsamkeit, die voll lebhafter Phantasie in solchen Dingen ist. Die Wahrheit ist eine ganz andere. Alles, was in den alten Göttersagen und Geschichten enthalten ist, sind die letzten Überbleibsel, die letzten Erinnerungen aus dem vorreligiösen Bewußtsein. Kunde ist den Menschen geblieben von dem, was sie selbst gesehen haben. Diese Menschen, die Wotan, Thor, Zeus und so weiter beschreiben, sie haben es deshalb getan, weil in ihnen eine Erinnerung daran vorhanden war, daß man solches einmal erlebt hatte. Brocken, zum Teil abgerissene Stücke von dem, was man einst erlebt hatte, das sind die Mythologien.
[ 17 ] Es gibt aber auch einen Zustand zwischen der Zeit, die dem teligiösen Bewußtsein vorangeht, und der des eigentlichen religiösen Bewußtseins; es gibt einen solchen Zwischenzustand. Aus ihm heraus stammen die Mythologien, die Sagen, die Geschichten der Völker von den geistigen Welten. Es ist eine Gelehrsamkeit vom grünen Tisch, die nichts von den wirklichen geistigen Vorgängen ahnt, die da behauptet, die Gestalten der nordischen oder deutschen Mythologie, der griechischen Mythologie, alle die Urkunden von den Göttern und Göttertaten seien Erdichtungen der Volksphantasie. Das sind nicht Erdichtungen der Volksphantasie. Das Volk dichtet nicht so, daß es sagt, wenn man einzelne Wolken hinstreichen sieht, das seien Schäfchen. Daß das Volk so dichte, ist eine Dichtung unserer heutigen Gelehrsamkeit, die voll lebhafter Phantasie in solchen Dingen ist. Die Wahrheit ist eine ganz andere. Alles, was in den alten Göttersagen und Geschichten enthalten ist, sind die letzten Überbleibsel, die letzten Erinnerungen aus dem vorreligiösen Bewußtsein. Kunde ist den Menschen geblieben von dem, was sie selbst gesehen haben. Diese Menschen, die Wotan, Thor, Zeus und so weiter beschreiben, sie haben es deshalb getan, weil in ihnen eine Erinnerung daran vorhanden war, daß man solches einmal erlebt hatte. Brocken, zum Teil abgerissene Stücke von dem, was man einst erlebt hatte, das sind die Mythologien.
[ 18 ] Noch in anderer Beziehung war der Zwischenzustand vorhanden. Auch in der Zeit, als die gescheiten Menschen, sagen wir einmal, schon sehr gescheit waren, da gab es noch immer solche, die wenigstens in Ausnahmezuständen — nennen Sie sie Entrücktheit oder auch Verrücktheit, wie Sie wollen — hineinschauen konnten in die geistigen Welten, die noch wahrnehmen konnten, was früher die Menschen in ihrer Mehrheit sahen. Die erzählten, daß sie selbst noch etwas gesehen haben von der geistigen Welt. Das verband sich so mit den Erinnerungen, daß ein lebendiger Glaube lebte in den Völkern. Das war ein Übergangszustand zu dem eigentlich religiösen Zustand.
[ 18 ] Noch in anderer Beziehung war der Zwischenzustand vorhanden. Auch in der Zeit, als die gescheiten Menschen, sagen wir einmal, schon sehr gescheit waren, da gab es noch immer solche, die wenigstens in Ausnahmezuständen — nennen Sie sie Entrücktheit oder auch Verrücktheit, wie Sie wollen — hineinschauen konnten in die geistigen Welten, die noch wahrnehmen konnten, was früher die Menschen in ihrer Mehrheit sahen. Die erzählten, daß sie selbst noch etwas gesehen haben von der geistigen Welt. Das verband sich so mit den Erinnerungen, daß ein lebendiger Glaube lebte in den Völkern. Das war ein Übergangszustand zu dem eigentlich religiösen Zustand.
[ 19 ] Und wie wurde der eigentlich religiöse Zustand angebahnt in der Menschheit? Dadurch, daß der Mensch die Mittel und Wege fand, sein Inneres so zu entwickeln, daß er die Welten, aus denen er herausgewachsen ist, die er im dumpfen Bewußtsein einstmals gesehen hatte, wiederum sehen, wiederum schauen kann. Da kommen wir auf ein Kapitel, das für manchen modernen Menschen recht wenig Wahrscheinliches enthält, zu dem Kapitel von den Eingeweihten. Was sind Eingeweihte der Menschheit? Eingeweihte waren diejenigen Menschen, welche ihr eigenes seelisches und geistiges Innere so entfalteten durch gewisse Methoden, daß sie wieder hineinwuchsen in die geistige Welt. Einweihung gibt es! Es schlummern in jeder Seele übersinnliche Kräfte und Fähigkeiten. Es gibt oder kann wenigstens geben für jeden Menschen solch einen großen, gewaltigen Augenblick, wo diese Kräfte erwachen. Diesen Augenblick können wir vor unsere Seele rücken, wenn wir uns vorstellen, wie die andere menschliche Entwickelung war. Sprechen wir mit Goethes Worten, so können wir sagen: Wir schauen zurück in Zeiten ferner Vergangenheit, in denen im heutigen physischen Menschenleibe noch kein solches physisches Auge vorhanden war, kein solches physisches Ohr wie heute. Zurück schauen wir in jene Zeiten, in denen an den Stellen, wo diese Organe jetzt sind, gleichgültige Organe waren, die nicht sehen und hören konnten. Es gab für den physischen Menschen eine Zeit, wo solche blinde Organe zu Leuchtpunkten sich entwickelten, wo sie sich allmählich mehr und mehr entfalteten, bis für sie das Licht auftauchte. Ebenso gab es einen Zeitpunkt, wo des Menschen Ohr so weit war, daß die vorher stumme Welt sich in Tönen und Harmonien offenbarte. — Ebenso wie die Sonne mit ihren Kräften daran arbeitete, seine Augen aus seinem Organismus herauszubilden, ebenso kann der Mensch heute seinem Geiste nach so leben, daß sich die vielfach für ihn heute gleichgültigen geistig-seelischen Organe in ähnlicher Weise entwickeln. Der Augenblick ist möglich, ist für viele schon dagewesen, wo sich ihre Seele und ihr Geist so umbilden, wie sich einmal umgebildet hat die äußere physische Organisation. Neue Augen und neue Ohren entstehen, durch die aus dem geistig finsteren und stummen Umkreis heraus das Licht hineinscheint und die Töne hineinklingen. Entwickelung ist möglich, auch zum Hineinleben in die höheren Welten. Das ist Einweihung. Und in den Mysterienschulen werden ebenso die Methoden dieser Einweihung den Menschen an die Hand gegeben wie in der äußeren Welt die Methoden, sagen wir, des chemischen Laboratoriums oder der biologischen Forschung. Der Unterschied zwischen den Methoden der äußeren Wissenschaft und der Einweihung ist nur, daß die äußere Wissenschaft sich Instrumente und äußere Hilfsapparate zurechtzurichten hat. Für denjenigen aber, der Eingeweihter werden will, gibt es nur ein einziges Instrument, das er ausbilden muß, und das ist er selbst in allen seinen Kräften. So wie im Eisen die magnetische Kraft schlummern kann, so schlummert in der menschlichen Seele die Kraft, einzudringen in die geistige Licht- und Tonwelt. So kam die Zeit, wo nur das Physisch-Sinnliche im Normalen gesehen wurde und wo die Führer der Menschheit aus solchen Eingeweihten bestanden, die hineinschauen konnten in die geistigen Welten, die Mitteilung machen, Erklärung geben konnten über die Tatsachen der geistigen Welt, in welcher der Mensch früher gelebt hatte.
[ 19 ] Und wie wurde der eigentlich religiöse Zustand angebahnt in der Menschheit? Dadurch, daß der Mensch die Mittel und Wege fand, sein Inneres so zu entwickeln, daß er die Welten, aus denen er herausgewachsen ist, die er im dumpfen Bewußtsein einstmals gesehen hatte, wiederum sehen, wiederum schauen kann. Da kommen wir auf ein Kapitel, das für manchen modernen Menschen recht wenig Wahrscheinliches enthält, zu dem Kapitel von den Eingeweihten. Was sind Eingeweihte der Menschheit? Eingeweihte waren diejenigen Menschen, welche ihr eigenes seelisches und geistiges Innere so entfalteten durch gewisse Methoden, daß sie wieder hineinwuchsen in die geistige Welt. Einweihung gibt es! Es schlummern in jeder Seele übersinnliche Kräfte und Fähigkeiten. Es gibt oder kann wenigstens geben für jeden Menschen solch einen großen, gewaltigen Augenblick, wo diese Kräfte erwachen. Diesen Augenblick können wir vor unsere Seele rücken, wenn wir uns vorstellen, wie die andere menschliche Entwickelung war. Sprechen wir mit Goethes Worten, so können wir sagen: Wir schauen zurück in Zeiten ferner Vergangenheit, in denen im heutigen physischen Menschenleibe noch kein solches physisches Auge vorhanden war, kein solches physisches Ohr wie heute. Zurück schauen wir in jene Zeiten, in denen an den Stellen, wo diese Organe jetzt sind, gleichgültige Organe waren, die nicht sehen und hören konnten. Es gab für den physischen Menschen eine Zeit, wo solche blinde Organe zu Leuchtpunkten sich entwickelten, wo sie sich allmählich mehr und mehr entfalteten, bis für sie das Licht auftauchte. Ebenso gab es einen Zeitpunkt, wo des Menschen Ohr so weit war, daß die vorher stumme Welt sich in Tönen und Harmonien offenbarte. — Ebenso wie die Sonne mit ihren Kräften daran arbeitete, seine Augen aus seinem Organismus herauszubilden, ebenso kann der Mensch heute seinem Geiste nach so leben, daß sich die vielfach für ihn heute gleichgültigen geistig-seelischen Organe in ähnlicher Weise entwickeln. Der Augenblick ist möglich, ist für viele schon dagewesen, wo sich ihre Seele und ihr Geist so umbilden, wie sich einmal umgebildet hat die äußere physische Organisation. Neue Augen und neue Ohren entstehen, durch die aus dem geistig finsteren und stummen Umkreis heraus das Licht hineinscheint und die Töne hineinklingen. Entwickelung ist möglich, auch zum Hineinleben in die höheren Welten. Das ist Einweihung. Und in den Mysterienschulen werden ebenso die Methoden dieser Einweihung den Menschen an die Hand gegeben wie in der äußeren Welt die Methoden, sagen wir, des chemischen Laboratoriums oder der biologischen Forschung. Der Unterschied zwischen den Methoden der äußeren Wissenschaft und der Einweihung ist nur, daß die äußere Wissenschaft sich Instrumente und äußere Hilfsapparate zurechtzurichten hat. Für denjenigen aber, der Eingeweihter werden will, gibt es nur ein einziges Instrument, das er ausbilden muß, und das ist er selbst in allen seinen Kräften. So wie im Eisen die magnetische Kraft schlummern kann, so schlummert in der menschlichen Seele die Kraft, einzudringen in die geistige Licht- und Tonwelt. So kam die Zeit, wo nur das Physisch-Sinnliche im Normalen gesehen wurde und wo die Führer der Menschheit aus solchen Eingeweihten bestanden, die hineinschauen konnten in die geistigen Welten, die Mitteilung machen, Erklärung geben konnten über die Tatsachen der geistigen Welt, in welcher der Mensch früher gelebt hatte.
[ 20 ] Die erste Stufe der Einweihung, wohin führt sie? Wie stellt sie sich dar der menschlichen Seele? Glauben Sie nicht, daß diese Entwickelung nur in philosophischem Spekulieren, im Ausspintisieren von Begriffen, im Verfeinern der Begriffe besteht. Das, was der Mensch an Begriffen hat über die äußere Sinneswelt, das verwandelt sich in dem Menschen, der hineinwächst in die geistige Welt. Es wird so, daß der Mensch jetzt nicht mehr durch scharf konturierte Begriffe begreift, sondern durch Bilder, durch Imaginationen. Denn der Mensch wächst hinein in das geistige, weltschöpfetische Verfahren. So bestimmt und fest umrissen wie die Gegenstände der Sinneswelt sind eben nur diese sinnlichen Gegenstände. Im weltschöpferischen Verfahren haben Sie nicht das Tier mit den festen Umrissen. Da haben Sie etwas wie ein Bild zugrunde gelegt, aus dem die verschiedenen äußeren Gestalten entstehen können, eine lebendige, in sich gegliederte Wirklichkeit. Man muß sich streng auf den Boden des Wortes Goethes stellen: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» In Bildern lernt der Eingeweihte zunächst erkennen und begreifen, lernt er hinaufsteigen in die geistige Welt. Da muß sein Bewußtsein beweglicher werden als dasjenige, das uns dient zum Begreifen der um uns liegenden Sinneswelt. Deshalb nennt man diese Stufe der Entwickelung das imaginative Bewußtsein. Es führt den Menschen wieder hinein in die geistige Welt, aber nicht in dämmerhafter Weise. Dieses zu erringende Weihebewußtsein ist klar und hell, wie es der Mensch im hellen Tagesbewußtsein hat, wie dieses Tagesbewußtsein selbst. Der Mensch wird dadurch bereichert, daß er zu dem Tagesbewußtsein das Bewußtsein der geistigen Welt hinzugewinnt. So lebt er in dem imaginativen Bewußtsein in der ersten Einweihungsstufe. Und was diejenigen, die so eingeweiht waren, in den geistigen Welten erfuhren, davon ist in den Urkunden, in den Dokumenten der Menschheit Mitteilung geschehen, geradeso wie von der niedrigen Wissenschaft der Geometrie durch Euklid der Menschheit Mitteilung gemacht worden ist. Wir wissen, was in diesen Urkunden steht, wir erkennen es, wenn wir zurückgehen auf die Quelle, auf das Schauen der Eingewethten.
[ 20 ] Die erste Stufe der Einweihung, wohin führt sie? Wie stellt sie sich dar der menschlichen Seele? Glauben Sie nicht, daß diese Entwickelung nur in philosophischem Spekulieren, im Ausspintisieren von Begriffen, im Verfeinern der Begriffe besteht. Das, was der Mensch an Begriffen hat über die äußere Sinneswelt, das verwandelt sich in dem Menschen, der hineinwächst in die geistige Welt. Es wird so, daß der Mensch jetzt nicht mehr durch scharf konturierte Begriffe begreift, sondern durch Bilder, durch Imaginationen. Denn der Mensch wächst hinein in das geistige, weltschöpfetische Verfahren. So bestimmt und fest umrissen wie die Gegenstände der Sinneswelt sind eben nur diese sinnlichen Gegenstände. Im weltschöpferischen Verfahren haben Sie nicht das Tier mit den festen Umrissen. Da haben Sie etwas wie ein Bild zugrunde gelegt, aus dem die verschiedenen äußeren Gestalten entstehen können, eine lebendige, in sich gegliederte Wirklichkeit. Man muß sich streng auf den Boden des Wortes Goethes stellen: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» In Bildern lernt der Eingeweihte zunächst erkennen und begreifen, lernt er hinaufsteigen in die geistige Welt. Da muß sein Bewußtsein beweglicher werden als dasjenige, das uns dient zum Begreifen der um uns liegenden Sinneswelt. Deshalb nennt man diese Stufe der Entwickelung das imaginative Bewußtsein. Es führt den Menschen wieder hinein in die geistige Welt, aber nicht in dämmerhafter Weise. Dieses zu erringende Weihebewußtsein ist klar und hell, wie es der Mensch im hellen Tagesbewußtsein hat, wie dieses Tagesbewußtsein selbst. Der Mensch wird dadurch bereichert, daß er zu dem Tagesbewußtsein das Bewußtsein der geistigen Welt hinzugewinnt. So lebt er in dem imaginativen Bewußtsein in der ersten Einweihungsstufe. Und was diejenigen, die so eingeweiht waren, in den geistigen Welten erfuhren, davon ist in den Urkunden, in den Dokumenten der Menschheit Mitteilung geschehen, geradeso wie von der niedrigen Wissenschaft der Geometrie durch Euklid der Menschheit Mitteilung gemacht worden ist. Wir wissen, was in diesen Urkunden steht, wir erkennen es, wenn wir zurückgehen auf die Quelle, auf das Schauen der Eingewethten.
[ 21 ] So war es innerhalb der Menschheit bis zu der Erscheinung der größten Wesenheit, die über den Erdball geschritten ist, des Christus Jesus. Mit seiner Erscheinung tritt ein neues Element in die Entwickelung ein. Wenn wir uns klarmachen wollen, worin das wesentlich Neue, das der Menschheit durch den Christus Jesus geschenkt worden ist, besteht, dann müssen wir beachten, daß in allen vorchristlichen Einweihungsstätten der Mensch so eingeweiht wurde, daß ein völliges Herausgehen aus der übrigen menschheitlichen Entwickelung notwendig war, ein Arbeiten an seiner Seele in Stätten des tiefsten Geheimnisses. Und wir müssen uns vor allen Dingen klarmachen, daß noch immer etwas vorhanden war im Bewußtsein des Menschen von einem Überrest, wenn er sich wiederum heraufhob in die geistige Welt, jenes alten, bloß traumhaften Bilderbewußtseins. Der Mensch mußte hinwegeilen aus dieser Welt der Sinne, um in die geistige Welt eintreten zu können. Daß das heute nicht mehr notwendig ist, das wurde herbeigeführt durch die Erscheinung des Christus Jesus auf der Erde. Dadurch, daß das Christus-Prinzip in die Menschheit eingetreten ist, ist das Zentralwesen, das Mittelpunktswesen der geistigen Welt geschichtlich, historisch in einem Menschen einmal auf dieser Erde dagewesen, dasselbe Wesen, nach dem sich gesehnt haben alle diejenigen, die ein religiöses Leben entwickelt haben, die geschaut haben in den Einweihungsstätten, die weggeschritten sind von der sinnlichen Welt, um in die geistige Welt einzutreten. Das Wesen, von dem verkündet worden ist, daß ihm der Mensch als seinem Höchsten gegenübersteht, das ist mit dem Christus Jesus in die Menschheitsgeschichte eingetreten. Und derjenige, der etwas versteht von echter Geisteswissenschaft, weiß, daß alle religiöse Verkündigung vor dem Erscheinen des Christus Jesus eine Vorverkündigung des Christus Jesus ist.
[ 21 ] So war es innerhalb der Menschheit bis zu der Erscheinung der größten Wesenheit, die über den Erdball geschritten ist, des Christus Jesus. Mit seiner Erscheinung tritt ein neues Element in die Entwickelung ein. Wenn wir uns klarmachen wollen, worin das wesentlich Neue, das der Menschheit durch den Christus Jesus geschenkt worden ist, besteht, dann müssen wir beachten, daß in allen vorchristlichen Einweihungsstätten der Mensch so eingeweiht wurde, daß ein völliges Herausgehen aus der übrigen menschheitlichen Entwickelung notwendig war, ein Arbeiten an seiner Seele in Stätten des tiefsten Geheimnisses. Und wir müssen uns vor allen Dingen klarmachen, daß noch immer etwas vorhanden war im Bewußtsein des Menschen von einem Überrest, wenn er sich wiederum heraufhob in die geistige Welt, jenes alten, bloß traumhaften Bilderbewußtseins. Der Mensch mußte hinwegeilen aus dieser Welt der Sinne, um in die geistige Welt eintreten zu können. Daß das heute nicht mehr notwendig ist, das wurde herbeigeführt durch die Erscheinung des Christus Jesus auf der Erde. Dadurch, daß das Christus-Prinzip in die Menschheit eingetreten ist, ist das Zentralwesen, das Mittelpunktswesen der geistigen Welt geschichtlich, historisch in einem Menschen einmal auf dieser Erde dagewesen, dasselbe Wesen, nach dem sich gesehnt haben alle diejenigen, die ein religiöses Leben entwickelt haben, die geschaut haben in den Einweihungsstätten, die weggeschritten sind von der sinnlichen Welt, um in die geistige Welt einzutreten. Das Wesen, von dem verkündet worden ist, daß ihm der Mensch als seinem Höchsten gegenübersteht, das ist mit dem Christus Jesus in die Menschheitsgeschichte eingetreten. Und derjenige, der etwas versteht von echter Geisteswissenschaft, weiß, daß alle religiöse Verkündigung vor dem Erscheinen des Christus Jesus eine Vorverkündigung des Christus Jesus ist.
[ 22 ] Wenn die alten Eingeweihten von dem Höchsten haben sprechen wollen, was ihnen in der Geisteswelt zugänglich war, was sie haben schauen können als den Urgrund aller Dinge, dann haben sie in den verschiedensten Namen von dem Christus Jesus gesprochen. Wir brauchen uns nur an ein Beispiel, an das Alte Testament zu erinnern, das auch eine Vorherverkündigung ist. Wir erinnern uns daran, wie Moses, als er sein Volk führen sollte, den Auftrag erhielt: Sage deinem Volke, daß das, was du tun sollst, der Herr, der Gott, dir gesagt hat. — Da sagt Moses: Wie werden mir die Leute glauben, wie werde ich ihnen eine Überzeugung beibringen können? Was muß ich sagen, wenn sie mich fragen: Wer hat dich geschickt? — Und es wird ihm der Auftrag: Sage, der «Ich-bin», der hat dich geschickt. — Lesen Sie es nach und vergleichen Sie es, so genau Sie können, mit dem Urtext. Sie werden sehen, um was es sich dabei handelt. Der «Ich-bin», was soll das heißen? Der «Ich-bin» ist der Name für die göttliche Wesenheit, das Christus-Prinzip des Menschen, für die Wesenheit, die der Mensch einem Tropfen, einem Funken nach in sich spürt, wenn er «Ich bin» sagen kann. Der Stein kann nicht «Ich bin» sagen, die Pflanze kann nicht «Ich bin», das Tier kann nicht «Ich bin» sagen. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung dadurch, daß er zu sich «Ich bin» sagen kann, daß er einen Namen sprechen kann, der für keinen anderen gültig ist als für den, der ihn ausspricht. «Ich» können Sie sich nur selbst nennen. Kein anderer kann Sie «Ich» nennen. Hier spricht die Seele mit sich selbst, in jenem Worte, wo hinein nur ein Wesen Zugang hat, das durch keinen äußeren Sinn, auf keinem äußeren Weg zu der Seele kommt. Hier spricht der Gott. Daher wurde der Name «Ich-bin» der Gottheit, welche die Welt erfüllt, gegeben. Sage, der «Ich-bin» hat es dir gesagt! — so sollte Moses seinem Volke sagen.
[ 22 ] Wenn die alten Eingeweihten von dem Höchsten haben sprechen wollen, was ihnen in der Geisteswelt zugänglich war, was sie haben schauen können als den Urgrund aller Dinge, dann haben sie in den verschiedensten Namen von dem Christus Jesus gesprochen. Wir brauchen uns nur an ein Beispiel, an das Alte Testament zu erinnern, das auch eine Vorherverkündigung ist. Wir erinnern uns daran, wie Moses, als er sein Volk führen sollte, den Auftrag erhielt: Sage deinem Volke, daß das, was du tun sollst, der Herr, der Gott, dir gesagt hat. — Da sagt Moses: Wie werden mir die Leute glauben, wie werde ich ihnen eine Überzeugung beibringen können? Was muß ich sagen, wenn sie mich fragen: Wer hat dich geschickt? — Und es wird ihm der Auftrag: Sage, der «Ich-bin», der hat dich geschickt. — Lesen Sie es nach und vergleichen Sie es, so genau Sie können, mit dem Urtext. Sie werden sehen, um was es sich dabei handelt. Der «Ich-bin», was soll das heißen? Der «Ich-bin» ist der Name für die göttliche Wesenheit, das Christus-Prinzip des Menschen, für die Wesenheit, die der Mensch einem Tropfen, einem Funken nach in sich spürt, wenn er «Ich bin» sagen kann. Der Stein kann nicht «Ich bin» sagen, die Pflanze kann nicht «Ich bin», das Tier kann nicht «Ich bin» sagen. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung dadurch, daß er zu sich «Ich bin» sagen kann, daß er einen Namen sprechen kann, der für keinen anderen gültig ist als für den, der ihn ausspricht. «Ich» können Sie sich nur selbst nennen. Kein anderer kann Sie «Ich» nennen. Hier spricht die Seele mit sich selbst, in jenem Worte, wo hinein nur ein Wesen Zugang hat, das durch keinen äußeren Sinn, auf keinem äußeren Weg zu der Seele kommt. Hier spricht der Gott. Daher wurde der Name «Ich-bin» der Gottheit, welche die Welt erfüllt, gegeben. Sage, der «Ich-bin» hat es dir gesagt! — so sollte Moses seinem Volke sagen.
[ 23 ] Nur langsam lernen die Menschen den tiefen Sinn dieses «Ich-bin» völlig verstehen. Nicht gleich haben sich die Menschen als Einzelmenschen gefühlt. Sie können es finden noch im Alten Testament: da fühlten sich die Menschen noch nicht als Einzelmenschen. Auch die Angehörigen der deutschen Stämme, selbst noch in den Zeiten der christlichen Kirche, fühlten sich nicht als Einzelmenschen. Denken Sie zurück an die Cherusker, Teutonen und so weiter, an die deutschen Stämme, in deren Land nun das heutige Deutschland ist. Der einzelne Cherusker fühlte mehr das Stammes-Ich, dem gegenüber er sich als Glied erschien. Der einzelne hätte nicht in der scharfen Weise, wie heute, «Ich bin» gesagt. Er fühlte sich zusammengefügt zum einigen Organismus derjenigen, die blutsverwandt waren.
[ 23 ] Nur langsam lernen die Menschen den tiefen Sinn dieses «Ich-bin» völlig verstehen. Nicht gleich haben sich die Menschen als Einzelmenschen gefühlt. Sie können es finden noch im Alten Testament: da fühlten sich die Menschen noch nicht als Einzelmenschen. Auch die Angehörigen der deutschen Stämme, selbst noch in den Zeiten der christlichen Kirche, fühlten sich nicht als Einzelmenschen. Denken Sie zurück an die Cherusker, Teutonen und so weiter, an die deutschen Stämme, in deren Land nun das heutige Deutschland ist. Der einzelne Cherusker fühlte mehr das Stammes-Ich, dem gegenüber er sich als Glied erschien. Der einzelne hätte nicht in der scharfen Weise, wie heute, «Ich bin» gesagt. Er fühlte sich zusammengefügt zum einigen Organismus derjenigen, die blutsverwandt waren.
[ 24 ] Den weitesten Umkreis nimmt diese Blutsverwandtschaft bei den Bekennern des Alten Testaments ein. Der einzelne fühlt sich geborgen im ganzen Volk. Dieses ist für ihn von einem Ich beherrscht. Er weiß es, was es heißt: «Ich und der Vater Abraham sind eins», denn er verfolgt die Blutsverwandtschaft durch die Generationen hinauf bis Abraham. Er weiß sich geborgen, wenn er über sein Einzel-Ich hinausgehen will, in dem Vater Abraham, von dem all das Blut, das der äußere Träger für das gemeinsame Volks-Ich ist, hinunterfließt in die Generationen.
[ 24 ] Den weitesten Umkreis nimmt diese Blutsverwandtschaft bei den Bekennern des Alten Testaments ein. Der einzelne fühlt sich geborgen im ganzen Volk. Dieses ist für ihn von einem Ich beherrscht. Er weiß es, was es heißt: «Ich und der Vater Abraham sind eins», denn er verfolgt die Blutsverwandtschaft durch die Generationen hinauf bis Abraham. Er weiß sich geborgen, wenn er über sein Einzel-Ich hinausgehen will, in dem Vater Abraham, von dem all das Blut, das der äußere Träger für das gemeinsame Volks-Ich ist, hinunterfließt in die Generationen.
[ 25 ] Nun, wenn wir mit dem Ausspruch, der jedem Bekenner des Alten Testamentes ein Hohes bedeutet, vergleichen, was der Christus Jesus hingestellt hat, dann haben wir wie blitzartig beleuchtet den ganzen Fortschritt, der durch die christliche Entwickelung hervorgerufen wurde. «Ehe denn Abraham war, war das «Ich-bin»? Was heißt das: Vor Abraham war das «Ich-bin»? — So ist nämlich die richtige Übersetzung und Interpretation der betreffenden Bibelstelle. Das heißt: Geht zurück durch alle Generationen, ihr findet etwas in euch selbst, in eurer Einzelindividualität, das noch ewiger ist als das, was durch alle blutsverwandten Generationen fließt. Ehe die Ahnherren waren, war das «Ich-bin», jenes Wesen, das in jeden Menschen hineinzieht, von dem jede Menschenseele etwas unmittelbar fühlen kann in sich selbst. Nicht ich und der Vater Abraham, nicht ich und ein zeitlicher Vater, sondern ich und der geistige Vater, der an nichts Vergängliches gebunden ist, wir sind eins. «Ich und der Vater sind eins.» In dem einzelnen Menschen findet sich der Vater. Das göttliche Prinzip lebt in ihm, etwas, was da war, was da ist, was da sein wird.
[ 25 ] Nun, wenn wir mit dem Ausspruch, der jedem Bekenner des Alten Testamentes ein Hohes bedeutet, vergleichen, was der Christus Jesus hingestellt hat, dann haben wir wie blitzartig beleuchtet den ganzen Fortschritt, der durch die christliche Entwickelung hervorgerufen wurde. «Ehe denn Abraham war, war das «Ich-bin»? Was heißt das: Vor Abraham war das «Ich-bin»? — So ist nämlich die richtige Übersetzung und Interpretation der betreffenden Bibelstelle. Das heißt: Geht zurück durch alle Generationen, ihr findet etwas in euch selbst, in eurer Einzelindividualität, das noch ewiger ist als das, was durch alle blutsverwandten Generationen fließt. Ehe die Ahnherren waren, war das «Ich-bin», jenes Wesen, das in jeden Menschen hineinzieht, von dem jede Menschenseele etwas unmittelbar fühlen kann in sich selbst. Nicht ich und der Vater Abraham, nicht ich und ein zeitlicher Vater, sondern ich und der geistige Vater, der an nichts Vergängliches gebunden ist, wir sind eins. «Ich und der Vater sind eins.» In dem einzelnen Menschen findet sich der Vater. Das göttliche Prinzip lebt in ihm, etwas, was da war, was da ist, was da sein wird.
[ 26 ] Die Menschen werden, nachdem sie durch fast zwei Jahrtausende eigentlich erst angefangen haben die Kraft dieses Weltenimpulses zu fühlen, in künftigen Zeiten voll erkennen, was dieser Sprung innerhalb der Erdenmission und Erdenentwickelung für den Menschen bedeutet. Dasjenige, was man nur einsehen konnte, wenn man hinwegging über das Einzeldasein, über den einzelnen Menschen, wenn man den Geist eines ganzen Stammes faßte, das war es, was die alten Eingeweihten erreichen wollten.
[ 26 ] Die Menschen werden, nachdem sie durch fast zwei Jahrtausende eigentlich erst angefangen haben die Kraft dieses Weltenimpulses zu fühlen, in künftigen Zeiten voll erkennen, was dieser Sprung innerhalb der Erdenmission und Erdenentwickelung für den Menschen bedeutet. Dasjenige, was man nur einsehen konnte, wenn man hinwegging über das Einzeldasein, über den einzelnen Menschen, wenn man den Geist eines ganzen Stammes faßte, das war es, was die alten Eingeweihten erreichen wollten.
[ 27 ] Wenn in der gewöhnlichen Welt irgendein Mensch das hörte, so sagte er: Das Ich ist etwas Vergängliches, das anfängt mit der Geburt und aufhört mit dem Tode. — Wurde er aber eingeweiht in das Geheimnis der Mysterien, dann sah er dasjenige, was der andere spürte und empfand, als dasselbe, was durch das Blut der Generationen rollt, was ein wirkliches Wesen ist, dann sah er seinen Stammesgeist. Was nur im geistigen Reich, aber nicht in der äußeren Wirklichkeit erreichbar ist, das konnte er schauen. Einen Gott, der durch das Blut der Generationen rinnt, konnte er schauen. Geistesauge gegenüber Geistesauge vor diesem Gotte stehen, das konnte man nur in den Mysterien.
[ 27 ] Wenn in der gewöhnlichen Welt irgendein Mensch das hörte, so sagte er: Das Ich ist etwas Vergängliches, das anfängt mit der Geburt und aufhört mit dem Tode. — Wurde er aber eingeweiht in das Geheimnis der Mysterien, dann sah er dasjenige, was der andere spürte und empfand, als dasselbe, was durch das Blut der Generationen rollt, was ein wirkliches Wesen ist, dann sah er seinen Stammesgeist. Was nur im geistigen Reich, aber nicht in der äußeren Wirklichkeit erreichbar ist, das konnte er schauen. Einen Gott, der durch das Blut der Generationen rinnt, konnte er schauen. Geistesauge gegenüber Geistesauge vor diesem Gotte stehen, das konnte man nur in den Mysterien.
[ 28 ] Diejenigen, die mit dem vollen Verständnis als seine intimen Schüler um den Christus Jesus waren, sie hatten das Bewußtsein, daß ein Wesen geistig-göttlicher Natur für die äußeren Sinne in einer geschlossenen fleischlich-menschlichen Persönlichkeit vor ihnen stand. Als den ersten empfanden sie den Christus Jesus, als den ersten, der im einzelnen Menschen einen solchen Geist in sich hatte, wie ihn sonst nur zusammengehörige Menschenmassen in sich fühlten und wie er sonst nur in der geistigen Welt für die Eingeweihten zu schauen war. Der Erstling unter den Menschen war er.
[ 28 ] Diejenigen, die mit dem vollen Verständnis als seine intimen Schüler um den Christus Jesus waren, sie hatten das Bewußtsein, daß ein Wesen geistig-göttlicher Natur für die äußeren Sinne in einer geschlossenen fleischlich-menschlichen Persönlichkeit vor ihnen stand. Als den ersten empfanden sie den Christus Jesus, als den ersten, der im einzelnen Menschen einen solchen Geist in sich hatte, wie ihn sonst nur zusammengehörige Menschenmassen in sich fühlten und wie er sonst nur in der geistigen Welt für die Eingeweihten zu schauen war. Der Erstling unter den Menschen war er.
[ 29 ] Je mehr der Mensch individuell wird, desto mehr kann er Liebeträger werden. Wo das Blut die Menschen zusammenkettet, da lieben die Menschen aus dem Grunde, weil sie durch das Blut hingeführt werden zu dem, was sie lieben sollen. Wird dem Menschen die Individualität zuerteilt, hegt und pflegt er den Gottesfunken in sich, dann müssen die Impulse der Liebe, die Wellen der Liebe von Mensch zu Mensch gehen aus freiem Herzen heraus. Und so hat der Mensch mit diesem neuen Impuls das alte Band der Liebe, die an das Blut gebunden ist, bereichert. Die Liebe geht nach und nach über in die geistige Liebe, die von Seele zu Seele fließt, die zuletzt die ganze Menschheit umfassen wird mit einem gemeinschaftlichen Band allgemeiner Bruderliebe. Der Christus Jesus aber ist die Kraft, die lebendige Kraft, durch die, so wie sie in der Geschichte war, wie sie sich äußeren Augen zeigte, zum erstenmal die Menschheit zur Verbrüderung gebracht worden ist. Und die Menschen werden lernen, dieses Band der Bruderliebe als das vollendete, als das vergeistigte Christentum aufzufassen.
[ 29 ] Je mehr der Mensch individuell wird, desto mehr kann er Liebeträger werden. Wo das Blut die Menschen zusammenkettet, da lieben die Menschen aus dem Grunde, weil sie durch das Blut hingeführt werden zu dem, was sie lieben sollen. Wird dem Menschen die Individualität zuerteilt, hegt und pflegt er den Gottesfunken in sich, dann müssen die Impulse der Liebe, die Wellen der Liebe von Mensch zu Mensch gehen aus freiem Herzen heraus. Und so hat der Mensch mit diesem neuen Impuls das alte Band der Liebe, die an das Blut gebunden ist, bereichert. Die Liebe geht nach und nach über in die geistige Liebe, die von Seele zu Seele fließt, die zuletzt die ganze Menschheit umfassen wird mit einem gemeinschaftlichen Band allgemeiner Bruderliebe. Der Christus Jesus aber ist die Kraft, die lebendige Kraft, durch die, so wie sie in der Geschichte war, wie sie sich äußeren Augen zeigte, zum erstenmal die Menschheit zur Verbrüderung gebracht worden ist. Und die Menschen werden lernen, dieses Band der Bruderliebe als das vollendete, als das vergeistigte Christentum aufzufassen.
[ 30 ] Man sagt heute leicht: Die Theosophie soll den einheitlichen Wahrheitskern in allen Religionen suchen, denn alle Religionen enthalten ja ganz das gleiche. — Die Menschen, die so sagen, die die Religionen nur vergleichen, um das abstrakt Gleiche zu suchen, verstehen nichts vom Entwickelungsprinzip. Nicht umsonst entwickelt sich die Welt. Wahr ist es, in jeder Religion ist die Wahrheit enthalten, aber indem sie sich von Form zu Form entwickelt, entwickelt sie sich zu höheren Formen. Der Wahrheit nach können Sie allerdings, wenn Sie tief genug forschen wollen, das, was das Christentum an Lehren enthält, in den anderen Religionen auch finden. Neue Lehren hat das Christentum nicht gebracht. Aber das Wesentliche im Christentum liegt nicht in den Lehren. Nehmen Sie die vorchristlichen Religionsstifter. Bei ihnen kommt es darauf an, was sie gelehrt haben. Denken Sie sich, diese Religionsstifter wären unbekannt geblieben; was sie gelehrt haben, das wäre geblieben. Damit hätte die Menschheit genug. Beim Christus Jesus aber kommt es nicht darauf an. Bei ihm kommt es darauf an, daß er da war, daß er im physischen Leibe hier auf dieser Erde gelebt hat. Nicht der Glaube an seine Lehre, sondern an seine Persönlichkeit ist das Ausschlaggebende, daß man hingeschaut hat darauf, daß er der Erstgeborene unter denen war, die da sterben können, bei dem man fragt: Würdest auch du in der Lage, in der ich mich befinde, so fühlen wie ich? Würdest auch du so denken, wie ich nun denke, so wollen, wie ich will? — Das ist das Wichtige, daß er das größte Vorbild als Persönlichkeit ist, bei dem es nicht darauf ankommt, hinzuhören auf seine Lehren, sondern darauf, ihn selbst anzuschauen, wie er es getan hat. Daher sagen die intimen Schüler des Christus Jesus etwas ganz anderes als die Schüler und Jünger anderer Religionsstifter. Diese sagen: Der Herr hat dieses, hat jenes gelehrt. Die Schüler des Christus Jesus aber sagen: Nicht ausgeklügelte Mythen etwa und Lehren sagen wir euch, sondern das sagen wir euch, was unsere Augen selbst gesehen, unsere Ohren selbst gehört haben. Wir haben die Stimme gehört, unsere Hände haben berührt den Quell des Lebens, damit wir Gemeinschaft haben mit euch. — Und Christus Jesus selber sprach: Zeugen sollt ihr mir sein in Jerusalem, in Judäa, bis ans Ende der Welt. — Damit ist etwas sehr Wichtiges gesagt: Zeugen sollt ihr mir sein bis ans Ende der Welt. Das heißt: Es werden immer solche da sein jederzeit, die ebenso wie jene in Judäa und Galiläa aus dem unmittelbaren Wissen heraus sagen können, wer Christus war im Sinne des Evangeliums.
[ 30 ] Man sagt heute leicht: Die Theosophie soll den einheitlichen Wahrheitskern in allen Religionen suchen, denn alle Religionen enthalten ja ganz das gleiche. — Die Menschen, die so sagen, die die Religionen nur vergleichen, um das abstrakt Gleiche zu suchen, verstehen nichts vom Entwickelungsprinzip. Nicht umsonst entwickelt sich die Welt. Wahr ist es, in jeder Religion ist die Wahrheit enthalten, aber indem sie sich von Form zu Form entwickelt, entwickelt sie sich zu höheren Formen. Der Wahrheit nach können Sie allerdings, wenn Sie tief genug forschen wollen, das, was das Christentum an Lehren enthält, in den anderen Religionen auch finden. Neue Lehren hat das Christentum nicht gebracht. Aber das Wesentliche im Christentum liegt nicht in den Lehren. Nehmen Sie die vorchristlichen Religionsstifter. Bei ihnen kommt es darauf an, was sie gelehrt haben. Denken Sie sich, diese Religionsstifter wären unbekannt geblieben; was sie gelehrt haben, das wäre geblieben. Damit hätte die Menschheit genug. Beim Christus Jesus aber kommt es nicht darauf an. Bei ihm kommt es darauf an, daß er da war, daß er im physischen Leibe hier auf dieser Erde gelebt hat. Nicht der Glaube an seine Lehre, sondern an seine Persönlichkeit ist das Ausschlaggebende, daß man hingeschaut hat darauf, daß er der Erstgeborene unter denen war, die da sterben können, bei dem man fragt: Würdest auch du in der Lage, in der ich mich befinde, so fühlen wie ich? Würdest auch du so denken, wie ich nun denke, so wollen, wie ich will? — Das ist das Wichtige, daß er das größte Vorbild als Persönlichkeit ist, bei dem es nicht darauf ankommt, hinzuhören auf seine Lehren, sondern darauf, ihn selbst anzuschauen, wie er es getan hat. Daher sagen die intimen Schüler des Christus Jesus etwas ganz anderes als die Schüler und Jünger anderer Religionsstifter. Diese sagen: Der Herr hat dieses, hat jenes gelehrt. Die Schüler des Christus Jesus aber sagen: Nicht ausgeklügelte Mythen etwa und Lehren sagen wir euch, sondern das sagen wir euch, was unsere Augen selbst gesehen, unsere Ohren selbst gehört haben. Wir haben die Stimme gehört, unsere Hände haben berührt den Quell des Lebens, damit wir Gemeinschaft haben mit euch. — Und Christus Jesus selber sprach: Zeugen sollt ihr mir sein in Jerusalem, in Judäa, bis ans Ende der Welt. — Damit ist etwas sehr Wichtiges gesagt: Zeugen sollt ihr mir sein bis ans Ende der Welt. Das heißt: Es werden immer solche da sein jederzeit, die ebenso wie jene in Judäa und Galiläa aus dem unmittelbaren Wissen heraus sagen können, wer Christus war im Sinne des Evangeliums.
[ 31 ] Im Sinne des Evangeliums, was bedeutet das? Nichts anderes, als daß er von Anfang an das Prinzip war, das in allem Schaffen lebte. Er sagt es: Glaubt ihr nicht an mich, so glaubt wenigstens an Moses, denn wenn ihr an Moses glaubt, so glaubt ihr an mich, denn Moses hat von mir gesprochen. — Wir haben es heute schon gesehen, von ihm hat Moses gesprochen, als er hingewiesen hat darauf: Der «Ich-bin» hat es mir gesagt — der «Ich-bin», der aber nur geistig wahrnehmbar war bis dahin. Daß der Christus sichtbar in die Erscheinung, sichtbar in die Welt getreten ist als Mensch unter Menschen, das ist es, was den Unterschied des Christus-Evangeliums ausmacht gegenüber der göttlichen Verkündigung von anderen Religionen. Denn bei diesen war alle geistige Weisheit auf etwas gerichtet, was außerhalb der Welt war. Jetzt, mit Christus Jesus, kam etwas in die Welt, was als Sinneserscheinung selbst begriffen werden sollte. Was empfanden die ersten Jünger als das Ideal ihrer Weisheit? Nicht mehr bloß zu begreifen, wie die Geister im Geisterlande leben, sondern wie das höchste Prinzip in dieser geschichtlichen Persönlichkeit des Christus Jesus hat auf Erden vorhanden sein können.
[ 31 ] Im Sinne des Evangeliums, was bedeutet das? Nichts anderes, als daß er von Anfang an das Prinzip war, das in allem Schaffen lebte. Er sagt es: Glaubt ihr nicht an mich, so glaubt wenigstens an Moses, denn wenn ihr an Moses glaubt, so glaubt ihr an mich, denn Moses hat von mir gesprochen. — Wir haben es heute schon gesehen, von ihm hat Moses gesprochen, als er hingewiesen hat darauf: Der «Ich-bin» hat es mir gesagt — der «Ich-bin», der aber nur geistig wahrnehmbar war bis dahin. Daß der Christus sichtbar in die Erscheinung, sichtbar in die Welt getreten ist als Mensch unter Menschen, das ist es, was den Unterschied des Christus-Evangeliums ausmacht gegenüber der göttlichen Verkündigung von anderen Religionen. Denn bei diesen war alle geistige Weisheit auf etwas gerichtet, was außerhalb der Welt war. Jetzt, mit Christus Jesus, kam etwas in die Welt, was als Sinneserscheinung selbst begriffen werden sollte. Was empfanden die ersten Jünger als das Ideal ihrer Weisheit? Nicht mehr bloß zu begreifen, wie die Geister im Geisterlande leben, sondern wie das höchste Prinzip in dieser geschichtlichen Persönlichkeit des Christus Jesus hat auf Erden vorhanden sein können.
[ 32 ] Es ist viel leichter, dieser Persönlichkeit die Gottheit abzuleugnen, als so zu empfinden. Darin besteht der Unterschied einer gewissen Lehre der ersten Zeit des Christentums von dem, was man inneres Christentum nennt, der Unterschied zwischen Gnosis und esoterischem Christentum. Die Gnosis erkennt Christus in seiner Göttlichkeit zwar an, aber sie hatte sich nie aufschwingen können bis zu der Anschauung, daß das «Wort» Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat, so wie es der Schreiber des Johannes-Evangeliums betont. Er sagt: Nicht nur als etwas, was bloß im Unsichtbaren zu begreifen ist, sollt ihr den Christus Jesus ansehen, sondern als das Wort, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat. Ihr sollt wissen, daß mit dieser menschlichen Persönlichkeit eine Kraft erschienen ist, die in fernste Zukunft hinein wirken wird, die die wirkliche, geistige Liebe als eine Kraft um den Erdkreis herumspinnen wird, die da wirkt und lebt in allem, das in die Zukunft hinein lebt. — Und übergibt sich der Mensch dieser Kraft, dann wächst er in die geistige Welt hinein, aus der er heruntergestiegen ist. Wieder hinaufsteigen wird er bis dahin, wohinein der Eingeweihte heute schon schauen kann. Abstreifen wird der Mensch das Sinnliche, wenn er in die geistige Welt eindringt.
[ 32 ] Es ist viel leichter, dieser Persönlichkeit die Gottheit abzuleugnen, als so zu empfinden. Darin besteht der Unterschied einer gewissen Lehre der ersten Zeit des Christentums von dem, was man inneres Christentum nennt, der Unterschied zwischen Gnosis und esoterischem Christentum. Die Gnosis erkennt Christus in seiner Göttlichkeit zwar an, aber sie hatte sich nie aufschwingen können bis zu der Anschauung, daß das «Wort» Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat, so wie es der Schreiber des Johannes-Evangeliums betont. Er sagt: Nicht nur als etwas, was bloß im Unsichtbaren zu begreifen ist, sollt ihr den Christus Jesus ansehen, sondern als das Wort, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat. Ihr sollt wissen, daß mit dieser menschlichen Persönlichkeit eine Kraft erschienen ist, die in fernste Zukunft hinein wirken wird, die die wirkliche, geistige Liebe als eine Kraft um den Erdkreis herumspinnen wird, die da wirkt und lebt in allem, das in die Zukunft hinein lebt. — Und übergibt sich der Mensch dieser Kraft, dann wächst er in die geistige Welt hinein, aus der er heruntergestiegen ist. Wieder hinaufsteigen wird er bis dahin, wohinein der Eingeweihte heute schon schauen kann. Abstreifen wird der Mensch das Sinnliche, wenn er in die geistige Welt eindringt.
[ 33 ] Wie der Schüler, der in alten Zeiten eingeweiht wurde, einen Rückblick haben konnte auf die alten, auf die vergangenen Zeiten .des Geisteslebens, so erhalten diejenigen, welche im christlichen Sinne eingeweiht werden, durch die Teilnahme an den Impulsen des Christus Jesus die Fähigkeit zu sehen, was aus dieser unserer Erdenwelt wird, wenn die Menschen im Sinne des Christus-Impulses wirken. Wie man zurückblicken kann auf die früheren Zustände, so kann man, von dem Anfangspunkte der Erscheinung des Christus ausgehend, hinblicken in die fernste Zukunft. Man kann sagen: So wird das Bewußtsein sich wieder verändern, so wird der Mensch stehen im Verhältnis der geistigen zur Sinnenwelt. — Während so die frühere Einweihung eine Einweihung in die Vergangenheit, in uralte Weisheit ist, geht die christliche Einweihung dahin, dem Einzuweihenden die Zukunft zu enthüllen. Das ist das Notwendige, daß der Mensch nicht nur eingeweiht wird für seine Weisheit, für sein Gemüt, sondern daß er eingeweiht wird für seinen Willen. Denn dadurch weiß er, was er tun soll, daß er sich Ziele setzen kann für die Zukunft. Der sinnliche Alltagsmensch setzt sich Ziele für den Nachmittag, für den Abend, den Morgen. Der geistige Mensch vermag aus den geistigen Prinzipien heraus ferne Ziele sich zu setzen, die seinen Willen durchpulsen, seine Kräfte lebendig machen. So der Menschheit Ziele setzen, das heißt im wahren höchsten Sinn, im Sinn des ursprünglichen christlichen Prinzips, das Christentum esoterisch erfassen. So hat es derjenige verstanden, der das große Prinzip der Einweihung des Willens geschrieben hat, der die Apokalypse geschrieben hat. Man versteht die Apokalypse schlecht, wenn man sie nicht versteht als den Impulsgeber für die Zukunft, für das Handeln, für die Tat.
[ 33 ] Wie der Schüler, der in alten Zeiten eingeweiht wurde, einen Rückblick haben konnte auf die alten, auf die vergangenen Zeiten .des Geisteslebens, so erhalten diejenigen, welche im christlichen Sinne eingeweiht werden, durch die Teilnahme an den Impulsen des Christus Jesus die Fähigkeit zu sehen, was aus dieser unserer Erdenwelt wird, wenn die Menschen im Sinne des Christus-Impulses wirken. Wie man zurückblicken kann auf die früheren Zustände, so kann man, von dem Anfangspunkte der Erscheinung des Christus ausgehend, hinblicken in die fernste Zukunft. Man kann sagen: So wird das Bewußtsein sich wieder verändern, so wird der Mensch stehen im Verhältnis der geistigen zur Sinnenwelt. — Während so die frühere Einweihung eine Einweihung in die Vergangenheit, in uralte Weisheit ist, geht die christliche Einweihung dahin, dem Einzuweihenden die Zukunft zu enthüllen. Das ist das Notwendige, daß der Mensch nicht nur eingeweiht wird für seine Weisheit, für sein Gemüt, sondern daß er eingeweiht wird für seinen Willen. Denn dadurch weiß er, was er tun soll, daß er sich Ziele setzen kann für die Zukunft. Der sinnliche Alltagsmensch setzt sich Ziele für den Nachmittag, für den Abend, den Morgen. Der geistige Mensch vermag aus den geistigen Prinzipien heraus ferne Ziele sich zu setzen, die seinen Willen durchpulsen, seine Kräfte lebendig machen. So der Menschheit Ziele setzen, das heißt im wahren höchsten Sinn, im Sinn des ursprünglichen christlichen Prinzips, das Christentum esoterisch erfassen. So hat es derjenige verstanden, der das große Prinzip der Einweihung des Willens geschrieben hat, der die Apokalypse geschrieben hat. Man versteht die Apokalypse schlecht, wenn man sie nicht versteht als den Impulsgeber für die Zukunft, für das Handeln, für die Tat.
[ 34 ] Alle die Dinge, die wir heute an uns vorüberziehen ließen, sie sind aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft heraus zu verstehen. Nur Skizzenhaftes konnte ich heute geben. Wenn man aus der Geisteswissenschaft heraus begreift, was hinter dem Sinnlichen steht, dann sieht man auch hin mit dem Verständnis auf das, was verkündet worden ist in den Evangelien, was verkündet worden ist im apokalyptischen Werk. Und je weiter man geht in dem Eindringen, in der Vertiefung nach den übersinnlichen Welten hin, desto Tieferes wird man in den christlichen Urkunden finden. Mit höherem Glanz, mit tieferem Wahrheitsgehalt und Inhalt erscheinen einem die christlichen Urkunden, wenn man, geschärft mit dem geistigen Blick, wie er gewonnen werden kann mit Hilfe der Anthroposophie, hingeht zu diesen Urkunden. Wahr ist es: Das einfachste Gemüt kann ahnen, welche Wahrheiten im Christentum stecken. Nicht immer aber wird sich das Bewußtsein mit einer Ahnung begnügen können, es wird sich höher entwickeln und wissen, erkennen wollen. Doch auch dann, wenn es sich zu den höchsten Weisheiten erhebt, wird es immer noch tiefe Geheimnisse geben im Christentum. Es ist für das einfachste Gemüt, aber auch für die höchstentwickelte Intellektualität. Der Eingeweihte erlebt es wieder als Bilder. Daher mag das naive Bewußtsein ahnen, welche Wahrheiten darin schlummern, aber der Mensch wird nach Erkenntnis verlangen und nicht nach Glauben, und auch dann wird er im Christentum Befriedigung finden. Er wird im Christentum den vollen befriedigenden Inhalt finden können, wenn ihm durch die Geisteswissenschaft die Erklärungen der Evangelien gegeben werden. Daher wird die Geisteswissenschaft an die Stelle selbst der höchsten alten Philosophien treten. Sie wird Zeugnis ablegen von dem uns eingangs vorgeführten schönen Hegelwort: Der tiefste Gedanke ist mit der Gestalt des Christus Jesus, mit der geschichtlichen und äußerlichen, verknüpft, und jede Art von Bewußtsein — das ist das Große am Christentum — kann der Äußerlichkeit nach dieses Christentum begreifen. Zugleich aber werden die tiefst eindringenden Weisheiten durch das Christentum herausgefordert. Für jede Stufe der Bildung ist das Christentum, aber es kann gerecht werden den höchsten Anforderungen.
[ 34 ] Alle die Dinge, die wir heute an uns vorüberziehen ließen, sie sind aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft heraus zu verstehen. Nur Skizzenhaftes konnte ich heute geben. Wenn man aus der Geisteswissenschaft heraus begreift, was hinter dem Sinnlichen steht, dann sieht man auch hin mit dem Verständnis auf das, was verkündet worden ist in den Evangelien, was verkündet worden ist im apokalyptischen Werk. Und je weiter man geht in dem Eindringen, in der Vertiefung nach den übersinnlichen Welten hin, desto Tieferes wird man in den christlichen Urkunden finden. Mit höherem Glanz, mit tieferem Wahrheitsgehalt und Inhalt erscheinen einem die christlichen Urkunden, wenn man, geschärft mit dem geistigen Blick, wie er gewonnen werden kann mit Hilfe der Anthroposophie, hingeht zu diesen Urkunden. Wahr ist es: Das einfachste Gemüt kann ahnen, welche Wahrheiten im Christentum stecken. Nicht immer aber wird sich das Bewußtsein mit einer Ahnung begnügen können, es wird sich höher entwickeln und wissen, erkennen wollen. Doch auch dann, wenn es sich zu den höchsten Weisheiten erhebt, wird es immer noch tiefe Geheimnisse geben im Christentum. Es ist für das einfachste Gemüt, aber auch für die höchstentwickelte Intellektualität. Der Eingeweihte erlebt es wieder als Bilder. Daher mag das naive Bewußtsein ahnen, welche Wahrheiten darin schlummern, aber der Mensch wird nach Erkenntnis verlangen und nicht nach Glauben, und auch dann wird er im Christentum Befriedigung finden. Er wird im Christentum den vollen befriedigenden Inhalt finden können, wenn ihm durch die Geisteswissenschaft die Erklärungen der Evangelien gegeben werden. Daher wird die Geisteswissenschaft an die Stelle selbst der höchsten alten Philosophien treten. Sie wird Zeugnis ablegen von dem uns eingangs vorgeführten schönen Hegelwort: Der tiefste Gedanke ist mit der Gestalt des Christus Jesus, mit der geschichtlichen und äußerlichen, verknüpft, und jede Art von Bewußtsein — das ist das Große am Christentum — kann der Äußerlichkeit nach dieses Christentum begreifen. Zugleich aber werden die tiefst eindringenden Weisheiten durch das Christentum herausgefordert. Für jede Stufe der Bildung ist das Christentum, aber es kann gerecht werden den höchsten Anforderungen.
