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The Rudolf Steiner Archive

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Die Apokalypse des Johannes
GA 104

18 Juni 1908, Nürnberg

Erster Vortrag

[ 1 ] Es wird uns nunmehr durch eine Reihe von Tagen ein sehr bedeutsames, sehr tiefes anthroposophisches Thema beschäftigen. Bevor wir an unsere Betrachtungen herangehen, lassen Sie mich die tiefste Befriedigung darüber aussprechen, daß wir vor Freunden aus so vielerlei Gegenden Deutschlands, ja Europas über dieses.tiefe und bedeutsame 'Thema hier Betrachtungen anstellen dürfen. Vor allen Dingen gilt es, diese Befriedigung auszusprechen unseren lieben Nürnberger Freunden, die ihrerseits gewiß nicht minder froh sein werden als derjenige, der zu ihnen spricht, hier in dieser Stadt durch eine verhältnismäßig längere Zeit anthroposophisches Leben gemeinsam mit den auswärtigen Freunden zu pflegen. Es ist ja gerade in dieser Stadt neben dem eifrigsten Streben nach Erkenntnis der großen geisteswissenschaftlichen Wahrheiten immer auch so sehr geltend gewesen und mit so tiefem Verständnis zur Darstellung gebracht worden, was anthroposophische Gesinnung, was wahrhaft anthroposophisches Leben ist, dieses anthroposophische Leben, das wir nur dann verstehen, wenn die geisteswissenschaftlichen Lehren uns nicht bloß etwas sind, was uns theoretisch beschäftigt, sondern wenn sie uns etwas werden, was unser eigenes Leben bis in die tiefsten Tiefen der Seele hinein durchgeistigt, durchfeuert, hebt, was uns aber auch in engeren Banden zusammenschlingt mit unseren Mitmenschen, mit der ganzen Welt. Es bedeutet viel für den Menschen, zu fühlen, daß alles, was uns äußerlich in der sinnlichen Welt, im sinnlich-sichtbaren Dasein entgegentritt, so erscheinen kann wie die äußere Physiognomie eines zugrunde liegenden unsichtbaren, übersinnlichen Daseins. Die Welt mit allem, was darinnen ist, wird ja schließlich dem, der die Anthroposophie ins Leben einführt, immer mehr und mehr ein physiognomischer Ausdruck des göttlich-geistig Wesenhaften, und wenn er die Welt des Sichtbaren um sich herum betrachtet, wird es ihm sein, wie wenn er von den Zügen eines Menschenantlitzes durchdringt zu dem Herzen, zu der Seele des Menschen. Gegenüber alledem, was äußerlich ihm entgegentritt in Bergen und Felsen, in dem Pflanzenkleid der Erde, in Tieren und Menschen, was ihm‘ entgegentritt in aller uns umgebenden Welt, in allen Beschäftigungen der Menschen, wird es ihm sein, als ob es ein physiognomischer Ausdruck, als ob es die Miene wäre eines zugrunde liegenden göttlich-geistigen Daseins. Und neues Leben ersprießt ihm aus all dieser Betrachtungsweise und durchdringt ihn, und eine andere, edle Art von Begeisterung befeuert das, was er unternehmen will.

[ 2 ] Nur eines kleinen symptomatischen Beispiels meiner letzten Erfahrungen auf einer meiner Vortragsreisen lassen Sie mich gedenken. Das Beispiel, das ich Ihnen anführen will, zeigt, wie die Weltgeschichte, wenn man sie als Ausdruck des Göttlich-Geistigen betrachtet, überall bedeutsam erscheint, überall eine neue Sprache zu uns redet. Da konnte ich vor einigen Wochen in Skandinavien wahrnehmen, wie in dem ganzen Leben unseres europäischen Nordens alles noch einen Nachklang jenes alten Daseins der nordischen Welt verrät, wo alles Geistige durchsetzt war von dem Bewußtsein der Wesenheiten, die hinter den nordischen Göttergestalten der Mythe stehen. Man möchte sagen, daß in jenen Ländern aus allem, was einem entgegentritt, Nachklänge zu vernehmen sind dessen, was als das alte nordische Geistesleben die Eingeweihten der Druidenmysterien, der Drottenmysterien ihren Schülern mitteilten. Da wird man gewahr, wie der Zauberhauch jenes Geisteslebens den Norden durchsetzt, und man sieht etwas wie den Ausdruck schöner karmischer Zusammenhänge. Man sieht sich, wie mir das gestattet war in Uppsala, sozusagen mitten hineingestellt in alles das, wenn man vor sich hat die erste der germanischen Bibelübersetzungen, den Silbernen Kodex des Ulflas. Er ist hingekommen nach Uppsala wie durch karmische Verwickelungen eigener Art. Er war ja vorher in Prag. Im Schwedischen Krieg wurde er erbeutet und nach Uppsala gebracht, und da liegt er nun, ein Wahrzeichen für das, was den durchdringt, der ein bißchen tiefer hineinzublicken vermag in das alte Mysterienwesen. Es ist ja dieses Mysterienwesen, dieses Eindringen in die geistige Welt innerhalb der alten europäischen Kulturen durchsetzt und durchzogen von einem gemeinsamen merkwürdigen Zug, den tiefer spürten diejenigen, welche die Weihe erhalten haben in jenen alten Zeiten. Wie ein tragischer Zug ging es durch ihre Herzen, wenn ihnen klargemacht wurde, daß sie zwar hineinblicken könnten in die Geheimnisse des Daseins, daß aber in der Zukunft etwas kommen werde, das wie eine vollendete Rätsellösung erscheint. Immer und immer wieder wurden sie darauf hingewiesen, daß hereinstrahlen solle ein höheres Licht in jenes Wissen, das man in den alten Mysterien erkunden konnte. Man darf sagen, daß prophetisch hingewiesen wurde in allen diesen alten Mysterien auf das, was da kommen sollte in der Zukunft, auf die Erscheinung des Christus Jesus. Der Ton, die Gesinnung der Erwartung, die Stimmung der Prophetie lag in diesem nordischen Mysterienwesen.

[ 3 ] Wir müssen solch einen Satz, wie ich ihn jetzt aussprechen werde, nicht zwängen und nicht drängen, nicht pressen und nicht zu scharf in Konturen denken. Er soll nur symptomatisch aussprechen, was als tiefere Wahrheit zugrunde liegt. Aber es ist in dem, was wie ein letztes Blatt geblieben ist aus den Traditionen der altgermanischen Mysterien, es ist in der Siegfriedsage etwas wie ein Hineingeheimnissen jener Gesinnung vorhanden. Wenn wir darauf hingewiesen werden, daß Siegfried wirklich der Repräsentant ist der altnordischen Einweihung, wenn wir hingewiesen werden darauf, daß an der Stelle, wo er verwundbar ist, ein Blatt liegt, daß diese Stelle am Rücken sich befindet, dann fühlt der, der so etwas symptomatisch zu fühlen vermag: Das ist die Stelle, wo etwas anderes liegen wird beim Menschen, wenn jene Verwundung ihn nicht mehr treffen kann, die die Eingeweihten der altnordischen Mysterien noch erleiden konnten. — Die Stelle soll zuhüllen das Kreuz. Da soll es liegen, das Kreuz des Christus Jesus; da lag es noch nicht beim Eingeweihten der altnordischen Mysterien. Darauf wird hingedeutet in den alten Mysterien der germanischen Völker in der Siegfriedsage. Und so wird selbst da noch symptomatisch angedeutet, wie zusammenstimmend gedacht werden sollen die alten Einweihungen der Druiden, der Drotten, mit den Mysterien des Christentums. Daran erinnert wie ein physiognomischer Ausdruck dieses Hingestelltsein der ersten germanischen Bibelübersetzung in die nordische Welt hinein. Und daß es wie eine karmische Verkettung ist, das mag Ihnen noch der Umstand wiederum symbolisieren, daß einstmals elf Blätter aus diesem Silbernen Kodex gestohlen worden sind, und daß der spätere Besitzer derselben solche Gewissensbisse empfunden hat, daß er diese elf Blätter nicht behalten wollte, sondern sie wiederum zurückgab. Wie gesagt, man soll solche Dinge nicht pressen und drängen, sondern sie als bildliche Darstellungen auffassen jener karmischen Verwickelungen, die sich physiognomisch zum Ausdruck bringen in dem Hineingestelltsein der ersten germanischen Bibelübersetzung in die nordische Welt. Und wie hier dieses Ereignis der Geschichte, so wird uns alles, was uns im Leben entgegentritt, Großes und Kleines, vertieft und mit einem neuen Licht durchstrahlt durch die anthroposophische Gesinnung, die sich darin bekundet, daß man in allem physisch Wahrnehmbaren den physiognomischen Ausdruck eines Übersinnlich-Geistigen erblickt.

[ 4 ] Daß es sich so verhält, diese Überzeugung möge uns durchdringen gerade während dieses Kursus. Und aus solch einer Überzeugung heraus mag der Geist, mögen die Gefühle strömen, die während der zwölf apokalyptischen Vorträge in unsere Seele fließen, die unsere Herzen durchdringen sollen. Innerhalb dieser Gesinnung wollen wir an diesen Kursus herantreten, der das tiefste Dokument des Christentums, die Apokalypse des Johannes, zum Anknüpfungspunkte nimmt, weil an dieses Dokument die tiefsten Wahrheiten des Christentums wirklich zwanglos angeschlossen werden können. Denn es ist nichts Geringeres in diesem Dokument enthalten als ein großer Teil der Mysterien des Christentums, es ist darin enthalten das Tiefste von dem, was wir als das esoterische Christentum zu bezeichnen haben. Kein Wunder daher, daß von allen christlichen Dokumenten auch gerade dieses Dokument am allermeisten mißverstanden worden ist. Es ist fast vom Anbeginn der christlichen Geistesströmung an mißverstanden worden von allen denen, die nicht zu den eigentlichen christlichen Eingeweihten gehörten. Und es ist mißverstanden worden in den verschiedensten Zeiten immer in dem Sinne, in dem Stile, wie diese verschiedenen Zeiten gedacht und gesonnen haben. Mißverstanden ist es worden von den Zeiten, die, man darf sagen, spirituell-materialistisch gedacht haben, von den Zeiten, die große Religionsströmungen hineingezwängt haben in einseitiges fanatisches Parteigetriebe, und es ist mißverstanden worden in der neueren Zeit von denjenigen, welche im groben, im sinnlichsten Materialismus glaubten die Rätsel der Welt lösen zu können.

[ 5 ] Die hohen geistigen Wahrheiten, die im Ausgangspunkte des Christentums verkündet worden sind und zu deren Anschauung diejenigen gebracht wurden, die sie verstehen konnten, sie liegen angedeutet, soweit das in einer Schrift geschehen kann, in der Apokalypse des Johannes, in der sogenannten kanonischen Apokalypse. Aber schon in den ersten Zeiten des Christentums waren die Exoteriker wenig geeignet, das tief Spirituelle, das gemeint ist im esoterischen Christentum, zu verstehen. Und so trat denn in den allerersten Zeiten des Christentums in der Exoterik die Anschauung auf, daß sich Dinge, die sich zunächst für die Weltentwickelung abspielen im Geistig-Spirituellen, die erkennbar und erschaubar sind für den, der hineinschauen kann in die geistigen Welten, daß sich solche rein spirituellen Vorgänge äußerlich in dem materiellen Kulturleben abspielen sollten. Und so kam es, daß, während der Schreiber der Apokalypse die Ergebnisse seiner Einweihung, seiner christlichen Initiation darin zum Ausdrucke brachte, die anderen sie nur exoterisch verstanden und der Meinung waren, daß sich das, was der große Seher geschaut und wovon der Eingeweihte weiß, daß es sich in Jahrtausenden spirituell erkennbar abspielt, in der allernächsten Zeit abspielen müsse im äußerlich sinnlich-sichtbaren Leben. So kam denn die Anschauung zustande, als ob für die sinnlich nächste Zeit der Schreiber etwas gemeint hätte wie ein in den sinnlich-physischen Wolken stattfindendes Herabkommen, Wiederkommen des Christus Jesus. Als das nicht eintrat, da verlängerte man einfach die Frist und sagte: Nun ja, es hat für die Erde mit der Erscheinung des Christus Jesus eine neue Zeit begonnen gegenüber dem, was als alte Religiosität da war. Aber es wird — und jetzt faßte man das wiederum sinnlich auf — tausend Jahre dauern, da werden sich die nächsten Ereignisse physisch-sinnlich vollziehen, die in der Apokalypse dargestellt sind. — So kam es, daß tatsächlich, als hereinzog das Jahr 1000, viele Leute auf das Herankommen irgendeiner dem Christentum feindlichen Macht warteten, auf einen Antichrist, der in der sinnlichen Welt auftreten sollte. Und als das wiederum nicht eintrat, da wurde sozusagen eine neue Fristverlängerung angesetzt, zu gleicher Zeit aber die ganze Vorhersagung der Apokalypse in eine gewisse Symbolik hinaufgerückt, während man sich bei den groben Exoterikern diese Vorhersagung ziemlich greifbar vorgestellt hatte. Mit dem Heraufrücken einer materialistischen Weltanschauung kam man für diese Dinge in eine gewisse Symbolik hinein. Man sah in den äußeren Ereignissen symbolische Andeutungen.

[ 6 ] So kam herauf im zwölften Jahrhundert der Mann, der anfangs des dreizehnten Jahrhunderts starb, Joachim von Floris, der eine denkwürdige Erklärung dieser geheimnisvollen Urkunde des Christentums gab. Er war nämlich der Ansicht, daß im Christentum eine tiefe spirituelle Macht ruhe, daß diese Macht immer mehr und mehr zur Ausbreitung kommen müsse, daß aber das äußere Christentum immer dieses esoterische Christentum veräußerlicht habe. Und so kam bei manchem die Anschauung dieses Mannes zur Geltung, wonach in der Papstkirche, in dieser Veräußerlichung der Spiritualität des Christentums, etwas Antichristliches, etwas Feindliches zu suchen sei. Und besonders genährt wurde in den nächsten Jahrhunderten diese Anschauung dadurch, daß auf den Spiritualismus des Christentums, auf das gemütlich-geistige Element bei gewissen Orden ein hoher Wert gelegt worden ist. So fand Joachim von Floris Anhänger innerhalb der Kreise der Franziskaner, die im Papste etwas wie die Symbolisierung des Antichrist sahen. Dann ging in der Zeit des Protestantismus diese Anschauung auf diejenigen über, die in der Römischen Kirche eine Abtrünnige des Christentums sahen, die innerhalb des Protestantismus die Rettung des Christentums erblickten. Sie sahen erst recht im Papst das Symbolum des Antichrists, und der Papst zahlte es dadurch heim, daß er wiederum in Luther den Antichrist sah.

[ 7 ] So verstand man die Apokalypse in einer Weise, daß jede Partei sie in den Dienst ihrer eigenen Anschauung, ihrer eigenen Meinung rückte. Die andere Partei war immer der Antichrist, und diejenige, der man selbst angehörte, identifizierte man mit dem wahren Christentum. Das ging herauf bis in die neuere Zeit, wo der moderne Materialismus kam, mit dem sich an Grobheit selbst jener Materialismus nicht vergleichen läßt, den ich Ihnen für die ersten Jahrhunderte des Christentums geschildert habe. Denn damals bestand noch ein spiritueller Glaube, eine gewisse spirituelle Auffassung. Die Menschen konnten es nur nicht verstehen, weil sie keine Eingeweihten unter sich hatten. Es war ein gewisser spiritueller Sinn da, denn wenn man sich auch grobsinnlich vorstellte, daß sich ein Wesen in einer Wolke herabsenken würde, so gehörte doch dazu ein spiritueller Glaube. Ein solches spirituelles Leben war bei dem groben Materialismus des neunzehnten Jahrhunderts nicht mehr möglich. Die Gedanken, die sich so ein rechter Materialist des neunzehnten Jahrhunderts von der Apokalypse macht, kann man etwa so charakterisieren: In die Zukunft sehen kann kein Mensch, denn ich selbst kann es nicht. Etwas anderes, als was ich sehe, kann ein anderer auch nicht sehen. Davon zu reden, daß es Eingeweihte gibt, das ist ein alter Aberglaube. So etwas gibt es nicht. Also gilt als Norm das, was ich weiß. Ich sehe kaum das, was in den nächsten zehn Jahren geschieht, also kann kein Mensch etwas darüber aussagen, was über Jahrtausende geschehen soll. Folglich muß der, der die Apokalypse geschrieben hat, wenn er überhaupt als ehrlicher Mensch genommen werden will, etwas gemeint haben, was er schon gesehen hat, denn ich weiß auch nur von dem, was sich schon abgespielt hat und was durch Dokumente vermittelt ist. Also konnte auch der Schreiber der Apokalypse nichts anderes sehen. Was kann er demnach erzählen? Nur das, was bis zu ihm geschehen war. Folglich ist es selbstverständlich, daß man in den Ereignissen der Apokalypse, in den Konflikten zwischen der guten, der weisen, der schönen Welt und der häßlichen, der törichten, der bösen Welt, daß man in jenem dramatischen Gegenüberstellen nichts anderes zu sehen hat als etwas, was der Mann selbst erlebt hat, was schon geschehen war. — So spricht der moderne Materialist. Er meint: Der Apokalyptiker schildert so, wie ich schildere.

[ 8 ] Was war denn ungefähr das Schrecklichste für einen Christen der ersten Jahrhunderte? Dieses Schrecklichste mußte für ihn sein das Tier, das sich aufbäumt gegen die geistige Macht des Christentums, gegen das wahre Christentum. Unglückseligerweise haben nun einige Menschen die Glocken etwas läuten hören, haben aber nicht verspürt das richtige Zusammenschlagen.

[ 9 ] Innerhalb gewisser esoterischer Schulen hatte man eine Art von Zahlenschrift. Gewisse Worte, die man nicht in gewöhnlicher Schrift mitteilen wollte, brachte man durch Zahlen zum Ausdrucke. Und es war ja, wie vieles andere, so auch etwas von den tiefen Geheimnissen der Apokalypse in Zahlen hineingeheimnißt, besonders jenes dramatische Ereignis in die Zahl 666. Man wußte, daß man Zahlen in besonderer Weise zu behandeln hat, namentlich aber, wenn so gründlich darauf hingewiesen wird wie mit den Worten: «Hier ist Weisheit.» «Die Zahl des Tieres ist 666.» Bei solchen Hinweisen wußte man, daß man für Zahlen gewisse Buchstaben einzusetzen hat, um zu wissen, was gemeint ist. Diejenigen nun, die etwas gehört hatten und doch nichts wirklich wußten, haben in ihrer materialistischen Anschauung herausgekriegt, daß, wenn man statt der Zahl 666 Buchstaben einsetzt, das Wort «Nero» oder «Caesar Nero» herauskommt. Und heute können Sie in einem großen Teil der Literatur, die sich mit der Enthüllung der Apokalypse befaßt, lesen: Da waren früher die Leute so töricht, daß sie alles mögliche in diese Stelle hineingeheimnißt haben, aber jetzt ist das ein gelöstes Problem. Jetzt wissen wir, daß nichts anderes gemeint ist als Nero, «Caesar Nero», und es ist klar, daß die Apokalypse zu einer Zeit geschrieben worden ist, als Nero schon gelebt hatte, und daß der Schreiber mit all dem hat sagen wollen, daß in Nero der Antichrist aufgetreten sei; daß also das, was in diesem dramatischen Element liegt, eine Steigerung vorhergehender Elemente ist. Nun darf man nur nachforschen, was unmittelbar vorher geschehen ist. Dann kommt man darauf, was der Apokalyptiker hat schildern wollen. Es wird berichtet, daß in Kleinasien Erdbeben stattgefunden haben, als der Kampf zwischen Nero und dem Christentum wütete. Also sind das die Erdbeben, die der Apokalyptiker erwähnt bei der Eröffnung der Siegel und beim Ertönen der Posaunen. Er spricht auch von Heuschreckenplagen. Richtig, es wird ja mitgeteilt, daß zur Zeit der Christenverfolgung durch Nero auch Heuschreckenplagen auftraten. Also erzählt er von diesen. — So hat es das neunzehnte Jahrhundert dahin gebracht, das tiefste Dokument des Christentums zu vermaterialisieren, darin nichts zu sehen als die Schilderung dessen, was man eben durch die materialistische Betrachtung der Welt finden kann. Das sollte nur gesagt werden, um anzudeuten, wie gründlich gerade dieses tiefste, bedeutsamste Dokument des esoterischen Christentums mißverstanden worden ist.

[ 10 ] Und nunmehr wollen wir alles, was über das Historische der Apokalypse zu sagen ist, uns für die Zeit aufsparen, wo wir das, was in der Apokalypse liegt, begriffen haben, das heißt, wir wollen es auf die letzten Vorträge verschieben. Für den, der sich schon ein wenig in die Anthroposophie hineingefunden hat, kann es keinen Zweifel darüber geben, daß schon mit den Einleitungsworten der Apokalypse darauf hingewiesen wird, was sie sein soll. Wir brauchen uns nur zu erinnern, daß es heißt: Der, von dem der Inhalt der Apokalypse herrührt, ist hinversetzt worden in eine InselEinsamkeit, die von jeher mit einer Art heiliger Atmosphäre durchdrungen war, an eine Stätte alter Mysterienkultur. Und wenn uns gesagt wird, daß derselbe, der den Inhalt der Apokalypse gibt, im Geiste war und daß er das, was er gibt, im Geiste wahrgenommen hat, so mag uns das zunächst ein Hinweis darauf sein, daß der Inhalt der Apokalypse einem höheren Bewußtseinszustand entstammt, den der Mensch durch die Entwickelung der inneren Seelenschöpfungsfähigkeit erreicht, durch die Einweihung. Was man nicht innerhalb der Sinneswelt sehen und hören kann, nicht mit äußeren Sinnen wahrnehmen kann, ist in der Weise, wie es durch das Christentum der Welt mitgeteilt werden konnte, in der sogenannten geheimen Offenbarung des Johannes enthalten. Also die Schilderung einer Einweihung, einer christlichen Einweihung haben wir in der Apokalypse des Johannes vor uns. Wir brauchen uns nur einmal, man möchte sagen, flüchtig vor die Seele zu rufen, was Einweihung ist. Wir werden ja immer tiefer eindringen in dieses Thema, in die Frage: Was geht innerhalb der Einweihung vor? — und immer tiefer werden wir die Frage behandeln: Wie verhält sich Einweihung zu dem Inhalt der Apokalypse? — Aber wir werden zunächst etwas wie eine Kohlenzeichnung in groben Strichen hinstellen, und dann erst werden wir an die Ausmalung der Einzelheiten gehen.

[ 11 ] Einweihung ist Entwickelung der in jeder Seele schlummernden Kräfte und Fähigkeiten. Will man sich ein Bild davon machen, wie sie im Realen vor sich geht, dann muß man vor allen Dingen sich klar vor Augen stellen, wie das Bewußtsein des heutigen normalen Menschen ist; dann wird man auch erkennen, wie das Bewußtsein des Eingeweihten sich unterscheidet von dem des heutigen Menschen. Wie ist denn das Bewußtsein des normalen heutigen Menschen? Es ist ein wechselndes. Zwei ganz verschiedene Bewußtseinszustände wechseln miteinander ab, der im Tagwachen und der im nächtlichen Schlaf. Das Bewußtsein, das wir im Tagwachen haben, besteht darin, daß wir um uns herum die sinnlichen Gegenstände wahrnehmen und sie verknüpfen durch Begriffe, die auch nur durch ein sinnliches Werkzeug gebildet werden können, durch das menschliche Gehirn. Dann tritt jede Nacht heraus aus den niedrigsten Gliedern der menschlichen Wesenheit, aus dem physischen und Ätherleib, der astralische Leib und das Ich, und damit versinken für das Bewußtsein des heutigen Menschen die sinnlichen Gegenstände um ihn herum in Dunkelheit, und nicht nur diese, denn bis zum Wiederaufwachen ist, was man völlige Bewußtlosigkeit nennt, vorhanden. Finsternis breitet sich aus um den Menschen. Denn der astralische Leib des Menschen ist heute im normalen Zustande so organisiert, daß er für sich selber nicht wahrzunehmen vermag, was in seiner Umgebung ist. Er muß Instrumente haben. Diese Instrumente sind die physischen Sinne. Daher muß er morgens untertauchen in den physischen Leib und sich der sinnlichen Werkzeuge bedienen. Warum sieht der astralische Leib nichts, wenn er während des Nachtschlafes in der Geistwelt ist? Warum nimmt er nicht wahr? Aus demselben Grunde, warum ein physischer Leib, in dem kein Auge und kein Ohr wäre, nicht physische Farben und physische Töne wahrnehmen könnte. Der astralische Leib hat keine Organe zum Wahrnehmen in der astralischen Welt. Der physische Leib war in grauer Vorzeit in derselben Lage. Er hatte auch das noch nicht, was später plastisch in ihn hineingearbeitet worden ist als Ohr und Auge. Die äußeren Elemente und Kräfte meißelten ihn aus, bildeten ihm die Augen und die Ohren, und damit wurde diese Welt für ihn offenbar, die vorher für ihn auch geheim war. Denken wir uns einmal, es könnte der astralische Leib, der heute in derselben Lage ist wie der physische Leib früher, so behandelt werden, daß man ihm Organe eingliederte in der Weise, wie das Sonnenlicht die physischen Augen, wie die tonvolle Welt die physischen Ohren plastisch hineingearbeitet hat in die weiche Masse des physischen Menschenleibes. Denken wir uns, in die plastische Masse des Astralleibes könnte man Organe hineinarbeiten, dann würde der astralische Leib in dieselbe Lage kommen wie der heutige physische Leib. Darum handelt es sich, daß man in diesen astralischen Leib hineinarbeitet wie ein Plastiker, der den Ton formt, die Wahrnehmungsorgane für die übersinnliche Welt. Das muß das erste sein. Wenn der Mensch sehend werden will, muß sein astralischer Leib so behandelt werden wie eine Tonmasse von dem Bildhauer: Man muß Organe hineinarbeiten. Das war in der Tat jederzeit das, was in den Einweihungsschulen und in den Mysterien getan wurde. In den astralischen Leib wurden plastisch die Organe hineingearbeitet.

[ 12 ] Worin besteht nun die Tätigkeit, durch welche in den astralischen Leib plastisch hineingearbeitet werden die Organe? Es könnte jemand auf den Gedanken kommen, man müsse doch diesen Leib erst vor sich haben, bevor man die Organe in ihn hineinarbeiten kann. Man könnte sagen: Wenn ich den astralischen Leib herausnehmen und vor mir haben könnte, dann könnte ich die Organe hineinarbeiten. — Das wäre nicht der richtige Weg, und das ist vor allen Dingen nicht der Weg der modernen Einweihung. Gewiß, ein Eingeweihter, der imstande ist, in den geistigen Welten zu leben, könnte, wenn in der Nacht der astralische Leib draußen ist, wie ein Bildhauer hineinarbeiten die Organe. Aber das hieße mit dem Menschen etwas vornehmen, wovon er selbst nichts weiß, das hieße in seine Freiheitssphäre eingreifen, mit Ausschließung seines Bewußtseins. Wir werden sehen, warum das schon seit längerer Zeit und insbesondere in der heutigen Zeit niemals geschehen darf. Deshalb mußte auch schon in solchen esoterischen Schulen wie in der pythagoräischen oder altägyptischen Schule alles vermieden werden, wodurch die Eingeweihten etwa von außen gearbeitet hätten an dem astralischen Leib, der aus dem physischen und Ätherleibe des Einzuweihenden herausgenommen war. Das mußte schon beim ersten Angreifen der Sache wegbleiben. Es mußte eben der erste Schritt zur Einweihung unternommen werden am Menschen in der ganz gewöhnlichen physischen Welt, in derselben Welt, wo der Mensch mit seinen physischen Sinnen wahrnimmt. Aber wie das machen, da ja doch gerade das physische Wahrnehmen, als es in der Erdenevolution eintrat, einen Schleier über die geistige Welt gezogen hat, die der Mensch früher, wenn auch bei dumpfem Bewußtsein, hat wahrnehmen können, wie also von der physischen Welt aus auf den astralischen Leib wirken?

[ 13 ] Da müssen wir uns vor die Seele führen, wie es ist mit diesem gewöhnlichen sinnlichen Wahrnehmen des Tages. Was geschieht denn, während der Mensch tagsüber wahrnimmt? Denken Sie einmal an Ihr tägliches Leben, verfolgen Sie es von Schritt zu Schritt. Bei jedem Schritt dringen Eindrücke der Außenwelt an Sie heran. Sie nehmen sie wahr, Sie sehen, hören, riechen und so weiter. Die Eindrücke bei dieser oder jener Arbeit stürmen den ganzen Tag an Sie heran, Sie verarbeiten sie mit Ihrem Intellekt. Der Dichter, der nicht selbst ein Inspirierter ist, durchdringt sie mit seiner Phantasie. Das ist alles wahr. Aber alles dies kann zunächst nicht dazu führen, daß das Übersinnlich-Geistige, das hinter dem Sinnlichen und Materiellen ist, dem Menschen zum Bewußtsein kommt. Warum kommt es ihm nicht zum Bewußtsein? Weil diese ganze Tätigkeit, die der Mensch gegenüber der Umwelt ausübt, dem astralischen Leib des Menschen, so wie er heute seiner eigentlichen Wesenheit nach ist, nicht entspricht. Damals, als in urferner Vergangenheit der astralische Leib, der dem Menschen eigen war, die Bilder der astralischen Wahrnehmungen aufsteigen sah, jene Bilder von Lust und Leid, von Sympathie und Antipathie, da waren die inneren Impulse vorhanden, die geistigen Impulse, die im Menschen aufsteigen ließen, was Organe formte. Diese sind ertötet worden damals, als der Mensch fähig wurde, alle Einflüsse von außen auf sich zuströmen zu lassen. Heute ist es nicht möglich, daß aus all den Eindrücken, die der Mensch während des Tages erhält, im astralischen Leib etwas bleibt, was bildsam, plastisch für ihn ist. Der Vorgang des Wahrnehmens ist so: Den ganzen Tag über kommen die Eindrücke der Außenwelt an uns heran. Diese wirken durch die physischen Sinne auf den Ätherleib und astralischen Leib, bis sie dem Ich bewußt werden. Im astralischen Leib drücken sich die Wirkungen dessen aus, was auf den physischen Leib ausgeübt wird. Wenn Lichteindrücke stattfinden, so empfängt das Auge Eindrücke. Der Lichteindruck gibt einen Eindruck auf den Äther- und Astralleib, und das Ich wird sich dieses Eindruckes bewußt. So verhält es sich auch mit den Eindrücken auf das Ohr und die anderen Sinne. Dieses ganze Tagesleben wirkt daher den ganzen Tag über auf den Astralkörper ein. Der Astralkörper ist immer tätig unter der Einwirkung der Außenwelt. Jetzt tritt er abends heraus. Da hat er in sich keine Kräfte, um die Eindrücke bewußt werden zu lassen, die jetzt in seiner Umgebung sind. Die alten Kräfte des Wahrnehmens in der urfernen Vergangenheit sind ertötet worden beim ersten Wahrnehmen der gegenwärtigen Sinneswelt. In der Nacht hat er keine Kräfte, weil das ganze Tagesleben ungeeignet ist, etwas im astralischen Leib zurückzulassen, was bildend auf den Astralleib wirken könnte. Alle Dinge, wie Sie sie ringsherum anschauen, üben Wirkungen bis auf den Astralleib aus. Aber was da bewirkt wird, ist nicht in der Lage, Gestaltungen zu schaffen, die zu astralen Organen werden könnten. Das muß der erste Schritt der Einweihung sein: den Menschen während des Tageslebens etwas tun zu lassen, in seiner Seele sich etwas abspielen zu lassen, was fortwirkt, wenn der astralische Leib in der Nacht herausgezogen wird aus dem physischen und Ätherleib. Also denken Sie sich, bildlich gesprochen, es würde, während der Mensch bei vollem Bewußtsein ist, ihm etwas gegeben, was er zu tun hätte, was er abspielen lassen sollte und was so gewählt wäre, so gegliedert, daß es nicht aufhörte zu wirken, wenn der Tag vorüber ist. Denken Sie sich diese Wirkung als einen Ton, der fortklingt, wenn der Astralleib heraus ist; dieses Fortklingen wären dann die Kräfte, die nun an dem astralischen Leib so wirkten, so plastisch arbeiteten, wie einstmals die äußeren Kräfte am physischen Körper gearbeitet haben. Das war immer der erste Schritt der Einweihung: den Menschen während des Tageslebens etwas tun zu lassen, was nachklingt im Nachtleben. Alles das, was man genannt hat Meditation, Konzentration und die sonstigen Übungen, die der Mensch vorgenommen hat während seines Tageslebens, sie sind nichts anderes als Verrichtungen der Seele, die nicht in ihren Wirkungen ersterben, wenn der Astralleib herausgeht, sondern die nachklingen und in der Nacht zu bildenden Kräften werden im astralischen Leib.

[ 14 ] Das nennt man die Reinigung des Astralleibes, die Reinigung von dem, was dem Astralleib nicht angemessen ist. Das war der erste Schritt, der auch die Katharsis genannt wurde, die Reinigung. Sie war noch keine Arbeit in übersinnlichen Welten. Sie bestand in Übungen der Seele, die der Mensch tagsüber machte, wie eine Trainierung der Seele. Sie bestand in der Aneignung gewisser Lebensformen, gewisser Lebensgesinnungen, einer gewissen Art, das Leben zu behandeln, so daß es nachklingen konnte, und das arbeitete am astralischen Leib, bis er sich umgewandelt hatte, bis sich Organe in ihm entwickelt hatten.

[ 15 ] Wenn der Mensch so weit war, daß diese Organe aus dem astralischen Leib herausgegliedert waren, dann war das nächste, daß alles das, was so in den astralischen Leib hineingestaltet worden war, sich im Ätherleib abdruckte. Wie sich die Schrift eines Petschaft abdruckt im Siegellack, so mußte sich alles, was in den Astralleib hineingearbeitet war, im Ätherleib abdrucken. Dieses Abdrucken ist der nächste Schritt der Einweihung: Erleuchtung nannte man das. Denn damit war zu gleicher Zeit ein bedeutungsvoller Moment in der Einweihung gekommen. Da trat eine geistige Welt in der Umwelt des Menschen auf, so wie vorher die sinnliche Welt da war. Diese Stufe ist zu gleicher Zeit charakterisiert dadurch, daß die Vorgänge der äußeren geistigen Welt sich nicht so ausdrücken, wie es die physisch-sinnlichen Dinge tun, sondern in Bildern. Die geistige Welt drückt sich auf dieser Stufe der Erleuchtung zuerst in Bildern aus. Der Mensch sieht Bilder. Denken Sie an den alten Eingeweihten, von dem ich gestern angedeutet habe, daß er die Volksgruppenseele gesehen hat. Wenn er so weit war, dann sah er diese Gruppenseele zunächst in Bildern. Denken wir zum Beispiel an einen Eingeweihten, wie Ezechiel einer war. Als die Erleuchtung für ihn begann, traten ihm geistige Wesenheiten als Volks-, als Gruppenseelen entgegen. Er fühlte sich in ihrer Mitte. Gruppenseelen in Form vier symbolischer Tiere traten ihm entgegen.

[ 16 ] So kam in bedeutungsvollen Bildern zunächst die geistige Welt an den Menschen heran. Das war die erste Stufe. Dann folgte das Weiterhineinleben in den Ätherleib. Dem, was zunächst wie ein Siegelabdruck vorhanden war, folgte ein weiteres Hineinleben in den Ätherleib. Da beginnt zu den Bildern hinzuzutreten das, was man die Sphärenmusik genannt hat. Die höhere geistige Welt wird als Ton wahrgenommen. Der höhere Eingeweihte beginnt, nachdem er durch die Erleuchtung die geistige Welt in Bildern wahrgenommen hat, geistig hinzulauschen auf jene Töne, die für das geistige Ohr wahrnehmbar sind. Dann kommt man an die spätere Umwandlung des Ätherleibes, und da tritt uns in einer noch höheren Sphäre noch etwas anderes entgegen. Töne können Sie noch hören, wenn Sie zum Beispiel hier einen Wandschirm haben und hinter ihm ein Mensch spricht, den Sie nicht sehen. So etwa ist es mit der geistigen Welt. Zuerst tritt sie in Bildern auf, dann tönt sie herüber, und es fällt die letzte Hülle weg — sozusagen wie wenn wir einen Schirm wegtäten, hinter dem der Mensch steht und spricht: Wir sehen den Menschen selbst —: Wir sehen die geistige Welt selbst, die Wesen der geistigen Welt. Zuerst nehmen wir wahr die Bilder, dann die Töne, dann die Wesen und endlich das Leben dieser Wesen. Man kann ja ohnedies das, was als Bilder in der sogenannten imaginativen Welt ist, nur andeuten, indem man Bilder aus der sinnlichen Welt als Symbole gebraucht. Man kann nur eine Vorstellung von der Sphärenharmonie geben durch Vergleiche mit der sinnlichen Musik. Was läßt sich nun vergleichen mit dem wesenhaften Ausdruck auf der dritten Stufe? Damit läßt sich nur vergleichen das, was heute das Innerste des Menschen ausmacht, sein Wirken im Sinne des göttlichen Weltenwollens. Wirkt der Mensch im Sinne des Willens jener geistigen Wesenheiten, die unsere Welt vorwärtsbringen, dann wird das Wesen in ihm diesen Wesen ähnlich werden, dann wird er wahrnehmen in dieser Sphäre. Das, was in ihm widerstrebt der \Weltenevolution, was die Welt zurückhält in ihrem Fortschritt, das nimmt er wahr als etwas, was ausgeschaltet werden muß in dieser Welt, was wie eine letzte Hülle fallen muß.

[ 17 ] So nimmt der Mensch erst eine Bilderwelt wahr als den symbolischen Ausdruck der geistigen Welt, dann eine Welt der Sphärenharmonie als den symbolischen Ausdruck einer höheren geistigen Sphäre, dann eine Welt von geistigen Wesenheiten, von denen er heute nur dadurch sich eine Vorstellung machen kann, daß er sie mit dem Innersten seines eigenen Wesens vergleicht, mit dem, was in ihm wirkt im Sinne der guten Kräfte oder aber im Sinne der bösen geistigen Kräfte.

[ 18 ] Diese Stufen macht der Einzuweihende durch und diese Stufen sind getreulich abgebildet in der Apokalypse des Johannes. Ausgegangen wird da von der physischen Welt. Gesagt wird dasjenige, was zunächst zu sagen ist mit den Mitteln der physischen Welt, in den sieben Briefen. Was man innerhalb der physischen Kultur tun will, was man denen sagen will, die in der physischen Welt wirken, man sagt es ihnen in Briefen. Denn das Wort, das im Briefe ausgedrückt wird, das kann innerhalb der sinnlichen Welt seine Wirkung tun. Die erste Stufe gibt Symbole, die bezogen werden müssen auf das, was sie in der geistigen Welt ausdrücken: Nach den sieben Briefen kommt die Welt der sieben Siegel, die Welt der Bilder, der ersten Stufe der Einweihung. Dann kommt die Welt der Sphärenharmonie, die Welt, wie sie derjenige wahrnimmt, der geistig hören kann. Sie ist dargestellt in den sieben Posaunen. Die nächste Welt, wo der Eingeweihte Wesenheiten wahrnimmt, ist dargestellt durch das, was als Wesenheiten auf dieser Stufe auftritt und was abstreift die Schalen der Kräfte, die den guten gegenteilig sind. Das Gegenteil der göttlichen Liebe ist der göttliche Zorn. Die wahre Gestalt der göttlichen Liebe, die die Welt vorwärtsbringt, wird in dieser dritten Sphäre wahrgenommen von denen, die für die physische Welt abgestreift haben die sieben Zornesschalen.

[ 19 ] So wird der Einzuweihende stufenweise hinaufgeführt die Einweihungssphären. In den sieben Briefen der Apokalypse des Johannes haben wir das, was den sieben Kategorien der physischen Welt gehört, in den sieben Siegeln, was der astralisch-imaginativen Welt gehört, in den sieben Posaunen das, was der devachanischen höheren Welt gehört, und in den sieben Zornesschalen das, was abgeworfen werden muß, wenn der Mensch sich erheben will in das höchste Geistige, das zunächst für unsere Welt zu erreichen ist, weil dieses höchste Geistige noch mit unserer Welt zusammenhängt.

[ 20 ] Nur die äußere Struktur wollten wir heute hinstellen von dem, was die Apokalypse des Johannes ist. Flüchtige und wenige Striche sind es, die uns hindeuten konnten darauf, daß die Apokalypse ein Einweihungsbuch ist. Morgen werden wir daran gehen, die ersten Schritte zur Ausführung dieser flüchtigen Zeichnung zu machen.