Spiritual-Scientific Anthropology
GA 107
26 January 1909, Berlin
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Spiritual-Scientific Anthropology, tr. SOL
Vierzehnter Vortrag
Fourteenth Lecture
[ 1 ] Wir wollen fortfahren in unseren Betrachtungen, die uns einem Begreifen des Wesens des Menschen und seiner Aufgabe in der Welt von einem tieferen Gesichtspunkte aus immer näher und näher bringen sollen. Sie werden sich erinnern, daß in dem einen der in diesem Winter hier gehaltenen Zweigvorträge gesprochen wurde von der vierfachen Art, in welcher die Krankheit beim Menschen zunächst überhaupt möglich ist, und daß damals darauf hingedeutet worden ist, daß wir erst später zur Besprechung dessen kommen würden, was man nennen kann die eigentlich karmische Verursachung der Krankheit. Heute wollen wir wenigstens zu einem gewissen Teil auf diese karmische Verursachung der Krankheit zu sprechen kommen.
[ 1 ] Let us continue our reflections, which are intended to bring us ever closer to an understanding of the nature of the human being and his task in the world from a deeper perspective. You will remember that in one of the branch lectures given here this winter, we spoke of the fourfold nature in which illness is initially possible in human beings, and that we indicated at that time that we would come later to discuss what can be called the actual karmic cause of illness. Today we want to discuss at least some aspects of this karmic cause of illness.
[ 2 ] Wir haben damals ausgeführt, daß uns jene Einteilung des Menschenwesens in die vier Glieder, physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, zugleich die Möglichkeit geboten hat, über die Krankheitserscheinungen eine gewisse Übersicht zu schaffen, nämlich dadurch, daß wir darauf aufmerksam gemacht haben, daß jedes dieser Menschenglieder seinen Ausdruck findet in gewissen Organen und Organ-Komplexen des physischen Leibes selber. Also daß das Ich im physischen Leibe seinen wesentlichen Ausdruck hat im Blut, der astralische Leib im Nervensystem, der Ätherleib in alledem, was wir das Drüsensystem nennen und was dazu gehört, und daß der physische Leib sich selbst ausdrückt als physischer Leib. Wir haben alsdann dargestellt die Erkrankungen, die aus dem Ich als solchem urständen und die daher äußerlich physisch sich als Unregelmäßigkeit in den Blutfunktionen darstellen. Wir haben darauf hingewiesen, wie dasjenige, was in Unregelmäßigkeiten des astralischen Leibes seine Ursache hat, durch Unregelmäßigkeiten im Nervensystem seinen Ausdruck findet und wie wiederum das, was im Ätherleib seinen Urgrund hat, im Drüsensystem zum Ausdruck kommt und daß wir dann im physischen Leibe diejenigen Krankheiten zu erkennen haben, die vorzugsweise äußere Ursachen haben. Damit haben wir aber den Blick in bezug auf das Kranksein doch nur hingelenkt auf alles das, was mit des Menschen einzelnem Lebenslauf zwischen Geburt und Tod zusammenhängt. Nun ahnt der, der den Weltenlauf geisteswissenschaftlich zu betrachten vermag, daß Krankwerden beim Menschen auch in einer gewissen Beziehung mit seinem Karma zusammenhängen muß, also mit jenem großen Ursachengesetz, das die geistigen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Verkörperungen darstellt. Aber die Wege des Karmas sind sehr verschlungen, sind sehr mannigfaltig, und man muß in die feinen Gliederungen der karmischen Zusammenhänge eingehen, wenn man überhaupt etwas davon verstehen will, wie diese Dinge zusammenhängen.
[ 2 ] We explained then that the division of the human being into four members, the physical body, the etheric body, the astral body, and the I, also gave us the opportunity to gain a certain overview of the symptoms of disease, namely by pointing out that each of these members of the human being finds its expression in certain organs and organ complexes of the physical body itself. Thus, the ego finds its essential expression in the blood, the astral body in the nervous system, the etheric body in everything we call the glandular system and everything that belongs to it, and the physical body expresses itself as the physical body. We then described the diseases that originate in the ego as such and therefore manifest themselves externally in the physical form of irregularities in the blood functions. We have pointed out how that which has its cause in irregularities of the astral body finds expression through irregularities in the nervous system, and how, in turn, that which has its origin in the etheric body finds expression in the glandular system, and that we must then recognize in the physical body those diseases that have primarily external causes. However, we have thus only directed our gaze toward everything connected with the individual life of the human being between birth and death. Now, those who are able to view the course of the world from a spiritual scientific perspective sense that illness in human beings must also be connected in a certain way with their karma, that is, with the great law of causation that represents the spiritual connections between different incarnations. But the ways of karma are very intricate and manifold, and one must enter into the fine details of the karmic connections if one wants to understand anything at all about how these things are related.
[ 3 ] Wir wollen heute einiges von dem besprechen, was überhaupt zunächst für den Menschen interessant ist zu wissen, nämlich, wie Erkrankungen zusammenhängen mit Ursachen, die in früheren Leben durch den Menschen selbst gelegt worden sind. Dazu müssen wir nun auf das Wirken des Karmagesetzes im menschlichen Lebenslauf mit ein paar Worten einleitend zurückkommen, Wir werden einiges von dem zu erwähnen haben, was die meisten von Ihnen schon aus anderen Vorträgen wissen, aber wir müssen es uns ganz genau vor die Seele führen, wie die karmischen Ursachen von einem Leben ins andere in ihren Wirkungen hinübergebracht werden. Da müssen wir mit einigen Worten noch einmal auf das zurückkommen, was eigentlich geistig mit dem Menschen in der Zeit geschieht, die auf den Tod des Menschen folgt.
[ 3 ] Today we want to discuss some of what is interesting for human beings to know in the first place, namely, how illnesses are related to causes that have been laid down by human beings themselves in previous lives. To do this, we must now return briefly to the workings of the law of karma in the human life course. We will mention some things that most of you already know from other lectures, but we must bring to mind very clearly how the karmic causes are carried over from one life to another in their effects. We must return briefly to what actually happens spiritually to the human being in the period following death.
[ 4 ] Wir wissen, daß beim Durchgang durch die Todespforte der Mensch zunächst diejenigen Erlebnisse hat, die davon herrühren, daß er mit dem Tode zum erstenmal in einer Lage ist, in der er das ganze Leben hindurch nicht war. Er ist mit seinem Ich und seinem astralischen Leib verbunden mit dem Ätherleib ohne den physischen Leib. Den physischen Leib hat er sozusagen abgelegt. Während des Lebens tritt das ja nur in Ausnahmefällen ein, wie wir öfter erwähnt haben. Während des Lebens ist im schlafenden Zustande, wenn der Mensch seinen physischen Leib abgelegt hat, auch der Ätherleib abgelegt, so daß diese Verbindung von Ich, astralischem Leib und Ätherleib nur nach dem Tode einige Zeit vorhanden ist, die da nur nach Tagen zählt. Wir haben auch die Erlebnisse erwähnt, die in dieser Zeit unmittelbar nach dem Tode folgen. Wir haben darauf hingewiesen, daß da der Mensch fühlt, als ob er immer größer und größer würde, als ob er hinauswüchse aus dem Raumesinhalt, den er eingenommen hatte, und alle Dinge umspannen würde. Wir haben erwähnt, wie das Bild des eben verflossenen Lebens in einem großen Tableau vor ihm steht. Dann folgt nach einiger Zeit, die sich für den Menschen nach Tagen bemißt und individuell verschieden ist, das Ablegen des zweiten Leichnams, des Ätherleibes, der dann in den allgemeinen Weltenäther aufgenommen wird, mit Ausnahme jener Fälle, die wir bei Besprechung intimer Reinkarnationsfragen erwähnt haben, wo der Ätherleib in einer gewissen Weise aufbewahrt wird, um später verwendet zu werden. Aber eine Essenz dieses Ätherleibes als die Frucht dessen, was wir im Leben erfahren, erlebt und durchgemacht haben, bleibt zurück. Wir leben nun weiter das Leben, das bedingt ist durch dieses Zusammensein des Ichs mit dem astralischen Leib, ohne daß der Mensch nun an den physischen Leib gebunden ist. Jetzt folgt die Zeit, die man gewöhnt geworden ist in der geisteswissenschaftlichen Literatur die Kamaloka-Zeit zu nennen, die wir auch öfter genannt haben die Zeit des Herauswachsens, des Abgewöhnens des Zusammenhanges mit dem physischen Leibe oder überhaupt mit dem physischen Dasein.
[ 4 ] We know that when passing through the gate of death, the human being first has experiences that arise from the fact that, with death, he is for the first time in a situation in which he has not been throughout his entire life. He is connected with his ego and his astral body to the etheric body without the physical body. He has, so to speak, laid down his physical body. During life, this only happens in exceptional cases, as we have often mentioned. During life, when the human being is asleep and has laid down his physical body, the etheric body is also laid down, so that this connection between the ego, the astral body, and the etheric body only exists for a short time after death, which is counted in days. We have also mentioned the experiences that follow immediately after death. We have pointed out that the human being feels as if he is growing larger and larger, as if he is growing out of the space he occupied and encompassing all things. We have mentioned how the picture of the life just passed stands before him in a large tableau. Then, after a period of time that is measured in days and varies from person to person, the second corpse, the etheric body, is discarded and absorbed into the general world ether, with the exception of those cases we mentioned when discussing intimate questions of reincarnation, where the etheric body is preserved in a certain way for later use. But an essence of this etheric body remains behind as the fruit of what we have experienced and gone through in life. We now continue to live the life that is conditioned by this union of the I with the astral body, without the human being now being bound to the physical body. Now follows the period which we have become accustomed to calling the Kamaloka period in spiritual scientific literature, which we have also often referred to as the period of growing out of, of weaning oneself from the connection with the physical body or with physical existence in general.
[ 5 ] Wir wissen, daß der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, zunächst in seinem astralischen Leib alle die Kräfte noch hat, die er in dem Augenblick des Todes in seinem astralischen Leib hatte. Denn abgelegt hat er nur den physischen Leib, das Instrument des Genießens und Handelns. Den hat er nicht mehr, den astralischen Leib aber hat er noch. Er hat noch den Träger der Leidenschaften, Triebe, Begierden und Instinkte. Er verlangt nach dem Tode genau dieselben Dinge - aus Gewöhnung könnte man sagen -, die er im Leben verlangt hat. Nun ist es im Leben so, daß der Mensch durch das Instrument des physischen Leibes sein Verlangen, seine Begierde befriedigt. Dieses Instrument hat er nach dem Tode nicht mehr, er entbehrt daher die Möglichkeit, das alles zu befriedigen. Das macht sich dann so lange als eine Art Durst nach dem physischen Leben geltend, bis der Mensch gewöhnt geworden ist, nur noch in der geistigen Welt als solcher zu leben, das zu haben, was man aus der geistigen Welt haben kann. Bis der Mensch das gelernt hat, lebt er in dem, was man die Zeit des Abgewöhnens, die Zeit des Kamaloka nennt.
[ 5 ] We know that when a person has passed through the gate of death, they initially still have in their astral body all the forces they had in their astral body at the moment of death. For they have only laid aside the physical body, the instrument of enjoyment and action. He no longer has this, but he still has his astral body. He still has the carrier of his passions, drives, desires, and instincts. After death, he desires exactly the same things — out of habit, one might say — that he desired in life. Now, in life, human beings satisfy their desires and cravings through the instrument of the physical body. After death, they no longer have this instrument and therefore lack the means to satisfy all these desires. This then manifests itself as a kind of thirst for physical life until the human being has become accustomed to living only in the spiritual world as such, to having what can be had from the spiritual world. Until the human being has learned this, he lives in what is called the time of weaning, the time of Kamaloka.
[ 6 ] Nun haben wir schon den ganz eigenartigen Verlauf dieser Zeit des Lebens angeführt. Wir haben gesehen, daß in dieser Zeit das Leben des Menschen rückwärts verläuft. Das ist etwas, was für den geisteswissenschaftlichen Anfänger zunächst schwer zu verstehen ist. Der Mensch durchläuft die Zeit des Kamaloka - ungefähr ein Drittel der Zeit des gewöhnlichen Lebens nimmt sie in Anspruch - rückwärts. Nehmen wir an, ein Mensch stirbt im vierzigsten Lebensjahr, so durchläuft er alle die Ereignisse, die er während des Lebens durchgemacht hat, in der rückwärtigen Folge. Also zuerst erlebt er die Zeit seines neununddreißigsten Jahres, dann kommt das achtunddreiBigste, siebenunddreißigste, sechsunddreißigste Jahr und so weiter an die Reihe. Es ist also wirklich so, daß er das Leben umgekehrt durchläuft bis zum Moment der Geburt. Das liegt dem schönen Satze der christlichen Botschaft zugrunde, der da sagt, wann eigentlich der Mensch in die geistige Welt eintritt oder in die Reiche der Himmel: «Ehe ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht kommen in die Reiche der Himmel!» Das heißt, der Mensch lebt zurück bis in die Zeit, wo er seine Kindheitsaugenblicke erlebt, und dann kann er, da er alles wieder rückwärts absolviert hat, in das Devachan oder in das Reich der Himmel eintreten und seine weitere Zeit in der geistigen Welt zubringen. Das ist schwer vorzustellen, weil man so sehr gewöhnt ist, daß die Zeit, wie im Verlauf auf dem physischen Plan, etwas Absolutes ist, so daß schon einiges dazu gehört, sich in diese Vorstellungen einzuleben. Aber das wird schon geschehen.
[ 6 ] We have already described the very peculiar course of this period of life. We have seen that during this time, human life runs backwards. This is something that is difficult for beginners in spiritual science to understand at first. Human beings go through the Kamaloka period—which takes up about one third of ordinary life—in reverse. Let us assume that a person dies at the age of forty. He then goes through all the events he experienced during his life in reverse order. So first he experiences the time of his thirty-ninth year, then comes his thirty-eighth, thirty-seventh, thirty-sixth, and so on. So it is really true that they go through life in reverse until the moment of birth. This is the basis of the beautiful statement in the Christian message that tells us when human beings actually enter the spiritual world or the realms of heaven: “Unless you become like children, you cannot enter the kingdom of heaven!” This means that man lives back to the time when he experienced his childhood moments, and then, having completed everything backwards, he can enter Devachan or the kingdom of heaven and spend his further time in the spiritual world. This is difficult to imagine because we are so accustomed to thinking of time as something absolute, as it is on the physical plane, that it takes some effort to become accustomed to these ideas. But this will happen.
[ 7 ] Nun müssen wir uns vor die Seele führen, was der Mensch eigentlich im Kamaloka tut. Wir könnten da natürlich vieles und Mannigfaltiges ausführen. Heute soll uns aber nur interessieren, was sich gerade zuspitzt auf unsere Frage nach der karmischen Verursachung der Krankheiten. Es darf also durchaus nicht das, was jetzt gesagt wird, als alleinige Erlebnisart des Kamaloka betrachtet werden, sondern als eine unter vielen.
[ 7 ] Now we must bring before our minds what human beings actually do in Kamaloka. We could, of course, describe many and varied things here. Today, however, we are only interested in what is relevant to our question about the karmic causes of illness. What is now being said should therefore not be regarded as the only kind of experience in Kamaloka, but as one among many.
[ 8 ] Zunächst können wir uns veranschaulichen, wie diese Kamaloka-Zeit im Sinne der Zukunft von dem Menschen benützt wird, wenn wir uns vorstellen, der Mensch, der im vierzigsten Lebensjahr gestorben ist, hätte im zwanzigsten Lebensjahr irgend etwas vollbracht, was einem andern Menschen geschadet hat. Wenn jemand im Verlaufe eines Lebens so etwas vollbringt, was einem andern Menschen schadet, so hat das für den ganzen menschlichen Lebenslauf eine gewisse Bedeutung. Solch eine Sache, die der Mensch vollbringt zum Schaden seiner Mitmenschen oder auch anderer Mitwesen oder überhaupt zum Schaden der Welt, stellt für den Menschen ein Entwicklungshindernis dar, ein Hindernis, vorwärtszukommen in der Entwicklung. Das ist überhaupt der Sinn der menschlichen Erdenpilgerschaft, daß jederzeit die Grundkraft der menschlichen Seele, die von Wiederverkörperung zu Wiederverkörperung geht, auf Weiterkommen angelegt ist, nach Emporentwicklung strebt. Und die Entwicklung schreitet so vor, daß der Mensch immer und immer wieder sozusagen sich Hindernisse in den Weg legt. Würde die Grundkraft - es ist ja schon einmal die Grundkraft in der Seele, die diese Seele zur Wiedervergeistigung bringen soll - ganz allein tätig sein, so würde nur eine ganz kurze Erdenzeit für den Menschen nötig sein. Dann würde aber die ganze Erdenentwicklung ganz anders verlaufen sein; es würde aber auch der Sinn der irdischen Entwicklung nicht erreicht worden sein. Man darf nicht so denken, daß man sagt: es wäre besser für den Menschen, wenn er sich keine Hindernisse in den Weg legte. Dadurch allein, daß er sich Hindernisse und Hemmnisse in den Weg legt, wird er stark, macht er Erfahrungen. Dadurch, daß er die Hindernisse, die er sich selber in den Weg gelegt hat, auch wieder ausmerzt und überwindet, wird er erst das starke Wesen am Ende der Erdenentwicklung, das er werden muß. Es ist durchaus im Sinne der Erdenentwicklung gelegen, daß er sich selbst die Steine in den Weg legt. Und würde er sich keine Kraft erringen müssen, um die Hindernisse wieder fortzuschaffen, dann würde er aber auch die Kraft nicht haben, die er dazu nötig hätte. Das heißt, die Welt würde dieser Kraft, die er dadurch entwickelt, überhaupt verlustig gehen. Wir müssen ganz davon absehen, was an Gutem und Bösem mit solchen Hindernissen und Hemmnissen verbunden ist. Wir müssen allein darauf hinblicken, daß es die Weisheit der Welt von Anfang an in der menschlichen Erdenentwicklung darauf abgesehen hat, dem Menschen die Möglichkeit zu bieten, daß er sich Hindernisse in den Weg legen kann, damit er sie wieder wegräumen und dann die große starke Kraft für Späteres in der Welt haben kann. Man möchte sogar sagen: Die Weisheit der Weltenlenkung hat den Menschen böse werden lassen, hat ihm die Möglichkeit des Bösen, des Schadens gegeben, damit er im Gutmachen des Schadens, in der Überwindung des Bösen, im Verlauf der karmischen Entwicklung ein stärkeres Wesen wird, als er sonst geworden wäre, wenn er wie von selbst sein Ziel erreichen würde. So muß man die Bedeutung und Berechtigung der Hemmnisse und Hindernisse einsehen.
[ 8 ] First, we can illustrate how this Kamaloka period is used by humans in terms of the future if we imagine that a person who died at the age of forty had done something at the age of twenty that harmed another person. If someone accomplishes something in the course of their life that harms another person, this has a certain significance for the entire human life cycle. Such an act, which a person commits to the detriment of their fellow human beings or other beings, or even to the detriment of the world in general, represents an obstacle to human development, an obstacle to progress in development. This is the whole meaning of the human pilgrimage on earth, that at all times the fundamental force of the human soul, which passes from reincarnation to reincarnation, is directed toward progress, striving for upward development. And development proceeds in such a way that human beings repeatedly place obstacles in their own path, so to speak. If the fundamental force—which is, after all, the fundamental force in the soul that is supposed to bring this soul to re-spiritualization—were to act entirely on its own, then only a very short time on earth would be necessary for human beings. But then the whole development of the earth would have been completely different; and the purpose of earthly development would not have been achieved. One must not think that it would be better for human beings if they did not place obstacles in their own way. It is precisely by placing obstacles and hindrances in their way that they become strong and gain experience. It is only by removing and overcoming the obstacles they have placed in their own way that they become the strong beings they must become at the end of earthly development. It is entirely in the interest of earthly development that he places obstacles in his own path. And if he did not have to gain the strength to remove these obstacles, he would not have the strength he needs to do so. This means that the world would lose the strength he develops in this way. We must completely disregard what is good or evil in such obstacles and hindrances. We must look only to the fact that, from the beginning of human development on earth, the wisdom of the world has intended to offer human beings the opportunity to place obstacles in their path so that they can remove them and then have the great strength for later in the world. One might even say that the wisdom of the world's guidance has allowed humans to become evil, has given them the possibility of evil and harm, so that in making amends for the harm they have done, in overcoming evil, in the course of their karmic development, they become stronger beings than they would otherwise have become if they had reached their goal by themselves. This is how we must understand the meaning and justification of obstacles and impediments.
[ 9 ] Wenn also ein Mensch nach dem Tode sein Leben im Kamaloka zurücklebt und bei irgendeinem Schaden ankommt, den er im zwanzigsten Lebensjahr einem Mitmenschen zugefügt hat, dann erlebt er diesen Schaden ebenso, wie er die Freude, das Gute, wiedererlebt, das er seinen Mitwesen zugefügt hat. Nur erlebt er dann einen solchen Schmerz, den er einem anderen zugefügt hat, an seinem eigenen astralischen Leib. Also nehmen wir an, er hätte im zwanzigsten Lebensjahr jemanden geschlagen, er hätte jemandem wehegetan, so hat der andere es gespürt. Beim Zurückleben spürt es der, der den Schmerz verursacht hat, genau ebenso an seinem astralischen Leib, wie der andere, dem er den Schmerz zugefügt hat, ihn gespürt hatte, als er ihn bekommen hat. Also man macht in der geistigen Welt objektiv alles durch, was man in der Außenwelt selber verursacht hat. Dadurch nimmt man in sich die Kraft, die Tendenz auf, diesen Schmerz in einer der folgenden Inkarnationen wieder auszugleichen. Es ist das so, daß man an dem eigenen astralischen Leib merkt, wenn man da zurückerlebt: So tut es, was man da getan hat! Und man merkt, daß man sich damit einen Stein in den Weg gelegt hat zu der weiteren Entwicklung. Der Stein muß fort! Sonst kann man nicht über ihn hinwegkommen. In diesem Moment nimmt man die Absicht, die Tendenz auf, diesen Stein auch fortzuschaffen, so daß, wenn man die Kamaloka-Zeit durchlebt hat, man eigentlich mit lauter Absichten in der Kindheitszeit ankommt, nämlich mit der Absicht, alles das, was man an Hindernissen im Leben geschaffen hat, auch wieder fortzuschaffen. Man ist ganz erfüllt von lauter Absichten. Daß man diese Absichten als Kraft in sich hat, das bewirkt die ganz eigenartige Gestaltung der künftigen Lebensläufe.
[ 9 ] So when a person relives his life in Kamaloka after death and comes to some harm he inflicted on a fellow human being in his twentieth year, he experiences this harm just as he relives the joy and good he did to his fellow beings. Only then does he experience the pain he inflicted on another in his own astral body. So let us assume that he hit someone in his twentieth year, that he hurt someone, then the other person felt it. When reliving this, the person who caused the pain feels it in their astral body in exactly the same way as the other person felt it when they received it. So, in the spiritual world, you objectively experience everything that you yourself have caused in the outer world. In this way, one takes on the power, the tendency, to compensate for this pain in one of the following incarnations. It is so that when one relives it, one notices it in one's own astral body: What one did there hurts! And one realizes that one has placed a stone in the way of one's further development. The stone must be removed! Otherwise, one cannot get past it. At that moment, you take on the intention, the tendency, to remove this stone so that when you have lived through the Kamaloka period, you actually arrive in childhood with nothing but good intentions, namely, the intention to remove all the obstacles you have created in your life. You are completely filled with good intentions. The fact that one has these intentions as a force within oneself brings about the very peculiar shaping of future life courses.
[ 10 ] Nehmen wir an, der B hat in seinem zwanzigsten Jahre dem A einen Schaden zugefügt. Jetzt muß er selbst den Schmerz erleben, und er nimmt die Absicht mit sich, das in einem künftigen Lebenslauf an dem A wieder gutzumachen, und zwar in der physischen Welt, denn da ist der Schaden zugefügt worden. Daß er diese Kraft, das heißt den Willen zum Gutmachen, in sich hat, bildet ein Anziehungsband zwischen dem B und dem A, der den Schaden zugefügt erhalten hat, und dieses Anziehungsband führt sie im kommenden Leben wieder zusammen. Jene geheimnisvolle Anziehungskraft, die Mensch zu Mensch führt im Leben, die rührt von dem her, was so in Kamaloka aufgenommen und an Kräften gebildet worden ist. Wir werden zu den Menschen im Leben geführt, an denen wir irgend etwas gutzumachen haben oder mit denen wir überhaupt irgend etwas zu tun haben gerade durch das, was wir in Kamaloka durchgemacht haben. Nun können Sie sich vorstellen, daß das, was wir als Ausgleichung für ein Leben an Kamaloka-Kräften in uns aufgenommen haben, durchaus nicht immer in einem einzigen Leben wieder gutgemacht werden kann. Da kann es dann so sein, daß wir in einem Leben zu einer großen Anzahl von Menschen Beziehungen angeknüpft haben und daß uns die nächstfolgende Kamaloka-Zeit die Möglichkeit gegeben hat, mit diesen Menschen wieder zusammenzukommen. Nun hängt das ja auch wieder von den andern Menschen ab, ob wir schon in dem nächsten Leben mit dem andern wieder zusammenkommen. Das verteilt sich dann auf viele Leben. In dem einen Leben haben wir dieses gutzumachen, in dem andern Leben etwas anderes und so weiter. Es darf durchaus nicht so vorgestellt werden, als ob wir im nächsten Leben gleich alles wieder gutmachen könnten. Das hängt durchaus auch davon ab, daß der andere das entsprechende Anziehungsband in seiner Seele entwickelt.
[ 10 ] Let us assume that B caused harm to A in his twentieth year. Now he himself must experience the pain, and he takes with him the intention to make amends to A in a future life, and indeed in the physical world, because that is where the harm was done. The fact that he has this power, that is, the will to make amends, forms a bond of attraction between B and A, who suffered the harm, and this bond of attraction brings them together again in their next life. That mysterious force of attraction that draws people together in life comes from what has been absorbed in Kamaloka and formed into forces. We are led in life to people with whom we have something to make up for or with whom we have something to do, precisely because of what we have gone through in Kamaloka. Now you can imagine that what we have absorbed in Kamaloka as compensation for a life cannot always be made up for in a single life. It may be that we have established relationships with a large number of people in one life and that the next Kamaloka period has given us the opportunity to meet these people again. Now, it depends on the other people whether we meet them again in the next life. This is then spread over many lives. In one life we have to make amends for this, in another life for something else, and so on. It should not be imagined that we can make up for everything in the next life. It also depends on whether the other person develops the corresponding bond of attraction in their soul.
[ 11 ] Nun wollen wir einmal genauer das Wirken des Karma betrachten und namentlich an einem Falle uns vorlegen. Wir nehmen im Kamaloka die Absicht auf, dieses oder jenes im nächsten oder in einem der nächsten Leben auszuführen. Was sich da in unsere Seele verpflanzt als eine Kraft, das bleibt in der Seele, das geht nicht wieder von der Seele fort. Wir werden wiedergeboren mit all den Kräften, die wir in uns aufgenommen haben. Das ist ganz unumgänglich. Nun gibt es nicht bloß solche Dinge im Leben zu tun im karmischen Zusammenhange, die sich darauf beziehen, daß wir an einem andern etwas gutmachen, obwohl das, was zu sagen ist, sich auch darauf beziehen kann. Wir haben manches an Hemmnissen uns in den Weg gelegt, wir haben einseitig gelebt, unser Leben nicht ordentlich genützt, haben bloß diesem oder jenem Genusse, dieser ‚oder jener Arbeit gelebt und haben andere Möglichkeiten, die sich uns im Leben geboten haben, vorübergehen lassen und haben dadurch andere Fähigkeiten nicht ausgebildet. Das ist auch etwas, was karmische Ursachen im Kamaloka-Leben in uns wachruft. So leben wir uns in das nächste Leben hinein. Nun werden wir wiedergeboren, mit null Jahren. Nehmen wir an, wir leben bis in unser zehntes, bis in unser zwanzigstes Jahr. In unserer Seele liegt alles das, was wir an Kamaloka-Kräften in uns aufgenommen haben, und wenn es ausgereift ist für das Leben, kommt es dann heraus. Für eine bestimmte Zeit unseres Lebens tritt zweifellos immer irgendwie eine innere Nötigung auf, das auch auszuführen. Also nehmen wir an, in unserm zwanzigsten Jahre tritt ein innerer Drang, ein innerer Trieb auf, irgendeine Tat auszuführen, weil wir diese Kraft im Kamaloka aufgenommen haben. Also bleiben wir dabei, weil es der einfachste Fall ist: Es tritt da der innere Trieb auf, an einem Menschen etwas gutzumachen. Der Mensch ist da, das Anziehungsband hat uns mit ihm zusammengeführt. Wir könnten es aus äußeren Gründen ganz gut machen. Aber es kann ein Hindernis dennoch geben: Der Ausgleich könnte eine Tat von uns fordern, der wir durch unsere Organisation nicht gewachsen sind. Wir sind in unserer Organisation auch abhängig von den Vererbungskräften. Das gibt immer eine Disharmonie in jedem Leben. Wenn der Mensch geboren wird, steht er auf der einen Seite in den Vererbungskräften drinnen. Er erbt für den physischen Leib und für den Ätherleib die Eigenschaften, die er in der Ahnenreihe herauf erben kann. Diese Vererbung ist natürlich durchaus nicht ganz ohne äußere Beziehung zu dem, was unsere Seele sich karmisch vorgeschrieben hat. Denn unsere Seele, die herunterkommt aus der geistigen Welt, wird hingezogen zu demjenigen Elternpaar, zu der Familie, wo Eigenschaften vererbt werden können, die am verwandtesten sind zu den Bedürfnissen der Seele. Aber sie sind ja nie ganz gleich mit den Bedürfnissen dieser Seele. Das kann in unserem Leib nicht sein. Da gibt es immer ein gewisses Nichtzusammenstimmen zwischen dem, was an Vererbungskräften da ist, und dem, was die Seele in sich selbst auf Grund ihrer vergangenen Leben hat. Und es handelt sich lediglich darum, daß die Seele stark genug ist, um alle die in der Vererbungslinie gegebenen Widerstände zu überwinden, daß es ihr möglich ist, ihre Organisation im Laufe des ganzen Lebens so auszugestalten, daß sie das überwindet, was in ihr nicht passend ist. Darin sind die Menschen sehr verschieden. Es gibt Seelen, die durch ihre vorherigen Lebensläufe sehr stark geworden sind. Es muß eine solche Seele eben in den allerpassendsten Leib hineingeboren werden, nicht in den absolut passenden Leib. Sie kann nun so stark sein, daß sie alles, was zu ihr nicht paßt, annähernd überwindet, aber es braucht das nicht immer der Fall zu sein. Wir wollen im einzelnen das verfolgen und dazu unser Gehirn betrachten.
[ 11 ] Now let us take a closer look at the workings of karma and examine it in a specific case. In Kamaloka, we form the intention to do this or that in the next life or in one of the next lives. What is implanted in our soul as a force remains in the soul; it does not leave the soul again. We are reborn with all the forces we have absorbed. This is completely inevitable. Now, there are not only things to do in life in a karmic context that relate to making amends to someone else, although what is to be said can also relate to this. We have placed many obstacles in our path, we have lived one-sidedly, we have not used our lives properly, we have lived only for this or that pleasure, this or that work, and we have let other opportunities that presented themselves in life pass us by, thereby failing to develop other abilities. This is also something that awakens karmic causes in us in the Kamaloka life. This is how we live our way into the next life. Now we are reborn, with zero years. Let us assume that we live to the age of ten or twenty. Everything we have absorbed in our soul in terms of Kamaloka forces lies there, and when it is ripe for life, it comes out. For a certain period of our life, an inner compulsion undoubtedly arises in some form or another to carry this out. So let us assume that in our twentieth year, an inner urge, an inner drive arises in us to carry out some action because we have absorbed this force in Kamaloka. So we stick with it because it is the simplest case: the inner urge arises to make amends to someone. The person is there, the bond of attraction has brought us together. We could do it quite well for external reasons. But there may still be an obstacle: the compensation could require an action on our part that we are not capable of through our organization. In our organization, we are also dependent on hereditary forces. This always creates disharmony in every life. When a person is born, they are on the one hand within the hereditary forces. They inherit the characteristics that they can inherit from their ancestors for their physical body and for their etheric body. This inheritance is, of course, not entirely without external connection to what our soul has prescribed for itself karmically. For our soul, which descends from the spiritual world, is drawn to the parents, to the family, where characteristics can be inherited that are most closely related to the needs of the soul. But they are never entirely identical with the needs of this soul. That cannot be in our body. There is always a certain discrepancy between the hereditary forces that are present and what the soul has within itself on the basis of its past lives. And it is simply a matter of the soul being strong enough to overcome all the resistance present in the hereditary line, so that it is able to shape its organization throughout its entire life in such a way that it overcomes what is not suitable for it. In this respect, people are very different. There are souls that have become very strong through their previous lives. Such a soul must be born into the most suitable body, not the absolutely perfect body. It may be strong enough to overcome almost everything that is not suitable for it, but this is not always the case. Let us examine this in detail and consider our brain.
[ 12 ] Wenn wir dieses Instrument unseres Vorstellungs- und Gedankenlebens betrachten, so erben wir es als äußeres Instrument aus unserer Vorfahrenreihe. Es ist so und so in seinen feineren Wölbungen und Windungen herausgestaltet aus der Vorfahrenreihe. Bis zu einem gewissen Grade wird die Seele immer durch eine innere Kraft das überwinden können, was nicht zu ihr paßt, und ihr Werkzeug ihren Kräften sich anpassen können; aber nur bis zu einem gewissen Grade. Die stärkere Seele kann das mehr, die schwächere Seele kann es weniger. Und haben wir gar durch Verhältnisse, die eintreten können, die Unmöglichkeit, durch unsere Seelenkräfte die widerstrebenden Fügungen und Organisationen des Gehirns zu überwinden, dann können wir das Instrument nicht ordentlich handhaben. Dann tritt das ein, was wir nennen können: die Unmöglichkeit, dieses Instrument zu handhaben, in gewisser Beziehung ein geistiger Defekt, eine geistige Erkrankung, wie man es so nennt. Es tritt auch das ein, was man ein melancholisches Temperament nennt, dadurch daß gewisse Organisationen in uns nicht überwunden werden können durch die Kräfte der Seele, die dazu nicht stark genug sind. Also jetzt, in der Mitte der Inkarnation - am Anfang und am Ende der Inkarnation ist das anders -, haben wir in uns immer ein gewisses Unangemessensein des Instrumentes gegenüber den Kräften der Seele. Das ist ja immer der geheimnisvolle Grund zu der inneren Zwiespältigkeit und Disharmonie der Menschennatur. Alles, was der Mensch oftmals denkt über den Grund seiner Unbefriedigtheit, ist ja gewöhnlich nur Maske. In Wahrheit liegen die Gründe da, wo eben jetzt hingedeutet worden ist. So also sehen wir, wie das Verhältnis der Seele, dessen, was von Verkörperung zu Verkörperung lebt, zu dem steht, was wir in der Vererbungslinie empfangen.
[ 12 ] When we consider this instrument of our imagination and thought life, we inherit it as an external instrument from our ancestral line. It is shaped in its finer curves and convolutions from the ancestral line. To a certain extent, the soul will always be able to overcome what does not suit it through an inner force, and its tools will be able to adapt to its powers; but only to a certain extent. The stronger soul can do this more, the weaker soul less. And if circumstances arise that make it impossible for us to overcome the conflicting dispositions and organizations of the brain through our soul forces, then we cannot handle the instrument properly. Then what we might call the impossibility of handling this instrument occurs, in a certain sense a mental defect, a mental illness, as it is called. What is called a melancholic temperament also occurs, because certain organizations within us cannot be overcome by the forces of the soul, which are not strong enough for this. So now, in the middle of incarnation—at the beginning and end of incarnation it is different—we always have within us a certain inadequacy of the instrument in relation to the forces of the soul. This is always the mysterious reason for the inner conflict and disharmony of human nature. Everything that people often think about the reason for their dissatisfaction is usually only a mask. In truth, the reasons lie where we have just pointed out. So we see how the soul, which lives from incarnation to incarnation, relates to what we receive in the line of heredity.
[ 13 ] Nun stellen wir uns einmal vor, wir seien wiedergeboren, und unsere Seele drängt im zwanzigsten Jahre dazu, diese oder jene Tat gutzumachen. Der betreffende Mensch ist auch da, aber unsere Seele ist außerstande, jene inneren Widerstände zu überwinden, welche die Tat ausführen lassen könnten. Wir müssen ja immer unsere Kräfte in Bewegung setzen, wenn wir irgendeine Tat ausführen sollen. Das merkt zumeist der Mensch nicht, daß da in seinem Wesen etwas vorgeht, davon braucht er zunächst auch nichts zu merken. Es kann sich durchaus folgendes zutragen. Ein Mensch lebt in der Welt. In seiner Seele, zwanzig Jahre nach seiner Geburt, lebt der Trieb und Drang, irgend etwas auszugleichen. Die Möglichkeit des Ausgleichens wäre auch da, die äußeren Umstände wären da. Aber er ist innerlich nicht fähig, seine Organe so zu gebrauchen, daß er das ausführen könnte, was er ausführen sollte.
[ 13 ] Now let us imagine that we are reborn, and in our twentieth year our soul urges us to make amends for this or that deed. The person in question is also there, but our soul is unable to overcome the inner resistance that could allow the deed to be carried out. We must always set our powers in motion if we are to carry out any deed. Most people do not notice that something is going on in their being; they do not need to notice it at first. The following may well happen. A person lives in the world. Twenty years after his birth, the urge and desire to compensate for something lives in his soul. The possibility of compensation would also be there, the external circumstances would be there. But he is not inwardly capable of using his organs in such a way that he could carry out what he should carry out.
[ 14 ] Das alles, was jetzt gesagt worden ist, braucht der Mensch nicht zu wissen, aber die Wirkung wird er gewahr. Die Wirkung tritt nun auf als diese oder jene Erkrankung, und hier liegt der karmische Zusammenhang zwischen dem, was im früheren Leben geschehen ist, mit der Erkrankung. Der ganze Krankheitsprozeß wird nun bei dieser geistigen Verursachung so ablaufen, daß er dahin führt, für ein nächstes Mal, wenn die Umstände wieder da sind, diesen Menschen tüchtig zu machen, um das auszugleichen. Also wir sind im zwanzigsten Jahre untüchtig, unfähig, dieses oder jenes auszuführen. Der Trieb aber, der Drang ist da, die Seele will es tun. Was tut nun die Seele anstelle dessen? Sie kämpft sozusagen gegen ihr unbrauchbares Organ, sie läuft Sturm gegen ihr unbrauchbares Organ und die Folge ist, daß sie es sozusagen zertrümmert, daß sie es zerstört. Das Organ, das eigentlich verwendet werden müßte, um die Tat nach außen zu tun, das wird unter dem Einfluß dieser Kräfte zerstört, und die Folge davon ist, daß der Reaktionsprozeß eintreten muß, den wir jetzt den Heilungsprozeß nennen, daß die Kräfte des Organismus aufgerufen werden müssen, um das Organ wieder aufzubauen. Dieses Organ, das zertrümmert ist, weil es nicht so war, wie es hätte sein sollen, damit der Mensch seine entsprechende Arbeit tun könnte, wird jetzt durch die Krankheit gerade so gebaut, wie es die Seele braucht zur Ausführung dieser Tat, für die es jetzt unter Umständen nach der Krankheit schon zu spät sein kann. Dafür hat jetzt aber die Seele eine ganz andere Kraft in sich aufgenommen, nämlich bei der entsprechenden Wiederverkörperung im Wachstum und in der ganzen Entwicklung dieses Organ so zu gestalten, daß bei der nächsten Wiederverkörperung diese Tat ausgeführt werden kann. So also kann die Krankheit das sein, was uns gerade in einem Leben tüchtig macht, um in einem anderen Leben das auszuführen, was uns karmisch obliegt.
[ 14 ] The person does not need to know anything of what has now been said, but he will become aware of the effect. The effect now appears as this or that illness, and here lies the karmic connection between what happened in a previous life and the illness. The entire disease process will now proceed with this spiritual cause in such a way that it will lead to this person becoming capable of balancing things out the next time the circumstances arise. So, in our twenties, we are incapable of doing this or that. But the urge, the impulse is there; the soul wants to do it. What does the soul do instead? It fights, so to speak, against its useless organ; it storms against its useless organ, and the result is that it smashes it, so to speak, that it destroys it. The organ that should actually be used to carry out the act externally is destroyed under the influence of these forces, and the result is that the reaction process must occur, which we now call the healing process, in which the forces of the organism must be called upon to rebuild the organ. This organ, which has been destroyed because it was not as it should have been in order for the human being to do his or her work, is now being built by the illness in exactly the way the soul needs it to carry out this act, for which it may now, after the illness, already be too late. But now the soul has taken on a completely different power, namely, during the corresponding reincarnation, to shape this organ during growth and throughout its entire development in such a way that this task can be carried out during the next reincarnation. Thus, illness can be what makes us capable in one life of carrying out what is our karmic duty in another life.
[ 15 ] Hier haben wir einen geheimnisvollen Zusammenhang zwischen der Krankheit, die im Grunde ein Prozeß ist zur Aufwärtsentwicklung, einen karmischen Zusammenhang zwischen der Krankheit und dieser Aufwärtsentwicklung. Damit die Seele die Kraft entwickelt, daß ein Organ so gestaltet werden kann, wie es gebraucht wird, muß dieses Organ, das ungeeignet ist, zertrümmert und wieder aufgebaut werden durch die Seelenkräfte. Da kommen wir an ein Gesetz, das schon besteht im menschlichen Lebenslauf und das etwa so bezeichnet werden muß: Der Mensch muß sich seine Kraft dadurch erwerben, daß er Widerstände in der physischen Welt Stück für Stück überwindet. Dadurch haben wir uns im Grunde alle unsere Kräfte erworben, daß wir in früheren Lebensläufen dieses oder jenes an Widerständen überwunden haben. Unsere heutigen Tüchtigkeiten sind das Resultat unserer Krankheiten in früheren Lebensläufen. Nehmen wir an, um besonders deutlich zu sein, eine Seele ist noch nicht tüchtig genug, das Mittelgehirn zu gebrauchen. Auf welchem Wege kann sie sich die Fähigkeit erwerben, das Mittelgehirn ordentlich zu gebrauchen? Nur dadurch kann sie es, daß sie die Unfähigkeit, dieses Mittelgehirn zu gebrauchen, vorher merkt, dadurch das Mittelgehirn zertrümmert und es wieder aufbaut; und an dem Wiederaufbau lernt sie gerade die Kraft erwerben, die sie nach dieser Richtung hin braucht. Alles das, was wir selbst einmal durch Zerstörung und Wiederaufbau durchgeführt haben, können wir. Das haben alle diejenigen gefühlt, die in diesem oder jenem Religionsbekenntnis der Erde dem Zerstören und der Wiederherstellung eine ganz bedeutsame Wesenheit zuerkannt haben. «Shiva» sind in dem indischen Religionsbekenntnis die waltenden Mächte, die zerstören und wiederherstellen. Da haben wir schon eine der Arten, wie karmisch sozusagen Krankheitsprozesse herbeigeführt werden. Für diejenigen Prozesse, bei denen weniger die Individualität des Menschen als das, wie der Mensch im allgemeinen ist, in Betracht kommt, liegt schon ohnedies so etwas vor, wodurch die Krankheiten allgemeiner auftreten. Wir sehen zum Beispiel Kinderkrankheiten zu gewissen Zeiten ganz typisch auftreten. Sie sind nichts anderes als der Ausdruck dafür, daß das Kind, während es seine Kinderkrankheiten durchmacht, einen gewissen Teil seiner Organe von innen heraus beherrschen lernt und dann für alle folgenden Inkarnationen beherrschen kann. Als einen Prozeß, der den Menschen tüchtig macht, sollten wir die Krankheiten ansehen. Da kommen wir zu einer ganz anderen Art, über die Krankheiten zu denken. Natürlich darf man nicht daraus schließen, daß, wenn jemand von einem Eisenbahnzug überfahren wird, das ebenso erklärt werden muß. Alles das ist immer außerhalb der Krankheit zu suchen, außerhalb dessen, was eben charakterisiert worden ist. Aber es gibt noch einen andern Fall von karmischer Verursachung der Krankheit. der nicht minder interessant ist und der von uns auch nur verstanden werden kann, wenn wir die Verhältnisse im Leben etwas genauer charakterisieren.
[ 15 ] Here we have a mysterious connection between illness, which is basically a process of upward development, and a karmic connection between illness and this upward development. In order for the soul to develop the power to shape an organ as it is needed, this organ, which is unsuitable, must be broken down and rebuilt by the soul forces. This brings us to a law that already exists in the human life cycle and must be described as follows: Human beings must acquire their power by overcoming obstacles in the physical world piece by piece. This is basically how we have acquired all our powers, by overcoming this or that resistance in previous lives. Our present abilities are the result of our illnesses in previous lives. To be particularly clear, let us assume that a soul is not yet capable of using the middle brain. How can it acquire the ability to use the middle brain properly? It can only do so by first realizing its inability to use the middle brain, then destroying it and rebuilding it; and in rebuilding it, it learns to acquire the strength it needs in this direction. Everything that we ourselves have once accomplished through destruction and reconstruction, we can do. This has been felt by all those who, in this or that religious creed on earth, have attributed a very significant essence to destruction and restoration. In the Indian creed, “Shiva” are the ruling powers that destroy and restore. Here we already have one of the ways in which karmic processes bring about illness, so to speak. For those processes in which it is not so much the individuality of the human being that is taken into account as the nature of human beings in general, there is already something that causes illnesses to occur more generally. For example, we see childhood illnesses occur quite typically at certain times. They are nothing more than an expression of the fact that, while going through its childhood illnesses, the child learns to control a certain part of its organs from within and can then control them in all subsequent incarnations. We should regard illnesses as a process that makes human beings capable. This brings us to a completely different way of thinking about illnesses. Of course, one cannot conclude from this that if someone is run over by a train, this must be explained in the same way. All of this must always be sought outside of illness, outside of what has just been characterized. But there is another case of karmic causation of illness that is no less interesting and that we can only understand if we characterize the circumstances in life a little more precisely.
[ 16 ] Nehmen Sie an, Sie lernen im Leben dieses oder jenes, was man so im Leben lernt. Man muß es zuerst lernen, denn die wichtigsten Erwerbungen im Leben werden durchaus zuerst erlernt. Der Prozeß des Erlernens ist der absolut notwendige Prozeß. Aber damit ist es niemals abgetan, denn das Lernen ist auch der äußerlichste Prozeß. Wenn wir etwas in uns aufgenommen haben, so handelt es sich darum, daß wir noch lange nicht, wenn wir das Betreffende gelernt haben, auch schon alles das erlebt haben, was das Erlernte an uns tun soll. Wir werden ins Leben hineingeboren mit ganz bestimmten Fähigkeiten, die wir uns teilweise durch unsere Vererbung, teilweise durch unsere früheren Lebensläufe erworben haben. Der Umkreis unserer Fähigkeiten ist ja ein begrenzter. In jedem Leben vermehren wir unsere Erfahrungen und Erlebnisse. Was wir da erfahren, ist nicht so mit uns verbunden wie das, was wir in das Leben mit hineingebracht haben als Temperament, Naturanlage und so weiter. Was wir gelernt haben während des Lebens zunächst als Gedächtnis und Gewohnheit, das ist loser mit uns verbunden. Es tritt daher auch im Leben in vereinzelten Teilen hervor. Erst nach dem Leben tritt es hervor an dem Ätherleib, in dem großen Erinnerungstableau. Das müssen wir jetzt uns einverleiben, das muß zu uns hinzukommen.
[ 16 ] Suppose you learn this or that in life, what one learns in life. You have to learn it first, because the most important acquisitions in life are definitely learned first. The process of learning is absolutely necessary. But that is not the end of it, because learning is also the most external process. When we have absorbed something, it does not mean that, even if we have learned what is involved, we have already experienced everything that what we have learned is supposed to do for us. We are born into life with very specific abilities, some of which we have acquired through heredity, some through our previous lives. The scope of our abilities is limited. In every life, we increase our experiences and adventures. What we experience is not as closely connected to us as what we bring into life with us in the form of temperament, natural disposition, and so on. What we have learned during our life, initially as memory and habit, is more loosely connected to us. It therefore emerges in isolated parts during our life. Only after life does it emerge in the etheric body, in the great tableau of memory. We must now incorporate this into ourselves; it must become part of us.
[ 17 ] Also nehmen wir an, wir haben in unserm Leben etwas gelernt und werden wiedergeboren. Indem wir wiedergeboren werden, kann es durchaus sein, daß wir vermöge der Vererbung oder der sonstigen Verhältnisse, auch vielleicht deshalb, weil unser Lernen nicht harmonisch verlaufen ist und wir eines gelernt haben, aber das, was wir brauchten, um auf die Höhe des Erlernten zu kommen, nicht gelernt haben, bei der Wiedergeburt nach einer Richtung hin das entwickeln, was wir gelernt haben, aber nach einer andern Richtung hin nicht. Nehmen wir an, wir haben im Leben etwas gelernt, das notwendig machte, daß in einem folgenden Leben eine ganz bestimmte Partie unseres Gehirns so oder so organisiert ist oder daß in dem Blutkreislauf dieses oder jenes so oder so verläuft, und nehmen wir nun an, wir hätten die andern Dinge, die noch dazu notwendig sind, nicht mitgelernt. Das ist aber durchaus nicht gleich ein Mangel. Der Mensch muß sprunghaft in seinem Leben vorgehen und muß erfahren und erkennen, daß er etwas in einseitiger Weise getrieben hat. Nun wird er wiedergeboren mit den Früchten dessen, was er gelernt hat, aber ihm fehlt die Möglichkeit, alles an sich so auszugestalten, daß sich alles auch ausleben kann, so daß er das Erlernte im Leben auch ausführen kann. Es kann zum Beispiel so sein, daß ein Mensch sogar bis zu einem gewissen Grade eingeweiht war in die großen Geheimnisse des Daseins während einer Verkörperung. Jetzt wird er so wiedergeboren, daß diese Kräfte da heraus wollen, die da in ihn hineinverpflanzt worden sind. Aber nehmen wir an, er hat gewisse Kräfte unmöglich entwickeln können, die dann die entsprechende Harmonie der Organe hervorrufen können. Da tritt an einem bestimmten Lebenspunkt durchaus das auf, daß das heraus will, was er früher gelernt hat. Aber es fehlt ein Organ, das dazu notwendig ist, um das auch auszuführen. Was ist die Folge davon? Es muß eine Krankheit auftreten, eine Krankheit, deren karmische Ursache sehr, sehr tief liegen kann. Und es muß wiederum sozusagen ein Teil des Organismus zertrümmert werden und neu aufgebaut werden. Dann spürt die Seele an diesem Aufbauen, welches die richtigen Kräfte sind nach einer andern Richtung hin, und nimmt dieses Gefühl, welches die richtigen Kräfte sind, mit. Wenn das von einem solchen Lernen oder gar von einer Einweihung herrührt, ist es dann allerdings gewöhnlich so, daß dann die Früchte sich in dem betreffenden Leben selber zeigen. Da tritt also eine Krankheit auf, so daß die Seele spürt, daß ihr dies oder jenes fehlt. Und dann kann zum Beispiel unmittelbar nach der Krankheit das auftreten, was man sonst nicht hätte bekommen können. Es kann so sein, daß man in dem vorhergehenden Leben bis zu einer gewissen Erleuchtung hätte steigen können, nun ist aber ein Knopf in dem Gehirn nicht aufgegangen, und man hat die Kraft nicht entwickelt, die diesen Knopf hätte aufgehen lassen können. Da kommt nun unweigerlich das, daß dieser Knopf zertrümmert werden muß. Das kann dann eine schwere Krankheit bewirken. Dann wird das betreffende Glied wieder aufgebaut und die Seele spürt dabei die Kräfte, die notwendig sind, um den betreffenden Knopf aufgehen zu lassen; und man hat hinterher die Erleuchtung, die man haben soll. Krankheitsprozesse kann man durchaus als ganz bedeutungsvolle Vorboten ansehen.
[ 17 ] So let us assume that we have learned something in our life and are reborn. When we are reborn, it may well be that, due to heredity or other circumstances, or perhaps because our learning did not proceed harmoniously and we learned one thing but not what we needed to reach the level of what we learned, we develop what we learned in one direction after rebirth, but not in another. Let us assume that we have learned something in life that made it necessary for a certain part of our brain to be organized in a certain way in a subsequent life, or for this or that to function in a certain way in the blood circulation, and let us now assume that we did not learn the other things that are also necessary. However, this is by no means a deficiency. Human beings must proceed in leaps and bounds in their lives and must experience and recognize that they have pursued something in a one-sided manner. Now they are reborn with the fruits of what they have learned, but they lack the opportunity to shape everything in such a way that everything can be lived out, so that they can also carry out what they have learned in life. It may be, for example, that a person was even initiated to a certain degree into the great mysteries of existence during one incarnation. Now he is reborn in such a way that these forces, which have been implanted in him, want to come out. But let us assume that he has been unable to develop certain forces that can bring about the corresponding harmony of the organs. At a certain point in life, what he learned earlier wants to come out. But he lacks an organ that is necessary to carry this out. What is the consequence of this? An illness must occur, an illness whose karmic cause may lie very, very deep. And, so to speak, a part of the organism must be destroyed and rebuilt. Then, during this rebuilding process, the soul senses which forces are the right ones to move in a different direction, and takes this feeling of which forces are the right ones with it. If this stems from such learning or even from an initiation, it is usually the case that the fruits are then evident in the life in question. An illness arises, so that the soul senses that it is lacking this or that. And then, for example, immediately after the illness, something may occur that would not otherwise have been possible. It may be that in a previous life one could have risen to a certain level of enlightenment, but now a button in the brain has not been pressed, and one has not developed the power that could have pressed it. Now it is inevitable that this button must be broken. This can then cause a serious illness. Then the affected limb is rebuilt and the soul feels the forces necessary to flip the switch, and afterwards one has the enlightenment that one is supposed to have. Illness processes can certainly be seen as very meaningful precursors.
[ 18 ] Da kommen wir allerdings auf Dinge, wozu unsere profane Welt heute die Nase rümpfen wird. Aber schon mancher hat etwas erfahren können wie eine fortwährende Unbefriedigtheit, wie wenn etwas da in der Seele wäre, was nicht heraus kann, was das Leben geradezu innerlich unmöglich macht. Es kommt dann eine schwere Krankheit, und die Überwindung dieser schweren Krankheit bedeutet, daß etwas ganz Neues im Leben eintritt, was wie eine Erlösung wirkt, daß tatsächlich der Knopf aufgegangen ist und das Organ gebraucht werden kann. Das lag nur daran, daß das Organ nicht brauchbar war. Allerdings haben für den heutigen Lebenszyklus die Menschen noch viele solcher Knöpfe, und sie können nicht alle gleich aufgehen. Wir brauchen nicht immer gleich an Erleuchtung zu denken, es tritt das auch an vielen untergeordneten Lebensprozessen auf.
[ 18 ] However, this brings us to things that our profane world today will turn its nose up at. But many people have experienced something like a constant dissatisfaction, as if there were something in their soul that cannot come out, something that makes life virtually impossible. Then a serious illness comes, and overcoming this serious illness means that something completely new enters life, something that feels like redemption, that the knot has actually been untied and the organ can be used. This was only because the organ was not usable. However, in today's life cycle, people still have many such buttons, and they cannot all be released at once. We do not always have to think of enlightenment; it also occurs in many subordinate life processes.
[ 19 ] So sehen wir, daß wir hier vor der Notwendigkeit stehen, dieses ‚oder jenes zu entwickeln, und daß auch hier in der karmischen Verursachungslinie die Veranlassung zu Krankheiten liegt. Daher dürfen wir eigentlich niemals ganz zufrieden sein, wenn wir im bloßen trivialen Sinne sagen: Befällt mich eine Krankheit, so habe ich sie mir durch mein Karma zugezogen. - Denn wir sollen in diesem Falle nicht bloß an das Karma in der Vergangenheit denken, daß also die Krankheit ein Abschluß sei, sondern wir sollen sogar daran denken die Krankheit ist ja nur das zweite Glied -, daß wir in der Krankheit die sich ergebende Ursache haben für die Schaffenskraft und Tüchtigkeit für die Zukunft. Wir mißverstehen Krankheit und Karma durchaus, wenn wir immer nur auf die Vergangenheit schauen; dadurch wird Karma etwas, was, man möchte sagen, nur ein ganz zufälliges Schicksalsgesetz darstellt. Karma wird aber zu einem Gesetz des Handelns, der Fruchtbarkeit des Lebens, wenn wir in der Lage sind, durch das Karma von der Gegenwart in die Zukunft zu schauen.
[ 19 ] So we see that we are faced with the necessity of developing this or that, and that here too, in the karmic line of causation, lies the cause of illness. Therefore, we should never be completely satisfied when we say in a purely trivial sense: If I am struck by an illness, I have brought it upon myself through my karma. For in this case we should not think only of karma in the past, that the illness is therefore a conclusion, but we should even remember that the illness is only the second link — that in the illness we have the cause for the creative power and efficiency for the future. We completely misunderstand illness and karma if we always look only to the past; this makes karma something that, one might say, is merely a completely random law of fate. But karma becomes a law of action, of the fruitfulness of life, when we are able to look from the present into the future through karma.
[ 20 ] Das alles weist uns hin auf ein großes Gesetz, das in unserem Menschendasein waltet. Und um dieses große Gesetz heute wenigstens ein wenig zu ahnen - wir werden noch später darauf zurückkommen und es genauer charakterisieren -, werfen wir einen Blick zurück in die Zeit, in der der Mensch in seiner heutigen Menschenform entstanden ist, in die lemurische Zeit. Da lebte er sich herunter von dem göttlich-geistigen Dasein in das heutige äußere Dasein, umgab sich mit den Hüllen zunächst, trat so den Weg der äußeren Inkarnationen an und ging von Inkarnation zu Inkarnation vorwärts bis heute. Bevor der Mensch in die Inkarnationen eingetreten ist, war in demselben Sinne wie heute nicht die Möglichkeit gegeben, Krankheiten in sich hinein zu verpflanzen. Erst als der Mensch in sich selbst die Fähigkeit erlangte, sein Verhältnis zur Umwelt zu regeln, konnte er irren, konnte er dadurch falsche innere Organgestaltungen hervorrufen und die Möglichkeit der Erkrankung in sich verpflanzen. Vorher war es unmöglich für den Menschen, Krankheitsprozesse in sich hervorzurufen. Als noch alles unter dem Einfluß der göttlichen Mächte und Kräfte stand, als es noch nicht an ihm lag, sein Leben zu führen, da war die Möglichkeit der Erkrankung noch nicht gegeben. Dann kam diese Möglichkeit der Erkrankung. Wo wird man daher am besten lernen können, welches die Wege der Heilung sind? Man wird das am besten lernen können, wenn man zurückzublicken vermag in jene Zeiten, wo die göttlich-geistigen Kräfte in den Menschen hineingewirkt haben und ihn mit absoluter Gesundheit, ohne die Möglichkeit der Erkrankung, ausgestattet haben, also in die Zeit vor der ersten Verkörperung des Menschen. So hat man immer gefühlt, wo man über diese Dinge etwas gewußt hat. Und nun versuchen Sie, von diesem Ausgangspunkt aus einen tiefen Blick zu tun in eine solche Sache, wie sie in den Mythologien dargestellt wird. Ich will Sie jetzt gar nicht einmal hinweisen auf die Quelle der eigentlichen Heilkunde im ägyptischen Hermes-Dienst, ich will Sie jetzt nur hinweisen auf den griechischen und römischen Äskulap-Dienst.
[ 20 ] All this points us to a great law that governs our human existence. And in order to gain at least a little insight into this great law today—we will return to it later and characterize it more precisely—let us take a look back at the time when human beings in their present form came into being, the Lemurian epoch. There, they lived their way down from divine-spiritual existence into their present outer existence, surrounding themselves first with shells, thus embarking on the path of outer incarnations and progressing from incarnation to incarnation until today. Before human beings entered into incarnations, it was not possible in the same sense as today to transplant diseases into themselves. Only when man acquired the ability within himself to regulate his relationship with his environment could he err, thereby causing false inner organ formations and implanting the possibility of illness within himself. Before that, it was impossible for man to cause disease processes within himself. When everything was still under the influence of divine powers and forces, when it was not yet up to him to lead his life, the possibility of illness did not yet exist. Then this possibility of illness arose. Where, then, can we best learn what the paths to healing are? This can best be learned by looking back to those times when divine spiritual forces worked within human beings and endowed them with absolute health, without the possibility of illness, that is, to the time before the first incarnation of human beings. This is how people always felt when they knew something about these things. And now try to take a deep look at such things as they are presented in mythology from this starting point. I do not even want to point you to the source of actual medicine in the Egyptian Hermetic tradition; I only want to point you to the Greek and Roman Asclepiad tradition.
[ 21 ] Äskulap, der Sohn des Apollo, ist sozusagen der Vater der griechischen Ärzte. Und was wird uns von ihm im griechischen Mythos erzählt? Der Vater bringt ihn schon in der Jugend auf jenes Gebirge, wo er der Schüler werden kann des Kentauren Chiron. Und der Kentaur Chiron ist es, der Äskulap, den Vater der Arzneikunde, unterrichtet in dem, was in den Pflanzen an Heilkräften ist und sonst an Heilkräften auf der Erde sich findet. Chiron, der Kentaur, was ist er für ein Wesen? Er ist ein Wesen, das uns da charakterisiert wird als ein solches, wie sie da waren vor dem Herabstieg des Menschen vor der lemurischen Zeit: ein Wesen, halb Mensch, halb Tier. In diesem Mythos verbirgt sich das, daß dem Äskulap in dem entsprechenden Mysterium gezeigt werden jene Kräfte, die die großen Gesundheitskräfte waren, die Gesundheit hervorbringen konnten, bevor der Mensch in die erste Inkarnation hineingetreten ist.
[ 21 ] Asclepius, the son of Apollo, is, so to speak, the father of Greek physicians. And what does Greek mythology tell us about him? His father brings him to that mountain in his youth, where he can become the pupil of the centaur Chiron. And it is the centaur Chiron who teaches Asclepius, the father of medicine, about the healing powers of plants and other healing powers to be found on earth. Chiron, the centaur, what kind of being is he? He is a being who is characterized as one of those who existed before the descent of human beings before the Lemurian epoch: a being half human, half animal. Hidden in this myth is the fact that Aesculapius was shown in the corresponding mystery those powers which were the great powers of health that could bring about health before human beings entered into their first incarnation.
[ 22 ] Und so sehen wir, wie dieses große Gesetz, wie diese große geistige Tatsache, die uns so interessieren muß beim Ausgange der Menschenpilgerschaft auf der Erde, auch in dem griechischen Mythos ausgedrückt ist. Gerade die Mythen werden sich erst zeigen als das, was sie sind: als Bilder für die tiefsten Zusammenhänge des Lebens, wenn die Menschen erst über das Abc der Geisteswissenschaft hinübergekommen sind. Gerade die Mythen sind Bilder für die tiefsten Geheimnisse des Menschendaseins.
[ 22 ] And so we see how this great law, this great spiritual fact that must interest us so much at the end of humanity's pilgrimage on earth, is also expressed in Greek mythology. It is precisely the myths that will reveal themselves for what they are: images of the deepest connections in life, once human beings have mastered the ABCs of spiritual science. Myths are images of the deepest mysteries of human existence.
[ 23 ] Wenn das ganze Leben von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet wird, dann wird das ganze Leben auch unter diesen Gesichtspunkt gestellt werden und Geisteswissenschaft wird immer mehr etwas sein — das muß immer mehr und mehr hervorgehoben werden -, was sich einleben wird in alles Leben des Alltags. Die Menschen werden Geisteswissenschaft leben, und das wird dann erst die Verwirklichung dessen sein, was eigentlich mit der Geisteswissenschaft von Anfang an erstrebt worden ist. Es wird Geisteswissenschaft der große Impuls für den Aufwärtsstieg der Menschheit werden, für das wahre Heil und den wahren Menschheitsfortschritt.
[ 23 ] When the whole of life is viewed from this perspective, then the whole of life will also be placed under this perspective, and spiritual science will increasingly become something — this must be emphasized more and more — that will become part of everyday life. People will live spiritual science, and only then will what spiritual science has strived for from the beginning be realized. Spiritual science will become the great impulse for the upward ascent of humanity, for true salvation and true human progress.
